PDF 24.208kB - TOBIAS-lib - Universität Tübingen

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Philipp Erwein von Schönborn verstarb 1668 und hinterließ seinem 13-jährigen

unmündigen Sohn Lothar Franz von Schönborn (1655-1729) als persönliches

Privateigentum das alte Wasserschloss Gaibach 801 . Nach der Rückkehr von einer

mehrjährigen Kavalierstour durch Europa begann der Zweiundzwanzigjährige 1677

mit der Anlage des Gartens, der erst allmählich die Gestalt erhielt, die Nikolaus

Person und Salomon Kleiner in Stichen überliefert haben.

Der Garten erstreckte sich bis zur späteren Orangerie-Terrasse und umfasste ein

Parterre und eine Baumzone. Das gesamte Terrain wurde umzäunt und der junge

Fürst ließ Hainbuchen pflanzen. Zwischen 1685 und 1687 wurde der Ovalsee

angelegt. In dieser Zeit erhielt, wie es in den Vogtei-Rechnungen vermerkt ist (Qu.

111), „Maister Wilhelm Räuß Zimmermann zu Rimbach vor dem Sommer Hauß in

gne. Herrschafft Garten zu machen“ 12 Gulden. 802 Das Sommerhaus war der

Mittelpunkt eines Weges, der im Abstand von etwa neun Metern kreisförmig dieses

rechteckige Terrain durchzog. Es entstanden vier Kreissegmente, die von halbhohen

Hecken eingefasst waren und sich nur zum Sommerhaus als dem Zentrum der

Anlage öffneten. Lothar Franz schreibt an seinen Bruder Melchior Friedrich: „J‟ay

passé par gaibach ou J‟ay trouvé en verité mon iardin enchanté y ayant esté fait

beaucoup de meliorations cette année (…). 803 Zu diesen „meliorations“ gehörten die

Treppenanlage am Ovalsee und der Bau des Sommerhauses. Das Sommerhaus

entstand als achteckiger Pavillon aus Holz, es hatte eine Laterne und war mit

Schiefer und Blei gedeckt. Es wurde auch als „Borcellan Hauß“ bezeichnet, weil es

außen mit blau-weißen Fliesen verkleidet war. Im Innern war es reich ausgestattet

mit Gemälden, Reliefs, Emblemata, Bildnissen und Inschriften in verschiedenen

Sprachen. Auf einem Tisch lag ein Gartenbuch. In einer Art illusionistischer

Deckenmalerei öffnete sich der Raum und fand sein Zentrum in der Sonne, die im

Laternenspiegel gemalt war. „Als Ganzes stellt das Sommerhaus den reizvollen,

801

802

803

Das Schloss Gaibach bei Volkach in Unterfranken ist in seiner barocken Form erhalten und

beherbergt heute ein Gymnasium und eine Realschule. Der Ort Gaibach besitzt außerdem mit

der von Leonhard Dientzenhofer errichten Rundkapelle auf dem Sonnenhügel und mit der

von Balthasar Neumann errichteten Pfarrkirche „Zur heiligen Dreifaltigkeit“ zwei bedeutende

Sakralbauten. Im Zentralbild am Hochaltar der Pfarrkirche nehmen die wichtigsten Vertreter

des Hauses Schönborn unterhalb der Dreifaltigkeitsdarstellung zwei Drittel der Bildfläche

ein, eine auch für das Zeitalter des Barock gewaltige und seltene Machtdemonstration.

Wenzel, 1970, S. 22.

Wenzel, 1970, S. 23.

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