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»Feste Belgerad«, und wie eine Träne fällt demgemäß ein welkes Blatt. Denn

wie kein anderer vermag Terramare den Hingang habsburgischer Größe

nachzuempfinden. Außerdem gestaltet er ein Abenteuer in der Mariahilferstraße,

wo die Verlockung groß ist und immer einer lächelt: »Alles kann ich

geben«, jung ist der Leib und golden der Gewinn, dann lächelt er wieder:

»Seid'ne Ruh und süßer Wein«, bis endlich im Momente höchster Gefahr Terramare,

aufgewachsen bei den Schotten, ein Stoßgebet verrichtet:

Maria hilf, sonst sinkt ein Seelchen hin.

Wie der katholische Dichter in andern bewohnten Stadtteilen die Lösung herbeigeführt

hätte, ist schwer zu sagen. Aber dafür ist es mit dem Rudolf Jeremias

Kreutz ein rechtes Kriz. Er nennt es »Bergostern«, was man nicht leicht

lesen kann, und das erste Wort ist »Talab«, was man für einen persischen Eigennamen

hält. »Talab lärmt« nämlich. Aber wenn man sich zusammennimmt,

geht es schon:

Talab lärmt geschwätz'ger Menschenwille,

Ohnmacht zetert, Macht dröhnt stolz einher,

Oben ruht in gleichmuttiefer Stille

auch sehr schwer zu lesen, stark neugetönt, direkt lasker—schülerhaft. Also

wer?

ER,

da weiß man gleich, wer gemeint ist. Eine starke Zeile. Nur ein Wort, aber ein

voller Vers, das treffen so die Dichter. Wie setzt sich nun Kreutz, der nicht

mehr wie einst als schlichter Jeremias das Leben von der heitern Seite nimmt,

mit IHM auseinander?

Den ich liebe, von dem ich nicht lasse,

ER segnet ihn denn? Nicht nur, sondern auch:

Den meine Seele inbrünstig sucht,

Den ich immer dankbar umfasse,

Ob er mich segnet oder verflucht:

Gott Einsamkeit.

Wieder sehr stark, sehr gekonnt, wie sie in Berlin in solchem Fall sagen.

Wenn er gar aufersteht zur Zeit

In Grashalm, Blume, Blütenbaum,

In armem Lied und reichem Traum,

Dann wird mir österlich zumut

Und gut.

Eine der stärksten Zeilen, denen ich je begegnet bin. Kurz, und gut. So arm

das Lied, verglichen mit dem Traum, erscheinen mag, hier ist Schlichtheit, Innerlichkeit,

gleichmuttiefe Stille, die sich von dem, was so talab lärmt, abgekehrt

hat. Die Läuterung des Dichters, der einst dem Musketenhaften und

Ärarischen zugewendet war, ist vollendet. Wie anders Wertheimer! Der wandert

»selig so durch die Menge«, doch »immer allein« bleibend — Popolani

immer allani, mit leichter erotischer Färbung — , und späht den andern in

dämmernde Seelen hinein. Immer »heiter die Rede«, und doch. Denn er trägt

»so fremdes Licht auf den Wangen«, scheint also nicht nur Erotiker, sondern

auch Expressionist geworden zu sein, und »kommt von einem anderen Stern«.

Einziges Glück: Sich selbst zu genießen

bekennt er, und

König der heimlichen Inseln zu sein.

Welchem imperialistischen Gelüste wieder das bescheidene Bekenntnis einer

Dichterin folgt:

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