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werde ich »aufschwanken«, stammeln, die Arme emporwerfeln und abstürzen.

In der Eitelkeit des Worts durchschaut, von einem Autor des Zsolnay—Verlags

auf die Knie gezwungen, werde ich aber doch noch von Glück sagen können,

daß ich nicht ein Stück geschrieben habe, das nebst anderen Schmockereien

die folgenden Aktschlüsse bietet:

Der hohe Priester

(steht regungslos in den herrlichen Gewändern. Über sein Gesicht

rinnen die Tränen).

Eine große Musik

mahnt vom Tempel her

und

Simon Petrus

geht nach Hause! Die Stunde des Christus ist da!

Das Weinen der Juden

(dauert fort)

Ende

Nun aber im Ernst und mit Herrn Dr. D. J. Bach gesprochen, der immerhin

schon über fünfzig Jahre zählt. Ob der Rabbi Beschwörer wirklich so »ohnmächtig

gegen den einen Paulus« ist, der den Juden mit Librettoproblematik

imponiert, wollen wir dahingestellt sein lassen. Ich glaube schon, daß er imstande

sein wird, jenem die einzige echte Regung seines literarischen Charakters,

den Drang zu meiner Sphäre, abzutöten, die Lust zu dramatischen Anspielungen

zu benehmen, ja die Karriere zu versperren, die da, nach der Versicherung

des eingeweihten Herrn Dr. D. J. Bach, »leuchtet« als der Weg eines

Dichters zu Bekenntnis, Leid und Ruhm«. Leid dürfte übrigbleiben. Wen

nun der Bekenner mit der Fratze des »Rabbi Beschwörer« gemeint hat, ist

nach den Erlebnissen, die ihn eher aus einem Paulus zu einem Saulus gemacht

haben, ziemlich klar, und seine Aussage über mich so verläßlich wie

jene Darstellung im »Spiegelmenschen«, nach der ich am Grabe Peter Altenbergs

mit geschminkten Lippen gesprochen und die Trauernden gefragt hätte:

»Wie hab ich gewirkt?« Da berufe ich mich nur auf das Wort des Festus

aus der Apostelgeschichte: »Paule, du rasest; die große Kunst macht dich rasend«.

Bliebe nun noch ernsthaft zu prüfen, wen der Herr Dr. D. J. Bach gemeint

hat oder vielmehr, ob er sich der Beziehung, die sein Dichter herzustellen

wünscht, bewußt war. Das »Oh« über die Macht eines »Affen der Gerechtigkeit«

drückt ziemlich starke Beteiligung an den Schmerzen des Herrn Werfel

aus, aber vielleicht auch einen Seufzer aus eigener bedrängter Brust.

Allerdings, welches Bild sich die emeritierten Verehrer von mir machen, geht

mir weniger nah als ihnen die Tatkraft, mit der ich, ohne aufzuschwanken, auf

Einhaltung der hundertfältigen Vorschriften, zum Beispiel des § 23 P. G., bestehe,

ich weiß, die Juden haben es schwer mit mir, und es grenzt wirklich

schon an Fanatismus, daß ich nicht davor zurückscheue, nebst den Sprachgesetzen

auch noch die Strafgesetze befolgt zu wünschen, ja den letzten armseligen

Rest einer ramponierten Autorität gegen eine korrupte Freiheit mobil zu

machen. Es ist die alte Beschwerde, daß ich innerhalb der Literatur, die so

gern leben und leben lassen möchte, den starren Rechtsbegriff verkörpere,

aber sie gehört weiß Gott zu eben den vielen.Ungerechtigkeiten, auf die ich

es abgesehen habe. Denn man vergißt nur zu gern, daß ich an dem Gerichtstag,

den ich über mich selbst halte, mir doch die Schuld an dem Libertinertum

beimesse, das meinen Aufstand gegen eine mörderische Moraljustiz so

schmählich mißbraucht hat. Aber freilich, so wahr ich derjenige bin, der die

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