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Kollege oder eine Kollegin von mir sei, und da ich jeder literarischen Verbindung

entbehre, erhalte ich keine Gewißheit. Die Gesinnung Friedls scheint insofern

festzustehen, als sich sowohl die Leo—Gesellschaft wie die Concordia

die Förderung angelegen sein läßt. Was den Vornamen betrifft, so ist es immer

ein sympathischer Zug, wenn die Kinderstube in die Unsterblichkeit

nachklingt, und wie lieb würde sich etwa die Unentschiedenheit von Franzi

Grillparzer oder Hansi Nestroy ausnehmen (während die Version eines Johann

Niese trotz seinem Knieriem längst abgetan ist). Dagegen hätte die Vorstellung

eines Friedl Nietzsche etwas Herabwürdigendes, indem in ihr doch das

Tänzerische zu stark betont wäre auf Kosten des Gedanklichen. Ein Peperl

Kainz würde auch viel an Illusion verlieren, während manchmal sogar der Zuname

eines Bühnenlieblings die andere Deutung zuläßt und man sich etwa

keinen Augenblick besinnt, schlechtweg von der Moissi zu sprechen. (In diesem

Zusammenhang will ich, um nicht halbvernarbte Wunden aufzureißen, es

absichtlich vermeiden, auf Stefi Großmann hinzuweisen.) Das erfinderische,

Talent eines Zeitalters, dessen technische Bestrebungen das Wunder durch

das Rätsel verdrängt haben, macht sich auch bei der Wahl des Pseudonyms

bemerkbar, und der Drang, auf diesem Gebiet Neues zu erfinden, stellt den

Feinschmecker der Attraktionen des Bühnen— und Filmwesens vor interessante

Entscheidungen. »Gert« zum Beispiel ist jetzt sehr begehrt, man weiß

nicht, was soll es bedeuten, und vollends vermutet man hinter »Sonik« ein

Neutrum. Um aber auf das Problem Friedl zurückzukommen, so wächst die

Schwierigkeit angesichts der folgenden Meldung:

Ein neues Stück von Friedl Schreyvogel im Deutschen Volkstheater

— — Die Premiere wird noch in dieser Saison stattfinden, die

männliche Hauptrolle spielt Ferdinand Onno, die weibliche

Hauptrolle Friedl Haerlin — —

Hier dürfte es sich, wiewohl man das im neuen Theater nie mit Bestimmtheit

sagen kann und auch ein Herrlin die weibliche Hauptrolle innehaben könnte,

doch wohl um eine Frau handeln. Immerhin, wenn da auf der Probe einer

»Friedl!« ruft, wer wird sich zuerst umdrehn?

WIE VERSCHIEDEN DIE ANSICHTEN SIND

Während die 'Arbeiter—Zeitung' findet:

Der Vorhang hebt sich, eine entzückende Dekoration von Oskar

Strnad weckt frohe Erwartung — aber gleich in der ersten Szene

zur ebenen Erde lassen sich Maierhofer, Thaller, k. k. Hofschauspieler,

zu volkstümlicher Heiterkeit herab. Doch es bessert

sich ...

worüber man in Graz staunen wird — meint die 'Reichspost':

Wie es denn überhaupt eine wahre Wohltat war, die wienerischen

Künstler dieses Hauses wieder einmal zu wahrhaft löblichem Tun

versammelt zu sehen, sie wieder einmal so reden zu hören, wie ihnen

die Schnäbel gewachsen sind. Geradezu eine Wonne ist es für

wienerische Ohren, einen Abend lang Herrn Maierhofer reden zu

hören, der als Damian die allernettesten und gemütlichsten Saiten

seines ganz unvergleichlich köstlichen Humors spielen läßt.

Worüber man in Graz gleichfalls staunen wird und zwar nicht ohne einen gewissen

Stolz darauf, daß es eine Wonne für wienerische Ohren ist, einen

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