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ungarische Justiz auf Herrn Bekessy Anspruch machen könnte,

der natürlich kein Anspruch wäre, Recht zu üben, keine Rede; an

der österreichischen Staatsbürgerschaft des Herrn Bekessy ist ja

nicht zu zweifeln, und wenn sie auch in jeder Hinsicht unerwünscht

ist: daß damit die Zuständigkeit unserer Justiz begründet

wird, ist ihre einzige nützliche Folge.

Wir haben das, obwohl nicht zu zweifeln ist, daß es Herr Kraus

ausführlich darlegen wird, deshalb festgestellt, um der Legende

entgegenzutreten, als ob, wie der »Oesterreichische Volkswirt« zu

behaupten sich vermißt, dem Anschlagen dieses Plakats deshalb

Hindernisse in den Weg gelegt worden wären, weil Kraus »Beschuldigungen

gegen sozialdemokratische Funktionäre erhoben

hat«. Insofern der Partei da ein Einfluß zusteht, ist er für die uneingeschränkte

Zulassung des Plakats verwendet worden, ohne

Rücksicht darauf, daß das Plakat in seinen Bemerkungen über unsere

Partei eine grundlose Verdächtigung ausspricht.

Das will also, um einer Legende entgegenzutreten, die Arbeiter—Zeitung

festgestellt haben, obwohl nicht zu zweifeln sei, daß »es« Herr Kraus

ausführlich darlegen wird. Die Absicht, den Sachverhalt so ausführlich, als es

leider notwendig ist, darzulegen, hat Herr Kraus allerdings — wenn die 'Arbeiter—Zeitung'

»Herr« sagt, so ist es der erste Schritt zur Grobheit —; nur

daß er nicht ganz dasselbe darlegen wird, was die Arbeiter—Zeitung feststellt,

da er eher den Wunsch hat, die Legende, die sie zu zerstören unternimmt,

wieder ein wenig zu befestigen. Man könnte nicht geradezu behaupten,

daß in der Darstellung der Arbeiter—Zeitung wesentliche Unwahrheiten

enthalten sind, nur fehlen dieser Darstellung leider so wesentliche Wahrheiten,

daß sie als ganze nur einen geringen Anspruch auf Zuverlässigkeit machen

kann. Die Öffentlichkeit hatte bisher bloß durch eine Schleife über dem

Plakat erfahren, daß die sogenannte »Wipag« das Plakat unterdrücken wollte.

Die Arbeiter—Zeitung ergänzt dieses Wissen in dankenswerter Weise durch

die Mitteilung, daß die Anstalt es nachträglich doch genehmigt hat, ein Faktum,

das ich der Öffentlichkeit keineswegs vorenthalten hätte. Aber nicht weniger

wesentlich sind auch die Begebenheiten, die der Ablehnung vorangegangen

sind und deren Kenntnis die Arbeiter—Zeitung der Öffentlichkeit entzieht.

Es ist fast nicht zu glauben, daß sie den Sachverhalt, wie sie ihn »erfahren

hat«, von der doch informierten Seite der städtischen Plakatierungsanstalt

erfahren habe, denn selbst diese müßte zugeben und wird ja vor Gericht

zugeben müssen, daß sich die Angelegenheit keineswegs so einfach

verhält. Wenn die Arbeiter—Zeitung schreibt: »Es ist nun richtig, daß der Anwalt

des Herrn Karl Kraus der Wipag einen Aufruf von Karl Kraus zum Plakatieren

übergeben hat, und richtig ist auch, daß das Wiener Plakatierungsinstitut

den Anschlag abgelehnt hat«, so ist gerade dies nicht richtig, wenigstens

nicht in einer so verkürzten Darstellung, die den Fall von Anbeginn als den

unbeträchtlichen Mißgriff einer geschäftlichen Unternehmung erscheinen

läßt, der von einer geistiger orientierten Instanz sofort aufgehoben wurde.

Hier ist zunächst der wichtige Umstand verschwiegen, daß das Plakat, bevor

es abgelehnt wurde, und ziemlich lange vorher, angenommen wurde, daß

nach ausdrücklicher Genehmigung des Plakattextes — denn der Unfug, der

sich »Wipag« nennt, maßt sich tatsächlich eine Zensur an — ein Vertrag zustandekam

und erst nach 42 Stunden, innerhalb deren das Plakat längst zu

hängen hatte, eine Mitteilung an den Verlag der Fackel (nicht an den Anwalt

des Herrn Kraus) erging, daß die Affichierung unmöglich sei. Welchen ande-

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