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dem Bundesgesetz vom 30. Juli 1925 (Ȇber den Erwerb und Verlust

der Landes— und Bundesbürgerschaft«) geschaffen wurde,

vorher gar nicht bestand, die Bescheinigung des Austrittes vor

diesem Gesetz — und Herr Bekessy ist vor diesem Gesetz eingebürgert

worden — gar nicht gefordert werden konnte, also selbstverständlich

auch durch kein »besonderes Entgegenkommen« erlassen

worden ist.

Hier brauchte, ich mich nicht erst zu fragen, wer außer mir den horriblen Unsinn

und die lächerliche Behauptung gewagt hatte, »der schon deshalb, weil,

sie Herr Bekessy vorbringt, der Glaube vorweg zu versagen wäre«. Schon in

diesem Verweis, der doch niemand andern als mich ins Herz treffen konnte,

da niemand außer mir sich die Behauptung des Herrn Bekessy zu eigen gemacht

hatte, mußte ich eine Antwort auf das noch im Schoße der »Wipag« ruhende

Plakat erkennen. Leider bin ich genötigt zu gestehen, daß ich sie für

die einzige unter sämtlichen Behauptungen des Herrn Bekessy halte, der vorweg

der Glaube nicht zu versagen wäre, ja sein Vorbringen, daß er »durch besonderes

Entgegenkommen der Gemeinde« mit Erlassung einer Formalität

eingebürgert worden sei, ist geradezu meine Überzeugung, und ich bin von

diesem horriblen Unsinn selbst durch die vollwertige Logik der Argumentation

nicht abzubringen, daß Herrn Bekessy durch kein besonderes Entgegenkommen

die Bescheinigung des Austritts erlassen werden konnte, weil die Bestimmung,

wonach sie vorliegen muß, erst im Jahre 1925 — also erst in einer

Zeit, in der man an der Liberalität solcher Einbürgerung sichtlich schwer litt

— geschaffen wurde. Denn abgesehen davon, daß selbst nach dem neuen Gesetz

die Ausnahme jenes Entgegenkommens möglich ist, wäre doch, wenn das

Gesetz sie tatsächlich unmöglich machte, die Erlassung jener Formalität ein

Gesetzesbruch und kein Entgegenkommen, während sie nach dem alten Usus,

der zwar nicht gesetzlich gestützt war, eben ein Entgegenkommen bedeutet

hat. Aus dem Umstand, daß das Gesetz den Austritt nicht vorschrieb, zu folgern,

daß die Bescheinigung »gar nicht gefordert werden konnte«, erscheint

doch als keine zulängliche Stütze für den Vorwurf des horriblen Unsinns gegen

den, der anders folgern möchte. Daß etwas, was nicht gefordert werden

mußte, darum nicht gefordert werden konnte und nicht in der Regel gefordert

wurde, wird wohl kaum anzunehmen sein, und wem außer wieder der Vorgängerin

der Frau Wipag wird man einreden, daß in sämtlichen Fällen von Einbürgerung

bis zum 30. Juli 1925 von der Förmlichkeit abgesehen wurde und

nicht bloß in jenen Ausnahmsfällen, wo eben die Gemeinde, wie im Fall des

Erpressers an der Partei, ein besonderes Entgegenkommen geübt hat? Es ist

nicht rätlich, nicht stadträtlich, von dem horriblen Unsinn dieser Einbürgerung

auf den ihrer Erklärung abzulenken. Wie sollte sie anders zu erklären

sein denn als Anomalie, da doch, selbst bei Einhaltung aller Formalitäten,

kein erdenkbarer Zwang, außer dem des Erpressers, bestanden hätte, sich

ihn als Staatsbürger anzuschaffen? Wie sollte denn das Unbegreifliche anders

als durch besonderes Entgegenkommen zu erklären sein? Die schon einmal

versuchte Ausrede, daß Herr Bekessy damals bereits ein »Verlagsgewerbe« in

Wien ausübte und man keinen Grund hatte, ihn bedenklich zu finden oder dergleichen,

gebe man endgültig auf. Gerade sein Verlagsgewerbe wäre doch

klarer Weise der Grund gewesen, ihm die Staatsbürgerschaft zu verweigern,

wenn nicht gerade sein Verlagsgewerbe ihm wieder die Fähigkeit in die Hand

gegeben hätte, die Erreichung seines Ziels zu erzwingen. Es war kein Meisterstück,

es war ein Bürgermeisterstück, und jeder Versuch zur Verschönerung

der Umstände aus jenen Tagen, wo ein polizeilicher Leumund ans Rat-

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