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Glauben an ein Wunder befestigt worden bin, und insbesondere der Versicherung

der Arbeiter—Zeitung, daß sie das Plakat »seither kennengelernt« habe,

keinen Zweifel mehr entgegensetzen.

Weniger leicht werde ich mich zu der Auffassung bequemen, die mir in

die Materie des Plakats folgt und zu den vielen Widersprüchen, die meinen

Lebensweg begleiten, mir auch eine gewisse Inkonsequenz in der Verfolgung

des Herrn Bekessy zur Last legt. Als einer, der bekannt dafür ist, daß man es

ihm nie recht machen kann, habe ich nämlich »als erster und am eindringlichsten«

den Ruf erhoben: Hinaus mit dem Schuft!, »wonach man allerdings

meinen hätte können«, daß die Möglichkeit, Herrn Bekessy die Staatsbürgerschaft

zu entziehen, gerade meine Intentionen erfüllen würde. Da hat man

mich aber leider ganz mißverstanden! Ich lege nicht Wert auf die Korrektur,

daß ich nicht »der erste« war, der jenen Ruf erhoben hat, sondern der einzige,

da ja, als sich ihm die Arbeiter—Zeitung mit so herzhaftem Ungestüm endlich

anschloß, der Schuft schon draußen und seine Rückkehr dank der inzwischen

von mir gesicherten kriminalistischen Aktion unmöglich war. Aber so

habe ich mir die Erfüllung des Rufs natürlich nicht gedacht, daß man auf die

kriminalistische Aktion jetzt verzichten und nach dem ungarischen Freispruch

dem Schuft die Rückkehr ermöglichen sollte, um dann seine Ausweisung als

eines »lästigen Ausländers« zu erwägen. Die Arbeiter—Zeitung interpretiert

meine Ansicht ganz richtig, wenn sie meint, sie »gehe nun wohl dahin«, daß

man an der gegen Herrn Bekessy schwebenden Untersuchung »eine größere

Sicherheit habe, als es die Möglichkeit wäre, ihn gegebenenfalls als einen lästigen

Ausländer zu behandeln«. Meine Ansicht geht sogar so weit, zu vermuten,

daß Herrn Bekessy nichts erwünschter wäre, als »gegebenenfalls« dieser

Gefahr ausgesetzt zu sein, da er, wenn es ihm gelungen war, die Abschiebung

seiner Akten nach Ungarn zu erwirken, er wohl auch noch imstande wäre, die

Abschiebung seiner Person nach Ungarn zu verhindern, um kreuzfidel hier

wie einst Feste zu feiern, Ausflüge zu arrangieren und an den politischen Parteien

wie an der mit ihnen verbundenen Finanzwelt zu erpressen. Meine Ansicht

geht dahin, daß der Ruf »Hinaus aus Wien mit dem Schuft!« sicherer erfüllt

ist, wenn er unser Mitbürger bleibt, und »diese Differenz in der Beurteilung

des Wertes zweier Sicherheiten«, von der die Arbeiter—Zeitung spricht,

nämlich Herrn Bekessy unter der unverjährbaren Drohung des österreichischen

Kriminals zu halten oder als unbescholtenen Emigranten wiederkehren

zu lassen, erachte ich für so erheblich, daß ich in ihrer offenherzigen Darstellung

geradezu den vollgültigen Beweis für die Notwendigkeit meiner »Warnung

in letzter Stunde« erblicke. Wie sollte nicht in der bloßen Möglichkeit

dieser Alternative ihre ganze Gefahr zu erkennen sein, eben darin gelegen,

daß selbst ein rechtschaffener Mann ihre Erwägbarkeit zugibt und bereit ist,

den »dunklen Plan von höchster Zweideutigkeit«, für den auch sonst allerlei

Anhaltspunkte vorliegen, zu dementieren, ja in das Licht der Harmlosigkeit zu

rücken. Daß man faktisch erwogen hat, Herrn Bekessy die Möglichkeit zu

schaffen, »gegebenenfalls« als lästiger Ausländer ausgewiesen zu werden,

also das ehedem leider Versäumte zur Unzeit nachholen wollte, das scheint

nun festzustehen, und eben dieser Gefahr einer kapitalen Dummheit hat mein

Aufruf — den ich im äußersten Notfall sprachlich verstärken würde — zunächst

entgegengewirkt. Vor seinem Erscheinen — was ich ja im sachlichen

Interesse keineswegs mißbilligen kann —, wie auch nachher. Denn er hat seine

Wirkung auch insoferne bewährt, als die Parteipublizistik, die schon bereit

war, den Verlust der Staatsbürgerschaft des Herrn Bekessy mit dem »Opfer

des Verzichtes auf eine strafrechtliche Verfolgung« zu erkaufen, nun umge-

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