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kehrt die Zuständigkeit unserer Justiz als die »einzige nützliche Folge« der

unerwünschten Staatsbürgerschaft anerkennt, also jetzt doch den größeren

Gewinn mit der Erhaltung des kleineren Übels bezahlen möchte. Mit solcher

Erkenntnis, die den Wert zweier Sicherheiten ganz in meinem Sinne abschätzt,

sind wir beträchtlich weiter gekommen und ich hege die Zuversicht,

daß wir in der Beurteilung der grandiosesten Schmach, die dieses Osterreich

jemals über sich ergehen ließ, uns immer besser verstehen werden. Denn wir

wissen doch im Herzen, daß ich nicht der Mann bin, »eine grundlose Verdächtigung

auszusprechen«, wohl aber einer, der die Prostituierung der reinsten

Sache an eine fluchwürdige Geschäftspolitik und damit ihre Auslieferung unter

das Joch der Erpressergewalt leidend mitgemacht hat; und einer, der für

die Allgemeinheit sprechen konnte und mußte, ohne durch taktische Erwägung

gebunden und durch persönliche Unbill befreit zu sein. Doch mein Todfeind

wird mir das Zeugnis nicht versagen, daß ich mit der äußersten Achtung

vor einmal erkanntem Menschentum selbst die Bindungen einer Parteireligion

geachtet habe, die, seinen freien Ausdruck verwehrend, es noch im eigensten

Opfer erkennen ließen. Aber mich können sie nicht binden, und selbst dort,

wo ich achte, werd ich keinen Fußbreit von der Sache, die ich frei führe, und

kein Atom von der Wahrheit, die sie legitimiert, zum Opfer bringen. Ist es unvermeidlich,

daß das Unrecht sich auch an mir behaupten möchte, so würde

ich, mit dankbarer Achtung vor einer Güte, die lieber selbst es vertritt als es

dem skrupelloseren Nachwuchs zu überlassen, diesem als meinem Gegner

den Vorzug geben.

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