Erwerb funktionaler, räumlicher und kausaler Beziehungen von ...

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Wissensquellen und Wissenserwerb 15

2.2 Ansatz : Modellierung funktionaler Abhängigkeiten zwischen

Fahrzeugkomponenten durch Material- und Energieflüsse

2.2.1 Material- und Energieflüsse

Die Grundlage einer funktionalen Abhängigkeit zwischen Bauteilen bildet eine spezielle

Aufgabe, an deren Erfüllung diese Bauteile beteiligt sind. Damit diese Aufgabe aber

durch das Zusammenwirken dieser Teile erfüllt werden kann, müssen bestimmte

Gegebenheiten vorliegen, die eine Verbindung zwischen den Teilen erzeugen. Dazu

gehört selbstverständlich eine bestimmte räumliche Anordnung, denn Teile in einer

beliebigen Anordnung können noch keine Aufgabe erfüllen. Aber die Anordnung der

Teile allein reicht ebenfalls nicht zur Erfüllung einer Aufgabe aus. Ein weiterer wichtiger

Aspekt ist die Energieeinwirkung in irgendeiner Form auf die Bauteile, die verschiedene

Formen haben kann. Eine Möglichkeit ist ein Materialfluß, wie Wasser oder Benzin.

Dieser Fluß wird durch bestimmte Bauteile beschrieben, die an der Erfüllung einer

Aufgabe beteiligt sind, so daß zwischen ihnen eine funktionale Abhängigkeit bestehen

muß. Da man aber durch Materialflüsse allein viele wichtige Funktionen im Fahrzeug

nicht beschreiben kann, wird der Begriff eines Flusses um Energieflüsse erweitert. Unter

Energieflüssen versteht man beispielsweise elektrischen Strom oder die Kraftübertragung

vom Motor auf die Räder. Das Prinzip eines Flusses kann man sich an einem Beispiel

verdeutlichen:

Ausgangspunkt ist der Kühlwasserkreislauf eines Fahrzeugs, also ein Materialfluß. Im

Mittelpunkt steht das Kühlwasser, an dessen Fluß verschiedene Teile beteiligt sind. Dazu

gehören beispielsweise der Kühler, die Kühlwasserpumpe, der Motor und diverse

Schläuche. Damit dieser Kühlwasserkreislauf funktionieren kann, ist sicher eine

bestimmte Anordnung der Teile nötig. Der gesamte Kühlwasserkreislauf erfüllt die

Funktion „Kühlen der Motors“.

Konzentriert man sich nur auf Materialflüsse, klammert man einen wichtigen Fluß im

Fahrzeug aus, der mit fortschreitender Technik immer mehr an Bedeutung gewinnt. Der

elektrische Strom tritt heute an vielen Stellen im Fahrzeug auf, an denen man ihn gar

nicht vermuten würde und ist somit an der Erfüllung der unterschiedlichsten Aufgaben

beteiligt. So könnte eine Störung eines Bauteils im Stromkreislauf Störungen an anderen

Teilen nach sich ziehen. Ein Extremfall wäre ein defektes Radio, daß die Funktion der

Benzinpumpe beeinflußt. Das scheint auf den ersten Blick sehr unwahrscheinlich, aber

gerade solche Zusammenhänge sind sehr interessant, um Defekte überhaupt

diagnostizieren zu können. Dazu ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung:

Ein VW Golf funktionierte, nachdem er vollgetankt wurde, einwandfrei, bis der Tank bis

auf das letzte Viertel leer gefahren wurde. Dann hatte der Motor immer häufiger

Zündaussetzer und das Fahrzeug begann zu rucken, bis schließlich ein Vorwärtskommen

kaum mehr möglich war. Nachdem der Wagen wieder vollgetankt wurde, war kein Fehler

mehr festzustellen. Verschiedene Werkstätten hatten unterschiedliche Erklärungen für

dieses Phänomen. Die Benzinpumpe wurde ausgetauscht, ebenso der Vergaser, aber der

Fehler wurde dadurch nicht beseitigt. In einer Werkstatt hatte ein Mechaniker langjährige

Erfahrungen mit diesem Fahrzeugtyp und wechselte den Benzineinfüllstutzen aus, und

beseitigte dadurch den Fehler. Der Einfüllstutzen war durchgerostet, und so konnte

während der Fahrt Schmutz und Wasser in den Tank gelangen. Solange der Tank voll

war, war dieser Schmutz gut im Tank verteilt und das Fahrzeug funktionierte fehlerfrei. Je

leerer aber der Tank war, desto mehr Schmutz gelangte in den Motor und desto weniger

Leistung brachte der Motor hervor.

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