Das Hungertuch „Gott begegnen im Fremden“

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Das Hungertuch „Gott begegnen im Fremden“

Erste Lesehilfe

Bleibe bei uns, Fremder.

Die Emmausgeschichte

Auf drei Ebenen erzählt der Künstler von Emmaus.

Zwei Männer, mit Reisesack unterwegs, laden einen Fremden zu Gast bei sich ein.

Erst beim Brotbrechen erkennen sie Jesus. Der Eingeladene wird selbst zum Gastgeber. Die einen

Fremden aufgenommen haben, nehmen teil am Gastmahl des Herrn. Diese Tischrunde weitet sich

aus für alle Menschen, für die Großen und die Kleinen, für die Frauen, Männer und Kinder, für

Schwarze und Weiße.

Jesus entschwindet ihren Augen. Die Jünger kehren zurück nach Jerusalem. Jesus überlässt sie auf

ihrem Weg sich selbst – ein Hinweis auf unseren Lebensweg, der oft von mehr Unsicherheit,

Gebrochenheit und Alleinsein geprägt ist als vom Spüren der kraftvollen Nähe Gottes. Und doch

sagen die Jünger zueinander: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns

redete. . .“ (Lk 24, 32).

Der Auferstandene will sich auch heute als Fremder und Ausgestoßener denen zu erkennen geben,

die seine Jünger sein wollen.

Die Hölle auf Erden –

Alltag für Millionen

Menschen sind auf der Flucht und stehen als Fremde vor unserer Türe.

Der Künstler zeigt eine Gruppe von Sklaven, mit Ketten verbunden. Rund 100 Millionen Menschen

wurden allein in Afrika über die Jahrhunderte gegen ihren Willen als Sklaven in die Fremde

verschleppt.

Wir sehen eine allein stehende Frau mit vielen Kindern am Rock und am Hals. Es ist die Frau eines

Wanderarbeiters, der in die Stadt zog, um Arbeit zu suchen, während seine Frau für das Leben und

Überleben der Kinder zu sorgen hat. Fremde stehen vor einer hüttenähnlichen Toreinfahrt. Sie

begehren Einlass. Werden sie Aufnahme finden?

Ein Mann mit Fackel zündet Häuser an. Eine Maske verdeckt sein Gesicht. Er steht vor einem Sarg,

in dem bereits Opfer des Fremdenhasses liegen. Teils tot, teils zu Tode verängstigt, finden sie

keinen Ausweg. Die Leiter ist zerbrochen. Auf dem großen Karren liegen die Toten, die auf ihren

Abtransport warten.

Aufbruch zu einem neuen Leben.

Die Abrahamgeschichte

Abraham verlässt seine Heimat Haran mit seiner Frau Sarah und seinem Neffen Lot. Mit all ihren

Schafen und Ziegen, mit ihren Kindern und Zelten ziehen sie in das fremde Land. Sogar die

Kranken werden auf ihren Tragen mitgeschleppt. Einige bleiben aber zurück, allein und vereinsamt

am Eingang ihrer Hütten. Sie haben Angst, die vertraute Umgebung mit all den Fleischtöpfen im

Stich zu lassen.

In Erinnerung an die Zeit, da Israel im fremden Land gelebt hat sowie an unsere eigene Situation

als Pilger und Fremdlinge auf Erden (Ps 39, 13; Hebr 11, 13) soll jeder Gast im Namen Gottes, der

ihn liebt, aufgenommen werden.

Abraham, der Fremdling aus Ur in Chaldäa, wurde zum Prototyp für den Menschen, der

„unbehaust“ und nur „Gast auf Erden“ (GL 656) ist. Als Stammvater des Volkes Israel ist er mit

seiner Gastfreundschaft den drei Fremden gegenüber (vgl. Gen 18, 1-33) Garant für die Zusage

Gottes, dass wir in jedem Fremden dem Herrn begegnen.

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