Rockstar schreibt Kultkrimis - Börsenblatt des deutschen Buchhandels

flashbooks.boersenblatt.net

Rockstar schreibt Kultkrimis - Börsenblatt des deutschen Buchhandels

HEFT 5•2011 ISSN 0178-7241

Für Sie von Ihrer Buchhandlung

buchjournal

Weil Lesen Spaß macht

Island

Ein Besuch bei

Krimiautor Arnaldur

Indriðason

Waringhams Erbe

Rebecca Gablés

England-Leidenschaft

Autor gesucht!

Gewinnen Sie so

viele Bücher, wie

Sie tragen können!

Lust auf mehr

Zwei neue Romane

als Leseproben

SCHWERPUNKT

^ Genießen

Pack’ die Stäbchen

aus – die Asien-Küche

ist wieder da;

opulente Kochbücher

im XXL-Format; ab in

den Ofen – neue

Backbücher

Rockstar schreibt Kultkrimis

Gewinnspiel

buchjournal.de


»Wortgewaltig und hochspannend. Ein fulminanter

Erstling. Ernst und witzig, politisch und intim,

brutal und raubeinig-zärtlich.«

Regula Freuler, Neue Zürcher Zeitung

Die DDR ist wieder da.

PLAND

SIMON

Auf 552 Seiten.

URBAN

Für nur 24,95 Euro.

ROMAN

SCHÖFFLING & CO.

Simon Urban

Plan D

Roman

552 Seiten. Gebunden

Lesebändchen

€ 24,95

ISBN 978-3-89561-195-7

www.simonurban.de

SCHÖFFLING & CO.


Liebe Leserin,

lieber Leser!

Editorial

C’EST LA VIE!

ÜBER LIEBE, LÜGEN

UND DIE LUST AM LEBEN.

© Denis Stanisic

Der 22. Juli 2011 wird den

Norwegern ähnlich tief ins

Gedächtnis eingebrannt sein wie der

11. September 2001, sagte Jo Nesbø bei

Eckart Baier, Redaktionsleiter

unserem Gespräch in Oslo Anfang August.

e.baier@buchjournal.de

Anders Behring Breiviks Attentate im

Regierungsviertel und auf Utøya kosteten

77 Menschen das Leben – und werden das Land verändern, so Nesbø. Wir

sprachen über den Schock des Verbrechens, aber auch über den neuen

Thriller „Die Larve“ des 51-Jährigen, der in seiner Heimat nicht nur als

Autor von international erfolgreichen Thrillern und Kinderbüchern,

sondern auch als Rockmusiker gefeiert wird. (Seite 12)

Island hat als Ehrengast einen großen Auftritt bei der Frankfurter

Buchmesse 2011. Ein Gespräch mit dem Krimi schriftsteller Arnaldur

Indriðason soll Sie auf das Ereignis einstimmen (Seite 54). Frankfurt

ist jedoch erst der Auftakt des Literaturherbstes: Im November geht es

mit dem Literaturfest München weiter – das Buchjournal ist Medienpartner.

Wir stellen Ihnen Highlights des dreiwöchigen Festivals vor

und haben uns mit Matthias Politycki unterhalten, der in diesem Jahr

das forum:autoren als Kurator verantwortet. (ab Seite 26)

Wie viele Bücher können Sie wohl eigenhändig aus einer Buchhandlung

hinaustragen? Sie können es gern ausprobieren, wenn Sie bei

unserem großen Gewinnspiel mitmachen und den ersten Preis

abräumen. Einfach Coupon ausfüllen und bei Ihrem Buchhändler

abgeben – alles Weitere lesen Sie auf Seite 6.

Das Thema „Rot“ hat offenbar die Fantasie beflügelt: Mehr als 1 000

Einsendungen zum Buchjournal-Schreibwettbewerb haben uns

erreicht. Die Siegergeschichte lesen Sie ab Seite 62, alle übrigen

prämierten Storys im Internet unter www.buchjournal.de.

© plainpicture

Ca. 608 Seiten mit Lesebändchen

Deutsch von Nathalie Lemmens

Geb. mit SU

€ 22,99 [D]

Eine liebenswerte und mit französischer

Leichtigkeit geschriebene

Geschichte über den ganz

normalen Wahnsinn des Lebens

und über all die Menschen, die

auf dem Karussell des Lebens

mitreisen, runterfallen und wieder

aufsteigen.

VORSICHT:

HOHER SUCHTFAKTOR!

Lesen Sie auf: www.cbertelsmann.de

Besuchen Sie uns auf Facebook!

buchjournal 5/2011

3


Bücher

für eine bessere Welt

Ein sehr offener und ehrlicher Dialog,

eine Begegnung mit sich selbst und fast

schon eine Art “Therapie”. Wer sich nicht

mehr vor seinen Mitmenschen, seinem

Umfeld oder gar sich selbst verstecken will,

wer keine Angst mehr davor haben will,

hinter seiner Fassade entdeckt und

erkannt zu werden, findet hier wertvolle

Impulse und kann Freundschaft mit sich

selbst schließen!

104 Seiten, kartoniert

ISBN 978-3-922028-00-0 12,50 €

Inhalt

Titel

12 Jo Nesbø _ Der neunte Harry-Hole-Roman „Die Larve“ ist nach „Leopard“ und

„Schneemann“ erneut ein Spitzen-Thriller. Eine Begegnung in der norwegischen

Hauptstadt, die noch unter dem Schock des Breivik-Attentats stand

Literatur / Kinder- und Jugendbuch

17 Fantastisch _ Haruki Murakami und sein „1Q84“

18 Lesestoff Romane _ Neuerscheinungen kurz und knapp

20 16. Jahrhundert _ Rebecca Gablés Fortführung ihrer Waringham-Saga

26 Literaturfest München _ Bücherherbst: Lesen (fast) ohne Ende

28 Literaturfest München _ Interview mit Kurator Matthias Politycki

30 E-Books _ Alles easy beim elektronischen Lesen

31 Buchjournal-Tipp _ Eugen Ruges Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“

32 Lebensgeschichten _ Dora Heldt über den blöden 50. Geburtstag

34 Zamonien _ Walter Moers’ gefährliche Bücher

36 Biografie _ Heinrich von Kleist, unser vitalster Klassiker

62 Schreibwettbewerb _ Susanne Wedlichs Kurzgeschichte „Das Fleisch“

90 Lesestoff Kinder- und Jugendbuch _ Neuerscheinungen kurz und knapp

Krimi und Thriller / Hörbuch

38 Neue Hörbücher _ Eine Auswahl für die Ohren

40 Porträt _ Eine Begegnung mit der Schauspielerin Eva Mattes

44 Dunkelkammer _ Die Krimikolumne von Tobias Gohlis

46 Norwegen _ Wirbel um Thomas Engers Thriller-Debüt

52 Lesestoff Krimis _ Neuerscheinungen kurz und knapp

Im Gespräch

54 Arnaldur Indriðason _ Mit seinen Krimis wurde er der erfolgreichste Autor

Islands. Ein Gespräch in Reykjavík – über seine Bücher und seine Heimat, die

Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist

Sachbücher / Ratgeber / Kalender

65 Gesellschaft _ Jeremy Rifkins Szenarien für eine andere Welt

66 Politik _ Die Revolutionen in den arabischen Staaten

68 Umweltschutz _ Interview mit dem Ökologen Tim Flannery

70 Lesestoff Sachbücher _ Neuerscheinungen kurz und knapp

80 USA _ Reiseführer über Florida

82 Venedig _ Immer wieder faszinierend: die Lagunenstadt in neuen Büchern

92 Kalender _ Frische Ware für 2012

Wer sich und seinen Gefühlen auf die

Schliche kommen will, den wird diese

humorvolle und warmherzige Erzählung

dazu anregen, vieles mit anderen Augen

zu sehen und zu verstehen. Jeder kann

sich hier wiederfinden und lernen, sinnvoll

mit allen Gefühlen umzugehen. Ein wundervolles

Buch zum Aufmuntern, Vorlesen

und Verschenken oder einfach um mehr

über sich selbst zu erfahren.

80 Seiten, kartoniert

ISBN 978-3-922028-30-7 11,50 €

www.lucy-koerner-verlag.de

Postfach 1106 · 70701 Fellbach

lucy körner verlag

© Ilja C. Hendel / VISUM

12

© dvdwinters

62

4

buchjournal 5/2011


© Boris Breuer

Schwerpunkt Essen, Trinken & Genießen

74 Asiatische Küche _ Gesund, lecker – und als Augenschmaus serviert

77 Gute Backbücher _ Genuss aus dem Ofen

78 Kochbücher _ XXL-Werke über Küchenarbeit

Service

22 Leseprobe _ Mark Weltes Roman „In die Füße atmen“

48 Leseprobe _ Kate Atkinsons Thriller „Das vergessene Kind“

84 BuchTipps _ Neuerscheinungen im Überblick

Rubriken

3 Editorial

8 Leselust

10 Schön & Gut

16 Stratmanns Welt _ Parlare italiano?

42 Mediathek

88 Wir lesen

89 Leselotse

96 Bücherköpfe

97 Ganz oder gar nicht _ David Nicholls

98 Ratelust _ Das Buchjournal-Gewinnspiel

Eselsohren

sind bei

folgendem

Buch

ausdrücklich

erwünscht

Titelbild: © Ilja C. Hendel / VISUM

Machen

Sie mit

– und gewinnen Sie

jede Menge Bücher!

Mehr zum Gewinnspiel

auf Seite 6

Buch ISBN 978-3-7857-6050-5 | € 12,99 [D]

Hörbuch ISBN 978-3-7857-4544-1 | € 14,99 [D] (UVP)

© Olivier Favre

54

© jcarillet/ istockphoto

66

74

© goinyk

Woher weiß man, ob man mit

seinem Partner ein Leben lang

glücklich sein kann? Und was

ist, wenn einem jemand über

den Weg läuft, der viel besser

zu einem passen würde?

buchjournal 5/2011 5

www.luebbe.de


GEWINNSPIEL

Buchjournal-Leser aufgepasst: Verraten Sie uns Ihren

zeitgenössischen Lieblingsautor und gewinnen Sie Bücher –

und zwar so viele, wie Sie tragen können. Oder einen attraktiven

BücherScheck. Die Teilnahme ist ganz einfach: Coupon ausfüllen,

ausschneiden und bei Ihrem Buchhändler abgeben.

Gewinnen Sie einen

Riesenstapel Bücher!

Schreiben Sie uns, wie Ihr Lieblingsautor heißt! Der Schriftsteller beziehungsweise die

Schriftstellerin sollte in den vergangenen zehn Jahren ein Buch veröffentlicht haben. Mit

ein wenig Glück gewinnen Sie einen unserer attraktiven Preise: So viele Bücher, wie Sie

tragen können, oder einen BücherScheck im Wert von 200, 100 oder 50 Euro. Wir haben

nur eine Bedingung: Den unten stehenden Coupon müssen Sie in der Buchhandlung abgeben,

in der Sie das Buchjournal bekommen haben, oder in einer Buchhandlung, die es führt.

Aus allen abgegebenen Coupons ziehen wir dann die Gewinner. Teilnehmende Buchhandlungen

finden Sie unter www.buchjournal.de/buchhaendlersuche – viel Erfolg!

Mein/e zeitgenössische/r Lieblingsautor/in heißt:

buch journal

weil

Das Buchjournal bekomme ich in der Buchhandlung:

Name, Vorname

Straße, Hausnummer

alle © Denis Stanisic

Postleitzahl, Wohnort

Abgabefrist ist der 15. November 2011

Bitte informieren Sie mich künftig per E-Mail über weitere Buchjournal-Aktionen

E-Mail-Adresse

Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben und nur zum Zweck des Gewinnspiels erhoben.

6

buchjournal 5/2011


Hauptgewinn

So viele Bücher, wie

Sie aus Ihrer Buchhandlung

eigenhändig hinaustragen

können – Hilfsmittel wie Kisten,

Koffer oder Taschen sind

nicht erlaubt.* Der Gewinner

muss die Bücher von der

Kasse bis zur Ladentür

tragen können.

SIE IST WIEDER DA.

UND SIE HAT

ANGST

MITGEBRACHT.

2. Preis

BücherScheck über 200 Euro

3. Preis

BücherScheck über 100 Euro

4. – 6. Preis

BücherScheck über 50 Euro

Auch als

E-Book

© Jens Weber; thinkstockphoto.de

€ (D) 9,99, € (A) 10,30, sFr. 14,90. (UVP)

* Ausgenommen sind E-Books.

Wert der Bücher insgesamt maximal 2 500 Euro.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

PS: Freue mich auf morgen, lautet die letzte Mail

an Lainey Emerson. Dann verliert sich ihre Spur. Eine

Ausreißerin, sagen alle. Alle, außer FBI-Agent Bob

Dees, den bei seinen Ermittlungen das Grauen packt.

Was, wenn ein gefährlicher Unbekannter Mädchen

sammelt? Mädchen, die keiner vermisst?

buchjournal 5/2011 7


Ein Mann

muss tun,

was ein Mann

tun muss.

Mit Zeitmaschine

LESELUST_ISLAND

Brodelnder Magmatopf

Als der Vulkan Eyjafjallajökull im

vergangenen Jahr Rauch und

Asche spuckte und den Flugverkehr

auf der nördlichen Hemisphäre

lahmlegte, wurden wir

daran erinnert, dass Island eine

ganz besondere Insel ist: Erst vor

rund 25 Millionen Jahren ist sie

aus dem Meer emporgestiegen,

und noch heute ist die größte

Vulkan insel der Erde ein brodelnder

Magmatopf, der in jedem Moment

überkochen kann. Zumal

die Gletscher Islands durch den

Klimawandel abschmelzen und

dadurch, so befürchten Geologen,

die vulkanische Aktivität in den

nächsten Jahren noch deutlich zunehmen

könnte. Dabei formen

diese Naturgewalten von Feuer,

Wasser und Eis bizarre und grandiose

Bilder und Landschaften,

wie sie in dieser Form vielleicht

nur auf der „unvollendeten Insel“ im Nordatlantik zu erleben sind und wie sie der französische

Fotograf Olivier Grunewald in seinen Bildern festgehalten hat. Wir sehen feuerspeiende Berge

und brodelnde Erdlöcher, gigantische Wasserfälle, kalbende Gletscher, Geysire und faszinierende

Farbenspiele, die das Polarlicht bisweilen in den isländischen Himmel zaubert.

bai

^ „Island. Die unvollendete Insel“. National Geographic Deutschland,

256 S., 45,– € (D) • 46,4o € (A) • 74,90 sFr.

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss:

Er muss sich entscheiden, etwas bewegen, mal

muss er standhaft sein, mal muss er flüchten.

Manchmal muss er ein Risiko eingehen, manchmal

muss er Ruhe bewahren. Und vor allen

Dingen sollte er sich treu bleiben. Das gilt fürs

Leben ebenso wie für dieses Spiel. Mit strategischem

Geschick versuchen die Spieler bei

Ein Mann – Ein Spiel das Leben zu meistern,

sie stellen sich den Herausforderungen und

ent wickeln ihre Charaktere. Doch die Zeitmaschine

beschleunigt die Ereignisse und jede

Chance bietet sich nur einmal. Ein spannendes

Strate giespiel inspiriert vom Bestseller Ein

Mann – Ein Buch. Jetzt überall im Handel für

34,90 Euro (UVP).

Magische Bilder und Töne

Island ist weit weg vom Rest Europas – und

kaum besiedelt. Hier gibt es unendliche Steppen

zu entdecken, auf denen nur Pferde grasen,

Eislandschaften, Wasserfälle, Vulkane, das Spiel

des Sonnenlichts auf dem Wasser, beeindruckende

Wolkenformationen … Emil Thor fängt

diese Impressionen mit großformatigen Fotos

ein und vermittelt einen Eindruck von dem faszinierenden

Land im Norden, von seinen Landschaften

und seiner Weite. Zusätzlich zu dem

zweisprachigen Bildband (Deutsch-Isländisch)

gibt es eine DVD mit 215 Bildern und eine CD mit

Liedern, gesungen vom isländischen Opernstar

Arndis Halla. sc

^ Emil Thor: „Island.

Zauber der

Freiheit“. Mit Musik-CD

und DVD.

Edel, 128 S., 29,95 €

(D) • 30,80 € (A) •

43,50 sFr.

Blaue Lagune am Polarkreis

Noch bis vor wenigen

Jahren galt Island als

touristischer Geheimtipp,

inzwischen kommen

jährlich 500000 Besucher

– Tendenz steigend. Für

Wanderer und Naturliebhaber

gibt es wohl kein

besseres Ziel als das Kleinod

am Polarkreis, wie der

informative und exzellent bebilderte Band „Highlights

Island“ zeigt. Neben Land und Leuten präsentiert

er 50 lohnende Ziele von der Bláa Lónið,

der „Blauen Lagune“ mit ihrem heilsamen Wasser,

im Südwesten bis zum Jökulsárgljúfur-Nationalpark,

dem Grand Canyon Islands, im Norden, wo

der Gletscherfluss Jökulsá á Fjöllum eine spektakuläre

Landschaft geformt hat.

bai

^ Kerstin Langenberger, Olaf Krüger: „Highlights

Island. Die 50 Ziele, die Sie gesehen haben sollten“.

Bruckmann, 168 S., 24,95 € (D) • 25,70 € (A) • 37,90 sFr.

8

buchjournal 5/2011


Nicht erfunden: Die Orte,

an denen die Sagas spielen,

sind keineswegs fiktiv

© Eric Middelkoop

Abtauchen in die rauen, aber mitnichten gefühllosen Welten

der nordischen Vorzeit: Die Isländersagas sind spannender denn

je in neuen Übersetzungen zu lesen.

Harte Kämpfe, List und Ironie

Schwerter sausen durch die Luft, Hjarrandis

Waffe trifft Helgis Zähne und sich fünf Geschichten vorgenommen hat.

sen eine Kurzversion der Sagas, wobei er

durchbohrt die Unterlippe. „Nie hatte ich

ein schönes Gesicht“, meint Helgi, „und du

hast wenig daran verbessert.“ Solche trockenen

Kommentare finden sich immer

wieder in den 64 Isländersagas – was die

komplett neue Übersetzung der vierbändigen

S. Fischer-Ausgabe überzeugend herausarbeitet.

Wie einst Gustav Schwab bei den griechischen

Sagen hat Spreckelsen die Inhalte

übersichtlich gekürzt und leicht verständlich

nacherzählt. Die gestraffte Handlung

schafft Spannung, die von den plakativen

Illustrationen Kat Menschiks begleitet wird

– ein Einstieg in die Welt des Mittelalters. hc

Flott kommen die Ge-

schichten daher, die 13 Übersetzer

in drei Jahren ins Deutsche übertragen

Lesezeichen

haben – ein editorisches

Mammutprojekt, das wissenschaftlichen

Maßstaben genügt

und dennoch unterhaltsam zu lesen

ist. Denn es menschelt allüberall

in den Texten: Da wird geliebt

und gestritten, gehasst und

manchmal auch verziehen; Norweger

und Isländer denken sich (Hinter-)Listen

aus, um zum Ziel zu gelangen.

Raufbolde sind der Dichtkunst

ebenso zugetan wie Könige,

Klaus Böldl u. a. (Hrsg.): Die Isländersagas. S. Fischer, 4 Bände

plus Kommentarband, 3 384 S., Subskriptionspreis bis Februar:

Frauen stacheln Männer an. Kassette 98,– € (D) • 100,80 € (A) • 129,– sFr. Auch als Einzelbände

Menschliche Größe und Schwächen

liegen nah beieinander. Kleine

Dramen. Großes Kino.

zwischen 24,95 € und 28,95 € (D) lieferbar

Der Mordbrand von Örnolfsdalur und andere Isländer Sagas.

Nacherzählt von Tilman Spreckelsen, illustriert von Kat Menschik.

In „Der Mordbrand“ liefert Galiani, 208 S., 24,99 € (D) • 25,70 € (A) • 35,90 sFr.

„FAZ“-Redakteur Tilman Spreckel-

buchjournal 5/2011 9

Vier der schönsten und ältesten Sagen aus

dem mittelalterlichen Island erzählen von

Wikingern, einsamen Streitern und mutigen

Seefahrern, von Riesen und Trollen

aus der Anderwelt und von geheimnisvollen

Berserkern, die vor Kampfeswut

in ihre Schilde beißen.

»Hier können Fans von J.R.R.

Tolkien und Co. das Original

kennen lernen.« Die Märkische

Sagas aus Island

Von Wikingern, Berserkern und Trollen

Hrsg. und Übers.: R. Hennig u. R. Simek

596 S. · € 34,95

ISBN 978-3-15-010799-7

www.reclam.de

Isländische Literatur bei Reclam:

http://island.reclam.de

Viel mehr als

Klassiker in Gelb.


Schön&Gut

Spielzeit

TEXT: CHRISTINA BUSSE

Abenteuer für Mutige

© Ravensburger

Es ist zum Verrücktwerden: Schatzkarte, Ring, Kobold und der winkende Geist – sie alle sind im

Wirrwarr des Labyrinths zum Greifen nah. Aber Mauern und Sackgassen versperren den Weg.

Doch schon wenn der nächste Spieler am Zug ist, verändert sich das Gefüge aus Barrieren und

Gängen schlagartig, und mit etwas Glück ist der Zugriff auf die Schätze plötzlich frei. Das Spielprinzip

von „Das verrückte Labyrinth“ ist leicht zu verstehen und fasziniert Menschen auf der

ganzen Welt. Erfunden hat den Spieleklassiker für die ganze Familie vor 25 Jahren der Psychologie-Professor

Max J. Kobbert. Zum Jubiläum gibt es eine Sonderauflage mit im wahrsten Sinne

„bahn-brechenden“ Zusatzregeln, die magische Kräfte verleihen.

^ „Das verrückte Labyrinth“ – Jubiläumsausgabe in Metallbox. 2 – 4 Mitspieler, ca. 22,99 €, ab 7

www.ravensburger.de

Wer ist der größte Dinoforscher aller Zeiten? Auf

einer spannenden Expedition ins sagenumwobene

Tal der Saurier suchen unerschrockene Entdecker

nach Spuren der Urzeitriesen. Mit Hammer

und Meißel klopfen sie wertvolle, versteinerte

Dinoknochen aus dem Felsen. Doch

aufgepasst: Zwischen den Felsblöcken verbirgt

sich ein gefährlicher Dinosaurier, der darauf wartet,

freigelegt zu werden! Die abenteuerliche

Aufgabe ist nur mit Fingerspitzengefühl und

einer großen Portion Mut zu bestehen.

^ „Expedition Dino“ – Geschicklichkeitsspiel mit

3-D-Aufbau. 2 – 5 Mitspieler, ca. 24,95 €, ab 4

www.haba.de

Wer war’s und warum?

Das Böse lauert immer

und überall – und jetzt

ist eine geheimnisvolle

Villa Schauplatz eines

mysteriösen Verbrechens.

Wer ist der Mörder?

Rache, Habgier

oder Eifersucht – welches

Motiv hatte er? Wo ist

der genaue Tatort und

mit welcher Waffe wurde

die Tat begangen?

Die Mitspieler schlüpfen

in die Rolle der Kripo und machen sich daran, den

Fall zu lösen. Mit logischem Denken, Ausdauer

und Kombinationsgabe kommt man dem Mörder

Stufe für Stufe auf die Spur. Dank magnetischem

Zubehör ist das Spiel auch ideal für unterwegs.

^ „Mord im Mondschein“ – Mörder-Suchspiel in

Metallbox. 2 Mitspieler, ca. 9,95 €, ab 8

www.universitygames.de

Männersache

Will ich ein Kind zeugen? Oder lieber Papst werden?

Oder vielleicht doch beides? Ein Mann

sollte nicht nur einige Dinge über das Leben wissen,

er muss auch handeln: Er muss sich entscheiden,

etwas bewegen, mal muss er ein Risiko

eingehen, mal die Ruhe bewahren. Das gilt

fürs Leben ebenso wie für dieses Spiel, das inspiriert

ist durch den Bestseller „Ein Mann. Ein

Buch“. Selbstverständlich dürfen hier auch

Frauen erproben, was es heißt, das Leben als

Mann zu meistern.

^ „Ein Mann, ein Spiel“. 2 – 4 Mitspieler,

ca. 34,90 €, ab 12; www.sz-shop.de

Umsturz in der Scheibenwelt

Die Fantasystadt Ankh-Morpork aus der Kultbuchreihe

von Terry Pratchett versinkt im Chaos: Der

Herrscher der Scheibenwelt, Lord Vetinari, ist verschwunden.

Nun versuchen der Drachenkönig,

der Troll Chrysopras und weitere merkwürdige

Charaktere die Führung dieses unregierbaren

Ortes an sich zu reißen. Mehr als 100 skurrile Charaktere

und Gebäude lassen die größte Stadt auf

der fantastischen Scheibenwelt, die auf dem Rücken

einer riesigen Schildkröte durch das Weltall

schwimmt, lebendig werden.

^ „Terry Pratchett. Scheibenwelt“ – Brettspiel

zur Buchreihe. 2 – 4 Mitspieler, ca. 34,99 €, ab 10

www.kosmos.de

10

buchjournal 5/2011


Kober Verlag AG

Postfach 1051

CH-8640 Rapperswil

www.koberverlag.com

info@koberverlag.ch

Das geistige Lehrwerk

von Bô Yin Râ umfaßt folgende

Titel:

Das Buch der königlichen Kunst

Das Buch vom lebendigen Gott

Das Buch vom Jenseits

Das Buch vom Menschen

Das Buch vom Glück

Der Weg zu Gott

Das Buch der Liebe

Das Buch des Trostes

Das Buch der Gespräche

Das Geheimnis

Die Weisheit des Johannes

Wegweiser

Das Gespenst der Freiheit

Der Weg meiner Schüler

Das Mysterium von Golgotha

Kultmagie und Mythos

Der Sinn des Daseins

Mehr Licht

Das Hohe Ziel

Auferstehung

Welten

Psalmen

Die Ehe

Das Gebet

So sollt ihr beten

Geist und Form

Funken/Mantra Praxis

Worte des Lebens

Über dem Alltag

Ewige Wirklichkeit

Leben im Licht

Briefe an einen und viele

Hortus Conclusus

Daran anschließende Werke:

Kodizill zu meinem geistigen Lehrwerk

Marginalien

In eigener Sache

Über die Gottlosigkeit

Geistige Relationen

Okkulte Rätsel

Mancherlei

Warum ich meinen Namen führe

Über meine Schriften

Aus meiner Malerwerkstatt

Das Reich der Kunst

Nachlese I

Nachlese II

… „Mit Donnerworten möchte ich

euch aus dem Schlafe erwecken,

um euch der lautlosen Stille des

ewig wachen Lebens der Wirklichkeit

zuzuführen, in der allein der

‚lebendige Gott‘ in euch geboren

werden kann!“…

Mehr Licht

301 Seiten, Leinen

Fr. 40.- / € 29.-

ISBN 978-3-85767-036-7

Inhalt:

Geleitwort

Denen, die des Schlafens müde wurden

Die Baumeister am Dome der Menschheit

Theosophie und Pseudotheosophie

Von den drei Stufen

Was es zu fassen gilt!

Das Mysterium der künstlerischen Ausdrucksform

Westöstliche Magie

Das Licht des Geistes im Christentum

Das Geheimnis der alten Dombauhütten

Vom rechten Gottesdienst

„Mehr Licht!“ – so heischte einst ein großer Dichter in der

Stunde seines Abscheidens. Das gleich betitelte Buch von

Bô Yin Râ läßt Licht einströmen in dunkle Seelenräume

erdenmenschlicher Sehnsucht. Freilich, es muß der Leser

selber sein Inneres ausräumen und frei machen, damit solches

Leuchten in ihn eindringen kann. Der Band erweckt

im besinnlichen Leser gleichsam melodische Urerinnerungen

an Lebensgefühle des Geistmenschen, bevor er, sich

selbst und seinen lebendigen Gott verkennend, in die bipolar

gespaltenen und widersprüchlichen Zustände des

Erdendaseins flüchtete.

In den den Büchern von Bô Yin Râ geht es nicht um eine neue religiöse

Bewegung, es wird keine Gefolgschaft erwartet und nicht

einmal ein Glaube ist gefordert. Es geht vielmehr um „… ein Erwecken

der lebendigen geistigen Kräfte, die der Erdenmensch

auch heute noch in sich selber finden kann …“.

Mehr über den Autor mit dem fremd klingenden Namen, dessen

Werk in elf Sprachen übersetzt worden ist, erfahren Sie auf

unserer Website www.koberverlag.ch oder in unserem Gesamtverzeichnis,

das wir Ihnen gerne zustellen.

Tel. 0041 55 214 11 34 oder info@koberverlag.ch


Titel

Verhinderter Fußballprofi, Rockmusiker, Ökonom, Schriftsteller: Jo Nesbø ist

ein Mann mit vielen Talenten. Ein Gespräch über seinen neuen Thriller „Die Larve“,

den Schmerzensmann Harry Hole und die Folgen des Massakers von Oslo.

„Die Realität ist

immer schlimmer“

TEXT: ECKART BAIER • FOTOS: ILJA C. HENDEL / VISUM

ein Gespräch mit Jo Nesbø Anfang

August lässt sich nicht führen, ohne über

das zu reden, was vor zweieinhalb Wochen

hier in Oslo passiert ist. Am 22. Juli um

15.22 Uhr detoniert eine gewaltige Autobombe

im Regierungsviertel. Acht Menschen

sterben, doch für den Attentäter Anders

Behring Breivik ist dies nur ein Ablenkungsmanöver.

Er steigt ins Auto und fährt

zur nahe gelegenen Insel Utøya, wo etwa

600 Jugendliche ihre Ferien verbringen.

Breivik, als Polizist verkleidet, setzt mit

einem Boot über und beginnt mit seinem

Gewehr auf alles zu schießen, was sich bewegt.

69 Menschen sterben im Kugelhagel.

Breivik soll dabei gelächelt haben, heißt es.

Seither ist Norwegen ein anderes Land.

Die Domkirche der norwegischen Hauptstadt

versinkt in einem Meer welkender

Blumen und heruntergebrannter Kerzen,

dazwischen Briefe, Teddybären, sogar geschmückte

Fahrräder, die an die Opfer erinnern.

Norwegen trauert.

„Dieser Anschlag wird unsere Gesellschaft

verändern, das Gefühl paradiesischer

Sicherheit wird nie mehr zurückkommen“,

sagt Nesbø und nimmt einen Schluck aus

einer Schale Milchkaffee. Es ist spät am Vormittag,

doch die Sonne scheint schon heiß

in den Hof der Kaffebrenneriet-Filiale. Noch

in seinem neuen, Monate vor dem Attentat

entstandenen Thriller „Die Larve“ lässt er

seinen aus Hongkong zurückgekehrten Ex-

Polizisten Harry Hole sagen, dass Norwegen

„ein kleines Märchenland“ sei und er, Hole,

die letzten Jahre in der „wirklichen Welt“

zugebracht habe. „Viele Norweger haben geglaubt“,

meint Nesbø, „dass die schlimmen

Verbrechen nur anderswo in dieser Welt

passieren können.“ Dabei ist Oslo schon

längst kein Ort des Friedens mehr, mit Drogen,

Prostitution und Mädchenhandel werden

auch hier seit Jahren Millionen verdient.

Doch der Massenmord von Utøya ist

nicht zu begreifen, geschweige denn zu erklären

– auch nicht für jemanden, der sich

von Berufs wegen mit Verbrechen befasst.

Lesezeichen

j

Jo Nesbø: Die Larve. Übersetzt von Günther Frauenlob.

Ullstein, 576 S., 21,99 € (D) • 22,70 € (A) • 30,90 sFr.

Jo Nesbø: Die Larve. Gekürzte Fassung. Gelesen von

Achim Buch. HörbucHHamburg, 24,99 € (D/ A) •

36,70 sFr.

»Wir haben geglaubt,

dass Verbrechen

nur anderswo in der

Welt passieren«

„Der Hass dieses Menschen macht einen

fassungslos.“ Nesbø zuckt die Achseln. Zu

viele Erklärungsversuche hat er in den letzten

Tagen gelesen, die mitunter ebenso hilflos

anmuten wie die Bemühungen, zwischen

dem Massaker und den düsteren

skandinavischen Krimis, die uns das Böse

im Menschen zeigen, eine Parallele zu ziehen.

„Die Realität ist immer schlimmer.

Außerdem erzähle ich keine Verbrechen,

sondern Geschichten.“ Was den Schriftsteller

nicht davon abhält, sich mit dem Unfassbaren

zu beschäftigen. „Natürlich interessiert

mich Breiviks Psyche, seine Motive

für diese Tat. Schließlich ist der kriminelle

Gedanke, die gestörte Psyche eines Killers,

das, womit ich mich als Autor beschäftige.“

Diesen 22. Juli wird Nesbø nie wieder vergessen.

„Ich war mit einem Freund beim

Sportklettern in einer Halle, als wir hörten,

dass im Regierungsviertel eine Bombe hochgegangen

sein soll.“ Sein Freund, ein Arzt,

packte sofort seine Sachen und raste in die

Innenstadt, um zu helfen. Nesbø selbst fuhr

nach Hause und setzte sich vor den Fernseher.

„Man sah die schrecklichen Bilder der

Zerstörung, und plötzlich kam die 0

12

buchjournal 5/2011


Coole Pose Jo Nesbø

gehört zu den international

erfolgreichsten Thrillerautoren

Skandinaviens.

Sein großes Vorbild ist das

schwedische Autorenduo

Sjöwall / Wahlöö

buchjournal 5/2011 13


TITEL

0 Nachricht, dass auf Utøya etwas

Furchtbares vor sich geht.“ Die Fassungslosigkeit

steht dem 51-Jährigen,

der während des Gesprächs ein kräftiges

Frühstück zu sich nimmt, noch

ins Gesicht geschrieben. „Ich musste

unwillkürlich an die Anschläge in

Mumbai 2008 denken, wo ich kurz

vorher war.“ Doch in Oslo töteten keine

islamistischen Terroristen, sondern

ein sympathisch wirkender,

32-jähriger Norweger im Alleingang.

„Mir kam auch unwillkürlich ein

Buchtitel meines Lieblings-Krimiautors

Jim Thompson in den Sinn:

‚The killer inside me‘.“

Nesbø hat schon viel gesehen und

viel erlebt. Der Mann, der in Oslo mit

seiner Frau und der elfjährigen Tochter

lebt, ist ein Weltenbummler – allein

2010 hat er 16 Auslandsreisen

unternommen. Er spricht fließend

Englisch, wirkt lässig und souverän,

ohne eine Spur von Arroganz. Dabei gehört

er in Norwegen durchaus zur gehobenen

Promi-Riege: als Thrillerautor, als Verfasser

der erfolgreichen Doktor-Proktor-Kinderbuchreihe

– und als Gitarrist und Sänger der

Band „Di Derre“ (dt. „die da“). Vor knapp

20 Jahren gegründet, gehört die Band, angesiedelt

zwischen Pop und Folk rock, zu

den bekanntesten in Norwegen, wenn auch

die Zahl ihrer Konzerte heute deutlich geringer

ist als früher. „In den 90ern gab es

Jahre mit 180 Auftritten.“ Heute stehen die

reifen Rocker, darunter Jos Bruder Knut, vor

allem bei vielen Sommerfestivals auf der

Bühne. Jo Nesbø ist dabei nicht nur der singende

Frontman, sondern auch derjenige,

der die Songtexte schreibt.

Noch lieber als auf der Bühne hätte das

Multitalent aber als Fußballprofi reüssiert –

am liebsten in England bei Tottenham Hotspurs,

seinem absoluten Lieblingsclub. „Mit

17 spielte ich in der ersten norwegischen Liga

in Molde, zwei Jahre später war der Traum

aber ausgeträumt.“ Die Kreuzbänder in beiden

Knien waren gerissen. „Für mich brach

eine Welt zusammen – dabei hätte ich so

gern einmal im Cup-Finale gestanden.“

Er lacht und schiebt sich die Sonnenbrille

auf die Stirn. Dem Mann mit der drahtigen

Figur, der sich heute mit Mountainbiking

und Sportklettern fit hält, ist anzumerken,

dass ihn die verpasste Fußballerkarriere

noch heute schmerzt. Doch für den 19-jährigen

Jo musste das Leben weitergehen. Er

»Ich erzähle in

meinen Büchern

Geschichten und

keine Verbrechen«

holte das Abitur nach, studierte Ökonomie

und verdiente als Börsenmakler viel Geld.

Und er ließ sich jeden zweiten Abend auf der

Bühne irgendeiner Halle oder irgendeines

Clubs feiern. „Nach Börsenschluss ging es

mit dem Taxi zum Flughafen, von dort zum

Auftrittsort, Soundcheck, essen, spielen bis

um Mitternacht. Dann am nächsten Morgen

mit der ersten Maschine zurück nach Oslo.“

Mit Mitte 30 war Nesbø am Ende. „Es ging

einfach nicht mehr so weiter.“

Nesbø nahm sich ein halbes Jahr unbezahlten

Urlaub, wollte so weit wie nur möglich

fort von Norwegen. „Ich buchte einen

Flug nach Australien und hatte mein Laptop

dabei.“ Ein Verlag hatte ihn gefragt, ob

er nicht ein Buch über sein Leben mit „Di

Derre“ schreiben wolle. Er wollte nicht,

kam aber trotzdem mit einem Buch zurück:

dem Thriller „Der Fledermausmann“. „Ich

hatte das Bedürfnis, ein Buch zu schreiben,

wollte aber beim ersten Versuch nicht zu

viel Zeit damit verbringen.“ Ein Krimi, das

ließe sich wohl hinkriegen, dachte er. Während

des Flugs nach Sydney überlegte er

Jo Nesbø: Seinen ersten Thriller schrieb

er 1997 in Australien wie im Rausch

sich einen Plot, erfand die Figur des

norwegischen Kommissars Harry

Hole, der nach Australien fliegt, um

den Mord an einer norwegischen

Schauspielerin aufzuklären. „Kaum

angekommen, schrieb ich wie im

Rausch, nicht selten bis zu 18 Stunden

täglich – das war etwas, worauf

ich offenbar lange gewartet hatte.“

Heute, das gibt er gern zu, lässt er

das Schreiben ein wenig ruhiger angehen.

Zwar diszipliniert und mit

Leidenschaft – aber eben nicht mit

jenem Zauber, der dem Anfang bekanntlich

innewohnt. „In Australien

war das Schreiben wie eine neue Liebesbeziehung:

Am liebsten würde

man die ganze Zeit im Bett verbringen.“

Nesbø grinst und beißt ins deftige

Lachsbrötchen. Seinen ersten

Thriller hatte er noch unter Pseudonym abgegeben.

Kein Verlag, hatte Nesbø einmal in

einem Interview gesagt, sollte sich gezwungen

sehen, „ein Scheißbuch von einem Popstar

herauszugeben“. Das mutmaßliche

„Scheißbuch“ des Unbekannten wurde angenommen

und sofort ein Riesenerfolg. Angenehmer

Nebeneffekt: Seinen Börsenjob

konnte er gleich an den Nagel hängen.

Der Erfolg seiner Thriller hat viele Gründe.

So sind nur wenige Spannungsbücher

derart perfide und ausgeklügelt inszeniert

wie „Rotkehlchen“, „Schneemann“, „Leopard“

oder „Die Larve“. „Ich denke vorher

gründlich darüber nach, was ich eigentlich

erzählen will. Dann mache ich einen genauen

Plan und schreibe eine Zusammenfassung,

die bis zu 100 Seiten dick sein

kann.“ In seinen Büchern überlässt Nesbø

nichts dem Zufall. Davon, wie gut die Thriller

konstruiert sind, wie eng geknüpft der

Plot ist, bemerkt der Leser allerdings zunächst

nichts – bis sich die losen Enden der

komplexen Storys finden und sich zu einem

perfekten, passgenauen Finale fügen.

Die hohe Qualität vieler skandinavischer

Krimis hat etwas mit der Wertschätzung

des Genres im Norden zu tun, meint Nesbø.

„Kriminalliteratur, die anderswo Unterhaltung

ist, gilt bei uns als Literatur.“ Zu verdanken

sei dies nicht zuletzt dem schwedischen

Autorenduo Maj Sjöwall und Per

Wahlöö. „Sie haben das Niveau der Krimi-

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buchjournal 5/2011


literatur enorm angehoben, ihre Bücher

sind für jeden jungen Autor ein Ansporn.“

Dass Nesbøs Thriller zu den härteren gehören,

heißt nicht, dass beim Norweger Brutalität,

Gewalt und Schockeffekte Selbstzweck

wären. Alles hat hier seinen Sinn,

Nesbø treibt das Thriller-Genre, bei dem es

um Leben und Tod geht, konsequent auf die

Spitze. Ein fester Bestandteil sind dabei die

extremen Eigenschaften, die er Harry Hole

mitgegeben hat. Der Mann ist in jeder Beziehung

ein Grenzgänger, der nicht nur durch

seine Größe von knapp zwei Metern aus dem

Rahmen fällt. Gegen Autoritäten und Regeln

hat er eine prinzipielle Abneigung, im Gegensatz

zu Rauschmitteln aller Art und speziell

dem Alkohol. Einfacher ausgedrückt

und auch, wenn das Wortspiel nahe liegt:

Jahrelang soff dieser Hole wie ein Loch.

In „Die Larve“, dem neunten der Reihe, ist

der Mann endlich clean. Keine Drogen mehr,

kein Alkohol. Diese Entscheidung traf der

Mittvierziger, dessen bester Freund jahrzehntelang

Jim Beam hieß, aber nicht etwa,

um besser auszusehen, sondern schlichtweg

um zu überleben. Drei Jahre lang hatte

Zur Person

Der Norweger Jo Nesbø, 1960 geboren, ist Ökonom,

Schriftsteller und Musiker. Er gehört zu den

renommiertesten und erfolgreichsten Krimiautoren

weltweit, außerdem schreibt er mit großem

Erfolg Kinderbücher. Bereits sein Krimidebüt „Der

Fledermausmann“ (1997) wurde in Norwegen als

„Bester Krimi des Jahres“ ausgezeichnet, mit „Rotkehlchen“

(2000) gelang ihm international der

Durchbruch. Nesbø lebt mit seiner Frau und seiner

elfjährigen Tochter in Oslo.

Harry in Hongkong gelebt und sein Leben

in geordnete Bahnen gelenkt. Nach Oslo

kehrt Hole zurück, um Oleg beizustehen:

Der Sohn seiner Ex-Geliebten Rakel sitzt als

mutmaßlicher Mörder im Knast, doch Harry

ist von dessen Unschuld überzeugt und

will den wahren Täter finden. Dafür muss er

tief in den Osloer Drogensumpf tauchen,

denn Oleg war abhängig von einem neuen

synthetischen Stoff, der die Szene paralysiert.

Ein anonymer Drogen-Pate ist der

mächtige Hintermann, an den Harry herankommen

muss, um den Fall zu lösen. Doch

der Pate hat den Ex-Polizisten seit seiner Ankunft

in Oslo schon längst im Visier.

Für sein neues Buch hat Jo Nesbø gut recherchiert,

hat mit Dealern, Junkies und natürlich

der Polizei gesprochen. „Auf alle Details

meiner Recherche kann ich nicht eingehen

– das wollen Sie aber auch gar nicht

wissen.“ Nesbø grinst. Die neue Super-Droge

mit Namen „Violin“ ist zwar seine Erfindung,

doch hat er mit Pharmakologen und

Drogenexperten gesprochen, um die Story

absolut plausibel zu machen. Harry Hole,

von seinen früheren Einsätzen bereits

schwer gezeichnet, mutiert vollends zum

Schmerzensmann und gibt, so viel sei verraten,

auch in „Die Larve“ alles, was er hat.

„14 Jahre lang bin ich nun schon mit diesem

Typen zusammen und inzwischen mag

ich ihn sehr“, sagt Nesbø und sucht ein wenig

Schutz vor der heißen Sonne. „Früher

war ich überzeugt, dass nicht viel von Harry

in mir steckt. Jetzt, nach so vielen Jahren,

glaube ich schon, dass wir einiges gemeinsam

haben.“ Etwa cool, geradlinig und von

dem überzeugt sein, was wichtig ist und

was unbedingt getan werden muss.


€€




Joyce Carol Oates und Raymond Smith waren über ein

halbes Jahrhundert ein Paar. Im Moment seines Todes ist

Oates nicht nur dem Schmerz des Verlustes und dem

Alleinsein ausgesetzt, sondern auch der Tatsache, weiterleben

zu müssen. Nie zuvor hat Oates so tiefen Einblick

in ihr Innerstes gegeben. Hier tut sie es, bewegend, klug

und überraschend. Wir lernen eine andere Joyce Carol

Oates kennen: eine starke Frau, die am Ende sagen kann

»Dies ist jetzt mein Leben«.

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Stratmanns Welt

Selten hapert es bei unserer Kolumnistin an der

Kommunikation. In ihrem Italien-Urlaub war es so weit –

zum Schaden des Ehefriedens und der Urlaubskasse.

Parlare italiano?

Liebe Leserin und lieber Leser!

Ich habe mich wieder beruhigt. Nachdem ich Ihnen vor zwei Monaten

einen überwiegend e-freien Text zugemutet habe, habe ich

mir noch heftige Vorwürfe gemacht, wie man ob der Anwesenheit

von Keimen so die Nerven verlieren kann, wie mir da geschehen.

Ich bin daraufhin mit mir hart ins Gericht gegangen und Sie können

sicher sein: Heute bekommen Sie einen störungsfrei zu lesenden

Aufsatz von mir, unbehelligt von hysterischen Empfindlichkeiten,

wie ich sie manchmal einfach nicht im Griff habe.

Heute befassen wir uns alle mal damit, wie schön es ist, eine

Sprache zu haben. Das muss ich Ihnen als den buchaffinen Protagonisten

dieses Landes nicht besonders antragen.

Was ich allerdings durchaus in Ihren Fokus rücken muss, zumal

wir uns in der Nach-Ferienzeit befinden, ist ein: „Obacht, wir

sollten uns nicht nur unserer eigenen Landessprache widmen!“

Diesem Appell liegt die jüngst im italienischen Ausland gemachte

Erfahrung zugrunde, dass Lesen auf der ganzen Welt eine sinnstiftende

Tätigkeit ist – daher ja auch die Unmengen Bücher, die man

per Fleurop mit in den Urlaub nimmt –, dass es aber grob fahrlässig

ist, sich bei Auslandsaufenthalten nur auf seine Englischkenntnisse

zu verlassen.

Sie kennen mich als diskrete Künstlerin, die ihr Privatleben

streng unter Verschluss hält. Nun, für Sie will ich heute ein kleines

Fensterchen öffnen, da Sie nicht meinen Fehler wiederholen sollen:

Ich befinde mich also im soeben verstrichenen Sommer in Italien,

des Weiteren befinde ich mich eines speziellen Urlaubstages

in heftigem Streit mit meinem, mittlerweile von mir wieder sehr

geschätzten, Ehegatten. Weniger geschätzt allerdings in dem Moment

in Bologna, in dem er einen meiner installierten Reizpunkte

trifft und ich daraufhin eine beispiellose Empörung empfinde, der

ich auch nachgehe, indem ich ab diesem Zeitpunkt meinen, mittlerweile

wieder sehr geschätzten, Ehegatten mit äußerster Nichtachtung

strafe. Ungünstig ist es, wenn ein solcher Disput sich

zeitlich trifft mit der Planung, eine mittägliche Speise in einem

traditionellen kleinen italienischen, fernab der Touristen befindlichen

Lokal einzunehmen.

Ich sitze also mit betongleicher Fassade, in die ich zuvor den

Ausdruck der Todesverachtung eingegossen habe, meinem Mann

am italienischen Esstisch gegenüber und alles, was ich weiß, ist,

dass ich diesen Herrn bei mir am Tisch unter gar keinen Umständen

noch einmal ansprechen, geschweige denn irgendetwas fragen

»Sprachkenntnisse

machen sich bezahlt«

werde. Infolgedessen blieb die liebevoll erdachte rein italienische,

weil nicht touristische Speisekarte, handgeschrieben und ohne

Erwähnung von Preisen, für mich eine nicht einzunehmende Festung.

Ich verstand kein Wort. Und auch wenn ich mich mittlerweile

auf Improvisationsniveau immer mehr in die italienische Sprache

einfummele, hätte mir ein Gespräch mit dem Kellner ohne

flankierende Maßnahmen meines Mannes keinen Aufschluss über

rein gar nichts gegeben.

Nun, was tat ich? Natürlich eine Bestellung aufgeben. Ohne mit

der Wimper zu zucken. Mit fester Stimme. Und zwar astrice.

Tun Sie das nicht. Es sei denn, Sie wollen tatsächlich an einem

ganz normalen Sommertag fernab jedes feierlichen Anlasses,

auch noch im Clinch mit dem Lebensgefährten, in saumäßiger

Laune unbedingt alleine einen Hummer für 40 Euro essen.

Ich danke bis hierhin für Ihre Aufmerksamkeit und möchte Ihnen

zurufen: Zanken Sie sich im Ausland nur so viel, dass Sie im

Falle von Verständigungsschwierigkeiten dem anderen noch eine,

maximal zwei Fragen stellen können. Alles andere wird zu teuer.

Ihre Cordula Stratmann

^ Cordula Stratmann, geboren 1963, zählt zu den erfolgreichsten deutschen Komikerinnen.

Sie ist vielfach preis gekrönt: vom Deutschen Comedypreis über die

Goldene Kamera bis zum Bayerischen Fernsehpreis.

„Sie da oben, er da unten“ ist ihr erster Roman.

http://cordula-stratmann.de

j

© Boris Breuer

Cordula Stratmann: Zwischen Himmel und

Erde. Cordula Stratmann und Matthias Brandt sind

„Sie da oben, er da unten“. Roof Music, 14,95 € (D) •

15,40 € (A) • 24,50 sFr.

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ROMANE_FANTASTISCH

Edition Nautilus

Beweglich im Büchermeer!

© Christian Thiel

Ein Jahr lang hat Haruki Murakami seine Fans warten lassen. Nun

ist Band zwei seines 1 600-Seiten-Epos „1Q84“ erschienen.

Rätselhafte

Parallelwelten

TEXT: ULRICH BARON

Zwischen Realität und Traum: Haruki Murakami

Der Japaner Haruki Murakami ist der

einzige Romancier, der es fertigbringt,

eine gut 1 000-seitige Liebesgeschichte mit

einem Cliffhanger abbrechen und seine Leser

bis zur Fortsetzung warten zu lassen. Genau

das hat er im ersten Band von „1Q84“

getan. Dessen Heldin Aomame will sich am

Schluss für ihren Jugendfreund Tengo opfern,

während der gerade beschlossen hat,

sie nach 20-jähriger Trennung endlich wiederzufinden.

Der jetzt erschienene zweite

Band lässt die Schicksale der beiden dann

gleich noch weiter in der Luft hängen.

Murakami rückt zunächst einen kleinen,

hässlichen, aber sehr effizienten Mann ins

Zentrum, der in Band eins nur eine Nebenrolle

spielte: den Detektiv Ushikawa, der

Tengo observiert, um Aomame zu finden. Er

ist eine Art Damoklesschwert in Menschengestalt.

Je näher der Augenblick scheint, in

dem Tengo und Aomame sich endlich wiederfinden,

desto näher rückt auch der Zeitpunkt,

an dem er seinen Suchauftrag erfüllt

haben wird. Ist er doch Handlanger einer obskuren

Sekte, deren „Leader“ Aomame im

Auftrag einer reichen alten Dame ermordet

hat, welche einen Rachefeldzug gegen Männer

führt, die Frauen missbrauchen.

Zugleich ist Ushikawa aber auch ein

Fremdenführer in diesem nunmehr auf fast

1 600 Seiten angewachsenen Roman. Er recherchiert,

was in dessen ersten beiden Büchern

geschehen war, und wird mehr und

mehr von der fantastischen Unterströmung

erfasst, die diese Geschichte durchdringt.

Ushikawa begegnet der Tochter des ermordeten

„Leaders“, die mit Tengos Hilfe eine

Art Schlüsselroman über die wirklichen

Hintergründe jener Sekte veröffentlicht hat.

Ihr Buch wurde gemeinhin für Fantasy gehalten,

doch für Tengo und Aomame sind

dessen unheimliche „Little People“ und ihr

unheilvoller Einfluss auf die Menschheit zur

Wirklichkeit geworden. Leben sie doch

längst in jener rätselhaften Parallelwelt des

Jahres 1984, auf das der Romantitel wortspielerisch

(das japanische „neun“ klingt

wie das englische „Q“) ebenso hinweist wie

auf George Orwells Roman „1984“.

Zwei Monde leuchten des Abends dort am

Himmel, und Aomame spürt, dass darunter

für die beiden Liebenden kein Platz sein

wird. Kaum haben sie einander endlich gefunden,

da beginnt schon die verzweifelte

Suche nach einem Notausgang. Doch wer als

Gestalt oder Leser erst einmal in Murakamis

Welt gelandet ist, entkommt ihr nie mehr

ganz. So wird man nach der Lektüre abends

immer öfter nach oben schauen, ob der

Mond noch allein am Himmel steht.

Lesezeichen

Haruki Murakami: 1Q84. Buch 1 & 2. Übersetzt

von Ursula Gräfe. DuMont, 1024 S., 32,– € (D) •

32,90 € (A) • 42,90 sFr.

Haruki Murakami: 1Q84. Buch 3. Übersetzt

von Ursula Gräfe. DuMont, 550 S., 24,– € (D) •

24,70 € (A) • 34,50 sFr.

Jochen Schimmang

Neue Mitte

2025: Nach dem Ende

der Juntaherrschaft

befindet sich Deutschland

im Übergangszustand.

In der alten

Mitte Berlins blüht

eine Utopie auf ...

»Dieser Autor ist der

Meister einer Beiläufigkeit,

hinter der sich

die wahren Dramen

verstecken.« FAZ

Gebunden, € 19,90

Matthias Wittekindt

Schneeschwestern

Im Wald von Fleurville

wird die sechzehnjährige

Geneviève tot aufgefunden.

An Verdächtigen

herrscht kein Mangel.

»Wittekindts Erzählen

erschöpft sich nicht in

der filmischen Methode,

sondern fängt damit

erst an, als sei es eine

Story von Hitchcock.«

Harald Martenstein

Broschiert, € 18,00

Elisabeth Filhol

Der Reaktor

Yann ist Leiharbeiter

undreistvonWerkzu

Werk. Sein Job: Atomkraftwerke

warten.

Elisabeth Filhol gewährt

in ihrem Roman einen

Blick ins dunkle Herz

der Atomindustrie

»... ein eindringlicher

Text – und ein starkes

Stück Literatur.«

Deutschlandradio

Gebunden, € 16,00

Patrick Pécherot

Boulevard der Irren

Im Juni 1940 in Paris

einen depressiven

Nervenarzt zu überwachen,

ist für Nestor

Burma nicht gerade

ein Traumjob. Die

Nazis stehen vor Paris,

viele Hauptstädter

fliehen aus der Stadt,

und der merkwürdige

Selbstmord des

Irrenarztes macht die

Sache nicht besser ...

Broschiert, € 14,90

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In jeder guten Buchhandlung

Mehr Infos: www.edition-nautilus.de


Lesestoff Romane

Grüne Hölle

Der

Traum

des

Kelten

© SPrada

KOLONIALE VERBRECHEN

Mario

Vargas

Llosa

Roman

Suhrkamp

Finsteres Kapitel

der Geschichte

Roman, gebunden, 432 Seiten

ISBN 978-3-0369-5602-2, 22.90

Ein packendes,

anrührendes

Bild der japanischen

Seele

KEIN & ABER

Foto: Mathias Kessler

VERGANGENHEIT UND GEGENWART

Die Welt im Rausch

Eine Aufnahme des deutschen

Fotografen August

Sander gab Richard Powers

den Anstoß zu seinem

1985 in den USA erschienenen

Debütroman.

Sie zeigt drei Bauern im

Westerwald im Jahre 1914.

Auf dem Weg zu einem

Tanzvergnügen ahnen sie

noch nicht, dass die ganze Welt schon auf dem

Weg in den Krieg ist. Powers konfrontiert seinen

Protagonisten mit diesem Foto und setzt damit

eine Recherche in Gang, in der sich die Lebensläufe

jener Bauern mit zwei Geschichten aus der

Gegenwart verweben. So entsteht ein Panorama

des 20. Jahrhunderts, in dem Kunst und Krieg,

Technik und Wissenschaft die Welt in einen furiosen

Beschleunigungsrausch versetzen. Der geniale

Autobauer Henry Ford tritt ebenso auf wie

die gefeierte Schauspielerin Sarah Bernhardt.

Manchmal hat der 1957 geborene Powers seinem

Talent hier noch die Zügel schießen lassen,

doch immer wieder gelingen ihm atemberaubende

Szenen. So gerinnt Geschichte, gerinnt

Zeit selbst zum Bild, wie auf jenem Foto, das ihn

zum Erzähler machte.

ub

^ Richard Powers: „Drei Bauern auf dem Weg zum

Tanz“. Übersetzt von Henning Ahrens. S. Fischer,

464 S., 22,95 € (D) • 23,60 € (A) • 32,90 sFr.

Die Grausamkeiten, die Menschen Menschen

antun können, sind oft unbegreiflich. Zu den

entsetzlichsten Verbrechen gegen die

Menschlichkeit gehört die Ausbeutung der

Ureinwohner Afrikas und Südamerikas durch

die Kolonialherren, um die Kautschukvorräte

der Regenwälder plündern zu können. Nobelpreisträger

Mario Vargas Llosa nimmt sich

in seinem jüngsten Roman dieses finsteren

Kapitels an und stellt eine historische Person

in den Mittelpunkt: den britischen Diplomaten

und irischen Freiheitskämpfer Roger

Casement. „Der Traum des Kelten“ setzt in

der Todeszelle ein: Casement, wegen Spionage

verurteilt, erinnert sich an seine langen

Jahre im Kongo, wo er die Verbrechen akribisch

recherchiert und danach öffentlich gemacht

hat. Später reist er in gleicher Sache

ins peruanische Amazonasgebiet, wo eine

britische Company die Indios drangsaliert,

versklavt und zu Tausenden ermordet. Die

Schilderung dieser Verbrechen durch die Kolonialmächte,

die unsagbaren Strapazen, die

Casement auf sich nimmt, um die Wahrheit

ans Licht zu holen, sind die Stärken des Romans.

Hinter der historischen Wucht des

Stoffs verblassen dagegen Vargas Llosas

Schilderungen der inneren Kämpfe und Tragik

dieses Mannes, der zudem wegen seiner

Homosexualität stigmatisiert war. bai

^ Mario Vargas Llosa: „Der Traum des Kelten“.

Übersetzt von Angelica Ammar. Suhrkamp,

447 S., 24,90 € (D) • 25,60 € (A) • 35,50 sFr.

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KLEINBÜRGERIDYLLE

Endstation Kleinhoek

Oft sind es Zufälle, die unser Leben regieren. Marko

Theunisse etwa, der Junge aus Ingendaays

Erstling „Warum du mich verlassen hast“, hätte

auch Professor oder Verlagsleiter werden können

– das hoffte zumindest sein Vater. Nun sitzt er im

Städtchen Kleinhoek und verkauft Versicherungen

für die Rheinische. Er arbeitet fleißig, ist

beliebt und hat sich eingerichtet im Kleinbürgertum.

Und doch bleibt er der ewige Bummelant,

der nach dem Motto „Vieles ist möglich, lassen

wir’s bleiben“ verfährt. Sein Liebesleben beschränkt

sich darauf, mit einer verheirateten Kundin

ins Bett zu gehen – was ein Kollege prompt

zur Erpressung nutzt. „Die

romantischen Jahre“ ist eine

heiter-melancholische Lektüre

über einen, der auszog,

die Welt zu er obern, und nur

bis Kleinhoek kam. bai

^ Paul Ingendaay: „Die

romantischen Jahre“. Piper,

480 S., 19,99 € (D) •

20,60 € (A) • 28,90 sFr.

IN EPISODEN

Bewegung im Dasein

Es geschieht eher nichts

Sensationelles – es ist aber

auch nicht ganz alltäglich,

was Peter Henning in dem

ersten Buch nach seinem

großen Erfolg mit dem Familienroman

„Die Ängstlichen“

erzählt. Ein Paar will

sich trennen, aber als die

beiden in einem Fahrstuhl

sind, der wegen eines Erdbebens stecken geblieben

ist, finden sie wieder zusammen. Drei Männer

stranden nachts an einem Bahnhof, weil nach

den Erschütterungen keine Züge mehr fahren, und

erzählen sich von ihrem Leben, mit dem sie nicht

glücklich sind. Es sind ganz ruhige Geschichten,

die Peter Henning um das Erdbeben rankt, um

Menschen, in deren Leben selbst ein „Leichtes Beben“

festzustellen ist, meist nichts Großes, aber es

könnte etwas daraus werden. Vielleicht … Ein

stiller, nachdenklich stimmender Roman. sc

^ Peter Henning: „Leichtes Beben“. Aufbau,

331 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr.

Zeit für

Bestseller

Alle

lieben

Harold!

DEUTSCH-DEUTSCHE SATIRE

Auferstanden aus Ruinen

Die Idee des „Was wäre, wenn ...“ ist noch immer

eines der reizvollsten Szenarien, die man sich in

der Literatur denken kann. Auch Simon Urbans

„Plan D“ spielt mit den fiktionalen Möglichkeiten

der Weltgeschichte: Was also wäre, wenn die DDR

gar nicht zusammengebrochen wäre? Wenn man

stattdessen die Mauer geöffnet, 1,5 Millionen Bürger

ausreisen und anschließend den antifaschistischen

Schutzwall wieder aufgebaut hätte? Die

Antwort, die der Roman für das Jahr 2011 gibt, ist

nicht angenehm, aber doch recht amüsant: Egon

Krenz ist noch immer Staatsratsvorsitzender; Vorsitzender

des Ministerrats ist Gregor Gysi, und

auch sonst haben es sich diverse bekannte Politiker

in Ämtern bequem gemacht. Von Bundeskanzler

Oskar Lafontaine erhoffen sich die Machthaber

wirtschaftliche Hilfe – da geschieht ein

Mord, der das gesamte Gebilde

ins Wanken bringt und

eine verschlungene Ermittlung

in Gang setzt. Urbans

Roman ist eine hochkomische

Satire – auch auf gegenwärtige

Verhältnisse. cs

^ Simon Urban: „Plan D“.

Schöffling, 552 S., 24,95 € (D)

• 25,70 € (A) • 35,50 sFr.

BERÜHRENDE LIEBESGESCHICHTE

Rückkehr ins Leben

Nathalie liebt François, in

ihrer Beziehung findet sich

die Quintessenz des Glücks,

die vollkommene Harmonie.

Doch dann wird François

beim Joggen überfahren

und stirbt. Nathalie vergräbt

sich in Arbeit, lässt

niemanden an sich heran,

bis sie aus einer Laune heraus

ihren schwedischen Kollegen Markus küsst.

Einfach so, weil sie einen Moment lang plötzlich

wieder spürte, wie es ist, einen Körper zu haben

und erotische Gefühle. Aber in diese Laune ist noch

jemand involviert, und den unscheinbaren Markus

lässt der Kuss nicht kalt – im Gegenteil. Foenkinos

beschreibt die Wiederentdeckung der Sinnlichkeit

und die Rückkehr ins Leben nach einem Verlust mit

einer Leichtigkeit, die seinen Protagonisten gleichzeitig

tragische Würde und zarte Komik verleiht.

Sein Roman war in Frankreich ein durchschlagender

Erfolg und wird derzeit mit Audrey Tautou

in der Hauptrolle verfilmt. Ein sinnliches, poetisches

und erstaunlich heiteres Buch!

md

^ David Foenkinos: „Nathalie küsst“. Übersetzt von

Christian Kolb. C. H. Beck, 239 S., 16,95 € (D) •

17,50 € (A) • 25,90 sFr.

Roman · 224 Seiten · € 8,99 [D]

ISBN 978-3-453-43597-1

Leseprobe auf www.heyne.de

»Ein pointensattes Wunder: der

absurdeste Trip, die irrste Typenparade

in diesem Teil der Galaxis

seit Lichtjahren.« Stern

Der Sensationserfolg jetzt

erstmals im Taschenbuch!

Auch als Hörbuch in der

BRIGITTE Edition Starke Stimmen

Gelesen

von Benno

Fürmann

4 CDs

€ 9,99 [D]

ISBN 978-3-

8371-0879-8

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ROMANE_16. JAHRHUNDERT

Eine Trilogie über die Waringhams, eine fiktive Adelsfamilie aus Kent, hatte Rebecca Gablé

geplant. Doch die Fans wollten mehr, und jetzt gibt es tatsächlich einen vierten Band. Eine

Begegnung mit der deutschen Autorin in London – an Schauplätzen ihres Romans.

Fasziniert von englischer Geschichte

TEXT: SABINE SCHMIDT

Rebecca Gablé am

Tower in London, im

Hintergrund die

Tower Bridge: Auch

hier an der Themse

hat die Autorin für

ihren neuen Roman

recherchiert

© Olivier Favre

Sie hat schon über viele englische Könige

geschrieben, „aber keinen habe

ich so verachtet wie Heinrich VIII.“, sagt

Rebecca Gablé. „Er war ein Egomane und

ein Tyrann, verschliss sechs Ehefrauen und

setzte dabei auch sein Land aufs Spiel: weil

er ‚nur‘ eine Tochter mit seiner ersten Frau

hatte, aber besessen davon war, einen

männlichen Thronfolger zu bekommen.“

Das sagt sie im Tower, wo zwei von Heinrichs

Frauen auf ihre Hinrichtung warten

mussten. Hier wurden aber auch andere gefangen

gehalten, und hier sind heute noch

neben der Streckbank weitere furchtbare

Folterinstrumente zu besichtigen. Sie spielen

in Rebecca Gablés neuem Roman eine

Rolle: Durch sie kommt im Tower der Vater

ihres Helden zu Tode.

Sieben historische Romane und ein Sachbuch

über das englische Mittelalter hatte

Zur Person

Rebecca Gablé, geboren 1964 in Mönchengladbach,

schrieb zwei Krimis, bevor sie 1997 mit dem Buch

„Das Lächeln der Fortuna“ ihren Durchbruch als

Autorin hatte. Seitdem hat sie sechs weitere historische

Romane geschrieben, die überwiegend im

englischen Mittelalter spielen und alle auf der

„Spiegel“-Bestsellerliste waren. Mit ihrem Mann

lebt Rebecca Gablé in Mönchengladbach.

sie schon geschrieben, bevor sie ihren neuen

1 000-Seiten-Schmöker über die Zeit

Heinrichs VIII. – „Der dunkle Thron“ – begann.

Auch dieses Mal ist die schlanke, lebhafte

Autorin mit den kurzen Haaren unvoreingenommen

an ihre Geschichte und

ihre Figuren herangegangen. Doch neutral

ist sie nicht lange geblieben. Die 47-Jährige

taucht stundenlang mit immer noch wachsender

Begeisterung in alte Quellen ab, besucht

die Schauplätze ihrer Romane und

legt größten Wert darauf, sich sehr genau

an die wahren Geschehnisse zu halten, in

die sie ihre Geschichten einbettet. Aber sie

nimmt auch leidenschaftlich Anteil an ihren

Figuren.

An den fiktiven ebenso wie an den historischen:

Sie begleitet ihre Waringhams, eine

erdachte Adelsfamilie aus Kent, auch im

neuen Band mit viel Wärme; sie zeigt Heinrichs

Rücksichtslosigkeit und ihre Kritik an

ihm deutlich; und sie fühlt sich in seine älteste

Tochter Mary ein, eine Prinzessin, die

von ihrem Vater zum rechtlosen Bastard degradiert

wurde – und die doch nach seinem

Tod und dem frühen Tod ihres Bruders die

erste Frau auf Englands Thron wurde.

20

buchjournal 5/2011


Besuchen Sie uns auf der

Frankfurter Buchmesse!

Buchjournal-Talk mit Rebecca Gablé

Samstag, 15. Oktober, 11 Uhr

Halle 4.0, Stand D 1339

Nach dem Halt im Tower geht es zum

nächsten Romanschauplatz: Hampton

Court, das etwas außerhalb von London

liegt. Dieses prachtvolle Anwesen hatte sich

Kardinal Wolsey bauen lassen, einer von

Heinrichs langjährigen Gefolgsmännern.

Als der König hörte, dass Wolsey sich diesen

Palast gönnte, wollte er ihn haben – und

Wolsey beeilte sich, ihm Hampton Court zu

schenken. Was ihm aber nichts nützte:

„Heinrich ließ ihn fallen wie eine heiße Kartoffel,

als es dem Kardinal nicht gelang, sich

mit dem Papst über die Annullierung der

ersten Ehe des Monarchen zu einigen.“

Mitleid hat Rebecca Gablé nicht mit dem

raffgierigen Kirchenmann. Aber fair findet

sie Heinrich auch in diesem Fall nicht. „Sein

Verhalten war wieder mal unmöglich“, sagt

sie empört bei einem Rundgang über das

riesige Anwesen, das heute ein Museum ist

– und das sie begeistert. „Wenn man hier

durch die Räume geht, zum Beispiel durch

die Küchen, in denen zu Heinrichs Zeiten

bis zu 200 Menschen arbeiteten, kann man

die Vergangenheit geradezu vor sich sehen.“

Übrigens auch den König selbst: Würdevoll

schreitet ein Schauspieler in den Gewändern

Heinrichs VIII. durch die Gemächer.

Dass sie sich einmal ausgerechnet mit

ihm und der englischen Renaissance befassen

würde, stand lange nicht in Rebecca

Gablés Sternen. Denn verliebt hatte sie sich

während ihres Anglistikstudiums ins englische

Mittelalter, und dem ist sie lange treu

geblieben. Schuld daran, dass sie sich jetzt

doch der Renaissance zugewandt hat, sind

ihre Fans, mit denen die Bestsellerautorin

durch Lesungen und über Facebook in Kontakt

steht. Sie baten darum, dass nach drei

Bänden über die Waringhams („Das Lächeln

der Fortuna“, „Die Hüter der Rose“ und

„Das Spiel der Könige“) nicht Schluss sein

sollte mit der Adelsfamilie, anhand deren

Rebecca Gablé englische Geschichte von

1360 bis zum Ende der Rosenkriege 1485 hat

lebendig werden lassen.

Die Fans trafen auf offene Ohren – und so

vertiefte sich Rebecca Gablé in die englische

buchjournal 5/2011 21

Renaissance und schrieb ihren „vierten

Band der Waringham-Trilogie“, der im Jahr

1529 einsetzt. Mehr noch: „Ich werde wohl

weitermachen“, verspricht sie, „wenn auch

nicht sofort. Wahrscheinlich wird nicht jeder,

aber jeder zweite meiner nächsten Romane

ein Waringham-Band sein.“

Jetzt aber ist erst einmal „Der dunkle

Thron“ zu lesen: die Geschichte um den jungen

Nicholas of Waringham, der ein

schweres Erbe antreten muss. Nicht nur,

dass der Turm der Burganlage verfällt – das

Mittelalter ist schließlich zu Ende. Vor allem

wurde das Leben seiner Eltern von Heinrich

VIII. zerstört, und Nick, stur wie alle Waringhams,

hält Mary die Treue, der ältesten,

verstoßenen Tochter des Monarchen – und

der ist not amused.

Der neue Band ist eine in sich geschlossene

Geschichte, die man lesen kann, ohne

die anderen Bücher um die Waringhams zu

kennen. Und es ist wieder ein spannender

Roman, in den man abtauchen kann, um

die Gegenwart für ein paar Stunden zu vergessen.

Oder auch, wenn man möchte, sie

sich über den Umweg in die Vergangenheit

vor Augen zu führen: „Es mag eine Binsenweisheit

sein, aber man muss sich immer

wieder klarmachen, dass damals wie heute

Macht einen Menschen verändert und die

meisten Menschen korrumpiert“, sagt die

Autorin, die nicht nur an vergangener,

sondern auch sehr an aktueller Politik interessiert

ist. „Nicht zuletzt das kann man

von Heinrich lernen, der mit durchaus redlichen

Absichten seine Regentschaft begonnen

hatte.“

Und von Rebecca Gablé kann man lernen,

dass auch Unterhaltungsliteratur intelligent,

lehrreich und anregend sein kann.

Lesezeichen

j

Rebecca Gablé: Der dunkle Thron. Ehrenwirth, 960 S.,

24,99 € (D) • 25,70 € (A) • 35,50 sFr.

Rebecca Gablé: Der dunkle Thron. Gelesen von Detlef

Bierstedt. Ehrenwirth, 12 CDs, 29,99 € (D/ A) • 30,30 sFr.

© Rudi Linn

Ein Serien -

mörder im

Mittelalter

Hochwertige Ausstattung mit Lesebändchen. 816 Seiten

Gebunden. € (D) 19,99 / € (A) 20,60 / sFr 28,90

Der junge Schmied Isenhart versucht

als früher »Profiler« einer

unfassbaren Mordserie an jungen

Frauen auf die Spur zu kommen –

und zugleich dem Geheimnis

seiner eigenen Existenz.

Ein umwerfend spannender

Roman aus einer Zeit, in der der

freie Geist mit Denkverboten

rang – und die uns gar nicht so

fern erscheint.

www.kiwi-verlag.de


Leseprobe

Mark Welte:

In die Füße atmen

Roman

© Corbis – Fotolia

22

buchjournal 5/2011


„Meine erste Filmrolle? Tja, ich war der ‚Penis-Schnitzer‘. Man sieht

mich fünf Sekunden lang, wie ich aus einem Rettich einen Penis schnitze.

Das war die ganze Rolle. Dieser extrem gesunde Rohkostpenis war

der Höhepunkt meiner Karriere. Nur: Für diesen Penis hätte ich eigentlich

keine Schauspielschule besuchen müssen.“

Hanno K., Schauspieler

Diese Dokumentation über die Otto-Falckenberg-Schauspielschule

lässt alles wieder lebendig werden. Während

meiner ganzen Zeit als Schauspielschüler hielt ich

mich immer für etwas Besonderes. Besonders nicht in

dem Sinne, dass ich mich für außerordentlich begabt hielt, ganz

im Gegenteil. Ich glaube, es gibt wenige Menschen, die mehr

Selbstzweifel haben als ich. Zweifler bin ich seit meiner Geburt –

bilde ich mir wenigstens ein. Nach dem ersten Atemzug dachte

ich höchstwahrscheinlich: „Ich komme noch mal raus. Das hätte

ich besser machen können. Entschuldigung, ich war unkonzentriert.“

Neben außerordentlichen Selbstzweifeln gab es da noch etwas

Außergewöhnliches: Ich bestand die Schauspielprüfung wie viele

andere, aber ich bestand sie, obwohl ich nie an ihr teilgenommen

habe. Und wer außer mir kann das von sich sagen?

Lange Zeit war ich besorgt, dass ich auffliegen

könnte, aber das Leben ist Risiko. Nie

hatte ich mehr Angst als in den ersten Wochen

und Monaten auf der Schauspielschule.

Ich bereue es keine Minute, dass ich mich

auf dieses Abenteuer eingelassen habe, aber

ich habe mich mehr als einmal auf der Toilette

versteckt, weil mir dieses Gebräu aus

Angst und Zweifeln zu viel wurde.

»Plötzlich merkt

man einfach,

dass alles

kompliziert wird«

Ein paar Vorteile hat der Besuch einer Schauspielschule aber definitiv.

Wenn ich Bekannte sehen will, mache ich einfach den Fernseher

an. Die Frau aus der Joghurt-Werbung war eine Stufe über

mir, der Kommissar, der sich im „Tatort“ über die Leiche beugt,

war in meiner Klasse, und die Leiche kenne ich auch. Persönlich.

Schon auf der Schule war sie eine sehr überzeugende Leiche, ihr

lagen bewegungsarme Rollen. Wie ich höre, kann sie gut davon

leben, tot zu sein. Wer die Otto-Falckenberg-Schule kennt, denkt

an Stars wie Joachim Król, Mario Adorf oder Franka Potente. Aber

die meisten, die diese Schule besucht haben, sind so unbekannt

wie ich. Wer kennt schon Jan Diamant? Niemand. Ich darf das sagen,

denn ich bin Jan Diamant.

Während ich mir die Dokumentation ansehe, grübele ich: Wie

konnte jemand wie ich überhaupt auf die Idee kommen, Schauspieler

zu werden? So schüchtern wie ich war, damals. Aber wie jeder

andere Schüchterne wartete auch ich auf einen kleinen Schubs.

Denn in jedem Schüchternen steckt ein Mutiger, der befreit werden

will, und dazu braucht es den Schubs. In meinem Fall schubste Lina

Hentig. Ich glaube, es war der Moment, als sie ihre Hand auf mein

Bein legte. Da wusste ich: Mein Beruf ist Schauspieler.

Kein Mensch sagt sich: „Okay, jetzt ist es aber mal Zeit für meine

Pubertät.“ Plötzlich merkt man einfach, dass alles kompliziert wird.

Ich merkte es in der achten Klasse, und Lina Hentig war der Grund.

Warum ich mich ausgerechnet in die Schönste der Klasse verlieben

musste, war mir selbst unklar. Sie war blond. Mehr konnte ich

kaum sagen, da ich mich nie traute, sie länger als eine Zehntelsekunde

anzuschauen, und das auch nur aus den Augenwinkeln. Sie

hatte ein Kinn wie mit einem Lineal gezogen, was auf mich aristokratisch

und selbstbewusst wirkte. Sie lachte viel, hatte auch allen

Grund dazu, wenn ich in der Nähe war, und roch betörend gut. Auf

dem Weg in die Klasse atmete ich sie manchmal ein, ohne sie anzuschauen.

Das war gut, weil ungefährlich.

* * *

Was meine Chancen bei Lina schmälerte,

war die Sache mit dem Sicherheitsabstand.

Wenn ich mich während der Pause auf dieselbe

Betonbank setzte wie sie, hielt ich

mindestens sechs Meter Abstand, was ich

höflich von mir fand, das Gespräch aber erschwerte.

Ich überlegte wochenlang, ob ich

den Abstand nicht verringern könnte, jeden Tag ein Stück, um sie

langsam an mich zu gewöhnen, bis ich eines Nachts schweißgebadet

aufwachte, weil ich geträumt hatte, dass ich direkt neben Lina

gesessen hatte. Es blieb bei dem Traum.

Ich fand, dass ein Gespräch sich zufällig entwickeln müsste, ohne

Zwang. Wobei mir klar war, dass meine Maßnahmen für ein zwangloses

Gespräch – Abstand und Schweigen – höchstwahrscheinlich

der Hauptgrund waren, dass es nie zu einem solchen kam. Über

dieses Paradox grübelte ich, bis die achte Klasse vorbei war.

Zu dieser Zeit hatte mein Bruder Henrik bereits ein Foto seiner

ersten Freundin an der Wand hängen. Als Gitarrist einer Band war

er automatisch interessant. Zwar probte die Band nie und trat

auch nie auf, war aber Legitimation genug, einen Gitarrenkoffer

mit Guns-N’-Roses-Aufkleber und ein Stirnband zu tragen.

Henrik und ich sind Zwillinge. Wir würden uns sehr ähnlich sehen,

wenn wir uns gleich kleiden würden, was wir aber nie tun.

Weil wir ansonsten eher Gegensätze sind. Wir sind nicht ein-

0

buchjournal 5/2011 23


LESEPROBE

0 mal am selben Tag geboren. Er kam kurz vor zwölf, ich fünf

Minuten danach. Er hat sich also damals schon vorgedrängelt.

Henrik war auch nicht auf meiner Schule – unsere Psychologen-

Eltern meinten, wir brauchten eigenen Raum zur Entwicklung –,

und so konnte ich seine Eroberungsstrategien nicht live beobachten.

Als Trost redete ich mir ein, seine Freundin sei nur ein Foto,

das er gefunden hatte.

Als Schüler, der sich weder auffällig kleiden noch profane Dinge

wie „Hi“ sagen will, hat man wenige Möglichkeiten, sich zu präsentieren.

Mein Bruder dagegen wechselte ständig Verkleidung

und Freundin. Er verwandelte sich von einem Rocker in einen Skater

und heftete das Foto seiner neuen Freundin an die Wand. Da er

nie Skateboard fuhr, fand ich ihn unglaubwürdig. Das führte zu

einem gemeinsamen Skateboard-Nachmittag, bei dem ich mir

das Bein brach – wofür ich Henrik bis heute

dankbar bin. Das Gipsbein funktionierte.

»Ein Raum voller

Menschen und

trotzdem war ich

vollkommen allein«

Zum ersten Mal bemerkte Lina, dass ich

existierte. Aus irgendeinem Grund fand sie

es lustig, auf meinem Gipsbein zu unterschreiben:

„Lina!“

Das Beste war das Ausrufezeichen. Ich war

mir sicher, dass es genau das war: ein Zeichen.

Sie hätte einen Punkt machen können,

aber sie hatte ein Ausrufezeichen gemacht. Es war wie ein Augenzwinkern.

Am liebsten hätte ich das Gipsbein in mein Tagebuch

geklebt. Mein erster Liebesbrief. Leider blieb das der einzige Kontakt

zwischen uns beiden. Ich überlegte kurz, ob ich mir noch einmal

ein Bein brechen sollte, aber da war die neunte Klasse auch

schon vorbei. Die Zeit vergeht ja wie im Flug, wenn man unnütz in

der Ecke rumsteht.

Mittlerweile brachte Henrik seine dritte Freundin, Melanie, mit

nach Hause, und Melanie war leider kein Foto. Henrik war jetzt

Surfer – sogar mit einem Surfbrett, das an der Wand lehnte, was

unfassbar lächerlich war. Während laute Musik aus seinem Zimmer

dröhnte, wuchs in mir der Wunsch, die Tür aufzureißen und

Melanie anzuschreien: „Wo glaubst du denn, dass er surft, verdammt

noch mal? Im Spaßbad?“

Ich war wütend auf Frauen, die auf so dämliche Tricks hereinfielen.

Solche Frauen waren fast frauenverachtend, weil sie ihr Rudel

so diskreditierten. Henrik war sich einfach für nichts zu schade.

Die Felle, die mein Vater im Winter auf den Autositzen hatte, zerschnitt

er und schneiderte sich daraus eine Weste. Mein Vater war

wütend, ich fassungslos. Henrik trug unsere Autositze und fand

tatsächlich eine Frau, die ihn dafür auch noch bewunderte. Anscheinend

war es ein Naturgesetz: Wer nicht allein sein will, muss

sich zum Affen machen. Ich gab auf. Wahrscheinlich wäre ich

Mönch geworden oder so etwas, aber dann kam der Roboter.

Ich erfuhr, dass Lina in die Theater-AG ging. Ohne sie wäre ich

nie auf die Idee gekommen, dort mitzumachen. Es gab Schüler,

die Kulissen malten, andere kümmerten sich um das Licht. So etwas

in der Art wollte ich auch machen, um unauffällig in ihrer

Nähe zu sein. Da bot mir mein Deutschlehrer eine Rolle an.

Ich lehnte zuerst ab, aber die Rolle, die er mir anbot, war der

Roboter. Man würde mich nicht sehen, denn ich sollte einen Computermonitor

über dem Kopf tragen. Also sagte ich zu. Mit einem

Pappmonitor auf dem Kopf war ich lächerlich, was ja, meiner eigenen

Theorie zufolge, meine Chancen bei Lina beträchtlich steigerte,

da ich mich zum Affen machte.

Sollte sich Lina tatsächlich in mich verlieben, weil ich so ein

toller Roboter war, würde sie mich sicher bitten, den Monitor, solange

wir zusammen waren, aufzubehalten: „So habe ich dich lieben

gelernt.“ Ich gebe zu, ich war mittlerweile ein bisschen verbittert.

Während der Aufführung hörte ich meinen eigenen Atem in

dem engen Pappgehäuse: „Sch-Chäää“, während mich vierhundert

Menschen, die ich nicht sehen konnte, anstarrten. Ich dachte:

Was hast du getan, du Idiot? Ein Raum voller Menschen, und

trotzdem war ich vollkommen allein! Nur ich und mein Atem.

Sch-Chäää! Und dann hörte ich das Lachen!

So stelle ich mir die Wirkung von Psychopharmaka

vor.

Meine Panik verwandelte sich in eine Welle

aus Leichtigkeit, Freude und – Macht.

Peinlich, aber ja, es fühlte sich an wie Macht.

Macht ist, vierhundert Menschen zum Lachen

zu bringen.

Ich hatte eigentlich nur drei Lacher an

dem Abend, und einen davon verdankte ich

einer unfreiwilligen Slapstick-Einlage, weil ich wegen meiner

schlechten Sicht vor eine Wand knallte. Meine Szene war zu Ende,

ich hörte noch Kichern im Publikum, als ich hinter die Bühne

kam. Da setzte sich Lina neben mich und nahm mir den Monitor

von den Schultern. Sie lächelte und dann legte sie ihre Hand auf

mein Bein und sagte: „Ich wusste gar nicht, dass du so lustig sein

kannst. Du warst gut. Richtig gut.“ Das war der Moment.

Wenn du auf eine Bühne steigst, geschehen manchmal Wunder.

Linas Hand auf meinem Bein war eines. Und mir war klar: Ich will

Schauspieler werden. Diese Hand hätte mich von allem überzeugen

können. Hätte sie gesagt: „Etwas Kaufmännisches liegt dir“,

säße ich heute in einer Versicherung. Hätte sie gesagt: „Du musst

unbedingt etwas draußen machen“, wäre ich Gärtner geworden.

Oder obdachlos.

Mark Welte: In die Füße atmen. Roman.

Kiepenheuer & Witsch, 288 S., 14,99 € (D) •

15,50 € (A) • 21,90 sFr.

24

buchjournal 5/2011


LESEPROBE DAS PORTRÄT

Abenteuer Schauspielschule: Nach

Drehbüchern fürs Fernsehen hat

Mark Welte mit „In die Füße atmen“

seinen ersten Roman geschrieben.

„Keine Chance

ohne Neurosen“

Wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem Roman?

Mark Welte: Die Idee hatte ich schon vor

Jahren, und das hängt mit dem Titel zusammen.

In den ersten Tagen auf der Schauspielschule,

wenn man Sachen zu hören

bekam wie: „Denk an die Decke!“, „Spür

dein inneres Lächeln“ oder eben auch „Atmet

in die Füße“, dann war das erst mal seltsam,

und von Anfang an dachte ich, dass

das ein guter Titel wäre: „In die Füße atmen.“

Ein paar von uns haben sich am Anfang

drüber lustig gemacht, aber irgendwann

merkt man auch, dass einem das ein

oder andere Bild tatsächlich etwas helfen

kann, wenn man auf der Bühne steht.

Können wir uns eine Schauspielschule so vorstellen

wie im Buch?

Man kann sich eine Schauspielschule so

vorstellen wie im Buch, sollte aber vielleicht

nicht vergessen, dass ich als Autor übertreiben

darf, verzerren und weglassen. Die

meis te Zeit verbringt auch ein Schauspielschüler

mit warten, ärgern und in der Kantine

rumsitzen. Vielleicht liegt es auch an mir,

und für meine Mitschüler war die Schauspielschule

ein einziger Rausch, voller Drogen

und Sex. Manchmal hatte ich das Gefühl,

die Schauspielschulpartys wurden genau

ab dem Punkt interessant, an dem ich

nach Hause gegangen bin. So gesehen ist

das Buch meine Rache – endlich fragen mal

die anderen: „Ist das auch wirklich wahr?“

Lässt sich die Schauspielschule ohne Neurosen

überstehen?

Natürlich nicht. Ohne Neurosen wird

man gar nicht erst aufgenommen. In der Regel

nehmen sie jedes Jahr einen Hypochonder

auf, zwei Hysterikerinnen sowie ein bis

zwei Profilneurotiker. Nein, Quatsch. Tatsächlich

ist es ganz hilfreich, wenn man in

sich selber ruht, solche Leute gab es auch an

der Schauspielschule, nur braucht man das

nicht zu erzählen.

Was geben Sie jungen Menschen, die Schauspieler

werden wollen, mit auf den Weg?

Schwer zu sagen, weil der Beruf so unterschiedlich

aussehen kann. Ich habe vor und

nach der Schauspielschule eher Kabarett gemacht,

was ein ganz anderes Arbeiten ist,

als fest an einem Theater engagiert zu sein.

Wenn man mit einem Kabarett-Trio durch

Kneipen in der Eifel tingelt und die Gage

Zur Person

Mark Welte wurde 1970 in Aachen geboren

und besuchte nach dem Abitur die Otto-Falckenberg-Schule.

Er arbeitet als Drehbuchautor

(unter anderem für die Anke-Engelke-Show

„Ladykracher“), Schauspieler und Kabarettist.

Welte lebt heute in Köln. „In die Füße atmen“

ist sein erster Roman.

Mark Welte: „Ich bin nicht der Typ, der anderen

Ratschläge mit auf den Weg geben kann“

nach Abzug des Benzingeldes durch drei

teilt und gerade mal 30 Euro verdient hat,

heißt die Frage nicht mehr: „Hab ich Talent?“,

sondern: „Ich hab Hunger, also – wie

lange kann man von 30 Euro leben?«. Nein,

ich bin eher nicht der Typ, der anderen Ratschläge

mit auf den Weg geben kann.

„In die Füße atmen“ ist Ihr erster Roman, davor

haben Sie bereits Drehbücher geschrieben –

was war beim Schreiben anders für Sie?

Wenn ich für eine Comedysendung schreibe,

gebe ich meinen Text ab und ein halbes

Jahr später schalte ich den Fernseher ein und

staune: Das ist also daraus geworden. Ein

Buch zu schreiben ist nicht nur persönlicher,

thematisch gesehen, sondern auch von der

Arbeitsweise her. Bei jedem Arbeitsschritt,

jeder Besprechung, den meisten Korrekturen

war ich beteiligt, und diese Arbeitsweise

war für mich neu und angenehm.

Mit welcher Ihrer Figuren können Sie sich am

ehesten identifizieren?

Da die Figuren alle etwas neurotisch sind,

natürlich mit keiner. Oder mit allen. Ich

will da jetzt keine bevorzugen, da sonst

wieder Neid aufkommt. Ich habe jedenfalls

weder einen Zwillingsbruder, wie die

Hauptfigur, noch bin ich durch Täuschung

auf die Schauspielschule gekommen.

© Bettina Fürst-Fastré

buchjournal 5/2011 25


LITERATURFEST MÜNCHEN

Im November dreht sich in der Bayern-Metropole alles um Bücher, Autoren und Literatur. Mit

den Säulen forum:autoren, Münchner Bücherschau und dem Programm im Literaturhaus

München soll das Fest zum großen Herbstereignis werden – mit dem Buchjournal als Partner.

Literatur

auf allen

Kanälen

TEXT: ECKART BAIER

D

ie heimliche Hauptstadt schwingt

sich auf, nun auch noch Deutschlands

Literaturzentrum zu werden – zumindest

im Spätherbst. Das Literaturfest München,

2010 zum ersten Mal in dieser Form gestartet,

gewinnt schon bei seiner zweiten Auflage

derart an Format, dass die Veranstaltung

im November viel mehr sein wird als ein regionales

Ereignis. Neben dem Radiosender

Bayern 2 ist in diesem Jahr auch erstmals das

Buchjournal als Medienpartner mit im Boot.

Drei große Programmsäulen prägen das

Literaturfest München:

1. forum:autoren

Das in diesem Jahr von Schriftsteller Matthias

Politycki verantwortete Forum wird, da

ist sich der Kurator sicher, weit über die

Münchner Region hinaus wirken: „Das Medieninteresse

im Vorfeld zeigt mir, dass die

Strahlkraft des Literaturfests bei Weitem

nicht nur das Münchner Publikum erreichen

wird.“ (Siehe Interview Seite 28.)

Nachdem Ilija Trojanow im Vorjahr unter

dem Motto lokal:global den Schwerpunkt

auf internationale Literatur gelegt hatte,

geht es Politycki um nichts weniger als eine

Standortbestimmung der deutschsprachigen

Gegenwartsliteratur, „eine Erkundung

dessen, was wirklich wichtig ist, was

Stil hat, Haltung, Relevanz“, so der Kurator.

50 Autorinnen und Autoren hat er dazu

eingeladen – unter anderen Katja Lange-

Müller, Felicitas Hoppe, Burkhard Spinnen,

Josef Winkler und Tanja Dückers –,

Vorfreude auf das Fest (oben, von links):

Münchens Kulturreferent Hans-Georg

Küppers, Börsenvereins-Landesvorsitzender

Wolf Dieter Eggert und Literaturhaus-Chef

Reinhard Wittmann

die aus ihren Büchern lesen und bei Diskussionen

Rede und Antwort stehen.

Dabei will das forum:autoren das Gegenteil

von „Eventisierung“ sein, meint Politycki:

„Wir schielen nicht nach Quote, locken

also weder mit Bestseller-Lesungen noch

mit schrägen Locations, sondern konzentrieren

uns auf fast schon altmodische Weise

auf Literatur an angestammten Orten

und auf die Stimmen der Autoren selbst.“

Etwa bei der „Samstagnachmittagserklärung“

am 12. November: Ab 15 Uhr debattieren

im Literaturhaus acht Autoren in vier

Runden über vier Fragen an die deutsche Literatur,

so zum Beispiel Dagmar Leupold

und Martin Mosebach über das Thema

„Made in Germany – ein Auslaufmodell?“.

Unter dem Motto „Backstage“ sind die

Autoren zu Gast an Münchner Schulen, und

bei der Diskussionsreihe „Klartext“ an der

Münchner Universität stellen sie sich auf der

Grundlage von Fünfminutenstatements

Fragen wie: Wo steht die Literatur? Welche

Themen treibt sie um? Und wohin bewegt

sie sich? Last but not least wird beim

forum:autoren auch gefeiert – etwa beim

„Literaturfestfest“ in der Muffathalle (Samstag,

12. November, 20 Uhr) oder beim abendlichen

„Salon der lebenden Schriftsteller“.

2. Münchner Bücherschau

Die Schau im Kulturzentrum Gasteig hat

große Tradition: Am 10. November öffnet

sie zum 52. Mal ihre Türen und wird das Publikum

in Scharen anlocken. Mehr als

160 000 Besucher werden wohl auch in diesem

Jahr wieder durch die wohl renommierteste

Buchausstellung Deutschlands

© Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V.

© Volker Derlath

26

buchjournal 5/2011


schlendern, in die rund 20 000 ausgestellten

Bücher hineinschmökern, eine der mehr als

50 Lesungen besuchen und Autoren hautnah

erleben. Unter vielen anderen sind zu

Gast: Wolf Biermann, Helke Sander, Heinz

Rudolf Kunze, Gaby Hauptmann und Paul

Maar. Und das Ganze auch noch kostenlos

und für jedermann fast rund um die Uhr zugänglich:

Die Bücherschau hat ihre Pforten

von 8 bis 23.00 Uhr geöffnet.

Die Stiftung Buchkunst präsentiert in einer

Ausstellung „Die schönsten deutschen

Bücher 2010“, und das vielfältige Kinderund

Jugendprogramm wird wieder Tausende

Nachwuchsleser sowie Schulklassen in

den Gasteig locken. Alle Infos zur Bücherschau

finden sich unter www.muenchnerbuecherschau.de

und auf den Sonderseiten

im Buchjournal-Extra Kids & Teens, das

viele Buchhandlungen bereithalten.

3. Literaturhaus München

Das Herz des Literaturfests schlägt – wie

könnte es anders sein – im Literaturhaus am

Salvatorplatz. Neben den Veranstaltungen

beim forum:autoren werden hier etwa der

Roman cier Eugen Ruge und der Historiker

Ian Kershaw ihre hochgelobten Novitäten

vorstellen (am Mittwoch, 23. November, beziehungsweise

am Donnerstag, 24. Novem-

Info

Das Literaturfest München (10. bis 27. November)

wird veranstaltet vom Börsenverein des

Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern

und dem Literaturhaus München in Zusammenarbeit

mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt

München. Informationen im Internet

unter www.literaturfest-muenchen.de,

unter www.muen chner-buecherschau.de

sowie auf www.buchjournal.de/literaturfest.

Außerdem empfehlen wir das Weblog

zum forum:autoren auf www.fabmuc.de.

ber, jeweils um 20 Uhr). Bereits einen Tag

zuvor, am Dienstag, 22. November, präsentiert

das Literaturhaus den Gewinner des

Deutschen Buchpreises dem Publikum, der

bei Redaktionsschluss noch nicht feststand.

Ein weiteres Highlight im Literaturhaus

ist der Markt unabhängiger Verlage am 26.

und 27. November: Unter dem Motto „Andere

Bücher braucht das Land“ zeigen

30 unabhängige Verlage aus Deutschland,

Österreich und der Schweiz ihre Neuerscheinungen

und stehen für Gespräche

zur Verfügung. Podiumsdiskussionen,

Kinder-Illustrations-Workshops sowie

eine Party der unabhängigen Verlage am

Samstag abend begleiten den Markt.

Neben den drei Programmsäulen wird im

Rahmen des Literaturfests München außerdem

am 14. November der traditionsreiche

Geschwister-Scholl-Preis vergeben. Ausgezeichnet

werden Autoren, die besondere Zivilcourage

bewiesen haben, wie in der Vergangenheit

beispielsweise Joachim Gauck,

Roberto Saviano oder Anna Politkovskaja.

Das Feld für ein spannendes Literaturfest ist

also bereitet – nun muss das Publikum die

Einladung nur noch annehmen.

Die Entdeckung der Pole

in neuem Licht.

© Reinhold Messner

© Reinhold Messner

Mit Einfühlungsvermögen und

glänzend rekonstruiert

beleuchtet Reinhold Messner

eines der größten Abenteuer der

Menschheitsgeschichte.

buchjournal 5/2011 27

300 Seiten. Gebunden. € 19.99 (D)/€ 20.60 (A)/sFr. 28.90 (UVP)

mehr erleben


LITERATURFEST MÜNCHEN_INTERVIEW

Für Kurator und Schriftsteller Matthias Politycki soll das forum:autoren

eine Standortbestimmung deutschsprachiger Literatur liefern.

„Wir wollen Impulse setzen“

INTERVIEW: ECKART BAIER

Was kann das Publikum vom diesjährigen

forum:autoren erwarten?

Matthias Politycki: Noch in den 1990er

Jahren galt deutsche Literatur im Ausland

oft als provinziell und langweilig. Das hat

sich gewandelt, die Literatur hat sich geöffnet

für neue Themen, neue Stillagen,

ein ganz neues Selbstverständnis. Unser

Ziel ist es, diesen Reichtum vorzustellen,

eine die Saison überdauernde Standortbestimmung

deutschsprachiger Literatur

vorzunehmen.

War dieser Fokus eine Vorgabe der Veranstalter

an Sie als Kurator im Jahr 2011?

Im Gegenteil, es war der meine, etwas

anderes hätte ich nicht machen wollen.

2012 wird das forum:autoren ja wieder einen

ganz anderen Schwerpunkt haben. Auf

diese Weise bekommt das Publikum jedes

Jahr ein anderes Literaturfest – Subjektivität

ist hier also Programm.

Nach welchen Kriterien haben Sie die 50 eingeladenen

Autorinnen und Autoren ausgesucht?

Ein Schriftsteller ist mehr als die Summe

seiner Bücher, er arbeitet an einem Werk,

hat einen Standpunkt, eine unverwechselbare

Stimme – im Lauf der Jahre bekommt

man ganz gut mit, wer einer ist. Bei Jens

Sparschuh oder Burkhard Spinnen beispielsweise

musste ich nicht lange nachdenken:

Wenn es um eine Standortbestimmung

geht, gehören sie unbedingt dazu –

auch wenn sie in diesem Jahr gar kein

neues Buch veröffentlicht haben.

© picture-alliance / dpa

Matthias Polityckis Herz schlägt für die Lyrik

In München wird aber nicht nur gelesen, sondern

auch diskutiert. Kommt Ihnen in den Medien

und in der Öffentlichkeit die Auseinandersetzung

über Literatur denn zu kurz?

Das Klima dieser Auseinandersetzung

hat sich seit den 1980er Jahren sehr verändert.

Wir möchten mit den Debattenformaten

im forum:autoren frische Impulse

setzen, wünschen uns substanzielle Anregungen

auch über den Tag hinaus. Aus diesem

Grund sind unsere Autoren auch nicht

nur für eine einzige Veranstaltung vor Ort,

sondern in der Regel für drei Tage. Auf dass

genug Raum ist für Gespräche – die öffentlich

geführten wie diejenigen, die sich daran

hoffentlich anschließen.

Diskutiert, aber auch gefeiert wird später am

Tag dann im „Salon der lebenden Schriftsteller“

– geöffnet für jedermann?

Selbstverständlich, der Salon ist ja Teil

des Programms, sogar ein besonders wichtiger.

Er findet jeden Werktag ab 22 Uhr im

Lesezeichen

Matthias Politycki: London

für Helden. The Ale Trail.

Hoffmann und Campe,

96 S., 18,– € (D) •

18,50 € (A) • 28,90 sFr.

Zur Person

Matthias Politycki, 1955 geboren, lebt in Hamburg

und München. Der „größte lebende Sprachkulinariker

unter den deutschen Dichtern“ („Die Welt“)

hat seit 1987 Essays, Romane, Erzählungen und

Gedichtbände publiziert. Sein jüngstes Buch

„London für Helden“ entstand nach einem längeren

Aufenthalt in der britischen Hauptstadt.

Literaturhaus statt und wird reihum von

einem Münchner Verlag ausgerichtet. Wer

tagsüber eine spannende Veranstaltung erlebt

hat, will sich darüber doch unterhalten!

Was wird Ihr persönliches Highlight sein?

Da ich als Schriftsteller selber von der Lyrik

her komme, habe ich mich auch als Veranstalter

besonders darum bemüht: um Lyriker

nämlich, die uns mit ihren Gedichten

nicht nur vor intellektuelle Rätsel stellen,

sondern uns mitreißen und begeistern. Am

Samstag, 12. November, werden in der Muffathalle

sechs der besten Lyrikperformer

Deutschlands zu erleben sein. Einen Tag

später treten in der Lyriklounge im Club

Ampere zehn ganz unterschiedliche Lyriker

auf, von F.W. Bernstein bis Ulla Hahn.

Seit Ende 2010 arbeiten Sie und Ihr Team am

Programm – kommt da die eigene schriftstellerische

Arbeit nicht viel zu kurz?

Definitiv! Und ohne das Team wäre es nie

zu schaffen gewesen; stellen Sie sich allein

vor, was dafür alles gelesen und diskutiert

werden musste! Und dann will man ja mit

jedem der Eingeladenen ausführlich gesprochen

haben, möchte, dass er sich in unserem

Programm und später am Veranstaltungsort,

im Hotel, in der Stadt wohlfühlt – da gibt

es jede Menge zu bedenken, zu telefonieren,

zu korrespondieren, zu konferieren. Fürs eigene

Schreiben bleibt da keine Kraft.

www.literaturfest-muenchen.de

28

buchjournal 5/2011


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Schlank und schick

Mehrere Tausend Bücher auf einem Gerät? Die E-Reader von PocketBook machen

es möglich. Beispielsweise die multifunktionalen Geräten der Pro 600- und Pro 900-Serie.

PocketBook Pro 603

Der kompakte elektronische

Allesleser mit

Touchscreen, E-Ink-Technik

und eingebautem WLAN für

schnellen Internetzugang

PocketBook Pro 903

Der großformatige Reader mit 3G-

Modul und einem fast 10 Zoll großen

Bildschirm setzt selbst riesige Files und

grafische Programme ins rechte Licht.

PocketBook Pro 902

Das großformatige Basismodell der Pro

900-Serie bietet alles, was man für das

Lesen von Büchern und das Betrachten

von Texten und Grafiken braucht

PocketBook, der Hersteller mit dem breitesten Sortiment

an multifunktionalen E-Book-Readern, verfolgt

seit Jahren das Ziel, ein ideales elektronisches Lesegerät

zu entwickeln, das alle Kundenwünsche an mobiles,

papierloses Lesen erfüllt. Mit den Readern der Pro

600- und Pro 900-Serie kommt PocketBook diesem Plan schon

sehr nahe. Das PocketBook Pro 603 wiegt beispielsweise gerade

einmal 280 Gramm – so schwer wie ein mittleres Taschenbuch

– und trotzdem kann der Leser eine ganze Bibliothek mit sich

führen: Dank eines integrierten Speichers von 2 GB können bis zu

3 000 Bücher geladen werden. Und mit Hilfe einer zusätzlichen

MicroSD-Karte lässt sich die Kapazität sogar

bis auf 32 GB erweitern. Die Verwendung der

stromsparenden E-Ink-Technologie ermöglicht

komfortables, augenschonendes Lesen, denn im Vergleich

zur gewöhnlichen LCD-Technik bei Monitoren flimmern E-Ink-

Displays nicht, weshalb die Augen nicht ermüden. Der Leser kann

die E-Reader von PocketBook ständig benutzen, ohne sich Sorgen

um seine Augen machen zu müssen – und das bei enorm langer

Laufzeit: Ist der Akku vollständig aufgeladen, lassen sich rund 20

Bücher lesen, das heißt bei einer Lesedauer von 2 Stunden pro

Tag kann man etwa einen Monat lang lesen ohne Aufladen. Die

PocketBook-Reader bieten jedoch noch viele weitere Pluspunkte:

Mit der integrierten WLAN-Schnittstelle und einer Browser-Software

kann der Leser bei einem verfügbaren Internetzugang mit

seinem Gerät jederzeit ins Internet. Darüber hinaus verfügen

die PocketBook-Reader, die 20 Dateiformate unterstützen, über

attraktive Zusatzfunktionen wie Taschenrechner, Spiele, Vorlesefunktionen

und Notizfunktionen. Und nicht zu vergessen der

eingebaute Musik-Player: Während des Lesens lässt sich per Kopfhörer

oder über die eingebauten Lautsprecher Musik hören. Bei

all diesen Finessen, die die PocketBookReader bieten, stellen sie

dennoch keinerlei technische Anforderungen

an den normalen Leser: Die Geräte sind sofort

einsatzbereit, alle benötigten Funktionen

und die erforderliche Software sind bereits integriert. Und: Jeder

Reader kommt mit bis zu 1 000 vorinstallierten Büchern und mit

bis zu 44 Wörterbüchern in den Handel.

Mehr Informationen zu sämtlichen Produkten von PocketBook

und zu den Bestellmöglichkeiten finden Sie im Internet unter

www.pocketbook.de

Besuchen Sie uns auf der Frankfurter Buchmesse (Halle 4.0, B 1314) und testen Sie die neuen Reader!

buchjournal 5/2011 29


E-BOOKS

Das Geschäft mit den digitalen Büchern kommt in Schwung. Zehntausende Titel sind zu

haben, die E-Reader werden schicker und billiger und die Technik ist kinderleicht zu bedienen.

Tausend Bücher in der Tasche

TEXT: ECKART BAIER

Und da sage jemand, E-Reader sind

nur etwas für die Jungen: Im November

vergangenen Jahres überraschte Ruth

Klüger den ein oder anderen Zeitungsleser

mit einem flammenden Plädoyer in

Sachen Elektronik. In einem Beitrag für

die „Neue Zürcher Zeitung“ hatte sich die

Schriftstellerin, die am 30. Oktober ihren

80. Geburtstag feiert, als „begeisterte E-

Book-Konvertitin“ geoutet.

Klüger, die, wie sie sagt, „seit ihrem

sechsten Jahr auf Papier gedruckte Schrift

wie eine Droge zu sich nimmt“, mag nicht

mehr lassen vom elektronischen Lesegerät,

das so viel wiegt wie ein mittelgroßes

Taschenbuch, aber Tausende Bücher enthält

und mit einer Akkuladung tagelang

zur Verfügung steht. Doch nicht nur Senioren

wissen die flimmerfreie E-Ink-Technik

zu schätzen, die die Augen weniger

ermüden lässt als ein normales Buch, zumal

sich die Schriftgröße des Readers auf

die individuellen Bedürfnisse des Lesers

einstellen lässt. Mit der in vielen Geräten

integrierten WLAN-Schnittstelle kann der

Nutzer mit seinem Gerät sogar ins Internet

– und nette Zusatzfunktionen wie Taschenrechner,

Spiele und MP3-Player sind meist

ebenfalls integriert.

Zwar sind E-Book-Leser in Deutschland

immer noch in der Minderheit – der

Marktanteil des Geschäfts mit elektronischen

Büchern betrug 2010 gerade einmal

0,5 Prozent –, doch dürfte sich dies in

den nächsten Jahren deutlich wandeln.

Nicht nur, weil immer mehr erstklassige,

schicke und inzwischen auch preisgünstige

Geräte zu haben sind, sondern weil die

Verlage auch für den nötigen Lesestoff sorgen.

Egal, ob Charlotte Roches „Feuchtgebiete“,

Jussi Adler-Olsens Thriller „Erlösung“,

Ilija Trojanows Roman „EisTau“

oder Sachbücher und Biografien aller Art

– die Bestseller sind in den meisten Fällen

auch digital zu haben, und zwar in der Regel

billiger – gleichwohl preisgebunden –

als die gedruckte Ausgabe.

Wer die eleganten, meist silbrig glänzenden

Lese-Knechte gern einmal ausprobieren

will, sich insgeheim aber scheut,

sich nach Computer, Internet und Handy

in einem neuen Technik- und Dateiformat-

Wirrwarr zu verheddern, dem sei gesagt:

Der Gebrauch von E-Readern ist denkbar

einfach. Die benötigte Software ist installiert

und für den Download des begehrten

Lesestoffs stehen im Internet zahlreiche

Adressen zur Verfügung.

Für die zwingend notwendige Anmeldung

bei der Buchhandlung im Netz oder

einer anderen Downloadstation braucht

man zwar ein paar Minuten, doch dann

läuft das Herunterladen eines Titels – eine

schnelle Internetverbindung vorausgesetzt

– wie geschmiert: In Sekundenschnelle landet

das E-Book auf dem heimischen PC

und wird von dort in den gewaltigen Datenspeicher

des angeschlossenen Readers

übertragen: Mit einer Datenkapazität von

zwei Gigabyte, über die die meisten Reader

verfügen, lassen sich mehr als 1 000 Bücher

© Jean Gill

Das ideale

Gerät für

unterwegs:

E-Reader sind

leicht und

speichern

Hunderte Titel

laden. Und natürlich lässt sich das Buch

mittels des kostenlosen Programms Adobe

Digital Edition, das man braucht, auch direkt

am PC lesen. Für das Schmökern mit

dem E-Reader ist das EPUB-Format besonders

geeignet, weil es sich dynamisch an

die unterschiedlichen Bildschirm- und

Schriftgrößen anpasst.

Als E-Book-Kunde können Sie sich entweder

im Internetshop Ihres Buchhändlers

anmelden und dort ein elektronisches

Buch kaufen und herunterladen. Oder sie

klicken sich auf die E-Book-Plattform libreka!,

die mit zahlreichen Partnerbuchhandlungen

kooperiert und rund 80 000

Titel bereithält. Natürlich setzen auch die

großen Onlinehändler wie Weltbild oder

buecher.de auf die virtuelle Ware und haben

nicht selten sogar eigene E-Reader im

Angebot. Wer beim Internetshop Amazon

kaufen will, sollte wissen, dass das Amazon-eigene

Lesegerät Kindle kein EPUB-

Format kennt und der Nutzer damit ausschließlich

auf Titel aus dem Amazon-

Shop angewiesen ist.


30

buchjournal 5/2011


„In Zeiten des abnehmenden

Lichts“ ist eine fabelhaft erzählte

Familiengeschichte, meint

Redakteur Eckart Baier. Der

Debütroman des 56-jährigen

Eugen Ruge ist ein Ereignis.

BUCHJOURNAL-TIPP

e-Lesen mit

MIRA

im Oktober!

Die Geschichte

einer Familie

ANTOINETTE VAN HEUGTEN

Mutterliebst

e.Pub ISBN: 978-3-86278-094-5

7,49 € [D], 352 Seiten

ab 01.05.2012: 8,99 € [D]

Thriller

© Denis Stanisic

^ Darum geht es: Eugen Ruge erzählt die Geschichte einer

deutschen Familie in der DDR über vier Generationen. Dreh- und

Angelpunkt ist der 1. Oktober 1989, Wilhelms 90. Geburtstag. Dieser

Tag wird aus den Perspektiven verschiedener Personen gleich

mehrfach erzählt. Und von hier aus blendet Ruge vor und zurück,

etwa ins Jahr 1952, als Wilhelm, ein strammer Kommunist,

und seine Frau Charlotte aus dem mexikanischen

Exil nach Deutschland zurückkehren. Und in Mexiko findet

am 11. September 2001 die Geschichte auch ihr Ende:

Hier erfährt der krebskranke Enkel Alexander, der sich die

Ersparnisse seines dementen Vaters geschnappt hat, von

den Terroranschlägen auf das World Trade Center.

Eckart Baier ^ Das ist das Besondere: knapp im Stil, tiefgründig,

virtuos aufgebaut und unterhaltsam – ein Roman von der

Art, wie man ihn sonst nur von US-Autoren kennt. Mit sprachlicher

Finesse verleiht Ruge jeder Figur ihre eigene, individuelle

Stimme – und lässt tief blicken in das sozialistische Lebensgefühl.

Man kann nur staunen, dass diese fabelhaft geschriebene

Familiengeschichte das Debüt eines 56-jährigen Autors ist.

^ Wer ist der Autor? Beinahe hätte Eugen Ruge, geboren in Soswa

(Ural), für den Roman sein Ferienhaus auf Rügen verkaufen

müssen. Drei Jahre investierte er in seinen Erstling – dann rettete

ihn der Verlagsvertrag mit Rowohlt aus der Klemme. Der studierte

Mathematiker schrieb 20 Jahre als Autor für Theater und Fernsehen

und verarbeitete in seinem inzwischen bereits preisgekrönten

Buch viel von der eigenen Familiengeschichte.

ERICA SPINDLER

Spiel mit dem Tod

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Thriller

SUZANNE BROCKMANN

Operation Heartbreaker 10:

Taylor - Ein Mann, ein Wort

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6,49 € [D], 304 Seiten

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Romance

SUSAN MALLERY

Supermom schlägt zurück

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7,49 € [D], 352 Seiten

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Romance

JENNIFER ARMINTROUT

Herrscherin des Lichts

e.Pub ISBN: 978-3-86278-104-1

7,49 € [D], 352 Seiten

ab 01.05.2012: 8,99 € [D]

Fantasy

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^ Eugen Ruge: „In Zeiten des abnehmenden

Lichts“. Rowohlt,

432 S., 19,95 € (D) •

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Eugen Ruge: „In Zeiten des

abnehmenden Lichts“.

Gelesen von Ulrich Noethen.

Argon, 10 CDs, 29,95 € (D) •

30,80 € (A) • 42,50 sFr.

j

RACHEL VINCENT

Soul Screamers 1:

Mit ganzer Seele

e.Pub ISBN: 978-3-86278-106-5

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LUNA

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buchjournal 5/2011 31

MIRA eBooks sind erhältlich

in allen bekannten Online-Shops und

in allen gängigen Formaten!


»Eine sehr

wahre und

bewegende

Geschichte.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung

ROMANE_LEBENSGESCHICHTEN

Sie nimmt Figuren und Motive aus ihrem Leben, präsentiert sie mit

Humor – und mit großem Erfolg. Jetzt ist ein neuer Roman erschienen,

aus gegebenem Anlass: Dora Heldt wird 50. Ein Besuch in Hamburg.

© picture–alliance / dpa

Dora Heldt:

norddeutsch,

humorvoll – und

immer noch sehr

geerdet

Wellness mit Seeblick

TEXT: SABINE SCHMIDT

280 Seiten · ISBN 978-3-7844-3268-7

s (D) 19,99 · CHF 29,90 (UVP)

»Mit den Kindern stirbt auch die Hoffnung

nicht«, sagt Betsy Sternberg, als sie 1948

wieder in ihre alte Wohnung in der

Rothschildallee zieht. Die Bombenschäden

sind behoben, der Kirschbaum im Hinterhof

ist noch da, die Vögel zwitschern –

doch für die Mitglieder der Familie Sternberg,

die den Holocaust überlebt haben,

gibt es kein Zurück in das alte Leben.

Zukunft, Heimat, Sicherheit sind für sie

Worte ohne Bedeutung. Da geschieht ein

für diese Zeit nicht alltägliches Wunder …

LangenMüller

www.langen-mueller-verlag.de

Schon die Stimme klingt frisch und

nach einer Brise Norddeutschland, als

Dora Heldt in ihre helle, großzügige Wohnung

bittet: Sie ist auf Sylt aufgewachsen

und deutlich und gern von ihrer Heimatgegend

geprägt. „Ich mag die Mentalität hier

oben im Norden, die frische Luft, den

Wind, die Weite, das Wasser“, sagt sie. Und

hier in Norddeutschland, auf Sylt, Norderney

oder wo auch immer sonst, aber unbedingt

mit Seeblick, spielen ihre Romane.

Nur in einem ist sie so gar nicht norddeutsch:

Dora Heldt ist eine Schnell- und

Vielsprecherin.

Bücher haben für sie – oder für Bärbel

Schmidt, wie sie eigentlich heißt – schon

immer eine große Rolle gespielt. Dass sie

aber einmal schreiben würde, hat sie sich

lange nicht vorstellen können. Sie arbeitete

als Buchhändlerin, und seit 1992 ist sie als

Verlagsvertreterin tätig. Solange sie mit ihrem

Mann in Cuxhaven lebte, ging das gut.

Sie war zweimal im Jahr für mehrere Monate

für ihre Verlage unterwegs. In den

Zwischenzeiten arbeitete sie dienstags und

donnerstags in einer Buchhandlung und

spielte Handball.

Zur Person

Dora Heldt, 1961 auf Sylt geboren, ist gelernte

Buchhändlerin und seit 1992 als Verlagsvertreterin

unterwegs. Mit ihren unterhaltsamen Romanen

hat sie sämtliche Bestsellerlisten erobert. „Urlaub

mit Papa“ und „Tante Inge haut ab“ wurden

für das ZDF verfilmt. Dora Heldt lebt in Hamburg.

Doch vor etwa zehn Jahren, als sie um die

40 war, wurde alles anders. Ihr Mann teilte

ihr mit, dass er sie verlassen wollte – wegen

ihrer besten Freundin. „Ich habe nicht lange

diskutiert und bin nach Hamburg gezogen.“

Hier kannte sie niemanden, beim

Handball mit einer neuen Mannschaft zog

sie sich einen Achillessehnenanriss zu, mit

dem Sport war also erst mal Schluss, und es

gab keine Buchhandlung, in der sie zweimal

in der Woche arbeiten konnte. „Mein

Leben war mit einem Mal zwischen den

Verlagsreisen unstrukturiert und schon ein

bisschen düster.“

Dann aber traf sie den Literaturagenten

Joachim Jessen. „Er schlug mir vor, einen

32

buchjournal 5/2011


Besuchen Sie uns auf der

Frankfurter Buchmesse

Buchjournal-Talk mit Dora Heldt

Donnerstag, 13. Oktober, 13 Uhr

Forum Hörbuch & Literatur, Halle 4.1

Unterhaltungsroman für Frauen zu

schreiben. Nicht wie Hera Lind für

die jüngeren, sondern für meine Altersgruppe.

Und er meinte: Warum nicht über

das, was du gerade hinter dir hast – eine

Scheidung?“

Bärbel Schmidt legte los, mit einem klaren

Plan: „Ich wollte mein Leben strukturieren.

Ich wollte Spaß haben. Und ich wollte

ein unterhaltsames Buch schreiben, wie ich

es während meiner Trennungsgeschichte

selbst gern gelesen hätte“, erzählt sie.

So entstand „Ausgeliebt“, ihr erster Roman,

den sie unter dem Namen Dora

Heldt, dem Namen ihrer Großmutter, anbot

und den vier große Verlage haben

wollten. „Zum Glück war dtv dabei“, der

Verlag, für den sie als Vertreterin arbeitete.

Es folgte „Unzertrennlich“ und dann schon

„Urlaub mit Papa“ sowie „Tante Inge haut

ab“. Keine Romane mehr über eigene Erfahrungen,

aber Geschichten mit Momenten

und Figuren aus ihrem Leben: Die

Geschwister, Papa, Tante Inge, sie alle gibt

es tatsächlich und sie nehmen es gelassen

hin, dass sie in den Romanen vorkommen.

Dora Heldt hat mit ihnen großen Erfolg:

Alle ihre Bücher sind auf den Bestsellerlisten,

zwei sind verfilmt. „Aber mein Leben

hat sich dadurch nicht verändert“, sagt sie.

„Oder nur in einem Punkt: Ich habe jetzt viel

mehr Arbeit.“ Ein wenig hat Bärbel Schmidt

zwar ihre Verlagsvertretung eingeschränkt.

Aber immer noch ist sie zweimal im Jahr

unterwegs und schreibt in den Monaten dazwischen.

„Ich brauche die Reisen, sonst

würde ich mich ganz einigeln“, sagt sie bei

Kaffee und selbst gebackenem Kuchen.

Gibt es sonst wirklich keine Veränderungen

– immerhin ist sie eine der erfolgreichsten

deutschen Autorinnen geworden?

„Nee, es ist ja aber auch nicht viel

passiert. Ich habe doch nur ein paar Bücher

geschrieben.“ Dass man auch großen Erfolg

nicht hochkochen muss, scheint in die

norddeutschen Gene eingeschrieben zu

sein – und Familie und Freunde wachen darüber,

dass das so bleibt.

buchjournal 5/2011 33

In den letzten zwei Jahren war Dora Heldt

wieder sehr diszipliniert, hat Bücher verkauft

und zwischendurch ein eigenes geschrieben:

„Bei Hitze ist es wenigstens nicht

kalt“. Wieder eine fiktive, unterhaltsame

Geschichte und wieder eine mit Momenten

aus dem eigenen Leben. Dieses Mal geht es

um das Älterwerden und den 50. Geburtstag,

der bei der Autorin im November ansteht.

„Es ist der erste, der wirklich seltsam

ist. 50 – das waren immer die Großmütter,

auf jeden Fall immer die anderen. Ich fühle

mich überhaupt nicht wie 50, aber ich bin es

nun mal und mein Körper auch.“

So schrieb sie eine Geschichte über ihre

neue Heldin Doris, die den 50. Geburtstag

als Demütigung empfindet, über beste

Freundinnen, übergriffige Mütter und verloren

gegangene Lebensträume. Statt großer

Fete wünscht sich Doris ein Wochenende

in einem Wellnesshotel mit ihren beiden

ältesten Freundinnen, natürlich in

einer norddeutschen Küstengegend – und

zwischen Sauna, Friseur und Strandyoga

kommt frische Luft in die Gedanken.

Dora Heldt selbst hatte geplant, ihren

Geburtstag ganz groß zu feiern. „Aber nur,

wenn ich nach dem Schreiben des Romans,

nach der intensiven Beschäftigung mit der

50 noch Lust dazu haben würde.“ Und –

wie sieht es nun aus? Alles ist gut gegangen:

„Es wird eine richtig große Feier. Die

Einladungskarten sind schon verschickt.“

Schreiben ist für Bärbel Schmidt alias Dora

Heldt keine Therapie. Aber ein gutes Mittel,

um Abstand zu bekommen von allem,

was eher schwierig ist. Und vor allem: um

Spaß zu haben und Spaß zu machen.

Lesezeichen

j

Dora Heldt: Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt.

dtv, 340 S., 14,90 € (D) • 15,40 € (A) • 21,90 sFr.

Dora Heldt: Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt.

Gelesen von der Autorin. Jumbo, 1 CD, 14,99 € (D/ A) •

21,90 sFr.

Bücher,

die unter die

Haut gehen...

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ROMANE_ZAMONIEN

Die zamonische Stadt Buchhaim, gemeinhin auch als „Stadt der Träumenden Bücher“ bekannt, ist im neuen Roman von Walter

Moers erneut das skurrile Pflaster für allerlei Abenteuer des Großschriftstellers Hildegunst von Mythenmetz. Sein Werk wird von

Moers seit Jahren mit großem Erfolg aus dem Zamonischen übersetzt und illustriert. Im neuen Roman „Das Labyrinth der Träumenden

Bücher“ finden sich diese Illustrationen. Sie zeigen, wie gefährlich Bücher – insbesondere für Leseratten – sein können!

Lesen ist

gefährlich!

Das Skorpionbuch

Der Name ist Programm: klein und giftig.

Und je kleiner, desto giftiger.

Sechs

gefährliche Bücher

aus dem

Buchhaimer Labyrinth

Leidener

Männchen auf

Tentakelbuch

Tentakelbücher sind besonders

gefährlich, wenn sie von Leidener

Männlein gelenkt werden.

Gefräßiges

Buch

Das

Tentakelbuch

Sieht so harmlos aus. Zieht vor

allem Vielleser fest an sich und

lässt nicht mehr los.

Das

Stachelbuch

Liegt gern im Dunkeln vor dem

Bett. Vorsicht beim Aufstehen!

Lesezeichen

Lauert gut getarnt in unaufgeräumten

Bücherregalen.

Man hüte sich vor dem

Lesebändchen!

j

Das Bluttrinkerbuch

Trinkt, wie der Name schon sagt, gern Blut.

Manchmal bis zu sieben Liter. Am liebsten von

Leseratten.

Walter Moers: Das Labyrinth der Träumenden Bücher.

Knaus, 600 S., 24,99 € (D) • 25,70 € (A) • 38,90 sFr.

Walter Moers: Das Labyrinth der Träumenden Bücher.

Der Hörverlag, 12 CDs, 39,99 € (D/ A) • 55,90 sFr.

34

buchjournal 5/2011


Vertrauen wächst

aus gutem Grund

Förderung nachhaltiger

Waldwirtschaft

www.pefc.de

www.haba.de

„ Kinder sind das Beste, was wir haben.

Natur ist das Wertvollste, was wir ihnen

schenken können: mit natürlichem

Spielzeug aus heimischen Hölzern.“

Erfinder für Kinder


BIOGRAFIE

Er ist unser vitalster Klassiker

und doch steckt sein hyperaktives

Leben voller Rätsel:

Biografen entschlüsseln das

Leben des sprachgewaltigen

Dichters Heinrich von Kleist.

Ein

Leben als

Labyrinth

TEXT: WOLFGANG SCHNEIDER

A

ufsatz, den sichern Weg des Glücks zu

finden, und ungestört, auch unter

den größten Drangsalen des Lebens, ihn zu

genießen!“ lautet der zuversichtliche Titel

einer frühen Schrift Heinrich von Kleists.

Weil er das Gesuchte nicht fand und zu der

Überzeugung kam, dass ihm auf Erden nicht

zu helfen sei, erschoss er sich und die Freundin

Henriette Vogel am Kleinen Wannsee.

Kleist ist unser vitalster Klassiker, gerade

weil er kein „Klassiker“ war. Zu Lebzeiten

verkannt, wurde er zum Idol der Moderne

– seine katastrophischen Novellen waren

das Gegenmodell zu den gemächlichen Bildungsromanen

des 19. Jahrhunderts, seine

martialische „Penthesilea“ die Alternative

zur humanen „Iphigenie“ Goethes. Daran

hat sich seitdem nichts geändert. Über keinen

anderen Autor der Schwellenzeit um

1800 werden heute mehr Biografien geschrieben.

Erst vor vier Jahren erschienen

umfangreiche Lebensdarstellungen von

Gerhard Schulz und Jens Bisky („Kleist“,

Rowohlt Berlin); jetzt kommen anspruchsvolle

Biografien hinzu.

Dabei war Kleists Leben so kurz wie die

Überlieferung spärlich: Was man über ihn

sicher wissen kann, weiß man seit Langem.

Die ergiebigste Quelle sind seine brieflichen

Selbstauskünfte; Briefe an ihn sind

kaum erhalten. Kleist wechselte Orte wie

das Hemd und verzichtete darauf, sein Le-

© ullstein bild – Lieberenz

ben zu archivieren. Am besten dokumentiert

sind seine letzten Stunden: Über die

ungeheuer gute Laune der beiden Sterbelus

tigen, die sich trotz Novemberkühle einen

Tisch ans Seeufer stellen ließen und

dort ihren finalen Kaffee tranken, nachdem

sie während der Nacht einen Stapel aufgekratzter

Abschiedsbriefe verfasst hatten,

weiß man dank der polizeilichen Aussageprotokolle

genau Bescheid.

Ansonsten ist Kleists hyperaktives Leben

(1777 – 1811) voller Rätsel: frühe Kriegserfahrungen,

der plötzliche Abschied von der

aussichtsreichen Offizierslaufbahn, kuriose

Lebenspläne, die Hinwendung zur

Wissenschaft, immer neue Aufbrüche und

Reisen. Dieses Leben ist ein Labyrinth,

durch das immer neue Bücher den roten

Faden zu ziehen versuchen.

Kleist schrieb nicht autobiografisch.

Eine gute Biografie muss sich trotzdem mit

den eruptiv herausgeschleuderten Dramen

und Novellen beschäftigen, die schließlich

der Grund aller Kleist-Faszination sind,

ohne dass jedoch die Werke aus dem Leben

»Kleists Leben

war so kurz wie

die Überlieferung

spärlich«

„Helft Freunde, helft! Ich bin verrückt“:

Szenenfoto aus Kleists „Prinz Friedrich von

Homburg“ am Deutschen Theater Berlin, 2009

zu erklären wären oder das Leben aus den

Werken. Ein Balanceakt, der Günter Blamberger

am überzeugendsten gelingt. Seit 15

Jahren Präsident der Kleist-Gesellschaft,

kennt sich der Germanist unübertrefflich

aus in der Kleist-Welt. Seine Biografie

schildert Kleist als unermüdlichen Projektemacher

und existenziellen Experimentator;

sie vermittelt solideste Kenntnisse

und ist zugleich geprägt von einer

nahezu Kleist’schen Widerspruchslust.

Etablierte Meinungen werden immer wieder

als Vorurteile vorgeführt. Wo sich ein

Konsens gebildet hat, etwa über Kleists

vermeintlich lieblose und oberlehrerhafte

Behandlung der Verlobten Wilhelmine von

Zenge, geht er dazwischen. Blambergers

brillante Werk-Analysen bieten viele Deutungspointen.

Gute Kleist-Vorkenntnisse

sind allerdings erforderlich.

Zu Kleist hinführen kann eher Peter

Michalziks Biografie. Ihr Duktus ist erzählerischer,

anschaulicher, nicht so akademisch,

auch wenn der Verfasser viel Detailwissen

beizusteuern hat – weniger hinsichtlich

der literarischen Finessen und

ihrer literaturwissenschaftlichen Hintergründe

als in Fragen des preußischen Militärs,

das Kleists soldatischen Habitus

prägte. Krieg, Kampf und exzessive Gewalt

bestimmen die meisten seiner Werke, das

kommt nicht von ungefähr. Michalzik rekonstruiert

die frühen Garnisons- und

36

buchjournal 5/2011


Kriegserfahrungen Kleists, indem er historische

Quellen und Berichte anderer Soldaten

heranzieht: So könnte es gewesen sein.

Noch mehr versucht die italienische Germanistin

Anna Maria Carpi aus der Quellennot

eine Erzähltugend zu machen. Sie

dialogisiert die Briefe und vorhandenen

Zeugnisse, inszeniert Stimmen und Sehnsüchte

und schreibt so den Roman des

Kleist-Lebens, konsequent im erlebnisunmittelbaren

Präsens.

Ganz oben sollte jedoch die Lektüre von

Kleists Werken stehen. Bestens geeignet

dafür ist die neue Münchner Ausgabe

sämtlicher Werke und Briefe, erschienen

im Hanser Verlag. Sie basiert auf Stroemfelds

historisch-kritischer Ausgabe von Peter

Staengle – und von Roland Reuß, dessen

Kleist-Essays nun ebenfalls bei Stroemfeld

in dem Band „Im Freien?“ erschienen sind.

Ein populäres Vergnügen sind die Anekdoten,

die Kleist in den „Berliner Abendblättern“

publizierte. Sie simulieren das

mündliche Erzählen und eignen sich deshalb

wunderbar fürs Hörbuch. Otto Sander

liest eine Auswahl von Anekdoten, Briefen

Lesezeichen

KLEIST

Insel

Ein

Leben

von

Anna

Maria

Carpi

wartsliteratur guttut. Kleists Werke richten

sich gegen die „gegenwärtigste aller

Todsünden“: die „Coolness, die Trägheit

des Herzens und des Kopfes“, so Blamberger.

Gerade in dieser Unzeitgemäßheit besteht

ihre Aktualität.


1. Günter Blamberger: Heinrich von Kleist. S. Fischer, 608 S., 24,95 € (D) • 25,70 € (A) • 35,50 sFr.

2. Anna Maria Carpi: Kleist. Ein Leben. Übersetzt von Ragna Maria Gschwend. Insel, 477 S., 24,90 € (D) •

25,60 € (A) • 35,50 sFr.

3. Peter Michalzik: Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher. Propyläen, 576 S., 24,99 € (D) • 25,70 € (A) • 34,90 sFr.

4. Gerhard Schulz: Kleist. C. H. Beck, 608 S., 18,– € (D) • 18,50 € (A) • 27,90 sFr.

5. Heinrich von Kleist: Novellen. Gelesen von Rolf Boysen. Der Hörverlag, 14 CDs, 49,99 € (D/ A) • 75,50 sFr.

6. Heinrich von Kleist: Weg des Glücks. Gelesen von Otto Sander. Audiobuch Verlag, 2 CDs, 19,95 € (D) •

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und Aufsätzen mit knarrig-knurrigem Offizierston.

Der Ausdruckskünstler Rolf

Boysen bietet darüber hinaus fast die komplette

Prosa Kleists auf 14 CDs dar – kantiger

Singsang und ein Pathos, wie es im

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IRRWITZIGE GEGENWELT

Alles bunt, oder was?

Es steht alles in dem

Regelbuch, das „der

große Munsell“ vor

vielen Jahren geschrieben

hat: „Eine

krumme Haltung wird

unter keinen Umständen

toleriert.“ Oder: „Mit überhöhter Geschwindigkeit

rückwärts Einrad fahren ist verboten.“

Fast alle Bewohner richten sich nach den Regeln,

die auch bestimmen, wer über wem steht.

Nicht Einkommen, Bildung oder Aussehen bestimmen

den Stand, sondern ganz allein die

Fähigkeit, Farben erkennen zu können. Die

„Grauen“ sind farbenblind, über ihnen stehen

die „Roten“, „Gelben“ und „Blauen“. Jasper

Fforde, britischer Autor mit walisischen Wurzeln,

hat diese irrwitzige Gegenwelt geschaffen,

in der er eine farbenprächtige Liebesgeschichte

zwischen Eddie, einem „Roten“, und

Jane, einer „Grauen“, entwickelt. Oliver Rohrbeck

liest das mit jugendlicher Frische und passenderweise

ohne jede Exaltiertheit. Ganz wunderbar

ist die Erfahrung nach dem Hören: Man

nimmt Farben anders wahr.

rma

^ Jasper Fforde: „Grau. Ein Eddie-Russett-Roman“.

Gelesen von Oliver Rohrbeck. Eichborn, 8 CDs,

24,95 € (D) • 25,20 € (A) • 36,90 sFr.

In seinem wunderbaren Buch „Eine kurze

Geschichte von fast allem“ hat uns der Wissenschaftsautor

Bill Bryson auf eine unterhaltsame

Reise durch Raum und Zeit mitgenommen.

In seinem neuen Werk führt die

Reise nicht ganz so weit: Bryson zeigt uns

die verschiedenen Zimmer seines Hauses.

Es geht durch Küche, Schlafzimmer, Ankleideraum,

Keller und Dachboden. Dabei stößt

er auf die Geschichte des Essens, Schlafens,

Sexes und der Hygiene und macht auch vor

Wanzen und Skorbut nicht Halt – und erstaunlicherweise

ist das wieder eine weite,

kuriose und sehr abenteuerliche Reise.

Denn Bryson nimmt uns mit ins Mittelalter,

in die Römerzeit und ins England des

19. Jahrhunderts. Sein besonderes Augenmerk

gilt Kleinigkeiten wie Seilen, Kühlschränken

und Mausefallen. Mit echter Forscherbegeisterung

erklärt er, warum die

Dinge so sind, wie sie sind. Schön, dass die

deutsche Hörbuchfassung von Rufus Beck

gesprochen wird. Der kann wunderbar staunen,

und sein Sprachduktus ist immer ganz

fern jeder pädagogischen Bemühtheit. Es

ist geradezu ein Heimspiel.

rma

^ Bill Bryson: „Eine kurze Geschichte der alltäglichen

Dinge“. Übersetzt von Sigrid Ruschmeier.

Gelesen von Rufus Beck. Der Hörverlag, 6 CDs,

24,99 € (D / A) • 36,90 sFr.

Ehrliche Lautsprecher

38

buchjournal 5/2011


DER ETWAS ANDERE GEBURTSTAG

Alter Schwede!

Der Held eines Schelmenromans muss kein

Jüngling sein. Bei Jonas Jonasson ist er 100 Jahre

alt. Ausgerechnet an diesem runden Geburtstag

entschließt sich Allan Karlsson auszusteigen

– erst mal aus dem Fenster seines Zimmers

im Altenheim. Am Busbahnhof gerät er in

den Besitz eines Koffers, der sehr viel Geld enthält.

Allan findet ein paar neue Freunde, erledigt

ein paar Kriminelle. Und irgendwann ist er

mit einem 70-Jährigen, einer schönen Frau,

einem Mann, der so gut wie alles studiert hat,

und einem Elefanten in einem Bus unterwegs.

Jonas Jonassons kurioser Roman, in dem auch

noch Franco, Stalin, Kim Il-sung, Mao Tse-tung

sowie mehrere amerikanische Präsidenten und

Albert Einstein auftreten, war in Schweden ein

großer Erfolg. Die deutsche Fassung liest Otto

Sander. Seine sonore Stimme strahlt Ruhe und

Sicherheit aus – und das ist genau das, was man

für diesen wunderbar verrückten Roman

braucht.

rma

^ Jonas Jonasson:

„Der Hundertjährige,

der aus dem Fenster

stieg …“. Gelesen von

Otto Sander. Der Hörverlag,

6 CDs, 19,99 €

(D / A) • 29,90 sFr.

ERNEUT ENTDECKT

Widerstand gegen die Nazis

Der erstaunlichste Bestseller des Jahres ist „Jeder

stirbt für sich allein“, Hans Falladas Widerstandsgeschichte

aus dem Zweiten Weltkrieg.

Seitdem die Übersetzung in England und den

Vereinigten Staaten eine enorme Durchschlagskraft

entwickelte, blickt man auch hierzulande

mit anderen Augen auf Fallada, der lange mit

dem Ruf als bloßer Unterhaltungsautor zu

kämpfen hatte. Der Roman wird gelesen von

Ulrich Noethen, der seit der Komplettdarbietung

von „Krieg und Frieden“ zum Sonderbeauftragten

für historisch bedeutsame Epik wurde:

maskulines Timbre und eine Lakonie, die durch

minimale Modulationen zugleich ein großes

Ausdrucksspektrum entwickelt.

wos

^ Hans Fallada:

„Jeder stirbt für sich

allein“. Gelesen von

Ulrich Noethen.

Osterwoldaudio,

8 CDs, 29,99 € (D / A) •

42,50 sFr.

buchjournal 5/2011 39

DER AUTOR ALS VORLESER

Wogende Satzmelodien

Viele Autoren betrachten

das Vorlesen als

Pflichtübung. Martin

Walser dagegen ist mit

seinen Büchern immer

gern auf Tournee gegangen.

Stummes Lesen

hat er einmal als „Singen mit geschlossenem

Mund“ bezeichnet. Walser schmeckt seine Werke

mündlich ab, und sein libidinöses Verhältnis zur

Sprache macht sich geltend in den Hörbuchfassungen,

die er regelmäßig selbst einliest. Lust der

Formulierung, Geschmack der Worte, Hochgefühl

durch Ausdruck – das alles überträgt sich auch bei

„Muttersohn“, seinem neuen Roman in fünf Romanen,

einer innig weitschweifigen Erkundung

von Glaube, Liebe, Hoffnung im Wirkungskreis des

messianischen Krankenpflegers Anton Percy

Schlugen. Da wogen die Satzmelodien, da rollt

das „r“ bedeutungsvoll, da wird das Alterswerk zur

freundlichen Predigt. „Ich sprech’ so gern in dein

Ohr“, sagt Percy. Sagt Walser – zum Hörer. wos

^ Martin Walser: „Muttersohn“. Gelesen vom

Autor. Argon, 8 CDs, 29,95 € (D) • 30,80 € (A) •

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GESCHICHTE EINER GEFANGENSCHAFT

Innensicht

Raum ist eine Art

Kumpel. Raum ist immer

da. Jack kennt

nichts anderes, denn

der Junge ist in Gefangenschaft

aufgewachsen.

Seine Mutter

wurde entführt

und Old Nick, der abends kommt, das Essen

bringt und die Mutter schlägt, hat sie eingekerkert

– in diesem knapp vier mal vier Meter

großen Raum mit Fernsehgerät, Küchentisch,

Schrank, Bett und Zimmerpflanze. An seinem

fünften Geburtstag aber muss Jack erkennen,

dass es da draußen noch eine andere Welt gibt.

Inspiriert von den Fällen Kampusch und Fritzl

beschreibt Emma Donoghue ein Leben in der

Zelle aus der Perspektive eines Fünfjährigen.

Matthias Brandt liest das mit einer gewissen

Nachdenklichkeit und Trauer in der Stimme. Er

lässt sich sehr ein auf diese atemberaubende

Geschichte. Und das macht man beim Hören

auch.

rma

^ Emma Donoghue: „Raum“. Übersetzt von Armin

Gontermann. Gelesen von Matthias Brandt. Osterwoldaudio,

5 CDs, 19,99 € (D / A) • 30,50 sFr.

4

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HÖRBUCH_PORTRÄT

Theaterskandale, Filmpreise, Kommissarin im „Tatort“: Eva Mattes gehört zu den Großen ihres Fachs

– auch als Hörbuchsprecherin. In einem packenden Erinnerungsbuch erzählt sie nun von ihrem Leben.

Audienz bei der „stillen Königin“

TEXT: ECKART BAIER

Wie wär’s denn mal, die Diva zu geben,

Frau Mattes? Die 56-Jährige

macht große Augen und schaut, als hätte

man ihr einen unanständigen Antrag gemacht.

„Nein, so was hat mich nie interessiert.

Ich wollte immer nur arbeiten.“ Deshalb,

meint sie und nippt an einem Glas

Mineralwasser, sei ihr der Ruhm auch nie

zu Kopf gestiegen.

Nicht, als sie mit 16 Jahren in Michael

Verhoevens Antikriegsfilm „o.k.“ für den

größten Skandal in der Geschichte der Berliner

Filmfestspiele sorgte, und auch nicht

zwei Jahre später, als ihr Ivan Nagel, der Intendant

des Hamburger Schauspielhauses,

jede Rolle geben wollte. „Etwas Großartigeres

kann einem in dem Alter gar nicht

passieren.“ Auch sonst ist viel passiert in

ihrem Leben, so viel, dass sie immer wieder

von Verlagen bekniet wurde, ihre Erlebnisse

und Begegnungen doch aufzuschreiben.

„Das habe ich immer abgelehnt.“

Während eines Türkei-Urlaubs vor sechs

Jahren begann sie jedoch, Tagebuch zu

schreiben. „Das erste Mal in meinem Leben

– und es hat mir großen Spaß gemacht.“

Zwei Jahre später machte Ullstein-Verlegerin

Siv Bublitz dann einen neuen Vorstoß in

Sachen Buchprojekt. Nach kurzer Bedenkzeit

sagte Mattes zu. Mitte September sind

nun ihre Erinnerungen unter dem Titel

„Wir können nicht alle wie Berta sein“ erschienen

– Eva Mattes’ Lieblingszitat aus

Ibsens „Wild ente“.

Es versteht sich von selbst, dass Eva

Mattes, die Sprechkünstlerin, die von der

„FAZ“ als „die stille Königin unter den

deutschen Vorleserinnen“ bezeichnet wurde,

ihre Erinnerungen für die Hörbuch-

Fassung selbst liest. Dafür sitzt sie nun in

den Räumen eines Tonstudios in Berlin. Es

ist spät am Nachmittag und nach einer

Stunde Pause soll es weitergehen. Sie, die

Temperamentvolle, die auf der Bühne wie

ein Kraftwerk wirken kann, sitzt gelassen

und entspannt da, sichtlich zufrieden mit

dem, was sie auf mehr als 400 Seiten zu Papier

gebracht hat. Und zu früh, nein, zu

früh kämen ihre Erinnerungen auch nicht.

„Schließlich stehe ich schon seit fast 45

Jahren auf der Bühne“, sagt sie, lacht und

schüttelt fast ungläubig den Kopf. „Ich

wollte nie etwas anderes werden als Schauspielerin,

das war irgendwie ganz tief in

mir drin.“ Was auch in der Familie liegt: Ihr

Vater Willy Mattes war Filmkomponist,

ihre Mutter Margit Symo stand mit Größen

wie Heinrich George und Emil Jannings auf

der Bühne und vor der Kamera.

Die Mutter war es auch, die Eva 1967 als

Zwölfjährige zu ihrer ersten Rolle in Curt

Goetz’ Stück „Dr. med. Hiob Prätorius“ ans

Münchner Theater brachte. Die wenigsten

der heute 40- bis 50-Jährigen wissen allerdings,

dass Eva Mattes sie durch ihre ge-

© Suse Walczak / laif

Atem holen:

Ruhepausen gönnt sich

die viel beschäftigte

Eva Mattes selten

40 buchjournal 5/2011


© picture–alliance / dpa

Zur Person

Eva Mattes, geboren 1954, hat seit 1966 in etwa 200 Kino- und Fernsehfilmen und in

Theaterinszenierungen gespielt und wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen

geehrt. Ihre beiden Kinder Hanna und Josef sind ebenfalls Schau spieler.

Eva Mattes lebt mit dem österreich ischen Künstler Wolfgang Georgsdorf in Berlin.

EMPFEHLENSWERTE

CD-NEUHEITEN

BEI SONY CLASSICAL

samte Kindheit begleitet hat: In 250 Folgen

der US-Fernsehserie „Lassie“ lieh sie Timmy

seine deutsche Stimme. Und sie synchronisierte

Inger Nilsson als Pippi Langstrumpf

in der 21-teiligen Fernsehserie.

Noch heute muss Eva Mattes grinsen,

wenn sie die Filme zu sehen bekommt. „Ich

erkenne meine Stimme sofort am Sprachfehler

wieder.“ Ihr rechter Mundwinkel

zuckte damals bei jedem „Sch“-Laut deutlich

– und un überhörbar – nach rechts. Das

Handicap, das durch Sprachtraining später

verschwand, hinderte das Naturtalent, das

nie eine Schauspielschule besucht hatte, jedoch

nicht an einer steilen Karriere. Regisseure

wie Michael Verhoeven, Peter Zadek,

Werner Herzog oder Rainer Werner Fassbinder

schätzten ihre Art des unmittelbaren

Spiels, den Reiz ihres breiten, exotisch anmutenden

Gesichts. „Ich war der richtige

Typ zur richtigen Zeit“, meint sie lapidar.

Mit 16 erhielt Eva Mattes für ihre Rollen

in „o.k.“ und „Matthias Kneißl“ den Bundesfilmpreis

in Gold, mit 17 spielte sie in

Fassbinders skandalumwitterter Verfilmung

des Kroetz-Stücks „Wildwechsel“ die

Hauptrolle. Die 70er und 80er Jahre waren

Eva Mattes’ wild bewegte Zeiten. Sie scheute

keine Herausforderung, ging schwierigen,

provozierenden Rollen nie aus dem

Weg. „Deshalb bin ich ja Schauspielerin geworden,

um gefordert zu sein und an meine

Grenzen oder darüber hinaus zu gehen.“

Einer, an dem sie sich rieb, den sie bewunderte,

mit dem sie kämpfte und der ihr

Grenzen aufzeigte, war Peter Zadek. Ihm

habe sie, schreibt sie in ihrem Buch, unglaublich

viel zu verdanken. Viele ihrer gemeinsamen

Arbeiten – etwa der „Othello“

von 1976 – gingen in die Theatergeschichte

ein. Ein anderer, der tiefe Spuren hinterlassen

hat, ist Werner Herzog. Ihn liebte sie,

er ist der Vater ihrer heute 30 Jahre alten

Tochter Hanna. Und in seiner „Woyzeck“-

Verfilmung spielte sie die Rolle der Marie,

für die sie 1979 in Cannes die Goldene Palme

als Beste Nebendarstellerin erhielt. Um

ihre Karriere musste Eva Mattes nie kämpfen

– sie konnte sich ihre Rollen stets aussuchen.

„Bequem gemacht habe ich es mir

deswegen nicht.“

Auch nicht als Klara Blum, die Kommissarin

vom Bodensee, die burschikos und

verletzlich Verbrecher jagt, doch an das

Gute im Menschen glaubt. „Als damals das

Angebot für den ‚Tatort‘ kam, musste ich

schon überlegen. Man landet schnell in einer

Schublade.“ Doch Freunde und Kollegen,

die sie fragte, rieten ihr zu. „Ich habe

es bis heute nicht bereut.“ Ans Aufhören

denkt sie noch nicht. „Nicht, solange ich

noch Lust an der Rolle habe und es die

Drehbücher hergeben“, sagt sie und blickt

auf die Uhr. Es ist Zeit, weiterzulesen an ihren

Erinnerungen. Die Zeit drängt.

Die Rastlose eilt von Termin zu Termin,

nächste Woche Auftritte mit ihrem Lyrikund

Chanson-Projekt „Und über uns der

Himmel“, dann der nächste Film, das

nächste Theaterstück, das nächste Hörbuch.

„Es ist ein kreativer Motor in mir

drin, der mich auf die Bühne treibt“, sagt

Eva Mattes. Seit 45 Jahren steht sie vor

dem Publikum, sie sucht die Herausforderung,

den Applaus, die Befriedigung nach

einem gelungenen Auftritt. Und doch

plagt sie immer noch Lampenfieber. „Nur

wenn das da ist, kann ich auch mein Bestes

geben.“


Lesezeichen

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Eva Mattes: „Wir können nicht alle wie Berta sein“.

Ullstein, 320 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 27,90 sFr.

Eva Mattes: „Wir können nicht alle wie Berta sein“.

Gelesen von der Autorin. HörbucHHamburg,

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Edition

VITTORIO GRIGOLO ARRIVEDERCI

Die MET, die Mailänder Scala, das Royal

Opera House London, wo immer der

italienische Tenor auftritt, jubeln Presse

und Publikum. Auf seiner neuen CD beweist

er seine Sonderklasse – mit Arien und

italienischen Evergreens.

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BACH: KLAVIERKONZERTE

Martin Stadtfeld ist Deutschlands

erfolgreichster junger Pianist. Zusammen

mit den Münchner Philharmonikern spielt

er beschwingte Klavierkonzerte von Bach.

SOL GABETTA IL PROGETTO VIVALDI 2

„Wenn sie spielt, geht die Sonne auf“:

Star-Cellistin Sol Gabetta präsentiert mit

ihrem Barockensemble wunderschöne

Cello-Konzerte von Antonio Vivaldi.

buchjournal 5/2011 41

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Mediathek

CD-TIPPS

LISZT

Heldische

Pianokünste

Für den Pianisten

Lang Lang ist Franz

Liszt sein „Klavierheld“

– und dessen

Virtuosenstücke wie

gemacht für den

Supertechniker aus

China. (Sony

Classical)

AUS BÖHMEN

Musikantisch

Dirigent Sylvain

Cambreling vereint,

was selten zusammen

zu hören ist:

Janáceks „Sinfonietta“

und Dvoráks musikantische

Symphonie

„Aus der

neuen Welt“. (Glor)

FÜR ANFÄNGER

Klassik light

Sie können bei den

Klassik-Ohrwürmern

mitsummen,

wissen aber nie, wer

diese komponiert

hat? Dann greifen

Sie zu bei der dritten

Folge dieser Reihe.

(RCA Red Seal)

FILM UND BUCH: „ZWEI AN EINEM TAG“

Geschichte der verpassten Chancen

Die Geschichte von Emma und Dexter hat schon als Roman

süchtig gemacht. David Nicholls’ „Zwei an einem Tag“ ist

komisch und ergreifend, unterhaltsam und melancholisch.

Eine Geschichte, die unter die Haut geht, weil sie von den

ungenutzten Möglichkeiten und verpassten Chancen des

Lebens erzählt und jeder Leser sich irgendwo darin wiederfindet.

Die Verfilmung des Buchs haben die Fans herbeigesehnt

und Anfang November ist es nun so weit. Die Story

funktioniert auch auf der Leinwand. Anne Hathaway gibt

das zunächst brillentragende, schüchterne Mauerblümchen

Emma, Jim Sturgess den gut aussehenden Womanizer Dexter,

dem die Herzen nur so zufliegen. Das eigentlich unmögliche

Duo läuft sich am 15. Juli 1988 bei der Examensfeier

an der Uni das erste Mal über den Weg. Die beiden

DVD-TIPPS

Brutale Welt

Die 16-jährige Ree lebt mit ihrer psychisch

kranken Mutter und ihren beiden

jüngeren Geschwistern in den kargen

Gebirgswäldern des südlichen Missouri.

Ihr Vater, ein Drogendealer, ist

untergetaucht, um einem Prozess zu

entgehen, doch sollte er sich nicht binnen

einer Woche stellen, wird das Haus

gepfändet. Ree macht sich auf die

Suche. „Winter’s Bone“ nach dem

Roman von Daniel Woodrell ist ein

wunderbarer, vielfach preisgekrönter

Film, der eine archaische,

brutale Welt

schildert, in der allein

Ree um Liebe,

Würde und Gerechtigkeit

kämpft.

(Ascot Elite)

Ganz nah und doch kein Paar: Emma und Dexter in „Zwei an einem Tag“

Oper als großes Kino

Wald und Hörnerklang,

Freikugeln

und ein Pakt mit

dem Teufel – Carl

Maria von Webers

„Freischütz“ gilt

als Inbegriff der romantischen

Oper. Düster und fantastisch

geht es zu und doch volkstümlich

und voll prallem Leben – die Oper ist

der ideale Stoff für einen opulenten

Film. Regisseur Jens Neubert hat sich

darangewagt und bekam für seine

Kinoversion 2010 rauschenden Beifall.

Das London Symphony Orchestra und

großartige Solisten wie Franz Grundheber,

Juliane Banse und Olaf Bär sorgen

für einen Musikgenuss der Extraklasse.

(Constantin Film)

verbringen eine Nacht miteinander – allerdings nur mit guten

Gesprächen und dem Gefühl, dass sie sich, trotz aller

Gegensätzlichkeiten, sympathisch sind. Noch ahnen sie

nicht, dass sie sich nie wieder aus den Augen verlieren

werden, mehr noch: Wie ein unsichtbarer Magnet ziehen

sich die beiden an – ohne zueinanderzufinden. Der geniale

Kniff der Story: Der Film verfolgt wie das Buch den Lebensweg

der beiden Protagonisten in den nächsten 20 Jahren,

und zwar stets exakt am 15. Juli.

bai

^ „Zwei an einem Tag“. Filmstart: 3. November

David Nicholls: „Zwei an einem Tag“. Übersetzt von Simone

Jakob. Kein & Aber, 832 S., 16,90 € (D) • 17,4o € (A) •

24,90 sFr., als Taschenbuchausgabe bei Heyne, 544 S.,

9,99 € (D) • 10,3o € (A) • 16,90 sFr.

Liebschaften in Paris

© 2011 Universal Pictures

Die meisten werden Choderlos de

Laclos’ Briefroman „Gefährliche Liebschaften“

durch die Oscar-prämierte

Verfilmung mit Michelle Pfeiffer und

John Malkovich aus dem Jahr 1988

kennen. Dabei wurde die Vorlage, die

beim Erscheinen 1782 einen Skandal in

Frankreich auslöste, schon knapp 30

Jahre zuvor für die Leinwand adaptiert.

Regisseur Roger Vadim verlegte die

Handlung ins Paris der 50er Jahre mit

seinen eleganten Partys und Nachtclubs.

In den Hauptrollen

zu sehen sind

Jeanne Moreau und

Gérard Philippe, der

noch im selben Jahr

an Krebs starb.

(Concorde Video)

42

buchjournal 5/2011


CD-TIPPS

BERLIN

Sound der

Hauptstadt

Wie klingt Berlin?

Vielleicht so, wie es

Sänger Michael

Schiefel und seine

Band Jazz Indeed auf

ihrer CD „Ostkreuz“

interpretieren: originell,

schräg, witzig

und melancholisch

zugleich. (AJazz)

BLUES

Rotwein-Musik

Ursula Mauder rührt

auf ihrer CD „The

Love Diaries“ bekannten

Songs Jazz,

Pop und Blues unter.

Das Ergebnis ist die

perfekte Musik für

einen Abend bei

Buch und Rotwein.

(Kunstmann)

JAZZ

Baldauf solo

Seit Jahren spielt er

in Stefan Raabs

Hausband die Trompete.

Auf seiner ersten

Solo-CD zeigt

Rüdiger Baldauf, was

für ein exzellenter

Jazzmusiker in ihm

steckt. (Mons)

© Edel Media

DVD-TIPPS

Filmkunst aus Frankreich

Es waren die Brüder Lumière, die den Bildern das Laufen beibrachten, und

vielleicht sind sie auch der Grund für die Begeisterung der Franzosen für

diese Kunstform. Jedenfalls haben französische Regisseure

gewiss mehr filmische Meisterwerke geschaffen

als andere – zehn Beweise dafür sind in der Box „Französisches

Kino“ enthalten. Zu sehen sind unter anderen:

Jean Vigos „Atalante“ (1934), Louis Malles „Fahrstuhl

zum Schafott“ (1958) und Jean-Pierre Melvilles

Thriller „Vier im roten Kreis“ (1970). (Arthaus)

Bardem in Bestform

Es ist eine verzweifelte Geschichte, die hier erzählt wird: Der Ganove Uxbal

schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben und tut alles, nur um

seinen beiden Kindern als Alleinerziehender ein gutes

Leben zu ermöglichen. Viel Zeit bleibt ihm nicht: Uxbal

ist sterbenskrank, kann die Kinder aber nicht ihrer psychisch

kranken Mutter überlassen. Selten liegen Brutalität

und Zärtlichkeit so nah beieinander wie bei „Biutiful“.

Ein erbarmungsloser, ergreifender Film mit einem

großartigen Javier Bardem in der Hauptrolle. (Prokino)

Broders Deutschlandtour

Für die einen ist er der geniale Provokateur, für die anderen Deutschlands

größte Nervensäge. Der Publizist Hendrik Broder, der stets mit Lust wider

den Stachel löckt, hat sich für seine fünfteilige Fernsehserie

„Entweder Broder – Die Deutschland-Safari“

gemeinsam mit Hamed Abdel-Samad in ein Auto

gesetzt, um die Republik zu erkunden. Sie treffen auf

integrierte Türken, NPD-Nazis, Stasi-Rentner und Vegetarier.

Das fürs Fernsehen produzierte Satire-Roadmovie

ist nun auf DVD zu besichtigen. (good!movies)

Schwedenhappen vom Feinsten

Justizirrtümer passieren, doch zum ersten Mal wurde fürs Fernsehen daraus

eine ganze Krimistaffel gestrickt. In „Verdict Revised – Unschuldig

verurteilt“ rollt ein Team von vier Jura-Studenten Verfahren neu auf, bei

denen verurteilte Täter standhaft ihre Unschuld beteuern. Angeführt werden

sie vom zynisch-versoffenen Professor Haglund – gespielt von Mikael

Persbrandt, den TV-Zuschauer in der Rolle des Gunnar Larsson aus der

Kommissar-Beck-Reihe kennen. Schwedenhappen vom Feinsten. (Edel)

Actionreich: Die mehrteilige TV-Thrillerstaffel

„Verdict revised“ gibt’s nun auch auf DVD

DIE BESTEN

GUTEN

KLASSIK-CDs

Ausgewählt und

präsentiert vom

Die neue

KulturSPIEGEL-Edition

enthält 30 herausragende und

preisgekrönte Klassik-CDs.

Mit Glenn Gould, Vladimir

Horowitz, Evgeny Kissin

Hilary Hahn, Murray Perahia,

Simone Kermes, Thomas

Hengelbrock, Arcadi Volodos,

Christian Gerhaher, Martha

Argerich, Sol Gabetta u.v.w.

2 Boxen mit jeweils

15 CDs plus Bonus-CD

im edlen Schuber

Auch als Einzel-CDs

erhältlich

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DUNKELKAMMER_DIE KRIMIKOLUMNE

Regionalkrimi geht auch anders: Der Autor und Kabarettist Jörg Maurer

führt in seinen Alpenkrimis Menschen, Orte und Landschaft subversiv und

mit hintersinnigem Witz vor.

Fels-Safe und

Jodlersammlung

TEXT: TOBIAS GOHLIS

Tobias Gohlis

© Marco Grundt

Regionalkrimi ist blöd. Zu den

Wesensbeschränktheiten dieser

Spießerabteilung germani schen

Krimischaffens gehört die Unbedarftheit,

mit der Orte, Zeiten und

lokale Bräuche eins zu eins als wahr

und gegeben behandelt werden.

Dazu passt auch eine brunftige

G’spaßigkeit, die als Wiedererkennungseffekt

touristen- und quotenkonform

eingesetzt wird. Doppelte

Erniedrigung – der als Deppen vorgeführten

Region-Bewohner und

des lesenden Publikums.

Dass es mit Ort, Landschaft und Zum Schießen: Berge können wunderbare Tatorte sein

Witz anders geht, wissen wir aus

den Romanen eines Alfred Komarek,

einer Uta-Maria Heim oder aus Andrea Maria Schenkels

„Tann öd“. Dass das zudem noch sehr komisch, verspielt und hintersinnig

gehen kann, liest man in den „Alpenkrimis“ von Jörg

Maurer, deren dritter Band kürzlich erschienen ist.

Auf den liebevoll mit der Laubsäge gestalteten Covern bedeuten

Schnitzwerk, Bergviecher und Einschusslöcher: „Zum Schießen“.

Auf Gämsen zum Beispiel, wie sie auf dem Buchdeckel von „Niedertracht“

schießbudenmäßig vorüberziehen. Womit wir dort wären,

wo die Weisheit der Kriminalpsychologie den Serienkiller

freudianisch am Schlafittchen packt: bei der prägenden Urszene.

Die hat der Putzi, ein 31-jähriger, stämmiger Ureinwohner, kurz

nach seinem zehnten Geburtstag erlebt. Beim Wandern mit dem

Vater hat Putzi eine junge Gams entdeckt, die sich verstiegen hatte

und von ihrem Felsvorsprung nicht mehr wegkam. Seitdem erforscht

Putzi experimentell existenzielle Grenzsituationen:

„Springen oder Bleiben“ lautet die Wahl, vor die er die Trottel

stellt, die auf seine vorgetäuschten Schwächeanfälle gutmenschelnd

hereingefallen sind.

© panthermedia / Randolf Berold

seine im Schatten des höchsten

deutschen Berges ausgetüftelten

Mordsstückchen auch „Alpenkrimi“.

Dessen Kriterien erfüllt sein

drittes, „Niedertracht“, voll und

ganz. Ein Mann, ein Subgenre. Das

Maurer mit Fels-Safes, entomologischen

Mafia-Ortungssystemen,

Jodlersammlungen und diversen

Abseiltricks clever füllt. Durch all

die witzigen Einfälle, Spöttereien

und Karikaturen hindurch schimmert

das prekäre, enteignete, Authentisch-Sein-Müssende

der Touristenzone

Garmisch-Partenkirchen

(im Text: „der Kurort“) so

durch, dass einem mittenmang

das Lachen vergeht. Maurer: „Der Berg ist einer der wunderbarsten

Tatorte, die es gibt.“

Eine Freundin, die als Kind das Jennerweinlied gesungen hat,

hat mich auf Maurers Kleinode aufmerksam gemacht. Danke! Jener

Jennerwein verstarb 1877 als Rebell im Berg. Sein Nachfahr

Hubertus Jennerwein ist bei Maurer Kommissar. Wenn der überhaupt

etwas repräsentiert, dann „dieses grundsätzlich Anarchistische

des Bajuwaren.“


^ Tobias Gohlis ist Sprecher der KrimiZeit-Bestenliste

(www.arte.tv/krimiwelt).

j

Man sieht: Maurer nimmt den Berggast als solchen ernst. Überhaupt

durchweht seine Romane ein Hauch jener ebenso brachialen

wie nahe am Desaster gebauten Wut, die für einen kritischen

Heimatroman spätestens seit den 1980er Jahren unverzichtbar

ist. Wer nicht schreibt, als wolle er das ganze Gebirge

plattmachen, kriegt keine Saisonkarte auf der Seilbahn. Das

weiß der Komödiant und Kabarettist Maurer. Deshalb heißen

Jörg Maurer: Niedertracht. Alpenkrimi. Fischer Taschenbuch, 384 S.,

8,99 € (D) • 9,30 € (A) • 13,50 sFr.

Jörg Maurer: Niedertracht. Alpenkrimi. Gelesen vom Autor. Argon, 1 CD,

19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 29,90 sFr.

44

buchjournal 5/2011


€ 21,99 (D) / € 22,70 (A) / sFr 30,90

576 Seiten / 978-3-550-08873-5

Du siehst ihn nicht.

Er jagt Dich.

Unerbittlich.

KRIMI_NORWEGEN

Vier Romane hat Thomas Enger geschrieben, die kein Verlag haben

wollte. Sein fünfter aber wurde ein internationaler Erfolg. Ein Besuch

in Oslo – auf den Spuren seines neuen Serienhelden Henning Juul.

© Geli Goldmann

Thomas Enger: „Ich habe gehofft,

immer besser zu werden“

Happy End für

einen Hartnäckigen

Der neue Thriller

vom Spiegel-

Bestsellerautor

Leseprobe: Jetzt abscannen

und reinlesen!

TEXT: SABINE SCHMIDT

Hier fängt es an“, erklärt Thomas Enger:

auf einem nur sechs Quadratmeter

großen Balkon im zweiten Stock eines

Wohnhauses in Oslo. Auf diesen Balkon

flüchtet sich der Journalist Henning Juul

mit seinem Sohn, als die Wohnung hinter

ihm lichterloh brennt. Die beiden klettern

auf das Geländer. Der kleine Jonas rutscht

ab, fällt und stirbt. Sein Vater überlebt den

Absprung – mit schweren Brand- und anderen

Verletzungen und seelisch tief versehrt.

„Es ist unser Balkon“, sagt Thomas Enger.

„Ich habe meinem Helden die Wohnung

gegeben, in der ich mit meiner Familie

lebe. Nur ist sie – nach dem Tod seines

Sohnes – in einem nicht so guten Zustand.“

Henning wechselt zwar jeden Abend die

Batterien der Feuermelder aus, kümmert

sich aber nicht um den Rest. Ganz anders

bei Engers: Die 80 Quadratmeter große

Wohnung im angesagten, ruhigen Osloer

Stadtviertel Grünerløkka, in dem der Autor

mit seiner Frau, dem zehnjährigen Sohn

und der fünfjährigen Tochter lebt, ist aufgeräumt

und wirkt sehr gemütlich.

In der kleinen Küche präsentiert Thomas

Enger dann fast andächtig einen alten

Holztisch, an dem er sich die ersten Notizen

für seine Krimiserie gemacht hat. „Und

jetzt habe ich das Gefühl, ein Märchen zu

erleben“, sagt der schlanke, kommunikative

37-Jährige mit der strengen Brille, der

fast über Nacht vom arbeitslosen Journalisten

ohne Perspektive zum gefeierten Debütstar

wurde. Und der – Marketing funktioniert

ja am besten gleich mit den ganz

großen Namen – mit Stieg Larsson und Jo

Nesbø verglichen wird.

Dabei hat es lange nicht nach einem Erfolg

ausgesehen. Vier Krimis hat Thomas

www.nesbo.de

46

buchjournal 5/2011


Zur Person

Thomas Enger, 1973 in Oslo geboren, wuchs in

Jessheim auf. Er studierte Publizistik, Sport und

Geschichte und arbeitete nach dem Studium in

einer Online-Redaktion. Nebenbei schrieb er seine

ersten Romane und war an verschiedenen Musical-Produktionen

beteiligt. „Sterblich“ ist sein

erster veröffentlichter Thriller. Er lebt zusammen

mit seiner Frau und zwei Kindern in Oslo.

Enger schon geschrieben, für die sich kaum

jemand interessiert hat. Aber er hat nie aufgegeben.

„Ich habe einfach weitergemacht

und gehofft, immer besser zu werden.“

Seinen ersten Krimi hat er mit 21 verfasst,

den vierten vor ein paar Jahren, neben seiner

Tätigkeit als Redakteur bei einer Online-

Zeitschrift. „Dieser vierte war noch nicht

gut, aber gut genug dafür, dass ein Verlag

mich ermutigte, an ihm zu arbeiten. Und so

habe ich 2008 meinen Job gekündigt und

vom Arbeitslosengeld gelebt. Ich stand

schon sehr unter Druck“, erinnert sich Thomas

Enger. „Und als ich dann versuchte,

wieder einen neuen Job zu finden, hatte ich,

mitten in der Finanzkrise, keinen Erfolg.“

Aber Druck deprimiert ihn nicht, sondern

setzt Energie frei. So hatte er genau in

der Zeit, als es besonders schwer war, die

Idee zu seinem Serienhelden Henning Juul

– und dann ging alles ganz schnell. Im Juni

2009 schickte er seinem Verlag eine Mail mit

seiner Idee zu der Krimiserie und bekam am

nächsten Tag eine ermutigende Antwort.

Im November war das Manuskript fertig. Im

Februar 2010 erschien der erste Band in Norwegen.

Und schon wenige Monate später

waren die Rechte in 15 Länder verkauft. „Die

Filmrechte sind es ebenfalls, und zwar für

alle sechs geplanten Bände – obwohl gerade

erst das zweite Buch fertig ist.“

Dass er spannend schreiben kann, hat

Thomas Enger in „Sterblich“ unter Beweis

gestellt – dem ersten Band seiner Serie um

Henning Juul, der gerade in deutscher Übersetzung

bei Blanvalet erschienen ist. Henning

kehrt in diesem Band zwei Jahre nach

dem Brand in seine Redaktion zurück und

muss gleich über einen Mord berichten:

Eine Filmstudentin wurde im Boden eingegraben

und zu Tode gesteinigt. Das erinnert

in manchem Detail an einen Ehrenmord mit

muslimischem Hintergrund. Aber Henning

ermittelt, was wirklich dahintersteckt.

buchjournal 5/2011 47

Diesen Fall kann der Reporter lösen. Aber

Thomas Enger beendet „Sterblich“ mit

einem offenen Punkt, der zum roten Faden

der Serie werden wird: Henning wird klar,

dass der Brand in seiner Wohnung kein Unglück

war, sondern jemand nachgeholfen

hat. Und er macht sich auf die Suche nach

dem Brandstifter, der seinen Sohn getötet

und sein Leben zerstört hat.

Der Autor hat seinem Helden viel von

sich gegeben: seine Wohnung, die Redaktion,

in der er fast zehn Jahre gearbeitet hat,

sein Stadtviertel Grünerløkka. Aber Henning

ist nicht gleich Thomas. „Er ist als

Journalist viel smarter, als ich es war. Ich

habe Texte bearbeitet, während er meine

Träume leben und Reporter sein kann.“ Privat

dagegen ist Thomas besser dran. Seinen

beiden Kindern geht es gut, und seine langjährige

Beziehung ist nicht wie die von Henning

zerbrochen. Im Gegenteil, jetzt, da er

so erfolgreich ist, hat er seine Lebensgefährtin

geheiratet und zur Hochzeit gleich noch

seine zweite Begabung ins Spiel gebracht:

„Ich habe für meine Frau ein Lied komponiert.“

Während er erzählt, dreht er die ganze

Zeit am Ehering, als ob er das alles immer

noch nicht glauben kann.

Diese rundherum schöne Geschichte

klingt tatsächlich nach einem Märchen –

und für Krimis nach zu viel Idylle. Es ist

also gut, dass der Autor den Plot der gesamten

sechsteiligen Serie in dunkleren

Zeiten entworfen hat. Und auch wenn der

Vergleich mit Stieg Larsson und Jo Nesbø

zu hoch gegriffen ist: Thomas Enger ist

eine interessante neue Krimistimme aus

Skandinavien.


Lesezeichen

j

Thomas Enger: Sterblich. Ein Henning-Juul-Roman.

Übersetzt von Günther Frauenlob und Maike Dörries.

Blanvalet, 416 S., 14,99 € (D) • 15,50 € (A) • 24,90 sFr.

Thomas Enger: Sterblich. Gelesen von Matthias Brandt.

Random House Audio, 6 CDs, 19,99 € (D/ A) • 32,90 sFr.

Foto: Jerry Bauer

Ü.: Conny Lösch

st 4300. 340 S. € 14,95 (D)

Auch als erhältlich

»Don Winslows

bestes Buch.«

Janet Evanovich

Wenn dein Feind dich in die

Enge treibt. Dir den Boden

unter den Füßen wegzieht.

Wenn er dir nimmt, was

du liebst. Dann bleibt kein

Spielraum für Verhandlungen.

Dann kommt die

Zeit des Zorns.

suhrkamp taschenbuch

www.suhrkamp.de


Leseprobe

Kate Atkinson:

Das vergessene Kind

Roman

Tracy Waterhouse kam aus Thornton’s und stopfte sich die

Vorräte in die große hässliche Schultertasche, deren Riemen

wie ein Patronengurt quer über ihre mächtige Brust

verlief. Wiener Trüffel, ihr Mittwochsvergnügen. Echt erbärmlich.

Andere Leute gingen abends ins Kino, in ein Restaurant,

in Kneipen und Clubs, besuchten Freunde, hatten Sex, aber Tracy

freute sich darauf, es sich auf ihrem Sofa bequem zu machen,

Britain’s Got Talent zu sehen und eine Tüte Wiener Trüffel von

Thornton’s zu essen.

Als Tracy noch bei der Polizei war, hatten ihre Kollegen – Männer

und Frauen –, angenommen, dass sie eine Lesbe war. Jetzt war

sie über fünfzig, aber als sie bei der West Yorkshire Police angefangen

hatte, musste man wie ein Kerl sein, um anerkannt zu werden.

Und kaum hatte man sich als hartgesottenes Weibsbild etabliert,

war es leider schwierig, die weiche, flauschige Frau herauszulassen,

die man in sich versteckte. Und warum sollte man das überhaupt

wollen?

Tracy war mit einer so dicken Haut in Pension gegangen, dass in

ihr kaum mehr Platz war. Prostitution, Sexualverbrechen, Menschenhandel

– die Schattenseite von Drogen- und Schwerverbrechen

–, sie hatte alles und mehr gesehen. Zeugin des schlimmsten

menschlichen Verhaltens zu werden war ein ziemlich sicherer

Weg, alles Weiche und Flauschige auszumerzen.

© Floortje

Sie war schon als einfache Fußsoldatin dabei gewesen, als Peter

Sutcliffe noch sein Unwesen in den Straßen von West Yorkshire

trieb. Sie erinnerte sich an die Angst, sie hatte selbst Angst gehabt.

Damals hatte es noch keine Computer gegeben, und die

schiere Menge des Papierkrams hätte fast ausgereicht, um die Ermittlungen

lahmzulegen. „Es gab eine Zeit ohne Computer?“,

sagte einer ihrer jüngeren, unverschämteren Kollegen. „Wow,

Steinzeit.“

Er hatte recht, sie stammte aus einer anderen Ära. Sie hätte früher

in Pension gehen sollen. Sie war geblieben, weil sie nicht

wusste, wie sie die langen, leeren Tage als Rentnerin füllen sollte.

Schlafen, essen, beschützen und das Ganze von vorn, das war das

Leben, das sie kannte. Alle waren auf die dreißig Jahre fixiert,

hörten auf, suchten sich einen Job und genossen die Pension. Jeder,

der länger blieb, war ein Dummkopf.

Tracy wäre es lieber gewesen, sie wäre im Dienst tot umgefallen,

aber sie wusste, dass es Zeit war zu gehen. Sie war Kriminalkommissarin

gewesen, jetzt war sie eine „Polizeipensionärin“. Das

klang nach Dickens, als sollte sie in einem Arbeitshaus in einer

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buchjournal 5/2011


Die Ex-Polizistin Tracy Waterhouse hat in ihrem Leben schon vieles gesehen

und vieles erlebt. Doch dann kommt der Tag, an dem sie ein Kind kauft.

Zwar handelt es sich dabei eigentlich um eine Rettungsaktion, dennoch ist

das Ganze keineswegs legal, und Tracy ist von Stund an auf der Flucht.

Ecke sitzen, ein schmutziges Schultertuch umgeschlungen. Sie

hatte daran gedacht, als Freiwillige bei einer Organisation zu arbeiten,

die nach Katastrophen und Kriegen aufräumte. Schließlich

hatte sie das ihr ganzes Leben lang getan, doch letztlich entschied

sie sich für den Job im Merrion Center.

Als sie den Job der Sicherheitschefin des Centers übernahm,

dachte Tracy: „Neuanfang“, und veränderte noch so einiges andere.

Sie zog nicht nur um, sondern waxte sich auch den Damenbart,

ließ ihr Haar länger wachsen und zu einer weicheren Frisur gestalten,

kaufte Blusen mit Schleifen und Perlmuttknöpfen und Schuhe

mit leichtem Absatz, die sie zu dem obligatorischen schwarzen

Kostüm trug. Selbstverständlich funktionierte es nicht.

Die Welt fuhr in einem Einkaufswagen zur Hölle. Die ganze

Bandbreite menschlichen Lebens fand sich hier. Großbritannien

– die Hauptstadt des Ladendiebstahls in Europa, mehr als zwei

Milliarden Pfund Verlust jedes Jahr aufgrund von „Einzelhandelseinbußen“,

ein lächerlicher Ausdruck für lupenreinen Diebstahl.

Die Summe verdoppelte sich, wenn man die

Menge Zeug dazuzählte, die das Personal

»Was für Chancen

hatte dieses

Kind mit Kelly

als Mutter?«

klaute. Unglaublich.

Man überlege nur, wie viele hungernde

Kinder man mit diesem fehlenden Geld ernähren

und ausbilden könnte. Aber andererseits

war es kein Geld, nicht wahr, kein

echtes Geld. So etwas wie echtes Geld gab es

nicht mehr, Geld war ein Akt kollektiver

Fantasie. Wenn wir alle in die Hände klatschen

und daran glauben … Von den fünftausend Pfund in ihrer

Tasche hätte das Finanzamt natürlich auch nichts, aber jeder Bürger

hatte das Recht auf bescheidenen Steuerbetrug, es war kein

Verbrechen. Es gab Verbrechen und Verbrechen. Tracy hatte eine

Menge der anderen Art gesehen, alle Ps – Pädophilie, Prostitution,

Pornografie. Menschenhandel. Kaufen und Verkaufen, nichts anderes

taten die Menschen. Man konnte Frauen kaufen, man konnte

Kinder kaufen, man konnte alles kaufen. Die westliche Zivilisation

hatte lange Glück gehabt, aber jetzt hatte sie ihre Existenz nahezu

ausverkauft. Alle Kulturen hatten ein eingebautes Verfallsdatum,

nicht wahr? Nichts hielt ewig. Außer vielleicht Diamanten, wenn

das Lied stimmte. Und Kakerlaken wahrscheinlich.

Irgendwo weinte ein Kind – das gehörte zur Geräuschkulisse aller

Einkaufszentren der Welt. Es war ein Schreien, das die Schale

noch immer durchdringen konnte wie eine rotglühende Nadel.

Das schreiende Kind kam näher und lenkte sie ab. Sie hörte es, sah

es aber nicht. Sein Elend war erschreckend. Es machte sie wütend.

Dinge, die sie bedauerte, davon gab es einige. Ziemlich viele sogar.

Sie wünschte, sie hätte jemanden gefunden, der sie schätzte,

wünschte, sie hätte Kinder und gelernt, sich besser anzuziehen.

Sie wünschte, sie wäre auf der Schule geblieben und hätte studiert.

Medizin, Geografie, Kunstgeschichte. Das Übliche. Sie war

wie alle anderen, sie wollte jemanden lieben. Noch besser wäre,

wenn sie wiedergeliebt würde. Sie spielte mit dem Gedanken, sich

eine Katze zuzulegen. Aber eigentlich mochte sie Katzen nicht.

Das konnte ein Problem werden. Sie mochte Hunde – vernünftige,

schlaue Hunde, nicht die dummen kleinen Schoßhunde, die in

eine Handtasche passten. Ein guter großer Deutscher Schäferhund

vielleicht, der beste Freund einer Frau. Besser als jede Alarmanlage.

Ah, ja – Kelly Cross. Kelly Cross war der Grund für das schreiende

Kind. Kein Wunder. Prostituierte, Junkie, Diebin, Abschaum.

Ein Gerippe. Tracy kannte sie. Alle kannten sie. Kelly hatte mehrere

Kinder, die meisten waren in Pflege, und

das waren die, die Glück gehabt hatten, was

einiges hieß. Sie stürmte durch den Hauptgang

des Merrion Centre, eine besessene

Frau, und sie versprühte Zorn, als würde sie

mit Messern werfen. Es war erstaunlich, wie

viel Kraft sie ausstrahlte, obwohl sie klein

und mager war. Sie trug ein ärmelloses Unterhemd,

das ein paar asoziale blaue Flecken

und eine Reihe von Gefängnistätowierungen

frei ließ. Auf einem Unterarm ein ungeschickt gezeichnetes

Herz, von einem Pfeil durchbohrt und mit den Initialen „K“

und „S“. Tracy fragte sich, wer der bedauernswerte „S“ war. Kelly

telefonierte und machte jemanden lauthals zur Sau. Sie hatte

höchstwahrscheinlich etwas geklaut. Die Chance, dass diese Frau

einen Laden mit einer gültigen Quittung verließ, war gleich null.

Sie zerrte das Kind an der Hand, zog es hinter sich her, weil es

unmöglich mit ihren wütenden Schritten mithalten konnte. Kaum

hatte man gehen gelernt, sollte man laufen wie ein Erwachsener.

Hin und wieder riss Kelly das Kind vom Boden hoch, so dass das

Kind für einen Moment zu fliegen schien. Plärrend. Ununterbrochen.

Eine rotglühende Nadel durch die Schale. Durch das Trommelfell.

Ins Gehirn.

Kelly Cross teilte die Menschenmenge wie ein unheiliger Moses.

Viele Leute waren erkennbar entsetzt, aber keiner hatte den

0

buchjournal 5/2011 49


LESEPROBE

»Sie rührte sich nicht,

bis sich eine kleine,

warme, klebrige Hand

in ihre schob«

0 Mut, es mit einer Berserkerin wie Kelly aufzunehmen. Man

konnte es niemandem verübeln.

Kelly blieb so abrupt stehen, dass das Kind weiterlief, als hinge

es an einem Gummiband. Kelly schlug es so fest auf den Rücken,

dass es wie auf einer Schaukel in die Luft flog, und begann dann

wortlos weiterzurennen. Tracy hörte eine überraschend laute

weibliche Mittelklassestimme sagen: „Jemand sollte etwas unternehmen.“

Zu spät. Kelly war bereits an Morrisons vorbei- und auf die

Woodhouse Lane hinausgestürmt. Tracy folgte ihr galoppierend,

um sie einzuholen, ihre Lungen kurz vor dem Kollabieren, als sie

an einer Bushaltestelle mit ihr gleichzog. „Kelly“, keuchte sie.

Kelly wirbelte herum und knurrte: „Was willst du, verdammte

Scheiße?“ Ein schwaches Flackern des Wiedererkennens auf ihrem

giftigen Gesicht, als sie Tracy anstarrte. Tracy sah, wie sich

die Rädchen drehten, bis sie bei dem Wort „Bulle“ einrasteten. Kelly

wurde noch wütender, falls das möglich war.

Aus der Nähe sah sie besonders schlecht aus – farbloses Haar,

graue Leichenhaut, blutunterlaufene Vampiraugen und die Unberechenbarkeit

des Junkies. Tracy wäre am liebsten zurückgewichen,

aber sie blieb stehen. Das Kind, tränenüberströmt und

schmutzig, hatte aufgehört zu weinen und starrte Tracy mit offenem

Mund an, wodurch es stumpfsinnig wirkte, aber Tracy

tippte auf Polypen. Der grüne Wurm Rotz, der aus seiner Nase

kroch, machte es auch nicht anziehender. Drei Jahre? Vier? Tracy

wusste nicht, wie man das Alter eines Kindes bestimmte. Vielleicht

wie bei einem Pferd anhand der Zähne. Kinder waren klein.

Manche waren größer als andere. Mehr wollte sie in dieses Ratespiel

nicht investieren.

Das Kind war in mehrere Schattierungen Rosa gekleidet und

trug zusätzlich einen kleinen rosa Rucksack, der auf seinem Rücken

klebte wie eine Miesmuschel, so dass der Gesamteindruck

eines deformierten Marshmallows entstand. Jemand – bestimmt

nicht Kelly – hatte versucht, das strähnige Haar des Kindes zu

flechten. Das Rosa und die Zöpfe signalisierten das Geschlecht des

Kindes, das anhand seiner speckigen androgynen Züge nicht sofort

erkennbar war.

Sie war ein kleines pummeliges Kind, aber in ihren Augen funkelte

etwas. Vielleicht das Leben. Es hatte Risse, war aber nicht

zerbrochen. Noch nicht. Was für Chancen hatte dieses Kind mit

Kelly als Mutter? Realistischerweise? Kelly hielt es noch immer an

der Hand, in einem Griff wie ein Schraubstock, als wollte das Kind

in die Luft fliegen.

Ein Bus näherte sich, blinkte, bremste.

Irgendetwas in Tracy gab nach. Ein kleines Schleusentor, das

eine Flut der Verzweiflung und Enttäuschung freiließ, während sie

die leere, aber bereits besudelte Leinwand der Zukunft dieses Kin-

des ins Auge fasste. Tracy wusste nicht, wie es geschah. Im einen

Augenblick stand sie an der Bushaltestelle in der Woodhouse Lane

und schaute sich das menschliche Wrack namens Kelly Cross an,

und im nächsten Moment sagte sie zu ihr: „Wie viel?“

„Wie viel was?“

„Wie viel für das Kind?“, sagte Tracy, schob eine Hand in ihre

Handtasche und griff nach einem Umschlag mit Janeks Geld. Sie

öffnete ihn und hielt ihn Kelly vor die Nase. „Das sind dreitausend.

Du kannst sie haben, wenn du mir das Kind gibst.“ Den

zweiten Umschlag mit weiteren zweitausend Pfund ließ sie in der

Tasche für den Fall, dass sie ihr Angebot erhöhen müsste. Das war

jedoch nicht nötig, denn Kelly war plötzlich höchst aufmerksam.

Ihr Gehirn schien sich für einen Augenblick von ihr unabhängig

zu machen, sie blickte rasch von einer Seite zur anderen, und

dann schoss ihre Hand mit unerwarteter Schnelligkeit vor und

griff nach dem Umschlag. Im gleichen Augenblick ließ sie die

Hand des Kindes los. Dann lachte sie mit unverhohlener Schadenfreude,

während der Bus in ihrem Rücken hielt. „Vielen Dank“,

sagte sie, als sie einstieg.

Während Kelly nach Kleingeld suchte, fragte Tracy laut: „Wie

heißt sie? Wie heißt deine Tochter, Kelly?“ Kelly nahm die Fahrkarte

aus dem Automaten und sagte: „Courtney.“

„Courtney?“ Ein typischer Proll-Name – Chantelle, Shannon,

Tiffany. Courtney.

Kelly wandte sich um, die Fahrkarte in der Hand. „Ja“, sagte sie.

„Courtney.“ Dann blickte sie Tracy verwirrt an, als wäre sie ein

Polo-Mint ohne Verpackung. Sie setzte an, etwas zu sagen: „Aber

sie ist nicht –“, doch die Bustüren wurden geschlossen. Der Bus

fuhr los. Tracy schaute ihm nach. Stumpfsinnig. Plötzlich verspürte

sie einen Stich Angst. Sie hatte gerade ein Kind gekauft. Sie

rührte sich nicht, bis sich eine kleine, warme, klebrige Hand in

ihre schob.

Kate Atkinson: Das vergessene Kind.

Übersetzt von Anette Grube. Droemer Knaur,

464 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 30,50 sFr.

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buchjournal 5/2011


Kate Atkinson, 1951 geboren, studierte Literaturgeschichte in Dundee

und lebt heute in Edinburgh. Neben ihrer Arbeit in der Sozialbetreuung und als

Teilzeitlehrerin begann sie zu schreiben. 1996 erhielt sie für ihren Roman

Familienalbum den angesehenen Whitbread First Novel Award. Es folgten die

Romane Ein Sommernachtsspiel und Die Ebene der schrägen Gefühle.

In Die vierte Schwester taucht erstmals Jackson Brodie auf,

der »sensible Schnüffler, der in kritischen Situationen dann

doch brutal zuschlagen kann« (Süddeutsche Zeitung,

Peter Münder).

© John Foley/Opale

Ein Wiedersehen mit Brodie gibt es in Liebesdienste,

Lebenslügen und nun auch in Das vergessene Kind.

In England und den USA ist Kate Atkinson mit ihren

Romanen regelmäßig ganz oben auf den Bestsellerlisten

zu finden.

10 FRAGEN AN KATE ATKINSON

1. Wie würden Sie sich selbst in drei Worten beschreiben?

KA: »Gut. Schlecht. Durchschnittlich.«

2. Was macht Ihnen schlechte Laune, was macht Ihnen Freude?

KA: »Sonne macht mich froh. Und bei schlechten Manieren bekomme ich schlechte Laune.«

3. Sind Sie eher der Kaffee- oder der Tee-Mensch?

KA: »Beides gleichermaßen.«

4. Woher kommen eigentlich die Inspirationen zu Ihren Büchern?

KA: »Wenn ich das wüsste!«

5. Könnten Sie sich auch einen anderen Beruf vorstellen, als Schriftstellerin?

KA: »Ich arbeite schon sehr lange als Vollzeit-Autorin. Aber wenn ich das nicht wäre, würde ich gerne als

Kuratorin für Schmuck im Victoria & Albert-Museum in London arbeiten.«

6. Haben Sie einen Lieblingsautor? Wer ist es und weshalb?

KA: »Jane Austen. Weil sie perfekt ist.«

7. Welches Buch haben Sie selbst zuletzt gelesen?

KA: »There But For The von meiner Freundin Ali Smith.«

8. Und welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?

KA: »Troubles von J. G. Farrell.«

9. Welche Person – aus Roman, Film oder dem öffentlichen Leben – würden Sie gerne mal treffen?

Und was würden Sie zu ihm/ihr sagen?

KA: »Niemanden. Damit ich nicht enttäuscht werden kann.«

10. Wenn Sie die berühmten drei Wünsche frei hätten, wie sähen die aus?

KA: »Ach, diese drei Wünsche – schwierig! 1. Gesundheit und ein langes Leben für meine Kinder,

2. Bessere Manieren (was hoffentlich zum Weltfrieden führen würde, so dass ich mir diesen alten Hut

nicht wünschen muss!), 3. Einen wirklich tollen Hund.«


Er trägt die Macht der

Engel in sich, doch

die Dunkelheit wartet

schon auf ihn …

Lesestoff Krimis

Spurensuche

am Kap

Gesa Schwartz

Die Chroniken der Schattenwelt

Band 1: Nephilim

608 Seiten

€ 12,99 (D) · € 13,40 (A)* · sFr* 20,50

ISBN 978-3-8025-8457-2

Noch mehr spannende Fantasy

von Gesa Schwartz unter

www.egmont-lyx.de

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© Nico Smit

ÖSTERREICH

Immer der Nase nach

Tu felix Austria – jedenfalls,

was Esprit und Originalität

von Krimiautoren anbelangt.

Auf skurrile Mordgeschichten

abonnierte Männer

wie Wolf Haas, Thomas

Raab, Steffen Slupetzky und

Heinrich Steinfest sind andernorts

kaum vorstellbar.

Der letztgenannte Schlawiner,

ein qualitativ beständiger Vielschreiber, wartet

heuer mit der Fortsetzung eines Erfolgstitels

auf: Der an Launigkeiten und Anspielungen reiche

Roman „Die Haischwimmerin“ schließt stimmig an

„Die feine Nase der Lilli Steinbeck“ aus dem Jahr

2007 an. Die mit einem beachtlichen Riechorgan

angetane Polizistin mit naturgemäß schier überbordendem

Spürsinn, muss sich diesmal mit einer

verflossen gewähnten Liebe, einer im Untergrund

angesiedelten Gegenwelt, einer wunderlichen

Lärche und anderen sibirischen Lebensformen beschäftigen.

Man ahnt: Das alles ist skurriler, als es

die Hochkulturpolizei erlauben dürfte. Zugleich ist

es so konsequent absurd, dass der Spaßgewinn

des Lesers jeden ihm entgangenen Erkenntnisgewinn

locker überbietet.

wer

^ Heinrich Steinfest: „Die Haischwimmerin“. Piper,

352 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr.

SÜDAFRIKA

Im Herz

der Finsternis

Der Südafrikaner Deon Meyer gehört neben

Roger Smith seit einigen Jahren zur ersten

Garde der Kriminalschriftsteller seines

Landes. Er versteht sich nicht nur virtuos auf

die Fertigung steiler Spannungskurven, die

dem Leser emotionale Achterbahnfahrten zumuten,

sondern es gelingt ihm überdies in

pädagogisch wertvoller Manier, auch Lesern

ohne großes Vorwissen über Südafrika die

vorwiegend abenteuerlichen Szenarien seiner

Thriller nahezubringen. „Rote Spur“,

Meyers jüngster Streich, zeigt das Land am

Kap einmal mehr als ein verderbtes Herz der

Finsternis, in dem Terror und Gewalt, Korruption

und Amtsanmaßung, Schmuggel und

Drogenhandel gedeihen. Aus diesem auf den

ersten Blick recht unübersichtlichen Delinquenz-Cocktail

macht der Autor eine erfreulich

stringente Story, die ihren Ausgangspunkt

in einem Gerücht hat, das eine verheerende

Eigendynamik entwickelt: Angeblich

planen Islamisten in Südafrika ein Attentat.

Das Gerede ruft den Geheimdienst und Hysteriker

auf den Plan, Krisennutznießer und

Trittbrettfahrer. Deon Meyer schöpft aus dieser

panischen Gemengelage viel Spannung,

ja sogar eine gute Prise Poesie.

wer

^ Deon Meyer: „Rote Spur“. Übersetzt von

Stefanie Schäfer. Rütten & Loening, 625 S.,

19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr.

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buchjournal 5/2011


SADISMUS IN DEN 60ER JAHREN

Damals im Kinderheim

Nachts in Köln wird ein Mann erschossen, der

schon seit Jahren in Griechenland lebt. Er ist nur für

ein paar Stunden zurückgekommen, um sein seit

20 Jahren leer stehendes Elternhaus zu verkaufen.

Damals, als seine Eltern und seine Schwes ter ermordet

wurden, war er selbst ein Verdächtiger.

Nun wird der toughen Ermittlerin Judith Krieger

klar, dass es jemandem darum ging, die ganze Familie

auszulöschen – und zwar deshalb, weil die

Eltern Unrecht getan hatten. Die Spuren führen zurück

in die 60er Jahre, in ein Kinderheim, in dem,

wie in vielen anderen Institutionen dieser Art und

dieser Zeit, Kinder misshandelt und gebrochen

wurden. Die Stärke des Romans ist, dass er sich

engagiert mit diesem Thema auseinandersetzt,

ohne dem Sadismus voyeuristisch

nachzugehen. Dass er

vehement für die Opfer Partei

ergreift. Und dabei immer

noch ein spannender Krimi

ist.

sc

^ Gisa Klönne: „Nichts als

Erlösung“. Ullstein, 352 S.,

19,99 € (D) • 20,60 € (A) •

27,90 sFr.

AUS DER GERICHTSMEDIZIN

Tod im Kühlraum

Kay Scarpetta dürfte bei

ihrem Sezierpensum bald

eine Therapie brauchen,

um nicht an den unter die

Haut gehenden Recherchen

zu zerbrechen. Mit so

viel Gewalt kriegen es serielle

Häscher selten zu tun

– selbst in Miami, wo sich

Scarpetta-Erfinderin Patricia

Cornwell nach Jahren als Polizeireporterin und

Gerichtsmedizinerin niedergelassen hat. Seit dem

Auftaktband (1990) ist der Pathologin viel Roman-

Konkurrenz zugewachsen, doch behauptet sich

das Original wiederholt gegen Genre-Trittbrettfahrer.

So im jüngsten Fall, der nicht nur Forensikern

an die Nieren gehen dürfte. Denn jener

Mann, der da mit ominösen Blutungen eingeliefert

worden ist, starb womöglich erst im Kühlraum.

Von Kunstfehlern an vermeintlichen Leichen

erzählt Cornwell so fesselnd wie über Versuche,

Killer unter Kollegen zu ermitteln. wer

^ Patricia Cornwell: „Bastard“. Übersetzt von Karin

Dufner. Hoffmann und Campe, 512 S., 24,99 € (D) •

25,70 € (A) • 39,90 sFr.

Das Alte Rom

zur Zeit Caesars

Hans Dieter Stöver

VERSCHWÖRUNGSTHRILLER

Geheime Strippenzieher

Dominique Strauss-Kahn wurde angeklagt – und

gleich stand die Frage im Raum, ob er wirklich

eine Hotelangestellte genötigt hat oder ob er in

eine Falle gelockt wurde. Oder womöglich beides.

Was auch immer geschehen ist – viele gehen davon

aus, dass im Hintergrund von Wirtschaft und

Politik tatsächlich mehr oder weniger geheime

Hintermänner die Fäden ziehen. Diese Ahnungen

nimmt Sam Bourne in seinem neuen Thriller auf.

Seine Geschichte von einem der US-amerikanischen

Präsidenten läuft auf eine Männergruppe

hinaus, die bestimmte Politiker ohne deren Wissen

fördert und für sie buchstäblich über Leichen

geht. Die ihre Favoriten dann aber auch massiv

unter Druck setzt, wenn sie politisch etwas

durchsetzen wollen, was

den Hintermännern nicht

passt. Das ist nicht nur

spannend, sondern auch

beklemmend dicht an der

vermuteten Realität. sc

^ Sam Bourne: „Der Gewählte“.

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Blutige Liebesbriefe

Von Los Angeles nach

Cannes: Der taumelnde

Detektiv David Spandau

erlebt beim berühmten

Filmfestival mit der noch

berühmteren Oscar-Preisträgerin

Anna Mayhew allerhand.

Er soll sie beschützen,

denn sie bekommt

blutige Liebesbriefe. In

Südfrankreich sieht er braun gebrannte Männer

und „Frauen oben ohne“. Daniel Depp, Halbbruder

von Johnny Depp, richtet in „Nächte in Babylon“

einen sehr amerikanischen und ironischklischeehaften

Blick auf den größten Umschlagplatz

für Filme. Dabei brilliert der Drehbuchautor

vor allem mit Dialogen und Gemeinheiten. Ob es

um das „Verfallsdatum von Titten und Ärschen“

geht, um Schrott und billige Kameras oder um

die Grenze zwischen Illusion und Realität: Depp

lässt es in seinen Dialogen schön böse krachen.

Absolut filmreif.

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Regina Rawlinson. Carl’s Books, 352 S., 14,99 € (D) •

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buchjournal 5/2011 53

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Im Gespräch

Mit seinen Krimis wurde Arnaldur Indriðason zum erfolgreichsten Autor

Islands. Ein Gespräch in Reykjavík: über seine Bücher – und seine Heimat,

die in diesem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse ist.

„Weit weg vom Rest der Welt“

INTERVIEW: SABINE SCHMIDT • FOTOS: OLIVIER FAVRE

Einsame Natur

Arnaldur Indriðason

mag Island – mit seinen

weiten Landschaften,

der Stille und der

klaren Luft

54

buchjournal 5/2011


die Wolken, die noch am Tag zuvor

dunkel und drohend über Island hingen,

sind aufgerissen. Der Himmel ist blau über

der Insel, die weit weg von Europa mitten

im Atlantik liegt. Die Luft ist sauber hier,

klar, und es ist kalt. Während man in

Deutschland an diesem Spätsommertag

selbst im T-Shirt ins Schwitzen kommt,

genießt der Isländer bei kühlen zwölf Grad

jeden Sonnenstrahl, draußen natürlich,

auch gern im T-Shirt, und ist froh, dass die

Touristen ihre Regencapes wieder einpacken

können.

Ihnen soll es hier gut gehen, sind sie

doch auch nach dem Finanzcrash von 2008,

den die sogenannten Expansionswikinger

mit verursacht haben und von dem Island

sich bis heute nicht erholt hat, eine der

wichtigen Einnahmequellen geblieben.

Eine beeindruckende zudem, insbesondere

die deutsche Variante: Die Urlauber sind

schon am Flughafen so perfekt ausgerüstet,

als ob sie direkt zum Nordpol wollen.

Einige Isländer halten mit. Selbst in Reykjavík

sind etliche Jeeps oder noch größere

Vehikel unterwegs, mit denen man jede

Wildnis durchqueren und vermutlich auch

einen Schneesturm überstehen kann. Und

geländegängige Kleidung trägt der Isländer

selbst in der Stadt, außerhalb sowieso.

Auch Arnaldur Indriðason – oder Arnaldur,

wie man hier sagt –, Islands erfolgreichster

Autor, zieht sich praktisch an, wenn er in

der Natur unterwegs ist, wie bei einer Tour

zu isländischen Seen, bei der ihn unser Fotograf

begleitet hat.

Heute aber ist er städtisch gekleidet:

schwarzes Hemd, schwarze Hose, schwarzer

Mantel, so erscheint er im Hotel Holt,

einem der gediegeneren, ruhigen Hotels in

Reykjavík, das er sich als Treffpunkt für

unser Gespräch gewünscht hat. Er ist hier,

um über seine Bücher zu sprechen. Und

über seine literaturbegeisterte Heimat, die

in diesem Jahr Gastland der Frankfurter

Buchmesse ist: ein Land mit etwas über

300 000 Einwohnern, in dem, statistisch

gesehen, jeder vierte ein Buch schreibt,

sehr viel gelesen wird und dementsprechend

1 500 Novitäten im Jahr erscheinen.

Arnaldur ist nicht nur der erfolgreichste

Autor seines Landes, sondern wohl auch

der einzige, der von seinen Büchern leben

kann. Er schreibt seit 20 Jahren, die meisten

seiner 14 Krimis und Thriller waren

Bestseller in Island und werden in 30 Sprachen

übersetzt. Er drängt sich nicht in die

Zur Person

Arnaldur Indriðason, geboren 1961 in Reykjavík, ist der

Sohn des Schriftstellers Indriði G. Porsteinsson. Er graduierte

1996 in Geschichte an der Universität Islands

und war zeitweilig Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung

„Morgunbladid“. Seinen Durchbruch als Autor

hatte Arnaldur Indriðason mit „Nordermoor“, dem

dritten Roman aus seiner Krimireihe, für den er den

Skandinavischen Krimipreis Glasnyckel erhielt. Er ist

verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Reykjavík.

Rolle eines wichtigen Repräsentanten der

isländischen Literaturszene, akzeptiert sie

aber und füllt sie souverän aus.

Der 50-Jährige mit dem feinen, trockenen

Humor ist freundlich, aber – dabei

ganz Isländer – sehr zurückhaltend. Das

Gegenstück zu einer Plaudertasche, allerdings

ohne dass man ihm jedes Wort aus

der Nase ziehen muss: Er spricht gern über

seine Krimis und über sein Land, dem er

sich sehr verbunden fühlt.

Island verzeichnet nur etwa drei bis vier Morde

im Jahr, ist also nicht gerade eine Hochburg des

Verbrechens. Warum siedeln Sie Ihre Krimis

dennoch hier an?

Arnaldur Indriðason: Ich bin hier aufgewachsen,

ich lebe hier und ich versuche

das, was ich in Reykjavík und in Island erfahre,

in meine Bücher einfließen zu lassen.

Das macht sie gerade auch für meine

»Die meisten Morde

passieren im Suff

und sind nicht

gerade raffiniert«

Landsleute interessant, und das ist mir

sehr wichtig. Dabei ist es für mich egal, wie

viele Morde es in Island gibt und welche.

Tatsächlich passieren sie meist im Suff,

sind nicht geplant und alles andere als raffinierte

Verbrechen.

Was ist für Sie als Krimistoff interessant?

Das, was Menschen anderen antun, was

es an psychischer und physischer Gewalt

gibt. Die gibt es hier in Island ebenso wie

überall, nur dass sie in unserer isländischen

Realität meist nicht mit Mord endet.

In meinen Romanen geht es mir weniger

um das Verbrechen als um die Umgebung,

um die Zusammenhänge, um die

Auswirkungen, die eine Tat auf Partner,

auf die Familie, auf Freunde hat.

Könnten Ihre Krimis also letztlich überall in

der westlichen Welt spielen?

Nein. Es sind isländische Krimis, weil ich

in ihnen Themen und Motive aufgreife, die

für uns wichtig sind. Ich schreibe nicht

über tolle Wasserfälle, die gibt es selbstverständlich,

aber sie sind für mich nicht 0

buchjournal 5/2011

55


IM GESPRÄCH

0 als Thema interessant, sondern ich

schreibe beispielsweise über die langen,

dunklen Winter. Über das Unberechenbare

– das Wetter hier kann sehr schnell umschlagen,

und vor allem im Winter gehen

immer wieder Menschen in Unwettern verloren.

Oder auch über die gesellschaftlichen

Veränderungen. Island war lange ein

armes Fischer- und Bauernland, das vom

Rest der Welt abgeschnitten war. Jetzt gibt

es Flugzeuge, das Fernsehen, das Internet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich Island

sehr verändert, aber viele Menschen –

wie auch mein Kommissar Erlendur – haben

es nicht verkraftet, dass sie von dem

Land, wo sie aufgewachsen sind, in die

neue Welt nach Reykjavík verpflanzt wurden.

Und natürlich auch: Das Land ist reich

geworden und dann kam es 2008 infolge

der Finanzkrise zum Crash.

Bevor Sie angefangen haben zu schreiben, gab es

kaum Krimis in Island – sie galten als Unterhaltungsliteratur,

und die war nicht wirklich angesehen

und kam aus dem Ausland. Gab es dennoch

Krimiautoren, die Sie beeinflusst haben?

Es gab zwar kaum isländische Krimiliteratur,

aber einige Autoren wurden ins Isländische

übersetzt. Das schwedische Paar

Sjöwall / Wahlöö zum Beispiel: Ihr Sozialrealismus

hat mich sehr beeinflusst. Oder

Ed McBain, der einer meiner Lieblingsautoren

ist. Und andere, die realistisch

schreiben und Wert auf Personengestaltung

legen. Für mich sind die Figuren das

Wichtigste in einem Roman: Wenn man

nicht mit ihnen mitfühlen kann, muss ihre

Geschichte gar nicht erst erzählt werden.

Werden, obwohl nur wenige Menschen Isländisch

sprechen, viele Bücher übersetzt?

Es ist immer schwierig gewesen, bei uns

Bücher zu verlegen – Übersetzungen ebenso

wie isländische Texte, eben weil der

Markt sehr klein ist. Dennoch werden vergleichsweise

viele Werke ins Isländische

übersetzt. Wir sind auch heute noch eine

Literaturnation, Bücher spielen für uns

eine wichtige Rolle.

Inzwischen gibt es einige isländische Krimi-autoren.

Liegt das an Ihnen?

Ganz so wichtig bin ich wohl nicht. Man

könnte aber vielleicht sagen, dass ich das

Eis gebrochen habe, nicht nur in Island,

sondern auch im Ausland. Ich war ja der

erste, dessen Krimis aus dem Isländischen

in andere Sprachen übersetzt wurden.

Damit ist für Sie aber auch Konkurrenz entstanden.

Stört Sie das?

Nein, im Gegenteil: Je mehr Krimiautoren

es gibt, desto besser ist es. Ich finde

es schön, dass diese Literatursparte zum

Leben erwacht ist und heute auch Anerkennung

findet. Das sieht man nicht zuletzt

an den Verkaufszahlen: Krimis sind

heute sehr populär in Island.

In deutscher Übersetzung ist jetzt von Ihnen

„Abgründe“ erschienen, ein Krimi mit sehr unterschiedlichen

Themen: Es geht um Swingerclubs

und Erpressung, um sexuellen Missbrauch

an einem Jungen und um Expansionswikinger.

Warum waren Ihnen diese Themen

wichtig?

Swingerclubs sind ein Thema, das man

gut nutzen kann, um eine Erpressung zu

begründen: Wer sich auf das einlässt, was

in Island „Schnitzelclub“ genannt wird,

macht sich moralisch angreifbar. Das

Thema Vergewaltigung beschäftigt mich

schon lange. Ich habe mich mit Gewalt gegen

Frauen befasst, und jetzt ging es mir

um Gewalt gegen Kinder: ein besonders

widerwärtiges Verbrechen, das das Leben

eines Menschen sehr stark beeinträchti-

»Wir sind eine

Literaturnation,

Bücher spielen

eine wichtige Rolle«

Arnaldur Indriðason: „Island hat sich nach

dem Zweiten Weltkrieg sehr verändert“

gen oder sogar zerstören kann. Und das Thema

Finanzen ist bei uns zurzeit nicht zu umgehen.

„Abgründe“ ist in Island 2009 erschienen,

ein Jahr nach dem Finanzcrash. Es

spielt im Jahr 2005, und das Expandieren-,

das Geldhabenwollen war damals schon in

vollem Gange, die Gier war deutlich zu spüren,

und es war mir wichtig, etwas von diesem

Zeitgeist einzubeziehen.

Ihr Hauptermittler ist Kommissar Erlendur. In

Ihrem letzten Buch „Frevelopfer“ aber stand

seine Kollegin Elínborg im Mittelpunkt. Und

jetzt ist Erlendur ganz in seiner alten Heimat,

in den Ostfjorden, abgetaucht, und sein Kollege

Sigurður Óli ermittelt. Warum er?

Ab und zu muss ich mich von Erlendur

erholen und wende mich dann seinen Mitarbeitern

zu. Sigurður Óli ist schon vielen

Leuten auf die Nerven gegangen mit seinen

simplen Ideen, seinem Fimmel für Amerika,

mit Frauen kann er nicht umgehen, und

er ist der krasse Gegensatz zu Erlendur, insbesondere

weil er kein Mitgefühl für andere

zeigen kann. Aber das lernt er in diesem

Buch: Er wird menschlicher, und diese Entwicklung

hat mich interessiert.

Dennoch scheint Ihnen Erlendur am nächsten

zu stehen. Haben Sie ihn vermisst?

Ja – obwohl er eben auch sehr anstrengend

ist. Er ist so depressiv und so alleinstehend

und einsam, sein ganzes Privatleben

ist ein Desaster. Aber er ist ein hervorragender

Ermittler, und mit seiner Fähigkeit,

sich in andere hineinzuversetzen, ist er mir

56

buchjournal 5/2011


doch sehr nah. Im nächsten Buch wird er

auch wieder im Mittelpunkt stehen.

Erlendur liest immer wieder in einem Buch, das

von Isländern erzählt, die in Unwettern verloren

gingen. Gibt es dieses Buch tatsächlich?

Ja, ich habe es selbst und lese immer wieder

darin. Erlendurs traumatisches Kindheitserlebnis

– er ist mit seinem Vater und

seinem Bruder in einen Schneesturm geraten,

sein Bruder ging verloren und auch seine

Leiche wurde nie gefunden – kommt in

diesem Buch nicht vor. Aber es könnte vorkommen:

Es geht genau um solche Geschichten.

Haben Sie wie Erlendur auch einen Menschen

in einem Unwetter verloren?

Nein, aber das passiert hier immer wieder,

und es ist uns allen sehr präsent.

Nicht nur das Wetter spielt in Ihrer Heimat

eine wichtige Rolle, sondern auch die Literatur.

Wie kommt das?

Das ist schwierig zu sagen. Es war schon

immer so, vielleicht liegt es ja in den Genen

… Isländern geht es seit jeher darum,

ihre Geschichte zu bewahren und Bescheid

zu wissen, wie alles angefangen hat, deshalb

haben sie die alten Geschichten aufgeschrieben.

Es gab auch jahrhundertelang nicht

viel anderes, um sich zu zerstreuen. Bis ins

20. Jahrhundert hatten wir etwas, was

„Hauslektüre“ hieß. Da kamen abends nach

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getaner Arbeit alle zusammen, jemand erzählte

Geschichten oder las etwas vor, und

die anderen hörten zu. Das war eine der

ganz wenigen Unterhaltungsmöglichkeiten,

der Zeitvertreib per se in Island: Geschichten

erzählen, lesen, zuhören. Wahrscheinlich

hat uns das geprägt.

Und wie ist es mit den Elfen und Trollen –

stehen Isländer ihnen tatsächlich nahe?

Oh – was für ein Thema! Elfen und Trolle

sind ein Teil der Volkssagen, ein Teil der Literatur,

und es macht Spaß, die Geschichten

über sie zu lesen. Aber nein: Island ist nicht

das Land der Elfen und Trolle. Das nimmt

heute niemand ernst außer ein paar Leuten,

die mit diesen Geschichten Geld verdienen

wollen und die es geschafft haben, den Touristen

irgendwelche Flöhe ins Ohr zu setzen.

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Schreibwettbewerb

Susanne Wedlich:

Das Fleisch

Axt und Knochensäge waren geschärft,

auch die Klingen der

Messer bereits ein letztes Mal

geschliffen, als sie plötzlich

vor ihm stand. „Dein Mordwerkzeug liegt

ja schon parat“, sagte die Bäuerin mit

einem schmalen Lächeln. So selten verirrte

sie sich sonst in den Stall, dass er gar nichts

zu sagen wusste, nur seinen Blick auf ihre

hellen Augen zwang, deren Farbe er auch

nach all den Jahren nicht beim Namen hätte

nennen können. „Nimm die Braune“,

sagte sie wie beiläufig und strich sich beide

Hände an der Kittelschürze ab. „Die bringt

nichts.“

Auch jetzt brachte er kein Wort heraus

und hätte der Bäuerin doch sagen müssen,

dass die Braune mit ihren vier Jahren sehr

wohl noch Kälber bringen könnte. Er hätte

ihr auch sagen können, wie er die Braune

geholt hatte, damals, als sie quersteckte in

der Mutter, die vor Schmerz schrie wie ein

Weib und ihm später unter den Händen

verreckte. Das Kalb aber hatte er retten

können damals. „So, wie ich dich“, hatte

ihm die Bäuerin erwidert, als er seine und

der Braunen Geschichte einmal zu oft er-

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„Die Braune wäre ihm auch dieses Mal von selbst auf den Hof gefolgt“

62

buchjournal 5/2011


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Die Braune folgte ihm wie ein Hund, seit er sie

vor vier Jahren aus dem Bauch der Kuh gezogen hatte,

die bei der Geburt verreckte. Nun muss er das Tier

schlachten. „Die bringt nichts“, hatte die Bäuerin ihm

gesagt. Lesen Sie die siegreiche Kurzgeschichte

unseres diesjährigen Schreibwettbewerbs.

zählte. „Außer mir hat dich damals doch

keiner haben wollen.“

Daran hat er sich seitdem abgearbeitet

wie kein anderer. Nur einmal hatte er der

Bäuerin Nein gesagt, weil ein Knecht schuften

und dennoch sein eigener Mensch sein

muss. Mit Haut und Haaren und Fleisch

der Bäuerin gehörte aber die Braune, deren

dunkle Augen ihm jetzt von der Weide entgegenblickten.

Seine Schritte erkannte die

Braune immer schon von Weitem, auch

wenn er wie jetzt Fuß mühsam vor Fuß setzen

musste. Das Gatter hatte er noch nicht

erreicht, da rieb sie schon mit tanzenden

Ohren den Kopf mit der blonden Stirnlocke

daran, die Augen hinter weißen Wimpern

vor Genuss nach hinten gerollt.

Ihr weiches Maul an seine Schulter gedrückt,

ließ sie sich von ihm abführen. Den

langen Weg zurück vorbei an den Bäumen,

die der Herbst langsam ausbluten ließ. Den

Arm hätte er nicht so eng um ihren Hals

schlingen, die Hand nicht so tief in das

warme Fell vergraben müssen. Die Braune

wäre ihm auch dieses Mal von selbst auf

den Hof gefolgt. „Wie ein Hund“, hatte die

Bäuerin einmal gesagt. „Wenn wir Glück

haben, wirft sie uns irgendwann vielleicht

wenigstens Welpen.“

Noch immer wölbte sich der klare Himmel

über dem Hof. Doch kalt war es geworden.

Stoßweise stand ihm der Atem vor

dem Gesicht, als er weit ausholte mit der

Axt. Stumpf zwischen die Augen getroffen,

taumelte die Braune, doch erst der

zweite Schlag ließ ihre Beine unter dem

schweren Leib einknicken, der langsam

dann zur Seite sank. Die Augen erneut

nach hinten gerollt, blicklos dieses Mal.

Die Zunge bläulich und verdreht aus dem

Maul gehängt, als müsse sie mit der Spitze

vom harten Pflaster kosten.

Schnell drückte er den Kopf der Braunen

nach hinten, bis die Sehnen in seinem Arm

buchjournal 5/2011 63

»Seine Schritte

erkannte die

Braune immer

schon von Weitem«

spannten wie auch in ihrem Hals, wo er mit

der anderen Hand das Stichmesser an die

pulsende Ader setzte und tief bis fast zum

Knochen schnitt. Unter dem sanften Maul

nun ein zweiter tiefroter Schlund, aus dem

Blut sich heiß ergoss. Als wolle die Seele

sich lösen, stieg ein feiner Dampf auf in der

klaren Luft, geleitet von seinem Atem, der

wie das Blut nun schneller und schneller

pumpte. Erst als der rote Strom als schmales

Rinnsal verendete, gab er sanft ihren

Kopf frei.

Nur langsam kam er auf die Beine, musste

sich stützen auf den massigen Leib der

Braunen in ihrem Blut, das sich noch immer

neue Flussbetten suchte und dabei die

unebenen Pflastersteine wie Inseln umspülte.

Auf seiner Schürze aber, das sah er

jetzt, trug er ein Mal, ein tiefroter Fleck

starrte ihm entgegen wie ein Auge, dessen

unerbittlichem Blick er sich lange nicht

entziehen konnte. Kaum konnte er aber die

Augen heben, sah er sich von der Bäuerin

angestarrt. Nur ein helles Auge aber war es,

das ihn nun weit geöffnet und lidlos verfolgte,

wohin er seinen Blick auch wenden

mochte.

In einem dunklen Schneegestöber hatte

er sich einmal gewähnt, als nach langen

Stunden Arbeit in gleißend hellem Sonnenlicht

dunkle Flecken um sein Gesicht

tanzten. Ein Nachbild sei das und müsse

von selbst wieder vergehen, hatte ihm der

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London 1529: Der vierzehnjährige

Nick of Waringham lebt als Internatsschüler

im Haus des berühmten

Humanisten Sir Thomas More. Als

Nicks Vater in Verdacht gerät, ein

Lutheraner und Häretiker zu sein,

muss Nick nach Waringham zurückkehren.

Kurz darauf wird der Earl of

Waringham wegen des Verdachts auf

Ketzerei verhaftet, und Nick findet

heraus, dass sein Vater Opfer einer

politischen Intrige geworden ist …

0 von seinem Interesse an diesen Dingen

– ihm sogar einen Artikel dazu in

einem dicken Buch gezeigt. So, wie er die

Ausführungen verstanden hatte, konnte

das Auge eine Farbe, von der es genug gesehen

hatte, wie zum Ausgleich ins Gegenteil

verkehren.

Und nun verstand er auch, dass er nun

endlich den hellen Augen der Bäuerin einen

Namen geben konnte, der weder blau

noch grün war, sondern irgendwie beides

zusammen und auch wieder nicht. Zyan

hieß die Farbe, an der sich seine Augen nun

abkühlen mussten, da sie sich am Rot des

Blutes überfressen hatten. Zyan war der

Blick, der sich giftig in sein Hirn brannte

und selbst noch den Weg hinter die geschlossenen

Lider fand. Zyan aber war

auch das Auge, das sich von der weiß getünchten

Stallwand abhob und sich nicht

einmal von seinem verzweifelten Blick gen

Himmel abschütteln ließ.

Es setzte sich fest auf dem blassen Eingeweidesack,

bevor sich dieser mit einem

Schmatzen aus der Bauchhöhle des Kadavers

erbrach. Nicht einmal die Masse der Innereien

konnte das helle Auge für immer unter

sich begraben, kroch es doch im nächs ten

Moment schon über das tiefrote Fleisch zurück

in die klaffende Wunde, um als zyanfarbene

Iris unter seinem Blick langsam über

das silbrigzarte Häutchen im nun weit offenen

Leib der Braunen zu wandern.

Wie bei einem unerbittlichen Versteckspiel

blinzelte es immer wieder auf zwischen

den fahlen Falten der Haut, die das

tote Tier nur mehr lose wie ein Mantel umhüllte.

Seine vor Schweiß nassen Hände

konnten die Knochensäge kaum halten, die

sich knackend und knirschend entlang der

Wirbelsäule durch den schweren Körper

der Braunen fraß. Von Wirbel zu Wirbel

hüpfend, war das helle Auge den metallenen

Zähnen immer einen Schritt voraus.

Zur Person

Rosarote Prinzessinnen? Wie langweilig. Ich wollte schon als Kind lieber

vielseitig leben – und professionelle Bücherleserin werden. Weil passende

Job angebote auf sich warten ließen, kam dann doch Plan B zum Tragen: das

Schreiben. Schon während meines Studiums der Biologie und Politikwissenschaften

stieg ich als freie Autorin in den Wissenschaftsjournalismus ein. Nach

gut zehn Jahren dicht an der Forschung – von der Archäologie bis zur Zellbiologie

– ist „Das Fleisch“ mein erster Ausflug in die Fiktion. Derzeit arbeite ich an einem

Buch, einer Forscherbiografie. (www.susanne-wedlich.com)

»Als wolle die Seele

sich lösen, stieg ein

feiner Dampf auf in

der klaren Luft«

Vom Kopf der Braunen hatte er die Haut gezogen,

doch auch aus den leeren Augenhöhlen

dieser Maske traf ihn ein starrer

Blick in Zyan.

Da packte er fest den Schädel, auch blutig

schmiegte sich das Maul noch in seine

Hand, während die andere fast am blanken

Knochen abgeglitten wäre, hätte sie nicht

eines der weichen Ohren zu fassen bekommen.

Ganz nah vor das Gesicht hielt er den

Schädel, bis sich ihm das dunkle Auge in

seiner grenzenlosen Tiefe offenbarte. In

die se Schwärze zwang sein Blick das helle

Auge, in dem sich ein kaltes Grün und ein

noch kälteres Blau vereinten, um es noch

einmal hell erstrahlen und sich dann verlieren

zu sehen.

Dunkel war es schon, und unversehens

strich ihm auf dem Weg zum Haus ein

warmer Wind ins Gesicht. Die Braune war

ihm nur mehr Haut und Fleisch, aus dem er

mit spitzem Ausbeiner sorgsam die Knochen

geschält hatte. Axt und Säge waren

schon wieder geschärft, auch die Klingen

der Messer bereits ein letztes Mal geschliffen.

So selten verirrte er sich in die gute

Stube, dass er zunächst gar nichts zu sagen

wusste, nur seinen Blick in die Augen der

Bäuerin zwang. Ihr Blick aber glitt ab und

blieb hängen an seinen blutigen Händen

und dem kleinen Fleisch darin. Trächtig

war die Braune gewesen. „Ich geh’ jetzt“,

sagte er und schloss, ohne erst die Hände

abzuwischen, die Tür hinter sich.

Susanne Wedlich

© privat

www.luebbe.de

64

buchjournal 5/2011


SACHBUCH_GESELLSCHAFT

Viel mehr Nachdenken und viel mehr Nachhaltigkeit: Jeremy Rifkin

fordert ein Umdenken in Sachen Energie und Wirtschaft.

Veränderungen beginnen

auf lokaler Ebene

TEXT: HOLGER EHLING

Mit Leichtigkeit

zu den wirklich

wichtigen Dingen

im Leben!

Klimawandel, Finanzkrise, Atomkatastrophe

in Japan – die Welt im Jahr

2011 ist ungemütlich geworden. W. B.

Yeats beschwor nach dem Ende des Ersten

Weltkriegs in seinem Gedicht „The Second

Coming“ das Gefühl der Beklommenheit,

das sich breitmachte: „Zerfall

ringsum, das Zentrum hält nicht stand /

Die Anarchie ist losgelassen in die Welt“

– das passt auch für unsere Zeiten.

Wer hätte noch vor einem Jahr daran gedacht,

dass die Bundesregierung sich den

Atomausstieg auf die Fahne schreiben

würde? Wer hätte es für möglich gehalten,

dass Deutsche-Bank-Chef Josef

Ackermann die Finanzmärkte dazu aufruft,

sich ihrer dienenden Funktion für

die Gesellschaft zu erinnern?

Jeremy Rifkin, US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler,

gehört zu jenen,

die eben solche Besinnung der politisch

und wirtschaftlich Verantwortlichen seit

vielen Jahren einfordern. Allerdings belässt

er es nicht bei hehren Forderungen,

sondern er zeigt konkrete Möglichkeiten

auf, wie eine zukünftige Gesellschaft gestaltet

werden kann.

In seinem neuen Buch „Die dritte industrielle

Revolution“ setzt er sich mit den Strategien

für eine Welt jenseits der Abhängigkeiten

von Öl und Atom auseinander. Dabei

sieht er bereits jetzt die Ansätze für einen

Übergang zu neuem Wirtschaften: Von der

Förderung regenerativer Energien bis zu

neuen Umgangsformen im betrieblichen

Alltag sind heute schon wichtige Entwicklungen

im Gange – auch wenn sie noch keine

Selbstverständlichkeiten des politischen

und wirtschaftlichen Bewusstseins geworden

sind.

Rifkin zeigt an vielen Beispielen, wie der

Umbau der Gesellschaft funktionieren

Fukushima im März: Die Katastrophe führte zu

einem Kurswechsel der Bundesregierung

kann. Immer wieder beginnt die Veränderung

nicht auf der großen Ebene der Nationen,

sondern auf lokaler und regionaler

Ebene. Nur dort kann es gelingen, die Menschen

anzusprechen und zu überzeugen,

nur dort lassen sich die Effekte veränderten

Handelns im Alltag positiv erleben.

Mehr als ein Dutzend Bücher hat Rifkin

zum Thema des notwendigen Wandels bereits

geschrieben, er berät Wirtschaft und

Politik – und auch „Die dritte industrielle

Revolution“ ist Pflichtlektüre für alle, die

es ernst meinen mit der Gestaltung einer

lebenswerten Zukunft.


Lesezeichen

Jeremy Rifkin: Die dritte

industrielle Revolution.

Die Zukunft der Wirtschaft nach

dem Atomzeitalter. Übersetzt

von Bernhard Schmid. Campus,

304 S., 24,99 € (D) •

25,70 € (A) • 35,90 sFr.

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âTräume? Wirklich! Erreichen Sie Ihre

persönlichen Gipfel! Steve Kroeger

nimmt Sie mit auf eine spannende

Reise zu mehr Klarheit, Einfachheit

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Das 7 Summits Projekt ist der

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buchjournal 5/2011 65

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Griechenland

am Abgrund

Matthew Lynn beschreibt unterhaltsam

und packend, wie sich Griechenland nach

seinem Beitritt zum Euroraum 2001 „auf

Pump“ Wohlstand erwirtschaftete und wie

diese Blase plötzlich platzte. Er zeigt, welche

Auswirkungen dies nicht nur auf die griechische

Wirtschaft sondern auf die gesamte

Volkswirtschaft im Euro-Raum und vielleicht

auf das gesamte globale Finanzsystem hatte

und hat. Bei der Rettung Griechenlands

und des Euros wurde nicht nur die „Bailout-

Klausel“, nach der kein Land für ein anderes

haften solle, missachtet und ein Rettungspaket

in einer Höhe von 110 Milliarden Euro

geschnürt. Auch die Prinzipien der Europäischen

Zentralbank (EZB) wurden bewusst

missachtet. Der Autor beschreibt, wie

Deutschland maßgeblich an der Rettung mitwirkte

und mit einem Beitrag in Höhe von

23,4 Milliarden Euro nun den größten Anteil

am Rettungspaket für Griechenland trägt,

dem ein noch größeres Paket zur Rettung des

Euro in Höhe von 750 Milliarden Euro folgte.

Matthew Lynn wirft aber auch einen Blick

auf die Situation der anderen PIIGS-Staaten

(Portugal, Italien, Irland und Spanien).

SACHBUCH_POLITIK

Demonstrationen, Aufstände und verjagte Diktatoren: In vielen

arabischen Staaten ist nichts mehr, wie es war. Neue Bücher

analysieren die Lage und dokumentieren die Veränderungen.

Aufbruch zur Freiheit

TEXT: CHRISTOPH SCHRÖDER

GRIECHENLAND, DER EURO UND

DIE STAATSSCHULDENKRISE

Matthew Lynn

Pleite

Griechenland, der Euro und

die Staatsschuldenkrise

Wiley, 2011. 348 Seiten. Gebunden.

19,90 € (D) • 20,50 € (A) • 32,90 sFr.

ISBN: 978-3-527-50604-0

© jcarillet / istockphoto

Noch immer ist die arabische Welt,

wenn es sie als homogenes Gebilde

denn überhaupt gibt, für den Westen ein

weitgehend unbekanntes Terrain. Sie ist

besetzt mit Projektionen und Fantasien,

aber auch mit Klischees und Vorurteilen.

Wo Islamkritik anfängt und wo Islamophobie

beginnt – das lässt sich seit den Anschlägen

vom 11. September vor zehn Jahren

kaum noch genau sagen.

Als Ende 2010 die ersten Wellen der arabischen

Revolution ins Rollen kamen, zunächst

in Tunesien, dann in Ägypten, reagierte

der Westen mit einer Mischung aus

Hoffnung und Skepsis: Hoffnung darauf,

dass die aufkeimende Demokratiebewegung

zu einer Stärkung der politisch gemäßigten

Kräfte führen könnte; Skepsis

darüber, ob nicht radikale Kräfte ihre

Chance nutzen und in das nun entstehende

politische Machtvakuum hineinstoßen

werden.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft: Mädchen

bei einer Demonstration in Ägypten

Es ist kein Zufall und durchaus passend,

dass der diesjährige Friedenspreisträger

des Deutschen Buchhandels aus der arabischen

Welt kommt: Der Algerier Boualem

Sansal gehört zu den wenigen kritischen

Intellektuellen, die ihrem Land

noch nicht den Rücken gekehrt haben. In

seinem bereits 2006 im Original erschienenen

Brief „Postlagernd: Algier“ an seine

Landsleute rechnet er mit den dortigen

Machthabern ab und analysiert zugleich

treffend die politische Lage in Algerien.

Ebenso hautnah an den gegenwärtigen

Umbrüchen ist Karim El-Gawhary: Der

Sohn einer deutschen Mutter und eines

ägyptischen Vaters leitet das Nahostbüro

des ORF in Kairo. El-Gawhary hat über

sämtliche Nachrichtenkanäle vom Aufstand

in Ägypten berichtet; nun legt er sein

66

buchjournal 5/2011


„Tagebuch der arabischen Revolution“

(Kremayr & Scheriau) in Buchform vor. Es

nimmt die Leser noch einmal mit nach Tunis,

Kairo und Libyen, führt ihnen die unruhigen

Monate plastisch vor Augen.

Auch die Journalistin Kristina Bergmann

hat für „Tausendundeine Revolution“

ein Kaleidoskop von Eindrücken gesammelt.

Bergmann, „NZZ“-Korrespondentin

für den Nahen Osten, hat in

Ägypten Stimmen aus den unterschiedlichsten

gesellschaftlichen Gruppen und

Schichten zusammengetragen: Junge und

Alte, Männer und Frauen, Christen und

Muslime bekommen eine authentische

Stimme. Kommunikationsexpertin Judith

Hornok, die für Unternehmen Cross-

Culture-Seminare gibt, um die arabische

Welt besser verstehen zu lernen, hat den

Fokus auf die neue Generation der Frauen

in den Arabischen Emiraten gelegt. In vielen

Gesprächen mit ihnen arbeitet Hornok

in „Moderne arabische Frauen“ (Molden)

heraus, wie sie denken, wie ihre Karrieren

verlaufen, welche Veränderungsprozesse

im Gang sind.

Einen weniger unmittelbaren, distanzierteren

Blick auf die Ereignisse in Nordafrika

wirft der Sammelband „Die arabische

Revolution“ (Ch. Links), in dem

Politologen, Historiker und Journalisten

jeweils kapitelweise eines der Länder der

arabischen Welt behandeln. Detailliert

werden die zahlreichen Verflechtungen

dargestellt, die das Themenfeld so komplex

werden lassen: Religiöse, wirtschaftliche

und territoriale Ansprüche bilden

eine schwer trennbare Einheit. Trotzdem

erscheint jedes Land als Sonderfall, sei es

Syrien, Marokko oder Saudi-Arabien.

Sehr gründlich analysiert der Nahost-

Experte Michael Lüders, lange Jahre

Korres pondent der „Zeit“, in „Tage des

Zorns“ die Ursprünge und Auslöser für die

zornigen Ausbrüche gegen die diktatorischen

Regime. Lüders führt ebendiese

auf politische Fehlkalkulationen in der

westlichen Welt zurück.

Nun, nachdem der Aufstand ausgebrochen

ist, muss auch der Westen eine Haltung

finden, eine politische, aber auch eine

geistige. Hamed Abdel-Samad, Mitarbeiter

der UNESCO und Mitglied der deutschen

Islamkonferenz, stellt in seinem neuen

Buch die provozierende Frage „Krieg oder

Frieden?“ und macht deutlich, dass die

Antwort auf diese Frage auch außerhalb

der arabischen Welt liegt. Entscheidend

sei, wie der Westen sich gegenüber den zu

erwartenden Flüchtlingsströmen verhalte

und welche Rolle er im Kampf der destabilisierten

Systeme spielen wolle.

Für einen Dialog zwischen Christen und

Muslimen schließlich plädiert Wolf Ahmed

Aries, Mitbegründer der Gesellschaft Muslimischer

Sozial- und Geisteswissenschaftler,

als Deutscher im christlichen Glauben

aufgewachsen und seit Jahren Muslim, in

seinem Buch „Der christlich-islamische Dialog.

Chancen und Grenzen“ (Tectum). Barrieren

abbauen, so lautet die Grundforderung.

Und das gilt für den Westen wie auch

für die arabische Welt.


Unsere

Buchempfehlungen

Reiner Bischoff

Fehlerhaftes Geld – kaputte Welt

ISBN: 978-3-86279-031-9

105 Seiten

Kann man mit dem heutigen

Zustand der Welt zufrieden

sein? Wohl kaum. Ganz anders

aber sähe die Welt aus –

gäbe es den Zins nicht mehr.

Otto Hegnauer

Alma Zombie

ISBN: 978-3-86279-033-3

247 Seiten

Am 12. Januar 2010 wurde

Haïti zur Bühne der Welt,

Trauerbühne für eine der

größten Tragödien der

Menschheitsgeschichte.

Lesezeichen

1. Boualem Sansal: Postlagernd: Algier. Zorniger und hoffnungsvoller Brief an meine Landsleute.

Übersetzt von Ulrich Zieger u.a. Merlin, 84 S., 9,90 € (D) • 10,20 € (A) • 14,90 sFr.

2. Kristina Bergmann: Tausendundeine Revolution. Die arabische Welt im Umbruch.

Lenos, 150 S., 14,90 € (D/ A) • 22,50 sFr.

3. Michael Lüders: Tage des Zorns. Die arabische Revolution verändert die Welt. C. H. Beck,

207 S., 19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 30,50 sFr.

4. Hamed Abdel-Samad: Krieg oder Frieden. Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens.

Droemer Knaur, 240 S., 18,– € (D) • 18,50 € (A) • 29,90 sFr.

buchjournal 5/2011 67

Paul A. Truttmann

Die Macht der Beziehung

ISBN: 978-3-86683-721-8

144 Seiten

Mut heißt nicht, keine Gefahr

zu kennen, sondern sich seiner

Angst bewusst zu sein – und

den Weg trotzdem zu gehen.

Walter Horvath

Dracula

ISBN: 978-3-86683-904-5

272 Seiten

Dieses Kochbuch ist ein

ungewöhnliches Buch. Begeben

Sie sich auf eine kulinarische

Entdeckungsreise durch die

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SACHBUCH_UMWELTSCHUTZ

Ein Gespräch mit dem australischen Biologen und Umweltschützer Tim Flannery

über Optimismus, globales Handeln, Evolution und die Politik nach Fukushima.

„Alles dreht

sich um

Synergie“

INTERVIEW: ALEXANDER KLUY

Zur Person

Tim Flannery, geboren 1957, ist Biologe und Paläontologe

und lehrt an der Macquarie University in

Sydney. Bei Expeditionen in den frühen 1980er Jahren

entdeckte er 29 neue Känguru-Arten. 2007

wurde er als Autor des internationalen Bestsellers

„Wir Wettermacher“ zum „Australian of the Year“

gewählt. Seit Februar 2011 ist Flannery Vorsitzender

der australischen „Climate Commission“.

Wieso gaben Sie der englischen Ausgabe Ihres

Buchs den Untertitel „An Argument for Hope“,

ein Plädoyer für Hoffnung?

Tim Flannery: Ich habe das Buch gleich

nach der Klimakonferenz in Kopenhagen

2009 begonnen. Damals war ich ziemlich

deprimiert und dachte: Welche Hoffnung

haben wir noch? Um das zu beantworten,

bin ich bis zu den Grundlagen unserer Beziehung

zur Erde zurückgegangen. Es ist verblüffend,

dass wir ganz offensichtlich gierig

und selbstbezogen sind – was uns aber nicht

als globale Intelligenz disqualifiziert!

Sie haben noch Hoffnung, dass wir den Planeten

Erde nicht endgültig zerstören?

Ja, ich denke, es gibt noch Hoffnung. Die

größte Überraschung für mich beim Schreiben

des Buchs war: Mir wurde klar, dass

Menschen einen Superorganismus bilden.

Das ließ mich über die Fundamente einer

neuen Form sozialen Lebens nachdenken,

die auf Arbeitsteilung basiert. Wenn man

einmal die Fähigkeit zur Arbeitsteilung

entwickelt hat, folgt alles andere. Wir sind

alle Spezialisten.

Ist die „Entwertung der Zukunft“, wie Sie es

nennen, ein Erziehungsproblem?

Die These von der Entwertung der Zukunft

hat enorme Bedeutung. Was wir brauchen,

sind besser ausgebildete Gesellschaften

mit einer gewissen wirtschaftlichen

Sicherheit. Wenn Menschen das

nicht haben, wird Nachhaltigkeit irrelevant.

Sie verbrauchen das, was sie heute benötigen,

auch wenn es ihre Zukunft kostet.

Tim Flannery: „Wir müssen uns in

grundlegender Art und Weise ändern“

Das verlangt aber von uns ein grundsätzliches

Umdenken.

Richtig, wir müssen uns wohl recht fundamental

ändern. Analogien finde ich immer

nützlich. Und eine Analogie zu

menschlichem Verhalten ist etwa, dass

auch die Natur dazu tendiert, sich auf verschiedenen

Ebenen selber neu zu erfinden

– die globale Evolution wiederholt den Evolutionsprozess

einzelner Organismen.

Wieso ist dabei Kooperation, nicht Konkurrenz

für Sie der zentrale Faktor?

Wenn wir zurückschauen und selbst die

ganz junge Erde untersuchen, gab es, so

weit wir das sagen können, schon beim Ursprung

des Lebens Ökosysteme, die miteinander

kooperierten. Wir sehen natürlich

Lesezeichen

Tim Flannery: Auf Gedeih und

Verderb. Die Erde und wir:

Geschichte und Zukunft einer

besonderen Beziehung.

S. Fischer, 368 S., 22,95 € (D) •

23,60 € (A) • 32,90 sFr.

© Filippo Cirri

einzelne Arten, aber wir sehen auch und

vor allem Gemeinschaften. Die miteinander

kooperieren und miteinander leben.

Wenn dies seit dreieinhalb Milliarden Jahren

ein Wesenszug von Leben ist, dann sagt

das etwas über Evolution. Es geht nicht um

das Überleben der Stärksten. Alles dreht

sich um Synergie.

Ein US-Journalist meinte, für eine radikale

Kursänderung brauche es eine Revolution ...

Wandel an sich belastet das Grundmuster

des Superorganismus. Bis zu einem gewissen

Grad ist das gefährlich. Nachdem ich

mein Buch abgeschlossen hatte, setzte der

„Arabische Frühling“ ein. Ich habe diesen

Wandel mit ganz anderen Augen gesehen,

weil ich in meinem Buch schreibe, dass Demokratie

das dominante Muster dieses

Jahrhunderts wird – und dann sah ich die

vom Internet getragenen Revolutionen im

arabischen Raum.

Für die deutsche Ausgabe haben Sie eigens ein

Kapitel über Fukushima geschrieben. Indirekt

also über das Ende der Atomkraft in Deutschland?

Die Herausforderung, vor der Deutschland

steht, ist einmalig. Die Menschen

müssen verstehen, dass es ein heroisches

Experiment ist, das sehr sorgfältig durchdacht

und vermutlich jahrzehntelang begleitet

werden muss. Deutschland ist da

wirklich Avantgarde. Eine solche Aufgabe

kann man auch als Chance begreifen. In

meinen Augen ist es eine interessante und

aufregende Herausforderung.

68

buchjournal 5/2011


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Lesestoff Sachbücher

ARNO SCHMIDT

Eine Jugend in Hamburg

© ullstein bild

Legenden

der Leinwand

STERBEKULTUR

Des Menschen letzter Weg

„Ich habe keine Angst vor

dem Tod“, zitiert Fritz Roth

anfangs Woody Allen, „ich

möchte nur nicht dabei

sein, wenn’s passiert.“ Angesichts

der heutigen Mobilität

stehen Allens Chancen

gar nicht so schlecht,

könnte man die Ironie

dieses Spruchs noch auf

die Spitze treiben. Familiengräber, an denen

man die Lebensgeschichte vieler Generationen

ablesen kann, werden immer seltener. Familiäre,

lokale, konfessionelle, berufliche Bindungen lockern

sich und lösen sich auf. Viele Menschen

wissen, dass bestenfalls ein Gärtner sich um ihr

Grab wird kümmern können. Der 1949 geborene

Fritz Roth versteht sich als Pionier einer neuen

Sterbekultur, die nicht mehr die traditionellen

Rituale und Bestattungsvorschriften, sondern

den Menschen in den Mittelpunkt rückt. Einen

Menschen, der frei darüber entscheiden will, wo

und wie man ihn zur letzten Ruhe bettet. Der Tod

nämlich, so Roth am Schluss seiner ungemein

lebendigen Tour d’Horizon, sei vor allem auch ein

Individualisierer: „Im Tod trennt sich die Rolle,

die Menschen in der Gesellschaft einnehmen,

von dem unverwechselbaren, einzigartigen

Menschen, der seinen eigenen Weg geht.“ Roths

Buch liefert dazu wichtige Beispiele und Orientierungshilfen.

ub

^ Fritz Roth: „Das letzte Hemd ist bunt.

Die neue Freiheit in der Sterbekultur“. Campus,

189 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr.

DIETRICH & RIEFENSTAHL

Leben

und Mythos

Zwei deutsche Frauen, zwei Mythen ihrer

selbst, überlebensgroß: Das sind Marlene

Dietrich und Leni Riefenstahl. Beide waren

Berlinerinnen, die eine in Schöneberg, die

andere im Wedding geboren. Größer als ihr

eigenes, das 20. Jahrhundert, größer als

ihre eigenen Leben waren sie – die Dietrich

starb 1992 im Alter von 90 Jahren, Riefenstahl

elf Jahre später 101-jährig. Die beiden

so unterschiedlichen Diven führt Karin Wieland

nun in einer fulminant ausgreifenden

Doppelbiografie zusammen. Die Berliner

Kulturwissenschaftlerin erzählt detailreich

von ihnen, die mit eisernem Willen und oft

erschreckender und ihre engste Umwelt

missachtender Disziplin den Erfolg suchten.

Und ihn oft brachial erzwangen, mit ihrem

Körper, mit großem Talent, noch größerem

Ehrgeiz und Riefenstahl mit unverstelltem

Opportunismus gegenüber den nationalsozialistischen

Machthabern. Anhand beider

langer Leben, Verschleierungen und Lügen

und unter Auswertung von Nachlassmaterialien

wird das 20. Jahrhundert als Jahrhundert

dieser Frauen erhellend und erfrischend

anders geschildert.

ky

^ Karin Wieland: „Dietrich & Riefenstahl.

Der Traum von der neuen Frau“. Hanser, 632 S.,

27,90 € (D) • 28,70 € (A) • 37,90 sFr.

„Wenn Du das Hamburg

Deiner Jahre 1912 – 28 wiedersehen

willst,“ empfahl

Arno Schmidt seiner Mutter

1968, „dann setz Dich in

Deinen bequemsten Stuhl;

schließe die Augen; und

concentriere Dich recht

fest auf jene Tage.“ Hamburg-Hamm,

in dem er

1914 geboren worden war und bis 1928 lebte, war

im Zweiten Weltkrieg ausradiert worden. Und was

die Bomben der Alliierten überstanden hatte, das

hatte der Wiederaufbau unkenntlich gemacht. Zu

Schmidts Jugenderinnerungen gesellen sich in

dem von Joachim Kersten kundig kommentierten

Band Zeugnisse seiner Mutter, seiner Schwester

Luzie und seiner ehemaligen Klassenkameraden.

Das liefert Einblicke in Schmidts prägende Jugenderfahrungen.

Und es lässt eine Welt auferstehen,

die bei seiner Geburt noch ein Neubauviertel war

und zu Lebzeiten schon Geschichte wurde. ub

^ Joachim Kersten (Hrsg.): „Arno Schmidt in Hamburg“.

Hoffmann und Campe, 208 S., 22,99 € (D) •

23,60 € (A) • 36,90 sFr.

FRAGEN UND ANTWORTEN

Geschichten aus der Natur

Warum lieben wir Biber?

Warum gibt es unterschiedliche

Hautfarben? Und: Wie

sähe eine Welt ohne Menschen

aus? Kinderfragen –

auf die die meisten Erwachsenen

keine Antwort

wüssten. Der Ökologe Josef

H. Reichholf ist Spezialist

darin, scheinbar banale Fragen,

hinter denen aber häufig komplexe Probleme

lauern, verständlich und amüsant zu erklären. Dabei

ist seine Herangehensweise oft recht pragmatisch:

Religion dient vor allem der Stabilität einer

Gesellschaft, genetisch veränderte Nutzpflanzen

sind so alt wie der Ackerbau und die Zukunft des

Menschen ist nicht besonders rosig: „Keine Art von

höheren Lebewesen ist bisher dem Aussterben

entgangen“, schreibt er. Mitteleuropa wäre in wenigen

Jahrzehnten von Wald bedeckt, Städte würden

verfallen und das Leben auf der Erde würde

anders aussehen – aber nicht schlechter, so Reichholf.

„Denn die Natur wertet nicht.“

bai

^ Josef H. Reichholf: „Naturgeschichte(n)“. Knaus,

320 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 30,90 sFr.

70

buchjournal 5/2011


ISLAND I

Land der heißen Quellen

Falls Sie eine Island-Reise planen, dürfen Sie den

Besuch in einem Schwimmbad auf keinen Fall

versäumen. „Nur wenige Dörfer haben eine Dorfkneipe,

ein Schwimmbad gibt es überall“, schreibt

der in Berlin lebende Autor Kristof Magnusson.

Das Baden in heißen Quellen pflegen die Isländer

seit Urzeiten, entsprechend stolz sind sie auf diese

kulturelle Errungenschaft. Man planscht dabei

fast ausschließlich im Freien, und je schlechter

das Wetter ist, umso mehr Spaß macht es. Doch

Vorsicht: Der Besuch in einem Bad ist wahrscheinlich

genauer geregelt als das isländische

Bankenwesen. Es macht Spaß, Magnussons humorvolle

Betrachtungen über dieses besondere

Land im Norden zu lesen,

das viel mehr zu bieten hat

als nur Vulkane, Gletscher

und eine sehr spezielle

Sprache.

bai

^ Kristof Magnusson:

„Gebrauchsanweisung für

Island“. Piper, 194 S.,

14,95 € (D) • 15,40 € (A) •

21,90 sFr.

ISLAND II

„Weltweit am besten!“

Wer Island verstehen will,

braucht nicht gleich ein

paar Jahre Fremdsprachenunterricht.

Eine gute Einführung

in dieses ganz und

gar ungewöhnliche Land

sollte es aber schon sein.

Sehr zu empfehlen ist dafür

Marie Krügers vorbildliches

Länderporträt: Geografie,

Sprache, Politik und Kultur – kaum ein Aspekt,

den die Autorin nicht beleuchtet. Wir lesen, dass

die Isländer auf ihr Land über alle Maßen stolz

sind („Ísland – best íheimi!“ – „Island – weltweit

am besten!“), sie üppige Kuchen schätzen. Und

dass erstaunlich viele Isländer – aber auch Touristen!

– eines unnatürlichen Todes sterben.

Schuld sind allerdings nicht Mord und Totschlag –

die Isländer sind ein überaus friedfertiges Volk –,

sondern die Launen der Natur in Form von

Schneestürmen, Erdrutschen, Lawinen und Gletscherspalten.

bai

^ Marie Krüger: „Island. Ein Länderporträt“.

Ch. Links, 200 S., 16,9o € (D) • 17,40 € (A) • 24,90 sFr.

POMPEJI

Antike Welt im Bimsstein

Als der Vesuv am 24. August des Jahres ’79 eine

glühend heiße Wolke ausspuckte, die bald die

Form einer Schirmakazie annahm, war das Schicksal

Pompejis besiegelt. Gebäude und zurückgebliebene

Bewohner wurden vom Ascheregen in eine

dreidimensionale Momentaufnahme des Alltags

einer römischen Stadt gebannt. Wie die Mücke im

Bernstein wurde Pompeji zur Welt im Bimsstein.

Wohlerhalten war es seit dem 18. Jahrhundert eine

Fundgrube für Archäologen. Die jäh ihrer Existenz

entrissenen Pompejaner hatten nicht darüber entscheiden

können, was sie von sich überliefern

wollten und was nicht. Mary Beards faszinierendes

Buch liefert so eine enzyklopädische unzensierte

Rekonstruktion ihres Lebens, zu dem neben Tempeln

auch Bordelle und neben

kunstvollen Mosaiken

auch obszöne Wandsprüche

gehörten.

ub

^ Mary Beard: „Pompeji.

Das Leben in einer römischen

Stadt“. Reclam, 480 S.,

29,95 € (D) • 30,80 € (A) •

42,50 sFr.

Jetzt im Buchhandel!

»Fußball ist ein einfacher Sport,

jeder versteht die Regeln,

und wer mehr Tore macht,

hat gewonnen.

Aber dann wird es

auch schon kompliziert.«

Philipp Lahm

272 Seiten mit Bildteil,

Euro 19,90

ISBN 978-3-88897-729-9

buchjournal 5/2011 71

verlag antje

kunstmann

www.kunstmann.de


Bücher für Entdecker

Wieder ein neuer Coldàn

Coldàn: Ein totes Kind und doppelte Schatten

ISBN 978-3-8448-7280-4, PB, 448 Seiten, € 24,95

Timos Leben gerät aus den Fugen.

Seine kleine Tochter wurde ermordet,

kurze Zeit später seine peruanische

Frau. Die Polizei verdächtigt Timo,

doch der Unternehmer ist selbst in

Gefahr: Er wird von einem Unbekannten

verfolgt. Ein fulminanter

Thriller um Perversion, Heimtücke und

Verrat (herausgegeben von Vito von

Eichborn in der Edition BoD).

Kampf ums Überleben

Günther E.R. Glass:

Gefangen im Morast der Vergangenheit

ISBN 978-3-8423-1469-6, PB, 244 Seiten, € 17,80

Ein Segeltörn nach Boston entwickelt

sich zum erbarmungslosen Kampf

gegen die Mafia. Dabei wollte Willi,

der dort ein Unternehmen führt, den

mitreisenden jungen Axel nicht in

Gefahr bringen. Im Gegenteil: Er hält

es für möglich, dass Axel sein Sohn

ist. Ein rasanter Thriller über Liebe

und Gewalt.

Europa im Jahr 2024

Henrik Denard: Die Nacht der Präsidenten

ISBN 978-3-8423-4403-7, PB, 404 Seiten, € 24,90

Zwei mächtige Organisationen beauftragen

den Söldner Carl Nanninga,

ein Kreuzfahrtschiff zu kapern. Dort tagen

Staats- und Regierungschefs und

einflussreiche Unternehmenslenker,

um die beschlossene Gründung der

Vereinigten Staaten von Europa vorzubereiten.

Das soll Nanninga um jeden

Preis verhindern. Ein mörderischer

Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Biographien

Herbert Cordes: Berühmte Menschen

ISBN 978-3-8311-4982-7, PB, 184 Seiten, € 15,90

Sie weilen nicht mehr unter uns, sind

aber alle auf die eine oder andere

Weise interessant, bedeutsam oder

bemerkenswert. In dieser Sammlung

finden Sie Kurzbiographien von Alzheimer

bis Zappa, von Brummel bis Palme

und von Diderot und Lady Diana bis

Orwell. Eine Fundgrube wissenswerter

Einzelheiten. www.ClemensTerrell.de

Auf dem Drahtseil

Herrmann Rath: Kopfsalat

ISBN 978-3-8391-7778-5, HC, 128 Seiten, € 19,90

Der Tod ist nicht nur ständiger Begleiter

potentieller Selbstmörder. Auch im

scheinbar ganz normalen Leben führen

wirre Gedanken, Obsessionen und

Fehleinschätzungen zu bisweilen fatalen

Folgen. Der Wahn wartet nur darauf,

sich unser aller zu bemächtigen. Nicht

jeden trifft es. Aber es könnte.

Befreit leben

Günther Dohmen: Aufgespießte Tabus

ISBN 978-3-8423-9823-8, PB, 296 Seiten, € 17,50

5 Tabu-Themen werden kritisch

diskutiert: die Schule als Unterrichtsanstalt,

die neue Sexualmoral, die

Vergangenheits“bewältigung“, der

Wachstumsglaube und die Angst

vorm Sterben. Das Buch ist ein

aufklärerisches Plädoyer für offenere

Zukunftsperspektiven.

Geschichte aufbereitet

René Dick: Alliierte Kriegsverbrechen

ISBN 978-3-8423-6783-8, PB, 520 Seiten, € 39,90

In einer historischen Bestandsaufnahme

muss alles auf den Tisch, nicht nur das

Bild vom bösen Deutschen. Auch die

Siegermächte verfolgten ideologische

Interessen! Immerhin: 5 Millionen Männer,

Frauen und Kinder starben in der

„Obhut“ der Alliierten. Zahlen, Daten,

Fakten: ungeschminkt und wahr.

Wie wir leben sollen

Alfred Kleine: Weisungen der Schöpfung

in medialen Mitteilungen

ISBN 978-3-8423-9675-3, PB, 152 Seiten, € 11,90

Vom Anbeginn der Zeit erhält die

Menschheit „mediale Mitteilungen“

der Schöpfung, die sie auf den Zweck

des Lebens hinweisen. Wir Menschen –

„duale Wesen“ aus Körper und

unsterblicher Seele – sind für uns selbst

verantwortlich. Dieses Buch beschreibt

Aussagen von 15 Medien der letzten

Jahrhunderte.


Bücher für Entdecker

Geist überlebt Materie

Walter van Laack: Wer stirbt, ist nicht tot!

ISBN 978-3-9366-2412-0, PB, 272 Seiten, € 24,80

ISBN 978-3-9366-2413-7, HC, 272 Seiten, € 35,00

Der Autor, Facharzt und Hochschulprofessor

wagt eine wohlbegründete,

alternative Sichtweise auf die Welt.

Dabei verknüpft er wissenschaftliche

Ergebnisse mit religiösen Anschauungen

und kommt zu einem erstaunlichen

Schluss: Jeder Einzelne stirbt nur

körperlich. Unser Ich lebt unverändert

weiter.

Die Welt aus einem Guss

Walter van Laack: Mit Logik die Welt begreifen

ISBN 978-3-9366-2404-5, PB, 380 Seiten, € 29,80

ISBN 987-3-9366-2407-6, HC, 380 Seiten, € 39,80

Hier geht es um die großen Fragen:

Gibt es Gott oder sind Leben und

Geist nur Zufallsprodukte von

Materie? Der Autor führt Naturwissenschaften

und Religionen nahtlos

zusammen und blickt über die verschiedensten

fachlichen Teller ränder.

Ein faszinierendes Buch, das zum

Verstehen dieser Welt beiträgt.

Gott und die Welt

Alneg Christazaal: Geheimnisse zu Wort und Zahl

in der Heiligen Schrift und der Welt

ISBN 978-3-8448-8477-7, PB, 100 Seiten, € 14,00

Ein lesenswertes Buch zeichnet sich

dadurch aus, dass es stark polarisiert

und doch positiv auf das reale Leben

wirkt. Warum heißt alles, wie es heißt?

Sind die Zahlen, wie sie sind? Finden

Sie Antworten darauf und auf viele

weitere Fragen in diesem Buch, um

Gott und die Welt zu verstehen.

China ist anders

Bernhard Weßling: Hier bin ich Lao Wei

ISBN 978-3-8423-0480-2, PB, 228 Seiten, € 49,00

Als seine Firma in China nur Fehlschläge

erleidet, geht Weßling trotz

aller Vorurteile selbst hin. Er verwirft

alle Ratschläge, sucht den eigenen

Weg, taucht tief in China ein, löst viele

Probleme. Humorvoll beschreibt er

seine Erlebnisse, u. a. mit 140 Fotos.

Ein Buch über China wie kein anderes.

Rund und abgefahren

Richard Deiss: Kommt Zeit, kommt Rad

ISBN 978-3-8370-0273-7, PB, 160 Seiten, € 9,90

Was hat das erste Laufrad mit einem

Vulkanausbruch in Indonesien zu tun?

Wieso gibt es Radler-Bier? Und was

haben wohl Münster und Ubatuba

gemeinsam? Amüsante Fakten und

interessante Anekdoten zur Entwicklung

von Fahrradtechnik und Fahrradverkehr.

Für alle, die auf Fahrräder(n) abfahren.

Twitter-Lyrik 3

Books on Demand, Literaturcafe.de (Hrsg.):

Twitter-Lyrik 3

ISBN 978-3-8448-6187-7, PB, 104 Seiten, € 9,80

Keines der Gedichte in diesem Buch

ist länger als 140 Zeichen, denn die

Werke wurden über den Kurznachrichtendienst

Twitter verschickt.

Der Band enthält alle Beiträge des

3. Twitter-Lyrik-Wettbewerbs von

literaturcafe.de und BoD und ist den

Erdbebenopfern von Japan gewidmet.

„Wie mein Buch das LICHT der Welt erblickt? –

Mit einem KLICK!“

Ob Krimi, biographische Erinnerungen, Reiseberichte oder Fotobuch: Mit BoD haben

Sie die Möglichkeit, Ihr eigenes Buch zu veröffentlichen. Ganz einfach, unkompliziert,

schnell und risikolos über die Plattform www.bod.de. Und schon ist es für Ihre Leser

zu haben: im Buchhandel und in Onlineshops.

MEIN BUCH, MEIN ERFOLG.


Schwerpunkt Essen, Trinken & Genießen

Sie ist frisch, lecker und besonders: die asiatische Küche. In neuen Büchern

wird sie nicht nur appetitlich serviert, sondern sie lädt auch in ihre jeweiligen

Heimatländer ein – mit Geschichten, Erinnerungen und Fotos der Autoren.

Erst in den Lesesessel –

dann ab in die Küche!

TEXT: CONSTANZE KLEIS

viel knackfrisches Gemüse, duftende

Kräuter, aromatische Früchte, kaum Fett,

eher wenig Fleisch, viel Fisch und dazu

Reis – asiatisch geht immer. Nicht nur,

weil die Küchen Japans, Thailands oder

Koreas von vorbildlicher diätischer Bewusstheit

geprägt und ernährungsphysiologisch

ausgeklügelt sind, ohne dem Esser

den dabei sonst oft fälligen Verzicht

auf Geschmack und Genuss zuzumuten.

In ihnen lebt auch diese schöne Schlaraffia-Idee:

von allem etwas, und das gleichzeitig

auf den Tisch. Kein Wunder, wenn

sich Kochbücher, die diesem Schüsselchentraum

huldigen, ungebrochener Beliebtheit

erfreuen und diese wunderbar

vielfältige Küche immer wieder aufs Neue

entdeckt wird.

Dass dabei immer noch erstaunliche

Varianten und Zusatzfeatures möglich

sind, zeigen gleich zwei Bücher aus dem

Hädecke Verlag: „Thai Street Food“ und

der aktuelle Nachfolger „Vietnam Street

Food“. Autor Tom Vandenberghe hat dafür

die Epizentren des Authentischen, die

Straßenküchen der beiden Länder, bereist,

wunderbare Originalrezepte gesammelt,

sie – auch fotografisch – höchst appetitlich

präsentiert und sehr verständlich beschrieben.

So sind die Kochbücher auch

kulinarischer Kulturführer und Reisetagebuch

mit einer enormen atmosphärischen

Dichte – hier wird man quasi vom Küchentisch

aus auf Reisen geschickt.

In der Buchhandlung könnten diese

Bände also möglicherweise sowohl in der

Koch- als auch in der Reiseabteilung zu

finden sein. Ähnlich dürfte es auch bei

dem Buch „Der Duft meiner Heimat. Die

wunderbaren Rezepte meiner chinesischen

Familie“ sein. Autorin Li Hong,

die nach Hamburg kam, um dort Malerei

und Illustration zu studieren, hat es wie

ein kulinarisches Bilderbuch, einen Reiseführer

zurück in ihre ganz persönliche

Ess- und Familiengeschichte, gestaltet,

mit vielen kleinen Familienfotos und fast

träumerischen Illustrationen. Rezepte wie

„gedämpfte Zuckerschoten mit Hackfüllung“

oder „Doppelt gegarter Schweine-

bauch“ sind auch von Hobbyköchen und

ohne das Equipment einer Sterneküche

locker zu bewältigen und dennoch alles

andere als simpel. Küche oder Lesesessel?

Am besten beides!

Davon, wie Heimatgefühle immer auch

am Herd entstehen und Familiengeschichte

beim Kochen, erzählen die drei gebürtigen

Koreanerinnen Sunkyoung Jung,

Yun-Ah Kim und Minbok Kou im „Korea-

Kochbuch“. Sie beschreiben die Gerichte,

die ihr Leben begleiten: wie etwa Soegalbijjim

– geschmorte Rinderrippchen, die

in Korea gern bei festlichen Anlässen serviert

werden. Das von Tina Kraus hübsch

durchillustrierte Buch ist sehr privat, sehr

anrührend und bietet so einen ungewöhnlichen

Blickwinkel auf einen in unseren

Breitengraden noch weitgehend unerforschten

Ess-Kosmos.

Es ist ein Kosmos, in dem Kim Sohyi

quasi das Zepter hält. Die gebürtige Südkoreanerin

lernte bei ihrer Mutter, Besitzerin

eines Gourmetrestaurants, kochen.

Sie studierte dann Mode in Wien, arbeitete

einige Jahre als Modedesignerin, ehe sie

zu ihrer eigentlichen Berufung zurückkehrte:

dem Kochen. Seit 2011 betreibt die

Sterneköchin das „Kim kocht“ in Wien

und hat jetzt ihr zweites Kochbuch

»Hier lebt die schöne

Schlaraffia-Idee:

von allem etwas

auf den Tisch« 0

74 buchjournal ••/2009 5/2011


Verführung Sei

es mit oder ohne

Stäbchen – Gerichte

aus Japan, Vietnam

oder Korea bieten ganz

besondere Genüsse

© ionse quisim

© Trinette Reed / Blend Images / Corbis

buchjournal 5/2011 75


SCHWERPUNKT ESSEN, TRINKEN & GENIESSEN

0 veröffentlicht: „Kim kocht – neu“

Auch bei der Übersetzung aus dem Französischen

(Brandstätter). Es ist eine beeindruckende

Fusion aus raffinierter Schlichtheit und

überbordendem Einfallsreichtum. Schon

die hinreißenden Fotos von „Jakobsmuscheln

mit Beeren- und Orangen-Ingwersauce“

oder „Hamachi-Carpaccio“ sorgen

für vermehrten Speichelfluss (Fotograf:

Thomas Schauer).

Geboten wird etwa bei „Rehkitz-Sashimi“

oder bei „Violetten Schupfnudeln mit

Lemongras-Thunfisch-Sugo“ ein Crossover

aus dem besten zweier großer Kochnationen.

Sie habe, sagt Kim Sohyi, ein

wenig die Schärfe aus ihren Rezepten genommen

vermisst man etwas: mehr Sorg-

falt. Wen interessiert es hierzulande, dass

bestimmte Zutaten „in Frankreich praktisch

nicht angeboten“ werden? Dazu hat

der Inhalt ein deutlich schöneres Cover

verdient als bloß eine klare Suppe, in der

eine Garnele, einiges Gemüse und etwas

herumschwimmen, das aussieht wie ein

Stück Zellstoff (bei dem es sich – wie man

auf Seite 124 erfährt – jedoch um ein Stück

Reiskuchen handelt).

Ähnlich lieblos wird auch Mridula Baljekar

behandelt. Trotz ihrer beachtlichen

Referenzen – in England ist die in Assam

– „Koreaner essen gerne sehr

geborene Kochbuchautorin sozusagen

scharf !“ –, aber die schöne Tradition der

vielfältigen Aromen, der frischen Kräuter,

der taufrischen Zutaten und der kleinen

Beilagen aufgegriffen. „Ich versuche, koreanische

Tapas in verschiedenen Gängen

zu präsentieren.“ Ihr persönliches Lieblingsrezept?

Ganz einfach: „Warmer Reis

mit frischem Gimtschi-Salat“.

Auch fürs Auge ein Genuss: Die asiatische

Küche will nicht nur dem Gaumen schmeicheln

im Besonderen. Die dazugehörigen Rezepte

werden jeweils von schönen Fotos

und vom „Tipp meiner Mutter“ aufgewertet.

ein Synonym für „Schätze der indischen

Küche“, so der Titel ihres Kochbuchs –

hat sich der Verlag jegliche Personalie gespart.

Dabei hat die Autorin schon mal

für Jerry Hall gekocht und eine Gartenparty

in No. 10 Downing Street mit ausgerichtet.

Natürlich merkt man den Rezepten, die

Leider erfährt man an keiner Stelle, zum Teil auch fotografisch Schritt für

wer Kaori Endo eigentlich ist, dazu muss Schritt durch den Entstehungsprozess von

man erst das Internet bemühen: Sie lebt Methi Chaman (Indischer Käse mit Bockshornklee

in Frankreich, arbeitet dort als Food-

und Spinat) oder Masor Tenga

Autorin und betreibt seit vorigem Jahr in (Fisch in scharfer Tomatensoße) leiten,

Paris ein kleines Restaurant namens auch so ein austrainiertes Können und viel

Nanashi. Wo man auch die Bento-Box erhält,

Herzblut an. Aber irgendwie fehlt die letzte

über die sie in ihrem Kochbuch Würze – sozusagen das menschelnde Ele-

schreibt: sorgsam mit lauter kleinen ment. Schließlich weiß man nun, wie viel

Köstlichkeiten aus der japanischen Küche besser es schmecken kann, wenn das Kochbuch

gefüllte Lunchdosen.

persönlich wird.


Auch die Liebe zu einem Land führt als

Erstes durch seine Küche und somit durch

den Magen. Man kann sich im wahrsten

Sinne des Wortes viel Zuneigung über ein

Land einverleiben. Und einiges an Wissen.

Besonders, wenn man sich ihrer kulinarischen

Seele mit so viel Kennerschaft, so

viel Hingabe, so versiert und opulent bebildert

nähert wie Prisca Ruegg, Phassaporn

Mangkongthanachoke und Michael

Wissing in ihrer „Thaiküche“.

Auch dies Kochbuch hat Reiseführerqualitäten

für die gehobenen Entdecker-

Ansprüche. Es würdigt den Reichtum der

thailändischen Küche mit Geschichten

auch rund um die typischen Produkte, zu

ihrer Herkunft, ihrer Bedeutung und ihrer

Verwendung – mit ausführlichem Verarbeitungs-Know-how

und einer atemberaubenden

Vielzahl an authentischen Rezepten,

unter denen selbst Thailandkenner

sicher noch Neuland entdecken

werden. Kurz: Es tut, was ein Kochbuch,

so es zu den besten zählen soll, unbedingt

tun sollte – die Herdanziehungskräfte befeuern.

In dieser Kochbuch-Königsdisziplin

könnte auch „Echt japanisch kochen“ von

Kaorie Endo (Christian Verlag) beheimatet

sein. Immerhin verbindet auch sie

zauberhafte kleine Anekdoten aus ihrer

Kindheit mit den Ess-Traditionen in Japan

im Allgemeinen und in ihrer Familie

Lesezeichen

© goinyk

1. Sunkyoung Jung, Yun-Ah Kim, Minbok Kou, Tina Kraus (Ill.): Das Korea-Kochbuch. Jacoby & Stuart, 160 S.,

19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr.

2. Li Hong: Der Duft meiner Heimat. Die wunderbaren Rezepte meiner chinesischen Familie. Gerstenberg, 144 S.,

19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr.

3. Mridula Baljekar: Schätze der Indischen Küche. Neuer Umschau Buchverlag, 160 S., 19,90 € (D) • 20,50 € (A) •

28,50 sFr.

4. Prisca Ruegg, Michael Wissing: Thaiküche. Gräfe und Unzer, 360 S., 29,99 € (D) • 30,90 € (A) • 40,90 sFr.

5. Tom Vandenberghe: Vietnam Street Food. Kulinarische Reiseskizzen aus Hanoi und Vietnam. W. Hädecke,

208 S., 18,– € (D) • 18,50 € (A) • 27,90 sFr.

76

buchjournal 5/2011


Mühe geben reicht nicht: Gute Backbücher sind ebenso inspirierend

wie instruktiv. Eine Auslese für Neulinge und angehende Profis.



© wavebreakmedia

So kriegen Sie’s gebacken

TEXT: ANDREA RINNERT

Backvergnügen für alle: Beim Plätzchenbacken

können schon die Kleinsten helfen

Etwas gebacken kriegen, das ist immer

noch Frauensache – zumindest wenn

Öfen im Spiel sind. Véronique Witzigmann

definiert in „Mein Backbuch“ (Südwest) den

Umgang mit Kuchenteig recht unverhohlen

als weibliche Bestimmung: „Fürsorge, Gemütlichkeit,

Liebe, Zuneigung“ – all dies

werde „auf sinnlichste und lieblichste Weise“

ausgedrückt. Eine Passage, wie sie in

einem Erziehungsratgeber des 18. Jahrhunderts

nicht eben herausstäche. Ins selbe patriarchale

Horn bläst der sommerliche Band

„Backen wie auf dem Land“ (Dort-Hagenhausen-Verlag)

mit dem Terminus Faule-

Weiber-Kuchen: ohne Selbstgepflücktes aus

dem Garten, bloß mit Mandarinen aus der

Dose! Und bei der „Heimwehküche Backen“

wurde tatsächlich nur den Großmüttern der

Republik ein Geheimwissen über Rosinenschnecken

& Co. zugetraut.

Doch glücklicherweise ist diese Arbeitsteilung

nicht unangefochten: In Dresden

haben sich für „Kunstgenuss“ (Gebr. Mai)

24 komödienaffine Schauspieler – darunter

13 Männer! – bei der vergnüglichen Zubereitung

von Marzipanrosen, Schokoladenpfannkuchen

und ähnlichen Leckereien

sogar fotografieren lassen. Und auch im

Westen Deutschlands tut sich was Subversives,

wie einer seriösen Quelle zu entnehmen

ist: Im 80. Jahr seines Bestehens zeigt

Dr. Oetkers „Backen macht Freude“ ab und

an mal Männerhände beim Verstreichen,

Rühren und Fetten. Vorboten einer überfälligen

Ära wahrer Gleichberechtigung? Bereits

heute, ja gleich nachher machbar ist

hingegen der leichte Buttermilch-Knusperkuchen

aus „Sehr gut backen“. Alle, denen

er auf Anhieb gemundet hat, sind vermutlich

reif für die 75 Ideen aus Elisabeth

Fischers fett- und zuckerarmem Werk

„Schlank backen“ (Kneipp-Verlag).

Als ungeplanter Nebeneffekt könnte sich

ein Gewichtsverlust bei den „Cakepops“

(Hädecke) einstellen: Clare O’Connells Minikuchen

am Stiel sehen – gestaltet als Kakteen,

Pinguine oder Geishas –, so drollig aus,

dass sie zu vertilgen frevelhaft wäre.

Für neue Ideen braucht man neben Kreativität

auch Mut – den Muriel Frank bewies,

als sie ihre nicht eben aufgeschlossenen

Brüder zu Testessern ihrer klebereiweißfreien

Ofen-Experimente erkor. Die Erfolge

bündelnd, beweist der Ratgeber „Backen

ohne Gluten“ zudem: Manchmal muss man

Männer zwingen, Frauen können verdammt

hartnäckig sein und Backbücher sind eine

verblüffend unterhaltsame Lektüre.

Lesezeichen

































buchjournal 5/2011 77

1. Birgit Hamm, Linn Schmidt: Heimwehküche

Backen. Dorling Kindersley, 200 S., 19,95 € (D) •

20,60 € (A) • 28,50 sFr.

2. Vera Kaftan-Namyslowski, Dorothee Soehlke-Lennert:

Sehr gut backen. Stiftung Warentest, 216 S.,

19,90 € (D) • 20,50 € (A) • 33,60 sFr.

3. Muriel Frank: Backen ohne Gluten. Trias,

128 S., 12,99 € (D) • 13,40 € (A) • 18,20 sFr.

Maria Hofmann / Helmut Lydtin

Bayerisches Kochbuch

56. Auflage

Birken-Verlag. 940 Seiten. Gebunden.

€ 25,– € (D) • 25,70 € (A) • 45,50 sFr.

ISBN: 978-3-920105-04-8


silvercon

SCHWERPUNKT ESSEN, TRINKEN & GENIESSEN

Kochbücher der Schwergewichtsklasse: Die neuen Werke

huldigen nicht nur der Vielfalt von kulinarischen Möglichkeiten, sie

sind auch ein Statement gegen die Banalisierung des Handwerks.

Ein Hoch auf XXL-Helfer

TEXT: CONSTANZE KLEIS

Wechseln Sie die Spur

ins dauerhafte Glück.

Lesen Sie dieses Buch und erfahren

Sie wie Sie selbst dauerhaft glücklich

werden, bleiben und glücklich machen

können. Lassen Sie das Glück in Ihr

Leben und verschenken Sie dieses

Glück auch Ihren Liebsten.

Dieses Buch ist faszinierend und leicht

verständlich geschrieben, einfach zu

lesen und macht richtig glücklich.

Lassen Sie sich auf das wahre Glück ein.

Probieren Sie es selbst. Ihr Glück sollte

diesen Versuch wert sein!

Sevinç Neumann

Alles total easy und entspannt aus dem

Handgelenk geschüttelt – das war

jahrelang das Mantra, mit dem uns vor

allem Fernsehköche Kochen als einen großen

Kindergeburtstag präsentierten. Als

bloß ein weiteres Segment des großen Do -

it-yourself-Marktes, irgendwo zwischen

handgestrickten Pulswärmern und Ikea-

Küchen in Selbstmontage angesiedelt. Spätestens

beim Einkauf und am heimischen

Herd jedoch ahnte man es: Kochen, das

richtige, ist immer noch ein Handwerk,

wenn nicht gar eine Kunst, die mehr Wissen

und Erfahrung erfordert, als man sich

mal eben am Freitagabend aneignen kann.

Umso löblicher, dass nun gleich mehrere

Novitäten diese These mit Grundsatzwerken

stützen, die dem Kochen seine Würde

zurückgeben – und so gewichtig sind, dass

man beinahe schon von der „Bibelisierung“

des Kochbuchmarktes sprechen möchte.

Als Mutter dieses Trends könnte man getrost

das Buch „Der Silberlöffel“ mit seinen

1 464 Seiten und über 2 000 Rezepten aus

der italienischen Küche bezeichnen, das

nun komplett überarbeitet und modernisiert

mit über 400 neuen

Food-Fotografien auf den

Markt kommt. Es wurde

1950 erstmals als „Il Cucchiaio

d’argento“ in Italien

gesichtet und gilt seitdem

als untrüglicher Nachweis

höherer Koch-Ambitionen.

Natürlich fragt man sich angesichts dieser

beeindruckenden Umfänglichkeit, ob sich

mit ihm nicht alle weiteren Bücher einfach

erübrigen? Nein – es braucht schon mehr,

um die unendlichen Weiten und die herrlichen

Möglichkeiten des kulinarischen

Kosmos gebührend zu würdigen: ganz

vorn „Food. Die ganze Welt der Lebensmittel“

mit seinen 368 Seiten, dem Hardcover-XXL-Format,

dem Schmuckschuber,

den Lesebändchen, den über 4 000 Fotos

und mehr als 6 000 Stichwörtern. Es

© Marta Drapiewska

silvercon

Mehr über mich erfahren Sie

auf meiner Autorenseite:

www. sevinc-neumann.de

Sevinç Neumann | Spurwechsel ins Glück

224 S. geb. | ISBN: 978-3-981-44360-8 | € 14,95 [D]

www.silvercon-verlag.de

In höhere kulinarische

Sphären dringt

man nur mit exakten

Wegweisern vor

78

buchjournal 5/2011


Kreativ-Edition

Lesezeichen

1. Das große Buch der Teigwaren. Gräfe und Unzer, 320 S., 69,90 € (D) • 71,90 € (A) • 95,– sFr.

2. Das große Buch der Lebensmittel. Auswählen – aufbewahren – zubereiten – haltbar machen – genießen.

Dorling Kindersley, 544 S., 49,95 € (D) • 51,40 € (A) • 66,90 sFr.

3. Sven Elverfeld: Elverfeld. Das Kochbuch. Collection Rolf Heyne, 496 S., 75,– € (D) • 77,10 € (A) • 99,– sFr.

4. Food. Die ganze Welt der Lebensmittel. Teubner, 368 S., 99,90 € (D) • 102,70 € (A) • 135,– sFr.

5. Der Silberlöffel. Phaidon / Edel Germany, 1464 S., 39,95 € (D) • 41,10 € (A) • 56,90 sFr.

huldigt der überwältigenden Vielfalt der

kulinarischen Möglichkeiten in allen Bereichen

mit umwerfender Opulenz, wunderschönen

Bildern und einer detailverliebten

Akribie, zu der sich nur leidenschaftliche

Fans emporschwingen.

Das gilt so ähnlich auch für „Das große

Buch der Teigwaren“ mit über 700 Fotos. Neben

Infos zu Qualität, Herkunft, Geschmack,

Verwendung und Geschichten rund um den

Nudelkult werden hier die köstlichsten

Rezepte aus aller Welt präsentiert: geradlinig,

schnörkellos, zum Niederknien und

entlang der klassischen Menüfolge Vorspeise,

Hauptgericht, Dessert; Abstecher ins

teigverwandte Knödelfach inklusive.

Auch Dorling Kindersley präsentiert mit

seinem „Großen Buch der Lebensmittel“

ein Statement wider die Banalisierung

eines großen

Handwerks und würdigt es

mit einer Fülle an Produktbeschreibungen,

an Informationen

zur Zubereitung,

zum Konservieren

und mit 200 Rezepten. Sollte unbedingt

auf die Liste jener Dinge,

die man auf eine einsame Insel mitnehmen

würde. Auch wenn es dort vermutlich

weder Pondhopper (Ziegenkäse aus Oregon,

USA) noch die 13 Milchsorten gibt, die

das Buch aufzählt. Dafür hätte man Zeit, all

das Köstliche, Wissenswerte, das so bildhaft

und mit viel Kennerschaft Beschriebene,

einmal gründlich zu lesen.

Sofern es keine Maximalgrenze für Gepäck

gibt, müsste zwingend noch „Elverfeld.

Das Kochbuch“ mit. Einfach nur so

zum Gucken. Es wirkt so futuristisch und

abgehoben wie ein Raumschiff (und beinahe

so schwer), mit dem man Sven Elverfeld,

den Ausnahmekoch und Chef des

„Aqua“ in Wolfsburg, durch die unendlichen

Weiten seines Gourmet-Kosmos begleiten

kann. Einer, der mit immerhin drei

Guide-Michelin-Sternen und 19 Punkten

im „Gault Millau“ ziemlich erleuchtet ist.

Beinah überirdische Kreationen, die in

Layout, Typo, Grafik und Inhalt eine überzeugende

Entsprechung finden. Deshalb ist

dies eigentlich auch kein Kochbuch, es ist

eine Erscheinung – und auch eine Zumutung

in Rezepten, die so unglaublich aufwendig

sind und, ja, auch so elitär, dass man

sie zugleich als Anleitung für „Wie demütige

ich einen Hobbykoch“ missverstehen

könnte. Aber offenbar geht es hier ohnehin

nicht um Nachahmung, sondern eher um

Eindrucksmanagement und um etwas sehr

Schützenswertes: die Rettung der Idee, dass

es Kochsphären gibt, für die man mehr im

Gepäck haben sollte als eine Folge von „Lanz

kocht“. Oder wie es Jürgen Welte, der

Verlags leiter der Rolf Heyne Collection, formuliert:

„Nicht jeder, der Essen zubereiten

kann, ist Koch im Sinn unserer Autoren und

Publikationen.“

Schlussendlich darf es also ruhig ein

bisschen mehr sein. Ja, auch an Snobismus,

an Selbstbewusstsein – und an Herausforderungen.

Besonders am Herd. Und

sei es nur die, einen ordentlichen Platz für

all die Kochbuchpreziosen zu finden: möglichst

unerreichbar für irgendwelche Fettspritzer.








buchjournal 5/2011 79

€€


REISE_USA

Weihnachten bei mildem Klima unter Palmen? Wir empfehlen Florida, das viel mehr bietet als

nur Luxushotels für Senioren. Kunst und Kultur, Bilderbuchstrände und viel Natur beispielsweise.

Chill-out

im Rentnerparadies

TEXT: SABINE SCHWIETERT

Fahren Sie nach Naples, wenn Sie es gediegen

mögen. Da gibt es traumhafte

Strände, Wahnsinnsvillen und reizend gealterte

Menschen. Wie doch ein wenig

Kleingeld über die Gebrechen im letzten

Lebensabschnitt hinweghelfen kann! Geschmackvoll

flamingofarben umhüllte Damen,

die passenden Herren im staubfarbenen

Anzug mit Hut – das ist erhebend

anzuschauen. Auch wenn man die 60 noch

nicht überschritten hat. Und in der Umsetzung

vielleicht gar nicht so teuer. Nur Mut

also, auch in Bremen, Bottrop und Bielefeld.

So viel zum Klischee Rentnerparadies.

Jeder weiß ja längst, dass der Urlaubsstaat

Florida mehr zu bieten hat. Miami zum Beispiel.

Hier kann man bequem eine ganze

Woche verbringen, Beachlife erleben, shoppen,

essen und feiern. Und Kunst ist auch

noch drin. Wie wäre es zum Beispiel mit Art

déco am Ocean Drive in Miami Beach? Zauberhaft.

Architekturstudenten aus aller

Welt pilgern dorthin. Wir bedauern noch

heute, keine geführte Tour wahrgenommen

zu haben. Dafür habe ich George Clooney

gesehen, ziemlich sicher jedenfalls, in einer

Boutique in der Flagler Street. Zugelächelt

hat er mir auch, aber da gehen die Meinungen

auseinander. Egal.

Wer Kinder dabeihat, kommt um einen

Besuch im Miami Seaquarium nicht herum

– die Lieblingsdisziplin der dortigen Killerwale

ist Zuschauernassspritzen.

Atlantik oder Golf von Mexiko – Bilderbuchstrände

mit warmem Meerwasser finden

Sie in Florida überall. Gleich nebenan

von Miami etwa liegt Fort Lauderdale, das

Venedig von Amerika. Hier durchziehen

natürliche und künstliche Wasserwege

(450 Kilometer!) die ganze Stadt. Gönnen

Sie sich hier ein Wassertaxi.

Sicher nicht entgehen lassen sollte man

sich die Inselkette Keys ganz im Süden: 200

Korallen inseln mit einer Gesamtlänge von

über 290 Kilometern.

Buchjournal-Leser wollen bestimmt

auch das Hemingway-Haus in Key West

nicht verpassen. Sein Haus wurde gerade

erst zur „Literary Landmark“, einem Ort

Lesezeichen

Sehenswürdigkeit

der Florida Keys:

die alte Bahnbrücke

am Bahia Honda State

Park

mit großer Bedeutung für die amerikanische

Literaturgeschichte.

Zum Schluss eine Warnung in Sachen

Everglades. Hier gilt es die richtige Tour zu

erwischen, eine mit viel Natur und wenig

Nepp. Wir hatten bei unserer Reise kein

Glück: Viel Lärm im Boot, ein Guide, der

ganz offensichtlich nur aufs Trinkgeld aus

war. Die zwei, drei Alligatoren, die es zu sehen

gab, konnten für diese Touristenabzocke

kaum entschädigen. Wohl dem, der

hier einen guten Reiseführer hat.

1. Florida. Dorling Kindersley, 416 S., 20,95 € (D) • 21,60 € (A) • 35,90 sFr.

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3. Michael Iwanowski: 101 Florida. Geheimtipps & Top-Ziele. Iwanowski, 256 S., 12,– € (D) • 12,40 € (A) • 20,90 sFr.

4. Axel Pinck: Reise-Handbuch Florida. DuMont, 416 S., 22,99 € (D) • 23,70 € (A) • 39,50 sFr.

© ideeone

80

buchjournal 5/2011


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REISE_VENEDIG

Der Zauber der Lagunenstadt ist trotz des Touristenrummels

ungebrochen – Venedig sonnt sich im Glanz der Vergangenheit.

Melancholie und Musik

TEXT: ECKART BAIER

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Für die einen ist sie die „Serenissima“,

die Allerdurchlauchteste, die Perle der

Adria oder, wie die Wahl-Venezianerin

Donna Leon sagt, schlicht: die schönste

Stadt der Welt. Für die anderen ist Venedig

eine Art Disneyland der Renaissance, das

Besuchern mit schlechtem Essen, überteuertem

Eintritt und billigem Venezia-

Ramsch das Geld aus der Tasche zieht.

Auch wenn an letztgenannter These einiges

dran ist, kann sich wohl kein Reisender,

der Venedig das erste Mal betritt, dem

Zauber entziehen: eine Stadt ohne Autos, in

der 150 Kanäle als Straßen dienen, auf denen

man sich per Boot oder Gondel fortbewegt,

und Tausende von Straßen und Gässchen,

die sich ausschließlich zu Fuß durchqueren

lassen.

Doch trotz der 20 Millionen Touristen, die

Venedig jedes Jahr heimsuchen, gibt es noch

die stillen Plätze, Gassen und Kirchen, die

eine Ahnung heraufbeschwören, wie die

Stadt vor 300 Jahren ausgesehen haben mag.

Noch besser gelingt dies allerdings nach der

Venedig und seine Gondeln: Heute kreuzen hier

400 Boote – früher waren es 10000

Lektüre der uneingeschränkt empfehlenswerten

Venedig-Biografie von Peter Ackroyd.

Mit leichter Hand entführt er den Leser in

die Vergangenheit, als in Venedig noch die

Dogen regierten, als die Straße, die Markusplatz

und Rialto verband, von 276 Läden aller

Art gesäumt war und als nicht wie heute

etwa 400, sondern 10 000 Gondeln in der Lagune

und auf den Kanälen unterwegs waren.

Die Berufskleidung der Gondolieri – Strohhut,

Ringelhemd, Halstuch – wurde übrigens

erst in den 1920er Jahren Standard.

Gesungen haben die berühmtesten Söhne

der Stadt freilich schon immer, denn in Venedig

ist alles Musik. Permanent läuten die

Glocken einer der mehr als 100 Kirchen,

dringen von irgendwoher Koloraturen einer

Sängerin ans Ohr, probt ein Orchester

in der Ferne für das abendliche Konzert.

„Die Stadt erzeugt unentwegt Töne, Hall,

Rhythmus, Geräusche, Musik, Echos“,

82

buchjournal 5/2011

© Peter Zelei


schreibt Elke Heidenreich in ihrem Buch

„Die schöne Stille“, „aber immer auf der

Basis von Stille durch Abwesenheit von

Autos, Verkehr, auf der Basis leise gurgelnden

Wassers an alten Mauern.“

Bedeutende Musiker aus aller Welt

lockte die Musikalität Venedigs seit jeher

an – und das Geld der Fürsten, die in ihren

Palästen und zu ihren Festen akustische

Untermalung wünschten. Monteverdi und

Vivaldi schufen hier ihre Meisterwerke,

Schütz und Händel, Verdi, Liszt und Strawinsky

fanden hier Inspiration. 1858 reiste

Richard Wagner nach Venedig, um hier,

voller leidenschaftlicher Gefühle für Mathilde

Wesendonck, den zweiten Akt seiner

Oper „Tristan und Isolde“ zu vollenden.

Und in Venedig, im Palazzo Vendramin,

starb Wagner 25 Jahre später.

Überhaupt ist der Tod – nicht nur in Thomas

Manns berühmter Novelle – ein stets

wiederkehrendes Thema, wenn von Venedig

die Rede ist. Cocteau nannte Venedig

eine kranke, fiebernde Stadt – der Gestank

faulenden Wassers im Sommer muss früher

fürchterlich gewesen sein.

Nicht selten brachen Krankheiten aus,

und im 19. Jahrhundert, so lesen wir bei Peter

Ackroyd, warnten in Venedig wohnende

Engländer ihre Landsleute davor, sich allzu

lange aufzuhalten, um nicht von der krankhaften

Niedergeschlagenheit angesteckt zu

werden. Vielleicht ist es tatsächlich die Anwesenheit

der Wassers, die melancholisch

stimmt, wie Ackroyd vermutet. „In Venedig

ist man auf Moll gestimmt“, bestätigt Elke

Heidenreich. „Hier ist immer Endzeit, Totenmasken,

nach uns die Sintflut.“ Dass in

Venedig die Melancholie regiert, unterstreichen

die wunderbaren Schwarz-Weiß-Fotografien,

die Rainer Groothuis und Christoph

Lohfert für ihr Buch versammelt haben.

Enge Gassen, Licht und Schatten, Brücken,

Pflaster, brüchiges Gemäuer, eine Frau mit

Regenschirm und Einkaufstasche: Die Fotos

blicken hinter die Kulissen einer Stadt, die

sich gern hinter – meist billigen – Masken

versteckt. Venedig ist wie eine Schauspielerin,

die nur noch vom Glanz der Vergangenheit

lebt. Ihre Tage sind gezählt, die großen

Zeiten liegen lange zurück.

Davon berichtet Roger Crowley in seinem

Buch „Venedig erobert die Welt“. Er beschreibt,

wie die Stadt „aus Marschland

herausgestampft“ wurde und sich durch

ihre besondere geografische Lage über die

Jahrhunderte zur wirtschaftlichen und

politischen Großmacht emporschwang.

Enorm faktenreich schildert Crowley diesen

langen Aufstieg bis zur Blüte der Dogen-Republik

und zu dem beginnenden

Niedergang im 15. Jahrhundert, als die Osmanen,

aber auch andere Großmächte,

Vene dig den Rang streitig machten.

Heute droht Venedig zu versinken. Unter

dem gewaltigen Gewicht der Bauwerke sinkt

die Stadt jedes Jahr um einige Millimeter

ein. Viele Erdgeschosse sind schon nicht

mehr bewohnbar. Doch für Touristen und

Kunstliebhaber wird Venedig noch für Jahrzehnte

ein Anziehungspunkt bleiben – als

weltgrößtes Freilichtmuseum und als Ort,

den es so kein zweites Mal mehr gibt.

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2. Roger Crowley: Venedig erobert die Welt. Die Dogen-Republik zwischen Macht und Intrige. Theiss, 356 S.,

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3. Rainer Groothuis, Christoph Lohfert: Venedig. Edel, 144 S., 36,– € (D) • 37,10 € (A) • 56,90 sFr.

4. Elke Heidenreich: Die schöne Stille. Venedig, Stadt der Musik. Corso, 128 S., 19,90 € (D) •

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buchjournal 5/2011 83


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Was Kindern wirklich schmeckt!

„Mag ich nicht!“ –

„Schmeckt nicht!“ –

Eltern, die nach den

Rezepten in diesem

Buch kochen, werden

so etwas in Zukunft

nicht mehr hören.

In fünf Kapiteln –

Suppen, Fisch, Fleisch,

Gemüse und Lieblingsgerichte

– werden 50 Rezepte vorgestellt, die

einfach zubereitet werden können.

Karolina Sparring hat lange getestet, wie

man die Speisen zubereiten muss, damit sie

Kindern schmecken. Nun essen und lieben

sie sogar Bulgur, vegetarisches Curry und

Kokos-Couscous. Aber natürlich hat auch

weniger Ausgefallenes wie Lachs, Pizza und

Lasagne seinen Platz. Und bei allen Gerichten

gilt: „Hhm, lecker!“


Karolina Sparring / Karin Alfredsson: Hhm, lecker!

Rezepte, die Kindern wirklich schmecken. Jan Thorbecke

Verlag, 192 S., zahlreiche Fotos, 17,90 € (D)

• 18,40 € (A) • 25,90 sFr., ISBN 978-3-7995-0883-4

Heimweh nach Omas Küche

Bei all der Vielfalt

heute sind es oft

gerade die einfachen

Gerichte, die unser

Herz höher schlagen

lassen – die Gerichte,

die wir mit unserer

Kindheit verbinden:

Großmutters Sonntagssuppe,

der Festtagsbraten,

wie nur Mutter ihn machen

konnte, oder der unvergleichliche Kaiserschmarrn

mit selbst gemachtem Apfelmus.

Für jeden sind es andere Gerichte, doch

jeder Bissen, den wir von ihnen zu uns

nehmen, bringt ein Stück Kindheit zurück:

den einzigartigen Duft von Omas Kuchen,

die Momente puren Glücks, die man als

Kind besonders intensiv empfindet.

Dieses Buch erweckt ihn erneut zum Leben:

den Geschmack der Kindheit.


Magda Drostel: Der Geschmack der Kindheit.

Die besten Rezepte von früher. Jan Thorbecke

Verlag, 112 S., zahlreiche Fotos, 19,90 € (D) •

20,50 € (A) • 28,50 sFr., ISBN 978-3-7995-0709-7

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aus einer weit, weit

entfernten Galaxis!

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denen sowohl

Jedi- als auch Sith-

Anhänger nicht

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Spacige Getränke wie Yoda Soda oder

Sith Schorle, deliziöse Hauptgerichte von

Tatooine und Naboo, verführerische

Süßigkeiten à la Prinzessin Leia Schnecken,

Wookiee Cookies oder Wampa Schnee!

Das Star Wars-Kochbuch bietet feinste

Speisen zu jedem Anlass und zum eins

werden mit der Macht. Das ideale Geschenk

für gestandene Jedi-Ritter und junge Padawane,

für kleine, große oder auch neue Fans

mit Geschmack!


Robin Davis, Frankie Frankeny (Fotos), Wesley

Martin: Das STAR WARS Kochbuch. Wookiee Cookies

und andere galaktische Rezepte. Panini, 120 S.,

16,95 € (D) • 17,50 € (A), ISBN 978-3-8332-2330-3

Die kleine Seenadel

kommt in die Schule

„Diese Geschichte

ist wunderschön!

Mit Wortspiel,

Witz, Spannung

und kleinen Gesten

der Achtsamkeit

führt die Autorin

mit Fingerspitzengefühl

durch den

Schulalltag und vermittelt ganz nebenbei

soziale Kompetenz. Sehr empfehlenswert!“

(P. Lonscher, Erziehungswissenschaftlerin

und Spieltherapeutin).

Eine kleine Seenadel aus Nord- und Ostsee

ist die Heldin aus der erfolgreichen Kinderbuchserie.

Garantierter Lesespaß für kleine

Landratten, Küstenkinder und solche, die

es gerne wären. Dieses Buch gehört in jeden

Strandkorb und ist ideal für die Schultüte.

Royal Flash – Flashman

in Deutschland

Durch Lola Montez

lernt Harry Flashman

Bismarck kennen.

Der lockt ihn

nach Deutschland

und benutzt ihn

für eine politische

Intrige, bei der er

einen Prinzen bei

j

der Heirat (und in

der Hochzeitsnacht) vertreten soll. Ohne

Flashman wäre Schleswig-Holstein heute

eine dänische Provinz! Doch er muss fliehen

und wird durch deutsche Länder und die

Wirren der 1848er Revolution in München

getrieben. „Bei diesem Roman handelt es

sich um eine vergnügliche, handfeste Lektüre,

eine amüsante literarische Mystifikation

und einen satirischen Blick auf die Kehrseite

des Heldentums.“ (Der Tagesspiegel).

Patrick O’Brian:

Kurs auf Spaniens Küste

Jack Aubrey, Seemann

und Offizier

und Dr. Stephen

Maturin, der Zweifler

und Kritiker mit

sozialem Gewissen,

lernen sich kennen

und es entwickelt

sich trotz aller

j

Gegensätzlichkeit

Achtung und schließlich Freundschaft. Jack

erhält die Brigg Sophie, einen Zweimaster,

und kreuzt mit Stephen als Schiffsarzt

durch das Mittelmeer. Gewürzt ist dieser

maritime Roman mit feinem britischen

Humor. „Die besten historischen Romane,

die jemals geschrieben wurden.“ (New York

Times). „Der Herr der Meere – O’Brian

bringt das Kunststück fertig, alle Vorgänger

in seinem Genre zu überstrahlen.“ (Die Welt).


Nicole Bernard / Nane Friedel (Illustrationen):

Die kleine Seenadel. „Kleinfi schschule Ahoi“.

fi schlandverlag, 24 S., 24 farb. Illustrationen,

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George MacDonald Fraser: Royal Flash – Flashman

in Deutschland. Gelesen von Stefan Wilkening.

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Patrick O’Brian: Kurs auf Spaniens Küste.

Gelesen von Johannes Steck. Kuebler Hoerbuch,

15 Std., 24,80 € (D/A) • 29,90 sFr. – mp3-Ausgabe:

19,80 € (D/A) • 22,95 sFr. (alle UVP)

84

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Gedichtwettbewerb

der BRENTANO-GESELLSCHAFT

FRANKFURT/M. MBH

Die Themen lauten: Frei wählbares

Thema (Klasse A), Das Licht (Klasse B)

und Das Währende (Klasse C).

Ausgewählte Gedichte erscheinen im Standardwerk

deutschsprachiger Lyrik, der Frankfurter

Bibliothek.

Einsendeschluß: 1. Oktober 2012. Sie können ein

Gedicht über das Internet oder per Post einreichen. Das

eingesandte Gedicht darf 20 Zeilen nicht überschreiten;

es muss maschinenschriftlich und mit Rückporto (3x EUR

0,55) eingereicht werden (dem Autor entstehen außer dem Porto

keine Kosten). Bitte geben Sie bei Ihrer Einsendung Ihr Geburtsjahr

an. Dieses wird ggf. mitveröffentlicht. Es darf

nur ein einziges Gedicht eingereicht werden.

Redaktion der Frankfurter Bibliothek

Brentano-Gesellschaft Frankfurt/M. mbH

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Tel. 069-13377-177, Fax-175, www.brentano-gesellschaft.de

Der True-Crime-Klassiker

des Autors von „The Wire“

Tatort Baltimore:

In der Stadt an der

Ostküste der USA

geschehen innerhalb

eines Jahres 234 Morde

– an zwei von drei

Tagen wird ein Bürger

erstochen, erschossen

oder erschlagen. Im

Zentrum dieses Hurrikans

des Verbrechens

steht das Morddezernat unter der Leitung

von Lieutenant Gary D’Addario, eine kleine

Bruderschaft, konfrontiert mit dem amerikanischen

Albtraum.

David Simon schuf die legendäre Fernsehserie

„The Wire“. Der langjährige Polizeireporter

der Baltimore Sun war der erste

Reporter in Amerika, der unbegrenzten

Zugang zum Morddezernat erhielt – er

folgte ein Jahr lang den Ermittlern.



David Simon: Homicide. Ein Jahr auf mörderischen

Straßen. Verlag Antje Kunstmann, 832 S.,

24,90 € (D) • 25,50 € (A), ISBN 978-3-88897-723-7

Das Vermächtnis eines großen

Europäers

Das Denken Otto von

Habsburgs besitzt

eine hohe Aktualität.

Es erschließt, warum

unsere Gesellschaft

eine Vision, Werte

und das Engagement

der Bürgerinnen und

Bürger zum Überleben

braucht.

Eine besondere Rolle

spielen Otto von Habsburgs

Überlegungen zur Bedeutung der

Geschichte, seine Gedanken über das Wesen

der Demokratie, einen klugen, freiheitlichen

Staatsaufbau, aber auch über unser Verhältnis

zu Gott und den damit verbundenen

Auftrag im Leben der Gesellschaft und

des Einzelnen.

Otto von Habsburg: Mut zur Pflicht. Warum wir

mehr Verantwortung tragen müssen. Patmos Verlag,

198 S., 19,90 € (D) • 20,50 € (A) • 28,50 sFr.,

ISBN 978-3-8436-0044-6

Ein Zigeunerleben

Ein unerwartetes

Vermächtnis wirft

das Leben des ledigen

Chirurgen aus Lyon

aus seiner gewohnten

Bahn. Gerade vierzig

Jahre alt wird er zum

Besitzer eines Trailer-

Camps, mit einer sehr

bunten Mischung von

Bewohnern. Das nahe

Dorf nennt sie die Ausgestoßenen. Er läßt

das Leben dieser Menschen zu seiner zukünftigen

Aufgabe werden. Sein Leben wird dadurch

zum Abenteuer. Er manövriert sich

geschickt durch jegliche Situation. Auch in

Sachen Liebe lässt er wenig aus und trifft auf

die Frau seines Lebens. Als Colbert sich eine

längere Auszeit mit einem Wohnmobil

nimmt, ist er schon mittendrin in seiner

ganz großen Reise…



86

Michael Voss: Die Geliebte des Dr. Colbert.

BoD, Norderstedt, 236 S., 16,90 € (D), ISBN 978-3-

8448-5847-1, www.mallorca-autoren.com

Schwacher Mann liebt starke Frau:

Geht das gut?

Wie schwach wünscht

sich die moderne Frau

ihren Mann wirklich?

Wie stark sollte die

moderne Frau nach

den Vorstellungen

des modernen Mannes

sein? Dieses Buch

gibt ein Bild emotional

gelebter Wirklichkeit,

wie es in dieser Form

noch nie vorgelegt wurde. Denn der Autor

schreibt aus unmittelbarer Erfahrung. Nach

zehn gemeinsamen Jahren zerbrach seine

ungewöhnliche Freundschaft mit einer Frau,

die ihn erstaunte, irritierte und zurückließ.

Neben der Brisanz des persönlichen Falles

wird ein unerlässliches Quellenwerk für jeden

geliefert, der dieses Tabuthema näher

kennen lernen möchte.

Andreas Schäfer: Ein letztes Tabu. Romneya-

Verlag, 187 S., 13,80 € (D) • 14,20 € (A) • 19,80 sFr.,

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Abenteuer Trekking

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die 25 schönsten Trekkingtouren

zwischen

Polarkreis und Mittelmeer

vor: Klassiker wie

der GR 20 und die Tour

du Mont Blanc sind dabei, aber auch weniger

bekannte Routen wie der Arctic Circle

Trail auf Grönland.

Darek Wylezol: Traumtreks Europa. Bergverlag

Rother, 224 S., 49,90 € (D) • 51,30 € (A) • 69,90

sFr., ISBN 978-3-7633-7054-2

Tuwa: Expeditionen in das Herz Asiens



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über Geschichte und Kultur

des ältesten Nomadenvolkes

Asiens, von den Skythen über

die Hunnen, Kirgisen, Mongolen

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Sewjan Weinshtein: Geheimnisvolles Tuwa.

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vor 2000

Zuhörern

Protest allein genügt nicht


Leggewie analysiert das

Verhältnis von Zivilgesellschaft

und politischen Institutionen.

Er zeigt, worin die

Potenziale der „Wutbürger“

für die Demokratie bestehen

und wie Bürger und Politiker

zu neuer Verantwortung

finden.

Claus Leggewie: Mut statt Wut – Aufbruch in

eine neue Demokratie. edition Körber-Stiftung,

210 S., 14,00 € (D) • 14,40 € (A) • 25,30 sFr.

Horizonte öffnen!


Im Wien der ersten Hälfte

des zwanzigsten Jahrhunderts

stößt die Naturwissenschaftlerin

Marianna Güth

sehr schnell an die Grenzen

der menschlichen Fantasie.

Einfach mal reinlesen:

www.der-seelentunnel.com

Rolf Pfi ster: Der Seelentunnel. Band 1:

Im Zeichen des Zirkel. Principal, 640 S.,

24,80 € (D) • 25,50 € (A) • 39,00 sFr.

Zehn Vorträge

1922

416 S., geb.

ISBN 978-3-

86772-041-0

€ 12

Diese Vorträge wurden vor 2000 Zuhörern

1922 in Wien gehalten. Sie sind

allgemein zugänglich, aber nicht ohne

Tiefgang. Eine spannende Lektüre für

jeden, der an der inneren Entwicklung

und an den sozialen Problemen unserer

Zeit interessiert ist.

buchjournal 5/2011

87

www.archiati-verlag.de


Wir lesen

Luft anhalten

Albträume, Diebstähle, Kämpfe mit Untoten –

wir präsentieren Bücher, die sich mit dem

Tod beschäftigen. Was sowohl spannend als

auch heiter sein kann, wie unsere Rezensenten

finden.

Haarscharf daneben: Leben und Tod liegen manchmal dicht beieinander

© Mila Supinskaya / shutterstock images

© privat

GESCHICHTE VOM LOSLASSEN

Claire Schleeger (15)

empfiehlt

„Sieben Minuten

nach Mitternacht“

Die Wahrheit erkennen

Conors Mutter ist unheilbar an Krebs erkrankt

und er fühlt sich in seinem Schmerz allein

und von allen verlassen. Bis eines Nachts um

sieben Minuten nach Mitternacht ein Monster

an sein Fenster klopft – und ihm drei Geschichten

erzählt. Durch sie begreift der Junge

langsam, dass man gleichzeitig „gut“ und

„böse“ sein kann und dass es deshalb manchmal

nur hilft, die Wahrheit auszusprechen. Erst

dann ist er bereit, „seine“ Geschichte, seinen

Albtraum zu erzählen und zu akzeptieren,

der sich um die eine

Frage dreht, die ihn fast zerreißt:

Darf er sich wünschen,

seine Mutter mit all ihrem

Leiden gehen zu lassen,

obwohl er sie doch so sehr

liebt? Ich fi nde dieses Buch absolut

lesenswert! Es fesselt und berührt, weil es so

stark erzählt ist. Und es geht letztendlich nicht

um den Tod, sondern um das Leben.

^ Patrick Ness, Siobhan Dowd: „Sieben Minuten

nach Mitternacht“. Übersetzt von Bettina Abarbanell.

cbj, 216 S., 16,99 € (D) • 17,50 € (A) • 24,50 sFr.

© privat

PACKENDE VERFOLGUNGSJAGD

Auf Leben und Tod

Demi und Baz (eigentlich Basquat) wohnen in einer südamerikanischen

Großstadt bei einer Frau, die elternlose Kinder aufnimmt

und ihnen das Stehlen beibringt. Die beiden kennen sich, seit der

ein paar Jahre ältere Demi auf dem Markt ein kleines Mädchen

fand, es mitnahm und Basquat taufte. Demi und Baz beherrschen

Till Casimir (13) rät

ihr Handwerk – bis ein Diebstahl ihr Leben für immer ändert: Ohne zu einem Abenteuer

es zu ahnen, beklaut Demi einen der gefährlichsten

Männer der Stadt. Eine Verfolgung auf Leben und Tod beginnt. Ob Baz ihn aus

dem Schlamassel retten kann? Selber lesen! Ich fand die Story packend. Der

Autor Will Gatti hat sie sehr modern geschrieben und detailreich erzählt.

PFIFFIGER GRUSEL

^ Will Gatti: „Diebe!“. Übersetzt von Karsten Singelmann. Beltz & Gelberg,

416 S., 16,95 € (D) • 17,50 € (A) • 24,90 sFr.

Allein gegen die Untoten

Barnaby Grimes ist ein Kaminspringer, der Botengänge über die Dächer erledigt.

Da am Hafen viele tote Fische sind, untersucht er den Meeresboden, wo

ihn ein Monster mit riesengroßem Schlund angreift. Barnaby wehrt sich mit

seiner Harpune, schneidet aus Versehen seinen Luftschlauch

durch, schwimmt mit letzter Kraft nach oben. Dort sieht er,

wie Kaiser Rotbart, der erst vor Kurzem beerdigte Anführer aller Räuberbanden,

aus seinem Grab aufersteht. Wie soll Barnaby sich vor der

größer werdenden Schar der Untoten retten? Ich fi nde das Buch spannend,

es passiert unheimlich viel, es gibt sehr komische Situationen,

aber auch aufregende, etwa wenn er am Ende gegen Halbtote kämpft.

Lennart Rak (11)

empfiehlt „Barnaby ^ Paul Stewart, Chris Riddell: „Barnaby Grimes. Die Legion der Toten“. Übersetzt

Grimes“

von Wolfram Ströle. Sauerländer, 212 S., 14,95 € (D) • 15,40 € (A) • 24,90 sFr.

© privat

88

buchjournal 5/2011


LeseLotse

© Anke Kuhl

Bestes aus dem Büchermeer für Kids

Die LeseLotse-Jury empfiehlt neue Bücher

BILDERBUCH

Sehnsucht

Vater, Mutter, Sohn: Wer ist ein Seehund?

Der raffinierte Bild-Komponist Heidelbach

spielt mit dem Motiv magischer Verwandlung

und thematisiert das Verlassenwerden.

^ Nikolaus Heidelbach: „Wenn ich groß bin,

werde ich Seehund“. Beltz & Gelberg, 32 S.,

14,95 € (D) • 15,40 € (A) • 21,90 sFr., ab 7

Gute Besserung!

Wie schlimm, wenn man krank ist. Wie gut,

dass im Krankenhaus gerade der kleine Tobi

Tapir im Einsatz ist. Lustig, warmherzig

und einfach wunderbar anzuschauen.

^ Sharon Rentta: „Doktor Tobis Tierklinik“.

Gerstenberg, 32 S., 12,95 € (D) • 13,40 € (A) •

18,90 sFr., ab 3

KINDERBUCH

Verschwundene Mutter

Plötzlich ist Lilas Mutter weg. Und eine

fremde Frau behauptet, Lilas Tante zu sein.

Überzeugendes Debüt mit einer starken

Heldin, die in Erinnerung bleibt.

^ Susanne Fischer: „Der Aufstand der Kinder“.

Fischer Taschenbuch, 304 S., 12,95 € (D) •

13,40 € (A) • 18,90 sFr., ab 10

Schmuckstück

Ein Stern landet im Gemüsebeet, ein Bleistift

spricht: Die bezaubernden Miniaturgeschichten

sind Denkanstöße, Traumbilder

und setzen die Fantasie in Bewegung.

^ Manfred Schlüter: „Vom Fischer, der ein

Künstler war“. Mixtvision, 72 S., 12,90 € (D) •

13,30 € (A) • 19,90 sFr., ab 7

JUGENDBUCH

Hahn im Korb

Sex, Sex, Sex: Virtuell hat Benn schon oft,

aber „echte“ Mädchen beunruhigen den

16-Jährigen. Und plötzlich ist er von ihnen

umzingelt! Ein Roman, in dem sich Jungen

100-prozentig wiederfinden.

^ Jaromir Konecny: „Krumme Gurken“. cbt,

272 S., 12,99 € (D) • 13,40 € (A) • 18,90 sFr., ab 14

Liebestrottel

Roland ist mit Line zusammen, obwohl er

noch in Sara verliebt ist. Die Liaison zu beenden

ist schwieriger als gedacht. Über die

Verlorenheit nach der ersten großen Liebe.

^ Stein Eric Lunde: „Wie Liebe, nur anders“.

Sauerländer, 192 S., 13,95 € (D) • 14,40 € (A) •

23,50 sFr., ab 14

FÄLLT AUS DEM RAHMEN

Feuer, Wasser, Erde, Luft

Eine Wolkenmaschine, die vier Elemente und drei

neugierige Kinder: Dirk Steinhöfel lädt in seiner

Interpretation von Shelleys Gedicht „Die Wolke“ mit geheimnisvollen

und faszinierenden Collagen zum Immer-wieder-

Angucken ein. Ein außergewöhnliches Werk von berückender

Poesie.

^ Dirk Steinhöfel: „P. B. Shelleys ‚Die Wolke‘“.

Oetinger, 128 S., 19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr., ab 10

Die Jury

Stefan Hauck Börsenblatt-Redakteur, Mitglied

in verschiedenen Jurys

Verena Hoenig Kulturjournalistin und

Kinderliteratur-Expertin

Katrin Maschke Buchhändlerin in München

Ralf Schweikart Journalist und Literaturkritiker

SACHBUCH

Wie Bücher gemacht werden

Was ist ein Typograf ? Und ein Fadenzähler?

Anschaulich werden alle Schritte erklärt,

die ein Buch braucht, um auf die Welt zu

kommen. Nicht nur für Kinder spannend.

^ Ron Heussen u. a.: „Das geheime Leben der

Bücher vor dem Erscheinen“. Hermann Schmidt,

96 S., 29,80 € (D) • 30,70 € (A) • 49,80 sFr., ab 7

Nachdenken

Zwölf philosophische Gegensätze werden in

Bild und Text seziert: eine eindrucksvolle

Einführung in die Welt des Denkens.

Belohnt mit vielen schlauen Gedanken!

^ Oscar Brenifier: „Was, wenn es nur so aussieht,

als wäre ich da?“. Gabriel, 96 S.,

14,90 € (D) • 15,40 € (A) • 23,50 sFr., ab 12

buchjournal 5/2011 89


Lesestoff Kinder- und Jugendbuch

Alles eine Frage der

Perspektive

TEXT: STEFAN HAUCK, VERENA HOENIG

Fiese Typen, chaotische Gefühle, Herzflattern und steigende Adrenalinspiegel:

Wir stellen wundervolle Romane für Jugendliche vor.

© Hans Slegers



Es gibt Geschenke, über die man sich

immer wieder freut. Zum Beispiel über

den BücherScheck, der nun schon seit

30 Jahren für glückliche Gesichter sorgt.

Kein Wunder, denn mit dem Bücher-

Scheck verschenken Sie die freie Auswahl

in fast 2.500 Buchhandlungen in

ganz Deutschland. Nach dem Motto:

In Frankfurt gekauft, nach Hamburg

verschenkt und in Berlin eingelöst!

Eine gute Idee!

AB 11 KRIMI

Böse Absichten

Spannend bis zur letzten Seite:

Anna Lisa und Raggi

schwant nichts Gutes, als sie

im Ferienkurs für Hochbegabte

zum ersten Mal den

Direktor sehen. Und wirklich:

Obwohl die beiden

Schüler keine Superhirne

wie die anderen Teilnehmer

sind – die Sekretärin hatte aus Versehen

die Briefumschläge vertauscht –, kommen

sie mit einem blinden und einer schüchternen

Hochbegabten einem Genmanipulationskomplott

auf die Spur. Die Hauptfiguren – besonders

der wunderbar freche Raggi – sind einfühlsam

gezeichnet.

^ Yrsa Sigurðardóttir: „Die IQ-Kids und die geklaute

Intelligenz“. Fischer Schatzinsel, 281 S., 12,95 € (D) •

13,40 € (A) • 18,90 sFr.

AB 12 STEINZEIT-EXPERIMENT

Mogeln nicht erlaubt

Kein Computer, kein Handy, weder Junkfood noch

Make-up: Auf all das will die 14-jährige Cat sieben

Monate lang verzichten. Sie möchte mit ihrem

Projekt – Leben wie ein Steinzeitmensch – den

ers ten Preis beim Schulwettbewerb gewinnen.

Und insgeheim will die quirlige Cat herausfinden,

wie es sich anfühlt, gut auszusehen. Wegen ihrer

Speckrollen hat ihr bisher kein Junge hinterhergeguckt.

Das soll sich ändern. Der Weg dahin jedoch

ist weit – und bitter. Mit viel Herz und Humor

kommt dieser inspirierende Coming-of-Age-

Roman für Mädchen daher.

Ständig lacht man laut auf

und lernt nebenbei noch einiges

übers Kochen. Eine

süße Liebesgeschichte gibt’s

obendrein.

^ Robin Brande: „Fat Cat“.

dtv pocket, 367 S., 7,95 € (D) •

8,20 € (A) • 11,90 sFr.

AB 12 ZEITDOKUMENT

Schatten der Vergangenheit

Jäh stößt die 14-jährige Mouchka auf die Vergangenheit,

als sie das Tagebuch ihrer tragisch ums

Leben gekommenen Mutter Nina entdeckt. Nina

war Fotografin und eine Freundin des Balletttänzers

Rudolf Nurejew, mit ihm wagte sie die Flucht

aus der UdSSR. Als Mouchka im Paris der 1970er

Jahre den 16-jährigen Gabriel kennenlernt, beginnt

eine Romanze, die ins Wanken gerät, als sie

etwas Unglaubliches herausfinden. Eine fesselnd

geschriebene Geschichte – faszinierend, wie die

90

buchjournal 5/2011


AB 14 KOMBINATIONSLOGIK

Spielzeit

Autorin Liebesroman, Krimi und

Zeitdokument zu einem Ganzen

flicht.

^ Marie Bertherat: „Ein

Sommer am Montparnasse“.

Urachhaus, 240 S., 13,50 € (D) •

14,– € (A) • 19,90 sFr.

det. Emma, so stellt sich heraus,

ist sein Kind. Aus der

im Jugendbuch ungewohnten

Jungenperspektive erlebt der

Leser die emotionale Achterbahnfahrt

des jungen Papas,

der die Situation lange nicht wahrhaben will und

mit seinem jüngeren Bruder und dem Vater die

Sache in den Griff zu kriegen versucht.

^ Malorie Blackman: „Boys don’t cry“. Boje,

304 S., 14,99 € (D) • 15,50 € (A) • 21,90 sFr.

Ein fulminantes

Werk für Kinder

und Erwachsene!

Bridge ist todsterbenslangweilig? Bestsellerautor

Louis Sachar tritt den Gegenbeweis an: Da

der Großonkel krank, aber stinkreich ist, wird

der 17-jährige Alton von seinen Eltern dazu verdonnert,

ihn zu seinen Bridgepartien zu begleiten.

Noch ahnt Alton nicht, dass dieses

klassische Kartenspiel sein Leben heftig aufwirbeln

wird und der Onkel nicht das ist, was

er scheint. Dann erlebt er auch noch seinen

ersten kosmischen Kuss! Clever gemacht:

Wer keine Lust auf

detaillierte Spielregeln hat,

kann dank eines Symbols die

entsprechenden Stellen einfach

überblättern. Also: Das

Spiel kann beginnen.

^ Louis Sachar: „König, Dame,

Joker“. Bloomsbury, 362 S.,

16,90 € (D) • 17,40 € (A) • 24,50 sFr.

AB 15 ERWACHSENWERDEN

Sich aufbauen

Perspektiven sieht Sven keine, er hat sich immer

mehr gehen lassen, ist auf der schiefen

Bahn gelandet. Als seine Schwester in Australien

entführt zu werden droht, steigt sein Adrenalinpegel:

Der 19-Jährige zieht, auch mithilfe

alter Freunde, sich selbst aus dem Sumpf, verwirklicht

einen Traum, gründet eine Firma, um

Lösegeld zahlen zu können. Erst

nach und nach merkt er, dass ihn

jemand reingelegt hat – wenn

auch zu seinem Besten.

^ Oliver Uschmann: „Nicht weit

vom Stamm“. Script5, 524 S., 14,95

€ (D ) • 15,40 € (A) • 25,50 sFr.

AB 16 VATERSEIN

Baby für Jungs

Dante will gerade sein Studium beginnen, als

ihm seine Exfreundin Melanie ein elf Monate

altes Baby in den Arm drückt und verschwin-

AB 16 GEFÜHLSCHAOS

Nicht verlieben!

Eine Katastrophe, wenn man sich

in den Freund der besten Freundin

verknallt. Emma passiert es,

als sie ihre erste Wohnung bezieht,

und Adrian schmilzt in

ihren Händen, beide können

einfach nicht voneinander lassen.

Bis die Freundin schwanger

ist. Emma pflegt jedoch auch

eine enge Beziehung zu Markus – sie sind unzertrennlich.

Ihr kleiner Bruder gerät bei einem Deal

in Lebensgefahr… Immer wieder tief durchatmen

ist bei diesem Roman angesagt.

^ Katarina von Bredow: „Er ist der Freund meiner

Freundin“. Beltz & Gelberg, 380 S., 14,95 € (D) •

15,40 € (A) • 21,90 sFr.

AB 16 DYSTOPIE

Sich auflehnen

Skrupellose Intrigen und fiesestes Knüppel-zwischen-die-Beine-Werfen

ist in Karmesin-Ost an

der Tagesordnung. Die Menschen leben in einer

Welt, in der Farbsichtigkeit ihre Rangordnung

bestimmt: Je mehr Rot oder Gelb jemand sehen

kann, umso höherwertiger soll er für die Gesellschaft

sein. Die Jugendlichen Edward, ein Roter,

und Jane aus der grauen Unterschicht lehnen

sich dagegen auf – und versuchen Wege zu finden,

die Gesellschaft mit ihren einengenden

Regeln zu verändern. Spannung, Action, ständiger

Kampf gegen den Tod, Liebe, ein detektivisches

Enträtseln der Zusammenhänge und

feinironische Sprache sind die

Ingredienzen für einen

absolut gelungenen Adoleszenzroman.

^ Jasper Fforde: „Grau.

Ein Eddie-Russett-Roman“.

Eichborn, 490 S., 19,95 € (D) •

20,60 € (A) • 28,50 sFr.

Mit farbigen Illustrationen | Gebunden

264 Seiten | ISBN 978-3-407-79986-9

Sag, wo kommen die Worte her?

Rund 200 AutorInnen und

IllustratorInnen haben auf diese

Frage geantwortet – mit Gedichten

und Bildern aller Art: komisch,

kritisch, hintergründig, rätselhaft

und direkt. Entstanden ist eine

einzigartige Sammlung – und

ein Buch, wie wir es lieben.

Mittwoch, 12.10

18:30 Uhr

Hans Joachim Gelberg im Gespräch

mit Sylvia Schwab (hr2-kultur)

Anna Thalbach liest

Neue Gedichte aller Art

Foyer des hr-Sendesaals

Bertramstraße 8, 60320 Frankfurt

buchjournal 5/2011 91

www.beltz.de


KALENDER

Gepriesen sei der Wandkalender: Er bietet keinen Raum für stundengenaues Zeitmanagement –

und entschleunigt zusätzlich mit optischen Reizen. Hübsche Neuheiten für 2012.

Ritter, Frösche und Lakritzrollen

TEXT: ANDREA RINNERT

Haben Sie sich schon mal gefragt, welcher

Zeitplanungstyp Sie sind? Und

sich die Tipps gewiefter Zeitmanagement-

Gurus durchgelesen? Nein? Dann lassen

Sie’s ruhig auch jetzt, denn der Wandkalender

ist für alle da – egal ob Sie an Aufschieberitis,

der Hetzkrankheit oder simpler

Lebenslust leiden. Er taugt als Basisinstrument

der Orientierung im Heute und Morgen,

ist der ansehnliche Kerl fürs Grobe,

der das Jahr in handliche Monatsklötze

spaltet – und jeden einzelnen Tag auf ein

harmloses Nümmerchen zurechtstutzt.

Doch genug der Lobhudelei. Damit der

»Was im Laden

gefällt, kann

zu Hause

urplötzlich nerven«

Jahresbegleiter sein Wellness-Potenzial

überhaupt entfalten kann, muss er optisch

einiges bringen: Er hat den Stresstest täglichen

Draufschauens zu bestehen. Was im

Laden gefällt, kann nämlich zu Hause urplötzlich

nerven.

Für den visuellen Dauerbetrieb geeignet

sind zweifellos die Produkte „Sagenhaftes

Mittelalter“ (Heye), „Mittelalter“ (Edition

Lempertz) und „Mythos Mittelalter“ (Ackermann)

– zumindest bei jener Klientel, die

eskapistische Begierden vorzugsweise mit

düsteren Burgen und Rittern in Leggings

stillt. Wer sich hingegen lieber mit der gegenwärtigen

Beschaulichkeit hiesiger Gefilde

befasst, kann mit „Wilde Heimat“ (Weingarten)

eintauchen in ein pittoreskes Ge-

„Tinga Tinga“. Heye, 12 Blätter,

70,7 x 50 cm, 36,– € (D / A) · 64,90 sFr.

92

buchjournal 5/2011


EINSTIMMEN

AUF WEIHNACHTEN!

„Frösche“.

Weingarten,

12 Blätter,

34,5 x 45 cm,

19,95 € (D / A) ·

35,90 sFr.

Weihnachten in

unserer kleinen Stadt

wimmel aus Füchsen, Frischlingen,

Eichhörnchen & Co., während die Novität

„Heimische Wildpilze“ (DuMont) mit Essbarem

aus dem definitorischen Niemandsland

zwischen Tier und Pflanze erfreut.

Trotz beigefügter Rezepte sind hiervon leider

keine hexenmäßigen Flug-Rauschzustände

zu erwarten, vielmehr sind für bewusstseinserweiternde

Erfahrungen eher

die Objekte aus „Faces“ (teNeues) zuständig:

François Robert beweist, wie verblüffend

häufig uns Alltagsgegenstände, sei es ein

Vorhängeschloss oder ein Handfeger, aus

freundlichen Gesichtern verschmitzt zulächeln.

Ebenso ungewöhnlich, zumindest

für den beschränkten westlichen Museumsblick:

„Aboriginal Art“ (Weingarten) mit

Ornamentalem in warmen Erdtönen sowie

»Das gute Stück

muss nächstes Jahr

sogar 366 Tage

durchhalten«

„Tinga Tinga“ (Heye) mit Gegenständlichem,

nicht selten in Gestalt von Elefanten,

Krokodilen und Giraffen. Kreaturen,

die man in natura eben nicht an der nächsten

Ecke erspäht. Halten wir daher als Zwischenergebnis

unmissverständlich fest: Für

manche Erlebnisse ist es unumgänglich,

das Fernweh über das Fernsehen obsiegen

zu lassen.

Ziele für ein solches Unterwegssein liefern

neben den Schwarz-Weiß-Aufnahmen

buchjournal 5/2011 93

von „Africa“ (Korsch) und „Indianerland“

(Edition Panorama) zuverlässig in Farbe

„Patagonien“ (Linnemann) sowie „Geheimnisvolles

Jordanien“ (Weingarten) mit

Impressionen aus dem Tal Wadi Rum. Aber

Vorsicht: „Der Tourist zerstört, was er

sucht, indem er es findet“, befand Hans

Magnus Enzensberger – ein grässlicher

Mechanismus, gegen den sich seit Jahren

die Reiseführermarke Lonely Planet mit alternativer

Weltenbummelei stemmt, nun

auch in Form eines gleichnamigen Kalendariums

(teNeues). Für Fans von Innenräumen

gewiss lohnender: „Die schönsten

Buchhandlungen Europas“ (DuMont) – wer

weiß, wie lange es solche Pracht noch gibt.

Bedroht ist auf diesem Planeten freilich

auch das Fußvolk der Schöpfung – eine Tatsache,

die „Endangered Animals“ (teNeues)

und „Arche Noah“ (Heye) anhand niedlicher

wie auch erhabener Spezies explizit

verhandeln, während „A Place to be“ (Du-

Mont) mit winzigen Elchen, Bären und Pavianen

vor riesigen Naturkulissen subtil

Melancholie verbreitet: als wären die Vorgestellten

die jeweils Letzten ihrer Art.

Und dann gibt es da noch Lebewesen, die

man mitunter recht gern abschaffen würde

– beispielsweise dann, wenn sie das Hinübergleiten

in die Tiefschlafphase verhindern.

Aber die Novität „Frösche“ (Weingarten)

dürfte selbst bei Anrainern von Gartenteichen

spontan eine nie gekannte

Sympathie für diese feuchtfröhlichen Geschöpfe

hervorrufen. Apropos Nachtruhe:

Aufmunterung verschafft sich der postmoderne

Mensch ja gern in Ballungsgebieten,

und zwar am besten, wenn es 0

Leonie und Jonas durchstöbern als

abenteuerlustige „Weihnachtsreporter“

ihre kleine Stadt, um herauszufinden,

warum im Advent alles anders ist:

Warum es oft so gut riecht, was die

Trompeter bei klirrender Kälte auf

den Turm treibt oder wie der liebe

Gott Reklame macht. Die Kinder entdecken,

was hinter dem Rummel und

der Geschäftigkeit der vielen Weihnachtsvorbereitungen

steckt.

Der Kalender haftet mit Klebepunkten

an der Scheibe. Er besteht aus

einer transparenten Folie mit den

bunten Bildepisoden und einer nummerierten

Titelfolie, von der jeden

Tag ein Stück abgezogen wird. Der

Text wird aus dem dazugehörigen

Begleitheft (vor)gelesen.

ZUM ADVENT

Fensterbild-Adventskalender

DIN A2, transparente, farbige

Fensterbild-Folie mit deckender

Titelfolie zum Abziehen,

inkl. Begleitheft DIN A4

ISBN: 978-3-88997-191-3

Preis: 14,95 €*

* zzgl. 3,– € Versandpauschale

je Lieferung innerhalb Deutschlands

Bergmoser + Höller Verlag AG

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Gültig bis 31.12.2011

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6 JAHRE

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KALENDER

„Big City Nights“. Ackermann, 12 Blätter,

48 x 54 cm, 29,95 € (D/A) · 53,90 sFr.

„Faces“. teNeues, 12 Blätter,

30 x 30 cm, 12,95 € (D/A) · 33,90 sFr.

0 dunkelt: „Big City Nights“ (Ackermann)

traut sich an Metropolen wie Sydney

heran, „Europe at night“ (Hannesschläger)

erkundet stimmungsvoll architektonische

Highlights von Moskau bis

Rom. Eigentümlich kulissenhaft muten

Großstädte wie Zürich und London in den

gelbstichigen, wolkenverhangenen Fotos

von Stéphane Ray-Gorrez bei „Cityscapes“

(teNeues) an – als wäre das die Ruhe vor

dem letzten Sturm und das Eintreten der

Apokalypse bloß noch eine Frage von Minuten.

Doch Schluss mit unlustig, schließlich

gibt es genügend Zeitplaner, die sich

versiert der Sonnenseite des Lebens widmen

– vulgo: dem Essen und Trinken.

Originell auf diesem Sektor: „Weinaromen“

(DuMont). Gläser wurden hierfür

nicht mit Gewürztraminer oder Sangiovese

gefüllt, sondern lediglich mit deren Geschmacksnoten,

sodass sich Lakritzrollen,

Aprikosenhälften, Haselnüsse, Johannisbeeren,

Honigtöpfchen, Ananasspalten, Vanilleschoten

etc. verheißungsvoll türmen.

Obendrein ist der Augenschmaus lehrreich,

weil er den Gaumen für die nächste Verkostung

in differenzierte Vorfreude versetzt.

„Genuss pur“ (Ars Vivendi) macht hingegen

mit dem bewährten Touch nobler

Landhausästhetik Appetit – nicht nur auf

grünen Spargel und Wirsing. Und Schleckermäuler,

die einen gedeckten Tisch ohne

Süßes als ähnlich defizitär empfinden wie

einen Pool ohne Wasser, können sich an

„Cupcakes“ (teNeues und DuMont) versuchen,

einer Art Trend-Muffin mit Creme-

Haube. Kompetente Anleitung inklusive.

Sinnvoll, denn ebenso wenig, wie man einfach

drauflosbäckt, sollte man leichtfertig

einen Wandkalender wählen. Schließlich

muss das möglichst gute Stück nächstes

Jahr sogar 366 Tage durchhalten.

„Weinaromen“. DuMont, 12 Blätter,

49 x 22 cm, 12,99 € (D / A) · 22,– sFr.

„Wilde Heimat“. Weingarten, 12 Blätter,

34,5 x 45 cm, 19,95 € (D / A) · 35,90 sFr.

„Die schönsten Buchhandlungen Europas“.

DuMont, 12 Blätter, 48 x 44,5 cm,

24,99 € (D / A) · 39,90 sFr.

„Mythos Mittelalter“. Ackermann, 12 Blätter,

66 x 33 cm, 24,95 € (D/A) · 44,90 sFr.

94

buchjournal 5/2011


Der Lesezeit-Bücherherbst bei Klassik Radio

Auch über DAB+

Herbstzeit ist Lesezeit.

Wenn die Tage länger werden… ist es besonders schön, sich mit

einem guten Buch zurückzuziehen.

Clemens Benke weiß schon jetzt, welche Bücher in diesem Herbst

besonders lesenswert sind, und bespricht diese ausführlich in seiner

Sendung.

Die Klassik Radio Lesezeit - immer sonntags von 14-15 Uhr.

Jan Seghers – Die Akte Rosenherz, rowohlt

Der vierte Fall für Kommissar Marthaler: Wie man es vom Autor gewohnt ist, gibt es

auch diesmal wieder Spannung vom Allerfeinsten.

Kate Atkinson – Das vergessene Kind, Droemer

Dies ist ein Buch, das einen so schnell nicht mehr loslässt - auch lange

nachdem man es gelesen hat.

Emma Donoghue – Raum, Piper

Ein Romanhighlight des Bücherherbstes. Eine unglaublich spannende Geschichte,

die an die Substanz geht. Ein Buch das nachhaltig bewegt.

Jeffrey Eugenides – Die Liebeshandlung, rowohlt

Eine dramatische Dreiecksgeschichte und ein Roman über die Spielarten der Liebe.

www.klassikradio.de/lesezeit

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Bücherköpfe

TEXT: ANITA STRECKER

Eva Padberg

Frauenpower auf Bayerisch:

Kabarettistin Lisa Fitz

Sie hat ihren Namen zur Marke gemacht: Eva

Padberg. Supermodel aus tiefster ostdeutscher

Provinz, UNICEF-Botschafterin, Sängerin und

Songwriterin von Dapayk & Padberg, dem Duo

mit ihrem Mann Niklas Worgt, den sie liebt, seit

sie 14 ist. Von den Medien wird sie vor allem mit

zwei Attributen belegt: Die Padberg scheut keine

Nacktfotos. Und: Sie ist sehr bodenständig. Was

ihr selbst allein angesichts der Tatsache, mal

eben erster Klasse von New York nach Paris oder

Tokio zu jetten, doch zweifelhaft erscheint. Aber

es ist wohl gerade dieser kritisch-reflektierte

Blick, der dem 31 Jahre alten Multitalent Bodenhaftung

bewahrt. Sie genießt ihren Beruf, ist innerlich

aber unabhängig von Shows, Shootings

und androgynen Idealmaßen

geblieben, wie

sie in „Model-Ich“

(Diederichs) locker ausplaudert.

Gegenrezept

Marke Padberg: Lust

am Leben, am Essen,

Sport als Ausgleich –

und sich nicht verbiegen

lassen.

© picture-alliance / Erwin Elsner

Supermodel

mit Bodenhaftung:

Eva Padberg

© Lisa Fitz

Lisa Fitz

Man kann sie sich gut auf einer Harley Davidson

vorstellen, wie sie mit wehender Mähne

dem Horizont entgegenbraust. Oder in Kostümchen

und Hochhackigen im breiten

Bayrisch bigotte Katholiken als Frauenhasser

entlarvt. Oder im Dirndl „I mog di“ trällert. Für

Lisa Fitz, Deutschlands erfolgreichste Kabarettistin,

gibt es keine Grenzen – und keine Tabus.

Toptrainierte Powerfrau eben. War aber ein

ganz schön harter Weg vom streng behüteten

Spross des Künstler-Clans Fitz bis zu der

selbstbewussten Frau und Mutter, die sich von

bayerischer Hitparade und allem Mainstream

emanzipiert hat. Sex, Drugs und Rock ´n´ Roll

– sogar das Dschungelcamp war darunter.

Kompromisslos, aber immer neugierig auf alles

hat die „Fitz Lisa“ ihr Ding gemacht. Dabei

viele vor den Kopf gestoßen, sich auf Irrwegen

verrannt, wurde von „Bild“ als sexhungrige

Krawallschachtel verfolgt – und hat sich doch

durchgesetzt. Sie will am Ende nicht sagen

müssen, „mein Leben hat allen gefallen, nur

mir selbst nicht“, schreibt die 60-Jährige in ihrer

höchst lesenswerten Autobiografie. Bisher

ist sie gut dabei.

^ Lisa Fitz: „Der lange Weg zum Ungehorsam.

Erinnerungen für die Zukunft“. Heyne,

400 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr.

Elisabeth von

Thurn und Taxis

Sie attestiert sich einen Prinzessinnenkomplex.

Und ausgerechnet sie muss die Kolumne „The Princess

Diaries“ für „Finch’s Quarterly Review“ schreiben.

Was kokett klingt, ist eher Kindheitstrauma: In

der Schule war Elisabeth von Thurn und Taxis die

scheel beäugte „Andere“; zu Hause, im Regensburger

Schloss, streng behütet

und zugleich in illustrer

Welt mit Freunden wie Michael

Jackson. Die 29-Jährige

hat längst Schloss gegen

Wohnung getauscht,

arbeitet als Journalistin. Ihr

Cross-over-Leben hat sie

aufgeschrieben: „Tagebuch

einer Prinzessin“ Tagebuch: Elisabeth

Hochadel schreibt

(Marion von Schröder). von Thurn und Taxis

© ddp images / dapd

Liz Mohn

Die Mutter wollte, dass sie Zahnarzthelferin wird.

Aber Tochter Liz ist stattdessen in den Aufsichtsrat

der Bertelsmann AG und den Vorstand der Bertelsmann

Stiftung aufgestiegen – an der Seite ihrer

großen Liebe. Klingt wie ein Märchen, hat nur

einen Haken: Liz Mohn hat hart dafür gearbeitet

und vieles getragen. Im prüden Nachkriegsdeutschland

war die Scheidung von seiner ersten

Frau Magdalene für Bertelsmann-Chef Reinhard

Mohn undenkbar, wie umgekehrt die drei Kinder

mit Liz nicht unehelich aufwachsen durften.

Scheinehe, Heimlichkeiten, erst 1982 wurde die

Familie auch offiziell eine. Liz Mohn hat nie aufgegeben;

wissbegierig ohne Ende, der Welt und

Menschen offen zugewandt, war sie für Mohn Lebens-

und Diskussionspartnerin, hat mit ihm neue

Wege beschritten, mit denen Bertelsmann Geschichte

schrieb: partnerschaftliches Miteinander

© Bertelsmann AG

Die Grande Dame

von Bertelsmann:

Liz Mohn

von Geschäftsleitung und Mitarbeitern, Beteiligung

am Unternehmensgewinn, die Gründung

der Stiftung mit -zig Projekten in Sachen Völkerverständigung,

Kultur oder Gesundheit. Ihre

„Schlüsselmomente“ (C. Bertelsmann) hat sie

jetzt aufgeschrieben. Ein Mutmachbuch für Frauen

– und Lehrstück modernen Managements.

96

buchjournal 5/2011


GANZ ODER GAR NICHT

10 FRAGEN AN

David Nicholls

Beatles oder Beethoven? Ideal wäre Bach, jeden Tag.

Wenn das nicht geht, die Beatles.

Obere oder untere Brötchenhälfte? Die obere, schön knusprig.

Margeriten oder Rosen? Rosen. Obwohl ich ehrlich

zugeben muss, dass ich gar nicht weiß, wie Margeriten aussehen …

Brief oder E-Mail? Brief. Ich vermisse Briefe ungeheuer. Niemandem

schlägt doch das Herz höher, wenn man eine E-Mail bekommt.

Schokolade oder Popcorn? Popcorn ist lecker – einen Mund voll,

dann schmeckt’s nach Packpapier. Also lieber Schokolade.

Italien oder Alaska? Italien, auch wenn

ich noch nie in Alaska gewesen bin. Alaska stelle ich mir mit

gewissem melancholischem Charme vor.

Tanzen oder Gläserschwenken? Ich habe seit 1993 nicht

mehr getanzt, aus gutem Grund.

Fahrrad oder Auto? Fahrrad. Ich hasse Autos.

Stadt oder Land? Kommt auf die Stadt an. In Paris,

Berlin oder Rom, dann Stadt. In Moskau, Southampton oder

Birmingham lieber Land.

Frühaufsteher oder Langschläfer? Theoretisch ein

früher Vogel, in der Praxis ein Langschläfer.

^ David Nicholls, Jahrgang 1966, war Schauspieler, ehe

er als Schriftsteller und Drehbuchautor Erfolg hatte. Sein

Roman „Zwei an einem Tag“ war monatelang

ein Bestseller und startet als

Leinwandadaption am 3. November in

den Kinos (siehe S. 42).

David Nicholls: Zwei an einem Tag.

Kein & Aber, 832 S., 16,90 € (D) •

17,40 € (A) • 24,90 sFr.

© Anita Affentranger

Impressum

Herausgeber

Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

Redaktionsleiter

Eckart Baier, e.baier@buchjournal.de ......................................................-373

Redakteurin

Dr. Sabine Schmidt, s.schmidt@buchjournal.de ...................................... -278

Grafi k

Denis Stanisic, d.stanisic@mvb-online.de ...............................................-398

Schlussredakteurin

Dr. Andrea Rinnert, a.rinnert@mvb-online.de

Redaktionsservice

Yvonne Messer, y.messer@mvb-online.de ..............................................-468

Autoren dieser Ausgabe

Ulrich Baron (ub), Christina Busse, Meike Dannenberg (md), Holger Ehling,

Tobias Gohlis, Stefan Hauck (hc), Verena Hoenig, Constanze Kleis, Alexander

Kluy (ky), Ronald Meyer-Arlt (rma), Petra Mies (pms), Andrea Rinnert,

Wolfgang Schneider (wos), Christoph Schröder (cs), Sabine Schwietert,

Cordula Stratmann, Anita Strecker, Hendrik Werner (wer)

Verlag

MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH

Geschäftsführer: Ronald Schild

Verlagsleiter: Dr. Torsten Casimir

Anschrift des Verlags und der Redaktion

Großer Hirschgraben 17 – 21, 60311 Frankfurt am Main

Postfach 10 04 42, 60004 Frankfurt am Main

Tel.: 069 / 1306-0 • Fax: 069 / 1306-424

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Anzeigen

Katrin Willwater (verantwortlich), k.willwater@mvb-online.de ............-456

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Verwertung der urheberrechtlich geschützten Zeitschrift und aller in ihr

enthaltenen Beiträge und Abbildungen, insbesondere durch Vervielfältigung

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zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW).

buchjournal 5/2011 97


Ratelust

tropischer

Vogel

leichte

Holzart

Gattin

des

Erek

isländ.

Autor

(†1998)

Arbeitszimmer

urwüchsig

gewollte

Handlung

röm.

Zahlzeichen:

500

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Längenmaß

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Kulturzentrum

in

München

Einzelstück

ungefähr

1

7

9

dt. Unterhaltungsautorin

Landenge

von

Malakka

(Indien)

kurz für:

bevor

Moscheeturm

Lederpeitsche

2

amerik.

Riesenkröte

Gartengemüse

3

Tadel,

Maßregelung

neuseeländischer

Vogel

Eierpfannkuchen

japan.

Romancier

syrischer

Staatsmann

(†, Hafiz)

großer

Papagei

Kosewort

für

Großmutter

dt.

Fantasyautor

(Walter ...)

flüssiges

Fett

Abk.:

Sekunde

Hauptstrom

der

französisch:

Steiermark

Ära

10

lettische

Währung

Im Blickpunkt: Island

Ein isländischer Autor wurde

bislang mit dem Literaturnobelpreis

ausgezeichnet. Wie heißt

einer seiner wichtigen Romane?

dt.

Krimiautorin

Musikzeichen

im

Psalm

Schwerathlet

6

8

schlecht

ein

Balte

eine

Geliebte

des Zeus

4

norweg.

Krimiautor

Wiesenpflanze

Elfenkönig

Schaumwein

Männername

norddeutsch:

betrunken

11

vertraute

Anrede

Abk.:

Neuerscheinung

Sauerstoffaufnahme

Zustimmung

Formgestaltung

5

ätzende

Flüssigkeiten

erstes

öffentliches

Auftreten

Abk.:

europäische

Norm

DEIKE-PRESS-1812-05

‚Irland‘

in der

Landessprache

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11

Senden Sie Ihre Lösung per E-Mail an raetsel@buchjournal.de oder per Postkarte an: Redaktion Buchjournal, Postfach

10 04 42, 60004 Frankfurt / Main. Bitte teilen Sie uns dabei mit, in welcher Buchhandlung Sie das Buchjournal erhalten

haben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss: 15. November 2011

Auflösung aus Heft 4 / 2011

K M

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E S R A I N D R I D A S O N I L

C I A A E I N N A H M E D A

H A Q U E R P A S S P O D E X

A L L Z U

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L E I D Z S U O R S

R H E I N U W E L T F R E M D

O F S E R A A U A I O E

B R A T H E R I N G P L U N D E R

N E S S E R G L A S K U G E L N

LINDHOLM

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massenhaften Ausfüllen und Einsenden von Lösungskarten dienen, werden nicht berücksichtigt.

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Das nächste

Buchjournal

erscheint am

25. November

In der letzten Ausgabe

2011 geht es um die besten

Winterschmöker,

Bild- und Geschenkbände.

Neben den Themen

Krimi, Bio grafien

und Basteln wird es

außerdem den Schwerpunkt

„Kinder- und

Jugendbuch“ geben.

98

buchjournal 5/2011


Sie jetzt Ihr

Wir suchen Buchjournal-Leserinnen

und -Leser, die gern schreiben!

Dr. Ingrid Böttcher

Mitglied im Literarischen

Beirat der Schule

des Schreibens

Gewiss möchten auch Sie druckreif

schreiben können, denn dadurch

● werden Sie erfolgreicher im Beruf,

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interessantes Hobby,

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sich das „Handwerk“ eines Autors an.

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und zur Literatur. Mit dem richtigen Handwerkszeug

können Sie Ihre Ideen in Worte fassen, die gedruckt

und gelesen, gesendet und gehört werden.

Beginnen Sie deshalb jetzt. Lernen Sie –

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Technik des Schreibens.

Über 40 Jahre in der Vermittlung des kreativen

Schreibens im Fernunterricht haben uns immer

wieder bestätigt: Wer den Wunsch hat zu schreiben,

besitzt auch die Fähigkeit, um erfolgreich zu

schreiben. Warten Sie also nicht auf die große Inspiration

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Unser tägliches „Lesefutter“ kommt in der Regel von

guten, aber unbekannten Autoren. Diese Menschen

haben ihren Wunsch vom Schreiben verwirklicht:

Sie haben das Schreiben gründlich und von der Pike

auf gelernt. In sorgfältiger Arbeit _ und mit einer

systematischen Ausbildung. Schreiben ist nicht das

Privileg weniger Auserwählter, sondern erlernbares

Handwerk, und das kann Ihnen die Schule des

Schreibens vermitteln.

Lesen Sie diesen Brief

bitte nur, wenn Sie

das Gratis-Angebot

nicht annehmen wollen!

Liebe Buchjournal-Leserin,

lieber Buchjournal-Leser,

Corinna Luerweg

Lektorin der Schule des

Schreibens

als Lektorin der Schule des Schreibens bin ich

etwas überrascht.

Für viele Leser dieser Zeitschrift ist das professionelle

Schreiben – die Schriftstellerei – der große Lebenstraum.

Aber nur erstaunlich wenige fordern dann auch

tatsächlich unser Gratis-Angebot an.

Ich frage mich natürlich – warum? Halten Sie sich etwa

für zu wenig begabt? Fehlt Ihnen der Mut, jetzt aktiv zu

werden? Oder befürchten Sie gar, dass das Gratis-Angebot

für Sie doch nicht kostenlos und unverbindlich ist?

Ich möchte Ihnen noch einmal versichern: Sie erhalten

die Einladung zum kostenlosen Lehrgangs-Test, den

wertvollen „Leitfaden für alle, die gern schreiben“,

sowie die Tipps von Bestseller-Autoren vollkommen

gratis und ohne Verpflichtung.

Also, tauchen Sie ein in die Welt des Schreibens.

Lesen Sie zu Hause alle Informationen ganz in Ruhe

durch. Sie brauchen uns nichts zurückzuschicken.

Mit freundlichem Gruß

Ihre

Corinna Luerweg

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❑ um mich mündlich und schriftlich besser

ausdrücken zu können

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