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Rockstar schreibt Kultkrimis - Börsenblatt des deutschen Buchhandels

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HEFT 5•2011 ISSN 0178-7241<br />

Für Sie von Ihrer Buchhandlung<br />

buchjournal<br />

Weil Lesen Spaß macht<br />

Island<br />

Ein Besuch bei<br />

Krimiautor Arnaldur<br />

Indriðason<br />

Waringhams Erbe<br />

Rebecca Gablés<br />

England-Leidenschaft<br />

Autor gesucht!<br />

Gewinnen Sie so<br />

viele Bücher, wie<br />

Sie tragen können!<br />

Lust auf mehr<br />

Zwei neue Romane<br />

als Leseproben<br />

SCHWERPUNKT<br />

^ Genießen<br />

Pack’ die Stäbchen<br />

aus – die Asien-Küche<br />

ist wieder da;<br />

opulente Kochbücher<br />

im XXL-Format; ab in<br />

den Ofen – neue<br />

Backbücher<br />

<strong>Rockstar</strong> <strong>schreibt</strong> <strong>Kultkrimis</strong><br />

Gewinnspiel<br />

buchjournal.de


»Wortgewaltig und hochspannend. Ein fulminanter<br />

Erstling. Ernst und witzig, politisch und intim,<br />

brutal und raubeinig-zärtlich.«<br />

Regula Freuler, Neue Zürcher Zeitung<br />

Die DDR ist wieder da.<br />

PLAND<br />

SIMON<br />

Auf 552 Seiten.<br />

URBAN<br />

Für nur 24,95 Euro.<br />

ROMAN<br />

SCHÖFFLING & CO.<br />

Simon Urban<br />

Plan D<br />

Roman<br />

552 Seiten. Gebunden<br />

Lesebändchen<br />

€ 24,95<br />

ISBN 978-3-89561-195-7<br />

www.simonurban.de<br />

SCHÖFFLING & CO.


Liebe Leserin,<br />

lieber Leser!<br />

Editorial<br />

C’EST LA VIE!<br />

ÜBER LIEBE, LÜGEN<br />

UND DIE LUST AM LEBEN.<br />

© Denis Stanisic<br />

Der 22. Juli 2011 wird den<br />

Norwegern ähnlich tief ins<br />

Gedächtnis eingebrannt sein wie der<br />

11. September 2001, sagte Jo Nesbø bei<br />

Eckart Baier, Redaktionsleiter<br />

unserem Gespräch in Oslo Anfang August.<br />

e.baier@buchjournal.de<br />

Anders Behring Breiviks Attentate im<br />

Regierungsviertel und auf Utøya kosteten<br />

77 Menschen das Leben – und werden das Land verändern, so Nesbø. Wir<br />

sprachen über den Schock <strong>des</strong> Verbrechens, aber auch über den neuen<br />

Thriller „Die Larve“ <strong>des</strong> 51-Jährigen, der in seiner Heimat nicht nur als<br />

Autor von international erfolgreichen Thrillern und Kinderbüchern,<br />

sondern auch als Rockmusiker gefeiert wird. (Seite 12)<br />

Island hat als Ehrengast einen großen Auftritt bei der Frankfurter<br />

Buchmesse 2011. Ein Gespräch mit dem Krimi schriftsteller Arnaldur<br />

Indriðason soll Sie auf das Ereignis einstimmen (Seite 54). Frankfurt<br />

ist jedoch erst der Auftakt <strong>des</strong> Literaturherbstes: Im November geht es<br />

mit dem Literaturfest München weiter – das Buchjournal ist Medienpartner.<br />

Wir stellen Ihnen Highlights <strong>des</strong> dreiwöchigen Festivals vor<br />

und haben uns mit Matthias Politycki unterhalten, der in diesem Jahr<br />

das forum:autoren als Kurator verantwortet. (ab Seite 26)<br />

Wie viele Bücher können Sie wohl eigenhändig aus einer Buchhandlung<br />

hinaustragen? Sie können es gern ausprobieren, wenn Sie bei<br />

unserem großen Gewinnspiel mitmachen und den ersten Preis<br />

abräumen. Einfach Coupon ausfüllen und bei Ihrem Buchhändler<br />

abgeben – alles Weitere lesen Sie auf Seite 6.<br />

Das Thema „Rot“ hat offenbar die Fantasie beflügelt: Mehr als 1 000<br />

Einsendungen zum Buchjournal-Schreibwettbewerb haben uns<br />

erreicht. Die Siegergeschichte lesen Sie ab Seite 62, alle übrigen<br />

prämierten Storys im Internet unter www.buchjournal.de.<br />

© plainpicture<br />

Ca. 608 Seiten mit Lesebändchen<br />

Deutsch von Nathalie Lemmens<br />

Geb. mit SU<br />

€ 22,99 [D]<br />

Eine liebenswerte und mit französischer<br />

Leichtigkeit geschriebene<br />

Geschichte über den ganz<br />

normalen Wahnsinn <strong>des</strong> Lebens<br />

und über all die Menschen, die<br />

auf dem Karussell <strong>des</strong> Lebens<br />

mitreisen, runterfallen und wieder<br />

aufsteigen.<br />

VORSICHT:<br />

HOHER SUCHTFAKTOR!<br />

Lesen Sie auf: www.cbertelsmann.de<br />

Besuchen Sie uns auf Facebook!<br />

buchjournal 5/2011<br />

3


Bücher<br />

für eine bessere Welt<br />

Ein sehr offener und ehrlicher Dialog,<br />

eine Begegnung mit sich selbst und fast<br />

schon eine Art “Therapie”. Wer sich nicht<br />

mehr vor seinen Mitmenschen, seinem<br />

Umfeld oder gar sich selbst verstecken will,<br />

wer keine Angst mehr davor haben will,<br />

hinter seiner Fassade entdeckt und<br />

erkannt zu werden, findet hier wertvolle<br />

Impulse und kann Freundschaft mit sich<br />

selbst schließen!<br />

104 Seiten, kartoniert<br />

ISBN 978-3-922028-00-0 12,50 €<br />

Inhalt<br />

Titel<br />

12 Jo Nesbø _ Der neunte Harry-Hole-Roman „Die Larve“ ist nach „Leopard“ und<br />

„Schneemann“ erneut ein Spitzen-Thriller. Eine Begegnung in der norwegischen<br />

Hauptstadt, die noch unter dem Schock <strong>des</strong> Breivik-Attentats stand<br />

Literatur / Kinder- und Jugendbuch<br />

17 Fantastisch _ Haruki Murakami und sein „1Q84“<br />

18 Lesestoff Romane _ Neuerscheinungen kurz und knapp<br />

20 16. Jahrhundert _ Rebecca Gablés Fortführung ihrer Waringham-Saga<br />

26 Literaturfest München _ Bücherherbst: Lesen (fast) ohne Ende<br />

28 Literaturfest München _ Interview mit Kurator Matthias Politycki<br />

30 E-Books _ Alles easy beim elektronischen Lesen<br />

31 Buchjournal-Tipp _ Eugen Ruges Roman „In Zeiten <strong>des</strong> abnehmenden Lichts“<br />

32 Lebensgeschichten _ Dora Heldt über den blöden 50. Geburtstag<br />

34 Zamonien _ Walter Moers’ gefährliche Bücher<br />

36 Biografie _ Heinrich von Kleist, unser vitalster Klassiker<br />

62 Schreibwettbewerb _ Susanne Wedlichs Kurzgeschichte „Das Fleisch“<br />

90 Lesestoff Kinder- und Jugendbuch _ Neuerscheinungen kurz und knapp<br />

Krimi und Thriller / Hörbuch<br />

38 Neue Hörbücher _ Eine Auswahl für die Ohren<br />

40 Porträt _ Eine Begegnung mit der Schauspielerin Eva Mattes<br />

44 Dunkelkammer _ Die Krimikolumne von Tobias Gohlis<br />

46 Norwegen _ Wirbel um Thomas Engers Thriller-Debüt<br />

52 Lesestoff Krimis _ Neuerscheinungen kurz und knapp<br />

Im Gespräch<br />

54 Arnaldur Indriðason _ Mit seinen Krimis wurde er der erfolgreichste Autor<br />

Islands. Ein Gespräch in Reykjavík – über seine Bücher und seine Heimat, die<br />

Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist<br />

Sachbücher / Ratgeber / Kalender<br />

65 Gesellschaft _ Jeremy Rifkins Szenarien für eine andere Welt<br />

66 Politik _ Die Revolutionen in den arabischen Staaten<br />

68 Umweltschutz _ Interview mit dem Ökologen Tim Flannery<br />

70 Lesestoff Sachbücher _ Neuerscheinungen kurz und knapp<br />

80 USA _ Reiseführer über Florida<br />

82 Venedig _ Immer wieder faszinierend: die Lagunenstadt in neuen Büchern<br />

92 Kalender _ Frische Ware für 2012<br />

Wer sich und seinen Gefühlen auf die<br />

Schliche kommen will, den wird diese<br />

humorvolle und warmherzige Erzählung<br />

dazu anregen, vieles mit anderen Augen<br />

zu sehen und zu verstehen. Jeder kann<br />

sich hier wiederfinden und lernen, sinnvoll<br />

mit allen Gefühlen umzugehen. Ein wundervolles<br />

Buch zum Aufmuntern, Vorlesen<br />

und Verschenken oder einfach um mehr<br />

über sich selbst zu erfahren.<br />

80 Seiten, kartoniert<br />

ISBN 978-3-922028-30-7 11,50 €<br />

www.lucy-koerner-verlag.de<br />

Postfach 1106 · 70701 Fellbach<br />

lucy körner verlag<br />

© Ilja C. Hendel / VISUM<br />

12<br />

© dvdwinters<br />

62<br />

4<br />

buchjournal 5/2011


© Boris Breuer<br />

Schwerpunkt Essen, Trinken & Genießen<br />

74 Asiatische Küche _ Gesund, lecker – und als Augenschmaus serviert<br />

77 Gute Backbücher _ Genuss aus dem Ofen<br />

78 Kochbücher _ XXL-Werke über Küchenarbeit<br />

Service<br />

22 Leseprobe _ Mark Weltes Roman „In die Füße atmen“<br />

48 Leseprobe _ Kate Atkinsons Thriller „Das vergessene Kind“<br />

84 BuchTipps _ Neuerscheinungen im Überblick<br />

Rubriken<br />

3 Editorial<br />

8 Leselust<br />

10 Schön & Gut<br />

16 Stratmanns Welt _ Parlare italiano?<br />

42 Mediathek<br />

88 Wir lesen<br />

89 Leselotse<br />

96 Bücherköpfe<br />

97 Ganz oder gar nicht _ David Nicholls<br />

98 Ratelust _ Das Buchjournal-Gewinnspiel<br />

Eselsohren<br />

sind bei<br />

folgendem<br />

Buch<br />

ausdrücklich<br />

erwünscht<br />

Titelbild: © Ilja C. Hendel / VISUM<br />

Machen<br />

Sie mit<br />

– und gewinnen Sie<br />

jede Menge Bücher!<br />

Mehr zum Gewinnspiel<br />

auf Seite 6<br />

Buch ISBN 978-3-7857-6050-5 | € 12,99 [D]<br />

Hörbuch ISBN 978-3-7857-4544-1 | € 14,99 [D] (UVP)<br />

© Olivier Favre<br />

54<br />

© jcarillet/ istockphoto<br />

66<br />

74<br />

© goinyk<br />

Woher weiß man, ob man mit<br />

seinem Partner ein Leben lang<br />

glücklich sein kann? Und was<br />

ist, wenn einem jemand über<br />

den Weg läuft, der viel besser<br />

zu einem passen würde?<br />

buchjournal 5/2011 5<br />

www.luebbe.de


GEWINNSPIEL<br />

Buchjournal-Leser aufgepasst: Verraten Sie uns Ihren<br />

zeitgenössischen Lieblingsautor und gewinnen Sie Bücher –<br />

und zwar so viele, wie Sie tragen können. Oder einen attraktiven<br />

BücherScheck. Die Teilnahme ist ganz einfach: Coupon ausfüllen,<br />

ausschneiden und bei Ihrem Buchhändler abgeben.<br />

Gewinnen Sie einen<br />

Riesenstapel Bücher!<br />

Schreiben Sie uns, wie Ihr Lieblingsautor heißt! Der Schriftsteller beziehungsweise die<br />

Schriftstellerin sollte in den vergangenen zehn Jahren ein Buch veröffentlicht haben. Mit<br />

ein wenig Glück gewinnen Sie einen unserer attraktiven Preise: So viele Bücher, wie Sie<br />

tragen können, oder einen BücherScheck im Wert von 200, 100 oder 50 Euro. Wir haben<br />

nur eine Bedingung: Den unten stehenden Coupon müssen Sie in der Buchhandlung abgeben,<br />

in der Sie das Buchjournal bekommen haben, oder in einer Buchhandlung, die es führt.<br />

Aus allen abgegebenen Coupons ziehen wir dann die Gewinner. Teilnehmende Buchhandlungen<br />

finden Sie unter www.buchjournal.de/buchhaendlersuche – viel Erfolg!<br />

Mein/e zeitgenössische/r Lieblingsautor/in heißt:<br />

buch journal<br />

weil<br />

Das Buchjournal bekomme ich in der Buchhandlung:<br />

Name, Vorname<br />

Straße, Hausnummer<br />

alle © Denis Stanisic<br />

Postleitzahl, Wohnort<br />

Abgabefrist ist der 15. November 2011<br />

Bitte informieren Sie mich künftig per E-Mail über weitere Buchjournal-Aktionen<br />

E-Mail-Adresse<br />

Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben und nur zum Zweck <strong>des</strong> Gewinnspiels erhoben.<br />

6<br />

buchjournal 5/2011


Hauptgewinn<br />

So viele Bücher, wie<br />

Sie aus Ihrer Buchhandlung<br />

eigenhändig hinaustragen<br />

können – Hilfsmittel wie Kisten,<br />

Koffer oder Taschen sind<br />

nicht erlaubt.* Der Gewinner<br />

muss die Bücher von der<br />

Kasse bis zur Ladentür<br />

tragen können.<br />

SIE IST WIEDER DA.<br />

UND SIE HAT<br />

ANGST<br />

MITGEBRACHT.<br />

2. Preis<br />

BücherScheck über 200 Euro<br />

3. Preis<br />

BücherScheck über 100 Euro<br />

4. – 6. Preis<br />

BücherScheck über 50 Euro<br />

Auch als<br />

E-Book<br />

© Jens Weber; thinkstockphoto.de<br />

€ (D) 9,99, € (A) 10,30, sFr. 14,90. (UVP)<br />

* Ausgenommen sind E-Books.<br />

Wert der Bücher insgesamt maximal 2 500 Euro.<br />

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.<br />

PS: Freue mich auf morgen, lautet die letzte Mail<br />

an Lainey Emerson. Dann verliert sich ihre Spur. Eine<br />

Ausreißerin, sagen alle. Alle, außer FBI-Agent Bob<br />

Dees, den bei seinen Ermittlungen das Grauen packt.<br />

Was, wenn ein gefährlicher Unbekannter Mädchen<br />

sammelt? Mädchen, die keiner vermisst?<br />

buchjournal 5/2011 7


Ein Mann<br />

muss tun,<br />

was ein Mann<br />

tun muss.<br />

Mit Zeitmaschine<br />

LESELUST_ISLAND<br />

Brodelnder Magmatopf<br />

Als der Vulkan Eyjafjallajökull im<br />

vergangenen Jahr Rauch und<br />

Asche spuckte und den Flugverkehr<br />

auf der nördlichen Hemisphäre<br />

lahmlegte, wurden wir<br />

daran erinnert, dass Island eine<br />

ganz besondere Insel ist: Erst vor<br />

rund 25 Millionen Jahren ist sie<br />

aus dem Meer emporgestiegen,<br />

und noch heute ist die größte<br />

Vulkan insel der Erde ein brodelnder<br />

Magmatopf, der in jedem Moment<br />

überkochen kann. Zumal<br />

die Gletscher Islands durch den<br />

Klimawandel abschmelzen und<br />

dadurch, so befürchten Geologen,<br />

die vulkanische Aktivität in den<br />

nächsten Jahren noch deutlich zunehmen<br />

könnte. Dabei formen<br />

diese Naturgewalten von Feuer,<br />

Wasser und Eis bizarre und grandiose<br />

Bilder und Landschaften,<br />

wie sie in dieser Form vielleicht<br />

nur auf der „unvollendeten Insel“ im Nordatlantik zu erleben sind und wie sie der französische<br />

Fotograf Olivier Grunewald in seinen Bildern festgehalten hat. Wir sehen feuerspeiende Berge<br />

und brodelnde Erdlöcher, gigantische Wasserfälle, kalbende Gletscher, Geysire und faszinierende<br />

Farbenspiele, die das Polarlicht bisweilen in den isländischen Himmel zaubert.<br />

bai<br />

^ „Island. Die unvollendete Insel“. National Geographic Deutschland,<br />

256 S., 45,– € (D) • 46,4o € (A) • 74,90 sFr.<br />

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss:<br />

Er muss sich entscheiden, etwas bewegen, mal<br />

muss er standhaft sein, mal muss er flüchten.<br />

Manchmal muss er ein Risiko eingehen, manchmal<br />

muss er Ruhe bewahren. Und vor allen<br />

Dingen sollte er sich treu bleiben. Das gilt fürs<br />

Leben ebenso wie für dieses Spiel. Mit strategischem<br />

Geschick versuchen die Spieler bei<br />

Ein Mann – Ein Spiel das Leben zu meistern,<br />

sie stellen sich den Herausforderungen und<br />

ent wickeln ihre Charaktere. Doch die Zeitmaschine<br />

beschleunigt die Ereignisse und jede<br />

Chance bietet sich nur einmal. Ein spannen<strong>des</strong><br />

Strate giespiel inspiriert vom Bestseller Ein<br />

Mann – Ein Buch. Jetzt überall im Handel für<br />

34,90 Euro (UVP).<br />

Magische Bilder und Töne<br />

Island ist weit weg vom Rest Europas – und<br />

kaum besiedelt. Hier gibt es unendliche Steppen<br />

zu entdecken, auf denen nur Pferde grasen,<br />

Eislandschaften, Wasserfälle, Vulkane, das Spiel<br />

<strong>des</strong> Sonnenlichts auf dem Wasser, beeindruckende<br />

Wolkenformationen … Emil Thor fängt<br />

diese Impressionen mit großformatigen Fotos<br />

ein und vermittelt einen Eindruck von dem faszinierenden<br />

Land im Norden, von seinen Landschaften<br />

und seiner Weite. Zusätzlich zu dem<br />

zweisprachigen Bildband (Deutsch-Isländisch)<br />

gibt es eine DVD mit 215 Bildern und eine CD mit<br />

Liedern, gesungen vom isländischen Opernstar<br />

Arndis Halla. sc<br />

^ Emil Thor: „Island.<br />

Zauber der<br />

Freiheit“. Mit Musik-CD<br />

und DVD.<br />

Edel, 128 S., 29,95 €<br />

(D) • 30,80 € (A) •<br />

43,50 sFr.<br />

Blaue Lagune am Polarkreis<br />

Noch bis vor wenigen<br />

Jahren galt Island als<br />

touristischer Geheimtipp,<br />

inzwischen kommen<br />

jährlich 500000 Besucher<br />

– Tendenz steigend. Für<br />

Wanderer und Naturliebhaber<br />

gibt es wohl kein<br />

besseres Ziel als das Kleinod<br />

am Polarkreis, wie der<br />

informative und exzellent bebilderte Band „Highlights<br />

Island“ zeigt. Neben Land und Leuten präsentiert<br />

er 50 lohnende Ziele von der Bláa Lónið,<br />

der „Blauen Lagune“ mit ihrem heilsamen Wasser,<br />

im Südwesten bis zum Jökulsárgljúfur-Nationalpark,<br />

dem Grand Canyon Islands, im Norden, wo<br />

der Gletscherfluss Jökulsá á Fjöllum eine spektakuläre<br />

Landschaft geformt hat.<br />

bai<br />

^ Kerstin Langenberger, Olaf Krüger: „Highlights<br />

Island. Die 50 Ziele, die Sie gesehen haben sollten“.<br />

Bruckmann, 168 S., 24,95 € (D) • 25,70 € (A) • 37,90 sFr.<br />

8<br />

buchjournal 5/2011


Nicht erfunden: Die Orte,<br />

an denen die Sagas spielen,<br />

sind keineswegs fiktiv<br />

© Eric Middelkoop<br />

Abtauchen in die rauen, aber mitnichten gefühllosen Welten<br />

der nordischen Vorzeit: Die Isländersagas sind spannender denn<br />

je in neuen Übersetzungen zu lesen.<br />

Harte Kämpfe, List und Ironie<br />

Schwerter sausen durch die Luft, Hjarrandis<br />

Waffe trifft Helgis Zähne und sich fünf Geschichten vorgenommen hat.<br />

sen eine Kurzversion der Sagas, wobei er<br />

durchbohrt die Unterlippe. „Nie hatte ich<br />

ein schönes Gesicht“, meint Helgi, „und du<br />

hast wenig daran verbessert.“ Solche trockenen<br />

Kommentare finden sich immer<br />

wieder in den 64 Isländersagas – was die<br />

komplett neue Übersetzung der vierbändigen<br />

S. Fischer-Ausgabe überzeugend herausarbeitet.<br />

Wie einst Gustav Schwab bei den griechischen<br />

Sagen hat Spreckelsen die Inhalte<br />

übersichtlich gekürzt und leicht verständlich<br />

nacherzählt. Die gestraffte Handlung<br />

schafft Spannung, die von den plakativen<br />

Illustrationen Kat Menschiks begleitet wird<br />

– ein Einstieg in die Welt <strong>des</strong> Mittelalters. hc<br />

Flott kommen die Ge-<br />

schichten daher, die 13 Übersetzer<br />

in drei Jahren ins Deutsche übertragen<br />

Lesezeichen<br />

haben – ein editorisches<br />

Mammutprojekt, das wissenschaftlichen<br />

Maßstaben genügt<br />

und dennoch unterhaltsam zu lesen<br />

ist. Denn es menschelt allüberall<br />

in den Texten: Da wird geliebt<br />

und gestritten, gehasst und<br />

manchmal auch verziehen; Norweger<br />

und Isländer denken sich (Hinter-)Listen<br />

aus, um zum Ziel zu gelangen.<br />

Raufbolde sind der Dichtkunst<br />

ebenso zugetan wie Könige,<br />

Klaus Böldl u. a. (Hrsg.): Die Isländersagas. S. Fischer, 4 Bände<br />

plus Kommentarband, 3 384 S., Subskriptionspreis bis Februar:<br />

Frauen stacheln Männer an. Kassette 98,– € (D) • 100,80 € (A) • 129,– sFr. Auch als Einzelbände<br />

Menschliche Größe und Schwächen<br />

liegen nah beieinander. Kleine<br />

Dramen. Großes Kino.<br />

zwischen 24,95 € und 28,95 € (D) lieferbar<br />

Der Mordbrand von Örnolfsdalur und andere Isländer Sagas.<br />

Nacherzählt von Tilman Spreckelsen, illustriert von Kat Menschik.<br />

In „Der Mordbrand“ liefert Galiani, 208 S., 24,99 € (D) • 25,70 € (A) • 35,90 sFr.<br />

„FAZ“-Redakteur Tilman Spreckel-<br />

buchjournal 5/2011 9<br />

Vier der schönsten und ältesten Sagen aus<br />

dem mittelalterlichen Island erzählen von<br />

Wikingern, einsamen Streitern und mutigen<br />

Seefahrern, von Riesen und Trollen<br />

aus der Anderwelt und von geheimnisvollen<br />

Berserkern, die vor Kampfeswut<br />

in ihre Schilde beißen.<br />

»Hier können Fans von J.R.R.<br />

Tolkien und Co. das Original<br />

kennen lernen.« Die Märkische<br />

Sagas aus Island<br />

Von Wikingern, Berserkern und Trollen<br />

Hrsg. und Übers.: R. Hennig u. R. Simek<br />

596 S. · € 34,95<br />

ISBN 978-3-15-010799-7<br />

www.reclam.de<br />

Isländische Literatur bei Reclam:<br />

http://island.reclam.de<br />

Viel mehr als<br />

Klassiker in Gelb.


Schön&Gut<br />

Spielzeit<br />

TEXT: CHRISTINA BUSSE<br />

Abenteuer für Mutige<br />

© Ravensburger<br />

Es ist zum Verrücktwerden: Schatzkarte, Ring, Kobold und der winkende Geist – sie alle sind im<br />

Wirrwarr <strong>des</strong> Labyrinths zum Greifen nah. Aber Mauern und Sackgassen versperren den Weg.<br />

Doch schon wenn der nächste Spieler am Zug ist, verändert sich das Gefüge aus Barrieren und<br />

Gängen schlagartig, und mit etwas Glück ist der Zugriff auf die Schätze plötzlich frei. Das Spielprinzip<br />

von „Das verrückte Labyrinth“ ist leicht zu verstehen und fasziniert Menschen auf der<br />

ganzen Welt. Erfunden hat den Spieleklassiker für die ganze Familie vor 25 Jahren der Psychologie-Professor<br />

Max J. Kobbert. Zum Jubiläum gibt es eine Sonderauflage mit im wahrsten Sinne<br />

„bahn-brechenden“ Zusatzregeln, die magische Kräfte verleihen.<br />

^ „Das verrückte Labyrinth“ – Jubiläumsausgabe in Metallbox. 2 – 4 Mitspieler, ca. 22,99 €, ab 7<br />

www.ravensburger.de<br />

Wer ist der größte Dinoforscher aller Zeiten? Auf<br />

einer spannenden Expedition ins sagenumwobene<br />

Tal der Saurier suchen unerschrockene Entdecker<br />

nach Spuren der Urzeitriesen. Mit Hammer<br />

und Meißel klopfen sie wertvolle, versteinerte<br />

Dinoknochen aus dem Felsen. Doch<br />

aufgepasst: Zwischen den Felsblöcken verbirgt<br />

sich ein gefährlicher Dinosaurier, der darauf wartet,<br />

freigelegt zu werden! Die abenteuerliche<br />

Aufgabe ist nur mit Fingerspitzengefühl und<br />

einer großen Portion Mut zu bestehen.<br />

^ „Expedition Dino“ – Geschicklichkeitsspiel mit<br />

3-D-Aufbau. 2 – 5 Mitspieler, ca. 24,95 €, ab 4<br />

www.haba.de<br />

Wer war’s und warum?<br />

Das Böse lauert immer<br />

und überall – und jetzt<br />

ist eine geheimnisvolle<br />

Villa Schauplatz eines<br />

mysteriösen Verbrechens.<br />

Wer ist der Mörder?<br />

Rache, Habgier<br />

oder Eifersucht – welches<br />

Motiv hatte er? Wo ist<br />

der genaue Tatort und<br />

mit welcher Waffe wurde<br />

die Tat begangen?<br />

Die Mitspieler schlüpfen<br />

in die Rolle der Kripo und machen sich daran, den<br />

Fall zu lösen. Mit logischem Denken, Ausdauer<br />

und Kombinationsgabe kommt man dem Mörder<br />

Stufe für Stufe auf die Spur. Dank magnetischem<br />

Zubehör ist das Spiel auch ideal für unterwegs.<br />

^ „Mord im Mondschein“ – Mörder-Suchspiel in<br />

Metallbox. 2 Mitspieler, ca. 9,95 €, ab 8<br />

www.universitygames.de<br />

Männersache<br />

Will ich ein Kind zeugen? Oder lieber Papst werden?<br />

Oder vielleicht doch bei<strong>des</strong>? Ein Mann<br />

sollte nicht nur einige Dinge über das Leben wissen,<br />

er muss auch handeln: Er muss sich entscheiden,<br />

etwas bewegen, mal muss er ein Risiko<br />

eingehen, mal die Ruhe bewahren. Das gilt<br />

fürs Leben ebenso wie für dieses Spiel, das inspiriert<br />

ist durch den Bestseller „Ein Mann. Ein<br />

Buch“. Selbstverständlich dürfen hier auch<br />

Frauen erproben, was es heißt, das Leben als<br />

Mann zu meistern.<br />

^ „Ein Mann, ein Spiel“. 2 – 4 Mitspieler,<br />

ca. 34,90 €, ab 12; www.sz-shop.de<br />

Umsturz in der Scheibenwelt<br />

Die Fantasystadt Ankh-Morpork aus der Kultbuchreihe<br />

von Terry Pratchett versinkt im Chaos: Der<br />

Herrscher der Scheibenwelt, Lord Vetinari, ist verschwunden.<br />

Nun versuchen der Drachenkönig,<br />

der Troll Chrysopras und weitere merkwürdige<br />

Charaktere die Führung dieses unregierbaren<br />

Ortes an sich zu reißen. Mehr als 100 skurrile Charaktere<br />

und Gebäude lassen die größte Stadt auf<br />

der fantastischen Scheibenwelt, die auf dem Rücken<br />

einer riesigen Schildkröte durch das Weltall<br />

schwimmt, lebendig werden.<br />

^ „Terry Pratchett. Scheibenwelt“ – Brettspiel<br />

zur Buchreihe. 2 – 4 Mitspieler, ca. 34,99 €, ab 10<br />

www.kosmos.de<br />

10<br />

buchjournal 5/2011


Kober Verlag AG<br />

Postfach 1051<br />

CH-8640 Rapperswil<br />

www.koberverlag.com<br />

info@koberverlag.ch<br />

Das geistige Lehrwerk<br />

von Bô Yin Râ umfaßt folgende<br />

Titel:<br />

Das Buch der königlichen Kunst<br />

Das Buch vom lebendigen Gott<br />

Das Buch vom Jenseits<br />

Das Buch vom Menschen<br />

Das Buch vom Glück<br />

Der Weg zu Gott<br />

Das Buch der Liebe<br />

Das Buch <strong>des</strong> Trostes<br />

Das Buch der Gespräche<br />

Das Geheimnis<br />

Die Weisheit <strong>des</strong> Johannes<br />

Wegweiser<br />

Das Gespenst der Freiheit<br />

Der Weg meiner Schüler<br />

Das Mysterium von Golgotha<br />

Kultmagie und Mythos<br />

Der Sinn <strong>des</strong> Daseins<br />

Mehr Licht<br />

Das Hohe Ziel<br />

Auferstehung<br />

Welten<br />

Psalmen<br />

Die Ehe<br />

Das Gebet<br />

So sollt ihr beten<br />

Geist und Form<br />

Funken/Mantra Praxis<br />

Worte <strong>des</strong> Lebens<br />

Über dem Alltag<br />

Ewige Wirklichkeit<br />

Leben im Licht<br />

Briefe an einen und viele<br />

Hortus Conclusus<br />

Daran anschließende Werke:<br />

Kodizill zu meinem geistigen Lehrwerk<br />

Marginalien<br />

In eigener Sache<br />

Über die Gottlosigkeit<br />

Geistige Relationen<br />

Okkulte Rätsel<br />

Mancherlei<br />

Warum ich meinen Namen führe<br />

Über meine Schriften<br />

Aus meiner Malerwerkstatt<br />

Das Reich der Kunst<br />

Nachlese I<br />

Nachlese II<br />

… „Mit Donnerworten möchte ich<br />

euch aus dem Schlafe erwecken,<br />

um euch der lautlosen Stille <strong>des</strong><br />

ewig wachen Lebens der Wirklichkeit<br />

zuzuführen, in der allein der<br />

‚lebendige Gott‘ in euch geboren<br />

werden kann!“…<br />

Mehr Licht<br />

301 Seiten, Leinen<br />

Fr. 40.- / € 29.-<br />

ISBN 978-3-85767-036-7<br />

Inhalt:<br />

Geleitwort<br />

Denen, die <strong>des</strong> Schlafens müde wurden<br />

Die Baumeister am Dome der Menschheit<br />

Theosophie und Pseudotheosophie<br />

Von den drei Stufen<br />

Was es zu fassen gilt!<br />

Das Mysterium der künstlerischen Ausdrucksform<br />

Westöstliche Magie<br />

Das Licht <strong>des</strong> Geistes im Christentum<br />

Das Geheimnis der alten Dombauhütten<br />

Vom rechten Gottesdienst<br />

„Mehr Licht!“ – so heischte einst ein großer Dichter in der<br />

Stunde seines Abscheidens. Das gleich betitelte Buch von<br />

Bô Yin Râ läßt Licht einströmen in dunkle Seelenräume<br />

erdenmenschlicher Sehnsucht. Freilich, es muß der Leser<br />

selber sein Inneres ausräumen und frei machen, damit solches<br />

Leuchten in ihn eindringen kann. Der Band erweckt<br />

im besinnlichen Leser gleichsam melodische Urerinnerungen<br />

an Lebensgefühle <strong>des</strong> Geistmenschen, bevor er, sich<br />

selbst und seinen lebendigen Gott verkennend, in die bipolar<br />

gespaltenen und widersprüchlichen Zustände <strong>des</strong><br />

Erdendaseins flüchtete.<br />

In den den Büchern von Bô Yin Râ geht es nicht um eine neue religiöse<br />

Bewegung, es wird keine Gefolgschaft erwartet und nicht<br />

einmal ein Glaube ist gefordert. Es geht vielmehr um „… ein Erwecken<br />

der lebendigen geistigen Kräfte, die der Erdenmensch<br />

auch heute noch in sich selber finden kann …“.<br />

Mehr über den Autor mit dem fremd klingenden Namen, <strong>des</strong>sen<br />

Werk in elf Sprachen übersetzt worden ist, erfahren Sie auf<br />

unserer Website www.koberverlag.ch oder in unserem Gesamtverzeichnis,<br />

das wir Ihnen gerne zustellen.<br />

Tel. 0041 55 214 11 34 oder info@koberverlag.ch


Titel<br />

Verhinderter Fußballprofi, Rockmusiker, Ökonom, Schriftsteller: Jo Nesbø ist<br />

ein Mann mit vielen Talenten. Ein Gespräch über seinen neuen Thriller „Die Larve“,<br />

den Schmerzensmann Harry Hole und die Folgen <strong>des</strong> Massakers von Oslo.<br />

„Die Realität ist<br />

immer schlimmer“<br />

TEXT: ECKART BAIER • FOTOS: ILJA C. HENDEL / VISUM<br />

ein Gespräch mit Jo Nesbø Anfang<br />

August lässt sich nicht führen, ohne über<br />

das zu reden, was vor zweieinhalb Wochen<br />

hier in Oslo passiert ist. Am 22. Juli um<br />

15.22 Uhr detoniert eine gewaltige Autobombe<br />

im Regierungsviertel. Acht Menschen<br />

sterben, doch für den Attentäter Anders<br />

Behring Breivik ist dies nur ein Ablenkungsmanöver.<br />

Er steigt ins Auto und fährt<br />

zur nahe gelegenen Insel Utøya, wo etwa<br />

600 Jugendliche ihre Ferien verbringen.<br />

Breivik, als Polizist verkleidet, setzt mit<br />

einem Boot über und beginnt mit seinem<br />

Gewehr auf alles zu schießen, was sich bewegt.<br />

69 Menschen sterben im Kugelhagel.<br />

Breivik soll dabei gelächelt haben, heißt es.<br />

Seither ist Norwegen ein anderes Land.<br />

Die Domkirche der norwegischen Hauptstadt<br />

versinkt in einem Meer welkender<br />

Blumen und heruntergebrannter Kerzen,<br />

dazwischen Briefe, Teddybären, sogar geschmückte<br />

Fahrräder, die an die Opfer erinnern.<br />

Norwegen trauert.<br />

„Dieser Anschlag wird unsere Gesellschaft<br />

verändern, das Gefühl paradiesischer<br />

Sicherheit wird nie mehr zurückkommen“,<br />

sagt Nesbø und nimmt einen Schluck aus<br />

einer Schale Milchkaffee. Es ist spät am Vormittag,<br />

doch die Sonne scheint schon heiß<br />

in den Hof der Kaffebrenneriet-Filiale. Noch<br />

in seinem neuen, Monate vor dem Attentat<br />

entstandenen Thriller „Die Larve“ lässt er<br />

seinen aus Hongkong zurückgekehrten Ex-<br />

Polizisten Harry Hole sagen, dass Norwegen<br />

„ein kleines Märchenland“ sei und er, Hole,<br />

die letzten Jahre in der „wirklichen Welt“<br />

zugebracht habe. „Viele Norweger haben geglaubt“,<br />

meint Nesbø, „dass die schlimmen<br />

Verbrechen nur anderswo in dieser Welt<br />

passieren können.“ Dabei ist Oslo schon<br />

längst kein Ort <strong>des</strong> Friedens mehr, mit Drogen,<br />

Prostitution und Mädchenhandel werden<br />

auch hier seit Jahren Millionen verdient.<br />

Doch der Massenmord von Utøya ist<br />

nicht zu begreifen, geschweige denn zu erklären<br />

– auch nicht für jemanden, der sich<br />

von Berufs wegen mit Verbrechen befasst.<br />

Lesezeichen<br />

j<br />

Jo Nesbø: Die Larve. Übersetzt von Günther Frauenlob.<br />

Ullstein, 576 S., 21,99 € (D) • 22,70 € (A) • 30,90 sFr.<br />

Jo Nesbø: Die Larve. Gekürzte Fassung. Gelesen von<br />

Achim Buch. HörbucHHamburg, 24,99 € (D/ A) •<br />

36,70 sFr.<br />

»Wir haben geglaubt,<br />

dass Verbrechen<br />

nur anderswo in der<br />

Welt passieren«<br />

„Der Hass dieses Menschen macht einen<br />

fassungslos.“ Nesbø zuckt die Achseln. Zu<br />

viele Erklärungsversuche hat er in den letzten<br />

Tagen gelesen, die mitunter ebenso hilflos<br />

anmuten wie die Bemühungen, zwischen<br />

dem Massaker und den düsteren<br />

skandinavischen Krimis, die uns das Böse<br />

im Menschen zeigen, eine Parallele zu ziehen.<br />

„Die Realität ist immer schlimmer.<br />

Außerdem erzähle ich keine Verbrechen,<br />

sondern Geschichten.“ Was den Schriftsteller<br />

nicht davon abhält, sich mit dem Unfassbaren<br />

zu beschäftigen. „Natürlich interessiert<br />

mich Breiviks Psyche, seine Motive<br />

für diese Tat. Schließlich ist der kriminelle<br />

Gedanke, die gestörte Psyche eines Killers,<br />

das, womit ich mich als Autor beschäftige.“<br />

Diesen 22. Juli wird Nesbø nie wieder vergessen.<br />

„Ich war mit einem Freund beim<br />

Sportklettern in einer Halle, als wir hörten,<br />

dass im Regierungsviertel eine Bombe hochgegangen<br />

sein soll.“ Sein Freund, ein Arzt,<br />

packte sofort seine Sachen und raste in die<br />

Innenstadt, um zu helfen. Nesbø selbst fuhr<br />

nach Hause und setzte sich vor den Fernseher.<br />

„Man sah die schrecklichen Bilder der<br />

Zerstörung, und plötzlich kam die 0<br />

12<br />

buchjournal 5/2011


Coole Pose Jo Nesbø<br />

gehört zu den international<br />

erfolgreichsten Thrillerautoren<br />

Skandinaviens.<br />

Sein großes Vorbild ist das<br />

schwedische Autorenduo<br />

Sjöwall / Wahlöö<br />

buchjournal 5/2011 13


TITEL<br />

0 Nachricht, dass auf Utøya etwas<br />

Furchtbares vor sich geht.“ Die Fassungslosigkeit<br />

steht dem 51-Jährigen,<br />

der während <strong>des</strong> Gesprächs ein kräftiges<br />

Frühstück zu sich nimmt, noch<br />

ins Gesicht geschrieben. „Ich musste<br />

unwillkürlich an die Anschläge in<br />

Mumbai 2008 denken, wo ich kurz<br />

vorher war.“ Doch in Oslo töteten keine<br />

islamistischen Terroristen, sondern<br />

ein sympathisch wirkender,<br />

32-jähriger Norweger im Alleingang.<br />

„Mir kam auch unwillkürlich ein<br />

Buchtitel meines Lieblings-Krimiautors<br />

Jim Thompson in den Sinn:<br />

‚The killer inside me‘.“<br />

Nesbø hat schon viel gesehen und<br />

viel erlebt. Der Mann, der in Oslo mit<br />

seiner Frau und der elfjährigen Tochter<br />

lebt, ist ein Weltenbummler – allein<br />

2010 hat er 16 Auslandsreisen<br />

unternommen. Er spricht fließend<br />

Englisch, wirkt lässig und souverän,<br />

ohne eine Spur von Arroganz. Dabei gehört<br />

er in Norwegen durchaus zur gehobenen<br />

Promi-Riege: als Thrillerautor, als Verfasser<br />

der erfolgreichen Doktor-Proktor-Kinderbuchreihe<br />

– und als Gitarrist und Sänger der<br />

Band „Di Derre“ (dt. „die da“). Vor knapp<br />

20 Jahren gegründet, gehört die Band, angesiedelt<br />

zwischen Pop und Folk rock, zu<br />

den bekanntesten in Norwegen, wenn auch<br />

die Zahl ihrer Konzerte heute deutlich geringer<br />

ist als früher. „In den 90ern gab es<br />

Jahre mit 180 Auftritten.“ Heute stehen die<br />

reifen Rocker, darunter Jos Bruder Knut, vor<br />

allem bei vielen Sommerfestivals auf der<br />

Bühne. Jo Nesbø ist dabei nicht nur der singende<br />

Frontman, sondern auch derjenige,<br />

der die Songtexte <strong>schreibt</strong>.<br />

Noch lieber als auf der Bühne hätte das<br />

Multitalent aber als Fußballprofi reüssiert –<br />

am liebsten in England bei Tottenham Hotspurs,<br />

seinem absoluten Lieblingsclub. „Mit<br />

17 spielte ich in der ersten norwegischen Liga<br />

in Molde, zwei Jahre später war der Traum<br />

aber ausgeträumt.“ Die Kreuzbänder in beiden<br />

Knien waren gerissen. „Für mich brach<br />

eine Welt zusammen – dabei hätte ich so<br />

gern einmal im Cup-Finale gestanden.“<br />

Er lacht und schiebt sich die Sonnenbrille<br />

auf die Stirn. Dem Mann mit der drahtigen<br />

Figur, der sich heute mit Mountainbiking<br />

und Sportklettern fit hält, ist anzumerken,<br />

dass ihn die verpasste Fußballerkarriere<br />

noch heute schmerzt. Doch für den 19-jährigen<br />

Jo musste das Leben weitergehen. Er<br />

»Ich erzähle in<br />

meinen Büchern<br />

Geschichten und<br />

keine Verbrechen«<br />

holte das Abitur nach, studierte Ökonomie<br />

und verdiente als Börsenmakler viel Geld.<br />

Und er ließ sich jeden zweiten Abend auf der<br />

Bühne irgendeiner Halle oder irgendeines<br />

Clubs feiern. „Nach Börsenschluss ging es<br />

mit dem Taxi zum Flughafen, von dort zum<br />

Auftrittsort, Soundcheck, essen, spielen bis<br />

um Mitternacht. Dann am nächsten Morgen<br />

mit der ersten Maschine zurück nach Oslo.“<br />

Mit Mitte 30 war Nesbø am Ende. „Es ging<br />

einfach nicht mehr so weiter.“<br />

Nesbø nahm sich ein halbes Jahr unbezahlten<br />

Urlaub, wollte so weit wie nur möglich<br />

fort von Norwegen. „Ich buchte einen<br />

Flug nach Australien und hatte mein Laptop<br />

dabei.“ Ein Verlag hatte ihn gefragt, ob<br />

er nicht ein Buch über sein Leben mit „Di<br />

Derre“ schreiben wolle. Er wollte nicht,<br />

kam aber trotzdem mit einem Buch zurück:<br />

dem Thriller „Der Fledermausmann“. „Ich<br />

hatte das Bedürfnis, ein Buch zu schreiben,<br />

wollte aber beim ersten Versuch nicht zu<br />

viel Zeit damit verbringen.“ Ein Krimi, das<br />

ließe sich wohl hinkriegen, dachte er. Während<br />

<strong>des</strong> Flugs nach Sydney überlegte er<br />

Jo Nesbø: Seinen ersten Thriller schrieb<br />

er 1997 in Australien wie im Rausch<br />

sich einen Plot, erfand die Figur <strong>des</strong><br />

norwegischen Kommissars Harry<br />

Hole, der nach Australien fliegt, um<br />

den Mord an einer norwegischen<br />

Schauspielerin aufzuklären. „Kaum<br />

angekommen, schrieb ich wie im<br />

Rausch, nicht selten bis zu 18 Stunden<br />

täglich – das war etwas, worauf<br />

ich offenbar lange gewartet hatte.“<br />

Heute, das gibt er gern zu, lässt er<br />

das Schreiben ein wenig ruhiger angehen.<br />

Zwar diszipliniert und mit<br />

Leidenschaft – aber eben nicht mit<br />

jenem Zauber, der dem Anfang bekanntlich<br />

innewohnt. „In Australien<br />

war das Schreiben wie eine neue Liebesbeziehung:<br />

Am liebsten würde<br />

man die ganze Zeit im Bett verbringen.“<br />

Nesbø grinst und beißt ins deftige<br />

Lachsbrötchen. Seinen ersten<br />

Thriller hatte er noch unter Pseudonym abgegeben.<br />

Kein Verlag, hatte Nesbø einmal in<br />

einem Interview gesagt, sollte sich gezwungen<br />

sehen, „ein Scheißbuch von einem Popstar<br />

herauszugeben“. Das mutmaßliche<br />

„Scheißbuch“ <strong>des</strong> Unbekannten wurde angenommen<br />

und sofort ein Riesenerfolg. Angenehmer<br />

Nebeneffekt: Seinen Börsenjob<br />

konnte er gleich an den Nagel hängen.<br />

Der Erfolg seiner Thriller hat viele Gründe.<br />

So sind nur wenige Spannungsbücher<br />

derart perfide und ausgeklügelt inszeniert<br />

wie „Rotkehlchen“, „Schneemann“, „Leopard“<br />

oder „Die Larve“. „Ich denke vorher<br />

gründlich darüber nach, was ich eigentlich<br />

erzählen will. Dann mache ich einen genauen<br />

Plan und schreibe eine Zusammenfassung,<br />

die bis zu 100 Seiten dick sein<br />

kann.“ In seinen Büchern überlässt Nesbø<br />

nichts dem Zufall. Davon, wie gut die Thriller<br />

konstruiert sind, wie eng geknüpft der<br />

Plot ist, bemerkt der Leser allerdings zunächst<br />

nichts – bis sich die losen Enden der<br />

komplexen Storys finden und sich zu einem<br />

perfekten, passgenauen Finale fügen.<br />

Die hohe Qualität vieler skandinavischer<br />

Krimis hat etwas mit der Wertschätzung<br />

<strong>des</strong> Genres im Norden zu tun, meint Nesbø.<br />

„Kriminalliteratur, die anderswo Unterhaltung<br />

ist, gilt bei uns als Literatur.“ Zu verdanken<br />

sei dies nicht zuletzt dem schwedischen<br />

Autorenduo Maj Sjöwall und Per<br />

Wahlöö. „Sie haben das Niveau der Krimi-<br />

14<br />

buchjournal 5/2011


literatur enorm angehoben, ihre Bücher<br />

sind für jeden jungen Autor ein Ansporn.“<br />

Dass Nesbøs Thriller zu den härteren gehören,<br />

heißt nicht, dass beim Norweger Brutalität,<br />

Gewalt und Schockeffekte Selbstzweck<br />

wären. Alles hat hier seinen Sinn,<br />

Nesbø treibt das Thriller-Genre, bei dem es<br />

um Leben und Tod geht, konsequent auf die<br />

Spitze. Ein fester Bestandteil sind dabei die<br />

extremen Eigenschaften, die er Harry Hole<br />

mitgegeben hat. Der Mann ist in jeder Beziehung<br />

ein Grenzgänger, der nicht nur durch<br />

seine Größe von knapp zwei Metern aus dem<br />

Rahmen fällt. Gegen Autoritäten und Regeln<br />

hat er eine prinzipielle Abneigung, im Gegensatz<br />

zu Rauschmitteln aller Art und speziell<br />

dem Alkohol. Einfacher ausgedrückt<br />

und auch, wenn das Wortspiel nahe liegt:<br />

Jahrelang soff dieser Hole wie ein Loch.<br />

In „Die Larve“, dem neunten der Reihe, ist<br />

der Mann endlich clean. Keine Drogen mehr,<br />

kein Alkohol. Diese Entscheidung traf der<br />

Mittvierziger, <strong>des</strong>sen bester Freund jahrzehntelang<br />

Jim Beam hieß, aber nicht etwa,<br />

um besser auszusehen, sondern schlichtweg<br />

um zu überleben. Drei Jahre lang hatte<br />

Zur Person<br />

Der Norweger Jo Nesbø, 1960 geboren, ist Ökonom,<br />

Schriftsteller und Musiker. Er gehört zu den<br />

renommiertesten und erfolgreichsten Krimiautoren<br />

weltweit, außerdem <strong>schreibt</strong> er mit großem<br />

Erfolg Kinderbücher. Bereits sein Krimidebüt „Der<br />

Fledermausmann“ (1997) wurde in Norwegen als<br />

„Bester Krimi <strong>des</strong> Jahres“ ausgezeichnet, mit „Rotkehlchen“<br />

(2000) gelang ihm international der<br />

Durchbruch. Nesbø lebt mit seiner Frau und seiner<br />

elfjährigen Tochter in Oslo.<br />

Harry in Hongkong gelebt und sein Leben<br />

in geordnete Bahnen gelenkt. Nach Oslo<br />

kehrt Hole zurück, um Oleg beizustehen:<br />

Der Sohn seiner Ex-Geliebten Rakel sitzt als<br />

mutmaßlicher Mörder im Knast, doch Harry<br />

ist von <strong>des</strong>sen Unschuld überzeugt und<br />

will den wahren Täter finden. Dafür muss er<br />

tief in den Osloer Drogensumpf tauchen,<br />

denn Oleg war abhängig von einem neuen<br />

synthetischen Stoff, der die Szene paralysiert.<br />

Ein anonymer Drogen-Pate ist der<br />

mächtige Hintermann, an den Harry herankommen<br />

muss, um den Fall zu lösen. Doch<br />

der Pate hat den Ex-Polizisten seit seiner Ankunft<br />

in Oslo schon längst im Visier.<br />

Für sein neues Buch hat Jo Nesbø gut recherchiert,<br />

hat mit Dealern, Junkies und natürlich<br />

der Polizei gesprochen. „Auf alle Details<br />

meiner Recherche kann ich nicht eingehen<br />

– das wollen Sie aber auch gar nicht<br />

wissen.“ Nesbø grinst. Die neue Super-Droge<br />

mit Namen „Violin“ ist zwar seine Erfindung,<br />

doch hat er mit Pharmakologen und<br />

Drogenexperten gesprochen, um die Story<br />

absolut plausibel zu machen. Harry Hole,<br />

von seinen früheren Einsätzen bereits<br />

schwer gezeichnet, mutiert vollends zum<br />

Schmerzensmann und gibt, so viel sei verraten,<br />

auch in „Die Larve“ alles, was er hat.<br />

„14 Jahre lang bin ich nun schon mit diesem<br />

Typen zusammen und inzwischen mag<br />

ich ihn sehr“, sagt Nesbø und sucht ein wenig<br />

Schutz vor der heißen Sonne. „Früher<br />

war ich überzeugt, dass nicht viel von Harry<br />

in mir steckt. Jetzt, nach so vielen Jahren,<br />

glaube ich schon, dass wir einiges gemeinsam<br />

haben.“ Etwa cool, geradlinig und von<br />

dem überzeugt sein, was wichtig ist und<br />

was unbedingt getan werden muss. <br />

<br />

€€<br />

<br />

<br />

<br />

Joyce Carol Oates und Raymond Smith waren über ein<br />

halbes Jahrhundert ein Paar. Im Moment seines To<strong>des</strong> ist<br />

Oates nicht nur dem Schmerz <strong>des</strong> Verlustes und dem<br />

Alleinsein ausgesetzt, sondern auch der Tatsache, weiterleben<br />

zu müssen. Nie zuvor hat Oates so tiefen Einblick<br />

in ihr Innerstes gegeben. Hier tut sie es, bewegend, klug<br />

und überraschend. Wir lernen eine andere Joyce Carol<br />

Oates kennen: eine starke Frau, die am Ende sagen kann<br />

»Dies ist jetzt mein Leben«.<br />

buchjournal 5/2011 15


Stratmanns Welt<br />

Selten hapert es bei unserer Kolumnistin an der<br />

Kommunikation. In ihrem Italien-Urlaub war es so weit –<br />

zum Schaden <strong>des</strong> Ehefriedens und der Urlaubskasse.<br />

Parlare italiano?<br />

Liebe Leserin und lieber Leser!<br />

Ich habe mich wieder beruhigt. Nachdem ich Ihnen vor zwei Monaten<br />

einen überwiegend e-freien Text zugemutet habe, habe ich<br />

mir noch heftige Vorwürfe gemacht, wie man ob der Anwesenheit<br />

von Keimen so die Nerven verlieren kann, wie mir da geschehen.<br />

Ich bin daraufhin mit mir hart ins Gericht gegangen und Sie können<br />

sicher sein: Heute bekommen Sie einen störungsfrei zu lesenden<br />

Aufsatz von mir, unbehelligt von hysterischen Empfindlichkeiten,<br />

wie ich sie manchmal einfach nicht im Griff habe.<br />

Heute befassen wir uns alle mal damit, wie schön es ist, eine<br />

Sprache zu haben. Das muss ich Ihnen als den buchaffinen Protagonisten<br />

dieses Lan<strong>des</strong> nicht besonders antragen.<br />

Was ich allerdings durchaus in Ihren Fokus rücken muss, zumal<br />

wir uns in der Nach-Ferienzeit befinden, ist ein: „Obacht, wir<br />

sollten uns nicht nur unserer eigenen Lan<strong>des</strong>sprache widmen!“<br />

Diesem Appell liegt die jüngst im italienischen Ausland gemachte<br />

Erfahrung zugrunde, dass Lesen auf der ganzen Welt eine sinnstiftende<br />

Tätigkeit ist – daher ja auch die Unmengen Bücher, die man<br />

per Fleurop mit in den Urlaub nimmt –, dass es aber grob fahrlässig<br />

ist, sich bei Auslandsaufenthalten nur auf seine Englischkenntnisse<br />

zu verlassen.<br />

Sie kennen mich als diskrete Künstlerin, die ihr Privatleben<br />

streng unter Verschluss hält. Nun, für Sie will ich heute ein kleines<br />

Fensterchen öffnen, da Sie nicht meinen Fehler wiederholen sollen:<br />

Ich befinde mich also im soeben verstrichenen Sommer in Italien,<br />

<strong>des</strong> Weiteren befinde ich mich eines speziellen Urlaubstages<br />

in heftigem Streit mit meinem, mittlerweile von mir wieder sehr<br />

geschätzten, Ehegatten. Weniger geschätzt allerdings in dem Moment<br />

in Bologna, in dem er einen meiner installierten Reizpunkte<br />

trifft und ich daraufhin eine beispiellose Empörung empfinde, der<br />

ich auch nachgehe, indem ich ab diesem Zeitpunkt meinen, mittlerweile<br />

wieder sehr geschätzten, Ehegatten mit äußerster Nichtachtung<br />

strafe. Ungünstig ist es, wenn ein solcher Disput sich<br />

zeitlich trifft mit der Planung, eine mittägliche Speise in einem<br />

traditionellen kleinen italienischen, fernab der Touristen befindlichen<br />

Lokal einzunehmen.<br />

Ich sitze also mit betongleicher Fassade, in die ich zuvor den<br />

Ausdruck der To<strong>des</strong>verachtung eingegossen habe, meinem Mann<br />

am italienischen Esstisch gegenüber und alles, was ich weiß, ist,<br />

dass ich diesen Herrn bei mir am Tisch unter gar keinen Umständen<br />

noch einmal ansprechen, geschweige denn irgendetwas fragen<br />

»Sprachkenntnisse<br />

machen sich bezahlt«<br />

werde. Infolge<strong>des</strong>sen blieb die liebevoll erdachte rein italienische,<br />

weil nicht touristische Speisekarte, handgeschrieben und ohne<br />

Erwähnung von Preisen, für mich eine nicht einzunehmende Festung.<br />

Ich verstand kein Wort. Und auch wenn ich mich mittlerweile<br />

auf Improvisationsniveau immer mehr in die italienische Sprache<br />

einfummele, hätte mir ein Gespräch mit dem Kellner ohne<br />

flankierende Maßnahmen meines Mannes keinen Aufschluss über<br />

rein gar nichts gegeben.<br />

Nun, was tat ich? Natürlich eine Bestellung aufgeben. Ohne mit<br />

der Wimper zu zucken. Mit fester Stimme. Und zwar astrice.<br />

Tun Sie das nicht. Es sei denn, Sie wollen tatsächlich an einem<br />

ganz normalen Sommertag fernab je<strong>des</strong> feierlichen Anlasses,<br />

auch noch im Clinch mit dem Lebensgefährten, in saumäßiger<br />

Laune unbedingt alleine einen Hummer für 40 Euro essen.<br />

Ich danke bis hierhin für Ihre Aufmerksamkeit und möchte Ihnen<br />

zurufen: Zanken Sie sich im Ausland nur so viel, dass Sie im<br />

Falle von Verständigungsschwierigkeiten dem anderen noch eine,<br />

maximal zwei Fragen stellen können. Alles andere wird zu teuer.<br />

Ihre Cordula Stratmann<br />

^ Cordula Stratmann, geboren 1963, zählt zu den erfolgreichsten <strong>deutschen</strong> Komikerinnen.<br />

Sie ist vielfach preis gekrönt: vom Deutschen Comedypreis über die<br />

Goldene Kamera bis zum Bayerischen Fernsehpreis.<br />

„Sie da oben, er da unten“ ist ihr erster Roman.<br />

http://cordula-stratmann.de<br />

j<br />

© Boris Breuer<br />

Cordula Stratmann: Zwischen Himmel und<br />

Erde. Cordula Stratmann und Matthias Brandt sind<br />

„Sie da oben, er da unten“. Roof Music, 14,95 € (D) •<br />

15,40 € (A) • 24,50 sFr.<br />

16<br />

buchjournal 5/2011


ROMANE_FANTASTISCH<br />

Edition Nautilus<br />

Beweglich im Büchermeer!<br />

© Christian Thiel<br />

Ein Jahr lang hat Haruki Murakami seine Fans warten lassen. Nun<br />

ist Band zwei seines 1 600-Seiten-Epos „1Q84“ erschienen.<br />

Rätselhafte<br />

Parallelwelten<br />

TEXT: ULRICH BARON<br />

Zwischen Realität und Traum: Haruki Murakami<br />

Der Japaner Haruki Murakami ist der<br />

einzige Romancier, der es fertigbringt,<br />

eine gut 1 000-seitige Liebesgeschichte mit<br />

einem Cliffhanger abbrechen und seine Leser<br />

bis zur Fortsetzung warten zu lassen. Genau<br />

das hat er im ersten Band von „1Q84“<br />

getan. Dessen Heldin Aomame will sich am<br />

Schluss für ihren Jugendfreund Tengo opfern,<br />

während der gerade beschlossen hat,<br />

sie nach 20-jähriger Trennung endlich wiederzufinden.<br />

Der jetzt erschienene zweite<br />

Band lässt die Schicksale der beiden dann<br />

gleich noch weiter in der Luft hängen.<br />

Murakami rückt zunächst einen kleinen,<br />

hässlichen, aber sehr effizienten Mann ins<br />

Zentrum, der in Band eins nur eine Nebenrolle<br />

spielte: den Detektiv Ushikawa, der<br />

Tengo observiert, um Aomame zu finden. Er<br />

ist eine Art Damoklesschwert in Menschengestalt.<br />

Je näher der Augenblick scheint, in<br />

dem Tengo und Aomame sich endlich wiederfinden,<br />

<strong>des</strong>to näher rückt auch der Zeitpunkt,<br />

an dem er seinen Suchauftrag erfüllt<br />

haben wird. Ist er doch Handlanger einer obskuren<br />

Sekte, deren „Leader“ Aomame im<br />

Auftrag einer reichen alten Dame ermordet<br />

hat, welche einen Rachefeldzug gegen Männer<br />

führt, die Frauen missbrauchen.<br />

Zugleich ist Ushikawa aber auch ein<br />

Fremdenführer in diesem nunmehr auf fast<br />

1 600 Seiten angewachsenen Roman. Er recherchiert,<br />

was in <strong>des</strong>sen ersten beiden Büchern<br />

geschehen war, und wird mehr und<br />

mehr von der fantastischen Unterströmung<br />

erfasst, die diese Geschichte durchdringt.<br />

Ushikawa begegnet der Tochter <strong>des</strong> ermordeten<br />

„Leaders“, die mit Tengos Hilfe eine<br />

Art Schlüsselroman über die wirklichen<br />

Hintergründe jener Sekte veröffentlicht hat.<br />

Ihr Buch wurde gemeinhin für Fantasy gehalten,<br />

doch für Tengo und Aomame sind<br />

<strong>des</strong>sen unheimliche „Little People“ und ihr<br />

unheilvoller Einfluss auf die Menschheit zur<br />

Wirklichkeit geworden. Leben sie doch<br />

längst in jener rätselhaften Parallelwelt <strong>des</strong><br />

Jahres 1984, auf das der Romantitel wortspielerisch<br />

(das japanische „neun“ klingt<br />

wie das englische „Q“) ebenso hinweist wie<br />

auf George Orwells Roman „1984“.<br />

Zwei Monde leuchten <strong>des</strong> Abends dort am<br />

Himmel, und Aomame spürt, dass darunter<br />

für die beiden Liebenden kein Platz sein<br />

wird. Kaum haben sie einander endlich gefunden,<br />

da beginnt schon die verzweifelte<br />

Suche nach einem Notausgang. Doch wer als<br />

Gestalt oder Leser erst einmal in Murakamis<br />

Welt gelandet ist, entkommt ihr nie mehr<br />

ganz. So wird man nach der Lektüre abends<br />

immer öfter nach oben schauen, ob der<br />

Mond noch allein am Himmel steht. <br />

Lesezeichen<br />

Haruki Murakami: 1Q84. Buch 1 & 2. Übersetzt<br />

von Ursula Gräfe. DuMont, 1024 S., 32,– € (D) •<br />

32,90 € (A) • 42,90 sFr.<br />

Haruki Murakami: 1Q84. Buch 3. Übersetzt<br />

von Ursula Gräfe. DuMont, 550 S., 24,– € (D) •<br />

24,70 € (A) • 34,50 sFr.<br />

Jochen Schimmang<br />

Neue Mitte<br />

2025: Nach dem Ende<br />

der Juntaherrschaft<br />

befindet sich Deutschland<br />

im Übergangszustand.<br />

In der alten<br />

Mitte Berlins blüht<br />

eine Utopie auf ...<br />

»Dieser Autor ist der<br />

Meister einer Beiläufigkeit,<br />

hinter der sich<br />

die wahren Dramen<br />

verstecken.« FAZ<br />

Gebunden, € 19,90<br />

Matthias Wittekindt<br />

Schneeschwestern<br />

Im Wald von Fleurville<br />

wird die sechzehnjährige<br />

Geneviève tot aufgefunden.<br />

An Verdächtigen<br />

herrscht kein Mangel.<br />

»Wittekindts Erzählen<br />

erschöpft sich nicht in<br />

der filmischen Methode,<br />

sondern fängt damit<br />

erst an, als sei es eine<br />

Story von Hitchcock.«<br />

Harald Martenstein<br />

Broschiert, € 18,00<br />

Elisabeth Filhol<br />

Der Reaktor<br />

Yann ist Leiharbeiter<br />

undreistvonWerkzu<br />

Werk. Sein Job: Atomkraftwerke<br />

warten.<br />

Elisabeth Filhol gewährt<br />

in ihrem Roman einen<br />

Blick ins dunkle Herz<br />

der Atomindustrie<br />

»... ein eindringlicher<br />

Text – und ein starkes<br />

Stück Literatur.«<br />

Deutschlandradio<br />

Gebunden, € 16,00<br />

Patrick Pécherot<br />

Boulevard der Irren<br />

Im Juni 1940 in Paris<br />

einen depressiven<br />

Nervenarzt zu überwachen,<br />

ist für Nestor<br />

Burma nicht gerade<br />

ein Traumjob. Die<br />

Nazis stehen vor Paris,<br />

viele Hauptstädter<br />

fliehen aus der Stadt,<br />

und der merkwürdige<br />

Selbstmord <strong>des</strong><br />

Irrenarztes macht die<br />

Sache nicht besser ...<br />

Broschiert, € 14,90<br />

buchjournal 5/2011 17<br />

In jeder guten Buchhandlung<br />

Mehr Infos: www.edition-nautilus.de


Lesestoff Romane<br />

Grüne Hölle<br />

Der<br />

Traum<br />

<strong>des</strong><br />

Kelten<br />

© SPrada<br />

KOLONIALE VERBRECHEN<br />

Mario<br />

Vargas<br />

Llosa<br />

Roman<br />

Suhrkamp<br />

Finsteres Kapitel<br />

der Geschichte<br />

Roman, gebunden, 432 Seiten<br />

ISBN 978-3-0369-5602-2, 22.90<br />

Ein packen<strong>des</strong>,<br />

anrühren<strong>des</strong><br />

Bild der japanischen<br />

Seele<br />

KEIN & ABER<br />

Foto: Mathias Kessler<br />

VERGANGENHEIT UND GEGENWART<br />

Die Welt im Rausch<br />

Eine Aufnahme <strong>des</strong> <strong>deutschen</strong><br />

Fotografen August<br />

Sander gab Richard Powers<br />

den Anstoß zu seinem<br />

1985 in den USA erschienenen<br />

Debütroman.<br />

Sie zeigt drei Bauern im<br />

Westerwald im Jahre 1914.<br />

Auf dem Weg zu einem<br />

Tanzvergnügen ahnen sie<br />

noch nicht, dass die ganze Welt schon auf dem<br />

Weg in den Krieg ist. Powers konfrontiert seinen<br />

Protagonisten mit diesem Foto und setzt damit<br />

eine Recherche in Gang, in der sich die Lebensläufe<br />

jener Bauern mit zwei Geschichten aus der<br />

Gegenwart verweben. So entsteht ein Panorama<br />

<strong>des</strong> 20. Jahrhunderts, in dem Kunst und Krieg,<br />

Technik und Wissenschaft die Welt in einen furiosen<br />

Beschleunigungsrausch versetzen. Der geniale<br />

Autobauer Henry Ford tritt ebenso auf wie<br />

die gefeierte Schauspielerin Sarah Bernhardt.<br />

Manchmal hat der 1957 geborene Powers seinem<br />

Talent hier noch die Zügel schießen lassen,<br />

doch immer wieder gelingen ihm atemberaubende<br />

Szenen. So gerinnt Geschichte, gerinnt<br />

Zeit selbst zum Bild, wie auf jenem Foto, das ihn<br />

zum Erzähler machte.<br />

ub<br />

^ Richard Powers: „Drei Bauern auf dem Weg zum<br />

Tanz“. Übersetzt von Henning Ahrens. S. Fischer,<br />

464 S., 22,95 € (D) • 23,60 € (A) • 32,90 sFr.<br />

Die Grausamkeiten, die Menschen Menschen<br />

antun können, sind oft unbegreiflich. Zu den<br />

entsetzlichsten Verbrechen gegen die<br />

Menschlichkeit gehört die Ausbeutung der<br />

Ureinwohner Afrikas und Südamerikas durch<br />

die Kolonialherren, um die Kautschukvorräte<br />

der Regenwälder plündern zu können. Nobelpreisträger<br />

Mario Vargas Llosa nimmt sich<br />

in seinem jüngsten Roman dieses finsteren<br />

Kapitels an und stellt eine historische Person<br />

in den Mittelpunkt: den britischen Diplomaten<br />

und irischen Freiheitskämpfer Roger<br />

Casement. „Der Traum <strong>des</strong> Kelten“ setzt in<br />

der To<strong>des</strong>zelle ein: Casement, wegen Spionage<br />

verurteilt, erinnert sich an seine langen<br />

Jahre im Kongo, wo er die Verbrechen akribisch<br />

recherchiert und danach öffentlich gemacht<br />

hat. Später reist er in gleicher Sache<br />

ins peruanische Amazonasgebiet, wo eine<br />

britische Company die Indios drangsaliert,<br />

versklavt und zu Tausenden ermordet. Die<br />

Schilderung dieser Verbrechen durch die Kolonialmächte,<br />

die unsagbaren Strapazen, die<br />

Casement auf sich nimmt, um die Wahrheit<br />

ans Licht zu holen, sind die Stärken <strong>des</strong> Romans.<br />

Hinter der historischen Wucht <strong>des</strong><br />

Stoffs verblassen dagegen Vargas Llosas<br />

Schilderungen der inneren Kämpfe und Tragik<br />

dieses Mannes, der zudem wegen seiner<br />

Homosexualität stigmatisiert war. bai<br />

^ Mario Vargas Llosa: „Der Traum <strong>des</strong> Kelten“.<br />

Übersetzt von Angelica Ammar. Suhrkamp,<br />

447 S., 24,90 € (D) • 25,60 € (A) • 35,50 sFr.<br />

18<br />

buchjournal 5/2011


KLEINBÜRGERIDYLLE<br />

Endstation Kleinhoek<br />

Oft sind es Zufälle, die unser Leben regieren. Marko<br />

Theunisse etwa, der Junge aus Ingendaays<br />

Erstling „Warum du mich verlassen hast“, hätte<br />

auch Professor oder Verlagsleiter werden können<br />

– das hoffte zumin<strong>des</strong>t sein Vater. Nun sitzt er im<br />

Städtchen Kleinhoek und verkauft Versicherungen<br />

für die Rheinische. Er arbeitet fleißig, ist<br />

beliebt und hat sich eingerichtet im Kleinbürgertum.<br />

Und doch bleibt er der ewige Bummelant,<br />

der nach dem Motto „Vieles ist möglich, lassen<br />

wir’s bleiben“ verfährt. Sein Liebesleben beschränkt<br />

sich darauf, mit einer verheirateten Kundin<br />

ins Bett zu gehen – was ein Kollege prompt<br />

zur Erpressung nutzt. „Die<br />

romantischen Jahre“ ist eine<br />

heiter-melancholische Lektüre<br />

über einen, der auszog,<br />

die Welt zu er obern, und nur<br />

bis Kleinhoek kam. bai<br />

^ Paul Ingendaay: „Die<br />

romantischen Jahre“. Piper,<br />

480 S., 19,99 € (D) •<br />

20,60 € (A) • 28,90 sFr.<br />

IN EPISODEN<br />

Bewegung im Dasein<br />

Es geschieht eher nichts<br />

Sensationelles – es ist aber<br />

auch nicht ganz alltäglich,<br />

was Peter Henning in dem<br />

ersten Buch nach seinem<br />

großen Erfolg mit dem Familienroman<br />

„Die Ängstlichen“<br />

erzählt. Ein Paar will<br />

sich trennen, aber als die<br />

beiden in einem Fahrstuhl<br />

sind, der wegen eines Erdbebens stecken geblieben<br />

ist, finden sie wieder zusammen. Drei Männer<br />

stranden nachts an einem Bahnhof, weil nach<br />

den Erschütterungen keine Züge mehr fahren, und<br />

erzählen sich von ihrem Leben, mit dem sie nicht<br />

glücklich sind. Es sind ganz ruhige Geschichten,<br />

die Peter Henning um das Erdbeben rankt, um<br />

Menschen, in deren Leben selbst ein „Leichtes Beben“<br />

festzustellen ist, meist nichts Großes, aber es<br />

könnte etwas daraus werden. Vielleicht … Ein<br />

stiller, nachdenklich stimmender Roman. sc<br />

^ Peter Henning: „Leichtes Beben“. Aufbau,<br />

331 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr.<br />

Zeit für<br />

Bestseller<br />

Alle<br />

lieben<br />

Harold!<br />

DEUTSCH-DEUTSCHE SATIRE<br />

Auferstanden aus Ruinen<br />

Die Idee <strong>des</strong> „Was wäre, wenn ...“ ist noch immer<br />

eines der reizvollsten Szenarien, die man sich in<br />

der Literatur denken kann. Auch Simon Urbans<br />

„Plan D“ spielt mit den fiktionalen Möglichkeiten<br />

der Weltgeschichte: Was also wäre, wenn die DDR<br />

gar nicht zusammengebrochen wäre? Wenn man<br />

statt<strong>des</strong>sen die Mauer geöffnet, 1,5 Millionen Bürger<br />

ausreisen und anschließend den antifaschistischen<br />

Schutzwall wieder aufgebaut hätte? Die<br />

Antwort, die der Roman für das Jahr 2011 gibt, ist<br />

nicht angenehm, aber doch recht amüsant: Egon<br />

Krenz ist noch immer Staatsratsvorsitzender; Vorsitzender<br />

<strong>des</strong> Ministerrats ist Gregor Gysi, und<br />

auch sonst haben es sich diverse bekannte Politiker<br />

in Ämtern bequem gemacht. Von Bun<strong>des</strong>kanzler<br />

Oskar Lafontaine erhoffen sich die Machthaber<br />

wirtschaftliche Hilfe – da geschieht ein<br />

Mord, der das gesamte Gebilde<br />

ins Wanken bringt und<br />

eine verschlungene Ermittlung<br />

in Gang setzt. Urbans<br />

Roman ist eine hochkomische<br />

Satire – auch auf gegenwärtige<br />

Verhältnisse. cs<br />

^ Simon Urban: „Plan D“.<br />

Schöffling, 552 S., 24,95 € (D)<br />

• 25,70 € (A) • 35,50 sFr.<br />

BERÜHRENDE LIEBESGESCHICHTE<br />

Rückkehr ins Leben<br />

Nathalie liebt François, in<br />

ihrer Beziehung findet sich<br />

die Quintessenz <strong>des</strong> Glücks,<br />

die vollkommene Harmonie.<br />

Doch dann wird François<br />

beim Joggen überfahren<br />

und stirbt. Nathalie vergräbt<br />

sich in Arbeit, lässt<br />

niemanden an sich heran,<br />

bis sie aus einer Laune heraus<br />

ihren schwedischen Kollegen Markus küsst.<br />

Einfach so, weil sie einen Moment lang plötzlich<br />

wieder spürte, wie es ist, einen Körper zu haben<br />

und erotische Gefühle. Aber in diese Laune ist noch<br />

jemand involviert, und den unscheinbaren Markus<br />

lässt der Kuss nicht kalt – im Gegenteil. Foenkinos<br />

be<strong>schreibt</strong> die Wiederentdeckung der Sinnlichkeit<br />

und die Rückkehr ins Leben nach einem Verlust mit<br />

einer Leichtigkeit, die seinen Protagonisten gleichzeitig<br />

tragische Würde und zarte Komik verleiht.<br />

Sein Roman war in Frankreich ein durchschlagender<br />

Erfolg und wird derzeit mit Audrey Tautou<br />

in der Hauptrolle verfilmt. Ein sinnliches, poetisches<br />

und erstaunlich heiteres Buch!<br />

md<br />

^ David Foenkinos: „Nathalie küsst“. Übersetzt von<br />

Christian Kolb. C. H. Beck, 239 S., 16,95 € (D) •<br />

17,50 € (A) • 25,90 sFr.<br />

Roman · 224 Seiten · € 8,99 [D]<br />

ISBN 978-3-453-43597-1<br />

Leseprobe auf www.heyne.de<br />

»Ein pointensattes Wunder: der<br />

absur<strong>des</strong>te Trip, die irrste Typenparade<br />

in diesem Teil der Galaxis<br />

seit Lichtjahren.« Stern<br />

Der Sensationserfolg jetzt<br />

erstmals im Taschenbuch!<br />

Auch als Hörbuch in der<br />

BRIGITTE Edition Starke Stimmen<br />

Gelesen<br />

von Benno<br />

Fürmann<br />

4 CDs<br />

€ 9,99 [D]<br />

ISBN 978-3-<br />

8371-0879-8<br />

buchjournal 5/2011 19


ROMANE_16. JAHRHUNDERT<br />

Eine Trilogie über die Waringhams, eine fiktive Adelsfamilie aus Kent, hatte Rebecca Gablé<br />

geplant. Doch die Fans wollten mehr, und jetzt gibt es tatsächlich einen vierten Band. Eine<br />

Begegnung mit der <strong>deutschen</strong> Autorin in London – an Schauplätzen ihres Romans.<br />

Fasziniert von englischer Geschichte<br />

TEXT: SABINE SCHMIDT<br />

Rebecca Gablé am<br />

Tower in London, im<br />

Hintergrund die<br />

Tower Bridge: Auch<br />

hier an der Themse<br />

hat die Autorin für<br />

ihren neuen Roman<br />

recherchiert<br />

© Olivier Favre<br />

Sie hat schon über viele englische Könige<br />

geschrieben, „aber keinen habe<br />

ich so verachtet wie Heinrich VIII.“, sagt<br />

Rebecca Gablé. „Er war ein Egomane und<br />

ein Tyrann, verschliss sechs Ehefrauen und<br />

setzte dabei auch sein Land aufs Spiel: weil<br />

er ‚nur‘ eine Tochter mit seiner ersten Frau<br />

hatte, aber besessen davon war, einen<br />

männlichen Thronfolger zu bekommen.“<br />

Das sagt sie im Tower, wo zwei von Heinrichs<br />

Frauen auf ihre Hinrichtung warten<br />

mussten. Hier wurden aber auch andere gefangen<br />

gehalten, und hier sind heute noch<br />

neben der Streckbank weitere furchtbare<br />

Folterinstrumente zu besichtigen. Sie spielen<br />

in Rebecca Gablés neuem Roman eine<br />

Rolle: Durch sie kommt im Tower der Vater<br />

ihres Helden zu Tode.<br />

Sieben historische Romane und ein Sachbuch<br />

über das englische Mittelalter hatte<br />

Zur Person<br />

Rebecca Gablé, geboren 1964 in Mönchengladbach,<br />

schrieb zwei Krimis, bevor sie 1997 mit dem Buch<br />

„Das Lächeln der Fortuna“ ihren Durchbruch als<br />

Autorin hatte. Seitdem hat sie sechs weitere historische<br />

Romane geschrieben, die überwiegend im<br />

englischen Mittelalter spielen und alle auf der<br />

„Spiegel“-Bestsellerliste waren. Mit ihrem Mann<br />

lebt Rebecca Gablé in Mönchengladbach.<br />

sie schon geschrieben, bevor sie ihren neuen<br />

1 000-Seiten-Schmöker über die Zeit<br />

Heinrichs VIII. – „Der dunkle Thron“ – begann.<br />

Auch dieses Mal ist die schlanke, lebhafte<br />

Autorin mit den kurzen Haaren unvoreingenommen<br />

an ihre Geschichte und<br />

ihre Figuren herangegangen. Doch neutral<br />

ist sie nicht lange geblieben. Die 47-Jährige<br />

taucht stundenlang mit immer noch wachsender<br />

Begeisterung in alte Quellen ab, besucht<br />

die Schauplätze ihrer Romane und<br />

legt größten Wert darauf, sich sehr genau<br />

an die wahren Geschehnisse zu halten, in<br />

die sie ihre Geschichten einbettet. Aber sie<br />

nimmt auch leidenschaftlich Anteil an ihren<br />

Figuren.<br />

An den fiktiven ebenso wie an den historischen:<br />

Sie begleitet ihre Waringhams, eine<br />

erdachte Adelsfamilie aus Kent, auch im<br />

neuen Band mit viel Wärme; sie zeigt Heinrichs<br />

Rücksichtslosigkeit und ihre Kritik an<br />

ihm deutlich; und sie fühlt sich in seine älteste<br />

Tochter Mary ein, eine Prinzessin, die<br />

von ihrem Vater zum rechtlosen Bastard degradiert<br />

wurde – und die doch nach seinem<br />

Tod und dem frühen Tod ihres Bruders die<br />

erste Frau auf Englands Thron wurde.<br />

20<br />

buchjournal 5/2011


Besuchen Sie uns auf der<br />

Frankfurter Buchmesse!<br />

Buchjournal-Talk mit Rebecca Gablé<br />

Samstag, 15. Oktober, 11 Uhr<br />

Halle 4.0, Stand D 1339<br />

Nach dem Halt im Tower geht es zum<br />

nächsten Romanschauplatz: Hampton<br />

Court, das etwas außerhalb von London<br />

liegt. Dieses prachtvolle Anwesen hatte sich<br />

Kardinal Wolsey bauen lassen, einer von<br />

Heinrichs langjährigen Gefolgsmännern.<br />

Als der König hörte, dass Wolsey sich diesen<br />

Palast gönnte, wollte er ihn haben – und<br />

Wolsey beeilte sich, ihm Hampton Court zu<br />

schenken. Was ihm aber nichts nützte:<br />

„Heinrich ließ ihn fallen wie eine heiße Kartoffel,<br />

als es dem Kardinal nicht gelang, sich<br />

mit dem Papst über die Annullierung der<br />

ersten Ehe <strong>des</strong> Monarchen zu einigen.“<br />

Mitleid hat Rebecca Gablé nicht mit dem<br />

raffgierigen Kirchenmann. Aber fair findet<br />

sie Heinrich auch in diesem Fall nicht. „Sein<br />

Verhalten war wieder mal unmöglich“, sagt<br />

sie empört bei einem Rundgang über das<br />

riesige Anwesen, das heute ein Museum ist<br />

– und das sie begeistert. „Wenn man hier<br />

durch die Räume geht, zum Beispiel durch<br />

die Küchen, in denen zu Heinrichs Zeiten<br />

bis zu 200 Menschen arbeiteten, kann man<br />

die Vergangenheit geradezu vor sich sehen.“<br />

Übrigens auch den König selbst: Würdevoll<br />

schreitet ein Schauspieler in den Gewändern<br />

Heinrichs VIII. durch die Gemächer.<br />

Dass sie sich einmal ausgerechnet mit<br />

ihm und der englischen Renaissance befassen<br />

würde, stand lange nicht in Rebecca<br />

Gablés Sternen. Denn verliebt hatte sie sich<br />

während ihres Anglistikstudiums ins englische<br />

Mittelalter, und dem ist sie lange treu<br />

geblieben. Schuld daran, dass sie sich jetzt<br />

doch der Renaissance zugewandt hat, sind<br />

ihre Fans, mit denen die Bestsellerautorin<br />

durch Lesungen und über Facebook in Kontakt<br />

steht. Sie baten darum, dass nach drei<br />

Bänden über die Waringhams („Das Lächeln<br />

der Fortuna“, „Die Hüter der Rose“ und<br />

„Das Spiel der Könige“) nicht Schluss sein<br />

sollte mit der Adelsfamilie, anhand deren<br />

Rebecca Gablé englische Geschichte von<br />

1360 bis zum Ende der Rosenkriege 1485 hat<br />

lebendig werden lassen.<br />

Die Fans trafen auf offene Ohren – und so<br />

vertiefte sich Rebecca Gablé in die englische<br />

buchjournal 5/2011 21<br />

Renaissance und schrieb ihren „vierten<br />

Band der Waringham-Trilogie“, der im Jahr<br />

1529 einsetzt. Mehr noch: „Ich werde wohl<br />

weitermachen“, verspricht sie, „wenn auch<br />

nicht sofort. Wahrscheinlich wird nicht jeder,<br />

aber jeder zweite meiner nächsten Romane<br />

ein Waringham-Band sein.“<br />

Jetzt aber ist erst einmal „Der dunkle<br />

Thron“ zu lesen: die Geschichte um den jungen<br />

Nicholas of Waringham, der ein<br />

schweres Erbe antreten muss. Nicht nur,<br />

dass der Turm der Burganlage verfällt – das<br />

Mittelalter ist schließlich zu Ende. Vor allem<br />

wurde das Leben seiner Eltern von Heinrich<br />

VIII. zerstört, und Nick, stur wie alle Waringhams,<br />

hält Mary die Treue, der ältesten,<br />

verstoßenen Tochter <strong>des</strong> Monarchen – und<br />

der ist not amused.<br />

Der neue Band ist eine in sich geschlossene<br />

Geschichte, die man lesen kann, ohne<br />

die anderen Bücher um die Waringhams zu<br />

kennen. Und es ist wieder ein spannender<br />

Roman, in den man abtauchen kann, um<br />

die Gegenwart für ein paar Stunden zu vergessen.<br />

Oder auch, wenn man möchte, sie<br />

sich über den Umweg in die Vergangenheit<br />

vor Augen zu führen: „Es mag eine Binsenweisheit<br />

sein, aber man muss sich immer<br />

wieder klarmachen, dass damals wie heute<br />

Macht einen Menschen verändert und die<br />

meisten Menschen korrumpiert“, sagt die<br />

Autorin, die nicht nur an vergangener,<br />

sondern auch sehr an aktueller Politik interessiert<br />

ist. „Nicht zuletzt das kann man<br />

von Heinrich lernen, der mit durchaus redlichen<br />

Absichten seine Regentschaft begonnen<br />

hatte.“<br />

Und von Rebecca Gablé kann man lernen,<br />

dass auch Unterhaltungsliteratur intelligent,<br />

lehrreich und anregend sein kann. <br />

Lesezeichen<br />

j<br />

Rebecca Gablé: Der dunkle Thron. Ehrenwirth, 960 S.,<br />

24,99 € (D) • 25,70 € (A) • 35,50 sFr.<br />

Rebecca Gablé: Der dunkle Thron. Gelesen von Detlef<br />

Bierstedt. Ehrenwirth, 12 CDs, 29,99 € (D/ A) • 30,30 sFr.<br />

© Rudi Linn<br />

Ein Serien -<br />

mörder im<br />

Mittelalter<br />

Hochwertige Ausstattung mit Lesebändchen. 816 Seiten<br />

Gebunden. € (D) 19,99 / € (A) 20,60 / sFr 28,90<br />

Der junge Schmied Isenhart versucht<br />

als früher »Profiler« einer<br />

unfassbaren Mordserie an jungen<br />

Frauen auf die Spur zu kommen –<br />

und zugleich dem Geheimnis<br />

seiner eigenen Existenz.<br />

Ein umwerfend spannender<br />

Roman aus einer Zeit, in der der<br />

freie Geist mit Denkverboten<br />

rang – und die uns gar nicht so<br />

fern erscheint.<br />

www.kiwi-verlag.de


Leseprobe<br />

Mark Welte:<br />

In die Füße atmen<br />

Roman<br />

© Corbis – Fotolia<br />

22<br />

buchjournal 5/2011


„Meine erste Filmrolle? Tja, ich war der ‚Penis-Schnitzer‘. Man sieht<br />

mich fünf Sekunden lang, wie ich aus einem Rettich einen Penis schnitze.<br />

Das war die ganze Rolle. Dieser extrem gesunde Rohkostpenis war<br />

der Höhepunkt meiner Karriere. Nur: Für diesen Penis hätte ich eigentlich<br />

keine Schauspielschule besuchen müssen.“<br />

Hanno K., Schauspieler<br />

Diese Dokumentation über die Otto-Falckenberg-Schauspielschule<br />

lässt alles wieder lebendig werden. Während<br />

meiner ganzen Zeit als Schauspielschüler hielt ich<br />

mich immer für etwas Besonderes. Besonders nicht in<br />

dem Sinne, dass ich mich für außerordentlich begabt hielt, ganz<br />

im Gegenteil. Ich glaube, es gibt wenige Menschen, die mehr<br />

Selbstzweifel haben als ich. Zweifler bin ich seit meiner Geburt –<br />

bilde ich mir wenigstens ein. Nach dem ersten Atemzug dachte<br />

ich höchstwahrscheinlich: „Ich komme noch mal raus. Das hätte<br />

ich besser machen können. Entschuldigung, ich war unkonzentriert.“<br />

Neben außerordentlichen Selbstzweifeln gab es da noch etwas<br />

Außergewöhnliches: Ich bestand die Schauspielprüfung wie viele<br />

andere, aber ich bestand sie, obwohl ich nie an ihr teilgenommen<br />

habe. Und wer außer mir kann das von sich sagen?<br />

Lange Zeit war ich besorgt, dass ich auffliegen<br />

könnte, aber das Leben ist Risiko. Nie<br />

hatte ich mehr Angst als in den ersten Wochen<br />

und Monaten auf der Schauspielschule.<br />

Ich bereue es keine Minute, dass ich mich<br />

auf dieses Abenteuer eingelassen habe, aber<br />

ich habe mich mehr als einmal auf der Toilette<br />

versteckt, weil mir dieses Gebräu aus<br />

Angst und Zweifeln zu viel wurde.<br />

»Plötzlich merkt<br />

man einfach,<br />

dass alles<br />

kompliziert wird«<br />

Ein paar Vorteile hat der Besuch einer Schauspielschule aber definitiv.<br />

Wenn ich Bekannte sehen will, mache ich einfach den Fernseher<br />

an. Die Frau aus der Joghurt-Werbung war eine Stufe über<br />

mir, der Kommissar, der sich im „Tatort“ über die Leiche beugt,<br />

war in meiner Klasse, und die Leiche kenne ich auch. Persönlich.<br />

Schon auf der Schule war sie eine sehr überzeugende Leiche, ihr<br />

lagen bewegungsarme Rollen. Wie ich höre, kann sie gut davon<br />

leben, tot zu sein. Wer die Otto-Falckenberg-Schule kennt, denkt<br />

an Stars wie Joachim Król, Mario Adorf oder Franka Potente. Aber<br />

die meisten, die diese Schule besucht haben, sind so unbekannt<br />

wie ich. Wer kennt schon Jan Diamant? Niemand. Ich darf das sagen,<br />

denn ich bin Jan Diamant.<br />

Während ich mir die Dokumentation ansehe, grübele ich: Wie<br />

konnte jemand wie ich überhaupt auf die Idee kommen, Schauspieler<br />

zu werden? So schüchtern wie ich war, damals. Aber wie jeder<br />

andere Schüchterne wartete auch ich auf einen kleinen Schubs.<br />

Denn in jedem Schüchternen steckt ein Mutiger, der befreit werden<br />

will, und dazu braucht es den Schubs. In meinem Fall schubste Lina<br />

Hentig. Ich glaube, es war der Moment, als sie ihre Hand auf mein<br />

Bein legte. Da wusste ich: Mein Beruf ist Schauspieler.<br />

Kein Mensch sagt sich: „Okay, jetzt ist es aber mal Zeit für meine<br />

Pubertät.“ Plötzlich merkt man einfach, dass alles kompliziert wird.<br />

Ich merkte es in der achten Klasse, und Lina Hentig war der Grund.<br />

Warum ich mich ausgerechnet in die Schönste der Klasse verlieben<br />

musste, war mir selbst unklar. Sie war blond. Mehr konnte ich<br />

kaum sagen, da ich mich nie traute, sie länger als eine Zehntelsekunde<br />

anzuschauen, und das auch nur aus den Augenwinkeln. Sie<br />

hatte ein Kinn wie mit einem Lineal gezogen, was auf mich aristokratisch<br />

und selbstbewusst wirkte. Sie lachte viel, hatte auch allen<br />

Grund dazu, wenn ich in der Nähe war, und roch betörend gut. Auf<br />

dem Weg in die Klasse atmete ich sie manchmal ein, ohne sie anzuschauen.<br />

Das war gut, weil ungefährlich.<br />

* * *<br />

Was meine Chancen bei Lina schmälerte,<br />

war die Sache mit dem Sicherheitsabstand.<br />

Wenn ich mich während der Pause auf dieselbe<br />

Betonbank setzte wie sie, hielt ich<br />

min<strong>des</strong>tens sechs Meter Abstand, was ich<br />

höflich von mir fand, das Gespräch aber erschwerte.<br />

Ich überlegte wochenlang, ob ich<br />

den Abstand nicht verringern könnte, jeden Tag ein Stück, um sie<br />

langsam an mich zu gewöhnen, bis ich eines Nachts schweißgebadet<br />

aufwachte, weil ich geträumt hatte, dass ich direkt neben Lina<br />

gesessen hatte. Es blieb bei dem Traum.<br />

Ich fand, dass ein Gespräch sich zufällig entwickeln müsste, ohne<br />

Zwang. Wobei mir klar war, dass meine Maßnahmen für ein zwangloses<br />

Gespräch – Abstand und Schweigen – höchstwahrscheinlich<br />

der Hauptgrund waren, dass es nie zu einem solchen kam. Über<br />

dieses Paradox grübelte ich, bis die achte Klasse vorbei war.<br />

Zu dieser Zeit hatte mein Bruder Henrik bereits ein Foto seiner<br />

ersten Freundin an der Wand hängen. Als Gitarrist einer Band war<br />

er automatisch interessant. Zwar probte die Band nie und trat<br />

auch nie auf, war aber Legitimation genug, einen Gitarrenkoffer<br />

mit Guns-N’-Roses-Aufkleber und ein Stirnband zu tragen.<br />

Henrik und ich sind Zwillinge. Wir würden uns sehr ähnlich sehen,<br />

wenn wir uns gleich kleiden würden, was wir aber nie tun.<br />

Weil wir ansonsten eher Gegensätze sind. Wir sind nicht ein-<br />

0<br />

buchjournal 5/2011 23


LESEPROBE<br />

0 mal am selben Tag geboren. Er kam kurz vor zwölf, ich fünf<br />

Minuten danach. Er hat sich also damals schon vorgedrängelt.<br />

Henrik war auch nicht auf meiner Schule – unsere Psychologen-<br />

Eltern meinten, wir brauchten eigenen Raum zur Entwicklung –,<br />

und so konnte ich seine Eroberungsstrategien nicht live beobachten.<br />

Als Trost redete ich mir ein, seine Freundin sei nur ein Foto,<br />

das er gefunden hatte.<br />

Als Schüler, der sich weder auffällig kleiden noch profane Dinge<br />

wie „Hi“ sagen will, hat man wenige Möglichkeiten, sich zu präsentieren.<br />

Mein Bruder dagegen wechselte ständig Verkleidung<br />

und Freundin. Er verwandelte sich von einem Rocker in einen Skater<br />

und heftete das Foto seiner neuen Freundin an die Wand. Da er<br />

nie Skateboard fuhr, fand ich ihn unglaubwürdig. Das führte zu<br />

einem gemeinsamen Skateboard-Nachmittag, bei dem ich mir<br />

das Bein brach – wofür ich Henrik bis heute<br />

dankbar bin. Das Gipsbein funktionierte.<br />

»Ein Raum voller<br />

Menschen und<br />

trotzdem war ich<br />

vollkommen allein«<br />

Zum ersten Mal bemerkte Lina, dass ich<br />

existierte. Aus irgendeinem Grund fand sie<br />

es lustig, auf meinem Gipsbein zu unterschreiben:<br />

„Lina!“<br />

Das Beste war das Ausrufezeichen. Ich war<br />

mir sicher, dass es genau das war: ein Zeichen.<br />

Sie hätte einen Punkt machen können,<br />

aber sie hatte ein Ausrufezeichen gemacht. Es war wie ein Augenzwinkern.<br />

Am liebsten hätte ich das Gipsbein in mein Tagebuch<br />

geklebt. Mein erster Liebesbrief. Leider blieb das der einzige Kontakt<br />

zwischen uns beiden. Ich überlegte kurz, ob ich mir noch einmal<br />

ein Bein brechen sollte, aber da war die neunte Klasse auch<br />

schon vorbei. Die Zeit vergeht ja wie im Flug, wenn man unnütz in<br />

der Ecke rumsteht.<br />

Mittlerweile brachte Henrik seine dritte Freundin, Melanie, mit<br />

nach Hause, und Melanie war leider kein Foto. Henrik war jetzt<br />

Surfer – sogar mit einem Surfbrett, das an der Wand lehnte, was<br />

unfassbar lächerlich war. Während laute Musik aus seinem Zimmer<br />

dröhnte, wuchs in mir der Wunsch, die Tür aufzureißen und<br />

Melanie anzuschreien: „Wo glaubst du denn, dass er surft, verdammt<br />

noch mal? Im Spaßbad?“<br />

Ich war wütend auf Frauen, die auf so dämliche Tricks hereinfielen.<br />

Solche Frauen waren fast frauenverachtend, weil sie ihr Rudel<br />

so diskreditierten. Henrik war sich einfach für nichts zu schade.<br />

Die Felle, die mein Vater im Winter auf den Autositzen hatte, zerschnitt<br />

er und schneiderte sich daraus eine Weste. Mein Vater war<br />

wütend, ich fassungslos. Henrik trug unsere Autositze und fand<br />

tatsächlich eine Frau, die ihn dafür auch noch bewunderte. Anscheinend<br />

war es ein Naturgesetz: Wer nicht allein sein will, muss<br />

sich zum Affen machen. Ich gab auf. Wahrscheinlich wäre ich<br />

Mönch geworden oder so etwas, aber dann kam der Roboter.<br />

Ich erfuhr, dass Lina in die Theater-AG ging. Ohne sie wäre ich<br />

nie auf die Idee gekommen, dort mitzumachen. Es gab Schüler,<br />

die Kulissen malten, andere kümmerten sich um das Licht. So etwas<br />

in der Art wollte ich auch machen, um unauffällig in ihrer<br />

Nähe zu sein. Da bot mir mein Deutschlehrer eine Rolle an.<br />

Ich lehnte zuerst ab, aber die Rolle, die er mir anbot, war der<br />

Roboter. Man würde mich nicht sehen, denn ich sollte einen Computermonitor<br />

über dem Kopf tragen. Also sagte ich zu. Mit einem<br />

Pappmonitor auf dem Kopf war ich lächerlich, was ja, meiner eigenen<br />

Theorie zufolge, meine Chancen bei Lina beträchtlich steigerte,<br />

da ich mich zum Affen machte.<br />

Sollte sich Lina tatsächlich in mich verlieben, weil ich so ein<br />

toller Roboter war, würde sie mich sicher bitten, den Monitor, solange<br />

wir zusammen waren, aufzubehalten: „So habe ich dich lieben<br />

gelernt.“ Ich gebe zu, ich war mittlerweile ein bisschen verbittert.<br />

Während der Aufführung hörte ich meinen eigenen Atem in<br />

dem engen Pappgehäuse: „Sch-Chäää“, während mich vierhundert<br />

Menschen, die ich nicht sehen konnte, anstarrten. Ich dachte:<br />

Was hast du getan, du Idiot? Ein Raum voller Menschen, und<br />

trotzdem war ich vollkommen allein! Nur ich und mein Atem.<br />

Sch-Chäää! Und dann hörte ich das Lachen!<br />

So stelle ich mir die Wirkung von Psychopharmaka<br />

vor.<br />

Meine Panik verwandelte sich in eine Welle<br />

aus Leichtigkeit, Freude und – Macht.<br />

Peinlich, aber ja, es fühlte sich an wie Macht.<br />

Macht ist, vierhundert Menschen zum Lachen<br />

zu bringen.<br />

Ich hatte eigentlich nur drei Lacher an<br />

dem Abend, und einen davon verdankte ich<br />

einer unfreiwilligen Slapstick-Einlage, weil ich wegen meiner<br />

schlechten Sicht vor eine Wand knallte. Meine Szene war zu Ende,<br />

ich hörte noch Kichern im Publikum, als ich hinter die Bühne<br />

kam. Da setzte sich Lina neben mich und nahm mir den Monitor<br />

von den Schultern. Sie lächelte und dann legte sie ihre Hand auf<br />

mein Bein und sagte: „Ich wusste gar nicht, dass du so lustig sein<br />

kannst. Du warst gut. Richtig gut.“ Das war der Moment.<br />

Wenn du auf eine Bühne steigst, geschehen manchmal Wunder.<br />

Linas Hand auf meinem Bein war eines. Und mir war klar: Ich will<br />

Schauspieler werden. Diese Hand hätte mich von allem überzeugen<br />

können. Hätte sie gesagt: „Etwas Kaufmännisches liegt dir“,<br />

säße ich heute in einer Versicherung. Hätte sie gesagt: „Du musst<br />

unbedingt etwas draußen machen“, wäre ich Gärtner geworden.<br />

Oder obdachlos.<br />

Mark Welte: In die Füße atmen. Roman.<br />

Kiepenheuer & Witsch, 288 S., 14,99 € (D) •<br />

15,50 € (A) • 21,90 sFr.<br />

24<br />

buchjournal 5/2011


LESEPROBE DAS PORTRÄT<br />

Abenteuer Schauspielschule: Nach<br />

Drehbüchern fürs Fernsehen hat<br />

Mark Welte mit „In die Füße atmen“<br />

seinen ersten Roman geschrieben.<br />

„Keine Chance<br />

ohne Neurosen“<br />

Wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem Roman?<br />

Mark Welte: Die Idee hatte ich schon vor<br />

Jahren, und das hängt mit dem Titel zusammen.<br />

In den ersten Tagen auf der Schauspielschule,<br />

wenn man Sachen zu hören<br />

bekam wie: „Denk an die Decke!“, „Spür<br />

dein inneres Lächeln“ oder eben auch „Atmet<br />

in die Füße“, dann war das erst mal seltsam,<br />

und von Anfang an dachte ich, dass<br />

das ein guter Titel wäre: „In die Füße atmen.“<br />

Ein paar von uns haben sich am Anfang<br />

drüber lustig gemacht, aber irgendwann<br />

merkt man auch, dass einem das ein<br />

oder andere Bild tatsächlich etwas helfen<br />

kann, wenn man auf der Bühne steht.<br />

Können wir uns eine Schauspielschule so vorstellen<br />

wie im Buch?<br />

Man kann sich eine Schauspielschule so<br />

vorstellen wie im Buch, sollte aber vielleicht<br />

nicht vergessen, dass ich als Autor übertreiben<br />

darf, verzerren und weglassen. Die<br />

meis te Zeit verbringt auch ein Schauspielschüler<br />

mit warten, ärgern und in der Kantine<br />

rumsitzen. Vielleicht liegt es auch an mir,<br />

und für meine Mitschüler war die Schauspielschule<br />

ein einziger Rausch, voller Drogen<br />

und Sex. Manchmal hatte ich das Gefühl,<br />

die Schauspielschulpartys wurden genau<br />

ab dem Punkt interessant, an dem ich<br />

nach Hause gegangen bin. So gesehen ist<br />

das Buch meine Rache – endlich fragen mal<br />

die anderen: „Ist das auch wirklich wahr?“<br />

Lässt sich die Schauspielschule ohne Neurosen<br />

überstehen?<br />

Natürlich nicht. Ohne Neurosen wird<br />

man gar nicht erst aufgenommen. In der Regel<br />

nehmen sie je<strong>des</strong> Jahr einen Hypochonder<br />

auf, zwei Hysterikerinnen sowie ein bis<br />

zwei Profilneurotiker. Nein, Quatsch. Tatsächlich<br />

ist es ganz hilfreich, wenn man in<br />

sich selber ruht, solche Leute gab es auch an<br />

der Schauspielschule, nur braucht man das<br />

nicht zu erzählen.<br />

Was geben Sie jungen Menschen, die Schauspieler<br />

werden wollen, mit auf den Weg?<br />

Schwer zu sagen, weil der Beruf so unterschiedlich<br />

aussehen kann. Ich habe vor und<br />

nach der Schauspielschule eher Kabarett gemacht,<br />

was ein ganz anderes Arbeiten ist,<br />

als fest an einem Theater engagiert zu sein.<br />

Wenn man mit einem Kabarett-Trio durch<br />

Kneipen in der Eifel tingelt und die Gage<br />

Zur Person<br />

Mark Welte wurde 1970 in Aachen geboren<br />

und besuchte nach dem Abitur die Otto-Falckenberg-Schule.<br />

Er arbeitet als Drehbuchautor<br />

(unter anderem für die Anke-Engelke-Show<br />

„Ladykracher“), Schauspieler und Kabarettist.<br />

Welte lebt heute in Köln. „In die Füße atmen“<br />

ist sein erster Roman.<br />

Mark Welte: „Ich bin nicht der Typ, der anderen<br />

Ratschläge mit auf den Weg geben kann“<br />

nach Abzug <strong>des</strong> Benzingel<strong>des</strong> durch drei<br />

teilt und gerade mal 30 Euro verdient hat,<br />

heißt die Frage nicht mehr: „Hab ich Talent?“,<br />

sondern: „Ich hab Hunger, also – wie<br />

lange kann man von 30 Euro leben?«. Nein,<br />

ich bin eher nicht der Typ, der anderen Ratschläge<br />

mit auf den Weg geben kann.<br />

„In die Füße atmen“ ist Ihr erster Roman, davor<br />

haben Sie bereits Drehbücher geschrieben –<br />

was war beim Schreiben anders für Sie?<br />

Wenn ich für eine Comedysendung schreibe,<br />

gebe ich meinen Text ab und ein halbes<br />

Jahr später schalte ich den Fernseher ein und<br />

staune: Das ist also daraus geworden. Ein<br />

Buch zu schreiben ist nicht nur persönlicher,<br />

thematisch gesehen, sondern auch von der<br />

Arbeitsweise her. Bei jedem Arbeitsschritt,<br />

jeder Besprechung, den meisten Korrekturen<br />

war ich beteiligt, und diese Arbeitsweise<br />

war für mich neu und angenehm.<br />

Mit welcher Ihrer Figuren können Sie sich am<br />

ehesten identifizieren?<br />

Da die Figuren alle etwas neurotisch sind,<br />

natürlich mit keiner. Oder mit allen. Ich<br />

will da jetzt keine bevorzugen, da sonst<br />

wieder Neid aufkommt. Ich habe jedenfalls<br />

weder einen Zwillingsbruder, wie die<br />

Hauptfigur, noch bin ich durch Täuschung<br />

auf die Schauspielschule gekommen. <br />

© Bettina Fürst-Fastré<br />

buchjournal 5/2011 25


LITERATURFEST MÜNCHEN<br />

Im November dreht sich in der Bayern-Metropole alles um Bücher, Autoren und Literatur. Mit<br />

den Säulen forum:autoren, Münchner Bücherschau und dem Programm im Literaturhaus<br />

München soll das Fest zum großen Herbstereignis werden – mit dem Buchjournal als Partner.<br />

Literatur<br />

auf allen<br />

Kanälen<br />

TEXT: ECKART BAIER<br />

D<br />

ie heimliche Hauptstadt schwingt<br />

sich auf, nun auch noch Deutschlands<br />

Literaturzentrum zu werden – zumin<strong>des</strong>t<br />

im Spätherbst. Das Literaturfest München,<br />

2010 zum ersten Mal in dieser Form gestartet,<br />

gewinnt schon bei seiner zweiten Auflage<br />

derart an Format, dass die Veranstaltung<br />

im November viel mehr sein wird als ein regionales<br />

Ereignis. Neben dem Radiosender<br />

Bayern 2 ist in diesem Jahr auch erstmals das<br />

Buchjournal als Medienpartner mit im Boot.<br />

Drei große Programmsäulen prägen das<br />

Literaturfest München:<br />

1. forum:autoren<br />

Das in diesem Jahr von Schriftsteller Matthias<br />

Politycki verantwortete Forum wird, da<br />

ist sich der Kurator sicher, weit über die<br />

Münchner Region hinaus wirken: „Das Medieninteresse<br />

im Vorfeld zeigt mir, dass die<br />

Strahlkraft <strong>des</strong> Literaturfests bei Weitem<br />

nicht nur das Münchner Publikum erreichen<br />

wird.“ (Siehe Interview Seite 28.)<br />

Nachdem Ilija Trojanow im Vorjahr unter<br />

dem Motto lokal:global den Schwerpunkt<br />

auf internationale Literatur gelegt hatte,<br />

geht es Politycki um nichts weniger als eine<br />

Standortbestimmung der deutschsprachigen<br />

Gegenwartsliteratur, „eine Erkundung<br />

<strong>des</strong>sen, was wirklich wichtig ist, was<br />

Stil hat, Haltung, Relevanz“, so der Kurator.<br />

50 Autorinnen und Autoren hat er dazu<br />

eingeladen – unter anderen Katja Lange-<br />

Müller, Felicitas Hoppe, Burkhard Spinnen,<br />

Josef Winkler und Tanja Dückers –,<br />

Vorfreude auf das Fest (oben, von links):<br />

Münchens Kulturreferent Hans-Georg<br />

Küppers, Börsenvereins-Lan<strong>des</strong>vorsitzender<br />

Wolf Dieter Eggert und Literaturhaus-Chef<br />

Reinhard Wittmann<br />

die aus ihren Büchern lesen und bei Diskussionen<br />

Rede und Antwort stehen.<br />

Dabei will das forum:autoren das Gegenteil<br />

von „Eventisierung“ sein, meint Politycki:<br />

„Wir schielen nicht nach Quote, locken<br />

also weder mit Bestseller-Lesungen noch<br />

mit schrägen Locations, sondern konzentrieren<br />

uns auf fast schon altmodische Weise<br />

auf Literatur an angestammten Orten<br />

und auf die Stimmen der Autoren selbst.“<br />

Etwa bei der „Samstagnachmittagserklärung“<br />

am 12. November: Ab 15 Uhr debattieren<br />

im Literaturhaus acht Autoren in vier<br />

Runden über vier Fragen an die deutsche Literatur,<br />

so zum Beispiel Dagmar Leupold<br />

und Martin Mosebach über das Thema<br />

„Made in Germany – ein Auslaufmodell?“.<br />

Unter dem Motto „Backstage“ sind die<br />

Autoren zu Gast an Münchner Schulen, und<br />

bei der Diskussionsreihe „Klartext“ an der<br />

Münchner Universität stellen sie sich auf der<br />

Grundlage von Fünfminutenstatements<br />

Fragen wie: Wo steht die Literatur? Welche<br />

Themen treibt sie um? Und wohin bewegt<br />

sie sich? Last but not least wird beim<br />

forum:autoren auch gefeiert – etwa beim<br />

„Literaturfestfest“ in der Muffathalle (Samstag,<br />

12. November, 20 Uhr) oder beim abendlichen<br />

„Salon der lebenden Schriftsteller“.<br />

2. Münchner Bücherschau<br />

Die Schau im Kulturzentrum Gasteig hat<br />

große Tradition: Am 10. November öffnet<br />

sie zum 52. Mal ihre Türen und wird das Publikum<br />

in Scharen anlocken. Mehr als<br />

160 000 Besucher werden wohl auch in diesem<br />

Jahr wieder durch die wohl renommierteste<br />

Buchausstellung Deutschlands<br />

© Börsenverein <strong>des</strong> Deutschen <strong>Buchhandels</strong> – Lan<strong>des</strong>verband Bayern e.V.<br />

© Volker Derlath<br />

26<br />

buchjournal 5/2011


schlendern, in die rund 20 000 ausgestellten<br />

Bücher hineinschmökern, eine der mehr als<br />

50 Lesungen besuchen und Autoren hautnah<br />

erleben. Unter vielen anderen sind zu<br />

Gast: Wolf Biermann, Helke Sander, Heinz<br />

Rudolf Kunze, Gaby Hauptmann und Paul<br />

Maar. Und das Ganze auch noch kostenlos<br />

und für jedermann fast rund um die Uhr zugänglich:<br />

Die Bücherschau hat ihre Pforten<br />

von 8 bis 23.00 Uhr geöffnet.<br />

Die Stiftung Buchkunst präsentiert in einer<br />

Ausstellung „Die schönsten <strong>deutschen</strong><br />

Bücher 2010“, und das vielfältige Kinderund<br />

Jugendprogramm wird wieder Tausende<br />

Nachwuchsleser sowie Schulklassen in<br />

den Gasteig locken. Alle Infos zur Bücherschau<br />

finden sich unter www.muenchnerbuecherschau.de<br />

und auf den Sonderseiten<br />

im Buchjournal-Extra Kids & Teens, das<br />

viele Buchhandlungen bereithalten.<br />

3. Literaturhaus München<br />

Das Herz <strong>des</strong> Literaturfests schlägt – wie<br />

könnte es anders sein – im Literaturhaus am<br />

Salvatorplatz. Neben den Veranstaltungen<br />

beim forum:autoren werden hier etwa der<br />

Roman cier Eugen Ruge und der Historiker<br />

Ian Kershaw ihre hochgelobten Novitäten<br />

vorstellen (am Mittwoch, 23. November, beziehungsweise<br />

am Donnerstag, 24. Novem-<br />

Info<br />

Das Literaturfest München (10. bis 27. November)<br />

wird veranstaltet vom Börsenverein <strong>des</strong><br />

Deutschen <strong>Buchhandels</strong> – Lan<strong>des</strong>verband Bayern<br />

und dem Literaturhaus München in Zusammenarbeit<br />

mit dem Kulturreferat der Lan<strong>des</strong>hauptstadt<br />

München. Informationen im Internet<br />

unter www.literaturfest-muenchen.de,<br />

unter www.muen chner-buecherschau.de<br />

sowie auf www.buchjournal.de/literaturfest.<br />

Außerdem empfehlen wir das Weblog<br />

zum forum:autoren auf www.fabmuc.de.<br />

ber, jeweils um 20 Uhr). Bereits einen Tag<br />

zuvor, am Dienstag, 22. November, präsentiert<br />

das Literaturhaus den Gewinner <strong>des</strong><br />

Deutschen Buchpreises dem Publikum, der<br />

bei Redaktionsschluss noch nicht feststand.<br />

Ein weiteres Highlight im Literaturhaus<br />

ist der Markt unabhängiger Verlage am 26.<br />

und 27. November: Unter dem Motto „Andere<br />

Bücher braucht das Land“ zeigen<br />

30 unabhängige Verlage aus Deutschland,<br />

Österreich und der Schweiz ihre Neuerscheinungen<br />

und stehen für Gespräche<br />

zur Verfügung. Podiumsdiskussionen,<br />

Kinder-Illustrations-Workshops sowie<br />

eine Party der unabhängigen Verlage am<br />

Samstag abend begleiten den Markt.<br />

Neben den drei Programmsäulen wird im<br />

Rahmen <strong>des</strong> Literaturfests München außerdem<br />

am 14. November der traditionsreiche<br />

Geschwister-Scholl-Preis vergeben. Ausgezeichnet<br />

werden Autoren, die besondere Zivilcourage<br />

bewiesen haben, wie in der Vergangenheit<br />

beispielsweise Joachim Gauck,<br />

Roberto Saviano oder Anna Politkovskaja.<br />

Das Feld für ein spannen<strong>des</strong> Literaturfest ist<br />

also bereitet – nun muss das Publikum die<br />

Einladung nur noch annehmen. <br />

Die Entdeckung der Pole<br />

in neuem Licht.<br />

© Reinhold Messner<br />

© Reinhold Messner<br />

Mit Einfühlungsvermögen und<br />

glänzend rekonstruiert<br />

beleuchtet Reinhold Messner<br />

eines der größten Abenteuer der<br />

Menschheitsgeschichte.<br />

buchjournal 5/2011 27<br />

300 Seiten. Gebunden. € 19.99 (D)/€ 20.60 (A)/sFr. 28.90 (UVP)<br />

mehr erleben


LITERATURFEST MÜNCHEN_INTERVIEW<br />

Für Kurator und Schriftsteller Matthias Politycki soll das forum:autoren<br />

eine Standortbestimmung deutschsprachiger Literatur liefern.<br />

„Wir wollen Impulse setzen“<br />

INTERVIEW: ECKART BAIER<br />

Was kann das Publikum vom diesjährigen<br />

forum:autoren erwarten?<br />

Matthias Politycki: Noch in den 1990er<br />

Jahren galt deutsche Literatur im Ausland<br />

oft als provinziell und langweilig. Das hat<br />

sich gewandelt, die Literatur hat sich geöffnet<br />

für neue Themen, neue Stillagen,<br />

ein ganz neues Selbstverständnis. Unser<br />

Ziel ist es, diesen Reichtum vorzustellen,<br />

eine die Saison überdauernde Standortbestimmung<br />

deutschsprachiger Literatur<br />

vorzunehmen.<br />

War dieser Fokus eine Vorgabe der Veranstalter<br />

an Sie als Kurator im Jahr 2011?<br />

Im Gegenteil, es war der meine, etwas<br />

anderes hätte ich nicht machen wollen.<br />

2012 wird das forum:autoren ja wieder einen<br />

ganz anderen Schwerpunkt haben. Auf<br />

diese Weise bekommt das Publikum je<strong>des</strong><br />

Jahr ein anderes Literaturfest – Subjektivität<br />

ist hier also Programm.<br />

Nach welchen Kriterien haben Sie die 50 eingeladenen<br />

Autorinnen und Autoren ausgesucht?<br />

Ein Schriftsteller ist mehr als die Summe<br />

seiner Bücher, er arbeitet an einem Werk,<br />

hat einen Standpunkt, eine unverwechselbare<br />

Stimme – im Lauf der Jahre bekommt<br />

man ganz gut mit, wer einer ist. Bei Jens<br />

Sparschuh oder Burkhard Spinnen beispielsweise<br />

musste ich nicht lange nachdenken:<br />

Wenn es um eine Standortbestimmung<br />

geht, gehören sie unbedingt dazu –<br />

auch wenn sie in diesem Jahr gar kein<br />

neues Buch veröffentlicht haben.<br />

© picture-alliance / dpa<br />

Matthias Polityckis Herz schlägt für die Lyrik<br />

In München wird aber nicht nur gelesen, sondern<br />

auch diskutiert. Kommt Ihnen in den Medien<br />

und in der Öffentlichkeit die Auseinandersetzung<br />

über Literatur denn zu kurz?<br />

Das Klima dieser Auseinandersetzung<br />

hat sich seit den 1980er Jahren sehr verändert.<br />

Wir möchten mit den Debattenformaten<br />

im forum:autoren frische Impulse<br />

setzen, wünschen uns substanzielle Anregungen<br />

auch über den Tag hinaus. Aus diesem<br />

Grund sind unsere Autoren auch nicht<br />

nur für eine einzige Veranstaltung vor Ort,<br />

sondern in der Regel für drei Tage. Auf dass<br />

genug Raum ist für Gespräche – die öffentlich<br />

geführten wie diejenigen, die sich daran<br />

hoffentlich anschließen.<br />

Diskutiert, aber auch gefeiert wird später am<br />

Tag dann im „Salon der lebenden Schriftsteller“<br />

– geöffnet für jedermann?<br />

Selbstverständlich, der Salon ist ja Teil<br />

<strong>des</strong> Programms, sogar ein besonders wichtiger.<br />

Er findet jeden Werktag ab 22 Uhr im<br />

Lesezeichen<br />

Matthias Politycki: London<br />

für Helden. The Ale Trail.<br />

Hoffmann und Campe,<br />

96 S., 18,– € (D) •<br />

18,50 € (A) • 28,90 sFr.<br />

Zur Person<br />

Matthias Politycki, 1955 geboren, lebt in Hamburg<br />

und München. Der „größte lebende Sprachkulinariker<br />

unter den <strong>deutschen</strong> Dichtern“ („Die Welt“)<br />

hat seit 1987 Essays, Romane, Erzählungen und<br />

Gedichtbände publiziert. Sein jüngstes Buch<br />

„London für Helden“ entstand nach einem längeren<br />

Aufenthalt in der britischen Hauptstadt.<br />

Literaturhaus statt und wird reihum von<br />

einem Münchner Verlag ausgerichtet. Wer<br />

tagsüber eine spannende Veranstaltung erlebt<br />

hat, will sich darüber doch unterhalten!<br />

Was wird Ihr persönliches Highlight sein?<br />

Da ich als Schriftsteller selber von der Lyrik<br />

her komme, habe ich mich auch als Veranstalter<br />

besonders darum bemüht: um Lyriker<br />

nämlich, die uns mit ihren Gedichten<br />

nicht nur vor intellektuelle Rätsel stellen,<br />

sondern uns mitreißen und begeistern. Am<br />

Samstag, 12. November, werden in der Muffathalle<br />

sechs der besten Lyrikperformer<br />

Deutschlands zu erleben sein. Einen Tag<br />

später treten in der Lyriklounge im Club<br />

Ampere zehn ganz unterschiedliche Lyriker<br />

auf, von F.W. Bernstein bis Ulla Hahn.<br />

Seit Ende 2010 arbeiten Sie und Ihr Team am<br />

Programm – kommt da die eigene schriftstellerische<br />

Arbeit nicht viel zu kurz?<br />

Definitiv! Und ohne das Team wäre es nie<br />

zu schaffen gewesen; stellen Sie sich allein<br />

vor, was dafür alles gelesen und diskutiert<br />

werden musste! Und dann will man ja mit<br />

jedem der Eingeladenen ausführlich gesprochen<br />

haben, möchte, dass er sich in unserem<br />

Programm und später am Veranstaltungsort,<br />

im Hotel, in der Stadt wohlfühlt – da gibt<br />

es jede Menge zu bedenken, zu telefonieren,<br />

zu korrespondieren, zu konferieren. Fürs eigene<br />

Schreiben bleibt da keine Kraft. <br />

www.literaturfest-muenchen.de<br />

28<br />

buchjournal 5/2011


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Schlank und schick<br />

Mehrere Tausend Bücher auf einem Gerät? Die E-Reader von PocketBook machen<br />

es möglich. Beispielsweise die multifunktionalen Geräten der Pro 600- und Pro 900-Serie.<br />

PocketBook Pro 603<br />

Der kompakte elektronische<br />

Allesleser mit<br />

Touchscreen, E-Ink-Technik<br />

und eingebautem WLAN für<br />

schnellen Internetzugang<br />

PocketBook Pro 903<br />

Der großformatige Reader mit 3G-<br />

Modul und einem fast 10 Zoll großen<br />

Bildschirm setzt selbst riesige Files und<br />

grafische Programme ins rechte Licht.<br />

PocketBook Pro 902<br />

Das großformatige Basismodell der Pro<br />

900-Serie bietet alles, was man für das<br />

Lesen von Büchern und das Betrachten<br />

von Texten und Grafiken braucht<br />

PocketBook, der Hersteller mit dem breitesten Sortiment<br />

an multifunktionalen E-Book-Readern, verfolgt<br />

seit Jahren das Ziel, ein ideales elektronisches Lesegerät<br />

zu entwickeln, das alle Kundenwünsche an mobiles,<br />

papierloses Lesen erfüllt. Mit den Readern der Pro<br />

600- und Pro 900-Serie kommt PocketBook diesem Plan schon<br />

sehr nahe. Das PocketBook Pro 603 wiegt beispielsweise gerade<br />

einmal 280 Gramm – so schwer wie ein mittleres Taschenbuch<br />

– und trotzdem kann der Leser eine ganze Bibliothek mit sich<br />

führen: Dank eines integrierten Speichers von 2 GB können bis zu<br />

3 000 Bücher geladen werden. Und mit Hilfe einer zusätzlichen<br />

MicroSD-Karte lässt sich die Kapazität sogar<br />

bis auf 32 GB erweitern. Die Verwendung der<br />

stromsparenden E-Ink-Technologie ermöglicht<br />

komfortables, augenschonen<strong>des</strong> Lesen, denn im Vergleich<br />

zur gewöhnlichen LCD-Technik bei Monitoren flimmern E-Ink-<br />

Displays nicht, weshalb die Augen nicht ermüden. Der Leser kann<br />

die E-Reader von PocketBook ständig benutzen, ohne sich Sorgen<br />

um seine Augen machen zu müssen – und das bei enorm langer<br />

Laufzeit: Ist der Akku vollständig aufgeladen, lassen sich rund 20<br />

Bücher lesen, das heißt bei einer Lesedauer von 2 Stunden pro<br />

Tag kann man etwa einen Monat lang lesen ohne Aufladen. Die<br />

PocketBook-Reader bieten jedoch noch viele weitere Pluspunkte:<br />

Mit der integrierten WLAN-Schnittstelle und einer Browser-Software<br />

kann der Leser bei einem verfügbaren Internetzugang mit<br />

seinem Gerät jederzeit ins Internet. Darüber hinaus verfügen<br />

die PocketBook-Reader, die 20 Dateiformate unterstützen, über<br />

attraktive Zusatzfunktionen wie Taschenrechner, Spiele, Vorlesefunktionen<br />

und Notizfunktionen. Und nicht zu vergessen der<br />

eingebaute Musik-Player: Während <strong>des</strong> Lesens lässt sich per Kopfhörer<br />

oder über die eingebauten Lautsprecher Musik hören. Bei<br />

all diesen Finessen, die die PocketBookReader bieten, stellen sie<br />

dennoch keinerlei technische Anforderungen<br />

an den normalen Leser: Die Geräte sind sofort<br />

einsatzbereit, alle benötigten Funktionen<br />

und die erforderliche Software sind bereits integriert. Und: Jeder<br />

Reader kommt mit bis zu 1 000 vorinstallierten Büchern und mit<br />

bis zu 44 Wörterbüchern in den Handel.<br />

Mehr Informationen zu sämtlichen Produkten von PocketBook<br />

und zu den Bestellmöglichkeiten finden Sie im Internet unter<br />

www.pocketbook.de<br />

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buchjournal 5/2011 29


E-BOOKS<br />

Das Geschäft mit den digitalen Büchern kommt in Schwung. Zehntausende Titel sind zu<br />

haben, die E-Reader werden schicker und billiger und die Technik ist kinderleicht zu bedienen.<br />

Tausend Bücher in der Tasche<br />

TEXT: ECKART BAIER<br />

Und da sage jemand, E-Reader sind<br />

nur etwas für die Jungen: Im November<br />

vergangenen Jahres überraschte Ruth<br />

Klüger den ein oder anderen Zeitungsleser<br />

mit einem flammenden Plädoyer in<br />

Sachen Elektronik. In einem Beitrag für<br />

die „Neue Zürcher Zeitung“ hatte sich die<br />

Schriftstellerin, die am 30. Oktober ihren<br />

80. Geburtstag feiert, als „begeisterte E-<br />

Book-Konvertitin“ geoutet.<br />

Klüger, die, wie sie sagt, „seit ihrem<br />

sechsten Jahr auf Papier gedruckte Schrift<br />

wie eine Droge zu sich nimmt“, mag nicht<br />

mehr lassen vom elektronischen Lesegerät,<br />

das so viel wiegt wie ein mittelgroßes<br />

Taschenbuch, aber Tausende Bücher enthält<br />

und mit einer Akkuladung tagelang<br />

zur Verfügung steht. Doch nicht nur Senioren<br />

wissen die flimmerfreie E-Ink-Technik<br />

zu schätzen, die die Augen weniger<br />

ermüden lässt als ein normales Buch, zumal<br />

sich die Schriftgröße <strong>des</strong> Readers auf<br />

die individuellen Bedürfnisse <strong>des</strong> Lesers<br />

einstellen lässt. Mit der in vielen Geräten<br />

integrierten WLAN-Schnittstelle kann der<br />

Nutzer mit seinem Gerät sogar ins Internet<br />

– und nette Zusatzfunktionen wie Taschenrechner,<br />

Spiele und MP3-Player sind meist<br />

ebenfalls integriert.<br />

Zwar sind E-Book-Leser in Deutschland<br />

immer noch in der Minderheit – der<br />

Marktanteil <strong>des</strong> Geschäfts mit elektronischen<br />

Büchern betrug 2010 gerade einmal<br />

0,5 Prozent –, doch dürfte sich dies in<br />

den nächsten Jahren deutlich wandeln.<br />

Nicht nur, weil immer mehr erstklassige,<br />

schicke und inzwischen auch preisgünstige<br />

Geräte zu haben sind, sondern weil die<br />

Verlage auch für den nötigen Lesestoff sorgen.<br />

Egal, ob Charlotte Roches „Feuchtgebiete“,<br />

Jussi Adler-Olsens Thriller „Erlösung“,<br />

Ilija Trojanows Roman „EisTau“<br />

oder Sachbücher und Biografien aller Art<br />

– die Bestseller sind in den meisten Fällen<br />

auch digital zu haben, und zwar in der Regel<br />

billiger – gleichwohl preisgebunden –<br />

als die gedruckte Ausgabe.<br />

Wer die eleganten, meist silbrig glänzenden<br />

Lese-Knechte gern einmal ausprobieren<br />

will, sich insgeheim aber scheut,<br />

sich nach Computer, Internet und Handy<br />

in einem neuen Technik- und Dateiformat-<br />

Wirrwarr zu verheddern, dem sei gesagt:<br />

Der Gebrauch von E-Readern ist denkbar<br />

einfach. Die benötigte Software ist installiert<br />

und für den Download <strong>des</strong> begehrten<br />

Lesestoffs stehen im Internet zahlreiche<br />

Adressen zur Verfügung.<br />

Für die zwingend notwendige Anmeldung<br />

bei der Buchhandlung im Netz oder<br />

einer anderen Downloadstation braucht<br />

man zwar ein paar Minuten, doch dann<br />

läuft das Herunterladen eines Titels – eine<br />

schnelle Internetverbindung vorausgesetzt<br />

– wie geschmiert: In Sekundenschnelle landet<br />

das E-Book auf dem heimischen PC<br />

und wird von dort in den gewaltigen Datenspeicher<br />

<strong>des</strong> angeschlossenen Readers<br />

übertragen: Mit einer Datenkapazität von<br />

zwei Gigabyte, über die die meisten Reader<br />

verfügen, lassen sich mehr als 1 000 Bücher<br />

© Jean Gill<br />

Das ideale<br />

Gerät für<br />

unterwegs:<br />

E-Reader sind<br />

leicht und<br />

speichern<br />

Hunderte Titel<br />

laden. Und natürlich lässt sich das Buch<br />

mittels <strong>des</strong> kostenlosen Programms Adobe<br />

Digital Edition, das man braucht, auch direkt<br />

am PC lesen. Für das Schmökern mit<br />

dem E-Reader ist das EPUB-Format besonders<br />

geeignet, weil es sich dynamisch an<br />

die unterschiedlichen Bildschirm- und<br />

Schriftgrößen anpasst.<br />

Als E-Book-Kunde können Sie sich entweder<br />

im Internetshop Ihres Buchhändlers<br />

anmelden und dort ein elektronisches<br />

Buch kaufen und herunterladen. Oder sie<br />

klicken sich auf die E-Book-Plattform libreka!,<br />

die mit zahlreichen Partnerbuchhandlungen<br />

kooperiert und rund 80 000<br />

Titel bereithält. Natürlich setzen auch die<br />

großen Onlinehändler wie Weltbild oder<br />

buecher.de auf die virtuelle Ware und haben<br />

nicht selten sogar eigene E-Reader im<br />

Angebot. Wer beim Internetshop Amazon<br />

kaufen will, sollte wissen, dass das Amazon-eigene<br />

Lesegerät Kindle kein EPUB-<br />

Format kennt und der Nutzer damit ausschließlich<br />

auf Titel aus dem Amazon-<br />

Shop angewiesen ist.<br />

<br />

30<br />

buchjournal 5/2011


„In Zeiten <strong>des</strong> abnehmenden<br />

Lichts“ ist eine fabelhaft erzählte<br />

Familiengeschichte, meint<br />

Redakteur Eckart Baier. Der<br />

Debütroman <strong>des</strong> 56-jährigen<br />

Eugen Ruge ist ein Ereignis.<br />

BUCHJOURNAL-TIPP<br />

e-Lesen mit<br />

MIRA<br />

im Oktober!<br />

Die Geschichte<br />

einer Familie<br />

ANTOINETTE VAN HEUGTEN<br />

Mutterliebst<br />

e.Pub ISBN: 978-3-86278-094-5<br />

7,49 € [D], 352 Seiten<br />

ab 01.05.2012: 8,99 € [D]<br />

Thriller<br />

© Denis Stanisic<br />

^ Darum geht es: Eugen Ruge erzählt die Geschichte einer<br />

<strong>deutschen</strong> Familie in der DDR über vier Generationen. Dreh- und<br />

Angelpunkt ist der 1. Oktober 1989, Wilhelms 90. Geburtstag. Dieser<br />

Tag wird aus den Perspektiven verschiedener Personen gleich<br />

mehrfach erzählt. Und von hier aus blendet Ruge vor und zurück,<br />

etwa ins Jahr 1952, als Wilhelm, ein strammer Kommunist,<br />

und seine Frau Charlotte aus dem mexikanischen<br />

Exil nach Deutschland zurückkehren. Und in Mexiko findet<br />

am 11. September 2001 die Geschichte auch ihr Ende:<br />

Hier erfährt der krebskranke Enkel Alexander, der sich die<br />

Ersparnisse seines dementen Vaters geschnappt hat, von<br />

den Terroranschlägen auf das World Trade Center.<br />

Eckart Baier ^ Das ist das Besondere: knapp im Stil, tiefgründig,<br />

virtuos aufgebaut und unterhaltsam – ein Roman von der<br />

Art, wie man ihn sonst nur von US-Autoren kennt. Mit sprachlicher<br />

Finesse verleiht Ruge jeder Figur ihre eigene, individuelle<br />

Stimme – und lässt tief blicken in das sozialistische Lebensgefühl.<br />

Man kann nur staunen, dass diese fabelhaft geschriebene<br />

Familiengeschichte das Debüt eines 56-jährigen Autors ist.<br />

^ Wer ist der Autor? Beinahe hätte Eugen Ruge, geboren in Soswa<br />

(Ural), für den Roman sein Ferienhaus auf Rügen verkaufen<br />

müssen. Drei Jahre investierte er in seinen Erstling – dann rettete<br />

ihn der Verlagsvertrag mit Rowohlt aus der Klemme. Der studierte<br />

Mathematiker schrieb 20 Jahre als Autor für Theater und Fernsehen<br />

und verarbeitete in seinem inzwischen bereits preisgekrönten<br />

Buch viel von der eigenen Familiengeschichte. <br />

ERICA SPINDLER<br />

Spiel mit dem Tod<br />

e.Pub ISBN: 978-3-86278-096-9<br />

6,49 € [D], 448 Seiten<br />

ab 01.05.2012: 7,99 € [D]<br />

Thriller<br />

SUZANNE BROCKMANN<br />

Operation Heartbreaker 10:<br />

Taylor - Ein Mann, ein Wort<br />

e.Pub ISBN: 978-3-86278-100-3<br />

6,49 € [D], 304 Seiten<br />

ab 01.05.2012: 7,99 € [D]<br />

Romance<br />

SUSAN MALLERY<br />

Supermom schlägt zurück<br />

e.Pub ISBN: 978-3-86278-098-3<br />

7,49 € [D], 352 Seiten<br />

ab 01.05.2012: 8,99 € [D]<br />

Romance<br />

JENNIFER ARMINTROUT<br />

Herrscherin <strong>des</strong> Lichts<br />

e.Pub ISBN: 978-3-86278-104-1<br />

7,49 € [D], 352 Seiten<br />

ab 01.05.2012: 8,99 € [D]<br />

Fantasy<br />

Lesen Sie ein Porträt von Eugen Ruge auf buchjournal.de!<br />

^ Eugen Ruge: „In Zeiten <strong>des</strong> abnehmenden<br />

Lichts“. Rowohlt,<br />

432 S., 19,95 € (D) •<br />

20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

Eugen Ruge: „In Zeiten <strong>des</strong><br />

abnehmenden Lichts“.<br />

Gelesen von Ulrich Noethen.<br />

Argon, 10 CDs, 29,95 € (D) •<br />

30,80 € (A) • 42,50 sFr.<br />

j<br />

RACHEL VINCENT<br />

Soul Screamers 1:<br />

Mit ganzer Seele<br />

e.Pub ISBN: 978-3-86278-106-5<br />

8,49 € [D], 304 Seiten<br />

ab 01.05.2012: 9,99 € [D]<br />

LUNA<br />

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www.mira-taschenbuch.de<br />

buchjournal 5/2011 31<br />

MIRA eBooks sind erhältlich<br />

in allen bekannten Online-Shops und<br />

in allen gängigen Formaten!


»Eine sehr<br />

wahre und<br />

bewegende<br />

Geschichte.«<br />

Frankfurter Allgemeine Zeitung<br />

ROMANE_LEBENSGESCHICHTEN<br />

Sie nimmt Figuren und Motive aus ihrem Leben, präsentiert sie mit<br />

Humor – und mit großem Erfolg. Jetzt ist ein neuer Roman erschienen,<br />

aus gegebenem Anlass: Dora Heldt wird 50. Ein Besuch in Hamburg.<br />

© picture–alliance / dpa<br />

Dora Heldt:<br />

norddeutsch,<br />

humorvoll – und<br />

immer noch sehr<br />

geerdet<br />

Wellness mit Seeblick<br />

TEXT: SABINE SCHMIDT<br />

280 Seiten · ISBN 978-3-7844-3268-7<br />

s (D) 19,99 · CHF 29,90 (UVP)<br />

»Mit den Kindern stirbt auch die Hoffnung<br />

nicht«, sagt Betsy Sternberg, als sie 1948<br />

wieder in ihre alte Wohnung in der<br />

Rothschildallee zieht. Die Bombenschäden<br />

sind behoben, der Kirschbaum im Hinterhof<br />

ist noch da, die Vögel zwitschern –<br />

doch für die Mitglieder der Familie Sternberg,<br />

die den Holocaust überlebt haben,<br />

gibt es kein Zurück in das alte Leben.<br />

Zukunft, Heimat, Sicherheit sind für sie<br />

Worte ohne Bedeutung. Da geschieht ein<br />

für diese Zeit nicht alltägliches Wunder …<br />

LangenMüller<br />

www.langen-mueller-verlag.de<br />

Schon die Stimme klingt frisch und<br />

nach einer Brise Norddeutschland, als<br />

Dora Heldt in ihre helle, großzügige Wohnung<br />

bittet: Sie ist auf Sylt aufgewachsen<br />

und deutlich und gern von ihrer Heimatgegend<br />

geprägt. „Ich mag die Mentalität hier<br />

oben im Norden, die frische Luft, den<br />

Wind, die Weite, das Wasser“, sagt sie. Und<br />

hier in Norddeutschland, auf Sylt, Norderney<br />

oder wo auch immer sonst, aber unbedingt<br />

mit Seeblick, spielen ihre Romane.<br />

Nur in einem ist sie so gar nicht norddeutsch:<br />

Dora Heldt ist eine Schnell- und<br />

Vielsprecherin.<br />

Bücher haben für sie – oder für Bärbel<br />

Schmidt, wie sie eigentlich heißt – schon<br />

immer eine große Rolle gespielt. Dass sie<br />

aber einmal schreiben würde, hat sie sich<br />

lange nicht vorstellen können. Sie arbeitete<br />

als Buchhändlerin, und seit 1992 ist sie als<br />

Verlagsvertreterin tätig. Solange sie mit ihrem<br />

Mann in Cuxhaven lebte, ging das gut.<br />

Sie war zweimal im Jahr für mehrere Monate<br />

für ihre Verlage unterwegs. In den<br />

Zwischenzeiten arbeitete sie dienstags und<br />

donnerstags in einer Buchhandlung und<br />

spielte Handball.<br />

Zur Person<br />

Dora Heldt, 1961 auf Sylt geboren, ist gelernte<br />

Buchhändlerin und seit 1992 als Verlagsvertreterin<br />

unterwegs. Mit ihren unterhaltsamen Romanen<br />

hat sie sämtliche Bestsellerlisten erobert. „Urlaub<br />

mit Papa“ und „Tante Inge haut ab“ wurden<br />

für das ZDF verfilmt. Dora Heldt lebt in Hamburg.<br />

Doch vor etwa zehn Jahren, als sie um die<br />

40 war, wurde alles anders. Ihr Mann teilte<br />

ihr mit, dass er sie verlassen wollte – wegen<br />

ihrer besten Freundin. „Ich habe nicht lange<br />

diskutiert und bin nach Hamburg gezogen.“<br />

Hier kannte sie niemanden, beim<br />

Handball mit einer neuen Mannschaft zog<br />

sie sich einen Achillessehnenanriss zu, mit<br />

dem Sport war also erst mal Schluss, und es<br />

gab keine Buchhandlung, in der sie zweimal<br />

in der Woche arbeiten konnte. „Mein<br />

Leben war mit einem Mal zwischen den<br />

Verlagsreisen unstrukturiert und schon ein<br />

bisschen düster.“<br />

Dann aber traf sie den Literaturagenten<br />

Joachim Jessen. „Er schlug mir vor, einen<br />

32<br />

buchjournal 5/2011


Besuchen Sie uns auf der<br />

Frankfurter Buchmesse<br />

Buchjournal-Talk mit Dora Heldt<br />

Donnerstag, 13. Oktober, 13 Uhr<br />

Forum Hörbuch & Literatur, Halle 4.1<br />

Unterhaltungsroman für Frauen zu<br />

schreiben. Nicht wie Hera Lind für<br />

die jüngeren, sondern für meine Altersgruppe.<br />

Und er meinte: Warum nicht über<br />

das, was du gerade hinter dir hast – eine<br />

Scheidung?“<br />

Bärbel Schmidt legte los, mit einem klaren<br />

Plan: „Ich wollte mein Leben strukturieren.<br />

Ich wollte Spaß haben. Und ich wollte<br />

ein unterhaltsames Buch schreiben, wie ich<br />

es während meiner Trennungsgeschichte<br />

selbst gern gelesen hätte“, erzählt sie.<br />

So entstand „Ausgeliebt“, ihr erster Roman,<br />

den sie unter dem Namen Dora<br />

Heldt, dem Namen ihrer Großmutter, anbot<br />

und den vier große Verlage haben<br />

wollten. „Zum Glück war dtv dabei“, der<br />

Verlag, für den sie als Vertreterin arbeitete.<br />

Es folgte „Unzertrennlich“ und dann schon<br />

„Urlaub mit Papa“ sowie „Tante Inge haut<br />

ab“. Keine Romane mehr über eigene Erfahrungen,<br />

aber Geschichten mit Momenten<br />

und Figuren aus ihrem Leben: Die<br />

Geschwister, Papa, Tante Inge, sie alle gibt<br />

es tatsächlich und sie nehmen es gelassen<br />

hin, dass sie in den Romanen vorkommen.<br />

Dora Heldt hat mit ihnen großen Erfolg:<br />

Alle ihre Bücher sind auf den Bestsellerlisten,<br />

zwei sind verfilmt. „Aber mein Leben<br />

hat sich dadurch nicht verändert“, sagt sie.<br />

„Oder nur in einem Punkt: Ich habe jetzt viel<br />

mehr Arbeit.“ Ein wenig hat Bärbel Schmidt<br />

zwar ihre Verlagsvertretung eingeschränkt.<br />

Aber immer noch ist sie zweimal im Jahr<br />

unterwegs und <strong>schreibt</strong> in den Monaten dazwischen.<br />

„Ich brauche die Reisen, sonst<br />

würde ich mich ganz einigeln“, sagt sie bei<br />

Kaffee und selbst gebackenem Kuchen.<br />

Gibt es sonst wirklich keine Veränderungen<br />

– immerhin ist sie eine der erfolgreichsten<br />

<strong>deutschen</strong> Autorinnen geworden?<br />

„Nee, es ist ja aber auch nicht viel<br />

passiert. Ich habe doch nur ein paar Bücher<br />

geschrieben.“ Dass man auch großen Erfolg<br />

nicht hochkochen muss, scheint in die<br />

nord<strong>deutschen</strong> Gene eingeschrieben zu<br />

sein – und Familie und Freunde wachen darüber,<br />

dass das so bleibt.<br />

buchjournal 5/2011 33<br />

In den letzten zwei Jahren war Dora Heldt<br />

wieder sehr diszipliniert, hat Bücher verkauft<br />

und zwischendurch ein eigenes geschrieben:<br />

„Bei Hitze ist es wenigstens nicht<br />

kalt“. Wieder eine fiktive, unterhaltsame<br />

Geschichte und wieder eine mit Momenten<br />

aus dem eigenen Leben. Dieses Mal geht es<br />

um das Älterwerden und den 50. Geburtstag,<br />

der bei der Autorin im November ansteht.<br />

„Es ist der erste, der wirklich seltsam<br />

ist. 50 – das waren immer die Großmütter,<br />

auf jeden Fall immer die anderen. Ich fühle<br />

mich überhaupt nicht wie 50, aber ich bin es<br />

nun mal und mein Körper auch.“<br />

So schrieb sie eine Geschichte über ihre<br />

neue Heldin Doris, die den 50. Geburtstag<br />

als Demütigung empfindet, über beste<br />

Freundinnen, übergriffige Mütter und verloren<br />

gegangene Lebensträume. Statt großer<br />

Fete wünscht sich Doris ein Wochenende<br />

in einem Wellnesshotel mit ihren beiden<br />

ältesten Freundinnen, natürlich in<br />

einer nord<strong>deutschen</strong> Küstengegend – und<br />

zwischen Sauna, Friseur und Strandyoga<br />

kommt frische Luft in die Gedanken.<br />

Dora Heldt selbst hatte geplant, ihren<br />

Geburtstag ganz groß zu feiern. „Aber nur,<br />

wenn ich nach dem Schreiben <strong>des</strong> Romans,<br />

nach der intensiven Beschäftigung mit der<br />

50 noch Lust dazu haben würde.“ Und –<br />

wie sieht es nun aus? Alles ist gut gegangen:<br />

„Es wird eine richtig große Feier. Die<br />

Einladungskarten sind schon verschickt.“<br />

Schreiben ist für Bärbel Schmidt alias Dora<br />

Heldt keine Therapie. Aber ein gutes Mittel,<br />

um Abstand zu bekommen von allem,<br />

was eher schwierig ist. Und vor allem: um<br />

Spaß zu haben und Spaß zu machen. <br />

Lesezeichen<br />

j<br />

Dora Heldt: Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt.<br />

dtv, 340 S., 14,90 € (D) • 15,40 € (A) • 21,90 sFr.<br />

Dora Heldt: Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt.<br />

Gelesen von der Autorin. Jumbo, 1 CD, 14,99 € (D/ A) •<br />

21,90 sFr.<br />

Bücher,<br />

die unter die<br />

Haut gehen...<br />

15.90 €<br />

14.90 €<br />

16.95 €<br />

14.90 €<br />

OERTEL+SPÖRER<br />

Beutterstraße 10<br />

72764 Reutlingen<br />

Tel 0 71 21/302 552<br />

E-mail: info@oertel-spoerer.de<br />

www.oertel-spoerer.de


ROMANE_ZAMONIEN<br />

Die zamonische Stadt Buchhaim, gemeinhin auch als „Stadt der Träumenden Bücher“ bekannt, ist im neuen Roman von Walter<br />

Moers erneut das skurrile Pflaster für allerlei Abenteuer <strong>des</strong> Großschriftstellers Hildegunst von Mythenmetz. Sein Werk wird von<br />

Moers seit Jahren mit großem Erfolg aus dem Zamonischen übersetzt und illustriert. Im neuen Roman „Das Labyrinth der Träumenden<br />

Bücher“ finden sich diese Illustrationen. Sie zeigen, wie gefährlich Bücher – insbesondere für Leseratten – sein können!<br />

Lesen ist<br />

gefährlich!<br />

Das Skorpionbuch<br />

Der Name ist Programm: klein und giftig.<br />

Und je kleiner, <strong>des</strong>to giftiger.<br />

Sechs<br />

gefährliche Bücher<br />

aus dem<br />

Buchhaimer Labyrinth<br />

Leidener<br />

Männchen auf<br />

Tentakelbuch<br />

Tentakelbücher sind besonders<br />

gefährlich, wenn sie von Leidener<br />

Männlein gelenkt werden.<br />

Gefräßiges<br />

Buch<br />

Das<br />

Tentakelbuch<br />

Sieht so harmlos aus. Zieht vor<br />

allem Vielleser fest an sich und<br />

lässt nicht mehr los.<br />

Das<br />

Stachelbuch<br />

Liegt gern im Dunkeln vor dem<br />

Bett. Vorsicht beim Aufstehen!<br />

Lesezeichen<br />

Lauert gut getarnt in unaufgeräumten<br />

Bücherregalen.<br />

Man hüte sich vor dem<br />

Lesebändchen!<br />

j<br />

Das Bluttrinkerbuch<br />

Trinkt, wie der Name schon sagt, gern Blut.<br />

Manchmal bis zu sieben Liter. Am liebsten von<br />

Leseratten.<br />

Walter Moers: Das Labyrinth der Träumenden Bücher.<br />

Knaus, 600 S., 24,99 € (D) • 25,70 € (A) • 38,90 sFr.<br />

Walter Moers: Das Labyrinth der Träumenden Bücher.<br />

Der Hörverlag, 12 CDs, 39,99 € (D/ A) • 55,90 sFr.<br />

34<br />

buchjournal 5/2011


Vertrauen wächst<br />

aus gutem Grund<br />

Förderung nachhaltiger<br />

Waldwirtschaft<br />

www.pefc.de<br />

www.haba.de<br />

„ Kinder sind das Beste, was wir haben.<br />

Natur ist das Wertvollste, was wir ihnen<br />

schenken können: mit natürlichem<br />

Spielzeug aus heimischen Hölzern.“<br />

Erfinder für Kinder


BIOGRAFIE<br />

Er ist unser vitalster Klassiker<br />

und doch steckt sein hyperaktives<br />

Leben voller Rätsel:<br />

Biografen entschlüsseln das<br />

Leben <strong>des</strong> sprachgewaltigen<br />

Dichters Heinrich von Kleist.<br />

Ein<br />

Leben als<br />

Labyrinth<br />

TEXT: WOLFGANG SCHNEIDER<br />

A<br />

ufsatz, den sichern Weg <strong>des</strong> Glücks zu<br />

finden, und ungestört, auch unter<br />

den größten Drangsalen <strong>des</strong> Lebens, ihn zu<br />

genießen!“ lautet der zuversichtliche Titel<br />

einer frühen Schrift Heinrich von Kleists.<br />

Weil er das Gesuchte nicht fand und zu der<br />

Überzeugung kam, dass ihm auf Erden nicht<br />

zu helfen sei, erschoss er sich und die Freundin<br />

Henriette Vogel am Kleinen Wannsee.<br />

Kleist ist unser vitalster Klassiker, gerade<br />

weil er kein „Klassiker“ war. Zu Lebzeiten<br />

verkannt, wurde er zum Idol der Moderne<br />

– seine katastrophischen Novellen waren<br />

das Gegenmodell zu den gemächlichen Bildungsromanen<br />

<strong>des</strong> 19. Jahrhunderts, seine<br />

martialische „Penthesilea“ die Alternative<br />

zur humanen „Iphigenie“ Goethes. Daran<br />

hat sich seitdem nichts geändert. Über keinen<br />

anderen Autor der Schwellenzeit um<br />

1800 werden heute mehr Biografien geschrieben.<br />

Erst vor vier Jahren erschienen<br />

umfangreiche Lebensdarstellungen von<br />

Gerhard Schulz und Jens Bisky („Kleist“,<br />

Rowohlt Berlin); jetzt kommen anspruchsvolle<br />

Biografien hinzu.<br />

Dabei war Kleists Leben so kurz wie die<br />

Überlieferung spärlich: Was man über ihn<br />

sicher wissen kann, weiß man seit Langem.<br />

Die ergiebigste Quelle sind seine brieflichen<br />

Selbstauskünfte; Briefe an ihn sind<br />

kaum erhalten. Kleist wechselte Orte wie<br />

das Hemd und verzichtete darauf, sein Le-<br />

© ullstein bild – Lieberenz<br />

ben zu archivieren. Am besten dokumentiert<br />

sind seine letzten Stunden: Über die<br />

ungeheuer gute Laune der beiden Sterbelus<br />

tigen, die sich trotz Novemberkühle einen<br />

Tisch ans Seeufer stellen ließen und<br />

dort ihren finalen Kaffee tranken, nachdem<br />

sie während der Nacht einen Stapel aufgekratzter<br />

Abschiedsbriefe verfasst hatten,<br />

weiß man dank der polizeilichen Aussageprotokolle<br />

genau Bescheid.<br />

Ansonsten ist Kleists hyperaktives Leben<br />

(1777 – 1811) voller Rätsel: frühe Kriegserfahrungen,<br />

der plötzliche Abschied von der<br />

aussichtsreichen Offizierslaufbahn, kuriose<br />

Lebenspläne, die Hinwendung zur<br />

Wissenschaft, immer neue Aufbrüche und<br />

Reisen. Dieses Leben ist ein Labyrinth,<br />

durch das immer neue Bücher den roten<br />

Faden zu ziehen versuchen.<br />

Kleist schrieb nicht autobiografisch.<br />

Eine gute Biografie muss sich trotzdem mit<br />

den eruptiv herausgeschleuderten Dramen<br />

und Novellen beschäftigen, die schließlich<br />

der Grund aller Kleist-Faszination sind,<br />

ohne dass jedoch die Werke aus dem Leben<br />

»Kleists Leben<br />

war so kurz wie<br />

die Überlieferung<br />

spärlich«<br />

„Helft Freunde, helft! Ich bin verrückt“:<br />

Szenenfoto aus Kleists „Prinz Friedrich von<br />

Homburg“ am Deutschen Theater Berlin, 2009<br />

zu erklären wären oder das Leben aus den<br />

Werken. Ein Balanceakt, der Günter Blamberger<br />

am überzeugendsten gelingt. Seit 15<br />

Jahren Präsident der Kleist-Gesellschaft,<br />

kennt sich der Germanist unübertrefflich<br />

aus in der Kleist-Welt. Seine Biografie<br />

schildert Kleist als unermüdlichen Projektemacher<br />

und existenziellen Experimentator;<br />

sie vermittelt soli<strong>des</strong>te Kenntnisse<br />

und ist zugleich geprägt von einer<br />

nahezu Kleist’schen Widerspruchslust.<br />

Etablierte Meinungen werden immer wieder<br />

als Vorurteile vorgeführt. Wo sich ein<br />

Konsens gebildet hat, etwa über Kleists<br />

vermeintlich lieblose und oberlehrerhafte<br />

Behandlung der Verlobten Wilhelmine von<br />

Zenge, geht er dazwischen. Blambergers<br />

brillante Werk-Analysen bieten viele Deutungspointen.<br />

Gute Kleist-Vorkenntnisse<br />

sind allerdings erforderlich.<br />

Zu Kleist hinführen kann eher Peter<br />

Michalziks Biografie. Ihr Duktus ist erzählerischer,<br />

anschaulicher, nicht so akademisch,<br />

auch wenn der Verfasser viel Detailwissen<br />

beizusteuern hat – weniger hinsichtlich<br />

der literarischen Finessen und<br />

ihrer literaturwissenschaftlichen Hintergründe<br />

als in Fragen <strong>des</strong> preußischen Militärs,<br />

das Kleists soldatischen Habitus<br />

prägte. Krieg, Kampf und exzessive Gewalt<br />

bestimmen die meisten seiner Werke, das<br />

kommt nicht von ungefähr. Michalzik rekonstruiert<br />

die frühen Garnisons- und<br />

36<br />

buchjournal 5/2011


Kriegserfahrungen Kleists, indem er historische<br />

Quellen und Berichte anderer Soldaten<br />

heranzieht: So könnte es gewesen sein.<br />

Noch mehr versucht die italienische Germanistin<br />

Anna Maria Carpi aus der Quellennot<br />

eine Erzähltugend zu machen. Sie<br />

dialogisiert die Briefe und vorhandenen<br />

Zeugnisse, inszeniert Stimmen und Sehnsüchte<br />

und <strong>schreibt</strong> so den Roman <strong>des</strong><br />

Kleist-Lebens, konsequent im erlebnisunmittelbaren<br />

Präsens.<br />

Ganz oben sollte jedoch die Lektüre von<br />

Kleists Werken stehen. Bestens geeignet<br />

dafür ist die neue Münchner Ausgabe<br />

sämtlicher Werke und Briefe, erschienen<br />

im Hanser Verlag. Sie basiert auf Stroemfelds<br />

historisch-kritischer Ausgabe von Peter<br />

Staengle – und von Roland Reuß, <strong>des</strong>sen<br />

Kleist-Essays nun ebenfalls bei Stroemfeld<br />

in dem Band „Im Freien?“ erschienen sind.<br />

Ein populäres Vergnügen sind die Anekdoten,<br />

die Kleist in den „Berliner Abendblättern“<br />

publizierte. Sie simulieren das<br />

mündliche Erzählen und eignen sich <strong>des</strong>halb<br />

wunderbar fürs Hörbuch. Otto Sander<br />

liest eine Auswahl von Anekdoten, Briefen<br />

Lesezeichen<br />

KLEIST<br />

Insel<br />

Ein<br />

Leben<br />

von<br />

Anna<br />

Maria<br />

Carpi<br />

wartsliteratur guttut. Kleists Werke richten<br />

sich gegen die „gegenwärtigste aller<br />

Todsünden“: die „Coolness, die Trägheit<br />

<strong>des</strong> Herzens und <strong>des</strong> Kopfes“, so Blamberger.<br />

Gerade in dieser Unzeitgemäßheit besteht<br />

ihre Aktualität.<br />

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1. Günter Blamberger: Heinrich von Kleist. S. Fischer, 608 S., 24,95 € (D) • 25,70 € (A) • 35,50 sFr.<br />

2. Anna Maria Carpi: Kleist. Ein Leben. Übersetzt von Ragna Maria Gschwend. Insel, 477 S., 24,90 € (D) •<br />

25,60 € (A) • 35,50 sFr.<br />

3. Peter Michalzik: Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher. Propyläen, 576 S., 24,99 € (D) • 25,70 € (A) • 34,90 sFr.<br />

4. Gerhard Schulz: Kleist. C. H. Beck, 608 S., 18,– € (D) • 18,50 € (A) • 27,90 sFr.<br />

5. Heinrich von Kleist: Novellen. Gelesen von Rolf Boysen. Der Hörverlag, 14 CDs, 49,99 € (D/ A) • 75,50 sFr.<br />

6. Heinrich von Kleist: Weg <strong>des</strong> Glücks. Gelesen von Otto Sander. Audiobuch Verlag, 2 CDs, 19,95 € (D) •<br />

20,20 € (A) • 29,90 sFr.<br />

und Aufsätzen mit knarrig-knurrigem Offizierston.<br />

Der Ausdruckskünstler Rolf<br />

Boysen bietet darüber hinaus fast die komplette<br />

Prosa Kleists auf 14 CDs dar – kantiger<br />

Singsang und ein Pathos, wie es im<br />

Kontrast zur oft gefühlsdürren Gegenj<br />

j<br />

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IRRWITZIGE GEGENWELT<br />

Alles bunt, oder was?<br />

Es steht alles in dem<br />

Regelbuch, das „der<br />

große Munsell“ vor<br />

vielen Jahren geschrieben<br />

hat: „Eine<br />

krumme Haltung wird<br />

unter keinen Umständen<br />

toleriert.“ Oder: „Mit überhöhter Geschwindigkeit<br />

rückwärts Einrad fahren ist verboten.“<br />

Fast alle Bewohner richten sich nach den Regeln,<br />

die auch bestimmen, wer über wem steht.<br />

Nicht Einkommen, Bildung oder Aussehen bestimmen<br />

den Stand, sondern ganz allein die<br />

Fähigkeit, Farben erkennen zu können. Die<br />

„Grauen“ sind farbenblind, über ihnen stehen<br />

die „Roten“, „Gelben“ und „Blauen“. Jasper<br />

Fforde, britischer Autor mit walisischen Wurzeln,<br />

hat diese irrwitzige Gegenwelt geschaffen,<br />

in der er eine farbenprächtige Liebesgeschichte<br />

zwischen Eddie, einem „Roten“, und<br />

Jane, einer „Grauen“, entwickelt. Oliver Rohrbeck<br />

liest das mit jugendlicher Frische und passenderweise<br />

ohne jede Exaltiertheit. Ganz wunderbar<br />

ist die Erfahrung nach dem Hören: Man<br />

nimmt Farben anders wahr.<br />

rma<br />

^ Jasper Fforde: „Grau. Ein Eddie-Russett-Roman“.<br />

Gelesen von Oliver Rohrbeck. Eichborn, 8 CDs,<br />

24,95 € (D) • 25,20 € (A) • 36,90 sFr.<br />

In seinem wunderbaren Buch „Eine kurze<br />

Geschichte von fast allem“ hat uns der Wissenschaftsautor<br />

Bill Bryson auf eine unterhaltsame<br />

Reise durch Raum und Zeit mitgenommen.<br />

In seinem neuen Werk führt die<br />

Reise nicht ganz so weit: Bryson zeigt uns<br />

die verschiedenen Zimmer seines Hauses.<br />

Es geht durch Küche, Schlafzimmer, Ankleideraum,<br />

Keller und Dachboden. Dabei stößt<br />

er auf die Geschichte <strong>des</strong> Essens, Schlafens,<br />

Sexes und der Hygiene und macht auch vor<br />

Wanzen und Skorbut nicht Halt – und erstaunlicherweise<br />

ist das wieder eine weite,<br />

kuriose und sehr abenteuerliche Reise.<br />

Denn Bryson nimmt uns mit ins Mittelalter,<br />

in die Römerzeit und ins England <strong>des</strong><br />

19. Jahrhunderts. Sein besonderes Augenmerk<br />

gilt Kleinigkeiten wie Seilen, Kühlschränken<br />

und Mausefallen. Mit echter Forscherbegeisterung<br />

erklärt er, warum die<br />

Dinge so sind, wie sie sind. Schön, dass die<br />

deutsche Hörbuchfassung von Rufus Beck<br />

gesprochen wird. Der kann wunderbar staunen,<br />

und sein Sprachduktus ist immer ganz<br />

fern jeder pädagogischen Bemühtheit. Es<br />

ist geradezu ein Heimspiel.<br />

rma<br />

^ Bill Bryson: „Eine kurze Geschichte der alltäglichen<br />

Dinge“. Übersetzt von Sigrid Ruschmeier.<br />

Gelesen von Rufus Beck. Der Hörverlag, 6 CDs,<br />

24,99 € (D / A) • 36,90 sFr.<br />

Ehrliche Lautsprecher<br />

38<br />

buchjournal 5/2011


DER ETWAS ANDERE GEBURTSTAG<br />

Alter Schwede!<br />

Der Held eines Schelmenromans muss kein<br />

Jüngling sein. Bei Jonas Jonasson ist er 100 Jahre<br />

alt. Ausgerechnet an diesem runden Geburtstag<br />

entschließt sich Allan Karlsson auszusteigen<br />

– erst mal aus dem Fenster seines Zimmers<br />

im Altenheim. Am Busbahnhof gerät er in<br />

den Besitz eines Koffers, der sehr viel Geld enthält.<br />

Allan findet ein paar neue Freunde, erledigt<br />

ein paar Kriminelle. Und irgendwann ist er<br />

mit einem 70-Jährigen, einer schönen Frau,<br />

einem Mann, der so gut wie alles studiert hat,<br />

und einem Elefanten in einem Bus unterwegs.<br />

Jonas Jonassons kurioser Roman, in dem auch<br />

noch Franco, Stalin, Kim Il-sung, Mao Tse-tung<br />

sowie mehrere amerikanische Präsidenten und<br />

Albert Einstein auftreten, war in Schweden ein<br />

großer Erfolg. Die deutsche Fassung liest Otto<br />

Sander. Seine sonore Stimme strahlt Ruhe und<br />

Sicherheit aus – und das ist genau das, was man<br />

für diesen wunderbar verrückten Roman<br />

braucht.<br />

rma<br />

^ Jonas Jonasson:<br />

„Der Hundertjährige,<br />

der aus dem Fenster<br />

stieg …“. Gelesen von<br />

Otto Sander. Der Hörverlag,<br />

6 CDs, 19,99 €<br />

(D / A) • 29,90 sFr.<br />

ERNEUT ENTDECKT<br />

Widerstand gegen die Nazis<br />

Der erstaunlichste Bestseller <strong>des</strong> Jahres ist „Jeder<br />

stirbt für sich allein“, Hans Falladas Widerstandsgeschichte<br />

aus dem Zweiten Weltkrieg.<br />

Seitdem die Übersetzung in England und den<br />

Vereinigten Staaten eine enorme Durchschlagskraft<br />

entwickelte, blickt man auch hierzulande<br />

mit anderen Augen auf Fallada, der lange mit<br />

dem Ruf als bloßer Unterhaltungsautor zu<br />

kämpfen hatte. Der Roman wird gelesen von<br />

Ulrich Noethen, der seit der Komplettdarbietung<br />

von „Krieg und Frieden“ zum Sonderbeauftragten<br />

für historisch bedeutsame Epik wurde:<br />

maskulines Timbre und eine Lakonie, die durch<br />

minimale Modulationen zugleich ein großes<br />

Ausdrucksspektrum entwickelt.<br />

wos<br />

^ Hans Fallada:<br />

„Jeder stirbt für sich<br />

allein“. Gelesen von<br />

Ulrich Noethen.<br />

Osterwoldaudio,<br />

8 CDs, 29,99 € (D / A) •<br />

42,50 sFr.<br />

buchjournal 5/2011 39<br />

DER AUTOR ALS VORLESER<br />

Wogende Satzmelodien<br />

Viele Autoren betrachten<br />

das Vorlesen als<br />

Pflichtübung. Martin<br />

Walser dagegen ist mit<br />

seinen Büchern immer<br />

gern auf Tournee gegangen.<br />

Stummes Lesen<br />

hat er einmal als „Singen mit geschlossenem<br />

Mund“ bezeichnet. Walser schmeckt seine Werke<br />

mündlich ab, und sein libidinöses Verhältnis zur<br />

Sprache macht sich geltend in den Hörbuchfassungen,<br />

die er regelmäßig selbst einliest. Lust der<br />

Formulierung, Geschmack der Worte, Hochgefühl<br />

durch Ausdruck – das alles überträgt sich auch bei<br />

„Muttersohn“, seinem neuen Roman in fünf Romanen,<br />

einer innig weitschweifigen Erkundung<br />

von Glaube, Liebe, Hoffnung im Wirkungskreis <strong>des</strong><br />

messianischen Krankenpflegers Anton Percy<br />

Schlugen. Da wogen die Satzmelodien, da rollt<br />

das „r“ bedeutungsvoll, da wird das Alterswerk zur<br />

freundlichen Predigt. „Ich sprech’ so gern in dein<br />

Ohr“, sagt Percy. Sagt Walser – zum Hörer. wos<br />

^ Martin Walser: „Muttersohn“. Gelesen vom<br />

Autor. Argon, 8 CDs, 29,95 € (D) • 30,80 € (A) •<br />

42,50 sFr.<br />

GESCHICHTE EINER GEFANGENSCHAFT<br />

Innensicht<br />

Raum ist eine Art<br />

Kumpel. Raum ist immer<br />

da. Jack kennt<br />

nichts anderes, denn<br />

der Junge ist in Gefangenschaft<br />

aufgewachsen.<br />

Seine Mutter<br />

wurde entführt<br />

und Old Nick, der abends kommt, das Essen<br />

bringt und die Mutter schlägt, hat sie eingekerkert<br />

– in diesem knapp vier mal vier Meter<br />

großen Raum mit Fernsehgerät, Küchentisch,<br />

Schrank, Bett und Zimmerpflanze. An seinem<br />

fünften Geburtstag aber muss Jack erkennen,<br />

dass es da draußen noch eine andere Welt gibt.<br />

Inspiriert von den Fällen Kampusch und Fritzl<br />

be<strong>schreibt</strong> Emma Donoghue ein Leben in der<br />

Zelle aus der Perspektive eines Fünfjährigen.<br />

Matthias Brandt liest das mit einer gewissen<br />

Nachdenklichkeit und Trauer in der Stimme. Er<br />

lässt sich sehr ein auf diese atemberaubende<br />

Geschichte. Und das macht man beim Hören<br />

auch.<br />

rma<br />

^ Emma Donoghue: „Raum“. Übersetzt von Armin<br />

Gontermann. Gelesen von Matthias Brandt. Osterwoldaudio,<br />

5 CDs, 19,99 € (D / A) • 30,50 sFr.<br />

4<br />

OSCAR<br />

r<br />

NOMINIERUNGEN<br />

BESTER FILM BESTE HAUPTDARSTELLERIN<br />

BESTER NEBENDARSTELLER BESTES DREHBUCH<br />

Ein Kinojuwel.<br />

Grandios!<br />

Cinema<br />

Ein Thriller voller<br />

archaischer Wucht.<br />

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HÖRBUCH_PORTRÄT<br />

Theaterskandale, Filmpreise, Kommissarin im „Tatort“: Eva Mattes gehört zu den Großen ihres Fachs<br />

– auch als Hörbuchsprecherin. In einem packenden Erinnerungsbuch erzählt sie nun von ihrem Leben.<br />

Audienz bei der „stillen Königin“<br />

TEXT: ECKART BAIER<br />

Wie wär’s denn mal, die Diva zu geben,<br />

Frau Mattes? Die 56-Jährige<br />

macht große Augen und schaut, als hätte<br />

man ihr einen unanständigen Antrag gemacht.<br />

„Nein, so was hat mich nie interessiert.<br />

Ich wollte immer nur arbeiten.“ Deshalb,<br />

meint sie und nippt an einem Glas<br />

Mineralwasser, sei ihr der Ruhm auch nie<br />

zu Kopf gestiegen.<br />

Nicht, als sie mit 16 Jahren in Michael<br />

Verhoevens Antikriegsfilm „o.k.“ für den<br />

größten Skandal in der Geschichte der Berliner<br />

Filmfestspiele sorgte, und auch nicht<br />

zwei Jahre später, als ihr Ivan Nagel, der Intendant<br />

<strong>des</strong> Hamburger Schauspielhauses,<br />

jede Rolle geben wollte. „Etwas Großartigeres<br />

kann einem in dem Alter gar nicht<br />

passieren.“ Auch sonst ist viel passiert in<br />

ihrem Leben, so viel, dass sie immer wieder<br />

von Verlagen bekniet wurde, ihre Erlebnisse<br />

und Begegnungen doch aufzuschreiben.<br />

„Das habe ich immer abgelehnt.“<br />

Während eines Türkei-Urlaubs vor sechs<br />

Jahren begann sie jedoch, Tagebuch zu<br />

schreiben. „Das erste Mal in meinem Leben<br />

– und es hat mir großen Spaß gemacht.“<br />

Zwei Jahre später machte Ullstein-Verlegerin<br />

Siv Bublitz dann einen neuen Vorstoß in<br />

Sachen Buchprojekt. Nach kurzer Bedenkzeit<br />

sagte Mattes zu. Mitte September sind<br />

nun ihre Erinnerungen unter dem Titel<br />

„Wir können nicht alle wie Berta sein“ erschienen<br />

– Eva Mattes’ Lieblingszitat aus<br />

Ibsens „Wild ente“.<br />

Es versteht sich von selbst, dass Eva<br />

Mattes, die Sprechkünstlerin, die von der<br />

„FAZ“ als „die stille Königin unter den<br />

<strong>deutschen</strong> Vorleserinnen“ bezeichnet wurde,<br />

ihre Erinnerungen für die Hörbuch-<br />

Fassung selbst liest. Dafür sitzt sie nun in<br />

den Räumen eines Tonstudios in Berlin. Es<br />

ist spät am Nachmittag und nach einer<br />

Stunde Pause soll es weitergehen. Sie, die<br />

Temperamentvolle, die auf der Bühne wie<br />

ein Kraftwerk wirken kann, sitzt gelassen<br />

und entspannt da, sichtlich zufrieden mit<br />

dem, was sie auf mehr als 400 Seiten zu Papier<br />

gebracht hat. Und zu früh, nein, zu<br />

früh kämen ihre Erinnerungen auch nicht.<br />

„Schließlich stehe ich schon seit fast 45<br />

Jahren auf der Bühne“, sagt sie, lacht und<br />

schüttelt fast ungläubig den Kopf. „Ich<br />

wollte nie etwas anderes werden als Schauspielerin,<br />

das war irgendwie ganz tief in<br />

mir drin.“ Was auch in der Familie liegt: Ihr<br />

Vater Willy Mattes war Filmkomponist,<br />

ihre Mutter Margit Symo stand mit Größen<br />

wie Heinrich George und Emil Jannings auf<br />

der Bühne und vor der Kamera.<br />

Die Mutter war es auch, die Eva 1967 als<br />

Zwölfjährige zu ihrer ersten Rolle in Curt<br />

Goetz’ Stück „Dr. med. Hiob Prätorius“ ans<br />

Münchner Theater brachte. Die wenigsten<br />

der heute 40- bis 50-Jährigen wissen allerdings,<br />

dass Eva Mattes sie durch ihre ge-<br />

© Suse Walczak / laif<br />

Atem holen:<br />

Ruhepausen gönnt sich<br />

die viel beschäftigte<br />

Eva Mattes selten<br />

40 buchjournal 5/2011


© picture–alliance / dpa<br />

Zur Person<br />

Eva Mattes, geboren 1954, hat seit 1966 in etwa 200 Kino- und Fernsehfilmen und in<br />

Theaterinszenierungen gespielt und wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen<br />

geehrt. Ihre beiden Kinder Hanna und Josef sind ebenfalls Schau spieler.<br />

Eva Mattes lebt mit dem österreich ischen Künstler Wolfgang Georgsdorf in Berlin.<br />

EMPFEHLENSWERTE<br />

CD-NEUHEITEN<br />

BEI SONY CLASSICAL<br />

samte Kindheit begleitet hat: In 250 Folgen<br />

der US-Fernsehserie „Lassie“ lieh sie Timmy<br />

seine deutsche Stimme. Und sie synchronisierte<br />

Inger Nilsson als Pippi Langstrumpf<br />

in der 21-teiligen Fernsehserie.<br />

Noch heute muss Eva Mattes grinsen,<br />

wenn sie die Filme zu sehen bekommt. „Ich<br />

erkenne meine Stimme sofort am Sprachfehler<br />

wieder.“ Ihr rechter Mundwinkel<br />

zuckte damals bei jedem „Sch“-Laut deutlich<br />

– und un überhörbar – nach rechts. Das<br />

Handicap, das durch Sprachtraining später<br />

verschwand, hinderte das Naturtalent, das<br />

nie eine Schauspielschule besucht hatte, jedoch<br />

nicht an einer steilen Karriere. Regisseure<br />

wie Michael Verhoeven, Peter Zadek,<br />

Werner Herzog oder Rainer Werner Fassbinder<br />

schätzten ihre Art <strong>des</strong> unmittelbaren<br />

Spiels, den Reiz ihres breiten, exotisch anmutenden<br />

Gesichts. „Ich war der richtige<br />

Typ zur richtigen Zeit“, meint sie lapidar.<br />

Mit 16 erhielt Eva Mattes für ihre Rollen<br />

in „o.k.“ und „Matthias Kneißl“ den Bun<strong>des</strong>filmpreis<br />

in Gold, mit 17 spielte sie in<br />

Fassbinders skandalumwitterter Verfilmung<br />

<strong>des</strong> Kroetz-Stücks „Wildwechsel“ die<br />

Hauptrolle. Die 70er und 80er Jahre waren<br />

Eva Mattes’ wild bewegte Zeiten. Sie scheute<br />

keine Herausforderung, ging schwierigen,<br />

provozierenden Rollen nie aus dem<br />

Weg. „Deshalb bin ich ja Schauspielerin geworden,<br />

um gefordert zu sein und an meine<br />

Grenzen oder darüber hinaus zu gehen.“<br />

Einer, an dem sie sich rieb, den sie bewunderte,<br />

mit dem sie kämpfte und der ihr<br />

Grenzen aufzeigte, war Peter Zadek. Ihm<br />

habe sie, <strong>schreibt</strong> sie in ihrem Buch, unglaublich<br />

viel zu verdanken. Viele ihrer gemeinsamen<br />

Arbeiten – etwa der „Othello“<br />

von 1976 – gingen in die Theatergeschichte<br />

ein. Ein anderer, der tiefe Spuren hinterlassen<br />

hat, ist Werner Herzog. Ihn liebte sie,<br />

er ist der Vater ihrer heute 30 Jahre alten<br />

Tochter Hanna. Und in seiner „Woyzeck“-<br />

Verfilmung spielte sie die Rolle der Marie,<br />

für die sie 1979 in Cannes die Goldene Palme<br />

als Beste Nebendarstellerin erhielt. Um<br />

ihre Karriere musste Eva Mattes nie kämpfen<br />

– sie konnte sich ihre Rollen stets aussuchen.<br />

„Bequem gemacht habe ich es mir<br />

<strong>des</strong>wegen nicht.“<br />

Auch nicht als Klara Blum, die Kommissarin<br />

vom Bodensee, die burschikos und<br />

verletzlich Verbrecher jagt, doch an das<br />

Gute im Menschen glaubt. „Als damals das<br />

Angebot für den ‚Tatort‘ kam, musste ich<br />

schon überlegen. Man landet schnell in einer<br />

Schublade.“ Doch Freunde und Kollegen,<br />

die sie fragte, rieten ihr zu. „Ich habe<br />

es bis heute nicht bereut.“ Ans Aufhören<br />

denkt sie noch nicht. „Nicht, solange ich<br />

noch Lust an der Rolle habe und es die<br />

Drehbücher hergeben“, sagt sie und blickt<br />

auf die Uhr. Es ist Zeit, weiterzulesen an ihren<br />

Erinnerungen. Die Zeit drängt.<br />

Die Rastlose eilt von Termin zu Termin,<br />

nächste Woche Auftritte mit ihrem Lyrikund<br />

Chanson-Projekt „Und über uns der<br />

Himmel“, dann der nächste Film, das<br />

nächste Theaterstück, das nächste Hörbuch.<br />

„Es ist ein kreativer Motor in mir<br />

drin, der mich auf die Bühne treibt“, sagt<br />

Eva Mattes. Seit 45 Jahren steht sie vor<br />

dem Publikum, sie sucht die Herausforderung,<br />

den Applaus, die Befriedigung nach<br />

einem gelungenen Auftritt. Und doch<br />

plagt sie immer noch Lampenfieber. „Nur<br />

wenn das da ist, kann ich auch mein Bestes<br />

geben.“<br />

<br />

Lesezeichen<br />

j<br />

Eva Mattes: „Wir können nicht alle wie Berta sein“.<br />

Ullstein, 320 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 27,90 sFr.<br />

Eva Mattes: „Wir können nicht alle wie Berta sein“.<br />

Gelesen von der Autorin. HörbucHHamburg,<br />

24,99 € (D/ A) • 36,70 sFr.<br />

Limitierte<br />

Deluxe-<br />

Edition<br />

VITTORIO GRIGOLO ARRIVEDERCI<br />

Die MET, die Mailänder Scala, das Royal<br />

Opera House London, wo immer der<br />

italienische Tenor auftritt, jubeln Presse<br />

und Publikum. Auf seiner neuen CD beweist<br />

er seine Sonderklasse – mit Arien und<br />

italienischen Evergreens.<br />

MARTIN STADTFELD<br />

BACH: KLAVIERKONZERTE<br />

Martin Stadtfeld ist Deutschlands<br />

erfolgreichster junger Pianist. Zusammen<br />

mit den Münchner Philharmonikern spielt<br />

er beschwingte Klavierkonzerte von Bach.<br />

SOL GABETTA IL PROGETTO VIVALDI 2<br />

„Wenn sie spielt, geht die Sonne auf“:<br />

Star-Cellistin Sol Gabetta präsentiert mit<br />

ihrem Barockensemble wunderschöne<br />

Cello-Konzerte von Antonio Vivaldi.<br />

buchjournal 5/2011 41<br />

WWW.SONYMUSICCLASSICAL.DE


Mediathek<br />

CD-TIPPS<br />

LISZT<br />

Heldische<br />

Pianokünste<br />

Für den Pianisten<br />

Lang Lang ist Franz<br />

Liszt sein „Klavierheld“<br />

– und <strong>des</strong>sen<br />

Virtuosenstücke wie<br />

gemacht für den<br />

Supertechniker aus<br />

China. (Sony<br />

Classical)<br />

AUS BÖHMEN<br />

Musikantisch<br />

Dirigent Sylvain<br />

Cambreling vereint,<br />

was selten zusammen<br />

zu hören ist:<br />

Janáceks „Sinfonietta“<br />

und Dvoráks musikantische<br />

Symphonie<br />

„Aus der<br />

neuen Welt“. (Glor)<br />

FÜR ANFÄNGER<br />

Klassik light<br />

Sie können bei den<br />

Klassik-Ohrwürmern<br />

mitsummen,<br />

wissen aber nie, wer<br />

diese komponiert<br />

hat? Dann greifen<br />

Sie zu bei der dritten<br />

Folge dieser Reihe.<br />

(RCA Red Seal)<br />

FILM UND BUCH: „ZWEI AN EINEM TAG“<br />

Geschichte der verpassten Chancen<br />

Die Geschichte von Emma und Dexter hat schon als Roman<br />

süchtig gemacht. David Nicholls’ „Zwei an einem Tag“ ist<br />

komisch und ergreifend, unterhaltsam und melancholisch.<br />

Eine Geschichte, die unter die Haut geht, weil sie von den<br />

ungenutzten Möglichkeiten und verpassten Chancen <strong>des</strong><br />

Lebens erzählt und jeder Leser sich irgendwo darin wiederfindet.<br />

Die Verfilmung <strong>des</strong> Buchs haben die Fans herbeigesehnt<br />

und Anfang November ist es nun so weit. Die Story<br />

funktioniert auch auf der Leinwand. Anne Hathaway gibt<br />

das zunächst brillentragende, schüchterne Mauerblümchen<br />

Emma, Jim Sturgess den gut aussehenden Womanizer Dexter,<br />

dem die Herzen nur so zufliegen. Das eigentlich unmögliche<br />

Duo läuft sich am 15. Juli 1988 bei der Examensfeier<br />

an der Uni das erste Mal über den Weg. Die beiden<br />

DVD-TIPPS<br />

Brutale Welt<br />

Die 16-jährige Ree lebt mit ihrer psychisch<br />

kranken Mutter und ihren beiden<br />

jüngeren Geschwistern in den kargen<br />

Gebirgswäldern <strong>des</strong> südlichen Missouri.<br />

Ihr Vater, ein Drogendealer, ist<br />

untergetaucht, um einem Prozess zu<br />

entgehen, doch sollte er sich nicht binnen<br />

einer Woche stellen, wird das Haus<br />

gepfändet. Ree macht sich auf die<br />

Suche. „Winter’s Bone“ nach dem<br />

Roman von Daniel Woodrell ist ein<br />

wunderbarer, vielfach preisgekrönter<br />

Film, der eine archaische,<br />

brutale Welt<br />

schildert, in der allein<br />

Ree um Liebe,<br />

Würde und Gerechtigkeit<br />

kämpft.<br />

(Ascot Elite)<br />

Ganz nah und doch kein Paar: Emma und Dexter in „Zwei an einem Tag“<br />

Oper als großes Kino<br />

Wald und Hörnerklang,<br />

Freikugeln<br />

und ein Pakt mit<br />

dem Teufel – Carl<br />

Maria von Webers<br />

„Freischütz“ gilt<br />

als Inbegriff der romantischen<br />

Oper. Düster und fantastisch<br />

geht es zu und doch volkstümlich<br />

und voll prallem Leben – die Oper ist<br />

der ideale Stoff für einen opulenten<br />

Film. Regisseur Jens Neubert hat sich<br />

darangewagt und bekam für seine<br />

Kinoversion 2010 rauschenden Beifall.<br />

Das London Symphony Orchestra und<br />

großartige Solisten wie Franz Grundheber,<br />

Juliane Banse und Olaf Bär sorgen<br />

für einen Musikgenuss der Extraklasse.<br />

(Constantin Film)<br />

verbringen eine Nacht miteinander – allerdings nur mit guten<br />

Gesprächen und dem Gefühl, dass sie sich, trotz aller<br />

Gegensätzlichkeiten, sympathisch sind. Noch ahnen sie<br />

nicht, dass sie sich nie wieder aus den Augen verlieren<br />

werden, mehr noch: Wie ein unsichtbarer Magnet ziehen<br />

sich die beiden an – ohne zueinanderzufinden. Der geniale<br />

Kniff der Story: Der Film verfolgt wie das Buch den Lebensweg<br />

der beiden Protagonisten in den nächsten 20 Jahren,<br />

und zwar stets exakt am 15. Juli.<br />

bai<br />

^ „Zwei an einem Tag“. Filmstart: 3. November<br />

David Nicholls: „Zwei an einem Tag“. Übersetzt von Simone<br />

Jakob. Kein & Aber, 832 S., 16,90 € (D) • 17,4o € (A) •<br />

24,90 sFr., als Taschenbuchausgabe bei Heyne, 544 S.,<br />

9,99 € (D) • 10,3o € (A) • 16,90 sFr.<br />

Liebschaften in Paris<br />

© 2011 Universal Pictures<br />

Die meisten werden Choderlos de<br />

Laclos’ Briefroman „Gefährliche Liebschaften“<br />

durch die Oscar-prämierte<br />

Verfilmung mit Michelle Pfeiffer und<br />

John Malkovich aus dem Jahr 1988<br />

kennen. Dabei wurde die Vorlage, die<br />

beim Erscheinen 1782 einen Skandal in<br />

Frankreich auslöste, schon knapp 30<br />

Jahre zuvor für die Leinwand adaptiert.<br />

Regisseur Roger Vadim verlegte die<br />

Handlung ins Paris der 50er Jahre mit<br />

seinen eleganten Partys und Nachtclubs.<br />

In den Hauptrollen<br />

zu sehen sind<br />

Jeanne Moreau und<br />

Gérard Philippe, der<br />

noch im selben Jahr<br />

an Krebs starb.<br />

(Concorde Video)<br />

42<br />

buchjournal 5/2011


CD-TIPPS<br />

BERLIN<br />

Sound der<br />

Hauptstadt<br />

Wie klingt Berlin?<br />

Vielleicht so, wie es<br />

Sänger Michael<br />

Schiefel und seine<br />

Band Jazz Indeed auf<br />

ihrer CD „Ostkreuz“<br />

interpretieren: originell,<br />

schräg, witzig<br />

und melancholisch<br />

zugleich. (AJazz)<br />

BLUES<br />

Rotwein-Musik<br />

Ursula Mauder rührt<br />

auf ihrer CD „The<br />

Love Diaries“ bekannten<br />

Songs Jazz,<br />

Pop und Blues unter.<br />

Das Ergebnis ist die<br />

perfekte Musik für<br />

einen Abend bei<br />

Buch und Rotwein.<br />

(Kunstmann)<br />

JAZZ<br />

Baldauf solo<br />

Seit Jahren spielt er<br />

in Stefan Raabs<br />

Hausband die Trompete.<br />

Auf seiner ersten<br />

Solo-CD zeigt<br />

Rüdiger Baldauf, was<br />

für ein exzellenter<br />

Jazzmusiker in ihm<br />

steckt. (Mons)<br />

© Edel Media<br />

DVD-TIPPS<br />

Filmkunst aus Frankreich<br />

Es waren die Brüder Lumière, die den Bildern das Laufen beibrachten, und<br />

vielleicht sind sie auch der Grund für die Begeisterung der Franzosen für<br />

diese Kunstform. Jedenfalls haben französische Regisseure<br />

gewiss mehr filmische Meisterwerke geschaffen<br />

als andere – zehn Beweise dafür sind in der Box „Französisches<br />

Kino“ enthalten. Zu sehen sind unter anderen:<br />

Jean Vigos „Atalante“ (1934), Louis Malles „Fahrstuhl<br />

zum Schafott“ (1958) und Jean-Pierre Melvilles<br />

Thriller „Vier im roten Kreis“ (1970). (Arthaus)<br />

Bardem in Bestform<br />

Es ist eine verzweifelte Geschichte, die hier erzählt wird: Der Ganove Uxbal<br />

schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben und tut alles, nur um<br />

seinen beiden Kindern als Alleinerziehender ein gutes<br />

Leben zu ermöglichen. Viel Zeit bleibt ihm nicht: Uxbal<br />

ist sterbenskrank, kann die Kinder aber nicht ihrer psychisch<br />

kranken Mutter überlassen. Selten liegen Brutalität<br />

und Zärtlichkeit so nah beieinander wie bei „Biutiful“.<br />

Ein erbarmungsloser, ergreifender Film mit einem<br />

großartigen Javier Bardem in der Hauptrolle. (Prokino)<br />

Broders Deutschlandtour<br />

Für die einen ist er der geniale Provokateur, für die anderen Deutschlands<br />

größte Nervensäge. Der Publizist Hendrik Broder, der stets mit Lust wider<br />

den Stachel löckt, hat sich für seine fünfteilige Fernsehserie<br />

„Entweder Broder – Die Deutschland-Safari“<br />

gemeinsam mit Hamed Abdel-Samad in ein Auto<br />

gesetzt, um die Republik zu erkunden. Sie treffen auf<br />

integrierte Türken, NPD-Nazis, Stasi-Rentner und Vegetarier.<br />

Das fürs Fernsehen produzierte Satire-Roadmovie<br />

ist nun auf DVD zu besichtigen. (good!movies)<br />

Schwedenhappen vom Feinsten<br />

Justizirrtümer passieren, doch zum ersten Mal wurde fürs Fernsehen daraus<br />

eine ganze Krimistaffel gestrickt. In „Verdict Revised – Unschuldig<br />

verurteilt“ rollt ein Team von vier Jura-Studenten Verfahren neu auf, bei<br />

denen verurteilte Täter standhaft ihre Unschuld beteuern. Angeführt werden<br />

sie vom zynisch-versoffenen Professor Haglund – gespielt von Mikael<br />

Persbrandt, den TV-Zuschauer in der Rolle <strong>des</strong> Gunnar Larsson aus der<br />

Kommissar-Beck-Reihe kennen. Schwedenhappen vom Feinsten. (Edel)<br />

Actionreich: Die mehrteilige TV-Thrillerstaffel<br />

„Verdict revised“ gibt’s nun auch auf DVD<br />

DIE BESTEN<br />

GUTEN<br />

KLASSIK-CDs<br />

Ausgewählt und<br />

präsentiert vom<br />

Die neue<br />

KulturSPIEGEL-Edition<br />

enthält 30 herausragende und<br />

preisgekrönte Klassik-CDs.<br />

Mit Glenn Gould, Vladimir<br />

Horowitz, Evgeny Kissin<br />

Hilary Hahn, Murray Perahia,<br />

Simone Kermes, Thomas<br />

Hengelbrock, Arcadi Volodos,<br />

Christian Gerhaher, Martha<br />

Argerich, Sol Gabetta u.v.w.<br />

2 Boxen mit jeweils<br />

15 CDs plus Bonus-CD<br />

im edlen Schuber<br />

Auch als Einzel-CDs<br />

erhältlich<br />

buchjournal 5/2011 43<br />

Alle 30 CDs im Überblick unter<br />

www.sonymusicclassical.de


DUNKELKAMMER_DIE KRIMIKOLUMNE<br />

Regionalkrimi geht auch anders: Der Autor und Kabarettist Jörg Maurer<br />

führt in seinen Alpenkrimis Menschen, Orte und Landschaft subversiv und<br />

mit hintersinnigem Witz vor.<br />

Fels-Safe und<br />

Jodlersammlung<br />

TEXT: TOBIAS GOHLIS<br />

Tobias Gohlis<br />

© Marco Grundt<br />

Regionalkrimi ist blöd. Zu den<br />

Wesensbeschränktheiten dieser<br />

Spießerabteilung germani schen<br />

Krimischaffens gehört die Unbedarftheit,<br />

mit der Orte, Zeiten und<br />

lokale Bräuche eins zu eins als wahr<br />

und gegeben behandelt werden.<br />

Dazu passt auch eine brunftige<br />

G’spaßigkeit, die als Wiedererkennungseffekt<br />

touristen- und quotenkonform<br />

eingesetzt wird. Doppelte<br />

Erniedrigung – der als Deppen vorgeführten<br />

Region-Bewohner und<br />

<strong>des</strong> lesenden Publikums.<br />

Dass es mit Ort, Landschaft und Zum Schießen: Berge können wunderbare Tatorte sein<br />

Witz anders geht, wissen wir aus<br />

den Romanen eines Alfred Komarek,<br />

einer Uta-Maria Heim oder aus Andrea Maria Schenkels<br />

„Tann öd“. Dass das zudem noch sehr komisch, verspielt und hintersinnig<br />

gehen kann, liest man in den „Alpenkrimis“ von Jörg<br />

Maurer, deren dritter Band kürzlich erschienen ist.<br />

Auf den liebevoll mit der Laubsäge gestalteten Covern bedeuten<br />

Schnitzwerk, Bergviecher und Einschusslöcher: „Zum Schießen“.<br />

Auf Gämsen zum Beispiel, wie sie auf dem Buchdeckel von „Niedertracht“<br />

schießbudenmäßig vorüberziehen. Womit wir dort wären,<br />

wo die Weisheit der Kriminalpsychologie den Serienkiller<br />

freudianisch am Schlafittchen packt: bei der prägenden Urszene.<br />

Die hat der Putzi, ein 31-jähriger, stämmiger Ureinwohner, kurz<br />

nach seinem zehnten Geburtstag erlebt. Beim Wandern mit dem<br />

Vater hat Putzi eine junge Gams entdeckt, die sich verstiegen hatte<br />

und von ihrem Felsvorsprung nicht mehr wegkam. Seitdem erforscht<br />

Putzi experimentell existenzielle Grenzsituationen:<br />

„Springen oder Bleiben“ lautet die Wahl, vor die er die Trottel<br />

stellt, die auf seine vorgetäuschten Schwächeanfälle gutmenschelnd<br />

hereingefallen sind.<br />

© panthermedia / Randolf Berold<br />

seine im Schatten <strong>des</strong> höchsten<br />

<strong>deutschen</strong> Berges ausgetüftelten<br />

Mordsstückchen auch „Alpenkrimi“.<br />

Dessen Kriterien erfüllt sein<br />

drittes, „Niedertracht“, voll und<br />

ganz. Ein Mann, ein Subgenre. Das<br />

Maurer mit Fels-Safes, entomologischen<br />

Mafia-Ortungssystemen,<br />

Jodlersammlungen und diversen<br />

Abseiltricks clever füllt. Durch all<br />

die witzigen Einfälle, Spöttereien<br />

und Karikaturen hindurch schimmert<br />

das prekäre, enteignete, Authentisch-Sein-Müssende<br />

der Touristenzone<br />

Garmisch-Partenkirchen<br />

(im Text: „der Kurort“) so<br />

durch, dass einem mittenmang<br />

das Lachen vergeht. Maurer: „Der Berg ist einer der wunderbarsten<br />

Tatorte, die es gibt.“<br />

Eine Freundin, die als Kind das Jennerweinlied gesungen hat,<br />

hat mich auf Maurers Kleinode aufmerksam gemacht. Danke! Jener<br />

Jennerwein verstarb 1877 als Rebell im Berg. Sein Nachfahr<br />

Hubertus Jennerwein ist bei Maurer Kommissar. Wenn der überhaupt<br />

etwas repräsentiert, dann „dieses grundsätzlich Anarchistische<br />

<strong>des</strong> Bajuwaren.“<br />

<br />

^ Tobias Gohlis ist Sprecher der KrimiZeit-Bestenliste<br />

(www.arte.tv/krimiwelt).<br />

j<br />

Man sieht: Maurer nimmt den Berggast als solchen ernst. Überhaupt<br />

durchweht seine Romane ein Hauch jener ebenso brachialen<br />

wie nahe am Desaster gebauten Wut, die für einen kritischen<br />

Heimatroman spätestens seit den 1980er Jahren unverzichtbar<br />

ist. Wer nicht <strong>schreibt</strong>, als wolle er das ganze Gebirge<br />

plattmachen, kriegt keine Saisonkarte auf der Seilbahn. Das<br />

weiß der Komödiant und Kabarettist Maurer. Deshalb heißen<br />

Jörg Maurer: Niedertracht. Alpenkrimi. Fischer Taschenbuch, 384 S.,<br />

8,99 € (D) • 9,30 € (A) • 13,50 sFr.<br />

Jörg Maurer: Niedertracht. Alpenkrimi. Gelesen vom Autor. Argon, 1 CD,<br />

19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 29,90 sFr.<br />

44<br />

buchjournal 5/2011


€ 21,99 (D) / € 22,70 (A) / sFr 30,90<br />

576 Seiten / 978-3-550-08873-5<br />

Du siehst ihn nicht.<br />

Er jagt Dich.<br />

Unerbittlich.<br />

KRIMI_NORWEGEN<br />

Vier Romane hat Thomas Enger geschrieben, die kein Verlag haben<br />

wollte. Sein fünfter aber wurde ein internationaler Erfolg. Ein Besuch<br />

in Oslo – auf den Spuren seines neuen Serienhelden Henning Juul.<br />

© Geli Goldmann<br />

Thomas Enger: „Ich habe gehofft,<br />

immer besser zu werden“<br />

Happy End für<br />

einen Hartnäckigen<br />

Der neue Thriller<br />

vom Spiegel-<br />

Bestsellerautor<br />

Leseprobe: Jetzt abscannen<br />

und reinlesen!<br />

TEXT: SABINE SCHMIDT<br />

Hier fängt es an“, erklärt Thomas Enger:<br />

auf einem nur sechs Quadratmeter<br />

großen Balkon im zweiten Stock eines<br />

Wohnhauses in Oslo. Auf diesen Balkon<br />

flüchtet sich der Journalist Henning Juul<br />

mit seinem Sohn, als die Wohnung hinter<br />

ihm lichterloh brennt. Die beiden klettern<br />

auf das Geländer. Der kleine Jonas rutscht<br />

ab, fällt und stirbt. Sein Vater überlebt den<br />

Absprung – mit schweren Brand- und anderen<br />

Verletzungen und seelisch tief versehrt.<br />

„Es ist unser Balkon“, sagt Thomas Enger.<br />

„Ich habe meinem Helden die Wohnung<br />

gegeben, in der ich mit meiner Familie<br />

lebe. Nur ist sie – nach dem Tod seines<br />

Sohnes – in einem nicht so guten Zustand.“<br />

Henning wechselt zwar jeden Abend die<br />

Batterien der Feuermelder aus, kümmert<br />

sich aber nicht um den Rest. Ganz anders<br />

bei Engers: Die 80 Quadratmeter große<br />

Wohnung im angesagten, ruhigen Osloer<br />

Stadtviertel Grünerløkka, in dem der Autor<br />

mit seiner Frau, dem zehnjährigen Sohn<br />

und der fünfjährigen Tochter lebt, ist aufgeräumt<br />

und wirkt sehr gemütlich.<br />

In der kleinen Küche präsentiert Thomas<br />

Enger dann fast andächtig einen alten<br />

Holztisch, an dem er sich die ersten Notizen<br />

für seine Krimiserie gemacht hat. „Und<br />

jetzt habe ich das Gefühl, ein Märchen zu<br />

erleben“, sagt der schlanke, kommunikative<br />

37-Jährige mit der strengen Brille, der<br />

fast über Nacht vom arbeitslosen Journalisten<br />

ohne Perspektive zum gefeierten Debütstar<br />

wurde. Und der – Marketing funktioniert<br />

ja am besten gleich mit den ganz<br />

großen Namen – mit Stieg Larsson und Jo<br />

Nesbø verglichen wird.<br />

Dabei hat es lange nicht nach einem Erfolg<br />

ausgesehen. Vier Krimis hat Thomas<br />

www.nesbo.de<br />

46<br />

buchjournal 5/2011


Zur Person<br />

Thomas Enger, 1973 in Oslo geboren, wuchs in<br />

Jessheim auf. Er studierte Publizistik, Sport und<br />

Geschichte und arbeitete nach dem Studium in<br />

einer Online-Redaktion. Nebenbei schrieb er seine<br />

ersten Romane und war an verschiedenen Musical-Produktionen<br />

beteiligt. „Sterblich“ ist sein<br />

erster veröffentlichter Thriller. Er lebt zusammen<br />

mit seiner Frau und zwei Kindern in Oslo.<br />

Enger schon geschrieben, für die sich kaum<br />

jemand interessiert hat. Aber er hat nie aufgegeben.<br />

„Ich habe einfach weitergemacht<br />

und gehofft, immer besser zu werden.“<br />

Seinen ersten Krimi hat er mit 21 verfasst,<br />

den vierten vor ein paar Jahren, neben seiner<br />

Tätigkeit als Redakteur bei einer Online-<br />

Zeitschrift. „Dieser vierte war noch nicht<br />

gut, aber gut genug dafür, dass ein Verlag<br />

mich ermutigte, an ihm zu arbeiten. Und so<br />

habe ich 2008 meinen Job gekündigt und<br />

vom Arbeitslosengeld gelebt. Ich stand<br />

schon sehr unter Druck“, erinnert sich Thomas<br />

Enger. „Und als ich dann versuchte,<br />

wieder einen neuen Job zu finden, hatte ich,<br />

mitten in der Finanzkrise, keinen Erfolg.“<br />

Aber Druck deprimiert ihn nicht, sondern<br />

setzt Energie frei. So hatte er genau in<br />

der Zeit, als es besonders schwer war, die<br />

Idee zu seinem Serienhelden Henning Juul<br />

– und dann ging alles ganz schnell. Im Juni<br />

2009 schickte er seinem Verlag eine Mail mit<br />

seiner Idee zu der Krimiserie und bekam am<br />

nächsten Tag eine ermutigende Antwort.<br />

Im November war das Manuskript fertig. Im<br />

Februar 2010 erschien der erste Band in Norwegen.<br />

Und schon wenige Monate später<br />

waren die Rechte in 15 Länder verkauft. „Die<br />

Filmrechte sind es ebenfalls, und zwar für<br />

alle sechs geplanten Bände – obwohl gerade<br />

erst das zweite Buch fertig ist.“<br />

Dass er spannend schreiben kann, hat<br />

Thomas Enger in „Sterblich“ unter Beweis<br />

gestellt – dem ersten Band seiner Serie um<br />

Henning Juul, der gerade in deutscher Übersetzung<br />

bei Blanvalet erschienen ist. Henning<br />

kehrt in diesem Band zwei Jahre nach<br />

dem Brand in seine Redaktion zurück und<br />

muss gleich über einen Mord berichten:<br />

Eine Filmstudentin wurde im Boden eingegraben<br />

und zu Tode gesteinigt. Das erinnert<br />

in manchem Detail an einen Ehrenmord mit<br />

muslimischem Hintergrund. Aber Henning<br />

ermittelt, was wirklich dahintersteckt.<br />

buchjournal 5/2011 47<br />

Diesen Fall kann der Reporter lösen. Aber<br />

Thomas Enger beendet „Sterblich“ mit<br />

einem offenen Punkt, der zum roten Faden<br />

der Serie werden wird: Henning wird klar,<br />

dass der Brand in seiner Wohnung kein Unglück<br />

war, sondern jemand nachgeholfen<br />

hat. Und er macht sich auf die Suche nach<br />

dem Brandstifter, der seinen Sohn getötet<br />

und sein Leben zerstört hat.<br />

Der Autor hat seinem Helden viel von<br />

sich gegeben: seine Wohnung, die Redaktion,<br />

in der er fast zehn Jahre gearbeitet hat,<br />

sein Stadtviertel Grünerløkka. Aber Henning<br />

ist nicht gleich Thomas. „Er ist als<br />

Journalist viel smarter, als ich es war. Ich<br />

habe Texte bearbeitet, während er meine<br />

Träume leben und Reporter sein kann.“ Privat<br />

dagegen ist Thomas besser dran. Seinen<br />

beiden Kindern geht es gut, und seine langjährige<br />

Beziehung ist nicht wie die von Henning<br />

zerbrochen. Im Gegenteil, jetzt, da er<br />

so erfolgreich ist, hat er seine Lebensgefährtin<br />

geheiratet und zur Hochzeit gleich noch<br />

seine zweite Begabung ins Spiel gebracht:<br />

„Ich habe für meine Frau ein Lied komponiert.“<br />

Während er erzählt, dreht er die ganze<br />

Zeit am Ehering, als ob er das alles immer<br />

noch nicht glauben kann.<br />

Diese rundherum schöne Geschichte<br />

klingt tatsächlich nach einem Märchen –<br />

und für Krimis nach zu viel Idylle. Es ist<br />

also gut, dass der Autor den Plot der gesamten<br />

sechsteiligen Serie in dunkleren<br />

Zeiten entworfen hat. Und auch wenn der<br />

Vergleich mit Stieg Larsson und Jo Nesbø<br />

zu hoch gegriffen ist: Thomas Enger ist<br />

eine interessante neue Krimistimme aus<br />

Skandinavien.<br />

<br />

Lesezeichen<br />

j<br />

Thomas Enger: Sterblich. Ein Henning-Juul-Roman.<br />

Übersetzt von Günther Frauenlob und Maike Dörries.<br />

Blanvalet, 416 S., 14,99 € (D) • 15,50 € (A) • 24,90 sFr.<br />

Thomas Enger: Sterblich. Gelesen von Matthias Brandt.<br />

Random House Audio, 6 CDs, 19,99 € (D/ A) • 32,90 sFr.<br />

Foto: Jerry Bauer<br />

Ü.: Conny Lösch<br />

st 4300. 340 S. € 14,95 (D)<br />

Auch als erhältlich<br />

»Don Winslows<br />

bestes Buch.«<br />

Janet Evanovich<br />

Wenn dein Feind dich in die<br />

Enge treibt. Dir den Boden<br />

unter den Füßen wegzieht.<br />

Wenn er dir nimmt, was<br />

du liebst. Dann bleibt kein<br />

Spielraum für Verhandlungen.<br />

Dann kommt die<br />

Zeit <strong>des</strong> Zorns.<br />

suhrkamp taschenbuch<br />

www.suhrkamp.de


Leseprobe<br />

Kate Atkinson:<br />

Das vergessene Kind<br />

Roman<br />

Tracy Waterhouse kam aus Thornton’s und stopfte sich die<br />

Vorräte in die große hässliche Schultertasche, deren Riemen<br />

wie ein Patronengurt quer über ihre mächtige Brust<br />

verlief. Wiener Trüffel, ihr Mittwochsvergnügen. Echt erbärmlich.<br />

Andere Leute gingen abends ins Kino, in ein Restaurant,<br />

in Kneipen und Clubs, besuchten Freunde, hatten Sex, aber Tracy<br />

freute sich darauf, es sich auf ihrem Sofa bequem zu machen,<br />

Britain’s Got Talent zu sehen und eine Tüte Wiener Trüffel von<br />

Thornton’s zu essen.<br />

Als Tracy noch bei der Polizei war, hatten ihre Kollegen – Männer<br />

und Frauen –, angenommen, dass sie eine Lesbe war. Jetzt war<br />

sie über fünfzig, aber als sie bei der West Yorkshire Police angefangen<br />

hatte, musste man wie ein Kerl sein, um anerkannt zu werden.<br />

Und kaum hatte man sich als hartgesottenes Weibsbild etabliert,<br />

war es leider schwierig, die weiche, flauschige Frau herauszulassen,<br />

die man in sich versteckte. Und warum sollte man das überhaupt<br />

wollen?<br />

Tracy war mit einer so dicken Haut in Pension gegangen, dass in<br />

ihr kaum mehr Platz war. Prostitution, Sexualverbrechen, Menschenhandel<br />

– die Schattenseite von Drogen- und Schwerverbrechen<br />

–, sie hatte alles und mehr gesehen. Zeugin <strong>des</strong> schlimmsten<br />

menschlichen Verhaltens zu werden war ein ziemlich sicherer<br />

Weg, alles Weiche und Flauschige auszumerzen.<br />

© Floortje<br />

Sie war schon als einfache Fußsoldatin dabei gewesen, als Peter<br />

Sutcliffe noch sein Unwesen in den Straßen von West Yorkshire<br />

trieb. Sie erinnerte sich an die Angst, sie hatte selbst Angst gehabt.<br />

Damals hatte es noch keine Computer gegeben, und die<br />

schiere Menge <strong>des</strong> Papierkrams hätte fast ausgereicht, um die Ermittlungen<br />

lahmzulegen. „Es gab eine Zeit ohne Computer?“,<br />

sagte einer ihrer jüngeren, unverschämteren Kollegen. „Wow,<br />

Steinzeit.“<br />

Er hatte recht, sie stammte aus einer anderen Ära. Sie hätte früher<br />

in Pension gehen sollen. Sie war geblieben, weil sie nicht<br />

wusste, wie sie die langen, leeren Tage als Rentnerin füllen sollte.<br />

Schlafen, essen, beschützen und das Ganze von vorn, das war das<br />

Leben, das sie kannte. Alle waren auf die dreißig Jahre fixiert,<br />

hörten auf, suchten sich einen Job und genossen die Pension. Jeder,<br />

der länger blieb, war ein Dummkopf.<br />

Tracy wäre es lieber gewesen, sie wäre im Dienst tot umgefallen,<br />

aber sie wusste, dass es Zeit war zu gehen. Sie war Kriminalkommissarin<br />

gewesen, jetzt war sie eine „Polizeipensionärin“. Das<br />

klang nach Dickens, als sollte sie in einem Arbeitshaus in einer<br />

48<br />

buchjournal 5/2011


Die Ex-Polizistin Tracy Waterhouse hat in ihrem Leben schon vieles gesehen<br />

und vieles erlebt. Doch dann kommt der Tag, an dem sie ein Kind kauft.<br />

Zwar handelt es sich dabei eigentlich um eine Rettungsaktion, dennoch ist<br />

das Ganze keineswegs legal, und Tracy ist von Stund an auf der Flucht.<br />

Ecke sitzen, ein schmutziges Schultertuch umgeschlungen. Sie<br />

hatte daran gedacht, als Freiwillige bei einer Organisation zu arbeiten,<br />

die nach Katastrophen und Kriegen aufräumte. Schließlich<br />

hatte sie das ihr ganzes Leben lang getan, doch letztlich entschied<br />

sie sich für den Job im Merrion Center.<br />

Als sie den Job der Sicherheitschefin <strong>des</strong> Centers übernahm,<br />

dachte Tracy: „Neuanfang“, und veränderte noch so einiges andere.<br />

Sie zog nicht nur um, sondern waxte sich auch den Damenbart,<br />

ließ ihr Haar länger wachsen und zu einer weicheren Frisur gestalten,<br />

kaufte Blusen mit Schleifen und Perlmuttknöpfen und Schuhe<br />

mit leichtem Absatz, die sie zu dem obligatorischen schwarzen<br />

Kostüm trug. Selbstverständlich funktionierte es nicht.<br />

Die Welt fuhr in einem Einkaufswagen zur Hölle. Die ganze<br />

Bandbreite menschlichen Lebens fand sich hier. Großbritannien<br />

– die Hauptstadt <strong>des</strong> Ladendiebstahls in Europa, mehr als zwei<br />

Milliarden Pfund Verlust je<strong>des</strong> Jahr aufgrund von „Einzelhandelseinbußen“,<br />

ein lächerlicher Ausdruck für lupenreinen Diebstahl.<br />

Die Summe verdoppelte sich, wenn man die<br />

Menge Zeug dazuzählte, die das Personal<br />

»Was für Chancen<br />

hatte dieses<br />

Kind mit Kelly<br />

als Mutter?«<br />

klaute. Unglaublich.<br />

Man überlege nur, wie viele hungernde<br />

Kinder man mit diesem fehlenden Geld ernähren<br />

und ausbilden könnte. Aber andererseits<br />

war es kein Geld, nicht wahr, kein<br />

echtes Geld. So etwas wie echtes Geld gab es<br />

nicht mehr, Geld war ein Akt kollektiver<br />

Fantasie. Wenn wir alle in die Hände klatschen<br />

und daran glauben … Von den fünftausend Pfund in ihrer<br />

Tasche hätte das Finanzamt natürlich auch nichts, aber jeder Bürger<br />

hatte das Recht auf bescheidenen Steuerbetrug, es war kein<br />

Verbrechen. Es gab Verbrechen und Verbrechen. Tracy hatte eine<br />

Menge der anderen Art gesehen, alle Ps – Pädophilie, Prostitution,<br />

Pornografie. Menschenhandel. Kaufen und Verkaufen, nichts anderes<br />

taten die Menschen. Man konnte Frauen kaufen, man konnte<br />

Kinder kaufen, man konnte alles kaufen. Die westliche Zivilisation<br />

hatte lange Glück gehabt, aber jetzt hatte sie ihre Existenz nahezu<br />

ausverkauft. Alle Kulturen hatten ein eingebautes Verfallsdatum,<br />

nicht wahr? Nichts hielt ewig. Außer vielleicht Diamanten, wenn<br />

das Lied stimmte. Und Kakerlaken wahrscheinlich.<br />

Irgendwo weinte ein Kind – das gehörte zur Geräuschkulisse aller<br />

Einkaufszentren der Welt. Es war ein Schreien, das die Schale<br />

noch immer durchdringen konnte wie eine rotglühende Nadel.<br />

Das schreiende Kind kam näher und lenkte sie ab. Sie hörte es, sah<br />

es aber nicht. Sein Elend war erschreckend. Es machte sie wütend.<br />

Dinge, die sie bedauerte, davon gab es einige. Ziemlich viele sogar.<br />

Sie wünschte, sie hätte jemanden gefunden, der sie schätzte,<br />

wünschte, sie hätte Kinder und gelernt, sich besser anzuziehen.<br />

Sie wünschte, sie wäre auf der Schule geblieben und hätte studiert.<br />

Medizin, Geografie, Kunstgeschichte. Das Übliche. Sie war<br />

wie alle anderen, sie wollte jemanden lieben. Noch besser wäre,<br />

wenn sie wiedergeliebt würde. Sie spielte mit dem Gedanken, sich<br />

eine Katze zuzulegen. Aber eigentlich mochte sie Katzen nicht.<br />

Das konnte ein Problem werden. Sie mochte Hunde – vernünftige,<br />

schlaue Hunde, nicht die dummen kleinen Schoßhunde, die in<br />

eine Handtasche passten. Ein guter großer Deutscher Schäferhund<br />

vielleicht, der beste Freund einer Frau. Besser als jede Alarmanlage.<br />

Ah, ja – Kelly Cross. Kelly Cross war der Grund für das schreiende<br />

Kind. Kein Wunder. Prostituierte, Junkie, Diebin, Abschaum.<br />

Ein Gerippe. Tracy kannte sie. Alle kannten sie. Kelly hatte mehrere<br />

Kinder, die meisten waren in Pflege, und<br />

das waren die, die Glück gehabt hatten, was<br />

einiges hieß. Sie stürmte durch den Hauptgang<br />

<strong>des</strong> Merrion Centre, eine besessene<br />

Frau, und sie versprühte Zorn, als würde sie<br />

mit Messern werfen. Es war erstaunlich, wie<br />

viel Kraft sie ausstrahlte, obwohl sie klein<br />

und mager war. Sie trug ein ärmelloses Unterhemd,<br />

das ein paar asoziale blaue Flecken<br />

und eine Reihe von Gefängnistätowierungen<br />

frei ließ. Auf einem Unterarm ein ungeschickt gezeichnetes<br />

Herz, von einem Pfeil durchbohrt und mit den Initialen „K“<br />

und „S“. Tracy fragte sich, wer der bedauernswerte „S“ war. Kelly<br />

telefonierte und machte jemanden lauthals zur Sau. Sie hatte<br />

höchstwahrscheinlich etwas geklaut. Die Chance, dass diese Frau<br />

einen Laden mit einer gültigen Quittung verließ, war gleich null.<br />

Sie zerrte das Kind an der Hand, zog es hinter sich her, weil es<br />

unmöglich mit ihren wütenden Schritten mithalten konnte. Kaum<br />

hatte man gehen gelernt, sollte man laufen wie ein Erwachsener.<br />

Hin und wieder riss Kelly das Kind vom Boden hoch, so dass das<br />

Kind für einen Moment zu fliegen schien. Plärrend. Ununterbrochen.<br />

Eine rotglühende Nadel durch die Schale. Durch das Trommelfell.<br />

Ins Gehirn.<br />

Kelly Cross teilte die Menschenmenge wie ein unheiliger Moses.<br />

Viele Leute waren erkennbar entsetzt, aber keiner hatte den<br />

0<br />

buchjournal 5/2011 49


LESEPROBE<br />

»Sie rührte sich nicht,<br />

bis sich eine kleine,<br />

warme, klebrige Hand<br />

in ihre schob«<br />

0 Mut, es mit einer Berserkerin wie Kelly aufzunehmen. Man<br />

konnte es niemandem verübeln.<br />

Kelly blieb so abrupt stehen, dass das Kind weiterlief, als hinge<br />

es an einem Gummiband. Kelly schlug es so fest auf den Rücken,<br />

dass es wie auf einer Schaukel in die Luft flog, und begann dann<br />

wortlos weiterzurennen. Tracy hörte eine überraschend laute<br />

weibliche Mittelklassestimme sagen: „Jemand sollte etwas unternehmen.“<br />

Zu spät. Kelly war bereits an Morrisons vorbei- und auf die<br />

Woodhouse Lane hinausgestürmt. Tracy folgte ihr galoppierend,<br />

um sie einzuholen, ihre Lungen kurz vor dem Kollabieren, als sie<br />

an einer Bushaltestelle mit ihr gleichzog. „Kelly“, keuchte sie.<br />

Kelly wirbelte herum und knurrte: „Was willst du, verdammte<br />

Scheiße?“ Ein schwaches Flackern <strong>des</strong> Wiedererkennens auf ihrem<br />

giftigen Gesicht, als sie Tracy anstarrte. Tracy sah, wie sich<br />

die Rädchen drehten, bis sie bei dem Wort „Bulle“ einrasteten. Kelly<br />

wurde noch wütender, falls das möglich war.<br />

Aus der Nähe sah sie besonders schlecht aus – farbloses Haar,<br />

graue Leichenhaut, blutunterlaufene Vampiraugen und die Unberechenbarkeit<br />

<strong>des</strong> Junkies. Tracy wäre am liebsten zurückgewichen,<br />

aber sie blieb stehen. Das Kind, tränenüberströmt und<br />

schmutzig, hatte aufgehört zu weinen und starrte Tracy mit offenem<br />

Mund an, wodurch es stumpfsinnig wirkte, aber Tracy<br />

tippte auf Polypen. Der grüne Wurm Rotz, der aus seiner Nase<br />

kroch, machte es auch nicht anziehender. Drei Jahre? Vier? Tracy<br />

wusste nicht, wie man das Alter eines Kin<strong>des</strong> bestimmte. Vielleicht<br />

wie bei einem Pferd anhand der Zähne. Kinder waren klein.<br />

Manche waren größer als andere. Mehr wollte sie in dieses Ratespiel<br />

nicht investieren.<br />

Das Kind war in mehrere Schattierungen Rosa gekleidet und<br />

trug zusätzlich einen kleinen rosa Rucksack, der auf seinem Rücken<br />

klebte wie eine Miesmuschel, so dass der Gesamteindruck<br />

eines deformierten Marshmallows entstand. Jemand – bestimmt<br />

nicht Kelly – hatte versucht, das strähnige Haar <strong>des</strong> Kin<strong>des</strong> zu<br />

flechten. Das Rosa und die Zöpfe signalisierten das Geschlecht <strong>des</strong><br />

Kin<strong>des</strong>, das anhand seiner speckigen androgynen Züge nicht sofort<br />

erkennbar war.<br />

Sie war ein kleines pummeliges Kind, aber in ihren Augen funkelte<br />

etwas. Vielleicht das Leben. Es hatte Risse, war aber nicht<br />

zerbrochen. Noch nicht. Was für Chancen hatte dieses Kind mit<br />

Kelly als Mutter? Realistischerweise? Kelly hielt es noch immer an<br />

der Hand, in einem Griff wie ein Schraubstock, als wollte das Kind<br />

in die Luft fliegen.<br />

Ein Bus näherte sich, blinkte, bremste.<br />

Irgendetwas in Tracy gab nach. Ein kleines Schleusentor, das<br />

eine Flut der Verzweiflung und Enttäuschung freiließ, während sie<br />

die leere, aber bereits besudelte Leinwand der Zukunft dieses Kin-<br />

<strong>des</strong> ins Auge fasste. Tracy wusste nicht, wie es geschah. Im einen<br />

Augenblick stand sie an der Bushaltestelle in der Woodhouse Lane<br />

und schaute sich das menschliche Wrack namens Kelly Cross an,<br />

und im nächsten Moment sagte sie zu ihr: „Wie viel?“<br />

„Wie viel was?“<br />

„Wie viel für das Kind?“, sagte Tracy, schob eine Hand in ihre<br />

Handtasche und griff nach einem Umschlag mit Janeks Geld. Sie<br />

öffnete ihn und hielt ihn Kelly vor die Nase. „Das sind dreitausend.<br />

Du kannst sie haben, wenn du mir das Kind gibst.“ Den<br />

zweiten Umschlag mit weiteren zweitausend Pfund ließ sie in der<br />

Tasche für den Fall, dass sie ihr Angebot erhöhen müsste. Das war<br />

jedoch nicht nötig, denn Kelly war plötzlich höchst aufmerksam.<br />

Ihr Gehirn schien sich für einen Augenblick von ihr unabhängig<br />

zu machen, sie blickte rasch von einer Seite zur anderen, und<br />

dann schoss ihre Hand mit unerwarteter Schnelligkeit vor und<br />

griff nach dem Umschlag. Im gleichen Augenblick ließ sie die<br />

Hand <strong>des</strong> Kin<strong>des</strong> los. Dann lachte sie mit unverhohlener Schadenfreude,<br />

während der Bus in ihrem Rücken hielt. „Vielen Dank“,<br />

sagte sie, als sie einstieg.<br />

Während Kelly nach Kleingeld suchte, fragte Tracy laut: „Wie<br />

heißt sie? Wie heißt deine Tochter, Kelly?“ Kelly nahm die Fahrkarte<br />

aus dem Automaten und sagte: „Courtney.“<br />

„Courtney?“ Ein typischer Proll-Name – Chantelle, Shannon,<br />

Tiffany. Courtney.<br />

Kelly wandte sich um, die Fahrkarte in der Hand. „Ja“, sagte sie.<br />

„Courtney.“ Dann blickte sie Tracy verwirrt an, als wäre sie ein<br />

Polo-Mint ohne Verpackung. Sie setzte an, etwas zu sagen: „Aber<br />

sie ist nicht –“, doch die Bustüren wurden geschlossen. Der Bus<br />

fuhr los. Tracy schaute ihm nach. Stumpfsinnig. Plötzlich verspürte<br />

sie einen Stich Angst. Sie hatte gerade ein Kind gekauft. Sie<br />

rührte sich nicht, bis sich eine kleine, warme, klebrige Hand in<br />

ihre schob.<br />

Kate Atkinson: Das vergessene Kind.<br />

Übersetzt von Anette Grube. Droemer Knaur,<br />

464 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 30,50 sFr.<br />

50<br />

buchjournal 5/2011


Kate Atkinson, 1951 geboren, studierte Literaturgeschichte in Dundee<br />

und lebt heute in Edinburgh. Neben ihrer Arbeit in der Sozialbetreuung und als<br />

Teilzeitlehrerin begann sie zu schreiben. 1996 erhielt sie für ihren Roman<br />

Familienalbum den angesehenen Whitbread First Novel Award. Es folgten die<br />

Romane Ein Sommernachtsspiel und Die Ebene der schrägen Gefühle.<br />

In Die vierte Schwester taucht erstmals Jackson Brodie auf,<br />

der »sensible Schnüffler, der in kritischen Situationen dann<br />

doch brutal zuschlagen kann« (Süddeutsche Zeitung,<br />

Peter Münder).<br />

© John Foley/Opale<br />

Ein Wiedersehen mit Brodie gibt es in Liebesdienste,<br />

Lebenslügen und nun auch in Das vergessene Kind.<br />

In England und den USA ist Kate Atkinson mit ihren<br />

Romanen regelmäßig ganz oben auf den Bestsellerlisten<br />

zu finden.<br />

10 FRAGEN AN KATE ATKINSON<br />

1. Wie würden Sie sich selbst in drei Worten beschreiben?<br />

KA: »Gut. Schlecht. Durchschnittlich.«<br />

2. Was macht Ihnen schlechte Laune, was macht Ihnen Freude?<br />

KA: »Sonne macht mich froh. Und bei schlechten Manieren bekomme ich schlechte Laune.«<br />

3. Sind Sie eher der Kaffee- oder der Tee-Mensch?<br />

KA: »Bei<strong>des</strong> gleichermaßen.«<br />

4. Woher kommen eigentlich die Inspirationen zu Ihren Büchern?<br />

KA: »Wenn ich das wüsste!«<br />

5. Könnten Sie sich auch einen anderen Beruf vorstellen, als Schriftstellerin?<br />

KA: »Ich arbeite schon sehr lange als Vollzeit-Autorin. Aber wenn ich das nicht wäre, würde ich gerne als<br />

Kuratorin für Schmuck im Victoria & Albert-Museum in London arbeiten.«<br />

6. Haben Sie einen Lieblingsautor? Wer ist es und weshalb?<br />

KA: »Jane Austen. Weil sie perfekt ist.«<br />

7. Welches Buch haben Sie selbst zuletzt gelesen?<br />

KA: »There But For The von meiner Freundin Ali Smith.«<br />

8. Und welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?<br />

KA: »Troubles von J. G. Farrell.«<br />

9. Welche Person – aus Roman, Film oder dem öffentlichen Leben – würden Sie gerne mal treffen?<br />

Und was würden Sie zu ihm/ihr sagen?<br />

KA: »Niemanden. Damit ich nicht enttäuscht werden kann.«<br />

10. Wenn Sie die berühmten drei Wünsche frei hätten, wie sähen die aus?<br />

KA: »Ach, diese drei Wünsche – schwierig! 1. Gesundheit und ein langes Leben für meine Kinder,<br />

2. Bessere Manieren (was hoffentlich zum Weltfrieden führen würde, so dass ich mir diesen alten Hut<br />

nicht wünschen muss!), 3. Einen wirklich tollen Hund.«


Er trägt die Macht der<br />

Engel in sich, doch<br />

die Dunkelheit wartet<br />

schon auf ihn …<br />

Lesestoff Krimis<br />

Spurensuche<br />

am Kap<br />

Gesa Schwartz<br />

Die Chroniken der Schattenwelt<br />

Band 1: Nephilim<br />

608 Seiten<br />

€ 12,99 (D) · € 13,40 (A)* · sFr* 20,50<br />

ISBN 978-3-8025-8457-2<br />

Noch mehr spannende Fantasy<br />

von Gesa Schwartz unter<br />

www.egmont-lyx.de<br />

Werde Teil unserer<br />

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© Nico Smit<br />

ÖSTERREICH<br />

Immer der Nase nach<br />

Tu felix Austria – jedenfalls,<br />

was Esprit und Originalität<br />

von Krimiautoren anbelangt.<br />

Auf skurrile Mordgeschichten<br />

abonnierte Männer<br />

wie Wolf Haas, Thomas<br />

Raab, Steffen Slupetzky und<br />

Heinrich Steinfest sind andernorts<br />

kaum vorstellbar.<br />

Der letztgenannte Schlawiner,<br />

ein qualitativ beständiger Vielschreiber, wartet<br />

heuer mit der Fortsetzung eines Erfolgstitels<br />

auf: Der an Launigkeiten und Anspielungen reiche<br />

Roman „Die Haischwimmerin“ schließt stimmig an<br />

„Die feine Nase der Lilli Steinbeck“ aus dem Jahr<br />

2007 an. Die mit einem beachtlichen Riechorgan<br />

angetane Polizistin mit naturgemäß schier überbordendem<br />

Spürsinn, muss sich diesmal mit einer<br />

verflossen gewähnten Liebe, einer im Untergrund<br />

angesiedelten Gegenwelt, einer wunderlichen<br />

Lärche und anderen sibirischen Lebensformen beschäftigen.<br />

Man ahnt: Das alles ist skurriler, als es<br />

die Hochkulturpolizei erlauben dürfte. Zugleich ist<br />

es so konsequent absurd, dass der Spaßgewinn<br />

<strong>des</strong> Lesers jeden ihm entgangenen Erkenntnisgewinn<br />

locker überbietet.<br />

wer<br />

^ Heinrich Steinfest: „Die Haischwimmerin“. Piper,<br />

352 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr.<br />

SÜDAFRIKA<br />

Im Herz<br />

der Finsternis<br />

Der Südafrikaner Deon Meyer gehört neben<br />

Roger Smith seit einigen Jahren zur ersten<br />

Garde der Kriminalschriftsteller seines<br />

Lan<strong>des</strong>. Er versteht sich nicht nur virtuos auf<br />

die Fertigung steiler Spannungskurven, die<br />

dem Leser emotionale Achterbahnfahrten zumuten,<br />

sondern es gelingt ihm überdies in<br />

pädagogisch wertvoller Manier, auch Lesern<br />

ohne großes Vorwissen über Südafrika die<br />

vorwiegend abenteuerlichen Szenarien seiner<br />

Thriller nahezubringen. „Rote Spur“,<br />

Meyers jüngster Streich, zeigt das Land am<br />

Kap einmal mehr als ein verderbtes Herz der<br />

Finsternis, in dem Terror und Gewalt, Korruption<br />

und Amtsanmaßung, Schmuggel und<br />

Drogenhandel gedeihen. Aus diesem auf den<br />

ersten Blick recht unübersichtlichen Delinquenz-Cocktail<br />

macht der Autor eine erfreulich<br />

stringente Story, die ihren Ausgangspunkt<br />

in einem Gerücht hat, das eine verheerende<br />

Eigendynamik entwickelt: Angeblich<br />

planen Islamisten in Südafrika ein Attentat.<br />

Das Gerede ruft den Geheimdienst und Hysteriker<br />

auf den Plan, Krisennutznießer und<br />

Trittbrettfahrer. Deon Meyer schöpft aus dieser<br />

panischen Gemengelage viel Spannung,<br />

ja sogar eine gute Prise Poesie.<br />

wer<br />

^ Deon Meyer: „Rote Spur“. Übersetzt von<br />

Stefanie Schäfer. Rütten & Loening, 625 S.,<br />

19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr.<br />

52<br />

buchjournal 5/2011


SADISMUS IN DEN 60ER JAHREN<br />

Damals im Kinderheim<br />

Nachts in Köln wird ein Mann erschossen, der<br />

schon seit Jahren in Griechenland lebt. Er ist nur für<br />

ein paar Stunden zurückgekommen, um sein seit<br />

20 Jahren leer stehen<strong>des</strong> Elternhaus zu verkaufen.<br />

Damals, als seine Eltern und seine Schwes ter ermordet<br />

wurden, war er selbst ein Verdächtiger.<br />

Nun wird der toughen Ermittlerin Judith Krieger<br />

klar, dass es jemandem darum ging, die ganze Familie<br />

auszulöschen – und zwar <strong>des</strong>halb, weil die<br />

Eltern Unrecht getan hatten. Die Spuren führen zurück<br />

in die 60er Jahre, in ein Kinderheim, in dem,<br />

wie in vielen anderen Institutionen dieser Art und<br />

dieser Zeit, Kinder misshandelt und gebrochen<br />

wurden. Die Stärke <strong>des</strong> Romans ist, dass er sich<br />

engagiert mit diesem Thema auseinandersetzt,<br />

ohne dem Sadismus voyeuristisch<br />

nachzugehen. Dass er<br />

vehement für die Opfer Partei<br />

ergreift. Und dabei immer<br />

noch ein spannender Krimi<br />

ist.<br />

sc<br />

^ Gisa Klönne: „Nichts als<br />

Erlösung“. Ullstein, 352 S.,<br />

19,99 € (D) • 20,60 € (A) •<br />

27,90 sFr.<br />

AUS DER GERICHTSMEDIZIN<br />

Tod im Kühlraum<br />

Kay Scarpetta dürfte bei<br />

ihrem Sezierpensum bald<br />

eine Therapie brauchen,<br />

um nicht an den unter die<br />

Haut gehenden Recherchen<br />

zu zerbrechen. Mit so<br />

viel Gewalt kriegen es serielle<br />

Häscher selten zu tun<br />

– selbst in Miami, wo sich<br />

Scarpetta-Erfinderin Patricia<br />

Cornwell nach Jahren als Polizeireporterin und<br />

Gerichtsmedizinerin niedergelassen hat. Seit dem<br />

Auftaktband (1990) ist der Pathologin viel Roman-<br />

Konkurrenz zugewachsen, doch behauptet sich<br />

das Original wiederholt gegen Genre-Trittbrettfahrer.<br />

So im jüngsten Fall, der nicht nur Forensikern<br />

an die Nieren gehen dürfte. Denn jener<br />

Mann, der da mit ominösen Blutungen eingeliefert<br />

worden ist, starb womöglich erst im Kühlraum.<br />

Von Kunstfehlern an vermeintlichen Leichen<br />

erzählt Cornwell so fesselnd wie über Versuche,<br />

Killer unter Kollegen zu ermitteln. wer<br />

^ Patricia Cornwell: „Bastard“. Übersetzt von Karin<br />

Dufner. Hoffmann und Campe, 512 S., 24,99 € (D) •<br />

25,70 € (A) • 39,90 sFr.<br />

Das Alte Rom<br />

zur Zeit Caesars<br />

Hans Dieter Stöver<br />

VERSCHWÖRUNGSTHRILLER<br />

Geheime Strippenzieher<br />

Dominique Strauss-Kahn wurde angeklagt – und<br />

gleich stand die Frage im Raum, ob er wirklich<br />

eine Hotelangestellte genötigt hat oder ob er in<br />

eine Falle gelockt wurde. Oder womöglich bei<strong>des</strong>.<br />

Was auch immer geschehen ist – viele gehen davon<br />

aus, dass im Hintergrund von Wirtschaft und<br />

Politik tatsächlich mehr oder weniger geheime<br />

Hintermänner die Fäden ziehen. Diese Ahnungen<br />

nimmt Sam Bourne in seinem neuen Thriller auf.<br />

Seine Geschichte von einem der US-amerikanischen<br />

Präsidenten läuft auf eine Männergruppe<br />

hinaus, die bestimmte Politiker ohne deren Wissen<br />

fördert und für sie buchstäblich über Leichen<br />

geht. Die ihre Favoriten dann aber auch massiv<br />

unter Druck setzt, wenn sie politisch etwas<br />

durchsetzen wollen, was<br />

den Hintermännern nicht<br />

passt. Das ist nicht nur<br />

spannend, sondern auch<br />

beklemmend dicht an der<br />

vermuteten Realität. sc<br />

^ Sam Bourne: „Der Gewählte“.<br />

Übersetzt von Rainer<br />

Schmidt. Scherz, 464 S., 14,95<br />

€ (D) • 15,40 € (A) • 21,90 sFr.<br />

ABSOLUT FILMREIF<br />

Blutige Liebesbriefe<br />

Von Los Angeles nach<br />

Cannes: Der taumelnde<br />

Detektiv David Spandau<br />

erlebt beim berühmten<br />

Filmfestival mit der noch<br />

berühmteren Oscar-Preisträgerin<br />

Anna Mayhew allerhand.<br />

Er soll sie beschützen,<br />

denn sie bekommt<br />

blutige Liebesbriefe. In<br />

Südfrankreich sieht er braun gebrannte Männer<br />

und „Frauen oben ohne“. Daniel Depp, Halbbruder<br />

von Johnny Depp, richtet in „Nächte in Babylon“<br />

einen sehr amerikanischen und ironischklischeehaften<br />

Blick auf den größten Umschlagplatz<br />

für Filme. Dabei brilliert der Drehbuchautor<br />

vor allem mit Dialogen und Gemeinheiten. Ob es<br />

um das „Verfallsdatum von Titten und Ärschen“<br />

geht, um Schrott und billige Kameras oder um<br />

die Grenze zwischen Illusion und Realität: Depp<br />

lässt es in seinen Dialogen schön böse krachen.<br />

Absolut filmreif.<br />

pms<br />

^ Daniel Depp: „Nächte in Babylon“. Übersetzt von<br />

Regina Rawlinson. Carl’s Books, 352 S., 14,99 € (D) •<br />

15,50 € (A) • 24,90 sFr.<br />

Jetzt lieferbar Band 4<br />

Zwei Romane in einem Band<br />

ISBN 978-3-939625-28-5<br />

464 Seiten<br />

€ 11,90 [D]/ € 12,20 [A]/ Sfr 19,90<br />

Bereits lieferbare C.V.T.-Romane:<br />

Band 1<br />

Mord auf der Via Appia / Die Frau <strong>des</strong> Senators<br />

ISBN 978-3-939625-07-0<br />

Band 2<br />

Ich fordere Gerechtigkeit / Skandal um Nausikaa<br />

ISBN 978-3-939625-10-0<br />

Band 3<br />

Alexander und die Gladiatoren / Attentat in Pompeii<br />

ISBN 978-3-939625-27-8<br />

buchjournal 5/2011 53<br />

BOCOLA<br />

verlag<br />

www.bocola.com


Im Gespräch<br />

Mit seinen Krimis wurde Arnaldur Indriðason zum erfolgreichsten Autor<br />

Islands. Ein Gespräch in Reykjavík: über seine Bücher – und seine Heimat,<br />

die in diesem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse ist.<br />

„Weit weg vom Rest der Welt“<br />

INTERVIEW: SABINE SCHMIDT • FOTOS: OLIVIER FAVRE<br />

Einsame Natur<br />

Arnaldur Indriðason<br />

mag Island – mit seinen<br />

weiten Landschaften,<br />

der Stille und der<br />

klaren Luft<br />

54<br />

buchjournal 5/2011


die Wolken, die noch am Tag zuvor<br />

dunkel und drohend über Island hingen,<br />

sind aufgerissen. Der Himmel ist blau über<br />

der Insel, die weit weg von Europa mitten<br />

im Atlantik liegt. Die Luft ist sauber hier,<br />

klar, und es ist kalt. Während man in<br />

Deutschland an diesem Spätsommertag<br />

selbst im T-Shirt ins Schwitzen kommt,<br />

genießt der Isländer bei kühlen zwölf Grad<br />

jeden Sonnenstrahl, draußen natürlich,<br />

auch gern im T-Shirt, und ist froh, dass die<br />

Touristen ihre Regencapes wieder einpacken<br />

können.<br />

Ihnen soll es hier gut gehen, sind sie<br />

doch auch nach dem Finanzcrash von 2008,<br />

den die sogenannten Expansionswikinger<br />

mit verursacht haben und von dem Island<br />

sich bis heute nicht erholt hat, eine der<br />

wichtigen Einnahmequellen geblieben.<br />

Eine beeindruckende zudem, insbesondere<br />

die deutsche Variante: Die Urlauber sind<br />

schon am Flughafen so perfekt ausgerüstet,<br />

als ob sie direkt zum Nordpol wollen.<br />

Einige Isländer halten mit. Selbst in Reykjavík<br />

sind etliche Jeeps oder noch größere<br />

Vehikel unterwegs, mit denen man jede<br />

Wildnis durchqueren und vermutlich auch<br />

einen Schneesturm überstehen kann. Und<br />

geländegängige Kleidung trägt der Isländer<br />

selbst in der Stadt, außerhalb sowieso.<br />

Auch Arnaldur Indriðason – oder Arnaldur,<br />

wie man hier sagt –, Islands erfolgreichster<br />

Autor, zieht sich praktisch an, wenn er in<br />

der Natur unterwegs ist, wie bei einer Tour<br />

zu isländischen Seen, bei der ihn unser Fotograf<br />

begleitet hat.<br />

Heute aber ist er städtisch gekleidet:<br />

schwarzes Hemd, schwarze Hose, schwarzer<br />

Mantel, so erscheint er im Hotel Holt,<br />

einem der gediegeneren, ruhigen Hotels in<br />

Reykjavík, das er sich als Treffpunkt für<br />

unser Gespräch gewünscht hat. Er ist hier,<br />

um über seine Bücher zu sprechen. Und<br />

über seine literaturbegeisterte Heimat, die<br />

in diesem Jahr Gastland der Frankfurter<br />

Buchmesse ist: ein Land mit etwas über<br />

300 000 Einwohnern, in dem, statistisch<br />

gesehen, jeder vierte ein Buch <strong>schreibt</strong>,<br />

sehr viel gelesen wird und dementsprechend<br />

1 500 Novitäten im Jahr erscheinen.<br />

Arnaldur ist nicht nur der erfolgreichste<br />

Autor seines Lan<strong>des</strong>, sondern wohl auch<br />

der einzige, der von seinen Büchern leben<br />

kann. Er <strong>schreibt</strong> seit 20 Jahren, die meisten<br />

seiner 14 Krimis und Thriller waren<br />

Bestseller in Island und werden in 30 Sprachen<br />

übersetzt. Er drängt sich nicht in die<br />

Zur Person<br />

Arnaldur Indriðason, geboren 1961 in Reykjavík, ist der<br />

Sohn <strong>des</strong> Schriftstellers Indriði G. Porsteinsson. Er graduierte<br />

1996 in Geschichte an der Universität Islands<br />

und war zeitweilig Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung<br />

„Morgunbladid“. Seinen Durchbruch als Autor<br />

hatte Arnaldur Indriðason mit „Nordermoor“, dem<br />

dritten Roman aus seiner Krimireihe, für den er den<br />

Skandinavischen Krimipreis Glasnyckel erhielt. Er ist<br />

verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Reykjavík.<br />

Rolle eines wichtigen Repräsentanten der<br />

isländischen Literaturszene, akzeptiert sie<br />

aber und füllt sie souverän aus.<br />

Der 50-Jährige mit dem feinen, trockenen<br />

Humor ist freundlich, aber – dabei<br />

ganz Isländer – sehr zurückhaltend. Das<br />

Gegenstück zu einer Plaudertasche, allerdings<br />

ohne dass man ihm je<strong>des</strong> Wort aus<br />

der Nase ziehen muss: Er spricht gern über<br />

seine Krimis und über sein Land, dem er<br />

sich sehr verbunden fühlt.<br />

Island verzeichnet nur etwa drei bis vier Morde<br />

im Jahr, ist also nicht gerade eine Hochburg <strong>des</strong><br />

Verbrechens. Warum siedeln Sie Ihre Krimis<br />

dennoch hier an?<br />

Arnaldur Indriðason: Ich bin hier aufgewachsen,<br />

ich lebe hier und ich versuche<br />

das, was ich in Reykjavík und in Island erfahre,<br />

in meine Bücher einfließen zu lassen.<br />

Das macht sie gerade auch für meine<br />

»Die meisten Morde<br />

passieren im Suff<br />

und sind nicht<br />

gerade raffiniert«<br />

Landsleute interessant, und das ist mir<br />

sehr wichtig. Dabei ist es für mich egal, wie<br />

viele Morde es in Island gibt und welche.<br />

Tatsächlich passieren sie meist im Suff,<br />

sind nicht geplant und alles andere als raffinierte<br />

Verbrechen.<br />

Was ist für Sie als Krimistoff interessant?<br />

Das, was Menschen anderen antun, was<br />

es an psychischer und physischer Gewalt<br />

gibt. Die gibt es hier in Island ebenso wie<br />

überall, nur dass sie in unserer isländischen<br />

Realität meist nicht mit Mord endet.<br />

In meinen Romanen geht es mir weniger<br />

um das Verbrechen als um die Umgebung,<br />

um die Zusammenhänge, um die<br />

Auswirkungen, die eine Tat auf Partner,<br />

auf die Familie, auf Freunde hat.<br />

Könnten Ihre Krimis also letztlich überall in<br />

der westlichen Welt spielen?<br />

Nein. Es sind isländische Krimis, weil ich<br />

in ihnen Themen und Motive aufgreife, die<br />

für uns wichtig sind. Ich schreibe nicht<br />

über tolle Wasserfälle, die gibt es selbstverständlich,<br />

aber sie sind für mich nicht 0<br />

buchjournal 5/2011<br />

55


IM GESPRÄCH<br />

0 als Thema interessant, sondern ich<br />

schreibe beispielsweise über die langen,<br />

dunklen Winter. Über das Unberechenbare<br />

– das Wetter hier kann sehr schnell umschlagen,<br />

und vor allem im Winter gehen<br />

immer wieder Menschen in Unwettern verloren.<br />

Oder auch über die gesellschaftlichen<br />

Veränderungen. Island war lange ein<br />

armes Fischer- und Bauernland, das vom<br />

Rest der Welt abgeschnitten war. Jetzt gibt<br />

es Flugzeuge, das Fernsehen, das Internet.<br />

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich Island<br />

sehr verändert, aber viele Menschen –<br />

wie auch mein Kommissar Erlendur – haben<br />

es nicht verkraftet, dass sie von dem<br />

Land, wo sie aufgewachsen sind, in die<br />

neue Welt nach Reykjavík verpflanzt wurden.<br />

Und natürlich auch: Das Land ist reich<br />

geworden und dann kam es 2008 infolge<br />

der Finanzkrise zum Crash.<br />

Bevor Sie angefangen haben zu schreiben, gab es<br />

kaum Krimis in Island – sie galten als Unterhaltungsliteratur,<br />

und die war nicht wirklich angesehen<br />

und kam aus dem Ausland. Gab es dennoch<br />

Krimiautoren, die Sie beeinflusst haben?<br />

Es gab zwar kaum isländische Krimiliteratur,<br />

aber einige Autoren wurden ins Isländische<br />

übersetzt. Das schwedische Paar<br />

Sjöwall / Wahlöö zum Beispiel: Ihr Sozialrealismus<br />

hat mich sehr beeinflusst. Oder<br />

Ed McBain, der einer meiner Lieblingsautoren<br />

ist. Und andere, die realistisch<br />

schreiben und Wert auf Personengestaltung<br />

legen. Für mich sind die Figuren das<br />

Wichtigste in einem Roman: Wenn man<br />

nicht mit ihnen mitfühlen kann, muss ihre<br />

Geschichte gar nicht erst erzählt werden.<br />

Werden, obwohl nur wenige Menschen Isländisch<br />

sprechen, viele Bücher übersetzt?<br />

Es ist immer schwierig gewesen, bei uns<br />

Bücher zu verlegen – Übersetzungen ebenso<br />

wie isländische Texte, eben weil der<br />

Markt sehr klein ist. Dennoch werden vergleichsweise<br />

viele Werke ins Isländische<br />

übersetzt. Wir sind auch heute noch eine<br />

Literaturnation, Bücher spielen für uns<br />

eine wichtige Rolle.<br />

Inzwischen gibt es einige isländische Krimi-autoren.<br />

Liegt das an Ihnen?<br />

Ganz so wichtig bin ich wohl nicht. Man<br />

könnte aber vielleicht sagen, dass ich das<br />

Eis gebrochen habe, nicht nur in Island,<br />

sondern auch im Ausland. Ich war ja der<br />

erste, <strong>des</strong>sen Krimis aus dem Isländischen<br />

in andere Sprachen übersetzt wurden.<br />

Damit ist für Sie aber auch Konkurrenz entstanden.<br />

Stört Sie das?<br />

Nein, im Gegenteil: Je mehr Krimiautoren<br />

es gibt, <strong>des</strong>to besser ist es. Ich finde<br />

es schön, dass diese Literatursparte zum<br />

Leben erwacht ist und heute auch Anerkennung<br />

findet. Das sieht man nicht zuletzt<br />

an den Verkaufszahlen: Krimis sind<br />

heute sehr populär in Island.<br />

In deutscher Übersetzung ist jetzt von Ihnen<br />

„Abgründe“ erschienen, ein Krimi mit sehr unterschiedlichen<br />

Themen: Es geht um Swingerclubs<br />

und Erpressung, um sexuellen Missbrauch<br />

an einem Jungen und um Expansionswikinger.<br />

Warum waren Ihnen diese Themen<br />

wichtig?<br />

Swingerclubs sind ein Thema, das man<br />

gut nutzen kann, um eine Erpressung zu<br />

begründen: Wer sich auf das einlässt, was<br />

in Island „Schnitzelclub“ genannt wird,<br />

macht sich moralisch angreifbar. Das<br />

Thema Vergewaltigung beschäftigt mich<br />

schon lange. Ich habe mich mit Gewalt gegen<br />

Frauen befasst, und jetzt ging es mir<br />

um Gewalt gegen Kinder: ein besonders<br />

widerwärtiges Verbrechen, das das Leben<br />

eines Menschen sehr stark beeinträchti-<br />

»Wir sind eine<br />

Literaturnation,<br />

Bücher spielen<br />

eine wichtige Rolle«<br />

Arnaldur Indriðason: „Island hat sich nach<br />

dem Zweiten Weltkrieg sehr verändert“<br />

gen oder sogar zerstören kann. Und das Thema<br />

Finanzen ist bei uns zurzeit nicht zu umgehen.<br />

„Abgründe“ ist in Island 2009 erschienen,<br />

ein Jahr nach dem Finanzcrash. Es<br />

spielt im Jahr 2005, und das Expandieren-,<br />

das Geldhabenwollen war damals schon in<br />

vollem Gange, die Gier war deutlich zu spüren,<br />

und es war mir wichtig, etwas von diesem<br />

Zeitgeist einzubeziehen.<br />

Ihr Hauptermittler ist Kommissar Erlendur. In<br />

Ihrem letzten Buch „Frevelopfer“ aber stand<br />

seine Kollegin Elínborg im Mittelpunkt. Und<br />

jetzt ist Erlendur ganz in seiner alten Heimat,<br />

in den Ostfjorden, abgetaucht, und sein Kollege<br />

Sigurður Óli ermittelt. Warum er?<br />

Ab und zu muss ich mich von Erlendur<br />

erholen und wende mich dann seinen Mitarbeitern<br />

zu. Sigurður Óli ist schon vielen<br />

Leuten auf die Nerven gegangen mit seinen<br />

simplen Ideen, seinem Fimmel für Amerika,<br />

mit Frauen kann er nicht umgehen, und<br />

er ist der krasse Gegensatz zu Erlendur, insbesondere<br />

weil er kein Mitgefühl für andere<br />

zeigen kann. Aber das lernt er in diesem<br />

Buch: Er wird menschlicher, und diese Entwicklung<br />

hat mich interessiert.<br />

Dennoch scheint Ihnen Erlendur am nächsten<br />

zu stehen. Haben Sie ihn vermisst?<br />

Ja – obwohl er eben auch sehr anstrengend<br />

ist. Er ist so depressiv und so alleinstehend<br />

und einsam, sein ganzes Privatleben<br />

ist ein Desaster. Aber er ist ein hervorragender<br />

Ermittler, und mit seiner Fähigkeit,<br />

sich in andere hineinzuversetzen, ist er mir<br />

56<br />

buchjournal 5/2011


doch sehr nah. Im nächsten Buch wird er<br />

auch wieder im Mittelpunkt stehen.<br />

Erlendur liest immer wieder in einem Buch, das<br />

von Isländern erzählt, die in Unwettern verloren<br />

gingen. Gibt es dieses Buch tatsächlich?<br />

Ja, ich habe es selbst und lese immer wieder<br />

darin. Erlendurs traumatisches Kindheitserlebnis<br />

– er ist mit seinem Vater und<br />

seinem Bruder in einen Schneesturm geraten,<br />

sein Bruder ging verloren und auch seine<br />

Leiche wurde nie gefunden – kommt in<br />

diesem Buch nicht vor. Aber es könnte vorkommen:<br />

Es geht genau um solche Geschichten.<br />

Haben Sie wie Erlendur auch einen Menschen<br />

in einem Unwetter verloren?<br />

Nein, aber das passiert hier immer wieder,<br />

und es ist uns allen sehr präsent.<br />

Nicht nur das Wetter spielt in Ihrer Heimat<br />

eine wichtige Rolle, sondern auch die Literatur.<br />

Wie kommt das?<br />

Das ist schwierig zu sagen. Es war schon<br />

immer so, vielleicht liegt es ja in den Genen<br />

… Isländern geht es seit jeher darum,<br />

ihre Geschichte zu bewahren und Bescheid<br />

zu wissen, wie alles angefangen hat, <strong>des</strong>halb<br />

haben sie die alten Geschichten aufgeschrieben.<br />

Es gab auch jahrhundertelang nicht<br />

viel anderes, um sich zu zerstreuen. Bis ins<br />

20. Jahrhundert hatten wir etwas, was<br />

„Hauslektüre“ hieß. Da kamen abends nach<br />

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getaner Arbeit alle zusammen, jemand erzählte<br />

Geschichten oder las etwas vor, und<br />

die anderen hörten zu. Das war eine der<br />

ganz wenigen Unterhaltungsmöglichkeiten,<br />

der Zeitvertreib per se in Island: Geschichten<br />

erzählen, lesen, zuhören. Wahrscheinlich<br />

hat uns das geprägt.<br />

Und wie ist es mit den Elfen und Trollen –<br />

stehen Isländer ihnen tatsächlich nahe?<br />

Oh – was für ein Thema! Elfen und Trolle<br />

sind ein Teil der Volkssagen, ein Teil der Literatur,<br />

und es macht Spaß, die Geschichten<br />

über sie zu lesen. Aber nein: Island ist nicht<br />

das Land der Elfen und Trolle. Das nimmt<br />

heute niemand ernst außer ein paar Leuten,<br />

die mit diesen Geschichten Geld verdienen<br />

wollen und die es geschafft haben, den Touristen<br />

irgendwelche Flöhe ins Ohr zu setzen.<br />

Leben Sie gern in Island?<br />

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Schreibwettbewerb<br />

Susanne Wedlich:<br />

Das Fleisch<br />

Axt und Knochensäge waren geschärft,<br />

auch die Klingen der<br />

Messer bereits ein letztes Mal<br />

geschliffen, als sie plötzlich<br />

vor ihm stand. „Dein Mordwerkzeug liegt<br />

ja schon parat“, sagte die Bäuerin mit<br />

einem schmalen Lächeln. So selten verirrte<br />

sie sich sonst in den Stall, dass er gar nichts<br />

zu sagen wusste, nur seinen Blick auf ihre<br />

hellen Augen zwang, deren Farbe er auch<br />

nach all den Jahren nicht beim Namen hätte<br />

nennen können. „Nimm die Braune“,<br />

sagte sie wie beiläufig und strich sich beide<br />

Hände an der Kittelschürze ab. „Die bringt<br />

nichts.“<br />

Auch jetzt brachte er kein Wort heraus<br />

und hätte der Bäuerin doch sagen müssen,<br />

dass die Braune mit ihren vier Jahren sehr<br />

wohl noch Kälber bringen könnte. Er hätte<br />

ihr auch sagen können, wie er die Braune<br />

geholt hatte, damals, als sie quersteckte in<br />

der Mutter, die vor Schmerz schrie wie ein<br />

Weib und ihm später unter den Händen<br />

verreckte. Das Kalb aber hatte er retten<br />

können damals. „So, wie ich dich“, hatte<br />

ihm die Bäuerin erwidert, als er seine und<br />

der Braunen Geschichte einmal zu oft er-<br />

© dvdwinters<br />

„Die Braune wäre ihm auch dieses Mal von selbst auf den Hof gefolgt“<br />

62<br />

buchjournal 5/2011


www.aufbau-verlag.de<br />

Die Braune folgte ihm wie ein Hund, seit er sie<br />

vor vier Jahren aus dem Bauch der Kuh gezogen hatte,<br />

die bei der Geburt verreckte. Nun muss er das Tier<br />

schlachten. „Die bringt nichts“, hatte die Bäuerin ihm<br />

gesagt. Lesen Sie die siegreiche Kurzgeschichte<br />

unseres diesjährigen Schreibwettbewerbs.<br />

zählte. „Außer mir hat dich damals doch<br />

keiner haben wollen.“<br />

Daran hat er sich seitdem abgearbeitet<br />

wie kein anderer. Nur einmal hatte er der<br />

Bäuerin Nein gesagt, weil ein Knecht schuften<br />

und dennoch sein eigener Mensch sein<br />

muss. Mit Haut und Haaren und Fleisch<br />

der Bäuerin gehörte aber die Braune, deren<br />

dunkle Augen ihm jetzt von der Weide entgegenblickten.<br />

Seine Schritte erkannte die<br />

Braune immer schon von Weitem, auch<br />

wenn er wie jetzt Fuß mühsam vor Fuß setzen<br />

musste. Das Gatter hatte er noch nicht<br />

erreicht, da rieb sie schon mit tanzenden<br />

Ohren den Kopf mit der blonden Stirnlocke<br />

daran, die Augen hinter weißen Wimpern<br />

vor Genuss nach hinten gerollt.<br />

Ihr weiches Maul an seine Schulter gedrückt,<br />

ließ sie sich von ihm abführen. Den<br />

langen Weg zurück vorbei an den Bäumen,<br />

die der Herbst langsam ausbluten ließ. Den<br />

Arm hätte er nicht so eng um ihren Hals<br />

schlingen, die Hand nicht so tief in das<br />

warme Fell vergraben müssen. Die Braune<br />

wäre ihm auch dieses Mal von selbst auf<br />

den Hof gefolgt. „Wie ein Hund“, hatte die<br />

Bäuerin einmal gesagt. „Wenn wir Glück<br />

haben, wirft sie uns irgendwann vielleicht<br />

wenigstens Welpen.“<br />

Noch immer wölbte sich der klare Himmel<br />

über dem Hof. Doch kalt war es geworden.<br />

Stoßweise stand ihm der Atem vor<br />

dem Gesicht, als er weit ausholte mit der<br />

Axt. Stumpf zwischen die Augen getroffen,<br />

taumelte die Braune, doch erst der<br />

zweite Schlag ließ ihre Beine unter dem<br />

schweren Leib einknicken, der langsam<br />

dann zur Seite sank. Die Augen erneut<br />

nach hinten gerollt, blicklos dieses Mal.<br />

Die Zunge bläulich und verdreht aus dem<br />

Maul gehängt, als müsse sie mit der Spitze<br />

vom harten Pflaster kosten.<br />

Schnell drückte er den Kopf der Braunen<br />

nach hinten, bis die Sehnen in seinem Arm<br />

buchjournal 5/2011 63<br />

»Seine Schritte<br />

erkannte die<br />

Braune immer<br />

schon von Weitem«<br />

spannten wie auch in ihrem Hals, wo er mit<br />

der anderen Hand das Stichmesser an die<br />

pulsende Ader setzte und tief bis fast zum<br />

Knochen schnitt. Unter dem sanften Maul<br />

nun ein zweiter tiefroter Schlund, aus dem<br />

Blut sich heiß ergoss. Als wolle die Seele<br />

sich lösen, stieg ein feiner Dampf auf in der<br />

klaren Luft, geleitet von seinem Atem, der<br />

wie das Blut nun schneller und schneller<br />

pumpte. Erst als der rote Strom als schmales<br />

Rinnsal verendete, gab er sanft ihren<br />

Kopf frei.<br />

Nur langsam kam er auf die Beine, musste<br />

sich stützen auf den massigen Leib der<br />

Braunen in ihrem Blut, das sich noch immer<br />

neue Flussbetten suchte und dabei die<br />

unebenen Pflastersteine wie Inseln umspülte.<br />

Auf seiner Schürze aber, das sah er<br />

jetzt, trug er ein Mal, ein tiefroter Fleck<br />

starrte ihm entgegen wie ein Auge, <strong>des</strong>sen<br />

unerbittlichem Blick er sich lange nicht<br />

entziehen konnte. Kaum konnte er aber die<br />

Augen heben, sah er sich von der Bäuerin<br />

angestarrt. Nur ein helles Auge aber war es,<br />

das ihn nun weit geöffnet und lidlos verfolgte,<br />

wohin er seinen Blick auch wenden<br />

mochte.<br />

In einem dunklen Schneegestöber hatte<br />

er sich einmal gewähnt, als nach langen<br />

Stunden Arbeit in gleißend hellem Sonnenlicht<br />

dunkle Flecken um sein Gesicht<br />

tanzten. Ein Nachbild sei das und müsse<br />

von selbst wieder vergehen, hatte ihm der<br />

Doktor damals erklärt und – angetan 0<br />

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London 1529: Der vierzehnjährige<br />

Nick of Waringham lebt als Internatsschüler<br />

im Haus <strong>des</strong> berühmten<br />

Humanisten Sir Thomas More. Als<br />

Nicks Vater in Verdacht gerät, ein<br />

Lutheraner und Häretiker zu sein,<br />

muss Nick nach Waringham zurückkehren.<br />

Kurz darauf wird der Earl of<br />

Waringham wegen <strong>des</strong> Verdachts auf<br />

Ketzerei verhaftet, und Nick findet<br />

heraus, dass sein Vater Opfer einer<br />

politischen Intrige geworden ist …<br />

0 von seinem Interesse an diesen Dingen<br />

– ihm sogar einen Artikel dazu in<br />

einem dicken Buch gezeigt. So, wie er die<br />

Ausführungen verstanden hatte, konnte<br />

das Auge eine Farbe, von der es genug gesehen<br />

hatte, wie zum Ausgleich ins Gegenteil<br />

verkehren.<br />

Und nun verstand er auch, dass er nun<br />

endlich den hellen Augen der Bäuerin einen<br />

Namen geben konnte, der weder blau<br />

noch grün war, sondern irgendwie bei<strong>des</strong><br />

zusammen und auch wieder nicht. Zyan<br />

hieß die Farbe, an der sich seine Augen nun<br />

abkühlen mussten, da sie sich am Rot <strong>des</strong><br />

Blutes überfressen hatten. Zyan war der<br />

Blick, der sich giftig in sein Hirn brannte<br />

und selbst noch den Weg hinter die geschlossenen<br />

Lider fand. Zyan aber war<br />

auch das Auge, das sich von der weiß getünchten<br />

Stallwand abhob und sich nicht<br />

einmal von seinem verzweifelten Blick gen<br />

Himmel abschütteln ließ.<br />

Es setzte sich fest auf dem blassen Eingewei<strong>des</strong>ack,<br />

bevor sich dieser mit einem<br />

Schmatzen aus der Bauchhöhle <strong>des</strong> Kadavers<br />

erbrach. Nicht einmal die Masse der Innereien<br />

konnte das helle Auge für immer unter<br />

sich begraben, kroch es doch im nächs ten<br />

Moment schon über das tiefrote Fleisch zurück<br />

in die klaffende Wunde, um als zyanfarbene<br />

Iris unter seinem Blick langsam über<br />

das silbrigzarte Häutchen im nun weit offenen<br />

Leib der Braunen zu wandern.<br />

Wie bei einem unerbittlichen Versteckspiel<br />

blinzelte es immer wieder auf zwischen<br />

den fahlen Falten der Haut, die das<br />

tote Tier nur mehr lose wie ein Mantel umhüllte.<br />

Seine vor Schweiß nassen Hände<br />

konnten die Knochensäge kaum halten, die<br />

sich knackend und knirschend entlang der<br />

Wirbelsäule durch den schweren Körper<br />

der Braunen fraß. Von Wirbel zu Wirbel<br />

hüpfend, war das helle Auge den metallenen<br />

Zähnen immer einen Schritt voraus.<br />

Zur Person<br />

Rosarote Prinzessinnen? Wie langweilig. Ich wollte schon als Kind lieber<br />

vielseitig leben – und professionelle Bücherleserin werden. Weil passende<br />

Job angebote auf sich warten ließen, kam dann doch Plan B zum Tragen: das<br />

Schreiben. Schon während meines Studiums der Biologie und Politikwissenschaften<br />

stieg ich als freie Autorin in den Wissenschaftsjournalismus ein. Nach<br />

gut zehn Jahren dicht an der Forschung – von der Archäologie bis zur Zellbiologie<br />

– ist „Das Fleisch“ mein erster Ausflug in die Fiktion. Derzeit arbeite ich an einem<br />

Buch, einer Forscherbiografie. (www.susanne-wedlich.com)<br />

»Als wolle die Seele<br />

sich lösen, stieg ein<br />

feiner Dampf auf in<br />

der klaren Luft«<br />

Vom Kopf der Braunen hatte er die Haut gezogen,<br />

doch auch aus den leeren Augenhöhlen<br />

dieser Maske traf ihn ein starrer<br />

Blick in Zyan.<br />

Da packte er fest den Schädel, auch blutig<br />

schmiegte sich das Maul noch in seine<br />

Hand, während die andere fast am blanken<br />

Knochen abgeglitten wäre, hätte sie nicht<br />

eines der weichen Ohren zu fassen bekommen.<br />

Ganz nah vor das Gesicht hielt er den<br />

Schädel, bis sich ihm das dunkle Auge in<br />

seiner grenzenlosen Tiefe offenbarte. In<br />

die se Schwärze zwang sein Blick das helle<br />

Auge, in dem sich ein kaltes Grün und ein<br />

noch kälteres Blau vereinten, um es noch<br />

einmal hell erstrahlen und sich dann verlieren<br />

zu sehen.<br />

Dunkel war es schon, und unversehens<br />

strich ihm auf dem Weg zum Haus ein<br />

warmer Wind ins Gesicht. Die Braune war<br />

ihm nur mehr Haut und Fleisch, aus dem er<br />

mit spitzem Ausbeiner sorgsam die Knochen<br />

geschält hatte. Axt und Säge waren<br />

schon wieder geschärft, auch die Klingen<br />

der Messer bereits ein letztes Mal geschliffen.<br />

So selten verirrte er sich in die gute<br />

Stube, dass er zunächst gar nichts zu sagen<br />

wusste, nur seinen Blick in die Augen der<br />

Bäuerin zwang. Ihr Blick aber glitt ab und<br />

blieb hängen an seinen blutigen Händen<br />

und dem kleinen Fleisch darin. Trächtig<br />

war die Braune gewesen. „Ich geh’ jetzt“,<br />

sagte er und schloss, ohne erst die Hände<br />

abzuwischen, die Tür hinter sich. <br />

Susanne Wedlich<br />

© privat<br />

www.luebbe.de<br />

64<br />

buchjournal 5/2011


SACHBUCH_GESELLSCHAFT<br />

Viel mehr Nachdenken und viel mehr Nachhaltigkeit: Jeremy Rifkin<br />

fordert ein Umdenken in Sachen Energie und Wirtschaft.<br />

Veränderungen beginnen<br />

auf lokaler Ebene<br />

TEXT: HOLGER EHLING<br />

Mit Leichtigkeit<br />

zu den wirklich<br />

wichtigen Dingen<br />

im Leben!<br />

Klimawandel, Finanzkrise, Atomkatastrophe<br />

in Japan – die Welt im Jahr<br />

2011 ist ungemütlich geworden. W. B.<br />

Yeats beschwor nach dem Ende <strong>des</strong> Ersten<br />

Weltkriegs in seinem Gedicht „The Second<br />

Coming“ das Gefühl der Beklommenheit,<br />

das sich breitmachte: „Zerfall<br />

ringsum, das Zentrum hält nicht stand /<br />

Die Anarchie ist losgelassen in die Welt“<br />

– das passt auch für unsere Zeiten.<br />

Wer hätte noch vor einem Jahr daran gedacht,<br />

dass die Bun<strong>des</strong>regierung sich den<br />

Atomausstieg auf die Fahne schreiben<br />

würde? Wer hätte es für möglich gehalten,<br />

dass Deutsche-Bank-Chef Josef<br />

Ackermann die Finanzmärkte dazu aufruft,<br />

sich ihrer dienenden Funktion für<br />

die Gesellschaft zu erinnern?<br />

Jeremy Rifkin, US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler,<br />

gehört zu jenen,<br />

die eben solche Besinnung der politisch<br />

und wirtschaftlich Verantwortlichen seit<br />

vielen Jahren einfordern. Allerdings belässt<br />

er es nicht bei hehren Forderungen,<br />

sondern er zeigt konkrete Möglichkeiten<br />

auf, wie eine zukünftige Gesellschaft gestaltet<br />

werden kann.<br />

In seinem neuen Buch „Die dritte industrielle<br />

Revolution“ setzt er sich mit den Strategien<br />

für eine Welt jenseits der Abhängigkeiten<br />

von Öl und Atom auseinander. Dabei<br />

sieht er bereits jetzt die Ansätze für einen<br />

Übergang zu neuem Wirtschaften: Von der<br />

Förderung regenerativer Energien bis zu<br />

neuen Umgangsformen im betrieblichen<br />

Alltag sind heute schon wichtige Entwicklungen<br />

im Gange – auch wenn sie noch keine<br />

Selbstverständlichkeiten <strong>des</strong> politischen<br />

und wirtschaftlichen Bewusstseins geworden<br />

sind.<br />

Rifkin zeigt an vielen Beispielen, wie der<br />

Umbau der Gesellschaft funktionieren<br />

Fukushima im März: Die Katastrophe führte zu<br />

einem Kurswechsel der Bun<strong>des</strong>regierung<br />

kann. Immer wieder beginnt die Veränderung<br />

nicht auf der großen Ebene der Nationen,<br />

sondern auf lokaler und regionaler<br />

Ebene. Nur dort kann es gelingen, die Menschen<br />

anzusprechen und zu überzeugen,<br />

nur dort lassen sich die Effekte veränderten<br />

Handelns im Alltag positiv erleben.<br />

Mehr als ein Dutzend Bücher hat Rifkin<br />

zum Thema <strong>des</strong> notwendigen Wandels bereits<br />

geschrieben, er berät Wirtschaft und<br />

Politik – und auch „Die dritte industrielle<br />

Revolution“ ist Pflichtlektüre für alle, die<br />

es ernst meinen mit der Gestaltung einer<br />

lebenswerten Zukunft.<br />

<br />

Lesezeichen<br />

Jeremy Rifkin: Die dritte<br />

industrielle Revolution.<br />

Die Zukunft der Wirtschaft nach<br />

dem Atomzeitalter. Übersetzt<br />

von Bernhard Schmid. Campus,<br />

304 S., 24,99 € (D) •<br />

25,70 € (A) • 35,90 sFr.<br />

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Kennen Sie Ihre Ziele, Wünsche,<br />

âTräume? Wirklich! Erreichen Sie Ihre<br />

persönlichen Gipfel! Steve Kroeger<br />

nimmt Sie mit auf eine spannende<br />

Reise zu mehr Klarheit, Einfachheit<br />

und Leichtigkeit.<br />

Das 7 Summits Projekt ist der<br />

âSelbstversuch <strong>des</strong> Autors, in sieben<br />

Jahren die sieben jeweils höchsten<br />

Gipfel aller Kontinente zu besteigen,<br />

und gleichzeitig eine Metapher für<br />

die Suche nach persönlichen Herausforderungen<br />

und Zielen.<br />

Mit zahlreichen, atemberaubenden<br />

âFotos von den Dächern der Welt!<br />

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buchjournal 5/2011 65<br />

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Griechenland<br />

am Abgrund<br />

Matthew Lynn be<strong>schreibt</strong> unterhaltsam<br />

und packend, wie sich Griechenland nach<br />

seinem Beitritt zum Euroraum 2001 „auf<br />

Pump“ Wohlstand erwirtschaftete und wie<br />

diese Blase plötzlich platzte. Er zeigt, welche<br />

Auswirkungen dies nicht nur auf die griechische<br />

Wirtschaft sondern auf die gesamte<br />

Volkswirtschaft im Euro-Raum und vielleicht<br />

auf das gesamte globale Finanzsystem hatte<br />

und hat. Bei der Rettung Griechenlands<br />

und <strong>des</strong> Euros wurde nicht nur die „Bailout-<br />

Klausel“, nach der kein Land für ein anderes<br />

haften solle, missachtet und ein Rettungspaket<br />

in einer Höhe von 110 Milliarden Euro<br />

geschnürt. Auch die Prinzipien der Europäischen<br />

Zentralbank (EZB) wurden bewusst<br />

missachtet. Der Autor be<strong>schreibt</strong>, wie<br />

Deutschland maßgeblich an der Rettung mitwirkte<br />

und mit einem Beitrag in Höhe von<br />

23,4 Milliarden Euro nun den größten Anteil<br />

am Rettungspaket für Griechenland trägt,<br />

dem ein noch größeres Paket zur Rettung <strong>des</strong><br />

Euro in Höhe von 750 Milliarden Euro folgte.<br />

Matthew Lynn wirft aber auch einen Blick<br />

auf die Situation der anderen PIIGS-Staaten<br />

(Portugal, Italien, Irland und Spanien).<br />

SACHBUCH_POLITIK<br />

Demonstrationen, Aufstände und verjagte Diktatoren: In vielen<br />

arabischen Staaten ist nichts mehr, wie es war. Neue Bücher<br />

analysieren die Lage und dokumentieren die Veränderungen.<br />

Aufbruch zur Freiheit<br />

TEXT: CHRISTOPH SCHRÖDER<br />

GRIECHENLAND, DER EURO UND<br />

DIE STAATSSCHULDENKRISE<br />

Matthew Lynn<br />

Pleite<br />

Griechenland, der Euro und<br />

die Staatsschuldenkrise<br />

Wiley, 2011. 348 Seiten. Gebunden.<br />

19,90 € (D) • 20,50 € (A) • 32,90 sFr.<br />

ISBN: 978-3-527-50604-0<br />

© jcarillet / istockphoto<br />

Noch immer ist die arabische Welt,<br />

wenn es sie als homogenes Gebilde<br />

denn überhaupt gibt, für den Westen ein<br />

weitgehend unbekanntes Terrain. Sie ist<br />

besetzt mit Projektionen und Fantasien,<br />

aber auch mit Klischees und Vorurteilen.<br />

Wo Islamkritik anfängt und wo Islamophobie<br />

beginnt – das lässt sich seit den Anschlägen<br />

vom 11. September vor zehn Jahren<br />

kaum noch genau sagen.<br />

Als Ende 2010 die ersten Wellen der arabischen<br />

Revolution ins Rollen kamen, zunächst<br />

in Tunesien, dann in Ägypten, reagierte<br />

der Westen mit einer Mischung aus<br />

Hoffnung und Skepsis: Hoffnung darauf,<br />

dass die aufkeimende Demokratiebewegung<br />

zu einer Stärkung der politisch gemäßigten<br />

Kräfte führen könnte; Skepsis<br />

darüber, ob nicht radikale Kräfte ihre<br />

Chance nutzen und in das nun entstehende<br />

politische Machtvakuum hineinstoßen<br />

werden.<br />

Hoffnung auf eine bessere Zukunft: Mädchen<br />

bei einer Demonstration in Ägypten<br />

Es ist kein Zufall und durchaus passend,<br />

dass der diesjährige Friedenspreisträger<br />

<strong>des</strong> Deutschen <strong>Buchhandels</strong> aus der arabischen<br />

Welt kommt: Der Algerier Boualem<br />

Sansal gehört zu den wenigen kritischen<br />

Intellektuellen, die ihrem Land<br />

noch nicht den Rücken gekehrt haben. In<br />

seinem bereits 2006 im Original erschienenen<br />

Brief „Postlagernd: Algier“ an seine<br />

Landsleute rechnet er mit den dortigen<br />

Machthabern ab und analysiert zugleich<br />

treffend die politische Lage in Algerien.<br />

Ebenso hautnah an den gegenwärtigen<br />

Umbrüchen ist Karim El-Gawhary: Der<br />

Sohn einer <strong>deutschen</strong> Mutter und eines<br />

ägyptischen Vaters leitet das Nahostbüro<br />

<strong>des</strong> ORF in Kairo. El-Gawhary hat über<br />

sämtliche Nachrichtenkanäle vom Aufstand<br />

in Ägypten berichtet; nun legt er sein<br />

66<br />

buchjournal 5/2011


„Tagebuch der arabischen Revolution“<br />

(Kremayr & Scheriau) in Buchform vor. Es<br />

nimmt die Leser noch einmal mit nach Tunis,<br />

Kairo und Libyen, führt ihnen die unruhigen<br />

Monate plastisch vor Augen.<br />

Auch die Journalistin Kristina Bergmann<br />

hat für „Tausendundeine Revolution“<br />

ein Kaleidoskop von Eindrücken gesammelt.<br />

Bergmann, „NZZ“-Korrespondentin<br />

für den Nahen Osten, hat in<br />

Ägypten Stimmen aus den unterschiedlichsten<br />

gesellschaftlichen Gruppen und<br />

Schichten zusammengetragen: Junge und<br />

Alte, Männer und Frauen, Christen und<br />

Muslime bekommen eine authentische<br />

Stimme. Kommunikationsexpertin Judith<br />

Hornok, die für Unternehmen Cross-<br />

Culture-Seminare gibt, um die arabische<br />

Welt besser verstehen zu lernen, hat den<br />

Fokus auf die neue Generation der Frauen<br />

in den Arabischen Emiraten gelegt. In vielen<br />

Gesprächen mit ihnen arbeitet Hornok<br />

in „Moderne arabische Frauen“ (Molden)<br />

heraus, wie sie denken, wie ihre Karrieren<br />

verlaufen, welche Veränderungsprozesse<br />

im Gang sind.<br />

Einen weniger unmittelbaren, distanzierteren<br />

Blick auf die Ereignisse in Nordafrika<br />

wirft der Sammelband „Die arabische<br />

Revolution“ (Ch. Links), in dem<br />

Politologen, Historiker und Journalisten<br />

jeweils kapitelweise eines der Länder der<br />

arabischen Welt behandeln. Detailliert<br />

werden die zahlreichen Verflechtungen<br />

dargestellt, die das Themenfeld so komplex<br />

werden lassen: Religiöse, wirtschaftliche<br />

und territoriale Ansprüche bilden<br />

eine schwer trennbare Einheit. Trotzdem<br />

erscheint je<strong>des</strong> Land als Sonderfall, sei es<br />

Syrien, Marokko oder Saudi-Arabien.<br />

Sehr gründlich analysiert der Nahost-<br />

Experte Michael Lüders, lange Jahre<br />

Korres pondent der „Zeit“, in „Tage <strong>des</strong><br />

Zorns“ die Ursprünge und Auslöser für die<br />

zornigen Ausbrüche gegen die diktatorischen<br />

Regime. Lüders führt ebendiese<br />

auf politische Fehlkalkulationen in der<br />

westlichen Welt zurück.<br />

Nun, nachdem der Aufstand ausgebrochen<br />

ist, muss auch der Westen eine Haltung<br />

finden, eine politische, aber auch eine<br />

geistige. Hamed Abdel-Samad, Mitarbeiter<br />

der UNESCO und Mitglied der <strong>deutschen</strong><br />

Islamkonferenz, stellt in seinem neuen<br />

Buch die provozierende Frage „Krieg oder<br />

Frieden?“ und macht deutlich, dass die<br />

Antwort auf diese Frage auch außerhalb<br />

der arabischen Welt liegt. Entscheidend<br />

sei, wie der Westen sich gegenüber den zu<br />

erwartenden Flüchtlingsströmen verhalte<br />

und welche Rolle er im Kampf der <strong>des</strong>tabilisierten<br />

Systeme spielen wolle.<br />

Für einen Dialog zwischen Christen und<br />

Muslimen schließlich plädiert Wolf Ahmed<br />

Aries, Mitbegründer der Gesellschaft Muslimischer<br />

Sozial- und Geisteswissenschaftler,<br />

als Deutscher im christlichen Glauben<br />

aufgewachsen und seit Jahren Muslim, in<br />

seinem Buch „Der christlich-islamische Dialog.<br />

Chancen und Grenzen“ (Tectum). Barrieren<br />

abbauen, so lautet die Grundforderung.<br />

Und das gilt für den Westen wie auch<br />

für die arabische Welt.<br />

<br />

Unsere<br />

Buchempfehlungen<br />

Reiner Bischoff<br />

Fehlerhaftes Geld – kaputte Welt<br />

ISBN: 978-3-86279-031-9<br />

105 Seiten<br />

Kann man mit dem heutigen<br />

Zustand der Welt zufrieden<br />

sein? Wohl kaum. Ganz anders<br />

aber sähe die Welt aus –<br />

gäbe es den Zins nicht mehr.<br />

Otto Hegnauer<br />

Alma Zombie<br />

ISBN: 978-3-86279-033-3<br />

247 Seiten<br />

Am 12. Januar 2010 wurde<br />

Haïti zur Bühne der Welt,<br />

Trauerbühne für eine der<br />

größten Tragödien der<br />

Menschheitsgeschichte.<br />

Lesezeichen<br />

1. Boualem Sansal: Postlagernd: Algier. Zorniger und hoffnungsvoller Brief an meine Landsleute.<br />

Übersetzt von Ulrich Zieger u.a. Merlin, 84 S., 9,90 € (D) • 10,20 € (A) • 14,90 sFr.<br />

2. Kristina Bergmann: Tausendundeine Revolution. Die arabische Welt im Umbruch.<br />

Lenos, 150 S., 14,90 € (D/ A) • 22,50 sFr.<br />

3. Michael Lüders: Tage <strong>des</strong> Zorns. Die arabische Revolution verändert die Welt. C. H. Beck,<br />

207 S., 19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 30,50 sFr.<br />

4. Hamed Abdel-Samad: Krieg oder Frieden. Die arabische Revolution und die Zukunft <strong>des</strong> Westens.<br />

Droemer Knaur, 240 S., 18,– € (D) • 18,50 € (A) • 29,90 sFr.<br />

buchjournal 5/2011 67<br />

Paul A. Truttmann<br />

Die Macht der Beziehung<br />

ISBN: 978-3-86683-721-8<br />

144 Seiten<br />

Mut heißt nicht, keine Gefahr<br />

zu kennen, sondern sich seiner<br />

Angst bewusst zu sein – und<br />

den Weg trotzdem zu gehen.<br />

Walter Horvath<br />

Dracula<br />

ISBN: 978-3-86683-904-5<br />

272 Seiten<br />

Dieses Kochbuch ist ein<br />

ungewöhnliches Buch. Begeben<br />

Sie sich auf eine kulinarische<br />

Entdeckungsreise durch die<br />

pannonische Genusswelt!<br />

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SACHBUCH_UMWELTSCHUTZ<br />

Ein Gespräch mit dem australischen Biologen und Umweltschützer Tim Flannery<br />

über Optimismus, globales Handeln, Evolution und die Politik nach Fukushima.<br />

„Alles dreht<br />

sich um<br />

Synergie“<br />

INTERVIEW: ALEXANDER KLUY<br />

Zur Person<br />

Tim Flannery, geboren 1957, ist Biologe und Paläontologe<br />

und lehrt an der Macquarie University in<br />

Sydney. Bei Expeditionen in den frühen 1980er Jahren<br />

entdeckte er 29 neue Känguru-Arten. 2007<br />

wurde er als Autor <strong>des</strong> internationalen Bestsellers<br />

„Wir Wettermacher“ zum „Australian of the Year“<br />

gewählt. Seit Februar 2011 ist Flannery Vorsitzender<br />

der australischen „Climate Commission“.<br />

Wieso gaben Sie der englischen Ausgabe Ihres<br />

Buchs den Untertitel „An Argument for Hope“,<br />

ein Plädoyer für Hoffnung?<br />

Tim Flannery: Ich habe das Buch gleich<br />

nach der Klimakonferenz in Kopenhagen<br />

2009 begonnen. Damals war ich ziemlich<br />

deprimiert und dachte: Welche Hoffnung<br />

haben wir noch? Um das zu beantworten,<br />

bin ich bis zu den Grundlagen unserer Beziehung<br />

zur Erde zurückgegangen. Es ist verblüffend,<br />

dass wir ganz offensichtlich gierig<br />

und selbstbezogen sind – was uns aber nicht<br />

als globale Intelligenz disqualifiziert!<br />

Sie haben noch Hoffnung, dass wir den Planeten<br />

Erde nicht endgültig zerstören?<br />

Ja, ich denke, es gibt noch Hoffnung. Die<br />

größte Überraschung für mich beim Schreiben<br />

<strong>des</strong> Buchs war: Mir wurde klar, dass<br />

Menschen einen Superorganismus bilden.<br />

Das ließ mich über die Fundamente einer<br />

neuen Form sozialen Lebens nachdenken,<br />

die auf Arbeitsteilung basiert. Wenn man<br />

einmal die Fähigkeit zur Arbeitsteilung<br />

entwickelt hat, folgt alles andere. Wir sind<br />

alle Spezialisten.<br />

Ist die „Entwertung der Zukunft“, wie Sie es<br />

nennen, ein Erziehungsproblem?<br />

Die These von der Entwertung der Zukunft<br />

hat enorme Bedeutung. Was wir brauchen,<br />

sind besser ausgebildete Gesellschaften<br />

mit einer gewissen wirtschaftlichen<br />

Sicherheit. Wenn Menschen das<br />

nicht haben, wird Nachhaltigkeit irrelevant.<br />

Sie verbrauchen das, was sie heute benötigen,<br />

auch wenn es ihre Zukunft kostet.<br />

Tim Flannery: „Wir müssen uns in<br />

grundlegender Art und Weise ändern“<br />

Das verlangt aber von uns ein grundsätzliches<br />

Umdenken.<br />

Richtig, wir müssen uns wohl recht fundamental<br />

ändern. Analogien finde ich immer<br />

nützlich. Und eine Analogie zu<br />

menschlichem Verhalten ist etwa, dass<br />

auch die Natur dazu tendiert, sich auf verschiedenen<br />

Ebenen selber neu zu erfinden<br />

– die globale Evolution wiederholt den Evolutionsprozess<br />

einzelner Organismen.<br />

Wieso ist dabei Kooperation, nicht Konkurrenz<br />

für Sie der zentrale Faktor?<br />

Wenn wir zurückschauen und selbst die<br />

ganz junge Erde untersuchen, gab es, so<br />

weit wir das sagen können, schon beim Ursprung<br />

<strong>des</strong> Lebens Ökosysteme, die miteinander<br />

kooperierten. Wir sehen natürlich<br />

Lesezeichen<br />

Tim Flannery: Auf Gedeih und<br />

Verderb. Die Erde und wir:<br />

Geschichte und Zukunft einer<br />

besonderen Beziehung.<br />

S. Fischer, 368 S., 22,95 € (D) •<br />

23,60 € (A) • 32,90 sFr.<br />

© Filippo Cirri<br />

einzelne Arten, aber wir sehen auch und<br />

vor allem Gemeinschaften. Die miteinander<br />

kooperieren und miteinander leben.<br />

Wenn dies seit dreieinhalb Milliarden Jahren<br />

ein Wesenszug von Leben ist, dann sagt<br />

das etwas über Evolution. Es geht nicht um<br />

das Überleben der Stärksten. Alles dreht<br />

sich um Synergie.<br />

Ein US-Journalist meinte, für eine radikale<br />

Kursänderung brauche es eine Revolution ...<br />

Wandel an sich belastet das Grundmuster<br />

<strong>des</strong> Superorganismus. Bis zu einem gewissen<br />

Grad ist das gefährlich. Nachdem ich<br />

mein Buch abgeschlossen hatte, setzte der<br />

„Arabische Frühling“ ein. Ich habe diesen<br />

Wandel mit ganz anderen Augen gesehen,<br />

weil ich in meinem Buch schreibe, dass Demokratie<br />

das dominante Muster dieses<br />

Jahrhunderts wird – und dann sah ich die<br />

vom Internet getragenen Revolutionen im<br />

arabischen Raum.<br />

Für die deutsche Ausgabe haben Sie eigens ein<br />

Kapitel über Fukushima geschrieben. Indirekt<br />

also über das Ende der Atomkraft in Deutschland?<br />

Die Herausforderung, vor der Deutschland<br />

steht, ist einmalig. Die Menschen<br />

müssen verstehen, dass es ein heroisches<br />

Experiment ist, das sehr sorgfältig durchdacht<br />

und vermutlich jahrzehntelang begleitet<br />

werden muss. Deutschland ist da<br />

wirklich Avantgarde. Eine solche Aufgabe<br />

kann man auch als Chance begreifen. In<br />

meinen Augen ist es eine interessante und<br />

aufregende Herausforderung. <br />

68<br />

buchjournal 5/2011


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Lesestoff Sachbücher<br />

ARNO SCHMIDT<br />

Eine Jugend in Hamburg<br />

© ullstein bild<br />

Legenden<br />

der Leinwand<br />

STERBEKULTUR<br />

Des Menschen letzter Weg<br />

„Ich habe keine Angst vor<br />

dem Tod“, zitiert Fritz Roth<br />

anfangs Woody Allen, „ich<br />

möchte nur nicht dabei<br />

sein, wenn’s passiert.“ Angesichts<br />

der heutigen Mobilität<br />

stehen Allens Chancen<br />

gar nicht so schlecht,<br />

könnte man die Ironie<br />

dieses Spruchs noch auf<br />

die Spitze treiben. Familiengräber, an denen<br />

man die Lebensgeschichte vieler Generationen<br />

ablesen kann, werden immer seltener. Familiäre,<br />

lokale, konfessionelle, berufliche Bindungen lockern<br />

sich und lösen sich auf. Viele Menschen<br />

wissen, dass bestenfalls ein Gärtner sich um ihr<br />

Grab wird kümmern können. Der 1949 geborene<br />

Fritz Roth versteht sich als Pionier einer neuen<br />

Sterbekultur, die nicht mehr die traditionellen<br />

Rituale und Bestattungsvorschriften, sondern<br />

den Menschen in den Mittelpunkt rückt. Einen<br />

Menschen, der frei darüber entscheiden will, wo<br />

und wie man ihn zur letzten Ruhe bettet. Der Tod<br />

nämlich, so Roth am Schluss seiner ungemein<br />

lebendigen Tour d’Horizon, sei vor allem auch ein<br />

Individualisierer: „Im Tod trennt sich die Rolle,<br />

die Menschen in der Gesellschaft einnehmen,<br />

von dem unverwechselbaren, einzigartigen<br />

Menschen, der seinen eigenen Weg geht.“ Roths<br />

Buch liefert dazu wichtige Beispiele und Orientierungshilfen.<br />

ub<br />

^ Fritz Roth: „Das letzte Hemd ist bunt.<br />

Die neue Freiheit in der Sterbekultur“. Campus,<br />

189 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr.<br />

DIETRICH & RIEFENSTAHL<br />

Leben<br />

und Mythos<br />

Zwei deutsche Frauen, zwei Mythen ihrer<br />

selbst, überlebensgroß: Das sind Marlene<br />

Dietrich und Leni Riefenstahl. Beide waren<br />

Berlinerinnen, die eine in Schöneberg, die<br />

andere im Wedding geboren. Größer als ihr<br />

eigenes, das 20. Jahrhundert, größer als<br />

ihre eigenen Leben waren sie – die Dietrich<br />

starb 1992 im Alter von 90 Jahren, Riefenstahl<br />

elf Jahre später 101-jährig. Die beiden<br />

so unterschiedlichen Diven führt Karin Wieland<br />

nun in einer fulminant ausgreifenden<br />

Doppelbiografie zusammen. Die Berliner<br />

Kulturwissenschaftlerin erzählt detailreich<br />

von ihnen, die mit eisernem Willen und oft<br />

erschreckender und ihre engste Umwelt<br />

missachtender Disziplin den Erfolg suchten.<br />

Und ihn oft brachial erzwangen, mit ihrem<br />

Körper, mit großem Talent, noch größerem<br />

Ehrgeiz und Riefenstahl mit unverstelltem<br />

Opportunismus gegenüber den nationalsozialistischen<br />

Machthabern. Anhand beider<br />

langer Leben, Verschleierungen und Lügen<br />

und unter Auswertung von Nachlassmaterialien<br />

wird das 20. Jahrhundert als Jahrhundert<br />

dieser Frauen erhellend und erfrischend<br />

anders geschildert.<br />

ky<br />

^ Karin Wieland: „Dietrich & Riefenstahl.<br />

Der Traum von der neuen Frau“. Hanser, 632 S.,<br />

27,90 € (D) • 28,70 € (A) • 37,90 sFr.<br />

„Wenn Du das Hamburg<br />

Deiner Jahre 1912 – 28 wiedersehen<br />

willst,“ empfahl<br />

Arno Schmidt seiner Mutter<br />

1968, „dann setz Dich in<br />

Deinen bequemsten Stuhl;<br />

schließe die Augen; und<br />

concentriere Dich recht<br />

fest auf jene Tage.“ Hamburg-Hamm,<br />

in dem er<br />

1914 geboren worden war und bis 1928 lebte, war<br />

im Zweiten Weltkrieg ausradiert worden. Und was<br />

die Bomben der Alliierten überstanden hatte, das<br />

hatte der Wiederaufbau unkenntlich gemacht. Zu<br />

Schmidts Jugenderinnerungen gesellen sich in<br />

dem von Joachim Kersten kundig kommentierten<br />

Band Zeugnisse seiner Mutter, seiner Schwester<br />

Luzie und seiner ehemaligen Klassenkameraden.<br />

Das liefert Einblicke in Schmidts prägende Jugenderfahrungen.<br />

Und es lässt eine Welt auferstehen,<br />

die bei seiner Geburt noch ein Neubauviertel war<br />

und zu Lebzeiten schon Geschichte wurde. ub<br />

^ Joachim Kersten (Hrsg.): „Arno Schmidt in Hamburg“.<br />

Hoffmann und Campe, 208 S., 22,99 € (D) •<br />

23,60 € (A) • 36,90 sFr.<br />

FRAGEN UND ANTWORTEN<br />

Geschichten aus der Natur<br />

Warum lieben wir Biber?<br />

Warum gibt es unterschiedliche<br />

Hautfarben? Und: Wie<br />

sähe eine Welt ohne Menschen<br />

aus? Kinderfragen –<br />

auf die die meisten Erwachsenen<br />

keine Antwort<br />

wüssten. Der Ökologe Josef<br />

H. Reichholf ist Spezialist<br />

darin, scheinbar banale Fragen,<br />

hinter denen aber häufig komplexe Probleme<br />

lauern, verständlich und amüsant zu erklären. Dabei<br />

ist seine Herangehensweise oft recht pragmatisch:<br />

Religion dient vor allem der Stabilität einer<br />

Gesellschaft, genetisch veränderte Nutzpflanzen<br />

sind so alt wie der Ackerbau und die Zukunft <strong>des</strong><br />

Menschen ist nicht besonders rosig: „Keine Art von<br />

höheren Lebewesen ist bisher dem Aussterben<br />

entgangen“, <strong>schreibt</strong> er. Mitteleuropa wäre in wenigen<br />

Jahrzehnten von Wald bedeckt, Städte würden<br />

verfallen und das Leben auf der Erde würde<br />

anders aussehen – aber nicht schlechter, so Reichholf.<br />

„Denn die Natur wertet nicht.“<br />

bai<br />

^ Josef H. Reichholf: „Naturgeschichte(n)“. Knaus,<br />

320 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 30,90 sFr.<br />

70<br />

buchjournal 5/2011


ISLAND I<br />

Land der heißen Quellen<br />

Falls Sie eine Island-Reise planen, dürfen Sie den<br />

Besuch in einem Schwimmbad auf keinen Fall<br />

versäumen. „Nur wenige Dörfer haben eine Dorfkneipe,<br />

ein Schwimmbad gibt es überall“, <strong>schreibt</strong><br />

der in Berlin lebende Autor Kristof Magnusson.<br />

Das Baden in heißen Quellen pflegen die Isländer<br />

seit Urzeiten, entsprechend stolz sind sie auf diese<br />

kulturelle Errungenschaft. Man planscht dabei<br />

fast ausschließlich im Freien, und je schlechter<br />

das Wetter ist, umso mehr Spaß macht es. Doch<br />

Vorsicht: Der Besuch in einem Bad ist wahrscheinlich<br />

genauer geregelt als das isländische<br />

Bankenwesen. Es macht Spaß, Magnussons humorvolle<br />

Betrachtungen über dieses besondere<br />

Land im Norden zu lesen,<br />

das viel mehr zu bieten hat<br />

als nur Vulkane, Gletscher<br />

und eine sehr spezielle<br />

Sprache.<br />

bai<br />

^ Kristof Magnusson:<br />

„Gebrauchsanweisung für<br />

Island“. Piper, 194 S.,<br />

14,95 € (D) • 15,40 € (A) •<br />

21,90 sFr.<br />

ISLAND II<br />

„Weltweit am besten!“<br />

Wer Island verstehen will,<br />

braucht nicht gleich ein<br />

paar Jahre Fremdsprachenunterricht.<br />

Eine gute Einführung<br />

in dieses ganz und<br />

gar ungewöhnliche Land<br />

sollte es aber schon sein.<br />

Sehr zu empfehlen ist dafür<br />

Marie Krügers vorbildliches<br />

Länderporträt: Geografie,<br />

Sprache, Politik und Kultur – kaum ein Aspekt,<br />

den die Autorin nicht beleuchtet. Wir lesen, dass<br />

die Isländer auf ihr Land über alle Maßen stolz<br />

sind („Ísland – best íheimi!“ – „Island – weltweit<br />

am besten!“), sie üppige Kuchen schätzen. Und<br />

dass erstaunlich viele Isländer – aber auch Touristen!<br />

– eines unnatürlichen To<strong>des</strong> sterben.<br />

Schuld sind allerdings nicht Mord und Totschlag –<br />

die Isländer sind ein überaus friedfertiges Volk –,<br />

sondern die Launen der Natur in Form von<br />

Schneestürmen, Erdrutschen, Lawinen und Gletscherspalten.<br />

bai<br />

^ Marie Krüger: „Island. Ein Länderporträt“.<br />

Ch. Links, 200 S., 16,9o € (D) • 17,40 € (A) • 24,90 sFr.<br />

POMPEJI<br />

Antike Welt im Bimsstein<br />

Als der Vesuv am 24. August <strong>des</strong> Jahres ’79 eine<br />

glühend heiße Wolke ausspuckte, die bald die<br />

Form einer Schirmakazie annahm, war das Schicksal<br />

Pompejis besiegelt. Gebäude und zurückgebliebene<br />

Bewohner wurden vom Ascheregen in eine<br />

dreidimensionale Momentaufnahme <strong>des</strong> Alltags<br />

einer römischen Stadt gebannt. Wie die Mücke im<br />

Bernstein wurde Pompeji zur Welt im Bimsstein.<br />

Wohlerhalten war es seit dem 18. Jahrhundert eine<br />

Fundgrube für Archäologen. Die jäh ihrer Existenz<br />

entrissenen Pompejaner hatten nicht darüber entscheiden<br />

können, was sie von sich überliefern<br />

wollten und was nicht. Mary Beards faszinieren<strong>des</strong><br />

Buch liefert so eine enzyklopädische unzensierte<br />

Rekonstruktion ihres Lebens, zu dem neben Tempeln<br />

auch Bordelle und neben<br />

kunstvollen Mosaiken<br />

auch obszöne Wandsprüche<br />

gehörten.<br />

ub<br />

^ Mary Beard: „Pompeji.<br />

Das Leben in einer römischen<br />

Stadt“. Reclam, 480 S.,<br />

29,95 € (D) • 30,80 € (A) •<br />

42,50 sFr.<br />

Jetzt im Buchhandel!<br />

»Fußball ist ein einfacher Sport,<br />

jeder versteht die Regeln,<br />

und wer mehr Tore macht,<br />

hat gewonnen.<br />

Aber dann wird es<br />

auch schon kompliziert.«<br />

Philipp Lahm<br />

272 Seiten mit Bildteil,<br />

Euro 19,90<br />

ISBN 978-3-88897-729-9<br />

buchjournal 5/2011 71<br />

verlag antje<br />

kunstmann<br />

www.kunstmann.de


Bücher für Entdecker<br />

Wieder ein neuer Coldàn<br />

Coldàn: Ein totes Kind und doppelte Schatten<br />

ISBN 978-3-8448-7280-4, PB, 448 Seiten, € 24,95<br />

Timos Leben gerät aus den Fugen.<br />

Seine kleine Tochter wurde ermordet,<br />

kurze Zeit später seine peruanische<br />

Frau. Die Polizei verdächtigt Timo,<br />

doch der Unternehmer ist selbst in<br />

Gefahr: Er wird von einem Unbekannten<br />

verfolgt. Ein fulminanter<br />

Thriller um Perversion, Heimtücke und<br />

Verrat (herausgegeben von Vito von<br />

Eichborn in der Edition BoD).<br />

Kampf ums Überleben<br />

Günther E.R. Glass:<br />

Gefangen im Morast der Vergangenheit<br />

ISBN 978-3-8423-1469-6, PB, 244 Seiten, € 17,80<br />

Ein Segeltörn nach Boston entwickelt<br />

sich zum erbarmungslosen Kampf<br />

gegen die Mafia. Dabei wollte Willi,<br />

der dort ein Unternehmen führt, den<br />

mitreisenden jungen Axel nicht in<br />

Gefahr bringen. Im Gegenteil: Er hält<br />

es für möglich, dass Axel sein Sohn<br />

ist. Ein rasanter Thriller über Liebe<br />

und Gewalt.<br />

Europa im Jahr 2024<br />

Henrik Denard: Die Nacht der Präsidenten<br />

ISBN 978-3-8423-4403-7, PB, 404 Seiten, € 24,90<br />

Zwei mächtige Organisationen beauftragen<br />

den Söldner Carl Nanninga,<br />

ein Kreuzfahrtschiff zu kapern. Dort tagen<br />

Staats- und Regierungschefs und<br />

einflussreiche Unternehmenslenker,<br />

um die beschlossene Gründung der<br />

Vereinigten Staaten von Europa vorzubereiten.<br />

Das soll Nanninga um jeden<br />

Preis verhindern. Ein mörderischer<br />

Wettlauf gegen die Zeit beginnt.<br />

Biographien<br />

Herbert Cor<strong>des</strong>: Berühmte Menschen<br />

ISBN 978-3-8311-4982-7, PB, 184 Seiten, € 15,90<br />

Sie weilen nicht mehr unter uns, sind<br />

aber alle auf die eine oder andere<br />

Weise interessant, bedeutsam oder<br />

bemerkenswert. In dieser Sammlung<br />

finden Sie Kurzbiographien von Alzheimer<br />

bis Zappa, von Brummel bis Palme<br />

und von Diderot und Lady Diana bis<br />

Orwell. Eine Fundgrube wissenswerter<br />

Einzelheiten. www.ClemensTerrell.de<br />

Auf dem Drahtseil<br />

Herrmann Rath: Kopfsalat<br />

ISBN 978-3-8391-7778-5, HC, 128 Seiten, € 19,90<br />

Der Tod ist nicht nur ständiger Begleiter<br />

potentieller Selbstmörder. Auch im<br />

scheinbar ganz normalen Leben führen<br />

wirre Gedanken, Obsessionen und<br />

Fehleinschätzungen zu bisweilen fatalen<br />

Folgen. Der Wahn wartet nur darauf,<br />

sich unser aller zu bemächtigen. Nicht<br />

jeden trifft es. Aber es könnte.<br />

Befreit leben<br />

Günther Dohmen: Aufgespießte Tabus<br />

ISBN 978-3-8423-9823-8, PB, 296 Seiten, € 17,50<br />

5 Tabu-Themen werden kritisch<br />

diskutiert: die Schule als Unterrichtsanstalt,<br />

die neue Sexualmoral, die<br />

Vergangenheits“bewältigung“, der<br />

Wachstumsglaube und die Angst<br />

vorm Sterben. Das Buch ist ein<br />

aufklärerisches Plädoyer für offenere<br />

Zukunftsperspektiven.<br />

Geschichte aufbereitet<br />

René Dick: Alliierte Kriegsverbrechen<br />

ISBN 978-3-8423-6783-8, PB, 520 Seiten, € 39,90<br />

In einer historischen Bestandsaufnahme<br />

muss alles auf den Tisch, nicht nur das<br />

Bild vom bösen Deutschen. Auch die<br />

Siegermächte verfolgten ideologische<br />

Interessen! Immerhin: 5 Millionen Männer,<br />

Frauen und Kinder starben in der<br />

„Obhut“ der Alliierten. Zahlen, Daten,<br />

Fakten: ungeschminkt und wahr.<br />

Wie wir leben sollen<br />

Alfred Kleine: Weisungen der Schöpfung<br />

in medialen Mitteilungen<br />

ISBN 978-3-8423-9675-3, PB, 152 Seiten, € 11,90<br />

Vom Anbeginn der Zeit erhält die<br />

Menschheit „mediale Mitteilungen“<br />

der Schöpfung, die sie auf den Zweck<br />

<strong>des</strong> Lebens hinweisen. Wir Menschen –<br />

„duale Wesen“ aus Körper und<br />

unsterblicher Seele – sind für uns selbst<br />

verantwortlich. Dieses Buch be<strong>schreibt</strong><br />

Aussagen von 15 Medien der letzten<br />

Jahrhunderte.


Bücher für Entdecker<br />

Geist überlebt Materie<br />

Walter van Laack: Wer stirbt, ist nicht tot!<br />

ISBN 978-3-9366-2412-0, PB, 272 Seiten, € 24,80<br />

ISBN 978-3-9366-2413-7, HC, 272 Seiten, € 35,00<br />

Der Autor, Facharzt und Hochschulprofessor<br />

wagt eine wohlbegründete,<br />

alternative Sichtweise auf die Welt.<br />

Dabei verknüpft er wissenschaftliche<br />

Ergebnisse mit religiösen Anschauungen<br />

und kommt zu einem erstaunlichen<br />

Schluss: Jeder Einzelne stirbt nur<br />

körperlich. Unser Ich lebt unverändert<br />

weiter.<br />

Die Welt aus einem Guss<br />

Walter van Laack: Mit Logik die Welt begreifen<br />

ISBN 978-3-9366-2404-5, PB, 380 Seiten, € 29,80<br />

ISBN 987-3-9366-2407-6, HC, 380 Seiten, € 39,80<br />

Hier geht es um die großen Fragen:<br />

Gibt es Gott oder sind Leben und<br />

Geist nur Zufallsprodukte von<br />

Materie? Der Autor führt Naturwissenschaften<br />

und Religionen nahtlos<br />

zusammen und blickt über die verschiedensten<br />

fachlichen Teller ränder.<br />

Ein faszinieren<strong>des</strong> Buch, das zum<br />

Verstehen dieser Welt beiträgt.<br />

Gott und die Welt<br />

Alneg Christazaal: Geheimnisse zu Wort und Zahl<br />

in der Heiligen Schrift und der Welt<br />

ISBN 978-3-8448-8477-7, PB, 100 Seiten, € 14,00<br />

Ein lesenswertes Buch zeichnet sich<br />

dadurch aus, dass es stark polarisiert<br />

und doch positiv auf das reale Leben<br />

wirkt. Warum heißt alles, wie es heißt?<br />

Sind die Zahlen, wie sie sind? Finden<br />

Sie Antworten darauf und auf viele<br />

weitere Fragen in diesem Buch, um<br />

Gott und die Welt zu verstehen.<br />

China ist anders<br />

Bernhard Weßling: Hier bin ich Lao Wei<br />

ISBN 978-3-8423-0480-2, PB, 228 Seiten, € 49,00<br />

Als seine Firma in China nur Fehlschläge<br />

erleidet, geht Weßling trotz<br />

aller Vorurteile selbst hin. Er verwirft<br />

alle Ratschläge, sucht den eigenen<br />

Weg, taucht tief in China ein, löst viele<br />

Probleme. Humorvoll be<strong>schreibt</strong> er<br />

seine Erlebnisse, u. a. mit 140 Fotos.<br />

Ein Buch über China wie kein anderes.<br />

Rund und abgefahren<br />

Richard Deiss: Kommt Zeit, kommt Rad<br />

ISBN 978-3-8370-0273-7, PB, 160 Seiten, € 9,90<br />

Was hat das erste Laufrad mit einem<br />

Vulkanausbruch in Indonesien zu tun?<br />

Wieso gibt es Radler-Bier? Und was<br />

haben wohl Münster und Ubatuba<br />

gemeinsam? Amüsante Fakten und<br />

interessante Anekdoten zur Entwicklung<br />

von Fahrradtechnik und Fahrradverkehr.<br />

Für alle, die auf Fahrräder(n) abfahren.<br />

Twitter-Lyrik 3<br />

Books on Demand, Literaturcafe.de (Hrsg.):<br />

Twitter-Lyrik 3<br />

ISBN 978-3-8448-6187-7, PB, 104 Seiten, € 9,80<br />

Keines der Gedichte in diesem Buch<br />

ist länger als 140 Zeichen, denn die<br />

Werke wurden über den Kurznachrichtendienst<br />

Twitter verschickt.<br />

Der Band enthält alle Beiträge <strong>des</strong><br />

3. Twitter-Lyrik-Wettbewerbs von<br />

literaturcafe.de und BoD und ist den<br />

Erdbebenopfern von Japan gewidmet.<br />

„Wie mein Buch das LICHT der Welt erblickt? –<br />

Mit einem KLICK!“<br />

Ob Krimi, biographische Erinnerungen, Reiseberichte oder Fotobuch: Mit BoD haben<br />

Sie die Möglichkeit, Ihr eigenes Buch zu veröffentlichen. Ganz einfach, unkompliziert,<br />

schnell und risikolos über die Plattform www.bod.de. Und schon ist es für Ihre Leser<br />

zu haben: im Buchhandel und in Onlineshops.<br />

MEIN BUCH, MEIN ERFOLG.


Schwerpunkt Essen, Trinken & Genießen<br />

Sie ist frisch, lecker und besonders: die asiatische Küche. In neuen Büchern<br />

wird sie nicht nur appetitlich serviert, sondern sie lädt auch in ihre jeweiligen<br />

Heimatländer ein – mit Geschichten, Erinnerungen und Fotos der Autoren.<br />

Erst in den Lesesessel –<br />

dann ab in die Küche!<br />

TEXT: CONSTANZE KLEIS<br />

viel knackfrisches Gemüse, duftende<br />

Kräuter, aromatische Früchte, kaum Fett,<br />

eher wenig Fleisch, viel Fisch und dazu<br />

Reis – asiatisch geht immer. Nicht nur,<br />

weil die Küchen Japans, Thailands oder<br />

Koreas von vorbildlicher diätischer Bewusstheit<br />

geprägt und ernährungsphysiologisch<br />

ausgeklügelt sind, ohne dem Esser<br />

den dabei sonst oft fälligen Verzicht<br />

auf Geschmack und Genuss zuzumuten.<br />

In ihnen lebt auch diese schöne Schlaraffia-Idee:<br />

von allem etwas, und das gleichzeitig<br />

auf den Tisch. Kein Wunder, wenn<br />

sich Kochbücher, die diesem Schüsselchentraum<br />

huldigen, ungebrochener Beliebtheit<br />

erfreuen und diese wunderbar<br />

vielfältige Küche immer wieder aufs Neue<br />

entdeckt wird.<br />

Dass dabei immer noch erstaunliche<br />

Varianten und Zusatzfeatures möglich<br />

sind, zeigen gleich zwei Bücher aus dem<br />

Hädecke Verlag: „Thai Street Food“ und<br />

der aktuelle Nachfolger „Vietnam Street<br />

Food“. Autor Tom Vandenberghe hat dafür<br />

die Epizentren <strong>des</strong> Authentischen, die<br />

Straßenküchen der beiden Länder, bereist,<br />

wunderbare Originalrezepte gesammelt,<br />

sie – auch fotografisch – höchst appetitlich<br />

präsentiert und sehr verständlich beschrieben.<br />

So sind die Kochbücher auch<br />

kulinarischer Kulturführer und Reisetagebuch<br />

mit einer enormen atmosphärischen<br />

Dichte – hier wird man quasi vom Küchentisch<br />

aus auf Reisen geschickt.<br />

In der Buchhandlung könnten diese<br />

Bände also möglicherweise sowohl in der<br />

Koch- als auch in der Reiseabteilung zu<br />

finden sein. Ähnlich dürfte es auch bei<br />

dem Buch „Der Duft meiner Heimat. Die<br />

wunderbaren Rezepte meiner chinesischen<br />

Familie“ sein. Autorin Li Hong,<br />

die nach Hamburg kam, um dort Malerei<br />

und Illustration zu studieren, hat es wie<br />

ein kulinarisches Bilderbuch, einen Reiseführer<br />

zurück in ihre ganz persönliche<br />

Ess- und Familiengeschichte, gestaltet,<br />

mit vielen kleinen Familienfotos und fast<br />

träumerischen Illustrationen. Rezepte wie<br />

„gedämpfte Zuckerschoten mit Hackfüllung“<br />

oder „Doppelt gegarter Schweine-<br />

bauch“ sind auch von Hobbyköchen und<br />

ohne das Equipment einer Sterneküche<br />

locker zu bewältigen und dennoch alles<br />

andere als simpel. Küche oder Lesesessel?<br />

Am besten bei<strong>des</strong>!<br />

Davon, wie Heimatgefühle immer auch<br />

am Herd entstehen und Familiengeschichte<br />

beim Kochen, erzählen die drei gebürtigen<br />

Koreanerinnen Sunkyoung Jung,<br />

Yun-Ah Kim und Minbok Kou im „Korea-<br />

Kochbuch“. Sie beschreiben die Gerichte,<br />

die ihr Leben begleiten: wie etwa Soegalbijjim<br />

– geschmorte Rinderrippchen, die<br />

in Korea gern bei festlichen Anlässen serviert<br />

werden. Das von Tina Kraus hübsch<br />

durchillustrierte Buch ist sehr privat, sehr<br />

anrührend und bietet so einen ungewöhnlichen<br />

Blickwinkel auf einen in unseren<br />

Breitengraden noch weitgehend unerforschten<br />

Ess-Kosmos.<br />

Es ist ein Kosmos, in dem Kim Sohyi<br />

quasi das Zepter hält. Die gebürtige Südkoreanerin<br />

lernte bei ihrer Mutter, Besitzerin<br />

eines Gourmetrestaurants, kochen.<br />

Sie studierte dann Mode in Wien, arbeitete<br />

einige Jahre als Mode<strong>des</strong>ignerin, ehe sie<br />

zu ihrer eigentlichen Berufung zurückkehrte:<br />

dem Kochen. Seit 2011 betreibt die<br />

Sterneköchin das „Kim kocht“ in Wien<br />

und hat jetzt ihr zweites Kochbuch<br />

»Hier lebt die schöne<br />

Schlaraffia-Idee:<br />

von allem etwas<br />

auf den Tisch« 0<br />

74 buchjournal ••/2009 5/2011


Verführung Sei<br />

es mit oder ohne<br />

Stäbchen – Gerichte<br />

aus Japan, Vietnam<br />

oder Korea bieten ganz<br />

besondere Genüsse<br />

© ionse quisim<br />

© Trinette Reed / Blend Images / Corbis<br />

buchjournal 5/2011 75


SCHWERPUNKT ESSEN, TRINKEN & GENIESSEN<br />

0 veröffentlicht: „Kim kocht – neu“<br />

Auch bei der Übersetzung aus dem Französischen<br />

(Brandstätter). Es ist eine beeindruckende<br />

Fusion aus raffinierter Schlichtheit und<br />

überbordendem Einfallsreichtum. Schon<br />

die hinreißenden Fotos von „Jakobsmuscheln<br />

mit Beeren- und Orangen-Ingwersauce“<br />

oder „Hamachi-Carpaccio“ sorgen<br />

für vermehrten Speichelfluss (Fotograf:<br />

Thomas Schauer).<br />

Geboten wird etwa bei „Rehkitz-Sashimi“<br />

oder bei „Violetten Schupfnudeln mit<br />

Lemongras-Thunfisch-Sugo“ ein Crossover<br />

aus dem besten zweier großer Kochnationen.<br />

Sie habe, sagt Kim Sohyi, ein<br />

wenig die Schärfe aus ihren Rezepten genommen<br />

vermisst man etwas: mehr Sorg-<br />

falt. Wen interessiert es hierzulande, dass<br />

bestimmte Zutaten „in Frankreich praktisch<br />

nicht angeboten“ werden? Dazu hat<br />

der Inhalt ein deutlich schöneres Cover<br />

verdient als bloß eine klare Suppe, in der<br />

eine Garnele, einiges Gemüse und etwas<br />

herumschwimmen, das aussieht wie ein<br />

Stück Zellstoff (bei dem es sich – wie man<br />

auf Seite 124 erfährt – jedoch um ein Stück<br />

Reiskuchen handelt).<br />

Ähnlich lieblos wird auch Mridula Baljekar<br />

behandelt. Trotz ihrer beachtlichen<br />

Referenzen – in England ist die in Assam<br />

– „Koreaner essen gerne sehr<br />

geborene Kochbuchautorin sozusagen<br />

scharf !“ –, aber die schöne Tradition der<br />

vielfältigen Aromen, der frischen Kräuter,<br />

der taufrischen Zutaten und der kleinen<br />

Beilagen aufgegriffen. „Ich versuche, koreanische<br />

Tapas in verschiedenen Gängen<br />

zu präsentieren.“ Ihr persönliches Lieblingsrezept?<br />

Ganz einfach: „Warmer Reis<br />

mit frischem Gimtschi-Salat“.<br />

Auch fürs Auge ein Genuss: Die asiatische<br />

Küche will nicht nur dem Gaumen schmeicheln<br />

im Besonderen. Die dazugehörigen Rezepte<br />

werden jeweils von schönen Fotos<br />

und vom „Tipp meiner Mutter“ aufgewertet.<br />

ein Synonym für „Schätze der indischen<br />

Küche“, so der Titel ihres Kochbuchs –<br />

hat sich der Verlag jegliche Personalie gespart.<br />

Dabei hat die Autorin schon mal<br />

für Jerry Hall gekocht und eine Gartenparty<br />

in No. 10 Downing Street mit ausgerichtet.<br />

Natürlich merkt man den Rezepten, die<br />

Leider erfährt man an keiner Stelle, zum Teil auch fotografisch Schritt für<br />

wer Kaori Endo eigentlich ist, dazu muss Schritt durch den Entstehungsprozess von<br />

man erst das Internet bemühen: Sie lebt Methi Chaman (Indischer Käse mit Bockshornklee<br />

in Frankreich, arbeitet dort als Food-<br />

und Spinat) oder Masor Tenga<br />

Autorin und betreibt seit vorigem Jahr in (Fisch in scharfer Tomatensoße) leiten,<br />

Paris ein kleines Restaurant namens auch so ein austrainiertes Können und viel<br />

Nanashi. Wo man auch die Bento-Box erhält,<br />

Herzblut an. Aber irgendwie fehlt die letzte<br />

über die sie in ihrem Kochbuch Würze – sozusagen das menschelnde Ele-<br />

<strong>schreibt</strong>: sorgsam mit lauter kleinen ment. Schließlich weiß man nun, wie viel<br />

Köstlichkeiten aus der japanischen Küche besser es schmecken kann, wenn das Kochbuch<br />

gefüllte Lunchdosen.<br />

persönlich wird.<br />

<br />

Auch die Liebe zu einem Land führt als<br />

Erstes durch seine Küche und somit durch<br />

den Magen. Man kann sich im wahrsten<br />

Sinne <strong>des</strong> Wortes viel Zuneigung über ein<br />

Land einverleiben. Und einiges an Wissen.<br />

Besonders, wenn man sich ihrer kulinarischen<br />

Seele mit so viel Kennerschaft, so<br />

viel Hingabe, so versiert und opulent bebildert<br />

nähert wie Prisca Ruegg, Phassaporn<br />

Mangkongthanachoke und Michael<br />

Wissing in ihrer „Thaiküche“.<br />

Auch dies Kochbuch hat Reiseführerqualitäten<br />

für die gehobenen Entdecker-<br />

Ansprüche. Es würdigt den Reichtum der<br />

thailändischen Küche mit Geschichten<br />

auch rund um die typischen Produkte, zu<br />

ihrer Herkunft, ihrer Bedeutung und ihrer<br />

Verwendung – mit ausführlichem Verarbeitungs-Know-how<br />

und einer atemberaubenden<br />

Vielzahl an authentischen Rezepten,<br />

unter denen selbst Thailandkenner<br />

sicher noch Neuland entdecken<br />

werden. Kurz: Es tut, was ein Kochbuch,<br />

so es zu den besten zählen soll, unbedingt<br />

tun sollte – die Herdanziehungskräfte befeuern.<br />

In dieser Kochbuch-Königsdisziplin<br />

könnte auch „Echt japanisch kochen“ von<br />

Kaorie Endo (Christian Verlag) beheimatet<br />

sein. Immerhin verbindet auch sie<br />

zauberhafte kleine Anekdoten aus ihrer<br />

Kindheit mit den Ess-Traditionen in Japan<br />

im Allgemeinen und in ihrer Familie<br />

Lesezeichen<br />

© goinyk<br />

1. Sunkyoung Jung, Yun-Ah Kim, Minbok Kou, Tina Kraus (Ill.): Das Korea-Kochbuch. Jacoby & Stuart, 160 S.,<br />

19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

2. Li Hong: Der Duft meiner Heimat. Die wunderbaren Rezepte meiner chinesischen Familie. Gerstenberg, 144 S.,<br />

19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr.<br />

3. Mridula Baljekar: Schätze der Indischen Küche. Neuer Umschau Buchverlag, 160 S., 19,90 € (D) • 20,50 € (A) •<br />

28,50 sFr.<br />

4. Prisca Ruegg, Michael Wissing: Thaiküche. Gräfe und Unzer, 360 S., 29,99 € (D) • 30,90 € (A) • 40,90 sFr.<br />

5. Tom Vandenberghe: Vietnam Street Food. Kulinarische Reiseskizzen aus Hanoi und Vietnam. W. Hädecke,<br />

208 S., 18,– € (D) • 18,50 € (A) • 27,90 sFr.<br />

76<br />

buchjournal 5/2011


Mühe geben reicht nicht: Gute Backbücher sind ebenso inspirierend<br />

wie instruktiv. Eine Auslese für Neulinge und angehende Profis.<br />

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© wavebreakmedia<br />

So kriegen Sie’s gebacken<br />

TEXT: ANDREA RINNERT<br />

Backvergnügen für alle: Beim Plätzchenbacken<br />

können schon die Kleinsten helfen<br />

Etwas gebacken kriegen, das ist immer<br />

noch Frauensache – zumin<strong>des</strong>t wenn<br />

Öfen im Spiel sind. Véronique Witzigmann<br />

definiert in „Mein Backbuch“ (Südwest) den<br />

Umgang mit Kuchenteig recht unverhohlen<br />

als weibliche Bestimmung: „Fürsorge, Gemütlichkeit,<br />

Liebe, Zuneigung“ – all dies<br />

werde „auf sinnlichste und lieblichste Weise“<br />

ausgedrückt. Eine Passage, wie sie in<br />

einem Erziehungsratgeber <strong>des</strong> 18. Jahrhunderts<br />

nicht eben herausstäche. Ins selbe patriarchale<br />

Horn bläst der sommerliche Band<br />

„Backen wie auf dem Land“ (Dort-Hagenhausen-Verlag)<br />

mit dem Terminus Faule-<br />

Weiber-Kuchen: ohne Selbstgepflücktes aus<br />

dem Garten, bloß mit Mandarinen aus der<br />

Dose! Und bei der „Heimwehküche Backen“<br />

wurde tatsächlich nur den Großmüttern der<br />

Republik ein Geheimwissen über Rosinenschnecken<br />

& Co. zugetraut.<br />

Doch glücklicherweise ist diese Arbeitsteilung<br />

nicht unangefochten: In Dresden<br />

haben sich für „Kunstgenuss“ (Gebr. Mai)<br />

24 komödienaffine Schauspieler – darunter<br />

13 Männer! – bei der vergnüglichen Zubereitung<br />

von Marzipanrosen, Schokoladenpfannkuchen<br />

und ähnlichen Leckereien<br />

sogar fotografieren lassen. Und auch im<br />

Westen Deutschlands tut sich was Subversives,<br />

wie einer seriösen Quelle zu entnehmen<br />

ist: Im 80. Jahr seines Bestehens zeigt<br />

Dr. Oetkers „Backen macht Freude“ ab und<br />

an mal Männerhände beim Verstreichen,<br />

Rühren und Fetten. Vorboten einer überfälligen<br />

Ära wahrer Gleichberechtigung? Bereits<br />

heute, ja gleich nachher machbar ist<br />

hingegen der leichte Buttermilch-Knusperkuchen<br />

aus „Sehr gut backen“. Alle, denen<br />

er auf Anhieb gemundet hat, sind vermutlich<br />

reif für die 75 Ideen aus Elisabeth<br />

Fischers fett- und zuckerarmem Werk<br />

„Schlank backen“ (Kneipp-Verlag).<br />

Als ungeplanter Nebeneffekt könnte sich<br />

ein Gewichtsverlust bei den „Cakepops“<br />

(Hädecke) einstellen: Clare O’Connells Minikuchen<br />

am Stiel sehen – gestaltet als Kakteen,<br />

Pinguine oder Geishas –, so drollig aus,<br />

dass sie zu vertilgen frevelhaft wäre.<br />

Für neue Ideen braucht man neben Kreativität<br />

auch Mut – den Muriel Frank bewies,<br />

als sie ihre nicht eben aufgeschlossenen<br />

Brüder zu Testessern ihrer klebereiweißfreien<br />

Ofen-Experimente erkor. Die Erfolge<br />

bündelnd, beweist der Ratgeber „Backen<br />

ohne Gluten“ zudem: Manchmal muss man<br />

Männer zwingen, Frauen können verdammt<br />

hartnäckig sein und Backbücher sind eine<br />

verblüffend unterhaltsame Lektüre. <br />

Lesezeichen<br />

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buchjournal 5/2011 77<br />

1. Birgit Hamm, Linn Schmidt: Heimwehküche<br />

Backen. Dorling Kindersley, 200 S., 19,95 € (D) •<br />

20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

2. Vera Kaftan-Namyslowski, Dorothee Soehlke-Lennert:<br />

Sehr gut backen. Stiftung Warentest, 216 S.,<br />

19,90 € (D) • 20,50 € (A) • 33,60 sFr.<br />

3. Muriel Frank: Backen ohne Gluten. Trias,<br />

128 S., 12,99 € (D) • 13,40 € (A) • 18,20 sFr.<br />

Maria Hofmann / Helmut Lydtin<br />

Bayerisches Kochbuch<br />

56. Auflage<br />

Birken-Verlag. 940 Seiten. Gebunden.<br />

€ 25,– € (D) • 25,70 € (A) • 45,50 sFr.<br />

ISBN: 978-3-920105-04-8


silvercon<br />

SCHWERPUNKT ESSEN, TRINKEN & GENIESSEN<br />

Kochbücher der Schwergewichtsklasse: Die neuen Werke<br />

huldigen nicht nur der Vielfalt von kulinarischen Möglichkeiten, sie<br />

sind auch ein Statement gegen die Banalisierung <strong>des</strong> Handwerks.<br />

Ein Hoch auf XXL-Helfer<br />

TEXT: CONSTANZE KLEIS<br />

Wechseln Sie die Spur<br />

ins dauerhafte Glück.<br />

Lesen Sie dieses Buch und erfahren<br />

Sie wie Sie selbst dauerhaft glücklich<br />

werden, bleiben und glücklich machen<br />

können. Lassen Sie das Glück in Ihr<br />

Leben und verschenken Sie dieses<br />

Glück auch Ihren Liebsten.<br />

Dieses Buch ist faszinierend und leicht<br />

verständlich geschrieben, einfach zu<br />

lesen und macht richtig glücklich.<br />

Lassen Sie sich auf das wahre Glück ein.<br />

Probieren Sie es selbst. Ihr Glück sollte<br />

diesen Versuch wert sein!<br />

Sevinç Neumann<br />

Alles total easy und entspannt aus dem<br />

Handgelenk geschüttelt – das war<br />

jahrelang das Mantra, mit dem uns vor<br />

allem Fernsehköche Kochen als einen großen<br />

Kindergeburtstag präsentierten. Als<br />

bloß ein weiteres Segment <strong>des</strong> großen Do -<br />

it-yourself-Marktes, irgendwo zwischen<br />

handgestrickten Pulswärmern und Ikea-<br />

Küchen in Selbstmontage angesiedelt. Spätestens<br />

beim Einkauf und am heimischen<br />

Herd jedoch ahnte man es: Kochen, das<br />

richtige, ist immer noch ein Handwerk,<br />

wenn nicht gar eine Kunst, die mehr Wissen<br />

und Erfahrung erfordert, als man sich<br />

mal eben am Freitagabend aneignen kann.<br />

Umso löblicher, dass nun gleich mehrere<br />

Novitäten diese These mit Grundsatzwerken<br />

stützen, die dem Kochen seine Würde<br />

zurückgeben – und so gewichtig sind, dass<br />

man beinahe schon von der „Bibelisierung“<br />

<strong>des</strong> Kochbuchmarktes sprechen möchte.<br />

Als Mutter dieses Trends könnte man getrost<br />

das Buch „Der Silberlöffel“ mit seinen<br />

1 464 Seiten und über 2 000 Rezepten aus<br />

der italienischen Küche bezeichnen, das<br />

nun komplett überarbeitet und modernisiert<br />

mit über 400 neuen<br />

Food-Fotografien auf den<br />

Markt kommt. Es wurde<br />

1950 erstmals als „Il Cucchiaio<br />

d’argento“ in Italien<br />

gesichtet und gilt seitdem<br />

als untrüglicher Nachweis<br />

höherer Koch-Ambitionen.<br />

Natürlich fragt man sich angesichts dieser<br />

beeindruckenden Umfänglichkeit, ob sich<br />

mit ihm nicht alle weiteren Bücher einfach<br />

erübrigen? Nein – es braucht schon mehr,<br />

um die unendlichen Weiten und die herrlichen<br />

Möglichkeiten <strong>des</strong> kulinarischen<br />

Kosmos gebührend zu würdigen: ganz<br />

vorn „Food. Die ganze Welt der Lebensmittel“<br />

mit seinen 368 Seiten, dem Hardcover-XXL-Format,<br />

dem Schmuckschuber,<br />

den Lesebändchen, den über 4 000 Fotos<br />

und mehr als 6 000 Stichwörtern. Es<br />

© Marta Drapiewska<br />

silvercon<br />

Mehr über mich erfahren Sie<br />

auf meiner Autorenseite:<br />

www. sevinc-neumann.de<br />

Sevinç Neumann | Spurwechsel ins Glück<br />

224 S. geb. | ISBN: 978-3-981-44360-8 | € 14,95 [D]<br />

www.silvercon-verlag.de<br />

In höhere kulinarische<br />

Sphären dringt<br />

man nur mit exakten<br />

Wegweisern vor<br />

78<br />

buchjournal 5/2011


Kreativ-Edition<br />

Lesezeichen<br />

1. Das große Buch der Teigwaren. Gräfe und Unzer, 320 S., 69,90 € (D) • 71,90 € (A) • 95,– sFr.<br />

2. Das große Buch der Lebensmittel. Auswählen – aufbewahren – zubereiten – haltbar machen – genießen.<br />

Dorling Kindersley, 544 S., 49,95 € (D) • 51,40 € (A) • 66,90 sFr.<br />

3. Sven Elverfeld: Elverfeld. Das Kochbuch. Collection Rolf Heyne, 496 S., 75,– € (D) • 77,10 € (A) • 99,– sFr.<br />

4. Food. Die ganze Welt der Lebensmittel. Teubner, 368 S., 99,90 € (D) • 102,70 € (A) • 135,– sFr.<br />

5. Der Silberlöffel. Phaidon / Edel Germany, 1464 S., 39,95 € (D) • 41,10 € (A) • 56,90 sFr.<br />

huldigt der überwältigenden Vielfalt der<br />

kulinarischen Möglichkeiten in allen Bereichen<br />

mit umwerfender Opulenz, wunderschönen<br />

Bildern und einer detailverliebten<br />

Akribie, zu der sich nur leidenschaftliche<br />

Fans emporschwingen.<br />

Das gilt so ähnlich auch für „Das große<br />

Buch der Teigwaren“ mit über 700 Fotos. Neben<br />

Infos zu Qualität, Herkunft, Geschmack,<br />

Verwendung und Geschichten rund um den<br />

Nudelkult werden hier die köstlichsten<br />

Rezepte aus aller Welt präsentiert: geradlinig,<br />

schnörkellos, zum Niederknien und<br />

entlang der klassischen Menüfolge Vorspeise,<br />

Hauptgericht, Dessert; Abstecher ins<br />

teigverwandte Knödelfach inklusive.<br />

Auch Dorling Kindersley präsentiert mit<br />

seinem „Großen Buch der Lebensmittel“<br />

ein Statement wider die Banalisierung<br />

eines großen<br />

Handwerks und würdigt es<br />

mit einer Fülle an Produktbeschreibungen,<br />

an Informationen<br />

zur Zubereitung,<br />

zum Konservieren<br />

und mit 200 Rezepten. Sollte unbedingt<br />

auf die Liste jener Dinge,<br />

die man auf eine einsame Insel mitnehmen<br />

würde. Auch wenn es dort vermutlich<br />

weder Pondhopper (Ziegenkäse aus Oregon,<br />

USA) noch die 13 Milchsorten gibt, die<br />

das Buch aufzählt. Dafür hätte man Zeit, all<br />

das Köstliche, Wissenswerte, das so bildhaft<br />

und mit viel Kennerschaft Beschriebene,<br />

einmal gründlich zu lesen.<br />

Sofern es keine Maximalgrenze für Gepäck<br />

gibt, müsste zwingend noch „Elverfeld.<br />

Das Kochbuch“ mit. Einfach nur so<br />

zum Gucken. Es wirkt so futuristisch und<br />

abgehoben wie ein Raumschiff (und beinahe<br />

so schwer), mit dem man Sven Elverfeld,<br />

den Ausnahmekoch und Chef <strong>des</strong><br />

„Aqua“ in Wolfsburg, durch die unendlichen<br />

Weiten seines Gourmet-Kosmos begleiten<br />

kann. Einer, der mit immerhin drei<br />

Guide-Michelin-Sternen und 19 Punkten<br />

im „Gault Millau“ ziemlich erleuchtet ist.<br />

Beinah überirdische Kreationen, die in<br />

Layout, Typo, Grafik und Inhalt eine überzeugende<br />

Entsprechung finden. Deshalb ist<br />

dies eigentlich auch kein Kochbuch, es ist<br />

eine Erscheinung – und auch eine Zumutung<br />

in Rezepten, die so unglaublich aufwendig<br />

sind und, ja, auch so elitär, dass man<br />

sie zugleich als Anleitung für „Wie demütige<br />

ich einen Hobbykoch“ missverstehen<br />

könnte. Aber offenbar geht es hier ohnehin<br />

nicht um Nachahmung, sondern eher um<br />

Eindrucksmanagement und um etwas sehr<br />

Schützenswertes: die Rettung der Idee, dass<br />

es Kochsphären gibt, für die man mehr im<br />

Gepäck haben sollte als eine Folge von „Lanz<br />

kocht“. Oder wie es Jürgen Welte, der<br />

Verlags leiter der Rolf Heyne Collection, formuliert:<br />

„Nicht jeder, der Essen zubereiten<br />

kann, ist Koch im Sinn unserer Autoren und<br />

Publikationen.“<br />

Schlussendlich darf es also ruhig ein<br />

bisschen mehr sein. Ja, auch an Snobismus,<br />

an Selbstbewusstsein – und an Herausforderungen.<br />

Besonders am Herd. Und<br />

sei es nur die, einen ordentlichen Platz für<br />

all die Kochbuchpreziosen zu finden: möglichst<br />

unerreichbar für irgendwelche Fettspritzer.<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

<br />

buchjournal 5/2011 79<br />

€€


REISE_USA<br />

Weihnachten bei mildem Klima unter Palmen? Wir empfehlen Florida, das viel mehr bietet als<br />

nur Luxushotels für Senioren. Kunst und Kultur, Bilderbuchstrände und viel Natur beispielsweise.<br />

Chill-out<br />

im Rentnerparadies<br />

TEXT: SABINE SCHWIETERT<br />

Fahren Sie nach Naples, wenn Sie es gediegen<br />

mögen. Da gibt es traumhafte<br />

Strände, Wahnsinnsvillen und reizend gealterte<br />

Menschen. Wie doch ein wenig<br />

Kleingeld über die Gebrechen im letzten<br />

Lebensabschnitt hinweghelfen kann! Geschmackvoll<br />

flamingofarben umhüllte Damen,<br />

die passenden Herren im staubfarbenen<br />

Anzug mit Hut – das ist erhebend<br />

anzuschauen. Auch wenn man die 60 noch<br />

nicht überschritten hat. Und in der Umsetzung<br />

vielleicht gar nicht so teuer. Nur Mut<br />

also, auch in Bremen, Bottrop und Bielefeld.<br />

So viel zum Klischee Rentnerparadies.<br />

Jeder weiß ja längst, dass der Urlaubsstaat<br />

Florida mehr zu bieten hat. Miami zum Beispiel.<br />

Hier kann man bequem eine ganze<br />

Woche verbringen, Beachlife erleben, shoppen,<br />

essen und feiern. Und Kunst ist auch<br />

noch drin. Wie wäre es zum Beispiel mit Art<br />

déco am Ocean Drive in Miami Beach? Zauberhaft.<br />

Architekturstudenten aus aller<br />

Welt pilgern dorthin. Wir bedauern noch<br />

heute, keine geführte Tour wahrgenommen<br />

zu haben. Dafür habe ich George Clooney<br />

gesehen, ziemlich sicher jedenfalls, in einer<br />

Boutique in der Flagler Street. Zugelächelt<br />

hat er mir auch, aber da gehen die Meinungen<br />

auseinander. Egal.<br />

Wer Kinder dabeihat, kommt um einen<br />

Besuch im Miami Seaquarium nicht herum<br />

– die Lieblingsdisziplin der dortigen Killerwale<br />

ist Zuschauernassspritzen.<br />

Atlantik oder Golf von Mexiko – Bilderbuchstrände<br />

mit warmem Meerwasser finden<br />

Sie in Florida überall. Gleich nebenan<br />

von Miami etwa liegt Fort Lauderdale, das<br />

Venedig von Amerika. Hier durchziehen<br />

natürliche und künstliche Wasserwege<br />

(450 Kilometer!) die ganze Stadt. Gönnen<br />

Sie sich hier ein Wassertaxi.<br />

Sicher nicht entgehen lassen sollte man<br />

sich die Inselkette Keys ganz im Süden: 200<br />

Korallen inseln mit einer Gesamtlänge von<br />

über 290 Kilometern.<br />

Buchjournal-Leser wollen bestimmt<br />

auch das Hemingway-Haus in Key West<br />

nicht verpassen. Sein Haus wurde gerade<br />

erst zur „Literary Landmark“, einem Ort<br />

Lesezeichen<br />

Sehenswürdigkeit<br />

der Florida Keys:<br />

die alte Bahnbrücke<br />

am Bahia Honda State<br />

Park<br />

mit großer Bedeutung für die amerikanische<br />

Literaturgeschichte.<br />

Zum Schluss eine Warnung in Sachen<br />

Evergla<strong>des</strong>. Hier gilt es die richtige Tour zu<br />

erwischen, eine mit viel Natur und wenig<br />

Nepp. Wir hatten bei unserer Reise kein<br />

Glück: Viel Lärm im Boot, ein Guide, der<br />

ganz offensichtlich nur aufs Trinkgeld aus<br />

war. Die zwei, drei Alligatoren, die es zu sehen<br />

gab, konnten für diese Touristenabzocke<br />

kaum entschädigen. Wohl dem, der<br />

hier einen guten Reiseführer hat. <br />

1. Florida. Dorling Kindersley, 416 S., 20,95 € (D) • 21,60 € (A) • 35,90 sFr.<br />

2. Hans R. Grundmann: Florida von Key West bis New Orleans. Reise Know-How, 440 S., 19,90 € (D) •<br />

20,50 € (A) • 28,90 sFr.<br />

3. Michael Iwanowski: 101 Florida. Geheimtipps & Top-Ziele. Iwanowski, 256 S., 12,– € (D) • 12,40 € (A) • 20,90 sFr.<br />

4. Axel Pinck: Reise-Handbuch Florida. DuMont, 416 S., 22,99 € (D) • 23,70 € (A) • 39,50 sFr.<br />

© ideeone<br />

80<br />

buchjournal 5/2011


.- Oktobe<br />

Neues denken.<br />

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Publikumstage<br />

Öffnungszeiten<br />

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Ehrengast Island<br />

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Sie alle Details rund um die Frankfurter<br />

Buchmesse 2011 immer dabei.<br />

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Schreiben<br />

Sie?<br />

Wir suchen<br />

neue<br />

Autoren<br />

REISE_VENEDIG<br />

Der Zauber der Lagunenstadt ist trotz <strong>des</strong> Touristenrummels<br />

ungebrochen – Venedig sonnt sich im Glanz der Vergangenheit.<br />

Melancholie und Musik<br />

TEXT: ECKART BAIER<br />

Romane, Erzählungen,<br />

Biografien, Gedichte, Sach-,<br />

Tier- und Kinderbücher u. a.<br />

Kurze Texte passen vielleicht<br />

in unsere hochwertig<br />

ausgestatteten Anthologien.<br />

Schicken Sie uns Ihr<br />

Manuskript; es kommt<br />

in gute Hände.<br />

Vertrauen Sie<br />

30 Jahren<br />

Verlagserfahrung!<br />

edition fischer<br />

Orber Str. 30 • Fach 49<br />

60386 Frankfurt/Main<br />

Tel. 069/941 942 - 0<br />

Fax 069/941 942 -98 / -99<br />

www.verlage.net<br />

E-Mail:<br />

lektorat@edition-fischer.com<br />

Für die einen ist sie die „Serenissima“,<br />

die Allerdurchlauchteste, die Perle der<br />

Adria oder, wie die Wahl-Venezianerin<br />

Donna Leon sagt, schlicht: die schönste<br />

Stadt der Welt. Für die anderen ist Venedig<br />

eine Art Disneyland der Renaissance, das<br />

Besuchern mit schlechtem Essen, überteuertem<br />

Eintritt und billigem Venezia-<br />

Ramsch das Geld aus der Tasche zieht.<br />

Auch wenn an letztgenannter These einiges<br />

dran ist, kann sich wohl kein Reisender,<br />

der Venedig das erste Mal betritt, dem<br />

Zauber entziehen: eine Stadt ohne Autos, in<br />

der 150 Kanäle als Straßen dienen, auf denen<br />

man sich per Boot oder Gondel fortbewegt,<br />

und Tausende von Straßen und Gässchen,<br />

die sich ausschließlich zu Fuß durchqueren<br />

lassen.<br />

Doch trotz der 20 Millionen Touristen, die<br />

Venedig je<strong>des</strong> Jahr heimsuchen, gibt es noch<br />

die stillen Plätze, Gassen und Kirchen, die<br />

eine Ahnung heraufbeschwören, wie die<br />

Stadt vor 300 Jahren ausgesehen haben mag.<br />

Noch besser gelingt dies allerdings nach der<br />

Venedig und seine Gondeln: Heute kreuzen hier<br />

400 Boote – früher waren es 10000<br />

Lektüre der uneingeschränkt empfehlenswerten<br />

Venedig-Biografie von Peter Ackroyd.<br />

Mit leichter Hand entführt er den Leser in<br />

die Vergangenheit, als in Venedig noch die<br />

Dogen regierten, als die Straße, die Markusplatz<br />

und Rialto verband, von 276 Läden aller<br />

Art gesäumt war und als nicht wie heute<br />

etwa 400, sondern 10 000 Gondeln in der Lagune<br />

und auf den Kanälen unterwegs waren.<br />

Die Berufskleidung der Gondolieri – Strohhut,<br />

Ringelhemd, Halstuch – wurde übrigens<br />

erst in den 1920er Jahren Standard.<br />

Gesungen haben die berühmtesten Söhne<br />

der Stadt freilich schon immer, denn in Venedig<br />

ist alles Musik. Permanent läuten die<br />

Glocken einer der mehr als 100 Kirchen,<br />

dringen von irgendwoher Koloraturen einer<br />

Sängerin ans Ohr, probt ein Orchester<br />

in der Ferne für das abendliche Konzert.<br />

„Die Stadt erzeugt unentwegt Töne, Hall,<br />

Rhythmus, Geräusche, Musik, Echos“,<br />

82<br />

buchjournal 5/2011<br />

© Peter Zelei


<strong>schreibt</strong> Elke Heidenreich in ihrem Buch<br />

„Die schöne Stille“, „aber immer auf der<br />

Basis von Stille durch Abwesenheit von<br />

Autos, Verkehr, auf der Basis leise gurgelnden<br />

Wassers an alten Mauern.“<br />

Bedeutende Musiker aus aller Welt<br />

lockte die Musikalität Venedigs seit jeher<br />

an – und das Geld der Fürsten, die in ihren<br />

Palästen und zu ihren Festen akustische<br />

Untermalung wünschten. Monteverdi und<br />

Vivaldi schufen hier ihre Meisterwerke,<br />

Schütz und Händel, Verdi, Liszt und Strawinsky<br />

fanden hier Inspiration. 1858 reiste<br />

Richard Wagner nach Venedig, um hier,<br />

voller leidenschaftlicher Gefühle für Mathilde<br />

Wesendonck, den zweiten Akt seiner<br />

Oper „Tristan und Isolde“ zu vollenden.<br />

Und in Venedig, im Palazzo Vendramin,<br />

starb Wagner 25 Jahre später.<br />

Überhaupt ist der Tod – nicht nur in Thomas<br />

Manns berühmter Novelle – ein stets<br />

wiederkehren<strong>des</strong> Thema, wenn von Venedig<br />

die Rede ist. Cocteau nannte Venedig<br />

eine kranke, fiebernde Stadt – der Gestank<br />

faulenden Wassers im Sommer muss früher<br />

fürchterlich gewesen sein.<br />

Nicht selten brachen Krankheiten aus,<br />

und im 19. Jahrhundert, so lesen wir bei Peter<br />

Ackroyd, warnten in Venedig wohnende<br />

Engländer ihre Landsleute davor, sich allzu<br />

lange aufzuhalten, um nicht von der krankhaften<br />

Niedergeschlagenheit angesteckt zu<br />

werden. Vielleicht ist es tatsächlich die Anwesenheit<br />

der Wassers, die melancholisch<br />

stimmt, wie Ackroyd vermutet. „In Venedig<br />

ist man auf Moll gestimmt“, bestätigt Elke<br />

Heidenreich. „Hier ist immer Endzeit, Totenmasken,<br />

nach uns die Sintflut.“ Dass in<br />

Venedig die Melancholie regiert, unterstreichen<br />

die wunderbaren Schwarz-Weiß-Fotografien,<br />

die Rainer Groothuis und Christoph<br />

Lohfert für ihr Buch versammelt haben.<br />

Enge Gassen, Licht und Schatten, Brücken,<br />

Pflaster, brüchiges Gemäuer, eine Frau mit<br />

Regenschirm und Einkaufstasche: Die Fotos<br />

blicken hinter die Kulissen einer Stadt, die<br />

sich gern hinter – meist billigen – Masken<br />

versteckt. Venedig ist wie eine Schauspielerin,<br />

die nur noch vom Glanz der Vergangenheit<br />

lebt. Ihre Tage sind gezählt, die großen<br />

Zeiten liegen lange zurück.<br />

Davon berichtet Roger Crowley in seinem<br />

Buch „Venedig erobert die Welt“. Er be<strong>schreibt</strong>,<br />

wie die Stadt „aus Marschland<br />

herausgestampft“ wurde und sich durch<br />

ihre besondere geografische Lage über die<br />

Jahrhunderte zur wirtschaftlichen und<br />

politischen Großmacht emporschwang.<br />

Enorm faktenreich schildert Crowley diesen<br />

langen Aufstieg bis zur Blüte der Dogen-Republik<br />

und zu dem beginnenden<br />

Niedergang im 15. Jahrhundert, als die Osmanen,<br />

aber auch andere Großmächte,<br />

Vene dig den Rang streitig machten.<br />

Heute droht Venedig zu versinken. Unter<br />

dem gewaltigen Gewicht der Bauwerke sinkt<br />

die Stadt je<strong>des</strong> Jahr um einige Millimeter<br />

ein. Viele Erdgeschosse sind schon nicht<br />

mehr bewohnbar. Doch für Touristen und<br />

Kunstliebhaber wird Venedig noch für Jahrzehnte<br />

ein Anziehungspunkt bleiben – als<br />

weltgrößtes Freilichtmuseum und als Ort,<br />

den es so kein zweites Mal mehr gibt. <br />

Raue<br />

Schönheit<br />

Island – sagenhaft und<br />

ursprünglich wild.<br />

Island<br />

Die unvollendete Insel<br />

Bildband, Hardcover, 256 Seiten,<br />

160 Fotos, 27 × 34 cm,<br />

€ 45,– (D)<br />

www.nationalgeographic.de<br />

Lesezeichen<br />

NEU<br />

1. Peter Ackroyd: Venedig. Die Biographie. Übersetzt von Michael Müller. Knaus, 592 S., 39,99 € (D) •<br />

41,20 € (A) • 53,90 sFr.<br />

2. Roger Crowley: Venedig erobert die Welt. Die Dogen-Republik zwischen Macht und Intrige. Theiss, 356 S.,<br />

24,95 € (D) • 25,70 € (A) • 39,90 sFr.<br />

3. Rainer Groothuis, Christoph Lohfert: Venedig. Edel, 144 S., 36,– € (D) • 37,10 € (A) • 56,90 sFr.<br />

4. Elke Heidenreich: Die schöne Stille. Venedig, Stadt der Musik. Corso, 128 S., 19,90 € (D) •<br />

20,60 € (A) • 30,50 sFr.<br />

buchjournal 5/2011 83


BuchTipps<br />

Anzeige<br />

Belletristik | Krimi | Sachbuch | Ratgeber | Kinder- und Jugendbuch<br />

Was Kindern wirklich schmeckt!<br />

„Mag ich nicht!“ –<br />

„Schmeckt nicht!“ –<br />

Eltern, die nach den<br />

Rezepten in diesem<br />

Buch kochen, werden<br />

so etwas in Zukunft<br />

nicht mehr hören.<br />

In fünf Kapiteln –<br />

Suppen, Fisch, Fleisch,<br />

Gemüse und Lieblingsgerichte<br />

– werden 50 Rezepte vorgestellt, die<br />

einfach zubereitet werden können.<br />

Karolina Sparring hat lange getestet, wie<br />

man die Speisen zubereiten muss, damit sie<br />

Kindern schmecken. Nun essen und lieben<br />

sie sogar Bulgur, vegetarisches Curry und<br />

Kokos-Couscous. Aber natürlich hat auch<br />

weniger Ausgefallenes wie Lachs, Pizza und<br />

Lasagne seinen Platz. Und bei allen Gerichten<br />

gilt: „Hhm, lecker!“<br />

<br />

Karolina Sparring / Karin Alfredsson: Hhm, lecker!<br />

Rezepte, die Kindern wirklich schmecken. Jan Thorbecke<br />

Verlag, 192 S., zahlreiche Fotos, 17,90 € (D)<br />

• 18,40 € (A) • 25,90 sFr., ISBN 978-3-7995-0883-4<br />

Heimweh nach Omas Küche<br />

Bei all der Vielfalt<br />

heute sind es oft<br />

gerade die einfachen<br />

Gerichte, die unser<br />

Herz höher schlagen<br />

lassen – die Gerichte,<br />

die wir mit unserer<br />

Kindheit verbinden:<br />

Großmutters Sonntagssuppe,<br />

der Festtagsbraten,<br />

wie nur Mutter ihn machen<br />

konnte, oder der unvergleichliche Kaiserschmarrn<br />

mit selbst gemachtem Apfelmus.<br />

Für jeden sind es andere Gerichte, doch<br />

jeder Bissen, den wir von ihnen zu uns<br />

nehmen, bringt ein Stück Kindheit zurück:<br />

den einzigartigen Duft von Omas Kuchen,<br />

die Momente puren Glücks, die man als<br />

Kind besonders intensiv empfindet.<br />

Dieses Buch erweckt ihn erneut zum Leben:<br />

den Geschmack der Kindheit.<br />

<br />

Magda Drostel: Der Geschmack der Kindheit.<br />

Die besten Rezepte von früher. Jan Thorbecke<br />

Verlag, 112 S., zahlreiche Fotos, 19,90 € (D) •<br />

20,50 € (A) • 28,50 sFr., ISBN 978-3-7995-0709-7<br />

Unterschätze nie die<br />

Dunkle Salsa der Macht …<br />

… im ersten offiziellen<br />

Kochbuch<br />

aus einer weit, weit<br />

entfernten Galaxis!<br />

Hier finden sich<br />

leckere Rezepte,<br />

denen sowohl<br />

Jedi- als auch Sith-<br />

Anhänger nicht<br />

widerstehen können:<br />

Spacige Getränke wie Yoda Soda oder<br />

Sith Schorle, deliziöse Hauptgerichte von<br />

Tatooine und Naboo, verführerische<br />

Süßigkeiten à la Prinzessin Leia Schnecken,<br />

Wookiee Cookies oder Wampa Schnee!<br />

Das Star Wars-Kochbuch bietet feinste<br />

Speisen zu jedem Anlass und zum eins<br />

werden mit der Macht. Das ideale Geschenk<br />

für gestandene Jedi-Ritter und junge Padawane,<br />

für kleine, große oder auch neue Fans<br />

mit Geschmack!<br />

<br />

Robin Davis, Frankie Frankeny (Fotos), Wesley<br />

Martin: Das STAR WARS Kochbuch. Wookiee Cookies<br />

und andere galaktische Rezepte. Panini, 120 S.,<br />

16,95 € (D) • 17,50 € (A), ISBN 978-3-8332-2330-3<br />

Die kleine Seenadel<br />

kommt in die Schule<br />

„Diese Geschichte<br />

ist wunderschön!<br />

Mit Wortspiel,<br />

Witz, Spannung<br />

und kleinen Gesten<br />

der Achtsamkeit<br />

führt die Autorin<br />

mit Fingerspitzengefühl<br />

durch den<br />

Schulalltag und vermittelt ganz nebenbei<br />

soziale Kompetenz. Sehr empfehlenswert!“<br />

(P. Lonscher, Erziehungswissenschaftlerin<br />

und Spieltherapeutin).<br />

Eine kleine Seenadel aus Nord- und Ostsee<br />

ist die Heldin aus der erfolgreichen Kinderbuchserie.<br />

Garantierter Lesespaß für kleine<br />

Landratten, Küstenkinder und solche, die<br />

es gerne wären. Dieses Buch gehört in jeden<br />

Strandkorb und ist ideal für die Schultüte.<br />

Royal Flash – Flashman<br />

in Deutschland<br />

Durch Lola Montez<br />

lernt Harry Flashman<br />

Bismarck kennen.<br />

Der lockt ihn<br />

nach Deutschland<br />

und benutzt ihn<br />

für eine politische<br />

Intrige, bei der er<br />

einen Prinzen bei<br />

j<br />

der Heirat (und in<br />

der Hochzeitsnacht) vertreten soll. Ohne<br />

Flashman wäre Schleswig-Holstein heute<br />

eine dänische Provinz! Doch er muss fliehen<br />

und wird durch deutsche Länder und die<br />

Wirren der 1848er Revolution in München<br />

getrieben. „Bei diesem Roman handelt es<br />

sich um eine vergnügliche, handfeste Lektüre,<br />

eine amüsante literarische Mystifikation<br />

und einen satirischen Blick auf die Kehrseite<br />

<strong>des</strong> Heldentums.“ (Der Tagesspiegel).<br />

Patrick O’Brian:<br />

Kurs auf Spaniens Küste<br />

Jack Aubrey, Seemann<br />

und Offizier<br />

und Dr. Stephen<br />

Maturin, der Zweifler<br />

und Kritiker mit<br />

sozialem Gewissen,<br />

lernen sich kennen<br />

und es entwickelt<br />

sich trotz aller<br />

j<br />

Gegensätzlichkeit<br />

Achtung und schließlich Freundschaft. Jack<br />

erhält die Brigg Sophie, einen Zweimaster,<br />

und kreuzt mit Stephen als Schiffsarzt<br />

durch das Mittelmeer. Gewürzt ist dieser<br />

maritime Roman mit feinem britischen<br />

Humor. „Die besten historischen Romane,<br />

die jemals geschrieben wurden.“ (New York<br />

Times). „Der Herr der Meere – O’Brian<br />

bringt das Kunststück fertig, alle Vorgänger<br />

in seinem Genre zu überstrahlen.“ (Die Welt).<br />

<br />

Nicole Bernard / Nane Friedel (Illustrationen):<br />

Die kleine Seenadel. „Kleinfi schschule Ahoi“.<br />

fi schlandverlag, 24 S., 24 farb. Illustrationen,<br />

9,90 € (D), www.die-kleine-seenadel.de<br />

<br />

George MacDonald Fraser: Royal Flash – Flashman<br />

in Deutschland. Gelesen von Stefan Wilkening.<br />

Kuebler Hoerbuch, 10 Std., 24,80 € (D/A) • 29,90 sFr.<br />

– mp3-Ausgabe: 19,80 € (D/A) • 22,95 sFr. (alle UVP)<br />

<br />

Patrick O’Brian: Kurs auf Spaniens Küste.<br />

Gelesen von Johannes Steck. Kuebler Hoerbuch,<br />

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84<br />

buchjournal 5/2011


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eingelöst werden und ist nicht mit anderen Rabattaktionen kombinierbar. ** Architekturzeitschrift DETAIL, April 2011, 50 Jahre DETAIL, Konstruieren<br />

heute und morgen *** Architectural Digest, Oktober 2009, Best of Germany, 100 deutsche Glanzlichter <strong>des</strong> Stils<br />

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Der AUGUST VON GOETHE LITERATURVERLAG<br />

nimmt Texte an:<br />

Gedichte, Erzählungen, Romane, Krimis,<br />

Lebenserinnerungen, Biographien,<br />

Kinder- und Jugendbücher, Theaterstücke,<br />

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AUGUST VON GOETHE LITERATURVERLAG<br />

Lektorat 4.0, Großer Hirschgraben 15<br />

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Tel. 069-408940, Fax 069-40894-169<br />

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(Interview/Lesung)<br />

Tel. 069 13308669<br />

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Keine Zulassungsvoraussetzungen,<br />

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vormals Deutsche Autorenakademie DAA<br />

Großer Hirschgraben 15, D-60311 Frankfurt/M.<br />

Tel. 069-13377-177, Fax-175, www.cornelia-goethe-akademie.de<br />

Gedichtwettbewerb<br />

der BRENTANO-GESELLSCHAFT<br />

FRANKFURT/M. MBH<br />

Die Themen lauten: Frei wählbares<br />

Thema (Klasse A), Das Licht (Klasse B)<br />

und Das Währende (Klasse C).<br />

Ausgewählte Gedichte erscheinen im Standardwerk<br />

deutschsprachiger Lyrik, der Frankfurter<br />

Bibliothek.<br />

Einsen<strong>des</strong>chluß: 1. Oktober 2012. Sie können ein<br />

Gedicht über das Internet oder per Post einreichen. Das<br />

eingesandte Gedicht darf 20 Zeilen nicht überschreiten;<br />

es muss maschinenschriftlich und mit Rückporto (3x EUR<br />

0,55) eingereicht werden (dem Autor entstehen außer dem Porto<br />

keine Kosten). Bitte geben Sie bei Ihrer Einsendung Ihr Geburtsjahr<br />

an. Dieses wird ggf. mitveröffentlicht. Es darf<br />

nur ein einziges Gedicht eingereicht werden.<br />

Redaktion der Frankfurter Bibliothek<br />

Brentano-Gesellschaft Frankfurt/M. mbH<br />

Großer Hirschgraben 15, D-60311 Frankfurt/M.<br />

Tel. 069-13377-177, Fax-175, www.brentano-gesellschaft.de<br />

Der True-Crime-Klassiker<br />

<strong>des</strong> Autors von „The Wire“<br />

Tatort Baltimore:<br />

In der Stadt an der<br />

Ostküste der USA<br />

geschehen innerhalb<br />

eines Jahres 234 Morde<br />

– an zwei von drei<br />

Tagen wird ein Bürger<br />

erstochen, erschossen<br />

oder erschlagen. Im<br />

Zentrum dieses Hurrikans<br />

<strong>des</strong> Verbrechens<br />

steht das Morddezernat unter der Leitung<br />

von Lieutenant Gary D’Addario, eine kleine<br />

Bruderschaft, konfrontiert mit dem amerikanischen<br />

Albtraum.<br />

David Simon schuf die legendäre Fernsehserie<br />

„The Wire“. Der langjährige Polizeireporter<br />

der Baltimore Sun war der erste<br />

Reporter in Amerika, der unbegrenzten<br />

Zugang zum Morddezernat erhielt – er<br />

folgte ein Jahr lang den Ermittlern.<br />

<br />

<br />

David Simon: Homicide. Ein Jahr auf mörderischen<br />

Straßen. Verlag Antje Kunstmann, 832 S.,<br />

24,90 € (D) • 25,50 € (A), ISBN 978-3-88897-723-7<br />

Das Vermächtnis eines großen<br />

Europäers<br />

Das Denken Otto von<br />

Habsburgs besitzt<br />

eine hohe Aktualität.<br />

Es erschließt, warum<br />

unsere Gesellschaft<br />

eine Vision, Werte<br />

und das Engagement<br />

der Bürgerinnen und<br />

Bürger zum Überleben<br />

braucht.<br />

Eine besondere Rolle<br />

spielen Otto von Habsburgs<br />

Überlegungen zur Bedeutung der<br />

Geschichte, seine Gedanken über das Wesen<br />

der Demokratie, einen klugen, freiheitlichen<br />

Staatsaufbau, aber auch über unser Verhältnis<br />

zu Gott und den damit verbundenen<br />

Auftrag im Leben der Gesellschaft und<br />

<strong>des</strong> Einzelnen.<br />

Otto von Habsburg: Mut zur Pflicht. Warum wir<br />

mehr Verantwortung tragen müssen. Patmos Verlag,<br />

198 S., 19,90 € (D) • 20,50 € (A) • 28,50 sFr.,<br />

ISBN 978-3-8436-0044-6<br />

Ein Zigeunerleben<br />

Ein unerwartetes<br />

Vermächtnis wirft<br />

das Leben <strong>des</strong> ledigen<br />

Chirurgen aus Lyon<br />

aus seiner gewohnten<br />

Bahn. Gerade vierzig<br />

Jahre alt wird er zum<br />

Besitzer eines Trailer-<br />

Camps, mit einer sehr<br />

bunten Mischung von<br />

Bewohnern. Das nahe<br />

Dorf nennt sie die Ausgestoßenen. Er läßt<br />

das Leben dieser Menschen zu seiner zukünftigen<br />

Aufgabe werden. Sein Leben wird dadurch<br />

zum Abenteuer. Er manövriert sich<br />

geschickt durch jegliche Situation. Auch in<br />

Sachen Liebe lässt er wenig aus und trifft auf<br />

die Frau seines Lebens. Als Colbert sich eine<br />

längere Auszeit mit einem Wohnmobil<br />

nimmt, ist er schon mittendrin in seiner<br />

ganz großen Reise…<br />

<br />

<br />

86<br />

Michael Voss: Die Geliebte <strong>des</strong> Dr. Colbert.<br />

BoD, Norderstedt, 236 S., 16,90 € (D), ISBN 978-3-<br />

8448-5847-1, www.mallorca-autoren.com<br />

Schwacher Mann liebt starke Frau:<br />

Geht das gut?<br />

Wie schwach wünscht<br />

sich die moderne Frau<br />

ihren Mann wirklich?<br />

Wie stark sollte die<br />

moderne Frau nach<br />

den Vorstellungen<br />

<strong>des</strong> modernen Mannes<br />

sein? Dieses Buch<br />

gibt ein Bild emotional<br />

gelebter Wirklichkeit,<br />

wie es in dieser Form<br />

noch nie vorgelegt wurde. Denn der Autor<br />

<strong>schreibt</strong> aus unmittelbarer Erfahrung. Nach<br />

zehn gemeinsamen Jahren zerbrach seine<br />

ungewöhnliche Freundschaft mit einer Frau,<br />

die ihn erstaunte, irritierte und zurückließ.<br />

Neben der Brisanz <strong>des</strong> persönlichen Falles<br />

wird ein unerlässliches Quellenwerk für jeden<br />

geliefert, der dieses Tabuthema näher<br />

kennen lernen möchte.<br />

Andreas Schäfer: Ein letztes Tabu. Romneya-<br />

Verlag, 187 S., 13,80 € (D) • 14,20 € (A) • 19,80 sFr.,<br />

ISBN 978-3-934502-07-9, www.aschaefer59.de<br />

buchjournal 5/2011


BuchTipps<br />

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Belletristik | Krimi | Sachbuch | Ratgeber | Kinder- und Jugendbuch<br />

Ägypten – Reich der Pharaonen<br />

<br />

Faszination Ägypten:<br />

Dieses prachtvoll ausgestattete<br />

Buch entführt<br />

uns ins sagenumwobene<br />

Reich der Pharaonen. Zahlreiche<br />

verblüffende Effekte,<br />

Klappen und herausnehmbare<br />

Dokumente machen<br />

Geschichte lebendig.<br />

Susanne Rebscher: Ägypten – Reich der Pharaonen.<br />

Illustriert von Anne Bernhardi. Loewe Verlag,<br />

32 S., 24,90 € (D) • 25,60 € (A) • 35,50 sFr.<br />

Wenn es Nacht wird im Museum ...<br />

<br />

Für Sarah ist das Museum<br />

wie ein zweites Zuhause.<br />

Eines Tages bekommt sie geheimnisvolle<br />

Rätselaufgaben<br />

zugespielt – eine echte Herausforderung<br />

für die clevere<br />

Tüftlerin und ihre Freunde.<br />

Doch aus dem Spiel wird<br />

bitterer, gefährlicher Ernst …<br />

Jonas Torsten Krüger: Drei fürs Museum.<br />

Die Nacht der Rätsel. Ueberreuter, 144 S.,<br />

durchgehend illustriert, 12,95 € (D/A) • 20,50 sFr.<br />

Sieben<br />

Vorträge<br />

1916/21<br />

431 S.<br />

geb.<br />

ISBN<br />

978-3-<br />

86772-<br />

031-1<br />

€ 12<br />

Rudolf Steiner<br />

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Zwischen<br />

Ost und West<br />

Zwei Bände<br />

Band 1:<br />

Ursachen<br />

<strong>des</strong> neuzeitlichen<br />

Weltgeschehens<br />

Richtiges und gutes Deutsch<br />

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Das Wörterbuch der sprachlichen<br />

Zweifelsfälle. Sortiert<br />

von A bis Z gibt der Titel<br />

Antworten auf orthografische,<br />

grammatische und<br />

stilistische Fragen.<br />

Erstmals enthält der Band<br />

Dudenempfehlungen bei<br />

grammatischen Varianten.<br />

Richtiges und gutes Deutsch. 7., vollständig<br />

überarb. und erw. Aufl . Bibliographisches Institut,<br />

1064 S., 21,95 € (D) • 22,60 € (A) • 35,90 sFr.<br />

Abenteuer Trekking<br />

Dieser Bildband stellt<br />

die 25 schönsten Trekkingtouren<br />

zwischen<br />

Polarkreis und Mittelmeer<br />

vor: Klassiker wie<br />

der GR 20 und die Tour<br />

du Mont Blanc sind dabei, aber auch weniger<br />

bekannte Routen wie der Arctic Circle<br />

Trail auf Grönland.<br />

Darek Wylezol: Traumtreks Europa. Bergverlag<br />

Rother, 224 S., 49,90 € (D) • 51,30 € (A) • 69,90<br />

sFr., ISBN 978-3-7633-7054-2<br />

Tuwa: Expeditionen in das Herz Asiens<br />

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<br />

Das völkerkundliche Meisterwerk<br />

über Geschichte und Kultur<br />

<strong>des</strong> ältesten Nomadenvolkes<br />

Asiens, von den Skythen über<br />

die Hunnen, Kirgisen, Mongolen<br />

und Chinesen bis zur Russischen<br />

Föderation. Die DVD:<br />

Dokumentarfilm, Fotos, Musiken.<br />

– www.alouette-verlag.de<br />

Sewjan Weinshtein: Geheimnisvolles Tuwa.<br />

Alouette Verlag, Buch geb., 264 S., mit DVD-Video,<br />

39,90 € (D) • 41,10 € (A) • 62,50 sFr.<br />

Die Welt dreht sich um Asien<br />

Der langjährige Spiegel-<br />

Korrespondent Lorenz<br />

liefert realistische Einschätzungen<br />

zu Wirtschaft,<br />

Politik und Alltag in Asien,<br />

vor allem in China. Sein<br />

Fazit: Im Aufstieg <strong>des</strong> Neuen<br />

Ostens liegt eine Chance<br />

für Europa.<br />

Andreas Lorenz: Die asiatische Revolution.<br />

edition Körber-Stiftung, 280 S., mit Landkarten,<br />

16,00 € (D) • 16,50 € (A) • 28,60 sFr.<br />

Band 2:<br />

Die Zwänge<br />

der Macht<br />

und der Geist<br />

der Wahrheit<br />

Neun Vorträge 1916/17, 480 S., geb.<br />

ISBN 978-3-86772-039-7<br />

€ 12<br />

Rudolf Steiner, aktueller denn je.<br />

Rudolf Steiner<br />

Leben<br />

im dritten<br />

Jahrtausend<br />

Eine<br />

Zusammenfassung<br />

der<br />

Geisteswissenschaft<br />

vor 2000<br />

Zuhörern<br />

Protest allein genügt nicht<br />

<br />

Leggewie analysiert das<br />

Verhältnis von Zivilgesellschaft<br />

und politischen Institutionen.<br />

Er zeigt, worin die<br />

Potenziale der „Wutbürger“<br />

für die Demokratie bestehen<br />

und wie Bürger und Politiker<br />

zu neuer Verantwortung<br />

finden.<br />

Claus Leggewie: Mut statt Wut – Aufbruch in<br />

eine neue Demokratie. edition Körber-Stiftung,<br />

210 S., 14,00 € (D) • 14,40 € (A) • 25,30 sFr.<br />

Horizonte öffnen!<br />

<br />

Im Wien der ersten Hälfte<br />

<strong>des</strong> zwanzigsten Jahrhunderts<br />

stößt die Naturwissenschaftlerin<br />

Marianna Güth<br />

sehr schnell an die Grenzen<br />

der menschlichen Fantasie.<br />

Einfach mal reinlesen:<br />

www.der-seelentunnel.com<br />

Rolf Pfi ster: Der Seelentunnel. Band 1:<br />

Im Zeichen <strong>des</strong> Zirkel. Principal, 640 S.,<br />

24,80 € (D) • 25,50 € (A) • 39,00 sFr.<br />

Zehn Vorträge<br />

1922<br />

416 S., geb.<br />

ISBN 978-3-<br />

86772-041-0<br />

€ 12<br />

Diese Vorträge wurden vor 2000 Zuhörern<br />

1922 in Wien gehalten. Sie sind<br />

allgemein zugänglich, aber nicht ohne<br />

Tiefgang. Eine spannende Lektüre für<br />

jeden, der an der inneren Entwicklung<br />

und an den sozialen Problemen unserer<br />

Zeit interessiert ist.<br />

buchjournal 5/2011<br />

87<br />

www.archiati-verlag.de


Wir lesen<br />

Luft anhalten<br />

Albträume, Diebstähle, Kämpfe mit Untoten –<br />

wir präsentieren Bücher, die sich mit dem<br />

Tod beschäftigen. Was sowohl spannend als<br />

auch heiter sein kann, wie unsere Rezensenten<br />

finden.<br />

Haarscharf daneben: Leben und Tod liegen manchmal dicht beieinander<br />

© Mila Supinskaya / shutterstock images<br />

© privat<br />

GESCHICHTE VOM LOSLASSEN<br />

Claire Schleeger (15)<br />

empfiehlt<br />

„Sieben Minuten<br />

nach Mitternacht“<br />

Die Wahrheit erkennen<br />

Conors Mutter ist unheilbar an Krebs erkrankt<br />

und er fühlt sich in seinem Schmerz allein<br />

und von allen verlassen. Bis eines Nachts um<br />

sieben Minuten nach Mitternacht ein Monster<br />

an sein Fenster klopft – und ihm drei Geschichten<br />

erzählt. Durch sie begreift der Junge<br />

langsam, dass man gleichzeitig „gut“ und<br />

„böse“ sein kann und dass es <strong>des</strong>halb manchmal<br />

nur hilft, die Wahrheit auszusprechen. Erst<br />

dann ist er bereit, „seine“ Geschichte, seinen<br />

Albtraum zu erzählen und zu akzeptieren,<br />

der sich um die eine<br />

Frage dreht, die ihn fast zerreißt:<br />

Darf er sich wünschen,<br />

seine Mutter mit all ihrem<br />

Leiden gehen zu lassen,<br />

obwohl er sie doch so sehr<br />

liebt? Ich fi nde dieses Buch absolut<br />

lesenswert! Es fesselt und berührt, weil es so<br />

stark erzählt ist. Und es geht letztendlich nicht<br />

um den Tod, sondern um das Leben.<br />

^ Patrick Ness, Siobhan Dowd: „Sieben Minuten<br />

nach Mitternacht“. Übersetzt von Bettina Abarbanell.<br />

cbj, 216 S., 16,99 € (D) • 17,50 € (A) • 24,50 sFr.<br />

© privat<br />

PACKENDE VERFOLGUNGSJAGD<br />

Auf Leben und Tod<br />

Demi und Baz (eigentlich Basquat) wohnen in einer südamerikanischen<br />

Großstadt bei einer Frau, die elternlose Kinder aufnimmt<br />

und ihnen das Stehlen beibringt. Die beiden kennen sich, seit der<br />

ein paar Jahre ältere Demi auf dem Markt ein kleines Mädchen<br />

fand, es mitnahm und Basquat taufte. Demi und Baz beherrschen<br />

Till Casimir (13) rät<br />

ihr Handwerk – bis ein Diebstahl ihr Leben für immer ändert: Ohne zu einem Abenteuer<br />

es zu ahnen, beklaut Demi einen der gefährlichsten<br />

Männer der Stadt. Eine Verfolgung auf Leben und Tod beginnt. Ob Baz ihn aus<br />

dem Schlamassel retten kann? Selber lesen! Ich fand die Story packend. Der<br />

Autor Will Gatti hat sie sehr modern geschrieben und detailreich erzählt.<br />

PFIFFIGER GRUSEL<br />

^ Will Gatti: „Diebe!“. Übersetzt von Karsten Singelmann. Beltz & Gelberg,<br />

416 S., 16,95 € (D) • 17,50 € (A) • 24,90 sFr.<br />

Allein gegen die Untoten<br />

Barnaby Grimes ist ein Kaminspringer, der Botengänge über die Dächer erledigt.<br />

Da am Hafen viele tote Fische sind, untersucht er den Meeresboden, wo<br />

ihn ein Monster mit riesengroßem Schlund angreift. Barnaby wehrt sich mit<br />

seiner Harpune, schneidet aus Versehen seinen Luftschlauch<br />

durch, schwimmt mit letzter Kraft nach oben. Dort sieht er,<br />

wie Kaiser Rotbart, der erst vor Kurzem beerdigte Anführer aller Räuberbanden,<br />

aus seinem Grab aufersteht. Wie soll Barnaby sich vor der<br />

größer werdenden Schar der Untoten retten? Ich fi nde das Buch spannend,<br />

es passiert unheimlich viel, es gibt sehr komische Situationen,<br />

aber auch aufregende, etwa wenn er am Ende gegen Halbtote kämpft.<br />

Lennart Rak (11)<br />

empfiehlt „Barnaby ^ Paul Stewart, Chris Riddell: „Barnaby Grimes. Die Legion der Toten“. Übersetzt<br />

Grimes“<br />

von Wolfram Ströle. Sauerländer, 212 S., 14,95 € (D) • 15,40 € (A) • 24,90 sFr.<br />

© privat<br />

88<br />

buchjournal 5/2011


LeseLotse<br />

© Anke Kuhl<br />

Bestes aus dem Büchermeer für Kids<br />

Die LeseLotse-Jury empfiehlt neue Bücher<br />

BILDERBUCH<br />

Sehnsucht<br />

Vater, Mutter, Sohn: Wer ist ein Seehund?<br />

Der raffinierte Bild-Komponist Heidelbach<br />

spielt mit dem Motiv magischer Verwandlung<br />

und thematisiert das Verlassenwerden.<br />

^ Nikolaus Heidelbach: „Wenn ich groß bin,<br />

werde ich Seehund“. Beltz & Gelberg, 32 S.,<br />

14,95 € (D) • 15,40 € (A) • 21,90 sFr., ab 7<br />

Gute Besserung!<br />

Wie schlimm, wenn man krank ist. Wie gut,<br />

dass im Krankenhaus gerade der kleine Tobi<br />

Tapir im Einsatz ist. Lustig, warmherzig<br />

und einfach wunderbar anzuschauen.<br />

^ Sharon Rentta: „Doktor Tobis Tierklinik“.<br />

Gerstenberg, 32 S., 12,95 € (D) • 13,40 € (A) •<br />

18,90 sFr., ab 3<br />

KINDERBUCH<br />

Verschwundene Mutter<br />

Plötzlich ist Lilas Mutter weg. Und eine<br />

fremde Frau behauptet, Lilas Tante zu sein.<br />

Überzeugen<strong>des</strong> Debüt mit einer starken<br />

Heldin, die in Erinnerung bleibt.<br />

^ Susanne Fischer: „Der Aufstand der Kinder“.<br />

Fischer Taschenbuch, 304 S., 12,95 € (D) •<br />

13,40 € (A) • 18,90 sFr., ab 10<br />

Schmuckstück<br />

Ein Stern landet im Gemüsebeet, ein Bleistift<br />

spricht: Die bezaubernden Miniaturgeschichten<br />

sind Denkanstöße, Traumbilder<br />

und setzen die Fantasie in Bewegung.<br />

^ Manfred Schlüter: „Vom Fischer, der ein<br />

Künstler war“. Mixtvision, 72 S., 12,90 € (D) •<br />

13,30 € (A) • 19,90 sFr., ab 7<br />

JUGENDBUCH<br />

Hahn im Korb<br />

Sex, Sex, Sex: Virtuell hat Benn schon oft,<br />

aber „echte“ Mädchen beunruhigen den<br />

16-Jährigen. Und plötzlich ist er von ihnen<br />

umzingelt! Ein Roman, in dem sich Jungen<br />

100-prozentig wiederfinden.<br />

^ Jaromir Konecny: „Krumme Gurken“. cbt,<br />

272 S., 12,99 € (D) • 13,40 € (A) • 18,90 sFr., ab 14<br />

Liebestrottel<br />

Roland ist mit Line zusammen, obwohl er<br />

noch in Sara verliebt ist. Die Liaison zu beenden<br />

ist schwieriger als gedacht. Über die<br />

Verlorenheit nach der ersten großen Liebe.<br />

^ Stein Eric Lunde: „Wie Liebe, nur anders“.<br />

Sauerländer, 192 S., 13,95 € (D) • 14,40 € (A) •<br />

23,50 sFr., ab 14<br />

FÄLLT AUS DEM RAHMEN<br />

Feuer, Wasser, Erde, Luft<br />

Eine Wolkenmaschine, die vier Elemente und drei<br />

neugierige Kinder: Dirk Steinhöfel lädt in seiner<br />

Interpretation von Shelleys Gedicht „Die Wolke“ mit geheimnisvollen<br />

und faszinierenden Collagen zum Immer-wieder-<br />

Angucken ein. Ein außergewöhnliches Werk von berückender<br />

Poesie.<br />

^ Dirk Steinhöfel: „P. B. Shelleys ‚Die Wolke‘“.<br />

Oetinger, 128 S., 19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr., ab 10<br />

Die Jury<br />

Stefan Hauck <strong>Börsenblatt</strong>-Redakteur, Mitglied<br />

in verschiedenen Jurys<br />

Verena Hoenig Kulturjournalistin und<br />

Kinderliteratur-Expertin<br />

Katrin Maschke Buchhändlerin in München<br />

Ralf Schweikart Journalist und Literaturkritiker<br />

SACHBUCH<br />

Wie Bücher gemacht werden<br />

Was ist ein Typograf ? Und ein Fadenzähler?<br />

Anschaulich werden alle Schritte erklärt,<br />

die ein Buch braucht, um auf die Welt zu<br />

kommen. Nicht nur für Kinder spannend.<br />

^ Ron Heussen u. a.: „Das geheime Leben der<br />

Bücher vor dem Erscheinen“. Hermann Schmidt,<br />

96 S., 29,80 € (D) • 30,70 € (A) • 49,80 sFr., ab 7<br />

Nachdenken<br />

Zwölf philosophische Gegensätze werden in<br />

Bild und Text seziert: eine eindrucksvolle<br />

Einführung in die Welt <strong>des</strong> Denkens.<br />

Belohnt mit vielen schlauen Gedanken!<br />

^ Oscar Brenifier: „Was, wenn es nur so aussieht,<br />

als wäre ich da?“. Gabriel, 96 S.,<br />

14,90 € (D) • 15,40 € (A) • 23,50 sFr., ab 12<br />

buchjournal 5/2011 89


Lesestoff Kinder- und Jugendbuch<br />

Alles eine Frage der<br />

Perspektive<br />

TEXT: STEFAN HAUCK, VERENA HOENIG<br />

Fiese Typen, chaotische Gefühle, Herzflattern und steigende Adrenalinspiegel:<br />

Wir stellen wundervolle Romane für Jugendliche vor.<br />

© Hans Slegers<br />

<br />

<br />

Es gibt Geschenke, über die man sich<br />

immer wieder freut. Zum Beispiel über<br />

den BücherScheck, der nun schon seit<br />

30 Jahren für glückliche Gesichter sorgt.<br />

Kein Wunder, denn mit dem Bücher-<br />

Scheck verschenken Sie die freie Auswahl<br />

in fast 2.500 Buchhandlungen in<br />

ganz Deutschland. Nach dem Motto:<br />

In Frankfurt gekauft, nach Hamburg<br />

verschenkt und in Berlin eingelöst!<br />

Eine gute Idee!<br />

AB 11 KRIMI<br />

Böse Absichten<br />

Spannend bis zur letzten Seite:<br />

Anna Lisa und Raggi<br />

schwant nichts Gutes, als sie<br />

im Ferienkurs für Hochbegabte<br />

zum ersten Mal den<br />

Direktor sehen. Und wirklich:<br />

Obwohl die beiden<br />

Schüler keine Superhirne<br />

wie die anderen Teilnehmer<br />

sind – die Sekretärin hatte aus Versehen<br />

die Briefumschläge vertauscht –, kommen<br />

sie mit einem blinden und einer schüchternen<br />

Hochbegabten einem Genmanipulationskomplott<br />

auf die Spur. Die Hauptfiguren – besonders<br />

der wunderbar freche Raggi – sind einfühlsam<br />

gezeichnet.<br />

^ Yrsa Sigurðardóttir: „Die IQ-Kids und die geklaute<br />

Intelligenz“. Fischer Schatzinsel, 281 S., 12,95 € (D) •<br />

13,40 € (A) • 18,90 sFr.<br />

AB 12 STEINZEIT-EXPERIMENT<br />

Mogeln nicht erlaubt<br />

Kein Computer, kein Handy, weder Junkfood noch<br />

Make-up: Auf all das will die 14-jährige Cat sieben<br />

Monate lang verzichten. Sie möchte mit ihrem<br />

Projekt – Leben wie ein Steinzeitmensch – den<br />

ers ten Preis beim Schulwettbewerb gewinnen.<br />

Und insgeheim will die quirlige Cat herausfinden,<br />

wie es sich anfühlt, gut auszusehen. Wegen ihrer<br />

Speckrollen hat ihr bisher kein Junge hinterhergeguckt.<br />

Das soll sich ändern. Der Weg dahin jedoch<br />

ist weit – und bitter. Mit viel Herz und Humor<br />

kommt dieser inspirierende Coming-of-Age-<br />

Roman für Mädchen daher.<br />

Ständig lacht man laut auf<br />

und lernt nebenbei noch einiges<br />

übers Kochen. Eine<br />

süße Liebesgeschichte gibt’s<br />

obendrein.<br />

^ Robin Brande: „Fat Cat“.<br />

dtv pocket, 367 S., 7,95 € (D) •<br />

8,20 € (A) • 11,90 sFr.<br />

AB 12 ZEITDOKUMENT<br />

Schatten der Vergangenheit<br />

Jäh stößt die 14-jährige Mouchka auf die Vergangenheit,<br />

als sie das Tagebuch ihrer tragisch ums<br />

Leben gekommenen Mutter Nina entdeckt. Nina<br />

war Fotografin und eine Freundin <strong>des</strong> Balletttänzers<br />

Rudolf Nurejew, mit ihm wagte sie die Flucht<br />

aus der UdSSR. Als Mouchka im Paris der 1970er<br />

Jahre den 16-jährigen Gabriel kennenlernt, beginnt<br />

eine Romanze, die ins Wanken gerät, als sie<br />

etwas Unglaubliches herausfinden. Eine fesselnd<br />

geschriebene Geschichte – faszinierend, wie die<br />

90<br />

buchjournal 5/2011


AB 14 KOMBINATIONSLOGIK<br />

Spielzeit<br />

Autorin Liebesroman, Krimi und<br />

Zeitdokument zu einem Ganzen<br />

flicht.<br />

^ Marie Bertherat: „Ein<br />

Sommer am Montparnasse“.<br />

Urachhaus, 240 S., 13,50 € (D) •<br />

14,– € (A) • 19,90 sFr.<br />

det. Emma, so stellt sich heraus,<br />

ist sein Kind. Aus der<br />

im Jugendbuch ungewohnten<br />

Jungenperspektive erlebt der<br />

Leser die emotionale Achterbahnfahrt<br />

<strong>des</strong> jungen Papas,<br />

der die Situation lange nicht wahrhaben will und<br />

mit seinem jüngeren Bruder und dem Vater die<br />

Sache in den Griff zu kriegen versucht.<br />

^ Malorie Blackman: „Boys don’t cry“. Boje,<br />

304 S., 14,99 € (D) • 15,50 € (A) • 21,90 sFr.<br />

Ein fulminantes<br />

Werk für Kinder<br />

und Erwachsene!<br />

Bridge ist todsterbenslangweilig? Bestsellerautor<br />

Louis Sachar tritt den Gegenbeweis an: Da<br />

der Großonkel krank, aber stinkreich ist, wird<br />

der 17-jährige Alton von seinen Eltern dazu verdonnert,<br />

ihn zu seinen Bridgepartien zu begleiten.<br />

Noch ahnt Alton nicht, dass dieses<br />

klassische Kartenspiel sein Leben heftig aufwirbeln<br />

wird und der Onkel nicht das ist, was<br />

er scheint. Dann erlebt er auch noch seinen<br />

ersten kosmischen Kuss! Clever gemacht:<br />

Wer keine Lust auf<br />

detaillierte Spielregeln hat,<br />

kann dank eines Symbols die<br />

entsprechenden Stellen einfach<br />

überblättern. Also: Das<br />

Spiel kann beginnen.<br />

^ Louis Sachar: „König, Dame,<br />

Joker“. Bloomsbury, 362 S.,<br />

16,90 € (D) • 17,40 € (A) • 24,50 sFr.<br />

AB 15 ERWACHSENWERDEN<br />

Sich aufbauen<br />

Perspektiven sieht Sven keine, er hat sich immer<br />

mehr gehen lassen, ist auf der schiefen<br />

Bahn gelandet. Als seine Schwester in Australien<br />

entführt zu werden droht, steigt sein Adrenalinpegel:<br />

Der 19-Jährige zieht, auch mithilfe<br />

alter Freunde, sich selbst aus dem Sumpf, verwirklicht<br />

einen Traum, gründet eine Firma, um<br />

Lösegeld zahlen zu können. Erst<br />

nach und nach merkt er, dass ihn<br />

jemand reingelegt hat – wenn<br />

auch zu seinem Besten.<br />

^ Oliver Uschmann: „Nicht weit<br />

vom Stamm“. Script5, 524 S., 14,95<br />

€ (D ) • 15,40 € (A) • 25,50 sFr.<br />

AB 16 VATERSEIN<br />

Baby für Jungs<br />

Dante will gerade sein Studium beginnen, als<br />

ihm seine Exfreundin Melanie ein elf Monate<br />

altes Baby in den Arm drückt und verschwin-<br />

AB 16 GEFÜHLSCHAOS<br />

Nicht verlieben!<br />

Eine Katastrophe, wenn man sich<br />

in den Freund der besten Freundin<br />

verknallt. Emma passiert es,<br />

als sie ihre erste Wohnung bezieht,<br />

und Adrian schmilzt in<br />

ihren Händen, beide können<br />

einfach nicht voneinander lassen.<br />

Bis die Freundin schwanger<br />

ist. Emma pflegt jedoch auch<br />

eine enge Beziehung zu Markus – sie sind unzertrennlich.<br />

Ihr kleiner Bruder gerät bei einem Deal<br />

in Lebensgefahr… Immer wieder tief durchatmen<br />

ist bei diesem Roman angesagt.<br />

^ Katarina von Bredow: „Er ist der Freund meiner<br />

Freundin“. Beltz & Gelberg, 380 S., 14,95 € (D) •<br />

15,40 € (A) • 21,90 sFr.<br />

AB 16 DYSTOPIE<br />

Sich auflehnen<br />

Skrupellose Intrigen und fiesestes Knüppel-zwischen-die-Beine-Werfen<br />

ist in Karmesin-Ost an<br />

der Tagesordnung. Die Menschen leben in einer<br />

Welt, in der Farbsichtigkeit ihre Rangordnung<br />

bestimmt: Je mehr Rot oder Gelb jemand sehen<br />

kann, umso höherwertiger soll er für die Gesellschaft<br />

sein. Die Jugendlichen Edward, ein Roter,<br />

und Jane aus der grauen Unterschicht lehnen<br />

sich dagegen auf – und versuchen Wege zu finden,<br />

die Gesellschaft mit ihren einengenden<br />

Regeln zu verändern. Spannung, Action, ständiger<br />

Kampf gegen den Tod, Liebe, ein detektivisches<br />

Enträtseln der Zusammenhänge und<br />

feinironische Sprache sind die<br />

Ingredienzen für einen<br />

absolut gelungenen Adoleszenzroman.<br />

^ Jasper Fforde: „Grau.<br />

Ein Eddie-Russett-Roman“.<br />

Eichborn, 490 S., 19,95 € (D) •<br />

20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

Mit farbigen Illustrationen | Gebunden<br />

264 Seiten | ISBN 978-3-407-79986-9<br />

Sag, wo kommen die Worte her?<br />

Rund 200 AutorInnen und<br />

IllustratorInnen haben auf diese<br />

Frage geantwortet – mit Gedichten<br />

und Bildern aller Art: komisch,<br />

kritisch, hintergründig, rätselhaft<br />

und direkt. Entstanden ist eine<br />

einzigartige Sammlung – und<br />

ein Buch, wie wir es lieben.<br />

Mittwoch, 12.10<br />

18:30 Uhr<br />

Hans Joachim Gelberg im Gespräch<br />

mit Sylvia Schwab (hr2-kultur)<br />

Anna Thalbach liest<br />

Neue Gedichte aller Art<br />

Foyer <strong>des</strong> hr-Sen<strong>des</strong>aals<br />

Bertramstraße 8, 60320 Frankfurt<br />

buchjournal 5/2011 91<br />

www.beltz.de


KALENDER<br />

Gepriesen sei der Wandkalender: Er bietet keinen Raum für stundengenaues Zeitmanagement –<br />

und entschleunigt zusätzlich mit optischen Reizen. Hübsche Neuheiten für 2012.<br />

Ritter, Frösche und Lakritzrollen<br />

TEXT: ANDREA RINNERT<br />

Haben Sie sich schon mal gefragt, welcher<br />

Zeitplanungstyp Sie sind? Und<br />

sich die Tipps gewiefter Zeitmanagement-<br />

Gurus durchgelesen? Nein? Dann lassen<br />

Sie’s ruhig auch jetzt, denn der Wandkalender<br />

ist für alle da – egal ob Sie an Aufschieberitis,<br />

der Hetzkrankheit oder simpler<br />

Lebenslust leiden. Er taugt als Basisinstrument<br />

der Orientierung im Heute und Morgen,<br />

ist der ansehnliche Kerl fürs Grobe,<br />

der das Jahr in handliche Monatsklötze<br />

spaltet – und jeden einzelnen Tag auf ein<br />

harmloses Nümmerchen zurechtstutzt.<br />

Doch genug der Lobhudelei. Damit der<br />

»Was im Laden<br />

gefällt, kann<br />

zu Hause<br />

urplötzlich nerven«<br />

Jahresbegleiter sein Wellness-Potenzial<br />

überhaupt entfalten kann, muss er optisch<br />

einiges bringen: Er hat den Stresstest täglichen<br />

Draufschauens zu bestehen. Was im<br />

Laden gefällt, kann nämlich zu Hause urplötzlich<br />

nerven.<br />

Für den visuellen Dauerbetrieb geeignet<br />

sind zweifellos die Produkte „Sagenhaftes<br />

Mittelalter“ (Heye), „Mittelalter“ (Edition<br />

Lempertz) und „Mythos Mittelalter“ (Ackermann)<br />

– zumin<strong>des</strong>t bei jener Klientel, die<br />

eskapistische Begierden vorzugsweise mit<br />

düsteren Burgen und Rittern in Leggings<br />

stillt. Wer sich hingegen lieber mit der gegenwärtigen<br />

Beschaulichkeit hiesiger Gefilde<br />

befasst, kann mit „Wilde Heimat“ (Weingarten)<br />

eintauchen in ein pittoreskes Ge-<br />

„Tinga Tinga“. Heye, 12 Blätter,<br />

70,7 x 50 cm, 36,– € (D / A) · 64,90 sFr.<br />

92<br />

buchjournal 5/2011


EINSTIMMEN<br />

AUF WEIHNACHTEN!<br />

„Frösche“.<br />

Weingarten,<br />

12 Blätter,<br />

34,5 x 45 cm,<br />

19,95 € (D / A) ·<br />

35,90 sFr.<br />

Weihnachten in<br />

unserer kleinen Stadt<br />

wimmel aus Füchsen, Frischlingen,<br />

Eichhörnchen & Co., während die Novität<br />

„Heimische Wildpilze“ (DuMont) mit Essbarem<br />

aus dem definitorischen Niemandsland<br />

zwischen Tier und Pflanze erfreut.<br />

Trotz beigefügter Rezepte sind hiervon leider<br />

keine hexenmäßigen Flug-Rauschzustände<br />

zu erwarten, vielmehr sind für bewusstseinserweiternde<br />

Erfahrungen eher<br />

die Objekte aus „Faces“ (teNeues) zuständig:<br />

François Robert beweist, wie verblüffend<br />

häufig uns Alltagsgegenstände, sei es ein<br />

Vorhängeschloss oder ein Handfeger, aus<br />

freundlichen Gesichtern verschmitzt zulächeln.<br />

Ebenso ungewöhnlich, zumin<strong>des</strong>t<br />

für den beschränkten westlichen Museumsblick:<br />

„Aboriginal Art“ (Weingarten) mit<br />

Ornamentalem in warmen Erdtönen sowie<br />

»Das gute Stück<br />

muss nächstes Jahr<br />

sogar 366 Tage<br />

durchhalten«<br />

„Tinga Tinga“ (Heye) mit Gegenständlichem,<br />

nicht selten in Gestalt von Elefanten,<br />

Krokodilen und Giraffen. Kreaturen,<br />

die man in natura eben nicht an der nächsten<br />

Ecke erspäht. Halten wir daher als Zwischenergebnis<br />

unmissverständlich fest: Für<br />

manche Erlebnisse ist es unumgänglich,<br />

das Fernweh über das Fernsehen obsiegen<br />

zu lassen.<br />

Ziele für ein solches Unterwegssein liefern<br />

neben den Schwarz-Weiß-Aufnahmen<br />

buchjournal 5/2011 93<br />

von „Africa“ (Korsch) und „Indianerland“<br />

(Edition Panorama) zuverlässig in Farbe<br />

„Patagonien“ (Linnemann) sowie „Geheimnisvolles<br />

Jordanien“ (Weingarten) mit<br />

Impressionen aus dem Tal Wadi Rum. Aber<br />

Vorsicht: „Der Tourist zerstört, was er<br />

sucht, indem er es findet“, befand Hans<br />

Magnus Enzensberger – ein grässlicher<br />

Mechanismus, gegen den sich seit Jahren<br />

die Reiseführermarke Lonely Planet mit alternativer<br />

Weltenbummelei stemmt, nun<br />

auch in Form eines gleichnamigen Kalendariums<br />

(teNeues). Für Fans von Innenräumen<br />

gewiss lohnender: „Die schönsten<br />

Buchhandlungen Europas“ (DuMont) – wer<br />

weiß, wie lange es solche Pracht noch gibt.<br />

Bedroht ist auf diesem Planeten freilich<br />

auch das Fußvolk der Schöpfung – eine Tatsache,<br />

die „Endangered Animals“ (teNeues)<br />

und „Arche Noah“ (Heye) anhand niedlicher<br />

wie auch erhabener Spezies explizit<br />

verhandeln, während „A Place to be“ (Du-<br />

Mont) mit winzigen Elchen, Bären und Pavianen<br />

vor riesigen Naturkulissen subtil<br />

Melancholie verbreitet: als wären die Vorgestellten<br />

die jeweils Letzten ihrer Art.<br />

Und dann gibt es da noch Lebewesen, die<br />

man mitunter recht gern abschaffen würde<br />

– beispielsweise dann, wenn sie das Hinübergleiten<br />

in die Tiefschlafphase verhindern.<br />

Aber die Novität „Frösche“ (Weingarten)<br />

dürfte selbst bei Anrainern von Gartenteichen<br />

spontan eine nie gekannte<br />

Sympathie für diese feuchtfröhlichen Geschöpfe<br />

hervorrufen. Apropos Nachtruhe:<br />

Aufmunterung verschafft sich der postmoderne<br />

Mensch ja gern in Ballungsgebieten,<br />

und zwar am besten, wenn es 0<br />

Leonie und Jonas durchstöbern als<br />

abenteuerlustige „Weihnachtsreporter“<br />

ihre kleine Stadt, um herauszufinden,<br />

warum im Advent alles anders ist:<br />

Warum es oft so gut riecht, was die<br />

Trompeter bei klirrender Kälte auf<br />

den Turm treibt oder wie der liebe<br />

Gott Reklame macht. Die Kinder entdecken,<br />

was hinter dem Rummel und<br />

der Geschäftigkeit der vielen Weihnachtsvorbereitungen<br />

steckt.<br />

Der Kalender haftet mit Klebepunkten<br />

an der Scheibe. Er besteht aus<br />

einer transparenten Folie mit den<br />

bunten Bildepisoden und einer nummerierten<br />

Titelfolie, von der jeden<br />

Tag ein Stück abgezogen wird. Der<br />

Text wird aus dem dazugehörigen<br />

Begleitheft (vor)gelesen.<br />

ZUM ADVENT<br />

Fensterbild-Adventskalender<br />

DIN A2, transparente, farbige<br />

Fensterbild-Folie mit deckender<br />

Titelfolie zum Abziehen,<br />

inkl. Begleitheft DIN A4<br />

ISBN: 978-3-88997-191-3<br />

Preis: 14,95 €*<br />

* zzgl. 3,– € Versandpauschale<br />

je Lieferung innerhalb Deutschlands<br />

Bergmoser + Höller Verlag AG<br />

Karl-Friedrich-Str. 76<br />

52072 Aachen | DEUTSCHLAND<br />

T 0241-93888-123 | F 0241-93888-188 |<br />

E kontakt@buhv.de<br />

Gültig bis 31.12.2011<br />

AB<br />

6 JAHRE<br />

www.buhv.de/Adventskalender<br />

www.fensterbild-adventskalender.de<br />

677-22


KALENDER<br />

„Big City Nights“. Ackermann, 12 Blätter,<br />

48 x 54 cm, 29,95 € (D/A) · 53,90 sFr.<br />

„Faces“. teNeues, 12 Blätter,<br />

30 x 30 cm, 12,95 € (D/A) · 33,90 sFr.<br />

0 dunkelt: „Big City Nights“ (Ackermann)<br />

traut sich an Metropolen wie Sydney<br />

heran, „Europe at night“ (Hannesschläger)<br />

erkundet stimmungsvoll architektonische<br />

Highlights von Moskau bis<br />

Rom. Eigentümlich kulissenhaft muten<br />

Großstädte wie Zürich und London in den<br />

gelbstichigen, wolkenverhangenen Fotos<br />

von Stéphane Ray-Gorrez bei „Cityscapes“<br />

(teNeues) an – als wäre das die Ruhe vor<br />

dem letzten Sturm und das Eintreten der<br />

Apokalypse bloß noch eine Frage von Minuten.<br />

Doch Schluss mit unlustig, schließlich<br />

gibt es genügend Zeitplaner, die sich<br />

versiert der Sonnenseite <strong>des</strong> Lebens widmen<br />

– vulgo: dem Essen und Trinken.<br />

Originell auf diesem Sektor: „Weinaromen“<br />

(DuMont). Gläser wurden hierfür<br />

nicht mit Gewürztraminer oder Sangiovese<br />

gefüllt, sondern lediglich mit deren Geschmacksnoten,<br />

sodass sich Lakritzrollen,<br />

Aprikosenhälften, Haselnüsse, Johannisbeeren,<br />

Honigtöpfchen, Ananasspalten, Vanilleschoten<br />

etc. verheißungsvoll türmen.<br />

Obendrein ist der Augenschmaus lehrreich,<br />

weil er den Gaumen für die nächste Verkostung<br />

in differenzierte Vorfreude versetzt.<br />

„Genuss pur“ (Ars Vivendi) macht hingegen<br />

mit dem bewährten Touch nobler<br />

Landhausästhetik Appetit – nicht nur auf<br />

grünen Spargel und Wirsing. Und Schleckermäuler,<br />

die einen gedeckten Tisch ohne<br />

Süßes als ähnlich defizitär empfinden wie<br />

einen Pool ohne Wasser, können sich an<br />

„Cupcakes“ (teNeues und DuMont) versuchen,<br />

einer Art Trend-Muffin mit Creme-<br />

Haube. Kompetente Anleitung inklusive.<br />

Sinnvoll, denn ebenso wenig, wie man einfach<br />

drauflosbäckt, sollte man leichtfertig<br />

einen Wandkalender wählen. Schließlich<br />

muss das möglichst gute Stück nächstes<br />

Jahr sogar 366 Tage durchhalten. <br />

„Weinaromen“. DuMont, 12 Blätter,<br />

49 x 22 cm, 12,99 € (D / A) · 22,– sFr.<br />

„Wilde Heimat“. Weingarten, 12 Blätter,<br />

34,5 x 45 cm, 19,95 € (D / A) · 35,90 sFr.<br />

„Die schönsten Buchhandlungen Europas“.<br />

DuMont, 12 Blätter, 48 x 44,5 cm,<br />

24,99 € (D / A) · 39,90 sFr.<br />

„Mythos Mittelalter“. Ackermann, 12 Blätter,<br />

66 x 33 cm, 24,95 € (D/A) · 44,90 sFr.<br />

94<br />

buchjournal 5/2011


Der Lesezeit-Bücherherbst bei Klassik Radio<br />

Auch über DAB+<br />

Herbstzeit ist Lesezeit.<br />

Wenn die Tage länger werden… ist es besonders schön, sich mit<br />

einem guten Buch zurückzuziehen.<br />

Clemens Benke weiß schon jetzt, welche Bücher in diesem Herbst<br />

besonders lesenswert sind, und bespricht diese ausführlich in seiner<br />

Sendung.<br />

Die Klassik Radio Lesezeit - immer sonntags von 14-15 Uhr.<br />

Jan Seghers – Die Akte Rosenherz, rowohlt<br />

Der vierte Fall für Kommissar Marthaler: Wie man es vom Autor gewohnt ist, gibt es<br />

auch diesmal wieder Spannung vom Allerfeinsten.<br />

Kate Atkinson – Das vergessene Kind, Droemer<br />

Dies ist ein Buch, das einen so schnell nicht mehr loslässt - auch lange<br />

nachdem man es gelesen hat.<br />

Emma Donoghue – Raum, Piper<br />

Ein Romanhighlight <strong>des</strong> Bücherherbstes. Eine unglaublich spannende Geschichte,<br />

die an die Substanz geht. Ein Buch das nachhaltig bewegt.<br />

Jeffrey Eugeni<strong>des</strong> – Die Liebeshandlung, rowohlt<br />

Eine dramatische Dreiecksgeschichte und ein Roman über die Spielarten der Liebe.<br />

www.klassikradio.de/lesezeit<br />

find us on


Bücherköpfe<br />

TEXT: ANITA STRECKER<br />

Eva Padberg<br />

Frauenpower auf Bayerisch:<br />

Kabarettistin Lisa Fitz<br />

Sie hat ihren Namen zur Marke gemacht: Eva<br />

Padberg. Supermodel aus tiefster ostdeutscher<br />

Provinz, UNICEF-Botschafterin, Sängerin und<br />

Songwriterin von Dapayk & Padberg, dem Duo<br />

mit ihrem Mann Niklas Worgt, den sie liebt, seit<br />

sie 14 ist. Von den Medien wird sie vor allem mit<br />

zwei Attributen belegt: Die Padberg scheut keine<br />

Nacktfotos. Und: Sie ist sehr bodenständig. Was<br />

ihr selbst allein angesichts der Tatsache, mal<br />

eben erster Klasse von New York nach Paris oder<br />

Tokio zu jetten, doch zweifelhaft erscheint. Aber<br />

es ist wohl gerade dieser kritisch-reflektierte<br />

Blick, der dem 31 Jahre alten Multitalent Bodenhaftung<br />

bewahrt. Sie genießt ihren Beruf, ist innerlich<br />

aber unabhängig von Shows, Shootings<br />

und androgynen Idealmaßen<br />

geblieben, wie<br />

sie in „Model-Ich“<br />

(Diederichs) locker ausplaudert.<br />

Gegenrezept<br />

Marke Padberg: Lust<br />

am Leben, am Essen,<br />

Sport als Ausgleich –<br />

und sich nicht verbiegen<br />

lassen. <br />

© picture-alliance / Erwin Elsner<br />

Supermodel<br />

mit Bodenhaftung:<br />

Eva Padberg<br />

© Lisa Fitz<br />

Lisa Fitz<br />

Man kann sie sich gut auf einer Harley Davidson<br />

vorstellen, wie sie mit wehender Mähne<br />

dem Horizont entgegenbraust. Oder in Kostümchen<br />

und Hochhackigen im breiten<br />

Bayrisch bigotte Katholiken als Frauenhasser<br />

entlarvt. Oder im Dirndl „I mog di“ trällert. Für<br />

Lisa Fitz, Deutschlands erfolgreichste Kabarettistin,<br />

gibt es keine Grenzen – und keine Tabus.<br />

Toptrainierte Powerfrau eben. War aber ein<br />

ganz schön harter Weg vom streng behüteten<br />

Spross <strong>des</strong> Künstler-Clans Fitz bis zu der<br />

selbstbewussten Frau und Mutter, die sich von<br />

bayerischer Hitparade und allem Mainstream<br />

emanzipiert hat. Sex, Drugs und Rock ´n´ Roll<br />

– sogar das Dschungelcamp war darunter.<br />

Kompromisslos, aber immer neugierig auf alles<br />

hat die „Fitz Lisa“ ihr Ding gemacht. Dabei<br />

viele vor den Kopf gestoßen, sich auf Irrwegen<br />

verrannt, wurde von „Bild“ als sexhungrige<br />

Krawallschachtel verfolgt – und hat sich doch<br />

durchgesetzt. Sie will am Ende nicht sagen<br />

müssen, „mein Leben hat allen gefallen, nur<br />

mir selbst nicht“, <strong>schreibt</strong> die 60-Jährige in ihrer<br />

höchst lesenswerten Autobiografie. Bisher<br />

ist sie gut dabei.<br />

^ Lisa Fitz: „Der lange Weg zum Ungehorsam.<br />

Erinnerungen für die Zukunft“. Heyne,<br />

400 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

Elisabeth von<br />

Thurn und Taxis<br />

Sie attestiert sich einen Prinzessinnenkomplex.<br />

Und ausgerechnet sie muss die Kolumne „The Princess<br />

Diaries“ für „Finch’s Quarterly Review“ schreiben.<br />

Was kokett klingt, ist eher Kindheitstrauma: In<br />

der Schule war Elisabeth von Thurn und Taxis die<br />

scheel beäugte „Andere“; zu Hause, im Regensburger<br />

Schloss, streng behütet<br />

und zugleich in illustrer<br />

Welt mit Freunden wie Michael<br />

Jackson. Die 29-Jährige<br />

hat längst Schloss gegen<br />

Wohnung getauscht,<br />

arbeitet als Journalistin. Ihr<br />

Cross-over-Leben hat sie<br />

aufgeschrieben: „Tagebuch<br />

einer Prinzessin“ Tagebuch: Elisabeth<br />

Hochadel <strong>schreibt</strong><br />

(Marion von Schröder). von Thurn und Taxis<br />

© ddp images / dapd<br />

Liz Mohn<br />

Die Mutter wollte, dass sie Zahnarzthelferin wird.<br />

Aber Tochter Liz ist statt<strong>des</strong>sen in den Aufsichtsrat<br />

der Bertelsmann AG und den Vorstand der Bertelsmann<br />

Stiftung aufgestiegen – an der Seite ihrer<br />

großen Liebe. Klingt wie ein Märchen, hat nur<br />

einen Haken: Liz Mohn hat hart dafür gearbeitet<br />

und vieles getragen. Im prüden Nachkriegsdeutschland<br />

war die Scheidung von seiner ersten<br />

Frau Magdalene für Bertelsmann-Chef Reinhard<br />

Mohn undenkbar, wie umgekehrt die drei Kinder<br />

mit Liz nicht unehelich aufwachsen durften.<br />

Scheinehe, Heimlichkeiten, erst 1982 wurde die<br />

Familie auch offiziell eine. Liz Mohn hat nie aufgegeben;<br />

wissbegierig ohne Ende, der Welt und<br />

Menschen offen zugewandt, war sie für Mohn Lebens-<br />

und Diskussionspartnerin, hat mit ihm neue<br />

Wege beschritten, mit denen Bertelsmann Geschichte<br />

schrieb: partnerschaftliches Miteinander<br />

© Bertelsmann AG<br />

Die Grande Dame<br />

von Bertelsmann:<br />

Liz Mohn<br />

von Geschäftsleitung und Mitarbeitern, Beteiligung<br />

am Unternehmensgewinn, die Gründung<br />

der Stiftung mit -zig Projekten in Sachen Völkerverständigung,<br />

Kultur oder Gesundheit. Ihre<br />

„Schlüsselmomente“ (C. Bertelsmann) hat sie<br />

jetzt aufgeschrieben. Ein Mutmachbuch für Frauen<br />

– und Lehrstück modernen Managements. <br />

96<br />

buchjournal 5/2011


GANZ ODER GAR NICHT<br />

10 FRAGEN AN<br />

David Nicholls<br />

Beatles oder Beethoven? Ideal wäre Bach, jeden Tag.<br />

Wenn das nicht geht, die Beatles.<br />

Obere oder untere Brötchenhälfte? Die obere, schön knusprig.<br />

Margeriten oder Rosen? Rosen. Obwohl ich ehrlich<br />

zugeben muss, dass ich gar nicht weiß, wie Margeriten aussehen …<br />

Brief oder E-Mail? Brief. Ich vermisse Briefe ungeheuer. Niemandem<br />

schlägt doch das Herz höher, wenn man eine E-Mail bekommt.<br />

Schokolade oder Popcorn? Popcorn ist lecker – einen Mund voll,<br />

dann schmeckt’s nach Packpapier. Also lieber Schokolade.<br />

Italien oder Alaska? Italien, auch wenn<br />

ich noch nie in Alaska gewesen bin. Alaska stelle ich mir mit<br />

gewissem melancholischem Charme vor.<br />

Tanzen oder Gläserschwenken? Ich habe seit 1993 nicht<br />

mehr getanzt, aus gutem Grund.<br />

Fahrrad oder Auto? Fahrrad. Ich hasse Autos.<br />

Stadt oder Land? Kommt auf die Stadt an. In Paris,<br />

Berlin oder Rom, dann Stadt. In Moskau, Southampton oder<br />

Birmingham lieber Land.<br />

Frühaufsteher oder Langschläfer? Theoretisch ein<br />

früher Vogel, in der Praxis ein Langschläfer.<br />

^ David Nicholls, Jahrgang 1966, war Schauspieler, ehe<br />

er als Schriftsteller und Drehbuchautor Erfolg hatte. Sein<br />

Roman „Zwei an einem Tag“ war monatelang<br />

ein Bestseller und startet als<br />

Leinwandadaption am 3. November in<br />

den Kinos (siehe S. 42).<br />

David Nicholls: Zwei an einem Tag.<br />

Kein & Aber, 832 S., 16,90 € (D) •<br />

17,40 € (A) • 24,90 sFr.<br />

© Anita Affentranger<br />

Impressum<br />

Herausgeber<br />

Börsenverein <strong>des</strong> Deutschen <strong>Buchhandels</strong> e.V.<br />

Redaktionsleiter<br />

Eckart Baier, e.baier@buchjournal.de ......................................................-373<br />

Redakteurin<br />

Dr. Sabine Schmidt, s.schmidt@buchjournal.de ...................................... -278<br />

Grafi k<br />

Denis Stanisic, d.stanisic@mvb-online.de ...............................................-398<br />

Schlussredakteurin<br />

Dr. Andrea Rinnert, a.rinnert@mvb-online.de<br />

Redaktionsservice<br />

Yvonne Messer, y.messer@mvb-online.de ..............................................-468<br />

Autoren dieser Ausgabe<br />

Ulrich Baron (ub), Christina Busse, Meike Dannenberg (md), Holger Ehling,<br />

Tobias Gohlis, Stefan Hauck (hc), Verena Hoenig, Constanze Kleis, Alexander<br />

Kluy (ky), Ronald Meyer-Arlt (rma), Petra Mies (pms), Andrea Rinnert,<br />

Wolfgang Schneider (wos), Christoph Schröder (cs), Sabine Schwietert,<br />

Cordula Stratmann, Anita Strecker, Hendrik Werner (wer)<br />

Verlag<br />

MVB Marketing- und Verlagsservice <strong>des</strong> <strong>Buchhandels</strong> GmbH<br />

Geschäftsführer: Ronald Schild<br />

Verlagsleiter: Dr. Torsten Casimir<br />

Anschrift <strong>des</strong> Verlags und der Redaktion<br />

Großer Hirschgraben 17 – 21, 60311 Frankfurt am Main<br />

Postfach 10 04 42, 60004 Frankfurt am Main<br />

Tel.: 069 / 1306-0 • Fax: 069 / 1306-424<br />

mail@buchjournal.de, www.buchjournal.de<br />

Anzeigen<br />

Katrin Willwater (verantwortlich), k.willwater@mvb-online.de ............-456<br />

Florian Böhler, f.boehler@mvb-online.de ................................................ -219<br />

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Jessica Klein, j.klein@mvb-online.de ....................................................... -218<br />

Marisa Wirth, m.wirth@mvb-online.de ...................................................-612<br />

Fax: 069 / 13 06-209; anzeigen@mvb-online.de<br />

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Es gilt Tarif Nr. 64 vom 1.1.2011<br />

Marketing & Vertrieb<br />

Serviceline, serviceline@mvb-online.de..................................................-550<br />

Fax: 069 / 13 06-255<br />

Litho und Druck<br />

Druckhaus Main-Echo GmbH & Co. KG, Aschaffenburg<br />

Durchwahl<br />

Sie wählen 069 / 1306 und dann die angegebene Durchwahl<br />

Die Rubriken Buchtipps und Leseprobe sind von Verlagen fi nanziert. Eine<br />

Verwertung der urheberrechtlich geschützten Zeitschrift und aller in ihr<br />

enthaltenen Beiträge und Abbildungen, insbesondere durch Vervielfältigung<br />

oder Verbreitung, ist ohne vorherige schriftliche Zustimmung <strong>des</strong><br />

Verlages unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrechtsgesetz<br />

nichts anderes ergibt. Insbesondere ist eine Einspeicherung oder<br />

Verarbeitung der auch in elektronischer Form vertriebenen Zeitschrift in<br />

Datensystemen ohne Zustimmung <strong>des</strong> Verlages unzulässig.<br />

Preisangaben in redaktionellen Beiträgen und im Anzeigenteil erfolgen<br />

ohne Gewähr, die mit € gekennzeichneten Preise für Bücher sind die in<br />

Deutschland geltenden gebundenen Ladenpreise. Preisangaben deutscher<br />

Verlage in € (A) sind unverbindliche Preisempfehlungen gemäß österreichischem<br />

Preisbindungsgesetz. Preisangaben in Schweizer Franken sind<br />

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Abonnement: Inland 30,– €, Ausland 40,50 € pro Jahr inkl. Versandkosten<br />

und MwSt.<br />

Das Buchjournal erscheint sechsmal im Jahr und ist in etwa 2300<br />

Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich.<br />

Das Buchjournal ist Mitglied der Informationsgemeinschaft<br />

zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW).<br />

buchjournal 5/2011 97


Ratelust<br />

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1<br />

7<br />

9<br />

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Malakka<br />

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bevor<br />

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2<br />

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Riesenkröte<br />

Gartengemüse<br />

3<br />

Tadel,<br />

Maßregelung<br />

neuseeländischer<br />

Vogel<br />

Eierpfannkuchen<br />

japan.<br />

Romancier<br />

syrischer<br />

Staatsmann<br />

(†, Hafiz)<br />

großer<br />

Papagei<br />

Kosewort<br />

für<br />

Großmutter<br />

dt.<br />

Fantasyautor<br />

(Walter ...)<br />

flüssiges<br />

Fett<br />

Abk.:<br />

Sekunde<br />

Hauptstrom<br />

der<br />

französisch:<br />

Steiermark<br />

Ära<br />

10<br />

lettische<br />

Währung<br />

Im Blickpunkt: Island<br />

Ein isländischer Autor wurde<br />

bislang mit dem Literaturnobelpreis<br />

ausgezeichnet. Wie heißt<br />

einer seiner wichtigen Romane?<br />

dt.<br />

Krimiautorin<br />

Musikzeichen<br />

im<br />

Psalm<br />

Schwerathlet<br />

6<br />

8<br />

schlecht<br />

ein<br />

Balte<br />

eine<br />

Geliebte<br />

<strong>des</strong> Zeus<br />

4<br />

norweg.<br />

Krimiautor<br />

Wiesenpflanze<br />

Elfenkönig<br />

Schaumwein<br />

Männername<br />

norddeutsch:<br />

betrunken<br />

11<br />

vertraute<br />

Anrede<br />

Abk.:<br />

Neuerscheinung<br />

Sauerstoffaufnahme<br />

Zustimmung<br />

Formgestaltung<br />

5<br />

ätzende<br />

Flüssigkeiten<br />

erstes<br />

öffentliches<br />

Auftreten<br />

Abk.:<br />

europäische<br />

Norm<br />

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‚Irland‘<br />

in der<br />

Lan<strong>des</strong>sprache<br />

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Senden Sie Ihre Lösung per E-Mail an raetsel@buchjournal.de oder per Postkarte an: Redaktion Buchjournal, Postfach<br />

10 04 42, 60004 Frankfurt / Main. Bitte teilen Sie uns dabei mit, in welcher Buchhandlung Sie das Buchjournal erhalten<br />

haben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsen<strong>des</strong>chluss: 15. November 2011<br />

Auflösung aus Heft 4 / 2011<br />

K M<br />

P V<br />

E S R A I N D R I D A S O N I L<br />

C I A A E I N N A H M E D A<br />

H A Q U E R P A S S P O D E X<br />

A L L Z U<br />

A N I O N<br />

M A T T E S<br />

D O E<br />

F O R E<br />

K O B R A S<br />

L E I D Z S U O R S<br />

R H E I N U W E L T F R E M D<br />

O F S E R A A U A I O E<br />

B R A T H E R I N G P L U N D E R<br />

N E S S E R G L A S K U G E L N<br />

LINDHOLM<br />

Sollten Sie mit der Zusendung weiterer Informationen <strong>des</strong> Buchjournals per E-Mail nicht einverstanden sein, teilen Sie uns dies bitte in Ihrer Einsendung<br />

mit. Der Zusendung <strong>des</strong> Newsletters können Sie jederzeit unter newsletter@buchjournal.de widersprechen. Die Teilnahme am Gewinnspiel ist<br />

von der Erklärung Ihres Einverständnisses unabhängig. Einsendungen, die unter Zuhilfenahme von automatisierten Systemen erstellt werden, die dem<br />

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Das nächste<br />

Buchjournal<br />

erscheint am<br />

25. November<br />

In der letzten Ausgabe<br />

2011 geht es um die besten<br />

Winterschmöker,<br />

Bild- und Geschenkbände.<br />

Neben den Themen<br />

Krimi, Bio grafien<br />

und Basteln wird es<br />

außerdem den Schwerpunkt<br />

„Kinder- und<br />

Jugendbuch“ geben.<br />

98<br />

buchjournal 5/2011


Sie jetzt Ihr<br />

Wir suchen Buchjournal-Leserinnen<br />

und -Leser, die gern schreiben!<br />

Dr. Ingrid Böttcher<br />

Mitglied im Literarischen<br />

Beirat der Schule<br />

<strong>des</strong> Schreibens<br />

Gewiss möchten auch Sie druckreif<br />

schreiben können, denn dadurch<br />

● werden Sie erfolgreicher im Beruf,<br />

● erschließen Sie sich ein<br />

interessantes Hobby,<br />

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und Bestätigung,<br />

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Mit der Schule <strong>des</strong> Schreibens eignen Sie<br />

sich das „Handwerk“ eines Autors an.<br />

Sie machen mehr aus Ihrer Liebe zum Schreiben<br />

und zur Literatur. Mit dem richtigen Handwerkszeug<br />

können Sie Ihre Ideen in Worte fassen, die gedruckt<br />

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zu Hause, in Ihrer Freizeit – die Kunst und<br />

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Über 40 Jahre in der Vermittlung <strong>des</strong> kreativen<br />

Schreibens im Fernunterricht haben uns immer<br />

wieder bestätigt: Wer den Wunsch hat zu schreiben,<br />

besitzt auch die Fähigkeit, um erfolgreich zu<br />

schreiben. Warten Sie also nicht auf die große Inspiration<br />

– fangen Sie einfach an!<br />

Die meisten Autoren werden „gemacht“.<br />

Unser tägliches „Lesefutter“ kommt in der Regel von<br />

guten, aber unbekannten Autoren. Diese Menschen<br />

haben ihren Wunsch vom Schreiben verwirklicht:<br />

Sie haben das Schreiben gründlich und von der Pike<br />

auf gelernt. In sorgfältiger Arbeit _ und mit einer<br />

systematischen Ausbildung. Schreiben ist nicht das<br />

Privileg weniger Auserwählter, sondern erlernbares<br />

Handwerk, und das kann Ihnen die Schule <strong>des</strong><br />

Schreibens vermitteln.<br />

Lesen Sie diesen Brief<br />

bitte nur, wenn Sie<br />

das Gratis-Angebot<br />

nicht annehmen wollen!<br />

Liebe Buchjournal-Leserin,<br />

lieber Buchjournal-Leser,<br />

Corinna Luerweg<br />

Lektorin der Schule <strong>des</strong><br />

Schreibens<br />

als Lektorin der Schule <strong>des</strong> Schreibens bin ich<br />

etwas überrascht.<br />

Für viele Leser dieser Zeitschrift ist das professionelle<br />

Schreiben – die Schriftstellerei – der große Lebenstraum.<br />

Aber nur erstaunlich wenige fordern dann auch<br />

tatsächlich unser Gratis-Angebot an.<br />

Ich frage mich natürlich – warum? Halten Sie sich etwa<br />

für zu wenig begabt? Fehlt Ihnen der Mut, jetzt aktiv zu<br />

werden? Oder befürchten Sie gar, dass das Gratis-Angebot<br />

für Sie doch nicht kostenlos und unverbindlich ist?<br />

Ich möchte Ihnen noch einmal versichern: Sie erhalten<br />

die Einladung zum kostenlosen Lehrgangs-Test, den<br />

wertvollen „Leitfaden für alle, die gern schreiben“,<br />

sowie die Tipps von Bestseller-Autoren vollkommen<br />

gratis und ohne Verpflichtung.<br />

Also, tauchen Sie ein in die Welt <strong>des</strong> Schreibens.<br />

Lesen Sie zu Hause alle Informationen ganz in Ruhe<br />

durch. Sie brauchen uns nichts zurückzuschicken.<br />

Mit freundlichem Gruß<br />

Ihre<br />

Corinna Luerweg<br />

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❑ als Hobby ❑ für meinen jetzigen Beruf<br />

❑ um mich mündlich und schriftlich besser<br />

ausdrücken zu können<br />

❑ für einen Nebenverdienst ❑ um eventuell<br />

eines Tages hauptberuflich als Autor tätig<br />

zu sein.<br />

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