Ludwig Thoma Komödie in drei Akten Personen: Fritz ... - act-n-arts

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Ludwig Thoma Komödie in drei Akten Personen: Fritz ... - act-n-arts

Hauser: Ja, früher!

Beermann: Es ist aber jetzt eine Konstellation.

Frau Lund zu Frau Beermann: Sie haben mir nie was gesagt, daß Ihr Mann Politiker ist.

Frau Beermann: Er ist es ja erst seit vierzehn Tagen.

Frau Lund: Wie schnell das kommen kann! Und gerade Sie!

Beermann: Warum ich?

Frau Lund: Ich glaubte immer, daß Sie nicht einmal die Zeitung lesen.

Bolland: Wir sind unserm Beermann von Herzen dankbar, daß er in der Stunde der Not dieses Opfer gebracht hat.

Frau Lund: Herr Kommerzienrat, wie Sie das sagen: Stunde der Not und Opfer bringen, da wären doch Sie der Mann für

den Reichstag.

Bolland: Ich bin zu prononciert nationalliberal.

Hauser: Ist das unheilbar?

Bolland: Es macht jedenfalls meine Aufstellung unmöglich. Wir brauchten jemand, der sich nicht zu stark auf ein

Parteiprogramm festgelegt hat.

Frau Lund: Das heißt also. unser Beermann wird Politiker, weil er kein Politiker ist.

Hauser: Was man eine Konstellation heißt.

Beermann: Darf ich mir vielleicht eine Frage erlauben? Warum soll ich nicht Reichstagsabgeordneter werden?

Hauser: Das ist wahr. Sagen Sie selber, Frau Lund, warum soll er nicht?

Beermann: Wenn ich Neuling bin, das war jeder einmal.

Hauser: Und man kann jeden Tag anfangen, ohne Befähigungsnachweis.

Bolland: Das ist wieder der Jurist! Sie möchten wohl ein Examen einführen?

Hauser: Glauben Sie, es würde schaden?

Beermann großartig: Ich will Ihnen was sagen, lieber Herr Justizrat, wenn man im Leben steht, das ist mehr wert als

Bücherweisheit. Wir haben überhaupt zu viel Juristen. Das ist unser Unglück.

Frau Lund lustig zu Frau Beermann: Nu debattiert er schon!

Bolland in nachlässiger Pose: Ich habe eine Seifenfabrik, wie Ihnen wohl bekannt ist. Ich beschäftige

vierhundertzweiundsechzig Arbeiter; sage und schreibe mit Worten vierhundert-zwei-und-sechzig Arbeiter, deren Wohl

und Wehe in meiner Hand liegt. Ja, glauben Sie, das verlangt keine Umsicht?

Hauser: Aber...

Bolland ihn unterbrechend: Glauben Sie, daß diese Sorge ums Detail, und dann wieder die Übersicht übers Ganze,

glauben Sie, daß das nichts ist?

Hauser: Aber unser Beermann hatte doch nie eine Seifenfabrik!

Beermann: Warum reden wir, wenn Sie Witze machen?

Hauser: Ich verstehe den Zusammenhang nicht recht...

Beermann: Jedenfalls kann ich mit dem Buchbinder konkurrieren, den die Sozialdemokraten aufgestellt haben.

Bolland: Und besitzen etwas mehr Erfahrung, nicht wahr? In Horizont, nicht wahr?

Frau Lund: Aber ich habe noch etwas gehört, was mir gar nicht gefallen hat.

Beermann: Von mir?

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