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22 Familie & Ferien // Berliner Morgenpost

Von

generationskonflikt

keine Spur mehr

gettyiMages

omi, ich hab’ dich ja sooo lieb!“

Leonie schmiegt sich ganz dicht

an ihre Oma, als sie das sagt. Die

beiden haben ein sehr enges Verhältnis

zueinander. Die Elfjährige hat schon

viele, viele Wochenenden bei der Oma verbracht,

nicht etwa weil sie müsste, sondern

weil sie wollte. Gemeinsame Urlaube, feste

Nachmittagstermine, die nur ihnen beiden

gehören, aber auch der Besuch von Schulund

Kitaveranstaltungen gemeinsam mit

den Eltern gehören dazu.

Die beiden sind kein Sonderfall. Das Verhältnis

zwischen Großeltern und Enkelkindern

wird immer wichtiger – und inniger.

„Wenn Eltern und Großeltern sich gut verstehen,

ist die Beziehung zu den Enkelkindern

sehr bedeutungsvoll. Oma und Opa bilden

sichere Bezugspersonen für die Kinder, sie

haben Zeit, stehen für Heimat und Tradition

und erzählen aus der Vergangenheit – Dinge,

auf denen unsere Identität beruht“, erklärt

Heidemarie Arnhold vom Arbeitskreis Neue

Erziehung. Doch das war nicht immer so.

Noch im 17./18. Jahrhundert bekamen Frauen

bis ins hohe Alter Nachwuchs, hatten also,

wenn ihre Kinder die ersten Babys bekamen,

selbst noch kleine Kinder, um die sie sich

kümmern mussten. Für die Großelternrolle

blieb dann keine Zeit. Und Anfang des

20. Jahrhunderts galten Großeltern oft als

unmodern. Man warf ihnen vor, die Enkel

zu stark zu verwöhnen. Und sie waren auch

meist körperlich nicht mehr in der Lage, mit

den Enkeln Schritt zu halten. Das ist heute

Großeltern und Enkel ergänzen sich

prächtig und profitieren voneinander.

Alt und Jung genießen die

gemeinsame Zeit und entlasten die

gestressten Eltern sowohl im Alltag als

auch im Berufsleben

– SiMONe JacOBiUS

anders: Großeltern sind im Allgemeinen

gesünder, aktiver und innovativer als noch

vor 50 Jahren. Und die Wertvorstellungen

zwischen Jung und Alt haben sich heutzutage

angenähert, sodass es keinen Generationskonflikt

mehr gibt. Aus der distanzierten

Großeltern-Enkel-Beziehung ist mit der Zeit

eine kameradschaftliche geworden.

Aber Oma und Opa werden auch gebraucht.

Sie sind nach den Eltern die wichtigsten

Betreuungspersonen für Kinder

unter sechs Jahren, hat eine Untersuchung

des Deutschen Jugendinstituts in München

ergeben. Großeltern springen ein, wenn die

eigenen Kinder Überstunden machen und

das Enkelkind betreut werden muss, oder

auch, wenn Fieber und Co. den Besuch von

Schule und Kindergarten unmöglich machen.

Vielfach stehen sie auch in den Ferien zur

Verfügung. Laut der Betreuungsstudie des

Deutschen Jugendinstituts ist jedes dritte

Kind bis zu drei Jahren mindestens einmal

die Woche bei den Großeltern. Zwei Drittel

aller Eltern bitten ihre eigenen Eltern zumindest

sporadisch um Babysitter-Dienste.

Heidemarie Arnhold sieht auch den Wechsel

der Bezugspersonen als positiv: „Die

Großeltern müssen nicht so sehr erziehen,

dürfen auch mal verwöhnen. Sie haben eine

andere Position inne als die Eltern. Und für

die Kinder ist es gut zu sehen, dass in anderen

Umgebungen andere Regeln gelten. Wichtig

ist nur, dass Eltern und Großeltern sich in

den wesentlichen Dingen einig sind!“

Doch nicht nur die Enkelkinder und ihre

Eltern profitieren von dem guten Verhältnis

zu Oma und Opa. Auch die Großeltern

können davon profitieren. „Enkel wirken

wie ein Jungbrunnen auf die Großeltern.

Sie bewegen sich mehr, nehmen an aktuellen

Entwicklungen teil und kramen im Schatz

alter Erinnerungen nach Kinderreimen, Märchen

und altem Liedgut“, weiß die Fachfrau.

Denn Enkelkinder strotzen nur so vor Wissbegierde,

Lebenslust und Bewegungsdrang.

Großeltern die sich darauf einlassen, bleiben

selbst aktiv, jung und geistig fit.

„Großeltern müssen nicht so sehr erziehen,

dürfen auch mal verwöhnen.“

heidemarie arnholdt, arbeitskreis neue erziehung

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