Untitled - Babylon Kino

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Untitled - Babylon Kino

Spannung in meinem Roman baut sich genauso auf, wie wir uns im richtigen Leben erst allmählich

unseres Daseins bewusst werden. Schritt für Schritt lernen wir wie unsere Welt und damit unser Leben

funktioniert”, führt Ishiguro aus. „Neugierig und zugleich widerwillig erfahren wir die Wahrheit über

unser Leben. Die Hauptfiguren meiner Geschichte eint, dass sie von frühester Jugend an beginnen,

Fragen zu stellen: Wer sind wir? Warum passieren diese Dinge? Warum sind die Dinge so wie sie sind?

Diese Fragen schweißen sie letztendlich auch zusammen.“

Obwohl die Kinder Fragen stellen und durchaus immer wieder auf ihre eigene Weise rebellieren,

versuchen sie nie, das System in Frage zu stellen oder ihrem Schicksal zu entkommen. Ihnen wird

immer wieder erklärt, dass sie etwas Besonderes sind, ein notwendiger Teil der Menschheit und dass sie

ihrer Zukunft, ihrem Schicksal nicht entrinnen können. Also finden sie sich mit ihrem brutalen Schicksal

ab, arrangieren sich und versuchen glücklich zu werden – genauso wie wir es auch versuchen würden.

„Die Kinder werden sehr sorgfältig auf ihr Schicksal vorbereitet. Stück für Stück wird ihnen

erklärt, was auf sie zukommt. Systematisch werden sie auf ihre Zukunft eingestellt, so dass sie sich nicht

allzu sehr aufregen müssen”, erklärt er. „Sie fügen sich, spüren eigentlich keinen echten Schmerz. Wie

Kinder dies im Allgemeinen auch tun. Wir leben als Kinder in einer Blase und lernen erst allmählich,

was Leben bedeutet.”

Und als diese Blase für Kathy, Tommy und Ruth platzt, gerät ihre Welt ins Wanken. Aber sie

klammern sich an die Dinge, die sie haben, vor allem ihre Freundschaft zueinander, deren Wurzeln in

Hailsham liegen, wo sie zusammen aufgewachsen sind. Sie sind bereit, ihre Pflicht zu erfüllen, trotz all

des Schmerzes, den das Wissen um ihren frühen Tod ihnen bereitet. Ihr Erwachsenwerden wird von der

Erwartung eines frühen Todes begleitet.

Schon bald nachdem das Manuskript von Alles, was wir geben mussten fertig war, landete es in

den Händen von Ishiguros Freund, dem Drehbuchautor Alex Garland. Garland selbst ist ein

renommierter britischer Romancier (Der Strand, Das Koma), der die hoch gelobten Skripts zu 28 DAYS

LATER und SUNSHINE verfasst hat, beides Filme, die auch ins Science-Fiction-Genre hineinspielen.

Nachdem er Alles, was wir geben mussten gelesen hatte, träumte er sofort davon, den Roman in einen

Film umzuarbeiten.

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