LEBEN MIT BEHINDERUNG - Berliner Zeitung

berliner.zeitung.online.de

LEBEN MIT BEHINDERUNG - Berliner Zeitung


LEBEN MIT BEHINDERUNG

••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••

EINE VERLAGSBEILAGE DER BERLINER ZEITUNG

Mit Judo zu mehr

Selbstsicherheit

Dank Partnerbörse

zur großen Liebe

Vorden Augen des

Theaterpublikums

GETTY IMAGES/NICHOLAS RJABOW


2 I LEBEN MIT BEHINDERUNG DIENSTAG, 18. JUNI 2013 I VERLAGSBEILAGE

HindernisparcoursHochschule

Studenten mit Behinderung müssen während des Studiums mit allerhand Barrieren kämpfen, erhalten aber auch viel Unterstützung

Schon der Weg indas Seminargebäude

der Humboldt-

Universität in der Dorotheenstraße

in Mitte hat es für

Katrin Dinges in sich. Hier ein paar

Stühle, die ein Café mitten auf dem

Gehweg platziert hat, dort ein

falsch geparktes Auto oder eine gefährliche

Kreuzung. „Mein Uniweg

ist ein Zickzackkurs mit ständigen

Ausweichmanövern“, sagt sie. Die

Umgebungsgeräusche helfen ihr

bei der Orientierung nur bedingt

weiter,weil auch ihr Gehör starkbeschädigt

ist.

Dass sowohl der Seh- als auch

der Hörsinn dermaßen beeinträchtigt

sind, liegt an dem Alström-Syndrom,

das man bei der 27-Jährigen

diagnostiziert hat. Das ist eine

chronische und bislang selten erkannte

Stoffwechselkrankheit.

Weltweit sind um die 800 Fälle bekannt,

die reale Zahl könnte aber

noch viel höher sein.

Schon als sie auf die Welt kam,

hatte Katrin nur eine Sehkraft von

cirka fünf Prozent. Seit der neunten

Klasse bezeichnet sie sich selbst

als blind. Seitdem sie 16 ist,

braucht sie ein Hörgerät. Ohne das

geht es heute gar nicht mehr. Und

selbst wenn das Gerät eingesetzt

ist, kann sie vieles nur sehr schwer

verstehen. „Blind oder schwerhörig

zu sein, ist schon kompliziert.

Wenn aber beides zusammenkommt,

ist das richtig schwierig.“

Das alles hat sie allerdings

nicht davon abgehalten, ihren Weg

zu gehen und ihre Karriere voranzutreiben.

Dazu zählt das Studium in

den FächernDeutsche Literatur sowie

Europäische Ethnologie. „Es

gibt natürlich Probleme, und das

mindertauch den Elan, aber ich will

das auf jeden Fall durchziehen“,

sagt sie.

Plötzlich ins Krankenhaus

Die Regelstudienzeit ist eine Kategorie,

die für sie nicht existiert. Inzwischen

ist sie seit acht Jahren

eingeschrieben. Wann ein Abschluss

absehbar ist, steht noch in

den Sternen. „Das kann in zwei

oder in fünf Jahren sein.“ Das

hängt vor allem auch davon ab, wie

sich ihre Krankheit entwickelt. „Es

kann sein, dass ich ohne Vorwarnung

ins Krankenhaus muss.“ Wie

nicht selten in jüngerer Zeit. Wegen

der Klinikaufenthalte und aller damit

verbundenen Herausforderungen,

um Leben und Studium zu organisieren,

hat sie insgesamt drei

Jahre verloren. Und auch dann,

wenn es nicht akut ist, ist sie gezwungen,

auf die Signale ihres Körpers

genau zu achten. „Ich bin natürlich

nicht besonders belastbar.

H I L F E B E I B E H I N D E R U N G

Freie Universität:

Für Blinde und Sehbehinderte gibt es viel Studienmaterial

in Braille, Tastgrafik und Großdruck, als Textdatei

oder Tondokument.

Die Bibliothek verfügt über zwei Arbeitsplätze mit

sehbehinderten- und blindengerechter Computerausstattung

und hat eine verlängerte Leihfrist.

Hörbehinderte können Gebärdendolmetscher

beantragen.

Chronisch Krankehaben gleiche Möglichkeiten der

Unterstützung (das gilt für alle Hochschulen).

Weitgehend barrierefrei sind die Einrichtungen der

FU. Bei Bedarf können technische Anpassungen vorgenommen

werden.

Technische Universität:

Umfassende studienbegleitende Beratung wie an allen

Hochschulen, außerdem eine studentische Beratung

in deutscher Gebärdensprache.

GETTY IMAGES/BLEND IMAGES

Menschen mit Behinderung haben selbstverständlich Zugang zu den Berliner Universitäten und Hochschulen.

Weitgehend rollstuhlgerecht ist die Hälfte aller Gebäude,

pro Etage gibt es einen Sonderarbeitsplatz.

In einigen Hörsälen findet man Mikroport-Anlagen

und reservierte Plätze.

Die Bibliothek bietet eine verlängerte Leihfrist.

Humboldt-Universität:

Für Behinderte sind Parkplätze reserviert.

Tastbare Routenpläne mit großen, schwarzen Buchstaben

und auch in Brailleschrift dienen der Orientierung.

Computer verfügen über Braillezeilen und Brailledrucker

für Sehbehinderte.

Mikroport-Anlagen gibt es für Hörbehinderte.

Barrierefreie Aufzüge sind mit Ansage und Brailleschrift

ausgestattet.

Gebärdendolmetscher werden kostenfrei nach Beantragung

bereitgestellt.

Die Bibliothek bietet verlängerte Leihfristen sowie

Extra-Arbeitsplätze.

Es kann schon sein, dass ich pro

Semester nur zwei bis drei Veranstaltungen

wahrnehmen kann.“

Nicht alle Professoren haben

Verständnis für die besonderen

Umstände von Katrin. Sie hat das

Gefühl, dass ihr mancher Stein in

den Weg gelegt wurde. „Es gab

eine Professorin, die hielt mich einfach

für faul. So hat sie das auch

den Offiziellen erzählt.“ Weshalb

es nicht selten Probleme mit der

Anerkennung bestimmter Leistungen

gab.

Schwieriger Zugang zur Lektüre

Doch es ist nicht nur dieser gravierende

Einzelfall, weshalb das Studieren

mit gewissen Hindernissen

verbunden ist. Mal sind Skripte für

sie nicht zugänglich, weil sie nur

handschriftlich vorliegen. Ein anderes

Mal versteht sie das Gesagte

nicht, „weil viele Leute denken,

dass ein Blinder automatisch auch

gut hören muss“. Manchmal ist es

auch einfach der Hall in Besprechungsräumen

oder in den Fluren,

sodass sie einem Gespräch

manchmal nur schwer folgen kann.

Auch mit der Literatur ist das so

eine Sache. Bücher gibt es zwar

mittlerweile in Brailleschrift, sodass

sie auch für Menschen mit

Sehbehinderung lesbar sind. Doch

bei vielen Werken muss Katrin sich

selbst darum kümmern, dass sie

Zugang zur Lektüre bekommt. Mal

hilft eine Online-Datenbank weiter,

mal muss aber auch Seite für Seite

eingelesen werden, damit der

Scanner die Texte umwandeln

kann. „Bis ich soweit bin, sind die

Kommilitonen schon längst fertig.“

Ins Seminar mit dem Mikrofon

Nachdem anfangs mancher mit ihrer

Situation überfordertwar,spürt

sie inzwischen aber auch viel Verständnis.

Das fängt in den Seminaren an.

Dortist es inzwischen üblich, dass

jeder durch ein Mikrofon spricht,

das Signale an ihr Hörgerät sendet.

„Das sorgt auch dafür,dass immer

nur einer spricht. Das ist sehr hilfreich.“

Und auch wasdie Räumlichkeiten

angeht, sei man auf einem

guten Weg. Die Tasten im Universitäts-Aufzug

sind inzwischen mit

Punktschrift versehen. Zudem informiert

eine Stimme mit entsprechender

Lautstärke über den

Standort. Auch ist das Seminargebäude

relativ klar aufgebaut,

was die Orientierung erleichtert.

Nur, umden richtigen Raum zu finden,

dort ist Unterstützung nötig.

Das allerdings ist ein kleineres

Problem. „Die Leute sind wirklich

hilfsbereit.“ (pae.)


DIENSTAG, 18. JUNI 2013 I VERLAGSBEILAGE LEBEN MIT BEHINDERUNG I 3

Wenn der Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt nicht klappt

Isländische Sozialarbeiter kamen nach Berlin, um das Leben in einer Werkstatt kennenzulernen

Werkstätten für behinderte

Menschen sind in die Diskussion

geraten. Befürworter

meinen, sie bieten einen

Rahmen, eine Tagesstruktur für

Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung

keine Chance auf dem

ersten Arbeitsmarkt hätten. Die

Gegner sind der Ansicht, dass eine

Werkstatt eine überholte Form der

Betreuung behinderter Menschen

sei. Den goldenen Mittelweg meinen

diejenigen gefunden zu haben,

die für eine Öffnung der Werkstatt

sind.

In die Lankwitzer Werkstätten

kommen oft Besucher. Imvergangenen

Jahr war eine polnische Delegation

zu Gast, zuvor hatte sich

der kroatische Botschafter über

das Angebot informiert. Nun meldeten

sich Sozialarbeiter aus Reykjavik

zu einem Besuch an. „Sie

haben im Internet nach einer Werkstatt

in Berlin gesucht, in der sie Erfahrungen

für ihre Arbeit sammeln

können, und sind auf die Lankwitzer

Werkstätten gestoßen“, berich-

Menschen mit Behinderung sollen gleichermaßen am Berufsleben und am Alltag teilhaben können.

tet Stephan Kersten, der Verantwortliche

für Kommunikation und

Öffentlichkeitsarbeit.

Rund 850 Werkstättenmitarbeiter

arbeiten zum Beispiel in der

Schmuckherstellung, der Fahrradwerkstatt,

der Druckerei oder beim

Recycling elektronischer Teile.

23 solche Berufsfelder gibt es.

Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter

sind psychisch beeinträchtigt. Die

Lankwitzer Werkstätten haben

zehn Standorte in Berlin und seit

vergangenem Jahr einen in Teltow.

Die Sozialarbeiter aus Reykjavik

besuchten die Werkstatt in der

Wilhelmsaue. Auch dort arbeiten

im Druckbereich überwiegend

REUTERS

Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen.

Zum Beispiel Karina

Schneider (Name geändert).

Die zierliche junge Frau steht an einer

Maschine, die Druckbögen

auswirft, die auf Stapel sortiert

werden müssen. Man sieht Karina

die Beeinträchtigung nicht an. Das

macht es ihr möglicherweise dop-

pelt so schwer. Von Statur zierlich,

packt sie beherzt die Stapel an und

schiebt sie auf den nächsten

Tisch. Kein Außenstehender würde

erkennen, dass sie eines besonderen

Schutzes bedarf. Und dennoch:

Fünf Mal hat sie bereits den Anlauf

auf den ersten Arbeitsmarkt unternommen,

fünf Mal ist sie wieder in

die Werkstatt zurückgekehrt. Der

Druck dortwar einfach zu groß, ihre

Beeinträchtigung spielte in der

Wahrnehmung der Kollegen keine

Rolle. Jetzt ist sie endgültig in der

„Wilhelmsaue“ angekommen und

möchte auch nicht mehr weg. „Ich

fühle mich hier wohl und genieße

meine Erfolge.“

Die Sozialarbeiter aus Reykjavik

haben ähnliche Erfahrungen in

Island gemacht. Aber dort sind

Werkstätten für behinderte Menschen

in solch einer Größe unvorstellbar.

In kleinen Einrichtungen

beschäftigen sie sich mehr mit der

Betreuung. Darum können sie zu

Hause sehr gut von den Berliner

Erfahrungen profitieren. (sis.)

Zurück in Arbeit trotz

gesundheitlicher Einschränkungen

www.bfw-berlin-brandenburg.de

Das Berufsförderungswerk Berlin-Brandenburg e. V. ist ein

modernes und zukunftsorientiertes Kompetenzzentrum für

berufliche Rehabilitation und Integration. Wir qualifizieren

Erwachsene, die aus gesundheitlichen (körperlichen und/oder

psychischen) Gründen ihren Beruf oder ihre bisherige Tätigkeit

nicht mehr ausüben können.

Standort Berlin

Berufsförderungswerk

Berlin-Brandenburg e. V.

Epiphanienweg 1

14059 Berlin-Charlottenburg

Telefon 030 30399-0

Schon längst garantiert rein fachliches Knowhow keinen

Arbeitsplatz mehr. Deshalb arbeiten wir nach einem ganzheitlichen

Ansatz, indem Fachkompetenz, Schlüsselkompetenzen

und Gesundheitskompetenz gleichwertige Bedeutung haben.

Ziel dieser beruflichen Neuorientierung ist die dauerhafte Eingliederung

in den Arbeitsmarkt.

Standort Mühlenbeck

Berufsförderungswerk

Berlin-Brandenburg e. V.

Kastanienallee 25

16567 Mühlenbeck

Telefon 033056 86-0

Sie sind interessiert? Dann besuchen Sie unsere Offene

Sprechstunde oder rufen Sie uns an!

Offene Sprechstunden

Standort Berlin: montags 13 bis 15 Uhr

Standort Mühlenbeck: dienstags 10 bis 12 Uhr

BTZ Berlin: montags 13 bis 15 Uhr

BTZ |Berufliches

Trainingszentrum Berlin

Berufsförderungswerk

Berlin-Brandenburg e. V.

Elsenstraße 87-96

12435 Berlin-Treptow

Telefon 030 30399-701


4 I LEBEN MIT BEHINDERUNG DIENSTAG, 18. JUNI 2013 I VERLAGSBEILAGE

Siegen durch Nachgeben

Judo hat eine therapeutische Wirkung auf Menschen mit Behinderung.Esführtzumehr Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein

Hamdy Mohamed hat einen

sehr vollen Kalender, erweckt

aber keinen gehetzten

Eindruck. Er strahlt Ruhe aus,

ist ein liebenswürdiger Herr mittleren

Alters und sehr engagiert.

Hamdy hat eine Mission zu erfüllen:

Er möchte, dass behinderte

und nichtbehinderte Kinder und Jugendliche

gemeinsam Sport treiben.

Was den Schulpolitikern bei

der inklusiven Schulbildung reichlich

Probleme beschert, ist in seinem

Klub längst Alltag.

Vielleicht liegen die Wurzeln für

seine Gelassenheit in seinem

Sport. Der in Alexandria geborene

Hamdy ist seit seiner Jugend ein erfolgreicher

Judoka. Die japanische

Kampfsportart Judo entstand Anfang

des 20. Jahrhunderts und bedeutet

so viel wie sanfter, flexibler

Weg. Durch Nachgeben soll der

Sieg herbeigeführtund durch einen

minimalen Einsatz an Mitteln eine

maximale Wirkung erzielt werden.

Streben nach Wissen

In den 1970er-Jahren erkannten

Sportpädagogen die therapeutische

Wirkung dieses Sports auf

Menschen mit Behinderung. Die

Leistungsfähigkeit steigt, Aggressionen

werden abgebaut und ein

regelkonformes Verhalten wird trainiert.

Judo führt zumehr Selbstsicherheit

und Selbstbewusstsein.

Aus diesen Erkenntnissen heraus

entstand das G-Judo, das „gehandicapte

Judo“. Besonders stark

entwickelte sich diese Sparte in

Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Hamdy Mohamed fand

das faszinierend. Er wohnte auf der

Im Judo wird unter anderem regelkonformes Verhalten trainiert.

GETTY IMAGES/HEMERA

Insel Juist und baute dort eine

Gruppe mit 60 behinderten Kindern

auf. Als er 2008 zurück nach

Berlin kam, wollte er hier etwas

Ähnliches etablieren. Er erwarb die

Lizenz zum Training mit behinderten

Menschen, fand einen Verein,

der es ihm ermöglichte, eine Abteilung

G-Judo aufzubauen, und begann

seine Arbeit. Als der Verein

die Zusammenarbeit beendete,

überlegte er nicht lange und gründete

einen eigenen, den Judo-Club

„Ken Shiki“. Das bedeutet: „Streben

nach Wissen“. Das Vereinslogo

ist eine auf dem Kopf stehende

Eule. Hamdys Schüler

meinen, er sei diese Eule.

Inzwischen trainieren rund

100 Kinder und Jugendliche bei

„Ken Shiki“, zwei Drittel von ihnen

sind behindert. „Am schwersten

haben es Menschen mit einer geistigen

Behinderung“, hat Hamdy

erfahren. Sie bedürfen seiner

besonderen Aufmerksamkeit. Deshalb

ist auch im Vorstand des Vereins

ein behinderter Jugendlicher

vertreten.

Toleranz und Verständnis

„Ein Schneider nimmt ein Stück

Stoff und schneidet es ganz individuell

so zu, dass es passt“, erläutert

Hamdy Mohamed seine Trainingsmethode.

„Genau so muss

man im Training mit behinderten

Jugendlichen umgehen.“

Das Prinzip funktioniert, die

Sportler seines Klubs sind sehr erfolgreich:

Bei der Internationalen

Deutschen Meisterschaft 2011

holten sie vier Gold- und zwei Silbermedaillen.

Diese Erfolge sind

aber nur das eine. Natürlich strebt

jeder Sportler nach dem Platz auf

dem Treppchen. Dafür trainiert er,

führtden Körper an seine Grenzen,

opfert seine Freizeit. Hat man

Erfolg, schüttet der Körper Endorphine

in großen Mengen aus. Dieses

Glücksgefühl ist unbeschreiblich.

Hamdy Mohamed weiß das,

war erdoch selbst Afrikameister,

Fünfter bei den Weltmeisterschaften

2009 und 2011 sowie Fünfter

bei den Europameisterschaften

2009 in Venedig.

Es geht ihm aber vielmehr um

das Miteinander im Klub. Jedes

Jahr im Trainingslager in Teplice in

Tschechien teilen sich ein behinderter

und ein nichtbehinderter Jugendlicher

ein Zimmer. Bisher gab

es nie Probleme „Neben den sportlichen

Leistungen müssen die Jugendlichen

Toleranz und Verständnis

im Umgang miteinander

lernen“, erklärtHamdy.

Um Sympathisanten und Sponsoren

für seinen Klub zu finden,

läuft er treppauf, treppab. Für dieses

Engagement war ervor Jahren

sogar schon beim Bundespräsidenten

eingeladen. Seine größte

Auszeichnung hat er aber von einem

seiner Sportler erhalten: Als

im vergangenen Jahr in den

Arcaden an der Wilmersdorfer

Straße der Wettbewerb „Wer ist

mein Held?“ lief, schlug ihn ganz

spontan der elfjährige Moritz Becker

vor.Unter den vielen Vorschlägen

wurde Hamdy als Sieger gewählt

und bekam eine Urkunde.

„Diese Urkunde ist für mich der

schönste Lohn für meine Arbeit“,

erklärtder Trainer stolz. (sis.)

Kontakt:

Angebote für Menschen

mit Behinderung

Das UNIONHILFSWERK bietet in Berlin mit rund 2.500 Mitarbeitern zahlreiche

Beratungsangebote, Beschäftigung und Betreuung für Menschen

mit Behinderungen und psychischer Erkrankung sowie Angebote der

beruflichen Rehabilitation. Mit unseren stadtweiten Angeboten unterstützen

wir unsereKlienten nach ihren individuellen Bedürfnissen.

• (Übergangs-) Wohnheime

• Wohngemeinschaften sowie BEW

• Kontakt- und Beratungsstellen

• Beschäftigungstagesstätten

• Zuverdienstwerkstatt

www.unionhilfswerk.de/behinderung

Wir sind für Sie da

Sonderpädagogische

Zusatzqualifikation

für Ausbilder (w/m) in der „Ausbildung

für behinderte Menschen mit

Förderbedarf“,§117 Abs. 1, SGB III,

§66BBiG/§42m HwO

-ab07.10.2013, Vollzeit (320 h)

-ab28.10.2013, Teilzeit (320 h)

-gerne mit Bildungsgutschein!

Tel.: 030 /48522357(Fr.Gothe)

fortbildung@bildungsmarkt.de

www.weiterbildung-bildungsmarkt.de

Schutzschirm

für Kinder

www.tdh.de

Vielfalt, Erfahrung,

Veränderung

Wir fördern die soziale und

berufliche Integration behinderter

und sozial benachteiligter

Menschen durch Beratung,

Betreuung, Beschäftigung und

Arbeit im Verbund von Projekten

und Firmen.

WIB –Weißenseer

Integrationsbetriebe GmbH

Geschäftsstelle

Tassostr. 17

13086 Berlin

Telefon 030 -4799110

Fax 030 -47991132

info@wib-verbund.de

www.wib-verbund.de


DIENSTAG, 18. JUNI 2013 I VERLAGSBEILAGE LEBEN MIT BEHINDERUNG I 5

Chronisch Krankeund Behinderte fühlen sich oft allein, denn die meisten Verwandten und Freunde gehen tagsüber arbeiten.

Man kann nicht davonlaufen!

Multiple-Sklerose-Patienten fühlen sich oft missverstanden, weil man die Krankheit nicht sieht

GETTY IMAGES/ISTOCKPHOTO

Keine Krankheit gibt so viele

Rätsel auf wie Multiple

Sklerose (MS). Für Betroffene

ist es wie ein unumkehrbarer

Pfad. Das weiß auch Uschi Bökesch,

47 Jahre alt, seit zehn Jahren

MS-Patientin. „Es passieren

Sachen, die mir komplett neu sind:

dass man plötzlich nicht mehr sehen

und nicht mehr laufen kann,

dass man die Hand nicht mehr

spürt, dass aus dem Kribbeln in

der Hand eine ausgeprägte Spastik

wird.“

Sie beschreibt die Symptome

ihrer Krankheit, als ob sie den Wetterbericht

verliest. „Abenteuer MS

sage ich nur. Jeder Schub hat wieder

neue Überraschungen parat.“

Es begann, als sie 37 Jahre alt war.

Eines Tages sah sie alles doppelt.

Es folgten mehrere Untersuchungen

und schließlich die erschreckende

Diagnose: Multiple Sklerose!

Der weitere Weg war

vorgezeichnet: Basistherapie –

Chemotherapie –Reha –Rente.

„Man sieht nicht, dass meine

Hand jahrelang spastisch war, und

ich sie nicht benutzen konnte. Ich

kann heute nicht mehr kochen und

nicht mehr schreiben. Ich glaube,

das ist der Grund dafür, warum

man diese Krankheit so schlecht

kommunizieren kann“, resümiert

sie.

Uschi Bökesch war früher ein

sehr kreativer Mensch. Mit 16 Jahren

begann sie, Schlagzeug zu

spielen und warspäter in verschiedenen

Bands. Sie unterrichtete

Studenten und schrieb Testberichte

für eine Fachzeitschrift.

„2004 war ich noch in Peking auf

der Bühne und Popstar, 2007 war

ich in Rente.“ Die Krankheit hat ihr

Leben komplett verändert.

Zunächst benutzte sie einen

Stock, dann einen Rollstuhl, jetzt

steht ein Scooter in ihrer Wohnung.

„Der fährt offiziell 16 Stundenkilometer,ich

schaffe aber 18 damit“,

erklärtsie mit einem Zwinkern. Sie

braucht ihn, wenn sie in den Südblock,

einem Lokal am Kottbusser

Tor, zum Abhängen fährt. Dort hat

sie sich mit sechs anderen Betroffenen

zum Verein Quergehandicaped

zusammengeschlossen.

Die Truppe im Südblock ist ein

wichtiger sozialer Kontakt, denn

Uschi Bökesch ist ein kommunikativer

Typ. „Leider sind alle meine

Bekannten berufstätig, und man

ist ziemlich allein“, erzählt sie. Gegen

ihre Nervenschmerzen raucht

sie Gras, gegen die Einsamkeit hilft

das nicht. „Da kriegst du nur einen

Kiffkater.“ Das Cannabis bekommt

sie ganz offiziell in der Apotheke.

Dafür hat sie eine ordentliche Genehmigung

von der Bundesopiumstelle

in Bonn.

Es gab Zeiten, da hatte sie das

Gefühl, die MS wird in den Medien

total verharmlost. Sie las zum Beispiel

die Schlagzeile: Ein Mädchen

tanzt ihrer MS davon. „Ja toll! Kann

sie es heute noch?“ Oder der Marathonläufer,

der seiner MS davonläuft.

„Man will immer nur sehen,

wasdie Leute können. Es ist genau

umgekehrt: Was können wir nicht!

Und darüber wird wenig gesprochen.“

(sis)

D I E

Multiple Sklerose (MS) ist

eine chronische Entzündungserkrankung

des zentralen

Nervensystems. Gehirnund

Rückenmarksind mit Nervenfasernverbunden,

die elektrische

Impulse weiterleiten.

Diese Leiter werden durch eine

Isolierschicht, das Myelin, geschützt,

ähnlich wie Draht durch

eine Plastikummantelung.Durch

die Entzündung erwärmen sich

die Nervenfasern, die Isolierschicht

beginnt zu schmelzen,

bis im schlechtesten Fall nichts

mehr davon übrig bleibt.

Die Entzündungen kommen

zustande, weil Abwehrzellen

falsch programmiertwerden:

Anstatt eindringende

Krankheitserreger zu attackieren,

greifen sie das Myelin

und myelinbasische Eiweiße

an.

K R A N K H E I T

In Deutschland leiden rund

120 000 Menschen an dieser

Entzündung des Zentralen Nervensystems,

die häufig zwischen

dem 20. und 40. Lebensjahr,

aber auch nach dem 50. Lebensjahr

auftritt. Jedes Jahr erkranken

etwa5000 bis 6000 Menschen

neu, überwiegend Frauen.

Vererbbar ist Multiple Sklerose

nicht, wohl aber besteht eine genetische

Disposition.

Die Krankheit Multiple

Sklerose ist noch nicht heilbar.

Eine Reihe von Wirkstoffen können

die Symptome aber

lindern. Rückgängig machen

lässt sich die Zersetzung der

Nervenfasernnicht. Einzelne

Erscheinungsformen lassen sich

vergleichsweise gut behandeln.

Man spricht in diesen Fällen von

symptomatischer Therapie.


6 I LEBEN MIT BEHINDERUNG DIENSTAG, 18. JUNI 2013 I VERLAGSBEILAGE

„Es ist moralische Pflicht, immerfortzuklatschen“

Dramaturg Marcel Bugiel über Vorurteile und Unsicherheiten im Umgang mit behinderten Schauspielern

Beim diesjährigen Berliner

Theatertreffen wurde besonders

kontrovers über

das Stück „Disabled Theater“ diskutiert.

Hier stehen geistig behinderte

Menschen auf der Bühne −

was bei vielen Zuschauern nach

wie vor Irritationen auslöst. Marcel

Bugiel hat als Dramaturg an der

Produktion mitgewirkt.

HerrBugiel, wassind die Herausforderungen,

wenn Menschen mit

geistiger Behinderung Theater spielen?

„Hochkultur“ und geistige Behinderung

–das passt für die meisten

Zuschauer erstmal nicht zusammen.

Es gab zwar immer schon

behinderte Figuren in der Theatergeschichte,

aber dass Behinderte

als Schauspieler selbst auf der

Bühne stehen, gibt es streng genommen

erst seit den 70er-Jahren.

Da muss man auch heute noch

gegen Vorurteile ankämpfen.

Angesichts des „Disabled Theater“

warimmer wieder derVorwurf zu hören,

dass es hier nicht um Schauspielkunst

sondern um die bloße

Präsentation dieser Menschen

gehe. Wassagen Sie dazu?

Es ist wirklich so, dass sich

90 Prozent aller Diskussionen nur

um eine Frage drehen: Darf man

das, darf man das nicht? Ist das

eine Freakshow? Ist es okay, da

auch wirklich hinzugucken?

Und die Antwortdarauf lautet wie?

Ja, natürlich ist das okay, da hinzugucken.

Deswegen sind diese

Erst seit den 70er-Jahren stehen Behinderte als Schauspieler auf der Bühne.

DPA

Leute doch Schauspieler geworden:

um angesehen zu werden bei dem,

wassie auf der Bühne tun.

Warum haben die Zuschauer dann

solche Schwierigkeiten damit?

Weil Menschen mit Behinderung

in der Öffentlichkeit nach wie

vor kaum zu sehen sind. Und wenn,

dann wurde uns als Kind beigebracht:

Da guckt man nicht hin.

Wer den Anblick behinderter Menschen

gewöhnt ist, reagiertalso anders,

meinen Sie?

Ja natürlich. Die Heftigkeit vieler

Reaktionen erklärtsich für mich

zum großen Teil mit Unerfahrenheit

und dementsprechender Unsicherheit.

Die entlädt sich

dann in Szenenapplaus

an völlig unsinnigen

Stellen, für absolute

Nichtigkeiten.

Andere Zuschauer

haben das Gefühl, es

ist ihre moralische

Pflicht, immerfort zu

klatschen, um die

behinderten Schauspieler

zu motivieren.

Das sind Formen

positiver Diskriminierung,aus

purer

Überforderung.Das Besondere bei

„Disabled Theater“ ist auch, dass

hier viele Zuschauer kommen, die

nicht behinderte Schauspieler,

sonderninerster Linie die neue Arbeit

des Choreografen Jérôme Bel

sehen wollten. Auf die Begegnung

mit behinderten Menschen sind

sie völlig unvorbereitet.

Ablehnende Reaktionen gibt es

doch sicher auch?

Bei den Try-outs von „Disabled

Theater“ im Vorfeld gab es heftige

Auseinandersetzungen, nicht zuletzt

mit den Eltern, sodass wir mit insgesamt

schwierigen Aufführungen und

Buhrufen gerechnet hatten. Das ist

überhaupt nicht eingetreten. Vielleicht,

weil niemand Behinderte auf

der Bühne verletzten möchte. Das

gilt übrigens auch für Kritiker.Kaum

jemandtrautsich,eineschlechteKritik

zu schreiben. Niemand möchte

als behindertenunfreundlich gelten.

Was muss man als Regisseur von

Projekten mit geistig Behinderten

mitbringen?

Wenn ich als Regisseur

erst richtig

auflebe,wennnichtalles

reibungslos nach

Konzept läuft, und

wenn ich akzeptiere,

dass mir Widerstände

und Unmöglichkeiten

vielleicht den viel interessanteren

Weg

weisen können, dann

ist die Wahrscheinlichkeit

hoch, dass ich

in der Arbeit mit diesen

Menschen, die

nicht der herrschenden Schauspieler-Normalität

entsprechen, sehr

glücklichwerdenkann.Wennichkonkrete

Vorstellungen habe und Leute

suche, die die einfach für mich umsetzen,

dann wird das mit ihnen vermutlich

eher schwierig.

BENEDIKT PAETZHOLDT

Dramaturg Marcel Bugiel

Interview: Benedikt Paetzholdt

Markelstraße 24a

12163 Berlin

Tel.: (030) 700 96 23-0

Fax: (030) 700 96 23-16

berliner STARThilfe e.V.

Wir begleiten

ß Menschen mit Lernschwierigkeiten

ß Menschen mit Suchterkrankungen

ß Mütter und Väter mit Lernschwierigkeiten

und deren Kinder

Neumannstraße 13

13189 Berlin

Tel.: 4443035

www.berlinerstarthilfe.de

Wohnangebote für Menschen

mit geistiger Behinderung

Das Ziel: Unser Weg: Unsere Angebote:

»Perspektiven

für ein selbstbestimmtes

Leben

schaffen«

»Qualifizierte

Betreuung und

Unterstützung

für mehr

Eigenständigkeit«

• Wohnen im Wohnheim

• Leben in einer

Wohngemeinschaft

• Betreutes Einzelwohnen

• Freizeitclub

www.aktion-weitblick.de ·E-Mail: post@aktion-weitblick.de

Das Magazin für Medizin und Wohlbefinden

„schön gesund“

Buchen Sie Ihre Anzeige unter

030 2327-5315

Jeden 1. Mittwoch in

Ihrer Berliner Zeitung

www.fdst.de

Das Leben neu lernen. Vor dieser großen Herausforderung stehen Menschen, die

eine Schädigung des Nervensystems erworben haben. Die Fürst Donnersmarck-

Stiftung zu Berlin hat die Rehabilitation und Unterstützung körperbehinderter

Menschen zum Zweck, dabei liegt ein großes Augenmerk auf der Post-Akuten

Neurorehabilitation. Unser Ziel ist es,die Teilhabefähigkeit durch interdisziplinäres

therapeutisches und pädagogisches Training so zu fördern, dass ein weitgehend

selbständiges Leben in der eigenen Wohnung oder in einer betreuten Wohnform

wieder möglich ist.

Aktuell bauen wir unseren Standort in Berlin-Frohnau zu einem modernen Zentrum

für Post-Akute Neurorehabilitation aus.Inneuen großzügigen Gebäuden schaffen

wir optimale Bedingungen für die Rehabilitanden und ein modernes Arbeitsumfeld

für unsere Mitarbeiter/innen.

Für eine anspruchsvolle pädagogische Aufgabenstellung im Bereich Befristetes

Wohnen/Post-Akute Neurorehabilitation suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt

eine

Pädagogische Leitung (m/w)

mit Anerkennung als Heimleitung i. S. d. Berliner Wohnteilhabegesetzes

Weitere Informationen zu unserer Arbeit und zu dieser Stellenausschreibung finden

Sie im Internet unter www.fdst.de/stellenmarkt bzw. www.panzentrum.de

Fürst Donnersmarck-Stiftung

Dalandweg 19

12167 Berlin


Anzeige

Anzeige

BEWERBUNGSPHASE FÜR INKLUSIONSPREIS 2013 GESTARTET!

Liebe Berliner

Arbeitgeberinnen

und

Arbeitgeber!

Mit der Vorstellung

des

Aufrufes „Inklusionspreis 2013“

informiere ich Sie über die diesjährige

Auslobung des Berliner

Landespreises, der seit 2003 für

die vorbildliche Ausbildung oder

Beschäftigung schwerbehinderter

Menschen vergeben wird.

Der Inklusionspreis (ehemals Integrationspreis)

wird in den Kategorien

Kleinunternehmen, mittelständische

Unternehmen und

Großunternehmen ausgelobt -dotiert

mit jeweils 10.000 €.

Erst Ihr Engagement bewirkt

die gleichberechtigte Teilhabe

schwerbehinderter Menschen am

Arbeitsleben. Deshalb ist dies auch

ein Arbeitgeber-Preis, mit dem wir

Ihre guten Erfahrungen, die zum

Nachahmen anregen, würdigen.

Unserem Ziel, mehr schwerbehinderte

Menschen beruflich zu integrieren

und ihre Arbeitsplätze möglichst

dauerhaft zu sichern, sind

wir in den vergangenen Jahren ein

Stück näher gekommen. Diese positive

Entwicklung verdanken wir

in erster Linie Ihrer Überzeugung,

dass auch Menschen mit Behinderung

Leistungsträger im Unternehmen

sind.

Sichern Sie Ihrem Unternehmen

die öffentliche Anerkennung für

die bereits geleistete berufliche

Teilhabe schwerbehinderter Menschen

und bewerben Sie sich um

den Inklusionspreis 2013!

Ulf Meyer-Golling

Leiter des Integrationsamtes im

Landesamt für Gesundheit und

Soziales

lnklusionspreis 2013

Berlin sucht die behindertenfreundlichen Unternehmen des Jahres!

Das Land Berlin vergibt den lnklusionspreis

an Berliner Arbeitgeber,

die schwerbehinderte Menschen

vorbildlich ausbilden oder beschäftigen.

Der lnklusionspreis wird in drei

Kategorien ausgelobt:

Kleinunternehmen

Mittelständische

Unternehmen

Großunternehmen

Private sowie öffentliche Unternehmen

jeder Größe und aller Wirtschaftsbereiche sind herzlich

eingeladen, am Wettbewerb teilzunehmen. Bitte haben Sie Verständnis

dafür, dass anerkannte Integrationsunternehmen nicht

berücksichtigt werden können.

Die Preisträger werden von einer Jury ausgewählt, in der neben

dem Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung und der

öffentlichen Verwaltung auch Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände

sowie Behindertenorganisationen vertreten sind.

Die Gewinner sind berechtigt, mit dem Logo des

lnklusionspreises 2013 über drei Jahre in ihrer

Geschäftspost zu werben und erhalten jeweils:

•Eine Geldprämie in Höhe von 10.000 Euro

•Eine Skulptur –symbolisiert die inklusive Teilhabe von schwerbehinderten

Menschen am Arbeitsleben

•Eine Urkunde –überreicht vom Senator für Gesundheit und

Soziales und dem Präsidenten des Landesamtes für Gesundheit

und Soziales

•Eine Werbe-Broschüre „Gewinner des lnklusionspreises 2013“ –

für Kunden und Geschäftspartner

Ein weiteres Unternehmen, das sich in der Beschäftigung

schwerbehinderter Menschen besonders verdient gemacht

hat, kann mit dem Sonderpreis ausgezeichnet werden.

Die Auszeichnung mit dem lnklusionspreis 2013 erfolgt im Rahmen

eines Festaktes am 11. Dezember 2013 im Roten Rathaus −

Wappensaal.

Zögern Sie nicht –wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!

Näheres im Internet: http://www.berlin.de/lageso/arbeit/inklusionspreis/index.html

Bewerbungsschluss: 15.09.2013

Ihre Bewerbung senden Sie bitte an:

Landesamt für Gesundheit und Soziales

Integrationsamt

II C15–Frau Stanko

Turmstraße 21, Haus A

10559 Berlin

Postfach 310929 ·10639 Berlin ·Weitere Informationen im Internet:

www.lageso.berlin.de –Für den Inhalt verantwortlich:

Nelli Stanko –IIC15–V.i.S.d.P.: Silvia Kostner -ZPress


8 I LEBEN MIT BEHINDERUNG DIENSTAG, 18. JUNI 2013 I VERLAGSBEILAGE

Marianne und Karl-Heinz haben die Liebe gefunden und planen ein Leben zu zweit.

Vermittlung zum großen Glück

Die Einrichtung „Traumpaar“ der Lebenshilfe Berlin unterstützt Menschen mit Behinderung bei der Partnersuche

Inmattem Silber glänzt der Ring

am Finger von Marianne. „Love

steht da drauf, auf beiden Seiten“,

sagt sie und schmiegt sich an

die Brust von Freund Karl-Heinz.

Der schaut kurz verlegen und setzt

dann ein zufriedenes Lächeln auf.

„Ich habe sie sehr lieb, sie hat

mich sehr lieb. Deshalb habe ich

den gekauft.“ An seinem Finger

steckt dasselbe Modell. „Wir sind

jetzt verlobt“, verkündet er stolz.

Die Liebe von Marianne Skrzypinski

und Karl-Heinz Richter,

beide 56, ist noch frisch. Seit vier

Monaten kennen sich die beiden.

Das ist ein Grund, warum sie so

glücklich sind. Doch das allein ist

es nicht: Beide eint das Gefühl,

endlich angekommen zu sein, jemanden

gefunden zu haben, der

es ernst meint, der die Bedürfnisse

des anderen nachvollziehen

kann. Geholfen hat ihnen „Traumpaar“,

die Partnervermittlung der

Lebenshilfe Berlin. Menschen mit

geistiger,psychischer oder körperlicher

Beeinträchtigung sollen bei

der Suche nach dem richtigen

Mann oder der richtigen Frau unterstützt

werden.

DAS PLATZWUNDER VON RENAULT

Unser Angebotspreis:

nur 14.530,– €*

Marianne und Karl-Heinz haben

beide eine Lernbehinderung, inunterschiedlicher

Ausprägung. Umihren

Alltag zu organisieren, brauchen

sie Unterstützung.Auch die Partnersuche

machte Schwierigkeiten. Auf

dem „freien Markt“ oder im Internet

die große Liebe zu finden, das hatte

nicht so recht funktioniert. Martina

Sasse, die Leiterin der Partnervermittlung,

weiß auch warum. „Menschen

mit Behinderung sind hier oft

einfach überfordert.“

Erstes Date

In „Traumpaar“ haben sie dann

Hilfe gefunden. „Jeder will Liebe

ausleben und Sexualität haben“,

sagt Sasse. „Für Menschen mit Behinderung

gibt es wenige Plattformen,

sich kennenzulernen. Eine

solche wollen wir bieten.“ Am Anfang

stand dann eine Art Vorstellungsgespräch.

Die Kunden sollen

hier frei über ihr Leben plaudern

und Wünsche äußern, wie der Partner

so sein sollte. Und natürlich

nicht zu vergessen: welche Haarund

Augenfarbe sie bevorzugen.

Marianne hatte genaue Vorstellungen,

wie sie sich ihren Traummann

Gesamtverbrauch (l/100 km): innerorts 9,7 außerorts 6,5, kombiniert 7,7 ; CO²-Emmissionen kombiniert:

180g/km (Werte nach EU-Normmessverfahren). Abb. zeigt Sonderausstattung. *inklusive 650 € für Überführung

RENAULT·DACIA Vertragspartner

60 JAHRE

1953-2013

ERFAHRUNG

KOMPETENZ

ZUVERLÄSSIGKEIT

Sonderkondition für

Schwerbeschädigte

auf Anfrage!

RENAULT KANGOO Paris

1.6 16V (78kw/105PS)

• Bordcomputer

• Klimaautomatik,Zentralverriegelung

• elektr.Fensterheber vorne

• elektr.verstellbare Aussenspiegel

• CD-Radio mit MP3 und Bluetooth-

Freisprechanlage

• Tempomat

Autokreisel Olbrich und Söhne OHG

Rhinstraße 52 ·12681 Berlin

Tel.: 54 98 900

www.renault-olbrich.de

familiär ∙fair

L I E B E

Die Schatzkiste in Hamburg

wardie erste Partnervermittlung

in Deutschland überhaupt.

Vor15Jahren rief der Psychologe

und Sexualberater Bernd

Zemella die lange Zeit einmalige

Einrichtung ins Leben.

Die Nachfrage sei damals riesig

gewesen, sagt Zemella. Und

sie ist es auch heute noch. Die

Motive allerdings sind unterschiedlich.

Während viele Männer

den Wunsch äußerten,

überhaupt mal eine Freundin zu

haben, seien die Frauen eher

auf der Suche nach dem richtigen

Mann an ihrer Seite.

Das Projekt hat sich über die

Jahre über ganz Deutschland

ausgebreitet. Inzwischen gibt

es um die 40 Schatzkisten.

In Berlin gibt es derzeit keinen

Ableger.Das warschon mal anders.

Zemella sieht das Hauptproblem

darin, dass es schwierig

ist, passende Träger zu

finden, die sich auf das Projekt

einlassen.

Das Modell der Schatzkiste beruht

auf unabhängigen Vermittlern.

Diese können auf die Logistik

und Erfahrung der

Schatzkiste in Hamburg zurückgreifen,

kümmernsich aber

selbstständig um ihre Kunden.

Einsicht in die Daten haben nur

die Vermittler,das soll Missbrauch

verhindern.

BENEDIKT PAETZHOLDT

so ausmalt: „Treu, lieb, ehrlich und

hilfsbereit muss er sein. Und nett

anzuschauen.“ Karl-Heinz ging es

bescheidener an. „Ich habe da mal

durchgeklingelt und gefragt, ob sie

jemanden für mich haben.“

Alles Weitere lag an Frau

Sasse. Sorgfältig durchforstete sie

die Karteien ihrer insgesamt rund

500 Kunden. Bis der Richtige dabei

ist, kann das manchmal auch

Jahre dauern. „Die Vorstellungen

sind oft doch sehr unterschiedlich“,

sagt sie. „Wir haben leider

auch ein großes Ungleichgewicht

zwischen den Geschlechtern.“ 80

Prozent der Kunden sind Männer,

20 Prozent Frauen. Bei Marianne

und Karl-Heinz ging alles ein bisschen

schneller. Schon sechs Wochen

nachdem sich Marianne im

Februar vorgestellt hatte, waren

beide zum ersten Date verabredet

− das warimMärz.

Mit einem romantischen Candlelight-Dinner

hatte das allerdings

wenig zu tun. Sie trafen sich in den

Räumen der Lebenshilfe, gemeinsam

mit den jeweiligen Betreuern,

so ist das hier üblich. „Wir müssen

ja schon sehen, ob das funktionieren

kann“, sagt Sasse.

Ganz nebenbei kann das auch

helfen, die Aufregung ein bisschen

zu mindern. In Mariannes Fall hat

das aber nichts geholfen. „Ich war

total flatterig,habe am ganzen Körper

gezittert.“ Und auch Karl-Heinz

gibt zu: „Ich hatte schon ganz

schön Herzklopfen.“

Das Beschnuppern lief dann

so, wie es sich beide vorgestellt

hatten. „Er war genau der, den ich

mir wünschte. Er ist meine Traumbeute“,

schwärmt Marianne. Worüber

sie sich unterhalten haben, daran

können sich beide nicht mehr

recht erinnern. Zu aufwühlend waren

die Umstände. „Ich war auf jeden

Fall gleich einverstanden“,

sagt Karl-Heinz.

Die beiden sind seitdem ein

Paar. Für Martina Sasse ist die Arbeit

beendet. „Wir helfen am Anfang.

Danach liegt es an den Leuten

selbst.“ Nur wenn die Kunden

das ausdrücklich wünschen, steht

sie als Beraterin zur Seite.

Froh über jede Minute

Bislang haben die beiden dieses

Angebot nicht in Anspruch genommen.

Sie sind froh über jede Minute,

die sie ohne Betreuer zu zweit

genießen können. Weil beide in getrennten

Wohnungen leben und

Karl-Heinz als Parkarbeiter im Zoo

tätig ist, sehen sie sich meistens

nur am Wochenende. Dann ist es

aber umso schöner.Zusammen unternehmen

sie gerne Ausflüge. Marianne

genießt es, ihren Liebsten

zu betüteln, ihm seine Leibspeisen

wie Buletten und Kartoffelsalat zuzubereiten.

Und er lässt sich gern

verwöhnen. „Ich habe schon gar

keinen Hunger mehr, wenn ich alleine

essen muss.“

Wenn alles gut läuft, muss er

das bald auch nicht mehr oft. Anfang

des kommenden Jahres

möchten sie zusammenziehen,

erst mal probeweise. „Wir müssen

ja schauen, ob wir uns auch verstehen“,

sagt Karl-Heinz. Seine Freundin

hat da weniger Bedenken.

„Ach, was soll da schon schiefgehen.

Wir sind doch verlobt.“ (pae.)

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine