_Caritas-Reglement Kinderschutz - CARITAS - Schweiz

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_Caritas-Reglement Kinderschutz - CARITAS - Schweiz

_Caritas-Reglement

Kinderschutz


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In der Überzeugung, dass Kinder das Recht haben, in ihrer Entwicklung gefördert und geschützt,

als selbstständige Akteure respektiert und in Entscheidungen miteinbezogen zu werden, und im Wissen,

dass Kinder jederzeit, in jedem Kontext zum Opfer von Missbrauch werden können, unternimmt

Caritas Schweiz alles in ihrer Macht stehende, um den Rechten von Kindern Nachachtung zu verschaffen

und Kinder vor Missbräuchen zu schützen.

Grundlagen und Geltungsbereich

Caritas Schweiz hat in vielen Organisationsbereichen – Rekrutierung, Weiterbildung, Öffentlichkeitsarbeit

etc. – gezielte Massnahmen zum Schutz von Kindern ergriffen. Dieses Reglement fügt sich in diesen Massnahmenkatalog

ein und macht Vorgaben zu Organisationsabläufen und zum Verhalten von Einzel personen.

Dieses Reglement gibt Regeln vor, die für die angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für Beauftragte

und Freiwillige im Dienste von Caritas Schweiz im In- und Ausland verbindlich sind. Verstösse gegen diese

Regeln werden zwingend sanktioniert.

Das Reglement richtet sich auch an die Partner organisationen von Caritas Schweiz. Sie müssen Sinn und

Geist dieses Dokuments in ihrem Wirken nach leben und danach trachten, den Rechten von Kindern Nachachtung

zu verschaffen und Missbräuche zu verhindern.

Caritas Schweiz orientiert sich in diesem Reglement an ihrem Leitbild, in dem sie sich verpflichtet,

die unantastbare Würde und die Rechte eines jeden Menschen zu respektieren. Zudem stützt sich dieses

Reglement auf das Child Protection Policy Framework von Caritas Internationalis ab.

Die Grundlage des Reglements bildet die UN-Kinderschutzkonvention.

Definition

Ein Missbrauch im Sinne dieses Reglements liegt vor, wenn Kinder, d.h. Menschen unter 18 Jahren,

körperlich oder auf andere Art verletzt werden. Der Begriff Missbrauch umfasst sowohl körperliche Misshandlungen

als auch emotionalen Missbrauch, Fälle von Vernachlässigung sowie sexuelle Übergriffe.

Individuelle Verhaltensregeln

Angestellte, beauftragte und freiwillige Mitarbeitende von Caritas Schweiz (nachfolgend Mitarbeitende

genannt), müssen sich in ihrer Tätigkeit der Gefahr eines Missbrauchs von Kindern bewusst sein und Situationen

erkennen, die besondere Risiken bergen.

Mitarbeitende müssen in ihrer Arbeit alles unternehmen, um Kinder vor Missbräuchen zu schützen. Projekte

und Arbeiten sind so zu planen und durchzuführen, dass die Möglichkeit eines Missbrauchs eliminiert oder

zumindest minimiert ist. Namentlich heisst dies:

Sexuelle oder körperliche Kontakte

Mitarbeitende dürfen keinelei sexuelle Kontakte mit Kindern eingehen, unabhängig von den örtlichen

Bestimmungen bezüglich Volljährigkeit. Auch sonstiges unangemessenes körperliches Verhalten – etwa das

Waschen, Ausziehen oder Zur-Toilette-Bringen von Kindern, die dies auch unabhängig tun könnten – ist

untersagt. Sexuelle Anspielungen in Wort, Geste oder sonstigem Verhalten sind verboten.

Körperliche Strafe

Mitarbeitende dürfen keinerlei körperliche Strafen vornehmen.

Foto: Andreas Schwaiger


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Ausbeutung, Erpressung

Mitarbeitende dürfen weder Kinder noch Erwachsene ausbeuten oder erpressen. Namentlich ist es

Mitarbeitenden untersagt, für Güter, Hilfs- oder Dienstleistungen sexuelle oder anderweitig illegitime Dienste

in Anspruch zu nehmen.

Emotionale Misshandlung und Diskriminierung

Mitarbeitende dürfen weder Kinder noch Erwachsene herabsetzen, demütigen, beschämen, erniedrigen

oder anderweitig emotional misshandeln.

Mitarbeitende dürfen weder Kinder noch Erwachsene diskriminieren, d.h. aufgrund sachfremder Kriterien

unterschiedlich behandeln.

Kontakte unter vier Augen

Mitarbeitende sollten in ihrer Arbeit nach Möglichkeit vermeiden, mit Kindern in Kontakt zu treten, ohne

dass zumindest eine weitere erwachsene Person zugegen ist. Ist dies nicht möglich, ist zumindest

ein/e weitere/r Mitarbeitende/r über den Kontakt vorgängig zu informieren. Wenn möglich hat der Kontakt

an einem durch andere Mitarbeitende leicht zu kontrollierenden Platz zu erfolgen.

Mitarbeitenden ist es grundsätzlich untersagt, Kinder, für die sie nicht das elterliche Sorgerecht haben,

zu beherbergen, privat zu empfangen oder mit ihnen in einem Zimmer zu übernachten.

Erwerbsarbeit

Caritas stellt keine Kinder an. Auch im Privaten dürfen Mitarbeitende keine Kinder anstellen oder

beschäftigen.

Sittenwidriges Material und bewusstseinverändernde Stoffe

Der Konsum und Besitz, die Herstellung und Weitergabe von Kinderpornographie ist verboten.

Mitarbeitenden ist es untersagt, Kinder absichtlich oder fahrlässig in Kontakt mit sittenwidrigen Materialien

zu bringen.

Mitarbeitenden ist es untersagt, Kinder absichtlich oder fahrlässig in Kontakt mit Alkohol oder anderen

bewusstseinsverändernden Stoffen zu bringen.

Film und Fotografie

Mitarbeitende haben sicherzustellen, dass beim Erstellen von Filmen oder Fotografien die Würde der Kinder

gewahrt bleibt. Namentlich ist sicherzustellen, dass kein Bildmaterial zur Befriedigung sexueller oder anderweitig

illegitimer Bedürfnisse missbraucht werden kann.

Informationsfluss

Mitarbeitenden ist es untersagt, Kindern den Kontakt zu Personen, denen sie sich anvertrauen möchten,

auf irgendeine Art zu erschweren.

Mitarbeitende haben die Pflicht, jeden begründeten Verdacht auf einen Missbrauch der vorgesetzten

Person zu melden.

Institutionelle Regeln

Personalrekrutierung

Bei der Besetzung von Stellen, die einen direkten oder erhöhten Kontakt mit Kindern beinhalten, ist die

Eignung der Stellensuchenden eingehend zu prüfen. Namentlich ist in jedem Fall die Auskunft zweier

Referenzpersonen einzuholen und der Leumund auf geeignete Weise zu prüfen.


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Einführung

Vorgesetzte und Verantwortliche stellen sicher, dass angestellte, beauftragte und freiwillige Mitarbeitende

von Caritas Schweiz in der Einführungszeit über dieses Reglement informiert werden und Zugang zu einem

Exemplar erhalten (vgl. Leitfaden Personalgewinnung).

Dieses Reglement ist integraler Bestandteil jedes Personalvertrages von Caritas Schweiz. Mit Unterzeichnung

des Arbeitsvertrages wird bestätigt, dass das Reglement zur Kenntnis genommen und als gültig

erkannt wurde.

Führung

Vorgesetzte stellen sicher, dass in ihren Projekten und Arbeiten die Gefahr eines Kindsmissbrauchs

eliminiert oder zumindest minimiert ist. In der Führung der Mitarbeitenden ist diesem Anliegen entsprechendes

Gewicht beizumessen.

Zudem sind Kinder, die in Projekte von Caritas Schweiz involviert sind, mittels geeigneter Massnahmen in

Kenntnis darüber zu setzen, welche Rechte sie haben und welches Verhalten von Erwachsenen akzeptabel

oder inakzeptabel ist.

Persönliche Informationen über Kinder und Zugangsrechte

Persönliche Informationen sind zu sichern und nur jenen Mitarbeitenden zugänglich zu machen, die zur

Erfüllung ihrer Aufgaben Zugang zu diesen Informationen haben müssen.

Caritas Schweiz stellt sicher, dass die Weitergabe von Informationen über das Kind nur mit dem Einverständnis

eines urteilsfähigen Kindes oder dessen Verteters/Vertreterin möglich ist.

Werden Projekte von Caritas Schweiz von Aussenstehenden besucht, ist ein direkter Kontakt zu den

involvierten Kindern nur unter Beisein von Caritas-Schweiz-Mit arbeitenden zu ermöglichen.

Meldung von Vorfällen und Verdachtsfällen

Vorgesetzte haben ein Arbeitsklima zu schaffen, das es insbesondere Kindern möglich macht, etwaige

Fälle von Missbrauch zu melden.

Caritas Schweiz stellt sicher, dass Personen, die in gutem Glauben einen Missbrauchs- oder Verdachtsfall

melden, unter keinen Umständen ein Nachteil erwächst. Personen, die bewusst falsche Verdächtigungen

verbreiten, werden sanktioniert.

Besteht der begründete Verdacht, dass sich Caritas-Mitarbeitende, Beauftragte oder Freiwillige eines Missbrauchs

schuldig gemacht haben, ist dieser Verdacht umgehend zu melden. Caritas-Mitarbeitende melden

derartige Verdachtsfälle der/dem eigenen Vorgesetzten. Ist dies nicht möglich, ist deren/dessen

Vorgesetze/r zu informieren.

Wird Vorgesetzten ein begründeter Verdacht gemeldet, haben sie unverzüglich den/die Direktor/in zu

informieren. Diese/r informiert die Leitung des betroffenen Bereichs sowie die/den Vorgesetzten der

verdächtigten Person und die Vertrauensperson Kinderschutz der Caritas Schweiz. Der/die Direktor/in leitet

unverzüglich eine Untersuchung ein und stellt sicher, dass vor Ort Expert/innen bzw. spezialisierte Kinderschutzorganisationen

beigezogen werden, die den Vorfall weiter untersuchen.

Gegenüber anderen Personen ist Stillschweigen zu wahren.

Umgang mit Beschwerden und Verdachtsfällen

Besteht der begründete Verdacht, eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter habe sich eines Missbrauchs

schuldig gemacht, wird sichergestellt, dass die verdächtigte Person bis zum Abschluss der Ermittlungen in

ihrer Arbeit nicht weiter mit Kindern in Kontakt kommt. Falls keine geeignete Einsatzmöglichkeit gefunden

werden kann, wird die Person für die Dauer der Untersuchung freigestellt. Caritas Schweiz stellt sicher,

dass im Umgang mit Verdachtsfällen der Ruf der verdächtigten Person nicht unnötig Schaden nimmt.

Personen, die böswillig den Ruf von Verdächtigten schädigen, werden sanktioniert.


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Unterstützung von Opfern

Ist ein Kind im Rahmen eines Projekts von Caritas Schweiz Opfer eines Missbrauchs geworden, unterstützt

Caritas Schweiz das Opfer in geeigneter Weise.

Sanktionen

Der Missbrauch von Kindern ist eine schwere Verfehlung, die in jedem Fall von Caritas Schweiz sanktioniert

wird und in der Regel zur sofortigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch Kündigung und gegebenfalls

zur Einleitung weiterer rechtlicher Schritte führt.

Tatsächliche oder vorgebliche Fehleinschätzungen des Kindesalters können die Täterschaft nicht vor

Sanktionen bewahren.

Regeln zum Umgang mit Partnerorganisationen

Zusammenarbeit

Caritas Schweiz arbeitet nur mit Organisationen zusammen, sofern diese auf der Kinderrechtskonvention

basierende und den jeweiligen Projekten und Umständen angemessene Kinderschutzmassnahmen

umsetzen. Caritas Schweiz unterstützt ihre Partnerorganisationen in der Ausarbeitung und Umsetzung der

entsprechenden Massnahmen. Sofern sich Partnerorganisationen weigern, geeignete und angemessene

Massnahmen umzusetzen, suspendiert oder beendet Caritas Schweiz die Zusammenarbeit.

Monitoring

Caritas Schweiz überprüft regelmässig, ob Partnerorganisationen ihre Kinderschutzmassnahmen

umsetzen und sich gemäss der von ihnen festgesetzten Kinderschutz-Regeln verhalten.

Vorgehen beim nicht Einhalten der Kinderschutzmassnahmen

Stellt Caritas Schweiz fest, dass Mitarbeitende der Partnerorganisationen ein Verhalten zeigen, das Sinn

und Geist dieses Reglements widerspricht, setzt sich die/der Programmverantwortliche von Caritas

Schweiz zusammen mit seinem/seiner Vogesetzten mit der/dem zuständigen Vorgesetzten vor Ort in Verbindung

und leitet gegebenenfalls eine Untersuchung durch eine unabhängige, spezialisierte Kinderschutzorganisation

ein.

Bei wiederholtem Missbrauch oder bei Nicht-Reaktion nach einer Anmahnung kann die Zusammenarbeit

allenfalls beendet werden.

Schlussbestimmungen

Dieses Reglement wurde am 17. März 2008 vom Präsidium genehmigt und auf den 1. April 2008

in Kraft gesetzt.

Luzern, 17.03.08

Caritas Schweiz

Fulvio Caccia

Präsident

Jürg Krummenacher

Direktor

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