September 2013 - Der Monat

dermonat.li

September 2013 - Der Monat

www.dermonat.li

SEPTEMBER 13

FORSCHUNG: IT intelligent eingesetzt bringt Nachhaltigkeit

INNOVATION: «Digitaler Datentresor» schützt wertvolle Daten

WASSER: Das Wasser der Alpen ist eine begehrte Ressource


Es ist höchste Zeit für

natürliche Energiequellen.

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6. bis 14. September 2013 www.wiga-messe.ch

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INHALT | EDITORIAL

Die Region wächst zusammen

Grenzen bleiben bestehen

3

Im Drei-Länder-Rheintal gibt es bei den

PANORAMA 4

REGIONALE ZUSAMMENARBEIT

Grenzen, Grenzgänger

und Grenzgänger-Besteuerung 6

TREUHANDWESEN

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust 10

INNOVATION

«Digitaler Datentresor» schützt wertvolle Daten12

FORSCHUNG

IT intelligent eingesetzt bringt Nachhaltigkeit 14

TECHNOLOGIESPRUNG BEI

GUTENBERG AG

Innovatives Verfahren

bringt enorme Qualitätssteigerung 16

Nachbarn noch vieles zu entdecken

Wenn die LIHGA ihre Tore öffnet, kommen auch

Neugierige aus der Nachbarschaft, um zu schauen,

was Liechtenstein anbietet. Umgekehrt ist es dieses

Jahr so, wenn die WIGA in Buchs

die Wirtschaft präsentiert. Politiker

bemühen sich seit Jahren,

dass die Region nicht nur durch

die Siedlungsgebiete weiter zusammenwächst, sondern

auch die regionale Zusammenarbeit intensiviert

wird. Die Grenzen sind aber

immer noch vorhanden. Wer auf

dem kleinen Grenzübergang im

Ruggeller Riet den Weg nach Österreich

wählt, meint sogar, die

Zeit sei stehen geblieben: Denn

dort tritt man noch in das «Kaiserthum»

Österreich ein.

Diese Ausgabe des MONAT wurde

auf einer neuen Druckmaschine

der Gutenberg AG gedruckt.

Die Neuheit besteht vor Chefredaktor «Der Monat»

Günther Meier

allem darin, dass die Farben mit

Licht gehärtet werden, womit der früher übliche

Trocknungsvorgang entfällt. Die Farben sind zudem

geruchsneutral, so dass bei den Drucksachen

der stechende Geruch wegfällt.

AUSSTELLUNG

Die Lage Liechtensteins

nach Österreichs Anschluss 18

WASSER

Das Wasser der Alpen

ist eine begehrte Ressource 20

KUNST

Mit Kunstwerken die Lebensfreude steigern 22

BRIEFMARKEN

Zotow-Briefmarken gemeinsam mit Russland 24

IMPRESSUM: 7. Jahrgang, Nr. 80, September 2013, 18 750 Exemplare

HERAUSGEBER: Alpenland Verlag AG, Feld kircher Strasse 13, FL-9494 Schaan,

Tel. +423 239 50 30, Fax +423 239 50 31, office@alpenlandverlag.li

REDAKTION: Günther Meier, Tel. +423 380 09 30, redaktion@dermonat.li

VERLAGSLEITUNG: Max Meinherz, Tel. +423 239 50 20, m.meinherz@gutenberg.li

SEKRETARIAT: Eva Rubin, Tel. +423 239 50 30, office@gutenberg.li

ANZEIGEN: Tel. +423 239 50 30, Fax +423 239 50 31, office@gutenberg.li

GESTALTUNG: Barbara Schmed, Gutenberg AG

SATZ UND DRUCK: Gutenberg AG, FL-9494 Schaan

PAPIER: PlanoJet, 100 g/m²

ONLINE: «Der Monat» im Internet: www.dermonat.li

TITELBILD: Grenze zwischen Fürstentum Liechtenstein und

«Kaiserthum» Österreich. (Foto: Günther Meier)

HISTORIKERKOMMISSION

Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte

Liechtenstein-Tschech. Historikerkommission26

RÄTSEL 28

SCHLUSSPUNKT 30

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SEPTEMBER 2013


PANORAMA

4

5

Nach der Sparpolitik

die Strukturreformen

Die vergangenen vier Jahre waren geprägt von

Diskussionen über die Finanzpolitik und insbesondere

über die Sanierung des Staatshaushalts. Auch

dieses Jahr nahm Erbprinz Alois seine Thronrede

und seine Ansprache zum Staatsfeiertag als Anlass,

um auf die Bedeutung eines ausgeglichenen Staatshaushalts

für die Zukunft des

Landes hinzuweisen. Regierung

und Landtag sind eifrig bemüht,

das Loch in der laufenden Haushaltrechnung

mit Minderausgaben

und Mehreinnahmen zu

stopfen. Den Politikern steht

nach einer allfällig erfolgreichen

Sanierung des Staatshaushalts

oder parallel dazu eine noch

schwierigere Aufgabe bevor, die

Erbprinz Alois ebenfalls angesprochen

hat: Die Durchführung

von Strukturreformen! Noch ist

nicht im Detail ausgesprochen

worden, um welche Reformen es

sich handelt, doch der Erbprinz

erwähnte die Reform der Sozialsysteme

und das kritische Hinterfragen

der Abläufe im Staat.

Foto: Günther Meier

Wohin exportiert die Industrie?

Die Exporte der liechtensteinischen Industrie haben sich im zweiten

Quartal 2013, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, um 4 Prozent

erhöht. Nachstehend die Exporte in die einzelnen Erdteile:

n Europa 524,7 Mio. Fr. (im 2. Quartal 2012: 489,7 Mio. Fr.)

n Asien 158,1 Mio. Fr. (im 2. Quartal 2012: 151,7 Mio. Fr.)

n Amerika 153,2 Mio. Fr. (im 2. Quartal 2012: 161,7 Mio. Fr.)

n Afrika 10,9 Mio. Fr. (im 2. Quartal 2012: 9,6 Mio. Fr.)

n Ozeanien 6,9 Mio. Fr. (im 2. Quartal 2012: 8,5 Mio. Fr.)

Nach Amerika und Ozeanien waren die Exporte rückläufig, nach

Europa, Afrika und Asien sind Zunahmen zu verzeichnen.

Foto: © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Fürstliche Sammlung

auch nach China

Noch bis Ende September wird die Ausstellung

«Princely Treasures from the House of Liechtenstein»

im National Museum of Singapore gezeigt.

Knapp hundert ausgesuchte Werke europäischer

Meister aus Renaissance, Barock, Neoklassizismus

und Biedermeier gelangten zur Ausstellung.

Die Ausstellung umfasst Gemälde, Grafiken, Tapisserien,

Skulpturen und Kunstgegenstände aus dem

späten 15. Jahrhundert bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Höhepunkt der Ausstellung sind acht

aussergewöhnliche Gemälde von Peter Paul Rubens,

darunter das «Porträt von Clara Serena Rubens».

Rund drei Monate erhielten Kunstliebhaber

aus Singapur die Möglichkeit, einen Einblick in den

Kunstschatz des Fürstenhauses Liechtenstein zu

nehmen. Im Herbst geht die Ausstellung nach China,

in das National Museum in Peking und in das

China Art Museum in Schanghai.

Sparmassnahmen

auch für die Parteien

Noch vor kurzem hatten sich die Parteien, mit

Ausnahme der Unabhängigen (DU), gegen eine

Kürzung der Staatsbeiträge gewehrt. Die Regierung

möchte die finanziellen Beiträge an die politischen

Parteien jedoch mindestens im selben Rahmen reduzieren,

wie im gesamten Staatshaushalt eingespart

werden muss. Dringt die Regierung durch,

wird gesamthaft 120'000 Fr. eingespart. Der Landtag

hat sich aber nicht nur mit diesem Antrag der

Regierung, sondern auch mit der DU-Motion und

mit einem Postulat der Freien Liste zu beschäftigen.

Die Unabhängigen haben den Kürzungsvorschlag

der Regierung ausgelöst, während die Freie Liste

mehr Transparenz fordert.

SEPTEMBER 2013


Klimastiftung Liechtenstein

fördert Energiespar-Projekte

Die Klimastiftung Schweiz unterstützte dieses Jahr 18 Klimaschutz-Projekte

von Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU).

Darunter befanden sich, aufgrund der Zusammenarbeit zwischen

Klimastiftung Schweiz und Klimastiftung Liechtenstein auch drei

Projekte aus Liechtenstein. Am 1. September lief die Eingabefrist für

die nächste Runde von Förderprojekten ab. Die Fördermöglichkeiten

sind das Ergebnis einer Kooperation der LIFE Klimastiftung Liechtenstein

sowie der Liechtensteinischen Landesbank, der LGT und der

VP Bank. Die Banken stellen ihre Rückvergütungen aus der CO2‐Abgabe

der Klimastiftung Schweiz zu Verfügung. Diese fördert damit

Projekte in den Bereichen Energiesparen, Energieeffizienz und Klimaschutz

in der Schweiz und in Liechtenstein.

Oerlikon-Balzers eröffnete

Aerospace-Center in Paris

Oerlikon-Balzers, internationaler Markt- und Technologieführer

von High-End-Hartstoffbeschichtungen, hat in der Nähe von Paris

ein neues Kompetenzzentrum für Aerospace eröffnet. Mit dieser

Einrichtung werden die Kunden aus der Aerospace-Branche dabei unterstützt,

die Zuverlässigkeit und Effizienz wichtiger Flugzeug-Bauteile

zu verbessern. Qualitativ hochwertige Beschichtungen mit diamantähnlicher

Härte kommen bereits an entscheidenden Stellen in

Automotoren, Zerspanungs- und Umformungswerkzeugen, chirurgischen

Instrumenten und Uhren zum Einsatz. Nachdem Beschichtungen

von Oerlikon Balzers in der Metall- und Autoindustrie zum

Standard gehören, expandiert der Konzern nun auch in den Bereich

Aerospace.

LGT Hauptsponsor

bei Wiener Pferdesport

Die LGT Bank wird die Vienna Masters

auch 2013 als Hauptsponsor unterstützen. Neben

Dressurprüfungen gastiert von 19. bis 22. September

2013 die Global Champions Tour der Springreiter

wiederum direkt auf dem Rathausplatz in

Wien. Mit der Verlängerung der

Sponsoringvereinbarung unterstreicht

die LGT ihr langfristiges

Engagement im Pferdesport.

Dabei wird betont, dass die jahrhundertealte

Reitkultur des

Fürstenhauses und die Unternehmenswerte

der Fürstenbank

bestens zusammenpassen.

Foto: pd

Foto: Exportmarktplatz

Exportmarktplatz: Netzwerk

für KMU-Exporteure

In Zusammenarbeit mit dem KMU-Zentrum

an der Universität Liechtenstein, dem Berufs-

und Weiterbildungszentrum Buchs und

dem Verein Netzwerk Logistik Schweiz, organisiert

der FZV Fachzirkel für Verzollung und internationalen

Warenverkehr (FZV) auch dieses

Jahr den Exportmarktplatz.
Der Exportmarktplatz

versteht sich als überregionale Veranstaltung

mit dem Ziel, Entscheidungsträger der regionalen

Wirtschaft, Verbände und Exekutive

wie Zoll und Amtsstellen über die Landesgrenzen

hinweg zu vernetzen.
Weiter bietet der Exportmarktplatz

Ausstellern aus den verschiedensten

Bereichen des internationalen Warenverkehrs

eine Plattform.


Auf dem Programm steht beispielsweise

ein Erfahrungsbericht über das Thema «Freihandelsabkommen

mit China – ein Meilenstein

für den Schweizer Wirtschaftsraum», und damit

auch für die liechtensteinischen Exporteure.

Ein weiteres Forum befasst sich mit der «Logistik-Drehscheibe

Südostasien». Im Diskussionsforum

«Südostasien: Der Wachstumsmotor

brummt» diskutieren Vertreter der Thyssen-

Krupp Presta, der VAT Vakuumventile und der

Transport- und Logistikfirma Gebrüder Weiss

über Chancen und Gefahren in den asiatischen

Märkten. Auch die vierte Durchführung des Exportmarktplatzes

ist auf zwei Schienen aufgebaut:

Den Teilnehmern werden verschiedene

Forumsveranstaltungen angeboten und gleichzeitig

steht für Auskünfte ein Marktplatz mit diversen

Informationsständen zur Verfügung.

Der Exportmarktplatz findet am 25. September

im SAL Saal am Lindenplatz in Schaan

statt. Infos: www.exportmarktplatz.com


REGIONALE ZUSAMMENARBEIT

6

7

Grenzen, Grenzgänger und

Grenzgänger-Besteuerung

Von Günther Meier

Die WIGA, die Werderberger Industrie- und Gewerbeausstellung, präsentiert

wieder Unbekanntes und Bekanntes aus der Nachbarschaft. Grenzen im

Rheintal trennen die Nachbarn, reizen aber auch zur Überwindung der nationalen

Hindernisse.

Das Rheintal zwischen Chur und

Bodensee gehört laut einer Erhebung der EU als traditioneller

Industriestandort heute zu den wirtschaftsstärksten

Regionen Europas. Eigenschaften

wie die überdurchschnittlich hohe Lebensqualität

für die Bevölkerung, die gesunde Struktur der Industrie,

die fachliche Qualifikation der Arbeitskräfte,

die hohe Innovationsbereitschaft und der

innovative Unternehmergeist sowie

die gute Verkehrsinfrastruktur

werden in die Waagschale

Der Rhein ist nicht nur eine

verbindende, sondern auch

geworfen. Auf der anderen Seite

wird man sich bei der Betrachtung

der Region bewusst, dass

eine trennende Grenzlinie,

das Alpenrheintal zu einem grossen

Teil Grenzgebiet ist: Die

die überwunden werden muss

drei Länder Liechtenstein, die

Schweiz und Österreich berühren sich direkt, am

Bodensee kommen die deutschen Bundesländer

Bayern und Baden-Württemberg hinzu. Mitten

durch das Rheintal fliesst der Rhein, der nicht nur

ein verbindendes, sondern auch ein trennendes

Element darstellt, eine Grenzlinie, die überwunden

werden muss.

Die Grenzen in Europa sind in

den letzten Jahrzehnten durchlässiger geworden,

vor allem durch die wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Aber hier im Alpenrheintal stossen drei Ländern

aufeinander, deren Ausrichtung auf ein «gemeinsames

Europa» bisher noch deutlich unterschiedlich

ausgefallen ist: Österreich hat sich vom

ehemaligen Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraumes

(EWR) zur Vollmitgliedschaft in der

Europäischen Union (EU) entschlossen, die Schweiz

lehnte die Mitgliedschaft im EWR ab und handelte

mit der EU die bilateralen Verträge zur Zusammen-

arbeit aus, Liechtenstein erachtete die EWR-Mitgliedschaft

als grössenverträglichste Variante. Es

sind aber nicht nur diese Unterschiede, die eine Zusammenarbeit

in diesem Grenzraum oft erschweren

oder verhindern. Die lange geschichtliche Ausrichtung

auf Nationalstaaten, der Aufbau von

Grenzen sowie die unterschiedlichen Staats- und

Wirtschaftssysteme wirken nach bis in die heutige

Zeit. Wenn heute die Grenzen fast problemlos im

gesamten Rheintal überschritten werden können,

zeigt sich gerade bei diesen Übergängen, wie die

Verkehrswege mangelhaft miteinander verknüpft

sind. Als die Verkehrswege gebaut wurden, dachte

man offenbar noch nicht in Kriterien wie grenzüberschreitender

Zusammenarbeit oder Austausch

über die Grenzen. Im Wirtschaftsstandort Rheintal

bildeten sich in den vergangenen drei Jahrzehnten

jedoch Pendlerströme, die manchen Übergang von

einem Land ins andere zu einem Nadelöhr mit entsprechender

Stauwirkung werden liessen.

Schweizer wollen Grenzgänger-

Besteuerung ausklammern

Die Verkehrsprobleme, die mit

den Zu- und Wegpendlern entstanden sind, gehören

zu den aktuellen Fragen zwischen Liechtenstein

und der Schweizer Nachbarschaft. Zwar gibt es aus

der Vergangenheit verschiedene Projekte, die zwischen

den beiden Nachbarschaften gemeinsam angegangen

und verwirklicht wurden, beispielsweise

die Kehrichtverbrennungsanlage in Buchs, die

Hochschule für Technik NTB oder die International

School. Auf der anderen Seite entstand in jüngster

Zeit der Eindruck, dass Probleme nicht mehr

zur Zufriedenheit beider Seiten gelöst werden

könnten: Seit geraumer Zeit schwelt ein Konflikt


Die Fussgänger- und Radfahrerbrücke

zwischen Schaan und

Buchs verbindet die liechtensteinischen

und schweizerischen

Nachbarn.

über Vorschriften und Kautionshinterlegung

bei grenzüberschreitender

Dienstleistungserbringung

entlang des Rheins. Zwar hat die Wirtschaftskammer

Liechtenstein, weil vor allem KMU

betroffen sind, sowohl für die Kaution als auch für

die Administration eine Regelung gefunden. Doch

im Kern handelt es sich nicht um eine Lösung, sondern

um eine Umgehung der Vorschriften, obwohl

die Problematik auf Regierungsebene beider Länder

angehoben wurde. Nun droht mit der Forderung

Liechtensteins nach einem Doppelbesteuerungsabkommen

(DBA) mit der Schweiz zu einem

Fall mit ebenso wahrscheinlichen Verstimmungen

auf beiden Rheinseiten zu werden. Schweizer Politiker

sind mit der DBA-Forderung grundsätzlich

einverstanden, wollen jedoch die Grenzgänger-Besteuerung

auf jeden Fall ausgeklammert haben,

weil die genannten Steuergelder von etwa 20 Millionen

Franken in erster Linie den schweizerischen

Nachbargemeinden verlustig gehen würden. Aber

gerade auf diese Einnahmen hat es Liechtenstein

abgesehen, denn dieser Betrag aus einer Quellensteuer

für Schweizer Grenzgänger, ähnlich wie bei

den Grenzgängern aus Österreich, könnte ein wesentliches

Stück des Finanzlochs im Staatshaushalt

stopfen helfen.

Foto: Günther Meier

Technologisch hoch entwickelte

Wirtschaft im Rheintal

Für Kooperation anstelle von

Konfrontation hat sich ein Verein entschieden, der

von Liechtenstein, dem Kanton St. Gallen sowie 18

Gemeinden beidseits des Rheins gegründet wurde,

um ein Agglomerationsprogramm Werdenberg-

Liechtenstein zu erarbeiten. Mit einer differenzierten

Siedlungsentwicklung soll das Regionalzentrum

Buchs-Schaan-Vaduz weiter gestärkt und die

Siedlungsentwicklung abseits der gut erschlossenen

Lagen beschränkt werden. Die Nachbarregionen

wurden vom Verein in die Erarbeitung begleitend

einbezogen, was insbesondere im Fall von

Vorarlberg eine interessante Perspektive ist – nicht

nur für den Wirtschaftsraum Werdenberg-Liechtenstein,

sondern für das gesamte Rheintal. Vorarlberg

weist seit Jahren eine positive Entwicklungsdynamik

auf, was dem österreichischen Nachbar-

Bundesland die höchsten Wachstumsraten aller

Bundesländer Österreichs bescherte. Dieses Wirtschaftswachstum

ist nicht nur auf Produktionssteigerungen

zurückzuführen, sondern auch auf Innovationen

und den Einsatz neuer Technologien,

ebenso aber auf die hohe fachliche Qualifikation

der Arbeitskräfte, die neben den technologischen

Innovationen zu den entscheidenden Wettbewerbsfaktoren

einer Wirtschaftsregion zählt. In der Region

Alpenrheintal hat jedes der drei Länder eine ei-

WIGA 2013

Die WIGA, die Werdenberger Industrie- und Gewerbeausstellung,

öffnet am Freitag, 6. September ihre Tore und dauert bis zum Samstag,

14. September 2013. Die Bedeutung der «Luft» wird in Sonderschauen

thematisiert. Während der Ausstellung findet am 10. September

auch die «Wirtschaftstagung Werdenberg» statt, die unter

dem Motto «Business 2013: Heimische Erfolgsrezepte» steht. An der

Wirtschaftstagung wird auch der 3. Werdenberger Innovationspreis

verliehen. Informationen: www.wiga-messe.ch

SEPTEMBER 2013


REGIONALE ZUSAMMENARBEIT

8

gene Wirtschaftsstruktur und jede der drei Volkswirtschaften

verfügt über spezielle Stärken, die gemeinsam

genutzt werden könnten. Eine Vision von

grenzüberschreitenden Gewerbeparks machte vor

zehn Jahren die Runde im Rheintal. Ernst Walch,

der damalige liechtensteinische Aussenminister,

betrachtete das Drei-Länder-Rheintal als aufstrebenden

Wirtschaftsraum, der die Nachteile als

Grenzraum mit unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen

durch die Nutzung von Synergien in

Vorteile umwandeln könnte. Konkret ergriff Walch

die Initiative für «grenzüberschreitende Gewerbeparks»

zur besseren Nutzung der unterschiedlichen

Regelungen der drei Anrainerstaaten am Alpenrhein.

«Die Nutzung von Synergien über die

Grenze hinweg könnte darin bestehen», erklärte

Walch damals, «die verschiedenen Standortvorteile

St. Gallens, Graubündens, Vorarlbergs und Liechtensteins

zu kombinieren.» Walchs Idee wurde zuerst

euphorisch aufgenommen, doch bei den ersten

Gesprächen über die Grenze türmten sich bereits

eine Menge Hindernisse auf, so dass das Projekt

schliesslich in den Schubladen landete.

Der Vorstellung von «grenzüberschreitenden

Gewerbeparks» war, weil die Idee

wahrscheinlich zu früh die noch stark in nationalstaatlichem

Denken verhaftete Region erreichte,

kein Erfolg beschieden. Die Überlegung, dass ansiedlungswillige

Betriebe die Administration im

Umfeld von Banken und Dienstleistungsunternehmen

in Liechtenstein aufbauen, die Produktionsbetriebe

aufgrund der Bodenreserven aber in der

Schweiz oder Österreich errichten könnten, vermochte

nicht Fuss zu fassen. In der Zwischenzeit

veränderten sich die weltwirtschaftlichen Voraussetzungen

und der globale Standortwettbewerb,

womit die Idee der grenzüberschreitenden Kooperation

zugunsten einer gemeinsamen, konkurrenzfähigen

Wirtschaftsregion wieder aktiviert werden

könnte. |

Quellensteuer für Schweizer Grenzgänger?

Zwischen Liechtenstein und der Schweiz gibt es seit 1995 ein Steuerabkommen, das aber einen eingeschränkten Wirkungskreis

hat und nicht mit den mit anderen Staaten abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) vergleichbar ist.

Gemäss diesem Abkommen sind schweizerische Grenzgänger, die einer unselbständigen Arbeit in einem privaten Unternehmen

in Liechtenstein nachgehen, mit ihrem Erwerbseinkommen in der Schweiz steuerpflichtig. In diese Regelung ist nun

Bewegung gekommen, seit Liechtenstein mit über dreissig anderen Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen

hat und seit die liechtensteinische Regierung nach neuen Einnahmequellen für die Sanierung des Staatshaushalts

sucht. Regierungschef Klaus Tschütscher erklärte gegenüber dem Landtag im vergangenen November, dass Liechtenstein

und die Schweiz schon im April 2012 beschlossen hätten, Verhandlungen über den Abschluss eines umfassenden Doppelbesteuerungsabkommens

(DBA) aufzunehmen.

Rund 20 Millionen Franken würde Liechtenstein von den Schweizer Grenzgängern an Steuern einnehmen, wird geschätzt. Das

sind 20 Millionen, die bisher vor allem in die Kassen der umliegenden Gemeinden in der schweizerischen Nachbarschaft

geflossen sind. Kein Wunder also, dass sich diese Gemeinden gegen eine Änderung der Grenzgänger-Besteuerung wehren.

Für den Schweizer FDP-Nationalrat Walter Müller aus Azmoos hat eine Quellensteuer für schweizerische Grenzgänger keine

Berechtigung, weil Liechtenstein als Zollanschlussgebiet erheblich von der Schweiz profitiere. In einer Motion, die an den

Bundesrat überwiesen wurde, hält Müller ausdrücklich fest, dass bei einem Doppelbesteuerungsabkommen Liechtenstein –

Schweiz die bisherige Grenzgänger-Besteuerung beibehalten bleiben müsse. Eine andere Auffassung vertritt die Freie Liste,

die am 14. August 2013 ein Postulat einreichte, das die Regierung auffordert, eine Quellenbesteuerung für Schweizer Grenzgänger

zu prüfen. Die Freie Liste könnte sich vorstellen, dass Liechtenstein das bestehende Doppelbesteuerungsabkommen

aus dem Jahr 1996 kündigt und einseitig eine Quellensteuer für schweizerische Grenzgänger einführt.

SEPTEMBER 2013


KULTUR

:tonangebend

50 Jahre Liechtensteinische Musikschule

9

Mit musikalischer Bildung erwirbt

der Mensch einen speziellen

Reichtum, welcher zu einer

tiefen und dauerhaften Bereicherung

führt. Wer musikalische

Bildung vermittelt, erfährt das

Bewusstsein von beglückender

Verantwortung für Bildungsziele,

die den ganzen Menschen miteinbeziehen.

Bei der Erlernung

eines Musikinstruments oder bei

der Stimmbildung durch Gesang

verschmelzen handwerkliches

Können, Wissen und Fühlen zu

einer Einheit, die eine fast unbegrenzte

Entwicklung bis zur

höchsten Meisterschaft zulässt.

Die Liechtensteinische Musikschule,

die dieses Jahr das 50-jährige

Bestehen feiert, betrachtet

sich als musikalische Bildungsund

Begegnungsstätte, wie Direktor

Klaus Beck die Vision der Bildungsinstitution

umschreibt. Die Musikschule ist auf die ganze

Breite der Bevölkerung ausgerichtet und bildet von

Kindern und Jugendlichen bis zu Erwachsenen und

auch Rentnern alle Musikbegeisterten aus. «Wir

wollen diese Menschen so ausbilden», betont Klaus

Beck, «dass sie sich ihr Leben lang auch selbständig

mit Musik beschäftigen können.»

Für Kultur- und Bildungsministerin Aurelia

Frick, die eine begeisterte Geigenspielerin ist, entfaltet

Musik etwas Besonderes, von der Jugend bis

ins hohe Alter: «Ein Mensch erhält mit musikalischer

Bildung einen unschätzbaren Mehrwert an

Lebensqualität.»

Das Erlernen eines Musikinstruments erbringt

auch vielfältige positive Effekte für die soziale

und kognitive Entwicklung von Kindern und

Jugendlichen. Musizieren, so wurde bei wissenschaftlich

begleiteten Erhebungen festgestellt, übt

auch einen positiven Einfluss auf die allgemeine Intelligenzentwicklung,

auf die Merkfähigkeit und

Foto: Regierung

auf die Ausbildung der Sprachkompetenz

aus. Direktor Klaus Aurelia Frick, eine begeisterte

Kultur- und Bildungsministerin

Beck bezeichnet die Musikschule Geigenspielerin: «Ein Mensch

deshalb auch als «Keimzelle des erhält mit musikalischer Bildung

Musiklebens» unseres Landes. einen unschätzbaren Mehrwert

Kaum eine Familie im Land, die

an Lebensqualität.»

nicht eines der vielen Angebote

der Musikschule nutzt. Damit bildet die Musikschule

auch den gesamten Nachwuchs für die Musikvereine

und Chöre aus. Darüber hinaus sind

viele Vereine und Ensembles aus der Musikschule

heraus entstanden. Zudem gibt es kaum einen grösseren

Anlass im Land, an dem nicht heutige oder

ehemalige Musikschüler mit Spiel und Gesang der

Veranstaltung eine besondere, musikalische Note

geben.

Ihren Zielsetzungen entsprechend, begleitet

die Liechtensteinische Musikschule das Jubiläum

mit einer Reihe von Darbietungen, Veranstaltungen

und Konzerten.

Informationen: www.musikschule.li |

SEPTEMBER 2013


TREUHANDWESEN

10

11

Zwei Seelen wohnen,

ach, in meiner Brust

Von Clemens Laternser

Anfangs September befasst sich der Landtag mit dem Abgeltungssteuerabkommen

zwischen Österreich und Liechtenstein. Es verpflichtet österreichische

Kunden des Finanzplatzes, in der Vergangenheit unversteuerte Vermögenswerte

zu regularisieren oder den Platz zu verlassen.

Das Abkommen bietet Perspektiven

für die Zukunft, birgt allerdings auch erhebliche

rechtliche Unwägbarkeiten. Eine nicht einfache

Interessensabwägung. Auch die Treuhänder-Brust

ist gespalten wie weiland Goethes Faust. Zumal das

Abgeltungssteuerabkommen eine wechselhafte Entstehungsgeschichte

hinter sich

hat. Nach anfangs eher lustlosen

Das Abkommen bietet Gesprächen, die monatelang auf

der Stelle traten und zeitweise

Perspektiven für die Zukunft,

einzuschlafen drohten, nahmen

birgt allerdings auch die Verhandlungen im Spätherbst

2012 urplötzlich Fahrt auf

erhebliche rechtliche

und mündeten in einen fast überstürzten

Abschluss kurz vor den

Unwägbarkeiten

Landtagswahlen 2013. Der damalige

liechtensteinische Regierungschef

wollte den Erfolg, die österreichische Finanzministerin

brauchte das Geld. Kein Wunder,

leidet das Abkommen bis heute unter diversen Ungereimtheiten

und Unzulänglichkeiten, welche

dessen Umsetzung zu einem schwierigen Unterfangen

machen werden. Gerade die Treuhandbranche

steht einer Inkraftsetzung deshalb mit gemischten

Gefühlen gegenüber.

Zweifellos bietet das Abkommen

eine Lösung für die Vergangenheit sowie interessante

Perspektiven für die Zukunft: Es erlaubt österreichischen

Kunden des Finanzplatzes Liechtenstein

eine anonyme Nachversteuerung ihrer Vermögenswerte

und garantiert ihnen und ihren Beratern

– in unserem Fall den Mitarbeitern von Banken,

Vermögensverwaltern, Versicherungen und Treuhändern

– eine strafbefreiende Wirkung. Gleichzeitig

sichert es die künftige Steuerkonformität

durch die laufende Besteuerung dieser Vermögens-

werte. Kunden, welche dieses Angebot nicht annehmen

wollen, haben die Möglichkeit, die Geschäftsbeziehung

zu beenden und ihr vermeintliches Heil

in anderen Plätzen zu suchen. Darüber hinaus profitiert

Liechtenstein von einer längst fälligen Gleichbehandlung

bei der Besteuerung seiner Vermögensstrukturen

in Österreich. So weit, so gut.

Mephisto versteckt sich allerdings

– wie so oft – im Detail: Die Sicherheit ist trügerisch;

die Abgeltungswirkung erstreckt sich lediglich

auf den Teil des Vermögens, der zum relevanten

Zeitpunkt noch vorhanden ist. Die somit entstehenden

sogenannten «Sanierungslücken» sind zwar

heilbar, aber zu einem Preis, der viele Kunden in

die Offenlegung oder Flucht treiben wird.

Die viel zitierte Gleichbehandlung

– nichts weniger als ein Gebot, das sich aus der

EWR-Zugehörigkeit Liechtensteins ergibt – bringt

bei genauerem Hinsehen zwar eine erhebliche Verbesserung

des heute geltenden, unhaltbaren Zustandes

der offensichtlichen Diskriminierung; aber

selbst das Abkommen sieht eine doppelt so hohe

Steuerbelastung für Vermögenswidmungen an

liechtensteinische Stiftungen im Vergleich zu ihren

österreichischen Pendants vor. Damit sinkt zwar

der Grad der Ungleichbehandlung, wird aber

gleichzeitig staatsvertraglich zementiert.

Insbesondere wirft das Abkommen

erhebliche souveränitätspolitisch relevante

Fragen auf: Für die zukünftige Kontrolle von bestimmten

Vermögensstrukturen ist ein gemischter

Prüfungsausschuss aus österreichischen und liechtensteinischen

Experten vorgesehen. Diese Prüfungsbefugnis

für ausländische Experten ist zumindest

kein Vertrauensbeweis Österreichs einem

befreundeten Staat und seinen Behörden gegen-


Das Abkommen mit Österreich

leidet unter diversen Ungereimtheiten

und Unzulänglichkeiten.

über. Angesichts der Häufigkeit der Weitergabe von

durch das Amtsgeheimnis geschützten Informationen

an die Medien durch österreichische Behördenvertreter

wird zudem die durch das Abkommen

eigentlich geschützte Privatsphäre zutiefst in Frage

gestellt.

Geradezu unhaltbar ist die zwingende

steuerliche Zurechnung der Vermögenswerte

von Stiftungen an österreichische Beteiligte für

die Besteuerung der Vergangenheit, die sogenannte

«Transparenzfiktion». Dieses Vorgehen schert alles

über einen derart groben Kamm, dass in konkreten

Einzelfällen die zivil- und steuerrechtlichen

Gegebenheiten der betroffenen Vermögensstrukturen

negiert werden. Das führt in den stossendsten

Fällen dazu, dass für die Vergangenheit steuerkonforme

Stiftungen entweder gezwungen werden,

ihre – auch vom Abkommen geschützte – Anonymität

aufzugeben oder einer Doppelbesteuerung

unterworfen werden. Somit werden genau diejenigen

Kunden bestraft, die sich in der Vergangenheit

steuerkonform verhalten haben. Eine geradezu groteske

Situation, die gleichermassen Zweifel an der

Zur Person

Clemens Laternser ist Geschäftsführer der Liechtensteinischen

Treuhändervereinigung und Partner eines Treuhandunternehmens.

Die Liechtensteinische Treuhändervereinigung (THV) ist eine Körperschaft

des öffentlichen Rechts mit rund 370 Mitgliedern. www.thv.li

Verfassungsmässigkeit des Abkommens

wie auch an der künftigen

Rechtssicherheit am Finanzplatz

aufkommen lässt. Im

Rahmen der Ausarbeitung sowohl

der Umsetzungsgesetzgebung als auch der

erläuternden Merkblätter zum Abgeltungssteuerabkommen

wurde und wird bis zuletzt um Erleichterungen

und Korrekturen gerungen. Das Verständnis

für die Anliegen des Finanzplatzes, der

letztlich für die korrekte Anwendung des Abkommens

verantwortlich gemacht werden wird, ist auf

Seiten der inländischen Behörden, namentlich Regierung

und Steuerverwaltung, glücklicherweise

vorhanden. Selbst mit solch vereinten Kräften und

trotz überzeugender Argumente war es aber bislang

nicht möglich, dieselbe Bereitschaft auch beim

österreichischen Verhandlungspartner zu wecken,

um die stossendsten Probleme im gegenseitigen

Einvernehmen zu lösen.

Besonders betroffen von diesen

neuralgischen Punkten ist einmal mehr die Treuhandbranche.

Das erklärt auch, wieso die übrigen

Finanzdienstleister dem Abkommen neutral bis

positiv gegenüberstehen können. Gerade aber wenn

man in Betracht zieht, wie hoch der Beitrag der

Treuhandbranche zum Staatshaushalt ist, tut auch

der Landtag gut daran, die legitimen Bedenken der

Branche ernst zu nehmen. Nicht nur im Zusammenhang

mit dem Abkommen, sondern auch in

der anstehenden Diskussion um das dritte Massnahmenpaket

zur Sanierung des Staatshaushaltes.

Ansonsten sich die Abgeordneten aufgrund weiter

wegbrechender Steuereinnahmen wohl eher früher

als später mit einem vierten Sanierungspaket befassen

müssen. |

Foto: pd

SEPTEMBER 2013


INNOVATION

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«Digitaler Abenteuerspielplatz Datentresor»

schützt rund um wertvolle den Walensee Daten

Von Carmen Dahl

Arbeiten von unterwegs wird immer beliebter. Daten sind jederzeit von überall

online verfügbar. Dies erfordert einen Zugang, sei es über ein Rechenzentrum

oder die firmeneigenen Server. Die dafür nötigen Zugangsdaten können

jedoch gestohlen oder ausgespäht werden.

Die Berichte über Abhörmassnahmen

der amerikanischen und britischen Geheimdienste

bewegen die Öffentlichkeit zu Recht.

Wenn man den Berichten über «Prism» und «Tempora»

etwas Positives abgewinnen will, dann haben

sie zumindest das Bewusstsein für IT-Sicherheit

deutlich gesteigert. Bei diesem Thema gibt es grossen

Nachholbedarf. Vor allem

kleine und mittlere Unternehmen

unterschätzen die Risiken

Der Datenstandort Liechtenstein

bürgt für hohe

durch Computer- und Internetkriminalität.

Anstatt nun die

hohe Rechtssicherheit und grosse technologische und politische

Mobilisierung gegen die

Schutz der Privatsphäre

Datensicherheit in den USA auszurufen,

wäre es in der einen

oder anderen Firma hilfreich, die alltägliche Praxis

im Umgang mit Daten zu hinterfragen. Vor allem

bei den E-Mails gibt es riesige Sicherheitslücken.

Laut einer kürzlich in Deutschland durchgeführten

Bitkom-Studie treffen 56 Prozent der befragten,

überwiegend kleineren und mittleren Unternehmen

keine Vorkehrungen, um ihre E-Mails routinemässig

vor unbefugten Lesern zu schützen. Manche

Firmen glaubten fälschlicherweise, dass neben

dem Schutz des Internetzugangs für die E-Mails

Zur Person

Carmen Dahl ist Kommunikationsberaterin und verantwortet die Unternehmenskommunikation

der KYBERNA AG. Das Traditionsunternehmen

entwickelt innovative Lösungen in den beiden Geschäftsbereichen

Business Software und IT-Infrastruktur-Services mit eigener

Rechenzentrumsinfrastruktur.

www.kyberna.com, www.ky4privacy.com

nichts weiter notwendig sei. Zusätzliche potenzielle

Angriffsflächen für nicht autorisierte Zugriffe

entstehen – laut der Studie – aufgrund der

immer stärker verbreiteten Nutzung von Mobilgeräten

in Unternehmen.

Strenge Datenschutzvorschriften

machen Liechtenstein sicher

Wenig bekannt ist, dass der

Standort des Rechenzentrums, in dem Firmendaten

aufbewahrt werden, ein entscheidendes Sicherheitskriterium

ist. Für Unternehmen ist es wichtig

zu wissen, dass bei der Auslagerung von Daten die

Datenschutzrichtlinien jenes Landes gelten, in dem

der Datacenter-Anbieter seinen Unternehmenssitz

hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten bürgt

der Datenstandort Liechtenstein für hohe Rechtssicherheit

und Schutz der Privatsphäre. Das Liechtensteiner

IT-Unternehmen KYBERNA entwickelt

mit «ky4privacy» einen «digitalen Datentresor» –

speziell für sensible Daten. Der ungewöhnlich anmutende

Name «ky4privacy» wird «Key-for-Privacy»

ausgesprochen. Alle Produktnamen des Unternehmens

beginnen entweder mit «ky2» oder «ky4»

– ein Wortspiel aus den ersten beiden Buchstaben

des Firmennamens KYBERNA und dem bildlichen

«Schlüssel zu», englisch «Key to» oder «Key for».

Mit Hilfe der IT-Plattform «ky4privacy» sind Daten

weltweit verfügbar, ohne dass sie ihren persönlichen,

geschützten Bereich im Rechenzentrum des

Unternehmens, dem KYBERNA DATACENTER in

Balzers, welches höchsten Sicherheitsanforderungen

und internationalen Standards entspricht, jemals

verlassen. Der Kunde allein bestimmt den Adressatenkreis,

der Zugriff auf einige oder alle Daten

erhalten darf. Neueste, international anerkannte


Foto: Kyberna AG

Technologien und Partnerprodukte sorgen für

höchstmögliche Sicherheit. Egal von welchem Endgerät,

Smartphone, Laptop, Tablet-PC oder Internet,

nur die im Vorfeld autorisierten Personen haben

Zugriff auf die Informationen. Das gewährleistet

ständige und ortsunabhängige Verfügbarkeit

sensibler Daten in einer hochsicheren Umgebung.

Und auch wenn ein Endgerät verloren gehen

sollte, können die vertraulichen Daten nicht in

fremde Hände gelangen. Denn diese liegen weiterhin

sicher zentral im KYBERNA DATACENTER –

die Übertragung erfolgt stets verschlüsselt und als

unverwertbare Bilddatei.

Informationen liegen in einem

geschützten Bereich

Nicht einmal die Mitarbeiter von

KYBERNA können die Daten unbefugt einsehen.

Informationen liegen anonymisiert in einem mehrfach

vor Zugriffen geschützten Bereich. Als zusätzliche

Sicherheitsmassnahme benötigt es – wie für

ein Bankschliessfach – immer zwei «Schlüssel»

gleichzeitig, um einen physischen Zugriff zum

«Datentresor» zu erhalten. Einen dieser elektronischen

Zugangsschlüssel erhält der Kunde, der zweite

verbleibt bei KYBERNA. «ky4privacy» wird

überall dort eingesetzt, wo man einem bestimmten

Adressatenkreis in einer geschützten Umgebung

Zugriff auf private Daten gewähren muss, beispielsweise

um vertrauliche Unternehmensdaten auszutauschen.

Denn sensible Daten werden mit

«ky4privacy» getrennt von anderen internen IT-

Systemen aufbewahrt und übermittelt.

Einsatz in Unternehmen und

auch bei privaten Nutzern

«ky4privacy» wird mittlerweile

über das Rheintal hinaus international erfolgreich

in Unternehmen eingesetzt, die grossen Wert auf

Datensicherheit legen, wie beispielsweise die Treuhandbranche.

Weitere sinnvolle Einsatzbereiche

für Firmen umfassen: Dezentrale und multinationale

Organisationen, Human Resources, Controlling

und Finanzen, Forschung und Entwicklung,

Knowledge Management, Verwahrung vertraulicher

Kundendaten.

Aber auch Private, die ihre persönlichen

Daten vor unrechtmässigen Zugriffen

schützen wollen, setzen auf ky4privacy. Vor allem

Personen aus Staaten mit geringerer Rechtssicherheit

haben Vertrauen in den Datenstandort Liechtenstein

gewonnen. In den letzten Monaten hat die

Nachfrage nach dem «digitalen Datentresor in

Liechtenstein» signifikant zugenommen. |

SEPTEMBER 2013


FORSCHUNG

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IT Abenteuerspielplatz

intelligent eingesetzt

bringt rund um Nachhaltigkeit den Walensee

Von Kornelia Pfeiffer

Firmen, die sich nicht um Nachhaltigkeit kümmern, laufen Gefahr vom Markt

zu verschwinden. Forscher der Universität Liechtenstein sehen in der modernen

Informationstechnologie eine Chance, den Planeten zu schützen und das

Unternehmen von morgen zu erfinden.

Da verliert der Laie schon einmal

den Überblick, wo die Fachwelt grosses Potenzial

ortet: «Green IT» klingt nach Hochtechnologie und

Umweltschutz. Tatsächlich wird Informationstechnik

immer Strom verbrauchen. Seit mehreren Jahren

jedoch arbeiten Handy-, Bildschirm- und Computerhersteller

an stromsparenden

Chips und Computern, an

IT ist ein zentraler Treiber der Softwareoptimierung, an

für die Modernisierung –

umweltverträglicheren Rechenzentren

oder am Recycling alter

Nachhaltigkeit der Treiber Produkte. Das moderne Wirtschaftssystem

braucht die Informationstechnik,

doch soll sie im

für Innovation

Energieverbrauch sparsamer sein

und umweltverträglicher. «Wer seinen Laptop im

Energiesparmodus betreibt, nutzt eine einfache

Green-IT-Funktion», nennt Stefan Seidel, Assistenzprofessor

am Institut für Wirtschaftsinformatik

der Universität Liechtenstein, ein Alltagsbeispiel.

Zur Person

Assistenzprofessor Dr. Stefan Seidel untersucht am Institut für Wirtschaftsinformatik

der Universität Liechtenstein, welche Rolle die IT

bei der Entwicklung von Organisationen zu mehr Nachhaltigkeit

spielt.

IT ist Treiber der technologischen

Modernisierung

Nun hat die Forschung zudem

entdeckt, dass der intelligente Einsatz von IT zur

Nachhaltigkeit beitragen kann. Dies nennt sich

«Green Business Process Management», kurz

«Green BPM». Hier werden moderne Informationstechnologien

in einem Unternehmen so eingesetzt,

dass dieses ökonomisch, ökologisch und sozial

nachhaltiges Handeln und Arbeiten verinnerlicht.

Ein solches Unternehmen hält zum einen seinen

ökologischen Fussabdruck bei Herstellung, Betrieb

und Entsorgung der IT so klein wie möglich. Zum

anderen nutzt es IT, damit die Prozesse zur Herstellung

von Produkten und Dienstleistungen nachhaltig

ablaufen. Das Forscherteam am Institut für

Wirtschaftsinformatik befasst sich zurzeit mit der

Rolle, die IT bei der Entwicklung von Organisationen

zu mehr Nachhaltigkeit spielt.

Nachhaltigkeit ist Treiber für

Innovation

«IT schafft zu allererst Transparenz»,

erklärt der Wirtschaftswissenschaftler einen

wichtigen Vorteil, den IT auch kleinen und mittleren

Unternehmen bringt. «Sie zeigt auf, wie viel

Energie wir verbrauchen, welche Emissionen wir

verursachen, wie zufrieden unsere Mitarbeiter sind

– und wie sich das alles im Laufe der Zeit verändert.»

Damit werden neben den wirtschaftlichen Kerngrössen

wie Zeit, Kosten und Qualität auch der soziale

und ökologische Fussabdruck sowie der Erfolg

von Massnahmen messbar. Darüber hinaus macht

IT beispielsweise Videokonferenzen möglich, was

etwa Flugreisen ersetzt. Mit IT lassen sich Routen

präzise planen, um Treibstoff zu sparen und den

CO2-Ausstoss zu verringern. Die moderne Informationstechnologie

erlaubt Arbeit von zuhause

aus, was Pendlerströme in Grenzen hält. Mit IT

lässt sich Compliance kosteneffizient sicherstellen,

und sie trägt dazu bei, das Einkaufsmanagement

zu steuern. IT gilt dabei als zentraler Treiber für

die Modernisierung, indem sie effiziente Prozesse,


«IT schafft zu allererst Transparenz»,

erklärt Stefan Seidel den

Vorteil, den IT auch kleinen und

mittleren Unternehmen bringt.

Foto: Uni Liechtenstein

Kostenersparnis und Ressourcenschonung

ermöglicht. Gleichzeitig

begreift ein Teil der Unternehmen

Nachhaltigkeit als bewusste Art des Wirtschaftens,

das Reputation und eine führende

Marktposition einbringt. Nachhaltiges Wirtschaften

ist für sie kein Selbstzweck, sondern Teil kaufmännischen

Kalküls und Treiber von Innovation.

Diese Unternehmen entwickeln Dienstleistungen,

Herstellung und Produkte beständig so weiter,

dass sie Ressourcen sparen, die Umwelt weniger belasten

und dem Kunden mehr Nutzen bringen.

«Wir beobachten immer häufiger, dass Kunden bei

den Unternehmen kaufen, die nachhaltige Ziele

glaubwürdig verfolgen», bekräftigt Stefan Seidel.

Erst kürzlich habe ihm der Leiter «Sustainability

Operations» eines grossen deutschen Softwareanbieters

bestätigt, wie dringend sich Unternehmen

mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen müssten,

wollen sie nicht vom Markt verdrängt werden.

Soll Nachhaltigkeit in «Fleisch

und Blut» eines Unternehmens übergehen, braucht

es aber eine ganze Menge: die Mitarbeiter, die Verankerung

der Verantwortung auf der Führungsebene,

eine Plattform zur Planung, Steuerung und

Koordination des Nachhaltigkeitsmanagements,

ein Netzwerk zwischen den relevanten Unternehmensbereichen,

ein formales Reporting, eine Koordinationsfunktion…

«Unsere Forschung hat gezeigt,

dass Bottom-up und Top-Down in einem

Unternehmen wesentlich sind, damit der Wandel

gelingt», unterstreicht Seidel. Das Management

müsse die Ziele definieren und bereit sein zu investieren,

die Mitarbeiter müssten Motivation und Engagement

aufbringen. Dies könne bei ganz kleinen

Dingen beginnen, wie etwa dem sparsameren Verbrauch

von Plastikbechern. Der Wille zur Veränderung

sei entscheidend.

Konzept für nachhaltige Unternehmensführung

Die Forscher an der Universität

Liechtenstein haben ein theoretisches Modell in

Sachen nachhaltiger Unternehmensführung entwickelt,

das aufzeigt, wie die Transformation mittels

IT gelingt. «Unsere Forschung liefert wichtige

Hinweise auf das Zusammenspiel von Managemententscheidungen,

Mitarbeiterengagement und

IT», sagt Assistenzprofessor Stefan Seidel. Die Ergebnisse

dienen dazu, IT-basierte Systeme für

Nachhaltigkeit zu entwickeln und zielführend einzusetzen.

Als Kompetenzzentrum für IT und Geschäftsprozessmanagement

betritt die Universität

Liechtenstein noch wenig erkundetes Neuland und

arbeitet dabei mit internationalen Partnern, unter

anderem in den USA und Australien, zusammen.

Publik macht das Institut für

Wirtschaftsinformatik die Forschungsergebnisse

regional und international. In Büchern, Fachzeitschriften

und Seminaren. Für viele Unternehmen

ist das Thema neu, in der Öffentlichkeit wird es

noch kaum diskutiert. Mittlerweile hat das Forscherteam

der Uni Liechtenstein dazu beigetragen,

dass sich ein genaueres Verständnis der Rolle von

IT für die Transformation zur Nachhaltigkeit entwickelt.

Zudem hat es Fragen beantwortet, wie die

IT dafür aussehen muss. Für die Unternehmen der

Region Rheintal ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

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SEPTEMBER 2013


TECHNOLOGIESPRUNG BEI GUTENBERG AG

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Innovatives Verfahren bringt

enorme Qualitätssteigerung

Von Günther Meier

Neueste Technologien erobern auch die Druckindustrie. Das Druck- und

Medienunternehmen Gutenberg AG hat eine neue Druckmaschine in Betrieb

genommen, die mit Licht die Druckfarben härtet. Zu den Gewinnern zählen

vor allem die Umwelt und die Kunden.

Druckfrische Bücher riechen stark nach Farbe,

bei neuen Prospekten ist die Gefahr von abschmierenden

Farben gross und auf Druckbogen kann

der zur Trocknung verwendete Puder oft noch gefühlt

werden. Das alles gehört der Vergangenheit

an, wenn mit der neuesten Heidelberg-Speedmaster

mit Licht-

Produkte und Leistungen Härtung gedruckt wird. Eine solche

Druckmaschine hat die Gu-

anzubieten, die auf dem Markt

tenberg AG seit wenigen Tagen

einzigartig sind, gehört im Einsatz, die aufgrund neuer

Technologien eine höhere Druckqualität

ermöglicht, eine schnel-

zur Unternehmensphilosophie

lere Auftragsabwicklung erlaubt

und Energieeinsparungen bringt. Für Geschäftsleiter

Remi Nescher ist die Ausstattung der Gutenberg

AG mit der neuesten Speedmaster eine Antwort auf

die Herausforderung, sich ständig dem technologischen

Wandel in der Druckindustrie zu stellen.

«Als die Licht-Härtung im konventionellen Offsetdruck

2008 erstmals an der Fachmesse in Düsseldorf

als Prototyp präsentiert

Der Qualitätsprozess nach wurde», erinnert er sich, «war ich

ISO 12647-2 erfordert eine präzise fasziniert von dieser neuen Technologie.»

Für den 1927 Farb-Messung der Druckbogen.

gegrün-

deten Betrieb ist die Speedmaster laut Remi Nescher

eine Investition in die Zukunft.

Massive Qualitätsverbesserung

durch Licht-Härtung

Die neue Technologie der Licht-

Härtung bringt erhebliche Vorteile gegenüber den

bisherigen Druckverfahren. Die Druckbogen können

direkt weiterverarbeitet werden, weil die Farbe

sofort härtet. Damit wird keine Zwischenlagerung

mehr für die Trocknung der bedruckten Bogen benötigt.

Der Zeitaufwand für ein Druckprodukt reduziert

sich, weil die Weiterverarbeitung wie

Schneiden, Stanzen oder Falzen direkt nach dem

Druckende beginnen kann. Ausserdem erfolgt der

gesamte Druckprozess ohne den Einsatz von Puder,

der bisher das Zusammenkleben der Druckbogen

durch die nasse Farbe verhinderte. Ohne Puder

bleibt die Oberfläche der Druckbogen ohne Rückstände,

was die weitere Verarbeitung wesentlich erleichtert.

Ein weiterer Vorteil ist die höhere Scheuerfestigkeit

der mit Licht gehärteten Farben, womit

ein Schutzlack für die Drucke nicht mehr notwendig

ist. Auch auf die Laminierung, die nicht recyclingfähig

ist, kann zumeist verzichtet werden. Sichtbare

Verbesserungen, unterstreicht Remi Nescher,

ergeben sich vor allem bei der Druckqualität auf

Naturpapieren: Aus der Druckmaschine fliessen

Druckbogen mit reineren Farben, höheren Kontrasten

und mit besserer Detailzeichnung.

Neue Farben sind mineralölfrei

und geruchsfrei

Für die Kunden von Interesse

sind die kürzeren Druckzeiten, die sich aufgrund

der sofortigen Licht-Härtung ergeben, sowie die


Das Druckteam und der Geschäftsinhaber

Remi Nescher freuen sich Wenn der Kunde ein Druckpro-

verbesserte Qualität der Drucke.

auf die neuen Möglichkeiten mit dukt aus der neuen Heidelbergder

innovativen Drucktechnik. Speedmaster in den Händen hält,

fällt noch ein Element besonders

auf. Die Drucksache, ob Prospekt oder Buch, riecht

nicht mehr nach Farbe, weil für die Licht-Härtung

spezielle Farben verwendet werden, die mineralölfrei

und damit geruchsfrei sind. Der oft tagelang

anhaltende unangenehme Geruch von neuen

Drucksachen fällt damit weg. Was die empfindliche

Nase schont, bedeutet durch die neu entwickelten,

mineralölfreien Farben auch eine Schonung der

Umwelt. Wirtschaftliche und ökologische Überlegungen

treffen sich bei der neuen Licht-Härtung,

weil erhebliche Energieeinsparungen gegenüber einem

herkömmlichen Trocknungssystem resultieren.

Die Hitzeeinwirkung auf das Papier ist minimal,

so dass eine Wärmeverformung der Druckbogen

ausgeschlossen ist.

Gutenberg stellt sich der neuen

Technologie

«Mit dem Einsatz der neuen Heidelberg-Speedmaster

mit Licht-Härtung», ist Remi

Nescher überzeugt, «macht die Gutenberg einen

Riesenschritt nach vorne.» Sein Unternehmen stellt

sich damit aktiv dem stetigen Wandel in der Druckindustrie,

die Kunden können von den massiven

Fortschritten in der Drucktechnologie profitieren.

Der Markt erfordere immer kürzere Verarbeitungszeiten.

Diesem Erfordernis kommt die neue Druckmaschine

vor allem dadurch entgegen, dass die

Druckbogen dank der sofortigen Durchhärtung

der Druckfarben durch Licht-Härtung ohne Zeitverlust

weiterverarbeitet werden können. Doch der

Zeitgewinn ist, betont Remi Nescher, nur einer der

wichtigen Faktoren. Einen bedeutenden Mehrwert

für die Kunden ergeben die Fortschritte bei der

Verbesserung der Druckqualität und die neuen

Möglichkeiten für die Veredelung der Produkte.

Hochwertige Veredelungsmöglichkeiten, wie beispielsweise

Matt-Glanz-Effekte, die sich auf den

bisher gepuderten Druckbogen nicht oder nur

schwer realisieren liessen, lassen sich mit der neuen

Technologie einfacher, zeitsparender und kostengünstiger

verwirklichen.

Veredelungen auf dem Sektor

der Naturpapiere

Der Bereich der Veredelung, der

von den Kunden zunehmend nachgefragt wird, ist

ein Produktionsbereich, den die Gutenberg weiter

ausbauen möchte. Mit den neuen Möglichkeiten

möchte Remi Nescher sein Unternehmen noch

stärker auf dem Sektor der Naturpapiere und Spezialitäten

positionieren. Produkte und Leistungen

anzubieten, die auf dem Markt einzigartig sind, gehöre

zur Unternehmensphilosophie, meint Remi

Nescher und weist auf den Briefmarken-Druck hin:

Der Gutenberg gelang 2009 eine Weltneuheit in der

Philatelie, als die ersten Briefmarken mit echter

Lochperforation auf Selbstklebepapier präsentiert

werden konnten. |

SEPTEMBER 2013


AUSSTELLUNG

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Die Lage Liechtensteins

nach Österreichs Anschluss

Von Günther Meier

Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 provozierte

die Frage, ob Liechtenstein ebenfalls «angeschlossen» werde oder selbständig

bleiben könne. Eine Sonderausstellung im Landesmuseum befasst sich

mit der Situation vor 75 Jahren.

Das Jahr 1938, das Jahr des Anschlusses

Österreichs an das Deutsche Reich und

das Jahr vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs

1939, steht im Mittelpunkt einer Sonderausstellung

im Liechtensteinischen Landesmuseum. Jenes Jahr

war für das Fürstentum Liechtenstein

insofern von Bedeutung,

Nationalsozialistische Kräfte als das Nachbarland Österreich

in Liechtenstein waren für den

nach dem Anschluss an das

Deutsche Reich von der Landkarte

verschwand und Liechten-

Anschluss bereit, doch

stein unmittelbarer Nachbar von

aus Berlin kam eine Absage

Hitler-Deutschland wurde. Der

damalige österreichische Bundeskanzler

Kurt Schuschnigg hatte trotz Druck aus

Deutschland versucht, am 13. März 1938 eine Volksabstimmung

über die Unabhängigkeit der Republik

Österreich durchzuführen. Zwei Tage vorher erzwang

Hitler den Sturz der Regierung Schuschnigg,

liess Truppen in Wien einmarschieren

und feierte auf dem Hel-

Prinzregent Franz Josef besuchte

1938 vor der Regierungsübernahme

die Gemeinde Balzers. Österreichs mit Deutschland».

denplatz die «Wiedervereinigung

Links neben ihm Regierungschef Als der befürchtete Anschluss

Josef Hoop, rechts Regierungschef-Stellvertreter

Alois Vogt. den war und die

Österreichs Wirklichkeit gewor-

Nationalsozia-

Fotos: Landesarchiv

listen überall in Österreich die Macht übernommen

hatten, geriet auch Liechtenstein in Unruhe. Befürchtungen

wurden laut, dass nun Liechtenstein

ebenfalls im Deutschen Reich auf- oder untergehen

werde, während andere einen solchen Anschluss

begrüssten. Die Reaktionen in der Regierung waren

von Hektik geprägt: Regierungschef Josef Hoop

reiste nach Wien, um Erkundungen über die Einstellung

der neuen Machthaber zu Liechtenstein

anzustellen, während Regierungschef-Stellvertreter

Pfarrer Anton Frommelt nach Bern reiste, um der

Schweiz zu versichern, dass Liechtenstein weiter zu

den Verträgen mit der Schweiz stehe und seine Eigenständigkeit

zu bewahren gedenke. Die Schweizer

zeigten sich besorgt, insbesondere über die Haltung

der Vaterländischen Union (VU), die mit dem

nationalsozialistisch-freundlichen Heimatdienst

zusammengespannt hatte. Aber auch aus Frankreich

und England wurden Anfragen an die Regierung

gerichtet, ob sich das Land dem Deutschen

Reich anschliessen werde.

Landtag für Unabhängigkeit

und Selbständigkeit

Am 15. März 1938 kam es im

Landtag, wie der Historiker Peter Geiger schreibt,

zu einer «Zerreissprobe» – und zwar in der nichtöffentlichen

Landtagssitzung. Den ganzen Tag debattierte

der Landtag im geschlossenen Raum. Die

Fortschrittliche Bürgerpartei wollte eine geschlossene

Haltung zugunsten der Unabhängigkeit und

Selbständigkeit des Landes, die Vaterländische

Union sah die Chance gekommen, um «ultimative

Forderungen» durchzudrücken. Oppositionsführer

Otto Schaedler (VU) stellte Forderungen wie

Einführung des Proporzwahlrechts, Amnestie für


Fürst Franz Josef II. und

Regierungschef Josef Hoop

auf Schloss Vaduz.

politische Vergehen, Ausschaltung des Einflusses

der jüdischen Fürstin Elsa. Als sich eine aussichtslose

Lage abzeichnete, verliess Schaedler den Landtag,

die anderen VU-Abgeordneten blieben, womit

der Weg für die «einstimmige» Haltung des Landtags

zu einer Erklärung für Unabhängigkeit und Eigenständigkeit

geebnet war.

Wechsel von Fürst Franz I. zu

Fürst Franz Josef II.

Was in jener Landtagssitzung

nicht erreicht worden war, kam ein paar Tage

später in einer Besprechung von Vertretern der

Bürgerpartei und der Union doch zustande, die innenpolitische

Befriedung. Beide Parteien bekannten

sich zur Verfassung, zur Eigenständigkeit, zum

Fürstenhaus sowie zu den Verträgen mit der

Schweiz. Zudem wurden die Einführung des Proporzwahlrechts

bei den Wahlen und die Bildung

einer Koalitionsregierung vereinbart.

Der Anschluss Liechtensteins

auch in Berlin ein Thema

Veränderungen gab es auch im

Fürstenhaus. Mit dem Tod von Fürst Franz I. am

25. Juli 1938 übernahm Prinz Franz Josef als neuer

Fürst die Regierungsgeschäfte, gut vorbereitet auf

sein Amt als Staatsoberhaupt, weil er sich als Prinzregent

schon im Land aufgehalten, Besprechungen

mit Regierung und Landtag geführt und allen

Gemeinden einen Besuch abgestattet hatte. In einem

Aufruf an die Bevölkerung gelobte Fürst Franz

Josef II., «meinem Land ein gerechter Fürst zu sein»

und «die verfassungsmässigen Freiheiten zu wahren».

Ob «Anschluss oder weiterhin souverän?»,

wie die Ausstellung über das Jahr 1938 in Liechtenstein

heisst, diese Frage wurde damals nicht nur

im Lande selbst, sondern auch in der Schweiz und

im Deutschen Reich diskutiert. Nationalsozialistische

Kräfte in Liechtenstein waren für den Anschluss

bereit, doch aus Berlin kam eine Absage.

Die «Liechtenstein-Frage» sei nach dem Anschluss

Österreichs eine Woche lang offen gewesen, schreibt

Peter Geiger in seinen historischen Abhandlungen,

womit deutlich wird, dass eine Woche lang

«Anschluss-Gefahr» bestand. Goebbels sei für den

Anschluss bereit gewesen, doch Aussenminister

Ribbentrop dagegen. Am 18. März habe dann

Hitler selbst abschliessend die Entscheidung getroffen,

das kleine Fürstentum vorläufig in Ruhe

zu lassen… |

Anschluss oder weiterhin souverän?

Das Liechtensteinische Landesmuseum zeigt eine Ausstellung, welche

die Situation in Liechtenstein im Jahr 1938 zeigt. Ein Schicksalsjahr

für Europa und Liechtenstein, nach dem Anschluss Österreichs

an das Deutsche Reich und vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.

Der Ausstellungstitel weist auf unterschiedliche Bestrebungen

in Liechtenstein hin: Ebenfalls Anschluss an das Deutsche Reich

oder Bewahrung der Eigenständigkeit! Die Ausstellung öffnet am 12.

September 2013 und dauert bis zum 5. Januar 2014. Ausführliche

Beschreibungen des Schicksalsjahrs 1938 befinden sich im Jahrbuch

des Historischen Vereins, Band 88 – Peter Geiger: «Liechtenstein

im Jahre 1938» und in den zwei Bänden von Peter Geiger:

«Krisenzeit – Liechtenstein in den Dreissigerjahren 1928 – 1939». Die

Bücher sind im Buchzentrum erhältlich: www.buchzentrum.li

SEPTEMBER 2013


WASSER

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Das Wasser der Alpen

ist eine begehrte Ressource

Von Barbara Wülser

Wasserkraft, Hochwasserschutz, Lebensraum, Quelle der Inspiration: Gewässer

wie der Alpenrhein erfüllen viele Funktionen. Die CIPRA thematisiert

die Zusammenarbeit im Wasserbereich an ihrer internationalen Tagung in

Bozen und in ihrem Themenheft SzeneAlpen.

Der Rhein trennt und verbindet

Menschen und Länder. Als Grenzfluss ist er ein

Hindernis, markiert den Übergang von Liechtenstein

zur Schweiz. Er ist aber auch ein verbindendes

Element in der Landschaft und in der Politik:

Die Anrainerstaaten müssen sich zusammenraufen,

um die Nutzung des Wassers und

den Schutz vor Hochwasser zu

Mit dem geplanten Ausstieg regeln. Und sie müssen dafür

aus der Atomkraft kommen

sorgen, dass die weiter unten liegenden

Länder ebenfalls sauberes

Wasser bekommen. Damit

die Gewässer als Energielieferanten

zusätzlich unter Druck

kommt dem Alpenwasser eine

grosse Bedeutung und den Alpenländern

eine wichtige Verantwortung

zu. Wassermanagement ist eine hochkomplexe,

politisch heikle Angelegenheit. Das internationale

Jahr der Zusammenarbeit im Wasserbereich

2013 bietet Gelegenheit, sich mit den

Ansprüchen, die an die Gewässer in den Alpen gestellt

werden, auseinanderzusetzen. Die internationale

Alpenschutzkommission CIPRA, mit Sitz in

Schaan, tut dies mit dem Themenheft SzeneAlpen

Thema Wasser

n Die internationale Tagung «Wassertrog Alpen» der CIPRA findet

vom 10. bis 12. Oktober 2013 in Bozen, Italien, statt. Die Tagung

steht allen Interessierten offen. Informationen und Anmeldungen unter

www.cipra.org/de/jf2013.

n Das Themenheft SzeneAlpen «Alpenwasser, hoch im Kurs» zeigt

auf, warum die wichtigste Ressource der Alpen Allgemeingut bleiben

sollte. Herausgegeben von CIPRA International mit Unterstützung

des Landes Liechtenstein. Das Abonnement ist kostenlos. Informationen

unter www.cipra.org/szenealpen.

Nr. 98 «Alpenwasser, hoch im Kurs» und einer

Tagung (siehe Kasten). Liechtenstein wird an der

internationalen Tagung «Wassertrog Alpen» im

italienischen Bozen vertreten sein durch den ehemaligen

CIPRA-Präsidenten Mario Broggi und die

LGU-Geschäftsführerin Andrea Matt.

Ungenutzte Gewässer schützen

Auf internationaler Ebene gibt es

mehrere Instrumente, die die Zusammenarbeit im

Wasserbereich regeln. Eines der wichtigsten ist die

EU-Wasserrahmenrichtlinie. Allerdings geht diese

nicht auf die Besonderheiten der Alpen ein mit den

Wasservorkommen in fester Form wie Gletscher

oder Firn und den besonderen aquatischen Ökosystemen.

Zudem bezieht sie sich nur auf land- und

bodengebundene Gewässer, nicht aber auf den gesamten

Wasserkreislauf. Die Richtlinie gilt in allen

EU-Ländern und im EWR-Raum, also auch in

Liechtenstein. Die Nicht-EU-Länder Schweiz und

Monaco sind zumindest bei den Grenzflüssen indirekt

zur Einhaltung der Standards verpflichtet.

Einen Vorteil hat die EU-Wasserrahmenrichtlinie

gegenüber nationalen Regelungen: Sie berücksichtigt

auch das Einzugsgebiet der Gewässer. Für

Mario Broggi ist dies eine Voraussetzung, um eine

ganzheitliche Herangehensweise zu gewährleisten.

Mit der Alpenkonvention steht

ein weiteres internationales Regelwerk zur Verfügung,

das alle Alpenländer – auch Liechtenstein,

die Schweiz und Monaco – verbindet. Der internationale

Staatsvertrag sieht neben der Rahmenkonvention

Durchführungsprotokolle für verschiedene

Bereiche vor. Für die meisten Themen wie

Naturschutz, Energie oder Verkehr wurden solche

Umsetzungsprotokolle ausgearbeitet. Nicht aber


Soll das Wasser des Rheins

für Energiegewinnung oder zur

Grundwasserreinigung genutzt

werden?

für Wasser, obwohl die Alpen

grosse Bedeutung als Wasserschloss

Europas haben. Mario

Broggi sieht gerade in dieser vermeintlichen

Verfügbarkeit eine Hemmschwelle:

«Wir gehen locker damit um, weil wir meinen, viel

davon zu haben.» Broggi war einer der ersten, der

das Problem von Schwall und Sunk am Beispiel der

Bregenzer Ach Ende der 1980er-Jahre auf den Tisch

gebracht hatte. Er hat Anfang der 1990er-Jahre

auch am Schweizer Bundesgesetz über den Schutz

der Gewässer mitgearbeitet, das die Restwassermengen

regelt. Leider wurde, so Broggi, das Minimum,

das in der Arbeitsgruppe festgelegt wurde

und hätte regional ausdifferenziert werden sollen,

als Standard ausgelegt – und mangelhaft umgesetzt.

Mit dem geplanten Ausstieg aus der Atomkraft

kommen die Gewässer als Energielieferanten zusätzlich

unter Druck. Nach 40 Jahren Berufserfahrung

und Engagement für Gewässerökologie fragt

sich Broggi heute: «Haben wir nichts gelernt?» Was

es bräuchte, sei ein Inventar für schützenswerte Gebiete

im Einzugsgebiet von Flüssen; eine Vertiefung

des Überblicks für die ganzen Alpen, den die CIP-

RA 1996 in einer Studie erstellt hatte. Doch für die

Schweiz, die bereits 92 Prozent der Gewässer für die

Energiegewinnung nutze, käme dies wohl zu spät.

Strom oder sauberes Trinkwasser?

Viele Fliessgewässer erstrecken

sich über mehrere Staaten, weshalb manche Probleme

nur grenzüberschreitend gelöst werden können.

Dazu gehört auch die Prävention vor Hochwasser.

Der Rhein bezieht sein Wasser aus einem

Einzugsgebiet von 218’300 Quadratkilometern,

Foto: Hydra AG

was der doppelten Fläche Österreichs entspricht.

Im Alpenrheintal mit einer halben Million Einwohner

besteht Hochwassergefahr ab der Illmündung

bis zum Bodensee. Liechtenstein, die Schweiz

und Österreich haben sich deshalb zusammengetan,

um den Hochwasserschutz zu verbessern. Ein

günstiges und probates Mittel wäre nun, dem Fluss

wieder mehr Raum zuzugestehen, damit er über ein

natürliches Ausgleichbecken verfügt. Diesen Raum

hatte man ihm vor Jahren als Landwirtschaftsland

abgetrotzt. Damit sind Konflikte mit anderen

Nutzern vorprogrammiert. Wie schafft man einen

Interessensausgleich? Wie müssen die Prozesse gestaltet

sein, damit die Betroffenen zu Beteiligten

werden? Welche Rolle sollen Nichtregierungsorganisationen

einnehmen? Solche Fragen interessieren

Andrea Matt, Geschäftsführerin der Liechtensteinischen

Gesellschaft für Umweltschutz LGU und

von CIPRA Liechtenstein. «Es gibt sehr unterschiedliche

Positionen bezüglich Beteiligungsprozessen»,

so Matt, «und die Positionen werden teilweise

gegeneinander ausgespielt.» Die Kraft des

Alpenrheins ist Matts Thema in Bozen, und zwar

nicht nur als Wasserkraft, sondern auch als Lebenskraft.

Mit der Flussdynamik werde das Kiesbett

stetig durchwühlt und so das Wasser gereinigt, sodass

das Grundwasser im Alpenrheintal nicht aufbereitet

werden muss. «Diese Kraft sorgt dafür,

dass wir sauberes Wasser haben.» Doch die Kraft

des Flusses könne nur ein Mal genutzt werden: entweder

für die Energiegewinnung oder zur Grundwasserreinigung.

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SEPTEMBER 2013


KUNST

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Mit Abenteuerspielplatz

Kunstwerken

die rund Lebensfreude um den Walensee steigern

Von Günther Meier

Eine der bedeutendsten Privatsammlungen in Europa mit Werken der klassischen

Moderne, die Sammlung Batliner, wird ab dem 4. Oktober im Kunstmuseum

Liechtenstein zu sehen sein. Ein Überblick über eine rund 50-jährige

Sammeltätigkeit.

Mit der Ausstellung «Von Monet

bis Picasso» im Kunstmuseum Liechtenstein wird

die Sammlung von Rita und Herbert Batliner, die

im Jahr 2007 als Dauerleihgabe der Albertina in

Wien übergeben wurde, das erste Mal in Liechtenstein

selbst gezeigt. Aus der rund 500 Exponate umfassenden

Sammlung, die vom

Impressionismus über den Expressionismus

bis zum Bauhaus

Herbert und Rita Batliner

und der russischen Avantgarde

haben bereits vor

reicht, aber auch zahlreiche Picassos

und Werke aus der zwei-

fast 50 Jahren begonnen,

ten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Kunst zu sammeln

umfasst, ist in Vaduz eine repräsentative

Auswahl zu sehen.

Klingende Namen aus verschiedenen Kunstepochen

– wie Claude Monet, Pierre Auguste Renoir,

Max Ernst, Paul Cézanne, Henri Matisse, Pablo

Picasso, Marc Chagall, Francis Bacon, Joan Miro,

Alberto Giacometti, Georg Baselitz – bilden Anreize

für Kunstfreunde, die Sonderausstellung

zu besuchen. Seit

René Magritte: Die verwunschene

Gegend, 1953.

2007 befindet sich die Sammlung

Foto: © Albertina, Wien – Sammlung Batliner

Batliner in der Albertina, einem Kunstmuseum im

Zentrum von Wien. Die Albertina zählt mit rund

einer Million Kunstwerken aus sechs Jahrhunderten

Kunstgeschichte zu den bedeutendsten Kunstsammlungen

der Welt. Ihren Namen erhielt die

Kunstsammlung von ihrem Gründer, dem Herzog

Albert von Sachsen-Teschen (1738 – 1822), der die

Kunstsammlung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

gründete. Das Gebäude selbst gilt als eines

der prachtvollsten klassizistischen Palais in Europa,

in dem die Sammlung seit 1802 untergebracht

ist. Die Gründungsurkunde der Kunstsammlung

ist mit dem 4. Juli 1776 datiert, genau der gleiche

Tag, an dem die Unabhängigkeitserklärung der

Vereinigten Staaten von Amerika veröffentlicht

wurde. Im Unterschied zu anderen Kunstsammlungen,

die in früheren Zeiten meist nur für den

Adel zugänglich waren, stand die Albertina allen

Besuchern offen: Das Betreten war allerdings mit

der Auflage verbunden, dass die Besucher Schuhe

tragen mussten! Die Albertina, die 1919 in den Besitz

der Republik Österreich gelangte, führte unter

der Direktion von Klaus Albrecht Schröder wichtige

Neuerungen ein. Schröder, der sein Amt im Jahre

2000 antrat, wollte die Ausstellung nicht mehr

allein auf Grafik beschränken und gewann für

besondere Ausstellungen neue Partner und Dauerleihgeber

– unter ihnen Rita und Herbert Batliner.

Auch in baulicher Hinsicht wurden Neuerungen

vorgenommen und mit der Neugestaltung des Eingangsbereichs

der bekannte Architekt Hans Hollein

beauftragt. Auch hier ergibt sich ein Anknüpfungspunkt

zu Liechtenstein, denn Hollein entwarf

die Centrum Bank, die zu den architektonisch

interessantesten Gebäuden in Vaduz zählt. Mit der

Einführung des Euro in Österreich verschwand das


Marc Chagall:

Der Papierdrachen, 1926

Albertina, Wien –

Sammlung Batliner.

Bild der Albertina aber aus dem

täglichen Gebrauch, denn das

markante Gebäude hatte vorher

die Rückseite der 20-Schilling-

Note geziert. In ihrer Selbstdarstellung

geht die Albertina ausführlich auf die Sammeltätigkeit

von Herbert und Rita Batliner ein:

«Herbert und Rita Batliner haben bereits vor fast 50

Jahren begonnen, Kunst zu sammeln. Aufgrund ihrer

engen Freundschaft zu Ernst Beyeler bildete von

Beginn an, neben dem Werk Alberto Giacomettis,

die Malerei des französischen Impressionismus

und Postimpressionismus einen spezifischen

Sammlungsschwerpunkt…. Stets konzentrierten

sich Herbert und Rita Batliner darüber hinaus bei

ihrer Sammeltätigkeit auf das Werk Pablo Picassos.

Heute befinden sich über 40 Arbeiten des Künstlers,

darunter zehn Gemälde sowie viele Zeichnungen

und Unikat-Keramiken, in der Sammlung Batliner.»

Ausserdem ist die Sammlung Batliner nach

dieser Darstellung ein begehrter Leihgeber für Sonderausstellungen:

«Als Leihgeber sind Herbert und

Rita Batliner seit langem bekannt, findet doch

kaum eine Picasso-, Monet-, Modigliani- oder Giacometti-Ausstellung

ohne Leihgaben der Sammlung

Batliner statt.»

Leidenschaft führte zu Sammlung

von über 500 Werken

Bei der Übergabe der Sammlung

als Dauerleihgabe an die Albertina, im Jahre 2007,

gab Herbert Batliner dem österreichischen Nachrichtenmagazin

«Profil» ein Interview und erklärte,

warum die Albertina trotz Anfragen anderer

Museen den Zuschlag erhalten habe: «Weil ich eine

sehr enge Beziehung zu Österreich habe… und weil

Foto: © VBK, Wien 2011. © Fotostudio Heinz Preute, Vaduz

die Albertina ein Weltmuseum besonderer Art und

Anerkennung ist.» Die Profil-Leser erfuhren damals

auch, wie Herbert Batliner zu seiner Sammlung

gekommen ist: «Ich bin aus der Defensive heraus

zur Kunst gekommen. Als junger Anwalt stand

mir in einer Causa ein beträchtliches Honorar zu.

In der Folge hat mein Klient die Bezahlung des Honorars

mit einem Bild abgegolten.» Auch über die

Sammelleidenschaft von Herbert Batliner, die inzwischen

zu einer Sammlung von über 500 Werken

führte, war etwas zu erfahren: «Der Punkt, an dem

man gesättigt ist, wird sicherlich nie erreicht. Es

liegt jedenfalls in der Natur des Menschen, dass er

begehrlich ist. Wenn man die Voraussetzungen

und die Möglichkeit hat, sich etwas anzuschaffen,

dann sollte man es tun, sofern es die Lebensfreude

steigert.» |

Ausstellung im Kunstmuseum

«Von Monet bis Picasso» lautet der Titel der Ausstellung im Kunstmuseum

Liechtenstein, welche die Meisterwerke aus der Sammlung

Batliner zeigt. Die Sammlung von Rita und Herbert Batliner zählt mit

rund 500 Werken der Klassischen Moderne und zeitgenössischen

Kunst zu den grössten Privatsammlungen Europas. Mit der Ausstellung

im Kunstmuseum Liechtenstein wird die Sammlung Batliner, die

sonst in der Albertina in Wien zu sehen ist, zum ersten Mal in Liechtenstein

präsentiert.

Die Ausstellung wird am 4. Oktober eröffnet und dauert bis zum

1. Dezember 2013.

SEPTEMBER 2013


BRIEFMARKEN

24

25

Zotow-Briefmarken

gemeinsam mit Russland

Von Günther Meier

Philatelie Liechtenstein hat eine weitere Serie von Gemeinschaftsbriefmarken

herausgegeben. Die beiden Briefmarken, die gemeinsam in Russland und

in Liechtenstein erscheinen, würdigen den Emigranten Eugen Zotow, der einige

Jahre auch in Liechtenstein lebte.

«Mit zwei Briefmarken, die an

den russischen Maler, Zeichner, Grafiker, Fotografen

und Philosophen erinnern, wird in der aktuellen

Ausgabe die Freundschaft zwischen den beiden

Ländern Russland und Liechtenstein gewürdigt»,

schreibt die Philatelie Liechtenstein. Seit dem 2.

September 2013 können Briefe in

Schon Mitte der 1990er-

Russland und Liechtenstein mit

Zotow-Briefmarken frankiert

Jahre beschlossen Liechtenstein

und Russland einen

werden. Die in beiden Ländern

gültigen Postwertzeichen wurden

von der russischen Post gestaltet

und zeigen einerseits das

kulturellen Austausch

frühe Werk «Argonautenfahrt»

mit der Wertstufe 1,40 Franken, das von Zotow im

Jahre 1909 geschaffen wurde und einen Ausschnitt

aus der abenteuerlichen Reise des griechischen Königsohns

Jason mit seinen Gefährten, den Argonauten,

zeigt. Die Briefmarke mit der Wertstufe

2,60 Franken zeigt andererseits

das Gemälde «Silum», das Zotow

im Jahre 1945 malte. In Liechtenstein

erschienen die Marken auf

Deutsch, in Russland gelangten

die Postwertzeichen in Kyrillisch

zur Ausgabe.

Wer ist Eugen Zotow oder Ivan

Grigorjewitsch Miassojedoff? Eugen

Zotow kam am 4. Juli 1938

mit seiner Frau Malvina nach

Liechtenstein, auf Einladung von

Antonie Ulmann, einer in Liech-

Foto: Landesarchiv

Eugen Zotow auf einem Bild, das

während seines Aufenthalts

in Liechtenstein gemacht wurde.

tenstein lebenden Staatsbürgerin Russlands. Bis er

nach Liechtenstein ins Exil kam, hatte der als Ivan

Grigorjewitsch Miassojedoff im Jahr 1881 geborene

Russe ein bewegtes Leben mit verschiedenen Stationen

hinter sich. Als junger Mann absolvierte Zotow

eine Ausbildung in Malerei und Bildhauerei,

verdiente mit dem Verkauf seiner Arbeiten den Lebensunterhalt

und modellierte seinen Körper als

Schwerathlet, was ihm Auftritte als Ringer im Zirkus

ermöglichte. Für sein Monumentalgemälde

«Argonautenfahrt», das auf einer der Briefmarken

abgebildet ist, erhielt Zotow eine Auszeichnung.

Aufgrund seines Studiums an der Kaiserlichen

Akademie der Künste in St. Petersburg kann er sich

1917, als die Revolution in Russland die jungen

Männer an die Waffen rief, von der Armee befreien

lassen. Die Revolution war dennoch der Ausgangspunkt

für ein Leben auf der Flucht: Von St. Petersburg

auf die Krim, von dort nach Istanbul und

Triest, dann nach Deutschland. Im Berliner Exil

nimmt er den Namen Eugen Zotow an, den Nachnamen

Zotow von seinem Taufpaten, den Vornamen

Eugen nach der Bedeutung «Der Wohlgeborene».

Von 1938 bis 1953 lebt Eugen Zotow in Liechtenstein,

arbeitet als Porträtist, als Landschaftsmaler

und Gebrauchsgrafiker, der seine Werke mit

«Prof. E. Zotow» oder «Eugen Zotow» signiert. Er

erhält auch Aufträge der Regierung und entwirft

Briefmarken, beispielsweise die drei Huldigungsmarken

für Fürst Franz Josef II. Einschneidend in

seinem Exilleben in Liechtenstein war der Vorwurf

der Schweizer Bundesanwaltschaft, Zotow habe

liechtensteinische Pässe und schweizerische Banknoten

gefälscht, was zur Anklage und Verurteilung

führte. In dieser Zeit bereitet Zotow seine Auswanderung

nach Argentinien vor, im Frühjahr 1953


Die Gemeinschaftsbriefmarke

Liechtenstein –Russland

nach einem Gemälde von

Eugen Zotow.

tritt er mit seiner Frau die Reise

an. Während der Überfahrt erkrankt

Zotow und stirbt nach

kurzem Aufenthalt im neuen Exil am 27. Juli 1953.

Facetten der Beziehungen

Liechtensteins zu Russland

Warum gerade eine Gemeinschaftsbriefmarke

mit Russland, zumal sich bisher

die Beziehungen zwischen Liechtenstein und Russland

in einem bescheidenen Rahmen bewegten?

Schon Mitte der 1990er-Jahre beschlossen die beiden

Länder einen verstärkten kulturellen Austausch.

Einmal, vor 15 Jahren, spielte auch Eugen

Zotow eine Rolle, als die damalige Aussenministerin

Andrea Willi am 17. April 1998 in Moskau

die Ausstellung «Ivan Miassojedoff/Eugen Zotow –

Spuren eines Exils» eröffnete. Vorher beschränkten

sich die Beziehungen auf einige Kontakte, einmal

stellte sich Liechtenstein sogar offiziell den

Moskauer Machthabern entgegen. Nach dem Einmarsch

der Sowjetunion in Afghanistan schloss

sich Liechtenstein dem Olympia-Boykott vieler

westlicher Staaten an. Ausserdem beschlossen Regierung

und Landtag damals, auf die Herausgabe

der geplanten Olympia-Briefmarken zu verzichten.

Nach dem Zerfall des Sowjetreiches kam es zwischen

Liechtenstein und Russland zu einigen offiziellen

Kontakten. So wurde 2006 ein Honorarkonsulat

der Russischen Föderation in Liechtenstein

eröffnet. Drei Jahre später präsentierten sich

das Fürstenhaus und Liechtenstein mit der Biedermeier-Ausstellung

im Moskauer Puschkin-Museum,

die von Fürst Hans-Adam II. und Aussenministerin

Aurelia Frick eröffnet wurde, während

Erbprinz Alois dem Präsidenten der Russischen

Föderation, Dmitry Medvedev, einen offiziellen

Besuch abstattete. Die Absichtserklärung über eine

kulturelle Zusammenarbeit wurde schon im Jahr

1996 abgegeben, als das Fürstenhaus die Sokolow-

Dokumentation gegen das in Moskau aufgefundene

Archivmaterial des Hauses Liechtenstein austauschte.

Philatelie Liechtenstein und

Gemeinschaftsbriefmarken

Die gemeinsame Herausgabe von

Briefmarken mit Russland reiht sich in die bereits

längere Liste von Gemeinschaftsbriefmarken. Philatelistische

Kooperationen gab es in der Vergangenheit

schon mit der Schweiz, mit Österreich,

Deutschland, China und Costa Rica. Unterschiedliche

Beweggründe waren es jeweils, die zu den Gemeinschaftsbriefmarken

führten. Im Fall der Zotow-Briefmarken

schliesst sich der Kreis auf eine

besondere Weise, denn der Emigrant Eugen Zotow

hatte schon Briefmarken für seine liechtensteinische

Wahlheimat geschaffen. Nun, 60 Jahre nach

seinem Tod, erscheinen Briefmarken mit zwei seiner

Gemälde auch in seiner Heimat Russland. |

Zotow-Buch im Buchzentrum

Über die illustre Persönlichkeit von Zotow gibt es ein Buch das 1997

erschienen ist. Das Buch mit dem Titel «Ivan Miassojedoff/Eugen

Zotow – Spuren eines Exils» ist von der Prof. Eugen Zotow-Ivan

Miassojedoff-Stiftung herausgegeben worden. Erhältlich ist das reich

bebildete Buch im Buchzentrum: www.buchzentrum.li

SEPTEMBER 2013


HISTORIKERKOMMISSION

26

Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte

Liechtensteinisch-Tschechische Historikerkommission

Das «Grenzschlösschen» in Im Zuge der tschechoslowakischen

Bodenreform nach dem

Hlohovec (Bischofswarth) in der

Tschechischen Republik, das Ersten Weltkrieg und der Totalkonfiskation

nach dem Zweiten

1826/27 unter Fürst Johann I.

von Liechtenstein erbaut wurde. Weltkrieg wurde das Fürstenhaus

Liechtenstein und weitere

37 liechtensteinische Staatsbürger ohne Entschädigung

enteignet. Das Klima zwischen Liechtenstein

und der Tschechoslowakei (und ebenso zwischen

den Nachfolgestaaten Tschechische Republik und

Slowakische Republik) blieb deshalb über Jahrzehnte

frostig, die Beziehungen waren blockiert.

Erst 2009 kam Bewegung in diese Beziehungen, als

die bilateralen Beziehungen zwischen Liechtenstein

und der Tschechischen Republik mit einer

«Gemeinsamen Erklärung» auf eine neue Grundlage

gestellt wurden.

Liechtenstein und Tschechien vereinbarten

damals auch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

Für die Tschechische Republik ist seit 2011

Blick in die Vergangenheit

Die Liechtensteinisch-Tschechische Historikerkommission hat von

2011 bis 2013 vier wissenschaftliche Tagungen durchgeführt. Von

den ersten beiden Tagungen liegen bereits gedruckte Bände vor.

n «Liechtensteinische Erinnerungsorte in den böhmischen Ländern»

n «Liechtenstein – Kontinuitäten – Diskontinuitäten».

Beide Bücher sind im Buchzentrum erhältlich. www.buchzentrum.li

Foto: Historikerkommission

der in der Schweiz residierende Botschafter auch in

Liechtenstein akkreditiert, während Liechtenstein

die Botschafterin in Österreich, Maria-Pia Kothbauer,

als nichtresidierende Botschafterin in der

Tschechischen Republik akkreditierte.

Liechtenstein und die Tschechische Republik

beschlossen 2009, eine gemeinsame Historikerkommission

einzusetzen, deren Arbeit einen Beitrag

zum gegenseitigen Verständnis der gemeinsamen

Geschichte leisten und eine tragfähige Basis

für eine zukünftige Zusammenarbeit legen soll.

Am 25. Oktober 2010 unterzeichneten die liechtensteinische

Aussenministerin Aurelia Frick und der

Aussenminister der Republik Tschechien, Fürst

Karl Schwarzenberg, die Ernennungsschreiben für

die Mitglieder der Historikerkommission.

Die Historikerkommission, die unter der Leitung

von Peter Geiger steht, führte von 2011 bis

2013 vier wissenschaftliche Tagungen durch, deren

Ergebnisse in Büchern zusammengefasst werden.

Bereits sind zwei Tagungsbände in den Sprachen

beider Länder erschienen, drei weitere Bände sollen

folgen. Die Historikerkommission, deren Mandat

bis Ende 2013 befristet ist, wird zum Abschluss

ihrer Tätigkeit auch einen «Synthesebericht» vorlegen,

der die Erkenntnisse aus den wissenschaftlichen

Tagungen und den Forschungsaufträgen,

die zusätzlich an Historiker erteilt wurden, zusammenfassen

wird.

Im ersten Tagungsband «Liechtensteinische

Erinnerungsorte in den böhmischen Ländern»

schreiben die Herausgeber, dass in den Beiträgen

«das erhebliche Gewicht, welches das Haus Liechtenstein

in den böhmischen Ländern bis zur Entstehung

der Tschechoslowakei besass», zum Ausdruck

komme. Ebenso werde deutlich, dass das

«abgelegene Fürstentum Liechtenstein» von grösserer

Bedeutung gewesen sei, als seine Kleinheit vermuten

liesse. Die Themen beider Tagungsbände

sind weit gespannt und stellen den Einfluss des

Fürstenhauses Liechtenstein, das seit dem Spätmittelalter

in Böhmen und Mähren präsent war, in Politik,

Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft dar. |

SEPTEMBER 2012


PORTRÄT

Peter Rutz

Ride for Help

27

Der Verein «Ride for Help» unterstützt mit den

Spendengeldern Hilfsprojekte für Strassenkinder

Exakt 747 Kilometer mit rund 7000 Höhenmetern

schaffte Rainer Kiworra in etwas mehr als 30

Stunden. Der Extremsportler legte diese Strecke

nicht auf irgendeiner Rennstrecke zurück, sondern

durchfuhr auf einer Rundreise nicht weniger

als neun Länder – angefangen in Italien über die

Schweiz, Liechtenstein und Österreich bis

Deutschland und in die Benelux-Länder. Nicht

nur die Bewältigung einer sportlichen Herausforderung

war sein Ziel, vielmehr diente seine Europafahrt

mit dem Rennrad einem guten Zweck: Vor

dem Start, während der Fahrt und nach dem erfolgreichen

Abschluss wurden Spenden für Strassenkinder-Projekte

in der Mongolei gesammelt.

Hinter dem Hilfsprojekt steht der Verein

«Ride for Help» mit Sitz in Mauren, der 2009 mit

dem Ziel gegründet wurde, soziale Projekte und

insbesondere Hilfsprojekte für Kinder zu unterstützen.

Als Präsident des Vereins amtiert Peter

Rutz, dessen lange und erfolgreiche Präsidentschaft

beim Liechtensteinischen Radfahrerverband

eine ausgezeichnete Voraussetzung war, um

einen Rennfahrer und Sponsoren für einen guten

Zweck unter einen Hut zu bringen. Die Idee von

Rainer Kiworra, mit Hilfe einer extremen Leistung

im Sport die Leute anzuregen, Geld für Hilfsprojekte

zu spenden, faszinierte Peter Rutz, so

dass er sich bei der Vereinsgründung als Präsident

zur Verfügung stellte. Inzwischen konnten bekannte

Sportlerpersönlichkeiten für das Patronatskomitee

des Vereins, wie die liechtensteinische

Ski-Legende Marco Büchel und der Schweizer

Ex-Profi Tony Rominger, gewonnen werden.

Rainer Kiworra startete 2011 beim wohl härtesten

Radrennen der Welt, dem «Race across America»,

bei dem von der West- zur Ostküste Amerikas

fast 5000 Kilometer zurückzulegen sind. Der in

Schaanwald wohnhafte Extremsportler erreichte

das Ziel in 10 Tagen und 10

Stunden, womit er sich auf dem

10. Rang platzieren konnte. Für

das Projekt «Race across America»

konnte Peter Rutz einige

namhafte Sponsoren in Liechtenstein gewinnen,

mit deren Hilfe das Projekt durchgeführt werden

konnte. Die Spenden, die beim «Race-across-

America-Projekt» beim Verein eintrafen, beliefen

sich auf rund 50'000 Franken.

Spenden können dem Verein

«Ride for Help» auf die verschiedensten

Arten zugeleitet werden,

neben den üblichen Banküberweisungen

und Einzahlungsscheinen

auch über das Handy:

Per SMS eine Nummer wählen

und den Spenderbetrag eintippen.

Peter Rutz schätzt an Rainer

Kiworra, dass der Extrem-

Präsident des Vereins

Peter Rutz

sportler nicht nur Strapazen auf

«Ride for Help»

sich nimmt, um Kinderhilfswerke

zu unterstützen, sondern sich auch persönlich

um die Spenden vor Ort kümmert. Im vergangenen

Herbst reiste Rainer Kiworra in die Mongolei,

um das Hilfsprojekt für Strassenkinder zu besuchen,

das dort von der Organisation «World

Vision – Eine bessere Welt für Kinder» betreut

wird. Seine Eindrücke schilderte er auf der Website

des Vereins in einem Tagebuch, das jetzt noch

gelesen werden kann. Rainer Kiworra zieht es aber

bereits wieder auf das Rennrad, denn mit einem

«24-Stunden-Rennen» in Kalifornien steht im

November das nächste Rennen an, das wiederum

einem sportlichen Härtetest und gleichzeitig einer

Spendenaktion für das Strassenkinder-Projekt

gilt. Fernziel ist die erneute Teilnahme am «Race

across America» im nächsten Jahr.

Weitere Informationen: www.rideforhelp.li |

Foto: Günther Meier

SEPTEMBER 2013


RÄTSEL-SPASS

28

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Der Gewinner / die Gewinnerin wird durch den Alpenland

Verlag schriftlich benachrichtigt. Der Name des Gewinners / der

Gewinnerin wird unter www.dermonat.li sowie in der nächsten

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SEPTEMBER 2013


Alle haben es –

Alle brauchen es

September 2013

Ausstellungen

André Thomkins. Eternal Network

bis 15. September 2013

Ein Produkt der Gutenberg AG

T +423 239 50 50 • www.gutenberg.li

über 500 Werke

im Online-ShOp

ars viva 12/13. Systeme

bis 6. Oktober 2013

Ilja Tschaschnik. Aus der Sammlung der Sepherot Foundation

5. September bis 15. Dezember 2013

Veranstaltungen

Sonntag, 1. September 2013, 10–17 Uhr

Familie Reiseziel: Museum!

Sonntag, 1. September 2013, 11 Uhr

Führung Eine Stunde: André Thomkins. Netzwerke:

Heutzutage ist nichts ausgeschlossen für denjenigen,

der seine Wahl nicht getroffen hat

mit Dagmar Streckel

Dienstag, 3. September 2013, 14–16 Uhr

Kunst 60 plus André Thomkins. Eternal Network

mit Barbara Redmann, ohne Anmeldung

Donnerstag, 5. September 2013, ab 18 Uhr

Vernissage und Konzert

Ilja Tschaschnik. Aus der Sammlung der Sepherot Foundation

Donnerstag, 19. September 2013, 18 Uhr

Kunstmuseum Spezial

Carte Blanche

mit Matthias Frick

in Kooperation mit der Liechtensteinischen Kunstgesellschaft

Donnerstag, 19. September 2013, 20 Uhr

Filmclub im Kunstmuseum Pi

von Darren Aronofsky, USA, 1998, 80’, E/d

Städtle 32, 9490 Vaduz

Tel +423 235 03 00

www.kunstmuseum.li

Alpenland Verlag AG Telefon +423 239 50 30

Feldkircher Strasse 13 Fax +423 239 50 31

Fl-9494 Schaan www.buchzentrum.li

KUNSTMUSEUM

LIECHTENSTEIN


SCHLUSSPUNKT

30

Adrian Hasler

Gemeinsame Wertebasis

Das Europäische Forum Alpbach stand dieses Jahr unter dem

Motto Erfahrungen und Werte. Zahlreiche Politiker und Wirtschaftstreibende

aus ganz Europa diskutierten darüber, was die

Grundfeste unserer Gesellschaft in Zukunft ausmachen soll.

Warum gerade jetzt eine Wertediskussion,

wird sich so mancher

Fragen. In Zeiten der Kri-

Im Spannungsfeld zwischen Privatsphäre, Gerechtigkeit, Solidarität

se, bei sinkenden Staatseinnahmen,

in Schieflage geratenen

und Verantwortung wird derzeit um Steuereinnahmen gerungen

Staatshaushalten, steigender Arbeitslosigkeit und Euroskeptizismus

– gibt es da für Politiker nichts Wichtigeres wie eine Wertediskussion?

Gerade in der Krise, in Zeiten rascher Veränderungen, ist das Finden

der gemeinsamen Basis, des Fundaments des

Handelns, von zentraler Bedeutung. Die Krise ist

nichts anderes als ein akuter und massiver Zweifel.

Der Grundwert symbolisiert hier das Unbezweifelbare,

das man den wirtschaftlichen und

sozialen Veränderungen entgegenstellen kann.

Werte spielen in diesen Zeiten rascher Veränderung

eine zentrale Rolle. Sie sind normierend und

motivierend gleichermassen, sie geben Orientierungsgrösse,

stiften Sinn und gewähren Zukunftsperspektiven.

Adrian Hasler

Es ist nichts Neues, dass wir in Zeiten rascher

Regierungschef des Fürstentums Veränderung die Bedeutung und damit auch den

Liechtenstein

Stellenwert einzelner Werte neu justieren. In den

1970er-Jahren führten Umweltverschmutzung

und Schadstoffausstoss zu einem gesellschaftlichen Umdenken

und einer Orientierung hin zum Erhalt von natürlichen Ressourcen.

Ein ähnlicher Wandel findet heute – allerdings unter anderen

Vorzeichen – im Finanzsektor statt. In einem Spannungsfeld

zwischen Privatsphäre, Gerechtigkeit, Solidarität und Verantwortung

wird derzeit um Wertschöpfung und Steuereinnahmen gerungen.

Natürlich stehen Werte oftmals in Konflikt zueinander. Die

Spannungsfelder Freiheit und Sicherheit, Wohlstand und Nachhaltigkeit

stehen hier beispielhaft. Auch hier ringen wir um die Feinjustierung,

wie die Debatten um die Sanierung des Staatshaushaltes

beweisen. Vielleicht sollten wir alle auch einmal inne halten

und uns die Frage stellen, wo wir sind und wo wir als Gesellschaft

hin wollen. Ein gemeinsames Verständnis der Eckpfeiler unserer

Gesellschaft wird so manche notwendige Reform verständlicher

machen. |

Foto: Günther Meier

SEPTEMBER 2013


Die Büchermacher

aus dem Alpenland Verlag

Abbildung aus «Panorama Liechtenstein» (Foto: Marco Nescher)

Mit dem Bildband «Panorama Liechtenstein»

ist im Alpenland Verlag in

Schaan ein Werk erschienen, das teils

verborgene Schönheiten des Landes

in 33 fantastischen Panoramabildern

zeigt. Der Betrachter wird in diesem

Buch an Orte herangeführt, die einen

einzigartigen Rundblick ermöglichen

und zum Bestaunen verleiten.

«Panorama Liechtenstein», bietet gerade

auch für Unternehmen ungewöhnliche

Möglichkeiten. Mit seinem handlichen

Format ist der Bildband ein ideales Geschenk,

um Kunden zu erfreuen. Die

Wertschätzung kann mit einem schönen

Buch auf sympathische Art dokumentiert

werden. Das 80-seitige Buch, im Format

22 × 15,8 cm gehalten, ist in acht Sprachen

erschienen und für 18 Franken erhältlich.

Ein Buch zum Firmenjubiläum

Im Alpenland Verlag werden jährlich mehrere

Bücher produziert. Teils erscheinen

diese im eigenen Verlag, teils aber auch

im Auftrag von Drittkunden. So bieten

auch Firmenjubiläen immer wieder einen

willkommenen Anlass, um auf exklusive

Art auf die Firmengeschichte hinzuweisen.

Ein Jubiläumsbuch zu produzieren,

ist eine herausfordernde Aufgabe, bietet

aber die Chance, Unternehmenskommunikation

auf hohem Niveau zu betreiben.

Zielgerichtete Unterstützung

Ein Buchprojekt will gut durchdacht sein.

Das beginnt schon bei der Marktbeurteilung,

der Finanzierung und der Konzeptionierung.

Für den Text- und Bildteil werden

teils externe Spezialisten beigezogen.

Ebenso wichtig ist die Phase der Gestaltung,

Umsetzung und der Produktion. Als

Partner für sämtliche Verlagsleistungen

bietet der Alpenland Verlag ebenfalls

den Vertrieb über den eigenen Onlineshop

«buchzentrum.li» und über weitere

Kanäle an und besorgt die Lagerhaltung.

Selbstverständlich können die Leistungen

auch entsprechend den Bedürfnissen

jedes einzelnen Kunden nach dem Baukastenprinzip

bezogen werden.

Alpenland Verlag AG

Max Meinherz, Geschäftsleiter

Feldkircher Strasse 13

9494 Schaan

Telefon +423 239 50 31

office@alpenlandverlag.li


VON DER IDEE BIS ZUR UMSETZUNG

Als Print- und Medienunternehmen führen wir Botschaften zum Erfolg.

Kompetent. Persönlich. Flexibel. Preis- und qualitätsbewusst.

Gutenberg printing performance

Innovative Partner – hochwertige Verlagsobjekte:

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