Die Geschichte eines Hauses: das Sankt-Georg-Stift

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Die Geschichte eines Hauses: das Sankt-Georg-Stift

querbeet

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Die Bildung, Erziehung und

Förderung von Kindern hat einen

hohen Stellenwert.“ Fred Mente

Das Mitarbeiterjournal des Diakoniewerks

im nördlichen Mecklenburg

Die Geschichte eines Hauses:

das Sankt-Georg-Stift


Einrichtungsleiterinnen

Manuela Eggert 41 Jahre,

zwei Kinder, wohnt in Hornstorf

Seit wann sind Sie im Diakoniewerk?

Ich arbeite seit dem 1. November 2000

im Diakoniewerk im Betreuten Wohnheim

„Tu Hus“.

Wie sieht Ihr beruflicher Alltag aus?

Mein beruflicher Alltag ist sehr abwechslungsreich

bei der Begleitung

und Betreuung suchtmittelabhängiger

Menschen. So beinhaltet mein Arbeitstag

die unterschiedlichsten Arbeiten:

das Begleiten zu Behörden, die Anleitung

und Unterstützung der Bewohner

in der Arbeitsbeschäftigung und eine

gemeinsame Freizeitgestaltung mit

den Bewohnern des Hauses – alles

Dinge im Grunde genommen, um den

Bewohnern eine Stütze zu sein auf

ihrem weiteren Weg.

Was macht Ihnen bei der Arbeit am

meisten Spaß?

Der Umgang und der direkte Kontakt

zu denen, die meine Unterstützung

und Hilfe annehmen möchten. Menschen

in schwierigen Lebenslagen zu

unterstützen und Veränderung beobachten

zu können.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Am liebsten halte ich mich in der

Natur auf, viel Fahrrad fahren, lange

Spaziergänge am Strand, ich gestalte

gerne mit Naturmaterialien und Holz.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Für die Zukunft wünsche ich mir Gesundheit

für all meine Lieben. Ich

wünsche mir, dass ich weiterhin mit so

vielen interessanten Menschen zusammen

arbeiten kann und mehr Verständnis

unter den Menschen.

Was bedeutet für Sie Glück?

Glück bedeutet für mich unter anderem

meine Kinder aufwachsen zu

sehen, Glück bedeutet für mich alles

bewusst erleben zu können, um auch

zu sehen und zu fühlen, dass ich

Glück habe.

Sabine Freitag 47 Jahre,

verheiratet, ein Sohn, wohnt in Zepelin

Seit wann sind Sie beim Diakoniewerk?

Seit dem 25. März 2001.

Wie sieht ihr beruflicher Alltag aus?

Ich begrüße die Heimbewohner in

Alt Karin nach ihrem anstrengenden

Arbeitstag in der WfbM. Wir reden

über die Ereignisse des Tages, Probleme,

Wünsche und Termine. Ich

gebe Hilfe und Anleitung bei den zu

erledigenden Diensten (Wir kochen

selbst, waschen und putzen). Wenn

möglich, werden Einkäufe mit den

Bewohnern gemacht, Friseur- oder

Arztbesuche erledigt. Nach dem

Abendessen ist Zeit für persönliche

Gespräche, Bastelarbeiten und die

Anleitung zur Körperpflege – im

Sommer auch für kurze Radtouren

oder Spaziergänge. Außerdem gestaltet

ich den Dienstplan und bereite

Teamsitzungen vor. Ich bin Ansprechpartner

für meine Kollegen und

versuche, für alle da zu sein, die

meine Hilfe brauchen.

Was macht Ihnen bei der Arbeit am

meisten Spaß?

Dass es nie langweilig ist. Die Bewohner

überraschen uns jeden Tag aufs

Neue und freuen sich, wenn man

kommt.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich fahre Rad, lese und koche und

backe sehr gern.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Weiterhin so viel Freude an der Arbeit

und dass wir gemeinsam für Menschen

mit Behinderungen noch viel erreichen

können. Persönlich wünsche

ich mir weiterhin Gesundheit und viele

schöne Stunden mit der Familie (vielleicht

klappt es ja bald mit OMA).

Was bedeutet für Sie Glück?

Menschen um mich zu haben, die mir

viel bedeuten und denen ich etwas

bedeute.

Monika Kebschull 53 Jahre,

verheiratet, zwei Kinder, lebt in

Grevesmühlen

Seit wann sind Sie beim Diakoniewerk?

Seit dem 1. August 1992. Zuerst war ich

im Kindergarten tätig, dann im Wohnbereich

für Menschen mit geistiger Behinderung

in Kirch-Mummendorf. Seit 1995

leite ich das St.-Georg-Stift.

Wie sieht ihr beruflicher Alltag aus?

In meiner täglichen Arbeit geht es

darum, die Zusammenarbeit der Mitarbeiter

zu koordinieren und damit eine

harmonische und konstruktive Atmosphäre

zu schaffen, in Teamberatungen

mit Kollegen ins Gespräch zu

kommen und Probleme zeitnah zu

lösen. Jeden Tag sehe ich es als eine

wichtige Aufgabe an, die Interessen

der Kunden, die in unserer Einrichtung

ihr Zuhause haben, zu verstehen und

ihre Bedürfnisse und Lebenspotentiale

wahr und erst zu nehmen.

Was mach Ihnen bei der Arbeit am

meisten Spaß?

Wenn ich in der Wohngruppe tätig sein

kann und merke, dass sich die Bewohner

auf mich freuen und mit Problemen

und Anliegen zu mir kommen.

Was machen Sie in ihrer Freizeit?

Ich bin gerne kreativ tätig, mache viele

Geschenke selber. Seit einem Jahr

tanze ich in einer Line-Dance-Gruppe.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Das möchte ich mit zwei Versen

sagen: Arbeit, die zufrieden macht,

eine Seele, die oft lacht. Gesundheit,

Glück und Wohlergehen, doch schlechte

Zeiten auch annehmen. Mit gutem

Mut in die Zukunft schauen und dazu

auch auf Gott vertrauen.

Was bedeutet für Sie Glück?

Wenn in meiner Familie alle gesund

sind und wir ein harmonisches Miteinander

haben. Beziehungen zu anderen

Menschen, Freundschaft und

Geselligkeit.

2 querbeet 1 /2007


Editorial

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

gern nehme ich an dieser Stelle Gelegenheit,

um auf einige aktuelle Entwicklungen

und Projekte in unserem

Diakoniewerk einzugehen. In Schönberg

konnten Kinder und Erzieherinnen

der Kindertagesstätte „Die Kirchenmäuse“

noch im Dezember in die

vollständig umgebaute und erweiterte

Einrichtung einziehen. Gleichzeitig

wurde mit der Sanierung des ehemaligen

Landratsamtes in Schönberg begonnen,

in das unsere Evangelische

Inklusive Grundschule im Sommer

dieses Jahres einziehen wird.

Zum 1. Januar 2007 haben wir

die Trägerschaft der Kindertagesstätte

„Schlossgeister“ in Mühlen-Eichsen

von der Gemeinde übernommen.

Damit trägt unser Diakoniewerk nunmehr

die Verantwortung für sechs

Kindertagesstätten. Wir unterstreichen

hiermit – nicht zuletzt auch vor

dem Hintergrund der aktuellen politischen

Diskussion – den Stellenwert,

dem die Bildung, Erziehung

und Förderung von Kindern ebenso

wie die Unterstützung von Familien

in der Arbeit unserer Einrichtungen

zukommt. Ein Projekt möchte ich erwähnen,

das noch ein wenig in den

Kinderschuhen steckt: „Wismarer

Mittagstisch mit Leib und Seele“ – so

lautet der Arbeitstitel, unter dem

sich Wismarer Kirchgemeinden, die

Wismarer Tafel e.V., der Ökumenische

Kirchenladen e.V. und unser

Diakoniewerk mit dem Ziel zusammengefunden

haben, für bedürftige

Menschen in Wismar eine

warme Mittagsmahlzeit anzubieten.

1 /2007 querbeet

Bereits jetzt bin ich beeindruckt von

dem ehrenamtlichen Engagement,

das sich hier abzeichnet. Neben den

vorgenannten und manch anderen

nicht näher angeführten Projekten

möchte ich jedoch auch nicht verschweigen,

dass wir zum zweiten

Mal in unserer bald 15-jährigen Geschichte

nach Abwägung aller Gesichtspunkte

gezwungen sind, aus

wirtschaftlichen Gründen eine Einrichtung

zu schließen. Zum 1. April

2007 wird unsere Sozialstation in Proseken

ihren Betrieb einstellen, die

dort beschäftigten Mitarbeiterinnen

werden in die Sozialstation Wismar

übernommen. Ihnen gilt mein Dank

und meine Anerkennung für die in

hoher Qualität geleistete Arbeit!

„Wir handeln wirtschaftlich verantwortlich

und entwickeln unsere

Einrichtungen und Dienste dort bedarfsgerecht,

wo sie zur Leistungsfähigkeit

und wirtschaftlichen Stabilität

des Diakoniewerks beitragen“ –

so lautet eines unserer Leitziele. Bei

aller Weiterentwicklung, die unserer

Geschichte immanent ist, schließt

dies auch ein, kritisch zu überprüfen,

an welcher Stelle und mit welchen

Folgen für das Diakoniewerk als Ganzes

unser Engagement vor Ort aufrecht

erhalten werden kann. Ich bin

überzeugt, dass es uns auch in der

Zukunft gemeinsam gelingen wird,

hier rechtzeitig die richtigen Entscheidungen

zu treffen.

Seien Sie herzlich gegrüßt

Ihr Fred Mente

Inhalt

Vorstellung der

Einrichtungsleiterinnen

2/11

Gemeinsam auf

Entdeckungsreise 4

Nachts aufs Achse 5

Die Geschichte

des St.-Georg-Stift 6

Eine Stütze für andere 7

Der Kreuzweg 8

Die Tagesstätte

„de Bark“ 9

Info der

Mitarbeitervertretung 10

Rätsel 12

3


Freizeitmassnahmen

bald der Wunsch, nicht nur den Alltag

miteinander zu verbringen, sondern

auch mal Urlaub zu machen.

Schon 1993 fand der erste zehntägige

Urlaub in einem Rüstzeitheim in

Eisenach statt. Damals fuhren einige

mit einem VW-Bus, andere mit dem

Zug. Ein Teilnehmer kann sich noch

genau erinnern, dass sie die Wartburg

besucht haben. Und auf die

Frage, was sie damals so alles getan

haben, sagt er: „Na eben Urlaub gemacht!“.

Was inzwischen selbstverständlich

„Urlaub machen“ ist, hat

also mittlerweile gute Tradition.

Innerhalb von zehn Jahren hat

es jedoch, wie auch in anderen Bereichen,

eine rasante Entwicklung

in der Behindertenhilfe gegeben.

Während es unmittelbar nach der

Wende zunächst darum ging, Lebensbedingungen

deutlich zu verbessern,

vollzog sich in den letzten

Jahren ein Paradigmenwechsel in

der Behindertenhilfe. Stichwörter

hierzu sind „ambulant vor stationär“,

„partnerschaftlicher Umgang

auf Augenhöhe“, das Recht der Menschen

mit Behinderungen, Leistungen

und auch Anbieter zu wählen.

Gemeinsam auf Entdeckungsreise

Freizeitmaßnahmen oder besser Urlaub

für Menschen mit Behinderung

Freizeitmaßnahmen – mit diesem

ziemlich sachlichen Wort verbinden

viele Menschen, die in

den Wohnheimen des Diakoniewerkes

leben, ihren Höhepunkt des Jahres:

Urlaub! Und das unterscheidet

sich nicht von den Menschen, die

dafür keine so umfangreiche Unterstützung

brauchen.

Eines der ersten Häuser, die als

Wohnheim für Menschen mit Behinderung

eröffnet wurden, war das

„Pfarrhaus“ in Kirch-Mummendorf.

1992 kamen die ersten Menschen mit

Behinderungen aus Pflegeheimen

oder der elterlichen Familie in das

ehemalige Rüstzeitheim. Der leitende

Gedanke der Arbeit im Haus war zunächst

die Normalisierung der Lebensbedingungen.

Daraus ergab sich

Fotos: privat

So geht es nun darum, Schritt für

Schritt zu prüfen, wo wir uns entwikkeln

müssen. Wir haben uns 2004 folgende

Fragen zum Thema Freizeitmaßnahmen

gestellt: Warum müssen

Menschen, die das ganze Jahr gemeinsam

wohnen und zusammen arbeiten,

auch noch den Urlaub miteinander

verbringen? Warum bestimmen diejenigen

das Urlaubsziel, die in der Freizeitmaßnahme

arbeiten und nicht die,

die Urlaub machen? Warum ist ein Urlaubsziel

für alle Bewohner eines Hauses

gleich gut? Warum entscheidet die

Größe eines Hauses darüber, mit wie

vielen Menschen man in den Urlaub

fahren muss? Hilfreich war uns eine

Bild oben: Im Urlaub werden

natürlich Ausflüge unternommen.

Bild klein: Mit dem Schlitten

den Berg hinunter.

Bild rechts: Auch Spaziergänge

dürfen nicht fehlen.

4

querbeet 1 /2007


Jubiläum

Anregung des Diakonischen Trägers

in Weitin. Jährlich wird hier ein Katalog

erstellt, in dem Mitarbeiter Freizeitmaßnahmen

vorstellen, die sie in

diesem Jahr anbieten möchten. Das

hat uns sofort gefallen. Mitarbeiter

bieten das an, was sie gut können

oder womit sie schon mal gute Erfahrungen

gemacht haben. Schließlich

stehen nicht alle Anbieter von Ferienunterkünften

Menschen mit Behinderungen

aufgeschlossen gegenüber

oder aufgrund baulicher Bedingungen

eignet sich vieles z. B. für Rollstuhlfahrer

auch nicht. Die Idee war also

geboren, einen Urlaubskatalog zu gestalten.

Bewohner sollten mit ihren

gesetzlichen Vertretern, allein oder

mit Angehörigen je nach Vorliebe

und Geldbeutel wählen können, wo,

wann und mit welchen Mitarbeitern

sie den Urlaub verbringen möchten.

Die grobe Rahmenbedingungen waren

also gesetzt, dann ging es darum,

Mitstreiter zu finden, die sich engagieren

wollten. Auf ging es in die Teams,

die neuen Ideen zu verkünden! Doch

es gab nicht nur Begeisterung. Manch

einer sah die Chance, endlich mal in

Dänemark ein Haus mieten zu können,

Urlaub im Schnee zu machen

oder mal zu zelten. Doch andere

waren besorgt, in der Gruppe jemanden

begleiten zu müssen, den man

nicht kennt oder mit fremden Kollegen

zu fahren.

Insgesamt haben wir dank der

vielen engagierten Mitarbeiter aus

allen Wohnheimen einen ziemlich

bunten Katalog erstellen können. Inzwischen

wurde der kleine „Diakonie-

Alltours“ in diesem Jahr zum dritten

Mal erstellt. Wir sind ziemlich stolz

darauf. Für die Bewohner erschließen

sich neue Kontakte und Möglichkeiten,

verschiedene Varianten von „Urlaub

machen“ auszuprobieren.

1 /2007 querbeet

Katrin Weißel

Nachts

aufs

Achse

Renate Satzky

feiert 40-jähriges

Dienstjubiläum

Foto: Kerstin Schröder

Wenn viele andere den wohl

verdienten Feierabend genießen,

legt Renate Satzky erst richtig

los. Denn die 59-Jährige arbeitet als

Dauernachtwache im Schwerstpflege-

und Förderheim Grevesmühlen.

„Ich bin hier seit der Eröffnung

1999“, erzählt sie stolz. Pünktlich

um 20.30 Uhr beginnt ihr Dienst in

der Einrichtung Am Tannenberg.

Dann erledigt Renate Satzky „alles,

was so anfällt“. Dazu gehören regelmäßige

Kontrollgänge durch die

Zimmer, um zu schauen, ob alles in

Ordnung ist. Das bedeutet für sie

„Treppe rauf, Treppe runter“,

schließlich gibt es drei Stationen

mit jeweils zwölf Bewohnern.

Außerdem müssen die Wäschekammern

aufgeräumt, die Rollstühle

sauber gemacht und den Diabetikern

kleine Häppchen gereicht werden.

„Auch nachts gibt es viel zu

tun“, betont die Grevesmühlenerin.

Angefangen hat Renate Satzky ihre

berufliche Laufbahn als Gärtnerin.

Doch sie plagt sich mit Gelenkschmerzen

und als im September

1966 ihre Tochter geboren wird,

sucht sie eine neue Herausforderung.

Deshalb fängt sie als Krippenerzieherin

im Säuglingsheim in

Degtow an und absolviert eine Qualifizierungsmaßnahme

an der medizinischen

Fachschule. „Wir haben

uns um Babys gekümmert, die abgegeben

wurden oder aus einem

schlechten Elternhaus stammten“,

erzählt Renate Satzky, die damals

für das Gesundheitswesen arbeitete.

Als sich das Anfang der 80er-

Jahre keine zwei Heime mehr leisten

kann und die Einrichtung in

Degtow schließt, wechselt sie in die

Förderstätte nach Grevesmühlen,

wo sie mit ihren Kollegen Drei- bis

18-Jährige betreut. Später geht es

dann nach Kalkhorst, wo im Schloss

eine Psychiatrie untergebracht ist.

„Dort war ich fünfeinhalb Jahre“, berichtet

Renate Satzky. Am 1. März

hat sie ihr 40-jähriges Dienstjubiläum

gefeiert. Noch bis zur Rente

will die Grevesmühlenerin, wenn die

Gesundheit mitspielt, ihren Job ausüben,

obwohl das Arbeiten in der

Renate Satzky (59) hat am 1. März ihr

40-jähriges Dienstjubiläum gefeiert.

Nacht gewöhnungsbedürftig ist. „Im

Urlaub habe ich Schwierigkeiten,

tagsüber wach zu bleiben“, erzählt

sie. Die erste Zeit sei dann nicht viel

mit ihr los. Doch wenn sie den

Rhythmus gefunden hat, entspannt

sich Renate Satzky bei der Handarbeit,

strickt Strümpfe oder setzt sich

an die Nähmaschine. Und sie genießt

die Zeit mit ihren zwei Kindern und

vier Enkeln.

Kerstin Schröder

5


Chronik

Geschichte eines Hauses:

das St.-Georg-Stift

Vom Hospital zum Heim für Menschen

mit körperlicher und geistiger Behinderung

Schon seit der Gründung der

Stadt bestand ein so genanntes

„Hospital“, das als Siechenhaus mit

seinen Folgeeinrichtungen als „St.-

Jürgen-Stift“ oder „St.-Georg-Stift

bis in unsere Zeit überdauert hat.

13. Jahrhundert: Das „St. Jürgen“ im

Börzower Weg (das so genannte Hospial)

wurde aus Sicherheitsgründen

außerhalb der Stadtgrenze gebaut. Einrichtungen

wie diese waren von der

Wohltätigkeit anderer abhängig.

17. Jahrhundert: Im „St. Georg Armenhaus“,

wie man es damals nannte,

wohnten sechs Personen. Etwa 150

Meter hinter dem Siechenhaus lag die

„St. Georg Huf“, die zur so genannten

Meyenhufen gehörte. Zwei Meyenhufen

gab es in Grevesmühlen, die „Zum

Heiligen Geist“ und „St. Jürgen“.

19. Jahrhundert: Die Einrichtungen dienten

für Arme als Wohnsitz. Sie besaßen

das Recht, in Grevesmühlen Almosen

zu sammeln. Durch dieses Privileg

konnte das Siechenhaus die Existenz

dieser Einrichtungen einigermaßen sichern.

Es wird vermutet, dass zu dem

Zeitpunkt die „St. Georg Stiftung“ ins

Leben gerufen wurde. Zu jener Zeit befand

sich das „St. Georg Stift“ im Börzower

Weg in einem sehr schlechten,

baufälligen Zustand.

Heidrun Zander puzzelt gerne.

Fotos: Kerstin Schröder

Januar 1863: Der Verwalter der Einrichtung

wies in einer Eingabe an

den Grevesmühlener Magistrat auf

die Baufälligkeit des Gebäudes hin.

Doch es fehlte das nötige Geld, um

den armen Leuten zu helfen.

Oktober 1863: Das jahrhunderte am

Börzower Weg gelegene Siechenhaus

brannte ab. Jetzt war es dringend notwendig,

ein neues Stift-Gebäude zu

bauen. Es existierte zum damaligen

Zeitpunkt noch ein baufälliges Armenhaus

in der Nähe der Kirche. So

entschloss man sich, beide soziale

Einrichtungen unter einem Dach zu

vereinen.

1866: Es sollte weder ein Armennoch

ein Krankenhaus sein, sondern

ein Heim für Ältere, Gebrechliche

und Alleinstehende. So wurden die

Pläne für das neue „St. Georg Stift

entwickelt. Der Bauplatz lag außerhalb

des Stadtkernes. Auf dem heutigen

Karl-Liebknecht-Platz standen

damals Scheunen, die erst 1874 abgerissen

wurden. Etwa ein Jahrzehnt

lang lag das Haus in einer

ländlichen Umgebung, die Wohnhäuser

entstanden erst später. Jetzt

folgte der Neubau, der eingeschossig

und im neogotischen Stil aus

roten und gelben Ziegelmauersteinen

sowie mit einer rückseitigen

Kapelle entstand.

Heiko Kreutz hört am liebsten Musik.

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querbeet 1 /2007


Vorgestellt

Jeden Vormittag ist Kaffeerunde.

Andrea Henning sorgt für den

richtigen Genuss.

November 1866: Einweihung des Stiftes

mit 24 Zimmern als Wohnmöglichkeit

für Bedürftige. Für jeden Bewohner

gab es ein Zimmer von zirka

12,5 Quadratmetern, welches zum

Schlafen, Waschen, Kochen und

Essen diente. Im Haus waren zwei

Toiletten und zwei Wasserhähne.

1995 bis heute: Nachdem das Gebäude

lange Zeit leer stand, ist nach der Sanierung

wieder Leben in das „St.

Georg Stift“ eingezogen. Im Auftrag

des Diakoniewerkes wurde eine verbesserte

Wohnqualität für Menschen

mit geistiger und körperlicher Behinderung

geschaffen. Es entstand ein

repräsentatives Gebäude unter Denkmalschutz.


Fotos:

Kerstin Schröder

1 /2007 querbeet

Zum Titel

klein oben:

Betreuer Christian

Duchow stattet

Adelheid Matysek

einen Besuch ab.

groß unten:

Marianne Franikowski

sammelt

in ihrem Zimmer

viele Plüschtiere.

Eine Stütze

für andere

Foto: Kerstin Schröder

Wenn Birgit und Bernfried

Winkler heute am Sankt-

Georg-Stift in Grevesmühlen vorbei

fahren, freuen sie sich, was aus dem

Haus geworden ist. Denn als das

junge Ehepaar dort im Dezember

1985 einzieht, ist das Haus in keinem

guten Zustand. Viele Zimmer

sind bereits unbewohnt, es gibt nur

kaltes Wasser und zwei Toiletten -

für alle Bewohner. Die freut es deshalb

umso mehr, dass die Winkler’s

gekommen sind. Sie geben ihnen

wieder Hoffnung. Schließlich rückt

damit die geplante Rekonstruktion

des Hauses ein Stückchen näher. Das

hofft auch Bernfried Winkler, der im

selben Jahr seine Frau geheiratet hat

und auf der Suche nach einer gemeinsamen

Wohnung im Sankt-

Georg-Stift fündig wird. Hier soll er

als Hausverwalter arbeiten. Eine Aufgabe,

auf die er sich freut, denn der

Umbau des Altenheimes soll in kürzester

Zeit beginnen. „Ich hatte sogar

schon die Pläne gesehen“, erzählt der

Handwerker, der sich sofort an die

Arbeit macht - sehr zur Freude der 14

Bewohnerinnen, die alle über 70

Jahre alt sind. Unterstützt wird Bernfried

Winkler dabei von seiner Frau,

eine ausgebildete Krankenschwester,

die hauptberuflich in Boltenhagen

tätig ist. Sie übernimmt die medizinische

Versorgung. Keine leichte

Aufgabe für beide, es gibt viel zu tun.

Jede Menge Unrat und Sperrmüll

müssen beseitigt und die Wasserrohre

ständig überprüft werden, weil sie

sonst in kalten Nächten einfrieren.

Und auch die älteren Damen halten

das Ehepaar ganz schön auf Trab:

Denn wenn sie ihre Wäsche in einem

großen Topf auf den Gaskocher setzen,

sprudelt das Wasser nicht selten

über und löscht die Flammen. Da

muss man auf der Hut sein, dass

keine Katastrophe geschieht. Und

einmal macht eine Frau sogar im Wäscheschrank

ein Feuer an, damit das

Zimmer schneller heiß wird. „Trotzdem

war es eine schöne Zeit, weil wir

für andere da waren“, meint Bernfried

Winkler rückblickend. Im Juli

1986 wird ihr Sohn Tobias geboren.

„Er ist zwischen den alten Leuten

aufgewachsen und war für sie ein

kleiner Sonnenschein“, erzählt Birgit

Winkler. Auch bei ihm habe das

einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

„Er kommt mit älteren Menschen

gut zurecht und hat sogar seinen

Zivildienst in dem Bereich

absolviert“, ergänzt sie. Bis zum November

1989 wohnt die Familie in

dem Haus, dann zieht sie in eine

Birgit (41) und Bernfried Winkler (42)

haben einige Jahre im Stift gewohnt.

neue Wohnung. „Die zwei Kammern

waren einfach zu klein, und wir

konnten den Kleinen nirgends

baden“, erklärt das Ehepaar. Außerdem

habe es damals noch immer keinen

Starttermin für die Rekonstruktion

gegeben. „Schade, dass die Idee

nicht umgesetzt wurde“, bedauert

Bernfried Winkler. Denn das Ziel

vom besseren Wohnen für alte Menschen

sei ein guter Plan gewesen.

Kerstin Schröder

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Wissenswertes

Der Kreuzweg

Als Kreuzweg, der Weg des Kreuzes,

wird ursprünglich die Via Dolorosa

– die schmerzhafte Straße – in Jerusalem

bezeichnet, die Jesus nach

seiner Verurteilung, das Kreuz tragend

bis zur Kreuzigungsstätte gegangen

ist. Im Laufe der Geschichte

entstanden die heute traditionellen

14 Kreuzwegstationen. So wurden

besonders im Mittelalter viele

Kreuzwege angelegt, um denjenigen,

die sich die Reise nach Jerusalem,

an den Ort des Geschehens,

nicht leisten konnten, die Möglichkeit

zu geben, sich auf den Leidensweg

Jesu zu begeben.

Kreuzwege sind sehr unterschiedlich

gestaltet, ob als Tafeln

oder Relief in Kirchen, ob als zu gehender

Weg, bis dahin dass sie zum

Teil aus eigenen Kapellen bestehen.

„Was keiner wagt, das sollt ihr

wagen. Was keiner sagt, das sagt heraus.

Was keiner denkt, das wagt zu

denken. Was keiner anfängt, das

führt aus. Das Kreuz des Jesus Christus

durchkreuzt was ist und macht

alles neu.“

Lothar Zenetti

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Die 14 Stationen

des Kreuzweges Jesus

Station 1

Jesus wird zum Tode verurteilt

Markus 15, 1-15

Station 2

Jesus nimmt das Kreuz auf die

Schultern

Markus 15, 16-20

Station 3

Jesus fällt zum ersten Mal unter

dem Kreuz

Station 4

Jesus begegnet seiner Mutter

Station 5

Simon von Kyrene hilft Jesus das

Kreuz tragen

Matth. 27,32

Station 6

Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Station 7

Jeus fällt zum zweiten Mal unter

dem Kreuz

Station 8

Jesus begegnet den weinenden

Frauen Lukas 23, 28-31

Station 9

Jesus fällt zum dritten Mal unter

dem Kreuz

Station 10

Jesus wird seiner Kleider beraubt

Matth. 27, 33-36

Station 11

Jesus wird ans Kreuz geschlagen

Matth. 27, 37-42

Station 12

Jesus stirbt am Kreuz

Matth. 27, 45-50

Station 13

Jesus wird vom Kreuz genommen

und in den Schoß der Mutter gelegt

Johannes 19, 38

Station 14

Der Leichnam Jesus wird ins

Grab gelegt Matth. 27, 59-6

Normaler

Alltag

für psychisch

erkrankte

Menschen

Tagesstätte „de Bark“

feiert ihr zehnjähriges

Bestehen

Vor zehn Jahren hat sie am Alxandrinenplatz

mit drei Besuchern

angefangen, die Erfolgsgeschichte

von „de Bark“, der

Tagesstätte für psychisch erkrankte

Menschen in Bad Doberan. Damals

werden die Betroffenen in einer

alten Villa betreut, in der sich nur

zwei Wohnstuben und zwei Küchen

befinden. Deshalb zieht die Einrichtung

schon wenige Monate später, im

Dezember 1997, um: in ein Haus

„Am Kamp“. Dort erhöht sich dann

stetig die Zahl der Besucher. Darum

muss die Tagesstätte wieder auf Domizilsuche

gehen und wird vor sechs

Jahren in der Goethestraße fündig.

Hier können die Menschen im Alter

von 30 bis 64 Jahren ein großes

Platzangebot nutzen. Denn in der

oberen Etage gibt es Entspannungs-,

Musik- und Ergoräume sowie drei

Toiletten und eine Küche. Im unteren

Bereich befinden sich der Speiseraum,

ein Billiardzimmer sowie die

Töpfer- und Holzwerkstatt, in der die

Besucher ihre Fingerfertigkeiten

unter Beweis stellen können. „Außerdem

haben wir noch einen etwa 100

Quadratmeter großen Garten, wo

Obst und Gemüse für den Eigenbedarf

angebaut wird“, erzählt Sigmar

Johnson (45). Wie der Leiter der Ein-

querbeet 1 /2007


Tagesstätte „de Bark“

Im Keller ist die Töpferund

Holzwerkstatt.

Eine Besucher entspannt sich

bei der Handarbeit.

richtung ergänzt, passiert das weiterhin

auf dem Hofgelände des Alexandrinenplatzes.

Etwa 80 psychisch erkrankte

Menschen sind in den letzten

zehn Jahren in der Tagesstätte betreut

worden, zurzeit sind es 25. Elf kommen

aus dem Wohnheim in der Clara-

Zetkin-Straße, die anderen aus Bad

Doberan, Rerik, Kröpelin und Kühlungsborn.

Ihr Tagesaublauf sieht so

aus: Ein Fahrdienst bringt sie in die

Goethestraße, wo jeden Morgen eine

Andacht und ein gemeinsames Frühstück

stattfinden. „Montags werten

wir das Wochenende aus, gehen einkaufen

und kochen selbst“, erzählt

der Sozialpädagoge. Der Dienstag

steht voll im Zeichen der Ergo-Therapie,

am Mittwoch wird Musik gemacht.

Donnerstags stehen Ausflüge

Die Tagesstätte befindet sich

in einer Villa in der Goethestraße 3.

Dietmar Zemke kümmert sich

um die Vögel.

Fotos: Kerstin Schröder

auf dem Programm, zum Beispiel zu

Museen oder zur Kegelbahn. Und freitags

planen die Besucher mit den

sechs Mitarbeitern der Tagesstätte

immer die nächste Woche. Dazu gehören

auch die Reinigung des Hauses

und Vorschläge für den Speiseplan.

Außerdem gibt es jedes Jahr zwei Höhepunkte:

den Betreuertag im April

und die Adventsfeier im Dezember.

„Unser Ziel ist es, den Menschen das

Leben so normal wie möglich zu gestalten“,

betont Sigmar Johnson.

Kerstin Schröder

9


MAV

2006 – ein gutes Jahr für

die Mitarbeitervertretung

Das Jahr 2006 war für die Mitarbeitervertretung

ein Jahr,

das auch dazu genutzt wurde,

die Kontakte zwischen der Geschäftsführung

und der MAV zum Wohl beider

Seiten zu intensivieren. So fanden

gemeinsame Sitzungen mit

Geschäftsführer Fred Mente statt, um

Gespräche zur Klärung und Regelung

organisatorischer oder personeller

Angelegenheiten in fachlicher

und sachlicher Weise zu führen. Ergebnisse

dieser Gespräche fanden

sich teilweise im Mitarbeiter-ABC

wieder, was in neuer überarbeiteter

Form an alle MitarbeiterInnen verschickt

worden ist und in bewährter

Weise als Hilfe im Dienstalltag dienen

soll. Im dritten Quartal 2006

wurde eine Mitarbeiterbefragung zur

Fortbildungsrichtlinie durchgeführt.

Ziel dieser Befragung war es, Anregungen

und Impulse für eine neue

Fortbildungsrichtlinie zu finden, da

sich gezeigt hatte, dass die alte in einigen

Punkten verbesserungswürdig

war. Erste Ergebnisse sind dann in

den Mitarbeiterversammlungen vorgestellt

worden, Anregungen wurden

aufgenommen und teilweise konnten

diese auch verwirklicht werden. Seit

dem 1. Januar 2007 ist die neue

Monatliche Sprechstunden der MAV-Vorsitzenden:

Dienstvereinbarung zur Fort- und

Weiterbildungsordnung in Kraft getreten.

Allen, die an dieser Vereinbarung

mitgearbeitet haben, sei an dieser

Stelle nochmals gedankt. Zurzeit

berät die Mitarbeitervertretung über

eine Dienstvereinbarung zur Vergütung

der Plusstunden für die Diakonie-Sozialstationen.

Es stellte sich im

Verlauf des letzten Jahres aufgrund

der Anregungen durch die MitarbeiterInnen

heraus, dass die bisherige

Regelung nicht ohne weiteres auf die

Sozialstationen übertragen werden

konnte. Die Mitarbeitervertretung

wird sich in ihrer Beratung für eine

Neuregelung auf die Informationen

und Vorschläge der MitarbeiterInnen

stützen.

In Kassel wurde am 10. Januar

2007 durch die Arbeitsrechtliche

Kommission der Evangelischen Kirche

ein Beschluss für eine neue Entgelttabelle

gefasst. Die Arbeitsrechtliche

Kommission Mecklenburgs

berät zurzeit über diesen Beschluss.

Wir als MAV werden die Mitarbeiter-

Innen über die neuesten Entwicklungen

und Auswirkungen informieren.

Aufgrund der ständig wechselnden

Gegebenheiten in arbeitsrechtlichen

Fragen nahmen Mitglieder der

Bereich Neubukow

Bereich Wismar

19. April 2007 19. April 2007

24. Mai 2007 24. Mai 2007

21. Juni 2007 21. Juni 2007

Von 8 bis 12 Uhr

von 13 bis 16 Uhr

Pflege- und Förderheim

Sucht- und Drogenberatungsstelle

in Neubukow, Lindenweg 12 in Wismar, Dr.-Leber-Str. 63

Monika Schuster bietet in

Neubukow und Wismar Mitarbeiter-

Sprechstunden an.

MAV 2006 an Fortbildungsveranstaltungen

teil. Die MAV ging mit allen

Mitgliedern im Dezember in Kühlungsborn

in Klausur.

Jens Adam ist auf eigenen Wunsch

als Mitglied der MAV ausgeschieden.

Wir danken ihm für seine Arbeit.

Vom 6. bis 10. Juni 2007 findet

in Köln der 31. Deutsche Kirchentag

statt. Wer Interesse hat, teilzunehmen,

kann sich bei der MAV bezüglich

Mitfahr- und Unterbringungsmöglichkeiten

melden und die

Kosten erfragen.

Auch im Jahr 2006 nutzten viele

MitarbeiterInnen die Möglichkeit der

Sprechstunden, die Monika Schuster

zusätzlich in Neubukow und in Wismar

anbot. Vielen MitarbeiterInnen

konnte geholfen werden, oftmals

nutzte es aber einfach auch, nur mal

ein „offenes Ohr“ für Sorgen oder

Nöte zu haben.


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querbeet 1 /2007


Einrichtungsleiterinnen

Brigitte Arndt 49 Jahre, ledig,

eine Tochter, wohnt in Schwerin

Seit wann sind Sie beim Diakoniewerk?

Am 6. Dezember 1999 habe ich meine

Arbeit im Diakoniewerk im nördlichen

Mecklenburg aufgenommen und seit

2001 leite ich mit viel Engagement

das Psychosoziale Wohnheim in Grevesmühlen.

Wie sieht ihr beruflicher Alltag aus?

Sehr kommunikativ, weil ich mit Menschen

arbeite. Ich stehe ständig im Dialog

mit den Klienten, die in einer erhöhten

sozialen Abhängigkeit leben

und ich helfe ihnen den Alltag zu bewältigen

und ihn auch genießen zu

können. Als Leiterin stelle ich hohe

Anforderungen an die Mitarbeiter und

an mich selbst. Ich leite das Team an

und berate es fachlich. Ich lege aber

auch großen Wert auf die Erfahrungen

meiner Mitarbeiter. Bin für ihre Sorgen

und Probleme da und bemühe mich,

Lösungen zu finden. Dann sind da

noch die Gespräche mit den Angehörigen

der Heimbewohner, Dienstbesprechungen

usw. Manchmal wünsche ich

mir noch mehr Zeit für meine Klienten

und Mitarbeiter.

Was macht Ihnen bei der Arbeit am

meisten Spaß?

Die Teilhabe an der Verwirklichung der

Lebensperspektiven meiner Bewohner

und das verantwortliche gemeinsame

Arbeiten im Team. Dadurch wird ja erst

die Umsetzung komplexer Zielstellungen

möglich. Spaß macht mir meine Arbeit,

weil sie viele Facetten hat und ich

sofort ein Feedback bekomme.

Was machen Sie in ihrer Freizeit?

Einen Teil meiner Freizeit nutze ich für

meine berufliche Weiterbildung, damit

ich immer auf den neuesten Stand bin

und das Team professionell anleiten

kann. Den anderen Teil meiner Freizeit

verbringe ich mit der Familie und

Freunden und da ist alles angesagt:

von Kaffeeklatsch bis Vernissage.

Diese Stunden brauche ich, um meinen

Akku aufzuladen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass ich mich, meine Mitarbeiter und

meine Klienten jeden Tag motivieren

kann, dass meine Kreativität nicht verloren

geht, dass sich die Klienten im

Heim geborgen fühlen, dass die Mitarbeiter

gerne ihren Dienst verrichten

und die Freude an der Arbeit überwiegt.

Ich wünsche mit auch, dass wir

die Sicht auf die kleinen Dinge im

Leben nicht verlieren.

Was bedeutet für Sie Glück?

Ist das nicht immer das, was Andere

haben? Ich glaube, der Mensch braucht

sehr wenig, um glücklich zu sein. Glück

ist für mich Gesundheit und eine harmonische

Familie, die mich an schlechten

Tagen auffängt. Ansonsten halte ich

es mit Dietrich Bonhöffer: „Es gibt

kaum ein beglückenderes Gefühl als zu

spüren, dass man für andere Menschen

etwas sein kann.“

Annett Bergholz 42 Jahre,

verheiratet, wohnt in Wismar

Seit wann sind Sie beim Diakoniewerk?

Seit September 2002.

Wie sieht ihr beruflicher Alltag aus?

Mein Alltag ist eine gute Mischung aus

praktischer und theoretischer Arbeit.

Ich arbeite zum einen mit unseren geistig

behinderten und verhaltensauffälligen

Kindern und Jugendlichen in den

beiden Wohngruppen des Hauses. Das

heißt, Körperpflege, Nahrung reichen,

Windeln wechseln, Hauswirtschaft,

Freizeitgestaltung, Arztbesuche, Elterngespräche

und vieles mehr. Zum anderen

arbeite ich im Büro und mit unserem

Team. Das heißt, Kassenführung,

Urlaubsplanung, Dienstpläne schreiben,

Behördenkontakte, Fortbildungen

planen, Mitarbeitergespräche, Reflexion

der Arbeitsabläufe und der pädagogischen

Arbeit, Kontrolle der Betreuungsplanung,

der Sozialberichte,

Teamsitzungen, Anleitung von FSJ-lern,

Belehrungen, Bewerbungsgespräche

und anderes.

Was macht Ihnen bei der Arbeit am

meisten Spaß?

Wenn ich jemanden, sei es ein Bewohner

oder ein Mitarbeiter, ein Stück in

seiner Entwicklung begleiten durfte

und dabei punktuell Halt und Orientierung

geben konnte.

Was machen Sie in ihrer Freizeit?

Meine Freizeit gehört vor allem meinen

vier Töchtern zwischen drei Monaten

und zehn Jahren. Wir sind als Familie

gern in der Natur: am Strand

oder im Wald. Außerdem gehöre ich

zum Trägerkreis des Frühstückstreffens

für Frauen, welches als anspruchsvolle

christliche Großveranstaltung halbjährlich

organisiert werden will und ein

Höhepunkt für mich ist.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Gelassenheit und Gott vertrauen, im

Augenblick das Wichtigste zu tun und

das Zweitwichtigste sein lassen zu

können.

Was bedeutet für Sie Glück?

Wenn ich an etwas mitgearbeitet habe

und es funktioniert hinterher. Oder anders

gesagt: wenn ich das Gefühl

habe, an dem Platz zu sein, der mir

entspricht – wozu ich auf der Welt bin.

Weitere Einrichtungsleiter sind

Mathias Thoms und Bernd Pluschkell.

Terminecke

Diakonie-Sonnabend

in Wismar am 23. Juni 2007

Sommerfest

des Diakoniewerkes in

Grevesmühlen am 31. August 2007

Weihnachtsandacht

für Mitarbeitende in Wismar am

11. Dezember 2007

1 /2007 querbeet

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Information & Rätsel

Die Lösung unseres letzten

Rätsels lautet:

TAGESSTAETTE

PS: Das nächste Heft erscheint im Juni 2007.

Wenn Sie, liebe Leser, auch etwas Interessantes zu erzählen

haben von Leuten im Diakoniewerk, die für ihr

Engagement oder ihre Herzlichkeit bekannt sind, oder

wenn Sie einfach auf ein besonderes Jubiläum hinweisen

möchten, auf Feste und Tage der offenen Türen,

dann schicken Sie eine kurze Notiz an die Redaktion

„querbeet“, Am Wasserturm 4 in 23936 Grevesmühlen,

oder per E-Mail an querbeet@diakoniewerk-gvm.de.

Impressum

Herausgeber:

Verantwortlich:

Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg

gemeinnützige gGmbH, Geschäftsstelle

Am Wasserturm 4, 23936 Grevesmühlen

Der Redaktionskreis mit Anne-Kathrin Lüders,

Mathias Thoms, Iris Schmidt, Bernd Pluschkell,

Karin Laudon, Kerstin Schröder

satzhaus ® für Druck und Werbegrafik

Stadtdruckerei Weidner, Rostock

Layout und Satz:

Druck:

Auflage: 1.000

Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe ist der 15. Mai 2007.

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