Mein nachbar, der Grieche - Drehscheibe

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Mein nachbar, der Grieche - Drehscheibe

ideenbörse Migration

Drehbuch

Zeitung Südwest Presse

Auflage 330.000 (Verlagsangabe)

Kontakt Juliane Baumgarten

Telefon 0731 – 15 61 35

E-Mail j.baumgarten@swp.de

Aus der südwest presse (Ulm) vom 22. Oktober 2011

Mein Nachbar, der Grieche

Porträt Um die lokalen Folgen der Euro-Krise zu beleuchten,

spricht eine Redakteurin mit einer eingewanderten Familie.

Das Thema Migration habe sie seit ihrem Politikstudium

besonders interessiert, sagt Juliane

Baumgarten, Redakteurin der Südwest Presse.

Als man sie im Rahmen ihres Volontariats in der

Wirtschaftsredaktion um Ideen für einen Artikel

bat, war das Thema dann

auch schnell zur Hand:

Griechenland und die

Krise waren zu der Zeit

in aller Munde. Ich wollte

das Thema aufs Lokale

herunterbrechen, wollte

zeigen, dass die Krise

auch bei uns angekommen

ist.“ Auf der Suche

Juliane Baumgarten nach eingewanderten

ist Redakteurin der griechischen Familien

Südwest Presse. kontaktierte Baumgarten

zunächst griechische Gemeinden

und Hilfsorganisationen – nicht immer mit

Erfolg, viele lehnten ab. Mehr Glück hatte sie bei

Anestis Moutafidis, einem Migrationsberater der

Stuttgarter Diakonie. „Ich habe mehrfach mit ihm

telefoniert und klargestellt, dass es mir nicht darum

ging, die Griechen bloßzustellen, sondern um

eine persönliche, emotionale Sichtweise auf die

Krise.“ Der Migrationsberater fragte bei mehreren

Familien an und wurde rasch fündig. Wenig später

vereinbarte er ein Treffen in seinem Büro – mit der

Redakteurin und einer vierköpfigen griechischen

Familie, die kurz zuvor nach Deutschland gekommen

war und die er unter anderem im Umgang mit

Behörden unterstützte. Etwa drei Stunden dauerte

das Treffen, bei dem Baumgarten das Gespräch

zwischen Berater und Familie beobachtete, aber

auch Fragen nach deren Motivation und Zukunftsplänen

stellte. Den Namen der Familie musste sie

im Artikel ändern, ein Foto durfte sie aber drucken.

Etwa eine Woche lang habe sie neben ihrer Arbeit

für den Text recherchiert, wobei die Suche nach

statistischen Daten besonders kompliziert gewesen

sei. Baumgarten entschied sich für einen featurehaften,

sehr persönlichen Stil. „Durch Features und

Reportagen kommt man dichter an die Menschen

heran. Diese Genres sollte es häufiger in den Zeitungen

geben.“

drehscheibetipp

Griechen, die in den 60ern als Gastarbeiter kamen,

sprechen über ihre Anfangszeit in Deutschland.

24 drehscheibe


WIRTSCHAFT Samstag, 22. Oktober 2011 17

Ifo-Barometer

zeigt wachsende

Vorsicht

München. Die Angst vor der Euro-

Schuldenkrise und der erwartete

Konjunktureinbruch zum Jahresende

drücken auf die Stimmung der

deutschen Industrie. Der Ifo-Geschäftsklimaindex,

wichtiges Barometer

für die Wirtschaft, sank im Oktober

zum vierten Mal in Folge auf

nunmehr 106,4 Punkte – nach zuvor

107,4 Punkten. Nachdem die Geschäftserwartungen

für die nächsten

Monate bereits seit dem Sommer

zurückgefahren wurden, schätzen

die Unternehmer auch ihre aktuelle

Lage zunehmend skeptisch

ein. Sie versuchen jedoch, ihre Firmen

frühzeitig auf mögliche Krisen

einzustellen.

Gemessen an den internationalen

Turbulenzen schlage sich die

deutsche Wirtschaft jedoch „derzeit

vergleichsweise gut“, sagte Hans

Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts.

Die Geschäftserwartungen für

die nächsten sechs Monate seien

sanken von 97,9 Punkten im September

auf nunmehr 97 Punkte und

damit weniger stark als die Lagebeurteilung.

Letztere erreichte 116,7

Punkte, nachdem es im September

noch 117,9 waren. „Es gibt eine Abkühlung,

aber keine Panik“, sagt

Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger.

Die Firmen nutzten derzeit ihre

Spielräume, versuchten Aufträge zu

strecken, erweiterten in geringem

Maße auch ihre Lagerbestände. Anders

als in der Industrie hellte sich

die Stimmung im Dienstleistungsgewerbe

auf. Zuvor war es fünfmal

bergab gegangen.

dpa

Höhere Steuer

auf Grunderwerb

Stuttgart. Häuslebauer aufgepasst:

Die von Grün-Rot geplante Erhöhung

der Grunderwerbsteuer wird

voraussichtlich in der ersten Novemberwoche

in Kraft gesetzt.

Dann soll der Steuersatz für den Erwerb

von Grundstücken und Immobilien

um 1,5 Punkte auf 5 Prozent

erhöht werden. Finanzminister Nils

Schmid (SPD) habe im Ausschuss

für Finanzen und Wirtschaft erklärt,

die Erhöhung „nicht vor dem 4. November“

in Kraft setzen zu wollen,

teilte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich

Rülke mit. Der Ausschuss

stimmte mit der Mehrheit der Regierungsfraktionen

Grüne und SPD für

den Gesetzentwurf, teilte der Vorsitzende

Guido Wolf (CDU) mit.

Die Koalition erwartet von 2012

an jährliche Mehreinnahmen in

Höhe von 355 Mio. a und will das

Geld für frühkindliche Bildung einsetzen.

Die Verabschiedung im

Landtag ist für kommenden Mittwoch

geplant.

dpa

Anestis Mououtafidis (links) erklärt Familie Pános was sie beachten müssen, wenn sie die Anträge der Behörden ausfüllen. Wie die Pános verlassen viele Griechen ihre

Heimat und wagen im Ausland einen Neuanfang. Vor allem den Kindern wünschen sie eine bessere Zukunft mit der Chance auf einen guten Job. Foto: jub

Flucht vor der Krise

Eine griechische Familie will in Deutschland nochmal ganz neu anfangen

Wegen der katastrophalen wirtschaftlichen

Lage verlassen immer

mehr Griechen ihre Heimat.

Viele kommen nach

Deutschland, um ein neues Leben

anzufangen. Wir haben

eine Familie getroffen.

JULIANE BAUMGARTEN

Stuttgart. Eigentlich hatten sie nie

vor, nach Deutschland zu kommen.

Warum auch? In Griechenland ging

es ihnen gut. Sie hatten ein eigenes,

kleines Bauunternehmen mit neun

Mitarbeitern, eine schöne, große

Wohnung, ein Auto, gesunde Kinder.

Was will man mehr.

Jetzt ist alles anders. Andreas Pános,

42, Bauplaner, braune Haare,

braunes Polohemd, sitzt mit seiner

Familie am Tisch der Beratungsstelle

der Diakonie

in Stuttgart (Name geändert).

In Deutschland

hat er jetzt einen Job als

Lagerarbeiter. Er muss

noch einmal von vorne

anfangen.

Andreas Pános und

seine Frau Athanasia, 43, sind mit ihren

beiden Söhnen Panagiotis,10,

und Vasilios, 8, nach Deutschland

ausgewandert. Haben ihre Heimat

verlassen, mit der Hoffnung auf ein

besseres Leben in der Ferne. Dabei

brauchen sie Hilfe.

Der griechischstämmige Migrationsberater

Anestis Moutafidis unterstützt

die Familie beim Ausfüllen

von Anträgen. Beispielsweise bei

der Anerkennung der griechischen

Abschlüsse. Das Studium von Athanasia

Pános – sie ist Bauingenieurin

– muss auch in Deutschland Gültigkeit

haben. Er übersetzt alles, die Familie

spricht kein Deutsch.

Den Job als Lagerarbeiter hat Familienvater

Andreas aber ganz

ohne fremde Hilfe gefunden. Dass

er gnadenlos überqualifiziert ist,

stört ihn nicht. „Ich mache das nur

vorübergehend, um Geld zu verdienen.

Ich möchte dem Staat nicht

auf der Tasche liegen“, sagt er.

Seine Frau Athanasia macht gerade

einen Deutschkurs. Den hat

ihr Migrationsberater Moutafidis

vermittelt. Vier Stunden jeden Vormittag

paukt sie deutsche Vokabeln.

Der Plan ist, dass sie nach einem

Jahr intensiven Lernens die

Sprache so gut beherrscht, dass sie

in ihrem erlernten Beruf

arbeiten kann.

Die Pános haben

große Pläne. Und wieder

neuen Mut, trotz der

Startschwierigkeiten. Andreas:

„Wir sind nach

Deutschland gekommen,

um uns verwirklichen

zu können. Unsere Kinder sollen

eine bessere Zukunft haben.“ In

Griechenland haben sie keine

Chance mehr gesehen. „Es gab

keine Perspektive. Ich rechne nicht

damit, dass die Situation in Griechenland

wieder besser wird.“

Seit 2007 gab es Probleme mit der

Bezahlung in der Baubranche. Als

selbstständige Unternehmer hatten

die beiden viele Aufträge vom Staat.

Der aber zahlte die Rechnungen immer

später und unzuverlässiger.

Nach und nach mussten sie ihre Angestellten

entlassen. Und sich

selbst immer weiter einschränken.

Die Aufträge blieben aus: Die Negativspirale

nimmt ihren Lauf. Bald

wird das Geld knapp. Sie suchen

nach einem Ausweg. Seit 2009 spielten

sie ernsthaft mit dem Gedanken,

Griechenland zu verlassen.

Irgendwann sehen sie keine andere

Möglichkeit mehr: Sie wagen

den Neuanfang. Seit Juli dieses Jahres

leben sie in einem kleinen Ort

bei Esslingen. Vorübergehend in einer

Ferienwohnung. Sie suchen

aber nach einer richtigen Bleibe. Sozialarbeiter

Anestis Moutafidis wird

ihnen dabei helfen.

Freizügigkeit der EU-Bürger

In der Europäischen Union ist die Freizügigkeit

von Arbeitnehmern gewährleistet.

Das heißt: EU-Bürgern steht es zu, in

einem anderen EU-Land Arbeit zu suchen

und zu arbeiten, ohne dass eine Arbeitserlaubnis

erforderlich wäre. Zu diesem

Zweck dürfen sie dort auch wohnen und

selbst nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses

im Land bleiben. Hinsichtlich

des Zugangs zu Beschäftigung,

der Arbeitsbedingungen und aller Sozialleistungen

und Steuervorteile werden sie

genauso behandelt wie die Staatsangehörigen

des Aufnahmelandes. In bestimmten

Berufen werden die beruflichen Qualifikationen

in anderen Ländern anerkannt. eb

Wie Familie Pános geht es vielen

Griechen. Vor allem gut ausgebildete,

junge Leute setzen auf die

Flucht nach vorn und gehen ins Ausland.

Griechen kommen verstärkt

hierher, viel mehr als in den vergangenen

Jahren“, sagt Migrationsberater

Moutafidis. Gerade in Gegenden,

in denen schon viele griechische

Migranten leben, würden

nun wieder Griechen zuwandern.

„Sie haben dort einen Anhaltspunkt

durch Freunde oder Verwandte, die

ihnen helfen können, sich zurechtzufinden“,

sagt Moutafidis. Gerade

Stuttgart, München und Frankfurt

seien Auffangbecken für Griechen.

Die Ämter haben von dem Ansturm

der Griechen bisher noch

nichts mitbekommen. „Die Zahl

der arbeitssuchenden Griechen ist

seit 2009 nicht auffällig gestiegen“,

sagt Kerstin Fickus, Pressesprecherin

der Bundesagentur für Arbeit

der Regionaldirektion Stuttgart. Aufgrund

der Freizügigkeit in der Europäischen

Union müssten sich die

Griechen allerdings nicht bei ihnen

melden. Sie schätzt die Chancen

der Griechen am Arbeitsmarkt aber

nicht besonders gut ein: „Natürlich

ist es immer eine Frage der Qualifikation.

Aber das Sprachproblem

wird sicher eine Hürde sein.“

Für die Pános ist alles besser als

die Hoffnungslosigkeit in Griechenland.

„Klar, das Meer und die Sonne

vermissen wir. Aber wenn man Arbeit

hat, kann man im Urlaub ans

Meer fahren“, sagt Athanasia Pános

und lächelt bescheiden. Ihre Zukunft

sei jetzt hier in Deutschland.

KOMMENTAR

Chaos

im Anflug

Wer nachts nach Deutschland

fliegt, hat den Unterschied

beim Blick aus dem

Fenster deutlich vor Augen: Während

es in anderen Ländern auf der

Erde große schwarze Flächen gibt,

reiht sich hierzulande Licht-Haufen

an Licht-Haufen – und jede beleuchtete

Gemeinde hört im schlimmsten

Fall das Flugzeug.

Deutschland stößt bei Megabauten

wie der vierten Startbahn in

Frankfurt oder dem neuen Berliner

Flughafen an die Grenzen politischer

Handlungsfähigkeit. Trotz

Öko-Ausgleichsmaßnahmen für

160 Millionen Euro kam es in Frankfurt

gestern zu Demonstrationen,

und Naturschutzverbände kritisierten

die Belastung der Anwohner

und Rodung der fast 400 Fußballfelder

großen Fläche.

Während man sich in Deutschland

an jahrelange Genehmigungsverfahren

gewöhnt hat, ist aber das

Verhalten der Politik nur schwer

nachzuvollziehen. In den Plänen

für den Ausbau war ein Nachtflugverbot

als Ausgleich vorgesehen. Im

Planfeststellungsbeschluss tauchten

dann aber plötzlich 17 Flüge pro

Nacht auf – die zwei Wochen vor Inbetriebnahme

wegfielen. Dies verursacht

Chaos und Kosten. Politiker

sollten sich an Abmachungen halten

und Bürgern die Wahrheit sagen:

Manche Verkehrsgroßprojekte

lässt man heute in Deutschland besser

sein. THOMAS VEITINGER

Wissmach stellt

Insolvenzantrag

Göppingen. Der Modefilialist Wissmach

hat beim Amtsgericht Göppingen

Insolvenz beantragt. Das 1991

in Schwäbisch Gmünd gegründete

Unternehmen verfügt über 229 Filialen.

Die rund 1000 Mitarbeiter erwirtschafteten

zuletzt einen Jahresumsatz

von 50 Mio. a. Welche

Gründe zur Zahlungsunfähigkeit geführt

haben, kann auch der vorläufige

Insolvenzverwalter Michael

Pluta (Ulm) noch nicht sagen. Er verschafft

sich mit seinen Mitarbeitern

derzeit ein Bild der Lage.

Sein erster Eindruck: „Wir werden

Wissmach fortführen. Das Unternehmen

hat frühzeitig Insolvenzantrag

gestellt – eine gute Chance

für eine erfolgreiche Sanierung.“

Die Kunden könnten weiter einkaufen,

sagte Pluta. Das betrifft die Filialen

wie auch den Fabrikverkauf am

Stammsitz in Göppingen. Der Spezialist

für Damenmode belieferte

mit seinen Kollektionen beispielsweise

auch den Otto-Versand. joa

Bundeskanzlerin gelandet

Angela Merkel sitzt im ersten Flugzeug auf der neuen Frankfurter Startbahn

Eine Regierungsmaschine mit

Kanzlerin Merkel ist als erstes

Flugzeug auf der neuen Landebahn

des Frankfurter Airports

gelandet. Die umstrittene Landebahn

ermöglicht künftig 126

statt 83 Flugbewegungen.

ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Als erste landete gestern

exakt um 14.31 Uhr die Regierungsmaschine

der Bundeskanzlerin auf

der neuen Landebahn des drittgrößten

europäischen Flughafens. Zwischen

der Hektik um die Euro-Schuldenkrise

hatte Angela Merkel Zeit

gefunden nach Frankfurt zu kommen

und sprach nach der Landung

vom „schönsten Geschenk, das sich

der Flughafen im Jahr seines Bestehens

gemacht“ habe.

Kein Wunder: Schließlich handelt

es sich bei der 2800 Meter langen

und 600 Mio. a teuren Piste um

ein „Projekt für Deutschland“, wie

Stefan Schulte, Vorstandschef des

Flughafenbetreibers Fraport sagte.

Auch Merkel sprach von einem „Gewinn

für das ganze Land“. Die Landebahn

sei Ausdruck für die Zukunftsfähigkeit

Deutschlands. Mit

der vierten Bahn steigt die Landekapazität

um 50 Prozent, die Flugbewegungen

können in Frankfurt

nach und nach von derzeit 83 auf

bis zu 126 pro Stunde erhöht werden.

Fünf Jahre später als ursprünglich

geplant wurde im Mai 2009 mit

Der Airbus A319 Konrad Adenauer der Flugbereitschaft der Luftwaffe mit Bundeskanzlerin

Angela Merkel auf der neuen Landebahn Nordwest. Foto: dapd

dem Bau der Piste begonnen. Sie

soll nicht nur die Kapazität des Flughafens

im Wettbewerb mit den anderen

großen Airports in Europa beflügeln,

sondern auch der Wirtschaft

in der Region und nach den

Worten von Schulte in ganz

Deutschland einen Schub geben.

Der Flughafen ist mit etwa 71 000

Beschäftigten, davon rund 13 000

bei Fraport, eine der größten Betriebsstätten

in Deutschland. Bis

2020 sollen dort direkt rund 90 000

Menschen arbeiten. Mit dem Bau

der Landebahn ist die Expansion allerdings

nicht abgeschlossen. Derzeit

entstehen ein drittes Terminal.

Zudem gibt es schon Spekulationen

über eine weitere Landebahn. Auch

durch die neue Landebahn soll die

Zahl der Passagiere von 53 Millionen

im vergangenen Jahr auf etwa

57 Millionen steigen.

Trotzdem herrschte auch bei der

Einweihung alles andere als eitel

Sonnenschein. Hauptgrund: Das unlängst

vom Kasseler Verwaltungsgericht

verkündete absolute Nachtflugverbot

zwischen 23 und 5 Uhr

von Ende Oktober an.

Für den Flughafenbetreiber

selbst ist das Nachtflugverbot nicht

so entscheidend. Eigentlich waren

die Lufthansa, vor allem im Blick

auf ihre Frachttochter, aber auch

die Ferienflieger Condor und Tuifly

davon ausgegangen, dass zumindest

17 Flüge in der Nacht möglich

wären.

Lufthansa Cargo verlegt jetzt

kurzfristig Frachtflüge von Frankfurt

nach Köln/Bonn, in dem die

Maschinen kurz vor 23 Uhr von

Frankfurt abheben, in Köln für mehrere

Stunden geparkt werden, bevor

sie von dort Stunden später so starten

können, dass sie ihre Flugziele

etwa in China zu den geplanten Zeiten

erreichen. Manche Flüge werden

ganz gestrichen. Zum Teil muss

Fracht jetzt per Lkw von Frankfurt

nach Köln gebracht werden. Lufthansa

Cargo-Chef Karl Ulrich Garnadt

rechnet mit Einbußen in zweistelliger

Millionenhöhe.

Begleitet wurde die Inbetriebnahme

der Landebahn von Protesten.

Es werde ein „Dinosaurierprojekt“

gefeiert, hieß es bei der Umweltschutz-Organisation

Robin

Wood. Fliegen sei der Klimakiller

Nummer eins. Für den Bau der Landebahn

seien große Flächen Bannwald

gerodet worden. „300 Hektar

Wald kahl geschlagen und 300 000

Flugbewegungen mehr pro Jahr –

das ist eine Bankrotterklärung für

eine klimaverträgliche Verkehrspolitik“,

sagte eine Sprecherin von Robin

Wood.

Kommentar

Daimler baut in den

USA neue Modelle

Stuttgarter stocken Produktionskapazität auf

Daimler investiert massiv in

den USA. Der Stuttgarter Konzern

baut jenseits des Atlantiks

seine Fertigung aus, um zusätzliche

Modelle zu bauen.

Stuttgart/Tuscaloosa. Der Autobauer

Daimler baut seine Produktion

in den USA massiv aus und

schafft mehrere hundert neue Arbeitsplätze.

In ihrem Pkw-Werk in

Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama

werden die Stuttgarter künftig

fünf statt bisher drei Mercedes-

Modelle bauen. In den nächsten Jahren

sollen dort 1400 neue Jobs entstehen,

teilte Daimler mit. Zwischen

bis 2014 stecken die Schwaben

insgesamt 2,4 Mrd. Dollar

(rund 1,75 Mrd. a) in den Standort.

In Portland (Oregon) will Daimler

deutlich mehr schwere Lastwagen

bauen. Dafür wird die Belegschaft

bis Ende nächsten Jahres um 350

Mitarbeiter aufgestockt.

In Tuscaloosa wird neben den Geländewagen

der M-, GL- und

R-Klasse sowie dem 2014 erwarteten

Anlauf der C-Klasse von 2015 an

ein ganz neues Mercedes-Modell

vom Band laufen. Allein für die Produktion

des neuen Modells nimmt

Daimler 350 Mio. Dollar (255

Mio. a) in die Hand und schafft 400

neue Jobs. Die geplanten Investitionen

kommen zu den bislang angekündigten

Ausgaben am Standort

von mehr als 2 Mrd. Dollar hinzu.

„Dieses neue Modell ist ein wichtiger

Baustein unserer Wachstumsstrategie“,

sagte Daimler-Chef Dieter

Zetsche. „Es ist eines der zehn zusätzlichen

Modelle, die wir allein in

den nächsten vier Jahren über alle

Segmente hinweg einführen.“ Details

zu dem Fahrzeug nannte Daimler

nicht. Es wird allerdings nach Informationen

der Nachrichtenagentur

dpa keines der neuen Kompaktwagenmodelle

sein, die von November

an auf den Markt kommen.

Das Werk in Tuscaloosa wurde

1997 eröffnet und war für die Personenwagensparte

des Konzerns der

erste Fertigungsstandort außerhalb

Deutschlands. Im vergangenen Jahr

rollten dort 125 000 Fahrzeuge vom

Band. An dem Standort arbeiten

rund 2800 Menschen. Im Lkw-Werk

in Portland wird wegen der brummenden

Nachfrage eine zweite

Schicht zur Fertigung von Lastwagen

der Marke Western Star eingerichtet.

Derzeit arbeiten in dem

Werk etwa 750 Menschen.

Die Autobauer versuchen ihre

Fahrzeuge möglichst dort zu produzieren,

wo sie auch verkauft werden.

So sollen Wechselkurseffekte

vermieden werden, die zu Kostenbelastungen

führen können.

Erst am Montag war bekanntgeworden,

dass der langjährige Mercedes-Chef

in den USA Ernst Lieb

Hals über Kopf geht.

dpa

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