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Europäisch denken – lokal handeln!

Emscher Dialog 2013

Amélie Astruc

Hochwasserschutz für Paris – Transparente Bürgerbeteiligung

beim Hochwasserschutzprojekt „Seine Grands Lacs“

Europäische Kooperationsprojekte zum Hochwasserschutz Interreg IV B


Europäisch denken – lokal handeln!

Raum für den Fluss – mit den Oberliegern Paris schützen

1. EPTB Seine Grands Lacs – die Organisation

2. Hochwasserrisiken in der Region Paris

3. Das Bassée Projekt

4. Projektbezogene Kommunikation und Beteiligung


Europäisch denken – lokal handeln!

Etablissement Public

Territorial de Bassin (EPTB) Seine Grands Lacs

• auch unter dem Namen IIBRBS bekannt

• rund 120 Mitarbeiter

• öffentliche Verwaltung für Paris und 3 benachbarte

Départements.

• Eigentum / Unterhaltung / Betrieb von 4

Sperrbauwerken im Seine Einzugsgebiet:

g

- Hochwasserschutz im Winter und Frühjahr

- Niedrigwasserspenden im Sommer und Herbst

• Aufgabe ist auch integrierte Wasserwirtschaft

- Zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie im

oberen Seine-Einzugsgebiet

g

- Mit einem Hochwasserschutzprogramm für die am

dichtesten besiedelten Räume der Ile-de-France

- Zur Unterstützung von Kommunalverwaltungen

Unsere Zuständigkeit: 44.000 km²

= 63% des Seinegebietes


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Das Seine-Einzugsgebiet: 73.700 km², Länge 776 km, Quellenhöhe 471m


Die Seine in Paris

Einzugsgebiet *

43.800 km² (60%)

Trockenwetterabfluss

25 m³/sec

Hochwasser 1910

2.400 m³/sec

Mittlerer Abfluss

300 m³/sec

* 50 x so groß wie das

Emschergebiet


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“Große Seen der Seine” – öffentliche Wasserwirtschaft

‣ Gründung 1926 zur Seine-Regulierung und zum Bau erster

Deiche nach der Flut 1910 und der großen Trockenperiode 1921.

‣ Bewirtschaftung von 4

Wasserspeichern in den

Oberläufen an Marne,

Aube, Yonne und Seine

mit insges. 830 Mio.m³ *

‣ Gewährleistung einer

Mindestwasserführung

um die Trinkwasserversorgung

von Paris und

das ökologische Gleichgewicht

der Flüsse

zu sichern

* Möhne + Bigge + Edertalsperre zusammen 500 Mio m³


Europäisch denken – lokal handeln!

Paris 1910 (100-jährliches Ereignis)


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Paris 1910 (100-jährliches Ereignis)


Europäisch denken – lokal handeln!

Paris Sommer 1942


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Hochwasserrisiken in Paris

gemessen am Ereignis 1910

‣ 850.000000 direkt betroffene Bürger

‣ 2 Mio. Menschen ohne Strom

‣ 2,7 Mio. Menschen ohne Trinkwasser

‣ 170.000000 Betriebe betroffen

= ein Hochwasser wie 1910 würde heute

30 bis 40 Mrd. € Schaden bedeuten

140 km der METRO-Linien wären betroffen

Überflutete Gebiete 1910


Hydraulische und ökonomische

Wirkung der 4 Stauseen

Senkung des Seinelevels um

‐ 60 cm gegenüber 1910

‐ 85 cm gegenüber 1955

9,00

MARNE

SEINE-AUBE

YONNE

GD MORIN

Observée sans l'influence des lacs

8,50

avec influence des 4 lacs

‐ 60 cm in Paris

8,00 Les flèches indiquent les

différentes ondes de crues

7,50

7,00

YONNE

6,50

6,00

LOING

YONNE

GD MORIN

MARNE

SEINE-AUBE

5,50 YONNE

YONNE

5,00

MARNE

4,50

4,00

Schadensminderung um

‐ 86Mrd 8,6 Mrd. € gegenüber 1910

‐ 2,6 Mrd. € gegenüber 1955

3,50

3,00

2,50

15-janv 20-janv 25-janv 30-janv 4-févr 9-févr 14-févr 19-févr 24-févr 1-mars 6-mars 11-mars


Europäisch denken – lokal handeln!

Notwendigkeit weiterer Bassins

‣ Die bestehenden Stauseen wirken nur auf

17% des Seinegebietes

‣ Die Yonne ist der problematischste Seine-

Zufluss mit schnellen und hohen h Abflussspitzen

und entsprechend Gefahr für Paris

Der Staudamm an der Yonne kontrolliert

nur 2% desYonnegebietes

Der Einfluss der Yonne auf die Entstehung

von Flutwellen muss gemindert werden

‣ Die einzig verfügbare Zone für effektiven

Rückhalt ist das Bassée-Gebiet am

Zusammenfluss von Seine & Yonne


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Die Bassée-Flächen waren vor den

1980ern alle 1-2 Jahre Überflutungsflächen

für die Seine, bis 2 große Vor-

haben erhebliche Veränderungen für

Struktur und Hydrodynamik bewirkten

1. Die Seine wurde zur Wasserstraße

2. Kies- und Sandabbau


Europäisch denken – lokal handeln!

Konzept: Minderung der Seine-

Abflüsse durch Reduzierung der Abflussspitzen der Yonne

Überpumpen von der Seine

in die Rückhalteräume

Hochwasser an der Yonne

Minderung der

Abflußspitzen

unterhalb des

Zusammenflusses


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Szenarien & Planungen im Sandund

Kiesabbaugebiet „La Bassée“

‣ 10 Rückhalteräume mit einem Volumen von 55 Mio. m³ auf 23 km²

‣ 58 km Deiche mit einer Höhe bis 4,70 m und 2,5 km² Wasseroberfläche

‣ mittlere Wasserhöhen von 2,50 m

‣ Füllung der Rückhalteräume durch 7 Pumpwerke (=50 Pumpen) mit

einer Gesamtförderleistung von 230 m³/sec

‣ Verzögerte Entleerung unterstrom mit 13 Schleusen

Geschätzte Pegelreduzierung

zwischen 20 und 50 cm, je nach

Stadt und Hochwasserereignis


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2. Ziel: Auenentwicklung

‣ Unterhalb von Bassée waren ursprünglich

regelmäßig überflutete Auen, die Natura 2000

und Ramsar-geschützt sind.

‣ Das zweite Projektziel ist entsprechend,

die Dynamik dieses Schwemmlandes wieder

herzustellen.

‣ Insbesondere das ökologische Projekt zielt

auf Wiederherstellung der Flora und Fauna-

Biodiversität ab durch Schaffung

regelmäßiger „ökologischer Flutungen“

• Flutung ehemaliger natürlicher Rinnen

durch alljährliches Pumpen von

Grundwasser

‣ Monitoring der im Gebiet vorkommenden

Arten (Entwicklung, Anzahl,…)


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La Bassée:

La Bassée:

ein multifunktionales

Gebiet


Europäisch denken – lokal handeln!

La Bassée:

ein multifunktionales

Gebiet

55 Mio. m³

Geschützte

Auen

Ramsar, Natura

2000 ...

Sand- und

Kiesabbau

Hochwasserrückhalt

Wasserresourcen

Archäologie

und Kulturgüter

Landwirt-

schaft und

Erholung


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Rahmenbedingungen „La Bassée“

‣ Betroffene Grundstücke: 5.900

‣ 65% hiervon sind im Eigentum von

nur 20 Personen.

‣ 30% der Gesamtfläche sind im

Eigentum der öffentlichen Hand.

‣ Finanzielle Kompensation gegenüber g

Landwirten und Transportgewerbe

muss für 2.300 ha potenziell

überfluteter Fläche geleistet werden.

‣ Finanzielle Kompensation muss

auch für Schäden in der Forst-

wirtschaft und für Torfflächen

erfolgen.


Informations- und

Beteiligungsebenen

Im Projektgebiet (42 km² und 12 Gemeinden):

• 2001-2004 : Machbarkeitsstudien, transparenter Dialog mit lokalen

Stakeholdern und Anwohnern zur Definition der Eckpfeiler des Projekts

• 2008-2011: langfristig angelegte Infromations- und Konsultationsprozesse

zur Vorbereitung der späteren formalen Beteiligungsphase

• Nov. 2011 – Feb. 2012 : öffentliche Bürgerbeteiligung

g g


Europäisch denken – lokal handeln!

Strukturen in der Vorbereitung

der Bürgerbeteiligung 2001 - 2004

Eine Steuerungsgruppe u.a. mit gewählten

Regionalvertretern

2 Arbeitsgruppen:

‣ eine für technische Aspekte des Vorhabens

‣ eine zu Raumnutzungsfragen:

Landnutzung, Ökonomie, Ökologie

‣ Unterschiedliche Themengruppen zu

Spezialfragen

‣ Über 60 Arbeitstreffen und 40

Abendveranstaltungen in den Rathäusern

‣ Gruppen mit bis zu 100 Personen


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2001 - 2004

‣ 7 Infobriefe

verschickt an

14.000 Familien

‣ Wanderausstellung

von Januar bis

März 2003 in

6 Gemeiden

‣ Ausstellung auf

einem Boot

‣ Presse

‣ Internet/ website

in den Folgejahren

weitere Planungen


Europäisch denken – lokal handeln!

Beteiligung von 2008 bis 2011

‣ Detaillierung der Planungen und Untersuchungen

‣ Einsetzung eines Komittees ab 2009 aus den beteiligten Körperschaften

zur Abstimmung der Projektinhalte

‣ Ab Herbst 2010 bis Mitte 2011 wöchentliche Präsenz auf dem

Planungsgelände in einem Haus in Bray-sur-Seine mit einer Ausstellung

‣ Parallel dazu weitere Ausstellungen, Diashows, Info-Briefe,

Projektbroschüren, Internetpräsenz

Dialog und Sensibilisierung der Bevölkerung

Demonstration ti der technischen h Umsetzbarkeit


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Ab 2011: Das „online-

Beteiligungsverfahren“

‣ Verantwortliche Behörde zur Durchführung des Beteiligungsverfahrens:

g

Commission nationale du débat public (CNDP)

‣ Laufzeit: 2. Nov. 2011 - 17. Februar 2012 auf

Grundlage der IIBRBS-Unterlagen

2-stufiges Verfahren:

‣ Schaltung einer online-Plattform

(Fragen/Antworten und eigene

Beiträge)

‣ Parallele Info-Veranstaltungen in

allen betroffenen Gemeinden

Erklärung Dokumente Beiträge


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Das begleitete „online-

Beteiligungsverfahren“

‣ 14 Termine vor Ort (17.11.2011 bis 15.02.2012)

‣ 1 thematischer Workshop zu den hydraulischen Modellen

‣ 1.150 Teilnehmer mit 250 Fragen

‣ 84 Fragen wurden auf der Internet Seite gestellt

‣ 35 Organisationen, Vereine oder gewählte Vertreter schrieben Beiträge zu

der Debatte

‣ Fachliche Umsetzung durch

Mitarbeiter von Seine Grands Lacs


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Weitere Maßnahmen

‣ Kommunikationsbroschüre und Flugblätter zur Erläuterung des Vorhabens

‣ Alle technischen Dokumente und Berichte waren für alle zugänglich

‣ Die Internet website speziell für die Beteiligung

‣ Alle Fragen wurden binnen einer Woche beantwortet


Europäisch denken – lokal handeln!

Erkenntnisse aus dem

„online-Beteiligungsverfahren“

• Es scheint wichtig, das Projekt in einen größeren und umfassenderen

Zusammenhang des Hochwasserrisikomanagements im Seine-

Einzugsgebiet zu stellen.

• Die Investitionen von 500 Mio. € und laufende Kosten 5 Mio.€/Jahr

werden als zu hoch erachtet.

• Wie kann ein so großes Projekt überhaupt finaniziert werden?

• Warum wirkt so ein großes Projekt nicht auch auf die Verbesserung bei

Niedrigwasser, insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels?

• Viele Fragen betreffen die Auswirkungen des Projektes (Ökologie,

Hydrogeologie, Flächennutzung) und die Integration in die Landschaft

• Anwohner fordern Kompensation (Wirtschaftsförderung, Freizeit, …)

• Auenentwicklung wird viel diskutiert und erfordert mehr Aufmerksamkeit


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…nach der Beteiligung

die Verfahrensführende Behörde CNDP hat am 30.März einen Bericht

vorgelegt:

‣ EPTB Seine Grands Lacs wird empfohlen, zunächst nur eines der

Becken zu verfolgen und experimentell zu bauen

‣ der Vorstand von EPTB hat am 14. Juni 2012 entschieden:

Beschluss

• Planung und Bau eines Versuchsbeckens, um das Bassée Projekt in ein übergeordnetes

Hochwasserrisikomanagementprogramm einzubringen und 80%

Förderung durch den Staat, die Ile‐de‐France Region und die EU einzuwerben.

• Das Becken muss ein bedeutsames Volumen haben (10‐15 Mio. m³) und

deutliche Wirkung für die Hochwasserminderung.

• Planung & Bau erster Maßnahmen zur Auenentwicklung als konzertiere Aktion

• Die Gesamtkosten dürfen 100 Mio. €nicht überschreiten.

27


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Hochwasseraktionsplan

„PAPI“

• Seit Juni 2012 wird der PAPI gemeinsam von der Stadt Paris und den

3 benachbarten Departments erarbeitet.

• PAPI enthält 80 Maßnahmen zu folgenden Themen

– Governance

– Verbesserung der Informationen und des Risikobewusstseins

– Hochwasservorhersagen und Monitoring

– Krisenmanagement

– Berücksichtigung von Hochwasser in der Stadtplanung

– Hochwasserwiderstandsfähigkeit

La Bassée

– Verringerung der Flutdynamik

Versuchsbecken

– Management hydraulischer Schutzmaßnahmen

Der PAPI « Seine et Marne francilienne » wurde vom Vorstand

angenommen am 25. September und wird gegenwärtig vom

Staatlichen Technischen Dienst geprüft bis December 2013


Schlussfolgerungen

Der Dialog und der Beteiligungsprozess waren positiv für die Planung

und um die lokale Akzeptanz für das Projekt zu gewinnen.

‣ Insbesondere die frühe Phase von 2001-2004 brachte hilfreiche

Kontakte vor Ort und mit den EPTB Seine Grands Lacs Vertretern

‣ Die öffentliche Beteiligung hat vor-Ort-Bevölkerung OtB genauso wie

Unterlieger in den bedrohten Gebieten eingebunden. Dennoch:

‣ Insgesamt hohe Aufmerksamkeit lokal im Gebiet

‣ Dagegen nur wenig Unterlieger an den Veranstaltungen beteiligt,

obwohl 850.000 Menschen in überflutungsgefährdeten Bereichen leben

‣ wenig Hochwasserbewusstsein im Raum Paris

‣ In der öffentlichen Diskussion angesprochene Punkte haben zu

Änderungen an machen Grundrissen u.a. im Projekt geführt.

Nächste Schritte: Öffentlichkeitsbeteiligung beginnt erneut um

das Testbecken und die Auenentwicklung zu planen.

Der Zeitrahmen liegt zwischen Nov. 2013 und Juni 2014


Europäisch denken – lokal handeln!

Merci

Vielen Dank

Thank You

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