Neue und alte technologien effizient nutzen
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Markt<br />
<strong>Neue</strong> <strong>und</strong> <strong>alte</strong> Technologien<br />
<strong>effizient</strong> <strong>nutzen</strong><br />
Hallenbau ❙ Beachvolleyball hat sich etabliert, sogar so weit, dass man es nun nicht mehr nur am Strand, sondern<br />
auch in der Halle spielt. In Berlin entstand eine solche Halle nach dem Entwurf von Prof. W<strong>alte</strong>r A. Noebel in wirtschaftlich<br />
optimierter Holzbauweise. Klaus Fritzen<br />
Dem Himmel unauffällig angepasst sollte<br />
sich das mächtige Bauvolumen von<br />
r<strong>und</strong> 54 m × 27 m × 15 m so zurückh<strong>alte</strong>nd<br />
es ging in die städtische Umgebung fügen.<br />
Wie die Bilder zeigen, ist dies gelungen. Das<br />
verfügbare Budget verlangte nach sorgsamer<br />
Aufstückelung, denn die Halle sollte<br />
Spielkomfort bieten. Drei Beachvolleyballfelder<br />
waren einzuhausen.<br />
Die Bauaufgabe war höchst einfach strukturiert:<br />
Auf eine umlaufende r<strong>und</strong> 5 m hohe,<br />
unten eingespannte Sockelwand aus Stahlbeton<br />
war ein Kasten mit 9 m Höhe ab der<br />
Sockelwand 54 m lang <strong>und</strong> 27 m breit aufzusetzen.<br />
Die Wände sind fensterlos. Die<br />
Flachdachplatte durfte nur von den beiden<br />
Außenquerwänden <strong>und</strong> den zwei Hauptträgern<br />
gestützt werden. Das Budget für die<br />
Konstruktion über den Betonwänden war<br />
äußerst bescheiden. Die erste Angebotsr<strong>und</strong>e,<br />
wie üblich ausgeschrieben mit BS-Holz-<br />
Hauptträgern <strong>und</strong> BS-Holzpfetten, ergab<br />
Kosten, die das Budget nicht hergab. Mit<br />
Engagement <strong>und</strong> in Zusammenarbeit mit<br />
dem Architekten fand die Zimmerei Sieveke<br />
eine andere Lösung, die das Budget einhielt.<br />
Die Gr<strong>und</strong>züge der Alternativlösung sind:<br />
• aufgelöste Träger (Fachwerkträger) für<br />
Primär- <strong>und</strong> Sek<strong>und</strong>ärtragwerk,<br />
• Aussteifung <strong>und</strong> Stabilisierung der Halle<br />
nur mittels Holztafeln,<br />
• Putz unmittelbar auf der Außenbeplankung<br />
der Holztafeln,<br />
• Veränderung der projektierten Auflagerung<br />
der Außenwände auf den Sockelwänden,<br />
• weitestgehende Vorfertigung der Wände<br />
einschließlich Putz <strong>und</strong> Außenanstrich in<br />
der Werkstatt,<br />
• Elementfugen mit Leisten abgedeckt.<br />
Die maßgebenden Kenngrößen für die zu<br />
findende Lösung sind in Bild 2 zusammengestellt.<br />
Wandaufbau<br />
war maßgebliche Kostengröße<br />
Da die Wände wärmegedämmt <strong>und</strong> verputzt<br />
sein mussten, war angesichts der großen<br />
Wandflächen deren Aufbau eine maßgebliche<br />
Kostengröße. Sieveke fühlte bei<br />
Eternit vor, ob bei der Wandflächengröße<br />
eine Außenbeplankung mit Bluclad <strong>und</strong><br />
unmittelbar darauf aufgebrachtem Putz<br />
ausreichende Zuverlässigkeit <strong>und</strong> Dauerhaftigkeit<br />
erwarten ließe. Die Einschätzung<br />
von deren Anwendungstechnik war positiv.<br />
In Sachen Wirtschaftlichkeit war ein guter<br />
Fortschritt erreicht: Aussteifende Beplankung<br />
<strong>und</strong> zugleich Putzträger. Damit war<br />
die Ausbildung der Wände als Wandscheiben<br />
in Holztafelbauart eine präferierte<br />
Lösung. Um mit möglichst ganzen Plattenformaten<br />
höchste Wirtschaftlichkeit zu<br />
erreichen, wurde in einem entsprechenden<br />
Raster von 3 m, der größten Plattenlänge,<br />
weiterentwickelt.<br />
Das Raster von 3 m passte nahezu ideal<br />
zu der Hallengröße von r<strong>und</strong> 3 × 18 m =<br />
54 m Länge = 3 × 6 × 3m <strong>und</strong> 27 m Hallenbreite<br />
= 9 × 3 m. Da die Hallenwände von<br />
vorneherein fensterlos entworfen waren,<br />
ergaben die Vorbemessungen, dass sie die<br />
Wind- <strong>und</strong> Stabilisierungslasten problemlos<br />
abtragen können, wenn sie beidseitig<br />
beplankt, außen mit Bluclad, innen mit<br />
OSB, ausgeführt würden. Die Wandtafeln<br />
bestehen so nun aus r<strong>und</strong> 9,00 m hohen<br />
Stützen <strong>und</strong> dazwischen liegenden waagerechten<br />
Riegeln in einem vertikalen<br />
Abstand von 62,5 cm. Die Beplankungsplatten<br />
sind mit ihren Längsseiten waagerecht<br />
angeordnet, die Hohlräume sind mit<br />
Mineralfaser, Dicke 160 mm, gedämmt. Die<br />
senkrechten Tafelränder wurden nach dem<br />
Richten mit diagonal eingedrehten Vollgewindeschrauben<br />
schubfest miteinander<br />
verb<strong>und</strong>en.<br />
Mit 54 m Stützweite überdacht<br />
Die Dachfläche – als Flachdach – zwar mit<br />
54 m Stützweite als horizontaler Windträger,<br />
aber mit 27 m Breite = statische Scheibenhöhe<br />
– ließ die Abtragung der Horizontallasten<br />
auf die Hallenquerwände als<br />
Scheibe mit OSB-Platten-Beplankung gut<br />
möglich erscheinen. Es galt allerdings die<br />
Störungen durch die Dachdurchbrüche<br />
zu beachten. Das Ingenieurbüro KGS-Ingenieure<br />
wurde konsultiert <strong>und</strong> bestätigte<br />
die Nachweisbarkeit unter Berücksichtigung<br />
der Dachdurchbrüche.<br />
Die Dachscheibe hat nicht unterstützte<br />
Plattenränder! Die Ausbildung einer Dach-<br />
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Bild 4: Horizontalschnitt durch die Wandtafeln<br />
an den Stützen (Prinzipdarstellung)<br />
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50 bauen mit holz · 1.2010
Bilder BAUEN MIT HOLZ<br />
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Bild 1: Das mächtige Bauvolumen der Holzkonstruktion, verputzt <strong>und</strong> hellblau angestrichen,<br />
passt sich zurückh<strong>alte</strong>nd entsprechend der Vorstellung des Architekten in den Himmel ein.<br />
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Bild 2: Die wesentlichen Schnittgrößen der Hallenstruktur im Überblick<br />
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Bild 3: Die Tragsicherheit der Deckenscheibe wurde auf der Gr<strong>und</strong>lage von Forschungsergebnissen<br />
<strong>und</strong> unter Zuhilfenahme der Zulassung für die schubfesten Verbindungen der Plattenschmalseiten<br />
mit Wellennägeln nachgewiesen.<br />
1.2010 · www.bauenmitholz.de<br />
51
Markt<br />
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Bild 5: Fachwerk der beiden Hauptträger: Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit unsymmetrisch<br />
ausgeführt, mit den wesentlichen Dimension <strong>und</strong> Schnittgrößen<br />
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Bild 6: Fachwerk der Nebenträger mit den wesentlichen Dimensionen <strong>und</strong> Schnittgrößen<br />
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Bild 7: Die Verleistungen der OSB-Plattenfugen ergeben schlichte Kassetten,<br />
die Fachwerke des Dachs lockern den Blick in die „Kiste“ auf.<br />
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scheibe dieser Dimension ohne schubfeste<br />
Verbindung der nicht unterstützten Plattenränder<br />
war wegen der Dachdurchbrüche<br />
nicht möglich. Die Unterlegung der Stöße<br />
der Plattenstöße in deren Spannrichtung<br />
mit Stoßhölzern hätte einen erheblichen<br />
Aufwand ergeben. Sieveke machte sich die<br />
Zulassung Z 9.1-608 zu Nutze, die die schubfeste<br />
Verbindung der nicht unterstützten<br />
Plattenstöße mit Wellennägeln (siehe Kasten)<br />
ermöglicht. Das gewählte Muster der<br />
Plattenanordnung, nahezu ohne Verschnitt,<br />
zeigt Bild 3. Durch den Einsatz der Wellennägel<br />
wurden r<strong>und</strong> 220 lfdm Stoßhölzer einschließlich<br />
der zugehörigen, beidseitigen<br />
Nagelung/Klammerung ersetzt, die unter<br />
den Stoßfugen anzubringen gewesen<br />
wären. Damit waren die wirtschaftlichen<br />
<strong>und</strong> technischen Gr<strong>und</strong>voraussetzungen<br />
für den Bau als reine „Kiste“ gegeben.<br />
Fachwerkträger<br />
waren die wirtschaftlichste Lösung<br />
Wie bereits erwähnt, liegen die Hauptträger<br />
zwischen den Lichtraumprofilen der drei<br />
Spielfelder <strong>und</strong> haben in Folge der Spielfeldbreite<br />
von r<strong>und</strong> 18 m jeweils eine entsprechende<br />
Lasteinflussbreite abzutragen.<br />
Die maßgebenden Bemessungsschnittgrößen<br />
zeigt Bild 1. Die Höhe der Hauptträger<br />
konnte groß sein, da es diesbezüglich keine<br />
Einschränkungen gab. Bei Stützweiten bis<br />
ca. 35 m konkurrieren gerade BS-Holz-Balken<br />
mit parallelgurtigen Fachwerken. Da die<br />
statische Höhe groß gewählt werden konnte<br />
<strong>und</strong> zugleich die Querkäfte verhältnismäßig<br />
hoch waren (hohe Gleichstreckenlast),<br />
wurde ein Fachwerkträger als Alternative zu<br />
einem BS-Holz-Binder untersucht. Die statische<br />
Höhe wurde zu r<strong>und</strong> 3 m gewählt,<br />
was einem Verhältnis h/l = 3/27 = 1/9 entspricht.<br />
Damit lassen sich gut wirtschaftliche<br />
Holzbau-Fachwerkträger erreichen. Als<br />
Binderform wurde ein Pfosten-Diagonalen-<br />
Fachwerk mit steigenden Streben gewählt,<br />
damit die Nebenträger an die Pfosten angeschlossen<br />
werden konnten. Da als Verbindungstechnik<br />
die Greimbauweise am wirtschaftlichsten<br />
schien, wurden die Diagonalen<br />
„steigend“, also als Zugstäbe, gewählt.<br />
Statt des üblichen Bildungsprinzips der zur<br />
Mitte symmetrischen Ausfachungsanordnung<br />
folgte man hier – unkonventionell<br />
– dem 3-m-Raster der Wände <strong>und</strong> plante<br />
einen asymmetrischen Binder. Das macht<br />
bezüglich der Binderstabkräfte kaum einen<br />
Unterschied <strong>und</strong> schafft bezüglich der<br />
Nebenträger <strong>und</strong> Querwände viele Vorteile<br />
(kein Plattenverschnitt, größere Anzahl gleicher<br />
Wandelemente). Trotz der günstigen<br />
Trägerhöhe ergaben sich recht „kräftige“<br />
Stabquerschnitte wegen der hohen Last<br />
(Bild 5). An den Knotenpunkten, maßgebend<br />
sind die Enddiagonalen, war mit vier<br />
Blechen, also einer achtschnittigen Nagelverbindung,<br />
fast die Grenze der Greimbauweise<br />
erreicht, aber es ging. Ein Vorteil der<br />
Greimbauweise ist der geringe Holzbedarf,<br />
da an den Verbindungsstellen nur die<br />
schmalen Sägeschlitze als Fehlflächen abzuziehen<br />
sind. Die nicht vorgebohrten Nägel<br />
brauchen nicht als Fehlflächen angesetzt<br />
zu werden. Die Kalkulation ergab einen<br />
günstigeren Preis als für einen BS-Holz-<br />
Vollwandträger. Außerdem, so Geschäftsführer<br />
Günter Buhr „… bleibt mehr Wertschöpfung<br />
im Betrieb!“. Das Fahren der<br />
27-m-Binder wäre auf der Straße prinzipiell<br />
möglich gewesen, jedoch entschied man<br />
sich, die Binder zu teilen <strong>und</strong> auf der Baustelle<br />
zusammenzufügen. Damit wurde der<br />
Transport kostengünstiger (keine Überlänge,<br />
mit eigenen LKW) <strong>und</strong> das Handling in<br />
der Werkhalle einfacher. Die Nebenträger<br />
52 bauen mit holz · 1.2010
autafel<br />
Bauherr<br />
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung,<br />
Berlin<br />
www.stadtentwicklung.berlin.de<br />
Architektur<br />
Prof. W<strong>alte</strong>r A. Noebel<br />
www.noebel.de<br />
Tragwerksplanung <strong>und</strong> Ausführung<br />
Zimmerei Sieveke GmbH, Lohne<br />
www.sieveke.de<br />
Bild 8: Die im Werk fertig verputzten <strong>und</strong> angestrichenen Wandtafeln waren ein<br />
wesentlicher Wirtschaftlichkeitsfaktor.<br />
spannen entsprechend dem Binderabstand<br />
18 m. Ihr Achsabstand ergibt sich schon fast<br />
zwangsläufig aus dem Außenwandraster<br />
zu 3 m. Jeder Nebenträger stellt also schon<br />
einen Binder einer kleinen Halle dar. Auch<br />
hier fiel der Kostenvergleich zwischen BS-<br />
Holz-Vollwandträgern <strong>und</strong> einer Alternative<br />
als Fachwerk in Greimbauweise zugunsten<br />
des Fachwerks aus. Das Fachwerk konnte<br />
seine Qualitäten allerdings nur bedingt<br />
ausspielen, weil die Trägerhöhe gedrungen<br />
gewählt werden musste, um das Lichtraumprofil<br />
einzuh<strong>alte</strong>n <strong>und</strong> zugleich die Außenwandfläche<br />
nicht unwirtschaftlich zu vergrößern.<br />
Mit 1 m Systemhöhe bei 18 m<br />
Spannweite ergibt sich h/l = 1/18. Ein reines<br />
Diagonalenfachwerk mit recht flach<br />
geneigten Diagonalen ist in solchen Fällen<br />
die sehr wirtschaftliche Form. Die wesentlichen<br />
Ausprägungen zeigt Bild 6. Damit war<br />
eine Lösung gef<strong>und</strong>en, die noch gerade in<br />
das Budget hineinpasste, wenn der Architekt<br />
einige Veränderungen gegenüber<br />
dem Entwurf akzeptierte.<br />
Behutsame Planungskorrekturen<br />
senkten die Kosten<br />
Die Beton-Sockelwände erhielten außen<br />
eine Dämmung <strong>und</strong> vorgesetztes, kleinformatiges<br />
Ziegelmauerwerk. Vorstellung des<br />
Architekten war, die Hallenwände leicht über<br />
das Vormauerwerk hinaus stehend aufragen<br />
zu lassen. Dies hätte zu einem erheblichen<br />
Aufwand geführt, denn die Außenwände<br />
hätten entweder mit einem Betonkragarm<br />
an der Wandkrone die Stützenlasten<br />
ausnehmen müssen oder umgekehrt die<br />
Stützen mit einem Kragarm am Stützenfuß<br />
ihre Last zu der Wandkrone leiten müssen.<br />
Der entworfene Gestaltungsaspekt wurde<br />
zugunsten des Preise geopfert, <strong>und</strong> nun<br />
grenzt ein umlaufendes Bord, das die Vormauerung<br />
überdeckt, Unterbau <strong>und</strong> Oberbau<br />
voneinander ab. Auch die Dachgesimse,<br />
sorgfältig gest<strong>alte</strong>t, fielen zugunsten des<br />
Preises weniger differenziert aus, was allerdings<br />
bei der Hallenhöhe ohnehin weniger<br />
ins Auge fällt. Bei den äußeren Stößen der<br />
Außenwandelemente wurden Abdeckungen<br />
mit Brettern akzeptiert, auch wenn der<br />
mächtige, hellblaue Kubus dadurch nicht<br />
mehr so ganz mit dem Himmelsblau verschmelzen<br />
kann, wie ursprünglich erdacht.<br />
Größere, fugenlose Wandflächen als die<br />
Bild: Sieveke GmbH<br />
Kostendämpfungsfaktoren<br />
Viele Mittel gegen die Kosten<br />
• Dachscheibe mit 54 m Stützweite, nicht<br />
unterstützten Plattenstößen ohne Stoßhölzer<br />
sowie größeren Dachöffnungen,<br />
erreicht durch:<br />
– Wellennägel zur schubfesten Verbindung<br />
der nicht unterlegten Platten stöße<br />
nach Z 9.1-608, konform zu der<br />
Zulassung,<br />
– besonderen Nachweis für die Öffnungen.<br />
• Außenwandscheiben (statt eingespannte<br />
Stützen) mit:<br />
– tragender Außenbeplanung = Scheibe<br />
<strong>und</strong> Putzträger durch Bluclad nach<br />
Z 9.1-451, konform zu der Zulassung,<br />
– werkseitigem Verputz <strong>und</strong> Anstrich der<br />
3 x 9 m² großen Wandelemente,<br />
– Wandstützen-Raster optimiert nach Plattenformat<br />
(kaum Zuschnitt, fast kein Verschnitt),<br />
– Kosten sparende Veränderung des<br />
Details der Lastabtragung am Wand sockel,<br />
– tragende Innenbeplankung mit OSB = fertiger<br />
Ausbau, Fugenüberdeckung mit Holzrippen<br />
gibt Kassetten-Optik, Plattenformate<br />
passend im Wandraster (kaum Zuschnitt,<br />
fast kein Verschnitt),<br />
– Dämmziel kostengünstig erreichbar (Hohlraumdämmung<br />
der Riegelwände).<br />
• Haupt- <strong>und</strong> Nebenträger in Greim-Fachwerk-Bauweise:<br />
– kostengünstiger als BS-Holz-Vollwandträger,<br />
– höhere Wertschöpfungsanteile im Zimmereibetrieb,<br />
– geringere Transportgewichte,<br />
– günstigere Auflagerung der Nebenträger<br />
auf den Hauptträgern (Verbolzen der Endvertikalen;<br />
keine Queranschlüsse mit aufwendigen<br />
Stahlteilen).<br />
• Zusatz<strong>nutzen</strong>:<br />
– Schalldämpfung durch Schalldiffusion wegen<br />
der aufgelösten Binder (Fachwerke)<br />
<strong>und</strong> Wandkassettenbildung,<br />
– aufgelöste Optik, die den Baukörper von<br />
innen lebhafter <strong>und</strong> weniger massig erscheinen<br />
lässt,<br />
– angenehmes Raumklima durch die Feuchte-Sorptionsfähigkeit<br />
der großen, unbehandelten<br />
Holzflächen.<br />
1.2010 · www.bauenmitholz.de<br />
53
Markt<br />
Bild: Sieveke GmbH<br />
Bild 9: Knapp zwei Drittel der Halle sind gerichtet.<br />
der Wände wurde dies durch sorgfältige<br />
Inspektion festgestellt, <strong>und</strong> auch nach dem<br />
Richten war der Putz rissfrei.<br />
Die Auflagerschwellen der Wände wurden<br />
mit größter Akkuratesse ausgerichtet, weil<br />
schon geringe Abweichungen „aus der Waage“<br />
hohes Potenzial für Risse im Putz haben.<br />
Das Stellen der Halle ging in drei „Spielfeld“-<br />
Takten. Je Spielfeld wurden die Wände nach<br />
dem Einhieven mit 13 m langen Kantholz-<br />
Streben als Baubehelfen exakt ausgerichtet<br />
fixiert. Dann folgte der Hauptträger <strong>und</strong><br />
anschließend die Nebenträger. Die Dachflächen<br />
erhielten unverzüglich eine Aufdachdämmung<br />
mit Abdichtung.<br />
Ein Restrisiko bleibt bei solchen Projekten<br />
durch das Wetter, denn die Windkräfte sind<br />
bei U-förmig offener Halle im Bauzustand<br />
deutlich größer als bei geschlossener Halle.<br />
Hier wurden solche möglichen Extremzustände<br />
mittels einer Montagestatik berücksichtigt,<br />
wobei natürlich mit geringen Sicherheitsbeiwerten<br />
auf der Last- <strong>und</strong> auf der<br />
Widerstandsseite gerechnet werden konnte.<br />
Die Wandelemente haben die zwei ersten<br />
Winter tadellos abgewettert. Bei feuchtem<br />
Putz zeichnen sich im Winter die Holzrippen<br />
außen dezent als hellere, schon trockenere<br />
Streifen von der feuchteren Umgebung ab,<br />
was beweist, dass die Holzrippen tatsächlich<br />
Wärmebrücken sind.<br />
Bild 10: Schwach erkennbar werden beim Abtrocknen des Putzes<br />
im Winter die Wärmebrücken durch die Holzrippen.<br />
jetzt verwirklichten hätte jedoch keiner der<br />
Beteiligten in der Preissparvariante zu bauen<br />
gewagt.<br />
Das Innenambiente wird vollends dominiert<br />
von nacktem Beton <strong>und</strong> unbehandeltem<br />
OSB. Auch hier sind die Fugen der Wandtafeln<br />
mit aufgesetzten Leisten abgedeckt,<br />
was zusammen mit den nach innen vorstehenden<br />
Stützen eine angenehme, schlichte<br />
Kassettenstruktur ergibt. Die Fachwerke der<br />
Haupt- <strong>und</strong> Nebenträger sorgen für eine<br />
Auflockerung der Dachfläche, die mit BS-<br />
Holz-Vollwandträgern nicht zu erreichen<br />
gewesen wäre.<br />
Spannung <strong>und</strong> Erfolg<br />
bei Transport <strong>und</strong> Montage<br />
Die Vorfertigung der Wandscheiben, 3 ×<br />
9 m², war holzbautechnisch kein Hexenwerk.<br />
Auch Verputz <strong>und</strong> Anstrich gingen<br />
einfacher als mit einer 16 m hohen Einrüstung<br />
auf der Baustelle. Spannend wurde<br />
es beim Transport. Die Berechnungen<br />
ergaben, dass die Transportbeanspruchungen<br />
geringer sein müssten als im fertigen<br />
Zustand. Allerdings blieb die Ungewissheit,<br />
wie der Putz in Kombination mit den Holztafeln<br />
das Gerüttel auf der Straße „vertragen“<br />
würde. Er vertrug es. Vor dem Stellen<br />
Wertschöpfung<br />
mit guten Ideen im Betrieb beh<strong>alte</strong>n<br />
Der tiefe Einstieg in die Mitprojektierung<br />
<strong>und</strong> die zugehörige Entwicklung von Alternativen<br />
haben zu diesem Auftrag geführt.<br />
Die letztendlichen Tragsicherheits- <strong>und</strong> Ge -<br />
brauchs tauglichkeitsnachweise wurden von<br />
der Zimmerei Sieveke geführt oder teilweise<br />
von ihr beauftragt. Das gebaute Ergebnis<br />
lässt nicht erkennen, dass es sich bei dem<br />
Oberbau um eine absolute Sparversion handelt.<br />
So gut kann der Holzbau sein, wenn<br />
es zu einer zielführenden Zusammenarbeit<br />
zwischen Architekt <strong>und</strong> kompetentem Holzbaubetrieb<br />
kommt. Es sind wahrscheinlich<br />
noch mehr Chancen da, die erschlossen<br />
werden wollen.<br />
❙<br />
www.BAUENMITHOLZ.de<br />
Schlagwörter<br />
Fachwerkbinder, Hallenbau, Vorfertigung<br />
54 bauen mit holz · 1.2010