31.12.2013 Aufrufe

IndienIDer Weg aus Verschuldung und Abhängigkeit - Fastenopfer

IndienIDer Weg aus Verschuldung und Abhängigkeit - Fastenopfer

IndienIDer Weg aus Verschuldung und Abhängigkeit - Fastenopfer

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Erfolgreiche ePaper selbst erstellen

Machen Sie aus Ihren PDF Publikationen ein blätterbares Flipbook mit unserer einzigartigen Google optimierten e-Paper Software.

Indien I Der <strong>Weg</strong> <strong>aus</strong> <strong>Verschuldung</strong><br />

<strong>und</strong> <strong>Abhängigkeit</strong>


Inhalt<br />

Länderinformationen ................................................................................................................3<br />

Das Landesprogramm Indien des <strong>Fastenopfer</strong>s ......................................................................4<br />

Löhne <strong>und</strong> Preise in Indien.......................................................................................................6<br />

Landesprogramm Indien ..........................................................................................................7<br />

Berichte <strong>aus</strong> Indien...................................................................................................................8<br />

Erzählungen <strong>aus</strong> Indien..........................................................................................................16<br />

Gebete <strong>aus</strong> Indien ..................................................................................................................18<br />

Rezepte <strong>aus</strong> Indien ................................................................................................................20<br />

2


Länderinformationen<br />

Landesfläche 3'287’263 km 2 CH: 41'285 km 2<br />

EinwohnerInnenzahl 1’147'677’000 CH: 7.7 Millionen<br />

Hauptstadt<br />

Staatsform<br />

Sprachen<br />

Religionen<br />

Ethnische Gruppen<br />

Neu-Delhi)<br />

Parlamentarische B<strong>und</strong>esrepublik<br />

Hindi (350,3 Mio. Sprecher), Englisch sowie<br />

17 weitere Sprachen als Amtssprachen:<br />

Assamesisch (14,8 Mio.), Bengali (68,3<br />

Mio.), Gujarati (44 Mio.), Kannada (35,7<br />

Mio.), Kashmiri, Konkani, Malayalam (34,4<br />

Mio.), Manipuri, Marathi (65,8 Mio.), Nepali,<br />

Oriya (30,3 Mio.), Pandschabi (24,7 Mio.),<br />

Sanskrit, Sindhi, Tamil (59,3 Mio.), Telugu<br />

(71,9 Mio.), Urdu (46,8 Mio.); zahlreiche<br />

weitere Sprachen<br />

80,5% Hindus, 13,4% Muslime, 2,3% Christen,<br />

1,9% Sikhs, 0,8% Buddhisten, 0,4%<br />

Dschainas; 89000 Parsen<br />

fast <strong>aus</strong>schließlich Inder; Minderheiten von<br />

Tibetern, Chinesen, Europäern<br />

BNE pro Kopf 950 $ CH: 60’820 $<br />

Alphabetisierung 61.2% CH: 99,6%<br />

Kindersterblichkeit 7.2% CH: 0.5%<br />

Lebenserwartung<br />

Fischer Weltalmanach 2010<br />

♀ 65.57 Jahre - ♂ 63.90 Jahre<br />

CH: ♀ 83.48 Jahre<br />

♂ 77.69 Jahre<br />

3


Das Landesprogramm Indien des <strong>Fastenopfer</strong>s<br />

Ausgangslage<br />

Bisherige Tätigkeiten<br />

Zielsetzungen<br />

Zielgruppen<br />

Regionen<br />

Die Republik Indien ist gekennzeichnet durch eine enorme<br />

Vielfalt. Für die gesamte indische Gesellschaft prägend ist das<br />

Kastensystem. Obwohl durch die indische Verfassung offiziell<br />

abgeschafft, prägt dieses hochkomplexe System von Zugehörigkeit<br />

zu einer bestimmten Gesellschaftsgruppe noch immer<br />

die Lebenssituation vieler InderInnen. Stark benachteiligte<br />

Bevölkerungsgruppen wie etwa die Dalits (Kastenlose, Unberührbare)<br />

<strong>und</strong> die Adivasi (Mitglieder der Stammesgesellschaften)<br />

erfahren das Kastensystem als Instrument zur<br />

Rechtfertigung von systematischer Ausbeutung <strong>und</strong> Marginalisierung.<br />

Ein zentrales Problem dieser Bevölkerungsgruppen ist die<br />

<strong>Verschuldung</strong>. Die Folge davon sind enorme <strong>Abhängigkeit</strong>en,<br />

der Verlust des landwirtschaftlichen Landes <strong>und</strong> Formen der<br />

Schuldknechtschaft, die der Sklaverei ähnlich sind. Die Liberalisierung<br />

der Wirtschaft <strong>und</strong> die dadurch <strong>aus</strong>gelöste wirtschaftliche<br />

Dynamik verschärft die <strong>Abhängigkeit</strong>en <strong>und</strong> beschleunigen<br />

den Prozess der Enteignung.<br />

Das Kastensystem existiert auch in christlichen Religionsgemeinschaften,<br />

deren Mitglieder nur knapp drei Prozent der<br />

indischen Bevölkerung <strong>aus</strong>machen. Als Gegenmassnahme<br />

wurden kirchliche Leitungspositionen in letzter Zeit auch mit<br />

Dalits <strong>und</strong> in den Stammesgebieten mit Adivasi besetzt.<br />

Das <strong>Fastenopfer</strong> engagiert sich seit über dreissig Jahren in<br />

Indien. Zu Beginn waren die Partner hauptsächlich Diözesen<br />

<strong>und</strong> Kongregationen, denen das <strong>Fastenopfer</strong> beim Aufbau<br />

ihrer lokalen Infrastruktur half. Später kamen immer mehr<br />

nicht-kirchliche NGOs dazu, welche vor allem in ländlichen<br />

Gebieten Entwicklungsarbeit leisteten. Heute sind Pastoral<strong>und</strong><br />

Entwicklungszusammenarbeit in einem komplementären<br />

Verhältnis eng miteinander verb<strong>und</strong>en.<br />

Die Projekte arbeiten mit landlosen Dalits (Kastenlose, Unberührbare)<br />

<strong>und</strong> mit in ihrer Existenz bedrohten Adivasi (Mitglieder<br />

der Stammesgesellschaften) zusammen. Unterstützt von<br />

lokalen Hilfswerken gelingt es ihnen, sich auf lokaler Ebene<br />

zusammenzuschliessen, um sich <strong>aus</strong> eigener Kraft <strong>aus</strong> der<br />

verhängnisvollen <strong>Abhängigkeit</strong> von Grossgr<strong>und</strong>besitzern,<br />

Geldverleihern <strong>und</strong> Händlern zu befreien. Im Sinne einer echten<br />

Hilfe zur Selbsthilfe werden die Zielgruppen darin bestärkt,<br />

sämtliche Initiativen in eigener Regie an die Hand zu nehmen.<br />

Die Projektarbeit basiert somit <strong>aus</strong>schliesslich auf ihrem lokal<br />

vorhandenen Potenzial <strong>und</strong> ihren lokalen Ressourcen, für deren<br />

Erhalt <strong>und</strong> Zugang sie gemeinsam kämpfen.<br />

Zielgruppen der <strong>Fastenopfer</strong> Arbeit in Indien sind die durch<br />

das Kastensystem stark diskriminierten landlosen Dalits <strong>und</strong><br />

Adivasi. Eine zentrale Rolle in den Dorforganisationen nehmen<br />

die Frauen ein.<br />

Die Projekte arbeiten vernetzt in Regionalprogrammen in<br />

neun Gliedstaaten.<br />

4


Kernthemen<br />

Gerechtigkeit leben – Gemeinschaften stärken<br />

Strategische Kernaktivitäten der Dorforganisationen bilden die<br />

selbst verwalteten Ersparniskassen <strong>und</strong> Getreidebanken. Sie<br />

stärken den Zusammenhalt der Gemeinschaften <strong>und</strong> ermöglichen<br />

eine Befreiung <strong>aus</strong> der Schuldenfalle.<br />

Frieden ermöglichen – Dialog fördern<br />

Lohnverhandlungen mit Grossgr<strong>und</strong>besitzern <strong>und</strong> der Kampf<br />

um Landrechte werden durch die untereinander vernetzten<br />

Dorforganisationen geführt.<br />

Lebensgr<strong>und</strong>lagen sichern – Ressourcenzugang fördern<br />

Mit lokalen Regierungsstellen werden Verhandlungen geführt,<br />

um Zugang zu deren Dienstleistungen <strong>und</strong> Entwicklungsprogrammen<br />

zu erhalten.<br />

Gemeinden bilden – Glauben leben<br />

Die Pastoralzusammenarbeit mit kirchlichen Partnerorganisationen<br />

konzentriert sich auf den sozio-pastoralen Bereich, d.h.<br />

auf ähnliche konkrete Projekte im Sinne der „Option für die<br />

Armen“.<br />

Nachhaltigkeit<br />

Die Ersparniskassen <strong>und</strong> die Getreidebanken basieren <strong>aus</strong>schliesslich<br />

auf dem lokal vorhandenen Potenzial, den eigenen<br />

Ressourcen der Zielgruppen. Sie ermöglichen die Befreiung<br />

<strong>aus</strong> der <strong>Abhängigkeit</strong> von Gr<strong>und</strong>besitzern <strong>und</strong> Geldverleihern<br />

<strong>und</strong> legen damit die Basis für einen eigenständig<br />

geführten Entwicklungsprozess, der eine nachhaltige Sicherung<br />

der Lebensgr<strong>und</strong>lagen zum Ziel hat. Dieser Prozess wird<br />

durch die lokalen Partnerorganisationen in direkter Zusammenarbeit<br />

mit dem <strong>Fastenopfer</strong> begleitet.<br />

Landesprogramm 2005 - 2010<br />

Budget pro Jahr (2010) Entwicklungszusammenarbeit: Fr. 647’500.-<br />

Pastoralzusammenarbeit: Fr. 252'500.-<br />

Begleitstruktur<br />

Programmverantwortung<br />

Die Hauptverantwortung für die Begleitung der <strong>Fastenopfer</strong><br />

Partnerorganisationen trägt der in Bangalore, Indien, ansässige<br />

Hauptkonsulent Ajoy Kumar. Die lokalen Partnerorganisationen<br />

arbeiten ihrerseits in Netzwerken zusammen, deren<br />

Verantwortliche in direkter Absprache mit den Hauptkonsulenten<br />

einen Teil der Begleitarbeit übernehmen. Durch regelmässige<br />

Besuche des Indien-Programms unterstützt der Programmverantwortliche<br />

in Luzern die Begleitarbeit vor Ort. Die<br />

Begleitung ist somit auf allen Ebenen sichergestellt.<br />

Tobias Buser<br />

FASTENOPFER<br />

Alpenquai 4<br />

Postfach 2856, 6002 Luzern<br />

Telefon 041 227 59 59<br />

Fax 041 227 59 10<br />

mail@fastenopfer.ch<br />

www.fastenopfer.ch<br />

Postcheck 60-19191-7<br />

5


Löhne <strong>und</strong> Preise in Indien<br />

Monatliches Einkommen<br />

Landwirtschaftlicher Arbeiter:<br />

• Rs 2400.--<br />

• Verschuldete Rs 400 bis 750.-- (Abhängig von den Zahlungsbedingungen)<br />

Industrie Arbeiter<br />

• Rs 7500 bis 15000.--<br />

• Ungelernte: Rs 4500 bis 6000.--<br />

Büroangestellter<br />

• Rs 8000 bis 15000.--<br />

Warenkorb<br />

Preis in Rs<br />

• Seife Land: Rs 8<br />

Stadt: Rs 12<br />

• Soft Drink (Coca Cola) Land: Rs 6<br />

Stadt: Rs 18<br />

• 1 Kg Reis Land: Rs 12<br />

Stadt: Rs 18<br />

• 1 Kg Fleisch Land: Rs 150<br />

Stadt: Rs 150-250<br />

• Beliebte Süssigkeiten Land: Rs 100/ Kg<br />

Stadt: Rs 150/Kg<br />

• Kugelschreiber Land: Rs 5<br />

Stadt: Rs 10 <strong>und</strong> mehr<br />

• Beliebtes Spielzeug Land: Rs 10 bis 50<br />

Stadt: Rs 50 <strong>und</strong> mehr<br />

• Schreibblock Land: Rs 10<br />

Stadt: Rs 20<br />

• Schuluniform Land: Rs 250 bis 300<br />

Stadt: Rs 300 <strong>und</strong> mehr<br />

• Jährliche Schulgebühr Land: Gratis<br />

Stadt: Rs 1'200 Primarstufe<br />

Rs 2'000 <strong>und</strong> mehr Oberstufe<br />

Preis in CHF<br />

20 Rp<br />

30 Rp<br />

15 Rp<br />

45 Rp<br />

30 Rp<br />

45 Rp<br />

3.70 CHF<br />

3.70-6.20 CHF<br />

2.50 CHF/Kg<br />

3.70 CHF/Kg<br />

10 Rp<br />

25 Rp<br />

25Rp – 1.3 CHF<br />

1.30 CHF <strong>und</strong> mehr<br />

25 Rp<br />

50 Rp<br />

6.20-7.45 CHF<br />

7.45 CHF <strong>und</strong> mehr<br />

30 CHF<br />

49.70 CHF<br />

Wechselkurs 1CHF = 40.22 Rs (indische Rupien)<br />

6


Landesprogramm Indien<br />

Adivasi <strong>und</strong> Dalit befreien sich <strong>aus</strong> der Schuldknechtschaft<br />

2009 sprach Ajoy Kumar, Koordinator von <strong>Fastenopfer</strong> in Indien, vor dem UNO-<br />

Menschenrechtsrat in Genf über moderne Sklaverei. Besonders die unberührbaren Dalit <strong>und</strong><br />

die Urbevölkerung Adivasi sind davon betroffen. Kumar berichtete, wie Familien in Schuldknechtschaft<br />

geraten können: Wer dringend Geld braucht – zum Beispiel weil ein Familienmitglied<br />

erkrankt ist – kann bei einem Landbesitzer ein Darlehen bis zu 5000 Rupien aufnehmen.<br />

Dafür muss er bis zu 18 St<strong>und</strong>en pro Tag auf den Feldern des Besitzers arbeiten.<br />

Er erhält keinen Lohn, sondern bloss 1,5 kg Reis pro Tag. Dadurch wird ihm verunmöglicht,<br />

seine Schulden abzutragen. Im Todesfall müssen seine Frau oder seine Kinder die Schulden<br />

übernehmen <strong>und</strong> weiter für den Landbesitzer arbeiten. Wer sich weigert, muss mit Schlägen<br />

oder anderen Vergeltungsmassnahmen rechnen. Die Betroffenen sind nicht nur Landarbeiterfamilien<br />

sondern auch Personen, die in der Ziegelproduktion, in Textilfabriken oder als<br />

H<strong>aus</strong>angestellte arbeiten. Man rechnet mit 200 Millionen Betroffene.<br />

Ajoy Kumar legte dar, wie <strong>Fastenopfer</strong> erfolgreich gegen diese moderne Form der Sklaverei<br />

vorgeht. Dazu sind juristisches Wissen sowie Hartnäckigkeit <strong>und</strong> Ausdauer nötig. Ausgangspunkt<br />

der Arbeit ist die Gründung von Dorforganisationen <strong>und</strong> Spargruppen. Das gemeinsame<br />

Sparen <strong>und</strong> die Vergabe von internen Krediten verhindert die weitere <strong>Verschuldung</strong> <strong>und</strong><br />

reduziert die <strong>Abhängigkeit</strong> nach <strong>und</strong> nach. Der Zusammenschluss in Dorforganisationen gibt<br />

den Menschen Kraft, sich gegen die nach indischem Gesetz illegale Praxis der Schuldknechtschaft<br />

zur Wehr zu setzen <strong>und</strong> für bessere Löhne <strong>und</strong> den Zugang zu staatlichen Sozialprogrammen<br />

zu kämpfen.<br />

Die konsequente Arbeit von <strong>Fastenopfer</strong> trägt Früchte: Das Indienprogramm erreicht 2255<br />

Dörfer. Insgesamt konnten sich in den letzten zwölf Jahren 17 750 Menschen <strong>aus</strong> der<br />

Schuldknechtschaft befreien.<br />

7


Berichte <strong>aus</strong> Indien<br />

Über die Unterschiede zwischen indischer <strong>und</strong> westlicher Esstradition<br />

Essen – ein Akt der Liebe oder des Kampfes?<br />

Mani Mezhukanal fragt danach, welchen Unterschied es macht mit den Händen oder<br />

mit Messer <strong>und</strong> Gabel zu essen? Welche Rolle es spielt, ob die Speisen nacheinander<br />

oder miteinander aufgetragen werden. Und wie das Essen in die religiöse Tradition<br />

Indiens eingebettet ist.<br />

Ich bin in Kerala geboren, an der südwestlichen Küste des indischen Sub-Kontinentes <strong>und</strong><br />

habe dort auch meine Kindheit <strong>und</strong> frühe Jugend verbracht. Spassvögel sagen, es gebe in<br />

Kerala drei Jahreszeiten: heiss, heisser <strong>und</strong> am heissesten! Dank zwei Monsumzeiten hat es<br />

aber reichlich Regen. Die Erde ist fruchtbar. Folglich gibt es auch grosszügige Gaben von<br />

Mutter Erde: Gewürze wie Kardamon, Pfeffer, Ingwer <strong>und</strong> Früchte, zum Beispiel Mangos,<br />

Kokosnüsse, Früchte des Brotfruchtbaumes, Ananas, Guaven, Bananen – <strong>und</strong> vieles davon<br />

sozusagen das ganze Jahr über.<br />

Frühe Erinnerungen<br />

Vor dem Essen wuschen wir uns die Hände <strong>und</strong> spülten uns den M<strong>und</strong>. Dann sassen wir auf<br />

Mutter Erdes Schoss, <strong>und</strong> ein sauberes Bananenblatt wurde vor jedes Familienmitglied gelegt.<br />

Warmer Reis wurde serviert, zusammen mit vier oder fünf hauptsächlich vegetarischen<br />

Curries. Die Bananenblätter, die Gewürze <strong>und</strong> Gemüse kamen frisch gepflückt <strong>aus</strong> unserem<br />

Garten. Wir assen mit den Fingern der rechten Hand, streichelten das Essen, fühlten seine<br />

Beschaffenheit <strong>und</strong> genossen Farbe <strong>und</strong> Geschmack der verschiedenen Gewürze. Nach<br />

dem Essen wuschen wir wieder Hände <strong>und</strong> M<strong>und</strong>, die Bananenblätter wurden zur ökologischen<br />

Wiederverwertung an die Kühe verfüttert. In Form von Milch <strong>und</strong> Dung kamen sie zurück…<br />

Als ich vierzehn war, wurde ich auf eine „westliche“ Schule geschickt. Die meisten Lehrer<br />

waren Europäer. Sie sagten uns, nur „Primitive“ würden mit den Händen essen, die Zivilisierten<br />

benützten Besteck! Auf mich wirkten diese wie Waffen: Die Gabel heftig in das Fleisch<br />

rammen <strong>und</strong> energisch das Messer schwingen, um es in Stücke zu schneiden. Das gab mir<br />

den Eindruck, ein Soldat im Kampf mit meinem Essen zu sein, statt ein Liebhaber, der es mit<br />

Respekt <strong>und</strong> Zärtlichkeit streichelt.<br />

Von den Eindrücken zu den Überlegungen<br />

Der mexikanische Schriftsteller Octavio Paz stellt in seinem Buch „Licht von Indien“ fest,<br />

dass das Essen ein verlässlicher Zugang zu einem Volk <strong>und</strong> seiner Kultur ist. Als Beispiel die<br />

europäische Art zu kochen: Die Reihenfolge der Speisen ist ziemlich klar definiert. Es ist eine<br />

Küche, in der die Speisen einander in einer Art Parade folgen. Das ruft militärische Bilder<br />

wach, so wie das Essen mit Besteck an eine militärische Aktion erinnert. Könnte es sein,<br />

dass die Militanz (missionarisch, militärisch, wirtschaftlich <strong>und</strong> kulturell) der „Zivilisierten“ in<br />

einer Verbindung steht zu ihrer „militärischen“ Art zu essen? In Indien werden die verschiedenen<br />

Speisen zusammen aufgetragen. Keine Reihenfolge, sondern eine Anhäufung <strong>und</strong><br />

Überlagerung von Dingen <strong>und</strong> Geschmacksrichtungen. Eine Fusion von Aromen <strong>und</strong> Farben,<br />

von Gegensätzen wie mild <strong>und</strong> scharf, süss <strong>und</strong> sauer, von Zeiten…<br />

In der Tat gleicht die indische Küche der indischen Geschichte <strong>und</strong> Kultur. Statt eine Abfolge<br />

von Ereignissen <strong>und</strong> eine Chronik von gewonnenen <strong>und</strong> verlorenen Kriegen, ist die Geschichte<br />

Indiens eine Überlagerung von Völkern, Religionen, Institutionen <strong>und</strong> Sprachen.<br />

Das Gleiche gilt für die Religion: Nicht nur eine Vielzahl von Doktrinen, Göttern, Riten,<br />

8


Schöpfungsmythen <strong>und</strong> Sekten, sondern auch Koexistenz <strong>und</strong> Vermischung von unterschiedlichen<br />

<strong>und</strong> sogar sich widersprechenden Thesen <strong>und</strong> Theorien.<br />

Essen: eine religiöse Handlung<br />

Zurück zum Essen: Charaka, der das uralte Wissen der Ayurvedischen Heiltradition vor mehr<br />

als 2000 Jahren zusammengestellt hat, schrieb: “Das Leben aller Lebewesen ist Nahrung…<br />

Was immer zum Glück beiträgt, was immer die vedischen Opferriten betrifft, welche Handlung<br />

auch immer zur spirituellen Rettung führt, alles ist im Essen begründet“.<br />

Eines der wichtigsten Samskaras (Sakramente) in der Hindu-Tradition ist das richtige Essen.<br />

Genau wie Nahrungsmittel Opfergaben sind, ist die Köchin in einem traditionellen indischen<br />

H<strong>aus</strong>halt die Opferpriesterin. Eine gute Köchin, ein guter Koch personalisiert die Nahrungsmittel,<br />

erfüllt sie mit Liebe, tötet sie <strong>und</strong> bringt sie zurück ins Leben. Jeder Gedanke der Kochenden<br />

beeinflusst die Nahrungsmittel <strong>und</strong> so auch die Essenden. Nur eine Person, die ihre<br />

Liebe in die Nahrungsmittel hineingibt, sollte für dich kochen. Und die Essenden sollten beten,<br />

dem Schöpfer für die Nahrungsmittel danken, denn in der Nahrung opfert sich das Universum<br />

für uns. Ehrfurcht vor allen Dingen im Universum ist die gesündeste Haltung gegenüber<br />

dem Leben.<br />

Essen: eine Handlung der Verbindung<br />

So ist Essen zugleich eine religiöse Handlung. In den Worten der Tattireya Upanishad:<br />

„Brahman (der Absolute) ist Nahrung; nur, wer isst, weiss, dass er/sie Gott ist“ Essen ist ein<br />

Aust<strong>aus</strong>ch <strong>und</strong> eine Interaktion zwischen mir <strong>und</strong> dem Universum, eine kosmische Kommunion.<br />

Wer kocht, kocht Individuen zusammen in eine Familie, eine Gemeinschaft von Personen…<br />

Sogar die, die weder Zeit noch Neigung haben, Gott irgendeiner anderen Art zu verehren,<br />

können ihr Leben transformieren, wenn sie sich nur die Zeit nehmen, sich klar zu<br />

werden, was, wie <strong>und</strong> warum sie essen <strong>und</strong> dem Universum für die Versorgung mit Nahrungsmitteln<br />

zu danken. Der simple Akt, Kontrolle über das zu gewinnen, was wir essen,<br />

verschafft uns die Disziplin, viele andere Aspekte unseres Verhaltens in der Hand zu haben,<br />

weil wir sind, was wir essen. Unsere Nahrung trägt zu unserem Bewusstsein bei.<br />

Mani Mezhukanal<br />

Der Autor stammt <strong>aus</strong> Kerala, Südindien, <strong>und</strong> ist seit vielen Jahren in der Schweiz in der Erwachsenenbildung<br />

tätig.<br />

Ayurvedische Empfehlungen zum Essen<br />

- Iss an einem ruhigen Ort.<br />

- Iss nicht, wenn du verärgert, traurig bist oder unmittelbar nach einer Anstrengung<br />

- Nähre alle fünf Sinne: Schau das Essen an, geniesse sein Aussehen, atme sein<br />

Aroma ein. Höre die Musik, die es macht, besonders beim Kochen, iss mit der Hand,<br />

um dich an seiner Beschaffenheit zu erfreuen, kaue jeden Bissen gründlich, um den<br />

Geschmack her<strong>aus</strong>zuholen. Fühle Liebe <strong>und</strong> Ehrfurcht für es, denn bald wird es ein<br />

Teil von dir werden.<br />

- Gehe h<strong>und</strong>ert Schritte nach einer Mahlzeit, aber gib dich eine St<strong>und</strong>e lang weder<br />

körperlichen noch geistigen Anstrengungen, weder Schlaf noch Sex hin.<br />

9


Bild <strong>Fastenopfer</strong><br />

Bild <strong>Fastenopfer</strong><br />

10


Eine <strong>Fastenopfer</strong>geschichte <strong>aus</strong> Indien<br />

Ich werde diesen Gesichts<strong>aus</strong>druck nicht mehr vergessen. Mit seinen dunklen Augen schaute<br />

mich das kleine Mädchen an. War es bloss Neugier oder wusste es um sein eigenes Schicksal?<br />

Es war im Januar 2004. Mit meinem Mitarbeiter Lothar, dem <strong>Fastenopfer</strong>-Indienkonsulent Ajoy<br />

<strong>und</strong> mit dem lokalen Koordinator Pater Cäsar war ich unterwegs in ein kleines Dorf im Nordosten<br />

Indiens. Es war angenehm kühl für die Jahreszeit, die Reisfelder lagen brach, noch war es Winter.<br />

Als wir ins Dorf kamen, wurden wir von der ganzen Dorfgemeinschaft fröhlich empfangen.<br />

Seit knapp einem Jahr hat P. Cäsar begonnen, diese Menschen zusammen zu bringen. Inzwischen<br />

haben sie eine Reisbank gegründet, die ihr Leben verbessern soll.<br />

Nach drei Wochen <strong>und</strong> unzähligen Begegnungen in Dörfern kannte ich indessen die Situation der<br />

Adivasi-Stammesgesellschaften in diesem Gebiet. Als Kastenlose stehen sie am Rand der Gesellschaft.<br />

Sie gelten als unterentwickelt, faul <strong>und</strong> schmutzig. Als Erstes war mir aufgefallen, dass<br />

die Menschen sich in Indien nicht grüssen. Sobald wir in ein Dorf kamen, beguckten die Kinder<br />

uns wohl, ein Gruss oder gar ein Wortwechsel gab es jedoch nur ganz selten. Erst wenn sie<br />

wussten, wer wir sind, begannen sie sich zu öffnen. Er hätte 1990 ein ganzes Jahr gebraucht,<br />

erzählte mir Ajoy, der unser ganzes Indienprogramm koordiniert, bis ihm die Menschen in den<br />

Dörfern endlich erzählten, dass sie als Arbeitssklaven auf den Feldern gefangen sind. Zuvor hätten<br />

sie Angst gehabt, die Repression des Landbesitzers, des Bauern gefürchtet. Angst <strong>und</strong> Misstrauen,<br />

Klassen- <strong>und</strong> Kastenabgrenzungen sind in Indien allgegenwärtig. Deshalb grüss man sich<br />

nur innerhalb der eigenen Kaste, Familie, Gruppe.<br />

Millionen von Adivasis leben heute in Schuldknechtschaft in Indien. Als Sklaven auf ihrem eigenen<br />

Land schuften sie von morgens sechs bis abends acht für sechs bis zehn Rupien (ca. 18-30<br />

Rappen) pro Tag. Geld gibt es keines, der Lohn wird in Reis <strong>und</strong> Saatgut <strong>aus</strong>bezahlt.<br />

Warum aber sind sie Schuldknechte? Dies sei eine lange Geschichte. Einem Ausländer würden<br />

sie diese ohnehin nie erzählen. Noch vor wenigen Jahren gab es selbst in der Kirche Leute, die<br />

die Existenz der Schuldknechtschaft verneinten, sie kannten sie schlicht nicht! Das Gesetz erlaubt<br />

Sklaverei <strong>und</strong> Ausbeutung in dieser Form nicht, also kann sie nicht existieren. Nicht nur<br />

unserem Konsulenten Ajoy war schon vor Jahren klar, dass diese moderne Form der Sklaverei in<br />

Indien in grossem Ausmass existiert. Zwanzig, vielleicht fünfzig oder gar h<strong>und</strong>ert Millionen Menschen<br />

sind periodisch oder über Generationen hinweg davon betroffen. Einen Ausweg scheint es<br />

nicht zu geben.<br />

Denn sobald jemand in der Familie krank wird, wenn die Aussaat kommt, wenn jemand stirbt,<br />

dann gehen diese Menschen zum Landlord oder Geldverleiher. Er gibt ihnen Saatgut oder Reis<br />

<strong>und</strong> schreibt den entsprechenden Wert in Rupien auf. Zinssatz: 30-1500% pro Jahr, im Durchschnitt<br />

dürfte der Zins bei 100% liegen, das heisst, für einen Sack Saatgut müssen nach der Ernte<br />

zwei Säcke vergütet werden. Dies führt dazu, dass diese Familien sich immer stärker verschulden,<br />

um ihre Kredite zurückzahlen zu können. Bei einem weitern Kredit nimmt der Geldverleiher<br />

oder Gr<strong>und</strong>besitzer ihr Stück Land als Garantie. Es dauert zwei Jahre, bis auch dieses<br />

Land verloren ist. Was bleibt dann noch?<br />

Männer verdingen sich als Landarbeiter. Der Lohn wäre vielleicht zwanzig bis dreissig Rupien im<br />

Tag (der gesetzliche Minimallohn beträgt fünfzig). Ausbezahlt werden ihnen drei bis sechs, der<br />

Rest wird zur Schuldentilgung zurückbehalten. Da diese Adivasis aber kaum Lesen <strong>und</strong> Schreiben<br />

können, werden sie betrogen. Der Landbesitzer schreibt mehr auf, als er effektiv <strong>aus</strong>lieh <strong>und</strong><br />

er bestimmt, wann die Schuld abbezahlt ist. Die Erfahrung zeigt: diese Landbesitzer tun alles,<br />

damit die Schuld nie getilgt werden kann. Im Gegenteil, will die Familie einen neuen Kredit, so<br />

müssen sich auch die Frauen <strong>und</strong> die Kinder zur Arbeit verdingen <strong>und</strong> die Schuld abarbeiten.<br />

Aus diesem Teufelskreis gibt es den <strong>Weg</strong> der Reisbank. Die Frauen sparen sich täglich ein wenig<br />

Reis vom M<strong>und</strong> ab <strong>und</strong> legen ihn zur Seite. Die Männer sparen nach der Ernte vielleicht h<strong>und</strong>ert<br />

Kilo Saatgut in einem Speicher. Es wird genau Buch geführt. So wächst allmählich die Reisbank,<br />

die gemeinsam verwaltet wird. Nach ein paar Jahren ist sie gross genug, dass die Familien nicht<br />

mehr zum Geldverleiher oder Landbesitzer gehen müssen, um neue Kredite aufzunehmen.<br />

11


Eigentlich sind die alten Kredite illegal. Aber <strong>aus</strong> Furcht vor Übergriffen ziehen es die Adivasis<br />

vor, auch die alten Wucherschulden ab zu zahlen. Die Gewalt in Indien kann brutale Formen annehmen.<br />

Wenn die Mitglieder der Reisbank nun etwas brauchen, dann leihen sie es sich zu einem<br />

bescheidenen Zins <strong>aus</strong> ihrer Reisbank <strong>aus</strong>. Da sich die Menschen wöchentliche zur Aussprache<br />

treffen, passiert noch mehr. Sie beginnen zu überlegen, wie sie sich organisieren können,<br />

wie sie ihre Rechte einfordern können. Ich habe Dörfer gesehen, die nach acht, neun Jahren<br />

so stark geworden waren, dass die Landbesitzer, die ihre Arbeit brauchen, ihnen den Lohn bezahlen<br />

müssen, den die Adivasis fordern. Gemeinsam sind sie stark geworden, weil indessen in<br />

der ganzen Umgebung mehr als fünfzig Dörfer in Reisbanken organisiert sind <strong>und</strong> sich nicht mehr<br />

<strong>aus</strong>beuten lassen.<br />

Danach forderten sie von der Lokalregierung eine Schule <strong>und</strong> einen Trinkwasseranschluss. Beides<br />

steht allen Dörfern per Gesetz zu. Da aber die Entwicklungsgelder in den Taschen der Mächtigen<br />

liegen bleiben, braucht es erheblichen Druck von unten, damit sich etwas bewegt. Es dauerte,<br />

bis dieses Dorf am Ziel war. Mehrmals belagerten sie das lokale Regierungsgebäude. Dann<br />

kam das Wasser, aber nicht in ihr Dorf, sondern auf das Land des Landbesitzers. Dieser hätte<br />

ihnen das Wasser wiederum verweigert oder verkauft. So machten sie weiter Druck, bis sie endliche<br />

ihr Wasser, ihre Schule <strong>und</strong> zum Schluss auch ihr eigenes Land wieder hatten. Der <strong>Weg</strong><br />

dahin war lang. Sie mussten nicht nur sparen, sie mussten vor allem auch lernen, sich <strong>aus</strong>zudrücken,<br />

sich zu wehren. Und sie mussten lernen, solche Dinge gemeinsam zu tun, denn alleine<br />

sind sie der Gewalt der Mächtigen <strong>aus</strong>geliefert. Auf meine Frage, was sich denn verändert habe,<br />

seit sie die Reisbanken hätten, antwortete mir ein alter, greiser Adivasi: „Wir waren wie Dreschochsen.<br />

Heute wissen wir, dass wir Menschen sind, die gen<strong>aus</strong>o Anspruch auf Nahrung, Bildung<br />

<strong>und</strong> Sicherheit haben wie die Landbesitzer.“<br />

Und so kam es, dass dieses Mädchen vor mir auf dem Boden sass <strong>und</strong> ich den Animator der<br />

Reisbank fragte, ob die Familien noch verschuldet seien. Ja, sie seien es, die Reisbank habe hier<br />

erst vor zwei Monaten begonnen. Ob sie Land besässen. Ja, aber… Aus dem Getuschel wurde<br />

uns rasch klar, dass sie es an die grossen Landbesitzer verpfändet hatten <strong>und</strong> dass sie für einen<br />

Hungerlohn ihre eigenen Felder bearbeiteten.<br />

Ob die Kinder in die Schule gingen, fragte ich weiter. Erneut betretenes Schweigen. Nein, sie<br />

müssten arbeiten, um die Schulden abzuzahlen, um Essen kaufen zu können. Was das heisst,<br />

erklärte mir P. Cäsar. Ab sechs Jahren werden die Kinder zur Arbeit beim Landbesitzer geschickt.<br />

Sexuelle Ausbeutung ist sehr oft damit verb<strong>und</strong>en. Die Chance auf Befreiung besteht<br />

kaum, es sei denn… ja es sei denn, die Menschen könnten sich befreien oder würden befreit.<br />

Von Aussen wird sie nicht kommen, die Erlösung, das lehrt die Erfahrung dieser Menschen. Die<br />

Reisbanken aber sind ein Hoffnungsschimmer.<br />

Wenn es gelingt, wenn sich dieses Dorf <strong>aus</strong> der Schuldenschlinge befreien kann, dann, ja dann<br />

kann dieses Mädchen vielleicht eines Tages in die Schule gehen <strong>und</strong> selber über sein Schicksal<br />

mitbestimmen. Heute ist es noch gefangen, gefangen in der <strong>Verschuldung</strong> seiner Eltern. Ob es<br />

überhaupt realisiert, was mit ihm geschieht?<br />

Nein, ich werde dieses Gesicht nicht mehr vergessen – dieses Mädchen, das gleich alt ist wie<br />

meine älteste Tochter. Dieses eine Gesicht steht für Millionen anderer Gesichter. Und da wurde<br />

mir schlagartig bewusst: das Schicksal dieses Kindes liegt auch in deiner Hand, Gott allein weiss<br />

warum. Aber du bist heute hier als Leiter eines Hilfswerks. Und du kannst dich nicht <strong>aus</strong> der Verantwortung<br />

schleichen, sie nicht an ein Bankkonto, einen Fernsehbericht delegieren. Wenn sich<br />

dieses Dorf mit der Reisbank <strong>aus</strong> der Schuldenfasse befreien kann, dann hat dieses Kind auch<br />

eine bessere Zukunft.<br />

Indessen war es dunkel geworden. Bilder konnte ich keine mehr schiessen. Und so machen wir<br />

uns zu Fuss auf den <strong>Weg</strong> durch die Stille der Nacht bis zur nächsten Strasse. Mir war klar, diese<br />

Geschichte will ich aufschreiben. Dieser Abend hatte mich verändert.<br />

Antonio Hautle<br />

12


Indien: Der Kampf der Adivasi in Savarikadu (20.05.2009)<br />

Alagar <strong>und</strong> Kaveri strahlen, wie nur ein junges Paar es kann: In vier Monaten erwarten sie<br />

die Geburt eines Geschwisterchens für ihre zweijährige Tochter Mutramal.<br />

Der Vater des 29-jährigen Alagar war Schuldsklave: 5000 Rupien musste er dem örtlichen<br />

Landbesitzer zurückzahlen. Dafür arbeitete er ohne Lohn endlose St<strong>und</strong>en auf der Bananen-<br />

, Kaffee- <strong>und</strong> Kardamom-Plantage. Er pflanzte, jätete, wässerte <strong>und</strong> erntete. Beschimpfungen<br />

<strong>und</strong> Schläge von den Aufsehern waren an der Tagesordnung. Viele Tagelöhner überleben<br />

diese unmenschliche Arbeit nicht – so wie der Vater von Kaveri: obwohl er schwer krank<br />

war, musste er weiterarbeiten, bis er vor sechs Jahren direkt auf dem Feld starb.<br />

Auch Alagar schuldet dem Landbesitzer 3000 Rupien, weil er das H<strong>aus</strong> für seine Familie neu<br />

decken musste. Es ist nur ein kleines H<strong>aus</strong>, vielleicht drei mal vier Meter, doch hatte er keine<br />

Ersparnisse, um das Dach zu bezahlen. Der Landbesitzer verlangt 25 Prozent Zins – pro<br />

Monat. Alagar ist nicht so stark verschuldet wie sein Vater, doch erhält er, bis die Schuld<br />

abbezahlt ist, nur die Hälfte seines Tageslohns: 15 Rupien statt 30. Ein Kilo Reis kostet 20<br />

Rupien – r<strong>und</strong> 45 Rappen.<br />

Savarikadu, das kleine Dorf in den Bergen von Kodai in Tamil Nadu arbeitet seit zwei Jahren<br />

mit SEED, einer Partnerorganisation von <strong>Fastenopfer</strong> zusammen. Es brauchte eine Weile,<br />

bis die Mitarbeiter von SEED das Vertrauen der Adivasi – Angehörige der stark benachteiligten<br />

Urbevölkerung – gewonnen hatten. Doch dann gründete das Dorf eine Spar- <strong>und</strong> Kreditkasse,<br />

welche keine Zinsen verlangt. Jedes Mitglied zahlt monatlich 10 Rupien ein. Indem<br />

sie sich gegenseitig Geld <strong>aus</strong>leihen, können sie sich allmählich von den Schulden bei Arbeitgebern<br />

<strong>und</strong> Gr<strong>und</strong>besitzern befreien. Bei den regelmässigen Treffen mit der Partnerorganisation<br />

erfahren die Mitglieder der Spargruppe auch mehr über ihre Rechte – zum Beispiel,<br />

dass in Indien alle armen Familien Anspruch auf eine Ration Card haben, mit der man in<br />

bestimmten Länden verbilligte Lebensmittel einkaufen kann.<br />

Trotz der Fortschritte herrscht im Dorf oft Angst: Seit die Adivasi ihr Selbstwertgefühl wiedergef<strong>und</strong>en<br />

haben <strong>und</strong> wagen, sich gegen die Unterdrückung zu wehren, werden sie von den<br />

Landbesitzern brutal unter Druck gesetzt. Immer wieder werden Häuser angezündet, Frauen<br />

bedroht oder das Wasser vergiftet.<br />

Alagar ist auch der Priester des Dorfes. Palchiamman heisst die Göttin, welche von seinem<br />

Adivasi-Volk verehrt wird <strong>und</strong> den Menschen hilft, mit der Natur in Harmonie zu leben. Vor<br />

einigen Monaten hat ihr das Dorf einen kleinen Tempel gebaut. Es ist ein Ort, um neue Kräfte<br />

zu finden, ein Ort, wo die Adivasi gemeinsam Hoffnung schöpfen.<br />

13


Portrait – das Mädchen Laxmi<br />

Laxmi – ein elfjähriges Mädchen <strong>aus</strong> Indien berichtet<br />

Ich bin Laxmi. Ich bin jetzt elf Jahre alt <strong>und</strong> gehöre zu den Dalits. Meine Eltern haben vor drei<br />

Jahren von einem Landbesitzer 6'000 Rupien <strong>aus</strong>geliehen, das sind etwa 170 Franken. Weil<br />

sie ihm das Geld nicht zurück bezahlen können, müssen sie nun für ihn arbeiten. Dabei werden<br />

sie wie Sklaven behandelt, weil sie so genannte kastenlose Menschen sind. Die vielen<br />

armen, kastenlosen Menschen, die in Indien leben, dürfen nicht mit anderen Menschen zusammen<br />

sein. Sie sind Menschen, die ganz unten stehen. Beispielsweise dürfen sie nicht am<br />

selben Brunnen wie die anderen Wasser holen. Der Landbesitzer gehört einer hohen Kaste<br />

an.<br />

Ich habe noch zwei Brüder <strong>und</strong> eine Schwester. In einer Notsituation haben meine Eltern vor<br />

sechs Monaten von einem anderen Landbesitzer lumpige 500 Rupien, etwa 15 Franken,<br />

<strong>aus</strong>geliehen. Nun müssen mein 13-jähriger Bruder <strong>und</strong> ich quasi als Pfand für ihn arbeiten.<br />

Ich schufte den lieben langen Tag: Am frühen Morgen sammle ich die Kuhfladen von den<br />

Weiden ein. Diese werden als Brennmaterial verwendet. Anschliessend reinige ich den Hof<br />

<strong>und</strong> wasche sämtliches Küchengeschirr ab. Auch andere Kinder arbeiten auf dem Bauernhof.<br />

Gemeinsam bringen wir am späteren Vormittag das Vieh auf die Weide. Dort hüten wir<br />

die Tiere. Am Abend kommen wir recht spät mit dem Vieh zurück. Wir treiben es in den Stall,<br />

wo wir ihm zu trinken geben. Bevor ich nach H<strong>aus</strong>e gehen kann, muss ich in der Küche noch<br />

beim Kochen helfen.<br />

Abends komme ich so müde nach H<strong>aus</strong>e, dass ich meine Fre<strong>und</strong>innen <strong>und</strong> Fre<strong>und</strong>e <strong>aus</strong> der<br />

Nachbarschaft kaum noch grüssen mag. Ich esse, was mir meine Familie übrig gelassen hat.<br />

Danach gehe ich sofort schlafen, weil ich so schrecklich müde bin.<br />

Jeder Tag ist für mich gleich. Montag, wie Mittwoch, wie Sonntag. Ich habe keine Zeit zum<br />

Spielen. Es bleibt mir keine Zeit um die Schule zu besuchen. Dort bekäme ich sogar gratis<br />

ein Mittagessen, das die Regierung den ärmsten Kindern zur Verfügung stellt.<br />

Ich muss während eines ganzen Jahres bei dieser Bauernfamilie arbeiten, weil sich meine<br />

Eltern dort das wenige Geld <strong>aus</strong>geliehen haben. Als Lohn erhalte ich einmal täglich etwas<br />

von den Essensresten der Familie, das ist alles. Oft werde ich sehr schlecht behandelt <strong>und</strong><br />

geschlagen. Die Leute glauben, ich würde deshalb noch härter <strong>und</strong> noch mehr arbeiten.<br />

Das Schlimmste für mich ist, dass ich mein Elend niemandem erzählen kann.<br />

14


Bild <strong>Fastenopfer</strong><br />

Bild <strong>Fastenopfer</strong><br />

15


Erzählungen <strong>aus</strong> Indien<br />

Das Reiskorn<br />

In einer indischen Stadt herrschte grosse Aufregung, der Rajah<br />

wurde erwartet. Ein Bettler machte sich am frühen Morgen auf<br />

den <strong>Weg</strong>, um die Prozession zu sehen. Viele Leute warteten<br />

bereits am Rand der Strasse, <strong>und</strong> in ihrer frohen Stimmung<br />

warfen sie ihm bereitwillig Hände voll Reis in seinen Korb.<br />

„Sie geben mir Reis“, sagte der Bettler bei sich,<br />

„der Rajah wird mir Gold geben.“<br />

Endlich näherte sich der Erwartete, auf einem riesigen Elefanten<br />

reitend.<br />

„Erbarmt euch meiner“, schrie der Bettler, „schenkt mir was!“<br />

Der Rajah beugte sich herab: „Gebt ihr mir etwas“, sagte er.<br />

Aber was konnte ein armer Bettler einem Rajah schenken?<br />

Ärgerlich <strong>und</strong> enttäuscht pickte der Bettler ein Reiskorn <strong>aus</strong><br />

dem Korb <strong>und</strong> reichte es mit einer bösen Miene<br />

einem Begleiter des Rajah.<br />

Die Prozession war längst vorüber, als der Bettler zufällig in<br />

seinen Korb schaute: Statt der Reiskorns lag ein ebenso grosses<br />

Stück Gold darin.<br />

„Ich Narr“, schrie er. „Warum gab ich ihm nicht alles, was ich<br />

hatte?“<br />

H.L. Gee<br />

16


Indisches Märchen<br />

Das Märchen vom Tempel der t<strong>aus</strong>end Spiegel<br />

Es war einmal ein H<strong>und</strong>. Der hatte gehört, es gäbe einen Tempel der t<strong>aus</strong>end<br />

Spiegel. Darin könne jeder die Wahrheit über sich selbst <strong>und</strong> die Welt erfahren.<br />

Und weil er gerne wissen wollte, wie die Welt in Wahrheit beschaffen sei,<br />

machte er sich auf den <strong>Weg</strong>. Er wusste nicht, was ein Spiegel war <strong>und</strong> wie er<br />

wirkte. Aber er fragte nach dem Tempel <strong>und</strong> endlich fand er ihn. Er war ein<br />

ängstlicher H<strong>und</strong>. Und weil er nicht zeigen wollte, dass er Angst hatte, fletschte<br />

er die Zähne. Und so war das erste, was er sah, als er in den Tempel kam,<br />

ein H<strong>und</strong>, der die Zähne fletschte. Er bekam Angst <strong>und</strong> fing an zu knurren.<br />

Und um ihn herum sah er lauter H<strong>und</strong>e, die knurrten. Er drohte, <strong>und</strong> um ihn<br />

herum drohten lauter H<strong>und</strong>e. Er bekam noch mehr Angst <strong>und</strong> fing an zu bellen.<br />

Und um ihn herum fingen alle H<strong>und</strong>e an zu bellen. Am Schluss lief er vor<br />

lauter Angst <strong>aus</strong> dem Tempel hin<strong>aus</strong> <strong>und</strong> sagte: „Jetzt weiss ich es bestimmt:<br />

Die Welt ist voller böser, bellender H<strong>und</strong>e!“<br />

Es gab einen anderen H<strong>und</strong>. Auch er hatte vom Tempel der t<strong>aus</strong>end Spiegel<br />

gehört, in dem jeder die Wahrheit über sich selbst <strong>und</strong> die Welt erfahren könne.<br />

Er machte sich auf den <strong>Weg</strong>, den Tempel zu suchen, obwohl er nicht<br />

wusste, was ein Spiegel war <strong>und</strong> wie er wirkte. Und endlich fand er ihn. Er war<br />

ein fre<strong>und</strong>licher H<strong>und</strong>. Und deshalb wedelte er mit dem Schwanz, als er den<br />

Tempel betrat. Und das erste, was er sah, war ein H<strong>und</strong>, der ihn fre<strong>und</strong>lich mit<br />

dem Schwanz anwedelte. Der H<strong>und</strong> freute sich <strong>und</strong> sprang in die Höhe. Und<br />

um ihn herum sprangen lauter H<strong>und</strong>e vor Freude in die Höhe. Der H<strong>und</strong> hob<br />

seine Pfoten hoch, <strong>und</strong> alle H<strong>und</strong>e hoben die Pfoten hoch, <strong>und</strong> es schien ihm,<br />

als grüssten sie ihn. Er fing an, mit den H<strong>und</strong>en zu spielen, <strong>und</strong> alle spielten<br />

mit, <strong>und</strong> es wurde ihm immer glücklicher ums Herz. Und als er genug gespielt<br />

hatte, lief er freudig zum Tempel hin<strong>aus</strong> <strong>und</strong> sagte: „Jetzt weiss ich bestimmt:<br />

die Welt ist voller kleiner, fre<strong>und</strong>licher H<strong>und</strong>e!“<br />

17


Gebete <strong>aus</strong> Indien<br />

Besinnung<br />

Sollten deine Füsse noch immer auf meinen Händen stehen, so mach du den ersten Schritt.<br />

Subhadra, indische Dichterin<br />

Er verschafft den Waisen <strong>und</strong> Witwen ihr Recht.<br />

Er liebt die Fremden <strong>und</strong> gibt ihnen Nahrung <strong>und</strong> Kleidung –<br />

auch ihr sollt die Fremden lieben,<br />

denn ihr seid Fremde in Ägypten gewesen.<br />

Deuteronomium 10, 18 <strong>und</strong> 19<br />

Wert des guten Verhaltens<br />

Wer sich gut verhält, hat nichts zu bereuen.<br />

Wer nichts zu bereuen hat, erfährt Freude.<br />

Wer Freude erfährt,<br />

dem lösen sich die körperlichen Spannungen.<br />

Wer körperlich entspannt ist, der ruht in sich.<br />

Wer in sich ruht, findet leicht in die Sammlung.<br />

Wer in der Sammlung geübt ist,<br />

sieht die Dinge so, wie sie wirklich sind,<br />

Wer die Dinge so sieht, wie sie wirklich sind,<br />

den reizen sie immer weniger.<br />

Wer immer weniger Reiz an den Dingen der Welt findet,<br />

dessen Geist wird frei von den Dingen der Welt,<br />

der lebt im Glück der Stille.<br />

Gotama Buddha<br />

Das Gedicht entstammt der Publikation: Gotama Buddha.<br />

Mein <strong>Weg</strong> zum Erwachen, Benziger Verlag, Zürich/Düsseldorf 1996<br />

Es gibt so viele<br />

hungernde Menschen<br />

in der Welt,<br />

dass Gott<br />

nur in Form<br />

von Nahrung<br />

zu ihnen kommen kann.<br />

Mahatma Gandhi<br />

18


Bild <strong>Fastenopfer</strong><br />

Bild <strong>Fastenopfer</strong><br />

19


Rezepte <strong>aus</strong> Indien<br />

Chapati (Indisch)<br />

Zutaten für 6-8 Personen<br />

500 g Weissmehl (oder Chapatimehl) 3 dl heisses Wasser<br />

1 Teelöffel Salz 2 Esslöffel Milch<br />

1 Esslöffel Ghee (kann ersetzt werden durch Butterschmalz oder Kochbutter)<br />

Mehl <strong>und</strong> Salz in einer Masse mischen. Ghee dazu geben <strong>und</strong> mit den Händen verreiben bis die Masse<br />

krümelig ist. Das heisse Wasser mit der Milch vermischen. Einen Teil des Wassers zum Mehl giessen<br />

<strong>und</strong> mischen, bis sich das Mehl zu einem Stück verbindet. Dann nach <strong>und</strong> nach das restliche<br />

Wasser hinzugeben, bis der Teig weich <strong>und</strong> elastisch wird. In einer Schüssel zugedeckt bei Zimmertemperatur<br />

während 30 Min. ruhen lassen.<br />

Den Teig nochmals kneten <strong>und</strong> dann in 2 Stücke teilen. Jede Hälfte zu einer Rolle formen <strong>und</strong> diese in<br />

12 gleiche Teile schneiden. Dar<strong>aus</strong> Bällchen formen. Die Teigkugeln auf einem bemehlten Brett einzeln<br />

r<strong>und</strong> <strong>aus</strong>wallen. Die Fladen mit Ghee einpinseln <strong>und</strong> einmal falten. Wieder mit Ghee einpinseln<br />

<strong>und</strong> erneut falten. Dies einige Male wiederholen, so dass am Schluss ein Dreieck entsteht. Den Teig<br />

dazwischen immer wieder mit Mehl bestäuben.<br />

Die Bratpfanne bei mittlerer Hitze warm werden lassen. Mit etwas Ghee einpinseln. Dann die Chapati<br />

nacheinander in die Pfanne legen <strong>und</strong> bei mittlerer Hitze etwa 1 min braten. Die Oberfläche mit Ghee<br />

einpinseln, wenden <strong>und</strong> die andere Seite ebenfalls etwa 1 min braten. Den Fladen nochmals wenden.<br />

Sie sind fertig, wenn beide Seiten goldbraun sind.<br />

Tipps<br />

Das Formen des Teiges ist relativ aufwendig. Der Ablauf ist aber genau zu befolgen, weil das Brot<br />

sonst nicht die besondere Blätterteigart von Original-Chapati bekommt.<br />

Naan (Indisch)<br />

Zutaten für 6-8 Personen<br />

500 g Vollkornmehl ca. 2 Teelöffel Öl<br />

Salz<br />

2 - 2,5 dl lauwarmes Wasser<br />

Alle Zutaten mischen <strong>und</strong> einen Teig bereiten. Den Teig zu Fladen formen <strong>und</strong> backen.<br />

Linsensuppe nach indischer Art<br />

Zutaten für 8 Portionen, Zubereitungszeit ca. 1 Std.<br />

200 g kleine rote Linsen 2 Esslöffel Öl<br />

2 Zwiebeln 3-4 Esslöffel Curry<br />

5 Zehen Knoblauch Salz<br />

300 g Spinat (Tiefkühlspinat, angetaut) 1 Gemüsesuppen-Würfel<br />

1 unbehandelte Zitrone<br />

Linsen waschen (rote Linsen braucht man vor dem Kochen nicht einzuweichen), abtropfen lassen <strong>und</strong><br />

in ca. 1 l Wasser zum Kochen bringen. Evtl. aufsteigenden Schaum mit einem Siebschöpfer entfernen.<br />

Linsen zugedeckt ca. 20 Min. weichkochen, Zwiebel <strong>und</strong> Knoblauch fein hacken.<br />

Zwiebel <strong>und</strong> Knoblauch in Öl goldbraun rösten. Curry zugeben <strong>und</strong> unter Rühren kurz mitrösten. Diese<br />

Mischung in die Suppe einrühren <strong>und</strong> mit Suppenwürfel <strong>und</strong> ¼ geriebener Zitronenschale würzen.<br />

Suppe zugedeckt ca. 15 Min. köcheln. Die Linsen sollen so weich sein, dass sie ein wenig zerfallen.<br />

Angetauten Spinat ein wenig <strong>aus</strong>drücken, grob zerschneiden, in die Linsensuppe rühren <strong>und</strong> erwärmen.<br />

Suppe mit Salz <strong>und</strong> Zitronensaft würzen. Als zusätzliche Einlage kann man Naturreis verwenden<br />

<strong>und</strong> ein Schälchen mit Joghurt auf den Tisch stellen, von dem sich jeder nach Belieben in die Suppe<br />

gibt.<br />

Statt Spinat kann man auch Kartoffel-, Rüebli-, Selleriewürfel <strong>und</strong> Tomatenstückchen in der Linsensuppe<br />

mitkochen. Dann eignet sich die Suppe auch zum Aufkochen.<br />

20


Indische Erbsensuppe<br />

1 EL Bratbutter/Butterschmalz 6 dl Gemüsebrühe<br />

200 g <strong>aus</strong>gelöste grüne Erbsen 1 dl/100 g Schlagrahm/-sahne<br />

50 g geriebene Mandeln Meersalz<br />

2 TL Pfeilwurzelmehl Pfeffer <strong>aus</strong> der Mühle<br />

½ TL milder Curry<br />

2 EL fein gehackte Petersilie<br />

Wenig scharfer Curry<br />

2 EL geröstete Mandelblättchen<br />

1 Prise Paprikapulver Einige Pfefferminzblättchen<br />

1. Die Erbsen in der Butter kurz andünsten, Mandeln, Pfeilwurzelmehl <strong>und</strong> Curry unterrühren,<br />

die Gemüsebrühe angiessen, aufkochen, bei schwacher Hitze 10 Minuten köcheln<br />

lassen. Die Suppe pürieren.<br />

2. Die Suppe mit dem Rahm aufkochen, je nach Konsistenz mit Gemüsebrühe verdünnen,<br />

mit Salz <strong>und</strong> Pfeffer abschmecken.<br />

3. Die Erbsensuppe in vorgewärmten Tellern anrichten. Die gerösteten Mandelblättchen<br />

<strong>und</strong> die Petersilie darüber streuen.<br />

Indisches Gemüse-Curry<br />

2 TL Margarine oder Butter<br />

2 Zwiebeln, fein gehackt<br />

3 Knoblauchzehen, fein gehackt<br />

1 EL frischer Ingwer, geschält, fein gerieben<br />

oder gehackt<br />

1-2 EL scharfer Curry<br />

½ Zimtstange<br />

1 Lorbeerblatt<br />

100 g Bohnen<br />

300 g Kartoffeln<br />

1 kleine Aubergine<br />

1 kleiner Blumenkohl (ca. 400 g)<br />

3 dl Wasser<br />

1 TL Salz<br />

2 feste Tomaten, geschält<br />

1 Joghurt nature (180 g)<br />

In einer Pfanne warm werden lassen<br />

Alles zugeben, gut andämpfen<br />

Alles zugeben, kurz dünsten<br />

In 2 cm lange Stücke schneiden<br />

In Würfel schneiden<br />

Längs halbieren, dann in Würfel schneiden<br />

In kleine Röschen teilen, Strunk evtl. in<br />

Scheibchen schneiden, alles zum Curry geben,<br />

gut mischen<br />

Zugeben, Curry zugedeckt auf kleinem Feuer<br />

ca. 20 Minuten köcheln<br />

In Würfel schneiden, beigeben<br />

Zuletzt darunter rühren<br />

Tipps:<br />

- Zusammen mit Reis bildet dieses Gericht eine vollständige Mahlzeit<br />

- Anderes geeignetes Gemüse: Erbsli, Rüebli, Zucchini; statt Tomaten eine kleine Dose<br />

Pelati (ca. 400 g) verwenden<br />

- An Stelle von Joghurt 1 Becher Blanc battu (O%, 200 g) verwenden<br />

Das Rezept ist für 4 Personen berechnet<br />

21


Auberginen-Curry<br />

4 EL Bratbutter/Butterschmalz<br />

2 mittelgrosse Zwiebeln, fein gehackt<br />

2 EL Madras-Curry<br />

1 Kg Auberginen, in 2 cm grossen Würfeln<br />

4 dl Gemüsebrühe<br />

100 g Rosinen<br />

2 Knoblauchzehen, in Scheiben<br />

4 geschälte Tomaten, klein gewürfelt<br />

1 EL geriebener Ingwer<br />

1 unbehandelte Zitrone, abgeriebene Schale<br />

1 Becher (180 g) Naturjogurt<br />

½ B<strong>und</strong> Koriander, grob gehackt<br />

Meersalz<br />

Frisch gemahlener schwarzer Pfeffer<br />

4 EL geröstete Kürbis- oder Sonneblumenkerne<br />

1. Zwiebeln mit Curry in der heissen Bratbutter in einem Topf glasig dünsten. Auberginen<br />

zugeben, bei mittlerer Hitze unter gelegentlichem Rühren etwa 5 Minuten mitdünsten, bis alles<br />

hellbraun ist. Gemüsebrühe angiessen, Rosinen, Knoblauch, Tomaten, Ingwer <strong>und</strong> Zitronenschale<br />

zugeben, bei schwacher Hitze 10 Minuten kochen.<br />

2. Den Topf von der Wärmequelle nehmen, Jogurt <strong>und</strong> Koriander unterrühren, mit Salz <strong>und</strong><br />

Pfeffer abschmecken, mit Kürbiskernen bestreuen.<br />

Tipps:<br />

Mit Basmatireis oder einem indischen Fladenbrot servieren. Noch feiner wird der Eintopf, wenn<br />

Curryblätter (indisches Spezialitätengeschäft) mit den Rosinen zugegeben werden.<br />

Rote Linsen mit Kokosnuss<br />

4 EL Bratbutter/Butterschmalz<br />

3 entkernte rote Chilischoten, fein gehackt<br />

2 Knoblauchzehen, fein gehackt<br />

1 Zwiebel, fein gehackt<br />

1 TL Kurkuma/Gelbwurz<br />

1 TL edelsüsses Paprikapulver<br />

1,2 l Wasser<br />

300 g rote Linsen<br />

2 Lorbeerblätter<br />

200 g Kokosnussfleisch<br />

1 grosse Prise Zucker<br />

Salz<br />

1. Die Kokosnussschale kann mühelos aufgebrochen werden, wenn man die ganze Nuss für<br />

etwa 15 Minuten in den Tiefkühler legt. Dann die Nuss auf ein Blech legen <strong>und</strong> in den auf<br />

250° C vorgeheizten Backofen schieben. Sobald die Schale Risse hat, die Nuss her<strong>aus</strong>nehmen,<br />

abkühlen lassen <strong>und</strong> aufbrechen. Fruchtfleisch her<strong>aus</strong>lösen, auf Röstiraffel/Gemüsehobel<br />

raspeln.<br />

2. Chili, Knoblauch sowie Zwiebeln in einem Topf in der heissen Bratbutter andünsten, Kurkuma<br />

<strong>und</strong> Paprika mitdünsten, Wasser aufgiessen, aufkochen. Rote Linsen <strong>und</strong> Lorbeerblätter zufügen,<br />

bei schwacher Hitze garen, bis die Linsen weich sind, aber noch Biss haben. Die Lorbeerblätter<br />

entfernen. Das Kokosnussfleisch untermischen, mit Zucker <strong>und</strong> Salz abschmecken.<br />

22


Gemischter Gemüse-Curry<br />

400 g Kartoffeln<br />

400 g Blumenkohl<br />

400 g Bohnen<br />

400 g Tomaten<br />

(es können auch Saison-Gemüse verwendet werden)<br />

400 g Zwiebeln<br />

2 EL Curry<br />

2 EL Koriander<br />

1 TL Turmeric<br />

1 Messerspitze Chili<br />

1 Messerspitze Knoblauchpulver<br />

6 Nelken, 6 Lorbeerblätter<br />

Salz<br />

Die geschnittenen Zwiebeln dünsten <strong>und</strong> die in Stücke gechnittenen Gemüse beifügen <strong>und</strong><br />

mitdünsten. Alle Gewürze beigeben <strong>und</strong> einige Minuten weiterdünsten. Mit 2 dl Wasser ablöschen<br />

<strong>und</strong> kochen bis das Gemüse gar ist.<br />

Kartoffel-Curry<br />

1 Kg Kartoffeln<br />

400 g Zwiebeln<br />

4 EL Curry<br />

1 TL Turmeric<br />

1 Messerspitze Chili<br />

1 Messerspitze Knoblauchpulver<br />

4 Nelken, 4 Lorbeerblätter<br />

Salz<br />

Die geschnittenen Zwiebeln dämpfen <strong>und</strong> die geschälten, in Würfel geschnittenen Kartoffeln<br />

beigeben. Alle Gewürze beifügen <strong>und</strong> mit ca. 3 dl Wasser ablöschen. Die Kartoffeln weichkochen.<br />

Dieses Gericht schmeckt sehr gut mit Reis oder mit Puris. Es kann auch als Füllung<br />

für Samosas verwendet werden.<br />

23

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!