Leseprobe PDF - S. Fischer Verlag

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Leseprobe PDF - S. Fischer Verlag

das grosse

katzen

Mit

Bildern von

Hannah Shaw


Katie Davies

Das groSSe katzenkomplott


Katie Davies

Mit Illustrationen von Hannah Shaw

Aus dem Englischen von Ann Lecker-Chewiwi


Originaltitel: The Great Cat Conspiracy

Copyright © 2011 by Katie Davies

Illustration Copyright © 2011 by Hannah Shaw

Published by arrangement with Simon & Schuster UK Ltd

1st Floor, 222 Gray’s Inn Road, London, WC1X 8HB

A CBS Company

All rights reserved. No part of this book may be reproduced

or transmitted in any form or by any means, electronic or

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in

der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische

Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte vorbehalten.

Nachdruck, auch auszugsweise, vorbehaltlich der Rechte, die sich

aus den Schranken des UrhG ergeben, nicht gestattet.

© für die deutsche Ausgabe:

Sauerländer 2012

Bibliographisches Institut GmbH

Dudenstraße 6, 68167 Mannheim

Lektorat: Almut Werner

Covergestaltung: Norbert Blommel, Vreden; unter Verwendung

von Illustrationen von Hannah Shaw

Druck: Friedrich Pustet KG, Gutenbergstraße 8, 93051 Regensburg

ISBN: 978-3-411-80977-6

www.sauerlaender.de


Für Harry natürlich

Ich danke Alan, meinen Eltern und

Venetia bei Simon und Schuster.


1. KAPITEL

Katzenkomplott

Hier kommt die geschichte von tom und der

Katzenfrau und was passiert ist, als die neue Katze

verschwunden ist. nachdem sie weg war, hat

mama gesagt, dass ich und tom aufhören sollen,

über die neue Katze zu reden und allen zu erzählen,

dass die Katzenfrau sie entführt hätte und so

ein zeug. sie hat gesagt: »Anna« (so heiße ich) »ihr

könnt nicht einfach so alte Damen beschuldigen

und mit Wörtern wie ›Komplott‹ um euch werfen,

die ihr nicht einmal versteht.«

aber – wie ich auch tom schon erklärt habe –,

weiß ich sehr wohl, was ein Komplott ist. Weil, ich

und meine Freundin susanne haben sofort in meinem

Wörterbuch nachgeschaut, als wir von Charlie

roberts in der sonntagsschule gehört haben,

dass es ein Komplott gab.

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Und das hat da gestanden:

Komplott [kOm·plOt] ·

ein im Geheimen geschmiedeter böser, ungesetzlicher,

heimtückischer oder betrügerischer

Plan; Verschwörung

Und was im Wörterbuch steht, ist ziemlich wahrscheinlich

richtig. Weil, nicht nur unsere Katze war

verschwunden. emma Heinlein, aus der Klasse von

Frau peters, konnte ihre Katze auch nicht finden.

Und Ben, der Babysitter von Joe-von-der-straßeweiter-unten,

seine auch nicht. Und Charlie

roberts hat gesagt, dass er gesehen hätte, wie die

Katzenfrau Katzen entführt und mit zu sich nach

Hause nimmt. Und er hat »mit meinen eigenen

Augen« gesagt und auf das Leben von der Frau

Constantin geschworen, dass es die Wahrheit war.

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Frau Constantin leitet die Sonntagsschule. Sie ist

die Frau vom Pfarrer.

Susanne meinte, dass es nicht unbedingt etwas

heißt, wenn Charlie auf Frau Constantin schwört,

weil Charlie manchmal lügt. Und man soll nur auf

das Leben von Leuten schwören, die man mag.

Und Charlie hat Frau Constantin in seiner großen

»DER-TAG-DES-JÜngsten-gerICHTS«-Collage

nicht mal in den Himmel geschickt. Weil, er hat

Frau Constantin aus einer Eierschachtel gebastelt

und damit war sie einfach zu groß für den Himmel

und hat nicht reingepasst.

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Jedenfalls, und das habe ich Mama auch erklärt,

wussten ich und Tom ein paar Sachen über die

Katzenfrau und wo die Neue Katze steckte und was

mit ihr passiert war, und Susanne auch. Weil, wir

hatten nämlich einen Spähtrupp losgeschickt. Und

der Spähtrupp, das waren wir. Und der Sinn eines

Spähtrupps ist, Sachen rauszufinden.

Tom hat als Erster bemerkt, dass die Neue Katze

weg war. Tom ist mein Bruder. Er ist fünf. Er ist vier

Jahre jünger als ich. Ich bin neun. Ich habe noch

einen Bruder und eine Schwester, die Andy und

Johanna heißen, aber die kommen in dieser

Geschichte nicht vor, weil sie älter sind als Tom

und ich und weil sie sich nicht wirklich für Katzen

oder Komplotts oder so was interessieren.

Wenn Tom nicht gewesen wäre, hätte es wahrscheinlich

gar niemanden gestört, dass die

Neue Katze irgendwo hin war. Weil, bevor wir sie

nicht finden konnten, war Tom der Einzige bei uns

zu Hause, der sich was aus der Neuen Katze

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gemacht hat und den interessiert hat, was sie so

treibt.

Mama meinte, dass sie sich auch dafür interessiert,

was die Neue Katze so treibt, weil, hat sie

gesagt: »Ich muss ständig hinter ihr herräumen

und sauber machen.«

Aber das ist nicht wirklich dasselbe.

Hinter den meisten Katzen muss man nicht herräumen

und sauber machen. Deshalb hat Mama ja

auch gesagt, dass wir eine neue haben können,

nachdem die Alte Katze gestorben ist, und deshalb

durften wir keinen Hund haben, was ich und

Tom eigentlich viel lieber wollten. Die Neue Katze

ist aber nicht wie die meisten Katzen. Die Neue

Katze macht mehr Sauerei als jeder Hund. Sie

macht sogar mehr Sauerei als Tom. Und dann

ist es auch noch so eine Sauerei, die man nicht

leicht wegmachen kann. Nicht wie Puzzles und

Steckbausteine und Spiderman-Unterhosen und

so. Die Sauerei, die die Neue Katze macht, ist fast

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immer tot. nämlich jedes mal, wenn die neue Katze

das Haus verlässt, geht sie jagen. Und nachdem

sie jagen war, bringt sie die sachen, die sie gejagt

hat, mit rein und legt sie irgendwohin, wo leute sie

finden. manchmal sind die sachen,

die sie mit reinbringt, noch ein

bisschen am leben. Wie der

zusammengerollte Igel, den sie

durch die Haustür

gekullert hat. Und der grünfink

mit nur einem Flügel, der hinter

dem Kühlschrank herumgeflattert

ist. Und der Frosch im Holzkorb,

den susanne und ich ge -

rade begraben wollten, als er

uns im garten aus der schachtel

gehüpft ist.

meistens sind die sachen, die die neue

Katze mit reinbringt, aber total tot.

Und manchmal sind sie so tot,

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dass man nicht mehr richtig erkennen kann, was

sie gewesen wären, wenn sie noch am Leben

wären. In diesen Fällen findet man nur ein paar

Federn oder einen Haufen Knochen oder schleimige

Innereien.

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2. KAPITEL

Die Petition

susanne wohnt nebenan. Ihr zimmer ist gleich

neben meinem. Wenn keine Wand zwischen

unseren Häusern wäre, würden meine und susannes

Familie zusammen in einem großen Haus

wohnen statt in zwei kleinen, getrennten Häusern,

was eigentlich viel besser wäre. Weil, dann

müssten ich und susanne nicht jedes mal, wenn

wir etwas Wichtiges zu besprechen haben, bei

der anderen klingeln oder gegen die Wand

hämmern oder durch den Briefschlitz schreien.

Wir könnten ständig miteinander quatschen, wann

immer wir wollen, auch wenn wir in dieser zeit

eigentlich andere sachen tun sollen, wie zähneputzen

oder rechtschreibübungen machen

oder in unserem zimmer bleiben, bis wir darüber

nachgedacht haben, was wir angestellt haben.

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Ich habe mama gefragt, ob wir die Wand zwischen

unserem und susannes Haus einreißen können.

mama hat gelacht, obwohl es nicht lustig gemeint

war, und gesagt: »Du und susanne, ihr lebt doch

praktisch eh schon zusammen.« Was gar nicht

stimmt, weil wir nur dienstags und donnerstags

zusammen zu abend essen. Und an schultagen

dürfen wir nie bei der anderen übernachten. Und

wir gehen auch nicht zusammen schwimmen,

weil susanne paukenröhrchen in den ohren hat.

Das hier steht in meinem

Wörterbuch über »paukenröhrchen«:

Paukenröhrchen [·pauknær|:6c æn] ·

eine rohrförmige Vorrichtung, die man zur Behandlung

von chronischen Mittelohrentzündungen

benutzt, wenn sich hinter dem Trommelfell eine

klebrige, zähe Flüssigkeit staut


Deshalb haben susanne und ich beschlossen, eine

petition zu schreiben, um zu sehen, ob wir so die

Wand eingerissen kriegen konnten, weil, wie

susanne gesagt hat, »wenn man eine petition

macht, sehen die leute, dass man’s wirklich ernst

meint.«

Wir sind zum schuppen hinter dem Haus gegangen,

wo nur ich und susanne reindürfen (und tom,

wenn er unbedingt will und das losungswort

kennt), und susanne hat oben auf ein Blatt papier

»pähtizion« geschrieben. Und dann hat sie mittendrin

damit aufgehört, weil sie noch mal nachschauen

wollte, was eine »pähtizion« eigentlich

genau ist, bevor sie eine schreibt. Deshalb haben

wir im Wörterbuch nachgeschaut (wofür wir superlange

gebraucht haben, weil sich susanne auch

nicht ganz sicher war, wie man es buchstabiert).

Das hier hat in meinem Wörterbuch gestanden:

Petition [p@titsi·o:n] ·

ein offizielles Gesuch an eine Person oder Personen

in einer Machtposition, in dem um einen

Gefallen, ein Recht, eine Gnade oder andere

Vorzüge gebeten wird


Und das hier hat in susannes Wörterbuch gestanden:

Petition [p@titsi·o:n] ·

ein von einer großen Anzahl Menschen unterzeichnetes

Dokument, das von einer offiziellen

Stelle eine bestimmte Handlung einfordert

Danach wussten wir genau, was eine petition ist.

Und susanne hat gesagt, dass wir wahrscheinlich

selber eine schreiben könnten, aber nur für den

Fall, dass wir etwas vergessen, wäre es am besten,

wenn wir Frau rotherham weiter oben in der straße

besuchen würden. Frau rotherham ist richtig

alt. Ihr Haus riecht ein bisschen komisch, nach

alten sachen und mottenkugeln, so wie omas

Haus immer gemuffelt hat. aber sie spielt gut Karten

und spendiert uns immer eis und zeigt uns,

wie man sachen macht, wenn wir uns nicht ganz

sicher sind.

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