EDVARD MUNCH – ZEICHEN DER MODERNE - Fondation Beyeler

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EDVARD MUNCH – ZEICHEN DER MODERNE - Fondation Beyeler

Medienmitteilung

Edvard Munch

Zeichen der Moderne

18. März 15. Juli 2007

Die Fondation Beyeler widmet dem norwegischen Maler und Grafiker Edvard Munch

(18631944) eine grosse Retrospektive. Sie ist in der Schweiz die erste umfassende

Ausstellung dieses wegweisenden Pioniers der Moderne seit gut zwanzig Jahren. Als

Vorläufer und Begründer des Expressionismus zählt Munch bis heute zu den bedeutendsten

Künstlern überhaupt.

Munchs Auseinandersetzung mit der Einsamkeit, der Liebe und dem Tod ist von

unvergleichlicher Eindringlichkeit. Er bezeichnet in seinem Werk die Krise, die

Vergänglichkeit und das Verschwinden des Individuums im Zeitalter der Industrialisierung.

Sein Schaffen ist von existenziellen Brüchen begleitet und dabei zugleich von höchster

Konsequenz.

Erstmals geht die Ausstellung der Frage der Modernität in Edvard Munchs Werken nach

und präsentiert den Künstler dabei als Meister des Materials und des künstlerischen

Experiments. Die Themenausstellung hat sich der Neuentdeckung von scheinbar

Altbekanntem verschrieben und vereint neben Ikonen der Kunstgeschichte wie Das kranke

Kind, Madonna, Melancholie, Vampir, Pubertät oder Selbstporträt in der Hölle auch

zahlreiche selten oder seit dem Tod des Künstlers nicht mehr gezeigte Werke aus fast 50

öffentlichen und mehr als 50 privaten Sammlungen. Munchs höchst farbige Werke sind

Zeugnisse seines nicht nur eigenwilligen, sondern auch entscheidenden Beitrags zur

Moderne. Als wichtige und innovative Besonderheit seines Werks wird dabei zum ersten Mal

das Thema des Entstehens und des Verschwindens des Motivischen zum Gegenstand einer

Munch-Präsentation erhoben.

Munchs Umgang mit Bilduntergrund und Material ist höchst unkonventionell. Er überschreitet

die traditionellen Grenzen zwischen künstlerischen Medien wie Druckgrafik, Zeichnung,

Fotografie, Collage und Malerei. Werden und Vergehen, Zerstörung und Schöpfung bringt

der Künstler so auf vielfältige Weise zur Darstellung: Das reicht von der Auflösung der

Figuren und deren Verschmelzung mit dem Hintergrund über die eigentümliche

Überschneidung des Bildrandes, dem Kratzen in die Farboberfläche bis hin zum Aussetzen

vieler Werke im Freien bei Regen und Schnee. Mit dieser so genannten »Rosskur« integriert

Munch nicht nur den Zufall, sondern auch den natürlichen Zerfall als Werkkomponente in

seinen Schaffensprozess. In seinem Spätwerk erklärt er das Prozesshafte und das

Temporäre als tatsächliches physisches Verschwinden von Materie zum allgemeinen

Ausdruck der Vergänglichkeit seiner materialbasierten Modernität. Nicht zuletzt darin eröffnet

Munch bereits zur Jahrhundertwende einen Ausblick auf die künstlerische Entwicklung im

fortgeschrittenen 20. Jahrhundert.

Gezeigt werden rund 130 Gemälde, 80 Zeichnungen und druckgrafische Arbeiten aus allen

Schaffensperioden des Künstlers. Die Ausstellung ist in sieben Kapitel gegliedert. Sie setzt

mit Munchs frühem Bruch mit dem skandinavischen Naturalismus in Werken wie dem


Kranken Kind (18801892) ein, dessen Präsentation im Jahr 1886 einen Sturm der

Entrüstung auslöste. Ungeachtet ihrer vernichtenden Besprechungen und des Vorwurfs,

Munchs Bilder seien »roh ausgeführt« oder »halb fertige Entwürfe«, kamen die Kritiker

bereits in frühen Jahren nicht umhin, seine Vorreiterrolle und seine künstlerischen Visionen

anzuerkennen. Munchs Beschäftigung mit malerischen Experimenten der Berliner Jahre

(18921895), die im zweiten Kapitel vorgestellt wird, führt zu einem markanten Stilwandel

und zu unvergleichlich expressiven Werken. Seine vom französischen Impressionismus und

Postimpressionismus beeinflussten Motive weichen zu jener Zeit dem Thema der

Existenzangst des zivilisierten Menschen, der Einsamkeit und des Schmerzes. Es entstehen

mit Madonna, Pubertät, Kuss oder Vampir Hauptwerke, die ihn ein Leben lang begleiten und

später zum Lebensfries kombiniert werden sollten. Das dritte Kapitel behandelt Munchs

unglaubliche Experimente mit der Druckgrafik der Pariser Jahre 1896/97. Seine Gemälde

werden in der Folge monumentaler und flächiger. Nach unsteten Jahren der persönlichen

Krise und zahlreichen Reisen innerhalb Europas sowie einem charakteristischen Stilwandel

sind Munchs Werke nun von einzigartiger Farbintensität und Expressivität, wie das vierte

Kapitel (18981909) der Ausstellung eindrucksvoll belegt. Auch nach seinem

Nervenzusammenbruch im Jahr 1908 und seiner anschließenden Genesung setzt Munch

seine Auseinandersetzung mit Fotografie und Bewegung (19091919) und in der Folge auch

mit dem Stummfilm konsequent fort (fünftes Kapitel). Sein Spätwerk (19201944), das

Gegenstand des sechsten Kapitels ist, ist von der fulminanten Auflösung und dem

Verschwinden von Material und Motiv als konsequente Fortführung seiner frühen Arbeiten

geprägt. Das Schlusskapitel bildet eine umfangreiche Präsentation der späten Druckgrafik.

Die Ausstellung versammelt Leihgaben aus zahlreichen amerikanischen und europäischen

Museen und zeigt zudem eine große Anzahl bisher nicht zugänglicher privater Leihgaben.

Die Ausstellung hat Dieter Buchhart in Zusammenarbeit mit Christoph Vitali, Ulf Küster und

Philippe Büttner kuratiert.

Die wertvollen Leihgaben stammen aus dem Munch-museet in Oslo, dem Bergen

Kunstmuseum, dem National Museum of Art, Architecture and Design in Oslo, dem

Göteborgs konstmuseum, dem Moderna Museet in Stockholm, dem Statens Museum for

Kunst in Kopenhagen, dem Ateneum Art Museum, Finnish National Gallery in Helsinki, dem

Museum of Modern Art in New York, dem Museum of Fine Arts in Boston, dem Hirshhorn

Museum and Sculpture Garden, Smithsonian Institution in Washington D.C., der Tate in

London, der Nationalgalerie in Berlin, der Hamburger Kunsthalle, dem Sprengel Museum in

Hannover, der Staatsgalerie Stuttgart, dem Museum Folkwang in Essen, dem Von der

Heydt-Museum Wuppertal, der Sammlung Würth in Künzelsau, dem Westfälisches

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster, der Neuen Pinakothek in

München, der Österreichischen Galerie Belvedere in Wien, der Národní Galerie in Prag, dem

Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, dem Kunstmuseum Basel und dem Kunsthaus

Zürich sowie aus zahlreichen Privatsammlungen.

Zur Ausstellung erscheint ein reichhaltig bebildeter Katalog im Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, mit

Beiträgen von Dieter Buchhart, Øivind Storm Bjerke, Philippe Büttner und Ulf Küster sowie einführenden

Kapiteltexten. Der Band umfasst 288 Seiten mit 258 Abbildungen in Farbe und kostet CHF 68.

Kontakt/Presse: Catherine Schott, Tel. + 41 (0)61 645 97 21, Fax + 41 (0)61 645 97 39; presse@beyeler.com

www.beyeler.com (Presse) Pressebilder zum Download unter www.beyeler.com/press-images

Öffnungszeiten der Fondation Beyeler: täglich 1018 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr

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