Nächste Schritte - Play and Stay

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Nächste Schritte - Play and Stay

RATGEBER ••• TRAINING

Foto: Blandin

Play & Stay

30 ••• DEUTSCHETENNISZEITUNG


Seit der offiziellen

Einführung

von Play & Stay

anlässlich der

DTB-Mitgliederversammlung

im

November 2007

in Dresden hat

sich international

und national eine

Menge getan.

Die Initiative des Tennisweltverbandes

ITF, an deren Entwicklung Vertreter

des DTB maßgeblich beteiligt

waren, wurde inzwischen von über 100

Nationen eingeführt. Viele Länder haben

die Philosophie des Konzepts – Tennis ist

einfach, gesund, spannend und der beste

Sport für dich – übernommen und ihren

nationalen Gegebenheiten angepasst oder

sogar weiterentwickelt. So startete beispielsweise

der amerikanische Tennisverband

USTA auf der Basis von Play & Stay

mit„QuickStartTennis“eineeigeneAktion.

Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen

im Mini Tennis entwickelte der belgische

Tennisverband VTV das Drei-Farben-Konzept

von Play & Stay mit rot, orange, grün

weiter und führte die Stufen weiß für die

Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren und blau

für die 5- bis 7-jährige Kinder als Vorstufen

ein. Die Bedeutung eines entsprechenden

Turnier- und Wettkampfprogramms wurde

sehr rasch von unseren französischen Nachbarn

in die Praxis umgesetzt. Seit zwei Jahren

wird in Frankreich im Alter unter zehn

Jahren nicht mehr mit dem gelben Ball

gespielt. Stattdessen gibt es offizielle Turniere

für die Stufen Mini-Tennis für die 5-

und 6-jährigen, die Stufe Rot für die 6- und

7-jährigen, die Stufe Orange für die 7-und 8-

jährigen und die Stufe Grün für die 8- und 9-

jährigen Kinder.

Die ITF ist nach wie vor sehr engagiert und

an der Verbreitung von Play & Stay interessiert.

Sie lässt sich regelmäßig von den

Experten „Intro to Tennis Taskforce“ und

von der ITF Coaches Commission beraten.

Als neueste Weiterentwicklung ist das Konzept

„Tennis 10s“ zu nennen. Es beschäftigt

sich sehr gezielt mit den Kindern im Alter

bis zum zehnten Lebensjahr. Im Laufe dieses

Beitrags wird darauf noch näher eingegangen.

Aktuell steht die Umsetzung von

Play & Stay im Tennis mit Erwachsenen auf

der Tagesordnung. Es werden Vermittlungskonzepte

für diese aufgrund der demographischen

Entwicklung immer größer

werdende Zielgruppe entworfen. Als Vor-

reiter hat Frankreich bereits ein spezielles

Programm für Tennis mit Erwachsenen auf

den Weg gebracht. Auch die USA beschäftigt

sich mit ihrem Programm „Welcome

back to Tennis“ mit der Altersgruppe 50

plus.

Was hat sich inzwischen im DTB und seinen

Mitgliedsverbänden in den zurückliegenden

zweieinhalb Jahren getan?

NachderEinführungimHerbst2007wurde

in einem ersten Schritt auf zahlreichen Veranstaltungen

auf Bundes- und Verbandsebene

die Kampagne vorgestellt und beworben.

Von Seiten des DTB wurde zur Umsetzung

des Konzepts ein eigenes Logo kreiert,

Werbematerial (Flyer und Banner) erstellt

und eine eigene Homepage www. tennisplayandstay.de

aufgebaut. Durch die Zusammenarbeit

mit den DTB-Partnern der

Sportartikelindustrie steht inzwischen das

notwendige Equipment zur Verfügung. In

einem zweiten Schritt wurden unter anderem

ein Midcourt-Turnierpaket zusammengestellt

und ein DTB-Midcourt Cup mit

großem Erfolg initiiert. Darüber hinaus stehen

ein Promotionfilm, eine kostenlose

Informations-CD und Veröffentlichungen

zum Thema Methodik und Training zur

Verfügung.

Sehr positiv wurde die Kampagne von den

Verbänden des DTB aufgenommen. So wird

Play & Stay von der Mehrzahl der Verbände

und deren Bezirke in der Trainerausbildung

und -fortbildung vorgestellt und somit über

die Trainer an die Basis in den Vereinen

gebracht. Dabei spricht Play & Stay mit seiner

Botschaft „Tennis ist einfach, gesund,

spannend und der beste Sport für dich“ die

große Zielgruppe der Breitensportler im

Tennis besonders an. Die Umsetzung in die

Praxis durch die sehr spielorientierte

Methode erleichtert vielen Tennisinteressierten

den Einstieg in Tennis. Allerdings

stellt die Botschaft „Tennis ist einfach mit

der richtigen Lehrmethode“ für viele Trainer

noch eine wirkliche Herausforderung

dar. „Tennis spielend lernen“ setzt die

Nächster Schritt

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RATGEBER ••• TRAINING

Foto: Blandin

Stufe Alter Ball

5 bis 7 Jahre

75 % druckreduziert

8 bis 9 Jahre

50 % druckreduziert

9 bis 10 Jahre

25 % druckreduziert

AK U12

11 bis 12 Jahre

normaler Tennisball

Kenntnis moderner Lehr- und Lernwege

voraus. „Aufschlagen, retournieren, spielen

und punkten bereits ab der ersten Tennisstunde“

wird erst dann möglich werden,

wenn zeitgemäße Vermittlungsmodelle

allen Trainern in allen Vereinen bekannt

sind.Hierfehltbishernocheinumfassendes

Gesamtkonzept.DasModul„Methodik“des

elektronischen Tennislehrplans des DTB

wird solche Wege beinhalten und diese

Lücke schließen. Insofern wird die geplante

Fertigstellung im Jahre 2010 dringend

erwartet.

Midcourt-Turniere

Besonders positiv wurde die Stufe orange

des Play & Stay-Konzepts aufgenommen.

Das Spielen auf dem 18 Meter langen und

6,40 Meter beziehungsweise 8,23 Meter

breiten Midcourt mit einer auf 80 Zentimeter

reduzierten Netzhöhe und mit den um

50 Prozent im Druck reduzierten orangefarbigen

Bällen hat sich sehr schnell in vielen

Verbänden des DTB etabliert. Im Jahr

2010wirdesinzahlreichenVerbändenMidcourt-Spielrunden

und Midcourt-Turniere

geben. Deutlich mehr Kinder als zuvor werden

somit in der Lage sein, Wettkämpfe zu

bestreiten. Dies wird sich positiv auf die

Mitgliederentwicklung auswirken.

Die Mehrzahl der Verbände hat sich allerdings

für den breiteren Midcourt und gegen

den vom Tennisweltverband empfohlenen

schmaleren Midcourt entschieden. Überwiegend

sind es organisatorische Gründe –

es müssten zusätzlich noch vier Außenlinien

angebracht werden – die gegen den 6,40

Meter breiten Midcourt angeführt werden.

Dabei würde dieser den tatsächlichen Proportionen

des Tennisfeldes deutlich näher

kommen. Die Meinung internationaler

Experten ist hier eindeutig. Im Hinblick auf

eine moderne Spielanlage der Kinder befürworteten

sie das Spielen auf dem schmale-

ren Midcourt. Das Spielen auf dem breiteren

Platz hingegen unterstützt das Grundlinienspiel

und lässt nur selten erfolgreiche

Netzangriffe zu. Der Bayerische Tennisverband

wird seine Midcourtturniere auf dem

kleineren Midcourt austragen. Gespannt

sehen wir den Erfahrungen entgegen, die im

größten Verband des DTB gemacht werden.

Leichterer Einstieg

Als Einstieg in den Tennissport wird innerhalb

des Play & Stay die rote Stufe angesehen.

Der in Deutschland als Kleinfeld

bezeichnete Platz mit seinen Maßen 11 x 6

Meter ist schon seit mehr als zwanzig Jahren

bekannt und eingeführt. Gespielt wird über

ein sechs Meter breites und 80 Zentimeter

hohes Kindernetz. Als wesentliche Weiterentwicklung

ist der seit kurzem verfügbare

im Druck um 75 Prozent reduzierte Ball zu

nennen. Dieser so genannte rote Ball ist

etwas größer und mit einem Filz überzogen.

Das Spielen mit diesem Ball erleichtert den

Kindern und erwachsenen Anfängern den

Einstieg in Tennis erheblich. Das Kleinfeld-

Training


Platz

Schläger

17 bis 23 Inch

(43 bis 58 cm)

Zählweise

• ein Tie-Break bis 7 oder 10 Punkte

• zwei Gewinn Tie-Breaks bis 7 Punkte

• Spiele auf Zeit

23 bis 25 Inch

(58 bis 63 cm)

• zwei Gewinn Tie-Breaks bis 7 Punkte

• ein Kurzsatz bis 4

25 bis 26 Inch

(63 bis 66 cm)

• ein Kurzsatz bis 4

• zwei Gewinn Kurzsätze bis 4 mit no ad – ein möglicher

dritter Satz als Tie-Break bis 7 Punkte

• zwei Gewinnsätze bis 6

26 bis 29 Inch

(66 bis 73,7 cm)

• zwei Gewinnsätze bis 6

tennis war in den letzten zwanzig Jahren ein

sehr wichtiger Baustein innerhalb des Tennislernens.

Durch die Einführung des Midcourttennis

hat es diese Bedeutung nicht

verloren und muss nach wie vor für beginnende

Spieler als sinnvolle Möglichkeit des

Einstiegs genutzt werden. Für die 6- bis 7-

jährigen Kinder ist es das günstigste Spielfeld

und darf nicht vernachlässigt werden.

Der rote Filzball muss als fortschrittliche

Weiterentwicklung genutzt werden.

Übergang

Die geringste Resonanz bisher fand die Stufe

grün des Play & Stay. Dabei ist das Spielen

mit dem um 25 Prozent druckreduzierten Ball

auf dem regulären Spielfeld als idealer Übergang

vom Midcourt zum Tennisplatz anzusehen.

Der etwas langsamere und nicht so hoch

abspringende so genannte grüne Ball erleichtert

den Kindern und erwachsenen Anfängern

das Spielen auf dem normalen Tennisplatz

enorm. Er lässt ein bereits fast komplettes

Tennisspiel zu. Das Spielen mit dem grünen

Ball muss zukünftig bei Turnieren der 9-

und 10-jährigen Kinder zur Regel werden.

Aber auch im Trainingsalltag er möglicht der

Einsatz der grünen Bälle sehr schnelle Fortschritte

und lässt in einem noch frühen Lernstadium

das Lösen von Übungsaufgaben zu,

die mit den gelben Bällen nicht zu bewältigen

wären. Auch organisatorisch ist außer dem

Bereitstellen von grünen Bällen kein weiterer

Aufwand erforderlich.

Aufbauend auf dem Play & Stay Konzept hat

der Weltverband ITF mit „Tennis 10s“ ein

spezielles Trainings- und Wettkampfprogramm

auf den Weg gebracht. Es konzentriert

sich auf die altersspezifischen Voraussetzungen

der Kinder bis zum zehnten Le -

bensjahr und gibt Empfehlungen hinsichtlich

der jeweiligen Stufe, des Alters, des Balles,

der Spielfeldgröße, der Schlägerlänge und

der Zählweisen. Details liefert die Tabelle

oben. Die Altersangaben gehen dabei von

einem Einstieg insTennis im Alter vom vierten

bis fünften Lebensjahr aus und verfolgen

als Endziel die Spielfähigkeit mit dem gelben

Ball im Alter vom elften bis zwölften Lebensjahr.

Bei einem späteren Einstieg ins Tennis

verschieben sich die drei Stufen entsprechend.

Wird Tennis als Breitensport betrieben,

so ist ein Spielen im Midcourt bis zum

zehnten Lebensjahr und ein Spielen mit dem

grünen Ball bis zum zwölften Lebensjahr

oder sogar darüber hinaus empfehlenswert.

IHR COACH

DER AUTOR:

DIPLOM-SPORTLEHRER

UND -TRAINER

HANS-PETER BORN

IST SEIT 1992

BUNDESTRAINER

BEIM DEUTSCHEN

TENNIS BUND.

Die ITF beabsichtigt ab 2010 weltweit „Tennis10s“

offiziell als Wettkampfform für die

Kinder bis zum zehnten Lebensjahr einzuführen.

Von diesem Zeitpunkt an soll es keine

Turniere mehr mit dem gelben Ball in der

Altersklasse U10 geben. Sollte diese Regelung

eingeführt werden, so ist ein auf „Tennis10s“

abgestimmtes Wettkampfsystem

aufzubauen. Spätestens mit der Einführung

eines solchen Turniersystems werden die

Trainer dann auch das Training entsprechend

anpassen und die Ausbildung der Kinder

optimieren.

Die Umsetzung des Play & Stay Konzepts verlangt

sicherlich viel Engagement von allen

Beteiligten. Belohnt wird dieser Einsatz mit

einem Mehr an Erfolgserlebnissen und Spielfreude.

Und möglicherweise mit einer Steigerung

der Mitgliederzahlen in den Vereinen.

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