Nr. 213, Juli 2008 - Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Köln

gruenekoeln.de

Nr. 213, Juli 2008 - Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Köln

Kölner Mitgliederrundbrief

Nr. 213 Juli 2008

CSD

IN KÖLN

Foto: p.roid/photocase.de

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Bündnis 90 / Die Grünen


I n h a l t u n d E d i t o r i a l

Editorial

Warum dieses Spezial-Mach-Et zum CSD?

Na, weil CSD ist!

Weil wir darstellen wollen, wie der Spaß an der Politik mit

dem Ernst der Parade verknüpft ist. Im einleitenden Artikel

zeichnen wir die Entwicklung nach, die zum Paradeleitfaden

(siehe unten) des Kölner Lesben- und Schwulentags

geführt hat und zu einer politischen CSD-Charta führen

soll. Andreas Wolter erläutert die zunehmende Einbeziehung

der Kölner Partnerstädte zum CSD. Marlis Bredehorst

war beim CSD in Tel Aviv, Maria Bogdanou in Athen dabei.

Erstmals gibt es einen Lesbenempfang, hierzu Judith

Hasselmann.

Mit anderen Worten: Viel Spaß beim Lesen!

Marion Lüttig, Diana Siebert

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CSD – die unpolitischste Veranstaltung der Grünen

– Von wegen!

Diana Siebert, Regina Kobold, Judith Hasselmann, Maria

Bogdanou, Marion Lüttig

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Schwul-lesbische Gäste aus den Kölner

Partnerstädten Gast beim CSD 4

Andreas Wolter

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Erster Grüner Lesbenempfang 4

Judith Hasselmann

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Tel Aviv Gay Pride Parade 2008: Kölner Delegation

zu Besuch in Israel


Marlis Bredehorst

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Köln zur Gast in Athen: Ermis Deutschland

und Kölner Grüne unterstützen die griechischen

Lesben und Schwule

Maria Bogdanou

Termine


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Impressum

Die MachEt ist das offi zielle Magazin der Kölner GRÜNEN und

erscheint viermal im Jahr. Aufl age: 2.200

Anschrift Redaktion MachEt, Grüne Köln, Ebertplatz 23,

50668 Köln

( 9 72 78 88

3 (bei eingeschaltetem Computer) 9 72 78 89

7 machet@gruenekoeln.de

: www.gruenekoeln.de

V.i.S.d.P.: Marion Lüttig

Redaktion: Marion Lüttig (CvD), Diana Siebert

Layout: messitsch Medienpool Köln GmbH

Druck: GHS Druck GmbH

Preis: diesmal kostenlos

Die Artikel spiegeln die Meinung des/der jeweiligen AutorIn wieder und

nicht unbedingt die der Redaktion oder von BÜNDNIS 90/DIE GRÜ-

NEN Köln. Unverlangt eingesandte Manuskripte nehmen wir gerne

entgegen. Haftung wird nicht übernommen. Die Redaktion behält sich

vor, eingesandte Beiträge zu kürzen.

Anzeigen:

bitte an Grüne Köln, Ebertplatz 23, 50668 Köln wenden.


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CSD – die unpolitischste Veranstaltung

der Grünen – Von wegen!

Von Regina Kobold, Diana Siebert, Regina Kobold, Maria Bogdanou, Judith Hasselmann

Große Aufregung letztes Jahr: Das Bordell

Pascha will beim CSD mitmachen.

Logischer Endpunkt der Kommerzialisierung

der Parade oder konsequente

Nicht-Ausgrenzung von Minderheiten?

Bei harten Auseinandersetzungen auf

der Mitgliederversammlung des veranstaltenden

KLuST (Kölner Lesben- und

Schwulentag) vertraten wir unsere von

der Mitgliederversammlung beschlossenen

Position: das Pascha soll weder

mitlaufen noch sponsern. In einer

sehr emotional geführten Diskussion

unterlagen wir mit unserer Position.

Mit deutlicher Mehrheit lehnten die

KLuST-Mitglieder ab, das Sponsoring

einschränken.

Und dann die kölsche Lösung: das Pascha

zog seine Initiative zurück.

Workshop

Das war die Stunde Null für eine

konstruktive Auseinandersetzung.

Im Dezember hielt der KLuST einen

Workshop ab. Mehrere Ideen wurden

geboren, um den politischen und internationalen

Charakter der CSD-Parade

zu würdigen: der Stadt Köln sollte

angetragen werden, mit einem eigenen

Wagen an der Parade teilzunehmen.

VertreterInnen der Partnerstädte, die

ausländischen Konsulate und Kulturinstitute

sollten offiziell eingeladen

werden.

Besondere Aufmerksamkeit widmete

der Workshop der erhöhten Gewaltbereitschaft

von Jugendlichen

gegenüber Lesben und Schwulen.

Vor allem aber war die Idee einer Charta

geboren, an der weiter gearbeitet wird.

Erste Auswirkung: bei der Anmeldung

von Paradewagen und Infostand soll

man sich mit den emanzipatorischen

Zielen des Kölner CSD einverstanden

erklären.

Null Toleranz

Das Motto des Kölner CSD ist denn

auch offensiv wie nie: „Null Toleranz“.

Wir tolerieren nicht mehr, dass andere

uns nicht akzeptieren. Mit unserem

vom Grünen Bundesverband übernommenen

Motto „Verliebt in Vielfalt“ stellen

wir gleichzeitig dar, dass wir „Null

Toleranz!“ nicht als Beschwörung eines

Lesbisch-Schwulen Einheitsblocks vorstellen,

sondern als ein breites heterogenes

Spektrum...

Die Welt, Europa - und Köln?

Im Arbeitskreis Lesben gab es eine Debatte

darüber, ob wir wie in den vergangenen

zwei Jahren die Situation in

anderen Ländern (Polen, Russland)

schwerpunktmäßig öffentlich machen

und kritisieren sollen – diesmal bot sich

thematisch das Verbot von Lambda in

der Türkei und die Klage von zwei Bewohnerinnen

der Insel Lesbos gegen

den Namen „lesbisch“ im Griechischen

Lesben- & Schwulenverband an. Oder

ob wir die zunehmende schlechte Stimmung

gegen Minderheiten (jüngstes

Beispiel der Anti-Islamisierungskongress

der Rechtsextremisten in Köln)und

somit auch Lesben und Schwule in

Deutschland thematisieren sollen. Gerade

im nächsten Wahljahr 2009 werden

sicherlich auch die sog. bürgerlichen

Parteien auf den rechten Rand schielen.

Wie häufig in diesen Debatten gibt es

nicht die eine Antwort: Solidarität besteht

sowohl nach Innen wie nach Außen

– über die Gewichtung kann man/

frau vortrefflich diskutieren.

CSD in Köln

Als Grüne werden wir uns wieder mit

einem Stand und einem eigenen Paradewagen

präsentieren.

Wir begehen aber auch Neuland: In

Zusammenarbeit mit unserer Stadtratsfraktion

koordiniert Judith Hasselmann

für den Landesverband erstmals einen

Lesbenempfang. (Siehe Kasten).

Termine: siehe letzte Seite [dort auch:

Und: die Kölner CSD-OrganisatorInnen

laden erstmals am Samstag,

5.Juli, ab 22 :00 Uhr in die sogenannte

Lanxess-Arena zu einer Party.]

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Foto: Pascal Dabrowski /fotolia

Nr. 213Juli 2008


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Schwullesbische Gäste aus den

Partnerstädten beim Kölner CSD

Von Andreas Wolter

DIE GRÜNEN drücken in dieser Wahlperiode

der Lesben- und Schwulenpolitik

im Rathaus ihren Stempel auf.

Die Stadtarbeitsgemeinschaft Lesben,

Schwule und Transgender arbeitet nun

bereits seit zwei Jahren erfolgreich, die

Haushaltsansätze für die Präventionsarbeit

wurden erhöht und die Arbeit

mit MigrantInnen und den Seniorennetzwerken

wurde erstmals in den

Fokus der Stadtpolitik gerückt und

gefördert. Und Köln hat als erste Stadt

in Deutschland die Diversity-Charta

unterzeichnet. Nun lädt die Stadt Köln

für 2009 Repräsentantinnen und Repräsentanten

schwuler und lesbischer

Organisationen aus vier Partnerstädten

nach Köln ein.

Aufgrund der besonderen Situation in

den jeweiligen Ländern werden Vertreter

und Vertreterinnen aus Kattowitz,

Thessaloniki, Tel Aviv und Istanbul von

der Stadt Köln eingeladen. Wir wollen

Vielfalt gemeinsam erleben, mit dieser

Initiative das Verständnis der Kulturen,

Völker und Religionen füreinander verbessern

und das Wir-Gefühl stärken.

Lesben und Schwule stehen in diesem

Dialog in einem besonderen Spannungsfeld.

Einerseits wird die gleichgeschlechtliche

Liebe und das Eintreten

hierfür in vielen Ländern noch massiv

bedroht, andererseits würden auch die

Köln lebenden Lesben und Schwule aus

Polen, Griechenland und der Türkei

durch diese offizielle Geste der Stadt

gestärkt.

Des Weiteren kann die Stadt ihre Wertschätzung

gegenüber den VeranstalterInnen

und den BesucherInnen des

CSD dokumentieren. Die Stadt Köln

kann den Diversity-Gedanken öffentlichkeitswirksam

dokumentieren und

das Augenmerk der Städtepartnerschaften

auch auf der Bürgerrechtsebene

verstärken. Ein Aspekt, der neben

der Wirtschaft und dem Jugend- und

Sportaustausch in letzter Zeit nicht ausreichend

gewürdigt wurde, wie es ja an

der Menschenrechtsfrage in China und

in Peking, deren Partnerstadt Köln ist,

verdeutlicht werden konnte.

Erster Grüner Lesbenempfang

Erster Grüner Lesbenempfang

am 05.07.08

von Judith Hasselmann

Samstag 5.7.2008 um 16:00 Uhr

Haus Neuerburg, Gülichplatz 3

50667 Köln

Begrüßung: Marlis Bredehorst

Sozial- und Umweltdezernentin der Stadt Köln

Weitere Gäste: Kerstin Müller

Kölner Bundestagsabgeordnete

Katja Dörner

Landesvorstand

Ulle Schauws

Sprecherin der LAG Frauen

Kerstin Ciba

Vorstand Kreisverband Köln

Maria Bogdanou

stellv. Vorsitzende des Integrationsrats der Stadt Köln

Wir freuen uns auf Aktive aus Vereinen und Verbänden,

Interessierte und Freundinnen. Wir nehmen die gute

Gelegenheit wahr, Sie/Euch über die aktuellen

Diskussionen zum Thema Lesbenpolitik bei den Grünen zu

Erstmalig richten die Grünen zum diesjährigen

CSD einen Lesbenempfang

aus. Gastgeberin ist die Grüne Ratsfraktion,

eingeladen sind alle aktiven

Lesben. Auch hier gilt unser CSD-Motto

„Verliebt in Vielfalt“, denn wir wollen

ein möglichst breites Spektrum von

Frauen einladen und kennen lernen.

Zwei gute Gründe sprechen dafür, gerade

2008 zum Jahr des ersten Grünen

Lesbenempfangs zu machen: Erstens

sollten wir nicht nur im Trubel der Parade

und des Straßenfestes präsent sein,

sondern auch inhaltliche Angebote

machen - und da ist das Jahr nach der

inhaltlichen Neusortierung des CSD

doch gerade recht. Zweitens gibt es seit

dem LDK-Beschluss „Für eine neue Familienpolitik“

einen Diskussions- und

Arbeitsprozess, der zum Ziel hat, den

grünen erweiterten Familienbegriff

inhaltlich zu füllen und Eckpunkte einer

Gleichstellung aller Lebensformen

mit Kindern zu formulieren. Jetzt ist es

an der Zeit, die Ergebnisse dieses Prozesses

nach außen zu transportieren

und sichtbar machen.

Regenbogen-, Patchwork- oder auch

Einelternfamilien haben zwar nicht alle

die gleichen Probleme, aber sie haben

einiges gemeinsam: sie entsprechen

keinem Klischee, folgen keiner Gesetzmäßigkeit

und brauchen gesellschaftliche

Unterstützung und Anerkennung.

Wie das aussehen könnte, werden wir

bei dem Empfang verraten und hoffen

auf viel Neugier und Interesse an einem

Austausch.

informieren. Kennenlernen, netzwerken, austauschen.

Inklusive Sekt, Selters und Häppchen.

Um Anmeldung wird gebeten regina.kobold@stadt-koeln.de

oder Tel: 0221/ 221-25917

Aber wir wollen ja nicht nur reden, sondern

auch netzwerken und das ein oder

andere Pikkolöchen leeren. Und vielleicht,

wenn alle begeistert sind, könnte

es zu einer schönen Tradition werden.

Marlis Bredehorst wird die Begrüßung

übernehmen. Ebenfalls dabei sind Kerstin

Müller, Katja Dörner, Maria Bogdanou.

und Kerstin Ciba . Und vielleicht

gibt es noch die ein oder andere Überraschung.

Also macht Euch auf und

kommt zum ersten Grünen Lesbenempfang

in die Ratsfraktion! Freundinnen,

Partnerinnen und Gattinnen sind ebenfalls

herzlich willkommen!

Samstag, 5.7.08, 16:00 Uhr, Haus Neuerburg,

Gülichplatz 3

(nach der Verleihung der Kompassnadel

im Gürzenich)

Anmeldung bei:

regina.kobold@stadt-koeln.de

4 Nr. 213Juli 2008


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Tel Aviv Gay Pride Parade 2008

Kölner Delegation zu Besuch in Israel

Von Marlis Bredehorst

In Kölns israelischer Partnerstadt Tel

Aviv-Yafo fand am 06.06.2008 zum zehnten

Mal die Gay Pride Parade der Tel

Aviver schwul-lesbischen Gemeinschaft

statt. Die Veranstaltung wird seit 1998

jedes Jahr in der Stadt gefeiert und zählt

zu den größten Paraden im Nahen Osten.

Die Einladung an die Stadt Köln zur Vertiefung

der städtepartnerschaftlichen

Beziehungen kam vom Bürgermeister

der Stadt Tel Aviv-Yafo, Ron Huldai. In

Vertretung von Oberbürgermeister Fritz

Schramma reiste ich als Integrationsdezernentin

in die Partnerstadt. Mit dabei

war Michael Lohaus, Vorsitzender des

schwul-lesbischen Sportvereins SC-Janus

und Mitglied im Organisationskomitee

der VIII Gay Games 2010 in Köln.

Wir waren äußerst beeindruckt von

unserem Besuch in Israel. Tel Aviv ist

eine anregende Stadt, in der die kulturelle

und gesellschaftliche Vielfalt gelebt

wird. Schätzungsweise 30-40.000

Besucherinnen und Besucher haben

an der Parade teilgenommen, darunter

sehr viele Regenbogenfamilien mit

Kindern. Nach Ansprachen des Bürgermeisters

von Tel Aviv, Mitgliedern

des Stadtrates sowie der Knesset, dem

israelischen Parlament, zog die Parade

durch die mit Regenbogenfahnen

geschmückte Stadt zum Strand und

endete dort in einer Beach-Party. Der

Besuch in Tel Aviv hat gezeigt, dass

Schwule und Lesben eine breite Akzeptanz

in der israelischen Gesellschaft haben.

Die Stadt ist ein positives Beispiel

für Gleichberechtigung und Diversity.

Kölns Partnerstadt Tel Aviv-Yafo hat

mit rund 350.000 Einwohnern eine der

lebendigsten schwul-lesbischen Szenen

der Welt. In Bezug auf die Gleichberechtigung

sexueller Minderheiten und ihre

persönlichen und zivilen Rechte wird

Israel als der mit Abstand toleranteste

Staat im Nahen und Mittleren Osten

gesehen. Seit Februar diesen Jahres hat

die Regierung Israels beispielsweise beschlossen,

dass homosexuellen und lesbischen

Paaren die gleichen Adoptionsrechte

gebühren wie heterosexuellen.

Tel Aviv hat ein eigenes Community

Center für schwule, lesbische, bi- und

transsexuelle Menschen (GLBT), das

von der Stadtverwaltung betrieben

und auch von ihr finanziert wird. Im

Park vor dem Community Center fand

das Straßenfest zur Eröffnung des Gay

Pride statt. Initiativen, Vereine und Verbände

stellten ihre Arbeit vor. Darunter

Hoshen, eine Organisation, die Aufklärungs-„

und Beratungsarbeit in ganz Israel

anbietet, so z.B. in Schulen, Armee

und Polizei. Ich war beeindruckt von

der Bandbreite der Beratungsangebote

wie etwa für Transgender-Jugendliche

oder lesbische Palästinenserinnen. Dies

gewährleisten über 100 ehrenamtliche

BeraterInnen.

Im Gespräch mit den AktivistInnen

zeigten die Tel Aviver Schwulen und

Lesben ihren Stolz darauf, dass das

LGBT Community Center ein städtisches

Zentrum ist. Darin zeigt sich,

dass Überwindung von Homophobie,

Arbeit gegen Diskriminierung, Förderung

von LSBT-Empowerment, Selbstbestimmung

sowie Anerkennung von

homosexuellen Lebensweisen inzwischen

integraler Bestandteil kommunaler

Politik und Aufgaben ist.

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Foto: Xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

In Köln gibt es auf Initiative der Grünen

seit rund einem Jahr die Stadtarbeitsgemeinschaft

Lesben, Schwule,

Transgender. Hierin diskutieren LSBT-

Initiativen, RatspolitikerInnen und

Verwaltung über aktuelle Anliegen.

Aufgabe der Stadtarbeitsgemeinschaft

ist es, den Ausschüssen des Rates und

der Verwaltung konkrete Empfehlungen

zu geben. Wichtig ist dabei der

begleitende Verwaltungsarbeitskreis,

in dem VertreterInnen vieler städtischer

Ämter und Dezernate über die

Umsetzung der LSBT-Anliegen beraten

und planen. Auch in der schwullesbischen

Hochburg Köln ist dies ein

wichtiger und nötiger Schritt, um Politik

für Lesben, Schwule, Bisexuelle

und Transgender in der Stadtpolitik

und -verwaltung und durchzusetzen

und zu verankern.

Nr. 213Juli 2008


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Köln zur Gast in Athen

von Maria Bodganou

ERMIS Deutschland und Kölner Grüne

unterstützen die griechischen

Lesben und Schwulen in ihrem

Einsatz für gleiche Bürgerrechte

und Akzeptanz in der Gesellschaft

Am 6.6. ist eine kleine Delegation aus

Köln ins Flugzeug nach Athen gestiegen.

Die Delegation bestand aus Mitgliedern

von ERMIS Deutschland (Gemeinschaft

griechischer Lesben und Schwulen aus

Deutschland) und aus Mitgliedern

von Bündnis 90 / Die Grünen Köln.

Beide Organisationen folgten einer

Einladung von OLKE (Griechischer

Lesben- und Schwulenverband)

und der griechischen Grünen Partei.

Als wir die Einladung annahmen,

ahnten wir noch nicht, welche politischen

und gesellschaftlichen Entwicklungen

sich bis zum 4. Athens Pride

ereignen und die Parade dadurch ins öffentliche

Rampenlicht rücken würden.

Einige Tage vor dem CSD wurden die

ersten gleichgeschlechtlichen Ehen in

Griechenland nach dem derzeit gültigen

Zivilgesetz geschlossen und versetzten

das ganze Land in hellen Aufruhr. Nein,

Griechenland hat nicht plötzlich still

und leise den Sprung ins 21. Jahrhundert

vollzogen. Die Eheschließungen wurden

dank einer Gesetzeslücke und eines

mutigen Bürgermeisters ermöglicht.

Die Vorgeschichte:

Vor einiger Zeit hatte der griechische

Justizminister alle Hoffnungen der

griechischen Lesben und Schwulen,

dass sie bald mehr Rechte auf

gesellschaftliche Anerkennung und

Akzeptanz erlangen würden, mit

einem Schlag zunichte gemacht.

Ursprünglich hatte der Justizminister

Sotiris Chatsijakis geplant, einen Gesetzentwurf

zur Einführung einer Eingetragenen

Lebensgemeinschaft für alle

(ähnlich dem französischen PACT civil)

einzubringen. Aber er hat in letzter Minute

einen Rückzieher gemacht und

die gleichgeschlechtlichen Paare ausgeschlossen.

Der Grund: Angst vor der

eigenen Courage. Der Minister hat dem

Druck aus dem konservativen Lager

und Kirchenkreisen nicht standgehalten,

obwohl aus der Gesellschaft auch

positive Signale für seine Pläne kamen.

Enttäuscht und erzürnt über diese

Kehrtwende, beschlossen die Schwulen

und Lesben selbst aktiv zu werden

und machten sich das Gesetz zur standesamtlichen

Eheschließung zu Nutze:

In diesem steht, dass es zwei Personen

braucht, um eine Ehe zu schließen. Nirgendwo

ist die Rede von Mann und Frau.

Daraufhin fand sich ein Bürgermeister,

der bereit war, auch eine Homo-Ehe zu

schließen: der Bürgermeister der kleinen

Insel Tilos, Kostas Aliferis. Druck

und Drohungen gegen seine Haltung

blieben wirkungslos. Er ist standhaft

geblieben und spaltete damit das Land..

Es ist nur verständlich, dass in einem

Land, in dem seit Jahrzehnten die

Nr. 213Juli 2008


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LSBT-Rechte ignoriert werden und

wo jegliche europäische oder internationale

Entwicklung als mit der

griechischen Gesellschaft unvereinbar

betrachtet wurde, die Reaktionen

heftig ausfallen. Es gab Befürworter,

die Bewunderung für die gewaltfreie

Eigeninitiative und den Mut zur Provokation

äußerten. Aber auch heftigen

Unmut von Seiten der Ultrarechten

und konservativen Kreise. Die Kirchen

sahen die orthodoxen Grundfeste bedroht.

Sie befanden, dass Sodom und

Gomorra Realität wurden und dass

es Schande über Griechenland bringen

würde. . Der Unmut wurde aber auch

persönlich: Lesben und Schwule seien

widernatürliche und psychisch kranke

Menschen und würden lediglich aus

Mitleid für ihre krankhafte Lust geduldet.

Deshalb sollten sie nicht provozieren.

Durch die Öffentlichmachung

ihrer sexuellen Neigungen liefen Kinder

Gefahr, angesteckt zu werden. So

und ähnlich lauteten die Kommentare.

Ein weiteres Ereignis, das zur Erhitzung

der Gemüter führte, war die Klage

dreier BewohnerInnen der Insel Lesbos

gegen die OLKE. Nach deren Willen

soll dem Verband gerichtlich untersagt

werden, den Begriff Lesben zu benutzen.

Anders könne man sie nicht davor

bewahren, fälschlicherweise mit der

als lesbisch bezeichneten homosexuellen

Neigung in Verbindung gebracht

zu werden. Der Begriff Lesbe bringe

nur Schande und Schmähungen mit

sich, befanden sie in ihrer Begründung.

Diese Ereignisse führten dazu, dass

zum ersten Mal seit der Entstehung

der Athens Pride die Medien aufmerksam

auf die Belange der LSBT wurden

und Interesse zeigten. Die Stände auf

dem Klauthmonos-Platz im Zentrum

Athens wurden regelrecht belagert

von Fernsehteams. Nicht alle hatten

Gutes im Sinn. Satirische Sendungen

brauchten genauso Futter wie seriöse.

Anfangs ging es nur zögerlich voran,

doch nach und nach sammelte sich eine

große Menge Menschen auf dem Platz.

Nach den Begrüßungen u.a. von Volker

Beck der leider verhindert war und

dessen Rede von ERMIS Sprecher Nikos

Delveroudis vorgetragen wurde –,

die sehr positiv aufgenommen wurde,

zog man zur Pride Parade. Diesmal war

man sich schnell einig, die Zahl der DemonstrantInnen

war viel größer als in

den Jahren davor: nämlich stolze 2500.

Auch der Demo-Paradeweg war länger.

Man wollte vor dem Athener Rathaus

halt machen, wo die Paare aus Tilos ihren

Auftritt hatten. Der Athener Bürgermeister,

Nikitas Kaklamanis, hat niemals

bestätigt, dass er schwul ist, aber hat es

auch niemals dementiert. Seine zaghafte

Haltung zu diesem Thema empfinden

die Lesben und Schwulen als Verrat.

Die Demonstration verlief im Großen

und Ganzen friedlich und ohne Zwischenfälle.

Doch kurz vor Ende (Omonoia)

ließ uns die Polizei halten. Etwa

50 Rechtsradikale aus der Gruppe

„Chrysavgites“ wollten die Pride-Parade

stürmen. Sie hatten sich Zugang

auf das Flachdach eines hohen Bürogebäudes

verschafft. Von dort aus haben

sie die Demonstranten mit Joghurt,

Eiern und Mehl begrüßen wollen. Die

Wurfgeschosse haben ihr Ziel verfehlt:

die Polizei hatte die Straße abgeriegelt

und uns eine neue Route zugewiesen.

Es machte sich Beklemmung und Unbehagen

breit. Die Reaktion dieser

politischen Randgruppe bringt ins Bewusstsein,

wie schnell die gesellschaftliche

Stimmung gegenüber Minderheiten

umkippen kann. In Griechenland

herrschen nicht russische Verhältnisse.

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Dennoch: Die Gewaltbereitschaft

mancher Gruppen ist Ausdruck der

gesellschaftlichen Stimmung in Griechenland.

Ihre politische Stütze findet

Chrysavgi in der LA.OS Partei. Diese

hetzt unermüdlich gegen die LGBT

Positiv dagegen ist, dass erstmalig der

griechische Star, Sänger und Songschreiber

Dantis auf dem Athens Pride

gesungen hat. Auf der Bühne sagte

er unter anderem: “Ich mach mal den

Anfang, hoffen wir, dass viele nachkommen“.

Es wurden noch andere

Persönlichkeiten aus dem öffentlichem

Leben auf dem Platz gesichtet.

Wir Grünen aus Deutschland werden

Griechenland weiterhin beobachten und

allen Einfluss geltend machen, der uns

auf europäischer oder außenpolitischer

Ebene zur Verfügung steht, damit die

griechischen Lesben und Schwule endlich

zu ihren „natürlichen“ Rechten

kommen. LSBT-Rechte sind Menschenrechte.

Der Entwicklungsstand einer

Demokratie lässt sich daran messen,

wie sie die Rechte ihrer Minderheiten

schützt. Die Ungleichheit

der LSBT auf europäischer

Ebene muss aufhören.

Nr. 213Juli 2008

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