‚KölnPass' wird wieder eingeführt - Bündnis 90/Die Grünen ...

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‚KölnPass' wird wieder eingeführt - Bündnis 90/Die Grünen ...

Bündnis 90/Die Grünen im Kölner Rat - Nachrichten, Polemiken, Dokumente - Nr. 178, September 2006

‚KölnPass’ wird wieder eingeführt

Wichtiger Schritt zu einem sozialen Köln

Rat am 28. September die Wiedereinführung

des „KölnPasses“, den es ab 1.1.2007

wieder geben soll. Damit gewinnen diejenigen

Menschen in Köln, die erwerbslos

sind oder nur geringe Einkommen haben,

deutlich mehr Mobilität und Teilhabe am

gesellschaftlichen Leben. 1984 haben SPD

und Grüne den Köln-Pass erstmals eingeführt.

SPD und GRÜNE werben für eine

breite Mehrheit, weil so ein wesentlicher

Schritt für eine sozial integrative Politik,

die allen BürgerInnen nutzt, realisiert

werden kann.

Ossi Helling, sozialpolitischer Sprecher

der Grünen, erläutert Motive und Wirkung

des neuen KölnPasses und seine wechselvolle

Geschichte seit 1984.

Ein Blick zurück

Mit dem 1984 eingeführten KölnPass erhielten

Bedürftige Vergünstigungen bei den städtischen

Einrichtungen, wie den Bädern, dem

Zoo, Oper, Theater, Museen und der KVB.

Damals erhielten auch die Menschen diese

Vergünstigung, die mit ihrem Einkommen

maximal 30% über dem damaligen Sozialhilfesatz

lagen. Am 31.10.84 schrieb eine

Kölner Zeitung: „Etwa 60 000 Kölner würden

in den Genuss dieser Leistung kommen... Die

SPD forderte die Grünen auf, mit für das

SPD Modell zu stimmen. Doch die Grünen

hatten ihre Schwierigkeiten. Denn nach ihrem

KölnPass-Vorschlag sollten ausdrücklich

auch Ausländer und Asylbewerber in die

Vergünstigungen eingeschlossen werden...

Die Grünen stimmten schließlich mit der

SPD, nachdem diese ihren Antrag auch auf

Ausländer ... erweitert hatte.“ Direkt nach der

Kommunalwahl 1999 gab die dünne CDU/

FDP-Mehrheit den KölnPass zum Abschuss

frei. Das Leistungsangebot wurde arg verringert

und zugleich ausschließlich Familien

mit Kindern - unabhängig vom Einkommen

– begünstigt. Infolge der zeitweisen schwarzgrünen

Kooperation konnten die GRÜNEN

die Umwandlung des „Familienpass“ zum

„Mobilitätspass“ durchsetzen, so dass die

Kernleistung des KölnPasses für sozial

Schwache aufrechterhalten blieb. Seinen

absoluten Niedergang erfuhr der Pass durch

das kurze CDU/SPD-Intermezzo in 2005, als

er nur noch ca. 10 000 SGB XII-Empfängern

gewährt wurde und seine Leistung auf eine

durchschnittliche Ermäßigung von 20% bei

zwei KVB-Ticketarten reduziert wurde.

Gibt es Armut?

„Im Sudan sterben Hunderttausende an

Hunger, in Tansania müssen 75% der Bevölkerung

mit 2 Dollar täglich auskommen, dort

herrscht wirklich Armut. Aber hier gibt’s

doch nur ‚eingebildete’ Armut.“, lautet das

Schlusswort mancher Diskussion über Armut

in Deutschland. Da es in der Tat gravierende

Armutsunterschiede in Metropolen und Dritte-Welt-Ländern

gibt, spricht die Fachwelt

von „relativer Armut“. Die in den EU-Staaten

geltende „Armutsrisikoquote“ umfasst

diejenigen, deren Einkommen weniger als

60% des speziell berechneten durchschnittlichen

Haushaltseinkommens des jeweiligen

Landes beträgt. In 2004 lag die Armutsrisikogrenze

in Deutschland bei monatlich

938 € im Einpersonenhaushalt. 11 Millionen

Menschen sind in Deutschland von Armut

betroffen oder bedroht. Langzeitarbeitslose,

Alleinerziehende, Ausländer, kinderreiche

Familien - daraus rekrutiert sich „klassisch“

das Armutsklientel. Relativ neu ist, dass nun

bislang scheinbar sichere Mittelstandsmilieus

Abstürze erleiden. Promovierte Akademiker,

die keine Anstellung finden, oder qualifizierte

Angestellte und Facharbeiter, die nach 20

Jahren ihren Job verlieren, und nach einem

Jahr Arbeitslosigkeit plötzlich mit Hartz IV

ihr Leben einrichten müssen. Menschen, die

Arbeit haben, die aber von Jahr zu Jahr durch

Lohndrückerei oder erzwungene Teilzeitarbeit

schlechter bezahlt werden, sind plötzlich Teil

der „Schicksalsgemeinschaft Armutsrisiko“.

Sie brauchen politisch und materiell deutliche

Unterstützung, um nicht endgültig an

den Rand einer immer noch insgesamt gut

funktionierenden Gemeinschaft der Bürger-

Innen katapultiert zu werden.

Foto: Hans Feller

Kaum erschwinglich ist z.B. für Familien mit geringem Einkommen der Besuch

im Kölner Zoo. Erwachsene zahlen 12 €, Kinder bis 14 Jahre 6 €, Schüler,

Azubis und Studenten 8,50 €. Nur der Montag als „Zootag“ ist ermäßigt.

Der „KölnPass“ soll auch diesen Familien den Zoo-Besuch wieder finanziell

erleichtern. Wie z. B. bei den Bühnen oder der Philharmonie sind dafür auch

beim Zoo Beschlüsse der jeweiligen Aufsichtsräte notwendig.


Soziales

Wer erhält den KölnPass?

Diese Aufgabe hat das rot-grüne Kernbündnis

nun angepackt. Da die Höhe der Transferleistungen

(ALG II) vom Bund bestimmt

wird und das fallende Reallohnniveau primär

Sache der Tarifpartner ist, hat Rot-Grün den

KölnPass als kommunales Instrument gegen

die Isolation armutsgefährdeter Menschen

wiedereingeführt. Da die meisten Transferleistungen

auf Haushalte oder Bedarfsgemeinschaften

bezogen sind, erhalten zukünftig

den Köln Pass:

Ca. 65 000 ALG II-Bedarfsgemeinschaften

bekommen inklusive Mietkosten

durchschnittlich 938 € pro Monat.

Laut Angaben der „Leben in Köln“-

Umfrage sind dies 12% aller Kölner

Haushalte.

Menschen, deren laufendes monatliches

Einkommen maximal 10 % über dem

Bedarfssätzen nach SGB II bzw. SGB

XII liegen: 938 € + 10% = ca. 1050 Euro.

Das sind weitere 41.000 Haushalte.

Damit sind insgesamt ca. 107.000 Kölner

Haushalte (20 %), in denen ungefähr 180.000

Menschen leben, antragsberechtigt. Darunter

sind viele, die trotz regelmäßiger und langjähriger

Arbeit mit ihrem Einkommen am

Rande des Armutsrisikos leben.

Was wird begünstigt?

Menschen mit niedrigem Einkommen soll

mit dem KölnPass der Zugang zu beruflicher

und gesellschaftlicher Mobilität, zu Bildung,

zu Kultur-, Sport- und Freizeitangeboten

erleichtert werden. Deshalb wird die KVB

ca. 50% Ermäßigung bei Monatskarten, 9-

Uhr-Ticket und Streifenkarten gewähren.

Städtischer Einrichtungen und Unternehmen

wie Volkshochschule, Stadtbibliothek, Rheinische

Musikschule, Zoo, Museen, Theater,

Oper, Philharmonie und Bürgerzentren sollen

vergünstigte Gebühren und Tickets anbieten.

Private Anbieter im Freizeit- und Kultursektor

sollen ebenfalls animiert werden. So hat

bereits ‚off –cologne’, ein Verband freier

Kulturbetriebe (Kino, Theater, Musik) spontan

35 bis 45 % Ermäßigung angekündigt.

Wer zahlt?

Zukünftig wird der KölnPass nicht mehr

aus dem angespannten Sozialetat des Stadthaushalts

finanziert. Da KVB, Kultur- und

Freizeiteinrichtungen durch die Gewährung

der Vergünstigungen eine Steigerung ihrer

Nutzerzahlen erwarten, werden auch deutliche

Umsatz- und letztlich Erlöszuwächse

erzielt, die den KölnPass weitgehend tragen.

So gewinnt die KVB zahlende Neukunden.

Schwarzfahren wird reduziert. Der KölnPass

verringert soziale Ausgrenzung. So kommt

er allen zu Gute.

Wie funktioniert der EU-Emissionshandel?

Seit 1.1.2005 gibt es europaweit den Handel

mit Emissionsrechten für CO2 aus Kraftwerken

mit einer Mindestleistung von 20

MW und energieintensiven Industrieanlagen.

Dadurch soll ein wirtschaftlicher Anreiz zur

Verminderung der Emission entstehen. Die

Verteilung der Zertifikate wird für jeden

Handelszeitraum von den einzelnen Ländern

in nationalen Allokationsplänen (NAP)

festgelegt .

In Deutschland wurden für die Handelsperiode

2005 – 2007 jährliche CO2-Emissionsziele

von 503 Mio. Tonnen CO2 und

für die Periode 2008 – 2012 482 Mio. t

festgelegt. Die Verminderung der Zuteilung

bezieht sich auf die Emissionsziele des Kyoto-

Protokolls. Für Neuanlagen orientiert sich in

Deutschland die Zuteilung am spezifischen

Verbrauch der jeweiligen Kraftwerkstypen.

So bekommen Kohlekraftwerke etwa doppelt

so viele Zertifikate gratis zugeteilt wie

Gaskraftwerke. Diese Regelung macht aus

dem Emissionshandel als wichtigem Baustein

zur Erreichung der CO2-Emissionsminderungsziele

ein Förderprogramm zum Bau von

Kohlekraftwerken. Sieben Umweltverbände

haben die EU–Kommission aufgefordert, den

von der Bundesregierung eingereichten Plan

zurückzuweisen. Sie kritisieren auch, dass zu

viele Rechte ausgegeben werden sollen. Seit

im April bekannt wurde, das für die erste

Handelsperiode in mehreren EU-Ländern zu

viele Zertifikate existieren, fiel der Preis für

eine Tonne CO2 von rund 30 € pro Tonne

auf die Hälfte.

Weitere Kritik gibt es an der Gratisvergabe

der Zertifikate, obwohl ihr Wert natürlich in

den Strompreis eingeht. Die EU erlaubt, 10%

der Rechte zu versteigern. Österreich und

andere Staaten haben von dieser Möglichkeit

Gebrauch gemacht und so hohe Einnahmen

für den Staat erzielt. Bundesumweltminister

Gabriel (SPD) lässt die Windfallprofits lieber

den Großkonzernen zukommen.

Kraftwerksprojekte in Deutschland ab 20 MW Leistung in Bau und Planung

Unternehmen Standort Energieträger

Leistung

in MW

Inbetriebnahme

RWE Power Weisweiler (Erweiterung) Erdgas 540 2006

Concord Power GuD Lubmin Erdgas 1.200 2007

Trianel Power GuD Hamm-Uentrop Erdgas 800 2007

Mark-E/Statkraft GuD Herdecke Erdgas 400 2007

Statkraft GuD Hürth Erdgas 800 2007

E.ON Kraftwerke GuD Irsching Erdgas 800 2008

Norddeutsche Affinerie Hamburg Müll 100 2008

RWE Power BoA II Neurath Braunkohle 2.100 2010

Vattenfall Europe Gen. Boxberg Braunkohle 670 2010

Steag/EVN Duisburg-Walsum Steinkohle 750 2010

Stadtwerke Ulm Blaubeuren Pumpspeicher 45 2010

Vattenfall Europe Gen. Hamburg-Moorburg Steinkohle 750 2010/11

Electrabel/ Nord. Affinerie Hamburg/Stade Steinkohle 600 2010/11

E.ON Kraftwerke Datteln Steinkohle 1.000 2011

swb Erzeugung Bremen-Mittelbüren Steinkohle 800 2011

EWMR Ruhrgebiet (Standort offen) Steinkohle 1.100 2011

Steag Herne Steinkohle 750 2011

RWE Power Hamm Steinkohle 1.500 2011

NaturEnergie (EnBW) Rheinfelden (Ausbau) Laufwasser 74 2011

19 deutsche Kraftwerke sind derzeit im Bau oder in Planung. Nach 2008 sind neben Wasser- fast nur

noch Kohlekraftwerke als Folge gestiegener Gaspreise und bevorzugter Zuteilung von CO2 –Zertifikaten

geplant. Insgesamt werden die 19 neuen Kraftwerke eine Leistung von 14.779 MW produzieren

Nr. 178, 09/06


Energie

RheinEnergie plant Steinkohlekraftwerk

Köln braucht ein regionales CO2 – Minderungszenario

Der Aufsichtsrat der RheinEnergie AG

hat kürzlich gegen die Stimmen der beiden

grünen Vertreter den Vorstand mit

der Planung eines 800 MW- Steinkohlekraftwerks

am Niehler Hafen beauftragt.

Gerd Brust, energiepolitischer Sprecher

der Ratsgrünen, beleuchtet die Hintergründe.

Die vier großen Energieversorger (EVU)

- RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW - kontrollieren

heute ca. 90% der deutschen Stromerzeugung

und können daher den Preis an

der Strombörse entscheidend beeinflussen.

Stadtwerke suchen deshalb nach Alternativen

für ihren Strombezug. So gibt es bereits

mehrere Zusammenschlüsse kommunaler

Unternehmen, die gemeinsame Kraftwerke

planen. Eine dieser Interessengemeinschaften

untersuchte im Rahmen einer Studie Standorte

für ein eventuelles Gemeinschaftskraftwerk

auf Steinkohlebasis. Der Niehler Hafen kristallisierte

sich als besonders günstig heraus.

Gedacht ist an ein Kraftwerk mit etwa 800

MW Leistung.

Nach den drastischen Gas-Preissteigerungen

und der Bekanntgabe der Zuteilungsplanung

für die CO2 -Emissionsrechte bis 2012 kann

davon ausgegangen werden, dass die Gestehungskosten

für Strom aus Steinkohlekraftwerken

(KKW) auch in der näheren Zukunft

deutlich niedriger sein werden als die von

allen anderen Stromerzeugungsanlagen. Nur

Braunkohle wäre preiswerter. Es ist verständlich,

dass unter diesen Rahmenbedingungen

die RheinEnergie (RE AG) die Planungen für

solch ein Kraftwerk vorantreiben will.

Problem CO2 –Ausstoß

Bei der Verstromung aus Kohle entsteht

aber deutlich mehr CO2 als z. B. bei gasgetriebenen

Kraftwerken. Der steigende CO2

–Anteil in der Atmosphäre ist hauptverantwortlich

für die Erwärmung der Erde mit

allen negativen Begleiterscheinungen wie

steigender Meeresspiegel, abschmelzende

Gletscher und Pole, zunehmende Sturmschäden,

etc. Das nationale Klimaschutzprogramm

sieht daher vor, den Ausstoß von

Treibhausgasen wie CO2 in Deutschland

bis 2020 um 40% (gegenüber 1990) zu

senken. Tatsächlich wird dieses Ziel aber

weit verfehlt, wenn nicht bedeutend größere

Anstrengungen unternommen werden. Vor

allem beim Energiesparen geht es nicht voran.

Trotz aller technischen Verbesserungen ist

der Stromverbrauch in den letzten 10 Jahren

um über 13% gestiegen.

Verfehlte Emissionsrechtepolitik

Zur Zeit der rot-grünen Bundesregierung

konnte zwar der Anteil erneuerbarer Energien

an der Stromerzeugung auf heute gut 10%

verdoppelt werden. Gescheitert sind wir aber

beim Ausbau der Kraft-Wärme–Kopplung,

d.h. bei der Nutzung der Abwärme aus Kraftwerken,

z. B. als Fernwärme. Beim neuen

KKW ist zwar die Nutzung von 300 MW

Fernwärme vorgesehen. Dies ginge aber zu

Lasten des neuen GUD–Gaskraftwerkes am

gleichen Standort und würde dessen Nutzungsgrad

verschlechtern. Der Ersatz alter

Kohlekraftwerke durch neue führt auf Grund

besserer Wirkungsgrade im ersten Moment

zu einer merklichen Senkung des CO2 –Ausstoßes.

Aber es wäre auch gleichzeitig eine

Entscheidung über die Struktur des Kraftwerkparks

für die nächsten 30 Jahre. Die Studie

des Bundesumweltamtes „Klimaschutz in

Deutschland bis 2030“ kommt zum Ergebnis,

dass angesichts der heute bekannten Kraftwerksplanungen

schon 2020 etwa 8000 MW

mehr Steinkohlekapazität bestehen würden,

als dann mit dem Klimaschutzszenario der

Bundesregierung vereinbar. Trotzdem hat

die Regierung bei der Zuteilung der CO2

-Emissionsrechte bis 2012 die Kohlekraftwerke

massiv bevorzugt. Angesichts dieser

Fehlsteuerung ist der derzeitige Boom bei der

Planung von SKW nicht verwunderlich.

Dringend notwendig wären hingegen bessere

politische Rahmenbedingungen für eine

effizientere Energienutzung. So soll das neue

Kraftwerk einen elektrischen Wirkungsgrad

von etwa 45% haben. Mehr als die Hälfte

der eingesetzten Energie würden also ohne

Fernwärmenutzung nur die Umwelt - in diesem

Fall vor allem den Rhein - aufwärmen.

Mit Fernwärmenutzung könnten rund 80%

der Energie genutzt werden. Dazu müsste

das Fernwärmenetz aber erheblich ausgebaut

werden.

Klimaschutzprogramm für Köln

Wir brauchen für Köln ein Szenario, wie

die nationalen Klimaschutzziele auch vor

Ort erreicht werden können. Dabei müssen

wir den Spagat schaffen, dass RheinEnergie

als Flaggschiff der städtischen Unternehmen

einerseits vor allem gegenüber den

vier großen EVUs konkurrenzfähig bleibt,

aber andererseits auch seine ökologischen

Verpflichtungen erfüllt. Von der RheinEnergie

muss da mehr kommen als bisher. Schließlich

hat sie im Konzessionsvertrag mit der

Stadt Köln zugesagt, deren Ziele im Rahmen

der städtischen Mitgliedschaft im Klimabündnis

zu unterstützen. Wie dies trotz der

schwierigen Rahmenbedingungen möglich

ist, darüber wird in der kommenden Zeit bis

zur endgültigen Entscheidung über den Bau

des Kraftwerkes zu reden sein.

Nr. 178, 09/06


Soziales

Soziales Netz in Köln (XVII)

Zug um Zug e.V.

Rathaus Ratlos stellt in seiner Serie soziale

Selbsthilfeprojekte vor, die in den letzten 20

Jahren aus dem Selbsthilfegedanken, aus

Bürgerinitiativen und Bürgerengagement

hervorgingen. Sie erkannten frühzeitig

gesellschaftliche Defizite und erprobten

neue Wege. In dieser Ausgabe stellt sich

„Zug um Zug e.V.“ vor.

Start mit Worringer Bahnhof ...

Am 15. 10. 1987 startet der Verein Zug

um Zug e.V. mit 19 Beschäftigte in einer

abgewrackten Wagenhalle auf dem ehemaligen

Eisenbahnausbesserungswerk Nippes

als ABM-Projekt das Projekts“ Wiederaufbau

des Worringer Bahnhof“. Dafür hat er eine

Förderung erhalten: 798.321 DM aus Mitteln

des Europäischen Sozialfonds. Seit Jahren

existierte ein Konzept für ein handwerkliches

Werkstattprogramm und ein Objekt. Die Bahn

will den alten Worringer Bahnhof wegen der

S-Bahn-Trasse abreißen oder verschenken,

wenn der neue Besitzer das denkmalwürdige

Gebäude an anderer Stelle wieder aufbaut.

Am 1.8.83 wird der Verein „Zug um Zug

e.V.“ gegründet, um einen Beitrag zur Behebung

der Jugendarbeitslosigkeit zu leisten und

denkmalgeschütztes Kulturgut zu erhalten.

... und Kantine

Der Bau wird demontiert und eingelagert.

Jetzt beginnt der Wiederaufbau.

Das Projekt findet auch überregional großes

Interesse, besonders die Lehmbautechnik zur

Restaurierung des „Worringer Bahnhof“. So

findet Ende Mai 1990 unter Federführung

von Zug um Zug e.V. auf dem Gelände des

Eisenbahnausbesserungswerks (EAW) das

deutschlandweit erste „Forum Stadtökologie“

statt. Zwei Wochen Vorträge, Führungen und

Workshops zum Thema „Umweltbewusstes

Bauen, Wohnen, Leben.“ Im Oktober

1990 wird der Bau fertig. Zug um Zug e.V.

bezieht einen Teil. Und beginnt mit Kultur

und Unterhaltung in der denkmalgeschützten

DB-Kantine auf dem EAW-Gelände. „Die

Kantine“ entwickelt sich zu einem der beliebtesten

Veranstaltungsorte Kölns und ist heute

ein eigenständiges Unternehmen.

Gescheiterte ...

Zug um Zug ist erfolgreich, nur ein Projekt

scheitert: Auf dem EAW Nippes hat sich bis

Ende der 90er Jahre ein sozialkulturelles Biotop

entwickelt aus „Zug um Zug“, „Kantine“

und Künstlern, die sich gemeinsam dauerhaft

hier ansiedeln wollen. Das Biotop zieht auch

die Initiative “Autofreie Siedlung“ an und

den sprichwörtlichen „Investor“. Er kann

die Projekte politisch gegeneinander ausspielen.

Erst muss „Zug um Zug“ weichen

und die Kantine, dann die KünstlerInnen.

Und wenn jemand gehofft hat, durch den

Deal die „autofreie Siedlung“ zu bekommen,

misslingt das auch. Das EAW Nippes heute:

Eine städtebauliche Einöde, drei- bis fünfstöckige

Siedlungsarchitektur, hell verklinkerter

Beton, autofrei, da Tiefgarage.

... und erfolgreiche Projekte

Zug um Zug e.V. nutzte öffentliche Fördermittel,

um bis Ende der 90er Jahre leistungsfähige

handwerkliche Abteilungen aufzubauen.

Heute entwickeln wir auf der Grundlage des

SGB II bedarfsorientiert individuell angemessene

Angebote für Kunden der Kölner

Arbeitsgemeinschaft von Sozialverwaltung

und Agentur für Arbeit (ARGE). Wir bieten

Beschäftigung, berufliche Orientierung

und Qualifizierung in Trockenbau, Raumausstattung/Textilverarbeitung,

Schreinerei

und Holzbearbeitung (früher Zimmerhandwerk),

Hochbau. Dazu kommt in Nippes

unser ComputerSelbstlern– und Weiterbildungszentrum.

Die JobBörsen Nippes und Chorweiler

beraten und vermitteln auf den allgemeinen

Arbeitsmarkt. Die Fachberatung richtet

sich besonders an junge Menschen mit

psychischen Problemen und Lernschwierigkeiten,

ergänzt durch Gesundheitsberatung,

Unterstützung bei der Wohnungssuche, bei

Schuldenregulierung.JobPromote unterstützt

physisch oder psychisch beeinträchtigte Menschen

durch stabile, längerfristig geförderte

Arbeitsverhältnisse. Seit 2005 ist Zug um

Zug e.V. auch Träger des Bürgerzentrums

Nippes. Überall arbeiten wir vernetzt in

Trägerkonsortien und Verbünden, in der

Beschäftigungsförderung ebenso wie in der

Stadtteil- und Kulturarbeit.

Arbeit finanzieren ...

Es hat sich in den letzten 20 Jahren Einiges

in Köln entwickelt. Das betrifft auch die

Zusammenarbeit zwischen der ARGE und

den freien Trägern. Konkrete, auch unkonventionelle

Abstimmungen zu individuellen

Hilfeplanaktivitäten sind in vielen Fällen

vorbildlich. In Köln sind aktuell 66.000

Menschen ohne Arbeit, darunter 60,4% ein

Jahr oder länger. Inzwischen müssen auch

viele hoch qualifizierten Leute, Hochschulabsolventen

und Fachkräfte, z. B. aus dem

Versicherungsbereich, damit rechnen, langfristig

arbeitslos zu werden. Die Gesellschaft

hat ein strukturelles Problem. Sie braucht

längerfristig oder dauerhaft öffentlich finanzierte

Qualifizierungs- und Beschäftigungsangebote.

... statt Arbeitslosigkeit

Wir brauchen Angebote an Langzeitarbeitslose:

frühzeitig, qualifizierend und tariflich

geregelt. Wir müssen Arbeit und Qualifizierung

finanzieren, statt Arbeitslosigkeit - und

zwar so lange, wie die Realisierung der individuellen

Eingliederung dies erfordert.

Zug um Zug e.V.

Kempener Straße 135

50733 Köln

Tel.: 0221-973141-0

Fax: 0221-973141-18

info@zugumzug.org

www.zugumzug.org


Nr. 178, 09/06


Verkehr

Grüne Verkehrskonzepte

Unendliche Geschichte „Venloer Straße“

Die Ehrenfelder GRÜNEN beauftragten

Anfang 2006 das Kölner Verkehrsplanungsbüro

VIA mit einer Problemanalyse

und Lösungsmöglichkeiten für die Venloer

Straße. Bettina Tull, verkehrspolitische

Sprecherin der GRÜNEN, stellt sie vor.

Die Geschäftsstraßen in den sogenannten

Mittelzentren in Köln haben alle mehr oder

weniger die gleichen Probleme: Verlust von

KundInnen an die großen Fachmärkte, sinkende

Kaufkraft, Aufgabe alteingesessener

Fachgeschäfte, Filialisierung und Verschlechterung

der Angebotspalette. Aber neben all

diesen Problemen hat die Venloer Straße in

Ehrenfeld noch ein weiteres: die Aufteilung

der Verkehrsflächen zwischen Autoverkehr,

Radverkehr und FußgängerInnen ist eine

reine Katastrophe. Der Bürgersteig ist viel

zu schmal für die vielen PassantInnen, der

winzige und schadhafte Radweg entspricht

schon lange nicht mehr geltenden Gesetzen

und der Autoverkehr behindert sich durch

Parken in der zweiten Reihe ständig selbst.

Mittlerweile ist die Venloer Straße einer der

Unfallschwerpunkte in Köln.

Planungsfehler heilen

Der skizzierte Zustand dauert jetzt schon

fast zwanzig Jahre an, seitdem die Oberfläche

der Venloer Straße nach dem U-Bahnbau neu

hergestellt wurde. Schon damals wurde davor

gewarnt, den Straßenquerschnitt so aufzuteilen.

Nur leider haben die damaligen Verantwortlichen

aus Politik und Verwaltung nicht

darauf gehört. Es sollten alle VerkehrsteilnehmerInnen

auf der Venloer Straße Platz finden,

so das damalige Anliegen. Doch gut gemeint

ist eben nicht gut gemacht: die Planungsfehler

von damals wirken sich heute negativ

aus. Die GRÜNEN in Ehrenfeld haben sich

schon lange mit den Verkehrsproblemen der

Venloer Straße beschäftigt. Im Ehrenfelder

Wahlprogramm, in zahlreichen Anträgen in

der Bezirksvertretung und in Diskussionsveranstaltungen

haben GRÜNE immer darauf

verwiesen, dass eine wirkliche Lösung nur

darin bestehen kann, die Venloer Straße neu

aufzuteilen, indem man sie in eine Einbahnstraße

umwandelt und damit mehr Raum für

alle VerkehrsteilnehmerInnen schafft.

die GRÜNEN in der Bezirksvertretung beim

renommierten Kölner Verkehrsplanungsbüro

VIA eine Studie in Auftrag gegeben, die

Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse

auf der Venloer Straße erarbeiten

sollte. Der Auftrag an VIA war ergebnisoffen.

D.h., es sollten alle Möglichkeiten einer

Verbesserung, nicht nur die von GRÜNEN

favorisierte Einbahnstraßen-Lösung überprüft

werden. Doch auch die im Mai 2006 fertig

gestellte VIA-Studie empfiehlt, den Abschnitt

zwischen Piusstraße und Ehrenfeldgürtel in

Stadteinwärts-Richtung als Einbahnstraße

auszuweisen. Sie belegt, dass mit relativ

geringen Kosten - Baumaßnahmen sind nicht

nötig, nur verkehrslenkende Maßnahmen -

eine Neuaufteilung machbar und sinnvoll

wäre. Die Belastung der Nebenstraßen würde

zwar ansteigen, aber ein vertretbares Maß

erreichen.

Deutliche Vorteile

Die Vorteile liegen auf der Hand: Mehr Platz

und Aufenthaltsqualität für einkaufende und

flanierende FußgängerInnen, mehr Sicherheit

für den Radverkehr durch Schutzstreifen auf

der Fahrbahn, weniger Stress und Staus für

AutofahrerInnen durch Wegfall des Gegenverkehrs

– alle in der Venloer Straße würden

von dieser Maßnahme profitieren. Jetzt gilt

es, insbesondere den Einzelhandel und die

Gastronomie davon zu überzeugen, dass diese

Umgestaltung auch Vorteile für sie bringt.

Durch die breiteren Bürgersteige wäre z.B.

Außengastronomie möglich, weniger Gedränge

und keine Gefährdung durch ausweichende

Fahrräder würden die Aufenthaltsqualität und

die Attraktivität der Venloer Straße als Einkaufsstraße

deutlich erhöhen.

Lebhafte Diskussionen

Die GRÜNEN in Ehrenfeld sind deshalb sehr

aktiv und sammeln Unterschriften bei AnwohnerInnen,

Geschäftsleuten und PassantInnen.

Bislang sind über 400 Unterschriften eingegangen.

Das öffentliche Interesse am Thema „Venloer

Straße“ ist sehr groß. Die Ergebnisse der

VIA-Studie werden heiß diskutiert. Demnächst

soll auf Einladung des Bezirksbürgermeisters

ein Hearing zu den Problemen der Venloer

Straße stattfinden. Auch die Stadtverwaltung

hat zugesagt, die Studie zu prüfen und eine

Einschätzung abzugeben. Auf das Ergebnis

sind alle sehr gespannt.

Bald entscheiden

Die Zeit für eine Entscheidung drängt,

denn demnächst stehen umfangreiche Baumaßnahmen

an: Neben der unglücklichen

Planung der Verkehrsflächen wurden damals

auch noch die falschen Bäume gepflanzt.

Die eigentlich tiefwurzelnden Bäume haben

durch die Verfüllung nach dem U-Bahnbau

nicht genügend Platz für ihr Wurzelwerk und

schieben deshalb die Pflastersteine überall

nach oben. Deshalb sollen jetzt alle Bäume

gefällt und eine andere Sorte eingesetzt

werden, was natürlich auch mit erheblichen

Baumaßnahmen verbunden ist. Diese Maßnahmen

sollten jetzt genutzt werden, endlich

eine Verbesserung der Straßenverhältnisse

auf der Venloer Straße herzustellen.

Die VIA-Studie ist auf der Homepage der

GRÜNEN in Ehrenfeld www.gruene-ehrenfeld.de

mittels Download als pdf-Dokument

erhältlich.

Ergebnisoffene Studie

Dieser Lösungsvorschlag stößt bei den anderen

Parteien und vor allem bei den Geschäftsleuten

bislang auf wenig Gegenliebe. Um eine

sachliche Argumentationshilfe zu bekommen

und die Machbarkeit des Einbahnstraßen-

Vorschlages fachlich zu überprüfen, haben

der Ortsverband der GRÜNEN Ehrenfeld und

Fotos: Richard F. Wagner

Nr. 178, 09/06


Meldungen

Hafenausbau vor

Entscheidung

Die Planung des

Hafenausbaus in

Godorf geht in die

letzte und wohl entscheidende

Runde.

Der Planfeststellungsbeschluss

liegt

vor und wurde am

11.9.06 im Amtsblatt veröffentlicht. Da

offenbar Klagen seitens der Anlieger und

der Naturschutzverbände eingereicht werden,

dürfte sich der Zeitpunkt bis zur Rechtskraft

noch etwas verzögern. Die HGK AG hat für

die vom Rat beschlossene Wirtschaftlichkeitsuntersuchung

inzwischen eigenmächtig

eine Gutachter-Vorauswahl getroffen und

in Abstimmung mit der Verwaltung mit

potentiellen Gutachtern Gespräche geführt,

bevor der Rat überhaupt eigene Vorschläge

einbringen konnte. Ein transparentes

Verfahren sieht anders aus. Dies war aber

Bedingung für die GRÜNEN, dem damaligen

CDU/FDP-Antrag im Hauptausschuss am

16.1.06 zustimmen zu können. Nach Auslegung

von Dezernat VI und HGK AG soll

sich die Politik gar nicht weiter einschalten,

sondern im Hauptausschuss am 16.10. einem

Verwaltungsvorschlag zum Gutachter Folge

leisten. Die GRÜNEN haben nun ihrerseits

mehrere mögliche Gutachter der Verwaltung

vorgeschlagen. Ob das weitere Verfahren die

Zustimmung der GRÜNEN findet, ist somit

offen.

sm

Hafenausbau Godorf:

Beschluss von CDU, SPD,

GRÜNE und FDP im Hauptausschuss

am 16.01.2006:

„Entscheidungsgrundlage ist die durch

eine gutachterliche Untersuchung nachzuweisende

Wirtschaftlichkeit eines

Ausbaus des Godorfer Hafens um ein

weiteres Hafenbecken. Die Untersuchung

hat die Gesamtinvestition nach

Vorgaben des Planfeststellungsverfahrens

unter Berücksichtigung eines regionalen

Wertzuwachs einschließlich aller

erforderlichen Maßnahmen zu bewerten.

Die Hafenerweiterung muss ökologisch

vertretbar (nachzuweisen mit einer Öko-

Bilanz), wirtschaftlich einträglich und

verkehrlich lösbar sein.

Der Inhalt des Untersuchungsauftrags

zur Auftragsvergabe sowie die Auswahl

des Gutachters ist dem Hauptausschuss

zur Beschlussfassung vorzulegen.

Der Gutachter ist von der HGK AG

nach den Vorgaben und Beschlüssen

des Hauptausschusses zu beauftragen,

und das Unternehmen hat die Kosten

zu tragen. (...)

Das Gutachten selber ist dem Rat der

Stadt Köln als Entscheidungsgrundlage,

den Ausbau des Godorfer Hafens

weiter zu verfolgen oder nicht, vorzulegen

(...).

Kein LEG-Verkauf!

Foto:LEG NRW GmbH

Auch in Köln ist

ein parteiübergreifendes

Bündnis für

die Volksinitiative

„Sichere Wohnungen

und Arbeitsplätze“

tätig, das gegen den

drohenden Verkauf

der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG).

Die CDU-FDP-Landesregierung betreibt

Ausverkauf der LEG-Wohnungen an einen

Private Equity Fonds und verabschiedet sich

damit aus der sozialen Wohnungspolitik. In

Köln sind davon ca. 3.500 Wohnungen betroffen.

CDU/FDP wollen die LEG NRW nicht

hauptsächlich aus Haushaltsgründen, sondern

aus ordnungspolitischen Gründen verkaufen.

Es sei, nicht Aufgabe des Staates, Wohnungen

zu vermieten. Gleichzeitig schränkt

das Land die Handlungsmöglichkeiten der

Kommunen ein. Wohnungsbaumittel werden

gekürzt und die Möglichkeit der Belegung

von Sozialwohnung durch das Auslaufen des

§ 5a Wohnungsbindungsgesetz ausgehöhlt.

Unterschriftenlisten und weitere Infos: www.

volksinitiative-leg.de

jf

Luftreinhaltige

Lektüre

Bis zum 28.9.2006

lag der Entwurf des

Luftreinhalteplanes

für Köln

beim Regierungspräsidenten

zur Offenlage

aus (Rathaus Ratlos

berichtete bereits

darüber). Der Text bot Raum für Ergänzungen

und Korrekturen. Vom Ziel der EU, die Luftund

Lebensqualität zu steigern, bleibt als

zentrale Maßnahme die Einrichtung einer

überschaubaren Umweltzone für die größten

KFZ-Stinker übrig. Ein Auto weniger hier,

eines dort, fertig ist der Luftkurort. Den

Rest erledigen die Auto-Neukäufer durch

die Abschaffung des alten PKW und Prognosen,

die in Köln weniger Auto-Verkehr

bis 2010 prophezeien. Natürlich wird bereits

über Ausnahmeregelungen diskutiert. Wie

dabei die innerstädtische Umweltzone zu

akzeptablen Werten z.B. in Rodenkirchen

führen soll, bleibt offen. Der wachsende Binnenschiffverkehr

auf dem Rhein emittiert

massenweise Stickoxide. Keine Lösung offenbart

sich auf Anhieb, wie Emissionen an der

Inneren Kanalstraße reduziert werden sollen,

denn diese dient explizit zur Umfahrung der

Umweltzone. Erst wenn der Erfolg ausbleiben

sollte und die Stickoxidwerte hoch bleiben,

werden „uralte“ Grüne Forderungen endlich


Nr. 178, 09/06


Meldungen

diskussionswürdig: Förderung der Fahrrad-

Infrastruktur und des Car-Sharing, Ausbau

des ÖPNV (ohne Euro-3-Dieselbusse!),

Flächenrecycling, Tempo-Reduzierungen,

City-Maut usw.

2.200 Parkplätze zusätzlich in der Innenstadt

betrachten manche ernsthaft als wirksamen

Beitrag zur Luftreinhaltung, denn immerhin

reduziert sich damit der ach so schädliche

Parksuchverkehr an den Adventswochenenden!

Im bekannten Maßnahmeplan bleiben für

Köln drei Entwicklungen offen: Erstens die

qualitative Verbesserung durch engagierte

Beiträge im Rahmen der Offenlage, zweitens

die überraschende Einhaltung der Grenzwerte

an den 9 Hot Spots, wahlweise auch der

irreparable Ausfall von Messinstrumenten,

oder drittens das spektakuläre Scheitern im

Testjahr 2008. Man wünscht sich fast den

Misserfolg, damit eine langfristige, vorsorgende

Stadtentwicklung und Verkehrsplanung

endlich auf grüne Welle steht. sm

Neue

Beigeordnete

Der Stadtrat wählt

am 28.9. die Juristin

Dr. Agnes Klein

(SPD) für die Dauer

von 8 Jahren zur

Beigeordneten für

Bildung, Jugend und

Sport der Stadt Köln.

Entsprechend der Vereinbarung zwischen

SPD und GRÜNEN schlägt die SPD-Ratsfraktion

Frau Klein vor, die bislang als Beigeordnete

der Stadt Münster für die Bereiche

Jugend, Gesundheit, Soziales, Wohnen,

Flüchtlings- und Stiftungsangelegenheiten

tätig ist. In Münster wurde sie erstmals 1999

von einem rot-grünen Bündnis als Beigeordnete

für Recht und Ordnung, Ausländerangelegenheiten,

Standesamt, Stadtwerbung

und Touristik gewählt.

Zugleich beantragt das rot-grüne Kernbündnis

eine Änderung der Geschäftsverteilung

für die Dezernate: Mit dem Ausscheiden

der Beigeordneten Dr. Ursula Christiansen

(SPD) wird das bislang von ihr geführte

Dezernat III „Gesundheit, Umwelt und Feuerschutz“

aufgelöst. Die Bereiche Umwelt

und Gesundheit werden Dezernat V, geführt

von Marlis Bredehorst (GRÜNE), zugeordnet.

Berufsfeuerwehr, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz

soll in die Zuständigkeit des

Dezernats II, das von Kämmerer Soenius

(CDU) geleitet wird, übergehen. Somit besteht

der Stadtvorstand aus 7 Beigeordneten und

dem OB.

jf

Klare Vorgaben

In der gemeinsamen

Sitzung des Stadtentwicklungs-

und Wirtschaftsausschusses

am 7.9. wurden klare

Vorgaben für die

Neuansiedlung von

IKEA und des nach

wie vor stark umstrittenen „Furniture Competence

Centers“ (FCC) am Butzweilerhof in

Ossendorf beschlossen. Nachdem der Grüne

Antrag, auf das FCC zu verzichten und das

zentrenrelevante Sortiment für das IKEA-

Haus gemäß Einzelhandelsderlass NRW auf

2.500 qm zu beschränken, keine Mehrheit

fand, beschlossen CDU, GRÜNE und FDP

gegen SPD das zentrenrelevante Sortiment für

das IKEA-Haus zumindest auf 3.500 qm und

für das FCC auf 1.400 qm zu begrenzen. Mit

diesem Auftrag verhandelt nun die Verwaltung

und will Ende Oktober ein beschlussfähiges

Ergebnis vorlegen. Die im Auftrag

von IKEA vom GfK-Prisma-Institut ermittelte

„Verträglichkeit“ der Neuansiedlung für den

Kölner Einzelhandel wurde nicht nur von der

politischen Mehrheit sondern auch Einzelhandelsverband

und IHK als unzutreffend

kritisiert. Vielmehr lassen die Fakten einen

beachtlichen Kaufkraftabfluss aus Citylagen

du benachbarten Bezirkszentren befürchten,

die dann zu Geschäftsschließungen, Arbeitsplatzverlusten

und einer Verödung der City

führen.

jf

Polizei, Post, Telekom:

Wissen belastet?

Auf dem Weg zum Einsatzort müssen

Polizisten demnächst vielleicht Passanten

nach dem Weg fragen, oder clevere

Taxifahrer? Sind sie gemeinsam mit

der Berufsfeuerwehr unterwegs, haben

sie Glück. Die weiß Bescheid. Eine groteske

Vorstellung! Die Polizei hat sich

nicht in den „Bekanntgabe-Verteiler“

des zentralen Namensarchivs aufnehmen

lassen. So kann es geschehen, dass

sie eben nicht über neue Straßennamen

informiert ist. Glücklicherweise werden

Straßen nicht häufig umbenannt oder neu

benannt. Nicht vorstellbar, was dann in

Köln los wäre.

Die Verwaltung sieht jedoch eigentlich

keinen Handlungsbedarf. Dies las sich

zumindest so in einer Beschlussvorlage

für den Ausschuss „Allgemeine

Verwaltung und Recht“ am 18.9.: Wenn

Straßen umbenannt werden, so wird die

Berufsfeuerwehr direkt unterrichtet,

die Bekanntgabe sonst erfolgt nur an

Behörden und Firmen, die darum gebeten

haben, in den „Bekanntgabe-Verteiler „

aufgenommen zu werden und die die

Erstattung der Kopierkosten zugesagt

haben.

Und daran scheitert es derzeit bei der

Polizei, der Deutschen Telekom, der

Post und weiterer Adressaten. Trotz

einer Verwaltungsinformation haben

sich diese nicht um Kostenzusage und

Wiederaufnahme in den Verteiler bemüht.

So heißt es denn in der Verwaltungsbegründung:

Die Kölner Polizei ist nach Auskunft

des Amtes für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

kein Bezieher des kostenpflichtigen

Amtsblattes der Stadt Köln.

Sie hat ebenso keinen Zugriff auf die

Veröffentlichungen im Info-intern des

städtischen Intranets. Es wird aber unterstellt,

dass die Polizei Abonnent mindestens

einer Kölner Tageszeitung ist.“

Dort wird schließlich auf im Amtsblatt

aufgeführte „Straßennamen- Benennungsbeschlüsse“

hingewiesen. Das

Ganze also nur ein „innerorganisatorisches

Informationsproblem der Polizei“?

Die Verwaltung hat übrigens nichts

dagegen, wenn sich Polizei, Telekom

und Post doch noch in den Verteiler

des zentralen Namensarchivs aufnehmen

lassen wollen, sofern sie die Kosten

erstatten wollen. Besser wäre das

wohl. Sonst kann es wieder passieren,

dass die Polizei passen muss, wenn sie

nach einem Straßennamen gefragt wird.


Brigitta von Bülow

Nr. 178, 09/06


Postvertriebsstück G 7006

Entgelt bezahlt

Bündnis 90/Die Grünen im Kölner Rat, Gülichplatz 3, 50667 Köln

Termine:

Dienstag, 24. Oktober, 15.30 Uhr

Ratssitzung: Einbringung des

Haushaltsplans 2007

Rathaus, Spanischer Bau

Dienstag, 14. November,

15.30 Uhr

Ratssitzung

Rathaus, Spanischer Bau


Gut

gemeint …

….. ist noch lange nicht gut gemacht. Das

Bürgerbündnis (KBB) hat den Nachtfluglärm

als neues Thema entdeckt. Im Rat möchten

sie erreichen, dass die Flugzeuge A 319

und MD11 am Flughafen Köln/Bonn nachts

weder starten noch landen dürfen und zudem

der „Startkorridor nach Nordwesten enger

gefasst wird“. Nun handelt es sich aber beim

Airbus A 319 nicht um ein besonders lautes

Flugzeug, das trifft vielmehr auf die A

300 B4 zu, die an es mit ihrem sägenden

Geräusch an den Flughafen-Messtellen auf

79 dB(A) bringt. Die MD11 wurde durch

erfolgreichen Lobbyismus unter „Kapitel 4“

für die „lärmarme Bonusliste“ zertifiziert.

Zudem fiele sie auch nicht unter die 340-

t-Abflugregelung, die bis heute als Teil der

Nachtfluggenehmigung nicht umgesetzt ist.

Die MD 11 verursacht an den Messtelllen

deutlich über 80 dB(A). Ein „engerer Startkorridor

nach Nordwesten“ mit engerer Kurve

über den Rhein ist unrealistisch, denn es

gibt natürliche Schwankungsbreiten durch

Verdriftungen. Somit ist die KBB-Initiative

nutzlos. Tatsache ist, dass der Nachtfluglärm

nicht signifikant reduziert wurde. Relevant

für die nähere Zukunft ist hingegen die Einführung

von Lärmobergrenzen. Aus Sicht der

GRÜNEN ist anzustreben, dass die Lärmwerte

ankommend an der Wohnbebauung

im Flughafenumfeld 76 dB(A) für die Nacht

nicht überschreiten sollen. Davon wären die

Krachmacher unter 340 t MTOW ebenso

betroffen wie die Flugzeugtypen B 747, A

380 (Frachtversion), MD11 und A 300 B4.


ii

Fraktionsgeschäftsstelle

Bündnis 90 / Die Grünen im Kölner Rat

Haus Neuerburg, Gülichplatz 3,

50667 Köln

Tel.: 0221 / 22125919

Mail: gruene-fraktion@stadt-koeln.de

Öffnungszeiten: mo bis fr. 9 – 12 Uhr; mo.,

di., do. 13 - 16 Uhr; mi. 13 -19 Uhr

Fraktionsvorstand: Barbara Moritz (Vorsitz

ende), Jörg Frank (stv. Vorsitzender u.

Geschäftsführer), Peter Sörries (stv. Vorsitzender),

Angela Spizig (Bürgermeisterin)

Fraktionssitzung (Mittwochskreis): In der

Regel mittwochs um 18:30 Uhr im Haus

Neuerburg

Parteigeschäftsstelle

Bündnis 90 / Die Grünen - Kreisverband Köln

Ebertplatz 23, 50668 Köln

Tel.: 9727888, Fax: 9727889

Mail: buero@gruenekoeln.de

Kreisvorsitzende: Angela Behring, Jörg

Penner

Bürgermeisterin

Angela Spizig

Tel.: 0221 / 22126063

Fax: 0221 / 22126064

Mail: angela.spizig@stadt-koeln.de

Referent: Christoph Goormann

Mail: christoph.goormann@stadt-koeln.de

Arbeitskreise

Die folgenden Arbeitskreise tagen in der

Regel während der Sitzungszeit monatlich

im Fraktionsbüro, Haus Neuerburg, Gülichplatz

3. Die aktuellen Termine erfahren Sie

entweder telefonisch (22125919) oder per

Mail (gruene-fraktion@stadt-koeln.de).

Bauen, Wohnen & Vergabe (verantwortlich:

Gerd Brust); Stadtentwicklung (Barbara

Moritz); Verkehr (Bettina Tull); Umwelt

(Dr. Sabine Müller); Wirtschaft & Liegenschaften

(Jörg Frank, Peter Sörries);

Verwaltung (Andreas Wolter); Finanzen &

Haushalt (Jörg Frank); Rechnungsprüfung

(Peter Sörries); Soziales (Ossi Helling);

Schule & Bildung (Sabine Ulke); Jugendhilfe

(Gaby Schlitt); Gesundheit (Arif Ünal); Kultur

(Angela Spizig); Sport (Elisabeth Thelen);

Frauenpolitik (Brigitta von Bülow); Migration

(Arif Ünal); Lesbenpolitik (Regina Kobold);

Schwulenpolitik (Andreas Wolter)

Impressum

Herausgeberin/Verlegerin: Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

im Kölner Rat, Gülichplatz 3, 50667 Köln

Tel.: (0221) 22125919; Fax: (0221) 22124555

Mail: gruene-fraktion@stadt-koeln.de

Redaktion: Jörg Frank (ViSdP), Barbara Moritz

AutorInnen dieser Ausgabe: Gerd Brust (gb), Jörg Frank

(jf), Ossi Helling (oh), Ignatz Igel (ii), Dr. Sabine Müller (sm),

Bettina Tull (bt), Brigitta von Bülow (vb), Richard F. Wagner

Satz/Realisation: Einblick Verlag Köln, Tel. 0221 / 510 65 50,

Fax: 0221 / 510 65 51 (O. Mostert/M. Vences)

Bezug: kostenlos

Erscheinungsweise: 10 mal jährlich

Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 22.09.2006

Die nächste Ausgabe erscheint am 14.11.2006

Rathaus Ratlos im Internet

www.gruenekoeln.de

Technische Redaktion: Regina Kobold

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