Festschrift 20 Jahre (2003) - Grüner Kreis

gruenerkreis.at

Festschrift 20 Jahre (2003) - Grüner Kreis

20 Jahre


Inhalt

20 JahreGrüner Kreis

2

16 24 37 38 40

Vorwort

2 Bundespräsident

Dr. Thomas

Klestil

3 Vizekanzler

Mag. Herbert

Haupt

4 BM Maria

Rauch-Kallat

5 BM Dr. Dieter

Böhmdorfer

6 LH Dr. Michael

Häupl

7 Stadträtin Dr.

Elisabeth Pittermann-Höcker

8 LH Dr. Erwin

Pröll

9 LH-Stellvertreterin

Liese Prokop

10 LH Waltraud

Klasnic

11 Landesrat Dr.

Kurt Flecker

12 Obfrau Brigitte

Podsedensek

13 Verwaltungsdirektor

Alfred

Rohrhofer

Der Verein

14 Das Leitbild des

„Grünen Kreises“

15 Der Verein

16 Die Einrichtungen

32 Das ambulante

Beratungs- und

Betreuungszentrum

Wien

Behandlung

20 Das Behandlungssystem

22 Die Entwicklung

der Therapiemodelle

23 Die medizinische

Behandlung

und

Betreuung

24 Die Frauen am

Marienhof

25 Das Eltern-

Kind-Haus

26 Die Behandlung

Jugendlicher

27 Die Behandlung

von Sucht

und seelischer

Erkrankung

28 „Therapie statt

Strafe“

29 Vom Einzelkämpfer

zum

Teil der Gemeinschaft

30 Die Vorbetreuung

31 Die Nachbetreuung

34 Die Rolle der

Tiere

Kreativität

36

37 „Signale und

Abrakadabra“

46 In einer Zeitmaschin´...

dem

Geier die Vision

erschien

47 Comic: Gestern

– heute – morgen

Sport & Report

38 Sport im

„Grünen Kreis

44 Mein Leben

danach

Titelbild

Helmut Kand: Von allen Seiten herbeigeeilt

und noch in Bewegung

Rückseite

Helmut Kand: Wege durch die Schattseite

Projekte

33 Frühzeitig

reagieren

35 Flüchtlinge im

„Grünen Kreis

39 Evaluation:

Mehr als eine

lästige Pflichtübung!

40 An die Arbeit ...

41 service, art,

event – pool 7.at

42 Die internationalen

Kontakte

Impressum

Medieninhaber: „Grüner Kreis“, Verein zur

Rehabilitation und Integration

suchtkranker Personen

Herausgeber: Vorstand des Vereins „Grüner

Kreis

Mitglieder des Vorstandes: Brigitte

Podsedensek, Dr.Erhard Doczekal,

Alfred Rohrhofer, Ernst Steurer

Mitglieder des Aufsichtsrates:

Mag.Dr.Rüdiger Wolf, Dr.Michael Schwarz,

Dr.Ewald Schwarz, Prim.Doz.Dr. Peter Porpaczy

Kaufmännischer Direktor:

Alfred Rohrhofer

Redaktion: Alfred Rohrhofer, Dr.Brigitte

Wimmer (CvD)

Eigenverlag: „Grüner Kreis“, Verein zur

Rehabilitation und Integration suchtkranker

Personen

Alle: Hermanngasse 12, A-1070 Wien,

Tel.: (1) 526 94 89, Fax: (1) 526 94 89-4,

redaktion@gruenerkreis.at, www.gruenerkreis.at

Layout: KONTEXT kommunikation.

Kaiser&Partner KEG,

Rahlgasse 1, A-1060 Wien,

Tel.: (1) 319 52 62, Fax: (1) 319 52 62-99,

mail@kontext.at, www.kontext.at

Druck: Printservice gGmbH,

Hardtstraße 1, D-69124 Heidelberg,

Tel. +49 (6221) 71 32 23,

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Seite 1

20 JahreGrüner Kreis


Der „Grüne Kreis“ hat sich in den

zwei Jahrzehnten seines Bestehens einen

ausgezeichneten Ruf erworben und gilt

als eine der ersten Adressen in Österreich,

wenn es um die erfolgreiche Behandlung

Suchtkranker geht.

Seit vielen Jahren verfolge ich Ihren

wichtigen Einsatz und gratuliere Ihnen sehr

herzlich zum 20-jährigen Jubiläum. Ich

danke Ihnen im Namen unserer Republik,

aber auch ganz persönlich, für die engagierte

und professionelle Hilfe, die Sie so

vielen Suchtmittelabhängigen angedeihen

lassen.

Die vorliegende Festschrift ist nicht

nur ein Tätigkeitsbericht, sie hat auch die

wichtige Funktion, über die Behandlungsmethoden

und die Präventionsarbeit des

„Grünen Kreises“ umfassend zu informieren.

Die Publikation wird daher über den

aktuellen Anlass hinaus sicherlich weite

Verbreitung finden.

Meine guten Wünsche begleiten Sie und

alle Ihre Schutzbefohlenen, die durch das

Wirken des „Grünen Kreises“ wieder neuen

Lebensmut gefunden haben!

Dr. Thomas Klestil

Bundespräsident

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 2


„Wer schnell hilft, hilft doppelt“

Dieses Motto hat sich der „Grüne Kreis

wahrlich zu eigen gemacht und deshalb

freut es mich ganz besonders, anlässlich des

20-jährigen Bestehens dieser Einrichtung

gratulieren zu dürfen. Da Menschen, die

in eine Abhängigkeit von Suchtgiften

gelangen, bedauerlicherweise ihren freien

Willen verlieren, ist die Hilfe zur Selbsthilfe

und das Aufzeigen des Weges zurück zur

Selbstbestimmung und Eigenständigkeit

ein edles Unterfangen, dem sich der

„Grüne Kreis“ nun schon 2 Jahrzehnte lang

verbunden fühlt.

Mir persönlich gefällt der ganzheitliche

Ansatz des „Grünen Kreises“ außerordentlich

gut. Denn es nützt gar nichts, wenn

man sich zwar den suchtkranken Menschen

widmet, die restlichen Familienmitglieder

dann aber vom Heilungsprozess ausklammert,

wodurch sich die Spirale meist

erneut zu drehen beginnt, weil der nötige

Rückhalt fehlt. Und genau hier leistet der

„Grüne Kreis“ ebenfalls Beachtliches.

Diese Festschrift, die ja vor allem auch

die wertvolle Arbeit des Gesamtprojektes

darzustellen sucht, sollte für uns alle

Grund und Anlass genug sein, uns wieder

einmal intensiv und tiefgehend mit der

Suchtthematik auseinander zu setzen. Jeder

von uns kennt den einen oder anderen Fall

im persönlichen Umfeld und weiß es dann

umso mehr zu schätzen, selbst davon nicht

betroffen zu sein.

Ich wünsche dem „Grünen Kreis“ auch

für die nächsten Jahrzehnte alles Gute und

werde auch weiterhin ein großer Anhänger

dieses Weges sein.

Mag. Herbert Haupt

Vizekanzler und Bundesminister für soziale

Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz

Seite 3

20 JahreGrüner Kreis


Die Betreuung und Behandlung von

suchtkranken Menschen in unserem

Lande ist untrennbar mit dem Namen

von Primarius Dr. Günter Pernhaupt

verbunden. Dieser leider schon verstorbene

Pionier in der Betreuung suchtkranker

Menschen war der geistige Gründervater

des Vereines „Grüner Kreis“, dessen 20

Jahr-Jubiläum wir heuer feiern. Günter

Pernhaupt hatte sich einem ganz besonderen

Lebensziel verschrieben: suchtkranken

Menschen zu helfen. Hier bedurfte

er aber der Hilfe und Unterstützung

Gleichgesinnter, die sich 1983 im Verein

Grüner Kreis“ organisierten. In diesen zwei

Jahrzehnten hat sich der „Grüne Kreis“ zu

Österreichs bedeutendster gemeinnütziger

Institution in der Betreuung suchtkranker

Menschen entwickelt. Ein breit gefächertes

Angebot von ambulanten und stationären

Therapiemöglichkeiten steht den kranken

Menschen zur Verfügung. Aber nicht nur

die Kranken profitieren, sondern auch

ihre Angehörigen. Diese erhalten in den

Beratungs- und Betreuungszentren des

„Grünen Kreises“ Informationen, fundierte

Ratschläge, Tipps und Unterstützung, mit

denen sie ihre schwierige Familiensituation

meistern können.

Der „Grüne Kreis“ leistet vor allem

auch hervorragende Präventionsarbeit.

Wir alle wissen, dass am Beginn einer

Suchterkrankung, gerade bei jungen

Menschen, oft Unwissenheit oder

Neugierde stehen. Hier gilt es, rechtzeitig

einzugreifen und mit professioneller

Hilfestellung den Einstieg vermeiden zu

helfen. Aus gesundheitspolitischer Sicht

sind gezielte Präventionsmaßnahmen von

größter Bedeutung. Der „Grüne Kreis“ hat

hier einen ganz besonders erfolgreichen

Weg beschritten, indem er Angehörige

von Drogenkranken ganz bewusst in die

Therapie mit ein bezieht. Hier erweist

sich einmal mehr, was den „Grünen Kreis

auszeichnet: medizinische Kompetenz,

Qualität in allen Bereichen. Das verdient

höchsten Respekt und Anerkennung, den

ich anlässlich des 20 Jahr-Jubiläums allen

Mitgliedern und Förderern des „Grünen

Kreises“ gerne ausspreche.

Maria Rauch-Kallat

Bundesministerin für Gesundheit und

Frauen

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 4


Der Verein „Grüner Kreis“ ist seit

Beginn seines Bestehens ein verlässlicher

und kompetenter Vertragspartner für den

Bereich des Bundesministeriums für Justiz

bei der Betreuung und Behandlung von

drogenabhängigen Rechtsbrechern. Seit

Einführung des Modells „Therapie statt

Strafe“ (§ 39 SMG) konnte durch die

intensive Zusammenarbeit des Vereines

Grüner Kreis“ mit den Staatsanwaltschaften,

Gerichten und Vollzugsanstalten sowie

mit anderen betreuenden Institutionen

und Rechtsanwälten vielen Drogenabhängigen,

die wegen Verstößen gegen

das Suchtmittelgesetz und anderen strafrechtlichen

Verfehlungen eine unbedingte

Freiheitsstrafe zu verbüßen gehabt hätten,

eine alternative Form der Betreuung und

Behandlung in Freiheit – wenn auch unter

kontrollierten Bedingungen – angeboten

werden. Für diese Gruppe von Drogenabhängigen

konnte auf diese Weise – nach

positiver Bewältigung des stationären

Aufenthaltes – eine soziale Ausgliederung

durch die Haft und die damit zwangsläufig

verbundenen gesellschaftlichen und

persönlichen Schäden vermieden werden.

In jenen Fällen, wo diese Maßnahme

„Therapie statt Strafe“ nicht zustande

gekommen ist, stellt der „Grüne Kreis

einen wertvollen Bestandteil in der ambulanten

Betreuung von drogenabhängigen

Häftlingen innerhalb der Justizanstalten

dar. In den meisten Justizanstalten im

Raum Wien und Niederösterreich sind die

MitarbeiterInnen dieser Einrichtung im

Bereich der ambulanten Betreuung von

suchtmittelabhängigen Insassen tätig und

stellen so eine wertvolle Verbindung nach

Außen dar. Dies betrifft vor allem die Zeit

der Vorbereitung für eine Entlassung aus

der Strafhaft.

Mit der Nachbetreuung von drogenkranken

Häftlingen nach ihrer Haftentlassung

– entweder in ambulanter oder stationärer

Form – schließt sich der Kreis der „durchgehenden

Betreuung“ für Drogenkranke

innerhalb des Justizbereiches. Auch hier

bietet der „Grüne Kreis“ eine wertvolle

Anlaufstelle für Probleme aller Art, die sich

für Drogensüchtige nach ihrer Haftentlassung

ergeben. In vielen Fällen werden

die Insassen entweder noch vor ihrer

Entlassung oder unmittelbar nach ihrer

Haftentlassung direkt von der Justizanstalt

in eine der Beratungsstellen bzw. Wohnprojekte

des Vereines verwiesen.

Ich wünsche dem „Grünen Kreis

anlässlich seines 20-jährigen Bestehens

auch weiterhin viel Erfolg und Ausdauer

bei dieser gesellschaftlich leider nur sehr

wenig anerkannten Betreuungsarbeit und

hoffe, dass diese wertvolle Institution von

der Justizverwaltung auch weiterhin in

Anspruch genommen werden kann.

Dr. Dieter Böhmdorfer

Bundesminister für Justiz

Seite 5

20 JahreGrüner Kreis


20 JahreGrüner Kreis“ bedeuten

eine Erfolgsgeschichte, die eng mit der

Entwicklung des Drogenhilfssystems in

Wien verbunden ist.

Durch das Prinzip, drogenkranke

Menschen in einem geschützten Rahmen

zu behandeln, hat der „Grüne Kreis

schon vor Jahren seine Standards gesetzt.

Mit dem selbstgewählten Anspruch der

Abstinenzorientiertheit und dem Angebot

einer stationären Langzeittherapie ist es

den MitarbeiterInnen des „Grünen Kreises“

möglich, auf individuelle Wünsche und

Probleme ihrer KlientInnen einzugehen.

Dass dabei der Betreuung von Angehörigen

besondere Bedeutung beigemessen

wird, unterstreicht den humanistisch

orientierten Zugang des „Grünen Kreises“.

Denn auch die Familien von Drogenkranken

haben einen langen Leidensweg

hinter sich, bis es zu einer Therapie kommt.

Die Stadt Wien hat im Umgang mit dem

Drogenproblem – wie es in jeder Großstadt

existiert – immer den sogenannten „Wiener

Weg in der Drogenpolitik“ beschritten:

Dieser Weg richtet sich nicht starr nach nur

einer Ideologie, sondern danach, welche

Hilfe die Betroffenen individuell brauchen.

Genau darauf baut auch der dreistufige

Präventionsansatz auf, der die Hilfe für die

Betroffenen in den Vordergrund stellt.

Es steht außer Frage, dass die erste

Priorität in Sachen Suchtgift immer der

Prävention gelten muss: Wir haben die

Aufgabe, gerade den jungen Menschen jene

Lebenskompetenzen zu vermitteln, die

ihnen ein drogenfreies Leben ermöglichen

und erstrebenswert machen. Ebenso

müssen wir aber auch jenen Menschen

helfen, die von ihrem problematischen

Drogenkonsum wegkommen wollen. Dazu

setzen wir alle Mittel ein, die Medizin und

Wissenschaft zur Verfügung stellen.

Der „Grüne Kreis“ ist mit seinen Angeboten

somit ein wichtiger Teil des großen

Netzwerkes der Suchtkrankenhilfe in Wien.

Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

des „Grünen Kreises“ wünsche ich weiterhin

viel Erfolg bei der Hilfe, Betreuung und

Behandlung von Menschen, die ihren Weg

zurück in ein drogenfreies Leben finden

wollen.

Dr. Michael Häupl

Bürgermeister und Landeshauptmann von

Wien

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 6


In den 20 Jahren seines Bestehens hat

sich der „Grüne Kreis“ als größte österreichische

gemeinnützige Organisation

zur Behandlung Suchtkranker erfolgreich

etabliert. Für die Stadt Wien ist der Verein

Grüner Kreis“ ein verlässlicher Partner im

Rahmen der Wiener Suchtkrankenhilfe

geworden – gerade wenn es um Therapie,

um entsprechende medizinische und

psychologische Betreuung, aber auch um

Fragen nach den Chancen und Perspektiven

Drogenkranker „im drogenfreien

Leben danach“ geht. Diese Kombination,

neben stationärer Lang- und Kurzzeittherapie,

neben ambulanten Angeboten

auch das breite Umfeld der Mitbetreuung

von Angehörigen zu berücksichtigen und

eine Hilfestellung bei der Integration in

den Arbeitsmarkt zu ermöglichen, ist das

Besondere an der Institution „Grüner

Kreis“.

Einzelnen zugeschnitten und bieten

jedem eine realistische Chance, das Ziel

eines drogenfreien Lebens zu erreichen.

Der Ansatz, dass Sucht eine Krankheit ist

und dass es sich hier um die Behandlung

kranker und nicht krimineller Menschen

handelt, ist mir als Gesundheitspolitikerin

besonders wichtig.

In der Behandlung und Betreuung der

Betroffenen zeigen die MitarbeiterInnen

des „Grünen Kreises“ viel Engagement,

Einsatz und Elan – ihnen allen möchte

ich dafür danken. Dem „Grünen Kreis

gratuliere ich zum erfolgreichen Weg und

wünsche für die Zukunft weiterhin viel

Erfolg!

Prim. Dr. Elisabeth Pittermann-Höcker

Amtsführende Stadträtin für Gesundheitsund

Spitalswesen in Wien

Hier werden suchtkranke Menschen

nicht als Kriminelle verfolgt, sondern

als Kranke mit unterschiedlichen Suchtkarrieren,

gesundheitlichen Folgen und

entsprechenden Anforderungen behandelt.

Die Angebote des „Grünen Kreises“

sind individuell auf die Bedürfnisse des

Seite 7

20 JahreGrüner Kreis


Der Kampf gegen die Drogen ist noch

lange nicht gewonnen und zählt zu den

zentralen Anliegen der Gesellschaft.

Trotz aller Aufklärung ist der Trend zu

beobachten, dass immer mehr jüngere

Menschen zum Griff nach der Droge

verführt werden und so ihre Chancen auf

ein sinnvoll gestaltetes Leben zerstören.

Während Bund und Land mit Maßnahmen

der Prävention versuchen, unsere Jugend

zu schützen, das Verbreiten von Dealen mit

Drogen einzudämmen, unterzieht sich der

„Grüne Kreis“ seit nunmehr 20 Jahren der

schwierigen Aufgabe, Suchtkranke wieder

„clean“ zu machen, sie ins normale Leben

zurückzuführen.

Die von Primarius Pernhaupt gegründete

Institution zur Rehabilitation und

Integration suchtkranker Personen ist

aus unserer Gesellschaft nicht mehr

wegzudenken. Sie ist heute mit mehreren

Betreuungseinrichtungen österreichweit

die größte Organisation auf dem Suchtsektor,

die drogenabhängigen Menschen Hilfe

anbietet. Vor allem die stationäre Therapie

in Wohngemeinschaften in Niederösterreich

und in der Steiermark hat sich mit

ihren individuellen Behandlungs- und

Betreuungsmaßnahmen als höchst erfolgreich

erwiesen. Gefolgt von ambulanter

Betreuung finden viele Suchtkranke wieder

ins Alltagsleben und in die Arbeitswelt

zurück.

Zu dieser erfolgreichen Arbeit darf

ich anlässlich des runden Jubiläums sehr

herzlich gratulieren und allen MitarbeiterInnen

des „Grünen Kreises“ für ihre

engagierte Arbeit ein herzliches Danke

sagen. Möge es auch in Zukunft gelingen,

vielen Suchtkranken den Weg zurück in ein

drogenfreies Leben zu ermöglichen.

Dipl.Ing. Dr. Erwin Pröll

Landeshauptmann von Niederösterreich

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 8


Als der Verein „Grüner Kreis“ vor 20

Jahren von Primarius Dr. Günther Pernhaupt

als Institution zur Rehabilitation

und Integration suchtkranker Personen

gegründet wurde, erwartete niemand einen

solch erfolgreichen Weg dieser mittlerweile

österreichweit größten gemeinnützigen

Organisation auf dem Suchtsektor. Dr.

Pernhaupt wird auch heute, mehr als drei

Jahre nach seinem Tod, als der Pionier der

medizinischen und sozialen Betreuung

Drogenkranker gesehen. Er war für seine

PatientInnen eine kontaktstarke, greifbare

Hilfe und sein Ableben war nicht nur

für seine Familie und Freunde sondern

auch für seine PatientInnen und das Land

Niederösterreich ein großer Verlust.

„Sein“ Verein wuchs, ich hoffe auch in

seinem Sinn, weiter. Mittlerweile stehen

für die Behandlung der PatientInnen acht

Sozialhilfe- und zwei Jugendwohlfahrtseinrichtungen

mit insgesamt 280 stationären

Langzeittherapiebetten in Niederösterreich

und der Steiermark zur Verfügung!

Der „Grüne Kreis“, gemessen am

breiten Spektrum seiner individuellen

Behandlungsmaßnahmen, ist sicherlich die

vielfältigste Suchthilfeeinrichtung Österreichs

und betreut mit viel Engagement

Suchtmittelabhängige jeden Alters.

Ich sehe es als eine Aufgabe der politisch

Verantwortlichen des Landes, den „Grünen

Kreis“, so gut es möglich ist, nicht nur

finanziell sondern auch moralisch zu

unterstützen, trägt er doch seit mittlerweile

20 Jahren viel zur Integration und

Rehabilitation suchtkranker Menschen bei.

Ich möchte mich im Namen aller

NiederösterreicherInnen bei den MitarbeiterInnen

für den großen, selbstlosen

Einsatz bedanken und wünsche dem Verein

Grüner Kreis“ weiterhin viel Erfolg!

Liese Prokop

Landeshauptmannstellvertreterin von

Niederösterreich

Seite 9

20 JahreGrüner Kreis


Um der Geisel einer Suchtkrankheit zu

entkommen, ist kompetente Hilfe besonders

wichtig. Der erhobene Zeigefinger

hilft gar nichts – entscheidend ist der

menschliche Beistand und die Zukunftsperspektive.

Der „Grüne Kreis“ hat in zwei Jahrzehnten

verantwortungsvoller und höchst

engagierter Arbeit ein hervorragendes

und beispielhaftes Konzept für Kurz- und

Langzeittherapie entwickelt. In diesem

Konzept nehmen Suchtmittelabstinenz

und Gewaltlosigkeit den höchsten

Stellenwert ein, ein zentraler Schwerpunkt

ist die Übernahme von Verantwortung für

sich und die soziale Gemeinschaft, um eine

Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu

ermöglichen.

In dieser Festschrift anlässlich des

20-Jahr-Jubiläums wird eingehend beschrieben,

wie alles begonnen hat, was alles

erreicht wurde und wo der Verein heute

steht. Und es freut mich besonders, dass der

„Grüne Kreis“ auf Initiative des steirischen

Landtagsabgeordneten Eduard Hamedl

hin, die ich gerne unterstützt habe, 2003

ein Rehabilitationszentrum in Johnsdorf

einrichten konnte.

Dem Verein selbst gilt mein Dank nicht

nur persönlich, sondern vor allem auch

namens des Landes Steiermark für all die

still und selbstlos geleistete Arbeit für jene

Menschen, die es eigentlich am Nötigsten

haben.

Waltraud Klasnic

Landeshauptfrau der Steiermark

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 10


Abhängigkeit und Sucht können

verschiedenste Ursachen haben, treten in

jeder Gesellschaft auf und können jeden

Einzelnen treffen.

Vor allem Menschen mit Drogenproblemen

brauchen Hilfsangebote in

vielfältiger Form, wofür fast immer Mittel

der öffentlichen Hand nötig sind. Es bedarf

der Unterstützung von Selbsthilfe, der

Förderung von Suchtprävention und der

Beratungsdienste sowie fachspezifischer

Behandlung und Rehabilitation von

Süchtigen. Nur durch sinnvolle Kooperation

und Vernetzung der präventiven,

therapeutischen und rehabilitativen

Leistungen kann eine optimale Betreuung

und Versorgung suchtkranker Menschen

erfolgen. Oberstes Ziel muss es dabei

sein, gleichzeitig effektiv an der Heilung

des Suchterkrankten zu arbeiten und die

Würde des Menschen zu achten.

Neue Entwicklungen und Konsummuster

haben es notwendig gemacht,

bestehende Konzepte den Herausforderungen

entsprechend zu adaptieren und

den geänderten Rahmenbedingungen

anzupassen. Eine immer schnelllebigere

Gesellschaft erfordert es auch, rasch und

flexibel auf geänderte Trends einzugehen

und bereits im Vorfeld aktiv zu agieren.

Der „Grüne Kreis“ leistet seit nunmehr

20 Jahren großartige Arbeit bei der

Behandlung von suchtkranken Menschen

und ist erfreulicher Weise seit heuer mit

seinem Standort in Johnsdorf auch in der

Steiermark vertreten.

Ich möchte mich bei allen MitarbeiterInnen

des „Grünen Kreises“ ganz herzlich

für die engagierte und qualitätsvolle Arbeit

bedanken und gratuliere zum 20. Geburtstag

des Vereins.

Dr. Kurt Flecker

Soziallandesrat der Steiermark

Seite 11 20 JahreGrüner Kreis


Mein „Grüner Kreis

Es ist kaum zu glauben, dass schon 20

Jahre vergangen sind, seit Günter Pernhaupt

die geniale Idee hatte, den „Grünen

Kreis“ zu gründen. Ich bin sozusagen

bereits ein Fossil, da ich von Anfang an

dabei gewesen bin und eines der ersten Mitglieder

des Vorstandes werden durfte. Als

ich vor ungefähr eineinhalb Jahren gebeten

wurde, die Präsidentschaft zu übernehmen,

sagte ich aus vollstem Herzen „Ja“, da der

Verein mittlerweile wie ein Kind für mich

geworden ist.

Seither hat sich vieles getan und noch

mehr verändert, Positives wie Negatives.

Doch zum Glück überwiegt das Erstere

bei weitem. Zu unseren neun bestehenden

Höfen in der Buckligen Welt ist 2003 die

Nummer 10 dazu gekommen: das Rehabilitationszentrum

Johnsdorf. Zwischen

Aspang und Graz im Bezirk Feldbach in

der Steiermark liegt es, wo es bis dato

keine speziellen Betreuungseinrichtungen

für Suchtmittelabhängige gegeben hat.

Obendrein führt der „Grüne Kreis“ jetzt

bereits drei ambulante Beratungs- und

Betreuungszentren: Neben der Hermanngasse

in Wien eröffneten wir 1998 Graz

und 2001 Klagenfurt.

Vieles gäbe es noch zu erwähnen. Am

eindrucksvollsten für mich war jedoch

die feierliche und offizielle Eröffnung

der Waldheimat im Mai 2002. Mit

Musik, Ansprachen und Buffet feierten die

KünstlerInnen und der Vereinsvorstand die

Fertigstellung des Fassadenkunstwerks und

die Neugestaltung des Betreuungshauses

gemeinsam mit den regionalen BehördenvertreterInnen,

SubventionsgeberInnen,

BetreuerInnen und PatientInnen. Der

eineinhalb Jahre dauernde Arbeitsprozess

der künstlerischen Bemalung der über

300 m² großen Fassade nach einem Entwurf

des Künstlers Helmut Kand unter der

Leitung von Kurt Neuhold gemeinsam mit

PatientInnen des „Grünen Kreises“ wurde

damit würdig abgeschlossen.

Großes Engagement der MitarbeiterInnen

steckt hinter all diesen Projekten und

ich bin zuversichtlich, dass der „Grüne

Kreis“ auch weiterhin diesen erfolgreichen

Weg beschreitet. Zum Schluss bleibt mir

noch eines – mich bei allen MitarbeiterInnen,

all unseren FörderInnen und auch bei

allen öffentlichen Instanzen für die Hilfe

und Unterstützung herzlich zu bedanken.

Brigitte Podsedensek

Obfrau des „Grünen Kreises“

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 12


20 JahreGrüner Kreis“ –

Ein langer Weg der Entwicklung

Am Anfang war die Idee – dem Geiste Dr.

Pernhaupts entsprungen –, etwas „Neues“

auf die Beine zu stellen und suchtkranken

Menschen zu helfen.

Schnell war der „Grüne Kreis“ geboren

und wuchs unter der tatkräftigen Mitarbeit

vieler EnthusiastInnen zu dem heran, was

er heute ist – Österreichs größte Einrichtung

zur Behandlung von suchtkranken

Menschen.

In neun stationären Einrichtungen

in Niederösterreich mit 200 Betten für

polytoxikomane PatientInnen, seit kurzem

in einer stationären Einrichtung in der

Steiermark für 80 Alkoholkranke und in drei

Ambulanzen in Wien, Graz und Klagenfurt

sind 120 MitarbeiterInnen damit beschäftigt,

suchtkranken Menschen auf dem Wege

der Rehabilitation und der anschließenden

Reintegration in die Gesellschaft zu helfen.

Die letzten 20 Jahre waren kein

Spaziergang, sondern sind eher mit einem

Marathon zu vergleichen – mit allen

Höhen und Tiefen, die man während der

42 km Distanz durchläuft.

Doch wir wollen anlässlich unseres

Jubiläums an die schönen Dinge zurückdenken:

an die Aufbruchsstimmung in

der Pionierzeit, an die Anerkennung des

Vereins nach dem Suchtmittelgesetz, an

die gesetzliche Verankerung im Bundesgesetzblatt,

an die diversen Preise und

Auszeichnungen, die der „Grüne Kreis“ für

seine Arbeit erhalten hat, an die Unterstützung

und Zustimmung vieler in Österreich

politisch Verantwortlicher, an die vielen

ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, die uns

geholfen haben, aber vor allem an die vielen

Menschen, denen wir helfen konnten.

Nachdem es leider die Vision einer

drogenfreien Gesellschaft auch in Zukunft

nicht geben wird, wird sich der „Grüne

Kreis“ weiterhin bemühen, gemäß seiner

Statuten und seines Leitbildes in Form von

Prävention aufklärend tätig zu sein und

im Rahmen von ambulanter und stationärer

Therapie suchtkranke Menschen zu

behandeln.

Alfred Rohrhofer

Verwaltungsdirektor des „Grünen Kreises“

Besonderer Dank gilt dem ehrenamtlichen

Vorstand und Aufsichtsrat des Vereins, allen

MitarbeiterInnen, allen Mitgliedern, allen

SpenderInnen und SponsorInnen, allen

verantwortlichen Kostenträgern und den

politischen EntscheidungsträgerInnen des

Landes Österreich, die die Arbeit des „Grünen

Kreises“ in den letzten 20 Jahren so erfolgreich

unterstützt haben.

Seite 13 20 JahreGrüner Kreis


Das Leitbild des „Grünen Kreises“

Ein klares Leitbild legt die Wertvorstellungen

und die Verpflichtungen

gegenüber den PatientInnen, den

Sponsoren, der Umwelt und der Gesellschaft,

aber auch den Umgang der

MitarbeiterInnen untereinander fest. Es

soll verbindliche Orientierungshilfe und

Richtlinie bei der Verfolgung der Vereinsziele

in einem sich ständig ändernden,

dynamischen Umfeld und unter

ständig steigenden Anforderungen sein.

Das Ziel aller Bemühungen ist immer

die Patientin und der Patient. Das stetig

wachsende Engagement jedes einzelnen

Mitarbeiters und jeder Mitarbeiterin sowie

aller ehrenamtlich Tätigen gilt dem

Schaffen optimaler Rahmenbedingungen

für PatientInnen und MitarbeiterInnen.

Das Leitbild schafft eine leistungsfördernde

Vereinskultur, jede MitarbeiterIn

versteht sich als anerkannte PartnerIn zur

Erreichung des Vereinserfolges und trägt

somit Verantwortung für das Gesamtergebnis

in gesellschaftlicher, wissenschaftlicher

und auch wirtschaftlicher Hinsicht.

Die strategische Ausrichtung und die

Vereinsziele werden von allen getragen.

Text: Dr. Brigitte Wimmer, Öffentlichkeitsarbeit

§ Der Verein „Grüner Kreis“ ist konfessionell und politisch

unabhängig.

§ Respekt und gegenseitige Achtung voreinander sowie ein

humanistisches Menschenbild und Wertschätzung des

anderen sind die Grundlage unseres Handelns.

§ Die/der PatientIn stellt den Mittelpunkt unserer Arbeit

dar. Die Unterstützung, zu einem suchtfreien Leben zu

gelangen, steht im Vordergrund.

§ Der „Grüne Kreis“ bietet professionelle Hilfe mit hohem

Qualitätsanspruch für suchtkranke Menschen auf allen

Therapiestufen, sei dies nun ambulant oder stationär.

Die Grundstrukturen der Behandlungskonzepte werden

einer Evaluierung unterzogen, um Qualitätssicherung zu

gewährleisten und klare Zielvorstellungen zu überprüfen.

§ Der therapeutische Prozess kann nur in einem harmonischen

Umfeld stattfinden. Der verantwortungsvolle

Umgang miteinander ist oberstes Gebot.

§ Betreuung und Therapie durch den „Grünen Kreis

beinhalten Abstinenzorientierung und Gewaltlosigkeit.

§ Die PatientInnen tragen in Form von Mitsprache und

Mitentscheidung eigenverantwortlich zum Gelingen ihrer

Therapie bei. Individuelle Bedürfnisse der einzelnen

PatientInnen werden im Rahmen des Therapiekonzeptes

flexibel berücksichtigt, dies bedeutet z.B. eine mögliche

Verschiebung des Zeitfaktors in den Therapiestufen wie

auch ein fließender Übergang zwischen ambulanter,

stationärer und wieder ambulanter (Nach-)Behandlung.

§ Auch die Angehörigen werden in die Behandlung miteinbezogen,

um die Eigenverantwortlichkeit zu stärken.

§ Ein nach individuellen Aspekten der PatientInnen ausgerichtetes

weitnetziges österreichweites Nachbetreuungssystem

lässt den Erfolg des „suchtfreien Lebens danach“

stetig ansteigen.

§ Präventionsarbeit im Sinne von allgemeiner Aufklärung

der Öffentlichkeit über die Suchtproblematik wie auch

im Sinne von Einbindung der Kinder Suchtkranker in

das Behandlungskonzept ist ein wichtiger Teil der Aufgaben

des Vereins.

§ Kooperation und Partnerschaften mit anderen Beratungsstellen

und Einrichtungen, Vor- und Nachbetreuungsmöglichkeiten

sowie die Zusammenarbeit mit den

Kostenträgern und dem AMS steigern die Effizienz des

Vereins und dienen somit der Erreichung der Vereinsziele.

§ Vernetzung, Öffnung, Flexibilisierung, Erweiterung

internationaler Arbeit und Forschungstätigkeit sind

Schwerpunkte in der Arbeit des Vereins zu Gunsten der

PatientInnen.

§ Engagierte Teamarbeit innerhalb der MitarbeiterInnen

des „Grünen Kreises“ gehört zur Vereinskultur, den

Wertvorstellungen des Vereins, ebenso wie umfassendes

Entgegenkommen, Informationsaustausch und ausreichende

Weiterentwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten.

Die Psychohygiene der MitarbeiterInnen,

regelmäßige Supervisionen und Weiterbildung zählen als

Wert.

§ Der „Grüne Kreis“ nimmt seine Verantwortung und Verpflichtung

gegenüber PatientInnen, MitarbeiterInnen,

der Umwelt und der Gesellschaft wahr.

D R . M E D . L E O N I D A S K . L E M O N I S

Ärztlicher Leiter

D I R . A L F R E D R O H R H O F E R

Verwaltungsdirektor

D R . R O B E R T M U H R

Psychotherapeutischer Leiter

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 14


Der Verein

Grüner Kreis

Der Verein „Grüner Kreis“ wurde

1983 nach einem Konzept von Prim. Dr.

G. Pernhaupt als Institution zur Rehabilitation

und Integration suchtkranker

Personen mit Sitz in Wien gegründet.

Dir. Alfred Rohrhofer, Gründungsmitglied

des Vereins, fungiert als Geschäftsführer

und Verwaltungsdirektor, Dr.

Robert Muhr als psychotherapeutischer

Leiter und Dr.med. Leonidas K. Lemonis

als ärztlicher Leiter. Gemeinsam bilden

Sie die kollegiale Führung des „Grünen

Kreises“.

Zur österreichweit größten gemeinnützigen

Organisation auf dem Suchtsektor

angewachsen, bietet der „Grüne

Kreis“ bei Abhängigkeitsproblematiken

rasche und professionelle Hilfe. Voraussetzung

für jede Aufnahme und Ziel

jeder Behandlung ist die Abstinenzorientierung.

Dies betrifft nicht nur die Zeit

während der Therapie sondern auch die

Dir. Alfred Rohrhofer Dr. Robert Muhr Dr. Leonidas Lemonis

Perspektive auf das Leben danach. Ein

ambulantes Programm, vor allem aber

die stationäre Lang- und Kurzzeittherapie

bieten für die Betroffenen eine realistische

Chance, dieses Ziel zu erreichen.

Mit viel Engagement wird Suchtkranken

der Weg zurück in ein drogenfreies

Leben ermöglicht.

Suchtkranke weibliche und männliche

Jugendliche und Erwachsene, Eltern

bzw. Elternteile mit Kindern, Paare und

Personen mit richterlicher Weisung zur

Therapie aus dem gesamten österreichischen

Bundesgebiet werden vom Verein

betreut. Prinzipiell werden auch PatientInnen

mit nicht substanzabhängigem

Suchtverhalten wie z.B. Spielsucht und

ebenso KlientInnen aus dem gesamten

EU Raum behandelt. Gemessen am breiten

Spektrum der individuellen Behandlungs-

und Betreuungsmaßnahmen ist

der „Grüne Kreis“ somit die vielfältigste

Suchthilfeeinrichtung Österreichs.

Zu wünschen bleibt immer, dass

suchtkranke Menschen ihren – ganz

eigenen, selbstbestimmten – Platz in der

Gesellschaft finden können und neue

Lebensperspektiven erhalten, um den

eingeschlagenen Weg der Abstinenz

beizubehalten.

Die Vereinsstruktur des „Grünen Kreises“

Text: Dr. Brigitte Wimmer, Öffentlichkeitsarbeit

Fotos: Berith Schistek

Grafik: KONTEXT kommunikation

Seite 15 20 JahreGrüner Kreis


Die Einrichtungen des Vereins

Grüner Kreis

Die stationäre Therapie findet in zehn therapeutischen Wohngemeinschaften in Niederösterreich und

der Steiermark mit Platz für 280 Personen statt. Je nach individuellem Befinden der suchtkranken

PatientInnen besteht die Möglichkeit einer sechsmonatigen Kurzzeittherapie oder einer mindestens

zwölf Monate dauernden Langzeittherapie. Im stationären Langzeitbereich existieren Spezialprogramme

für Eltern mit Kindern, Jugendliche, Frauen und MultimorbiditätspatientInnen; geschlechtsspezifische

Aspekte werden in den Programmen besonders berücksichtigt.

Waldheimat

Sozialhilfeeinrichtung

A-2872 Mönichkirchen

Unterhöfen 92

Tel.: (2649) 83 12

Fax: (2649) 83 12-4

E-mail: waldheimat@gruenerkreis.at

Zwei neu adaptierte Häuser mit Einzelund

Doppelbettzimmern bieten Platz

für 22 PatientInnen (Zugangshaus für 8

Männer, Kurzzeittherapiestation für 14

PatientInnen).

Hinzu kommen Versorgungs- und

Stallgebäude.

Arbeitsmöglichkeiten: Hausinterne

Versorgungstätigkeiten, Gartenarbeit,

Tierhaltung (Lamas), Kreativwerkstätte,

externe Arbeitseinsätze in den Einrichtungen

der Langzeittherapie, Berufsausbildung.

Infrastruktur: Volleyballplatz, Tischtennis,

Sauna, Fitnessraum, Streetballplatz,

Tischfußball, indianisches

Schwitzzelt.

Schwerpunkt: Stabilisierung, Erhalten

des sozialen und Arbeitsumfeldes.

Binder

Jugendwohlfahrts- und Sozialhilfeeinrichtung

A-2872 Mönichkirchen 99

Tel.: (2649) 235 27

Fax: (2649) 83 07

E-mail: hotel.binder@gruenerkreis.at

Das geräumige und großzügig angelegte

ehemalige Kurhotel im Ortskern

von Mönichkirchen bietet Platz für 24

Frauen, darunter 10 weibliche Jugendliche.

Weiters befinden sich Hotelzimmer

für externe Gäste im Haus. Daneben gibt

es Versorgungs- und Stallgebäude.

Arbeitsmöglichkeiten: Interne Versorgung,

Seminareinrichtung Binder (28

Betten), Bäckerei, Tierhaltung (Lamas),

Berufsausbildung.

Infrastruktur: Tischtennis, Tennis,

Streetballplatz, Gymnastikraum, Tischfußball,

indianisches Schwitzzelt.

Frankenau

Jugendwohlfahrtseinrichtung

A-2870 Aspang

Königsberg 57

Tel./Fax: (2642) 536 04

Das adaptierte und renovierte

ehemalige Landhaus bietet Platz für 20

männliche Jugendliche, die in Einzelund

Doppelbettzimmern untergebracht

sind. Aufenthalts-, Computer-, Dienstund

Therapieräume befinden sich im

Haupthaus, daneben sind Versorgungsund

Stallgebäude angesiedelt.

Arbeitsmöglichkeiten: Interne

Versorgung, Tierhaltung (Schafe, Ziegen,

Hochlandrinder), Landwirtschaft (14ha),

Berufsausbildung (BFI, AMS, EU-Computerführerschein,

Projekt Neue Wege).

Infrastruktur: Verstärkte sportliche

Freizeitgestaltung: Volleyballplatz,

Tischtennis, Streetballplatz, Tischfußball,

indianisches Schwitzzelt.

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 16


Marienhof

Jugendwohlfahrts- und Sozialhilfeeinrichtung,

Sonderkrankenhaus, Eltern-

Kind-Haus

A-2870 Aspang

Ausschlag-Zöbern 3-5

Tel.: (2642) 524 30 oder

(2642) 524 38-4

Fax: (2642) 523 84-10

E-mail: marienhof@gruenerkreis.at

Diese Einrichtung besteht aus mehreren

Häusern und bietet Platz für 31

Männer, 16 Frauen und 16 Kinder; davon

entfallen 15 Plätze auf MultimorbiditätspatientInnen.

Die Unterbringung

erfolgt in Einzel- und Doppelzimmern

bzw. Familienzimmern. Versorgungs-,

Sanitärräume und Stallgebäude vervollständigen

das Anwesen.

Arbeitsmöglichkeiten: Büro, Tierhaltung

(Streichelzoo), interne Versorgung,

externe Gartenprojekte, Flüchtlingsheimbetreuung,

Kreativwerkstätten

(Töpferei, Wollherstellung und -verarbeitung),

Berufsausbildung.

Infrastruktur: Volleyballplatz, Tennis,

Tischtennis, Tischfußball, Streetballplatz,

Sauna, Fitness-, Gymnastik- und Musikraum,

Kinderspielplatz, indianisches

Schwitzzelt.

Schwerpunkte: Integration und

Behandlung von MultimorbiditätspatientInnen,

Eltern-Kind-Betreuung

(heilpädagogisches Eltern-Kind-Haus,

Vereinskindergarten).

Königsberghof

Sozialhilfeeinrichtung

A-2842 Thomasberg

Königsberg 10

Tel./Fax: (2644) 74 01

Der renovierte Bauernhof bietet Platz

für 15 Patienten in Doppel- und Einzelzimmern.

Hinzu kommen Aufenthalts-,

Therapie- und Diensträume.

Arbeitsmöglichkeiten: Landwirtschaft

(10ha), Tischlerei, Viehzucht (Traberstuten,

Ziegen, Schweine), Käserei,

Berufsausbildung.

Infrastruktur: Volleyballplatz, Tischtennis,

Tischfußball, Streetballplatz,

Reiten, indianisches Schwitzzelt.

Meierhof

Sozialhilfeeinrichtung

A-2870 Aspang

Unternberg 38

Tel./Fax: (2641) 25 66

Der renovierte Gutshof bietet Platz

für 17 Patienten. Daneben erstrecken

sich weitläufige Gebäude, in denen

Ställe, Futtermittel und die Schlosserei

untergebracht sind. In den Glashäusern

arbeiten Angestellte der Gärtnerei und

Patienten. Hier handelt es sich ebenso

um eine Zivildienereinrichtung mit vier

Zivildienststellen.

Arbeitsmöglichkeiten: Landwirtschaft

(12 ha), Forstwirtschaft

(Holzarbeit), Gärtnerei (Glashäuser),

Landschaftsgärtnerei Gartenbau Gruber,

Schlosserei, Viehzucht (Schweine,

Pferde), Berufsausbildung.

Infrastruktur: Volleyballplatz, Streetballplatz,

Tischtennis, Fitnessraum, Reiten,

Sauna, Tischfussball, indianisches

Schwitzzelt.

Seite 17 20 JahreGrüner Kreis


Ettlhof

Sozialhilfeeinrichtung

A-2812 Lichtenegg

Spratzau 32

Tel./Fax: (2643) 21 14

Die ehemalige Mühle bietet in adaptiertem

und renoviertem Zustand Platz

für 15 Patienten in Einzel- und Doppelbettzimmern.

Aufenthalts-, Gruppen-,

Therapie-, Diensträume, Küche, Sauna

und Fitnessräume sind renoviert bzw.

neu errichtet. Daneben befinden sich

Stall-, Versorgungs- und Schlossereigebäude.

Arbeitsmöglichkeiten: Schlosserei,

Viehzucht (Rinder, Schweine, Hühner),

Landwirtschaft (2 ha), Gartenleistungsprojekte,

Berufsausbildung.

Infrastruktur: Volleyballplatz, Streetballplatz,

Tischtennis, Fitnessraum,

Sauna, Tischfußball, indianisches

Schwitzzelt.

Villa

Sozialhilfeeinrichtung

A-2851 Krumbach

Maierhöfenstraße 18

Tel./Fax: (2647) 428 84

Das großzügig angelegte und renovierte

Landhaus, eine ehemalige

Villa, bietet Platz für 17 Patienten in

Einzel- und Doppelzimmern, davon

sind 4 Plätze für Multimorbiditätspatienten

vorgesehen. Gruppen-, Therapie-,

Aufenthalts- und Freizeiträume, Versorgungsgebäude

bzw. Werkstätten für die

Holz- und Tonverarbeitung vervollständigen

das Anwesen.

Arbeitsmöglichkeiten: Garten, interne

Hausversorgung, Kreativwerkstätten

(Töpferei, Seidenmalerei, Holzarbeiten),

Berufsausbildung.

Infrastruktur: Volleyballplatz, Streetballplatz,

Tischtennis, Sauna, Fitnessraum,

Musikraum, Tischfußball, indianisches

Schwitzzelt.

Schwerpunkte: Kreativarbeit, Integration

und Behandlung von Multimorbiditätspatienten,

vier behindertengerecht

gestaltete Plätze (Rollstuhlfahrer).

Treinthof

Sozialhilfeeinrichtung

Diese 1. stationäre Einrichtung des

„Grünen Kreises“ wurde 1985 eröffnet.

A-2851 Krumbach

Hosien 3

Tel./Fax: (2647) 428 74

Der Gutshof (30 ha) ist vollkommen

adaptiert, mit einem Zubau versehen

und bietet Platz für 15 Patienten in

Einzel- und Doppelzimmern. Gruppen-,

Aufenthalts-, Freizeit- und Therapieräume

sind neu gebaut bzw. eingerichtet.

Daneben befinden sich weitläufige Stallund

Versorgungsgebäude.

Arbeitsmöglichkeiten: Viehzucht

(Hochlandrinder, Pferde, Schweine,

Schafe), Garten, Gemüseanbau, Forstwirtschaft,

Berufsausbildung.

Infrastruktur: Volleyballplatz, Streetballplatz,

Tischtennis, Fitnessraum,

Sauna, Reiten, Tischfußball, indianisches

Schwitzzelt.

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 18


Johnsdorf

Sozialhilfeeinrichtung

Die jüngste Einrichtung des „Grünen

Kreises“ wurde am 3.3.2003 eröffnet.

A-8350 Fehring

Johnsdorf 1

Tel.: (3155) 519 79

Fax: (3155) 519 89

E-mail: johnsdorf@gruenerkreis.at

Das ehemalige Bildungshaus der

Salesianer Don Boscos bietet Platz für

80 weibliche und männliche erwachsene

Suchtkranke, davon entfallen 16 Therapieplätze

auf DoppeldiagnosepatientInnen

und 16 auf KurzzeittherapieklientInnen.

Der Behandlungsschwerpunkt liegt

auf Alkoholabhängigkeit.

Arbeitsmöglichkeiten: Landwirtschaft,

Garten, Tischlerei, Kreativwerkstätten,

Büro, Berufsausbildung.

Infrastruktur: Volleyballplatz, Streetballplatz,

Fitnessraum, indianisches

Schwitzzelt.

Die ambulanten Einrichtungen des

Vereins „Grüner Kreis

Die ambulanten Beratungs- und

Betreuungszentren des „Grünen Kreises“

befinden sich in Wien, Graz und

Klagenfurt. Das Zentrum Wien wurde

1995, das Zentrum Graz 1998 und das

Zentrum Klagenfurt 2001 eröffnet.

Ambulantes Beratungs- und

Betreuungszentrum

Hermanngasse 12, A-1070 Wien

Tel.: (1) 526 94 89 oder (1) 522 15 10

Fax: (1) 526 94 89-4

ambulanz.wien@gruenerkreis.at

Ambulantes Beratungs- und

Betreuungszentrum

Hans-Resel-Gasse 18, A-8020 Graz

Tel., Fax: (316) 76 01 96

ambulanz.graz@gruenerkreis.at

Ambulantes Beratungs- und

Betreuungszentrum

Feldmarschall Konrad-Platz 3,

A-9020 Klagenfurt

Tel.: (463) 59 01 26

Fax: (463) 59 01 27

ambulanz.klagenfurt@gruenerkreis.at

Die ambulanten Beratungs- und Betreuungszentren

bieten bei Abhängigkeitsproblematiken

rasche und professionelle

Hilfe in vielfältigen Bereichen an und

dienen:

als Anlaufstelle für Informationssuchende,

zur ambulanten Beratung,

als Präventionseinrichtung, vor allem

in der Jugendprävention,

zur Kontaktaufnahme mit den

MitarbeiterInnen der Vorbetreuung,

Vermittlung eines Entzugsbettes oder

einer ambulanten Entzugsmöglichkeit,

Vorbereitung zur ambulanten oder stationären

Therapie ohne Wartezeiten,

der ambulanten Psychotherapie für

Suchtkranke, die in stabilen sozialen

Verhältnissen leben, keine psychischen

Auffälligkeiten zeigen und deren

Suchtgeschichte keine Extreme aufweist,

die therapeutische Unterstützung

benötigen, ohne ihre aktuellen

Lebensumstände verlassen zu müssen,

aber auch

der ambulanten Psychotherapie mit

richterlicher Weisung „Therapie statt

Strafe“ (gesundheitsbezogene Maßnahmen),

der Krisenintervention,

der medizinischen Betreuung und der

Abstinenzkontrollen,

der Nachbetreuung und Begleitung

stationärer PatientInnen aus der Langund

Kurzzeittherapie nach abgeschlossener

Therapie,

der Stützung des Alltags- und Arbeitsumfeldes,

der Berufsfindung und -ausbildung

(Wiener Berufsbörse, AMS

Förderung, TransitmitarbeiterInnen-

Programm nach stationärer Therapie)

und

der Beratung und Betreuung von

ratsuchenden Eltern und Angehörigen

im Rahmen von Einzelgesprächen

und offenen Psychotherapiegruppen

in den ambulanten Betreuungszentren

zur Information, Begleitung und

Förderung der bestehenden oder neu

zu schaffenden Beziehungen.

Text: Dr. Brigitte Wimmer, Öffentlichkeitsarbeit

Fotos: Berith Schistek

Seite 19 20 JahreGrüner Kreis


Das Behandlungssystem des

Vereins „Grüner Kreis

Suchterkrankungen zählen zu den

schwersten psychischen Erkrankungen,

da sie einerseits die gesamte Person

und in Folge auch die gesamte soziale

Umgebung dieser Person betreffen und

verändern. Andererseits sind die Heilungschancen

faktisch nicht sehr hoch.

Die Behandlungsgeschichte eines/einer

suchtkranken Patienten/in ist daher

meist eine lange, die verschiedenste

Elemente wie stationäre Aufenthalte,

ambulante Behandlungen und Überbrückungshilfen

beinhaltet. Zugleich

werden verschiedene Lebenselemente

des/der Patienten/in in den Vordergrund

der Behandlung gerückt. Die individuelle

Entwicklung der Person steht

in der Psychotherapie im Vordergrund,

das Verhältnis zur sozialen Umgebung

des/der Patienten/in in der Sozialtherapie.

Die Sozialtherapie fokussiert sich

auf verschiedene Lebensbereiche wie

Arbeit, Freizeit und soziales Verhalten im

Austausch mit anderen Personen. Medizinische

Betreuung und Stützung der

PatientInnen bei aktuellem Suchtgeschehen

sind ebenso tragende Elemente einer

individuellen Behandlungsgeschichte.

Jede Behandlungsform ermöglicht

durch ihre Art eine Konzentration auf

bestimmte Elemente. So steht in der

ambulanten Therapie naturgemäß die

individuelle Entwicklung der Person und

deren Reflexion im Vordergrund. Bei einer

Phase der Suchtbegleitung kann nur

die Abwehr von weiteren Schädigungen

(„harm reduction“) der Person zentral

sein. In der Kurzzeittherapie liegt zwar

ein Fokus auf der Entwicklung und Reflexion

der Person des/der Patienten/in,

Schwerpunkt ist aber die rasche Wiedereingliederung

in soziale Zusammenhänge

durch Sozialtherapie.

In der aufwendigsten und intensivsten

Form der Behandlung von Suchterkrankungen,

der stationären Langzeittherapie,

wird versucht, auf allen Ebenen Veränderungsmöglichkeiten

zu schaffen. Im Therapiekonzept

des Vereins „Grüner Kreis

sind diese Bereiche in Therapiesäulen

gegliedert. Psychotherapie, Arbeitstherapie

und Aktive Freizeit sind diese Säulen

der Behandlung. Zusammengehalten

und verbunden werden diese Säulen

durch das Prinzip der Therapeutischen

Gemeinschaft, die als zentrales Element

in Verantwortungsphasen gegliedert ist.

Die Therapeutische Gemeinschaft

Grundidee des Prinzips der Therapeutischen

Gemeinschaft ist die gemeinsame

Übernahme von Verantwortung für die

Behandlung und die gemeinsame Gestaltung

der Behandlung. PatientInnen,

MitarbeiterInnen und therapeutisches

Personal sind gemeinsam für die Behandlungsgestaltung

im vorgegebenen Rahmen

verantwortlich und daran beteiligt.

Ein Phasenmodell ermöglicht den PatientInnen,

je nach Aufenthaltsdauer und

individueller Entwicklung, Verantwortung

in der Therapeutischen Gemeinschaft

zu übernehmen, ohne über- bzw.

unterfordert zu sein. MitarbeiterInnen

und therapeutisches Personal „leben“ in

dieser Therapeutischen Gemeinschaft

mit und nehmen verantwortlich daran

teil, ohne sich auf Einzelbereiche exklusiv

zurückziehen zu können. Dadurch

steht die aktuelle Auseinandersetzung

und das aktuelle Geschehen immer im

Vordergrund. Zugleich wird Beziehung

zur übergreifenden Klammer, die alle

Entwicklungsmöglichkeiten des/der

Patienten/in umschließt. Das heißt, dass

für den/die Patienten/in Personen als Begleitung

in seiner/ihrer Behandlung zur

Verfügung stehen und nicht ausschließlich

Personen in Funktionszuordnungen.

Psychotherapie

Als Grundelement der Behandlung

von psychischen Erkrankungen stellt

die Psychotherapie einen wesentlichen

Teil der Therapie dar. Sie dient inhaltlich

der Reflexion der eigenen Person

des/der Patienten/in und kann dadurch

Veränderung ermöglichen. Basis dieser

Möglichkeit ist die Beziehung zwischen

dem/der Patienten/in und seinem/seiner

Therapeuten/in. Gerade bei suchtkranken

Personen ist sehr häufig die Aufnahme

und Gestaltung von Beziehungen

höchst problematisch, so dass diesem

Element größte Aufmerksamkeit gewidmet

wird. Die Entwicklung einer positiven

und tragfähigen therapeutischen

Beziehung kann aber sehr lange dauern

und daher eigentlich schon Therapie an

sich sein. Gilt dies für Einzelpsychotherapie,

so auch um so mehr für Gruppenpsychotherapie,

wo Beziehungsgestaltung

und Rückmeldung des Wirkens der

eigenen Person für den/die Patienten/in

im Vordergrund steht.

Bei erfolgreichen Behandlungsverläufen

ist oft eine lange einzelpsychotherapeutische

Behandlung, die über

stationäre Aufenthalte hinausführt, zu

beobachten. Eine intensive Auseinandersetzung

mit der eigenen Person in Beziehung

mit einem/einer Therapeuten/in

scheint eine Notwendigkeit für alle

suchtkranken Personen auf dem Weg aus

ihrer Sucht heraus.

Arbeitstherapie

Ziel der Arbeitstherapie ist es, die

Arbeitsfähigkeit des/der Patienten/in zu

erhalten oder zu helfen, diese wiederzuerlangen.

Einerseits wird dies ermöglicht

durch die Eingliederung des/der

Patienten/in in eine vorhandene Tagesund

Arbeitszeitstruktur, andererseits ist

eine individuelle Erhebung des Ausbildungsstandes,

der Arbeitserfahrung und

der Interessenslage des/der Patienten/in

notwendig, um Entwicklung in diesem

Bereich zu ermöglichen. Im Rahmen

der Möglichkeiten steht Weiterqualifizierung

für alle PatientInnen im Vordergrund.

Berufsorientierung, Bewerbungstraining

und eine Vielzahl von Kursen,

die individuell ermöglicht werden, sind

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 20


Standard für jeden/jede Patienten/in.

Längere Berufsausbildungen können

begonnen werden. Für SchülerInnen

wird der Schulbesuch ermöglicht und die

Absolvierung des Hauptschulabschlusses

sollte für jeden/jede Patienten/in erreichbar

sein.

Zugleich wird in allen Einrichtungen

versucht, abwechslungsreiche Arbeitsmöglichkeiten

zu bieten, die an Arbeitsrealität

angepasst sind. PatientInnen, die

der Arbeitsbelastung nicht gewachsen

sind, stehen geschützte Beschäftigungsmöglichkeiten

zur Verfügung. Durch die

Zentrierung auf Arbeitsrehabilitation

kommt der Verein weniger der gesellschaftlichen

Forderung nach, sondern

vor allem den Wünschen der PatientInnen,

die schon bei der Aufnahme als

wichtigstes Ziel einen „guten“ Arbeitsplatz

nach Therapieende angeben.

Aktive Freizeit

Erfahrungen mit PatientInnen, die

anschließend an einen stationären Aufenthalt

in ambulanter Nachbetreuung

sind, zeigen, dass der Bereich Freizeit

oft zum Hauptproblem wird. Arbeit

und soziale Umgebung werden oft als

optimal empfunden, die „freie Zeit“ aber

als unbewältigbar.

Zum einen wird versucht, das Interesse

für verschiedene Freizeitbeschäftigungen

zu wecken, indem Sport, Kultur

und Spaß angeboten werden. Zum

anderen muss dafür gesorgt werden, dass

schon während der Zeit der stationären

Behandlung freie, nicht organisierte Zeit

zur Verfügung steht, die die PatientInnen

selbst gestalten müssen. Ein Gleichgewicht

von organisierter und gestaltbarer

Freizeit wird hergestellt.

Die Erlebnispädagogik stellt einen

Schnittpunkt zwischen Aktiver Freizeit

und Psychotherapie sowie Sozialtherapie

dar, der punktuell und gut vorbereitet

genützt wird. Dazu werden auch Trendsportarten

eingesetzt. Insgesamt steht

der Mannschaftssport in den meisten

Einrichtungen des Vereins „Grüner Kreis

im Vordergrund, wobei die Möglichkeit

der Bewegung und Sportausübung für

alle PatientInnen gegeben ist. Einrichtungsübergreifende

Sportteams wie

Fußball- oder Volleyballmannschaften

ergänzen diese Möglichkeit für besonders

interessierte PatientInnen. Kulturell kreative

Elemente werden durch Kunstprojekte

im Rahmen von „Kunst im Grünen

Kreis“ angeboten. Eine Ausweitung der

Auseinandersetzungsmöglichkeit mit

Kunst und Kultur vergrößert den Bereich

„Aktive Freizeit“.

Die Therapiesäulen in der Therapeutischen

Gemeinschaft gelebt bieten

also PatientInnen wie TherapeutInnen

vielfältigste Anknüpfungspunkte, um

Entwicklung in einer therapeutischen

Beziehung zu beginnen und so die Basis

für einen erfolgreichen Behandlungsverlauf

zu legen.

Text: Dr. Robert Muhr, psychotherapeutischer

Leiter

Grafik: KONTEXT kommunikation

Seite 21 20 JahreGrüner Kreis


Die Entwicklung der

Therapiemodelle im

„Grünen Kreis

Ausgangspunkt und auch heute zentrales

Behandlungselement des Vereins

Grüner Kreis“ ist die stationäre Langzeittherapie.

Von diesem Ausgangspunkt aus

bestimmte der Bedarf und die Kapazität

des Vereins die Entwicklung verschiedener

anderer Behandlungsformen.

Eine große Nachfrage nach ambulanter

Therapie für JustizklientInnen führte zu

Überlegungen und letztlich zur Eröffnung

des ambulanten Betreuungszentrums

Hermanngasse. Ebenso zeigte sich

vor wenigen Jahren ein größerer Bedarf

für kürzere stationäre Aufenthalte für

spezielle KlientInnen, die noch stark

sozial integriert sind und maximal eine

moderate Suchtgeschichte vorweisen.

Dies führte zur Eröffnung der Kurzzeittherapiestation

Waldheimat.

Die Entwicklung der Spezialprogramme

des Vereins „Grüner Kreis

erfolgte ähnlich. Von Anbeginn wurden

spezielle PatientInnengruppen wie

Jugendliche, KlientInnen mit psychiatrischer

Multimorbidität oder Mütter

mit Kindern in den Langzeittherapiestationen

aufgenommen und zusammen

mit den anderen PatientInnen behandelt.

Der Anstieg der Bettenzahl des

Vereins und somit auch der Anstieg

dieser „Einzelfälle“ zu einer bemerkbaren

Gruppe führte in den Bereichen dieser

PatientInnengruppen zu konzeptuellen

Überlegungen, ob und welche Form der

speziellen Behandlung für diese KlientInnen

angebracht wäre. Letztlich sind

die Therapiesäulen des Vereins „Grüner

Kreis“, wie auch das Prinzip der Therapeutischen

Gemeinschaft tragende Elemente

aller Spezialprogramme. Adaptionen

und unterschiedliche Gewichtungen

wurden allerdings vorgenommen.

Bei den Jugendprogrammen liegt der

Schwerpunkt neben der Psychotherapie

vor allem in der Aus- und Weiterbildung.

Die Arbeitstherapie ist an Jugendliche

angepasst und wird durch zusätzliche

Sport- und Freizeitaktivitäten ergänzt.

Im Spezialprogramm „Eltern - Kind“

wird der Hauptschwerpunkt auf die Behandlung

der Beziehung zwischen Eltern

und Kindern gelegt und ist gleichwertig

mit der Suchtbehandlung der Eltern. Die

Arbeitstherapie ist eingeschränkt und

Freizeitaktivitäten sind auf Eltern und

Kinder gemeinsam orientiert.

Als höchstes Prinzip im Spezialprogramm

„Multimorbidität“ gilt die

Integration, jedoch ohne die betroffenen

PatientInnen zu überfordern. So haben

multimorbide PatientInnen die Möglichkeit,

an Mal- und Beschäftigungstherapie

oder an der Arbeitstherapie, je nach ihren

Möglichkeiten, teilzunehmen. Sie leben

zusammen mit anderen PatientInnen

in der Therapeutischen Gemeinschaft

und nehmen an den gemeinsamen

Therapiegruppen teil, haben aber auch

speziell auf Persönlichkeitsstörungen

abgestimmte Therapieelemente.

Insgesamt sei darauf hingewiesen, dass

alle Therapieformen und alle Spezialprogramme

als Basis die therapeutische

Beziehung haben, deren positive Entwicklung

immer im Vordergrund steht.

Text: Dr. Robert Muhr, psychotherapeutischer

Leiter

Fotos: Berith Schistek

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 22


Die medizinische

Behandlung und Betreuung

im „Grünen Kreis

Am 3.3.2003 wurde das neue Therapiezentrum

des „Grünen Kreises“ in

Johnsdorf, in der Nähe von Feldbach in

der Steiermark, eröffnet. Im Zuge meiner

Bestrebungen, eine möglichst optimale

medizinische Versorgung für die KlientInnen

dieser Therapieeinrichtung zu organisieren,

wurde mir erneut klar, wie gut

unser medizinisches Betreuungsangebot

für die bereits neun bestehenden Einrichtungen

in der Buckligen Welt ist.

In der Endausbaustufe werden in

Johnsdorf bis zu 80 KlientInnen untergebracht.

Unsere Erfahrungswerte beziehen

sich auf die medizinische Betreuung von

durchschnittlich 180 KlientInnen in den

neun Niederösterreichischen Sozialhilfeeinrichtungen.

Meine Annahme, als

ich mich im Jahre 2000 um die ärztliche

Leitung des „Grünen Kreises“ beworben

hatte, bestand darin, dass bestenfalls eine

punktuelle medizinische Versorgung

möglich wäre – vor allem aufgrund der

räumlichen Entfernung der einzelnen

Therapiestationen vom in der Waldheimat

stationierten medizinischen Zentrum.

Ich stellte aber bald sehr positiv überrascht

fest, dass unser medizinisches Team durch

die Kooperationsbereitschaft der niedergelassenen

ÄrztInnen der Umgebung

bestens unterstützt wird und somit für

die stationär behandelten KlientInnen im

Bedarfsfall eine „Rund um die Uhr-Betreuung“

gewährleistet ist.

Grundvoraussetzung für den Beginn

der stationären Therapie ist, dass die

PatientInnen somatisch entzogen sind.

Zum Aufnahmezeitpunkt muss der/die

Klient/in drogenfrei sein. Das größte Problem

stellen die Benzodiazepine dar, da es

trotz Aufklärung des Öfteren vorkommt,

dass Zuweisende diese Substanzgruppe

nicht als Droge einstufen. Es wird der

Versuch unternommen, die jeweilige Antidepressiva

bzw. Neuroleptika Dosis, wenn

möglich, zu reduzieren, alle PatientInnen

erhalten jedoch je nach Indikation die

notwendige Medikation.

Alle stationär Aufgenommenen werden

allgemeinmedizinisch und psychiatrisch

untersucht. Ein Facharzt für Psychiatrie,

ein Arzt für Allgemeinmedizin, eine

praktische Ärztin mit abgeschlossener

homöopathischer Ausbildung, eine diplomierte

psychiatrische Krankenschwester

sowie eine Krankenpflegehelferin bilden

derzeit unser medizinisches Team. Die

neuropsychiatrischen Begutachtungen in

unseren ambulanten Betreuungszentren

in Wien und Klagenfurt erfolgen durch

FachärztInnen, die uns regelmäßig zur

Verfügung stehen.

Etwa 30 bis 40 PatientInnen brauchen

eine intensivere medizinische und

psychotherapeutische Betreuung. Es sind

die Doppeldiagnose-KlientInnen, die

meistens primär eine psychiatrische und

sekundär eine Suchterkrankung haben.

Die Aufnahme erfolgt ausnahmslos nach

vorheriger psychiatrischer Untersuchung

durch FachärztInnen unseres Vereins.

Ziel ist die Stabilisierung, die Aufrechterhaltung

der Drogenfreiheit sowie im

idealen Fall die berufliche Reintegration.

Besonders vorteilhaft für dieses Klientel

ist unsere hervorragende Kooperation

mit der Sozialpsychiatrischen Abteilung

des Krankenhauses Neunkirchen. Es ist

selten erforderlich, jedoch besonders

beruhigend, zu wissen, dass im Fall einer

in unserem Setting nicht bewältigbaren

psychiatrischen Krise die nächst gelegene

Fachabteilung prompt bereit ist, die

Behandlung zu übernehmen.

Sehr intensiv gestaltet sich auch unsere

Zusammenarbeit mit den hepatologischen

Abteilungen im Krankenhaus

Lainz bzw. an der Universitätsklinik Graz.

PatientInnen mit chronischer Hepatitis C

erhalten während der Langzeittherapie in

unseren Einrichtungen die vorgesehene

Pharmakotherapie, wobei regelmäßige

Kontrollen in den Fachabteilungen erforderlich

sind. Seit kurzem steht uns auch

die Hepatitis Ambulanz des Krankenhauses

Neunkirchen als Kooperationspartner

zur Verfügung – mit dem großen Vorteil

der geografischen Nähe und der damit

verbundenen geringeren Belastung der

Behandlungsbedürftigen.

Besonders wichtig ist der Erfahrungsaustausch

und die Kommunikation mit

den ÄrztInnen der Umgebung. Während

des regelmäßig stattfindenden „Grüner

Kreis Jour Fixe“ werden vor allem Fragen

administrativer Natur gestellt. Abgesehen

davon, dass jede/r in unserem Team

mehrmals im Jahr suchtspezifische Fortbildungen

besucht, werden des Öfteren

FachexpertInnen eingeladen, um unsere

MitarbeiterInnen über die neuesten

Erkenntnisse bezüglich Hepatitis C, HIV

Erkrankungen und Psychiatrische Störungen

zu informieren. Als letztes möchte

ich meine ausgezeichneten Erfahrungen

mit der „Vor Ort-Information“ von KollegInnen

im Zuge von Exkursionen zu Einrichtungen

des „Grünen Kreises“ erwähnen.

Wenn die geografische Entfernung

dies jedoch nicht zulässt, habe ich „round

tables“ an den zuweisenden Abteilungen

als sehr kooperationsfördernd erlebt. Je

besser der fachliche Austausch erfolgt,

umso mehr profitieren unsere PatientInnen

davon, die ja im Mittelpunkt all

unserer Bemühungen stehen.

Text: Dr. med. Leonidas K. Lemonis, ärztlicher

Leiter

Foto: Berith Schistek

Seite 23 20 JahreGrüner Kreis


Die Frauen am Marienhof

Frauenspezifische Ansätze in der Therapie

am Beispiel Marienhof

Die Frauen sind anfangs, wenn sie

neu zur Therapie auf den Marienhof

kommen, nicht sehr erfreut über die

Tatsache, dass sie in einer reinen Frauengemeinschaft

leben werden. Sie sind

vorher darüber informiert worden, dass

der Marienhof ein „gemischter“ Hof ist,

und obwohl sie in ihrer Vergangenheit

keine besonders guten Erfahrungen mit

Männern gemacht haben, finden sie es

befremdend, dass der Kontakt zu den

Männern, die in einem eigenen Haus auf

demselben Gelände leben, sehr eingeschränkt

ist.

Gewalt, Ausbeutung und Verrat

standen in der Beziehungsvergangenheit

der meisten Frauen, die zum „Grünen

Kreis“ in Behandlung kommen, im

Vordergrund und sind nicht unwesentliche

Faktoren des Suchtprozesses. Diese

Frauen hatten jedoch leider auch keine

guten Erfahrungen mit anderen Frauen.

Konkurrenzverhalten und Intrigen, meistens

um einen Mann zentriert, machten

sie zu – oft erbitterten – Feindinnen. So

ist es verständlich, dass es Zeit braucht,

das Misstrauen abzubauen, in die Gemeinschaft

hineinzuwachsen, erste echte

Frauenfreundschaften zu knüpfen. Jene

Frauen, die schon länger am Marienhof

sind und mehr Therapieerfahrung und

damit auch mehr Selbsterfahrung haben,

können die weniger Erfahrenen und

noch Verunsicherten stützen und beraten

und ihnen Modell sein.

Obwohl Frauen grundsätzlich eine

Lebenswelt teilen, haben sie unterschiedliche

Bedürfnisse und leben in verschiedenen

Situationen. Auch bei den Frauen

am Marienhof handelt es sich nicht um

eine homogene Gruppe, in der alle dieselben

Voraussetzungen mitbringen oder

in der alle unter denselben Bedingungen

leben. Es finden sich Frauen, die neben

ihrem Suchtproblem auch unter einer

psychiatrischen Erkrankung leiden und

daher besonders verletzbar sind; ebenso

Frauen, die Mütter sind und sich neben

der Bewältigung des Therapiealltags

um ihre Kinder kümmern müssen bzw.

dies zu lernen beginnen. Andere Frauen

scheinen im Vergleich dazu weniger belastet

zu sein, weil sie keiner dieser beiden

Gruppen angehören und sich „nur“ mit

ihrem Suchtverhalten auseinandersetzen

müssen. Einfach ist es für keine.

Das Angebot an die Frauen am Marienhof

ist vor allem die Unterstützung

zur Emanzipation, zur Selbstermächtigung

im Gegensatz zur Abhängigkeit.

Süchtige Frauen leiden unter einer

doppelten Abhängigkeit. Zum einen ist

es die vom Suchtmittel, zum anderen

die vom Mann. Diese steht in direktem

Zusammenhang mit den patriarchalen

Strukturen unserer Gesellschaft, in der

die Frau von ihrem Mann wirtschaftlich

und emotional abhängig gemacht wird,

damit sie für die Versorgungsaufgaben

zur Verfügung steht. Kultur- und genderspezifische

Bewertungen vermitteln der

Frau, sie sei nur dann etwas wert, wenn

sie gebraucht wird. Dies hat zur Folge,

dass sie sich „natürlich“ anderen zur

Verfügung stellt.

In einer Frauengemeinschaft zu leben,

kann von diesen Ansprüchen entlasten

und der Frau die Chance geben, sich

ausschließlich auf sich

selbst zu konzentrieren,

sich erfahren zu

können, ohne zuerst

auf „seine“ Bedürfnisse

achten zu müssen. Die

Frauen am Marienhof

freuen sich über

ihr neu entwickeltes

Selbstwertgefühl und

scheuen sich nicht, es

auch auszudrücken, wie die folgenden

Beispiele zeigen.

„Das Wichtigste hier am Hof für mich

ist zu lernen, zu mir selbst zu stehen.“,

sagt eine Patientin, die seit acht Monaten

mit ihrer kleinen Tochter am Marienhof

lebt. „Ich will auch meinem Kind ein anderes

Modell sein als es meine Mutter für

mich war, die nur leidend und zurückgezogen

ihr „Schicksal“ ertragen hat.“

„Ich hab so ein gutes Gefühl, wenn ich

mich wehre, wenn ich mich durchsetze

und mir nichts gefallen lasse.“, erzählt

eine andere Patientin mit einem Leuchten

in den Augen. Sie spricht von einem

„neuen Gefühl des Daheimseins“, das

sie durch das Hineinwachsen in die Gemeinschaft

erfährt. Weibliche Ansprechpartnerinnen

zu haben, die ähnliche

Lebenserfahrungen gemacht haben, die

bei Krisen unterstützend da sind, ist eine

neue und besonders wertvolle Erfahrung

für alle Frauen. „Wenn ich jemanden

zum Reden brauche, ist immer wer da!“,

freut sich eine Klientin. „Das hab ich

noch nie in meinem Leben gehabt.“

Wenn es Frauen gelingt, sich aus ihrer

Abhängigkeit von der Bewertung durch

andere zu befreien, wenn es ihnen gelingt,

ihre eigene Meinung und ihre eigenen

Werte in den Vordergrund zu stellen und

wenn sie es wagen, ihre eigenen Bedürfnisse

über jene oder zumindest gleich

denen des Mannes zu setzen, haben sie

für sich ein Stück Freiheit geschaffen, das

nicht nur Voraussetzung für ein suchtfreies

Leben ist, sondern weit darüber

hinaus ihrem Leben eine neue Dimension

eröffnen wird.

Text: Mag. Marieluise Oberoi, Pädagogin,

therapeutische Mitarbeiterin

Fotos: Berith Schistek

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 24


Das Eltern-Kind-Haus

im „Grünen Kreis

Eine heilpädagogisch-psychotherapeutische

Kinderbetreuungseinrichtung

im Rahmen der gemeinsamen Rehabilitation

von suchtkranken Eltern und

deren Kindern am Marienhof

Das vorliegende Modell einer spezifischen

heilpädagogischen und psychotherapeutischen

stationären Kinderbetreuungseinrichtung

widmet sich einer oft „vergessenen”

Zielgruppe – nämlich den Kindern

von suchtkranken Eltern. Jenen Kindern,

die von ihren Eltern in eine eindeutige Vernachlässigungssituation

gebracht wurden,

soll eine Chance auf Heilung und gesunde

Entwicklung geboten werden. Der Verein

Grüner Kreis“ nimmt sich seit vielen Jahren

dieser Kinder an und hilft ihnen damit, ein

Leben in einem fördernden und heilsamen

Klima führen zu können.

Bei der Konzeptualisierung einer

therapeutischen Einrichtung für Kinder

von Suchtkranken ist es unabdingbar,

sich primär über die Auswirkungen der

elterlichen Suchterkrankung, d.h. der mit

der Suchterkrankung einhergehenden

Beziehungsstörung des Süchtigen, auf die

Entwicklung von Kindern klar zu werden:

– Kinder von Suchtkranken werden

oftmals nicht im notwendigen Ausmaß

von ihren Eltern „angesprochen“, sie

erfahren von ihnen nicht das notwendige

Ausmaß an Sicherheit und sie

werden oftmals nicht in der notwendigen

Weise von ihnen angenommen,

sondern vernachlässigt.

– Das, was den Suchtkranken während

ihrer aktiven Sucht am nächsten ist, ist

die Droge. Nur das kommt ihnen nahe,

ihre eigenen Kinder „kommen nicht

zu ihnen durch“. Sie können mit den

Eltern nicht „in Kontakt treten“, das

notwendige Erlernen gegenseitigen

Wahrnehmens und Spürens kann nicht

stattfinden.

– Sobald die suchtkranke Person keine

Drogen nimmt, fühlt sie sich schuldig

gegenüber dem Kind. Die Folge ist eine

gefährliche Gegenbewegung, die das

Kind erdrückt und verunsichert: die „erdrückende

Umarmung“. In dieser Phase

besteht die Gefahr, dass es erst recht wieder

um die Bedürfnisse des Elternteils

geht (seine Schuldgefühle loszuwerden)

und die wirklichen kindlichen Bedürfnisse

übersehen werden.

Ein weiterer Grund, sich dieser Zielgruppe

besonders anzunehmen, ist das

Wissen darum, dass ein großer Anteil dieser

betroffenen Kinder oftmals einer mehr

oder weniger lang andauernder Misshandlung

oder einem Missbrauch, sei es körperlicher,

sexueller und/oder psychischer Art,

ausgesetzt ist. Demzufolge weisen diese

Kinder im hohen Maße Entwicklungsstörungen

(besonders im Sprachbereich wie

auch Störungen der motorischen Funktionen),

allgemeine Verhaltensauffälligkeiten

(Störungen des Sozialverhaltens) und

Störungen im emotionalen Bereich auf.

Da die Nachfrage nach Aufnahmen von

Müttern bzw. Vätern mit Kindern stetig

steigt, sieht sich der Verein „Grüner Kreis

veranlasst, die Angebote für Kinder immer

mehr zu verbessern, was dazu führte, dass

zusätzlich verschiedene Lern-, Ausbildungsund

Spielmöglichkeiten zur Verfügung

gestellt und das heilpädagogische und

therapeutische Programm ständig erweitert

wurde. Seit April 1999 ist das Eltern-Kind-

Haus am Marienhof anerkannte Jugendwohlfahrtseinrichtung.

Dies stellt österreichweit

einen innovativen Durchbruch

in der Behandlung von Suchtkranken

und deren Kindern dar. Erstmals wurde

akzeptiert, dass Kinder suchtkranker Eltern

einen geschützten Lebensraum benötigen,

ohne dass eine Trennung von den Eltern erfolgen

muss. Der „Grüne Kreis“ hat daher

bei der Durchsetzung des Konzepts für ein

Eltern-Kind-Haus folgende wesentliche

Grundsätze formuliert:

– Behandlungsangebote für Kinder von

suchtkranken Eltern müssen deren emotionale,

kognitive und soziale Defizite

berücksichtigen und dementsprechend

geeignete pädagogische und therapeutische

Maßnahmen zur Verfügung stellen.

– Neben dem regulären therapeutischen

Rehabilitationsprogramm benötigen

süchtige Eltern eine zusätzliche familientherapeutische

und pädagogische

Unterstützung, sodass sie in ihrer Elternkompetenz

unterstützt werden.

– Im Rahmen der stationären Langzeitbehandlung

der Eltern sind deren

mitaufgenommene Kinder ebenfalls

als PatientInnen zu sehen und daher

behandlungswürdig.

Konkret wird vom Verein „Grüner Kreis

zur Umsetzung der oben formulierten

Ziele folgendes (heil)pädagogisches und

therapeutisches Programm angeboten:

– Förderkindergarten als heilpädagogisch

geführte Tagesbetreuungseinrichtung

für Vorschulkinder

– Nachmittagsbetreuungsprogramm für

Schulkinder: Lern- und Hausaufgabenbetreuung,

Freizeitgestaltung

– Spezielle Lernförderung wie Behandlung

von Teilleistungsstörungen etc.

– Spieltherapie: wöchentlich stattfindende

Psychotherapie für Kinder ab dem 4.

Lebensjahr

– Elternsupervision: Reflexion der Eltern-

Kind-Interaktion, fachliche Information

über Erziehung und Aspekte der

Kinderentwicklung

– Erlebnispädagogik und Freizeitprogramm

gemeinsam für Eltern und

Kinder

Dieses Modell mit dem speziell entwickelten

Konzept der heilpädagogischen

und psychotherapeutischen Betreuung im

Rahmen der gemeinsamen Rehabilitation

von suchtkranken Eltern mit ihren Kindern

im Verein „Grüner Kreis“ stellt zusätzlich

eine sekundärpräventive Maßnahme dar,

da hier die Möglichkeit gegeben ist, eine

gefährdete Gruppe – es besteht ein zigfach

erhöhtes Suchtrisiko bei diesen Kindern

– zu behandeln bzw. zu betreuen.

Text und Foto: Mag. Bettina Eher, Leiterin

Eltern-Kind-Haus

Seite 25 20 JahreGrüner Kreis


Die Behandlung Jugendlicher

in der Frankenau

Stationäre Einrichtungen wie die

Frankenau richten sich an den jugendlichen

Suchtkranken, der ohne starke Intervention

keinen Ausweg aus seiner Suchterkrankung

bzw. seinem Suchtsystem findet. Bei der Behandlung

Jugendlicher sei auch besonders

hervorgehoben, dass großes Augenmerk auf

das Nachholen erzieherischer Defizite Wert

zu legen ist. Fast alle jugendlichen Patienten

zeigen großen Nachreifungsbedarf auf

den Gebieten „Verantwortung tragen“,

„Unrechtsbewusstsein“ und „Konfliktverhalten“.

Entwicklungsmöglichkeiten in diesen

Bereichen sind für die meisten Patienten

nur dann gegeben, wenn sie echte und tragfähige

Beziehungen zu ihren Therapeuten

und Betreuern aufbauen können, was aber

oft lange Zeit in Anspruch nimmt.

Der „Grüne Kreis“ legt seiner Tätigkeit

ein ganzheitliches Konzept der Behandlung

in der Therapeutischen Gemeinschaft zu

Grunde. Eines der wichtigsten Ziele der

Therapie ist, im geschützten Rahmen zu

lernen, die destruktive Beziehung zum

Suchtmittel durch befriedigende Beziehungen

zu anderen Menschen, zur eigenen

Kreativität und Leistungsfähigkeit sowie

zum eigenen Körper zu ersetzen. Hervorheben

möchte ich nun die wesentlichen

Eckpunkte Psychotherapie, Arbeitstherapie,

Sport und den Wert der Therapeutischen

Gemeinschaft.

Psychotherapie: Im „Hier und Jetzt“ der

geschützten Therapiesituation werden die

Kontaktfähigkeit zu sich und anderen sowie

die Einsicht in die eigene Lebenssituation

gefördert. Die therapeutische Beziehung

ist von Wertschätzung und einer empathischen

Haltung getragen. Der Mensch – im

gegebenen Fall unsere Jugendlichen – wird

grundsätzlich als fähig angesehen, sein

Leben sinnvoll zu gestalten und Störungen,

sogenannte „Sackgassen“, aus eigener

Kraft zu überwinden. Mit zunehmender

Fähigkeit, sich als Teil einer Gemeinschaft

zu verstehen und aus diesem Verständnis

heraus situationsgemäß zu handeln, wächst

die soziale Kompetenz und die Möglichkeit,

mit sich und der Welt besser zurecht zu

kommen. Die Selbstverantwortung wird

gefördert.

Arbeitstherapie: Arbeit bringt ein Stück

Lebensrealität in die Therapie und bietet

darüber hinaus einen strukturellen Rahmen,

in dem sich therapeutische Entwicklungen

sichtbar manifestieren und so leichter bearbeitbar

werden. Eckpfeiler der Arbeitstherapie

sind oft die in der Therapiegemeinschaft

notwendigen Arbeiten. Darunter fallen

die Arbeiten, die zum persönlichen Leben

notwendig sind, wie Waschen, Putzen,

Hausarbeit, Kochen etc., die Arbeiten, die

für die Gemeinschaft wichtig sind, wie

Erhaltung von Gemeinschaftseinrichtungen,

Verpflegung der anderen etc., sowie die

Arbeiten zur wirtschaftlichen Erhaltung der

Einrichtung, wie Stallarbeit, Gartenarbeit

etc. All diese Arbeiten sind sinnvoll und

begründet. Im weitesten Sinn dienen sie der

therapeutischen Gemeinschaft und jedem

Patienten in seiner Therapie. Insgesamt ist

die Arbeitstherapie ein wesentlicher Bereich,

in dem auch fast jede Entwicklung der

Therapie des Einzelnen für alle, auch für

den Betroffenen, sichtbar wird.

Sport: Sport und Bewegung in der

Frankenau sind Teil der Therapie, das heißt,

der gemeinsame Sport stellt einen Spielraum

dar, in dem Themen der Therapie

umgesetzt und bearbeitet werden können.

Ziele, die im und durch

den Sport verfolgt

werden, sind Aktivitätssteigerung,

Abbau der

Antriebsarmut, Zusammenhalt

in der Gruppe,

Erhöhung der Frustrationstoleranz,

Abbau von

Aggression, Erhöhung

der Widerstandskraft,

Stressreduktion, Entspannung, Umgang

mit den eigenen Energieressourcen und

eine Schulung der motorischen Fähigkeiten

und Fertigkeiten.

Die Therapeutische Gemeinschaft: Von

besonderer Bedeutung ist das Leben in der

Therapeutischen Gemeinschaft, schließlich

bildet die Gruppe den Boden für unsere soziale

Existenz. Menschliches Zusammenleben

und menschliche Entwicklung erfolgen

grundsätzlich nach Gruppengesetzmäßigkeiten.

Individualität, wie sie sich aufgrund

von Überzeugungen und Verhaltensweisen

beschreiben lässt, kann nur im menschlichen

Miteinander entstehen und sich nur

dort manifestieren. Ist sich ein Mensch über

seine soziale Zugehörigkeit im Unklaren,

kann er nur schwer eine Zukunftsperspektive

oder Moral entwickeln, die die

Grundlage für zielgerichtetes Handeln

bilden. Begründet man die soziale Gruppe

als die Quelle von Verhaltensweisen – was

liegt also näher, als die Gruppe zum Boden

für Verhaltensänderungen zu machen?

Gelingt es, die Rahmenbedingungen einer

Gruppe günstig zu gestalten, dann bietet

sie dem Einzelnen die Möglichkeit, sich der

Gruppe mit seiner phänomenalen Sicht der

Welt, seinen Einstellungen und Verhaltensweisen

zu präsentieren und seine Kräfte zu

explorieren. Die Gruppe dient hierbei als

Prüfstein, an der die eigenen Verhaltensund

Sichtweisen gemessen werden. Sie

bietet einen Raum, in dem Zugehörigkeit

erfahrbar wird und Vergangenheits- und

Zukunftsperspektive überprüfbar und für

Veränderungen zugänglich gemacht werden

können, um eine pessimistische Sicht des

Menschen und des eigenen Lebens zu

überwinden.

Text: Heinz Kühlschweiger, Leiter Frankenau

Fotos: Berith Schistek, Andreas Preissinger

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 26


Die Behandlung von Sucht und seelischer

Erkrankung im „Grünen Kreis

Seit Bestehen des Vereins „Grüner

Kreis“ wurden immer auch PatientInnen

behandelt, die neben ihrer Suchterkrankung

behandlungsbedürftige andere

seelische Erkrankungen aufwiesen. PatientInnen

mit dieser Doppelproblematik

(Komorbidität/Doppeldiagnose) haben

zumeist zusätzlich Symptome einer schizophrenen

oder depressiven Erkrankung,

einer Angststörung oder einer schweren

Persönlichkeitsstörung.

Unter dem Druck einer landesweiten

Unterversorgung von PatientInnen mit

Doppeldiagnosen sowie der erfolgreichen,

bereits praktizierten Integration

dieser PatientInnengruppe im Verein

Grüner Kreis“ wurde 1997 begonnen,

ein für diese Behandlungsgruppe

differenziertes Therapieprogramm am

Marienhof zu erarbeiten.

Dieses Programm wurde im Laufe der

letzten Jahre modifiziert und immer mehr

den Erfordernissen dieser als schwierig

zu behandeln geltenden PatientInnen

angepasst. Im Laufe der Zeit erfolgte eine

erfolgreiche Integration einzelner DoppeldiagnosepatientInnen

in das bereits

etablierte Behandlungsprogramm.

Nach medizinischen und psychologischen

Voruntersuchungen und

erfolgreicher Entgiftungsbehandlung

können PatientInnen, die kein Risiko der

Selbst- oder Fremdgefährdung aufweisen,

freiwillig in dieses Behandlungsangebot

aufgenommen werden. Aktuell befinden

sich 15 bis 18 PatientInnen mit einer

Doppeldiagnose über einen Zeitraum

von mindestens 18 Monaten in stationärer

Behandlung.

Vier Behandlungsbereiche sind

Schwerpunkt der therapeutischen Arbeit:

Förderung der Motivation zur Behandlung,

Suchtproblematik, Psychische

Störung sowie Doppelproblematik. PatientInnen

der Doppeldiagnose-Einheit

stehen ergänzend zum soziotherapeutischen

Programm einer therapeutischen

Gemeinschaft folgende Behandlungsangebote

zur Verfügung:

- Informationsgruppe über Symptome,

Entstehung, Verlauf, Behandlung und

Prognose bei substanzgebundenem

Suchtverhalten und seelischer Erkrankung

- Psychotherapeutische Kleingruppen

und Einzeltherapien zur speziellen

Krankheitsbewältigung

- Mal- und Kunsttherapie

- Familienarbeit

- Progressive Muskelentspannung nach

Jacobson

- Bewegungstraining

- Psychiatrische und Pharmakotherapeutische

Behandlung

Um PatientInnen mit einer Doppeldiagnose

nach Abschluss der Therapie eine

weiterführende Stabilisierung und Reintegration

außerhalb der therapeutischen

Gemeinschaft zu ermöglichen, stellt

deren Nachbetreuung einen zentralen

Punkt der Therapie dar. Dieser PatientInnengruppe

stehen neben den allgemeinen

Nachbetreuungsmöglichkeiten

innerhalb des Vereins bei einem positiven

Therapieverlauf zusätzlich AMS Förderungsprogramme

mit einer schrittweisen

Loslösung aus dem stationären Setting

zur Verfügung. In Niederösterreich

wurde speziell für diese PatientInnengruppe

die Möglichkeit der Nachbetreuung

durch das „Mobile Betreuungssystem“

entwickelt. Dieses beinhaltet neben

der Integration in eine der Tageswerkstätten

des „Grünen Kreises“ sozialpädagogische

Betreuung im eigenen Wohnbereich

außerhalb der Therapieeinrichtung, eine

kontinuierliche fachärztliche Behandlung,

die regelmäßige Abstinenzkontrolle

und Fortsetzung der Psychotherapie.

Der integrative Ansatz in der Behandlung

von suchterkrankten PatientInnen

mit einer zusätzlichen seelischen Erkrankung

in eine therapeutische Gemeinschaft

erwies sich in den letzten fünf

Jahren für die psychische Stabilisierung,

soziale Reintegration und die Rückfallsvermeidung

in die Sucht als äußerst

erfolgreich. Dies zeigt sich insbesondere

darin, dass ehemalige DoppeldiagnosepatientInnen

neben ihrer neu aufgebauten

Autonomie eine intensive Bindung

zum Marienhof erhalten.

Text: Mag. Birgit Kramer, Psychotherapeutin,

Doz. Dr. Kurt Meszaros, Facharzt für

Psychiatrie, Psychotherapeut

Foto: Mag. Birgit Kramer

Seite 27 20 JahreGrüner Kreis


„Therapie

statt

Strafe“

Das Prinzip „Therapie statt Strafe“

gilt in Österreich als Grundsatz für den

Umgang mit straffälligen Suchtkranken.

Auch der Verein „Grüner Kreis“ hat

durch die Behandlung dieser PatientInnen

seit Anbeginn dazu beigetragen, dass

dieses Prinzip heute unumstritten ist.

Eigentlich müsste das Prinzip „Therapie

statt Haft“ heißen, da außer in Bagatellfällen

auch nach positiver Absolvierung

einer Therapie fast immer eine bedingte

Haftstrafe anhängig bleibt. Die dadurch

vorhandene Vorstrafe behindert natürlich

auch den weiteren Lebensweg

nach erfolgreicher Behandlung. Dennoch

zeigt sich, dass die Chancen von

JustizklientInnen, einen erfolgreichen

Behandlungsweg zu beschreiten, zumindest

gleich gut sind wie von jenen

KlientInnen, die ohne „Justizzwang“ eine

Therapie wählen. Dies liegt vor allem

in zwei Prinzipien begründet, die der

„Grüne Kreis“ verfolgt:

– „Für uns sind alle PatientInnen

aufgrund ihrer eigenen Entscheidung

hier.“ Dieses Prinzip besagt, dass wir

als Behandler keinen Einfluss auf die

Vereinbarungen zwischen PatientIn

und RichterIn nehmen. Jeder/jede

Patient/in kann zu uns kommen und

sich auch entscheiden, wieder zu

gehen. Dies führt bei keinem/keiner

Patienten/in, sei er/sie auch ein/eine

Justizklient/in, zu Konsequenzen

unsererseits.

– „Jedes Motiv, sich einer Behandlung

zu unterziehen, ist legitim.“ Dies

besagt, dass jeder Grund, zu uns zu

kommen, akzeptiert wird. Diese Motive

zu hinterfragen und eine Motivation

zur Behandlung zu ermöglichen,

ist Aufgabe der Behandlung und nicht

Vorbedingung zur Behandlung. Ob

nun ein/eine Patient/in wegen der

Eltern kommt, weil er/sie von Gericht

geschickt wurde oder weil er/sie einfach

selbst so nicht weitermachen will,

macht für mich keinen Unterschied

in der Wertung der Person des/der

Patienten/in. Jedes Motiv wird akzeptiert

und dient als Basis der Entwicklung

einer therapeutischen Beziehung.

Trotzdem wird aber der Druck, der

durch eine drohende Haftstrafe auf dem/

der Patienten/in lastet, nicht negiert. Das

Eröffnen neuer Lebensperspektiven, die

wieder Hoffnung ermöglichen, gleicht

diese Last aber mehr als aus.

Jedenfalls ist die Arbeit mit straffälligen

Suchtkranken ein wertvoller Teil der

Arbeit des Vereins „Grüner Kreis“ und

wird dies noch viele Jahre sein.

Text: Dr. Robert Muhr, psychotherapeutischer

Leiter

Foto: Berith Schistek

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 28


Eine erfolgreiche Alkoholikerbehandlung

Vom Einzelkämpfer zum

Teil der Gemeinschaft

Karin: Hans und ich haben uns vor fünf

Jahren im Ambulanten Zentrum Graz

kennen gelernt, wo ich als Therapeutin

im ambulanten Bereich und als Vorbetreuerin

tätig war und noch bin.

Hans: Wegen meiner Alkoholabhängigkeit

zeigte ich Interesse an der Langzeittherapie

beim „Grünen Kreis“, äußerte

Wünsche und stellte Bedingungen – und

verschwand für längere Zeit wieder.

Karin: Fast hatte ich Hans schon vergessen,

als er eines Tages mit einem Köfferchen

voller zu erledigender Akten wieder

vor mir stand.

Hans: Die Regelung finanzieller Angelegenheiten

und persönlicher Altlasten war

Voraussetzung für einen möglichen

Therapiebeginn.

Karin: „Das dauert Jahre und viele leere

Kilometer – wenn’s überhaupt einmal

klappt – Hans zur Therapie zu begleiten!“,

dachte ich.

Hans: Wenn es mir gut ging, blieb ich

der Ambulanz fern. Ging es mir schlecht,

erschien ich zu einem aufmunternden

Gespräch und signalisierte aufkeimende

Motivation, die wieder verging, und wir

verloren uns für längere Zeit aus den

Augen.

Karin: Monate später liefen wir uns

auf einer Entzugsstation des LSF Graz

zufällig über den Weg. Viel war passiert.

Zu meiner Überraschung fasste Hans

spontan den Entschluss, jetzt mit der

Therapie zu beginnen.

Hans: Verzweiflung und die Einsicht,

Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen,

gaben letztendlich den Ausschlag zum

Therapieantritt. Die Kostenübernahmen

waren rasch erledigt und ich erschien am

3. September 2001 im Zugangshaus, der

Waldheimat.

Karin: Danach tauchte Hans wider Erwarten

als mein Klient auf dem Treinthof

auf. Dort arbeitete ich schon viele Jahre

als Therapeutin im stationären Bereich.

Hans: Es war mir ein Anliegen, meine

althergebrachten Verhaltensmuster beizubehalten

und den Treinthof in meinem

Sinne zu perfektionieren.

Karin: Die gesamte Treinthof-Mannschaft,

Therapeuten wie Klienten, traten

dem entgegen und Hans wollte abbrechen.

Hans: Dieses Kräftemessen in Form

des kalten Krieges hielt ich beinahe fünf

Monate aufrecht bis eine langwierige

Entwicklung vom Einzelkämpfer zu

einem Teil der Hofgemeinschaft eintrat.

Karin: Es war total spannend, Hans

durch alle Phasen seiner Entwicklung

zu begleiten und ihn von vorschnellen

Entscheidungen abzubringen.

Hans: Mein Ersteindruck der Entmündigung,

kindlicher Bevormundung und

Freiheitsberaubung machte mir meinen

Aufenthalt schwierig. Wurden meine

Forderungen nicht erfüllt, wurde ich zur

„beleidigten Diva“.

Karin: Die Mannschaftsportarten wie

Volleyball und Fußball sowie gemeinsame

Arbeitseinsätze halfen Hans dabei,

die sozialen Kontakte zu seinen Mitpatienten

auszubauen und belastbar zu

gestalten.

Hans: Ich erkannte, wie sehr ich von

besonderen Leistungen und der damit

verbundenen Anerkennung abhängig

war, andererseits sabotierte ich meine

Entwicklung durch meinen Alkoholkonsum.

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt wur-

den mir die Vorzüge gemeinschaftlicher

Aktivitäten bewusst und ich entschloss

mich, in Zukunft mit Menschen arbeiten

zu wollen.

Karin: Parallel dazu erhielt ich den Auftrag,

in der Steiermark eine Therapiestation

aufzubauen, nämlich Johnsdorf.

Erst war ich weniger für Hans da, dann

gar nicht mehr.

Hans: Erwachsen geworden, nahm ich

mein Leben selbst in die Hand. Nach

18 Monaten Therapie nahm ich das

Angebot des Vereins, in Johnsdorf als

Hausassistent zu arbeiten, an.

Karin: Nun sind Hans und ich Arbeitskollegen

in unserer neuen Einrichtung

Johnsdorf.

Text: Karin Petrovic, Leiterin Johnsdorf,

Hans Scherer, Arbeitsanleiter

Fotos: Berith Schistek

Seite 29 20 JahreGrüner Kreis


Die Vorbetreuung im

„Grünen Kreis

Der „Grüne Kreis“ bietet bei Abhängigkeitsproblematiken

rasche und professionelle

Hilfe. Behandlungsziel ist die

Abstinenzorientierung. Das ambulante

Programm, vor allem aber die stationäre

Lang- und Kurzzeittherapie helfen den

Suchtmittelabhängigen, dieses Ziel zu

erreichen.

Die Vorbetreuung stellt die Verbindungsstelle

des „Grünen Kreises“ zwischen

den einzelnen Betreuungseinrichtungen

und den Informationssuchenden

dar. Hilfesuchende nehmen Kontakt

zu einer der VorbetreuerInnen auf und

klären in Informationsgesprächen die Art

der Hilfestellung ab:

– Therapiemotivation (Freiwillig oder

„Therapie statt Strafe“),

– Therapienotwendigkeit (Langzeit-,

Kurzzeit- oder ambulante Therapie),

– Vermittlung eines Entzugsplatzes oder

einer ambulanten Entzugsmöglichkeit,

– Hilfestellung bei Amtswegen und

– Ansuchen zur Kostenübernahme beim

jeweilig zuständigen Kostenträger.

Weitere Angebote der Vorbetreuung

umfassen:

– Beratung in Krisensituationen

– Vermittlung und Vernetzung mit

Einrichtungen, wie Spitälern, Ambulanzen,

Ärzten oder geeigneten

Entzugseinrichtungen

– Psychosoziale Betreuung

– Beratung und Betreuung von ratsuchenden

Eltern, Angehörigen oder

sonstigen Betroffenen

– Präventionsveranstaltungen

– Regelmäßiger, persönlicher Kontakt

zu KlientInnen in Entzugsstationen,

Therapieeinrichtungen, psychiatrischen

Krankenhäusern, allgemeinen

Krankenhäusern und Justizanstalten

im Sinne einer mobilen Vorbetreuung

Bei ambulanter und stationärer

Aufnahme erfolgt die Kostenübernahme

durch die zuständigen Sozialämter, die

Jugendwohlfahrt bzw. die Justizanstalten.

Jugendliche benötigen eine Einverständniserklärung

der Erziehungsberechtigten

bzw. eine Einweisung durch das Jugendamt.

Falls PatientInnen Kinder mitbringen,

muss die Kostenübernahme für

diese ebenso geklärt sein.

BewerberInnen für einen ambulanten

oder stationären Therapieplatz mit

richterlicher Weisung nach § 39 SMG/

§ 50 STGB/§180 STPO werden bereits

in den Justizanstalten regelmäßig von

den MitarbeiterInnen der Vorbetreuung

des „Grünen Kreises“ besucht, können

jedoch auch bei Bedarf über den Sozialen

Dienst der jeweiligen Haftanstalt Kontakt

mit den VorbetreuerInnen aufnehmen.

Ebenso bestehen regelmäßige Kontakte

der VorbetreuerInnen zu Entzugsstationen,

psychiatrischen Krankenhäusern und

allgemeinen Krankenhäusern.

Im Rahmen einer TherapeutInnenbesprechung

wird über die Aufnahme der

BewerberInnen entschieden. Es muss

ebenso abgeklärt werden, ob andere

schwere Erkrankungen wie z.B. Psychosen,

HIV-Infektion, Hepatitis C oder

B, Zuckerkrankheit, Epilepsie etc. sowie

psychosomatische Erkrankungen wie z.B.

Angst-Panik-Attacken vorliegen. PatientInnen

mit einer zusätzlichen schweren

psychischen Erkrankung („Doppeldiagnose“)

können nach psychiatrischer

Begutachtung im Programm für „Psychogene

Multimorbidität“ aufgenommen

werden.

Ausschließungsgründe für eine Aufnahme

sind akute Suizidalität, schwere

Gewaltbereitschaft und schwere akute

somatische Erkrankungen.

Nach erfolgreich absolviertem körperlichen

Entzug und schriftlicher Zusage

der Kostenübernahme kann der/die

Patient/in aufgenommen werden. Die

Drogenfreiheit muss allerdings durch

mehrere aufeinanderfolgende Harntests

nachgewiesen werden. Danach werden

die PatientInnen für die stationäre

Therapie von den VorbetreuerInnen zur

Aufnahme ins Zentralbüro nach Mönichkirchen

und im Anschluss in die entsprechenden

stationären therapeutischen

Einrichtungen gebracht, wo die Therapie

nach dem Konzept des „Grünen Kreises“

beginnt. Aufgrund großer Flexibilität

seitens des Vereins bestehen keine Wartezeiten

auf einen Therapieplatz.

Die Erfahrungen der letzten 20 Jahre

in der Arbeit mit suchtkranken Personen

im „Grünen Kreis“ machen deutlich, wie

wichtig es ist, beim Thema Sucht und

Drogen rasche, unbürokratische, anonyme

und kostenlose Hilfe und Beratung

anzubieten. Das Vorbetreuungsteam des

Vereins ist bemüht, diesen Grundgedanken

in seiner täglichen Arbeit tatkräftig

umzusetzen.

Text: Walter Clementi, Vorbetreuer,

Dr. Brigitte Wimmer, Öffentlichkeitsarbeit

Foto: Walter Clementi

Zuständigkeitsbereiche der

VorbetreuerInnen:

Werner Braun, Leitung der Vorbetreuung.

Wien, NÖ, OÖ, Salzburg,Tirol und Vorarlberg.

(664) 230 53 12, werner.braun@gruenerkreis.at

Emmelite Braun-Dallio. Wien, NÖ, Justizanstalten

Wien, NÖ.

(664) 384 08 25, emmelite.braun-dallio@gruenerkreis.at

Walter Clementi. Wien, NÖ, Burgenland.

(664) 384 08 27, walter.clementi@gruenerkreis.at

Karin Petrovic, Leitung Ambulantes Zentrum

Graz. Steiermark.

(664) 384 08 26, ambulanz.graz@gruenerkreis.at

Johannes Breitegger. Steiermark.

(664) 524 79 91, ambulanz.graz@gruenerkreis.at

Ute Ira Sattmann. Steiermark.

(664) 173 02 65, ambulanz.graz@gruenerkreis.at

MMag a . Magdalena Zuber, Leitung Ambulantes

Zentrum Klagenfurt. Kärnten.

(664) 384 02 80, ambulanz.klagenfurt@gruenerkreis.at

Christian Rath. Tirol, Vorarlberg.

(664) 310 94 37, christian.rath@gruenerkreis.at

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 30


Die Nachbetreuung

im „Grünen Kreis

Die Nachbetreuung im „Grünen

Kreis“ hat im Rahmen einer umfassenden

Suchtbehandlung einen bedeutenden

Stellenwert. Auch wenn KlientInnen nach

Abschluss ihrer stationären Therapie „therapiemüde“

sind oder vielleicht meinen,

„ausbehandelt“ zu sein, ist es gerade in

dieser kritischen Phase von großer Wichtigkeit,

eine intensive weiterführende Therapie

in Anspruch zu nehmen. Um einen

langfristigen Erfolg in der Behandlung der

Suchterkrankung zu erreichen, ist sowohl

eine ambulante therapeutische Begleitung

als auch regelmäßige Selbsthilfearbeit

unumgänglich. Diese weiterführende

Therapie verlangt Selbstständigkeit und

Eigenverantwortung von den KlientInnen.

Dazu gehört auch das Prinzip der

Eigenleistung, welches bedeutet, dass die

KlientInnen für die Wohnmöglichkeit,

für das therapeutische Angebot, für die

ärztliche Begleitung und Harntests, wie

auch für die Teilnahme an Sport- und

Freizeitprogrammen einen Beitrag leisten,

um somit den Wert ihrer Therapie zu

erkennen.

Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit

einer stationären und einer ambulanten

Nachbetreuung, die in enger Verbindung

und Wechselwirkung miteinander stehen.

Die stationäre Nachbetreuung als

temporäre Weiterbetreuung in den

stationären Einrichtungen im Sinne des

weiterführenden Therapiestufenmodells

ist für TransitmitarbeiterInnen gedacht.

Sie sind zum größten Teil in der Umgebung

der stationären Einrichtungen

angesiedelt bzw. gibt es das Angebot einer

fortgesetzten Wohnmöglichkeit in einer

Therapiestation. Im Mittelpunkt steht

die Leistungsfähigkeit im Arbeitsbereich

und die materielle und soziale Selbstständigkeit

als Zielsetzung. Bedingungen für

die Aufnahme in das TransitmitarbeiterInnenprogramm

sind Psychotherapie,

Abstinenz, die mittels Harnproben

regelmäßig überprüft wird, und die fortgesetzte

Einbindung in die therapeutische

Gemeinschaft. Ziel ist die Fähigkeit zur

eigenständigen Lebensführung außerhalb

eines betreuten Systems. Möglichkeiten

zur Aus- bzw. Fortbildung in dieser Zeit

sollen optimale Reintegrationschancen

am freien Arbeitsmarkt gewährleisten und

ein zu starkes Anhaften am stationären

Schutz vermeiden. Die therapeutischen

Sitzungen finden in der zentralen Nachbetreuungsstelle

in der Waldheimat statt.

Damit wird die Ablösung vom „versorgenden

BetreuerInnenteam“ des stationären

Rahmens gefördert und die Eigenverantwortlichkeit

tritt in den Vordergrund.

Die ambulante Nachbetreuung setzt

sich aus vier Schwerpunkten zusammen.

Die weiterführende Therapie wird in

den ambulanten Beratungs- und Betreuungszentren

des Vereins angeboten und

umfasst Einzelpsychotherapie, Gruppenpsychotherapie,

Selbsthilfegruppe und

Angehörigenarbeit.

– Die Einzeltherapiesitzungen sind dem

Therapiesetting einer psychotherapeutischen

Praxis voll angeglichen,

zwischen KlientIn und TherapeutIn

besteht im Unterschied zum stationären

Bereich der Kontakt ausschließlich

über die psychotherapeutische Sitzung.

Die KlientInnen übernehmen somit

die volle Eigenverantwortung für die

weiterführende Therapie. Idealerweise

ist die Einzelpsychotherapie über einen

längeren Zeitraum angesetzt, wobei

die Sitzungsfrequenz mit Fortdauer

abnimmt.

– Die Gruppenpsychotherapie in der ambulanten

Nachbetreuung erstreckt sich

über einen längeren Zeitrahmen und

bietet die Möglichkeit einer tiefergehenden

Reflexion über die Problematik

der nun realen Individuationsprozesse.

Die Strukturen und Kräfte der Gruppe

sollen die soziale Kompetenz weiter

fördern.

– Selbsthilfegruppen nehmen eine hohen

Stellenwert in der Nachbetreuung ein,

indem sie durch die soziale Struktur

den Betroffenen Halt, Sicherheit und

soziale Anbindung bieten, vor allem

in Krisenzeiten. Es bestehen intensive

Kontakte zu den Gruppen der „Narcotics

Anonymous“ aber auch zu den

„Anonymen Alkoholikern“.

– Die Angehörigenarbeit soll vor allem

co-abhängige Verhaltensmuster

aufdecken und diese den Betreffenden

bewusst machen, um den Rückfall in

etwaige übertriebene Versorgungshandlungen

und -sehnsüchte früh

zu erkennen und zu vermeiden. Die

ambulanten Zentren bieten Angehörigenarbeit

an.

Selbstverständlich gibt es die Möglichkeit

einer allgemeinmedizinischen

und fachärztlichen Konsultation. Die

begleitenden Harnkontrollen dienen

einerseits der Selbstkontrolle andererseits

auch der Rückfallsprophylaxe. Eine rasche

Rückfallsintervention hilft maßgeblich,

ein neuerliches Abgleiten in die Sucht zu

verhindern.

Das Angebot an Nachbetreuung ist

also vielfältig. Wir haben auch in den

vergangenen Monaten einen vermehrten

Zuwachs von NachbetreuungsklientInnen

festgestellt. Dies spricht für ein erweitertes

Interesse und vor allem Bewusstsein

bezüglich Psychotherapie von Seiten der

KlientInnen. Ich denke, diese Menschen

sind im Begriff, die Regie in ihrem Leben

selbst zu übernehmen und eigenverantwortlich

die „Geschehnisse“ auf ihrer

inneren und äußeren Lebensbühne

zu reflektieren. Sie stellen sich somit

der Herausforderung, GestalterInnen

ihres Lebens zu sein. Das bedeutet einen

großen Schritt in Richtung Individuation.

Erst wenn das Bewusstsein integriert ist,

einen aktiven Beitrag zur individuellen

Weiterentwicklung zu leisten, können

SuchtklientInnen aus ihrer „Abhängigenrolle“

selbstbestimmt heraustreten.

Text und Foto: Michael Kallinka, Leiter

Ambulantes Zentrum Wien

Seite 31 20 JahreGrüner Kreis


Das ambulante

Beratungs- und

Betreuungszentrum

Wien

... wird oft auch Ambulanz genannt,

obwohl wir das im herkömmlichen Sinn

natürlich nicht sind. Bei uns gibt es keine

Medikamentenausgabe und auch keine

Untersuchungen somatischer Erkrankungen.

Das ist aber schon fast das

Einzige, was es hier nicht gibt.

Ein Team aus Fachkräften versucht

eine möglichst individuelle Betreuung

für unser Klientel anzubieten. Es

kommen Menschen mit unterschiedlichen

Anliegen zu uns, Suchtkranke,

deren Angehörige, SchülerInnen, die

nachweisen sollen oder wollen, dass sie

nicht zu den Suchterkrankten gehören,

(Ex-)KlientInnen, die ihren Führerschein

er- oder wiedererlangen wollen

u.v.m. Wir versuchen mit Hilfe unserer

ÄrztInnen, SuchtberaterInnen und dem

therapeutischen Personal eine möglichst

umfangreiche Beratung anzubieten und

dann, wenn dies sinnvoll erscheint und

auch vom/von der Klienten/Klientin erwünscht

ist, das Erreichen des angestrebten

Zieles unterstützend einzuleiten.

Wir sehen uns als Anlaufstelle für all

diejenigen, die mit ihrer Lebenssituation

im Zusammenhang mit Suchtproblemen

nicht mehr klar kommen bzw. eine

Änderung anstreben und dazu professionelle

Hilfe benötigen. Natürlich fühlen

wir uns für die Angehörigen dieser

Menschen ebenso zuständig und bieten

ihnen sowohl Einzelberatungen als auch

Psychotherapiegruppen zur Unterstützung

an. Im Rahmen einer Vielzahl von

stationären Einrichtungen (Kurz- und

Langzeittherapien) und auch unseres ambulanten

Betreuungszentrums sind wir

in der Lage, unterschiedlichste Behandlungsanforderungen

abzudecken.

Die ambulanten Behandlungen beinhalten

Einzel- und Gruppenpsychotherapien

sowie psychiatrisch-neurologische

Abklärungen und laufende Abstinenzkontrollen.

Die NachbetreuungsklientInnen

haben ebenfalls Einzel- und

Gruppenpsychotherapiestunden sowie

Selbsthilfegruppen als Möglichkeit zur

unterstützenden Stabilisierung nach

einem stationären Aufenthalt. Abstinenzkontrollen

und medizinische Betreuung

sind selbstverständlich Bestandteil der

Nachbetreuung. Bei Bedarf können auch

Paartherapien in Anspruch genommen

werden.

Manche Bereiche unserer Arbeit stehen

in keinem Konzept geschrieben, sondern

verlangen Individualität im Augenblick:

Viele Begegnungen mit Menschen, die

aus unterschiedlichsten Gründen mit

hohem Druck, den ihnen ihr eigenes

Leben verursacht, zum Teil verzweifelt,

zum Teil aggressiv oder auch depressiv,

unglücklich oder unwillig, in jedem Fall

entfernt jeglicher Zufriedenheit bei uns

Rat suchen. Es gibt aber auch sehr viele,

die bei uns eigentlich gar nichts suchen,

weil sie innerlich weit davon entfernt

sind, ihr Leben mit den Drogen aufzugeben,

die keinen echten Leidensdruck

verspüren, die nur Angst haben, dass

ihnen etwas – die Droge – weggenommen

wird, was sie nicht bereit sind herzugeben

und wozu sie auch keine Vorstellungen

haben, wie das überhaupt gehen soll. Und

trotzdem kommen sie, weil sie es den

Eltern versprochen haben oder weil sie

eine Auflage zu erfüllen haben oder weil

sie doch neugierig sind oder ... Diese Betreuungen

sind manchmal sehr langwierig.

Es gibt wenig bis keine Einsicht und wir

bekommen zu spüren, dass wir manchmal

„nerven“. Aber es gibt etwas, glaube

ich, das von allen sehr geschätzt wird. Wir

nehmen alle Menschen mit oder ohne

Anliegen wirklich ernst und ich glaube

auch, dass sich viele von ihnen – vielleicht

nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt, aber

doch später einmal – daran erinnern und

zum für sie passenden Zeitpunkt wiederkehren.

Manchmal können wir diesen

Menschen in einer anderen Form hilfreich

sein, ihnen einfach nur zuhören und ein

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 32


paar kleine Lebenshilfen auf den Weg

mitgeben.

Selbstverständlich sind wir auch

Anlaufstelle für die Menschen, die eine

stationäre Therapie machen wollen (oder

müssen). Verstärkt forcieren wir seit einigen

Monaten auch eine Betreuung für

diejenigen, die aus unterschiedlichsten

Gründen eine stationäre Therapie abgebrochen

haben und nicht wissen, wie es

weitergehen soll. Dieses Klientel ist ein

besonders sensibles, da diese Menschen

bereits für eine Zeit lang Drogenfreiheit

erlebt haben, vielleicht auch gleich nach

ihrem Abgang rückfällig waren, aber

doch sicherlich Orientierungshilfe benötigen.

Hier versuchen wir einen Weg

zurück in eine unserer Einrichtungen zu

ermöglichen oder aber auch Verbindungen

zu anderen Stellen herzustellen, so

dass diese Menschen nicht ohne Unterstützung

bleiben.

Wirklich verzweifelt sind oft die Angehörigen

der Suchtkranken, die überhaupt

nicht verstehen können, was in den Betroffenen

vorgeht und sich immer wieder

fragen, wieso es so weit gekommen ist

und wo ihr persönlicher Anteil an dieser

Situation liegen könnte (Schuldfrage,

Selbstvorwürfe, Hilflosigkeit u.v.m.).

Zu unserer umfangreichen Betreuung

zählt natürlich auch der administrative

Bereich, d.h. den KlientInnen diverse

Amtsschreiben von Gerichten, Amtsärzten,

Behörden usw. inhaltlich zu

erklären, ihnen nahe zu bringen, was

von ihnen verlangt wird, und abzuklären,

in welcher Form die unterschiedlichen

Auflagen für den Einzelnen auch zu

erfüllen sind. Nicht immer gelingt dies,

aber wir legen den KlientInnen auch die

Konsequenzen, die sie zu erwarten haben,

sollten sie den Aufforderungen nicht

nachkommen, dar. Entscheidungen

können letztendlich immer nur von den

Menschen selbst getroffen werden.

Abschließend möchte ich anmerken,

dass wir nach dem Konzept der Wiener

Ambulanz mittlerweile sowohl in Graz

als auch in Klagenfurt ein ambulantes

Betreuungszentrum eingerichtet haben.

Text: Gerit Melcher, Administration Ambulantes

Zentrum Wien

Fotos: Gerit Melcher, Berith Schistek

„Frühzeitig

reagieren“

„Präventionsarbeit im Sinne von

allgemeiner Aufklärung der Öffentlichkeit

über die Suchtproblematik wie auch

im Sinne von Einbindung der Kinder

Suchtkranker in das Behandlungskonzept

sind ein wichtiger Teil der Aufgaben

des Vereins.“, so heißt es im Leitbild

des „Grünen Kreises“. Als österreichweit

größte gemeinnützige Organisation auf

dem Suchtsektor bietet der „Grüne Kreis

nicht nur rasche und professionelle Hilfe,

wenn eine Abhängigkeit bereits besteht,

sondern nimmt auch seine Verantwortung

im Bereich der Suchtvorbeugung

und -aufklärung wahr.

Elemente einer umfassenden Suchtprävention

finden sich bereits seit langem

im Behandlungsansatz des „Grünen

Kreises“: im Rahmen des Betreuungsangebots

für Kinder suchtkranker KlientInnen,

einer aktiven Freizeitgestaltung, der

Sport- und Abenteuerpädagogik sowie

künstlerischer Aktivitäten werden wichtige

Grundsteine für ein erfülltes Leben

ohne Drogen gelegt.

Durch seine vielfachen Umfeld- und

KlientInnenkontakte kommt der „Grüne

Kreis“ jedoch auch außerhalb des eigenen

therapeutischen Angebots immer

wieder in Situationen, in denen ein

Bedarf nach Aufklärung und Prävention

formuliert wird. Als bekannter Ansprechpartner

für Suchtfragen wird der Verein

mit präventionsspezifischen Anfragen

von unterschiedlichen öffentlichen und

privaten Einrichtungen konfrontiert

(Schulen, Betriebe, Angehörige, AMS

etc.). Um diesen Anfragen in Zukunft

noch professioneller nachkommen zu

können, beschäftigt sich der „Grüne

Kreis“ aktuell mit der Ausarbeitung eines

wissenschaftlich fundierten Suchtpräventionskonzepts.

Im Rahmen der gerade entstehenden

zielgruppenspezifischen Programme

sollen die vorhandenen Erfahrungen des

Vereins zu den Themen Sucht und Drogen

genutzt und in koordinierter Form

verschiedenen Umwelten zur Verfügung

gestellt werden. Inhaltlich steht dabei die

konkrete Suchtaufklärung als die eigentliche

Expertise des „Grünen Kreises“ im

Vordergrund. Wichtige Eckpfeiler der

künftigen Aufklärungsarbeit sind die

Weitergabe von Informationen zu Sucht

und Drogen, die Ermöglichung und

Begleitung einer zielgruppenspezifischen

und altersgerechten Auseinandersetzung

mit dem Thema und eine entsprechende

Unterstützung im Anlassfall. Die

verschiedenen Zielgruppen, wie Eltern,

Betriebsangehörige oder LehrerInnen,

sollen zudem dabei unterstützt werden,

Drogenkonsum frühzeitig zu erkennen

und offen anzusprechen.

Unter dem Motto „frühzeitig reagieren“

wird dem umfassenden Angebot

des „Grünen Kreises“ mit der Umsetzung

dieser vorbeugenden und begleitenden

Maßnahmen ein weiterer wichtiger

Mosaikstein hinzugefügt.

Text und Foto: Mag. Gernot Scheucher,

Geschäftsführer diepartner.at

diepartner.at

Sozial- und Gesundheitsmanagement

GmbH

A-1020 Wien

Praterstern 2/4/9

Tel.: +43 (1) 219 73 33

Fax: +43 (1) 219 73 33-30

office@diepartner.at

www.diepartner.at

Seite 33 20 JahreGrüner Kreis


Die

Rolle

der

Tiere

Die historisch bedingte Platzierung der

ersten Therapiestation des „Grünen Kreises“

auf einem Bauernhof legte natürlich

eigene Tierhaltung nahe. Ställe und Weiden

waren vorhanden, die PatientInnen

brauchten Arbeit und mehr noch heilsam

realistischen Bezug zu den Wurzeln des

Lebens. Dieser war anfangs mit einem

Haufen Schafen durchaus gegeben. Später

kamen aufgrund einer Neigung sowie

einer Meinung meines Vaters (wahrscheinlich

in dieser Reihenfolge) etliche „Exoten“

dazu. Zweiteres bezog sich auf die Idee,

ständig reitüberflutete Persönlichkeiten

eher mit außergewöhnlichen Archetypen

erreichen zu können. Die Bucklige

Welt wurde also zunehmend mit Zwerg-,

Highlander-, Watussirindern, Kamelen,

Hängebauchschweinen, verschiedensten

Pferderassen, besonderen Schafen aber

auch Forellen, Bienen etc. bevölkert. Die

UreinwohnerInnen kamen aus dem Staunen

nicht heraus und das Lama wurde zum

Wappentier des „Grünen Kreises“.

Dass der Umgang mit Tieren eine

therapeutische Wirkung hat, war schon

damals eine Binsenweisheit. Mittlerweile

ist diese Tatsache sozusagen „amtlich“, da

durch Wissenschaft belegt. Manche PsychiaterInnen

raten zum Verlassen des/der

Partners/Partnerin und zur Anschaffung

einer Katze. Bei unseren PatientInnen ist

es oft irgendwie umgekehrt. So manche

Ziege kann mit sozialer Kompetenz eine

verwirrte Persönlichkeit zurückholen.

Indem sie sich z.B. freiwillig melken lässt

oder mit dem Stoß ihrer Hörner eine

Grenze setzt, die dann nicht so leicht

ein zweites Mal übersehen wird. Beides

Interventionen, welche von menschlichen

TherapeutInnen zwar auch gelegentlich

insgeheim überlegt werden, die dann aber

(meistens) doch dem zahmen Humanismus

zum Opfer fallen.

Ein halbwüchsiger Kaltblütler (selbst

ohne „Rückfall“ auf Kraftfutter) vermag

außerdem nebenbei ganze Lehrpläne

über Physik, Willens- und Körperstärke,

Realitätstraining, Frustrationstoleranz etc.

spielend ersetzen und das, obwohl eigentlich

eh schon „wallach“. Detto bringen

aber auch von ihren Müttern verstoßene

Lämmer, die zweistündlich rund um die

Uhr ein Flascherl brauchen, Gefühle des

Gebrauchtwerdens, der Verantwortlichkeit

und des Selbstbewusstseins hervor.

Wichtig ist nur, ein Schwein nie frei wie

einen Hund herumlaufen zu lassen, ihm

also Beziehungen zu erlauben. Selbst hartgesottenste

Kerle würden es nicht mehr

essen wollen. Alles schon da gewesen und

die Bedeutung des Begriffes „Nutztier“ erhält

im therapeutischen Setting jedenfalls

unerhört neue Dimensionen.

Im Laufe der nun gefeierten beiden

Jahrzehnte sind etliche unserer Tiere

wieder verlustig gegangen. Teils wegen der

üblichen wirtschaftlichen Kürzungen, teils

aber auch wegen allzu schwieriger Haltung

bzw. zu geringer Weideflächen. Legende

sind trotzdem einige tierische Anekdoten,

welche die Wildheit der Pioniertage

rühmen. So half z.B. bei einer tagelangen

Watussirindermassenflucht (sie waren zu

dritt!) und den dadurch notwendig gewordenen,

gruppendynamisch äußerst wert-

vollen Ausschwärmereien sch(l)ussendlich

doch nur mehr ein Narkosegewehr eines

benachbarten Jägers. Daktari live und die

pädagogisch wichtige Erfahrung, dass ein

zu früher Wechsel in „ambulante Therapie“

oft in einer Überdosis endet!

Eine kurios bizarre Verschrobenheit

mag weitere Aspekte zwischen Tier und

Mensch illustrieren. So zeigen sich einige

unserer PatientInnen äußerst fasziniert

von Spinnen, Schlangen, Skorpionen und

anderen exotischen Gifttieren. Je gefürchteter,

desto beliebter. Unsere dann unpopuläre

und wenig überraschende Reaktion:

Je weiter weg, umso besser! Ganz ohne

Kindchenschema fühlt sich kein Säugetier

angezogen. Wohl nur der Mensch ist dazu

fähig. Und psychoanalytisch dürfte die

unbewusste Angstkontrolle mittels mächtiger

Verbündeter dahinterstecken. Keiner

mag mich und das macht mir Angst. Also

werde ich euch alle mit meinem niedlichen

Hobby erschrecken.

Zu guter Letzt seien noch die wohl

größten, kleinsten tierischen Lehrmeister

in tiefer Verbeugung erwähnt. Es handelt

sich um die gemeinen Bauernhoffliegen,

welche gerade in den schönen Sommermonaten,

mit ihrer unbarmherzigen

Lästigkeit nicht nur unbehandelte Egos

zur Weißglut und schier um den Verstand

bringen. Ein Beispiel dafür, dass

auch gestörte Beziehungen eine Menge

Lernpotential bergen. Trainiert wird dabei

Reinlichkeit, Stoizismus und eine schnelle

Hand. Das Vereinsbudget wird durch

diese günstig versorgbaren Insekten kaum

strapaziert. Gitter, Gifte, Klebestreifen, das

ist alles.

Text: Oliver Pernhaupt, Leiter Königsberghof

Fotos: Berith Schistek

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 34


Das Projekt

Flüchtlinge im

„Grünen Kreis

Im Herbst 1998 trat das Bundesministerium

für Inneres an den „Grünen Kreis

mit der Frage heran, ob dieser Interesse

hätte bzw. bereit wäre, in seinem Objekt

Mönichkirchner Hof in 2870 Aspangberg-St.

Peter, Mitteregg 69, Flüchtlinge

aufzunehmen und zu betreuen.

Einerseits wurde der Mönichkirchner

Hof auch schon unter seiner Vorbesitzerin

als Flüchtlingsheim geführt und

daher war seitens der zuständigen Gemeinde

und der umliegenden Bevölkerung

mit keinen Einwänden zu rechnen,

andererseits konnte dieses Objekt, das

der „Grüne Kreis“ zu dieser Zeit als

Übergangswohnheim für ExpatientInnen

nach erfolgreichem Abschluss ihrer

stationären Therapie führte, aufgrund

der Hausgröße nicht die gewünschte

Auslastung aufweisen. Daher nahm der

„Grüne Kreis“ das Angebot des Bundesministeriums

gerne an. Das Projekt

Flüchtlinge im „Grünen Kreis“ war somit

geboren und wird seitdem erfolgreich im

Rahmen der „Grüner Kreis – Gemeinnützige

Aus- und FortbildungsgesmbH“

als gemeinnütziges Arbeitsprojekt

betrieben.

Im Mai 1999 trafen die ersten Flüchtlinge

– eine Gruppe von 30 Familien

mit ihren Kindern, iranische StaatsbürgerInnen

der armenischen Volksgruppe

– im Mönichkirchner Hof ein. Zur Zeit

werden ca. 65 Menschen verschiedenster

Nationalitäten (Nigeria, Somalia,

Afghanistan, Sudan, Tschetschenien,

Irak, Iran sowie Flüchtlinge aus Angola,

Sierra Leone, Bulgarien und Albanien)

beherbergt.

Die Essensversorgung für das Flüchtlingsheim

erfolgt von einer Einrichtung

des „Grünen Kreises“ aus, nämlich vom

Marienhof, einem konzessionierten

Gastgewerbebetrieb. Sie stellt für die

Küchenverantwortlichen immer wieder

eine Herausforderung dar, da es nicht

einfach ist, dieses bunte Völkergemisch

von der guten österreichischen Küche zu

überzeugen.

Für Ordnung und Sauberkeit in ihren

Zimmern haben die Flüchtlinge unter

der Anweisung von Frau Darinka Knezevic,

einer langjährigen Mitarbeiterin des

„Grünen Kreises“, selbst zu sorgen.

Einmal pro Woche findet im Flüchtlingsheim

ein Deutschkurs statt, der von

einem Pädagogen des „Grünen Kreises“

geleitet wird.

Besonders erfreulich ist auch die gute

Zusammenarbeit mit dem zuständigen

Gemeindearzt Dr. Ziegler, der sich regelmäßig

alle zwei Wochen automatisch zur

Visite im Mönichkirchner Hof einfindet.

Ein nicht unwichtiger Teil der

Tätigkeit im Flüchtlingsheim ist es, bei

Streitigkeiten, die durch Auffassungsunterschiede

und durch die verschiedenen

Mentalitäten hervorgerufen werden,

ausgleichend zu wirken bzw. Missverständnisse

auszuräumen und so zu einem

guten Zusammenleben der Menschen

beizutragen.

Da sich unter den Flüchtlingen natürlich

auch Freundschaften entwickeln

und Beziehungen aufgebaut werden, ist

es manchmal schwierig, wenn Asylverfahren

negativ abgeschlossen werden und

diese Menschen dann unverzüglich aus

der Bundesbetreuung entlassen werden

müssen. Das bedeutet, dass sie entweder

sofort in ihr Heimatland abgeschoben

werden oder ihr zukünftiges Leben als

sogenanntes „U-Boot“ fristen müssen.

Obwohl die Betreuung des Flüchtlingsheimes

und deren BewohnerInnen

nicht immer leicht ist, sondern sehr viel

Mühe, Zeit und Nerven kostet, erfülle

ich die Aufgabe der Supervision, die

ich seit Beginn des Projektes innehabe,

gerne. Ich freue mich, diesen Menschen

in der kurzen Zeit, die sie in Österreich

verbringen, mit Rat und Tat beistehen zu

können.

Text: Ernst Steurer, „Grüner Kreis“ Vorstandsmitglied

Fotos: „Grüner Kreis“ Archiv, Berith Schistek

Seite 35 20 JahreGrüner Kreis


Die Projektreihe wird seit Herbst 1997 in

den Betreuungshäusern des „Grünen

Kreises“ realisiert. Die von privaten und

öffentlichen Stellen geförderte Projektreihe

wird von Kurt Neuhold konzipiert

und in Kooperation mit professionellen

KünstlerInnen vorbereitet und durchgeführt.

Sie ergänzt das therapeutische,

erlebnispädagogische und medizinische

Behandlungsangebot des Vereins.

Im Rahmen von wurden bisher rund 40 Kunstaktionen

und Workshops in den stationären

Einrichtungen des Vereins realisiert.

Neben künstlerisch anspruchsvollen

und aufwendigen Projekten, wie z.B.

die Produktion von zwei Zeichentrickfilmen,

Schrott- und Holzskulpturen,

Druckgrafiken, Text- und Schriftbildern

in Schreibwerkstätten, einer CD mit

Techno-Musik und die künstlerische

Bemalung der Fassade des Betreuungshauses

Waldheimat, wurden zahlreiche

Mal- und Fotoaktionen, Tanz- und Bewegungsworkshops

und Kreativprojekte

(Gips, Papierherstellung, Maskenbau,

Origami, Keramik, Trommeln ...) gemeinsam

mit den PatientInnen durchgeführt.

basiert

auf einem dynamischen, prozessorientierten

Kunstverständnis, das die

Projektplanung, die Produktion und die

bei der Realisierung von künstlerischen

Handlungen ablaufenden sozialen und

kommunikativen Vorgänge genauso beinhaltet,

wie die öffentliche Präsentation,

Rezeption und Reflexion der Arbeiten.

Die Arbeitsergebnisse von wurden bei internationalen

Konferenzen und UN-DCP-Tagungen

(United Nation Drug Control

Program) öffentlich vorgestellt. Darüber

hinaus wurde die Projektreihe bei Radio

Orange und im Kulturlokal des Aktionsradius

Augarten in Wien präsentiert.

Presse- und Medienberichte – z.B. im

Standard, in der Wiener Zeitung, der

Ärztezeitung, den Lokalzeitungen des

südlichen Niederösterreichs und im

ORF (Kulturtipp der Woche) – dokumentieren

den Erfolg und die Vielfalt der

Aktionen. Die beiden bisher gemeinsam

mit J. Clay und R. Zuniga produzierten

Zeichentrickfilme „Der Weg ins Leben“

und „Maskenfall“ wurden auf mehreren

Animationsfilmfestivals und bei diversen

Ausstellungen (SOHO in Ottakring

2000, 2001, Schloss Wolkersdorf ...)

gezeigt. „Der Weg ins Leben“ lief auf der

Diagonale 2001 in Graz. Im Mai 2002

wurde die nach einem Entwurf von Helmut

Kand künstlerisch bemalte Fassade

des Betreuungshauses Waldheimat der

Öffentlichkeit präsentiert.

Alle Projekte von beziehen sich auf die unmittelbare

Lebenssituation der Betroffenen.

Einfach zu bedienende Medien, unkomplizierte

Techniken, die Berücksichtigung

der Interessen der TeilnehmerInnen

und ein flexibler Umgang mit den

Projektzielen sollen den Einstieg ins kreativ-künstlerische

Arbeiten erleichtern.

Die Erfahrungen, die dabei gemacht

werden, können wichtige Anregungen

für die therapeutische Arbeit beinhalten.

Ziel ist es, individuelle Fähigkeiten zu

entdecken und zu entwickeln sowie die

Möglichkeiten und Freiräume der Kunst

für eine konstruktive und lustvolle Auseinandersetzung

mit den Anforderungen

des Lebens zu nutzen.

Text: Kurt Neuhold, Projektleiter

Fotos: Berith Schistek

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 36


„Signale und Abrakadabra“

Das

Lamahaus

in der

Kurve

Text und Fotos: Helmut Kand (www.kand.at)

Es ist der Wunsch vieler Künstler, auf

öffentlichen Plätzen Spuren zu hinterlassen

und Signale abzusetzen, sich im

Großformat ausdrücken zu dürfen, ja

ein Hang zum Gigantismus ist in uns

allen latent vorhanden. Ein paar Mal

ist jener auch schon befriedigt worden,

nämlich als Wandbilder auf Feuermauern,

Säulen und Atrien, Schwebebilder und

Mobile, Windspiele, hölzerne Jubel-Gesten-Zäune,

Fahnen für Flatterproben auf

hohen Masten oder das Skulpturenspalier

der Persönlichkeiten in St. Pölten. Viele

dieser aufwendigen Projekte entstanden

in Zusammenarbeit mit den Werkstätten

des „Grünen Kreises“. Das Lamahaus,

auch bevor es so hieß, in der Kurve kurz

vor der Passhöhe am Wechsel war immer

schon von Weitem sichtbar. Jetzt bleibt

der Blick erst recht hängen. Leuchtend

grelle Farbgesichter, die noch in der Nacht

geheimnisvoll schimmern, verlocken zum

Hinsehen und Verweilen. Das bewohnbare

Bild „Waldheimat“, wie es auch heißt,

ist eigentlich ein Kurzzeittherapiehaus

geworden.

Die Silhouettengesellschaft

und ihr

Farbenglück

Seit bald 10 Jahren schafft der Maler

Helmut Kand in Zusammenarbeit mit

dem „Grünen Kreis“ auch Mobile und

Figuren aus Holz: Kleine, mittlere oder

auch überlebensgroße, silhouettenhafte

Flachskulpturen. Es sind bemalte Schwebebilder,

Vogelscheuchen, die er aber Ackerphilosophen

bezeichnet, Symbolidole und

charmante Totems.

Ihre Namen sind: Horoskoppuppen,

Porzelaneminenzen, Anonyme Liebeskäufer,

Linientreue Katzensprecher, Im Traum

den Bodenverlierer, Kondensstreifenkon-

trollore, Potentate, Figurationenbegehrer,

Gedankenmaler, Deponierebellen, Gloriolenhändler,

Appetitapostel, Wechselspieler,

Pseudokunstpäpste, Kopfunterengel,

Motorsägenmänner, Skurrile Hooligans,

Wolkengärtner, Stimulierte Illusionisten,

Exotische Verlocker, Haluzinationenverberger,

Dreivierteltaktwiener, Landregenleute,

Absturzabfederer, Erotische Duftberater,

Mentholidole, Ikarusflieger, Desertdompteure,

Silikonikonen, Torsenwächter, Allerfreieste

Traumerzähler, Labyrinthschaffner,

Kusshelfer, Jasager und Wettersouffleure.

Seite 37 20 JahreGrüner Kreis


Sport im

„Grünen Kreis

Ein Rückblick auf die letzten Jahre

zeigt die zunehmende Bedeutung des

Sports im „Grünen Kreis“. Neben den

allgemeinen Sportarten Fußball und

Laufen wurde das Angebot erweitert um

Trendsportarten wie Mountainbiking,

Beachvolleyball, Rafting, Indoorklettern

und Bergtouren – im Winter und auch

im Sommer.

Die aktive Freizeitgestaltung ist eine

der Säulen des Behandlungsmodells des

„Grünen Kreises“, wo PatientInnen verschiedene

Sportarten wieder intensiv und

abwechslungsreich erleben können. Ziel

ist es, ihnen ein aktives und lustvolles

Erleben des Sports zu ermöglichen und

Einzelne in ihren Bereichen zu fördern.

Sport als nüchterne Bedürfnisbefriedigung

wird hier nicht als Ersatz zum

Konsum gesehen, sondern kann durch

Teilnahme an öffentlichen Sportwettbewerben

zu einer positiven Identitätsfindung

in der Öffentlichkeit führen.

Als bestes Beispiel dazu dient die

jährliche Teilnahme an einem nationalen

bzw. internationalen Marathon, wo der

Kampf mit dem „inneren Schweinehund“

42 km hin und her tobt und als

Belohnung für den Sieg über sich selbst

der Applaus und die Anerkennung durch

das Publikum winken. Dass dadurch

auch der Selbstwert einen beachtlichen

Aufschwung erfährt, soll hier nicht ganz

unerwähnt bleiben.

Etwas anders sieht es in Teamsportarten

wie Fußball bzw. Volleyball aus. Hier

kommt zu den ohnehin schon erwähnten

Faktoren noch der Aspekt der Teamfähigkeit

und des Hintanstellens des Egos zum

Vorschein.

Rafting und Indoorklettern erfreuen

sich bei den PatientInnen ebenfalls

großer Beliebtheit. Dabei spielen die

Überwindung der Angst und die richtige

Selbsteinschätzung eine große Rolle.

Folgende Sportteams bestehen im

„Grünen Kreis“:

– Fußballteam: Trainingsumfang in der

Vorbereitung 2x pro Woche, während

der Meisterschaft 1x pro Woche.

Teilnahmen: Niederösterreichische

Hobbyligameisterschaft (Vizemeister

2001), 2003 bisher ungeschlagen auf

Meister-Kurs. Weiters nimmt die

Mannschaft an diversen Hallen- bzw.

Feldturnieren teil. Auch im Ausland

machte sie schon von sich reden, so

2002 beim „Fußball ohne Drogen“-

Cup in Venedig, wo sich das „Grüner

Kreis“ Team im Finale von der Mannschaft

des Gastgeberlandes geschlagen

geben musste.

– Volleyball: Hier gibt es vor allem eine

interne „Grüner Kreis“ Hofmeisterschaft,

die zwei Monate dauert.

Weiters nimmt die Mannschaft auch

alljährlich an der „Großen Raika Beach

Series“ teil, die vor zwei Jahren in

sensationeller Weise von zwei jugendlichen

Patienten aus dem Betreuungshaus

Frankenau gewonnen wurde. Seit

heuer wird auch in der Wintersaison

in der Halle trainiert.

– Laufteam: Das Training findet

ganzjährig statt. Die Anzahl der

Veranstaltungsteilnahmen bewegt

sich im Schnitt zwischen vier bis fünf

10 km-Läufen, ein bis zwei Bergläufen,

zwei Halbmarathons und ein bis zwei

Läufen über die volle Marathondistanz.

– Moutainbiketeam: Trainingsumfang

im Frühjahr, Sommer und Herbst 1x

bis 2x pro Woche. Teilnahmen an diversen

Rennen wie Wechselkaiser oder

„Bike the Buggles“ in Niederösterreich.

– Weitere sportliche Aktivitäten sind

Skitourengehen und Paddeln. Tanz,

Gymnastik, Fitness- und Krafttraining

stehen ebenso am Programm.

Text und Fotos: David Kersenbaum, Hausassistent

Treinthof, Mag. Christoph

Kainzmeier, Psychotherapeut Treinthof

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 38


Evaluation:

Mehr als eine lästige

Pflichtübung!

Ist, wie manche „PraktikerInnen“ behaupten,

Evaluation eine modische, lästige

und überflüssige Pflichtübung? Steht sie

vielleicht bei dem beabsichtigten, phantasievollen

Vorstoß ins Neuland, beim Verfolgen

neuer Ideen eher im Wege, als dass sie

förderlich und hilfreich wäre?

Eigentlich ist es das Normalste der Welt:

Wer einen Plan fasst und ihn durchführt,

der bewertet auch, welchen Erfolg er damit

hat, und versucht, aus den Erfahrungen zu

lernen.

Wird dieser Ansatz in systematischer,

datengestützter und nachvollziehbarer

Form überprüft, spricht man von Evaluation.

Unter diesem Gesichtspunkt ist

Evaluation eine methodisch kontrollierte,

verwertungs- und bewertungsorientierte

Form des Sammelns und Auswertens von

Informationen mit dem Ziel, verlässliches

Handlungswissen für die Praxis zu liefern.

Analyse: Um realistische Ziele formulieren zu können,

benötigt es Wissen über die Umstände, unter denen die

Ziele umgesetzt werden sollen.

Ziele setzen: Ziele anschaulich, präzise und klar zu

formulieren, ist wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen

Arbeit und Voraussetzung für Evaluation.

Plan: Dieser beschreibt die Strategie zur Zielerreichung

(z.B.: Konzepte, Strategien ...).

Handlung: Hier erfolgt die Umsetzung des Plans.

Evaluation: Überprüft, ob die Ziele erreicht wurden und

liefert Verbesserungsvorschläge zur Modifizierung der Ziele

bzw. zur Optimierung des Planens und Handelns.

Nutzenorientierte Evaluation liefert

verlässliche Informationen. Diese dienen

sowohl als Basis für grundlegende Lernprozesse

und darauf aufbauende, nachhaltige

Entscheidungen, als auch für die fundierte

Darstellung der eigenen Qualität nach

außen.

Ohne dass zumindest die Frage nach

möglicherweise notwendigen Innovationen

gestellt würde, wäre jede Evaluation

in der Tat überflüssig. Und umgekehrt:

Innovationen in Angriff zu nehmen, ohne

die Situation, in der gehandelt werden

soll, und ohne die Sachverhalte, auf die

Innovationen abzielen sollen, einschätzen

(beurteilen) zu können, würde mit großer

Wahrscheinlichkeit die Verschwendung

von Geld, Arbeitsaufwand und Ressourcen

bedeuten.

Diesen Gedanken folgend hat sich der

„Grüne Kreis2000 entschlossen, eine umfangreiche

Evaluation durchzuführen. Die

Evaluation wurde im Zeitraum von August

2000 bis Ende April 2003 geplant und

durchgeführt. Ziel der Studie war es, die

Leistungen des „Grünen Kreises“ systematisch

zu erfassen, Indikatoren zur Beurteilung

der Qualität aller Leistungsbereiche

darzustellen und die Qualität ausgewählter

Leistungsbereiche zu evaluieren. Verwendet

wurde ein partizipativer Ansatz, der

eine Veränderung in Richtung Optimierung

unterstützt und Schritte in Richtung

nachhaltiger Veränderung setzt. Unter

anderem setzten sich MitarbeiterInnen des

„Grünen Kreises“ in acht thematischen Arbeitsgruppen

ausführlich mit der Qualität

ihrer Arbeit auseinander. Dabei wurden

auch Probleme im Arbeitsablauf und in der

Zusammenarbeit zwischen verschiedenen

Berufsgruppen (Schnittstellen) reflektiert.

Allen Leistungsbereichen des „Grünen

Kreises“ wurden nach ihrer Erfassung Qualitätskriterien

zugeordnet. Anschließend

wurde beschlossen, die Leistungsbereiche

Vorbetreuung, Berufsorientierung und

Nachbetreuung zu evaluieren. Für diese

drei Leistungsbereiche wurden insgesamt

über 160 relevante Qualitätsindikatoren

ausgewählt und einem Soll-Ist-Vergleich

unterzogen. Dabei wurden insgesamt 524

Personen (Personen aus externen Einrichtungen,

KlientInnen und MitarbeiterInnen

des „Grünen Kreises“) befragt (Fragebogen,

Telefoninterviews). Mit durchschnittlich

63% Rücklauf konnte eine hohe Beteiligung

verzeichnet werden. Die vorliegenden

Ergebnisse bieten eine solide Datenbasis

für grundlegende Entscheidungen in

den evaluierten Leistungsbereichen (z.B.:

Veränderungen, um das Leistungsangebot

zu optimieren) und die Möglichkeit, die

Qualität der angebotenen Leistungen

nach außen fundiert darstellen zu können,

schafft gegenüber MitbewerberInnen einen

Wettbewerbsvorteil (z.B.: bei Finanzentscheidungen

von KostenträgerInnen).

Sich als drogentherapeutische Einrichtung

kritisch mit der eigenen Qualität

auseinander zu setzen ist noch nicht

selbstverständlich. Im Rahmen der Evaluation

hat sich der „Grüne Kreis“ offen der

Qualitätsdiskussion und der Beurteilung

durch MitarbeiterInnen, KlientInnen und

externen Einrichtungen gestellt und so

gezeigt, dass er auch auf dem Gebiet der

Qualitätsentwicklung und -sicherung in

Österreich eine Vorreiterrolle einnimmt.

Text, Foto und Grafik: Mag. Ludwig Grillich,

Geschäftsführer diepartner.at

Seite 39 20 JahreGrüner Kreis


An die Arbeit ...

Das vom AMS Niederösterreich geförderte Arbeitsprojekt im „Grünen Kreis

Seit dem Jahr 1986 werden sowohl

MitarbeiterInnen als sogenannte Schlüsselkräfte

wie auch PatientInnen, die das

18-monatige, stationäre Langzeittherapieprogramm

erfolgreich abgeschlossen

haben, in Form von vom AMS geförderten

Arbeitsplätzen auf Zeit unterstützt. Im

Laufe der Jahre haben viele PatientInnen

dieses TransitmitarbeiterInnenprogramm

der weiterführenden Therapie und gleichzeitigen

Beschäftigung zur Stabilisierung

der Persönlichkeit und Entwicklung

der Arbeitsmöglichkeiten in Anspruch

genommen. Die Leistungsfähigkeit der

PatientInnen in ihren Arbeitsbereichen

steht hier im Mittelpunkt, ihre materielle

wie auch soziale Selbstständigkeit sind

das Ziel. Die Anforderungen orientieren

sich an den Notwendigkeiten am freien

Arbeitsmarkt. Durch dieses Programm

konnte die Therapieerfolgsquote deutlich

gesteigert und die anschließende

Reintegration in den freien Arbeitsmarkt

entscheidend verbessert werden.

Im Rahmen dieses gemeinnützigen

Beschäftigungsprojektes findet auch die

von erfahrenen TrainerInnen geleitete

Berufsorientierungs- und -bewerbungsmaßnahme

„Neue Wege“ statt. Sie ist

einerseits für jene PatientInnen gedacht,

die kurz vor ihrem regulären Therapieabschluss

stehen und sich in weiterer Folge

nach außen orientieren möchten, und

andererseits für TransitmitarbeiterInnen,

welche nach Ablauf ihres geförderten

Arbeitsplatzes auf Zeit im geschützten

Rahmen des „Grünen Kreises“ wieder den

Sprung in den freien Arbeitsmarkt wagen

wollen.

Das Ziel dieser Berufsorientierungsgruppen

ist die therapiebegleitende

Beschäftigung mit dem Themenbereich

Beruf. Durch regelmäßige Seminartage

soll die Beschäftigung mit der eigenen

Schul- und Berufsgeschichte, mit beruflichen

Interessen, Stärken und Fähigkeiten,

aber auch mit Einschränkungen und

Behinderungen angeregt werden. Dabei

können die TeilnehmerInnen Klarheit

über ihre beruflichen Möglichkeiten

finden und diese durch gezieltes Training

umsetzen lernen. Durch die Erstellung

von professionellen Bewerbungsunterlagen,

Bewerbungstraining und die im

Praktikum stattfindende Überprüfung

ihrer Eignung werden sie auf die spätere

Jobsuche und Berufsrealität vorbereitet.

Zentrales Ziel ist deshalb die Hilfe zur

Selbsthilfe, die alle TeilnehmerInnen von

Anfang an zum aktiven, selbstständigen

und zielorientierten Arbeiten anhält.

Viele ehemalige Transitarbeitskräfte

finden so in ihrem gewünschten Arbeitsbereich

am freien Arbeitsmarkt eine Anstellung.

Andere TransitmitarbeiterInnen befinden

sich aufgrund ihrer Weiterentwicklung

und Berufsausbildung mittlerweile

in einem endgültigen, regulären Beschäftigungsverhältnis

im „Grünen Kreis“, wo sie

in verschiedensten Arbeitsbereichen tätig

sind. Einige von ihnen sind bereits mehr

als fünf Jahre im Verein beschäftigt, wie z.B.

der Fuhrparkleiter, LagerverwalterInnen,

SuchtberaterInnen, HausassistentInnen

und VorbetreuerInnen.

Die Zusammenarbeit zwischen dem

AMS Niederösterreich und dem „Grünen

Kreis“ konnte über die Jahre hinweg

sehr intensiviert werden, die regionale

Geschäftsstelle Neunkirchen betreut

den „Grünen Kreis“ exklusiv. Zusätzlich

zu den jeweils in einem Jahresvertrag

geregelten, geförderten Arbeitsplätzen auf

Zeit werden PatientInnen und ExpatientInnen

in Form von Umschulungen,

Lehrlingsausbildungen und spezifischen

FacharbeiterInnenausbildungen entsprechend

ihrer individuellen Interessen

(TischlerIn, SchlosserIn, ElektromonteurIn,

TierpflegerIn, MaurerIn, GärtnerIn,

KellnerIn, KöchIn etc.) unterstützt. Eine

enge Zusammenarbeit besteht auch mit

der Wiener Berufsbörse und dem Berufsförderungsinstitut,

die weitreichende

Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten

bzw. eine kompetente Arbeitsvermittlung

ermöglicht.

Erst eine gelungene Integration in den

Arbeitsmarkt vermag den Langzeiterfolg

der Therapie zu sichern, da ein drogenfreies

Leben ohne Ausbildung und geregelte

Arbeit zu keinem Erfolg führt.

NIEDERÖSTERREICH

Text: Dr. Brigitte Wimmer, Öffentlichkeitsarbeit

Fotos: Kurt Neuhold

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 40


service, art, event

– pool 7.at

Die „Grüner Kreis – Gemeinnützige

Aus- und FortbildungsgesmbH“ betreibt

seit dem Sommer 2003 am Rudolfsplatz 9

im 1. Wiener Bezirk das Verkaufsgeschäft

und Ausstellungslokal pool 7.at. Die

Geschäftsidee entwickelte sich aus dem

Bestreben, Wirtschaftsgüter, handwerkliche

Produkte und Kunstobjekte aus den

Werkstätten von Therapieeinrichtungen

auszustellen und zu vermarkten. Das

Projekt wird im Rahmen der vom Europäischen

Sozialfond (ESF), Bundesministerium

für Wirtschaft und Arbeit (BMWA)

und AMS finanzierten Equal-Initiative

als Beschäftigungsmodul realisiert. Es ist

Teil der drug-addicts@work-Partnerschaft,

in der die wichtigsten Einrichtungen der

Suchtkrankenhilfe in Wien, der FSW

(Fonds Soziales Wien) als inhaltlich koordinierender

Partner, waff, Wirtschaftskammer

und Arbeiterkammer kooperieren.

Als Beschäftigungsprojekt bietet

pool 7.at Menschen mit Suchterfahrungen

nach Abschluss stationärer oder teilstationärer

Langzeittherapien die Chance, sich

durch eine zeitlich begrenzte Anstellung

wieder für den ersten Arbeitsmarkt zu

qualifizieren. Die Zugangsmöglichkeiten

und die Betreuung der MitarbeiterInnen

erfolgen in einem Netzwerk von Schulungen,

Qualifizierungs- und Beratungsmaßnahmen,

die von den Partnermodulen von

drug-addicts@work angeboten werden.

pool 7.at ist gedacht als Schnittstelle

zwischen Öffentlichkeit, Arbeits- und Geschäftswelt

und den Produkten der drugaddicts@work-Partnereinrichtungen

und

von sozialökonomischen Betrieben. Durch

das Verkaufslokal soll der Stellenwert von

Arbeit und Beschäftigung aufgewertet und

die Arbeitsorganisation in den Werkstätten

verbessert werden. Der Verkauf soll die

Qualität der Produkte heben und sich

motivierend auf die Arbeitsbereitschaft in

den Betrieben auswirken. Das Interesse

an fachlicher Qualifikation wird gefördert,

dadurch steigen die Chancen für den Wiedereinstieg

in den Arbeitsmarkt. Den KundInnen

und potentiellen ArbeitgeberInnen

beweisen hochwertige, originelle Waren

wie kreativ und arbeitsfähig Menschen mit

Suchtproblemen sind, wenn man ihnen

die notwendigen Chancen dazu gibt.

Das Geschäft am Rudolfsplatz umfasst

drei Arbeitsbereiche auf zwei Etagen:

– Im Verkaufsbereich werden die

Erzeugnisse aus den diversen Werkstätten

präsentiert. Mit Referenzprodukten

und Informationsmaterialien

belegen die MitarbeiterInnen die

spartenspezifischen und technischen

Möglichkeiten der KooperationspartnerInnen.

Die Produktpalette reicht

von Therapiespielzeug, Tischlerobjekten

und Möbeln bis zu alten medizintechnischen

Geräten, die schon von

der Verarbeitung her „Kunstobjekte“

sind.

– Im Ausstellungsteil werden jene Bilder,

Skulpturen, Wandteppiche und

Kunstobjekte gezeigt, die im Rahmen

von Kunstaktionen in den verschiedenen

Betreuungseinrichtungen

entstanden sind.

– Im Büro wird intensiv am Aufbau

eines Informationsnetzwerkes

gearbeitet. Ziel ist ein Infopool, in

dem Aufträge auf Provisionsbasis an

geeignete Arbeitsprojekte in Therapieund

Sozialeinrichtungen vermittelt

werden. Das Angebotsspektrum reicht

vom Catering über die Vermittlung

von Spezialanfertigungen im Bereich

Tischlerei, Schlosserei, Druck bis zur

Beauftragung von Garten- und Grünraumbetreuungsarbeiten.

Um KundInnen und InteressentInnen

zu gewinnen, wird ein Veranstaltungsprogramm

organisiert. Außerdem versteht

sich pool 7.at als offenes Forum und

Plattform für Diskussionen im Bereich

Therapie, Arbeit, Kunst und Soziales. Das

Geschäft, die Produktpalette und das Diskussionsforum

werden im Internet unter

www.pool 7.at präsentiert.

Text und Fotos: Kurt Neuhold, Projektleiter

pool 7.at

pool 7 – EQUAL-Projekt der „Grüner

Kreis – Gemeinnützige Aus- und

FortbildungsgesmbH“ wird gefördert

durch:

A-1010 Wien, Rudolfsplatz 9

Tel.: (1) 523 86 54-0, (664) 384 02 83

Fax: (1) 523 86 54-30

office@pool 7.at, www.pool 7.at

Seite 41 20 JahreGrüner Kreis


Die internationalen

Kontakte des

Vereins „Grüner Kreis

Der „Grüne Kreis“, zur österreichweit

größten gemeinnützigen Organisation

auf dem Suchtsektor und zur vielfältigsten

Suchthilfeeinrichtung Österreichs gemessen

am Angebot seiner individuellen

Betreuungsmaßnahmen angewachsen,

sieht einen Schwerpunkt seiner Arbeit

auch in der Vernetzung und Öffnung, im

Austausch, in der Forschung und Förderung

der abstinenzorientierten Suchthilfe

im Rahmen seiner internationalen

Zusammenarbeit. Weltoffenheit, wenn

es um den Menschen geht, d.h. nicht

nur national, sondern auch international

zu den Themen der Suchtproblematik

Stellung zu nehmen, ist sein Anliegen.

Sich international zu vernetzen,

bedeutet nicht nur einen Erfahrungsaustausch

über das oft unterschiedliche

Verständnis von Suchthilfe, sondern

ebenso die Auseinandersetzung mit den

kulturellen, gesellschaftlichen und ökonomischen

Gegebenheiten der einzelnen

Länder, so auch mit der Bedeutung von

sozialem Gleichgewicht. Diese Erkenntnisse

fließen immer wieder in die tägliche

Arbeit mit ein, bereichern sie, wie sie

auch die Werte und das Handeln beeinflussen.

Die Mitgliedschaft des „Grünen

Kreises“ in internationalen Organisationen

sowie die Teilnahme der MitarbeiterInnen

an internationalen Kongressen

sind wichtige Erfahrungen, die nicht

nur neue Perspektiven in der Suchtarbeit

öffnen, sondern auch das Verständnis für

das Andere wecken.

Einige Aktivitäten sollen hier u.a.

besonders betont werden:

Der „Grüne Kreis“ ist Mitglied des

ICAA, des International Council on

Alcohol and Addictions. Dabei handelt

es sich um eine Non-Governmental Organisation

in einem Beratungsstatus mit

der Wirtschafts- und Sozialabteilung der

UN, der United Nations, und in engem

Kontakt mit der WHO, der Weltgesundheitsorganisation.

Viele namhafte

karitative Einrichtungen sind Mitglieder

dieser Organisation zur Prophylaxe und

Bekämpfung von Suchtkrankheit, die

1907 in Lausanne in der Schweiz gegründet

wurde. Die Teilnahme am ICAA,

der in Kontakt mit den für Suchtfragen

zuständigen offiziellen Regierungsstellen

der einzelnen Länder steht, ermöglicht

einen Erfahrungsaustausch auf internationaler

Ebene und somit eine Vernetzung

von Fachleuten aus der ganzen Welt.

Weitere Infos: www.icaa.de

Als Mitglied des EURO-TC, der

European Treatment Centers for Drug

Addiction, eines Zusammenschlusses

von therapeutischen Gemeinschaften in

ganz Europa, verfolgt der „Grüne Kreis

auch dessen Ziele, die der Reduktion der

Drogennachfrage oder der Förderung

und Verbesserung von Präventions- und

Behandlungsangeboten dienen. Beratung

und Unterstützung der Arbeit

in ambulanten, teilstationären und

stationären Einrichtungen, Förderung

der Aus- und Fortbildung von pädagogischen

und therapeutischen Fachkräften

und Öffentlichkeitsarbeit im Sinne

der Durchführung wissenschaftlicher

Symposien, der Publikation von Fachinformationen

und der Kooperation mit

Fachkreisen sind weitere Zwecke des

EURO-TC, der 1982 gegründet wurde.

Die regelmäßig veranstalteten Tagungen

und Kongresse ermöglichen den

Erfahrungsaustausch und die Diskussion

verschiedener Arbeitsansätze, was der

Reflexion der eigenen Arbeitssituation

dient.

Weitere Infos: www.euro-tc.org

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 42


Vertreten im Vorstand des Vereins

IREFREA Austria – Institut und

Europäisches Netz für die Erforschung

der Risikofaktoren in Kindheit und

Adoleszenz – engagiert sich der „Grüne

Kreis“ auch für Zweck und Ziel dieses

Vereins, nämlich für die Erforschung

und Verbesserung der Lebenssituation

von Kindern und Jugendlichen mit

besonderem Interesse auf Entwicklungsstörungen,

Suchtmittelgefährdung und

Sucht, soziale Abweichung, Marginalisierung

und Kriminalisierung von jungen

Menschen. IREFREA Austria arbeitet

eng mit anderen europäischen IRE-

FREA-Gruppen zusammen. IREFREA

wurde als Forschungsinstitut 1988 in

Lyon, Frankreich, gegründet und hat

sich zu einem internationalen Netzwerk

mit PartnerInnen in 15 europäischen

Ländern entwickelt.

Weitere Infos: www.irefrea.org/austria

Der „Grüne Kreis“ ist Mitbegründer

des internationalen „Fußball ohne

Drogen-Cup“ („Soccer without Drugs-

Cup“), eine Suchtpräventionsaktion

für junge Menschen, die unter der

Schirmherrschaft von EURO-TC und

in Zusammenarbeit mit ICAA erstmals

1998 in Berlin stattfand. Sie dient nicht

nur als Modell zum Erfahrungsaustausch

unter den TeilnehmerInnen, sondern

auch zum Transport gesundheitsbezogener

Botschaften. Junge Menschen, die

bereits ein Suchtproblem überwunden

haben, treffen mit diesbezüglich nicht

Vorbelasteten zum aktiven Austausch zusammen.

Fußball hat für viele Menschen

einen hohen emotionalen Stellenwert

und hilft so, selbstschädigendes Verhalten

wie Sucht zu verhindern oder aus

diesem auszusteigen. Die Begegnungen

am Fußballfeld werden ergänzt durch

Veranstaltungen zur Suchtprävention in

Gestalt des „Jugendforums“.

Weitere Infos:

www.tannenhof.de/fussball

Über ÖBIG Austria (Österreichisches

Bundesinstitut für Gesundheitswesen)

steht der „Grüne Kreis“ in direktem

Kontakt mit der EBB (Europäische Beobachtungsstelle

für Drogen und Drogensucht).

Diese befindet sich in Lissabon,

wo alle in Europa erhobenen Daten die

Suchtthematik betreffend analysiert und

verwaltet werden.

Weitere Infos: www.oebig.at

So nimmt auch der „Grüne Kreis

seine Verantwortung und Verpflichtung

gegenüber PatientInnen, MitarbeiterInnen,

der Umwelt und der Gesellschaft

wahr und trägt mit seiner internationalen

Einstellung und Tätigkeit zu einer

kontinuierlichen Weiterentwicklung

einer professionellen Suchthilfe mit

hohem Qualitätsanspruch bei.

Text: Dr. Brigitte Wimmer, Öffentlichkeitsarbeit

Fotos: Archiv „Grüner Kreis, Dr. Brigitte

Wimmer

Seite 43 20 JahreGrüner Kreis


Mein

Leben

danach

Hier sitze ich jetzt vor meinem

Computer und schreibe auf die Bitte

eines Freundes und Weggefährten über

mein Leben danach – mein Leben nach

der Sucht. Und dass das alles überhaupt

möglich ist, verdanke ich mehreren Faktoren:

Zu allererst meinem unbedingten

Willen, nicht vorzeitig abzutreten, zum

anderen der Hilfe meiner Familie und

dem „Grünen Kreis“. Einfach war’s nicht

und es waren schon gar keine idyllischen

Ferien auf dem Bauernhof, wie

ich anfangs dachte. Es kam ganz anders

und dennoch bin ich jetzt da, wo ich vor

mehr als sieben Jahren träumte zu sein.

Eineinhalb Jahre Therapie – ich hatte

keine Ahnung, worauf ich mich da

einließ. Und das war gut so. Ein guter

Teil dessen, was ich fünfzehn Jahre lang

mit allerlei Drogen versucht hatte zu

unterdrücken und irgendwie zu umschiffen,

traf mich jetzt nach und nach.

Ich erlebte mich als eine Zwiebel, deren

Schalen klein und schichtweise entfernt

wurden. Der Unterschied war aber, dass

nicht nur Schmerz, Tränen und Wut zum

Vorschein kamen, sondern auch sehr viel

Lachen und Freude am Leben. Etwas, das

ich schon sehr lange vermisst hatte. Ich

verbinde somit mit dem „Grünen Kreis

eine Menge schöner, aber auch weniger

schöner Erlebnisse und Emotionen.

Schlussendlich bin ich jetzt clean und

das zählt.

Aber nun genug von der Vergangenheit.

Ich will Ihnen ja etwas über meine

Zeit danach berichten. Ich nahm den

Weg des sozusagen langsamen Hinüberfließens

in die schöne neue Welt. Hinaus

in das richtige Leben, aber bitte nicht

zu schnell! Nach eineinhalb Jahren in

der geschützten und abgeschirmten

Umgebung des Marienhofs ist selbst ein

Besuch in einem Supermarkt ein kleines

Abenteuer. So suchte ich mir in der

Endphase der Therapie Arbeit in einer

Gärtnerei in Wr. Neustadt, was nicht

ganz so schwer war, wie ich dachte, und

fragte gleichzeitig am Marienhof um eine

Wohnmöglichkeit an. So wohnte ich

ein weiteres halbes Jahr in meinem alten

Zimmer, ging aber gleichzeitig außerhalb

arbeiten. Es erwies sich als eine gute

Mischung. Ich konnte mich auf diesem

Weg langsam von der alten Welt und

ihren Gewohnheiten verabschieden und

in die Neue hineinwachsen. Außerdem

hatte das den Vorteil, auf eigenen Füßen

zu stehen und ein wenig Geld zu sparen,

das ich nach sechs Monaten in eine

Wohnung investieren konnte. Ich tat

dies gemeinsam mit einem Freund, mit

dem ich am Hof Therapie machte und

der schon vor mir im Verein zu arbeiten

begonnen hatte. Es lief alles bestens, bis

ich nach nicht allzu langer Zeit seine

Rückfälligkeit entdeckte. Ich könnte

darüber viel erzählen, aber, um es kurz

zu machen, er starb bald darauf. Ich war

in dieser Zeit nicht so gut drauf, hatte

mit mir und ihm viel zu kämpfen. Ich

be- und überstand diese harte Prüfung

mit einer gehörigen Portion Wut auf

ihn. Aber es war nicht die erste und auch

nicht die letzte Prüfung, die mir auf dem

Weg ins Leben ins Haus stand. Was einen

nicht umbringt, macht einen nur härter

– da ist etwas Wahres dran.

Ich war jetzt soweit, mir einen neuen

Job zu suchen, auch wegen Unstimmigkeiten

in der alten Firma. Außerdem

war es Winter und da wird nun einmal

nicht gepflanzt, weil ... nun wir wissen

ja warum. Eines meiner Hobbys waren

immer schon Mineralien und so suchte

und fand ich eine Stelle in einem Mineraliengroßhandel.

Alles, was ich noch dafür

zu machen hatte, war der LKW-Führerschein.

Das tat ich und begann. Der

Job war gut, der Chef nicht einfach und

das Geld das erste Jahr nicht übermäßig,

aber ausreichend, um gut zu leben. Auch

nahm ich jetzt, wenn nur zaghaft, ein

wenig Unterstützung von meiner Mutter

in Form eines zinsenlosen Kredites an,

um mir mein erstes funkelnagelneues

Auto zu kaufen. Im zweiten Jahr konnte

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 44


ich trotz einiger nicht gehaltener Versprechen

von Seiten meines Chefs mehr

Gehalt herausschlagen. Es ging voran,

sozusagen. Meine alte Vergangenheit

trat immer mehr in den Hintergrund

und, obwohl es immer wieder Phasen der

kurzzeitigen Versuchung gab, verlies ich

meinen eingeschlagenen Weg nicht.

Das zweite Jahr neigte sich dem Ende

zu und ich erinnerte mich an einen

Traum, den ich viele Jahre zuvor träumte:

Im Ausland etwas Sinnvolles zu arbeiten,

Hilfe zu leisten. Früher entsprang

dieser Wunsch sicher auch der Idee zu

fliehen, vor mir und den Drogen. Jetzt

war das aber anders. So bewarb ich mich

bei „Ärzte ohne Grenzen“ und wurde

nach jeder Menge Papierkram und vielen

Befragungen, bei denen ich auch über

meine Vergangenheit berichtete – was

ich übrigens bei jedem vorangegangenen

Vorstellungsgespräch tat –, in den

sogenannten Pool aufgenommen. Vorher

hatte ich noch nach einigen weiteren

Vorfällen in der alten Firma gekündigt

und kurz danach einen mehr oder weniger

schweren Kletterunfall, der meinen

ersten Einsatz bei „Ärzte ohne Grenzen“

um ein paar Monate verschob.

meines letzten Einsatzes fast ein. Ich war

aber schneller.

Und jetzt sitze ich, wie anfangs

erwähnt, vor meinem Computer, wohne

in Fischamend und arbeite nach harten

Verhandlungen wieder in meinem alten

Bergwerk (Mineraliengroßhandel). Es

scheint, dass sich nichts geändert hat.

Aber das ist so nicht richtig. Ich habe

mich verändert und habe viel erfahren

über mich und meine Umwelt, seit

meinem ersten Tag am Marienhof und

noch mehr in den Jahren danach. Ich bin

dankbar dafür, dass ich viele Menschen

getroffen habe, die mir ohne Vorurteile

begegnet sind, mir geholfen haben und

denen ich helfen durfte. So wird es auch

in Zukunft sein. Egal, welche Erfahrungen

ich auch machen werde.

Text: Roman Stein

Fotos: Roman Stein, Berith Schistek

Aber dann ging es los. Mit vollen Hosen

hatte ich ein völlig neues und auch

scheinbar unsicheres Leben begonnen.

Es folgten drei Einsätze innerhalb von

drei Jahren. Zweimal Afrika und einmal

Ost Timor. Dazwischen Griechenland

(das war allerdings privater Natur). Auch

über diese Zeit könnte ich Romane

schreiben. Und kaum zu glauben, aber

wahr – selbst nach so langer Zeit holte

mich der kleine Suchtteufel während

Seite 45 20 JahreGrüner Kreis


In einer Zeitmaschin´...

(dem Geier die Vision erschien)

Man fliege jetzt gedankenschnell

(mit möglichst wenig Dezibel).

Entfernt? So 20 Lichtjahre astral.

Zu sehen dann: Das Gestern aus dem All.

Text: Der Geier

(alias Oliver Pernhaupt)

Den Blick auf den Verein gerichtet

und fluchs – die Pioniere schon gesichtet:

So aufgeregt, so abenteuerlustig.

(Die Stimmung noch so richtig knusprig!)

Fast alles, was es heute gibt,

(Komfort z.B., sehr beliebt)

war kaum schon materialisiert,

nicht´ mal im Kopf noch kultiviert.

Es fehlte oft an allen Enden,

nur nicht an Hürden, den horrenden.

Das Morgen war ein Schwarzes Loch.

(Wir hatten nicht ´mal einen Koch.)

Der alte Pernhaupt zog den Karren,

wollt´ nicht um eine Burg verharren.

So mancher Schritt war radikal

(plus rein formal auch illegal).

Das Ziel war immer der Patient

(die Heilung, also abstinent).

Der Pseudolösung galt der Kampf

und das mit jeder Menge Dampf.

Die Qualität anscheinend wuchs bis heute

(da grübeln aber manche Leute).

Der Aufbruch ist ja fast vorbei

und Fortschritt killt so allerlei.

Was wird die Zukunft bringen?

(Wird uns Erfolg noch weiterhin bespringen?)

Kommt wohl auf nächsten Spirit an.

Da hat ganz sicher einer einen Plan.

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 46


Seite 47 20 JahreGrüner Kreis


Herzlichen Dank an alle

MitarbeiterInnen des

„Grünen Kreises“, die diese

Festbroschüre durch ihre

Beiträge mitgestalteten und ihre

Ideen und Überzeugung zum

Ausdruck brachten.

Kontakt

Zentralbüro

A-2872 Mönichkirchen 25

Tel.: (2649) 83 06 · Fax: (2649) 83 07

eMail: office@gruenerkreis.at

Web: www.gruenerkreis.at

Ambulantes Betreuungszentrum

A-1070 Wien,

Hermanngasse 12

Tel.: (1) 526 94 89 oder (1) 522 15 10

Fax: (1) 526 94 89-4

eMail: ambulanz.wien@gruenerkreis.at

Ambulantes Betreuungszentrum

A-8020 Graz,

Hans-Resel-Gasse 18

Tel., Fax: (316) 76 01 96

eMail: ambulanz.graz@gruenerkreis.at

Ambulantes Betreuungszentrum

A-9020 Klagenfurt,

Feldmarschall Konrad-Platz 3

Tel.: (463) 59 01 26 · Fax: (463) 59 01 27

eMail: ambulanz.klagenfurt@gruenerkreis.at

Vorbetreuung durch Walter Clementi

Wien, NÖ und Burgenland

AKH Drogenambulanz:

Mo., Mi.12.00—14.00 Uhr

Tel.: (1) 40 400-34 98

Psych.KH Baumgartner Höhe:

Di., Do. 9.00—13.00 Uhr (Steinhof)

Tel.: (1) 910 60-213 41

Mobiltel.: (664) 384 08 27

eMail: walter.clementi@gruenerkreis.at

Vorbetreuung durch Werner Braun

Wien, NÖ, OÖ, Salzburg, Tirol und Vorarlberg

Mobiltel.: (664) 230 53 12

eMail: werner.braun@gruenerkreis.at

Vorbetreuung durch Emmelite Braun-Dallio

Wien und NÖ, Justizanstalten Wien und NÖ

Mobiltel.: (664) 384 08 25

eMail: emmelite.braun-dallio@gruenerkreis.at

Vorbetreuung durch Johannes Breitegger

Steiermark

Mobiltel.: (664) 524 79 91

eMail: ambulanz.graz@gruenerkreis.at

Vorbetreuung durch Ute Ira Sattmann

Steiermark

Mobiltel.: (664) 173 02 65

eMail: ambulanz.graz@gruenerkreis.at

Vorbetreuung durch

MMag a . Magdalena Zuber

Kärnten

Mobiltel.: (664) 384 02 80

eMail: ambulanz.klagenfurt@gruenerkreis.at

Vorbetreuung durch Christian Rath

Vorarlberg und Tirol

Mobiltel.: (664) 310 94 37

eMail: christian.rath@gruenerkreis.at

Öffentlichkeitsarbeit durch

Dr. Brigitte Wimmer

Mobiltel.: (664) 210 33 69

eMail: brigitte.wimmer@gruenerkreis.at

20 JahreGrüner Kreis“ Seite 48


Verein zur Rehabilitation und Integration suchtkranker Personen

Vereinsvorstand: Brigitte Podsedensek, Dr. Erhard Doczekal, Dir. Alfred Rohrhofer, Ernst Steurer

Vereinssitz: A-1070 Wien, Hermanngasse 12, Tel.: (1) 526 94 89, Fax: (1) 526 94 89-4, ambulanz.wien@gruenerkreis.at

Zentralbüro (Zustelladresse): A-2872 Mönichkirchen 25, Tel.: (2649) 83 06, Fax: (2649) 83 07, office@gruenerkreis.at

Bankverb.: Raiffeisenbank Aspang-Krumbach, KtoNr.: 27-078, BLZ 32195, Bank Austria, KtoNr.: 697.363.505, BLZ 12000

www.gruenerkreis.at

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