Booklet - Gutundgruen.de

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Eine

westfälische

Königin

Stephan Lutermann

an der

Klausing-Orgel (1713)

der Kirche

St. Matthäus Melle


Die Klausing-Orgel von St. Matthäus

stilgerecht einzuordnen ist kein leichtes

Unterfangen. Sie gilt zwar als westfälischer

Orgeltypus, lässt sich jedoch

nicht unbedingt auf nur eine Stilrichtung

festlegen. Ursprünglich als Orgel

mit nur angehängtem Pedal gebaut,

entspricht sie zunächst nicht dem

gängigen norddeutschen Orgeltypus

mit mächtigem, eigenständigem Pedal.

Eher kammermusikalisch ausgerichtet

– wenn man dies von einer Orgel sagen

darf – besticht die Klausing-Orgel mit

fein intonierten Einzelregistern. Lyrische

Stimmen gepaart mit kernigen Zungen

und der fein schnarrenden Vox humana

bieten immer neue Klangkombinationen

an. Diese erste Einspielung an der von der

Firma Ahrend restaurierten Orgel möchte

zum Entdecken dieser Klänge einladen.

Das Programm, welches mit den Werken

Buxtehudes von norddeutsch barocker

Pracht gerahmt ist, gibt der Klangvielfalt

der historischen Orgel in den Variationen,

Choralvorspielen und Concerti Raum.


Inhalt

Dietrich Buxtehude (1637 – 1707)

1 Toccata F-Dur BuxWV 157 5:16

Heinrich Scheidemann (1596 – 1663)

2 „Lobet den Herren, denn er ist sehr freundlich“ 4:17

ad duplex manuale

Jan Pieterszoon Sweelinck (1562 – 1621)

Ballo del Granduca

3 1e Variante 1:09

4 2e Variante 1:06

5 3e Variante 0:58

6 4e Variante 1:07

7 5e Variante 1:26

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)

Triosonate C-Dur BWV 529

8 Allegro 5:51

9 Largo 6:17

10 Allegro 4:19


Johann Pachelbel (1653 – 1706)

„Was Gott tut, das ist wohlgetan“

Choral mit 9 Partiten

11 Choral 1:01

12 Partita 1 0:55

13 Partita 2 0:55

14 Partita 3 0:50

15 Partita 4 1:34

16 Partita 5 0:58

17 Partita 6 1:02

18 Partita 7 1:01

19 Partita 8 0:42

20 Partita 9 0:55

Johann Sebastian Bach

Concerto d-Moll BWV 596

nach dem Concerto d-Moll op. 3 Nr. 11 (RV 565) für zwei

Violinen, Violoncello, Streicher und B.c. von Antonio Vivaldi

21 ohne Bezeichnung 1:08

22 Grave (Pleno) 0:33

23 Fuga 3:38

24 Largo e spiccato 3:13

25 ohne Bezeichnung 3:19


Bernardo Pasquini (1637 – 1710)

Variazioni per il Paggio tedesco

26 Thema 0:47

27 Variatione 1ª 0:49

28 Variatione 2ª 0:54

29 Variatione 3ª 0:42

30 Variatione 4ª 0:53

31 Variatione 5ª 0:51

Johann Gottfried Walther (1684 – 1748)

“Herr Gott, nun schleuß den Himmel auf“ LV 24

32 Vers 1 2:42

33 Vers 2 3:00

Dietrich Buxtehude

34 Praeludium F-Dur BuxWV 137 5:47


Die Werke

Dietrich Buxtehude

(1637 – 1707)

Toccata F-Dur

BuxWV 157

Heinrich Scheidemann

(1596 – 1663)

„Lobet den Herren,

denn er ist

sehr freundlich“

ad duplex manuale

Die Toccata F-Dur des norddeutschen Meisters steht ganz im Zeichen

des „Stylus Phantasticus“. Der Anfangsteil der dreiteiligen Toccata in F

wechselt zunächst zwischen Läufen im Manual oder Pedal und wuchtigen

akkordischen Repetitionen. Nach einem zwölftaktigen Zwischenteil

setzt der zweite Teil mit einer Fuge ein, deren Thema prägnant mit einer

dreimaligen Tonrepetition beginnt. Diese Repetitionen werden auch im

Schlussteil wieder aufgegriffen, in dem der Komponist die musikalischen

Elemente der beiden ersten Teile zusammenfügt und zu einem festlichen

Schluss bündelt.

Scheidemann, der von 1611-1614 bei Sweelinck in Amsterdam studierte,

prägte in seinen Choralbearbeitungen einen neuen Stil, welcher als

Choralfantasie die nächsten Jahrzehnte den norddeutschen Raum prägen

sollte. Scheidemann ist somit die Brücke zwischen seinesm Lehrer und

Buxtehude geworden. Ein typisches Beispiel dafür ist die vorliegende

Bearbeitung. Eine verzierte Oberstimme bewegt sich in zwei Versen über

einem, nur in der Einleitung imitatorisch gearbeiteten, dreistimmigen

Begleitsatz. Der fließende Übergang in den zweiten Vers ist kaum merklich.

Spielerisch aufgelockert von einem Abschnitt mit Echowirkungen endet der

zweite Vers wie zu Beginn wieder von der bewegten Solostimme geführt.


Jan Pieterszoon

Sweelinck

(1562 – 1621)

Ballo del Granduca

Johann Sebastian Bach

(1685 – 1750)

Triosonate C-Dur

BWV 529

Johann Pachelbel

(1653 – 1706)

„Was Gott tut,

das ist wohlgetan“

Choral mit 9 Partiten

Ob Sweelinck der Komponist dieser Variationsreihe ist oder doch sein

Schüler Samuel Scheidt, kann bis heute nicht mit Bestimmtheit gesagt

werden. Nichtsdestotrotz ist dies ein viel gespieltes Stück, das hier

Gelegenheit bietet, die Zungenstimmen der beiden Manuale vorzustellen.

Bach schrieb seine sechs Triosonaten dem Bachbiografen Johann Nikolaus

Forkel zufolge als Übungsstücke für seinen Sohn Wilhelm Friedemann

Bach. Alle sechs Sonaten folgen dabei dem gleichen dreiteiligen Aufbau.

Zwei schnellere Sätze umrahmen einen langsamen Satz. Drei eigenständig

geführte Stimmen sind hier mit großer Meisterschaft und Virtuosität eng

miteinander verflochten.

Aus der Sammlung „Musicalische SterbensGedancken“ stammt die

Variationsreihe über den Choral „Was Gott tut das ist wohlgetan“. Zunächst

als schlichter vierstimmiger Kantionalsatz vorgestellt, wird die Choralmeldie

in den folgenden Variationen mit immer kleiner werdenden Notenwerten

umspielt und verziert.


Johann Sebastian Bach

Concerto d-Moll

BWV 596

nach dem

Concerto d-Moll op. 3

Nr. 11 (RV 565)

für zwei Violinen,

Violoncello, Streicher und

B.c. von Antonio Vivaldi

Bernardo Pasquini

(1637 – 1710)

Variazioni per il

Paggio tedesco

Die vorliegende Bearbeitung des Concertos op. 3, Nr. 11 nach Vivaldi ist

im Original für zwei Violinen, Violoncello und Streichorchester gesetzt.

Die Einleitung mit den Echowirkungen in den beiden Oberstimmen

wirkt luftig und tänzerisch. Nach einer nur dreitaktigen Überleitung

beginnt eine beschwingte Fuge von italienischer Leichtigkeit. Das

kantable Largo e spiccato ist ein schlichter, aber klangschöner Satz,

den Bach auch als Adagio für seine C-Dur-Toccata verwendet hat. Der

feurige Schlusssatz des Concertos setzt mit seinen jagenden Einsätzen

und rasenden Läufen einen hochvirtuosen Schlusspunkt.

Das reizende Thema der Variationsreihe erklingt zunächst mit dem

leisesten Register der Orgel, dem Gedackt 8‘ des Unterwerks.

In den folgenden Variationen wird die Musik zunehmend bewegter.

Lediglich die 4. Variation bietet mit der Flaute duse 4‘ eine klangliche

Verschnaufpause im steten Klangaufbau der Variationen.


Johann Gottfried

Walther

(1684 – 1748)

“Herr Gott, nun schleuß

den Himmel auf“

LV 24

Dietrich Buxtehude

Praeludium F-Dur

BuxWV 137

Das Choralvorspiel ist in zwei Sätze gegliedert. Der erste Satz, in einer

Plenum-Registrierung gespielt, stellt den cantus firmus im Pedal (Bass) mit

der Trompete 8‘ vor. Ein fast unmerklicher Taktwechsel von einem geraden

4er-Takt zu einem ungeraden 3er-Takt unterteilt den ersten Satz in zwei

Hälften. Im zweiten Satz erklingt die Choralmelodie, gerahmt von drei

Begleitstimmen, leicht verziert im Tenor.

Deutlich in drei große Teile gegliedert, blühen alle drei Teile voller

Spielfreude und Abwechslungsreichtum. Mit einem Pedalsolo beginnend

ist der erste Teil von schnellen Läufen und schweren Akkorden bestimmt.

Als Gegensatz zu diesem freieren Teil entspinnt sich im folgenden Teil eine

strenge Fuge, die aber durch ihr verspieltes Thema wenig schulmeisterlich

anmutet. Nach einer kurzen Überleitung von Läufen in den Händen führt

dieser Plenum-Abschnitt in eine kurze Ciaconna über, deren Basso ostinato

dem Fugenthema entnommen wurde. Im glänzenden Tutti der Orgel

mit allen Trompeten und Posaunen schließt das Werk mit einem letzten

virtuosen Aufflackern.


1713 erbaut als

Lettnerorgel für das

Dominikanerkloster

„Zum hl. Kreuz“

in Osnabrück

von Johann Berenhard

Klausing aus Herford.

1819 transloziert nach

Melle, St. Matthäus,

1861 erweitert durch

Melchior Kersting

aus Münster.

2008/09 restauriert durch

Hendrik Ahrend aus Leer.


Die Orgel

Hauptwerk

C – c‘‘‘ (Springlade)

Praestant 8‘

Bordun 16‘

Gedackt 8‘

Octav 4‘

Rohrflaute 4‘

Quint 3‘

Waldflaute 2‘

Sesquialt III

Mixtur V

Quint 1 1/3‘

Posaun B 16‘

Posaun D 16‘

Trompett 8‘

Unterwerk

C – c‘‘‘ (Springlade)

Gedackt 8‘

Praestant 4‘

Flaute duse 4‘

Oktav 2‘

Mixtur III

Vox humana 8‘

Pedal

C – d‘ (Schleiflade)

Subbas 16‘

Octav 8‘

Octav 4‘

Posaun 16‘

Trompett 8‘

Tremulant

Ventil Pedal

Koppel I/II

Koppel II/P

Norden-Stimmung

(1/5 Pythag. Komma)

a= 465 Hz bei 18°

68 mm WS


Der Organist

Stephan Lutermann wurde in Osnabrück

geboren und erhielt seine musikalische

Ausbildung in Salzburg und Köln, wo

er Kirchenmusik und Konzertfach Orgel

studierte. Zu seinen Lehrern im Fach

Orgel zählten Prof. Daniel Chorzempa

(Salzburg), Prof. Winfried Bönig (Köln) und

Nicolas Kynaston (London).

Konzerte als Organist oder Pianist haben

Lutermann bereits in viele Länder

geführt. Als Kammermusikpartner (u. a.

für Kammersängerin Prof. Edda Moser

und Vladimir Tsypin vom New York

Philharmonic Orchestra) ergänzte er sein

Repertoire und Tätigkeitsfeld. Zusätzliche

Kenntnisse konnte er bei Meisterkursen

mit Michael Radulescu, Ludger Lohmann

sowie Ewald Kooiman erwerben.

Stephan Lutermann war Finalist beim

1. internationalen Orgelwettbewerb von

Korschenbroich.

Verschiedene CD-Einspielungen sowie

Rundfunk- und Fernsehaufnahmen spiegeln

sein breitgefächertes Repertoire

und die intensive Auseinandersetzung

mit Fragen der historischen Aufführungspraxis

wider.

Seit September 2009 ist Stephan

Lutermann Kirchenmusiker an der

St. Matthäus-Kirche in Melle, mit der von

der Firma Ahrend frisch restaurierten

Klausing-Orgel von 1713.

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