Wie verfasse ich eine schriftliche Matura-Arbeit?

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Wie verfasse ich eine schriftliche Matura-Arbeit?

Wie verfasse ich eine

schriftliche Matura-Arbeit?

Ein Leitfaden

1. Um was geht es?

Die Matura-Arbeit im Fach Geographie verfolgt zwei Ziele:

1. Sie setzen sich mit einem individuell gewählten Themenbereich der Geographie kritisch auseinander.

2. Sie verfassen eine schriftliche Arbeit und beachten dabei die Regeln des wissenschaftspropädeutischen

Arbeitens.

Die Realisierung der Matura-Arbeit von der Idee bis zur Schlussfassung erstreckt sich über eine längere

Zeitdauer. Die Arbeit muss zudem inhaltlich und formal wissenschaftlichen Kriterien genügen. Sie ist umfangreicher

und anspruchsvoller als Ihre bisherigen schriftlichen Arbeiten (z.B. Praktikums- oder Exkursionsberichte).

Es ist daher notwendig, dass Sie den Ablauf Ihrer Arbeit strukturieren und zeitlich planen.

2. In welchen Phasen verläuft die Arbeit?

Der idealtypische Ablauf beim Verfassen einer grösseren schriftlichen Arbeit lässt sich in drei Arbeitsphasen

mit entsprechenden Teilarbeiten unterteilen:

Phase I:

Vorbereitungs-, Orientierungs-

und Sammelphase

Phase II:

Erarbeitungs- und Strukturierungsphase

Phase III:

Schreib-, Redaktions- und

Gestaltungsphase

♦ Thema bestimmen, einordnen

und eingrenzen

♦ Informationsquellen suchen

Arbeitsbibliographie erstellen

♦ Forschungsfrage(n) formulieren

♦ vorbereitendes Lesen

♦ Grobdisposition entwerfen

♦ Informationsquellen gründlich

auswerten

♦ Hauptaspekte bestimmen

♦ Unterlagen ordnen

♦ Feindisposition entwerfen

♦ Teilaspekte bestimmen

und Einzelheiten differenzieren

♦ fehlende Informationen

beschaffen

♦ Entwurf einzelner Kapitel

schreiben

♦ Fremde Informationen angemessen

deklarieren

♦ Titel und Zwischentitel setzen

♦ Entwurf redigieren

♦ Illustrationen auswählen

♦ Reinfassung produzieren

und durchsehen

Erstellen Sie einen Zeitplan (evtl. müssen Sie ihn nach einer ersten Lesephase überarbeiten), indem Sie

die zu erledigenden Arbeitsschritte wochenweise festlegen. Berücksichtigen Sie dabei auch Belastungen

durch andere Arbeiten, Ausfälle, Warten auf Materialien und Ruhephasen (um Distanz zur eigenen Arbeit

zu gewinnen).

Der Zeitbedarf für die dritte Phase wird häufig unterschätzt, was erfahrungsgemäss zu einer sehr hohen

Arbeitsbelastung vor dem Abgabetermin führt. Eine Faustregel besagt, dass Sie für die Phasen I und II

höchstens die Hälfte der zur Verfügung stehenden Zeit aufwenden sollten.

Die Realisierung der Arbeitsphasen erfolgt in der Regel nicht so linear wie oben dargestellt. Häufig müssen

Sie im Sinn einer „rollenden Planung“ auf frühere Arbeitsschritte zurückkommen, konzeptionelle Änderungen

vornehmen oder spätere Arbeitschritte vorziehen.

Die wichtigsten Hinweise zu den einzelnen Schritten im Arbeitsablauf finden Sie auf den folgenden Seiten in

Kapitel 3. Die Zusammenstellung ist dabei nicht als Rezeptsammlung, sondern als Ideenbank und Checkliste

gedacht.

Für den wissenschaftlich korrekten Umgang mit fremden Informationsquellen finden Sie die allerwichtigsten

Hinweise in Kapitel 4. In Kapitel 5 schliesslich ist der formale Aufbau erläutert, den Ihre Arbeit in der Schlussfassung

aufweisen sollte.

Quellen:

FRAGNIÈRE J.-P., 1993: Wie schreibt man eine Diplomarbeit (3. Aufl.). Bern: Haupt.

HÜLSHOFF F. & KALDEWEY R., 1994: TOP-TRAINING - Erfolgreich lernen und arbeiten. Stuttgart: Klett.

METZGER CH., 1996: Lern- und Arbeitsstrategien. Aarau: Sauerländer.


Leitfaden Matura-Arbeit 2

3. Auf was muss ich besonders achten?

Phase I: Vorbereitungs-, Orientierungs- und Sammelphase

♦ Die Wahl des Themas

• Das Thema muss Sie interessieren!

• Überlegen Sie sich gründlich, ob Sie ein interessantes Thema angesichts seiner Komplexität und seines

Umfangs einerseits, Ihres Vorwissens und der verfügbaren Zeit andererseits bearbeiten können.

• Strukturieren Sie das noch vage Thema (z.B. mind map); unterteilen Sie nach Hauptaspekten und Unteraspekten.

Häufig wird schliesslich ein Unteraspekt zum Hauptthema einer Arbeit!

• Ein Thema wählen heisst für Sie zunächst, sich grob mit verschiedenen Themen zu beschäftigen, sich

einen Überblick zu verschaffen, Ihr spezifisches Thema in seinem Umfeld einzuordnen.

• Lassen Sie sich für die (präzise) Wahl Ihres Themas Zeit; dokumentieren Sie sich, verschaffen Sie sich

Grundinformationen, nehmen Sie Kontakte auf.

Grenzen Sie Ihr Thema auf eine zentrale Betrachtungsweise ein (ein Kernproblem, ein Geschehnis, eine

Kontroverse); so vermeiden Sie, bei einem Thema mit „Panorama“-Charakter zu landen, welches Sie

überfordert oder unter den gegebenen Rahmenbedingungen schlicht unbearbeitbar ist.

♦ Die Forschungsfrage

Definieren Sie nach dem vorbereitenden Lesen das Ziel, auf das sich Ihre Arbeit ausrichtet. Eine präzise

Fragestellung wird Ihre weiteren Aktivitäten (Detailauswertung der Informationsquellen, Strukturieren der

Arbeit usw.) massgeblich bestimmen und verhindern, dass Sie sich in der Fülle des Materials verlieren.

Formulieren Sie eine aussagekräftige und herausfordernde Forschungsfrage, auf welche Sie in Ihrer

Arbeit eine Antwort finden wollen. Am besten eignen sich W-Fragen (Wie...? Warum ...? Wozu ...?).

♦ Informationsquellen suchen und auswerten

Hauptinformationsquellen sind gedruckte Publikationen, vorwiegend aus Bibliotheken:

• Nachschlagewerke (Überblick und Einstieg in einen Themenbereich)

• Bücher (Fachliteratur zu einzelnen Themen)

• Zeitschriften und Zeitungen (Periodika); häufig die aktuellsten Informationen, allerdings oft nur mosaikartig

ohne Einordnung in grössere Zusammenhänge.

• Weitere Informationsquellen: Computer-Software (Enzyklopädien, Verzeichnisse, CD-Roms ...); Videobänder;

Auskunftspersonen.

In vielen Publikationen finden Sie im Literaturverzeichnis weiterführende Quellen, welche nützlich sein

können.

Notieren Sie von jeder Auskunftsperson Name, Adresse und Telefonnummer; halten Sie Datum des Kontaktes

und Inhalt des Gesprächs stichwortartig fest. Notieren Sie bei Ämtern oder Institutionen die Namen

Ihrer GesprächspartnerInnen.

• Lesen Sie im ersten Durchgang die Quellen nicht gründlich und im Detail, sondern verschaffen Sie sich

anhand von Inhaltsverzeichnis, Einleitung und Zusammenfassung einen Überblick. Machen Sie bei diesem

vorbereitenden Lesen keine detaillierten Notizen. Halten Sie aber Ihre Ideen, Fragen, Gedanken,

Beurteilungen, Absichten auf der entsprechenden Karteikarte fest (s. Arbeitsbibliographie).

Nachdem Sie sich einen Überblick verschafft haben und in der Lage sind - geleitet von der Forschungsfrage!

- das Thema zu strukturieren und die Brauchbarkeit der Quellen zu beurteilen, können Sie mit der gründlichen

Auswertung der Informationsquellen beginnen.

• Beschränken Sie sich zu Beginn auf ein oder zwei grundlegende Bücher, um Ihren Themenbereich etwas

auszuloten und einzuordnen.

• Verwenden Sie nach Möglichkeit eine Vielfalt von Quellen (wissenschaftliche Publikationen, populärwissenschaftliche

Berichte, offizielle Dokumente, Augenzeugenberichte, zusammenfassende und wertende

Studien, evtl. literarische Werke usw.). Beachten Sie dabei, ob es sich um die Darstellung von Fakten,

um persönliche Meinungen und Schlussfolgerungen oder um Theorien und Konzepte der Autorin

bzw. des Autors handelt.

• Notieren Sie nicht bienenfleissig in aller Ausführlichkeit, sondern gewichten Sie den Informationsgehalt

bezüglich Ihrer Forschungsfrage. Halten Sie die Ihnen wichtig erscheinenden Informationen in geeigneter

Form fest (Kopien, Zusammenfassung in eigenen Formulierungen, Stichworte, Gedankenskizzen, evtl. Zi-


Leitfaden Matura-Arbeit 3

tate mit genauer Quellenangabe) fest. Vermerken Sie aussagekräftige Tabellen oder Abbildungen mit genauer

Nummerierung und Seitenangabe.

• Halten Sie unbedingt auch Ihre eigenen Überlegungen (Ideen, Ansichten, Argumente) fest, welche Sie

während des Quellenstudiums machen.

Verwenden Sie für die Notizen nur lose A4-Blätter. Beschriften Sie diese Notizblätter nur einseitig; machen

Sie rechts einen breiten Rand für eigene Bemerkungen und die Überarbeitung der Notizen.

Beginnen Sie für jede neue Quelle, jedes neue Unterthema ein neues Blatt; notieren Sie auf jedes Blatt

einen inhaltlichen Titel und die genaue Herkunft der Informationen

Legen Sie alle Notizen, Kopien, Materialien usw. systematisch in einem Ordner (® Ordnerprinzip) ab.

♦ Die Arbeitsbibliographie

Erstellen Sie unbedingt eine Arbeitsbibliographie! Darin halten Sie alle verwendeten Informationsquellen fest.

Sie finden Ihre Quellen ohne weiteren Suchaufwand später sofort wieder und bereiten gleichzeitig das zu

erstellende Literaturverzeichnis vor.

Notieren Sie konsequent den vollständigen Titel und den Standort Ihrer Quellen (am besten für jede Quelle

eine Karteikarte).

Halten Sie in wenigen Stichworten den Inhalt der Quelle fest. Diese Stichworte werden Ihnen bei der späteren

genaueren Auswertung der Quelle dienlich sein.

Phase II: Erarbeitungs- und Strukturierungsphase

♦ Grob- und Feindisposition entwerfen

Entwerfen Sie jetzt eine gedankliche Grobgliederung des Themas, eine Grobdisposition. Sie entspricht

einem groben Inhaltsverzeichnis des Hauptteils Ihrer Arbeit. Bestimmen Sie aufgrund der Forschungsfrage

und Ihrer Notizen die Hauptaspekte, welche Sie in Ihrer Arbeit entwickeln wollen. Die Grobdisposition sollte

bereits eine sachlogisch sinnvolle Abfolge aufweisen bzw. einen gut erkennbaren roten Faden enthalten.

Auswahlkriterien: Welche Aspekte tragen am meisten zur Beantwortung der Forschungsfrage bei? Welche

Aspekte sind zentral für das Verständnis des Themas? Welche Aspekte treten auch in den benützten Informationsquellen

immer wieder auf? Zu welchen Aspekten habe ich besonders viele Notizen gemacht? Wonach

habe ich meine Notizen bereits gegliedert?

Legen Sie Im Ordner ein Register mit den Hauptaspekten Ihrer Grobdisposition an und ordnen Sie Ihre

Notizen neu.

Entscheiden Sie jetzt: was gehört in meine Arbeit, was nicht?

Untergliedern Sie jeden Hauptaspekt nach Teilaspekten. Es entsteht so die Feindisposition Ihrer Arbeit,

welche einem (vorläufigen) differenzierten Inhaltsverzeichnis entspricht. Stellen Sie jetzt zu jedem Teilaspekt

die Einzelheiten, Argumente, Beispiele, Schlussfolgerungen, Abbildungen und Tabellen, usw. zusammen.

Hier fliessen jetzt die Ideen ein, welche Sie während der detaillierten Analyse der Informationsquellen

fortlaufend entwickelt und notiert haben.

Sie stellen vielleicht fest, dass Sie zu einzelnen Teilaspekten noch zuwenig Informationen haben und müssen

bereits ausgewertete Quellen genauer studieren oder ergänzende Quellen suchen.

Überarbeiten Sie den Ordnerinhalt; Sie müssen jetzt evtl. Notizen auseinanderschneiden, nach Teilaspekten

ordnen und neu zusammenfügen (zum Glück haben Sie nur einseitig beschriftet!).

Der Weg von der Idee zur Feindisposition läuft nie linear ab. Oft müssen Sie Änderungen vornehmen, auf

Altes zurückkommen, Kapitel und Unterkapitel umstellen und neu verknüpfen.

Häufig planen und schreiben Sie auch nur einzelne Kapitel oder Unterkapitel. Achten Sie besonders darauf,

dass der begründete Aufbau der Arbeit, also der rote Faden von der Einleitung über die Ausführungen

der Haupt- und Unteraspekte bis zu den Schlussfolgerungen, nicht verloren geht.


Leitfaden Matura-Arbeit 4

Phase III: Schreib-, Redaktions- und Gestaltungsphase

♦ Der Entwurf

Eine seriöse Feindisposition und ein geordnetes, systematisches Ablegen der Materialsammlung im Ordner

zahlt sich jetzt aus. Der Ordner stellt die Rohform Ihrer Arbeit dar. Sie können jetzt mit Schreiben beginnen.

• Schreiben Sie den ersten Entwurf der Arbeit (oder einzelner Kapitel) rasch, zügig und spontan. Die

strukturelle und sprachlich-stilistische Überarbeitung erfolgt später.

• Gehen Sie mit fremden Informationen (z.B. zitierte Texte oder übernommene Argumente) sorgfältig um

und bemühen Sie sich schon jetzt um eine korrekte Zitierweise. Jedes Hinausschieben bedeutet später

einen wesentlichen Mehraufwand.

• Blättern Sie häufig im Ordner, wenn Sie an einem toten Punkt angelangt sind und nicht weiter kommen.

• Setzen Sie aussagekräftige Titel und Untertitel, welche sich auf Ihre Feindisposition stützen. Verwenden

Sie dabei das hierarchische Dezimalklassifikationssystem.

• Eine zweckmässige Gliederung der Arbeit in Unterkapitel und Abschnitte erhöht die Lesbarkeit.

Legen Sie den fertigen Entwurf einige Tage weg, damit Sie zu Ihrem eigenen Text Abstand gewinnen und

ihn anschliessend kritisch überarbeiten zu können.

♦ Überarbeitung und Redaktion

Die Qualität Ihrer Arbeit wird neben den inhaltlichen Kriterien vor allem durch zwei Faktoren bestimmt: Struktur

und Sprache.

• Nachdem der Entwurf (handschriftlich oder auf dem Computer) vorliegt, überarbeiten Sie den Text im

Textverarbeitungssystem strukturell und sprachlich soweit, dass anschliessend nur noch das Layout gemacht

werden muss. Dabei kann sich ergeben, dass Kapitel umgestellt werden müssen, dass Sie Abschnitte

streichen oder einfügen oder wesentliche inhaltliche Änderungen vornehmen müssen.

• Prüfen Sie die Struktur Ihres Entwurfs mit folgenden Kontrollfragen: Erfüllt der Entwurf den mit der Arbeit

verfolgten Zweck? Beziehen sich Einleitung und Schluss auf die Hauptidee der Arbeit? Erhalten die

Haupt- und Teilaspekte eine angemessene Bedeutung? Bildet die Abfolge der Kapitel und Unterkapitel eine

logische Kette? Ist für die Leserin bzw. den Leser der rote Faden erkennbar? Sind die Übergänge zwischen

den Abschnitten so gestaltet, dass der Lesefluss nicht gestört ist?

• Drücken Sie sich kurz, einfach und präzis aus. Wählen Sie die geographische Fachsprache (Begriffe,

Sachlichkeit, Definitionen). Verwenden Sie eine aktive Sprache (Verben nicht substantivieren, keine unbegründeten

Passivformen).

Kontrollfragen zur Sprache: Sind Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion korrekt? Sind die gesetzten

Titel sinnvoll gewählt und klar formuliert? Ist die Zitierweise korrekt? Sind die Zeitformen richtig

verwendet? Ist das Problem der weiblichen und männlichen Formen zufriedenstellend gelöst? Sind fremde

und eigene Gedanken zu einem sinnvollen Ganzen verwoben? Hat der Text einen guten Lesefluss

(Wortwahl, Satzstrukturen, Variation der Satzlängen, Gliederung in Abschnitte)?

Geben Sie Ihre Arbeit einer aussenstehenden Person zur Lektüre. Sie erhalten als Rückmeldung wertvolle

Hinweise zum Aufbau und zur Verständlichkeit Ihrer Arbeit!

♦ Reinfassung

• Verfassen Sie das Inhaltsverzeichnis.

• Gestalten Sie eine interessante und ansprechende Titelseite.

• Formatieren Sie die Seiten, die Abschnitte und die Schrift nach den vereinbarten Vorgaben.

♦ Illustrationen

• Integrieren Sie alle Illustrationen in Ihren Text. Verwenden Sie dabei nur die Begriffe Tabelle (statistisches

Material, Stichwortlisten, Zusammenstellungen ...) und Abbildung (alle Darstellungen, welche nicht in

Form einer Tabelle präsentiert werden; Diagramme, Schemata, Karten, Bilder, ...).

• Verwenden Sie Illustrationen nur dann, wenn der Text dadurch verständlicher und aussagekräftiger wird.

• Platzieren Sie Tabellen und Abbildungen möglichst dort, wo sie im Text angesprochen werden. Nehmen

Sie auf jede Illustration im Text Bezug (Tabelle 3) und kommentieren Sie sie kurz.

• Nummerieren Sie Tabellen und Abbildungen voneinander getrennt aufsteigend, über das ganze Dokument

(Abb.1, Abb.2 usw.) oder kapitelweise (Abb.3.1, Abb.3.2 usw.) und geben Sie jeder Illustration einen

kurzen, informativen Titel. Bei Abbildungen ist oft eine erläuternde Legende nötig.


Leitfaden Matura-Arbeit 5

4. Wie muss ich mit fremden Informationen umgehen?

♦ Zitate

Da Sie für die eigene Arbeit viele Informationsquellen beiziehen, ergibt es sich automatisch, dass Sie bei

Ihren Ausführungen und Argumenten fremde Gedanken mit einbeziehen. Es ist ein Gebot der wissenschaftlichen

Redlichkeit, von Drittpersonen wörtlich oder sinngemäss übernommenes Gedankengut in der eigenen

Arbeit als solches zu kennzeichnen und im Sinne der Nachprüfbarkeit auf die Verfasserin bzw. den Verfasser

und die Quelle zu verweisen. In der Fachsprache heisst dieses Vorgehen Zitieren.

Wir unterscheiden vier Grundformen von Zitaten, welche eine entsprechende formale Kennzeichnung verlangen:

1. Das wörtliche Zitat: eine direkte originale Textübernahme aus einer Quelle ist in Anführungszeichen zu

setzen, damit für die Leserin bzw. den Leser der Originaltext innerhalb Ihres eigenen Textes erkennbar

ist. Der Nachweis umfasst AUTORENNAME (Kapitälchen), Erscheinungsjahr und Seitenzahl.

Bsp.: „Eine Welt, in der sich unsere übergrossen Fussabdrücke überlappen, ist nicht zukunftsfähig. Der

Fussabdruck der Menschheit muss insgesamt kleiner bleiben als die ökologisch produktiven Teile der

Erdoberfläche“ (WACKERNAGEL 1997: 30).

2. Ellipse (gekürzter Originaltext): Textübernahme nur in den Kernpunkten. Auslassungen werden mit ...

angegeben.

Bsp.: Heute wissen wir, dass unser Fussabdruck insgesamt kleiner „ ... als die ökologisch produktiven

Teile der Erdoberfläche“ werden muss (WACKERNAGEL 1997: 30).

3. Umschriebenes Zitat: Textübernahme dem Sinne nach, aber nicht im Wortlaut des Originals. Ausser

dem Quellenhinweis ist keine besondere Kennzeichnung nötig.

Bsp.: Nach WACKERNAGEL (1997: 30) ist eine Welt nur zukunftsfähig, wenn der Fussabdruck der Menschheit

nicht grösser ist als die ökologische Produktivität der Erde.

4. Generelle Hinweise: bezieht sich auf die Angabe einer Quelle, in welcher das angesprochene Problem

ausführlich dargestellt wird.

Bsp.: Der Begriff des ökologischen Fussabdrucks (WACKERNAGEL & REES 1997) ist erst Mitte der 90er

Jahre geprägt worden.

Einige Regeln für die Verwendung von Zitaten:

• Ihre Arbeit darf nicht zur Zitatensammlung verkommen. Eigene Gedanken und Argumente stehen im Mittelpunkt.

Setzen Sie Zitate also sparsam, bewusst und zielgerichtet ein.

• Das Zitat muss logisch in Ihren Text passen. Fügen Sie Zitate nicht überraschend ein, sondern leiten Sie

das Zitat mit einem Signalsatz ein (z.B.: Schon zu Beginn des Jahrhunderts war man sich dieses Problems

bewusst: „ ... „ (AUTOR Jahr: Seite)).

• Das massvolle Benützen von Zitaten zeugt davon, dass Sie sich intensiv mit den Quellen auseinandergesetzt

haben; bei zu vielen Zitaten wird die Arbeit stilistisch uneinheitlich und schwer lesbar; bei zuwenig

Zitaten setzen Sie sich dem Vorwurf aus, fremde Gedankenquellen nicht korrekt zu deklarieren oder sich

nur oberflächlich mit Ihren Quellen beschäftigt zu haben.

♦ Literaturverzeichnis

Sie stützen sich bei der Realisierung Ihrer Arbeit auf Bücher, Fachartikel, Illustrationen. Um die Nachprüfbarkeit

der im Text gemachten Aussagen sicherzustellen, müssen Sie alle für Ihre Arbeit verwendeten Quellen

im Literaturverzeichnis zusammenstellen. Der Aufbau erfolgt in alphabethischer Reihenfolge der Autoren.

Es gelten folgende Regeln:

Die bibliographische Angabe umfasst NAME, Vorname (abgekürzt), Erscheinungsjahr, Buchtitel Erscheinungsort,

Verlag. (evtl. in Klammern Standortbibliothek und Katalognummer)

Bsp.: KLINGHOLZ R., 1994: Wahnsinn Wachstum. Hamburg: GEO.

Werke, die in einer Reihe erschienen sind enthalten zusätzlich einen Hinweis auf die Reihe.

Bsp.: HUBRICH H,. 1992: Landschaftsökologie. Reihe: Kurswissen Geographie. Stuttgart und Dresden: Klett.

Bei Artikeln aus einem Sammelband wird zusätzlich der Hinweis auf den Herausgeber und den Titel des

Sammelbandes gemacht.

Bsp.: LEUTERT G., 1995: Luftverschmutzung als Beispiel für Rückwirkungen auf die Umwelt. In: PFISTER

Ch.(Hrsg.), 1995: Das 1950er Syndrom. Bern: Haupt.

Bei Artikeln aus Zeitschriften sind zusätzlich Heftnummer, Jahrgang und Seitzahlen anzugeben

Bsp.: HAMHABER J., 1997: Energie-Sparkonzepte in den USA. In: Geographische Rundschau 6/1997: 362-367.

Bei Quellen aus dem Internet ist die genaue Adresse nötig und die Verantwortlichkeit (-> Kurzadresse)

Bsp.:

http://www.g-o.de/geo-bin/frameset.pl?id=00001&frame1=titelgo.htm&frame2=menue03.htm&frame3=kap3/3aba.htm;

wissen online; Springer Verlag, Heidelberg.


Leitfaden Matura-Arbeit 6

5. Wie ist eine wissenschaftliche Arbeit aufgebaut?

Eine wissenschaftliche Arbeit hat die Grobstruktur „Einleitung - Hauptteil - Schluss“. Diese Grundelemente

werden durch einige weitere notwendige Elemente ergänzt.

Aufbauelement:

Titelblatt

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil (Ausführungen/

Kapitelfolge)

Schluss (Zusammenfassung/

Ergebnisse)

Literaturverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Anhang

Zusammenfassung

Erläuterungen:

• Titel der Arbeit: klar, prägnant, kurz; muss Kern des Themas wiedergeben;

• Name der Verfasserin bzw. des Verfassers;

• Art der Arbeit, Schule, Klasse und Datum (Semester, Jahr) der Abgabe; Betreuung

• evtl. ansprechendes Titelbild, welches einen wichtigen Aspekt des Themas veranschaulicht.

• Gibt Gliederung der Arbeit in Haupt- und Unterkapitel wieder;

• Formulierungen und Nummerierung sind mit jener in der Arbeit identisch;

• Seitenangabe derjenigen Seite, auf der das entsprechende Kapitel beginnt.

• Sie sollen die Leserin bzw. den Leser zum Thema hinführen und motivieren,

sich näher mit der Arbeit zu beschäftigen;

• Elemente: Hintergrund des Themas (beschränken Sie sich auf die Kernprobleme!);

Ziel und Zweck der Arbeit (formulieren Sie die zentrale Forschungsfrage!);

These, d.h. Ihre Antwort auf die Forschungsfrage (kurz, prägnant;

Sie müssen die These im Lauf der Arbeit belegen können!).

• Geben Sie einen Kurzüberblick über den Aufbau der Arbeit

• Entwickeln Sie die sich aus der Themenstellung der Arbeit ergebenden Ausführungen

(differenzierte Analysen, umfangreichere Beschreibungen, ausführliche

Herleitung und Beantwortung der Forschungsfrage);

• Die Feindisposition hilft Ihnen dabei, das Thema in Teilaspekte und einzelne

Gesichtspunkte zu gliedern;

• In jedem Kapitel (und Unterkapitel) können Sie wieder die Struktur „Einleitung -

Hauptteil - Schluss“ verwenden;

• Ordnen Sie jedem Hauptgedanken ein Hauptkapitel zu;

• Führen Sie genügend Einzelheiten aus, um den Hauptgedanken zu entwickeln,

aber vermeiden Sie sowohl Abschweifungen als auch zu knappe Formulierungen;

• Schaffen Sie „weiche“ Übergänge zwischen Kapiteln bzw. Unterkapiteln, so

dass der logische Gedankenzusammenhang erkennbar und ein flüssiges Lesen

erleichtert wird.

• Greifen Sie Forschungsfrage und These nochmals auf, schlagen Sie einen Bogen

zur Einleitung;

• Fassen Sie die überzeugendste Antworten und Argumente nochmals zusammen;

• Bringen Sie keine neuen Informationen (diese gehören in den Hauptteil!);

• Geben Sie eine persönliche Wertung der Ergebnisse und einen Ausblick.

• Enthält alle notwendigen bibliographischen Angaben über die für die Arbeit benützten

publizierten Informationsquellen;

• Namen von Personen, welche inhaltliche Auskünfte erteilt haben oder mit denen

Sie Gespräche geführt haben, sind in einem separaten Verzeichnis aufzuführen.

• Liste aller Tabellen und Abbildungen mit Nummern, Titel und Seitenangabe.

• Materialienteil mit wesentlichen Informationen, welche aber für das Verständnis

Ihrer Ausführungen nicht unbedingt notwendig sind (umfangreiche Tabellen,

Übersichtskarten, historische Übersichten, Rede eines Politikers usw.).

• Separate Zusammenfassung der Arbeit (1 A4-Seite)

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