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B E R I C H T E

Ein Offener Brief

und seine Folgen

Fachleitertreffen in NRW

Im zu jener Zeit noch bestehenden

Landesinstitut in Soest fand im

vorigen Jahr – und zwar am Montag,

dem 16. Oktober 2006 – das zweite

Treffen von Fachleiterinnen und

Fachleitern für Informatik der Sekundarstufen

I und II des Landes

Nordrhein-Wesfalen statt. Anlässlich

dieses Treffens wurde über den

Stand der Informatiklehrerbildung

in NRW diskutiert. Im Anschluss an

diese Diskussion wurde ein offener

Brief formuliert (siehe Kasten), der

von allen Fachleiterinnen und

Fachleitern unterzeichnet und von

allen Professorinnen und Professoren

aus dem Bereich Didaktik der

Informatik an den Universitäten dieses

Bundeslands unterstützt wurde.

Am 18. November 2006 fand dann

im Studienseminar in Oberhausen

das erste landesweite Treffen von

Fachleiterinnen und Fachleitern für

Informatik der Sekundarstufe I in

NRW statt. Bei diesem Treffen wurde

unter anderem ausgiebig über die

Frage diskutiert, was informatische

Bildung in der Sekundarstufe I ausmacht.

Nach diesem Treffen wurde

von Frank Cronau ein Dokument

zur informatischen Bildung verfasst,

das von allen Fachleiterinnen und

Fachleitern Informatik der Sekundarstufe

I mitgetragen wird. Im Zusammenhang

mit der aktuellen Diskussion

um Standards der Informatik

wurde darüber hinaus einstimmig

bekräftigt, dass eine inhaltsbezogene

Kompetenz ,,Anwendungen“ in der

Sekundarstufe I eine große Rolle

spielen sollte.

Weitere Hinweise über die Aktivitäten

der Fachleiterinnen und Fachleiter

Informatik der Sekundarstufe I

in NRW finden sich unter:

http://es1.nw.lo-net2.de/flifsek1/

Schließlich fand am 7. Februar

2007 im Ministerium für Schule und

Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen

unter der Leitung

von Herrn Wehrhöfer ein konstruktives

Fachgespräch zur Situation

der Informatik in der Sekundarstufe

I statt, an dem als Vertreter der

Fachleiterinnen und Fachleiter für

die Sekundarstufe I Frank Cronau

(Oberhausen) und Klaus Bermes

(Essen) und für die Sekundarstufe

II Lothar Carl (Detmold) und David

Tepaße (Paderborn) teilnahmen.

Dort konnten zwar die Hoffnungen

auf ein Pflichtfach Informatik

nicht erfüllt werden, aber etwas

Positives ist dennoch zu berichten:

An einem Universitätsstandort in

NRW soll nunmehr ein Studiengang

Informatik in der Sekundarstufe

I eingerichtet werden! Außerdem

sind weitere Fachgespräche im

Ministerium geplant.

Frank Cronau

Bärbel Kibben

Offener Brief

der Fachleiterinnen

und Fachleiter Informatik

des Landes Nordrhein-Westfalen

Sehr geehrte

Frau Ministerin Sommer,

sehr geehrter Herr Winands,

sehr geehrter

Herr Dr. Heinemann und

Herr Wehrhöfer,

sehr geehrte Damen und Herren,

am 16.10.2006 fand zum zweiten

Mal das landesweite Fachleitertreffen

Informatik mit außerordentlich

großer Resonanz in Anwesenheit

von Herrn LRSD Dingemann

(BezReg Münster) und

Herrn RSD Dr. Seegraef (BezReg

Arnsberg) unter dem thematischen

Schwerpunkt »Informatik

in der SI aus fachdidaktischer

und seminardidaktischer Sicht«

statt. Auf dieser Tagung wurden

u. a. verschiedene Missstände und

Widersprüche, die den Status des

Faches Informatik betreffen, thematisiert,

erörtert, aber auch beklagt.

Wir Fachleiter für Informatik

halten die gegenwärtige Situation

für untragbar und möchten

mit Ihnen ins Gespräch kommen,

um gemeinsam an einer Verbesserung

der Lage zu arbeiten.

Große Bedeutung der Informatik

Die Bildungsministerin Dr. Annette

Schavan äußerte sich in einer

Pressemitteilung anlässlich des Informatikjahres

2006 unter dem Titel

»Informatik ist unverzichtbar

für unseren Alltag« wie folgt:

»Mehr als die Hälfte der Industrieproduktion

und mehr als 80 Prozent

der deutschen Exporte hängen von

Informations- und Kommunikationstechnik

ab. Dieser Bereich ist

weltweit einer der größten Innovationstreiber.«

Auf der Internetplattform des

Ministeriums für Schule und Weiterbildung

wird für das Fach Informatik

um künftige Lehrer geworben.

Das Fach Informatik wird auf

der Internetseite »Zukunftsberuf

Lehrer« sehr positiv dargestellt. In

der Veröffentlichung »Chancen im

Lehrerberuf 2005 bis 2020« heißt

es: »Die aussichtsreichsten Fächer

sind Mathematik, Englisch, Physik

und Informatik.« Aus der veröffentlichten

Statistik für 2005/2006 (Statistische

Übersicht Nr. 355) wird

darüber hinaus ersichtlich, dass

die Schulen bereits einen Status

quo geschaffen haben, indem sie

Informatik an den meisten

Hauptschulen, Realschulen und

Gesamtschulen anbieten, obwohl

es kein Pflichtfach Informatik

und zum Teil nicht einmal Lehrpläne

gibt.

Status des Schulfachs Informatik

Obwohl Lehrer für das Fach

Informatik gesucht werden, Informatik

als eines der aussichtsreichsten

Fächer angesehen wird,

ist in NRW kein grundständiges

Studium für das Lehramt für Informatik

für die Sekundarstufe I

möglich, obwohl es laut LPO Unterrichtsfach

in der Sekundarstufe

I ist. Laut BLK (studienwahl.de)

und HRK (hochschulkompass.de)

kann das Lehramt

Informatik für die Sekundarstufe

I ausschließlich in den neuen

Bundesländern sowie in Bayern

und Baden-Württemberg studiert

werden. In Bayern ist man anderen

Bundesländern voraus, wurde

doch Informatik inzwischen als

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Pflichtfach im Gymnasium (als

Bestandteil von »Natur und Technik«)

eingeführt.

Informatik hat de facto auch in

NRW den Weg in die Schulen bereits

gefunden. Unbefriedigend

ist jedoch die Situation bei den

Lehrplänen. Für die Hauptschule

existieren keine verbindlichen

Lehrpläne, die vorhandenen

Lehrpläne an Realschulen sind

veraltet und in Gesamt- und

Hauptschule droht mit der Abschaffung

des WP2-Bereiches das

Ende des Informatikunterrichts.

Somit hat nur noch ein Bruchteil

der Sek-I-Schüler in NRW überhaupt

Zugang zu einer soliden informatischen

Bildung. Die noch

immer gültigen IKG-Richtlinien

werden allgemein als gescheitert

angesehen. An kaum einer Schule

findet der Unterricht integriert

in den Fächern im Sinne der IKG

statt. Die Informatik unterrichtenden

Lehrer haben keine

grundständige Ausbildung erhalten,

unterrichten Informatik zum

großen Teil aus Neigung und haben

üblicherweise einen Zertifikatskurs

absolviert. Es bleibt

festzuhalten: Informatik wird in

NRW in den Jahrgängen fünf bis

zehn aller Schulformen überwiegend

von kaum bzw. nicht ausgebildeten

Lehrern zum großen Teil

ohne gültige Lehrpläne unterrichtet.

An Hauptschulen kommt es inzwischen

zu absurden Situationen.

Informatiklehrer sind vom

MSW lt. Homepage gewollt,

Quereinsteiger bewerben sich

nach OVP-B, werden an Hauptschulen

ausgebildet, schließen

das zweite Examen ab und stellen

an ihrer Hauptschule fest, dass dort

inzwischen kein Informatikunterricht

mehr erteilt wird, da der WP2-

Bereich ausläuft.

Informatiklehrer für die Sekundarstufe

I kann man in NRW derzeit

nur werden, wenn man außerhalb

von NRW studiert hat oder

wenn man als Quereinsteiger den

Vorbereitungsdienst absolviert. Da

es in NRW keine grundständig ausgebildeten

Informatiklehrer in der

Sekundarstufe I gibt, konnten keine

Fachleiter Informatik für die Sekundarstufe

I berufen werden. Es

gibt nach unseren Kenntnissen keinen

Erlass, der dieses Problem regelt.

Nimmt nun ein Fachleiter Informatik

an einer Prüfungskommission

im zweiten Staatsexamen teil,

so müsste bei nicht ausreichender

Note und nachfolgendem Widerspruch

wohl dem Widerspruch

schon aus formalen Gründen nachgegeben

werden.

Forderungen

1. Wir fordern die Einrichtung von

Studiengängen für Informatik in

der Sekundarstufe I, damit unsere

Informatiklehrer eine grundständige

Ausbildung erhalten

können. Die neuen Bundesländer,

Bayern und Baden-Württemberg

machen es vor. Die Voraussetzungen

sind laut LPO

vorhanden. Dazu müssen die

Hochschulen eigenständige Studiengänge

für das Lehramt Informatik

für den Bereich der

Jahrgänge fünf bis zehn einrichten

und entsprechende Studienordnungen

erstellen und genehmigen

lassen. Dies können

die Hochschulen jedoch nur

dann verantworten, wenn Informatik

in die Stundentafel

aufgenommen wird.

2. Wir fordern, dass Informatik

einstündiges Pflichtfach an

Haupt-, Real- und Gesamtschulen

sowie den entsprechenden

Jahrgängen des Gymnasiums

in den Jahrgangsstufen

5-10 wird und Informatik

in die Stundentafeln der APO

aufgenommen wird, damit alle

Schüler von einer soliden informatischen

Ausbildung profitieren

können und mit einer

ordentlichen informatischen

Allgemeinbildung auf das Leben

in einer von Informatik

durchdrungenen Welt vorbereitet

werden.

3. Wir fordern Kernlehrpläne für

Informatik für alle Schulformen

der Sekundarstufe I.

4. Wir fordern eine verlässliche

Zusage über den zukünftigen

Status des Faches Informatik

in der Sekundarstufe I.

5. Wir fordern einen runden

Tisch und ein Gespräch der

Fachleiter Informatik mit Frau

Ministerin Barbara Sommer,

dem Staatssekretär Günter

Winands, dem Abteilungsleiter

Herrn Dr. Ulrich Heinemann

und dem Leiter der Gruppe

Lehrerausbildung Herrn Ulrich

Wehrhöfer. An einem solchen

Gespräch sollten auch

die für Informatik zuständigen

Ausbildungs- und Fachdezernenten

(Herr Dr. Seegraef,

Herr Dingemann) beteiligt

werden.

E-Learning

in Brandenburg

Informations- und kommunikationstechnologische

Bildung umfasst

alle Bereiche der Gesellschaft, insbesondere

die Schule, Aus-, Fortund

Weiterbildungsinstitutionen.

Dieser Ansatz wurde in beispielhafter

Weise mit der ,,Landestagung E-

Learning in Brandenburg“ aufgegriffen,

zu der sich am 6. und 7.

März 2007 Experten und Praktiker

aus Brandenburg, anderen Bundesländern

und aus den europäischen

Nachbarstaaten trafen. Die Tagung

hatte das Ziel, eine Bestandsaufnahme

zum elektronisch gestützten

und multimedial vernetzten Lernen

in Wirtschaft, Verwaltungen und

Bildungseinrichtungen vorzunehmen.

In über 40 Vorträgen und

Workshops wurden didaktisch-methodische

Ansätze, Einsatzmöglichkeiten,

Praxisanwendungen und

Zukunftsperspektiven aufgezeigt

und präsentiert.

In seinem Eröffnungsvortrag

,,Lebenslanges Lernen in einer

multimedial geprägten Welt“ wies

Professor Klaus Hurrelmann auf

die notwendigen Veränderungsprozesse

beim individuellen Lernen

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