Wissenschaftsrat Empfehlungen und Stellungnahmen 2004 Band III

ham.nw.schule.de

Wissenschaftsrat Empfehlungen und Stellungnahmen 2004 Band III

Wissenschaftsrat

Empfehlungen

und Stellungnahmen 2004

Band III

2005

1


ISBN 3-935353-20-0

© 2005 Wissenschaftsrat

www.wissenschaftsrat.de

E-Mail: post@wissenschaftsrat.de

zu beziehen durch:

Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates

Brohler Straße 11, D-50968 Köln

Satz: Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates

Umschlagsgestaltung und Produktion:

Moeker Merkur Druck GmbH

2


Band III

Inhalt

Seite

Empfehlungen zum 34. Rahmenplan für den Hochschulbau

2005 – 2008 7

Stellungnahme zur Evaluation der Berufsakademie in

Trägerschaft der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein 69

Stellungnahme zum Ausbau der Universität Frankfurt 119

Stellungnahme zur Fachhochschule Merseburg 197

Stellungnahme zur Universität Erfurt 255

Stellungnahme zum Ausbau der Technischen Universität

Darmstadt und der Fachhochschule Darmstadt 323

Stellungnahme zur Aufnahme der Muthesius-Hochschule,

Fachhochschule für Kunst und Gestaltung, als Kunsthochschule

in das Hochschulverzeichnis des Hochschulbau

förderungsgesetzes 455

Empfehlung zur Einrichtung europäischer Höchstleistungsrechner

505

Abkommen zwischen Bund und Ländern über die Errichtung

eines Wissenschaftsrates vom 5. September 1957 539

Geschäftsordnung des Wissenschaftsrates in der vom

Wissenschaftsrat am 15. 7. 2005 verabschiedeten Fassung 543

Mitglieder des Wissenschaftsrates 549

Geschäftsstelle 559

Veröffentlichungen des Wissenschaftsrates 560

3


Band I

Inhalt

Seite

Vorwort 7

Empfehlungen zur Einrichtung der Nationalen Akademie in

Deutschland 9

Stellungnahme zum Akademienprogramm 49

Empfehlungen zur Entwicklung der Rahmenbedingungen der

Forschung in Ressortforschungseinrichtungen (am Beispiel

der Forschungsanstalten in der Zuständigkeit des Bundes

ministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Land

wirtschaft (BMVEL) 87

Empfehlungen zu Rankings im Wissenschaftssystem 159

Empfehlungen zu einem Wissenschaftstarifvertrag und zur

Beschäftigung wissenschaftlicher Mitarbeiter 221

Empfehlungen zum Maschinenbau in Forschung und Lehre 273

Standortübergreifende Stellungnahme zur Weiterentwicklung

der Universitätsmedizin in Baden-Württemberg 514

Empfehlungen zur Wiederaufnahme der rechtlich verselbstständigten

Universitätsklinika des Landes Sachsen-Anhalt

in das Hochschulverzeichnis des Hochschulbauförderungs

gesetzes 627

4


Band II

Stellungnahme zum Center of Advanced European Studies

and Research (caesar), Bonn 7

Stellungnahme zur Aufnahme des Deutschen Rheuma-

Forschungszentrums, Berlin, in die gemeinsame Förderung

durch Bund und Länder nach der Ausführungsvereinbarung

Forschungseinrichtungen 67

Stellungnahme zum Bundesinstitut für Arzneimittel und

Medizinprodukte 119

Stellungnahme zur Stiftung Weimarer Klassik und Kunst

sammlungen 189

Stellungnahme zum Deutschen Forum für Kunstgeschichte,

Paris 245

Umsetzung der Empfehlungen aus Evaluationen:

Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen und Akademie

für Technikfolgenabschätzung, Baden-Württemberg 275

Stellungnahme zur Akkreditierung der Evangelischen

Fachhochschule Freiburg – Hochschule für soziale Arbeit,

Diakonie und Religionspädagogik 277

Stellungnahme zur Akkreditierung der Fachhochschule für

Oekonomie & Management (FOM) – Fachhochschule für

Berufstätige in Essen 325

Stellungnahme zur International School of Management

Dortmund (ISM) 377

Leitfaden zur institutionellen Akkreditierung 421

5


Empfehlungen

zum 34. Rahmenplan

für den Hochschulbau

2005 – 2008

Allgemeiner Teil

vom Mai 2004

Inhalt

Seite

Vorbemerkung 8

A. Ausgangslage für den 34. Rahmenplan 8

I. Situation der Hochschulen im Wintersemester

2003/2004 8

II.

Finanzsituation der Gemeinschaftsaufgabe

Hochschulbau 27

B. Empfehlungen zum 34. Rahmenplan 48

I. Ziele und Prioritäten 49

II. Stand und Perspektiven 51

III. Finanzbedarf nach Empfehlungen zu Vorhaben 56

IV. Empfehlungen zur Finanzierung 62

7


Vorbemerkung

Zum 34. Rahmenplan haben die Länder ihre Anmeldungen nach der

im Hochschulbauförderungsgesetz (HBFG) vorgesehenen Regelung

im März 2004 dem Wissenschaftsrat sowie dem Bundesministerium

für Bildung und Forschung (BMBF) als Geschäftsstelle des Planungsausschusses

zugeleitet. Der 34. Rahmenplan erstreckt sich auf die

Jahre 2005 bis 2008.

Auf der Grundlage der Anmeldung der Länder und nach eingehender

Prüfung hat der Wissenschaftsrat seine Empfehlungen zum

34. Rahmenplan für den Hochschulbau erarbeitet. Sie wurden vom

Ausschuss für Hochschulausbau und vom Ausschuss Medizin vorbereitet

und vom Wissenschaftsrat am 28. Mai 2004 verabschiedet.

A. Ausgangslage für den 34. Rahmenplan

A.I. Situation der Hochschulen im Wintersemester

2003/2004

I.1. Studienanfänger und Studierende

Bis 1983 waren an den in die Anlage zum Hochschulbauförderungsgesetz

aufgenommenen Hochschulen der alten Länder

kontinuierlich steigende Studienanfängerzahlen zu verzeichnen gewesen.

Nach einem Rückgang in den Jahren 1984 (- 5,1 %) und

1985 (- 6,9 %) stieg die Zahl der erstimmatrikulierten Studienanfänger

ab 1986 wieder an. 1988 wurde mit 224.497 ein neuer Spitzenwert

erzielt und der frühere Höchststand von 1983 um 4,8 %

erstmals übertroffen. In den Jahren 1989 (Zunahme um 5.251 oder

2,3 % gegenüber dem Vorjahr) und 1990 (Zunahme um 23.328 oder

10,2 %) wuchs die Zahl der Studienanfänger erneut deutlich an und

war damit rund 100.000 oder 65 % größer als die Studienanfängerzahl

von 1977, dem Jahr des Beschlusses der Regierungschefs von

Bund und Ländern zur Sicherung der Ausbildungschancen (vom

4. November 1977).

An den Hochschulen der alten und neuen Länder nahmen im Jahr

2003 rund 342.600 erstimmatrikulierte Studienanfänger ein Studium

auf. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das eine Zunahme um rund

16.200 Anfänger oder 5 %. Die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern

ist allerdings sehr unterschiedlich verlaufen, so weisen

die neuen Länder einen Zuwachs bei den Studienanfängern zwischen

1,3 % in Mecklenburg-Vorpommern und 29,9 % in Sachsen-

8


Anhalt auf, während sich in den alten Bundesländern die Reichweite

von 1,8 % in Niedersachsen bis 13,7 % in Hessen erstreckt (vgl. Ü-

bersicht 1). Eine Verringerung der Anzahl der Erstsemester meldeten

Brandenburg (-2,2 %), Berlin (-3 %) und Hamburg (-4,9 %).

An den Fachhochschulen begannen im Jahr 2003 insgesamt 96.240

erstimmatrikulierte Studienanfänger, was einer Zunahme gegenüber

2002 um rund 6.400 Studienanfänger oder 7,1 % entspricht. Der Anteil

der Studienanfänger an Fachhochschulen in Relation zur Summe

aller Studienanfänger 2003 erreichte 28,1 %. Damit setzte sich der

negative Trend aus den Vorjahren (2000: 28,2 %; 2001: 27,7 %;

2002: 27,5 %) nicht fort (vgl. Übersicht 2).

9


Übersicht 1: Deutsche und ausländische erstimmatrikulierte Studienanfänger nach Ländern (ausgewählte Jahre)

Land 1977

1980 1985 1990 1991 1993 1995 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003

Baden-Württemberg 22.876

26.217 29.444 38.149 37.590 39.101 35.172 32.736 32.976 36.798 40.652 42.906 46.572 47.937

Bayern 23.666

29.099 32.175 44.072 40.409 34.888 32.729 33.958 34.681 36.999 40.370 43.781 45.897 48.774

Berlin 8.766

10.060 11.275 15.271 14.333 16.293 16.502 17.277 17.695 17.570 20.520 21.307 21.362 20.720

Brandenburg .

. . . . 3.440 4.285 5.566 5.662 6.370 6.866 7.579 7.521 7.357

Bremen 2.254

2.041 2.298 3.722 3.985 3.191 2.988 2.760 3.205 3.636 4.100 4.758 4.835 5.193

Hamburg 6.963 8.704 8.637 9.605 9.803 9.075 8.013 8.116 8.249 8.380 8.810 10.592 10.314 9.810

Hessen 14.418

17.031 18.868 25.910 24.723 21.479 18.862 19.229 19.400 20.737 22.471 24.602 25.245 28.698

Mecklenburg-Vorpommern . . . . . 3.237 4.784 5.667 5.908 7.005 7.313 7.286 7.481 7.575

Niedersachsen 13.690

16.209 18.513 25.154 24.549 20.489 19.544 20.919 20.485 22.105 24.403 27.375 27.837 28.342

Nordrhein-Westfalen 47.135

49.825 51.544 67.669 65.062 56.202 51.882 51.033 50.738 52.813 57.493 63.487 65.487 68.596

Rheinland-Pfalz 7.439 8.090 8.815

12.553 13.064 12.178 11.373 11.581 11.641 12.415 13.729 15.280 16.703 17.194

Saarland 2.360

3.114 3.063 3.793 3.431 2.702 3.023 2.992 2.768 2.731 2.882 3.292 3.591 3.807

Sachsen . . . . . 12.044

15.435 15.215 15.685 16.247 17.617 18.810 19.414 20.898

Sachsen-Anhalt . . . . . 4.560 5.500 6.446 6.671 7.566 8.119 8.145 8.418 10.933

Schleswig-Holstein 3.612

4.215 4.622 7.178 7.337 6.926 5.961 5.279 5.569 5.854 6.537 7.102 7.260 7.547

Thüringen . . . . . 5.269 5.386 5.881 6.216 6.886 8.157 8.562 8.513 9.262

I n s g e s a m t 153.179 174.605 189.254 253.076 244.286 251.074 241.439 244.655 247.489 264.112 290.039 314.864 326.450 342.643

Erstimmatrikulierte Studienanfänger des Sommer- und des Wintersemesters, z. B. 1977: SS 1977 und WS 1977/78.

Quelle: Wissenschaftsrat: Empfehlungen zu den Rahmenplänen für den Hochschulbau nach Angaben der Länder (Datenbank DAZIEL).

10


Übersicht 2: Deutsche und ausländische erstimmatrikulierte

Studienanfänger nach Hochschulen und Ländern 1993 und 2003

Deutsche und ausländische erstimmatrikulierte Studienanfänger

Land

Insgesamt

Universitäten 1)

davon

Fachhochschulen

Kunsthochschulen

2)

1993 2003 1993 2003 1993 2003 1993 2003

Baden-Württemberg 39.101 47.937 26.229 33.319 12.046 14.074 826 544

Bayern 34.888 48.774 25.117 34.411 9.470 13.986 301 377

Berlin 16.293 20.720 12.446 15.531 2.988 4.668 859 521

Brandenburg 3.440 7.357 2.022 4.921 1.378 2.391 40 45

Bremen 3) 3.191 5.193 1.506 2.917 1.585 2.171 100 105

Hamburg 9.075 9.810 6.305 7.039 2.450 2.510 320 261

Hessen 21.479 28.698 15.040 20.336 6.330 8.237 109 125

Mecklenburg-Vorpommern 3.237 7.575 2.205 5.541 1.032 1.942 . 92

Niedersachsen 20.489 28.342 14.504 19.229 5.693 8.790 292 323

Nordrhein-Westfalen 4) 56.202 68.596 43.122 52.504 12.279 15.471 801 621

Rheinland-Pfalz 12.178 17.194 7.567 10.749 4.611 6.445 . .

Saarland 2.702 3.807 2.197 2.927 462 715 43 165

Sachsen 12.044 20.898 7.567 15.307 4.175 5.235 302 356

Sachsen-Anhalt 4.560 10.933 1.966 6.617 2.434 4.139 160 177

Schleswig-Holstein 6.926 7.547 3.950 4.634 2.935 2.736 41 177

Thüringen 5.269 9.262 3.091 6.409 2.078 2.730 100 123

Insgesamt 251.074 342.643 174.834 242.391 71.946 96.240 4.294 4.012

Anteil in % an insgesamt 100,0 100,0 69,6 70,7 28,7 28,1 1,7 1,2

Erstimmatrikulierte Studienanfänger des Sommer- und des Wintersemesters, z. B. 2003: SS 2003 und WS

2003/04.

1) Einschließlich Gesamthochschulen und Pädagogische Hochschulen.

2) Einschließlich Musikhochschulen.

3) Die Kunsthochschule wurde bis 1994 als Fachhochschule geführt.

4) Ohne Fernuniversität-Gesamthochschule Hagen.

Quelle: Angaben der Länder (Datenbank DAZIEL)

Die Entwicklung der Studierendenzahlen ist abhängig von der Zahl

der Studienanfänger und von ihrer Verweilzeit in den Hochschulen.

Übersicht 3 lässt erkennen, dass bundesweit mit rund 1,85 Mio. Studierenden

die Überlastung der Hochschulen weiter anhalten wird; die

konkrete Ausprägung dieser Situation variiert jedoch zwischen Ländern

und Standorten. Die Anzahl der Studierenden hat im Wintersemester

2003/04 gegenüber dem Wintersemester 2002/03 in den alten

Ländern zwischen 1,3 % in Berlin und 9,2 % in Bremen zugenom-

11


men. Niedersachsen (-2,2 %) und das Saarland (-3,8 %) meldeten

negative Entwicklungen. Insgesamt stieg die Anzahl der Studierenden

in den alten Ländern um 50.000 auf rund 1.590.000 oder 3,3 %.

In den neuen Bundesländern waren zum Teil erneut signifikante Zuwachsraten

zwischen 4,4 % in Brandenburg und 11,8 % in Sachsen-

Anhalt zu verzeichnen gewesen. Insgesamt stieg die Anzahl der Studierenden

im Wintersemester 2003/04 gegenüber dem Wintersemester

2002/03 in den neuen Ländern um 19.900 auf rund 267.000 oder

8,1 %.

Eine Analyse der räumlichen Verteilung der Studierenden und erstimmatrikulierten

Studienanfänger ergibt, dass zwar 85,6 % aller Studierenden

in den alten Ländern (einschl. Berlin) ihrem Studium nachgehen

(in den neuen Ländern liegt der Anteil demnach bei 14,4 %),

aber 16,4 % aller Studienanfänger sich in den neuen Ländern erstmals

immatrikulieren. Im vorherigen Wintersemester hatte der Anteil

der neuen Länder sogar 24,1 % betragen.

12


Übersicht 3: Deutsche und ausländische Studierende nach

Ländern und ausgewählten Wintersemestern

Land 1977/78 1980/81

Baden-

Württemberg

1985/86 1990/91 1993/94 1995/96 1997/98 1999/00 2000/01 2001/02 2002/03 2003/04

133.056 142.844 181.149 206.450 226.631 214.395 193.442 177.363 181.875 189.422 197.265 1)

Bayern 122.049 143.493

203.940

200.368 245.650 249.526 234.724 228.793 201.638 203.085 209.501 220.376 233.512

Berlin 68.400

74.900 89.905 110.310 143.230 139.341 129.749 126.652 129.705 133.382 134.666 136.410

Brandenburg . . . . 10.684

18.502 24.509 29.701 32.209 34.197 36.978 38.620

Bremen 9.793 12.507

14.700 21.558 26.163 25.390 24.835 24.875 25.620 27.170 29.296 31.988

Hamburg 37.095 45.527

57.915 62.375 65.780 64.984 62.535 59.368 59.785 60.253 61.668 63.014

Hessen 82.719

Mecklenburg-

Vorpommern

Niedersachsen 78.458

89.674 112.318 142.149 154.231 148.779 142.550 141.911 144.495 148.070 155.048 167.143

. . . . 14.885

268.972 304.482

38.495 42.030

Saarland 14.601 16.004

18.020 21.773 25.485 27.018 27.987 29.216 32.038

88.661 120.110 142.149 153.881 154.050 152.327 139.722 139.788 145.604 149.519 146.245

383.174 429.310 450.528 447.780 440.773 433.670 432.159 435.566 443.190 452.062

57.345 69.164 77.795 78.046 78.610 77.996 79.348 82.647 87.557 92.862

20.194 23.914 24.966 22.926 21.937 20.388 19.811 19.921 20.299 19.530

Sachsen . . . . 55.656 64.531 70.765 77.137 81.492 86.769 92.186 99.612

Nordrhein-

Westfalen

Rheinland-

Pfalz

Sachsen-

Anhalt

Schleswig-

Holstein

. . . . 22.794 25.326 29.310 34.926 37.664 40.103 43.137 48.221

20.277 22.405 29.395 36.013 41.000 39.586 38.925 36.887 36.411 37.648 38.962 41.131

Thüringen . . . . 21.400 26.178 30.363 35.154 38.926 42.347 45.374 48.303

Insgesamt 873.915

982.527 1.266.573 1.489.057 1.739.150 1.722.558 1.691.196 1.642.873 1.669.391 1.720.587 1.784.737 1.854.631

1) Zu mehreren Hochschulen lagen zum Zeitpunkt der Drucklegung nur die Daten vom WS 2001/02 vor, wie sie zum 32. Rahmenplan gemeldet

worden waren. 2) Zu mehreren Hochschulen lagen zum Zeitpunkt der Drucklegung nur die Daten vom WS 2002/03 vor, wie sie zum 33.

Rahmenplan gemeldet worden waren.

Quelle: Angaben der Länder (Datenbank DAZIEL)

2)

13


I.2. Ausbaustand und räumliche Auslastung

Ausbaustand

Die Anzahl der Studienplätze nach Flächenrichtwerten 1 an den in die

Anlage zum Hochschulbauförderungsgesetz aufgenommenen Hochschulen

beträgt im Wintersemester 2003/04 rund 1.043.800. Darin

sind die Studienplätze in der Human- und Zahnmedizin nicht enthalten,

da für sie keine Flächenrichtwerte vorliegen. Die Anzahl der Studierenden

in der Medizin kann nicht in voller Höhe mit der Zahl der

Studienplätze gleichgesetzt werden, da die Hochschulen auch hier

eine Überlast tragen. 2

Der Gesamtbestand von rund 1.043.800 Studienplätzen nach Flächenrichtwerten

(ohne Human- und Zahnmedizin) im Wintersemester

2003/04 verteilt sich wie folgt:

Hochschulart Studienplätze Anteil in %

Universitäten und Gesamthochschulen

747.300 71,6

Pädagogische Hochschulen 11.400 1,1

Kunst- und Musikhochschulen 28.000 2,7

Fachhochschulen 257.100 24,6

Insgesamt 1.043.800 100,0

Auslastung der Raumkapazität

Als Kennziffer für die Auslastung der Raumkapazitäten kann das

Verhältnis der Zahl der Studierenden zur Zahl der Studienplätze nach

Flächenrichtwerten verwendet werden. Aktuelle Daten zum Wintersemester

1996/97 liegen nicht für alle Länder vor, so dass für diesen

Zeitraum keine bundesweiten Aussagen möglich sind.

1

Ein Studienplatz nach Flächenrichtwerten gibt die Summe aller Flächen an, die zur

Ausbildung eines (Vollzeit-) Studierenden für Lehre und Forschung bereitgestellt werden

sollen. Eine Unterscheidung zwischen Ausbildungs- und Forschungsflächen wird

nicht vorgenommen. Es ist aber möglich, einen zusätzlichen Bedarf für Forschung z.B.

in Form von Verfügungsflächen in Ansatz zu bringen, der nicht in flächenbezogene

Studienplätze umgerechnet wird. Von dieser Möglichkeit wird in einem begrenzten Umfang

Gebrauch gemacht. Vgl. die Ausführungen zu Flächen- und Kostenrichtwerten in:

Planungsausschuss für den Hochschulbau: 19. Rahmenplan für den Hochschulbau,

Bd.1, S. 66 ff.

2

Vgl. Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Verbesserung der Ausbildungsqualität in

der Medizin, in: Empfehlungen und Stellungnahmen 1988, Köln 1989, S. 263 ff.

14


Auslastung nach Studierenden in Prozent flächenbezogener Studienplätze

Hochschulart 94/9

5

Wintersemester

95/96 97/98 98/99 99/00 00/01 01/02 02/03 03/04

Universitäten 191 167 160 156 150 152 156 158 165

Gesamthochschulen 237 227 217 213 198 194 197 200 207

Pädagogische Hochschulen 181 176 202 176 171 166 177 198 162

Kunst-/

Musikhochschulen 126 123 119 110 111 111 110 112 110

Fachhochschulen 203 194 176 168 162 164 167 170 178

Diese Durchschnittswerte verdecken teilweise beträchtliche Unterschiede

zwischen den Fachrichtungen, Hochschulen und Ländern,

wie aus den Einzelergebnissen erkennbar wird, die in den Länderteilen

dieser Empfehlungen (Tabelle 1 im jeweiligen Statistischen Anhang)

abgedruckt sind. Insbesondere die Fachhochschulen insgesamt

und die Universitäten in oder am Rande von dicht besiedelten

Regionen sind überdurchschnittlich belastet. In den neuen Ländern

ist gegenwärtig die Auslastung an den Universitäten (ohne Medizinische

Einrichtungen) mit 176 % höher als in den alten Ländern mit

163 %. An den Fachhochschulen (155 % zu 184 %) sowie an den

Kunst- und Musikhochschulen (108 % zu 110 %) ist die Auslastung in

den neuen Ländern jeweils niedriger als in den alten Ländern.

Der Wissenschaftsrat hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die

Kennziffer „Verhältnis der Zahl der Studierenden zur Zahl der Studienplätze

nach Flächenrichtwerten“ dann das Bild der Raumauslastung

nicht realitätsnah genug wiedergibt, wenn Studienzeiten

zunehmen und eine wachsende Zahl von Studierenden auch nach

dem Examen noch immatrikuliert bleibt.

Als ergänzenden Maßstab für die Bewertung der Raumauslastung

berechnet der Wissenschaftsrat daher bereits seit mehreren Jahren

eine Kennziffer, die die von den Ländern zu den Rahmenplänen gemeldeten

Zahlen der Studienanfänger im ersten Hochschulsemester 3

mit vorgegebenen Verweilzeiten verknüpft und so die Zahl der Studierenden

in einer durchschnittlichen Regelstudienzeit rechnerisch

3

Für eine Berechnung der Auslastung der Hochschulen auf der Basis hochgerechneter

Studienanfänger des ersten Fachsemesters sind Schwund- und Abbruchquoten

für jedes Fach und jede Hochschule erforderlich, um Doppelzählungen zu vermeiden.

Diese Quoten werden von der Statistik nicht zuverlässig erhoben.

15


ermittelt. Diese durch Hochrechnung gewonnene Kennziffer wird der

Zahl der Studienplätze nach Flächenrichtwerten gegenübergestellt.

Als Verweilzeiten werden in Anlehnung an die Förderungshöchstdauer

des Bundesausbildungsförderungsgesetzes an Universitäten,

Gesamthochschulen, Kunst- und Musikhochschulen und Pädagogischen

Hochschulen jeweils fünf Jahre, an Fachhochschulen

3,5 Jahre angesetzt 4 .

Diese Kennziffer berücksichtigt nicht die räumlichen Anforderungen

für Aufbau-, Promotions-, Zusatz- und Zweitstudium. Sie führt zu folgender

Raumauslastung in direkter Abhängigkeit allein von den Studienanfängerzahlen:

Auslastung nach Studienanfängern multipliziert mit Regelstudiendauern

in Prozent flächenbezogener Studienplätze

Hochschulart

Wintersemester

94/95 95/96 97/98 98/99 99/00 00/01 01/02 02/03 03/04

Universitäten 107 109 111 111 117 129 140 142 149

Gesamthochschulen 146 133 125 116 119 130 156 169 182

Pädagogische Hochschulen

154 163 155 124 158 162 181 250 187

Kunst-/

Musikhochschulen *) 84 87 77 70 74 79 81 81 72

Fachhochschulen **) 130 123 109 109 111 119 124 124 131

**) Die Förderungshöchstdauer an den Kunst- und Musikhochschulen variiert zwischen

7 und 12 Semestern. Der hier angenommene Mittelwert von 10 Semestern

liegt leicht über dem Durchschnitt.

**) Die Förderungshöchstdauer an den Fachhochschulen liegt, von wenigen Ausnahmen

abgesehen, bei 7 Semestern. Es wird hier ein Mittelwert von

7 Semestern angenommen.

Die Kennziffer „Studienanfänger multipliziert mit Regelstudiendauern

in Prozent flächenbezogener Studienplätze“ liegt unter den Werten

der Kennziffer „Studierende in Prozent flächenbezogener Studienplätze“.

Die Unterschiede sind besonders hoch an Hochschulen mit

4

Die Förderungshöchstdauer richtet sich nach dem Studiengang. An den Universitäten

liegt die Höchstdauer für die Diplom- und Magisterstudiengänge überwiegend

bei 9 oder bei 10 Semestern. Die Förderungshöchstdauer bei den Lehramtsstudiengängen

beträgt in der Regel 7 Semester (Grund- und Hauptschulen),

8 Semester (Realschulen oder Sekundarstufe I) und 10 Semester (Gymnasien oder

Sekundarstufe II). Die Annahme einer Dauer von 10 Semestern als Verweilzeit liegt

leicht über der durchschnittlichen Förderungshöchstdauer und berücksichtigt auch

nicht, dass ein Teil der Studierenden das Studium vor dem Erreichen der Förderungshöchstdauer

abbricht.

16


einem überdurchschnittlichen Anteil der Studierenden in höheren

Semestern und rückläufigen Studienanfängerzahlen. Umgekehrt gibt

es aber auch Hochschulen, wo diese beiden Kennziffern nur wenig

auseinander liegen oder aber die Kennziffer „Studierende in Prozent

flächenbezogener Studienplätze“ sogar unter der Kennziffer „Studienanfänger

multipliziert mit Regelstudiendauern in Prozent flächenbezogener

Studienplätze“ liegt. In Baden-Württemberg gilt dies für

die Pädagogischen Hochschulen insgesamt.

Die Kennziffer „Studienanfänger multipliziert mit Regelstudiendauern

in Prozent flächenbezogener Studienplätze“ führt jedoch bei Einführung

von Zulassungsbeschränkungen zu vermeintlicher Verringerung

der Aus-/Überlastung, bei neuen Studiengängen zu überhöhten Ergebnissen.

Sie ist also in diesen Fällen nur bedingt aussagekräftig.

Hinzu kommt, dass die statistischen Daten sich auf Studienanfänger

im ersten Hochschulsemester beziehen, während die Daten über die

Anfänger im ersten Fachsemester aussagekräftiger für die absehbare

Auslastung der Hochschule wären. Diese Daten liegen jedoch regelmäßig

erst mit erheblichem Zeitabstand vor, so dass in diesem Zusammenhang

im Interesse der Aktualität der Auslastungsinformation

auf eine Berechnung verzichtet wird.

Die tatsächliche Raumauslastung der Hochschulen liegt deshalb innerhalb

einer von den berechneten Kennziffern begrenzten Bandbreite.

Sie können nicht losgelöst voneinander und bei „Studienanfängern

multipliziert mit Regelstudiendauern in Prozent flächenbezogener

Studienplätze“ nicht ohne Berücksichtigung der örtlichen

Besonderheiten betrachtet werden.

Die Situation in den einzelnen Ländern zeigt Übersicht 4. Einzelergebnisse

der Hochschulen und Fächergruppen können den Tabellen

1 in den Statistischen Anhängen der jeweiligen Länderteile dieser

Empfehlungen entnommen werden.

17


Übersicht 4: Räumliche Auslastung der Hochschulen (ohne

Human- und Zahnmedizin) nach Ländern, Hochschulen, Studierenden

und erstimmatrikulierten Studienanfängern (Stand: Wintersemester

2003/04)

Baden-Württemberg

Bayern

Berlin

Brandenburg

Bremen

Hamburg

Hessen

Universitäten 1) Fachhochschulen Kunsthochschulen 2)

Land Stud.- Auslastung in % Stud.- Auslastung in % Stud.- Auslastung in %

plätze Stud. Anf. plätze Stud. Anf. plätze Stud. Anf.

1 2 3 4 5 6 7 6 9 10

Mecklenburg-Vorpommern

Niedersachsen

Nordrhein-Westfalen

Rheinland-Pfalz

Saarland

Sachsen

Sachsen-Anhalt

Schleswig-Holstein

Thüringen

107.440 106 127 39.551 141 125 4.936 80 55

91.607 169 178 32.283 194 152 2.160 131 87

56.787 175 131 12.247 196 133 4.911 109 53

13.110 200 188 7.402 160 113 577 107 39

8.924 237 163 4.702 213 162 568 140 92

27.276 160 122 6.616 211 133 1.457 131 90

58.296 196 165 16.518 259 175 768 175 81

10.134 194 245 6.336 144 107 392 129 117

72.753 131 126 25.134 164 122 2.047 125 79

165.685 205 152 46.980 188 115 4.779 101 65

31.037 197 166 14.197 199 159

- - -

11.211 123 120 2.308 142 108 626 102 132

41.665 165 174 15.881 146 115 2.403 103 74

16.639 157 184 11.251 164 129 987 98 90

17.438 130 122 7.995 168 120 754 156 117

17.276 190 177 7.729 162 124 607 132 101

Insgesamt 747.278 168 151 257.130 178 131 27.972 110 72

nachrichtlich

Pädagogische Hochschulen

Baden-Württemberg 11.365 162 187

1) Einschließlich Gesamthochschulen, ohne Pädagogische Hochschulen.

2) Einschließlich Musikhochschulen.

Quelle: Empfehlungen zum 34. Rahmenplan für den Hochschulbau nach Angaben der Länder

(Datenbank DAZIEL)

18


I.3. Stellen für wissenschaftliches Personal

Die Entwicklung des Stellenbestandes für wissenschaftliches Personal

an den in die Anlage zum Hochschulbauförderungsgesetz aufgenommenen

Hochschulen der alten Länder ist seit 1980 nach Hochschularten

und Ländern unterschiedlich verlaufen. Bei einer vergleichenden

Betrachtung ist zu berücksichtigen, dass das Land Berlin

seine Angaben nicht mehr gesondert auf die früheren Teile bezieht,

sondern die Personalstellen für das Land insgesamt ausgewiesen

sind. Ein Vergleich mit dem Basis-Jahr 1980 ist deshalb nicht möglich.

Dies gilt es auch bei einer Interpretation der Gesamtzahl für die

alten Länder zu berücksichtigen.

Der Stellenbestand der Universitäten und Gesamthochschulen (jeweils

ohne Medizinische Einrichtungen) sowie der Pädagogischen

Hochschulen in den alten Ländern ist von 1980 (52.017 Stellen) bis

1995 um 2.487 auf 54.504 Stellen gestiegen (Zunahme um 4,8 %).

Es ist zu berücksichtigen, dass in Nordrhein-Westfalen 1981 insgesamt

645 Professorenstellen aus den Haushaltskapiteln der Universitäten

in die Haushaltskapitel der Medizinischen Einrichtungen verlagert

wurden. Von 1995 bis 2000 ist der Stellenbestand auf 52.696

Stellen zurückgegangen, was einer Reduzierung um 1.808 Stellen (-

3,3 %) entspricht. Seitdem ist bis 2002 wieder eine Zunahme um 363

auf insgesamt 53.059 Stellen respektive um 0,7 % zu verzeichnen.

Dabei bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern. Zuwächse

zwischen 2000 und 2002 verzeichnen Bayern (109 Stellen/1,2

%), Bremen (81 Stellen/9,1 %), Hamburg (67 Stellen/3,5 %),

Hessen (3 Stellen/0,1 % bis 2001), Niedersachsen (147 Stellen/3 %),

Nordrhein-Westfalen (102 Stellen/0,8 %) und Rheinland-Pfalz (65

Stellen/2,4 %), während in Baden-Württemberg (-44 Stellen/-0,5 %),

Berlin (-70 Stellen/-1,3 %), im Saarland (-10 Stellen/-1,2 %) und in

Schleswig-Holstein (-87 Stellen/-6,4 %) negative Entwicklungen stattgefunden

haben.

Die Medizinischen Einrichtungen haben in allen alten Ländern erhebliche

Stellenmehrungen erfahren, nämlich von 15.852 im Jahr 1980

um 7.261 auf 23.113 Stellen in 1995 (Zunahme um 45,8 %) und weiter

auf 24.585 Stellen im Jahr 2000 (Zunahme gegenüber 1995 um

1.472 Stellen oder 6,4 %). In den Jahren 2001 und 2002 wurde der

Stellenbestand für das wissenschaftliche Personal der Medizinischen

Einrichtungen um weitere 1.207 auf insgesamt 25.792 Stellen respektive

um 4,9 % aufgestockt. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass die

Medizinischen Einrichtungen in der Vergangenheit durch Einnahmen

19


aus der Krankenversorgung einen Kostendeckungsgrad von rund

70 % erzielten. 5

Die Stellenausstattung der Fachhochschulen ist in den alten Ländern

von 1980 bis 1995 um 1.996 auf 11.027 Stellen angestiegen (Zunahme

um 22,1 %). Bis 2000 folgten Erweiterungen um 1.119 auf

insgesamt 12.146 Stellen (Zuwachs um 10,1 %). In den Jahren 2001

und 2002 kamen 322 Stellen (2,7 %) hinzu (insgesamt 12.468 Stellen).

Die Zunahme zwischen 1980 und 1995 wurde mit 1.598 von

1.996 Stellen (das entspricht einem Anteil von 80 %) von Baden-

Württemberg, Berlin (1995 mit Ost-Berlin), Hessen und Nordrhein-

Westfalen getragen. Im gleichen Zeitraum kam es in Bremen (Abnahme

um 28 Stellen oder 9,3 %) und in Hamburg (Abnahme um 112

Stellen oder 17,7 %) zu deutlichen Stellenreduzierungen.

In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre (Vergleich zwischen 2000

und 1995) expandierten die Fachhochschulen besonders in Rheinland-Pfalz

(Zunahme um 345 Stellen oder 52,2 %), Bayern (570 Stellen/40,6

%) und Niedersachsen (254 Stellen/22 %), während die

Entwicklung der Stellen für das wissenschaftliche Personal in Nordrhein-Westfalen

(Abnahme um 6 Stellen oder 0,2 %), Hamburg (-48

Stellen/-9,2 %), Schleswig-Holstein (-55 Stellen/-11 %) und Berlin (-

115 Stellen/-13,2 %) negativ verlief.

Die entsprechende Analyse für die Jahre 2001 und 2002 registriert in

Rheinland-Pfalz eine Zunahme um 77 Stellen oder 7,7 % im Vergleich

zu 2000, in Baden-Württemberg um 131 Stellen oder 6,3 %

und in Bayern um 93 Stellen oder 4,7 %. Niedersachsen (Abnahme

um 19 Stellen oder 1,3 %) und Schleswig-Holstein (-16 Stellen/-

3,6 %) haben die Stellenausstattung ihrer Fachhochschulen reduziert.

Insgesamt stieg die Zahl der Stellen für das wissenschaftliche Personal

ohne Zentralstellen (seit 1998 liegen keine Angaben zu den Zentralstellen

vor) in den alten Ländern von 78.765 im Jahr 1980 auf

91.253 im Jahr 1995 (Zunahme um 12.488 Stellen oder 15,9 %). Der

Zuwachs ist zu 58,1 % (7.261 Stellen) den Medizinischen Einrichtungen

zugeflossen. Von 1995 bis 1998 war eine weitere Zunahme um

1.031 auf 92.284 Stellen oder 1,1 % zu registrieren. 1999 war durch

eine rückläufige Entwicklung gekennzeichnet, die allerdings bereits

im Folgejahr wieder einer ansteigenden Tendenz gewichen ist. Im

Jahr 2002 verfügten die in die Anlage zum Hochschulbauförderungsgesetz

aufgenommenen Hochschulen der alten Länder über insge-

5

Vgl. Wissenschaftsrat: Empfehlungen zu den Perspektiven der Hochschulen in den

90er Jahren, Köln 1988, S.246 ff.

20


samt 94.113 Stellen (Zunahme um 2.010 Stellen oder 2,2 % gegenüber

2000).

Die Anzahl der Stellen aller Hochschulen ohne Medizin (und ohne

Zentralstellen) hat in den alten Ländern von 62.913 im Jahr 1980 auf

67.518 in 2000 (Zuwachs um 4.605 Stellen oder 7,3 %) bzw. auf

68.321 Stellen im Jahr 2002 zugenommen (Zuwachs gegenüber

2000 um 803 Stellen oder 1,2 %).

Die nachstehende Übersicht fasst die skizzierten Entwicklungen kurz

zusammen:

Stellen für wissenschaftliches Personal der alten Länder

(alle Hochschulen, ohne Zentralstellen)

1980-1995 2000-2002

Bereich 1980 1995 Differenz

%

renz

2000 2002 Diffe-

%

Nicht-Medizin 62.913 68.140 5.227 8,3 67.518 68.321 803 1,2

Medizin 15.852 23.113 7.261 45,8 24.585 25.792 1.207 4,9

Insgesamt 78.765 91.253 12.488 15,9 92.103 94.113 2.010 2,2

Quelle: Wissenschaftsrat

Nach dem Beitritt der neuen Länder hat dort ein umfangreicher Umstrukturierungsprozess

der Hochschulen stattgefunden, der auch die

Personalausstattung betrifft. Zwischen 1990 und 1995 hat sich die

Anzahl der Personalstellen an den Universitäten (ohne Medizinische

Einrichtungen) von 24.874 um 13.987 (-56,2 %) auf 10.887 Stellen

verringert. Bis 2000 nahm die Stellenanzahl um weitere 551 auf

10.336 Stellen ab (-5,1 %). In den Jahren 2001 und 2002 betrug die

Reduzierung 197 Stellen (-1,9 %) auf nunmehr 10.139 Stellen. Hierbei

muss jedoch berücksichtigt werden, dass der frühere Ost-Teil

Berlins in die Gesamtzahlen des Landes integriert und bei den alten

Ländern ausgewiesen ist. Besonders deutlich wird der Umstrukturierungsprozess

im Bereich der Pädagogischen Hochschulen, deren

letzte in Erfurt/Mühlhausen Anfang 2001 in die Universität Erfurt integriert

wurde. Die umgekehrte Entwicklung ist für die auf Empfehlung

des Wissenschaftsrates neu eingeführten Fachhochschulen zu

verzeichnen. Inzwischen haben alle neuen Länder Fachhochschulen

gegründet und bis 2002 mit insgesamt 3.084 Stellen für wissenschaftliches

Personal ausgestattet. Im Vergleich zu 1995 mit 2.641 Stellen

ist demnach bis 2002 ein Zuwachs um 443 Stellen oder 16,8 % zu

registrieren. Die Vergleichswerte für den Zeitraum 2000 bis 2002

betragen 25 Stellen oder 0,8 %.

21


Für die Hochschulen der neuen Länder insgesamt ist die Stellenzahl

ohne Zentralstellen von 28.978 im Jahre 1990 um 9.260 (-32 %) auf

19.718 Stellen im Jahre 1995 und um weitere 450 Stellen (-2,3 %)

auf 19.268 im Jahr 2000 zurückgegangen. In den Jahren 2001 und

2002 betrug die Reduzierung 63 Stellen (-0,3 %) auf insgesamt

19.205 Stellen. Lässt man bei dieser Betrachtung die Medizinischen

Einrichtungen unberücksichtigt, kam es im Zeitraum 1990 bis 2002 zu

einer Stellenreduzierung von 26.099 auf 13.872 Stellen, was einer

Abnahme um 46,8 % entspricht.

Der Wissenschaftsrat hat für die alten Länder mehrfach auf die gestiegene

räumliche Auslastung der Hochschulen hingewiesen und mit

Sorge festgestellt, dass die Ausstattung der Hochschulen (ohne

Hochschulkliniken) mit Stellen für das wissenschaftliche Personal seit

1975 trotz des räumlichen Ausbaus und der steigenden Studierendenzahlen

tendenziell stagniert.

Seit 1990 ergeben sich für die alten Länder folgende Werte: Während

die Anzahl der flächenbezogenen Studienplätze an den in die Anlage

zum Hochschulbauförderungsgesetz aufgenommenen Hochschulen

(ohne Fachhochschulen, Medizin und Zentralstellen) vom Wintersemester

1990/91 bis zum Wintersemester 2003/04 um 13,1 % angestiegen

ist, verzeichnet der Stellenbestand für das wissenschaftliche

Personal im gleichen Zeitraum lediglich einen Zuwachs

von 3,6 %. Für die Fachhochschulen betrugen die entsprechenden

Werte 47,9 % bzw. 31,5 %. Die Personalausstattung stellt einen bedeutenden

Faktor für die optimale Nutzung der vorhandenen Räumlichkeiten

und künftiger Investitionen in den Hochschulbau dar, vor allem

auch bei Bibliotheken und Infrastruktureinrichtungen.

22


Übersicht 5: Stellen für wissenschaftliches Personal nach Hochschularten

und Ländern

Land

Anzahl

1975 1980 1985 1990 1995 1997 1998 1999 2000 2001 2002

Universitäten ohne

medizinische Einrichtungen

Baden-Württemberg 7.881 6.982 6.722 7.105 7.584 7.607 7.694 7.673 7.582 7.529 7.575

Bayern 8.014 8.209 8.414 8.575 8.747 8.760 8.628 8.527 8.782 8.935 8.891

Berlin 1) 4.918 4.674 4.727 7.926 5.983 5.424 5.108 4.939 5.197 5.162 5.127

Brandenburg . . . 952 1.673 1.524 1.523 1.453 1.425 1.425 1.351

Bremen 559 688 649 693 742 734 838 865 890 952 971

Hamburg 1.730 1.703 1.925 2.039 2.241 2.175 2.243 2.006 1.909 1.925 1.976

Hessen 2) 4.245 4.292 4.239 4.291 4.321 4.304 4.267 4.295 4.293 4.296 4.296

Mecklenburg-Vorpommern . . . 4.463 1.294 1.278 1.291 1.276 1.273 1.279 1.280

Niedersachsen 5.868 5.695 5.252 5.189 5.324 5.288 5.072 5.011 4.945 4.984 5.092

Nordrhein-Westfalen 10.538 10.451 9.805 9.540 9.543 9.494 9.517 9.500 9.316 9.444 9.441

Rheinland-Pfalz 1.746 1.871 1.934 2.318 2.610 2.746 2.769 2.634 2.687 2.694 2.752

Saarland 921 762 763 871 812 790 830 826 808 802 798

Sachsen . . . 11.663 3.971 3.857 3.799 3.712 3.615 3.663 3.642

Sachsen-Anhalt . . . 5.306 2.372 2.249 2.291 2.219 2.186 2.048 1.899

Schleswig-Holstein 3) 1.529 1.051 1.002 1.030 1.194 1.203 1.292 1.360 1.356 1.266 1.269

Thüringen 4) . . . 2.490 1.577 1.650 1.644 1.644 1.837 1.839 1.967

Alte Länder 47.949 46.378 45.432 49.577 49.101 48.525 48.258 47.636 47.765 47.989 48.188

Differenz . -1.571 -946 4.145 -476 -576 -267 -622 129 224 199

Neue Länder . . . 24.874 10.887 10.558 10.548 10.304 10.336 10.254 10.139

Differenz . . . . -13.987 -329 -10 -244 32 -82 -115

S u m m e 47.949 46.378 45.432 74.451 59.988 59.083 58.806 57.940 58.101 58.243 58.327

Differenz . . . . -14.463 -905 -277 -866 161 142 84

Medizinische Einrichtungen

Baden-Württemberg 2.069 2.307 2.971 3.453 3.717 3.913 4.172 4.315 4.449 4.652 4.663

Bayern 2.281 2.512 2.748 3.358 3.731 3.786 4.567 4.728 4.748 4.966 4.863

Berlin 1) 1.057 1.259 1.166 3.223 2.656 2.427 2.564 2.438 2.101 2.430 2.455

Hamburg 799 797 906 957 1.086 1.128 1.157 1.155 1.156 1.256 1.139

Hessen 2) 1.854 1.892 1.913 1.998 2.168 2.163 2.238 2.247 2.250 2.250 2.250

Mecklenburg-Vorpommern . . . . 1.026 1.056 1.189 1.195 1.207 1.202 1.187

Niedersachsen 1.038 1.496 1.810 1.990 2.135 2.143 1.914 1.910 1.921 1.953 1.958

Nordrhein-Westfalen 3.569 3.582 4.242 4.362 4.810 5.231 5.204 5.230 5.204 5.286 5.371

Rheinland-Pfalz 680 611 647 726 757 753 787 939 974 978 997

Saarland 314 473 514 629 694 716 209 210 206 210 210

Sachsen . . . 2.144 1.962 1.905 1.772 1.765 1.737 1.767 1.794

Sachsen-Anhalt . . . 735 1.288 1.313 1.326 1.316 1.319 1.331 1.401

Schleswig-Holstein 427 923 979 1.208 1.359 1.478 1.559 1.582 1.576 1.800 1.886

Thüringen . . . . 949 984 935 952 950 950 951

Alte Länder 14.088 15.852 17.896 21.904 23.113 23.738 24.371 24.754 24.585 25.781 25.792

Differenz . 1.764 2.044 4.008 1.209 625 633 383 -169 1.196 11

Neue Länder . . . 2.879 5.225 5.258 5.222 5.228 5.213 5.250 5.333

Differenz . . . . 2.346 33 -36 6 -15 37 83

S u m m e 14.088 15.852 17.896 24.783 28.338 28.996 29.593 29.982 29.798 31.031 31.125

Differenz . 1.764 2.044 6.887 3.555 658 597 389 -184 1.233 94

23


noch Übersicht 5: Stellen für wissenschaftliches Personal nach Hochschularten

und Ländern

Land

Anzahl

1975 1980 1985 1990 1995 1997 1998 1999 2000 2001 2002

Gesamthochschulen ohne

medizinische Einrichtungen

Hessen 2) 474 617 708 762 802 809 808 801 802 802 802

Nordrhein-Westfalen 2.713 3.538 3.413 3.519 3.700 3.676 3.315 3.297 3.267 3.256 3.244

S u m m e 3.187 4.155 4.121 4.281 4.502 4.485 4.123 4.098 4.069 4.058 4.046

Differenz . 968 -34 160 221 -17 -362 -25 -29 -11 -12

Pädagogische Hochschulen

Baden-Württemberg 1.303 1.026 944 813 800 806 832 818 862 814 825

Rheinland-Pfalz 317 261 242 . . . . . . . .

Schleswig-Holstein 3) 186 197 195 188 101 98 . . . . .

Thüringen 4) . . . 507 276 209 200 202 . . .

Alte Länder 1.806 1.484 1.381 1.001 901 904 832 818 862 814 825

Differenz . -322 -103 -380 -100 3 -72 -14 44 -48 11

Neue Länder . . . 507 276 209 200 202 . . .

Differenz . . . . -231 -67 -9 2 . . .

S u m m e 1.806 1.484 1.381 1.508 1.177 1.113 1.032 1.020 862 814 825

Differenz . -322 -103 127 -331 -64 -81 -12 -158 -48 11

Kunst- und

Musikhochschulen

Baden-Württemberg 320 359 377 441 529 538 518 534 536 518 538

Bayern 174 194 215 221 253 256 274 271 274 295 295

Berlin 1) 303 382 467 735 696 615 629 606 684 762 741

Brandenburg . . . 70 80 79 75 71 71 70 72

Bremen . 58 54 55 66 64 66 67 70 79 79

Hamburg 121 123 145 146 145 141 209 206 209 206 206

Hessen 2) 85 88 101 108 112 105 111 103 102 102 102

Mecklenburg-Vorpommern . . . . 29 35 32 32 33 33 33

Niedersachsen 138 160 163 173 201 202 202 203 203 201 200

Nordrhein-Westfalen 411 445 446 459 516 509 512 513 510 510 513

Saarland 32 35 34 52 55 55 51 52 50 50 50

Sachsen . . . 369 317 312 299 302 306 309 308

Sachsen-Anhalt . . . 123 126 126 126 126 126 126 118

Schleswig-Holstein 25 25 25 30 36 38 38 39 38 42 70

Thüringen . . . 156 137 132 127 126 124 119 118

Alte Länder 1.609 1.869 2.027 2.420 2.609 2.523 2.610 2.594 2.676 2.765 2.794

Differenz . 260 158 393 189 -86 87 -16 82 89 29

Neue Länder . . . 718 689 684 659 657 660 657 649

Differenz . . . . -29 -5 -25 -2 3 -3 -8

S u m m e 1.609 1.869 2.027 3.138 3.298 3.207 3.269 3.251 3.336 3.422 3.443

Differenz . 260 158 1.111 160 -91 62 -18 85 86 21

24


noch Übersicht 5: Stellen für wissenschaftliches Personal nach Hochschularten

und Ländern

Land

Anzahl

1975 1980 1985 1990 1995 1997 1998 1999 2000 2001 2002

Fachhochschulen

Baden-Württemberg 1.213 1.306 1.389 1.630 1.942 1.975 1.976 2.005 2.065 2.153 2.196

Bayern 1.495 1.348 1.357 1.380 1.404 1.500 1.912 1.951 1.974 2.043 2.067

Berlin 1) 497 468 402 729 871 828 747 739 756 792 780

Brandenburg . . . . 381 419 432 426 426 428 429

Bremen 387 301 285 263 273 275 275 273 273 280 281

Hamburg 635 632 623 487 520 508 503 494 472 458 472

Hessen 2) 943 856 967 1.015 1.120 1.131 1.130 1.128 1.163 1.172 1.172

Mecklenburg-Vorpommern . . . . 409 411 386 387 395 394 411

Niedersachsen 839 914 930 948 1.155 1.325 1.381 1.394 1.409 1.415 1.390

Nordrhein-Westfalen 2.167 2.186 2.137 2.114 2.481 2.576 2.597 2.541 2.475 2.489 2.490

Rheinland-Pfalz 453 630 648 669 661 782 965 997 1.006 1.079 1.083

Saarland 86 93 102 101 99 106 107 107 107 107 107

Sachsen . . . . 839 828 806 829 831 830 837

Sachsen-Anhalt . . . . 642 901 876 893 932 929 922

Schleswig-Holstein 318 297 303 346 501 518 499 457 446 443 430

Thüringen . . . . 370 399 412 466 475 494 485

Alte Länder 9.033 9.031 9.143 9.682 11.027 11.524 12.092 12.086 12.146 12.431 12.468

Differenz . -2 112 539 1.345 497 568 -6 60 285 37

Neue Länder . . . . 2.641 2.958 2.912 3.001 3.059 3.075 3.084

Differenz . . . . . 317 -46 89 58 16 9

S u m m e 9.033 9.031 9.143 9.682 13.668 14.482 15.004 15.087 15.205 15.506 15.552

Differenz . -2 112 539 3.986 814 522 83 118 301 46

Zentralstellen 5)

Baden-Württemberg 253 6 60 435 650 579 . . . . .

Bayern 167 147 343 735 1.336 902 . . . . .

Berlin 1) . . . . . 159 . . . . .

Brandenburg . . . . 67 60 . . . . .

Bremen 4 6 . 34 59 23 . . . . .

Hamburg . . . . 186 94 . . . . .

Hessen . . . 60 171 111 . . . . .

Mecklenburg-Vorpommern . . . . 22 . . . . . .

Niedersachsen 13 46 94 445 614 244 . . . . .

Nordrhein-Westfalen . 51 1 521 42 72 . . . . .

Rheinland-Pfalz . . 105 347 367 235 . . . . .

Saarland . . . 42 58 28 . . . . .

Sachsen . . . . 134 67 . . . . .

Sachsen-Anhalt . . . . 86 10 . . . . .

Schleswig-Holstein 4 4 23 72 81 79 . . . . .

Alte Länder 441 260 626 2.691 3.564 2.526 . . . . .

Differenz . -181 366 2.065 873 -1.038 . . . . .

Neue Länder . . . . 309 137 . . . . .

Differenz . . . . . -172 . . . . .

S u m m e 441 260 626 2.691 3.873 2.663 . . . . .

Differenz . -181 366 2.065 1.182 -1.210 . . . . .

25


noch Übersicht 5: Stellen für wissenschaftliches Personal nach Hochschularten

und Ländern

Land

Anzahl

1975 1980 1985 1990 1995 1997 1998 1999 2000 2001 2002

Hochschularten insgesamt 6)

Baden-Württemberg 13.039 11.986 12.463 13.877 15.222 15.417 15.192 15.345 15.494 15.666 15.797

Bayern 12.131 12.410 13.077 14.269 15.471 15.204 15.381 15.477 15.778 16.239 16.116

Berlin 1) 6.775 6.783 6.762 12.613 10.206 9.453 9.048 8.722 8.738 9.146 9.103

Brandenburg . . . 1.022 2.201 2.082 2.030 1.950 1.922 1.923 1.852

Bremen 950 1.053 988 1.045 1.140 1.096 1.178 1.205 1.233 1.311 1.331

Hamburg 3.285 3.255 3.599 3.629 4.178 4.046 4.112 3.861 3.746 3.845 3.793

Hessen 2) 7.601 7.745 7.928 8.234 8.694 8.623 8.554 8.574 8.610 8.622 8.622

Mecklenburg-Vorpommern . . . 4.463 2.780 2.780 2.898 2.890 2.908 2.908 2.911

Niedersachsen 7.896 8.311 8.249 8.745 9.429 9.202 8.568 8.518 8.478 8.553 8.640

Nordrhein-Westfalen 19.398 20.253 20.044 20.515 21.092 21.558 21.145 21.081 20.772 20.985 21.059

Rheinland-Pfalz 3.196 3.373 3.576 4.060 4.395 4.516 4.521 4.570 4.667 4.751 4.832

Saarland 1.353 1.363 1.413 1.695 1.718 1.695 1.197 1.195 1.171 1.169 1.165

Sachsen . . . 14.176 7.223 6.969 6.676 6.608 6.489 6.569 6.581

Sachsen-Anhalt . . . 6.164 4.514 4.599 4.619 4.554 4.563 4.434 4.340

Schleswig-Holstein 2.489 2.493 2.527 2.874 3.272 3.414 3.388 3.438 3.416 3.551 3.655

Thüringen . . . 3.153 3.309 3.374 3.318 3.390 3.386 3.402 3.521

Alte Länder 78.113 79.025 80.626 91.556 94.817 94.224 92.284 91.986 92.103 93.838 94.113

Differenz . 912 1.601 10.930 3.261 -593 -1.940 -298 117 1.735 275

Neue Länder . . . 28.978 20.027 19.804 19.541 19.392 19.268 19.236 19.205

Differenz . . . . -8.951 -223 -263 -149 -124 -32 -31

I n s g e s a m t 78.113 79.025 80.626 120.534 114.844 114.028 111.825 111.378 111.371 113.074 113.318

Differenz . 912 1.601 39.908 -5.690 -816 -2.203 -447 -7 1.703 244

1) Bis einschließlich 1985 nur West-Berlin.

2) Die Stellen des wissenschaftlichen Personals konnten nicht auf das Jahr 2002 fortgeschrieben

werden, weil ab 2002 nur noch die Beamten auf Stellen geführt und im

Bereich der Angestellten nur die Ist-Besetzungen ermittelt werden. Nach Angaben des

Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst wird voraussichtlich ab 2004 aufgrund

von Hochrechnungen über Äquivalente die Fortschreibung der Stellenstatistik

wieder möglich sein.

3) Die Bildungswissenschaftliche Hochschule Flensburg wurde zur Universität erklärt.

4) Anfang 2001 wurde die Pädagogische Hochschule Erfurt/Mühlhausen in die Universität

Erfurt integriert; im Jahr 2000 durch Vorgriff in der Statistik bereits berücksichtigt.

5) Ab dem Jahr 1998 liegen die Angaben nicht mehr vor.

6) Ab dem Jahr 1998 ohne Zentralstellen.

Quelle: Angaben der Länder (Datenbank DAZIEL); eigene Erhebung.

26


A.II. Finanzsituation der Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau

I.4. Entwicklung der Ist-Ausgaben in den Ländern und ihre

Verteilung auf Hochschularten

Der Neuaufbau der Hochschulen nach 1945 wurde zunächst durch

rasche Entscheidungen unmittelbar vor Ort getragen. Ab Mitte der

1950er Jahre ließen bildungspolitische und wirtschaftliche Gründe

den Ausbau des Hochschulwesens zum gemeinsamen Ziel aller Länder

und politischen Kräfte in der Bundesrepublik Deutschland werden.

Im Interesse einer Ausgewogenheit der Bildungschancen, eines

gesamtstaatlichen sinnvollen Ausbaus der Hochschulkapazitäten und

der finanziellen Belastung der Länder entstand ein Bedürfnis nach

überregionaler Koordination unter Beteiligung des Bundes, dem zunächst

mit der Schaffung des Wissenschaftsrates 1957 Rechnung

getragen wurde. Seine Empfehlungen zum Hochschulausbau von

1960 sind das erste Ergebnis dieser Kooperation. Bereits seit 1958

hat sich der Bund an einem Teil der Hochschulinvestitionen beteiligt.

Die Einsicht in die Notwendigkeit einer Reform des Bildungssystems

führte zum Aus- und Neubau zahlreicher Hochschulen. Da ein forcierter

Ausbau von Hochschulen sowohl die finanzielle Leistungsfähigkeit

der einzelnen Länder überstiegen hätte als auch in gemeinsamer

Verantwortung von Bund und Ländern im Sinne eines Gesamtsystems

vorangetrieben werden sollte, wurde der Hochschulbau auf der

Grundlage des Hochschulbauförderungsgesetzes (HBFG) im September

1969 in den Status einer Gemeinschaftsaufgabe des Bundes

und der Länder, wie sie in Artikel 91a Grundgesetz festgelegt ist, erhoben.

Im Jahre 1971 wurden bereits nominal rund 1,3 Mrd. Euro von

Bund und Ländern gemeinsam finanziert. 1974 erreichten die Ausgaben

mit rund 1,6 Mrd. Euro die zunächst höchste Jahresrate. Danach

gingen die Ist-Ausgaben bis 1978/79 nominal auf deutlich unter

1,0 Mrd. Euro zurück. Seit Anfang der 80er Jahre war bei den Investitionsausgaben

wieder ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, der im

letzten Bezugsjahr 1990 für die alten Länder rund 1,6 Mrd. Euro erreichte.

Rückblickend wurden in der Zeit von 1981 bis 1990 jährlich

zwischen 1,1 und 1,6 Mrd. Euro investiert.

Nach Abzug der jeweiligen Preissteigerungen erreichte das reale Investitionsvolumen

1989 mit rund 1,9 Mrd. Euro den Höchststand in

den 80er Jahren - und etwa die Hälfte des Niveaus der Jahre 1971

bis 1975.

Nach dem Beitritt der neuen Länder zur Bundesrepublik Deutschland

gelten auch dort mit Wirkung vom 1. Januar 1991 die Regelungen

des Artikels 91a Grundgesetz zur Gemeinschaftsaufgabe Hochschul-

27


au, so dass ab 1991 die Ist-Ausgaben für Investitionen an den in die

Anlage zum Hochschulbauförderungsgesetz aufgenommenen Hochschulen

aller 16 Länder zusammengefasst dargestellt werden. Die

langfristige Entwicklung verdeutlicht Grafik 1.

Unter Einschluss der neuen Länder sind die Ist-Ausgaben 1991 nominal

auf über 1,8 Mrd. Euro angestiegen und erreichten 1992 knapp

2,1 Mrd. Euro. Aufgrund der Beschlüsse des Planungsausschusses

war für 1993 ein Rückgang auf 1,8 Mrd. Euro zu verzeichnen; 2003

waren es 2,31 Mrd. Euro, ohne 23,0 Mio. Euro für Vorhaben nach der

Vereinbarung „UK 2004“.

Bei einer Interpretation der Ist-Ausgaben ist zu beachten, dass darin

auch Kostenanteile enthalten sind, die nach den Grundsätzen des

Hochschulbauförderungsgesetzes nicht mitfinanzierungsfähig sind.

Weitergehende Einzelheiten können der folgenden Übersicht 6 entnommen

werden.

28


Übersicht 6: Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau

Rahmenplan

Jahr

1 2

Ist-Ausgaben nominal

Insgesamt Bund Länder

Preisindex 1)

2000 = 100

3 4 5

6

Angaben in Mio. Euro

Ist-Ausgaben

real

7

1958-1969 4.557 k.A. k.A. k.A. k.A.

1970 926 481 445 31,6 2.930

1971 1.283 649 634 34,8 3.687

01. 1972 1.301 802 499 37,2 3.497

02. 1973 1.408 727 681 39,9 3.529

03. 1974 1.619 748 869 42,8 3.783

04. 1975 1.512 649 864 43,9 3.444

05. 1976 1.351 607 744 45,4 2.976

06. 1977 1.133 506 626 47,5 2.385

07. 1978 961 519 442 50,5 1.903

08. 1979 951 416 536 54,9 1.732

09. 1980 1.100 420 680 60,8 1.809

10. 1981 1.134 407 727 64,3 1.764

11./12. 1982 1.152 461 692 66,2 1.740

11./12. 1983 1.178 631 546 67,6 1.743

13. 1984 1.139 616 522 69,3 1.644

14. 1985 1.121 529 592 69,6 1.611

15. 1986 1.268 588 680 70,5 1.799

16. 1987 1.228 528 699 71,8 1.710

17. 1988 1.294 514 778 73,4 1.763

18. 1989 1.418 528 891 76,0 1.866

19. 1990 1.568 575 992 81,0 1.936

20. 1991 1.842 845 995 86,6 2.127

21. 1992 2.083 819 1.265 92,2 2.259

22. 1993 1.823 863 961 96,7 1.885

23. 1994 1.840 860 981 99,0 1.859

zusätzlich UK 2004 122 0 122 99,0 123

24. 1995 1.898 918 980 101,3 1.874

zusätzlich UK 2004 149 0 149 101,3 147

25. 1996 2.085 927 1.156 101,1 2.062

zusätzlich UK 2004 235 0 235 101,1 232

26. 1997 2.041 923 1.118 100,4 2.033

zusätzlich UK 2004 239 0 239 100,4 238

27. 1998 2.000 922 1.077 100,0 2.000

zusätzlich UK 2004 236 0 236 100,0 236

28. 1999 2.036 1.023 1.015 99,7 2.042

zusätzlich UK 2004 170 0 170 99,7 171

29. 2000 2.103 1.021 1.080 100,0 2.103

zusätzlich UK 2004 142 0 142 100,0 142

30. 2001 2.287 1.132 1.152 99,9 2.289

zusätzlich UK 2004 50 0 50 99,9 50

31. 2002 2.193 1.104 1.090 99,9 2.195

zusätzlich UK 2004 22 0 22 99,9 22

32. 2003 2.310 1.060 1.250 99,9 2.312

zusätzlich UK 2004 23 0 23 99,9 23

Summe 1970-2003 52.586 24.318 28.259 76.290

zusätzlich UK 2004 1.388 0 1.388 1.384

Insgesamt 1970-2003 53.974 24.318 29.647 77.675

Insgesamt 1958-2003 58.531

Rundungsdifferenzen

1) Preisindex für Wohngebäude insgesamt (einschließlich Umsatzsteuer). Bis 1990

früheres Bundesgebiet.

Quelle: Wissenschaftsrat nach Angaben des BMBF und des Statistischen Bundesamtes.

29


Grafik 1: Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau: Ist-Ausgaben

1970 – 2003 (Preisindex 2000 = 100; ohne UK 2004)

4.000

3.500

3.000

2.500

2.000

1.500

1.000

500

0

1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002

Ist-Ausgaben nominal Ist-Ausgaben real Bundesanteil nominal Bundesanteil real

Mio. €

30


Übersicht 7 gibt einen Überblick über die Entwicklung der Investitionsausgaben

für die Hochschulen insgesamt seit 1975 sowie die

Verteilung dieser Investitionen auf die verschiedenen Hochschularten.

Danach sind zwischen 1978 und 1986 regelmäßig zwischen 45

und 49 % aller Hochschulbauinvestitionen (Grundstücke, Bauten sowie

Großgeräte) für die Medizinischen Einrichtungen (alle Einrichtungen

der Fächergruppen Humanmedizin, d. h. einschließlich der

Theoretischen Institute) getätigt worden. Der Medizinanteil sank in

den Folgejahren von 42,6 % (1987) bis auf 38,6 % (1989). Unter Einschluss

der neuen Länder betrug er 1991 bis 2003 mit insgesamt

rund 9,5 Mrd. Euro (734,0 Mio. Euro p. a.) durchschnittlich 35,2 %. Im

Jahr 2003 lag er bei 41,4 %.

Der Anteil der Fachhochschulen an den Investitionen hat zwischen

1975 und 1985 kontinuierlich von zunächst 6 auf 10 % zugenommen.

1991 wurde mit einem Anteil von rund 12 % das Ende der 80er Jahre

in den alten Ländern erreichte Niveau gehalten. Bis 1997 erhöhte

sich der Anteil auf 22,4 %. Seitdem ist ein negativer Trend festzustellen,

der sich auch 2003 mit nominal insgesamt 278,0 Mio. Euro

und einem Anteil von 13,5 % fortsetzte. Er liegt damit unterhalb des

Durchschnittswertes für die Zeitspanne 1991 bis 2003 mit 17,2 % bei

einer Investitionssumme in Höhe von rund 4,7 Mrd. Euro. Die Entwicklung

insgesamt veranschaulicht Grafik 2.

31


Übersicht 7: Ist-Ausgaben für Investitionen nach dem HBFG in

den Hochschulen nach Hochschularten 1975 bis 2003 in jeweiligen

und konstanten Preisen (2000=100)

Rahmenplan

Ist-Ausgaben

insgesamt

Gesamthochschulen

4)

Jahr nominal

Pädagogische

Hochschulen

Kunst- und Musikhochschulen

Mio. € Mio. € % Mio. € % Mio. € % Mio. € % Mio. € %

Universitäten 2) Medizinische

Einrichtungen 3)

davon (nominal) für

Fachhochschulen

Mio. € %

noch nicht

aufteilbar 5)

Mio. €

1 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16

17

4. 1975 1.512 3.444 757 50,8 520 34,9 89 6,0 23 1,5 10 0,7 90 6,0 22

5. 1976 1.351 2.976 624 46,2 484 35,8 136 10,1 21 1,6 4 0,3 85 6,3 -1

6. 1977 1.133 2.385 504 44,4 434 38,2 99 8,7 12 1,1 5 0,4 83 7,3 -3

7. 1978 961 1.903 387 40,5 465 48,6 45 4,7 5 0,5 5 0,5 50 5,2 5

8. 1979 951 1.732 376 39,8 440 46,6 58 6,1 3 0,3 4 0,4 63 6,7 6

Zwischensumme 5.908 12.440 2.648 45,0 2.343 39,9 427 7,3 64 1,1 28 0,5 371 6,3 29

9. 1980 1.100 1.809 401 36,7 536 49,0 59 5,4 3 0,3 9 0,8 85 7,8 6

10. 1981 1.134 1.764 434 38,6 544 48,4 58 5,2 3 0,3 10 0,9 74 6,6 11

11./12. 1982 1.152 1.740 465 40,1 527 45,4 71 6,1 0 0,0 18 1,6 79 6,8 -9

11./12. 1983 1.178 1.743 443 37,7 532 45,3 88 7,5 -1 -0,1 20 1,7 92 7,8 4

13. 1984 1.139 1.644 453 39,9 509 44,8 43 3,8 -2 -0,2 21 1,9 109 9,6 4

14. 1985 1.121 1.611 420 37,8 510 45,9 51 4,6 1 0,1 19 1,7 111 10,0 10

15. 1986 1.268 1.799 496 39,4 576 45,7 46 3,7 1 0,1 30 2,4 112 8,9 8

16. 1987 1.228 1.710 499 40,8 522 42,6 41 3,3 1 0,1 36 2,9 126 10,3 4

17. 1988 1.294 1.763 569 42,9 543 40,9 35 2,6 -1 -0,1 32 2,4 149 11,2 -33

18. 1989 1.418 1.866 629 44,5 545 38,6 42 3,0 1 0,1 28 2,0 167 11,8 6

Zwischensumme 12.032 17.447 4.809 40,0 5.344 44,5 534 4,4 6 0,0 223 1,9 1.104 9,2 11

19. 1990 1.568 1.936 680 43,4 626 39,9 57 3,6 24 1,5 32 2,0 147 9,4 1

20. 1991 1.842 2.127 865 47,8 640 35,4 54 3,0 8 0,4 24 1,3 216 11,9 34

21. 1992 2.083 2.259 945 46,1 730 35,6 65 3,2 4 0,2 44 2,1 262 12,8 34

22. 1993 1.823 1.885 806 44,5 655 36,1 41 2,3 4 0,2 47 2,6 260 14,3 11

23. 1994 6) 1.962 1.982 815 41,9 709 36,5 48 2,5 8 0,4 49 2,5 316 16,3 19

24. 1995 6) 2.047 2.021 846 41,7 718 35,4 32 1,6 4 0,2 55 2,7 372 18,4 20

25. 1996 6) 2.320 2.295 1.017 44,3 726 31,6 54 2,4 4 0,2 55 2,4 447 19,5 25

26. 1997 6) 2.280 2.271 969 42,8 688 30,4 55 2,4 6 0,3 42 1,9 507 22,4 16

27. 1998 6) 2.236 2.236 962 43,1 686 30,7 52 2,3 3 0,1 45 2,0 485 21,7 4

28. 1999 6) 2.206 2.213 950 44,1 724 33,6 35 1,6 2 0,1 50 2,3 392 18,2 54

Zwischensumme 20.367 21.224 8.855 43,9 6.902 34,3 493 2,4 67 0,3 443 2,2 3.404 16,9 218

29. 2000 6) 2.245 2.245 919 42,1 798 36,6 25 1,1 1 0,0 77 3,5 362 16,6 64

30. 2001 6) 2.337 2.339 912 41,3 795 36,0 27 1,2 1 0,0 69 3,1 406 18,4 127

31. 2002 6) 2.215 2.217 824 39,5 815 39,1 52 2,5 5 0,2 39 1,9 353 16,9 128

32. 2003 6) 2.333 2.335 865 41,9 856 41,4 31 1,5 7 0,3 29 1,4 278 13,5 267

Insgesamt

Ø 1999-2003

47.437 60.249 19.832 42,6 17.853 38,3 1.589 3,4 151 0,3 908 1,9 6.278 13,5 844

2.267 2.270 894 41,8 798 37,3 34 1,6 3 0,1 53 2,5 358 16,7 128

Prozentuierung ohne Sammelansätze. Abweichungen in den Summen ergeben sich durch Runden der Zahlen. Minusbeträge sind durch Umbuchungen bei Abrechnungen entstanden.

1) Die Deflationierung erfolgt mit dem Preisindex (2000=100) für Wohngebäude, der der Fortschreibung der Kostenrichtwerte zugrunde liegt.- 2) Universitäten ohne Medizinische Einrichtungen. - 3) Medizinische Einrichtungen sind alle Einr

tungen für die Fächergruppe Humanmedizin (einschließlich Zahnmedizin), d.h. medizinisch-theoretische Institute, vorklinische Einrichtungen und Kliniken. - 4) Ohne Medizinische Einrichtungen der Universität Duisburg-Essen. -

5) Noch nicht aufteilbar sowie hochschulübergreifende Vorhaben. - 6) Einschließlich Vorhaben nach der Vereinbarung "UK 2004".

Quellen: Wissenschaftsrat nach Angaben des BMBF; Stand 7.5.2004/9.11.2004.

2

32


Grafik 2: Ist-Ausgaben nach Hochschularten 1975-2003 (nominal)

1.200

1.100

1.000

900

800

700

600

500

400

300

200

100

0

1975 1977 1979 1981 1983 1985 1987 1989 1991 1993 1995 1997 1999 2001 2003

Medizinische Einrichtungen Universitäten und Gesamthochschulen Fachhochschulen Sonstiges

Sonstiges = Pädagogische Hochschulen, Kunst- und Musikhochschulen, noch nicht aufteilbare Beträge sowie hochschulübergreifende Vorhaben

Mio. €

33


I.5. Ist-Ausgaben und Rahmenplanansätze

Ein Vergleich der Ist-Ausgaben für den Hochschulbau mit den Ansätzen

der vom Planungsausschuss verabschiedeten Rahmenpläne

zeigt in Übersicht 8, dass die in den Rahmenplänen ausgewiesenen

Mittelansätze für Vorhaben der Kategorie I in hohem Maße erreicht

wurden. Der prozentuale Anteil der Ist-Ausgaben an den Finanzraten

der in den Rahmenplan aufgenommenen Vorhaben für das jeweils

letzte Jahr gibt einen Hinweis auf die Umsetzung der Anmeldungen.

Vor der Einbeziehung der neuen Länder in die Gemeinschaftsaufgabe

Hochschulbau wurden in den Jahren 1989 und 1990 Ausgaben

in Höhe von 91 bzw. 88 % der in den Rahmenplan aufgenommenen

Finanzraten erreicht. 6 1994 ist eine Steigerung auf 97 % zu

beobachten. In den Jahren 1995 bis 2003 sind Ausgaben zwischen

86 % (1999) und 97 % (1996) der in den Rahmenplan aufgenommenen

Finanzraten zu verzeichnen. Bei der Interpretation dieser Daten

ist zu berücksichtigen, dass in den Ist-Ausgaben der Länder (ohne

Ausgaben für Vorhaben im Rahmen des Programms „UK 2004“)

- nicht mitfinanzierungsfähige Anteile,

- Ausgaben aufgrund von Unbedenklichkeitserklärungen des Bundes

sowohl für bereits grundsätzlich als auch für noch nicht in den

Rahmenplan aufgenommene Vorhaben zur Abwendung von Gefahr

für Leib und Leben,

- von den angemeldeten Finanzraten abweichende Ausgaben durch

baubedingte Ratenverschiebungen,

- Ausgaben für Planungsanteile (Kategorie II/IIa),

- Teilfreigaben

enthalten sind. Ferner sind unterschiedliche Freigabemodalitäten für

Haushaltsmittel in den Ländern und der Stand der Abrechnung der

einzelnen Vorhaben in Rechnung zu stellen, so dass die tatsächliche

Realisierung, die auf dem Finanzbedarf der mitfinanzierungsfähigen

Vorhabenanteile der Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau beruht,

unter dem ermittelten Prozentsatz liegt. Sie lässt sich mit zunehmender

Genauigkeit erst im Abrechnungsvollzug ermitteln.

6

Der Planungsausschuss geht davon aus, dass die Anmeldungen der Länder nicht

vollständig wie geplant umgesetzt werden können. Seit dem 33. Rahmenplan gilt für

Bauvorhaben eine Realisierungsquote von 84 % und für Globalbeträge für Großgeräte,

CIP und WAP von 100 %.

34


Übersicht 8: Rahmenplanansatz (Finanzraten der Vorhaben der

Kategorie I [einschl. Nachmeldungen] für das jeweilige Jahr) und

Ist-Ausgaben für Hochschulbauinvestitionen (in Mio. Euro) 1989

bis 2003

Land 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003

Baden- RPL-Ansatz 1) 320 402 458 514 393 369 338 367 352 368 414 371 371 357 329

Württemberg Ist 302 285 333 359 328 287 312 339 277 272 321 352 360 350 346

% vom RPL-Ansatz 94 71 73 70 84 78 92 92 79 74 78 95 97 98 105

2)

+ UK 2004

. . . . . 4 16 20 14 3 3 1 2 0 0

Bayern RPL-Ansatz 1) 318 301 376 337 336 247 227 224 281 344 368 306 358 408 397

Ist 306 301 384 466 297 214 245 298 354 339 283 252 333 351 402

% vom RPL-Ansatz 96 100 102 138 88 87 108 133 126 98 77 83 93 86 101

2)

+ UK 2004

. . . . . 104 107 185 193 202 144 119 36 17 21

Berlin RPL-Ansatz 1) 131 122 201 218 188 197 188 180 153 135 117 130 143 121 135

Ist 86 127 108 163 155 193 172 140 100 112 94 132 97 94 93

% vom RPL-Ansatz 65 104 54 75 82 98 91 78 65 83 81 101 68 78 69

+ UK 2004

. . . . . . 2 3 3 6 1 1 0 0 0

2)

Brandenburg RPL-Ansatz 1) . . 7 22 37 67 106 103 95 93 82 87 80 83 81

Ist . 2 4 20 40 82 89 93 113 104 85 71 67 84 74

% vom RPL-Ansatz . . 56 91 107 122 84 90 119 112 103 82 84 101 91

Bremen RPL-Ansatz 1) 47 36 30 39 28 20 27 25 23 17 26 30 49 45 64

Ist 40 30 32 34 36 29 26 19 18 15 35 17 35 43 56

% vom RPL-Ansatz 86 84 108 87 128 144 100 76 80 91 137 57 71 96 88

2)

+ UK 2004

. . 3 2 1 1 4 2 1 1 0 1

. . .

Hamburg RPL-Ansatz 1) 54 59 63 53 31 37 54 56 58 46 53 49 79 94 90

Ist 47 51 54 61 44 36 54 51 50 51 55 56 53 64 73

% vom RPL-Ansatz 87 87 85 115 141 96 100 91 87 111 103 115 67 68 81

Hessen RPL-Ansatz 1) 105 140 152 235 189 114 99 109 116 94 98 92 82 82 116

Ist 110 131 172 182 178 108 95 88 76 63 91 89 116 93 141

% vom RPL-Ansatz 104 94 113 77 94 95 95 81 66 66 93 97 142 113 122

+ UK 2004

. . . . . 11 21 26 29 21 20 20 11 5 1

2)

Mecklenburg- RPL-Ansatz 1) . . 31 58 51 85 77 77 83 78 101 89 97 83 81

Vorpommern Ist . 29 24 17 28 57 49 74 92 84 91 98 72 69 74

% vom RPL-Ansatz . . 77 29 55 67 64 96 111 108 90 110 74 83 91

Niedersachsen RPL-Ansatz 1) 105 119 104 118 70 100 150 177 153 126 104 134 142 170 162

Ist 99 113 134 145 99 114 124 159 112 109 94 121 171 172 160

% vom RPL-Ansatz 94 95 129 123 141 114 83 90 73 87 91 90 121 101 99

Nordrhein- RPL-Ansatz 1) 218 213 219 219 175 167 205 260 278 287 337 324 377 335 368

Westfalen Ist 3) 201 205 238 267 204 221 203 247 292 281 305 295 329 325 340

% vom RPL-Ansatz 92 96 109 122 117 132 99 95 105 98 91 91 87 97 92

Rheinland- RPL-Ansatz 1) 100 109 93 102 82 83 86 82 73 75 87 83 97 94 100

Pfalz Ist 3) 92 87 104 80 70 70 81 69 98 111 75 98 116 79 94

% vom RPL-Ansatz 92 80 112 78 85 85 94 84 135 148 86 118 119 84 94

Saarland RPL-Ansatz 1) 59 32 41 42 42 38 43 27 23 16 26 29 34 41 39

Ist 57 26 37 36 49 41 44 33 22 20 25 29 32 31 38

% vom RPL-Ansatz 96 81 89 85 117 108 101 122 96 122 98 101 95 76 97

Sachsen RPL-Ansatz 1) 88 185 125 148 174 172 163 199 253 215 215 188 159

. .

.

Ist 73 76 105 133 170 154 163 167 180 215 225 223 183 157

% 86 57 107 115 88 95 103 91 85 105 104 97 99

. .

vom RPL-Ansatz

RPL-Ansatz 1) 37 53 71 80 88 97 114 118 137 129 154 132 126

. .

Sachsen-

.

Anhalt Ist 15 25 28 47 74 97 113 120 111 126 112 129 103 124

% 68 53 66 92 110 116 106 94 92 87 84 78 98

. .

vom RPL-Ansatz

Schleswig- RPL-Ansatz 1) 104 94 88 68 66 51 64 82 89 78 68 55 61 61 57

Holstein Ist 79 80 81 59 54 64 59 80 74 53 49 62 56 62 63

% vom RPL-Ansatz 76 85 92 87 81 126 92 98 83 68 72 112 91 102 111

Thüringen RPL-Ansatz 1) 34 52 85 92 102 110 103 89 98 80 95 109 98

. .

.

Ist 13 34 62 62 81 95 118 75 95 94 92 98 91 119

% 99 120 73 88 93 107 73 106 96 115 103 83 121

. .

vom RPL-Ansatz

Insgesamt RPL-Ansatz 1) 1.563 1.626 2.022 2.316 1.971 1.896 2.028 2.149 2.155 2.163 2.368 2.203 2.435 2.403 2.402

4)

Ist 1.418 1.437 1.842 2.083 1.823 1.840 1.898 2.085 2.041 2.000 2.036 2.103 2.287 2.193 2.310

% vom RPL-Ansatz 91 88 91 90 93 97 94 97 95 92 86 95 94 91 96

+ UK 2004 2) . . . . . 122 149 235 239 236 170 142 50 22 23

Hinzuweisen ist darauf, dass sich durch Einbeziehung möglicher Kostenänderungen die Prozentangaben ändern.

Abweichungen der Summen erklären sich durch Runden der Zahlen.

1) Angemeldete Finanzraten für die Vorhaben der Kategorie I (brutto, mit drittvorfinanzierten Vorhaben) gemäß der

vom Planungsausschuss verabschiedeten Rahmenpläne.

2) Erläuterungen zu der Vereinbarung "UK 2004" siehe im Kapitel II. Stand und Perspektiven.

3) Die Werte beinhalten nicht die Ausgaben für die im Rahmen des Bonn-Berlin-Ausgleichs gegründeten Fachhochschulen.

4) Ohne Ist-Ausgaben der Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

in Höhe von 132,0 Mio. Euro.

Quelle: Wissenschaftsrat nach Angaben des BMBF (Stand: 7.5.2004/9.11.2004).

35


I.6. Finanzplanung und Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau 7

Seit Einführung der Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau haben

phasenweise Bund und Länder Vor-/Mehrleistungen erbracht, die zunächst

bis zum Jahre 1984 nahezu vollständig abgebaut wurden. Seit

1987 sind wieder Vor-/Mehrleistungen der Länder auf den Bundesanteil

erforderlich, die nach Angaben des Bundes bis 1992 auf

428,0 Mio. Euro angestiegen und danach bis einschließlich 1995 auf

371,0 Mio. Euro zurückgegangen sind. Am Ende des Jahres 2003

betrugen die Vor-/Mehrleistungen der Länder insgesamt 486,0 Mio.

Euro (vgl. Übersicht 9). Grafik 3 verdeutlicht die Entwicklung der Vorund

Mehrleistungen von Bund und Ländern seit 1970.

Im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau wurden im

Jahr 2003 nach vorläufigen Angaben der Länder insgesamt

2,310 Mrd. Euro (ohne 23,0 Mio. Euro für Vorhaben nach der Vereinbarung

„UK 2004“) investiert. Im Vorjahr waren es 2,193 Mrd. Euro

(ohne 22,0 Mio. Euro für Vorhaben nach der Vereinbarung

„UK 2004“), d. h. die Ist-Ausgaben haben gegenüber 2002 um

117,0 Mio. Euro zugenommen (ohne „UK 2004“). Der Haushaltsansatz

des Bundes sah Mittelzuweisungen in Höhe von 1,06 Mrd. Euro

vor. Während diese Daten einerseits aktuell eine reale Zunahme

der Investitionen belegen, ist andererseits eine - insgesamt geringe -

Abnahme der angemeldeten Investitionsmittel zu beobachten (vgl.

das folgende Kapitel II.4.)

7

Die Entwicklung der Finanzierungsbasis der Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau

ist zuletzt ausführlich dargestellt in: Wissenschaftsrat, Empfehlungen zum

24. Rahmenplan, Bd. 1, S. 38 ff.

36


Übersicht 9: Vor- und Mehrleistungen von Bund und Ländern am

31. Dezember 2003 in Millionen Euro

Land

1

Vor-/Mehrleistungen

Land

Bund

2 3

Baden-Württemberg 93 .

Bayern 52 .

Berlin 26 .

Brandenburg 14 .

Bremen 0 .

Hamburg 7 .

Hessen 0 .

Mecklenburg-Vorpommern 12 .

Niedersachsen 37 .

Nordrhein-Westfalen 104 .

Rheinland-Pfalz 58 .

Saarland 4 .

Sachsen 51 .

Sachsen-Anhalt 9 .

Schleswig-Holstein 11 .

Thüringen 9 .

I n s g e s a m t 486 .

Alle Beträge auf volle Mio. Euro kaufmännisch gerundet; insgesamt gesondert kaufmännisch

gerundet.

Quelle: Wissenschaftsrat nach Angaben des BMBF, Stand Mai 2004.

37


Grafik 3: Vor- und Mehrleistungen von Bund und Ländern am

31. Dezember jeden Jahres (1970-2003)

600

550

500

450

400

350

300

250

200

150

100

50

0

1970 71 72 73 74 1975 76 77 78 79 1980 81 82 83 84 1985 86 87 88 89 1990 91 92 93 94 1995 96 97 98 99 2000 01 02 03

Bund 161 190 339 363 302 174 118 84 95 60 21 30

Länder 60 119 245 156 6 33 137 264 369 392 428 393 369 371 411 494 570 554 512 511 474 486

Mio. €

38


Die bereitgestellten Haushaltsmittel sowie die Ansätze der Finanzplanung

des Bundes seit 1987 sind in Übersicht 10 zusammengefasst.

Mit dem Beitritt der neuen Länder standen bundesseitig 1991

0,85 Mrd. Euro und 1992 0,82 Mrd. Euro zur Verfügung; 1993 und

1994 wurden auf Bundesseite jeweils 0,86 Mrd. Euro bereitgestellt.

Für 1995 wurde eine erneute Steigerung der Bundesmittel um

61,0 Mio. auf 0,92 Mrd. Euro erreicht; dieser Betrag wurde auch 1998

zur Verfügung gestellt. Für das Haushaltsjahr 1999 hat der Bund seinen

Ansatz um 102,0 Mio. Euro auf insgesamt 1,02 Mrd. Euro erhöht

und für das Haushaltsjahr 2000 entsprechend fortgeschrieben. In den

Haushaltsjahren 2001 und 2002 wurden jeweils 1,1 Mrd. Euro zur

Verfügung gestellt. 2003 verminderte der Bund seinen ursprünglichen

Ansatz von 1,1 Mrd. Euro um 40,0 Mio. Euro (-3,6 %) auf 1,06 Mrd.

Euro. In 2004, dem ersten Jahr des 33. Rahmenplans, liegt der Bundesansatz

bei 925,0 Mio. Euro. Das entspricht einer weiteren Kürzung

um 135,0 Mio. Euro (-12,7 %).

39


Übersicht 10: Haushalts- und Finanzplanung des Bundes

seit 1987 (Angaben in Milliarden Euro)

Jahr

Rahmenplan

16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31.

32.

33.

1987 0,53

1988 0,51 0,51

1989 0,46 0,46 0,51

1990 0,41 0,41 0,51 0,58

1991 0,41 0,51 0,56 0,85

1992 0,51 0,56 0,66 0,82

1993 0,56 0,66 0,82 0,86

1994 0,66 0,82 0,82 0,86

1995 0,82 0,82 0,82 0,92

1996 0,82 0,82 0,92 0,96

1997 0,82 0,92 0,99 0,92

1998 0,92 0,99 0,92 0,92

1999 0,99 0,92 0,92 1,02

2000 0,92 0,92 1,02 1,02

2001 0,92 1,02 1,02 1,10

2002 1,02 1,02 1,10 1,10

2003 1,02 1,10 1,10 1,06 1)

2004 1,10 1,10 1,10 0,93

2005 1,10 1,10 0,89

2006 1,10 0,84

2007 0,76

Insgesamt 1,91 1,79 2,05 2,27 2,84 3,27 3,31 3,31 3,68 3,94 3,68 3,68 4,09 4,09 4,40 4,40 4,36 3,42

1) Der ursprüngliche Haushaltsansatz des Bundes sah 1,10 Mrd. € vor, er wurde um 40 auf 1,06 Mrd. € gekürzt.

40


I.7. Anmeldungen der Länder zum 34. Rahmenplan

Folgende Merkmale kennzeichnen die Anmeldungen der Länder zum

34. Rahmenplan (vgl. Übersicht 11) 8 :

- Für die zum 34. Rahmenplan angemeldeten Vorhaben der Kategorie

I (laufende Vorhaben der Kategorie I oder mit Antrag auf Kategorie

I und Neuanmeldungen mit Antrag auf Kategorie I) ist ein

Finanzbedarf von insgesamt 11.766,0 Mio. Euro erforderlich. Verglichen

mit den Anmeldungen zum 33. Rahmenplan ist er um

18,0 Mio. Euro zurückgegangen (-0,2 %).

- Für die zum 34. Rahmenplan neu angemeldeten Vorhaben (Neuanmeldungen

einschließlich Kategorie III im 33. Rahmenplan) ist

ein Finanzbedarf von insgesamt 2.127,0 Mio. Euro erforderlich.

Verglichen mit den Anmeldungen zum 33. Rahmenplan ist er um

704,0 Mio. Euro zurückgegangen (-24,9 %).

- Für die zum 34. Rahmenplan neu angemeldeten Vorhaben ohne

Medizin (Neuanmeldungen einschließlich Kategorie III im 33.

Rahmenplan) ist ein Finanzbedarf von 1.221,0 Mio. Euro erforderlich.

Verglichen mit den Anmeldungen zum 33. Rahmenplan ist

eine Abnahme um 484,0 Mio. Euro festzustellen (-28,4 %).

- Für die zum 34. Rahmenplan neu angemeldeten Vorhaben der

Medizin (Neuanmeldungen einschließlich Kategorie III im 33.

Rahmenplan) ist ein Finanzbedarf von 582,0 Mio. Euro erforderlich.

Verglichen mit den Anmeldungen zum 33. Rahmenplan ist

eine Abnahme um 227,0 Mio. Euro zu verzeichnen (-28,1 %).

- Für die zum 34. Rahmenplan neu angemeldeten Vorhaben im Bereich

der Fachhochschulen (Neuanmeldungen einschließlich Kategorie

III im 33. Rahmenplan) ist ein Finanzbedarf von 313,0 Mio.

Euro erforderlich. Verglichen mit den Anmeldungen zum

33. Rahmenplan hat er um 116,0 Mio. Euro zugenommen

(58,9 %).

- Die bereits laufenden Vorhaben der Kategorie I erfordern ab 2005

bis zu ihrer Fertigstellung noch 7.573,0 Mio. Euro. Der Vergleichswert

aus dem 33. Rahmenplan beläuft sich auf 8.247,0 Mio. Euro,

d.h. er hat um 674,0 Mio. Euro oder 8,2 % abgenommen.

8

Übersicht 11 informiert über den Finanzbedarf nach den Anmeldungen der Länder

auf der Grundlage der vorgesehenen Bauzeiten und geplanten jährlichen Finanzraten

vor der Beratung der Vorhaben im Wissenschaftsrat. Dabei wird auch der Finanzbedarf

für die Vorhaben aufgezeigt, die die Länder zur Aufnahme in Kategorie I des Rahmenplans

angemeldet haben. Sie fasst die Darstellungen für die einzelnen Länder im jeweiligen

Länderteil (Übersicht D) zusammen.

41


- Bereits angemeldete Vorhaben der Kategorien IIa, II und P weisen

bis zu ihrer geplanten Fertigstellung noch ein Finanzvolumen von

8.243,0 Mio. Euro aus. Die Länder melden davon Vorhaben zur

Höherstufung in Kategorie I an, für die im Jahr 2005 ein Finanzbedarf

von 602,0 Mio. Euro besteht.

- Im Planungszeitraum sind Globalbeträge für die Beschaffung von

Großgeräten sowie Geräte im Rahmen des Computer-Investitions-

Programms (CIP) und des Wissenschaftler-Arbeitsplatzrechner-

Programms (WAP) mit einem Finanzvolumen von 1.316,0 Mio.

Euro angemeldet. Im Vergleich zum 33. Rahmenplan liegt eine

Zunahme um 20,0 Mio. Euro (1,5 %) vor. Einzelheiten können der

Übersicht 12 entnommen werden.

- Insgesamt umfassen die Anmeldungen zum 34. Rahmenplan ein

Finanzvolumen von 17.943,0 Mio. Euro (Abnahme um

1.340,0 Mio. Euro oder -6,9 % im Vergleich zum 33. Rahmenplan),

von denen 13.823,0 Mio. Euro auf die Laufzeit des 34. Rahmenplans

und 4.120,0 Mio. Euro auf die Zeit ab 2009 entfallen.

Die Vergleichswerte für den 33. Rahmenplan betragen

14.300,0 Mio. Euro bzw. 4.983,0 Mio. Euro, d.h. der Finanzbedarf

für die Laufzeit des 34. Rahmenplans hat um insgesamt

477,0 Mio. Euro (-3,3 %) abgenommen.

42


Übersicht 11: Finanzbedarf der Anmeldungen aller Länder

zum 34. Rahmenplan (ohne Vorhaben nach der Vereinbarung

„UK 2004“) Stand: 10.05.2004

Anmeldungen

Finanzierungsplan

2005 2006 2007 2008 2009 insgesamt

Laufende Vorhaben

der Kategorie I (1)

- ohne Medizin 1.180 848 443 215 587 3.273

- der Medizin 942 730 476 301 857 3.306

- Großgeräte 343 330 321 0 0 994

Zusammen 2.464 1.908 1.241 516 1.444 7.573

darunter:

Fachhochschulen 269 199 117 43 128 755

Laufende Vorhaben

der Kategorie IIa (2)

- ohne Medizin 216 318 245 102 33 914

- der Medizin 125 185 132 86 104 632

Zusammen 340 503 377 187 138 1.546

darunter:

Fachhochschulen 45 73 63 22 4 207

darunter:

mit Antrag auf Kategorie I

- ohne Medizin 215 307 238 99 33 892

- der Medizin 125 185 132 86 104 632

Z u s a m m e n 339 492 370 184 138 1.524

darunter:

Fachhochschulen 44 67 60 31 4 196

Laufende Vorhaben

der Kategorie II und P (3)

- ohne Medizin 280 703 846 741 1.108 3.680

- der Medizin 238 485 622 635 1.037 3.017

Zusammen 519 1.188 1.469 1.376 2.145 6.697

darunter:

Fachhochschulen

74 174 235 198 146 828

darunter:

mit Antrag auf Kategorie I

- ohne Medizin 142 266 216 108 50 781

- der Medizin 121 186 193 162 109 771

Zusammen 263 452 408 270 160 1.552

darunter:

Fachhochschulen

36 67 57 29 2 190

Laufende Vorhaben

Zusammen 3.323 3.600 3.086 2.080 3.727 15.816

darunter:

Fachhochschulen

388 446 416 264 277 1.790

43


Fortsetzung der Übersicht 11 aller Länder

-Finanzbedarf der Anmeldungen zum 34. Rahmenplan

Anmeldungen

Finanzierungsplan

2005 2006 2007 2008 2009 insgesamt

Neuanmeldungen 2)

des 34. RPI (4)

- ohne Medizin 128 330 343 183 238 1.221

- der Medizin 71 111 126 119 155 582

- Großgeräte 1) 0 0 0 324 0 324

Zusammen 199 441 469 626 393 2.127

darunter:

Fachhochschulen 28 78 87 60 60 313

darunter:

mit Antrag auf Kategorie I

- ohne Medizin 90 211 178 52 35 567

- der Medizin 39 61 46 27 54 227

- Großgeräte 1) 0 0 0 324 0 324

Z u s a m m e n 130 272 224 403 89 1.117

darunter:

Fachhochschulen 21 47 43 19 10 139

Summe (1) bis (4)

(=Anmeldungen 34. RP)

- ohne Medizin 1.804 2.199 1.877 1.241 1.967 9.088

- der Medizin 1.375 1.512 1.357 1.141 2.153 7.538

- Großgeräte 1) 343 330 321 324 0 1.318

Insgesamt 3.522 4.401 3.555 2.706 4.120 17.943

darunter:

Fachhochschulen

Summe laufende Vorhaben

der Kategorie I

Summe Vorhaben mit

Antrag auf Kategorie 1

416 523 503 323 337 2.103

2.464 1.908 1.241 516 1.444 7.573

732 1.216 1.002 857 386 4.193

Insgesamt 3.196 3.124 2.243 1.373 1.830 11.766

1) Globalbeträge einschließlich CIP und WAP.

2) Nicht in den Rahmenplan aufgenommene Vorhaben (Kategorie III) und erstmalige Anmeldungen.

Finanzbedarf der Anmeldungen aller Länder der Kategorie I oder mit Antrag auf Kategorie I

zum 34. Rahmenplan im Jahr 2005

(Angaben in Mio. €):

Vorhaben ohne Medizin 1.627 -8,9 % Zum Vergleich die 1.786

Vorhaben der Medizin 1.227 -1,8 % Summen des 33. RP: 1.250

Großgeräte/CIP/WAP 343 +1,8 % 337

Insgesamt 3.196 3.373

Abweichungen in den Summen durch Runden der Zahlen.

44


Übersicht 12: Globalbeträge für Großgeräte einschließlich

CIP und WAP – Angaben in T€

Land 2005 2006 2007 2008 Summe

Baden-Württemberg 48.000 45.000 42.000 42.000 177.000

Bayern 42.000 42.000 42.000 42.000 168.000

Berlin 15.000 15.500 16.000 16.500 63.000

Brandenburg 7.700 7.700 7.700 7.700 30.800

Bremen 7.000 4.090 4.100 5.000 20.190

Hamburg 11.350 9.450 9.450 9.450 39.700

Hessen 30.000 30.000 25.000 25.000 110.000

Mecklenburg-Vorpommern 5.340 6.000 7.000 8.000 26.340

Niedersachsen 30.000 27.000 25.000 25.000 107.000

Nordrhein-Westfalen 62.000 62.000 62.000 62.000 248.000

Rheinland-Pfalz 19.000 15.000 15.000 15.000 64.000

Saarland 5.300 5.600 5.600 5.800 22.300

Sachsen 20.452 20.500 20.500 20.500 81.952

Sachsen-Anhalt 23.700 23.700 23.700 22.000 93.100

Schleswig-Holstein 7.158 7.158 7.158 7.158 28.632

Thüringen 9.000 9.000 9.000 9.000 36.000

Neue Länder 66.192 19% 66.900 20% 67.900 21% 67.200 21% 268.192 20%

Alte Länder 276.808 81% 262.798 80% 253.308 79% 254.908 79% 1.047.822 80%

Insgesamt 343.000 100% 329.698 100% 321.208 100% 322.108 100% 1.316.014 100%

Quelle: Anmeldungen der Länder zum 34. Rahmenplan (Stand: 25. Mai 2004)

45


Übersicht 13: Entwicklung des Finanzbedarfs der Neuanmeldungen

seit dem 24. Rahmenplan

Neuanmeldungen 1) zum jeweiligen Rahmenplan (in Mio. €)

Rahmenplan

1

ohne

Medizin

+/-

+/-

abs.

abs.

%

%

2 3 4 5

Medizin Großgeräte Gesamtkosten

darunter:

Fachhochschulen

+/-

+/-

+/-

abs. abs. abs.

%

%

%

6 7 8 9

10 11

24. RPL 4.127 3.121 456 7.703 1.367

25. RPL 2.606 -37 1.955 -37 492 8 5.053 -34 693 -49

26. RPL 2.041 -22 1.608 -18 534 9 4.182 -17 512 -26

27. RPL 2.051 0 1.872 16 529 -1 4.452 6 578 13

28. RPL 1.757 -14 1.456 -22 545 3 3.757 -16 377 -35

29. RPL 2.049 17 1.529 5 372 -32 3.949 5 649 72

30. RPL 1.451 -29 1.020 -33 343 -8 2.814 -29 338 -48

31. RPL 1.718 18 1.671 64 334 -3 3.723 32 407 21

32. RPL 2.470 44 1.370 -18 311 -7 4.152 12 488 20

33. RPL 1.705 -31 809 -41 317 2 2.831 -32 197 -60

34. RPL 1.221 -28 582 -28 324 2 2.127 -25 313 59

Rundungsdifferenzen

1) Nicht in den Rahmenplan aufgenommene Vorhaben (Kategorie III) und erstmalige Anmeldungen.

Quelle: Anmeldungen der Länder zu den jeweiligen Rahmenplänen für den Hochschulbau

34. Rahmenplan mit Stand vom 28. Mai 2004

46


Grafik 4: Entwicklung der Neuanmeldungen seit dem

24. Rahmenplan

9.000

8.000

7.000

6.000

5.000

4.000

3.000

2.000

1.000

0

24. RPL 25. RPL 26. RPL 27. RPL 28. RPL 29. RPL 30. RPL 31. RPL 32. RPL 33. RPL 34. RPL

insgesamt Medizin ohne Medizin Großgeräte Fachhochschulen

Mio. €

47


B. Empfehlungen zum 34. Rahmenplan

Die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau leistete auch im vergangenen

Jahrzehnt wesentliche Beiträge zum Ausbau und zur Modernisierung

des deutschen Hochschulsystems. In diesem Zeitraum mussten

erhebliche Anstrengungen zum Aufbau und zur Förderung der

Hochschulen in den neuen Ländern unternommen werden; generell

hielt die - gemessen an den vorhandenen Studienplätzen - hohe

Nachfrage nach Studienplätzen in Deutschland an. Bund und Länder

haben sich den hieraus resultierenden Aufgaben gestellt: in dem Zeitraum

zwischen 1989 und 2003 wurden innerhalb der Gemeinschaftsaufgabe

Hochschulbau nominal rund 31,0 Mrd. Euro aufgewendet

(inkl. Vorhaben nach der Vereinbarung „UK 2004“); insgesamt entstanden

zwischen 1989 und 2003 rund 309.800 weitere flächenbezogene

Studienplätze. 9

Bund und Länder haben mit ihren Investitionen somit bedeutende

Ausbauleistungen erbracht. Die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau

hat sich in ihrer unmittelbaren Funktion zur Finanzierung von

Gebäuden und technisch-wissenschaftlicher Infrastruktur für Forschung

und Lehre in vieler Hinsicht bewährt. Eine Analyse der Entwicklung

in den zurückliegenden Jahren zeigt allerdings auch, dass

sie nicht nur vor der Bewältigung neuer, sondern auch vor seit langem

bekannten Herausforderungen steht.

Mit Blick auf die finanzpolitische Situation wird seit dem 22. Rahmenplan

deutlich, dass für die Umsetzung sämtlicher Empfehlungen zu

den Rahmenplänen mehr Mittel notwendig sind als bereitgestellt werden

konnten. Die Steigerung der Mittel für den Hochschulbau 10 in den

zurückliegenden Jahren hat die Finanzsituation der Gemeinschaftsaufgabe

zwar deutlich entspannt, gleichwohl den in den 90er Jahren

entstandenen Investitionsstau nicht beseitigen können. Auf absehbare

Zeit wird die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau daher mit dem

Abbau des Investitionsstaus belastet sein. Dies wiegt umso schwerer,

als gleichzeitig der Abbau der Mehrleistungen in den nächsten Jahren

einvernehmlich fortgeführt werden muss und Mittel für die drittvor-

9

Flächenbezogene Studienplätze (ohne Human- und Zahnmedizin) an Universitäten,

Pädagogischen Hochschulen, Gesamthochschulen, Musik- und Kunsthochschulen,

Fachhochschulen: WS 1989/90 insgesamt 734.000, WS 2003/04 insgesamt

1.043.800. Deutlichste Steigerung im gleichen Zeitraum bei Fachhochschulen um

86,3 % von 138.000 auf 257.100. Die neuen Länder verfügen gegenwärtig über rd.

152.400 flächenbezogene Studienplätze (ohne Ostteil von Berlin).

10

Insgesamt vgl. Übersichten 6 und 7 mit den Ist-Ausgaben des Bundes und der

Länder (von 1997: 2.041,0 Mio. Euro bis 2003: 2.310,0 Mio. Euro, ohne UK 2004), von

Seiten des Bundes vgl. Übersicht 10 mit den Haushaltsansätzen (1997: 0,92 Mrd., ab

2001: 1,1 Mrd. Euro; 2003: 1,06 Mrd. Euro; 2004 stellt der Bund 925,0 Mio. Euro zur

Verfügung).

48


finanzierten Vorhaben bereit zu stellen sind. Ein Abbau des Investitionsstaus

der Gemeinschaftsaufgabe ist daher nur möglich, wenn es

mindestens wieder zu dem in den Jahren 2001 und 2002 gewährleisteten

Mittelvolumen kommt. Es ist erforderlich, die aufgetretenen Finanzierungsprobleme

zu bewältigen.

Seit Mitte der 90er Jahre haben sich die hochschulpolitischen Rahmenbedingungen

und Zielsetzungen verändert. Bund und Länder

messen der Steigerung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit ihrer

wissenschaftlichen Einrichtungen erhöhte Bedeutung bei und setzen

entsprechende - auch finanziell wirksame - Steuerungsinstrumente

ein. Zahlreiche Länder streben eine nachhaltige Stärkung der

Eigenverantwortung der Hochschulen an und ziehen sich so weit wie

möglich aus der Detailsteuerung der Hochschulen zurück. Im Zuge

solcher Reformen sollen auch betriebswirtschaftliche Organisationsund

Steuerungsmodelle auf die wissenschaftlichen Einrichtungen ü-

bertragen und damit Gesichtspunkten wie Leistung, Effizienz und

Ressourcenschonung eine erhöhte Bedeutung beigemessen werden.

Dies betrifft auch die Modalitäten, unter denen Hochschulen Flächen

und wissenschaftlich-technische Infrastruktur, deren Bereitstellung

einen hohen Mitteleinsatz erfordert, flexibel und leistungsbezogen in

Anspruch nehmen können. In einigen Ländern liegen hierzu Nutzungs-

und Finanzierungsmodelle vor, die schrittweise eingeführt

werden. Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, in

welchem Ausmaß und in welcher Weise dem Gesichtspunkt der Leistung

in Forschung und Lehre bei der Vergabe der Mittel auch im

Rahmen des Hochschulbauförderungsgesetzes angemessen Rechnung

getragen werden kann. Nach Auffassung des Wissenschaftsrates

müssen die übergreifenden Ziele der Gemeinschaftsaufgabe

Hochschulbau, wie sie in § 2 des Hochschulbauförderungsgesetzes

niedergelegt sind, weiterhin gültig bleiben und in der Wahrnehmung

der Gemeinschaftsaufgabe - für die die Hochschulen ein nach Aufgabenstellung,

Fachrichtung, Zahl, Größe und Standort zusammenhängendes

System bilden - wesentlich nachhaltiger realisiert werden.

B.I. Ziele und Prioritäten

Die wesentlichen hochschulpolitischen Ziele für die Hochschulentwicklung

in den 90er Jahren wurden vom Wissenschaftsrat zwischen

1989 und 1993 sowohl für die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau

11 als auch darüber hinaus für das Hochschulsystem 12 formuliert.

11

Wissenschaftsrat: Empfehlungen zum künftigen Hochschulausbau. In: Empfehlungen

und Stellungnahmen 1989, Köln 1990, S. 11-38. Der im selben Jahr verabschiedete

Allgemeine Teil der Empfehlungen zum Rahmenplan enthielt weitere Empfehlungen

49


Zum Zeitpunkt der Verabschiedung der Empfehlungen zum künftigen

Hochschulausbau im Frühsommer 1989 waren die grundlegenden

Umwälzungen der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in

der DDR noch nicht erkennbar, doch setzten sie bald danach ein. Die

Herstellung der Deutschen Einheit und die Einführung eines föderal

strukturierten Wissenschaftssystems in den neuen Ländern stellte

auch die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau vor neue Herausforderungen,

zu deren Bewältigung der Wissenschaftsrat vielfältige

Empfehlungen aussprach. 13 Dessen allgemeine Empfehlungen zum

Hochschulbau und speziell zur Entwicklung in den neuen Ländern

prägten in den Folgejahren die Hochschulpolitik und die Investitionsmaßnahmen

in entscheidender und nachhaltiger Weise. Diese zwischen

1989 und 1993 entwickelten quantitativen Zielsetzungen lassen

sich in folgender Weise zusammenfassen:

Angesichts der anhaltend hohen Zahl an Studienanfängern soll das

Hochschulsystem durch Schaffung zusätzlicher flächenbezogener

Studienplätze weiter ausgebaut werden; besondere Anstrengungen

sind dabei für die Fachhochschulen zu unternehmen. Der Wissenschaftsrat

hielt in seinen Empfehlungen zum künftigen Hochschulausbau

(1989) zunächst insgesamt 200.000 flächenbezogene Studienplätze

an Fachhochschulen für erforderlich. 14 Zu jenem Zeitpunkt

verfügten die elf Bundesländer über rund 136.000 flächenbezogene

Studienplätze an Fachhochschulen. 15 Für die Entwicklung in den

mit einer längerfristigen Perspektive. Wissenschaftsrat: Empfehlungen zum

19. Rahmenplan für den Hochschulbau 1990-1993, Allgemeiner Teil. In: Empfehlungen

und Stellungnahmen 1989, Köln 1990, S. 39-80.

12

Wissenschaftsrat: Empfehlungen zu den Perspektiven der Hochschulen in den

90er Jahren. Köln 1988. Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Entwicklung der Fachhochschulen

in den 90er Jahren. Köln 1991. Wissenschaftsrat: 10 Thesen zur Hochschulpolitik.

In: Empfehlungen und Stellungnahmen 1993, Köln 1994, S. 7-46.

13

Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur künftigen Struktur der Hochschullandschaft in

den neuen Ländern und im Ostteil von Berlin. Teil I-V. Köln 1992-1994 sowie beginnend

mit Wissenschaftsrat: Empfehlungen zum 21. Rahmenplan für den Hochschulbau

1992-1995, Köln 1991.

14

Wissenschaftsrat: Empfehlungen zum 19. Rahmenplan für den Hochschulbau

1990-1993, Bd. 1, Allgemeiner Teil, S. 27 (Gesamtbestand zu jenem Zeitpunkt: rund

721.600 Studienplätze nach Flächenrichtwerten (ohne Medizin)). Die Forderung nach

Erhöhung der Studienplätze bedeutete über die bereits im 19. Rahmenplan vorgesehenen

rund 150.000 Studienplätze hinaus rund 50.000 zusätzliche flächenbezogene

Studienplätze für die Fachhochschulen. Zu aktuellen Empfehlungen vgl. auch Wissenschaftsrat:

Thesen zur künftigen Entwicklung des Wissenschaftssystems in Deutschland,

a. a. O., insb. S. 16ff. und Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Entwicklung der

Fachhochschulen, Köln 2002.

15

Diese Empfehlungen des Wissenschaftsrates wurde von den Regierungschefs des

Bundes und der Ländern in einer „Gemeinsamen Erklärung zu grundsätzlichen Fragen

der Bildungs- und Forschungspolitik“ vom 21. Dezember 1989 aufgegriffen und nachhaltig

unterstützt. Vgl. Wissenschaftsrat: Empfehlungen zum 20. Rahmenplan für den

Hochschulbau 1991-1994, Allgemeiner Teil. In: Empfehlungen und Stellungnahmen

1990, Köln 1991, S. 99 f.

50


neuen Ländern empfahl der Wissenschaftsrat, der Erneuerung der

bestehenden Hochschulen Vorrang vor der Gründung neuer Universitäten

zu geben. 16 In einer ersten Phase sollte neben der Konsolidierung

der bestehenden Hochschulen der Ausbau der Fachhochschulen

im Vordergrund stehen, für die zunächst 52.000 flächenbezogene

Studienplätze erforderlich gehalten wurden. 17

Unter Berücksichtigung einer eingehenden Analyse des sich herausbildenden

Hochschulsystems in den neuen Ländern und im Ostteil

von Berlin empfahl der Wissenschaftsrat in seinen 10 Thesen zur

Hochschulpolitik dann Anfang 1993 für das gesamte Bundesgebiet

einen Ausbau der Hochschulen auf 1.250.0000 flächenbezogene

Studienplätze, davon 350.000 an Fachhochschulen, verbunden mit

einer regelmäßigen Überprüfung sowohl der Zielzahl als auch ihrer

strukturellen Verteilung vor dem Hintergrund der tatsächlichen Entwicklung

der Nachfrage. 18 Mit diesem Ausbauziel ließe sich ein Fachhochschulanteil

von knapp 30 % der Studienplätze erreichen.

B.II. Stand und Perspektiven

Im Wintersemester 2003/04 verfügten die in die Anlage zum Hochschulbauförderungsgesetz

aufgenommenen Hochschulen in

Deutschland 19 über insgesamt rund 1.043.800, darunter die Fachhochschulen

über rund 257.100 flächenbezogene Studienplätze (vgl.

Übersicht 4). Gemessen an dem in den 10 Thesen zur Hochschulpolitik

im Jahr 1993 formulierten Ausbauziel fehlen für die Hochschulen

insgesamt 206.200, darunter für die Fachhochschulen rund 92.900

Studienplätze. Gegenüber dem Stand von 1990/91 hat sich die Auslastung

der Universitäten dem damaligen Niveau wieder angeglichen,

während sich die Situation an den Fachhochschulen allerdings deutlich

entspannt darstellt (vgl. auch Abschnitt A.I.2.). Bezogen auf die

Kennziffer „Studienanfänger multipliziert mit Regelstudiendauern in

Prozent flächenbezogener Studienplätze" beträgt die Auslastung im

Wintersemester 2003/04

16

Vgl. Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur künftigen Struktur der Hochschullandschaft

in den neuen Ländern und im Ostteil von Berlin. Teil I. Köln 1992, S. 10ff.

17

Wissenschaftsrat: Empfehlungen zum 22. Rahmenplan für den Hochschulbau

1993-1996, Bd. 1, Allgemeiner Teil, S. 56

18

Wissenschaftsrat, 10 Thesen zur Hochschulpolitik, in: Empfehlungen und Stellungnahmen

1993, Köln 1994, S. 24 f.

19

Ohne Human- und Zahnmedizin mit insgesamt rund 94.000 Studierenden, weil für

diese Fächergruppen keine Flächenrichtwerte existieren.

51


- 149 % an Universitäten (1990/91: 144 %) 20 und

- 131 % an Fachhochschulen (1990/91: 160 %).

Die Auslastung im Wintersemester 2003/04 resultiert aus den in den

vergangenen Jahren zusätzlich geschaffenen Studienplätzen einerseits

und der seit 1999 wieder stärker zunehmenden Anzahl der Studienanfänger

pro Jahr andererseits. 21 Die Zahl der Stellen für wissenschaftliches

Personal in den alten und in den neuen Ländern blieb

hingegen weitgehend konstant (vgl. Übersicht 5).

Wie aus der Darstellung der Ziele und Prioritäten ersichtlich, sah sich

das deutsche Hochschulsystem seit Beginn der 90er Jahre umfangreichen

Anforderungen ausgesetzt, zu deren Bewältigung erhebliche

finanzielle Mittel bereitgestellt werden mussten. Bei allen - bezogen

auf die erreichte Auslastung - erfolgreichen Anstrengungen

konnten mangels Finanzkraft oder infolge anderer Prioritätensetzungen

in den Haushalten nicht sämtliche Ziele erreicht werden. So lässt

sich seit längerem ein Teil des vom Wissenschaftsrat als wissenschaftspolitisch

notwendig anerkannten Investitionsbedarfs nicht zeitnah

realisieren. Vorhaben müssen aus finanzpolitischen Gründen

verschoben werden. Die Inangriffnahme neuer Vorhaben wird hierdurch

in erheblichem Maße eingeschränkt, worunter nicht nur die

Planungssicherheit in den Ländern, sondern auch die erforderliche

Modernisierung der Hochschulen leiden. Die Auswirkungen des Investitionsstaus

lassen sich daran erkennen, dass - bezogen auf das

für die Verabschiedung des Rahmenplans maßgebliche erste Jahr -

das Finanzvolumen für die Kategorie I der laufenden Vorhaben des

alten Rahmenplans bereits fast vollständig die Höhe der von Bund

und Ländern für den zur Verabschiedung anstehenden Rahmenplan

bereitgestellten Mittel ausfüllen oder aktuell sogar bereits überschreiten

(vgl. Übersicht 14). Allerdings bildet sich hierin auch die Praxis

eines Teils der Länder ab, neue Vorhaben mit niedrigen Raten im

ersten Rahmenplanjahr anzumelden, was zwangsläufig zu einem

starken Anstieg des Ratenvolumens im zweiten Rahmenplanjahr

führt.

20

Aus Übersicht 4 (beachten: dort sind die Universitäten und Gesamthochschulen

zusammengefasst) geht hervor, dass insbesondere die Universitäten der neuen Länder

deutlich über dem Durchschnittswert liegen, während dies für die Fachhochschulen

nicht gilt.

21

Sie lag von 1991 bis 1998 zwischen rund 239.000 und 251.000 Studienanfängern

und zog 1999 auf 264.000, 2000 auf 290.000, 2001 auf 315.000, 2002 auf 326.000 und

2003 auf rund 343.000 Studienanfänger an (vgl. Übersicht 1).

52


Um über diesen eingeschränkten Rahmen hinaus weiter handlungsfähig

bleiben zu können, wurden in der Vergangenheit zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten

erschlossen oder weiterhin genutzt:

a) Bund und Länder haben phasenweise seit Einführung der Gemeinschaftsaufgabe

Hochschulbau Vor- oder Mehrleistungen erbracht,

um dringend notwendige Maßnahmen durchführen zu können.

22 In einer ersten Phase wurden diese allerdings bis zum Jahre

1984 nahezu vollständig abgebaut. Seit 1987 waren erneut Vor-

/Mehrleistungen der Länder auf den Bundesanteil erforderlich, die bis

1992 auf 428,0 Mio. Euro angestiegen sind. Für die seit 1991 in die

Berechnung einbezogenen neuen Länder hat der Bund bis Ende

1993 Vor-/Mehrleistungen in Höhe von 31,0 Mio. Euro erbracht. Die

Vor-/Mehrleistungen der Länder, die Ende 2003 insgesamt

486,0 Mio. Euro betrugen (vgl. Übersicht 9 und Grafik 3), haben dazu

beigetragen, den entstandenen Investitionsstau zu mildern; sie konnten

ihn allerdings nicht verhindern.

b) Die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Bremen und Hessen haben

im März 1994 mit dem Bund eine Vereinbarung „UK 2004“ abgeschlossen,

die es ihnen - auf der Basis einer Kategorie-I-Empfehlung

des Wissenschaftsrates - ermöglichte, eine begrenzte Anzahl von

Vorhaben zu realisieren, die zum Baubeginn freigegeben wurden, allerdings

von den Ländern vorfinanziert werden mussten. Die Vereinbarung

besagt, dass diese Länder solche Vorhaben auf eigene Kosten

durchführen, aber die Möglichkeit besteht, dass sie nachträglich

in den Rahmenplan aufgenommen werden können. Voraussetzung

hierfür ist, dass die Finanzausstattung der Gemeinschaftsaufgabe

dies zu diesem Zeitpunkt erlaubt. Im Jahr 1995 wurde die Vereinbarung

um ein Vorhaben aus Berlin erweitert. Im Rahmen der UK 2004-

Vereinbarung werden im 34. Rahmenplan insgesamt 30 Vorhaben

mit Gesamtkosten in Höhe von rund 1,55 Mrd. Euro geführt.

Der jeweilige finanzielle Umfang der von den fünf Ländern durchgeführten

Vorhaben nach der Vereinbarung „UK 2004“ kann den betreffenden

Länderteilen entnommen werden (jeweils Kap. II.2 Angemeldeter

Finanzbedarf).

Bund und Länder haben sich bisher nicht auf eine Mitfinanzierung

von Vorhaben im Rahmen der Vereinbarung „UK 2004“ verständigen

können.

22

Unter Mehrleistungen versteht der Bund die sich aus der jährlichen Abrechnung

von Vorhaben ergebenden gegenseitigen Ansprüche. Die Länder bezeichnen dies als

Vorleistungen.

53


c) Eine weitere Konsequenz der Unterfinanzierung des Hochschulbaus

war die Öffnung des Hochschulbauförderungsgesetzes für drittvorfinanzierte

Vorhaben im Jahre 1996. Diese Finanzierungsform, an

der sich der Bund beteiligt (vgl. Kap. B.III.2.), ermöglicht den Ländern

ein schnelles Umsetzen von Bauvorhaben. Diese Option sollte allerdings

aufgrund künftiger Zinsbelastungen im Hochschulbauförderungsgesetz

nur eine befristete Lösung darstellen. 23

„Flächenbezogene Studienplätze“ bilden im Hochschulbau traditionell

eine zentrale Planungs- und Steuerungsgröße. Mit ihr lassen sich die

notwendigen Bau-, Infrastruktur- und (Groß-)Geräte-Vorhaben des

Hochschulbaus allerdings nicht vollständig erschließen. Zwar ist diese

Kategorie zentral für die Bestimmung der Ausbauziele vor allem

unter planerischen Gesichtspunkten für Lehre und Studium, allerdings

kann sich der Hochschulbau nicht in der Schaffung von neuen

Studienplätzen erschöpfen. Seit geraumer Zeit gelten die Bauvorhaben

an Hochschulen entweder Neubauten für die Bildung neuer Forschungsschwerpunkte,

Verfügungsflächen zum flexiblen Einsatz, Ersatzbauten

für nicht mehr betriebsfähige Gebäude, Bibliotheken, Rechenzentren

oder schließlich der Sicherung der Infrastruktur. „Alle

diese Vorhaben“, so stellte der Wissenschaftsrat bereits im Jahr 1989

fest, „sind mit den Kategorien flächenbezogener Studienplätze nicht

zu erfassen.“ 24 Deshalb kann der Parameter „flächenbezogener

Richtwert für Studienplätze“ für den Ausbau speziell der Universitäten,

aber auch der Medizinischen Einrichtungen und Fachhochschulen

nicht allein ausschlaggebend sein. Vielmehr dient die Gemeinschaftsaufgabe

Hochschulbau generell der Sicherung einer angemessenen

Ausstattung in Forschung und Lehre. Vor diesem Hintergrund

soll die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau

- zum einen zu einem weiteren Ausbau der Hochschulen unter Orientierung

an deren flächenbezogenen Studienplätzen beitragen,

zumal in Deutschland der Anteil eines Altersjahrgangs, der ein

Hochschulstudium erfolgreich absolviert, weiter erhöht werden

muss,

- zum anderen die notwendige Qualität (der Ausstattung) innerhalb

des Hochschulsystems sichern, ohne dabei unmittelbar die Zahl

der Studienplätze zu erhöhen.

Der Wissenschaftsrat hält es deshalb für erforderlich, in noch stärkerem

Maße als bisher sowohl bei der Vergabe von Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe

Leistungs-, Qualitäts- und Bedarfsgesichtspunk-

23

24

Weitere Empfehlungen zur Finanzierung werden in Kapitel B.III. ausgesprochen.

Wissenschaftsrat: Empfehlungen zum künftigen Hochschulausbau. In: Empfehlungen

und Stellungnahmen 1989, Köln 1990, S. 22.

54


te zu berücksichtigen als auch Schwerpunktbildungen in Ländern und

ggf. deren Koordinierung über Ländergrenzen hinweg aus einer ü-

bergreifenden Perspektive und im Hinblick auf die internationale

Wettbewerbsfähigkeit von Hochschuleinrichtungen zu begutachten.

Übersicht 14: Finanzbedarf nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates

und die Haushaltsansätze von 1995 bis 2004

Angaben in Mio. €

2004 2003 2002 2001 2000 1999 1998 1997 1996 1995

Bereich

Rpl. Mio. Rpl. Mio. Rpl. Mio. Rpl. Mio. Rpl. Mio. Rpl. Mio. Rpl. Mio. Rpl. Mio. Rpl. Mio. Rpl. Mio.

1 5 6 7 9 10

3 11

1 Kategorie I im 32. 2.294 31. 2.181 30. 2.151 29. 2.013 28. 2.039 27. 1.638 26. 1.703 25. 1.620 24. 1.506 23. 1.264

2 Kategorie I neu ab 33. 661 32. 730 31. 658 30. 571 29. 512 28. 688 27. 744 26. 823 25. 738 24. 1.001

3 Summe brutto 2.955 2.911 2.809 2.584 2.551 2.326 2.448 2.443 2.244 2.265

4

Summe netto 1) 2.482 2.474 2.415 2.222 2.140 1.943 2.044 2.045 1.880 1.897

5 GG/CIP/WAP 337 317 332 336 341 294 532 519 503 453

6 Insgesamt (Zeilen 4 + 5) 2.819 2.791 2.747 2.558 2.481 2.237 2.576 2.564 2.382 2.350

Haushaltsansätze

Bund/Länder 2) 33. 1.850 32. 2.120 3) 31. 2.200 30. 2.200 29. 2.045 28. 2.045 27. 1.841 26. 1.841 25. 1.922 24. 1.841

8 Differenz (Zeilen 7 ./. 6) -969 -671 -547 -358 -436 -192 -736 -723 -460 -510

Einschließlich drittvorfinanzierte Vorhaben.

1) Berücksichtigt wird eine Realisierungsquote von 84 % für 2004, von 85 % für 2003 und von 86 % für 2002 und 2001; bis 2000 galt 85/80 % für alte/neue Länder.

2) Vorwegabzüge zum Abbau der Mehrleistungen der Länder (2003: 80,0 Mio. € , 2002: 81,8 Mio. €, 2001: 51,1 Mio. € [zzgl. einmalige zweckgebundene Zuweisung von 33,2 Mio. €],

2000: 81,8 Mio. €, 1999: 20,5 Mio. €) sind nicht berücksichtigt. Weitere Vorwegabzüge 2004: 10,0 Mio. € für den Höchstleistungsrechner am Leibniz-Rechenzentrum München; 2003:

18,8 Mio. € für den Höchstleistungsrechner der Universität Stuttgart; 2000: 20,5 Mio. € für den Höchstleistungsrechner der Universität München.

3) Der ursprüngliche Haushaltsansatz des Bundes sah 1.100 Mio. € vor; er wurde um 40 auf 1.060 Mio. € gekürzt.

Quelle: Wissenschaftsrat

7

2

4

8

55


B.III.

56

Finanzbedarf nach Empfehlungen zu Vorhaben

Der Wissenschaftsrat hat in Anlehnung an die Empfehlungspraxis

seit den Empfehlungen zum 11./12. Rahmenplan für den Hochschulbau

seine Stellungnahmen zu einzelnen Vorhaben auch unter dem

Gesichtspunkt der zeitlichen Priorität abgegeben. Er hat dabei in Ü-

bereinstimmung mit früheren Empfehlungen und Entscheidungen des

Planungsausschusses für den Hochschulbau folgende Kategorien

empfohlen:

Kategorie I:

Kategorie IIa:

Kategorie II:

Kategorie III:

Kategorie P:

In den Rahmenplan aufgenommen. Die

Vorhaben sind zur Mitfinanzierung der Planung

und der Baudurchführung bzw. der

Beschaffung nach § 3 Hochschulbauförderungsgesetz

- bei Großgeräten vorbehaltlich

der Empfehlung des Wissenschaftsrates

- freigegeben.

Vom Wissenschaftsrat nach Kategorie I

empfohlen und grundsätzlich in den Rahmenplan

aufgenommen, aber aus finanziellen

Gründen vom Planungsausschuss zurückgestellt.

Die Kosten der Planung der

Vorhaben sind zur Mitfinanzierung freigegeben.

Über die Freigabe der Durchführung

bzw. Beschaffung wird bei der Fortschreibung

des Rahmenplans entschieden.

Grundsätzlich in den Rahmenplan aufgenommen.

Die Kosten der Planung der Vorhaben

sind zur Mitfinanzierung freigegeben.

Über die Freigabe der Durchführung bzw.

Beschaffung wird bei der Fortschreibung

des Rahmenplans entschieden.

Nicht in den Rahmenplan aufgenommen.

Eine erneute Anmeldung kann zu den folgenden

Rahmenplänen stattfinden.

Eine abschließende Einstufung in die Kategorien

I, II oder III ist gegenwärtig nicht

möglich.

Nicht gesondert freigegebene Planungskosten für Vorhaben der Kategorien

III und P sowie für noch nicht zum Rahmenplan angemelde-


te Vorhaben werden bei Einstufung des Vorhabens in Kategorie I, II

oder IIa mitfinanziert. Andere - nicht freigegebene - Ausgaben für

Vorhaben der Kategorien II, IIa, III und P sind von der Mitfinanzierung

ausgeschlossen; es sei denn, es ist eine Unbedenklichkeitserklärung

erteilt worden. Gesondert zur Mitfinanzierung freigegebene Beträge

der Kategorien II, IIa, III und P bleiben unberührt.

Die Empfehlungen zu den von den 16 Ländern angemeldeten Vorhaben

sind in den jeweiligen Länderteilen dieser Empfehlungen zusammengefasst.

Die rechtlichen Voraussetzungen für die Finanzierung

nach dem Hochschulbauförderungsgesetz werden in den Gremien

des Planungsausschusses geprüft.

Die Empfehlungen stehen entsprechend den Richtlinien des Planungsausschusses

generell unter dem Vorbehalt einer Prüfung der

Baukosten durch die Arbeitsgruppe „Baukostenprüfung“ des Wissenschaftsrates.

Darüber hinaus werden in Einzelfällen weitere ergänzende Bedingungen

oder Vorbehalte für die Empfehlungen formuliert. Ein grundsätzlicher

Vorbehalt gilt für die Umnutzung ehemaliger Kasernen und

Industrieanlagen für Hochschulzwecke. Ankauf und Umbaumaßnahmen

können vom Wissenschaftsrat nur zur Aufnahme in den Rahmenplan

empfohlen werden, wenn vom jeweiligen Land dargelegt

wird, dass die Gesamtkosten einer Umnutzung für Hochschulzwecke

nicht höher als die Investitionen für eine vergleichbare Neubaumaßnahme

sind.

Ferner wurden die Finanzansätze für Vorhaben des 33. Rahmenplans

mit den von den Ländern angemeldeten Änderungen geprüft

und fortgeschrieben. Zusammen mit dem Ansatz für neu eingestufte

Vorhaben ergibt sich daraus der Finanzbedarf für den 34. Rahmenplan

für den Hochschulbau, der in der folgenden Übersicht 15 nach

Jahren gegliedert dargestellt ist.

57


Übersicht 15: Finanzbedarf der Vorhaben des 34. Rahmenplans

nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates

(in Millionen €)

Art der Vorhaben 2005 2006 2007 2008 2005-08 2009ff. Zusammen

(1) Vorhaben ohne Medizin und ohne GG/CIP/WAP

Kategorie I laufende Vorhaben 1.177 843 435 209 2.664 583 3.246

Kategorie I neu ab 34. RP 388 682 567 245 1.883 113 1.995

Summe Kategorie I 1.565 1.525 1.002 454 4.546 695 5.241

Kategorie II 218 588 715 580 2.101 613 2.714

Kategorie P 16 76 138 180 410 596 1.006

Insgesamt 1.799 2.189 1.855 1.214 7.058 1.904 8.961

nachrichtlich: Kategorie III 8 35 109 134 286 661 947

darunter Fachhochschulen

Kategorie I laufende Vorhaben 269 199 117 43 628 128 755

Kategorie I neu ab 34. RP 87 155 141 66 449 14 464

Summe Kategorie I 356 353 258 109 1.077 142 1.219

Kategorie II 57 152 186 140 535 95 630

Kategorie P 2 17 53 68 140 97 237

Insgesamt 415 522 498 317 1.752 334 2.086

nachrichtlich: Kategorie III 1 4 17 31 52 42 94

(2) Vorhaben der Medizin

Kategorie 1 laufende Vorhaben 941 726 472 297 2.436 855 3.291

Kategorie I neu ab 34. RP 258 392 337 254 1.241 250 1.491

Summe Kategorie 1 1.199 1.118 809 551 3.677 1.105 4.782

Kategorie II 155 344 451 424 1.374 719 2.092

Kategorie P 14 32 64 124 234 274 508

Insgesamt 1.368 1.494 1.323 1.099 5.285 2.097 7.382

nachrichtlich: Kategorie III 10 28 67 102 207 314 521

(3) Großgeräte, CIP und WAP

Insgesamt 343 330 321 324 1.318 0 1.318

Alle Vorhaben

Kategorie I laufende Vorhaben 2.118 1.569 907 506 5.100 1.438 6.537

Kategorie I neu ab 34. RP 646 1.074 904 499 3.124 362 3.486

Summe Kategorie I 2.764 2.644 1.811 1.005 8.224 1.800 10.023

Großgeräte/CIP/WAP 343 330 321 324 1.318 0 1.318

Summe Kat. I/GG/CIP/WAP 3.107 2.973 2.132 1.330 9.542 1.800 11.341

Kategorie II 373 931 1.116 1.004 3.475 1.331 4.806

Kategorie P 31 108 202 304 644 870 1.514

Insgesamt 3.510 4.013 3.499 2.637 13.660 4.001 17.661

nachrichtlich: Kategorie III 18 63 177 236 493 957 1.469

58


Bei der Interpretation dieses Finanzbedarfs ist zu berücksichtigen,

dass der Planungsausschuss seit dem 23. Rahmenplan eine zunehmende

Zahl von Vorhaben, die vom Wissenschaftsrat zur vorbehaltlosen

Aufnahme in den Rahmenplan empfohlen wurden, aus finanzpolitischen

Gründen in Kategorie IIa zurückstuft. Wenn ein Vorhaben

mehrfach zurückgestuft wurde und zum dritten Mal zur Einstufung in

Kategorie I angemeldet wird, kann der Wissenschaftsrat nur dann eine

Empfehlung in Kategorie I aussprechen, wenn seine Priorität vom

Land nachvollziehbar begründet wurde und/oder für dieses Vorhaben

bereits eine Unbedenklichkeitserklärung des Bundes oder eine Teilfreigabe

vorliegt.

III.1. Großgeräteinvestitionen

Die Verabschiedung des 26. und 27. Rahmenplans hat deutlich werden

lassen, dass vor dem Hintergrund der aus wissenschaftspolitischer

Sicht unzureichenden Mittelausstattung der Gemeinschaftsaufgabe

Hochschulbau insgesamt die vom Wissenschaftsrat zur vorbehaltlosen

Aufnahme in den Rahmenplan empfohlenen Globalansätze

zuletzt um 57 % gekürzt werden mussten, um den verfügbaren Finanzrahmen

einhalten zu können; angemerkt sei, dass zum

27. Rahmenplan von der Finanzierungsrate für Neubauvorhaben im

Jahr 1998 nur 32 % in den Rahmenplan aufgenommen werden konnte.

Der Wissenschaftsrat hat vor diesem Hintergrund seine Empfehlungen

für Globalansätze zum 28. Rahmenplan für das Jahr 1999 in allen

Ländern am Umfang der im Durchschnitt der zurückliegenden fünf

Jahre nach § 3 Nr. 4 Hochschulbauförderungsgesetz von ihm zur Beschaffung

in den Rahmenplan empfohlenen Einzelgeräte orientiert.

Seit dem 29. Rahmenplan hat der Wissenschaftsrat die Anmeldungen

der Länder für Globalbeträge im angemeldeten Umfang zur Aufnahme

in den Rahmenplan empfohlen. Dabei ging er davon aus,

dass bei den nachfolgenden Beratungen im Planungsausschuss eine

Umdisposition der Globalbeträge zugunsten von Bauvorhaben lediglich

zum Zweck der Ratenanpassung möglich sein würde, um den

jeweiligen Landesanteil vollständig ausschöpfen zu können. Mit dieser

Erwartung sind auch die Empfehlungen für Globalbeträge zum

34. Rahmenplan verknüpft.

59


III.2. Verfahrensänderungen und Vorfinanzierung Dritter im

Hochschulbauförderungsgesetz

Am 20. August 1996 wurden mit dem Zweiten Gesetz zur Änderung

des Hochschulbauförderungsgesetzes die Bagatellgrenzen für Bauvorhaben

und für Großgeräte an Universitäten angehoben 25 und die

Gemeinschaftsaufgabe für alternative Planungs- und Finanzierungsformen

geöffnet. Parallel dazu beschloss der Planungsausschuss eine

Reihe von Verfahrensvereinfachungen mit dem Ziel, die Rahmenplanung

auch in ihrem praktischen Vollzug besser handhabbar zu

machen.

Diese Verfahrensänderungen haben sich nach Auffassung des Wissenschaftsrates

bewährt. Die Anhebung der Bagatellgrenze für Bauvorhaben

hat dazu beigetragen, die Gemeinschaftsaufgabe stärker

auf Vorhaben zu konzentrieren, deren Komplexität und Finanzvolumen

gemeinsame Anstrengungen des Bundes und der Länder rechtfertigen.

Dem entspricht eine erneut rückläufige Zahl der insgesamt

zum Rahmenplan angemeldeten Vorhaben, die von 3.938 im

26. Rahmenplan auf 2.825 Vorhaben im 34. Rahmenplan 26 zurückgegangen

ist. Das Vereinfachte Verfahren trägt mittlerweile erkennbar

zur Entlastung der Vorbereitungsabläufe in den Ländern und der

nachfolgenden Beratungen im Wissenschaftsrat bei. Die weitgehend

auf elektronischem Wege erfolgende Anmeldung rationalisiert die

Verfahrensabläufe und schafft zeitliche Spielräume, die für eine vertiefte

wissenschaftspolitische Beratung und Bewertung der Vorhaben

genutzt werden können. Nicht zuletzt ist in diesem Zusammenhang

auch die von den Ländern mit Augenmaß genutzte Möglichkeit einer

Kostenobergrenze für Vorhaben zu nennen, die ohne Vorlage einer

Haushaltsunterlage Bau und unter Wegfall des nachfolgenden Verfahrens

der Baukostenprüfung in den Rahmenplan aufgenommen

werden können.

Darüber hinaus hat sich die Erfahrungsbasis im Umgang mit drittvorfinanzierten

Vorhaben verbreitert. Die Bereitschaft dieses Instrument

zu nutzen, war in der Probephase so groß, dass bereits zum

28. Rahmenplan Vorhaben mit einem Volumen von rund 1,9 Mrd. Euro

für Baukosten als echte oder beabsichtigte Leasingvorhaben angemeldet

worden waren. Die Summe der Baukosten aller 33 Vorhaben

der Kategorie I mit Bestätigung des Bundes beläuft sich zum 34.

Rahmenplan auf insgesamt 1,199 Mrd. Euro (ohne Grunderwerb und

25

Bagatellgrenze für Bauvorhaben: 1,5 Mio. Euro (bis zum 25. Rahmenplan 250 T€

entsprechend); für Großgeräte an Universitäten: 125 T€ (bis zum 25. Rahmenplan

75 T€ entsprechend)

26

Darunter befinden sich insgesamt 366 zurückgezogene und Auslaufvorhaben sowie

97 Vorhaben der Kategorie III, die nicht in den Rahmenplan aufgenommen sind.

60


Ersteinrichtung und ohne Kostenerhöhungen zum 34. Rahmenplan in

Höhe von 6,7 Mio. Euro Baukosten, Stand 28.5.2004). Bund und

Länder haben am 27. September 2000 im Planungsausschuss einen

zweiten Erfahrungsbericht über die Erprobungsphase für drittvorfinanzierte

Vorhaben nach dem Hochschulbauförderungsgesetz

(HBFG) vorgelegt. Es wurde beschlossen, den 1,25 Mrd. Euro-

Korridor für konventionelle Baukosten sowie den 130,0 Mio.

Euro-Jahreskorridor für Bau- und Finanzierungskosten aufrechtzuerhalten.

Die Einstellung des Programmes erfolgt bei Erreichen einer

der genannten Korridorgrenzen, spätestens aber zum 31. Dezember

2004.

Der Wissenschaftsrat wertet die Realisierung drittvorfinanzierter Vorhaben

als Zeichen für den fortbestehend hohen und mit den gegenwärtigen

Finanzierungsansätzen nicht zu befriedigenden Bedarf an

Baumaßnahmen im Hochschulbereich. Er begrüßt grundsätzlich die

Öffnung des Hochschulbauförderungsgesetzes für drittvorfinanzierte

Vorhaben, weil das Instrument privater Vorfinanzierung zusammen

mit alternativen Planungsverfahren geeignet sein kann, einen zusätzlichen

Beitrag zum Abbau des vom Wissenschaftsrat seit Jahren

problematisierten Investitionsstaus zu leisten. Umgekehrt erneuert er

seine Bitte an Bund und Länder, gemeinsam darauf zu achten, dass

die Handlungsspielräume in der Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau

nicht durch eine Verlagerung langfristiger Finanzierungsverpflichtungen

auf zukünftige Rahmenpläne zu stark eingeschränkt werden.

In diesem Zusammenhang zeichnet sich ab, dass die Übernahme der

Finanzierungskosten für drittvorfinanzierte Vorhaben durch die jeweiligen

Fachressorts erwartungsgemäß zu erheblichen Mehrbelastungen

der Hochschulbautitel führen. Die Höchstbelastung des Rahmenplans

durch bestätigte und aufgenommene drittvorfinanzierte

Vorhaben wird im Jahr 2004 mit einer Jahresbelastung in Höhe von

114,8 Mio. Euro Bau- und Finanzierungskosten erreicht. Der Wissenschaftsrat

wiederholt in diesem Zusammenhang seine Einschätzung,

dass er die Erhöhung der Ausgabenbelastung der Gemeinschaftsaufgabe

durch die Mitfinanzierung von Finanzierungskosten bei drittvorfinanzierten

Vorhaben für nicht gerechtfertigt ansieht. Aus wissenschaftspolitischer

Sicht ist zu bedauern, dass es nicht gelungen ist,

nach Lösungen zu suchen, die es erlauben, bei drittvorfinanzierten

Vorhaben die Gemeinschaftsaufgabe von der Mitfinanzierung von Finanzierungskosten

zu entlasten.

Schließlich legt das Ergebnis der abgeschlossenen Wirtschaftlichkeitsprüfungen

die Forderung an die Länder nahe, für eine herkömmliche

Finanzierung auch im Fall einer Anmeldung als drittvorfinanziertes

Vorhaben rechtzeitig Vorsorge zu treffen, um im Fall eines Wirt-

61


schaftlichkeitsnachteils bei Drittvorfinanzierung handlungsfähig zu

bleiben.

B.IV. Empfehlungen zur Finanzierung

Für die Finanzierung der zur Aufnahme in den Rahmenplan empfohlenen

Vorhaben für die Hochschulen sind insgesamt 17,7 Mrd. Euro

erforderlich. Davon entfallen 13,7 Mrd. Euro auf die Laufzeit des

34. Rahmenplans.

Für Vorhaben der Kategorie I sind 11,3 Mrd. Euro erforderlich, davon

9,5 Mrd. Euro in den Jahren 2005 bis 2008.

Für Vorhaben der Kategorien II und P, die noch nicht baureif sind o-

der bei denen der Wissenschaftsrat sich eine weitere Prüfung vorbehalten

hat, sind 6,3 Mrd. Euro erforderlich, davon 4,1 Mrd. Euro in

den Jahren 2005 bis 2008.

Ein Vergleich des Finanzbedarfs für Kategorie I der Empfehlungen

des 33. Rahmenplans mit den Empfehlungen zum 34. Rahmenplan

ergibt folgendes Bild: Der Finanzbedarf für Vorhaben der Kategorie I

hat um insgesamt 56,0 Mio. Euro abgenommen, in der Verteilung auf

die Jahresraten ergibt sich für das erste Jahr des Planungszeitraums

eine Verringerung um 185,0 Mio. Euro. Im zweiten, dritten und vierten

Jahr liegen die Ansätze um 72,0 Mio. Euro und 53,0 Mio. Euro höher

bzw. um 6,0 Mio. Euro niedriger.

Für eine Empfehlung zur Finanzierung des 34. Rahmenplans ist zu

berücksichtigen, dass:

- die Länder in ihren Anmeldungen erklären, die Finanzierung des

Landesanteils bis zum Beginn der Laufzeit des Rahmenplans sicherzustellen;

- die Hochschulen in den neuen Ländern und im Ostteil Berlins

weiterhin einen erheblichen investiven Bedarf für Gebäudesanierungen,

Umbau- und Neubaumaßnahmen aufweisen;

- zur Milderung der Überlast und zur weiteren Differenzierung der

Hochschulstruktur der Fachhochschulausbau wissenschaftspolitischen

Vorrang einnehmen soll, zu dessen Realisierung die bisherigen

Anteile des Fachhochschulsektors an den Gesamtausgaben

für den Hochschulbau deutlich gesteigert werden müssen;

- den Universitäten durch qualitativen Ausbau Entwicklungsperspektiven

offen gehalten werden, um mit dazu beizutragen, die

Bedingungen für die Forschung zu verbessern und die Bedeutung

der Hochschulen als Innovationspotential für die Zukunftssicherung

zu stärken;

62


- angesichts der in den letzten zehn Jahren stagnierenden Realausgaben

für die Hochschulen ein erheblicher Modernisierungsbedarf

entstanden ist, der sowohl die alten als auch die neuen

Länder betrifft, da auch nach der Wiedervereinigung die Realausgaben

lediglich auf etwas höherem Niveau fortgeschrieben

wurden;

- der wirtschaftliche Wettbewerbsdruck in der für Forschung und

Lehre notwendigen Krankenversorgung durch die Einführung diagnoseabhängiger

Fallpauschalen für Krankenhäuser ab 2003

für die Universitätsklinika deutlich zunimmt;

- der Bedarf von Forschung und Lehre für eine modernen Standards

entsprechende Ausstattung mit Großgeräten weiterhin zunimmt

und sich zugleich die Erneuerungszyklen der Geräte aufgrund

der intensiven Nutzung und der technischen Entwicklung

verkürzen;

- die in der Expansionsphase der Hochschulen am Ende der 60er

und zu Beginn der 70er Jahre errichteten Gebäude zunehmend

grundsanierungsbedürftig werden; 27

- aus finanzpolitischen Gründen der seit dem 22. Rahmenplan

vom Wissenschaftsrat als wissenschaftspolitisch notwendig anerkannte

Investitionsbedarf zum Teil verschoben werden musste

und auch bei den jetzigen Anmeldungen noch zu Buche schlägt;

- einige Länder eine begrenzte Anzahl von Vorhaben auf der

Grundlage einer Vereinbarung mit dem Bund zunächst bis zum

Jahre 2004 vorfinanzieren (so genannte „UK 2004“-Vorhaben);

- die Belastung des Rahmenplans durch bestätigte und aufgenommene

drittvorfinanzierte Vorhaben auch in den kommenden

Jahren anhalten wird, wobei allerdings nicht mit einer erheblichen

zusätzlichen Belastung durch neue drittvorfinanzierte Vorhaben

zu rechnen ist.

Der Wissenschaftsrat hat die Anmeldungen der Länder zum Rahmenplan

wie in den vergangenen Jahren unter wissenschaftspolitischen

Gesichtspunkten kritisch geprüft. Im Ergebnis wurden u. a.

Vorhaben mit einem Finanzvolumen von 15,6 % der insgesamt angemeldeten

Mittel nicht zur Aufnahme in den Rahmenplan empfohlen

(rund 3,0 Mrd. Euro in den Kategorien III und P).

27

Bei den Anmeldungen der Länder zur Schadstoffsanierung sollten abgestufte Sanierungskonzepte

zugrundegelegt werden. Auch sollten ggf. alternative Sanierungsmöglichkeiten

erläutert werden.

63


Der Wissenschaftsrat betont, dass hinsichtlich des Hochschulbaus in

den neuen Ländern einerseits der Erfolg der erheblichen Anstrengungen

vielerorts bereits sichtbar geworden ist; andererseits besteht

weiterhin besonderer Investitionsbedarf.

Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen in den alten

und den neuen Ländern müssen für den Hochschulbau auch künftig

erhebliche Mittel bereitgestellt werden. Dazu bedarf es einer besonderen

finanziellen Anstrengung. Der Bund hat mit einer Erhöhung des

Mittelansatzes um 102,0 Mio. auf 1,02 Mrd. Euro für 1999 für die

Gemeinschaftsaufgabe einen wichtigen Schritt getan. Die Länder haben

ihrerseits die entsprechenden Komplementärmittel bereitgestellt,

so dass mit einem Volumen von zusätzlich rund 205,0 Mio. Euro eine

spürbare Verbesserung der vom Wissenschaftsrat seit Jahren kritisierten

Finanzausstattung der Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau

erreicht werden konnte. Mit einer weiteren Erhöhung des Mittelansatzes

durch den Bund auf 1,1 Mrd. Euro ab dem Haushaltsjahr 2001

wurde der eingeschlagene Weg fortgesetzt. Im Haushaltsjahr 2003

verringerte der Bund den Ansatz zunächst auf 1,06 Mrd. Euro. Für

das Jahr 2004 senkte er dann den Ansatz deutlich auf 925,0 Mio. Euro

und für 2005 weiter auf 890,0 Mio. Euro. 28

Der Wissenschaftsrat begrüßt nachdrücklich die in den Jahren 2001

und 2002 gemeinsam von Bund und Ländern unternommenen Anstrengungen,

zu einer bedarfsgerechten Finanzierung des Hochschulbaus

beizutragen. Die Absenkung der Mittel im Jahr 2004 hat allerdings

zu erheblichen Einschränkungen im Hochschulbau geführt.

Die von Bund und Ländern gemeinsam zur Verfügung gestellten Mittel

in Höhe von 1,85 Mrd. Euro reichen nicht aus, um den anerkannten

Investitionsbedarf zu befriedigen. Hierzu sind Anstrengungen nötig,

die deutlich über die bisher veranschlagten Mittel hinausgehen.

Der Wissenschaftsrat richtet daher den dringenden Appell an den

Bund und an die Länder, eine weitere Absenkung der Mittel zu verhindern

und stattdessen die Finanzmittel für den Hochschulbau wieder

auf ein angemessenes Niveau anzuheben; als Orientierung sollten

die Jahre 2001 und 2002 dienen.

Er weist darauf hin, dass die Aufnahme neuer Vorhaben in den

33. Rahmenplan nur unter der Maßgabe möglich war, dass die Raten

der laufenden Vorhaben im Jahr 2004 zu einem Anteil von 28 % auf

das jeweils letzte Jahr der Finanzierung der jeweiligen Vorhaben verschoben

wurden. Dadurch werden die Verteilungsspielräume nachfolgender

Rahmenpläne zusätzlich verringert. Der Wissenschaftsrat

28

Der Planungsausschuss geht bei der Aufstellung des 34. Rahmenplans von einem

Bundesansatz in Höhe von 925,0 Mio. Euro aus (Stand: November 2004).

64


etrachtet diese Entwicklung mit großer Sorge und betont in diesem

Zusammenhang erneut die gemeinsame Verantwortung des Bundes

und der Länder im Hinblick auf die Gewährleistung verlässlicher und

berechenbarer Rahmenbedingungen für die Finanzierung der Gemeinschaftsaufgabe.

Er weist mit großer Besorgnis darauf hin, dass

das geschilderte Verfahren der Ratenverschiebung nicht beliebig

fortgesetzt werden kann, ohne die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau

funktionsunfähig zu machen. Es wird erforderlich sein, den

Umfang der von Bund und Ländern für die Gemeinschaftsaufgabe

bereitgestellten Finanzmittel so zu erhöhen, dass die Arbeitsfähigkeit

der Hochschulen erhalten bleiben kann. Die anstehenden Aufgaben

werden mit dem gegenwärtigen Finanzplanansatz des Bundes von

890,0 Mio. Euro und der entsprechenden Gegenfinanzierung der

Länder nicht zu bewältigen sein. Eine Umverteilung von Hochschulbaumitteln

zugunsten der Hochschulen in den neuen Ländern im

Rahmen des gegenwärtig verfügbaren Gesamtvolumens von

1,78 Mrd. Euro wäre aus wissenschaftspolitischen Gründen nicht zu

verantworten, sollen nicht die Hochschulen in den alten Ländern

nachhaltig Schaden nehmen. Der Wissenschaftsrat bedauert in diesem

Zusammenhang, dass es noch nicht in allen neuen Ländern im

notwendigen Umfang gelungen ist, die investiven Anliegen und Notwendigkeiten

der Hochschulen in den Prioritätensetzungen der

Haushalte zu verankern.

Im Zusammenhang mit dem empfohlenen Ausbau auf 350.000 Studienplätzen

an Fachhochschulen weist der Wissenschaftsrat darauf

hin, dass auch in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen

der Fachhochschulen sich seit Beginn der neunziger Jahre als Folge

der Arbeitsmarktentwicklung die Studiennachfrage zunächst erheblich

verringert hat. Seit dem Jahr 1998 ist hier jedoch wieder ein stetiger

Anstieg der Nachfrage feststellbar, der im wesentlichen auf eine

überdurchschnittliche Steigerung in den klassischen technischen Disziplinen

zurückzuführen ist.

Die Mehrheit der Länder reagierte auf die gesunkene Nachfrage mit

der Entwicklung neuer und einer Ausdifferenzierung bestehender

Studienangebote. Der Wissenschaftsrat begrüßt in diesem Zusammenhang

die Bemühungen der Länder und zahlreicher Hochschulen,

Schülern und Studienberechtigten die Attraktivität natur- und technikwissenschaftlicher

Studienangebote und damit verbundener

Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln.

Die vom Wissenschaftsrat empfohlenen Strukturreformen erfordern

einen Abbau der Überlast als begleitende Maßnahme zur notwendigen

Verbesserung der Studienbedingungen, die von entscheidender

Bedeutung für die angestrebte Verkürzung der Studienzeiten sind.

65


Ein qualitativer Ausbau ist darüber hinaus für eine Stärkung der Forschung

an den Universitäten unabdingbar, um den Forschungs- und

Wirtschaftsstandort Deutschland zu verbessern. Der Wissenschaftsrat

stellt fest, dass die Einsparungen einiger Länder zum Zwecke der

ausschließlichen Haushaltskonsolidierung nicht im Einklang mit seinen

Empfehlungen zur Bedeutung der Hochschulen für den Wissenschaftsstandort

Deutschland stehen.

Auf der Grundlage der vorangehend genannten wissenschaftspolitischen

Zielsetzungen hat der Wissenschaftsrat seine Empfehlungen

zu den von den Ländern zum 34. Rahmenplan angemeldeten Vorhaben

erarbeitet, für deren Umsetzung sich für das erste Planungsjahr

2005 folgender Finanzbedarf errechnet (ohne Vorhaben nach der

Vereinbarung „UK 2004“): die Vorhaben, die der Wissenschaftsrat zur

Aufnahme in Kategorie I empfiehlt, weisen ein Finanzvolumen von

2.764,0 Mio. Euro auf. Unter Berücksichtigung einer bundesweit einheitlichen

Realisierungsquote von 84 % ergibt sich ein Bedarf von

2.322,0 Mio. Euro. Hinzu kommen 343,0 Mio. Euro für Großgeräte,

so dass für 2005 aus wissenschaftspolitischer Sicht ein Finanzbedarf

von 2.665,0 Mio. Euro besteht, der nach den Grundsätzen des Hochschulbauförderungsgesetzes

je zur Hälfte von Bund und Ländern bereitzustellen

ist. Der Bund erkennt diesen Finanzbedarf nicht an.

Durch die Vereinbarung „UK 2004“ kann der Finanzbedarf für die

Gemeinschaftsfinanzierung der vom Wissenschaftsrat zur Aufnahme

in den Rahmenplan empfohlenen 30 Vorhaben um insgesamt rund

1,55 Mrd. Euro reduziert werden. Gemäß der Anmeldungen zum

34. Rahmenplan sehen die Länder für das Jahr 2005 Kosten für Vorhaben

der Kategorie I in Höhe von insgesamt 65,9 Mio. Euro vor.

Der Wissenschaftsrat hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es

sich bei der Vereinbarung „UK 2004“ nur um eine Notmaßnahme gehandelt

hat, um diese Vorhaben zum gegenwärtigen Zeitpunkt in Angriff

zu nehmen. Es besteht aber die Gefahr einer nachhaltigen

Schädigung der künftigen Rahmenplanung durch zeitlich verschobene

Belastungen, auch wenn der Bund einer Aufnahme der UK-2004-

Vorhaben und damit deren Mitfinanzierung unter den Vorbehalt der

ausreichenden Finanzausstattung der Gemeinschaftsaufgabe gestellt

hat. Aus wissenschaftspolitischer Sicht muss es vorrangiges Ziel

sein, die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau finanziell so angemessen

auszustatten, dass im Rahmen ihrer gesetzlich vorgeschriebenen

Aufgabenstellung auch größere Neuvorhaben gemeinsam

vom jeweiligen Land und dem Bund finanziert werden können. Der

Wissenschaftsrat weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass

die Finanzierungsbelastung aus dem Sonderprogramm „UK-2004“ im

Falle einer Aufnahme der entsprechenden Vorhaben in den Rah-

66


menplan und die bereits bestehende Finanzierungsverpflichtung aus

der Öffnung des Hochschulbauförderungsgesetzes für drittvorfinanzierte

Vorhaben die ohnehin engen finanziellen Spielräume in der

Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau erkennbar zusätzlich verringern.

Bund und Länder sollten sich der Beratung dieses Problems

umgehend zuwenden, um angesichts des Finanzierungskorridors für

Leasingvorhaben rechtzeitig Planungssicherheit zu schaffen. Gelingt

dies nicht, wird die Gemeinschaftsaufgabe zum Hindernis für den

Hochschulbau der Länder. Die handlungsleitende Idee eines überregional

ausgewogenen, sich in seinen Teilen ergänzenden Systems

von Hochschulen und letztlich das Ziel der Schaffung gleichwertiger

Lebensverhältnisse muss maßgebend bleiben.

Mit einem vorbehaltlos bereitgestellten Gesamtbetrag von 1,78 Mrd.

Euro für die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau im Jahr 2005 wird

es nicht möglich sein, die vom Wissenschaftsrat empfohlenen Vorhaben

in vollem Umfang zu realisieren. Nach Auffassung des Wissenschaftsrates

ändert auch die Öffnung des Hochschulbauförderungsgesetzes

für alternative Planungs- und Finanzierungsverfahren nichts

an der Notwendigkeit, den Mittelansatz für Hochschulbau dem wissenschaftspolitischen

festgestellten Bedarf entsprechend weiter zu

erhöhen. Angesichts des Empfehlungsvolumens des Wissenschaftsrates

für das Jahr 2005 in Höhe von 2.665,0 Mio. Euro und der üblichen

Realisierungsquoten würde das bedeuten, dass praktisch keine

Neuvorhaben und Globalbeträge für Großgeräte, CIP und WAP freigegeben

werden könnten. 29 Eine Verzögerung der Fortsetzung und

des Abschlusses bereits begonnener Bauvorhaben kann vom Wissenschaftsrat

nicht empfohlen werden. Dadurch geriete nicht nur die

Verlässlichkeit der Rahmenplanung in Gefahr, sondern darüber hinaus

wäre ein solches Vorgehen mit erheblichen Kostensteigerungen

bei den davon betroffenen Vorhaben verbunden.

Wenn es nicht gelingt, diese Probleme im Rahmen des bisher gültigen

Systems der Hochschulbauförderung zu lösen, so muss es gelingen,

bei der aktuell diskutierten Verfassungsänderung zur Zukunft

der Gemeinschaftsaufgaben als solcher neue, zukunftsgerichtete Lösungen

herbei zu führen. Wenn es hierzu nicht kommt, bedarf es zumindest

einer Reform des Hochschulbauförderungsgesetzes. Aus

Sicht des Wissenschaftsrates ist bei diesen Überlegungen in jedem

Fall zu berücksichtigen, dass die Hochschulen als wichtigste Einrichtungen

des Wissenschaftssystems nicht weiter benachteiligt werden.

29

Der Finanzbedarf der laufenden Vorhaben der Kategorie I beträgt nach den Empfehlungen

des Wissenschaftsrates im Jahr 2005 insgesamt 2.118,0 Mio. Euro. Unter

Zugrundelegung der üblichen Realisierungsquote ergibt sich netto ein Bedarf in Höhe

von 1.779,0 Mio. Euro.

67


Ziel jeder Reform muss es sein, auch die Finanzierungsprobleme im

Hochschulbau zu lösen.

Um alle von den Ländern angemeldeten und vom Wissenschaftsrat

zur Aufnahme in Kategorie I des Rahmenplans und damit zur Freigabe

empfohlenen Vorhaben in dem geplanten Zeitraum durchführen

zu können, besteht für 2005 ein wissenschaftlich und wissenschaftspolitisch

begründeter Finanzbedarf von 2.665,0 Mio. Euro. Nach Auffassung

des Wissenschaftsrates ist für die Folgejahre eine Verstetigung

dieses Ansatzes in der mittelfristigen Finanzplanung erforderlich,

um den in den Anmeldungen zum 34. Rahmenplan enthaltenen

Investitionsbedarf für Ausbau- und Sanierungsmaßnahmen sowie zur

Beschaffung von Großgeräten für Forschung und Lehre an den

Hochschulen befriedigen zu können.

68


Stellungnahme zur Evaluation der Berufsakademie

in Trägerschaft der Wirtschaftsakademie

Schleswig-Holstein

vom Januar 2004

Inhalt

Seite

Vorbemerkung 70

A. Ausgangslage 71

I. Berufsakademien als Einrichtungen des Tertiären

Bereichs neben den Hochschulen 71

II. Konzept 77

III. Struktur 79

IV. Studium an der Berufsakademie 81

V. Ausstattung 91

VI. Trägerschaft und Finanzierung 97

VII. Qualitätssicherung 101

VIII. Kooperationen und internationale Beziehungen 103

B. Stellungnahme 105

I. Zu Konzeption und Struktur 105

II.

Zum Studium und zur Kooperation mit den

Ausbildungsbetrieben 108

III. Zur Ausstattung 111

IV. Zu Trägerschaft und Finanzierung 113

V. Zu Qualitätssicherung und Kooperation 113

C. Zusammenfassung: Evaluation der Berufsakademie in

Trägerschaft der Wirtschaftsakademie Schleswig--

Holstein 114

69


Vorbemerkung

Die Berufsakademie in Trägerschaft der Wirtschaftsakademie

Schleswig-Holstein wurde mit Anerkennungsbescheid des Landes

vom 30. August 1999 zunächst probeweise für die Dauer von drei

Jahren als Berufsakademie des Typ II anerkannt, d.h. als eine Einrichtung

des Tertiären Bereichs neben den Hochschulen, die in einem

Wechsel der Lernorte Berufsakademie und Betrieb eine wissenschaftsbezogene

und zugleich praxisorientierte berufliche Bildung

vermittelt. 30 Eine unbefristete Anerkennung als Berufsakademie des

Typ II setzt nach dem Berufsakademiegesetz des Landes Schleswig-

Holstein eine positive Evaluation der gesamten Bildungseinrichtung

durch den Wissenschaftsrat voraus, die im dritten Jahr nach Aufnahme

des Studienbetriebes erfolgen soll. Mit Schreiben vom 7. Januar

2003 hat das Land Schleswig-Holstein den Wissenschaftsrat gebeten,

das Evaluationsverfahren einzuleiten. Das Land hat den Wissenschaftsrat

im Zuge der Beratungen gebeten, in die Evaluation der Berufsakademie

eine Überprüfung der Gleichwertigkeit der Abschlüsse

im Sinne des Beschlusses der Kultusministerkonferenz vom

19. September 1995 einzubeziehen.

Der Wissenschaftsrat hat im Juli 2003 eine Arbeitsgruppe „Evaluation

Berufsakademie in Trägerschaft der Wirtschaftsakademie Schleswig-

Holstein“ eingesetzt. Die Arbeitsgruppe hat die Berufsakademie

Schleswig-Holstein am 17. Oktober 2003 besucht und die vorliegende

Stellungnahme in einer weiteren Beratung am 11. Dezember 2003

erarbeitet. Diese ist in zwei Teile gegliedert. Teil A fasst als Ausgangslage

die relevanten Fakten und Entwicklungen zusammen und

enthält keine Bewertungen. Teil B gibt in Form einer Stellungnahme

die Bewertung der wissenschaftlichen Leistungen, Strukturen und

Organisationsmerkmale wieder und legt die Entscheidung über die

Evaluation der antragstellenden Berufsakademie dar.

30

Die Neufassung des Schleswig-Holsteinischen Berufsakademiegesetzes vom

6.01.1999 sieht die Unterscheidung von Einrichtungen vor, die entweder eine theorieund

praxisorientierte berufliche Bildung (Typ I) oder eine wissenschaftsbezogene und

zugleich praxisorientierte berufliche Bildung (Typ II) vermitteln. Diese Unterscheidung

des BAG ist nicht mit der des Wissenschaftsrates identisch, der bereits 1996 in seinen

Empfehlungen zur weiteren Differenzierung des Tertiären Bereichs durch duale Fachhochschul-Studiengänge

zwischen zwei Typen von Berufsakademien differenziert hat:

Typ I: Berufsakademien in Baden-Württemberg und modellgleiche Einrichtungen in

den Ländern Berlin und Sachsen; Typ II: Berufsakademien in den Ländern Niedersachsen

und Schleswig-Holstein. Vgl. hierzu Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur weiteren

Differenzierung des Tertiären Bereichs durch duale Fachhochschul-

Studiengänge, Berlin, Juli 1996, S. 19ff.

70


In der Arbeitsgruppe wirkten auch Sachverständige mit, die nicht Mitglieder

des Wissenschaftsrates sind. Ihnen ist er zu besonderem

Dank verpflichtet.

Der Wissenschaftsrat hat die Stellungnahme am 30. Januar 2004

verabschiedet.

A. Ausgangslage

A.I. Berufsakademien als Einrichtungen des Tertiären Bereichs

neben den Hochschulen

I.1. Stellungnahmen und Empfehlungen des Wissenschaftsrates

zu den Berufsakademien

Der Wissenschaftsrat sprach sich in den „10 Thesen zur Hochschulpolitik“

für ein differenziertes Hochschulsystem aus und bezeichnete

Studiengänge, die nach einem dualen System mit den beiden Lernorten

Hochschule und Betrieb organisiert sind, als einen Erfolg versprechenden

Weg für eine weitere Differenzierung des Hochschulwesens.

Er regte an zu prüfen, ob eine Weiterentwicklung der Institution

„Berufsakademie“ nach den Grundsätzen des Hochschulrechts

einen weiteren Beitrag zur Differenzierung der Hochschultypen leisten

kann. 31

Diese Frage griff er in seiner Stellungnahme zu den Berufsakademien

in Baden-Württemberg vom Mai 1994 auf und erörterte sie. 32

Als zentrales Kriterium für die Bewertung der Berufsakademien diente

die Akzeptanz der Absolventen durch den Arbeitsmarkt; weitere

Kriterien waren unter anderem die materiellen Bedingungen der Aus-

31

Wissenschaftsrat: 10 Thesen zur Hochschulpolitik, Köln 1993, S. 35f. - Das IS-

CED-97- Modell der OECD unterscheidet zwischen Primarbereich (Grundschule), Sekundarbereich

(Haupt-, Realschule, Gymnasium) und Tertiärem Bereich (Ausbildung

im Anschluss an Sekundarbereich), der differenziert ist in einen Tertiärbereich A und

einem Tertiärbereich B. Der Tertiärbereich A ist weitgehend theoretisch orientiert und

soll hinreichende Qualifikationen für den Zugang zu weiterführenden Forschungsprogrammen

und Berufen mit hohem Qualifikationsniveau vermitteln. Das Studium dauert

mindestens 3, in der Regel jedoch 4 Jahre oder länger. Dem Tertiärbereich B werden

typischerweise kürzere Studiengänge als im Tertiärbereich A zugerechnet, wobei eine

Konzentration auf die Vermittlung praktischer/technischer/berufsbezogener Fähigkeiten

für den direkten Eintritt in den Arbeitsmarkt gegeben ist, wenn auch einige theoretische

Grundlagen vermittelt werden können. Das Studium dauert in der Regel mindestens 2

Jahre. Tertiärbereich A und B sind daher zwei verschiedene Klassen.– Vgl. zu den E-

benen des ISCED-97-Modells und den Klassifikationskriterien OECD: Bildung auf einen

Blick. OECD-Indikatoren 2002, Glossar, S. 410-414.

32

Wissenschaftsrat: Stellungnahme zu den Berufsakademien in Baden-Württemberg,

in: Empfehlungen und Stellungnahmen 1994, Band I, Köln 1994, S. 339-399.

71


ildung, die Organisation der theoretischen und praktischen Ausbildung

und ihre Qualität sowie die Qualifikation der Lehrenden. Der

Wissenschaftsrat gelangte zu dem Urteil, dass die Absolventen der

Berufsakademien „aus der Sicht der Berufspraxis eine von den entsprechenden

Fachhochschul-Absolventen in einzelnen Qualifikationsmerkmalen

unterschiedliche, im Gesamtbild jedoch gleichwertige

Ausbildung erhalten.“ 33 Die Gleichwertigkeit der Ausbildung zu einem

Fachhochschulstudium ist dabei im Sinne einer gleichwertigen beruflichen

Qualifikation und Verwendungsfähigkeit der Absolventen zu

verstehen, nicht aber im Sinne gleicher Zugangsbedingungen zu weiterführenden

Studiengängen und Qualifikationen wie dem Zugang

von Absolventen der Berufsakademie zur Promotion. 34

Darüber hinaus wurden Empfehlungen zur weiteren Entwicklung der

Baden-Württembergischen Berufsakademien und zur Verbesserung

ihrer Arbeitsqualität formuliert. Neben einer Öffnung für Nicht-

Abiturienten gehörte hierzu die Stärkung des Einflusses der Staatlichen

Studienakademie auf die Gesamtausbildung sowie insbesondere

die Erhöhung des Anteils hauptamtlicher Lehrkräfte, um Defizite in

der Studienorganisation und in der Betreuung der Studierenden zu

beheben. Empfohlen wurde, dass mindestens 40% der Lehre 35 durch

hauptamtlich an der Einrichtung beschäftigte Professoren getragen

werden sollen. 36

Diese Empfehlungen hat die Kultusministerkonferenz aufgenommen.

Sie hat in ihrem Beschluss vom 29. September 1995 allgemein fest-

33

Wissenschaftsrat: Stellungnahme zu den Berufsakademien in Baden-Württemberg,

a. a. O., S. 390.

34

Wissenschaftsrat: Stellungnahme zu den Berufsakademien in Baden-Württemberg,

a. a. O., S. 391f. – In Baden-Württemberg wurde im Rahmen der Neufassung des Universitätsgesetzes

vom 10. Januar 1995 bestimmt, dass der Berufsakademie-Abschluss

den Absolventen analog zu Fachhochschul-Absolventen auch den Zugang zu postgradualen

Studiengängen und der Promotion erlaubt. Nach § 54 Abs. 3 Satz 4 gilt für Absolventen

der Berufsakademien entsprechend § 54 Abs. 3 Satz 3: „ In der Promotionsordnung

soll geregelt werden, unter welchen Voraussetzungen besonders qualifizierte

Fachhochschulabsolventen zur Promotion zugelassen werden; zum Nachweis der besonderen

Qualifikation können besondere Eignungsfeststellungsverfahren vorgesehen

werden.“

35

Für die Fachhochschulen empfahl der Wissenschaftsrat im Jahre 2002, dass die

Lehrleistung zu mindestens 80 % durch hauptamtliches Lehrpersonal geleistet werden

soll; vgl. Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Entwicklung der Fachhochschulen, Köln

2002, S. 151.

36

Der Beschluss der Kultusministerkonferenz zur Anerkennung der Abschlüsse der

Berufsakademien im Tertiären Bereich nach dem Modell der Berufsakademien in Baden-Württemberg

(vgl. A.I.2.) trägt dieser Empfehlung Rechnung, wenn er fordert, dass

die Abschlussarbeit in allen Studiengängen von einem Prüfer der staatlichen Studienakademie,

der die Einstellungsvoraussetzungen als Professor erfüllt, bewertet werden

soll, und dass die Verantwortung für die Ausbildung insbesondere in der Frage der

Kontrolle und Standardisierung der Qualität der Praxisausbildung der Studienakademie

obliegt.

72


gestellt, „dass die Abschlüsse der Berufsakademien nach dem Modell

der Berufsakademien in Baden-Württemberg Abschlüsse im tertiären

Bereich sind“. Sie hat gleichzeitig Bedingungen formuliert, unter denen

die Abschlüsse von Berufsakademien anerkannt werden können

(vgl. A.I.2.), und empfohlen, zur Feststellung der Gleichwertigkeit der

Berufsakademieabschlüsse der anderen Länder, die Berufsakademien

im Tertiären Bereich durch den Wissenschaftsrat am Maßstab

der Berufsakademie Baden-Württemberg zu evaluieren.

Auf Bitten der Länder hin hat daraufhin der Wissenschaftsrat Stellungnahmen

zu den Berufsakademien Berlins und Sachsens erarbeitet,

die sich allein auf die Feststellung der Gleichwertigkeit der Abschlüsse

im Sinne des Beschlusses der Kultusministerkonferenz vom

19. September 1995 bezogen. 37

Anlässlich der Stellungnahme zur Feststellung der Gleichwertigkeit

der Abschlüsse der Berufsakademie Sachsen im Sinne des Beschlusses

der KMK hat der Wissenschaftsrat die Erwartung formuliert,

dass „die Länder künftig Berufsakademien erst dann zur Begutachtung

vorstellen, wenn die Kriterien der KMK auch tatsächlich erfüllt

sind“. 38

Der Wissenschaftsrat hat sich außerdem im Rahmen seiner Empfehlungen

zur weiteren Differenzierung des Tertiären Bereichs durch duale

Fachhochschul-Studiengänge 1996 mit der Stellung der Berufsakademien

auseinandergesetzt und zwischen zwei Typen von Berufsakademien

unterschieden:

a) Berufsakademien in Baden-Württemberg und modellgleiche Einrichtungen

in den Ländern Berlin und Sachsen (Typ I)

b) Berufsakademien in den Ländern Niedersachsen und Schleswig-

Holstein (Typ II).

Die Unterscheidung der beiden Typen von Berufsakademien bezog

sich auf folgende Aspekte:

37

Wissenschaftsrat: Stellungnahme zur Feststellung der Gleichwertigkeit der Abschlüsse

der Berufsakademie Berlin im Sinne des Beschlusses der Kultusministerkonferenz

vom 29.5.1995, in: Empfehlungen und Stellungnahmen 1996, Band I, Köln

1997, S. 327-388; Wissenschaftsrat: Stellungnahme zur Feststellung der Gleichwertigkeit

der Abschlüsse der Berufsakademie Sachsen im Sinne des Beschlusses der Kultusministerkonferenz

vom 29.9.1995, in: Empfehlungen und Stellungnahmen 1997,

Band II, Köln 1998, S. 181-195.

38

Wissenschaftsrat: Stellungnahme zur Feststellung der Gleichwertigkeit der Abschlüsse

der Berufsakademie Sachsen im Sinne des Beschlusses der Kultusministerkonferenz

vom 29.9.1995, in: Empfehlungen und Stellungnahmen 1997, Band II, Köln

1998, S. 195.

73


- Die Berufsakademie Schleswig-Holstein (Typ II) war ursprünglich

außerhalb des Tertiären Bereichs angesiedelt und gehörte zu den

berufsbildenden Schulen (§8 Abs. 1, Nr. 3 Schulgesetz); die Baden-Württembergischen

Berufsakademien

- (Typ I) sind dagegen 1982 mit dem Erlass des Gesetzes über die

Berufsakademien als Regeleinrichtungen des Tertiären Sektors

etabliert worden.

- Die Berufsakademie Schleswig-Holstein (Typ II) verlieh im Unterschied

zu den Baden-Württembergischen Berufsakademien

(Typ I) ursprünglich kein Diplom. Die Abschlüsse wurden an den

Fachhochschulen des Landes als Diplom-Vorprüfung anerkannt.

- Die Ausbildung an der Berufsakademie Schleswig-Holstein

(Typ II) war mit einem Wechsel von neun- bis zehnwöchigen

Theorieblöcken und zwölf- bis vierzehnwöchigen Praxisblöcken

stärker praxisorientiert als die Baden-Württembergischen Berufsakademien

(Typ I), die einen Wechsel von jeweils zwölf Wochen

Theorie und zwölf Wochen Praxis vorsehen.

- Im Rahmen der Berufsakademien nach Baden-Württembergischen

Modell (Typ I) wurde und wird die Ausbildung wesentlich

von den staatlichen Studienakademien getragen.

- Die Berufsakademie Schleswig-Holstein (Typ II) sah und sieht

dagegen keine Mitwirkung des Landes an der Ausbildung vor.

Träger ist hier die Wirtschaftsakademie, an der die Industrie- und

Handelskammern Flensburg, Kiel und Lübeck beteiligt sind.

- Die Dozenten besaßen nicht die Einstellungsvoraussetzungen

eines Professors, sondern waren maximal promoviert.

Diese Unterscheidung ist nun mit Blick auf die Berufsakademie in

Trägerschaft der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein insofern

hinfällig geworden, als diese

- ihr Stundenvolumen vergrößert hat (Wechsel von jeweils zwölf

Wochen Theorie und zwölf Wochen Praxis),

- die Promotion mittlerweile als Einstellungsvoraussetzung für

hauptamtliche Dozenten festschreibt,

- der Lehranteil hauptamtlicher Lehre annähernd 40 % beträgt,

- mittlerweile ein ‚Diplom‘ (BA) verleiht.

Die Berufsakademie in Trägerschaft der Wirtschaftsakademie ist damit,

wie es das Berufsakademiegesetz vorsieht, mittlerweile an dem

Modell der Baden-Württembergischen Berufsakademien (Typ I nach

der Klassifikation des Wissenschaftsrates) orientiert.

74


I.2. Kriterien der Kultusministerkonferenz (KMK) für die Anerkennung

von Berufsakademien im Tertiären Bereich

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat am 28./29.9.1995 beschlossen,

die Abschlüsse der Berufsakademien nach dem Modell der Berufsakademien

in Baden-Württemberg als Abschlüsse im Tertiären

Bereich anzuerkennen. Sie knüpft diese Anerkennung an folgende

fünf Bedingungen:

1. Es gelten die gleichen Zugangsvoraussetzungen wie im Hochschulbereich.

2. Der Anteil der Lehre, der von hauptberuflichen Lehrkräften erbracht

wird, die die Einstellungsvoraussetzungen für Professoren

erfüllen, soll 40% betragen.

3. Die einzelne Berufsakademie (einschließlich etwaiger Außenstellen)

umfasst mindestens zwei verschiedene Ausbildungsbereiche

mit jeweils mehreren fachlichen Schwerpunkten.

4. Die Abschlussarbeit ist innerhalb von drei Monaten anzufertigen

und muss in allen Studiengängen von einem Prüfer der staatlichen

Studienakademie bewertet werden, der die Einstellungsvoraussetzungen

als Professor erfüllt. Daneben hat auch der Ausbildungsbetrieb

einen Betreuer zu benennen.

5. Es muss eindeutig geregelt sein, dass die Verantwortung für die

Ausbildung insbesondere in der Frage der Kontrolle und Standardisierung

der Qualität der Praxisausbildung der Studienakademie

obliegt.

Die Kultusministerkonferenz hat zudem in ihrem Beschluss vom

19.9.1995 empfohlen, zur Feststellung der Gleichwertigkeit der Berufsakademieabschlüsse

der anderen Länder, die Berufsakademien

im Tertiären Bereich durch den Wissenschaftsrat am Maßstab der

Berufsakademie Baden-Württemberg zu evaluieren.

I.3. Staatliche Anerkennung der Berufsakademie in Trägerschaft

der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein

Die Berufsakademie in Schleswig-Holstein wurde 1974 etwa zeitgleich

mit den Einrichtungen in Baden-Württemberg gegründet. Träger

ist die Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein. Ursprünglich war

die Berufsakademie außerhalb des Tertiären Bereichs angesiedelt

und gehörte zu den berufsbildenden Schulen. 1996 wurde in Schleswig-Holstein

ein Berufsakademiegesetz erlassen, das die Berufsakademie

als eigenständige Einrichtung neben den Hochschulen dem

75


Tertiären Bereich zuordnet. 39 Die Neufassung des Berufsakademiegesetzes

von 1999 sieht die Unterscheidung von Einrichtungen vor,

die entweder

- eine theorie- und praxisorientierte berufliche Bildung (Typ I) oder

- eine wissenschaftsbezogene und zugleich praxisorientierte berufliche

Bildung (Typ II)

vermitteln. Diese Unterscheidung nach Typ I und II ist jedoch nicht

mit der bereits erwähnten Differenzierung des Wissenschaftsrates i-

dentisch. Im Gegensatz zur früheren Regelung kann nun den Absolventen

von Berufsakademien des Typ II die staatliche Abschlussbezeichnung

„Diplom (BA)“ verliehen werden. Weiterhin ist in der Neufassung

des Gesetzes geregelt, dass der Abschluss an Berufsakademien

im Sinne von Typ II als Abschluss im Tertiären Bereich und

als gleichwertig mit den Abschlüssen in der entsprechenden Fachrichtung

an einer Fachhochschule des Landes Schleswig-Holstein

gilt.

Die Voraussetzungen der Erteilung der staatlichen Anerkennung korrespondieren

teilweise mit den Empfehlungen des Wissenschaftsrates

zu den Berufsakademien in Baden-Württemberg bzw. den Kriterien

der KMK zur Gleichwertigkeit der Abschlüsse. Hierzu zählt, dass

- mindestens 40% des Lehrangebots an einer Berufsakademie

von Typ II von hauptberuflichen Lehrkräften erteilt wird, die die

Einstellungsvoraussetzungen nach § 8 Abs. 3 des BAG erfüllen

(§ 3 Abs. 1 Punkt 5 BAG),

- die gleichen Zugangsvoraussetzungen wie im Hochschulbereich

gelten; darüber hinaus müssen die Studierenden einen Ausbildungsvertrag

mit einem geeigneten Ausbildungsbetrieb abschließen

(§ 3 Abs. 1 Punkt 3 BAG).

Die Neufassung des Berufsakademiegesetzes von 1999 sieht vor,

dass die Anerkennung der Berufsakademien in Schleswig-Holstein

zunächst probeweise für drei Jahre erfolgt. Die probeweise Anerkennung

der Berufsakademie in der Trägerschaft der Wirtschaftsakademie

Schleswig-Holstein als Berufsakademie des Typs II, die zunächst

bis zum 1. September 2002 befristet war, ist vom Land bis zur Vorlage

des Berichtes durch den Wissenschaftsrat verlängert worden. 40

39

§1 Abs. 3 Berufsakademiegesetz vom 6. Januar 1999: „Berufsakademien sind Einrichtungen

des tertiären Bildungsbereiches neben den Hochschulen.“

40

Neben den bereits genannten Berufsakademien in anderen Bundesländern begann

im Januar 1999 zudem in Thüringen die Berufsakademie als wissenschaftliche

Einrichtung des Freistaates Thüringen an den Standorten Eisenach und Gera ihren

Lehrbetrieb. Mit dem Gesetz über die staatliche Anerkennung von Berufsakademien

vom 12. Juni 2001 sind auch in Hessen die rechtlichen Voraussetzungen für die Aner-

76


A.II. Konzept

Die Berufsakademie ist gekennzeichnet durch eine enge Verzahnung

von Theorie und Praxis. Dabei übernehmen das Unternehmen als

Lernort für die Praxis und die Berufsakademie als Lernort für die

Theorie partnerschaftlich die Aufgabe, die Studierenden für den späteren

Beruf zu qualifizieren. Die qualifizierte Ausbildung im Unternehmen

dient dem systematischen Erwerb der praktischen Kenntnisse.

Das Studium an der Berufsakademie vermittelt auf der Grundlage

von Studienplänen die wissenschaftsbezogenen Kenntnisse der

Ausbildung. Die Verzahnung von Theorie und Praxis soll die Studierenden

dazu befähigen, verantwortungsvolle Arbeits- und Geschäftsvorgänge

selbständig und eigenverantwortlich bearbeiten zu können

und mittlere und gehobene Positionen in Unternehmen zu übernehmen.

Von anderen Berufsakademien unterscheidet sich die Berufsakademie

der Wirtschaftsakademie dadurch, dass es sich hier um eine Einrichtung

in privater Trägerschaft, jedoch mit einem staatlich anerkannten

Abschluss handelt. In Schleswig-Holstein gibt es neben der

Berufsakademie der Wirtschaftsakademie noch die Berufsakademie

für Bankwirtschaft in Rendsburg, die ebenfalls in privater Trägerschaft

betrieben wird. Beide Berufsakademien unterliegen dem

schleswig-holsteinischem BAG. Im Gegensatz zur Berufsakademie

der Wirtschaftsakademie handelt es sich jedoch bei der Berufsakademie

für Bankwirtschaft nach dem BAG um eine Berufsakademie

vom Typ I nach schleswig-holsteinischer Klassifikation ohne

Diplomabschluss. 41

Im Vergleich zu den Fachhochschulen sind folgende Unterschiede

herauszustellen:

- Mit 72 Wochen weist die Berufsakademie einen höheren Praxisanteil

aus. Der Praxisanteil an den Fachhochschulen des Landes

beträgt 32 Wochen (12 Wochen Vor- und 20 Wochen Hauptpraktikum).

- Die Studierenden der Berufsakademie sind über den Studienund

Ausbildungsvertrag im Vergleich zu einem Praktikantenvertrag

stärker an das Unternehmen gebunden.

kennung von Berufsakademien geschaffen worden. Anerkannt wurden dort bislang –

zunächst befristet und mit einem Auflagenvorbehalt versehen – fünf Berufsakademien:

die Hessische Berufsakademie Frankfurt am Main, die Accadis Internationale Berufsakademie

in Bad Homburg, die Studienakademie für Informatik in Bad Wildungen, die

Berufsakademie Bergstraße sowie die Berufsakademie Rhein-Main.

41

Diese Berufsakademie entspricht damit dem Typ II nach der Klassifikation des

Wissenschaftsrates.

77


- Der Unterricht an der Berufsakademie findet in kleinen Gruppen

bis max. 30 Studierenden statt.

- Unternehmensvertreter sind über das Kuratorium, die Ausbildungskonferenz

oder Koordinierungsausschüsse und als Dozenten

in die Gestaltung der Studieninhalte mit eingebunden.

- An der Berufsakademie beträgt die reguläre Studiendauer drei

Jahre, an den Fachhochschulen vier Jahre.

- Im Vergleich zu den staatlichen Fachhochschulen finanziert sich

die Berufsakademie ausschließlich über Studiengebühren.

Die Durchlässigkeit von Fachhochschulstudiengängen zu Studiengängen

an der Berufsakademie ist in § 5 der Prüfungsordnungen

gregelt. Danach entscheidet der Prüfungsausschuss über die Anrechnung

von Prüfungsleistungen anderer Berufsakademien und

Hochschulen. Wenn Absolventen der Berufsakademie nach dem

Studium an der Berufsakademie ein Universitäts- oder Fachhochschulstudium

aufnehmen wollen, wird seitens der Hochschulen auf

der Grundlage der zur Verfügung stehenden Curricula und der Studien-

und Prüfungsordnungen der Berufsakademie im Einzelfall geprüft,

welche Studienleistungen angerechnet werden können. Um

beispielsweise nach Abschluss des Berufsakademie-Studiums zusätzlich

an der Fachhochschule Kiel den Bachelor-Abschluss zu erreichen,

müssen Absolventen der Berufsakademie an der Fachhochschule

ein Wahlpflichtfach mit 4 Semesterwochenstunden belegen,

eine Projektarbeit schreiben und ein Kolloquium erfolgreich bestehen.

Zukünftig soll eine Gesetzesnovelle den Zugang der Berufsakademie-Absolventen

zum Master-Studiengang an Fachhochschulen gewährleisten.

Ein entsprechender Entwurf befindet sich zur Zeit im

Gesetzgebungsverfahren und soll noch Ende des Jahres 2003 verabschiedet

werden. 42

Laut Angaben der Berufsakademie ist die Akzeptanz der Absolventinnen

und Absolventen der Berufsakademie am Arbeitsmarkt groß:

Ca. 80 – 90 % der Absolventen eines Jahrganges haben bereits vor

dem Ende der Ausbildung mit ihrem ehemaligen Ausbildungsbetrieb

42

Das Hochschulgesetz des Landes schreibt bislang in § 85a Abs. 2 als Zugangsvoraussetzung

zu postgradualen Studien „ein abgeschlossenes Hochschulstudium“

vor. Vorgesehen ist eine Ergänzung des Paragraphen um den Zusatz „ein abgeschlossenes

Hochschulstudium oder einen gleichwertigen Abschluss“. Damit erhalten nach

der Begründung des Landes „jetzt auch Personen, die einen dem Hochschulabschluss

gleichwertigen Abschluss nachweisen, die Möglichkeit zu postgradualen Studiengängen

zugelassen zu werden. Die Vorschrift setzt damit die in § 1 Abs. 4 des BAG vom 6.

Januar 1999 [...] gewünschte Gleichwertigkeit des staatlichen Abschlusses ‚Diplom

(BA)‘ an Berufsakademien im Sinne von Typ II mit den entsprechenden Abschlüssen in

den entsprechenden Fachrichtungen an den Fachhochschulen des Landes hochschulrechtlich

um.“ Diese Formulierung schließt den Zugang von Absolventen der Berufsakademie

zu einem Master-Studiengang an Universitäten nicht ausdrücklich aus.

78


zw. mit einem anderen Unternehmen einen Anschlussvertrag abgeschlossen.

In vielen Fällen nehmen Absolventinnen und Absolventen

der Berufsakademie in Unternehmen Positionen wahr, die alternativ

von Fachhochschulabsolventen besetzt werden.

A.III.

Struktur

Organe der Berufsakademie sind das Kuratorium, der Direktor 43 , die

Dozentenkonferenz sowie die Ausbildungskonferenz/Koordinierungsausschüsse.

Das Kuratorium beschließt Empfehlungen in allen Angelegenheiten

von grundsätzlicher Bedeutung, insbesondere in den Bereichen

Zulassungs-, Ausbildungs- und Prüfungswesen. 44 Mitglieder

im Kuratorium sind gemäß § 1 Abs. 3 der Satzung über die Aufgaben

und Zusammensetzung des Kuratoriums neben 2 Vertretern der beteiligten

Ausbildungsbetriebe je 2 Vertreter der Dozenten sowie Studierendenvertreter.

Außerdem gehören dem Kuratorium ein Vertreter

des Trägers der Berufsakademie, ein Vertreter der Vereinigung der

Industrie- und Handelskammern in Schleswig-Holstein sowie jeweils

ein Vertreter des Ministeriums für Wirtschaft, Technologie und Verkehr

und des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und

Kultur des Landes Schleswig-Holstein an.

Der Direktor der Berufsakademie leitet und vertritt die Berufsakademie

nach innen und nach außen und sorgt unter anderem für die

Durchführung der Beschlüsse des Kuratoriums. Er wird vom Träger

im Einvernehmen mit dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft,

Forschung und Kultur eingestellt. In Rechtsgeschäften wird die Berufsakademie

durch den Vorstand der Wirtschaftsakademie vertreten.

Die Dozentenkonferenz setzt sich aus den hauptberuflichen Dozenten

sowie einem Vertreter der nebenberuflichen Lehrkräfte zusammen.

Sie hat primär beratende Funktion, beispielsweise bei der Erstellung

und Weiterentwicklung der Studien- und Prüfungsordnungen

und der Curricula. Die Studien- und Prüfungsordnungen werden anschließend

gemäß § 3 Abs. 1 der Satzung über Aufgaben und Zusammensetzung

des Kuratoriums der Berufsakademie in Trägerschaft

der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein vom Kuratorium

beschlossen.

Mit den Vertretern der Ausbildungsbetriebe wird einmal pro Jahr eine

Ausbildungskonferenz durchgeführt. Die Konferenz berät die Berufsakademie

in allen Fragen der Verzahnung von theoretischer und

43

Derzeit gibt es nicht - wie im BAG vorgesehen - einen Stellvertreter für den Direktor.

44

Sobald ein Beschluss gefasst ist, wird ein entsprechender Antrag beim Land gestellt,

dem die Entscheidungshoheit obliegt.

79


praktischer Ausbildung. Darüber hinaus beraten die Koordinierungsausschüsse

die Berufsakademie in fachlichen Angelegenheiten (z. B.

bei der Erstellung von Studien- und Ausbildungsrahmenplänen sowie

Ausbildungs- und Prüfungsordnungen). Mitglieder der Koordinierungsausschüsse

sind Vertreter der Dozenten, der Ausbildungsbetriebe

und der Studierenden. Ausbildungskonferenz/Koordinierungsausschüsse

und Dozentenkonferenz sind beratende Gremien der Berufsakademie.

Die Empfehlungen der Gremien gehen u. a. in die Studien-

und Prüfungsordnungen ein. Anschließend werden diese vom

Kuratorium als beschlussfassendes Gremium der Berufsakademie

verabschiedet.

Gemäß § 10 Abs. 2 BAG wird auf Vorschlag des Direktors der Berufsakademie

vom Kuratorium eine Frauenbeauftragte gewählt, welche

bei der Besetzung von Dozentenstellen beteiligt ist und an den

Sitzungen des Berufungsausschusses teilnimmt. Sie kann zudem an

den Sitzungen des Kuratoriums teilnehmen.

Die Interessen der Studierenden werden von der Studierendenversammlung

und im Studierendenausschuss wahrgenommen, der die

Studierenden nach außen vertritt. Die Organisation der Studierendenversammlung

und des Studierendenausschusses wird in einer eigenen

Satzung geregelt.

Für den Zeitraum der probeweisen Anerkennung der Berufsakademie

wurde ein wissenschaftlicher Beirat berufen. Dieser setzt sich für die

Fachrichtungen Betriebswirtschaft, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen

aus entsprechenden Professoren der Fachhochschule

Kiel zusammen. Zwei von ihnen sind gleichzeitig Mitglieder

im Berufungsausschuss bei der Besetzung hauptamtlicher Dozentenstellen.

80


Organe der Berufsakademie

Kuratorium

Direktorin bzw. Direktor

Wissenschaftlicher

Beirat

Koordinierungsausschüsse

Ausbildungskonferenz

Dozentenkonferenz

Fachbereich

Betriebswirtschaft

Fachbereich

Wirtschaftsinformatik

Fachbereich

Wirtschaftsingenieurwesen

Fachbereichsleiter Fachbereichsleiter Fachbereichsleiter

Semesterleiter Semesterleiter Semesterleiter

beratende Funktion

Quelle: Berufsakademie Schleswig-Holstein

81


A.IV. Studium an der Berufsakademie

IV.1. Zulassung zum Studium

Gemäß § 3 Abs. 1 Punkt 3 BAG wird zum Studium an der Berufsakademie

zugelassen, wer die Qualifikation für ein Studium an einer

Hochschule (Abitur oder Fachhochschulreife) erworben und einen

Ausbildungsvertrag mit einem geeigneten Ausbildungsbetrieb abgeschlossen

hat. Darüber hinaus können nach § 3 Abs. 3 BAG auch

besonders qualifizierte Berufstätige, die keine Hochschulzugangsberechtigung

besitzen, durch Bestehen einer Eignungsprüfung die Qualifikation

für das Studium an der Berufsakademie erwerben. Die Eignungsprüfung

findet auf der Grundlage der Landesverordnung über

den Zugang zu den Hochschulen für Personen ohne schulische

Hochschulzugangsberechtigung vom 20. Dezember 1991 statt. 45

IV.2. Struktur der Ausbildung

Das Studium an der Berufsakademie besteht aus einer praktischen

Ausbildung in betrieblichen Ausbildungsstätten und aus einer mit der

praktischen Ausbildung abgestimmten theoretischen Ausbildung (duale

Ausbildung). Es gliedert sich in jedem Studienjahr in Studienabschnitte

an der Berufsakademie und Ausbildungsabschnitte im Ausbildungsbetrieb.

Für die Dauer und Inhalte der einzelnen Studienabschnitte

ist der Studien- und Prüfungsplan maßgebend. Das Studium

dauert einschließlich der Ausbildung in betrieblichen Ausbildungsstätten

mindestens drei Jahre, in der Regel zwei Studienjahre im Grundstudium

und ein Studienjahr im Hauptstudium. Es beginnt jeweils im

Oktober eines Jahres mit einem Praxisteil im Unternehmen, in dem

die Studierenden zunächst die wichtigsten Funktionen ihres Ausbildungsbetriebes

kennen lernen, bevor ein erster Einstieg in bestimmte

Abteilungen des Unternehmens erfolgt. Anschließend wechseln sich

Theorie- und Praxisphasen in einem Rhythmus von zwölf Wochen

ab.

Im Grundstudium sollen die Studierenden unter fachlicher Anleitung

mit den Aufgaben in ihrem Ausbildungsbetrieb vertraut gemacht werden

und durch ‚ learning by doing‘ an die Lösung dieser Aufgaben

herangeführt werden. Gleichzeitig werden in den Lehrveranstaltungen

an der Berufsakademie die Grundlagenfächer der jeweiligen

Studienfachrichtung unterrichtet. Das Grundstudium schließt nach

vier Semestern mit einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss:

45

Der Anteil derjenigen, die über eine Eignungsprüfung für das Studium zugelassen

wurden, ist allerdings äußerst gering. Aktuell ist an der Berufsakademie ein Studierender

eingeschrieben, der keine Hochschulzugangsberechtigung besitzt und durch Bestehen

einer Eignungsprüfung die Qualifikation für das Studium erworben hat.

82


- Wirtschaftsassistent/in (BA)

- Wirtschaftsingenieurassistent/in (BA)

- Wirtschaftsinformatikassistent/in (BA)

Das darauf aufbauende zweisemestrige Hauptstudium dient der Vertiefung

der Fachkenntnis. Im praktischen Ausbildungsteil sollen Teilaufgaben

bereits selbständig bearbeitet und gelöst werden.

Nach insgesamt sechs Semestern wird das Studium mit der Diplomarbeit

abgeschlossen. Die theoretische Ausbildung während des gesamten

Studiums umfasst 2.400 Unterrichtsstunden. Neben dem Abschluss

an der Berufsakademie haben die Studierenden die Möglichkeit,

nach zwei Jahren die Prüfung in einem anerkannten Ausbildungsberuf

vor der Industrie- und Handelskammer abzulegen.

IV.3. Prüfungen und Diplomarbeit

Die Prüfungsordnung beinhaltet drei Prüfungsteile:

- Semester begleitende Leistungsnachweise (Klausuren, Projektarbeiten)

- Diplomarbeit

- Kolloquium

Das Thema der Diplomarbeit wird von der Berufsakademie in Absprache

mit dem Ausbildungsbetrieb gestellt und muss einen betriebspraktischen

Bezug haben. Nach Vergabe des Themas steht den

Studierenden ein Zeitraum von 3 Monaten für die Abfassung der Diplomarbeit

zur Verfügung. Sie wird von einem Prüfer des Lehrkörpers

nach § 8 Absatz 3 und 4 BAG und einem Prüfer aus der Praxis betreut

und bewertet, d.h. prüfungsberechtigt sind neben den hauptberuflichen

Lehrkräften, welche die Einstellungsvoraussetzungen für

Professoren erfüllen (Abs. 3 BAG), auch nebenberuflich tätige Dozenten

(Abs. 4 BAG). 46

Die Noten der Semester begleitenden Leistungsnachweise gehen zu

70 %, die Note der Diplomarbeit zu 20 % und die des Kolloquiums zu

10 % in die Gesamtnote ein. Für einen erfolgreichen Abschluss des

Studiums muss jeder Prüfungsteil mindestens mit der Note „ausreichend“

abschließen. Bei nicht erfolgreichem Abschluss kann jeder

Teil einmal wiederholt werden. Der Prüfungsausschuss stellt das Ergebnis

der Prüfungen fest. Der oder die Vorsitzende des Prüfungs-

46

Die Änderung der Prüfungsordnung, nach der auch nebenberuflich Lehrende prüfungsberechtigt

sind, erfolgte mit Schreiben des Landes vom 28. Februar 2002. – Nebenberufliche

Dozenten dürfen im Unterschied zu hauptamtlich Lehrenden nur 5 und

nicht 10 Arbeiten gleichzeitig betreuen.

83


ausschusses wird vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung

und Kultur des Landes Schleswig-Holstein benannt.

Das ECTS-Credit-Point-System wird zurzeit an der Berufsakademie

noch nicht angewandt. Allerdings hat die Dozentenkonferenz beschlossen,

dass in die neuen Prüfungsordnungen der Berufsakademie

das Credit-Point-System aufgenommen wird. Die Überarbeitung

der Prüfungsordnungen soll Ende 2003/Anfang 2004 abgeschlossen

sein. Die Voraussetzungen dafür sind bereits insofern gegeben, als

nach den bisherigen Prüfungsordnungen keine zentralen Abschlussprüfungen,

sondern Semester begleitende Prüfungen stattfinden.

IV.4. Kooperation mit den beteiligten Ausbildungsstätten

Nach Darstellung der Berufsakademie bestehen Kooperationen mit

zurzeit 290 Unternehmen, überwiegend aus Schleswig-Holstein, wobei

sich im Bereich Betriebswirtschaft 239 Ausbildungsstätten beteiligen,

in der Fachrichtung Wirtschaftsinformatik 50 und im Wirtschaftsingenieurwesen

insgesamt 20 Unternehmen. 47

Diese Unternehmen übernehmen den praktischen Teil der Ausbildung,

der insgesamt 50% des Gesamtstudiums umfasst.

Die Zusammenarbeit zwischen der Berufsakademie und den Unternehmen

wird auf der Grundlage eines Kooperationsvertrages gestaltet,

in dem die Pflichten der beiden Ausbildungspartner geregelt werden.

Darin verpflichtet sich der Ausbildungsbetrieb unter anderem

dazu, dass der praxisbezogene Ausbildungsteil entsprechend der

Ausbildungs- und Prüfungsordnung sowie dem von der Berufsakademie

genehmigten Ausbildungsplan durchgeführt wird. Der individuelle

Ausbildungsplan wird in Anlehnung an die von der Berufsakademie

erstellten Rahmenpläne entwickelt. Die Kontrolle der Ausbildungspläne

erfolgt über den Ausbildungsbericht, den der Studierende

bzw. die Studierende jeweils am Ende eines Praxissemesters erstellt,

vom Ausbildungsverantwortlichen unterzeichnen lässt und der Berufsakademie

vorlegt.

Neben dem Direktor und den Fachbereichsleitern haben die Studiengruppenleiter

(Dozenten) sowie ein nebenberuflicher Dozent die Aufgabe,

die Ausbildungsbetriebe zu besuchen. Darüber hinaus besteht

für den Studienschwerpunkt Tourismus über eine Mitarbeiterin der

Wirtschaftsakademie, die das touristische Weiterbildungsangebot der

47

Geplant ist eine Erhöhung der Studierendenzahl auf 500 im Jahr 2006, die eine

Erhöhung der Zahl kooperierender Betriebe zur Voraussetzung hat. Das Gesamtpotenzial

im Umfeld beziffert die Berufsakademie mit 350 Ausbildungsbetrieben.

84


Wirtschaftsakademie betreut, ein enger Kontakt zu den Unternehmen.

IV.5. Studiengänge an den drei Standorten, Profil der Lehre

Auf der Grundlage des BAG vom 06.01.1999 sowie des Beschlusses

der Kultusministerkonferenz vom 28./29.09.1995 über die Anerkennung

der Abschlüsse der Berufsakademien im Tertiären Bildungsbereich

nach dem Modell der Berufsakademien in Baden-Württemberg

bietet die Berufsakademie der Wirtschaftsakademie zurzeit an den

Studienorten Flensburg, Kiel und Lübeck folgende Studiengänge an:

Tabelle 1: Studiengänge der Berufsakademie

Ort

Flensburg

Kiel

Lübeck

Studiengang

Betriebswirtschaft – Schwerpunkt allgemeine Betriebswirtschaftslehre

Wirtschaftsinformatik

Betriebswirtschaft – Schwerpunkt allgemeine Betriebswirtschaftslehre

Betriebswirtschaft – Schwerpunkt Handel

Betriebswirtschaft – Schwerpunkt Immobilienwirtschaft

Wirtschaftsinformatik

Wirtschaftsingenieurwesen

Betriebswirtschaft – Schwerpunkt allgemeine Betriebswirtschaftslehre

Betriebswirtschaft – Schwerpunkt Tourismus

Die Fachrichtungen Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen

zeichnen sich durch einen interdisziplinär ausgerichteten Fächerkanon

aus. Neben den Informatik- bzw. ingenieurwissenschaftlichen

Inhalten werden betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt.

Der Schwerpunkt der Fachrichtung Wirtschaftsinformatik liegt im

Grundstudium in der Vermittlung fundierter Softwaretechnik- und

Programmierkenntnisse. Im Hauptstudium erfolgt eine Spezialisierung

im Bereich Datenbanken. Dies wird auch im quantitativen Anteil

der Softwareentwicklung von etwa einem Drittel und der datenbankbezogenen

Fächer von über einem Viertel an der Informatikstundenzahl

insgesamt deutlich. Zukünftig soll der Bereich Softwareentwicklung

durch die neu ausgeschriebene Dozentenstelle für „Betriebliche

Anwendung und E-Commerce“ gestärkt werden.

85


Im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen werden neben den

grundständigen betriebswirtschaftlichen Inhalten die Schwerpunkte

bei den ingenieurwissenschaftlichen Fächern auf Maschinenlehre

und Elektrotechnik gelegt. Im Hauptstudium sind die Bereiche Automatisierungstechnik

und EDV-gestützte Fertigungstechnik neben anderen

Inhalten im Fach Produktionstechnik integriert. Die Absolventen

des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen finden nach Angaben

der Berufsakademie ihre spätere berufliche Tätigkeit vor allem im

Projektmanagement.

Im Rahmen des Arbeitskreises „Betriebswirt der Sozialwirtschaft“ an

der Wirtschaftsakademie, der sich aus Vertretern der Wohlfahrtsverbände

des Landes Schleswig-Holstein zusammensetzt, wurde unter

anderem ein betriebswirtschaftlicher Studiengang mit dem Schwerpunkt

Sozialwirtschaft angeregt. In Abstimmung mit den Mitgliedern

des Fachbeirates „Sozialwirtschaft“ sollte Ende des Jahres 2003 im

Rahmen einer schriftlichen Befragung bei Unternehmen und Trägern

sozialer Dienstleistungen in Schleswig-Holstein der Bedarf nach einem

betriebswirtschaftlichen Studiengang mit dem Schwerpunkt Sozialwirtschaft

ermittelt werden. Eine Ausweitung des Studienangebots

auf andere Ausbildungsbereiche wird nach Angaben der Berufsakademie

derzeit nicht angestrebt.

Gemäß dem Berufsakademiengesetz kann die Berufsakademie auch

Veranstaltungen der Weiterbildung sowie Aufbaustudiengänge anbieten.

Bisher hat sich die Berufsakademie ausschließlich auf das Angebot

von Aufbaustudiengängen für ehemalige Absolventinnen und

Absolventen der Berufsakademie konzentriert, um ihnen eine nachträgliche

Diplomierung zu ermöglichen. Neben den Aufbaustudiengängen

bietet die Berufsakademie bisher keine weiteren Weiterbildungsveranstaltungen

an. Diese fallen in die Geschäftstätigkeit der

Wirtschaftsakademie.

In den Aufbaustudiengängen Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik

müssen jeweils 720 Stunden belegt werden, um unter Berücksichtigung

des Erststudiums das gesamte Unterrichtsvolumen

von 2.400 Stunden für Diplomstudiengänge an der Berufsakademie

nachzuweisen. Im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen sind lediglich

144 Unterrichtsstunden notwendig, da bereits im grundständigen

Studiengang zum/zur Wirtschaftsingenieur/in (BA) 2.400 Stunden

zu belegen waren. Inhaltlich bauen die Aufbaustudiengänge auf den

Fächern des Erststudiums auf.

Insgesamt haben in den vergangenen Jahren 171 ehemalige Absolventinnen

und Absolventen an einem Aufbaustudiengang erfolgreich

teilgenommen. Die Gesamtzahl verteilt sich wie folgt auf die Fachrichtungen:

86


- Betriebswirtschaft 82

- Wirtschaftsinformatik 34

- Wirtschaftsingenieurwesen 55

Aktuell werden aufgrund zu geringer Nachfrage bei ehemaligen Absolventinnen

und Absolventen der Berufsakademie keine Aufbaustudiengänge

durchgeführt.

Tabelle 2: Aufbaustudiengänge an der Berufsakademie

Aspekt

Fachrichtung

Betriebswirtschaft

Fachrichtung

Wirtschaftsinformatik

Fachrichtung

Wirtschaftsingenieurwesen

vorausgesetzter

Abschluss

Betriebswirt/in (BA)

Wirtschaftsinformatiker/in

BA)

Wirtschaftsingenieur/in

(BA)

Dauer

9 Monate Vollzeitstudium

oder

18 Monate berufsbegleitendes

Studium

9 Monate Vollzeitstudium

oder18 Monate

berufsbegleitendes

Studium

6 Monate berufsbegleitendes

Studium

Unterrichtsstunden

720 720 144

Unterrichtsfächer

Prüfungsleistungen

Controlling

Unternehmensmanagement

Electronic-

Commerce

Projektmanagement

Materialwirtschaft

Arbeits- und Sozialrecht

Dienstleistungsmarketing

Unternehmensplanspiel

Klausuren,

Semesterarbeiten

Diplomarbeit

(3 Monate)

Kolloquium

Java-Programmierung

Technische Dokumentation

Electronic-Commerce

Projektmanagement

Unternehmensplanspiel

Arbeits- und Sozialrecht

Dienstleistungsmarketing

Klausuren,

Semesterarbeiten

Diplomarbeit

(3 Monate) Kolloquium

Technische Dokumentation

Electronic-Commerce

Projektmanagement

Klausuren,

Semesterarbeiten

Diplomarbeit

(3 Monate) Kolloquium

Abschluss

Dipl.-Betriebswirt/in

(BA)

Dipl.-Wirtschaftsinformatiker/in

(BA)

Dipl.-Wirtschaftsingenieur/in

(BA)

87


IV.6. Studienanfänger, Studierende, Absolventen

In den vergangenen 4 Jahren ist die Gesamtzahl der Studierenden

um ca. 6 % gesunken. Der Rückgang hat sich nach Auffassung der

Berufsakademie als Folge einer - nach Abbau der Landeszuschüsse

notwendigen - Erhöhung der Studiengebühren um ca. 125 % vollzogen.

Während im Bereich der betriebswirtschaftlichen Studiengänge

die Studierendenzahl rückläufig ist, konnte sie in der Fachrichtung

Wirtschaftsinformatik um ca. 47 % gesteigert werden. In der Fachrichtung

Wirtschaftsingenieurwesen liegt die Zahl auf einem niedrigen

Niveau. Hier macht sich nach Darstellung des Landes der Wettbewerb

mit der privaten Nordakademie Elmshorn bemerkbar, einer

Fachhochschule mit einem der Berufsakademie fachlich sehr ähnlichen

Angebot (Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsinformatik und

Wirtschaftsingenieurwesen) und derzeit ca. 800 Studierenden.

Die Zahl der Studienanfänger insgesamt lag in den vergangenen Jahren

im Durchschnitt bei ca. 150 jährlich. Mit 1 – 2 % ist die Quote der

Studienabbrecher relativ gering. Ca. 95 - 96 % der Studierenden eines

Studienjahrganges haben in den letzten Jahren das Studium in

der Regelstudienzeit abgeschlossen. Seit Beginn des Studienjahres

1999/2000 haben sich die einzelnen Studiengänge wie folgt entwickelt:

Abbildung 1: Entwicklung der Zahl der Studierenden nach

Fachrichtungen

600

500

400

300

200

100

0

Allg. BWL Handel Tourismus

Wirtschaftsinformatik

Wirtschaftsingenieurwesen

Immobilienwirtschaft

insgesamt

2000 242 89 58 76 29 494

2001 221 82 55 108 28 494

2002 207 77 55 111 34 484

2003 187 73 38 112 39 15 464

88


Tabelle 3: Studierende, Studienanfänger, Studienabbrecher

und Absolventen der Berufsakademie, differenziert nach Fachrichtungen

48

Fachrichtungen 1999/ 2000/ 2001/ 2002/

Betriebswirtschaft

Studierende 389 358 339 315

Studienanfänger 111 117 102 105

Studienabbrecher 4 7 4 2

Absolventen 142 132 107 102

Wirtschaftsinformatik

Studierende 76 108 111 112

Studienanfänger 37 51 37 26

Studienabbrecher 0 3 0 2

Absolventen 15 22 36 50

Wirtschaftsingenieurwesen

Studierende 29 28 34 39

Studienanfänger 7 13 14 13

Studienabbrecher 0 0 1 0

Absolventen 13 9 7 13

Berufsakademie insgesamt

Studierende 494 494 484 466

Studienanfänger 155 181 153 145

Studienabbrecher 4 10 5 4

Absolventen 170 163 150 165

48 Die Angaben zu Studienanfängern, Studierenden, Studienabbrechern und Absolventen

beziehen sich jeweils auf ein Studienjahr. Ein Studienjahr beginnt am 1. Oktober

eines Jahres und endet am 30. September des Folgejahres. Die für das Jahr 2000

in der Tabelle 3 ausgewiesenen 37 Studienanfänger in der Fachrichtung Wirtschaftsinformatik

haben ihre Ausbildung am 01.10.99 begonnen und am 30.09.2002 abgeschlossen.

Insgesamt dauert die Ausbildung somit 6 Semester.

89


Tabelle 4: Anteil der weiblichen Studierenden an der Gesamtzahl

der Studierenden der Berufsakademie

Studiengang

Betriebswirtschaft, Schwerpunkt allg. Betriebswirtschaft

43 %

Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Handel 31 %

weibl. Studierende

Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Tourismus 88 %

Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Immobilienwirtschaft 54 %

Wirtschaftsinformatik 40 %

Wirtschaftsingenieurwesen

28 %

Knapp 2/3 der Studierenden absolvieren ihr Studium in Kiel. Die Entwicklung

in den vergangenen Jahren ist mit ca. 300 Studierenden

stabil. Für die kommenden Jahre wird davon ausgegangen, dass die

Zahl der Studienplätze auf ca. 350 bis 370 steigen wird. Am Studienort

Flensburg sind aktuell 46 Studierende in der Ausbildung. Wird

sich die rückläufige Entwicklung der vergangenen zwei Jahre fortsetzen,

ist nach Angaben der Berufsakademie aus Kostengründung mit

der Schließung des Studienortes zu rechnen. Die Studienanmeldungen

werden dann auf den Studienort Kiel übertragen. Für den Studienort

Lübeck wird für die kommenden Jahre eine durchschnittliche

Studierendenzahl von 130 erwartet. Mittelfristig wird somit insgesamt

von ca. 500 Studierenden auszugehen. Aufgrund der Nachfrageentwicklung

und unter Kostengesichtspunkten gibt es zurzeit keine Überlegungen,

weitere Standorte aufzubauen.

Für das Studienjahr 2003/2004 liegen zurzeit folgende Anmeldezahlen

vor:

Tabelle 5: Anmeldungen für das Studienjahr 2003/04

Fachrichtung Studienanfänger Studiengruppen

Betriebswirtschaft 94 4

Wirtschaftsingenieurwesen 17 1

Wirtschaftsinformatik 24 1

90


Abbildung 2: Entwicklung der Zahl der Studierenden nach Studienorten

350

300

250

200

150

100

50

0

Kiel Flensburg Lübeck

2000 298 54 142

2001 291 64 139

2002 302 57 125

2003 301 46 119

Für den Standort Flensburg, an dem sich aktuell ein Studienjahrgang

in der Ausbildung befindet, ist die Zahl der Anmeldungen nach Angaben

der Berufsakademie zurzeit zu gering, um unter wirtschaftlichen

Gesichtspunkten mit einer neuen Studiengruppe zu beginnen. Differenziert

nach Studiengängen geht die Berufsakademie für die kommenden

Jahre von folgender Entwicklung aus:

Tabelle 6: Prognose der Entwicklung der Studierendenzahlen

Fachrichtung 2003 2004 2005 2006

Betriebswirtschaft 315 315 320 325

Wirtschaftsingenieurwesen 39 45 55 65

Wirtschaftsinformatik 112 100 100 110

Insgesamt 466 460 475 500

A.V.

Ausstattung

V.1.a) Personelle Ausstattung

Im Studienjahr 2002/03 waren ursprünglich 9,0 Vollzeitdozentenstellen

mit Dozentinnen und Dozenten (Professoren) besetzt, welche die

nach § 8 Abs. 3 BAG geforderten Einstellungsvoraussetzungen für

hauptamtliche Lehrkräfte erfüllen. Diese sind im Einzelnen:

91


- abgeschlossenes Hochschulstudium in einer für die zu übernehmende

Lehrtätigkeit geeigneten Fachrichtung,

- pädagogische Eignung, die in der Regel durch Erfahrung in der

Lehre oder Ausbildung nachgewiesen wird,

- besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit, die in der

Regel durch die Qualität einer Promotion nachgewiesen wird,

- besondere Leistungen bei der Anwendung oder Entwicklung wissenschaftlicher

Erkenntnisse und Methoden in einer mindestens

fünfjährigen beruflichen Praxis, von denen mindestens drei Jahre

außerhalb des Tertiären Bereiches ausgeübt worden sein müssen.

Von den 9,0 Dozentenstellen wurden 2,16 Stellen von bisherigen Dozentinnen

und Dozenten der Berufsakademie besetzt, welche die genannten

Einstellungsvoraussetzungen für hauptamtliche Lehrkräfte

erfüllen. Die übrigen Dozentenstellen wurden ausgeschrieben und im

Rahmen eines ordentlichen Berufungsverfahrens besetzt. 49 Nachdem

zwei Dozenten gekündigt haben, sind beide Stellen neu ausgeschrieben

worden (für Rechnungswesen und Steuerlehre sowie für Wirtschaftsinformatik),

deren Bewerbungsfrist noch läuft und die beide

spätestens Mitte 2004 besetzt werden sollen. 50

Mitglieder des Berufungsausschusses sind neben Vertretern der Berufsakademie:

- sechs Professoren der Fachrichtung Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik

der Fachhochschulen Flensburg, Heide und

Kiel als externe Mitglieder,

- ein Vertreter der Studierenden,

- die Frauenbeauftragte der Berufsakademie.

Der jeweilige Berufungsvorschlag und die Berufungsliste des Ausschusses

werden auf der Basis der Bewerbungsunterlagen sowie des

Eindrucks einer Probelehrveranstaltung vor dem Ausschuss und einer

Studiengruppe der Berufsakademie erstellt. Die endgültige Bestätigung

des Berufungsvorschlages erfolgt durch das Ministerium für

Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur. Die bisher abgeschlossenen

Verträge sind unbefristet mit einer sechsmonatigen Probezeit.

Nach Ende der Probezeit legt die Berufsakademie gemäß § 8 Abs. 7

49

Drei Dozenten erhalten aufgrund der Übernahme von Leitungsfunktionen eine Entlastung

hinsichtlich des Stundendeputats, die in einem Fall 12 SWS und in zwei Fällen

3 SWS (von 18 SWS) umfasst, so dass die Stellen hinsichtlich des Stundendeputats

0,33 bzw. 0,83 Vollzeitäquivalenten entsprechen. Insgesamt wird dennoch ein Vollzeitäquivalent

von 9,0 Stellen erreicht.

50

Eine Übersicht über die Besetzung der hauptberuflichen Dozentenstellen im Studienjahr

2002/03 findet sich im Anhang, Übersicht 1.

92


BAG dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur

einen Bericht über die pädagogische Eignung der hauptamtlichen

Lehrkraft vor und beantragt das Recht zur Führung des Titels „Professorin

an einer Berufsakademie“ oder „Professor an einer Berufsakademie“.

Die Unterrichtsverpflichtung einer hauptamtlichen Lehrkraft beträgt 18

Unterrichtsstunden pro Woche bei 40 Wochen pro Jahr. Hauptamtliche

Lehrkräfte mit Leitungsfunktion erhalten eine Unterrichtsreduktion.

Diese umfasst bei dem Direktor der Berufsakademie, der zugleich

Fachbereichsleiter Betriebswirtschaft ist, 12 Stunden pro Woche (d.h.

6 x 40 = 240 statt 720 Unterrichtsstunden Lehrdeputat jährlich), bei

den beiden Fachbereichsleitern Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen

jeweils 3 Stunden pro Woche (d.h. 15 x 40 =

600 statt 720 Unterrichtsstunden Lehrdeputat jährlich). Die Vergütung

richtet sich nach dem Gehaltssystem der Wirtschaftsakademie, das

nach Tätigkeitsgruppen gegliedert ist. Dabei wird bei den hauptberuflichen

Dozenten der Berufsakademie nach 2 Tätigkeits- und damit

auch Gehaltsgruppen unterschieden:

- Leiter einer Studienfachrichtung und Dozent

- Dozent.

Zwei der sieben ausgeschriebenen Dozentenstellen wurden aufgrund

der positiven Entwicklung der Studierendenzahl in der Fachrichtung

Wirtschaftsinformatik aus dem Fachgebiet Informatik mit Schwerpunkt

Programmierung und Datenbanken besetzt. Die restlichen 5

Stellen beziehen sich auf die betriebswirtschaftlichen Fächer, die in

den drei Studiengängen insgesamt das größte Unterrichtsvolumen

aufweisen.

Bei 9,0 Dozentenstellen werden insgesamt pro Jahr 6.480 hauptamtliche

Unterrichtsstunden geleistet, die sich zurzeit auf 21 Studiengruppen

verteilen. Der Anteil der weiblichen Dozenten beträgt bei den

hauptamtlichen Dozenten 18 %, bei den nebenberuflichen 13 %. Jede

Studiengruppe wird durchschnittlich pro Jahr mit 800 Stunden unterrichtet

(2.400 Stunden verteilt auf 3 Studienjahre). Somit ergibt

sich ein Unterrichtsvolumen von insgesamt 16.800 Stunden und ein

Anteil hauptamtlicher Unterrichtsstunden von 38,6 %.

Unter Berücksichtigung der Entlastungsstunden verteilen sich die

hauptamtlichen Unterrichtsstunden im abgeschlossenen Studienjahr

2002/2003 mit 9,0 Vollzeitäquivalenten wie folgt auf die drei Fachrichtungen:

93


Tabelle 7: Übersicht über den Anteil hauptamtlicher Unterrichtsstunden

im Studienjahr 2002/03

Fachrichtung

Unterrichtsstunden

insgesamt

Hauptamtliche

Unterrichtsstunden

Anteil hauptamtlicher

Unterrichtsstunden

Betriebswirtschaft 9.600 3.898 40,6 %

Wirtschaftsingenieurwesen 2.400 720 30,0 %

Wirtschaftsinformatik 4.800 1.862 38,8 %

Insgesamt 16.800 6.480 38,6 %

Da derzeit zwei Stellen nicht besetzt sind, gilt diese Berechnung für

das laufende Studienjahr nicht, in dem sich der Anteil hauptamtlicher

Unterrichtsstunden im Bereich Betriebswirtschaft auf 33,1 %, im Studiengang

Wirtschaftsingenieurwesen auf 30 % und im Studiengang

Wirtschaftsinformatik auf 23,8 % beläuft, womit sich für die Berufsakademie

insgesamt ein Anteil von 30,4 % hauptamtlicher Lehre ergibt.

Sofern zukünftig die ausgeschriebenen Vollzeitdozentenstellen

besetzt werden, würde sich der Anteil hauptamtlicher Unterrichtsstunden

an der Berufsakademie insgesamt auf 40,7 % erhöhen (mit

41,9 % im Bereich Betriebswirtschaft, 35 % im Wirtschaftsingenieurwesen

und 41,3 % in der Wirtschaftsinformatik).

Neben den oben genannten Lehrkräften sind vier weitere Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter der Wirtschaftsakademie mit Hochschulabschluss

und langjähriger Lehrerfahrung als Lehrkräfte an der Berufsakademie

eingesetzt. Aufgrund der fehlenden Promotion wurden

diese jedoch nicht als hauptberufliche Lehrkräfte im Sinne des § 8

Abs. 3 BAG vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung

und Kultur anerkannt. Diese Lehrkräfte haben ein Stundendeputat

von 22 Unterrichtsstunden pro Woche und leisten zusammen im

Durchschnitt ca. 1.700 Unterrichtsstunden pro Jahr an der Berufsakademie.

51

Insgesamt werden somit 8.180 Unterrichtsstunden von angestellten

Dozenten der Berufsakademie erteilt. Dies entspricht bezogen auf

das jährliche Unterrichtsvolumen von 16.800 Stunden einem Anteil

von 48,7 %. Im Studienjahr 2002/03 wurden insgesamt 8.620 Stunden

von derzeit 59 nebenberuflichen Lehrkräften mit Hochschulabschluss

auf Honorarbasis erteilt, von denen ca. 20 % kooperierenden

51

Eine Übersicht über die derzeitige Besetzung dieser hauptberuflichen Mitarbeiterstellen

findet sich im Anhang, Übersicht 2.

94


Betrieben entstammen. Die nebenberuflichen Lehrkräften arbeiten

hauptberuflich in folgenden Bereichen:

- Universität 1,7 %

- Wissenschaftliche Mitarbeit 6,8 %

- Fachhochschule 11,9 %

- Selbständige Dozententätigkeit 23,7 %

- Berufliche Praxis 55,9 %

Das nichtwissenschaftliche Personal umfasst zurzeit 4,1 Stellen und

beinhaltet Geschäftsleitungssekretariat, Studiensekretariat vor Ort,

Prüfungsamt und Stundenplanung:

Tabelle 8: Übersicht über das nichtwissenschaftliche Personal

Nicht-wissenschaftliche Stellen der Berufsakademie Stellen

Studien- und Geschäftsleitungssekretariat Kiel 1,00

Studiensekretariate Lübeck und Flensburg 1,25

Stundenplanung 1,00

Sekretariat Prüfungsamt (anteilig) 1) 0,35

Betreuung der EDV-Räume 0,50

Insgesamt 4,10

1) Die Berufsakademie und die Fachschule für Betriebswirtschaft der Wirtschaftsakademie

haben ein gemeinsames Prüfungsamt, das für die Organisation und für den Ablauf

der Prüfungen zuständig ist. Personell ist das Prüfungsamt mit dem Leiter des Prüfungsamtes

und einer Sekretärin besetzt. Der Leiter des Prüfungsamtes ist ein hauptberuflicher

Dozent der Berufsakademie, der jedoch nicht die Qualifikationen nach dem

Berufsakademiegesetz erfüllt.

V.1.b) Infrastruktur und sächliche Ausstattung

Die Berufsakademie nutzt Räume der Wirtschaftsakademie bzw. von

der Wirtschaftsakademie angemietete Räume. Entsprechend der

Nutzung werden die Raumkosten der Berufsakademie zugerechnet.

Insgesamt werden zurzeit 1.655 m 2 Fläche für Unterrichtszwecke und

Büros genutzt. Eine detaillierte Aufstellung der Raumnutzung ist folgender

Tabelle zu entnehmen:

Tabelle 9: Von der Berufsakademie genutzte Räume der Wirtschaftsakademie

Ort Büroräume Seminarräume

Flensburg 28 m 2 297 m 2 (5 Räume)

Kiel 152 m 2 770 m 2 (9 Räume)

Lübeck 17 m 2 391 m 2 (5 Räume)

Insgesamt 197 m 2 1.458 m 2 (19 Räume)

95


Die Berufsakademie unterhält an den drei Studienorten 6 EDV-

Räume mit insgesamt 135 internetfähigen Rechnern. Die EDV-

Räume werden primär für Unterrichtszwecke genutzt. Darüber hinaus

stehen sie außerhalb des Unterrichts den Studierenden für Übungszwecke

und Internetrecherchen zur Verfügung. Software steht den

Studierenden und den Dozenten für folgende Anwendungsbereiche

zur Verfügung:

- Büro- und Planungssoftware,

- Multimedia-Werkzeuge,

- Datenbanken (Datenbankserver, Administrations- und Softwareentwicklungswerkzeuge),

- Computer Aided Design (CAD),

- weitere Werkzeuge zur Dokumentenansicht und -bearbeitung.

Alle EDV-Arbeitsplätze haben einen Internet-Zugang.

Für den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen werden zwei technisch

ausgestattete Räume, ein Seminarraum und ein Labor für die

Fächer technische Physik, technisches Zeichnen/CAD, Festigkeitslehre/Maschinenelemente,

Maschinenlehre, Fertigungstechnik/CNC,

Elektronik/MSR/SPS und Produktions- und Automatisierungstechnik

vorgehalten. Die Geräte wurden überwiegend im Industriestandard

angeschafft und sind sowohl für die Vorlesung, für begleitende Demonstrationsversuche

als auch für Studentenversuche geeignet. Die

Laborgeräte werden zu ca. 80% regelmäßig für Übungen und Demonstrationsversuche

eingesetzt. In der Industrie beschäftigte Fachdozentinnen

und -dozenten stellen die Aktualität des Bestandes u. a.

durch ergänzende Materialproben sicher. Die Entwicklung im Studiengang

Wirtschaftsingenieurwesen ließ bisher aus Kostengründen

die Einstellung einer Laboringenieurin bzw. eines Laboringenieurs

nicht zu. Die Tätigkeiten werden daher auch zukünftig vom Fachbereichsleiter

mit Unterstützung der jeweiligen Fachdozenten durchgeführt.

Die Prognose der Berufsakademie zur Entwicklung der Studierendenzahlen

im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen geht aber

davon aus, dass zukünftig in jedem Jahr eine neue Studiengruppe

mit ca. 24 Studierenden die Ausbildung beginnen wird. Entsprechend

dem Anerkennungsbescheid soll ab einer Studierendenzahl von 50

eine Laboringenieurin bzw. ein Laboringenieur eingestellt werden.

Für die Studierenden der Berufsakademie steht die Bibliothek der

Wirtschaftsakademie zur Verfügung. Die Bibliothek hat zurzeit einen

Bestand von 9.170 Bänden zuzüglich ca. 170 Periodika. An den Studienorten

Lübeck und Flensburg kann jeweils auf eine Handbibliothek

mit Standardliteratur zurückgegriffen werden. In den vergangenen

drei Jahren sind jährlich zwischen 25.000 und 30.000 Euro für die

96


Beschaffung neuer Bücher ausgegeben worden. Insgesamt wurde

der Buchbestand der Bibliothek in den vergangenen 4 Jahren um ca.

4.900 Titel erhöht, die sich wie folgt auf Fachgebiete verteilen:

- Betriebswirtschaft: 3.574 Titel (73%)

- Recht: 258 Titel (5%)

- Informatik: 596 Titel (12%)

- Technik: 285 Titel (6%)

- Sprachen: 187 Titel (4%)

Entsprechend dem im Wirtschaftsplan 2003 eingestellten Betrag für

Neuanschaffungen (28.000 Euro) wird der Buchbestand bis zum Ende

des Jahres ca. 9.500 Titel betragen. Für die kommenden Jahre ist

weiterhin ein jährlicher Betrag in Höhe von ca. 30.000 Euro vorgesehen.

Über das Bibliotheksprogramm (Library for Windows) können

Studierende zudem online über das Intranet der Wirtschaftsakademie

bzw. zukünftig über das Internet Literaturrecherchen durchführen und

Bücher der Wirtschaftsakademie-Bibliothek vorbestellen. Mit der Universitätsbibliothek

der Christian-Albrechts-Universität Kiel sowie der

Bibliothek des Instituts für Weltwirtschaft – Deutsche Zentralbibliothek

für Wirtschaftswissenschaften bestehen zusätzlich schriftliche Vereinbarungen,

dass Studenten der Berufsakademie die jeweilige Bibliothek

nutzen können.

An weiteren Medien stehen den Studenten 6 internetfähige Arbeitsplätze

für computerunterstützte Lernprogramme (CBT’s), Literaturund

Internetrecherchen zur Verfügung. Die Bibliothek hält zurzeit einen

Bestand von ca. 100 CBT’s mit dem Schwerpunkt Betriebswirtschaftslehre

vor. Internetrecherchen können darüber hinaus an den

135 internetfähigen Arbeitsplätzen in den EDV-Räumen durchgeführt

werden. Weiterhin haben die Studierenden der Berufsakademie seit

2002 die Möglichkeit, über die IHK-Online-Akademie die Lernplattform

CLIX zu nutzen.

A.VI. Trägerschaft und Finanzierung

Träger der Berufsakademie ist die Wirtschaftsakademie Schleswig-

Holstein – IHK Zentrum für Weiterbildung, welche 1967 als IHK-

Zentrum für berufliche Aus- und Weiterbildung gegründet wurde. Sie

ist ein „wirtschaftlicher Verein kraft staatlicher Verleihung“ mit 26 Mitgliedern,

die sich zusammensetzen aus den drei schleswig-holsteinischen

Industrie- und Handelskammern Flensburg, Kiel und Lübeck

sowie Unternehmen und Einzelpersonen mehrheitlich aus

Schleswig-Holstein. Die Wirtschaftsakademie ist im Land Schleswig-

Holstein zurzeit an 14 Standorten vertreten und beschäftigt 248 Mit-

97


arbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Umsatz lag im Jahr 2002 mit ca.

14.200 Seminarteilnehmern bei 22,8 Mio. Euro. Zum 1. Januar 2004

werden die Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein (WAK) und das

Überbetriebliche Ausbildungszentrum Elmshorn e.V. (ÜAZ) zu einem

Unternehmen zusammengeführt, welches die Bezeichnung Wirtschaftsakademie

Schleswig-Holstein GmbH trägt und Rechtsnachfolger

der WAK wird. Beide Vereine werden nach Darstellung der Berufsakademie

ihr jeweiliges Vermögen auf die gemeinnützige GmbH

übertragen; Gesellschafter sind weiterhin die drei schleswig-holsteinischen

Industrie- und Handelskammern Flensburg, Kiel und Lübeck.

Nach Ansicht der Berufsakademie wird diese Verschmelzung

eine Effizienzsteigerung im Hinblick auf das Aus- und Weiterbildungsangebot

beider Institutionen zur Folge haben.

Organe der Wirtschaftsakademie sind Vorstand, Aufsichtsrat und

Mitgliederversammlung, welche unter anderem die Aufsichtsratmitglieder

wählt. Der Vorstand führt die Geschäfte und vertritt die Wirtschaftsakademie

nach außen. Für die Berufsakademie nimmt er unter

anderem die selbstständige Tätigkeit von Rechtsgeschäften vor,

da die Berufsakademie keinen eigenen Rechtsstatus hat, sondern als

Geschäftsbereich der Wirtschaftsakademie geführt wird. Der Aufsichtsrat,

der sich aus Vertretern der drei Industrie- und Handelskammern

Flensburg, Lübeck und Kiel sowie Vertretern von Unternehmen

des Landes Schleswig-Holstein zusammensetzt, überwacht und berät

den Vorstand in allen Angelegenheiten der Wirtschaftsakademie.

Nachdem in den vergangenen Jahren der Landeszuschuss für die

Berufsakademie vollständig abgebaut wurde, finanziert sich die Berufsakademie

seit 2003 ausschließlich aus Studiengebühren, die gemäß

§ 3 Abs. 1 Punkt 7 BAG von dem jeweiligen Ausbildungsbetrieb

an die Wirtschaftsakademie gezahlt werden. Die Studierenden erhalten

für die Dauer der Ausbildung von ihren Ausbildungsbetrieben eine

monatliche Vergütung. Als Folge des Abbaus der Landeszuschüsse

wurden die Studiengebühren in den vergangenen Jahren um etwa

125 % angehoben, wodurch der Abbau der Landeszuschüsse mehr

als kompensiert werden konnte und sich die Einnahmen aus Studiengebühren

seit 1997 um 25 % auf ca. 2,0 Mio. Euro erhöht haben.

Tabelle 10: Entwicklung der monatlichen Studiengebühren

Monatliche Studiengebühren

1998 1999 2000 2001 2002 2003

in Euro 148 230 256 281 307 332

98


Neben den Einnahmen aus den regulären Studiengängen erzielte die

Berufsakademie Einnahmen aus den Aufbaustudiengängen für ehemalige

Absolventinnen und Absolventen. Im Jahr 2003 werden keine

Einnahmen aus Aufbaustudiengänge erzielt, da aufgrund einer zu geringen

Nachfrage keine Studiengänge durchgeführt werden. Insgesamt

haben sich in den vergangenen Jahren die Einnahmen, unterteilt

nach Einnahmen aus Studiengebühren und Landeszuschüssen,

wie folgt entwickelt:

Abbildung 3: Entwicklung der Einnahmen der Berufsakademie

2.500

2.000

1.000 Euro

1.500

1.000

500

0

1997 1998 1999 2000 2001 2002

Studiengebühren 931 1.033 1.287 1.567 1.914 1.975

Landeszuschüsse 665 639 511 383 256 21

Leistungen insgesamt 1.596 1.672 1.798 1.950 2.170 1.996

Mit der Besetzung von sieben Dozentenstellen sind die Personalkosten

seit 1999 überdurchschnittlich gestiegen. Der Anstieg der Sachkosten

resultiert überwiegend aus erhöhten Ausgaben für die Aufstockung

des Buchbestandes der Bibliothek sowie erhöhten Investitionen,

insbesondere im EDV-Bereich.

99


Abbildung 4: Entwicklung der Ausgaben der Berufsakademie

2.500

2.000

1.000 Euro

1.500

1.000

500

0

1.997 1.998 1.999 2.000 2.001 2.002

Personalkosten 1.121 1.104 1.057 1.231 1.380 1.377

Sachkosten 121 154 236 207 254 171

Umlagen 365 422 514 516 539 480

Insgesamt 1.607 1.680 1.807 1.954 2.173 2.028

Aus heutiger Sicht geht die Berufsakademie für die kommenden Jahre

von folgender Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben der Berufsakademie

aus:

Tabelle 11: Prognose der Einnahmen und Ausgaben der Berufsakademie

Prognose 2003 2004 2005 2006

Studiengebühren pro Monat 332 332 340 340

Studierendenzahl 466 460 475 500

Leistungen insgesamt 1.857 1.833 1.938 2.040

Personalkosten 1.270 1.279 1.335 1.367

Sachkosten 170 160 180 200

Umlage 410 400 420 450

Kosten insgesamt 1.850 1.839 1.935 2.017

Aufgrund zusätzlicher Akquisitionsanstrengungen soll die Zahl der

Studierenden in den kommenden Jahren auf 500 steigen. Die Zahl

der Studiengruppen wird sich dadurch von zurzeit 21 auf 23 im Jahr

2006 erhöhen. Verbunden mit einer geplanten Erhöhung der Stu-

100


diengebühren in 2005 werden die Einnahmen um ca. 10 % auf

2 Mio. Euro wachsen. Die Ausgaben, insbesondere die Personalkosten,

werden nach dieser Berechnung ebenfalls steigen. Aufgrund des

erwarteten höheren Unterrichtsvolumens in den Jahren 2005 und

2006 werden zwei weitere Dozentenstellen zu besetzen sein, um den

geforderten Hauptamtleranteil von 40 % zu gewährleisten. In welchen

Fachrichtungen/Studienfächern die Dozentenstellen zu besetzen sein

werden, wird von der weiteren Entwicklung der Fachrichtungen abhängig

sein.

Die Investitionen der Berufsakademie konzentrieren sich auf die Bereiche

Labor (Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen) und EDV-

Ausstattung. Entsprechend der Abschreibungsdauer wird ein EDV-

Raum in der Regel nach drei Jahren neu ausgestattet. Somit wird –

bei einer Anzahl von insgesamt 6 Rechnerräumen – pro Jahr in zwei

EDV-Räume neu investiert mit einem Gesamtvolumen von ca. 70.000

Euro.

Für den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen ist das Labor

(Grundausstattung: ca. 1 Mio. Euro) für Unterrichts- und Übungszwecke

soweit ausgestattet, dass größere Investitionen in den kommenden

Jahren nach Ansicht der Berufsakademie nicht notwendig sind.

Eine notwendige Anpassung der Übungs- und Demonstrationsmaterialien

an die aktuellen Erfordernisse wird mit jährlich 10.000 Euro

kalkuliert. Darüber hinaus wird wie in der Vergangenheit eine Unterstützung

der Laborausstattung durch Firmenspenden erwartet.

Die Wirtschaftsakademie als Träger der Berufsakademie gewährleistet

nach § 3 Abs. 1 Punkt 7 BAG, dass die Studierenden nach Immatrikulation

das Studium ordnungsgemäß beenden können. Die an dem

Berufsakademie-Modell beteiligten Betriebe haften gemäß Kooperationsvertrag

mit Studienbeginn für die Zahlung der Studiengebühren

bis zum Ende des Studiums. Die Ertrags- und Vermögenslage der

Wirtschaftsakademie erlaubt zudem nach deren Auffassung die Hinnahme

vorübergehender defizitärer Entwicklungen.

A.VII. Qualitätssicherung

Eine systematische Messung der Qualitätsziele der Wirtschaftsakademie

und damit auch der Berufsakademie erfolgt erst seit dem Jahr

2003. Seitdem gilt, dass alle Bereiche der Wirtschaftsakademie ihre

Qualitätsziele schriftlich formulieren, dokumentieren, offen legen und

den Zielerreichungsgrad messen. Darüber hinaus ist die Qualitätszielsetzung

und die Messung der Qualitätsziele ein Bestandteil der

neuen QM-Norm nach DIN ISO 9000:2000.

101


In den vorangegangenen Jahren wurde noch keine systematische

Messung und Erfassung der Zielerreichungsgrade durchgeführt. Die

Qualität der Ausbildung insgesamt wurde erstmals im Oktober/November

2002 über eine Teilnehmerbefragung ermittelt. In den

Jahren davor resultierte die Bewertung der Ausbildung aus einer regelmäßigen

Dozentenbeurteilung durch die Studierenden. Daneben

gab es durch den Qualitätsbeauftragten der Wirtschaftsakademie

stichprobenhaft durchgeführte Befragungen von Teilnehmern. Für

das Jahr 2003 wurde die Teilnehmerbefragung bei den Studierenden

aus dem 4. Semester mittlerweile ebenfalls bereits durchgeführt, jedoch

noch nicht ausgewertet. Im Rahmen des QM-Systems erfolgt

für alle Bereiche der Wirtschaftsakademie eine gemeinsame Messung

ihrer jeweiligen Qualitätsziele im Dezember 2003/Januar 2004.

Die Teilnehmerbefragung der Studierenden aus dem 5. Semester im

Oktober/November 2002 zeigt folgendes Ergebnis:

Tabelle 12: Ergebnis der Teilnehmerbefragung vom Oktober/

November 2002

Qualitätsziel

Zufriedenheit mit dem

Studium insgesamt

Zufriedenheit mit der rechtzeitigen

Zurverfügungstellung

von Informationen

Stundenausfall pro

Studienjahr

Zielausmaß

Mindestens 80 % der

befragten Studenten

Mindestens 75 % der

befragten Studenten

Höchstens 5 % des jährlichen

Unterrichtsvolumens

der Berufsakademie

Zielerreichungsgrad

74 %

52 %

3,6 %

Neben den qualitätssichernden Regelungen dieses Systems existieren

eine Reihe weiterer, speziell für die Berufsakademie gestalteter

Verfahren:

- Zuordnung einer Semesterleiterin bzw. eines Semesterleiters zu

jeder Studierendengruppe, die/der als verbindlicher Partner und

als Tutor für auftauchende Fragestellungen und Problematiken

fungiert,

- verbindlicher Einsatz von Teilnehmer-Befragungsbögen (die Studierenden

werden zweimal während des Studiums hinsichtlich ihrer

Meinung über eine große Anzahl von Einzelkriterien zu jeder

eingesetzten Lehrkraft schriftlich befragt),

102


- Befragung der Studierenden mittels eines gesonderten Befragungsbogens

im letzten Drittel ihres Studiums nach der Erfüllung

ihrer Erwartungen (Inhalte, Lehrkräfte, Ausstattung usw.),

- Regelmäßige Feedback-Gespräche am Semesterende durch die

Semesterleiterin bzw. den Semesterleiter mit der jeweiligen Studiengruppe

und Dokumentation der Ergebnisse im Semesterbericht

(auf Hinweis des Semesterleiters erfolgt bei gravierenden

Problemen ein weiteres Gespräch der Direktorin bzw. des Direktors

der Berufsakademie mit der jeweiligen Studiengruppe),

- Intensive Einführungsgespräche mit neu eingesetzten Lehrkräften

über inhaltliche Erfordernisse und über organisatorische Regelungen,

- Interne Schulungen (z.B. Präsentationstechniken) für die eingesetzten

Lehrkräfte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wirtschaftsakademie.

Eine systematische Nachverfolgung von Absolventen-Karrieren wird

zurzeit nicht betrieben.

Die Qualität der betrieblichen Ausbildung wird über den Ausbildungsbericht

geprüft. In dem Ausbildungsbericht beschreibt der bzw. die

Studierende die Ausbildungsinhalte des jeweiligen Praxissemesters.

Anschließend wird der Bericht vom Ausbildungsverantwortlichen des

jeweiligen Unternehmens unterschrieben und der Berufsakademie

vorgelegt. Zudem werden jährlich Konferenzen mit den Ausbildungsverantwortlichen

der kooperierenden Unternehmen veranstaltet, die

auch dazu dienen, Informationen von betrieblicher Seite über qualitätsverbessernde

Maßnahmen im Studienablauf zu erlangen. Ein

formalisiertes Verfahren der Nachfrage bei den Betrieben besteht

nicht. 52

A.VIII. Kooperationen und internationale Beziehungen

Die Berufsakademie unterhält seit Mitte der 90er Jahre eine Kooperation

mit der Handelshochschule in Vaasa (Finnland), mit der im Rahmen

des EU-Programms SOKRATES/ERASMUS ein Studentenaustausch

durchgeführt wird. In der Vergangenheit haben jährlich bis zu

52

Im Rahmen der staatlichen Anerkennung der Berufsakademie (als Typ II nach

BAG) wurden im Jahr 1999 sowohl Fachhochschul- als auch Berufsakademie-

Professoren sowie betriebliche Gutachter mit einer Bewertung der Berufsakademie

beauftragt, wobei die betrieblichen Gutachter lediglich die Aufgabe hatten, die Ausbildungsinhalte

und die Verzahnung von Theorie und Praxis zu begutachten. Die vorgelegten

Einzelgutachten ergaben insgesamt ein Votum für eine Anerkennung der Berufsakademie

mit Diplomierungsrecht.

103


6 Studierende der Berufsakademie an dem Studentenaustausch teilgenommen.

Es ist geplant, zukünftig mit Partnern anderer Länder einen

Studentenaustausch zu betreiben, wobei aufgrund der Kürze des

Studiums die Zahl der interessierten Studenten sich nach Einschätzung

der Berufsakademie in Grenzen halten wird. Konkrete Gespräche

mit anderen Partnern haben allerdings bislang nicht stattgefunden.

Die Berufsakademie hat in den letzten Jahren im Rahmen von Tempus-Tacis-Projekten

der EU federführend Berufsakademien in Kasachstan

und in Turkmenistan eingerichtet. Kooperationspartner sind

die Kasachisch-Deutsche Akademie in Pawlodar/Kasachstan, die Polytechnische

Ingenieurhochschule in Ekibastuz/Kasachstan, die Polytechnische

Hochschule Turkmenistan, die Staatliche Hochschule für

Transport und Fernmeldewesen, Turkmenistan sowie die Svendborg-

Business Academy in Dänemark.

Die Wirtschaftsakademie steht zudem in einer Kooperationsbeziehung

zu einer Reihe russischer und ukrainischer Hochschulen. Es

handelt sich um ein multilaterales Studienprogramm, das gemeinsam

von der deutschen Seite (TRANSFORM-Programm der Bundesregierung)

und der russischen bzw. der ukrainischen Seite finanziert wird.

Die osteuropäischen Hochschulen führen Studienprogramme für

postgraduierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch, welche einen

Auslandsaufenthalt beinhalten, der aus einem theoretischen und einem

praktischen Teil besteht. Diese Ausbildungsteile absolvieren die

Teilnehmer der postgraduierten Studiengänge an der Wirtschaftsakademie.

Kooperationen mit anderen Einrichtungen bestehen zudem in den

Fachgebieten Physik und Fertigungstechnik der Fachrichtung Wirtschaftsingenieurwesen,

die ein bis zweimal im Jahr Labore der Christian-Albrechts-Universität,

der Fachhochschule Kiel sowie des Deutschen

Elektronen Synchrotrons (DESY) in Hamburg nutzen. An eine

Ausweitung der Kooperationen mit schleswig-holsteinischen Hochschulen

und Forschungseinrichtungen in der Region ist nach Angaben

der Berufsakademie nicht gedacht. Verstärkt sollen jedoch im

Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen Forschungseinrichtungen

von den an der Ausbildung beteiligten Unternehmen genutzt werden.

104


B. Stellungnahme

Bei der Bewertung der Leistungen der Berufsakademie konzentriert

sich der Wissenschaftsrat auf die Ausbildungsleistung im Hinblick auf

die Vermittlung wissenschaftlicher Grundlagen (theoretischmethodisches

Wissen) sowie den Anteil fachspezifischer Anwendungen.

Bei der Bewertung der Leistungen in der Ausbildung werden wie

schon im Falle der Berufsakademien in Baden-Württemberg, die

nach Aussagen des Landes als Modell für die schleswigholsteinische

Berufsakademie dienen, die Qualifikation der Studienanfänger,

die materiellen Bedingungen für das Studium (Raum-, Geräte-

und Bibliotheksausstattung), der Lehrkörper, die Lehrpläne und

die Organisation des Studiums betrachtet. 53 Zentral für die Evaluierung

einer Bildungseinrichtung ist jedoch - wie der Wissenschaftsrat

schon anlässlich der Stellungnahme zu den Berufsakademien in Baden-Württemberg

betont hat - die Bewertung der Qualität der Absolventen;

diese lässt sich einmal fachlich beurteilen (z.B. anhand der

Diplomarbeiten) und zum anderen anhand der Erfolge der Absolventen

auf dem Arbeitsmarkt. 54

B.I. Zu Konzeption und Struktur

Zur Konzeption

Der Ausbildung an der Berufsakademie Schleswig-Holstein kann insgesamt

eine gelungene Umsetzung des dualen Prinzips durch eine

enge Verzahnung von Theorie und Praxis bescheinigt werden. Dabei

übernehmen das Unternehmen als Lernort für die Praxis und die Berufsakademie

als Lernort für die Theorie partnerschaftlich die Aufgabe,

die Studierenden für den späteren Beruf zu qualifizieren. Jedes

Studienhalbjahr umfasst dabei einen wissenschaftsbezogenen und

einen praxisintegrierten Studienabschnitt, die inhaltlich aufeinander

abgestimmt sind.

Zur Struktur

Nach Ansicht des Wissenschaftsrates sollen die Studierenden an Berufsakademien

auf einer ausreichenden Basis methodischtheoretischen

Wissens befähigt werden, fachspezifische Problemstellungen

effektiv zu bearbeiten. 55 Diese Fähigkeit setzt die Reflexionsfähigkeit

und Leistung zum Transfer von Wissensinhalten voraus. Die

Einübung dieser Fähigkeiten wird auch durch die Möglichkeit des

53

Vgl. Wissenschaftsrat: Stellungnahme zu den Berufsakademien in Baden-

Württemberg, in: Empfehlungen und Stellungnahmen 1994, Band I, Köln 1994, S. 379.

54

Ebd.

55 a. a. O., S. 394.

105


Studierenden gefördert, Veranstaltungen verschiedener Studienrichtungen

und/oder allgemeinbildende Lehrveranstaltungen zu besuchen.

56 Es ist deshalb wichtig, dass die Studierenden auf ein entsprechend

breites fachliches Angebot zurückgreifen können, was in

der Regel durch die Existenz zweier Ausbildungsbereiche gewährleistet

wird. Dementsprechend knüpft die Kultusministerkonferenz die

Anerkennung der Gleichwertigkeit der Abschlüsse an Berufsakademien

mit den Abschlüssen an Fachhochschulen u. a. an die Bedingung,

dass die einzelne Berufsakademie (einschließlich etwaiger Außenstellen)

mindestens zwei verschiedene Ausbildungsbereiche mit

jeweils mehreren fachlichen Schwerpunkten umfasst.

Die Berufsakademie in Trägerschaft der Wirtschaftsakademie

Schleswig-Holstein erfüllt das von der Kultusministerkonferenz benannte

Kriterium der Existenz von zwei Ausbildungsbereichen mit je

mehreren Fachrichtungen oder Studiengängen nicht. Als Ausbildungsbereich

mit mehreren Fachrichtungen kann im Hinblick auf die

Berufsakademie in Trägerschaft der Wirtschaftsakademie Schleswig-

Holstein ohne Zweifel der Bereich Betriebswirtschaft mit den bestehenden

vier Schwerpunkten bzw. Fachrichtungen (allgemeine Betriebswirtschaftslehre,

Handel, Immobilienwirtschaft, Tourismus) bezeichnet

werden. Dieser Ausbildungsbereich nimmt hier wie in Baden-Württemberg,

Berlin und Sachsen den weitaus größten Anteil an

Studierenden auf.

Im Übrigen werden die Studiengänge Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen

angeboten; diese Studiengänge bzw. Fachrichtungen

sind aber nicht mit Ausbildungsbereichen gleichzusetzen.

57

56

Vgl. Wissenschaftsrat: Stellungnahme zur Feststellung der Gleichwertigkeit der

Abschlüsse der Berufsakademie Sachsen im Sinne des Beschlusses der Kultusministerkonferenz

vom 29.9.1995, in: Empfehlungen und Stellungnahmen 1997, Band II,

Köln 1998, S. 193.

57

Der Wissenschaftsrat hat in seiner Stellungnahme zu den Berufsakademien in Baden-Württemberg

aus dem Jahr 1994 zwischen Ausbildungsbereichen einerseits und

Fachrichtungen (= Studiengängen) andererseits unterschieden: So bestanden in Baden-Württemberg

1993 an den Berufsakademien insgesamt drei Ausbildungsbereiche

(Technik, Wirtschaft, Sozialwesen), die jeweils mehrere Fachrichtungen umfassten.

Dabei waren an den einzelnen Berufsakademien mindestens zwei Ausbildungsbereiche

mit je mindestens zwei (in der Regel aber mehr) Fachrichtungen vertreten. Zum

Zeitpunkt der Feststellung der Gleichwertigkeit der Abschlüsse der Berufsakademie

Berlin (1996) umfasste diese den Ausbildungsbereich Wirtschaft mit 7 Fachrichtungen

(z.B. Bank, Handel, Industrie) und den Ausbildungsbereich Technik mit 3 Fachrichtungen

(Maschinenbau, Metallbau, Technische Informatik). Zum Zeitpunkt der Feststellung

der Gleichwertigkeit der Abschlüsse der Berufsakademie Sachsen (1997) umfasste

diese den „Studienbereich“ Wirtschaft mit 12 „Studienrichtungen“ (z.B. Bankwirtschaft,

Handel, Wirtschaftsinformatik), den „Studienbereich“ Technik mit 9 „Studienrichtungen“

(z.B. Elektrotechnik, Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen) sowie den

„Studienbereich“ Sozialwesen mit 4 „Studienrichtungen“ (z.B. Arbeit mit Behinderten,

106


Folgende Gründe sprechen für die Schaffung größerer Einheiten:

Diese begünstigen eine Erweiterung des Fächerspektrums und die

Reaktionsfähigkeit einer Einrichtung. Bei kleineren Einrichtungen besteht

hingegen die Gefahr, dass sie mangels kritischer Masse nicht

flexibel genug auf Veränderungen des Arbeitsmarktes reagieren können.

Sichtbare Synergieeffekte und effiziente Arbeitsteilung können

sich nicht in demselben Maß einstellen wie in größeren Einheiten. Die

Existenz kleinerer Einheiten kann bei einem starken Rückgang der

Nachfrage nach Studiengängen in einer Fächergruppe gefährdet

sein. Dieselbe Gefahr besteht, wenn regionale Wirtschaftszweige

wegfallen, die für das Studienangebot einer Einrichtung maßgeblich

waren. Größere Einheiten dagegen verfügen in der Regel über die

Voraussetzungen für größere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit,

sie können aufgrund größerer Personalressourcen ihre Studienangebote

stärker differenzieren und besitzen eine größere Verfügungsmasse

für eine Erweiterung und Erneuerung ihres Fächerspektrums.

Zudem gewährleistet eine hinreichend breite Ausbildung die Akzeptanz

der Absolventen auf dem Arbeitsmarkt auch unabhängig von

hoch spezialisierten Tätigkeitsbereichen. 58 Diese Aussagen sind vom

Wissenschaftsrat für Fachhochschulen formuliert worden, haben aber

prinzipiell auch Gültigkeit für andere Einrichtungen im Tertiären Bereich.

Bei Einrichtungen, die sich ausschließlich aus privaten Mitteln finanzieren,

hält der Wissenschaftsrat allerdings die Existenz eines Ausbildungsbereiches

in Ausnahmefällen bei angemessener Breite für

hinnehmbar. Dies gilt auch für die Berufsakademie Schleswig-

Holstein. Hinzu kommt, dass sie in einem strukturschwachen Gebiet

angesiedelt und von der Kooperation mit Betrieben abhängig ist. Unabdingbare

Voraussetzung ist allerdings, dass Breite der Ausbildung

und Qualität innerhalb dieses einen Ausbildungsbereiches gewährleistet

sind. Dafür wiederum ist eine Mindestgröße der Einrichtung erforderlich.

Die derzeitige Größe der Berufsakademie Schleswig-

Holstein mit weniger als 500 Studierenden kann jedenfalls als kritisch

bezeichnet werden; der Wissenschaftsrat empfiehlt der Berufsakademie

daher dringend den Ausbau der Berufsakademie.

Im Übrigen wird das Land Schleswig-Holstein mit seiner Unterscheidung

von Berufsakademien nach Typ I und II, die der Unterscheidung

des Wissenschaftsrates genau entgegengesetzt ist, gebeten, seine

Jugendarbeit). Dabei waren an den einzelnen Standorten jeweils zwei Ausbildungsbereiche

mit je mindestens zwei Fachrichtungen vertreten; eine Ausnahme bildete Leipzig

mit nur einem Ausbildungsbereich und 3 Fachrichtungen.

58

Vgl. hierzu Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Entwicklung der Fachhochschulen,

Köln 2002, S. 89 f.

107


Unterscheidung im Hinblick auf eine einheitliche und transparente

Benennung und Klassifikation von Berufsakademien zu überdenken.

B.II. Zum Studium und zur Kooperation mit den Ausbildungsbetrieben

Zu den Zulassungsvoraussetzungen

Der Wissenschaftsrat begrüßt, dass die Zulassungsvoraussetzungen

zum Studium an der Berufsakademie zum einen dem Kriterium der

Kultusministerkonferenz und zum anderen (mit der Möglichkeit der

Zulassung über eine Eignungsprüfung) der Empfehlung des Wissenschaftsrates

entsprechen, das Studium an Berufsakademien auch für

Nicht-Abiturienten zu öffnen. 59

Zwar hat sich die Auswahl der Bewerber durch die Betriebe bewährt,

wie die geringe Abbruchquote von 1-2 % und die hohe Anzahl Studierender

belegen, die ihr Studium in der Regelstudienzeit abschließen

(ca. 95 %), der Wissenschaftsrat ist aber der Auffassung, dass die

Berufsakademie stärker als bisher hinsichtlich geeigneter Auswahlkriterien

an dem Auswahlverfahren beteiligt werden sollte, da beide

Partner gemeinsam die Verantwortung für die Ausbildung tragen. Allerdings

erachtet es der Wissenschaftsrat als angemessen, dass dem

Ausbildungsbetrieb die endgültige Auswahl der Kandidaten vorbehalten

bleibt, da der Studierende der Berufsakademie Mitarbeiter des

Betriebes ist.

Zur Struktur der Ausbildung

Der kontinuierliche Wechsel der Lernorte Berufsakademie und Betrieb

ist charakteristisch für das Profil von Berufsakademien. Die

Theorie- und Praxisphasen der Berufsakademie in Trägerschaft der

Wirtschaftsakademie entsprechen in Struktur und Umfang dem Modell

der Berufsakademien in Baden-Württemberg und können als

ausgewogen bezeichnet werden; nach Auffassung des Wissenschaftsrates

sind dreimonatige Praxisphasen lang genug, um kontinuierlich

und zusammenhängend einzelne Teilbereiche der betrieblichen

Praxis kennen zu lernen. 60 Die Ausbildung am Lernort Berufsakademie

Schleswig-Holstein kann als methodenorientiert und wissenschaftsbezogen

bezeichnet werden; hier ist darauf zu achten,

dass die theoretische Durchdringung der Lehrinhalte nicht durch die

hohe wöchentliche Unterrichtsstundenzahl und die große Stofffülle

beeinträchtigt wird.

59

Vgl. Wissenschaftsrat: Stellungnahme zu den Berufsakademien in Baden-

Württemberg, in: Empfehlungen und Stellungnahmen 1994, Band I, Köln 1994, S. 392.

60

Vgl. a. a. O., S. 388.

108


Zur Kooperation mit den beteiligten Ausbildungsbetrieben

Die Kooperation mit den beteiligten Ausbildungsbetrieben ist nach

Ansicht des Wissenschaftsrates insgesamt gut, wenn sie auch nicht

immer institutionalisiert oder strukturiert erfolgt. Besondere Bedeutung

kommt dem Direktor, den Fachbereichsleitern sowie den Studiengruppenleitern

(Dozenten) und ihrer Aufgabe zu, durch regelmäßige

Besuche und Kontaktveranstaltungen mit den Betrieben zur

Qualitätssicherung der Praxisausbildung beizutragen. Das Engagement

für die Ausbildung konnte sowohl auf Seiten der Berufsakademie

wie auf Seiten der Betriebe überzeugen.

Zum Ausbildungsbereich Betriebswirtschaft

Die vorgelegten Studiengangskonzeptionen im Ausbildungsbereich

Betriebswirtschaft sind tragfähig. Nach Ansicht des Wissenschaftsrates

bietet die Berufsakademie im Bereich der betriebswirtschaftlichen

Studiengänge eine Fachhochschulen vergleichbare Ausbildung. Die

Aussagen der Studierenden, der haupt- und nebenberuflichen Lehrenden,

die Einsicht in Diplomarbeiten und insbesondere die Rückmeldungen

der Ausbildungsbetriebe lassen auf eine hohe Leistungsbereitschaft

der Studierenden und auf ein insgesamt erreichtes hohes

Niveau in den Ausbildungs- und Studienergebnissen schließen. Die

stark komprimierten Vorlesungsphasen mit bis zu 12 Vorlesungseinheiten

pro Tag erfordern ein hohes Maß an Aufnahme- und Verarbeitungskapazität;

es sollte daher dafür Sorge getragen werden, dass

eine kritische Reflexion der vermittelten Studieninhalte trotz dieser

Arbeitsbelastung der Studierenden gewährleistet ist.

Zum Studiengang Wirtschaftsinformatik

Der Studiengang ist bislang durch eine schmale Ausrichtung auf Datenbanken

gekennzeichnet. Der Wissenschaftsrat würdigt die Neuausschreibung

einer hauptamtlichen Dozentenstelle für betriebliche

Anwendung und E-Commerce. Er sieht die Besetzung dieser zweiten

hauptamtlichen Stelle als Voraussetzung dafür an, den Informatik-

Anteil der Ausbildung zu sichern. Als zusätzlicher Schwerpunkt sollten

betriebliche Anwendungssysteme mit Standardsoftware in den

Studienplan aufgenommen werden. Darüber hinaus sind die Informatik-Inhalte

im Hauptstudium zu verstärken. Dies kann beispielsweise

in Kombination mit betriebswirtschaftlichen Vertiefungsbereichen erfolgen.

Für den Fall, dass es nicht gelingt, ausgehend von der Wirtschaftsinformatik

den Bereich Informatik zu einem zweiten Ausbildungsbereich

der Berufsakademie auszubauen, sollte eine stärkere Verflechtung

der Wirtschaftsinformatik mit dem Ausbildungsbereich Betriebswirt-

109


schaft in Betracht gezogen werden. In diesem Fall sollte im Hinblick

auf die Tatsache, dass derzeit keine Studiengruppe am Standort

Flensburg zustande gekommen ist, auch eine standörtliche Konzentration

des Studiengangs am Standort Kiel erwogen werden.

Zum Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen

Die Breite der Ausbildung zum Wirtschaftsingenieur ist nicht gegeben.

Besonders bedenklich ist dabei die äußerst schmale personelle

Ausstattung. Die angebotenen Unterrichtseinheiten befriedigen zudem

nicht die Minimalanforderungen an einen ingenieurwissenschaftlichen

Studiengang. Kritisch zu sehen ist dabei auch das Fehlen von

Unterrichtseinheiten, die sich mit Thermodynamik und Verfahrenstechnik

beschäftigen. Das Labor am Standort Kiel entspricht nicht

den Anforderungen an die Infrastruktur für einen solchen Studiengang.

Der Wissenschaftsrat sieht vor diesem Hintergrund die Mindestanforderungen

an einen Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen

als nicht erfüllt an; er spricht sich daher – auch mit Blick auf die geringen

Studierendenzahlen – dafür aus, den Studiengang einzustellen.

Zur Diplomarbeit

Die Bearbeitungszeit für die Diplomarbeit beträgt an der Berufsakademie

in Trägerschaft der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein,

wie vom Wissenschaftsrat empfohlen und von der Kultusministerkonferenz

vorgesehen, drei Monate. 61 Wie gefordert, wird sie von einem

Prüfer der Berufsakademie, der die Einstellungsvoraussetzungen als

Professor erfüllt, und von einem Betreuer des Ausbildungsbetriebes

bewertet. 62 Allerdings hat das Land der Berufsakademie die Möglichkeit

eingeräumt, die Betreuung der Diplomarbeiten auch einem Prüfer

der Berufsakademie zu übertragen, der nebenberuflich an der Berufsakademie

tätig ist. Da nebenberufliche Dozenten nicht die Einstellungsvoraussetzungen

für Professoren erfüllen müssen (vgl. BAG § 8

Abs. 4), hält es der Wissenschaftsrat für unabdingbar, diese Ausnahmeregelung

ausdrücklich auf diejenigen nebenberuflichen Dozenten

zu beschränken, welche die Einstellungsvoraussetzungen für

Professoren erfüllen.

Der Wissenschaftsrat empfahl in seiner Stellungnahme zu den Berufsakademien

in Baden-Württemberg, dass die Studierenden durch

eine Freistellung von anderen Verpflichtungen und durch die Betreuung

durch qualifiziertes Personal in die Lage versetzt werden, inner-

61

62

110

a. a. O., S. 394.

a. a. O., S. 395.


halb des vorgesehenen Zeitraums ihre Diplomarbeit anzufertigen. 63

Er regt auch für die Berufsakademie in Trägerschaft der Wirtschaftsakademie

Schleswig-Holstein an, diese Freistellung in der Prüfungsordnung

festzulegen. 64 Die Berufsakademie sollte auch in Zukunft

durch geeignete Maßnahmen dafür Sorge tragen, dass die Studierenden

in hinreichendem Maße in die Themenentwicklung einbezogen

werden.

B.III.

Zur Ausstattung

Zu den Einstellungsvoraussetzungen für hauptamtliche Lehrkräfte

Der Wissenschaftsrat nimmt zustimmend zur Kenntnis, dass die

hauptamtlichen Lehrkräfte die gleichen Einstellungsvoraussetzungen

wie Professoren an Fachhochschulen zu erfüllen haben, wie es der

Forderung der Kultusministerkonferenz entspricht.

Zur Struktur des Lehrkörpers an der Berufsakademie

Ausgehend von den spezifischen Anforderungen, die bei den dualen

Studienangeboten der Berufsakademie an eine flexible Anpassung

des Lehrangebots, eine verstärkte Einbindung der Praxis in die theoretische

Ausbildung, eine intensive Abstimmung der Studieninhalte

sowie an einen hohen Betreuungs- und Organisationsbedarf gestellt

werden, kommt dem hauptamtlichen Lehrpersonal eine besondere

Bedeutung für die Qualität des Studiums zu. Der Wissenschaftsrat

begrüßt daher die Tatsache, dass die Empfehlung des Wissenschaftsrates

und der Kultusministerkonferenz, 40 % der Lehre durch

hauptamtlich an der Berufsakademie beschäftigte Lehrende mit einer

Lehrverpflichtung von 18 Unterrichtsstunden pro Woche zu erbringen

65 , insgesamt an der Berufsakademie mit einem Anteil von 38,6 %

hauptamtlicher Unterrichtsstunden annähernd erreicht wird. Dabei lag

der Anteil hauptamtlicher Unterrichtsstunden im Studienjahr 2002/03

in der Betriebswirtschaft (mit 40,6 %) leicht über den geforderten

40 %, während er in der Wirtschaftsinformatik mit 38,8 % noch etwas

zu niedrig und im Wirtschaftsingenieurwesen mit 30,0 % deutlich zu

gering ist. Im Studienjahr 2003/04 ist dieser Anteil mit insgesamt

30,4 % hingegen deutlich geringer und muss als kritisch bezeichnet

63

64

a. a. O., S. 394.

Vgl. Wissenschaftsrat: Stellungnahme zur Feststellung der Gleichwertigkeit der

Abschlüsse der Berufsakademie Sachsen im Sinne des Beschlusses der Kultusministerkonferenz

vom 29.9.1995, in: Empfehlungen und Stellungnahmen 1997, Band II,

Köln 1998, S. 194.

65

Vgl. Wissenschaftsrat: Stellungnahme zu den Berufsakademien in Baden-

Württemberg, in: Empfehlungen und Stellungnahmen 1994, Band I, Köln 1994, S. 393.

111


werden. Da der Anteil hauptamtlicher Lehre von der Besetzung aller

hauptamtlichen Dozentenstellen abhängt, ist dafür Sorge zu tragen,

dass ausgeschriebene Stellen möglichst schnell wieder besetzt werden.

Als Folge der Arbeitsbelastung durch die hohe wöchentliche Unterrichtsstundenzahl

über 40 Wochen pro Jahr ist zu befürchten, dass

die Lehrenden kaum Freiraum zur Fortbildung finden. Die Weiterbildung

ist zudem vom Engagement des einzelnen abhängig und nicht

verbindlich im Arbeitsvertrag vorgeschrieben.

Die nebenberuflichen Lehrkräfte mit einer Lehrverpflichtung von

durchschnittlich 4 Unterrichtsstunden pro Woche stammen zu insgesamt

ca. 20 % aus dem Bereich der Hochschulen (1,7 % Universitätsprofessoren,

6,8 % wissenschaftliche Mitarbeiter an Universitäten,

11,9 % Fachhochschulprofessoren) und zu knapp 56 % aus der beruflichen

Praxis; hinzukommen 23,7 % selbständig tätige Dozenten.

Der große Anteil an Lehrkräften, die selbständig tätig oder in Betrieben

beschäftigt sind, gewährleistet eine beständige Überprüfung der

Lehrinhalte durch praxiserfahrene Lehrkräfte. Damit erfüllt die Berufsakademie

die Forderung des Wissenschaftsrates, dass bei den

Lehrbeauftragten auf ausreichende Praxiserfahrung geachtet werden

sollte. 66 Es sollte jedoch auch bei den Veranstaltungen der nebenberuflich

Lehrenden darauf geachtet werden, dass ein Schwerpunkt auf

wissenschaftliche Durchdringung gelegt wird. Absprachen zwischen

haupt- und nebenberuflich Lehrenden finden bislang vorwiegend informell

statt. Diese Abstimmung zwischen den Lehrenden sollte als

Gelegenheit des ständigen Abgleichs zwischen Theorie und Praxis

auch innerhalb der Berufsakademie verstanden und institutionalisiert

werden.

Zu Infrastruktur und sächlicher Ausstattung

Die räumliche Ausstattung der Berufsakademie, die Räume von der

Wirtschaftsakademie bzw. von der Wirtschaftsakademie angemietete

Räume nutzt, ist mit Blick auf die derzeitige Größe hinreichend. Im

Wirtschaftsingenieurwesen kann die Ausstattung in Kiel aber nur als

dürftig bezeichnet werden. Die EDV-Ausstattung ist – was den

Standort Kiel betrifft – hinreichend. Auch die Bibliotheksausstattung

kann mit Blick auf die Nutzungsvereinbarungen mit der Christian-

Albrechts-Universität Kiel für den Standort Kiel als zufrieden stellend

eingeschätzt werden.

66

Vgl. Wissenschaftsrat: Stellungnahme zu den Berufsakademien in Baden-

Württemberg, in: Empfehlungen und Stellungnahmen 1994, Band I, Köln 1994, S. 393.

112


B.IV. Zu Trägerschaft und Finanzierung

Die Basis der finanziellen Absicherung ist nach Auffassung des Wissenschaftsrates

solide, da neben einer Bankbürgschaft die Firmen

eine Erklärung zur Finanzierung gegenüber der WAK abgeben. Als

fraglich muss aber bezeichnet werden, ob die erforderliche Erhöhung

des Personalbestands finanzierbar ist, da die Finanzierung von der

Anzahl der Studierenden und damit der Kooperationsbereitschaft der

Betriebe abhängt.

B.V.

Zu Qualitätssicherung und Kooperation

Zur Qualitätssicherung

Der Wissenschaftsrat erachtet es als notwendig, Maßnahmen zur

Förderung und Sicherung der Qualität der Lehre einzusetzen. Er

würdigt daher die seit dem Jahr 2003 stattfindende regelmäßige interne

Evaluation der einzelnen Lehrveranstaltungen sowie die Befragungen

der Studierenden im 5. Semester, die Teil des Qualitätsmanagements

der Berufsakademie sind. Weiterhin erkennt der Wissenschaftsrat

an, dass die Berufsakademie nach DIN ISO 9001 zertifiziert

wurde und sich damit einem anerkannten Qualitätssicherungssystem

gestellt hat. Allerdings bezieht sich die Qualitätsprüfung nach

DIN ISO 9001 vor allem auf die Prozessqualität und vernachlässigt

wesentliche Aspekte der Evaluation und Sicherung der Qualität einer

dual konzipierten Bildungseinrichtung. Der Wissenschaftsrat hält daher

eine konsequente Evaluation der Lehre für dringend erforderlich.

Er bittet das Land nachdrücklich, im Berufsakademiegesetz eine entsprechende

regelmäßige Eigen- und Fremdevaluation der Qualität

der Lehre unter Einbeziehung studentischer Evaluation zu verankern.

Zudem sollten in Zukunft auch Absolventenbefragungen und eine

systematische Nachverfolgung von Absolventen-Laufbahnen erfolgen.

Zur Verantwortung der Berufsakademie für die Ausbildung, insbesondere

in der Frage der Kontrolle und Standardisierung der

Qualität der Praxisausbildung

Die Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen der Berufsakademie

und den Unternehmen durch einen Kooperationsvertrag, der die

Pflichten der beiden Ausbildungspartner regelt, sowie durch Ausbildungspläne,

welche die Betriebe auf der Grundlage der von der Berufsakademie

erstellten Rahmenpläne erarbeiten, gewährleistet, dass

die Verantwortung für die Ausbildung - auch hinsichtlich der Standards

der Praxisausbildung - der Berufsakademie obliegt. Die Studierenden

werden in die Kontrolle der Ausbildungspläne durch die Er-

113


stellung von Ausbildungsberichten am Ende jedes Praxissemesters

eingebunden.

Zur Kooperation

Die Berufsakademie verfügt über wenig ausgeprägte und institutionalisierte

Kooperationen; gerade die regionalen Kooperationen z. B. mit

Fachhochschulen sollten ausgeweitet werden, da die Berufsakademie

dadurch auch eine Ausweitung ihres Bildungsangebots bewirken

könnte. Der Wissenschaftsrat erkennt an, dass aufgrund der Ausbildungsstruktur

die Bereitschaft der Betriebe, Studierende für Auslandsaufenthalte

freizustellen, gering ist; die Berufsakademie sollte

sich gleichwohl um eine Ausweitung und Institutionalisierung der Kooperationen

mit internationalen Einrichtungen bemühen. Eine Erhöhung

der kritischen Masse kann auch hier als Voraussetzung für die

Ausweitung von Kooperationen betrachtet werden.

C. Zusammenfassung: Evaluation der Berufsakademie

in Trägerschaft der Wirtschaftsakademie

Schleswig-Holstein

Der Wissenschaftsrat hat auf den Antrag des Landes Schleswig-

Holstein hin die Berufsakademie in Trägerschaft der Wirtschaftsakademie

Schleswig-Holstein als Bildungseinrichtung evaluiert, nachdem

das Land diese Evaluation im Berufsakademiegesetz festgeschrieben

und zur Voraussetzung für eine Verlängerung der staatlichen Anerkennung

gemacht hatte.

Zur Erfüllung der Kriterien der Kultusministerkonferenz

Gegenwärtig erfüllt die Berufsakademie in Trägerschaft der Wirtschaftsakademie

Schleswig-Holstein die Kriterien der Kultusministerkonferenz

nur zum Teil.

Als erfüllt können folgende Kriterien bezeichnet werden:

- Es gelten gleiche Zugangsvoraussetzungen wie im Hochschulbereich

(Nr.1),

- Es ist eindeutig geregelt, dass die Verantwortung für die Ausbildung

insbesondere in der Frage der Kontrolle und Standardisierung

der Qualität der Praxisausbildung der Studienakademie obliegt

(Nr. 5).

Die folgenden Kriterien sind nur mit Abstrichen als erfüllt zu bezeichnen:

114


- Der Anteil der Lehre, der von hauptberuflichen Lehrkräften erbracht

wird, welche die Einstellungsvoraussetzungen für Professoren

erfüllen, soll 40 % betragen (Nr. 2) [diese Forderung wird

mit einem Gesamtanteil hauptamtlicher Lehre von 38,6 % im

Studienjahr 2002/03 annähernd erfüllt, allerdings nicht im Bereich

Wirtschaftsingenieurwesen, in dem der Anteil nur bei 30 % liegt

und der hauptamtliche Dozent die Einstellungsvoraussetzungen

nicht durchgehend erfüllt],

- Die Abschlussarbeit ist innerhalb von drei Monaten anzufertigen

und muss in allen Studiengängen von einem Prüfer der staatlichen

Studienakademie bewertet werden, der die Einstellungsvoraussetzungen

als Professor erfüllt (Nr. 4) [gegenwärtig dürfen

auch nebenberufliche Dozenten die Betreuung von Diplomarbeiten

übernehmen].

Das Kriterium hinreichender fachlicher Breite wird nicht erfüllt, soweit

diese an das Vorhandensein zweier verschiedener Ausbildungsbereiche

gebunden ist:

- Die einzelne Berufsakademie (einschließlich etwaiger Außenstellen)

soll mindestens zwei verschiedene Ausbildungsbereiche mit

jeweils mehreren fachlichen Schwerpunkten umfassen (Nr. 3).

Zur Evaluation der Ausbildungsleistung

Der Wissenschaftsrat begrüßt die im Ausbildungsbereich Betriebswirtschaft

überzeugende Ausbildungsleistung der Berufsakademie. Er

würdigt die gelungene Verzahnung von Theorie und Praxis ebenso

wie die wissenschaftsbezogene, theoretisch fundierte Ausbildung am

Studienort Berufsakademie. Die Zufriedenheit der kooperierenden

Betriebe mit der Ausbildung und mit den Absolventen kann als weiterer

Beleg dafür gesehen werden, dass die Absolventen der Berufsakademie

in diesem Bereich eine den Fachhochschulen gleichwertige,

wenn auch von dieser zu unterscheidende Ausbildung erhalten

und damit die berufsrechtliche Gleichstellung der Abschlüsse gerechtfertigt

erscheint.

Die Ausbildungsleistung der Berufsakademie im Studiengang Wirtschaftsinformatik

entspricht weitgehend der im Bereich Betriebswirtschaft,

wenn auch Einschränkungen gemacht werden müssen.

Der Wissenschaftsrat würdigt das auch hier gegebene Engagement

von Studierenden, Dozenten und Ausbildungsbetrieben sowie die

prinzipiell überzeugende Anlage des Studiengangs. Zur weiteren

Verbesserung der Ausbildungsleistung empfiehlt der Wissenschaftsrat

eine deutliche personelle Verstärkung des Studiengangs und damit

verbunden eine Erweiterung der fachlichen Ausrichtung. Bei der

Entwicklung des Fachbereichs sollte eine stärkere Verflechtung mit

115


dem Ausbildungsbereich Betriebswirtschaft erwogen werden. Insgesamt

kann auch für den Studiengang Wirtschaftsinformatik die berufsrechtliche

Gleichwertigkeit der Abschlüsse mit denen von Fachhochschulen

als gerechtfertigt angesehen werden, wenn die genannten

Empfehlungen zur Entwicklung des Fachbereichs berücksichtigt

werden.

Während die Evaluation des Bereichs Betriebswirtschaft zu einem

eindeutig positiven Votum und die des Studiengangs Wirtschaftsinformatik

zu einem positiven Votum mit Einschränkungen geführt

hat, ist der Wissenschaftsrat der Auffassung, dass die Ausbildungsleistung

der Berufsakademie im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen

nicht den Anforderungen an eine solche Ausbildung

entspricht. Er empfiehlt daher die Einstellung des Studiengangs.

Übersicht 1: Besetzung der hauptamtlichen Dozentenstellen der

Berufsakademie im Studienjahr 2002/03

Lehrtätigkeit

Vollzeit-

Hochschulabschluss

an der Berufsakademie

seit

valent

Unterrichtsfächer äqui-

Dipl.-Volkswirt 1988 Marketing 0,33

Dipl.-Politologe 1) 1974 Personalmanagement 0,50

Dipl.-Physiker 1) 1973

Mathematik

0,50

EDV

Dipl.-Physiker 1987

Physik

Mathematik

Projektmanagement

Werkstoffkunde

0,83

Maschinenlehre

Dipl.-Ingenieur 2001 Informatik

1,0

Dipl.-Psychologe 2001

Personalmanagement

Unternehmensführung 1,0

Unternehmensplanspiel

Dipl.-Kauffrau 2002

Organisation

Qualitätsmanagement 1,0

Dipl.-Wirtschaftler 2002

Allg. Betriebswirtschaftslehre

1,0

Dipl.-Kaufmann 2002

Rechnungswesen

Controlling 1,0

Dipl.-Informatiker 2002 Informatik

0,83

Investition

Dipl.-Kaufmann 2002

Finanzierung 1,0

1) 0,5 Dozentenstellen im Rahmen von Altersteilzeitverträgen

116


Übersicht 2: Besetzung der hauptberuflichen Mitarbeiterstellen

der Berufsakademie

Hochschulabschluss

Lehrtätigkeit an der

Berufsakademie seit

Unterrichtsfächer

MA 1992

Marketing

Tourismus BWL

Wirtschaftsgeographie

1974 Englisch

Bachelor of Education

Dipl.-

Handelslehrer

1986

Betriebswirtschaftslehre

Organisation

Qualitätsmanagement

Dipl.-Volkswirt 1974

Rechnungswesen

Controlling

117


118


Stellungnahme zum Ausbau

der Universität Frankfurt

vom Mai 2004

Inhalt

Seite

Vorbemerkung 120

A. Ausgangslage 120

I. Verträge des Landes Hessen mit den

Hochschulen im allgemeinen und mit der

Universität Frankfurt im Besonderen 120

II. Universität Frankfurt 121

B. Stellungnahme 170

I. Zu den Verträgen des Landes Hessen mit den

Hochschulen 170

II. Zur Universität Frankfurt 172

C. Zusammenfassung 187

Anhang 188

119


Vorbemerkung

Das Land Hessen hat zum 32. Rahmenplan zwei umfangreiche Vorhaben

neu zur Aufnahme in den Rahmenplan angemeldet: den weiteren

Ausbau des Campus Riedberg (152,5 Mio. Euro) und den weiteren

Ausbau des Campus Westend (334,2 Mio. Euro). Angesichts des

frühen Planungsstandes hat der Wissenschaftsrat von einem Votum

zur Aufnahme in den Rahmenplan abgesehen. Planungskosten in

Höhe von 8,0 bzw. 10,0 Mio. Euro wurden freigegeben. Aufgrund der

Bedeutung und des Umfangs der beiden Vorhaben besuchte der

Ausschuss für Hochschulausbau am 29. September 2003 die Universität

Frankfurt, um die Konzepte für Forschung und Lehre zu prüfen

und zu bewerten. Weitere Beratungen des Ausschusses fanden am

13. Januar 2004 und am 29. April 2004 statt. In dem Ausschuss wirkten

auch Sachverständige mit, die nicht Mitglieder des Wissenschaftsrates

sind. Ihnen ist der Wissenschaftsrat zu besonderem

Dank verpflichtet.

Die Stellungnahme wurde vom Ausschuss für Hochschulausbau vorbereitet

und vom Wissenschaftsrat am 28. Mai 2004 verabschiedet.

A. Ausgangslage

A.I. Verträge des Landes Hessen mit den Hochschulen im

Allgemeinen und mit der Universität Frankfurt im Besonderen

Am 21. Januar 2002 schloss das Land Hessen mit den zwölf Hochschulen

den Hochschulpakt, die „Rahmenzielvereinbarung zur Sicherung

der Leistungskraft der Hochschulen in den Jahren 2002 bis

2005“. Ziel dieser Rahmenvereinbarung ist es, die Hochschulen bei

der Erfüllung ihrer Aufgaben abzusichern und ihre Leistungskraft zu

stärken. Der Hochschulpakt definiert sowohl die Leistungsverpflichtungen

des Landes als auch die der Hochschulen. Durch diese Vereinbarung

sollen die Hochschulen finanzielle Planungssicherheit erhalten,

während sie sich ihrerseits verpflichten, Studierende entsprechend

vorgegebener Leistungszahlen auszubilden, die Qualität des

Studiums zu sichern und Studienreformmaßnahmen einzuleiten, die

dazu beitragen, dass sich der Median der tatsächlichen Studienzeit

an die Regelstudienzeit annähert. Ferner erklären sich die Hochschulen

zu einer abgestimmten Entwicklungsplanung mit komplementärer

Schwerpunktbildung einverstanden.

120


Darüber hinaus hat das Land mit allen Hochschulen Zielvereinbarungen

- zunächst mit einer Gültigkeit von vier Jahren, 2002 bis 2005 -

abgeschlossen, in denen Aussagen getroffen werden zu den

Schwerpunkten der Hochschulentwicklung, dem Qualitätsmanagement

und der Evaluation, den Leistungsbereichen der Hochschule,

dem Hochschulbau und den Großinvestitionen, der Finanzierung sowie

zu den Grundlagen und Eckdaten zur Hochschulentwicklung. Mit

der Universität Frankfurt wurde die Zielvereinbarung am 12. November

2002 getroffen.

A.II. Universität Frankfurt

II.1. Historischer Abriss und Grundkonzept für die weitere

Entwicklung der Universität

Die Königliche Universität Frankfurt wurde 1914 auf Initiative der

Stadt Frankfurt errichtet. Die Stadt, mehrere Stiftungen und andere

Einrichtungen in Frankfurt erbrachten das finanzielle Startkapital. Seit

1923 teilten sich der Preußische Staat und die Stadt Frankfurt die Finanzierung

des durch das Stiftungskapital nicht länger abgedeckten

Defizits der Stiftungsuniversität. 1953 trat das Land Hessen in diesen

Vertrag ein. 1967 ging die Universität in die Verwaltung des Landes

über und wurde damit neben Marburg und Gießen zur dritten und

größten Landesuniversität.

An der Stiftungsuniversität wurden neben den drei klassischen Fakultäten

für Philosophie, Jura und Medizin eigene Fakultäten für Naturwissenschaften

und für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eingerichtet.

Im Laufe der Entwicklung der Universität ist es zu einer weitgehenden

Ausdifferenzierung des Fächerspektrums dieser Fakultäten

gekommen. Mitte der 60er Jahre wurde zusätzlich die Lehrerausbildung

für die Grundschule sowie die Haupt- und Realschule in die

Universität integriert, zunächst als eigene Abteilung für Erziehungswissenschaften,

ab 1970 nach Auflösung der bisherigen Fakultäten in

die Verantwortung aller neu gegründeten Fachbereiche, die Lehrer

ausbilden.

Nach Auskunft des Landes wird sich der Ausbau der Universität auf

drei Standorte konzentrieren:

- den naturwissenschaftlichen Campus Riedberg,

- den sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlichen Campus-

Westend,

- das Areal des Klinikums und des Fachbereichs Medizin in Niederrad.

121


Der Altstandort Bockenheim der Universität soll nach den Vorstellungen

des Landes sukzessive von sämtlichen Universitätsnutzungen

entlastet und die betroffenen Einrichtungen vollständig auf die neuen

Campusareale Riedberg und Westend verlagert sowie die freiwerdenden

Grundstücke veräußert und die Erlöse zweckgebunden in

den Ausbau der neuen Standorte investiert werden. Nach Auskunft

des Landes war aufgrund der beengten Verhältnisse sowie des bestehenden

Mangels an bebaubaren Grundstücken der Bockenheimer

Campus schon lange an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Das

Stammareal könne eine bedarfsgerechte Raumversorgung weder aktuell

noch zukünftig sicherstellen. Ferner befinden sich die von der

Universität genutzten und meist mehr als 30 Jahre alten Gebäude in

einem schlechten baulichen und technischen Zustand.

Der Umfang des universitären Entwicklungsgebiets im Stadtteil Riedberg

mit insgesamt 56 Hektar und die Ausdehnung des in Innenstadtrandlage

situierten ehemaligen IG Farben-Areals mit fast 40 Hektar

lassen nach Einschätzung des Landes erwarten, dass mit diesen

Flächenvorhaltungen die Ausbaustandorte dauerhaft über ausreichende

Potentiale zur Aufnahme sämtlicher universitärer Entwicklungsbedarfe

verfügen. Für den Campus Riedberg existiert seit Mitte

2000 ein rechtsverbindlicher Bebauungsplan. Als Richtlinie und

Handlungsanleitung für die naturwissenschaftlichen Ausbauaktivitäten

wurde einvernehmlich zwischen Land und Universität ein die Lageverteilung

und die Maßnahmenabfolge strukturierender Masterplan

abgestimmt. Zur zukünftigen Gestaltung des neuen Campus Wesend

ist auf der Grundlage der Programmanforderungen des Landes ein

internationaler städtebaulicher Realisierungswettbewerb durchgeführt

und Mitte März 2003 abgeschlossen worden. Der prämierte Entwurf

dient als Grundlage für die Erarbeitung eines städtebaulichen Rahmenplans

als notwendige Vorstufe für den zu erstellenden Bebauungsplan.

Auf dem Campus Riedberg sind bereits die Chemischen Institute und

das Biozentrum untergebracht. Mit der Baumaßnahme Physik wurde

begonnen. Der Ersatzbau für die Geowissenschaften (Geozentrum)

befindet sich ebenso wie die notwendigen zentralen Einrichtungen

(Bereichsbibliothek, zentrales Hörsaalgebäude, zentrale Werkstätten,

Essensversorgung) in der planerischen Vorbereitung. Biologie, Mathematik

und Informatik werden folgen. Das Land versichert, dass die

Empfehlungen einer Unterarbeitsgruppe des Ausschusses für Hochschulausbau

zur Biologie und Physik bei der konkreten Ausgestaltung

und Dimensionierung zugleich als Orientierungsrahmen und

Zielvorgabe dienten. Für den Ausbau des Campus Wesend werden

die originären wissenschaftsbezogenen Einrichtungen entsprechend

der fachlichen Nachbarschaften, der funktionalen Zusammenhänge

122


und unter Berücksichtigung der curricularen Verflechtungen, der Forschungsverbünde

und des Nachfrageverhaltens der Studierenden in

drei fächergruppenspezifische Planungseinheiten zusammengefasst,

nämlich:

- Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaften,

- Gesellschaftswissenschaften, Erziehungswissenschaften, Psychologie,

Geographie,

- Kunst, Musik, außereuropäische Sprachen,

ergänzt jeweils um die Bereichsbibliothek und fachübergreifende Aktivitäten.

Hinzu kommt das House of Finance, das ein Netzwerk zwischen Finanzplatz-Community,

Wissenschaft und Politik aufbauen und fördern

sowie durch eine Bündelung

finanzwissenschaftlicher Kompetenzen der Universität und assoziierter

Institute gezielt qualifizierten Nachwuchs auf internationalem Niveau

heranbilden soll. Land und Universität haben sich zum Ziel gesetzt,

den Bereich Finance zu einem der großen und profilbildenden

Schwerpunkte am internationalen Finanzplatz Frankfurt zu entwickeln.

Im House of Finance sollen im lokalen Verbund einer raumwirtschaftlichen

Einheit und unter dem Dach der Universität gebündelt werden:

- Die im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften angesiedelten

und in einem gesamtuniversitären Entwicklungsschwerpunkt zusammengeführten

Finance-Potentiale, und zwar mit der Ausrichtung

„Finanzen“ in der Betriebswirtschaftslehre und der Fokussierung

auf „Geld und Währung“ in der Volkswirtschaftslehre. In den

beiden Schwerpunkten wirken insgesamt elf Professoren sowie

acht Privatdozenten und Habilitanden zusammen. Damit handelt

es sich bei diesem Frankfurter Finanzschwerpunkt um den größten

seiner Art im gesamten deutschsprachigen Raum.

- Die im Schwerpunkt Law and Finance des Fachbereichs Rechtswissenschaft

gebündelten Aktivitäten, die eine bundesweit einzigartige,

auf die öffentlich-rechtliche und privatrechtliche Befassung

mit „Finance“-Fragestellungen (Bank-, Kapital-markt- und

Unternehmensfinanzierungsrecht) ausgerichtete Kooperation betreiben.

An diesem Schwerpunkt sind fünf Professoren beteiligt.

- Das Center for Financial Studies (CFS), das sich in den vergangenen

Jahren zu einer internationalen Plattform für einen intensiven

Austausch zwischen Wissenschaft, Banken und Aufsichtsbehörden

entwickelt hat.

123


- Das neu gegründete Institute for Law and Finance (ILF), das auf

der Grundlage eines durch die enge Verbindung von Theorie und

Praxis gekennzeichneten neuen Forschungskonzepts einen interdisziplinär

ausgerichteten Weiterbildungsstudiengang anbietet.

- Das ebenfalls neu gegründete e-finance lab, eine gemeinsame

Initiative der Universität Frankfurt mit der Technischen Universität

Darmstadt sowie namhafter Unternehmen (z.B. Deutsche Bank,

Microsoft, Siemens), die sich zum Ziel gesetzt hat, die Industrialisierung

des Finanzdienstleistungswesens mit Nachdruck voranzutreiben

und dabei substantielle anwendungsbezogene Hilfestellungen

zu geben. Für die Universität bedeutet das Projekt eine

neue Dimension im Kooperationsbereich.

- Das im Aufbau befindliche und von Mathematikern (Stochastik)

und Ökonomen getragene Institut MathFinance stellt die Erforschung

mathematischer Aspekte von wirtschaftswissenschaftlicher

Theoriebildung insbesondere im Finance-Bereich in den

Vordergrund.

- Das von der Stiftung „Geld und Währung“ im Januar 2004 bewilligte

interdisziplinäre Forschungsinstitut, in dem drei Stiftungsprofessuren

sich den Themenbereichen „Monetäre Ökonomie“, „Finanzmarktökonomie“

sowie „Geld-, Währungs- und Notenbankrecht“

widmen und so den geldpolitischen und finanzwirtschaftlichen

Schwerpunkt der Universität stärken werden. Die Universität

hat sich hier in der Endauswahl gegen die konkurrierenden

Universitäten Bonn und Mannheim durchgesetzt.

- Das von der DFG geförderte „Graduiertenkolleg „Finance and

Monetary Economics“ verbindet eine fundierte theoretische Analyse

mit einem intensiven Praxisbezug am Finanzplatz Frankfurt

und zeichnet sich durch eine Kombination von volks- und betriebswirtschaftlichen

Sichtweisen aus.

- In Vorbereitung befinden sich ein Graduiertenkolleg „Law and Finance“

sowie die Errichtung einer Business-School, in der alle

Weiterbildungsmaßnahmen und Aufbaustudiengänge in dem Bereich,

u. a. auch ein Executive-MBA, zusammengefasst werden.

II.2. Lehre und Studium

II.2.a) Studienanfänger, Studierende und Absolventen

Im Zeitraum von 1997 bis 2002 schwankt die Zahl der Studienanfänger

an der Universität Frankfurt zwischen 7.763 (1998) und 10.027

(2001). Die meisten Studienanfänger finden sich im o. g. Zeitraum in

den Studiengängen Germanistik/Deutsch - zwischen 622 (1997) und

124


983 (2001) -, Rechtswissenschaft - zwischen 639 (2000) und 809

(1997) - und BWL - zwischen 644 (2000) und 804 (2002). In der VWL

bewegt sich die Anzahl der Studienanfänger in diesem Zeitraum zwischen

332 (1997) und 532 (2000). Im Fachbereich 3 Gesellschaftswissenschaften

steigt die Zahl der Studienanfänger kontinuierlich von

858 in 1997 auf 1.288 in 2001. In 2002 fällt sie auf 981. Im Fachbereich

4 Erziehungswissenschaften variiert die Zahl der Studienanfänger

zwischen 618 (2000) und 998 (2002). Im Fachbereich 11 Geowissenschaften

schwankt die Zahl der Studienanfänger zwischen 117

(1999) und 286 (2002). Im Fachbereich 14 Chemische und Pharmazeutische

Wissenschaften bewegt sich die Anzahl der Studienanfänger

in den Studiengängen Biochemie, Chemie und Lebensmittelchemie

im o. g. Zeitraum zwischen 145 (1998) und 286 (2002).

Einen Überblick über Studienanfänger nach Fachbereichen und Studiengängen

im Zeitraum von 1997 bis 2002 verschafft Übersicht 1.

Übersicht 1: Studienanfänger (1. Fachsemester) nach Studiengängen

FB Studiengang 1997 1998 1999 2000 2001 2002

01 Rechtswissenschaft 809 794 689 639 700 763

02 BWL 699 670 666 644 681 804

VWL 332 357 424 532 420 327

Wirtschaftspädagogik 45 32 37 35 46 49

03 Arbeitslehre/Polytechnik 30 24 14 5 14 8

Politologie 386 453 516 553 632 512

Sachunterricht 4 9 9 3 1 5

Sozialkunde 15 17 24 24 29 34

Soziologie 423 435 432 467 612 422

04 Erziehungswissenschaft 668 615 558 551 616 900

Prakt.-Bildbaren-Pädag. 0 0 0 0 58 44

Lernbehindertenpädagogik 216 143 70 63 33 43

Verhaltensgestörtenpädagogik 21 8 8 4 9 11

05 Psychologie/Psychoanalyse 94 88 97 101 113 126

Sportpädagogik 125 76 69 84 135 112

Sportwissenschaft 128 134 129 148 236 116

06 Evang. Theologie 73 55 57 55 68 71

Religionswissenschaft 22 14 12 15 15 23

07

Kath. Theologie,

Religionsphilosophie 60 49 40 40 63 57

08 Alte Geschichte 11 14 14 8 10 33

Geschichte 39 35 35 54 71 59

Mittlere und neuere Geschichte 74 81 87 86 100 152

Philosophie 203 225 232 245 252 286

Ur- und Frühgeschichte 11 10 9 4 17 19

Völkerkunde (Ethnologie) 44 42 39 44 30 43

09 Afrikanistik 4 8 10 7 12 15

Allg. Sprachwissenschaft 8 12 14 24 21 29

09 Archäologie 35 24 25 34 33 61

125


FB Studiengang 1997 1998 1999 2000 2001 2002

Südostasienwissenschaften 14 16 10 16 16 20

Europ. Ethnologie und

Kulturwissenschaft 51 59 51 80 77 107

Griechisch 7 3 4 4 2 7

Hebräisch/Judaistik 6 6 6 6 8 9

Islamwissenschaft 2 0 0 0 0 0

Japanologie 26 16 24 28 37 73

Kunstgeschichte,

Kunstwissenschaft 253 203 221 230 234 261

Kunstpädagogik 33 38 44 46 56 66

Latein 7 6 15 7 12 9

Musikerziehung/

Musikpädagogik 18 15 17 28 33 28

Musikwissenschaft/-geschichte 45 51 63 73 65 67

Orientalistik, Altorientalistik 12 11 16 12 16 22

Russisch 3 3 0 2 4 3

Sinologie 21 21 17 22 22 49

Slawistik 16 27 28 34 25 29

Turkologie 7 6 6 13 16 17

10

Allgemeine Literaturwissenschaft

0 0 0 0 14 46

Amerikanistik/Amerikakunde 112 118 127 103 129 165

Anglistik/Englisch 264 217 236 258 371 302

Dramaturgie 0 0 0 0 0 9

Französisch 33 32 23 27 41 21

Germanistik/Deutsch 622 628 653 759 983 863

Italienisch 9 6 6 4 3 6

Medienkunde/

Kommunikationswissenschaft 42 56 56 75 73 60

Skandinavistik 13 15 22 23 29 40

Romanistik 162 154 153 171 150 202

Spanisch 11 13 17 16 14 12

11 Geographie/Erdkunde 90 83 62 79 126 170

Geologie/Paläontologie 35 29 28 25 36 49

Geophysik 7 5 6 8 9 20

Meteorologie 12 13 18 24 27 36

Mineralogie 7 3 3 13 10 11

12 Mathematik 218 212 234 202 352 300

13 Physik 80 79 84 72 145 160

14 Biochemie 45 44 42 48 76 76

Chemie 98 70 82 102 126 171

Lebensmittelchemie 29 31 25 26 27 39

Pharmazie 154 154 160 171 174 195

15 Bioinformatik 0 0 0 30 33 27

Biologie 184 165 199 226 309 257

Informatik 125 216 233 341 303 239

16 Medizin 357 411 409 408 608 364

Zahnmedizin 93 104 110 123 209 123

Insgesamt 7.902 7.763 7.826 8.404 10.027 9.854

Quelle: amtliche Statistik

126


Die Gesamtzahl der Studierenden im Zeitraum von 1997 bis 2002

steigt fast kontinuierlich von 35.366 auf 39.891 (Ausnahme 1999:

leichter Rückgang). Die meisten Studierenden sind im o. g. Zeitraum

eingeschrieben in der Rechtswissenschaft – zwischen 4.483 (2001)

und 4.727 (1998) –, in der BWL – zwischen 3.536 (2000) und 3.745

(1997) – und in Germanistik/Deutsch – zwischen 2.811 (1998 und

1999) und 3.284 (2002). In der VWL schwankt die Zahl der Studierenden

in diesem Zeitraum zwischen 908 (1997) und 1.157 (2000).

Wie bei den Studienanfängern steigt im Fachbereich 3 Gesellschaftswissenschaften

die Zahl der Studierenden im o. g. Zeitraum

kontinuierlich von 2.883 auf 4.060. Im Fachbereich 4 Erziehungswissenschaften

bewegt sich die Zahl der Studierenden in dieser Zeitspanne

zwischen 2.767 (2000) und 3.157 (2002). Im Fachbereich 11

Geowissenschaften variiert die Anzahl der Studierenden im betrachteten

Zeitraum zwischen 770 (1999) und 913 (1997). Im Fachbereich

14 Chemische und Pharmazeutische Wissenschaften erreicht die

Anzahl der Studierenden in den Studiengängen Biochemie, Chemie

und Lebensmittelchemie im o. g. Zeitraum im Jahr 2000 mit 762 ihren

niedrigsten, in 2002 mit 872 ihren höchsten Stand.

Einen Überblick über die Zahl der Studierenden nach Fachbereichen

und Studiengängen verschafft Übersicht 2.

Übersicht 2: Studierende nach Studiengängen

FB Studiengang 1997 1998 1999 2000 2001 2002

01 Rechtswissenschaft 4.561 4.727 4.669 4.569 4.483 4.517

02 BWL 3.745 3.687 3.580 3.536 3.561 3.721

VWL 908 939 999 1.157 1.075 1.094

Wirtschaftspädagogik 358 345 322 312 287 300

03 Arbeitslehre/Polytechnik 51 55 52 41 39 31

Politologie 1.337 1.479 1.602 1.735 1.907 2.058

Sachunterricht 4 10 12 6 3 5

Sozialkunde 113 104 101 95 108 120

Soziologie 1.378 1.508 1.560 1.631 1.843 1.846

04 Erziehungswissenschaft 2.049 2.157 2.115 2.071 2.179 2.525

Prakt.-Bildbaren-Pädag. 0 0 0 0 284 274

Lernbehindertenpädagogik 726 755 684 627 328 300

Verhaltensgestörtenpädagogik 82 73 73 69 60 58

05 Psychologie/Psychoanalyse 621 608 619 608 620 631

Sportpädagogik 458 433 388 393 469 490

Sportwissenschaft 590 625 640 670 802 771

06 Evang. Theologie 275 271 262 257 249 254

Religionswissenschaft 51 57 64 67 68 79

Kath. Theologie,

07 Religionsphilosophie 184 178 166 171 184 193

08 Alte Geschichte 19 25 33 40 40 62

Geschichte 240 221 209 211 227 253

127


FB Studiengang 1997 1998 1999 2000 2001 2002

08 Mittlere und neuere Geschichte 380 412 407 415 419 460

Philosophie 674 726 768 832 879 931

Ur- und Frühgeschichte 61 64 56 56 67 69

Völkerkunde (Ethnologie) 213 207 188 209 183 193

09 Afrikanistik 19 28 28 30 36 39

Allg. Sprachwissenschaft 36 48 54 59 69 55

Archäologie 108 112 114 117 127 157

Südostasienwissenschaften 43 48 48 59 61 62

Europ. Ethnologie und

Kulturwissenschaft 195 219 209 229 249 289

Griechisch 15 13 14 12 11 14

Hebräisch/Judaistik 17 21 21 20 26 34

Japanologie 70 68 74 80 101 155

Kunstgeschichte,

Kunstwissenschaft 767 763 734 756 746 773

Kunstpädagogik 304 307 296 309 324 332

Latein 33 34 43 40 42 48

Musikerziehung/Musikpädagogik 88 86 89 101 112 120

Musikwissenschaft/-geschichte 176 183 211 217 216 214

Orientalistik, Altorientalistik 38 46 48 46 54 68

Russisch 17 15 10 6 9 10

Sinologie 71 72 70 73 77 103

Slawistik 90 97 85 94 93 105

Turkologie 18 21 18 28 40 46

10 Allgemeine Literaturwissenschaft 0 0 0 0 14 69

Amerikanistik/Amerikakunde 324 333 378 370 403 446

Anglistik/Englisch 934 949 934 938 1.034 1.077

Dramaturgie 0 0 0 0 0 9

Französisch 160 155 140 125 150 142

Germanistik/Deutsch 2.899 2.811 2.811 2.865 3.141 3.284

Italienisch 16 16 18 14 19 25

Medienkunde/

Kommunikationswissenschaft 193 238 259 294 325 318

Skandinavistik 45 47 60 61 77 97

Romanistik 548 566 569 605 615 682

Spanisch 22 29 39 44 48 47

11 Geographie/Erdkunde 546 500 456 435 479 550

Geologie/Paläontologie 214 204 181 163 160 171

Geophysik 47 40 40 34 32 37

Meteorologie 69 71 69 68 74 90

Mineralogie 37 28 24 30 29 36

Geschichte der Mathematik u.

12 Naturwissensch. 1 1 1 1 1 1

Mathematik 783 771 762 758 872 911

13 Physik 586 545 497 440 468 523

14 Biochemie 242 258 269 296 300 314

Chemie 463 429 393 368 419 468

Lebensmittelchemie 105 104 111 98 84 90

Pharmazie 696 712 736 789 745 778

15 Bioinformatik 0 0 0 30 63 81

15 Biologie 1.061 1.033 1.059 1.073 1.173 1.221

Informatik 865 946 1.026 1.192 1.226 1.204

128


FB Studiengang 1997 1998 1999 2000 2001 2002

16 Medizin 2.739 2.699 2.701 2.600 2.721 2.674

Zahnmedizin 588 561 597 617 704 687

Insgesamt 35.366 35.893 35.865 36.362 38.133 39.891

Quelle: amtliche Statistik

Die Gesamtzahl der Absolventen ist im Zeitraum von 1997 bis 2001

fast kontinuierlich rückläufig, nämlich von 3.498 auf 2.683 (Ausnahme

1999: minimaler Anstieg). In 2002 steigt sie auf 2.740. Die meisten

Absolventen weisen die Studiengänge Rechtwissenschaft – zwischen

386 (1999) und 412 (2002) –, BWL – zwischen 362 (2001) und 451

(1998) – und Germanistik/Deutsch – zwischen 213 (2002) und 360

(1997) – auf. In der VWL bewegt sich die Zahl der Absolventen in

diesem Zeitraum zwischen 22 (2002) und 63 (1998). Im Fachbereich

3 Gesellschaftswissenschaften schwankt die Zahl der Absolventen im

o. g. Zeitraum zwischen 151 (1998) und 206 (1997). Im Fachbereich

4 Erziehungswissenschaften weichen die Absolventenzahlen in der

betrachteten Zeitspanne stark voneinander ab: Während 1998 86

Studierende erfolgreich ihr Studium abschlossen, waren es 1997 260.

Im Fachbereich 11 Geowissenschaften sinkt die Zahl der Absolventen

von 1997 bis 2001 kontinuierlich von 104 in 1997 und 1998 auf 46

in 2001. In 2002 steigt sie auf 51 an. Im Fachbereich 14 Chemische

und Pharmazeutische Wissenschaften unterliegt die Zahl der Absolventen

in den Studiengängen Biochemie, Chemie und Lebensmittelchemie

wie im Fachbereich 4 starken Schwankungen im Berichtszeitraum,

nämlich zwischen 48 in 2000 und 105 in 1997.

Einen Überblick über Absolventen und Absolventinnen nach Fachbereichen

und Studiengängen verschafft Übersicht 3.

Übersicht 3: Zahl der Absolventen und Absolventinnen nach

Studiengängen

FB Studiengang 1997 1998 1999 2000 2001 2002

01 Rechtswissenschaft 390 400 386 398 393 412

02 BWL 376 451 425 390 362 432

VWL 50 63 48 40 27 22

Wirtschaftspädagogik 42 29 53 33 28 32

03 Arbeitslehre/Polytechnik 17 13 16 12 7 5

Politologie 89 57 69 60 75 78

Sozialkunde 32 20 25 22 17 25

Soziologie 68 61 68 70 66 64

04 Pädagogik 259 86 135 152 138 118

Verhaltensgestörtenpädagogik 1 0 0 0 0 1

05 Psychologie/Psychoanalyse 76 42 49 53 53 51

129


FB Studiengang 1997 1998 1999 2000 2001 2002

Sportpädagogik 75 69 84 62 67 85

Sportwissenschaft 49 46 48 58 35 41

06 Evang. Theologie 27 35 26 17 45 34

07 Kath. Theologie, Religionsphil. 54 36 55 23 33 28

08 Alte Geschichte 0 0 0 1 0 2

Geschichte 37 23 24 27 16 20

Mittlere und neuere Geschichte 30 20 11 16 21 10

Philosophie 40 23 26 20 24 22

Vor- und Frühgeschichte 5 4 1 4 2 3

Hist. Ethnologie 14 11 8 4 10 8

09 Afrikanistik 1 0 0 1 1 0

Allg. Sprachwissenschaft 1 0 1 2 4 3

Archäologie 3 6 9 5 4 3

Südostasienwissenschaften 2 2 2 5 0 3

Kulturw., Europ. Ethnologie 14 7 7 16 13 7

Griechisch 1 0 0 1 0 1

Japanologie 0 5 1 3 0 5

Kunstgeschichte 71 18 30 20 28 25

Kunstpädagogik 40 27 23 27 26 41

Latein 6 3 4 2 1 3

Musikpädagogik 19 7 11 5 14 7

Musikwissenschaft 20 5 2 9 5 3

Orientalistik, Altorientalistik 0 2 1 3 0 1

Russisch 1 6 1 2 1 0

Sinologie 6 4 0 5 2 1

Slawistik 15 5 5 5 3 6

Turkologie 2 0 0 0 0 1

10 Amerikanistik 29 13 18 19 16 11

Anglistik 100 73 74 60 82 68

Französisch 20 25 30 14 8 16

Germanistik 360 285 252 235 284 213

Italienisch 1 2 1 4 2 2

Skandinavistik 0 1 1 1 0 1

Romanistik 57 22 26 25 13 12

Spanisch 7 3 3 0 8 13

Theaterwissenschaft 5 5 9 9 13 13

11 Geographie 79 81 75 55 32 34

11 Geologie/Paläontologie 21 16 11 9 9 10

Geophysik 2 4 1 4 4 5

Meteorologie 2 3 4 3 1 1

Mineralogie 0 0 1 2 0 1

12 Mathematik 72 79 62 55 66 47

13 Physik 85 61 51 45 42 24

14 Biochemie 13 13 10 9 34 21

Chemie 48 34 30 21 7 24

Lebensmittelchemie 44 18 33 18 41 32

Pharmazie 46 75 90 76 48 84

15 Biologie, Bioinformatik 117 113 116 94 76 120

Informatik 49 50 56 39 38 35

16 Medizin 330 321 289 266 266 290

Zahnmedizin 78 77 64 52 72 60

130


FB Studiengang 1997 1998 1999 2000 2001 2002

Summe 3.498 2.960 2.961 2.688 2.683 2.740

Quelle: amtliche Statistik

II.2.b) Studiengänge

Die Universität Frankfurt hat sich im Hochschulentwicklungsplan

2001 verpflichtet, die curricularen Strukturen im Sinne der Leitlinien

der Bologna-Erklärung zu verändern. Sie beabsichtigt, alle Studiengänge,

in denen dies mit den Rahmenbedingungen vereinbar ist, zu

modularisieren und für sie Credit Point-Systeme entsprechend dem

ECTS mit studienbegleitenden Prüfungen einzuführen. Der Prozess

der Modularisierung soll 2005 abgeschlossen sein.

Die für diesen Themenkomplex zuständige Senatskommission hat

einen Rahmen für Modularisierung, Credit Points und Bachelor- und

Masterstudiengänge entwickelt. Eine Konkretisierung erfolgt derzeit

zwischen den naturwissenschaftlichen Fächern einerseits und den

geisteswissenschaftlichen Fächern, insbesondere den Magisterfächern,

andererseits. Auf diese Weise will die Hochschule eine konkretere

inhaltliche und strukturelle Abstimmung erreichen.

Die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen soll nach

Auskunft der Hochschule dort gefördert werden, wo dies unter fachlichen

und arbeitsmarktbezogenen Gesichtspunkten sinnvoll erscheint.

Bei der Modularisierung der Studiengänge soll eine mögliche Umstellung

auf Bachelor-/ Masterstrukturen jeweils überprüft und zumindest

vorbereitet werden. Die Fachbereiche Wirtschaftswissenschaften,

Geowissenschaften, Chemie und pharmazeutische Wissenschaften

sowie Informatik stellen ihre Studiengänge derzeit auf die neuen,

konsekutiven Studiengänge um, die bis zum Jahr 2005 eingeführt

werden sollen. In den anderen Fachbereichen ist der Diskussionsprozess

über diese Studienstrukturreformmaßnahmen noch nicht abgeschlossen.

Es besteht Einvernehmen, dass das Festhalten an den

bisherigen Abschlüssen einer besonderen Begründung bedarf.

Die Universität entwickelt zurzeit eine Regelung für den Teilzeitstatus

von Studierenden. In den geisteswissenschaftlichen Studiengängen

ist dies i. d. R. ohne die Bereitstellung eines eigenen Lehrangebots

für diese Studierenden möglich. In den naturwissenschaftlichen Fächern

– insbesondere in denen mit zeitintensiven Praktika – ist es

schwieriger, ein Teilzeitstudium zu absolvieren. Die Hochschule betont,

dass es aus finanziellen Gründen derzeit nicht möglich sei, ein

131


auf die heterogenen Bedürfnisse von Teilzeitstudierenden ausgerichtetes

besonderes Lehrangebot zu schaffen.

Die Universität Frankfurt legt nach eigener Aussage insbesondere in

den Bachelorstudiengängen Wert auf den Nachweis des Erwerbs von

Schlüsselqualifikationen. Da im Mittelpunkt dieser Studiengänge das

Fachstudium stehen solle, könne die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen

nicht nur in eigenen Modulen erfolgen. Vielmehr müsse

auch im Rahmen der fachlichen Lehrveranstaltungen darauf geachtet

werden, dass überfachliche Kompetenzen wie Präsentation, Fähigkeit

zum klaren und strukturierten Schreiben und Teamfähigkeit vermittelt

werden.

Im Folgenden werden Besonderheiten der Studiengänge in den von

den Vorhaben „Weiterer Ausbau Campus Westend“ und „Weiterer

Ausbau Campus Riedberg“ betroffenen Fachbereichen dargestellt:

Fachbereich 1 Rechtswissenschaft

Der Fachbereich bietet zwei Aufbaustudiengänge an: Europäisches

und Internationales Wirtschaftsrecht mit dem Abschluss Magister

(LL.M.Eur.) für deutsche Studierende mit Erster Staatsprüfung sowie

einen Magisterstudiengang für im Ausland graduierte Juristen mit

dem Abschluss Magister der Rechte (LL.M.).

Gemeinsam mit dem Institut für Law and Finance wird seit dem Wintersemester

2002/03 der internationale englischsprachige Weiterbildungsstudiengang

Law and Finance mit dem Abschluss „Master of

Laws (Finance) (LL.M. Finance)“ angeboten.

Im Rahmen des Studienprogramms DUDF mit der Universität Lyon 2

können deutsche Studierende ein Diplome Universitaire en Droit

Français erwerben, für französische Studierende gibt es das Zusatzstudium

DUDA, Diplome Universitaire en Droit Allemand. Für die

Studierenden der Universität, die an diesem Austausch teilnehmen,

werden Sprachkurse angeboten, in denen auch die Fachsprache

vermittelt wird.

Fachbereich 2 Wirtschaftswissenschaften

Die bestehenden Studiengänge Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre

und Wirtschaftspädagogik sind seit einiger Zeit mit Credit

Points versehen. Das Schwerpunktstudium im Hauptstudium ist

modularisiert. Über die Wirtschaftswissenschaften hinausreichende

Interdisziplinarität wird im Rahmen des Wahlfaches ermöglicht.

Zum Wintersemester 2003/04 werden die beiden Bachelor-

Studiengänge in Betriebswirtschaftslehre (B.A. Econ.) und Volkswirtschaftslehre

(B.B.A.) angeboten, die beide akkreditiert sind. Zur Zeit

132


esteht die Möglichkeit, nach Abschluss dieser Studiengänge das

Studium in den Diplomstudiengängen weiterzuführen. Derzeit werden

Masterstudiengänge entwickelt, mit deren Einführung die Diplom-

Studiengänge auslaufen sollen.

Seit mehr als zehn Jahren wird in Kooperation mit der Université Paris

X Dauphine ein Doppeldiplomprogramm durchgeführt, das von der

Deutsch-Französischen Hochschule unterstützt wird. Ferner ist der

Fachbereich mit zwei Austauschprogrammen mit Hochschulen in den

USA am Programm „Integriertes Auslandsstudium“ des DAAD beteiligt

und pflegt Studierendenaustausch und teilweise Austausch von

Lehrenden mit einer Reihe von Hochschulen in den USA, Argentinien,

Brasilien, Süd-Korea und Japan.

Fachbereich 3 Gesellschaftswissenschaften

Die politikwissenschaftlichen und soziologischen Studiengänge sind

eng miteinander verzahnt. Dadurch wird ein Wechsel zwischen diesen

Fachrichtungen erleichtert. Der Wechsel zwischen den Diplomund

den Magisterstudiengängen ist durch die ähnlich strukturierten

Curricula problemlos möglich. Seit dem Wintersemester 2000/01

kann im Hauptstudium der Diplomstudiengänge ein modularisiertes

Studienprogramm absolviert werden, das am Beispiel eines gesellschaftlichen

Praxisfeldes Theorie, Empirie und Praxiserfahrung verbindet.

Die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen ist geplant.

Seit dem Wintersemester 2001/02 besteht der vom DAAD geförderte

internationale Promotionsstudiengang „Gesellschaftswissenschaften“.

Gleichzeitig wirkt der Fachbereich an dem ebenfalls vom DAAD geförderten

internationalen Promotionsstudiengang „Religion im Dialog“

mit.

Fachbereich 4 Erziehungswissenschaften

Der Fachbereich beabsichtigt, grundsätzlich am Diplomstudiengang

festzuhalten. Ergänzend ist – insbesondere für Fachhochschulabsolventen

– an die Einrichtung von Masterstudiengängen gedacht. Die

Absolventen des Lehramts an Grundschulen haben die Möglichkeit,

im Rahmen einer Zusatzprüfung die Voraussetzung zur Promotion zu

erlangen. Weitere wissenschaftliche Qualifizierungsprogramme insbesondere

für die Absolventen der sechssemestrigen Lehramtsstudiengänge

sind geplant.

Die bisher relativ offenen Curricula aller Studiengänge des Fachbereichs

sollen durch Kerncurricula stärker strukturiert und damit verbindlicher

werden. Insbesondere ist eine nähere Abstimmung zwi-

133


schen dem erziehungs- und gesellschaftswissenschaftlichen Studienteil

der Lehramtsstudiengänge geplant.

Für Erziehungswissenschaftler in der Praxis ist die Einrichtung eines

Kontaktstudiums geplant, das den Bezug zwischen Wissenschaft und

Praxis verbessern soll.

Fachbereich 5 Psychologie

Die gerade verabschiedete Rahmenordnung geht weiterhin von einem

Diplomabschluss aus. Der Fachbereich wird sich im Interesse

der Absolventen bei der Entscheidung über die Einführung von Bachelor-

und Masterstudiengängen mit den anderen psychologischen

Fachbereichen abstimmen.

Der Arbeitsbereich Klinische Psychologie bietet das staatlich anerkannte

Weiterbildungsprogramm „Klinische Psychologie/Psychotherapie“

mit dem Schwerpunkt „Verhaltenstherapie/Verhaltensmedizin“

an. Dem Weiterbildungsprogramm ist eine Ambulanz zugeordnet.

Das Institut für Pädagogische Psychologie bietet die Weiterbildungsprogramme

„Psychologie in Organisationen“ und „Psychologische

Gesundheitsförderung“ an.

Fachbereich 9 Sprach- und Kulturwissenschaften

Die noch nicht auf dem Campus Westend angesiedelten Fächer gehören

zu den kleinen Fächern mit oftmals nur einer Professur und geringer

Auslastung. Der ganze Fachbereich befindet sich derzeit in einer

Strukturprüfung unter Berücksichtigung von Forschung und Lehre.

Ziel ist es, durch eine curriculare Neuausrichtung und stärkere

Kooperation innerhalb des Fachbereichs bzw. der Universität aber

auch mit anderen Hochschulen der Region (Mainz, Gießen, Marburg)

für Studierende attraktiver zu werden.

Die Fächer Sinologie, Japanologie und Südostasienwissenschaften

sind in einem ersten Schritt zu einem Zentrum für Ostasien zusammengeschlossen

worden. Geplant ist die Einführung eines Bachelorund

eines Masterstudiengangs Ostasienwissenschaft, der mit anderen

Fächern (Kultur-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften) verzahnt

werden soll. Ein ähnlicher Zusammenschluss der sprachwissenschaftlich

orientierten Fächer, der auch zu einem interdisziplinären

Curriculum führen soll, ist angedacht.

Alle Studiengänge werden modularisiert. Im Rahmen der Strukturprüfung

soll auch geklärt werden, in welchen Bereichen Bachelor- und

Masterstudiengänge eingeführt werden sollen. Die Fächer Vergleichende

Sprachwissenschaft und Phonetik wirken im Bachelor- und

Masterstudiengang Kognitive Linguistik mit.

134


Fachbereich 11 Geowissenschaften

Geowissenschaften einschl. Physische Geographie

Die Curricula der Studiengänge entsprechen in ihrer Struktur der Modularisierung.

Die Einführung von Credit Points ist geplant. Zur Zeit

wird eine gemeinsame Studienordnung für die Studiengänge Geologie/Paläontologie

und Mineralogie erarbeitet. Das Grundstudium wird

für beide Fächer weitgehend identisch sein. Geplant sind darüber

hinaus neue, stärker interdisziplinäre Studiengänge, die den aktuellen

Anforderungen an Geowissenschaftler gerecht werden sollen. Insbesondere

sollen die bestehenden Forschungskooperationen zwischen

den Instituten sowie mit anderen Fachbereichen in diese Studiengänge

einfließen. Im Laufe der Entwicklung wird zu entscheiden sein,

ob der Diplomabschluss zu Gunsten der Bachelor- und Masterabschlüsse

vollständig aufgegeben werden soll.

Im Rahmen von experimentell ausgerichteten interdisziplinären

Sommerschulen sollen ausländische Studierende angeworben werden.

Geographie (ohne Physische Geographie)

Der bestehende Diplomstudiengang ist faktisch modularisiert. Die

Einführung von Credit Points ist geplant. Insbesondere im Bereich

Wirtschaftsgeographie ist das Lehrangebot sowohl auf den Studiengang

Geographie als auch auf die wirtschaftwissenschaftlichen Studiengänge

ausgerichtet. Gemeinsam mit den Fachbereichen Gesellschaftswissenschaften

und Rechtswissenschaft wird das interdisziplinäre

Studienprogramm Europäische Stadt- und Regionalentwicklung

durchgeführt. Studierende mit dem Schwerpunkt Anthropogeographie

können im Rahmen dieses Studienprogramms Leistungsnachweise

und gleichzeitig ein Zertifikat erwerben.

Fachbereich 12 Mathematik

Das Curriculum für den Diplomstudiengang wird modularisiert, Credit

Points werden eingeführt. Derzeit wird geprüft, ob dies in einem Bachelor-

und Masterstudiengang umgesetzt wird. Ein entsprechendes

Konzept liegt vor. Geplant ist ein Bachelor- und Masterstudiengang

mit dem Institut für Informatik.

Fachbereich 14, hier: Chemie

Zum Wintersemester 2003/04 soll ein Bachelor- und Masterstudiengang

eingeführt werden. Der Diplomstudiengang wird dann eingestellt.

Der Bachelor-Studiengang wird sich an den Grundlagen der

Chemie orientieren. Für den Masterabschluss gibt es verschiedene

135


interdisziplinäre Studiengänge. Daneben wird es den dem Diplom

entsprechenden Master in Chemistry geben.

Vom Institut für Didaktik der Chemie wurde ein Zentrum für Lehrerfortbildung

eingerichtet. Ausgehend von diesem Zentrum soll die wissenschaftliche

Lehrerfortbildung in der Universität intensiviert werden.

Fachbereich 15, hier: Informatik

Die Entwicklung eines Bachelor-Studiengangs Informatik ist weitgehend

abgeschlossen. Bachelor-Absolventen können anschließend

den Diplom-Abschluss erwerben.

Geplant sind weitere, interdisziplinäre Bachelor- und Masterstudiengänge,

die theorieorientiert (gemeinsam mit Mathematik) bzw. anwendungsorientiert

(gemeinsam mit anderen naturwissenschaftlichen

Fächern) ausgerichtet sind.

Lehrerbildung als Querschnittsaufgabe

Die Lehramtsstudiengänge sollen generell, soweit dies die staatliche

Prüfungsordnung zulässt, modularisiert werden. Dabei strebt die Universität

studienbegleitende Prüfungen in Verbindung mit Credit Points

an. Ein erster Schritt ist ein Modellversuch für das Lehramt an

Grundschulen mit einem geisteswissenschaftlichen (Deutsch/Mehrsprachigkeit)

und einem naturwissenschaftlichen (Mathematik/Naturwissenschaften)

Schwerpunkt. Ziel des Modellversuchs ist es, der

Heterogenität dieses Studiengangs, der aus sieben von jeweils unterschiedlichen

Fachbereichen betreuten Teilcurricula besteht, zu begegnen.

II.3.

Personalausstattung

In den von den Vorhaben „Weiterer Ausbau Campus Westend“ und

„Weiterer Ausbau Campus Riedberg, Niederursel“ betroffenen Fachbereichen

sind 185 Planstellen im C4-Bereich, 114 im C3-Bereich

und 15 im C2-Bereich angesiedelt. Darüber hinaus verfügen die betroffenen

Fachbereiche über 10,5 W-Stellen (Junior-Professuren),

476,5 Planstellen für befristet beschäftigte und 112 für unbefristet beschäftigte

wissenschaftliche Mitarbeiter sowie ca. 553 Planstellen für

nichtwissenschaftliches Personal. Die Verteilung der Planstellen auf

die von den o. g. Vorhaben betroffenen Fachbereiche im Einzelnen

ist der Übersicht 4 zu entnehmen.

136


Übersicht 4: Zahl der Planstellen in den von den Vorhaben Nrn.

136 und 134 betroffenen Fachbereichen:

Personalausstattung

FB FB NAME C4 C3 C2

Jun.

prof

wiss.

befrist

wiss.

unbefrist.

nichtwiss.

01 Rechtswissenschaft 29 2 1 60 2 46,5

02 Wirtschaftswissenschaften 35 9 2,5 104 4 60,25

03 Gesellschaftswissenschaften 17 15 2 1 32,5 9 29,17

04 Erziehungswissenschaften 10 15 2 17,5 7 18

05 Psychologie u. Sportwissenschaft. 14 8 4 30 13 36

05 01 Dekanat 3

Psychologie 9 6 3 21 4 13,67

05 05 Sportwiss. 5 2 1 9 9 19,33

09 Sprach- u. Kulturwissenschaften 19 11 1 1 39,5 16,5 23,5

09 01 Dekanat(0901) 4

09 02 Archäologisches Institut(0902) 1 1 3 1 0,5

09 03 Klassische Philologie(0903) 2 3 2 1

09 04 Kunstgeschichtliches Inst(0904) 3 2 6 1 3

09 05 Musikwissenschaftl. Inst.(0905) 1 1 3 1 1

09 06 Inst. f. Musikpädagogik(0906) 1 1 1 1,5

09 07 Inst. f. Kunstpädagogik(0907) 1 3 1 4,5 2 3

09 08 Anthrop. u. Europ. Ethn.(0908) 1 1 2 1 1

09 09 Vergl.Spr.w., Phon., Slav.(0909) 4 7 3 3

09 10 Orient. u. Ostasiat. Phil. (0910) 3 2 1 6,5 2,5 2,5

09 11 Seminar f. Judaistik(0911) 1 1,5 1 1

09 12 Afrikanistik(0912) 1 1 1 1 0,5

11 Geowissenschaften/Geographie 13 14 1 33,5 11 55

11 01 Dekanat 3

11 02 Geol.-Paläontol. Inst. 3 2 5 3 8,5

11 03 Inst. f. Mineralogie 2 2 1 6 1 12

11 04 Meteorol. u. Geophysik 4 2 6,5 5 10

11 05 Physische Geographie 1 4 6 1 8

11 06 Kulturgeographie 1 2 3 1 4

11 07 Wirtsch. u. Sozialgeogr. 1 1 4,5 3

11 08 Didaktik der Geographie 1 1 2,5 2,5

12 Mathematik 10 7 3 1 21,5 6 16

Chem. u. Pharmazeut. Wissensch.

19 14 83,5 26,5 14

113,25

15 Biologie und Informatik 19 19 3 3 54,5 17 155,5

15 01 Dekanat 7

15 Biologie 11 15 2,1 34,5 14 123,5

15 07 Informatik 8 4 1 22 3 18

Einen Überblick über Drittmittelstellen für die von den Vorhaben Nrn.

136 und 134 betroffenen Fachbereiche verschafft Übersicht 5.

137


Übersicht 5:

Drittmittelstellen

Fächer / Studiengänge / Fachbereiche

(Personenäquivalente)

2001 2002

Rechtswissenschaft 3,5 3,2

Wirtschaftswissenschaften 13,3 29,3

Gesellschaftswissenschaften 9,2 13,8

Erziehungswissenschaften 0,5 3,5

Psychologie 1,0 6,0

Sprach- und Kulturwissenschaften 2,7 2,9

Geowissenschaften einschl. Physisch. Geographie 10,2 23,4

Mathematik 1,0 1,0

Chemie 7,5 25,5

Informatik - 9,5

Zurzeit nicht besetzt sind bzw. im Besetzungsverfahren befinden sich

in den von den beiden Vorhaben betroffenen Fachbereichen in

der/den:

Übersicht 6:

Fachbereich C4 C3 C2

Rechtswissenschaft 4

Wirtschaftswissenschaften 2

Gesellschaftswissenschaften 2 3

Erziehungswissenschaften 2 5

Psychologie 1 2

Sprach- und Kulturwissenschaften 2 1 4 2

Geographie 3 1 1

Geowissenschaften 1 3

Mathematik 2 1

Chemische und Pharmazeutische Wissenschaften 4 2

Informatik 5 1 2

1

ohne Sport

2

Institut für Kunstpädagogik, Kunstgeschichtliches Institut, Institut für Musikpädagogik,

Musikwissenschaftliches Institut, Institut für Orientalische und Ostasiatische Philologien,

Institut für Vergleichende Sprachwissenschaft, Phonetik und Slavische Philologie,

Seminar für Judaistik, Institut für Afrikanische Sprachwissenschaften

3

Geowissenschaften incl. Physische Geographie einerseits, Geographie ohne Physische

Geographie andererseits

4

insbesondere Chemie

5

ohne Biologie

138


II.4. Forschung

Unter Federführung der Konferenz Hessischer Universitätspräsidenten

(KHU) werden derzeit die Schwerpunkte aller hessischen Universitäten

erfasst, gegeneinander abgegrenzt und sollen koordiniert fortentwickelt

werden. Die von der KHU erarbeitete Übersicht wird im

Folgenden wiedergegeben.

Übersicht 7: Schwerpunkte aller hessischen Universitäten

DA

F GI KS MR

Soziale Dimension von Technik

-Entstehung, Gestaltung

und Folgen

Grundlagen des Rechts Kommunikation in herkömmlichen

und computervermittelten

Medien (vorrangig unter

dem Gesichtspunkt der Interaktivität)

Finance Untersuchung von Inhalten

und Formen kultureller Erinnerung

in Literatur- und Kulturwissenschaft

Wissenskultur und gesellschaftlicher

Wandel

Interdisziplinäre Afrika-

Forschung/-Archäologie und

Naturwissensch.

Frauenforschung/Öffentlichkeiten

und

Geschlechterverhältnisse

Religion im Dialog/Theologie

interkulturell

Transformation sprachlichen

Handelns

Empirische Schul- und Unterrichtsforschung

In- und Exklusion in der Weltgesellschaft

Staatenunrecht/Unrechtsstaaten

und die Reaktion der

Weltgem.

Internationale Ordnungsstrukturen

Lehramtsausbildung Berufs- und Hochschulforschunschung

Friedens- und Konfliktfor-

Philosophie und Grundlagen Arbeitswissenschaft Gender Studies und feministische

der Wissenschaft

Zukunftsforschung

Koordinierte und strukturierte

Doktorandenausbildung in

den Geistes- und Kulturwissesnchaften

Frauen- und Geschlechterforschung

Bildwelten und Visualisierung

- Kunsthochschule in der Universität

Kassel

Menschenbilder und ihre Orientierungsfunktion

Japanwissenschaften

Geoarchäologie: Stadt und

Umland

Sprachendynamik, Sprachtheorie,

Sprachtechnologie

GEIST

139


noch Übersicht 7: Schwerpunkte aller hessischen Universitäten

DA

F GI KS MR

Kern- und Strahlenphysik mit

Elektronen, Schweren Ionen

und Lasern

Materialforschung und Werkstofftechnologien

Simulation/Computational

Engineering

Schwerionenphysik Materialforschung Nanostrukturwissenschaften Materialwissenschaften: Optodynamik

Festkörperforschung Aspekte grundlegender entwicklungs-

und umweltpolitischer

Fragestellungen im

Membrane Proteomics/-

Spektroskopie

Wirkstoffe und ihre molekularen

Mechanismen/ZAFES

Geowissenschaften /Dynamik

und Struktur der Erde

Ökologie und Biodiversitätsforschung

interdisziplinären Kontext

Substitutionseffekte in ionischen

Festkörpern

Atomare und Subatomare

Physik

Landnutzungskonzepte für

periphere Regionen

Biowissenschaftliche Grundlagen

der Umweltforschung

Mensch – Ernährung – Umwelt

Lehramtsausbildung

Umweltsystemforschung Materialwissenschaften:

Hybridbiomaterialien

Ökologische Agrarwissenschaften

Industrielle Systemtechnik

Mikrosystemtechnik Energie und Umwelt – Rationelle

Energieverwendung

Mechatronik

Telemedia/Sicherheit in der

Informationstechnik

Graphische Datenverarbeitung

Nachhaltigkeit von Produkten

und Prozessen

Technische Strömungen und

Verbrennung

Integrierte Verkehrssysteme

Biologisch-Technische Systeme/Life

Sciences

Prozessorientierte Umweltforschung/Biodiversität

Mikroorganismen in Umwelt

und Pathogenese

Tumorbiologie

ING

NAT

140


noch Übersicht 7: Schwerpunkte aller hessischen Universitäten

DA F GI

Onkologie Biomedizinische

Grundlagenforschung

Invasionsmechanismen und

Replikationsstrategien von

Cognitive Neuroscience Krankheitserregern

Vaskuläre Biologie Kardiopulmonales

Gefäßsystem

KS MR

Gesundheitswesen

Neurowissenschaften

Adipositasforschung

MED

141


II.4.a) Forschungsschwerpunkte der von den beiden Bauvorhaben

betroffenen Fachbereiche

Rechtswissenschaft (FB 1)

Der Fachbereich Rechtswissenschaft widmet sich seit langem der Erforschung

der rechtlichen Grundlagen moderner Gesellschaften, die

intern von Prozessen der Individualisierung und Fragmentierung geprägt

werden und extern durch die Dynamik der Globalisierung einem

erheblichen Problemdruck ausgesetzt sind. Rechtstheoretisch,

rechtssoziologisch und rechtshistorisch orientierte Untersuchungen

rücken vor allem Fragen der Rechtsgeltung, der Zurechnung von

Verantwortung, der Geschlechterverhältnisse im Recht ins Zentrum.

Gegenstand der rechtshistorischen Forschungen sind die Bedingungen

und Zusammenhänge von Recht im europäischen Raum seit der

Antike bis zur Gegenwart, wie sie in den normativen Experimenten

der Menschen mit sich selbst sichtbar werden. Erforscht wird dies

multidisziplinär mit allen Methoden der kritisch-historischen Wissenschaften.

Institutionelle Träger der Erforschung der Grundlagen des

Rechts sind das Institut für Rechtsgeschichte sowie das Institut für

Kriminalwissenschaften und Rechtsphilosophie.

Ein weiterer profilbildender Schwerpunkt aus dem Bereich der

Rechtswissenschaft stellt die Erforschung der Steuerung von im weitesten

Sinne gesellschaftlichen Entwicklungen in den Mittelpunkt.

Ausgehend von der „Steuerungskrise des Rechts“ werden in diesem

Bereich der Regulierungsbedarf und die Leistungsfähigkeit neuer

Formen der Regulierung jenseits ordnungsrechtlicher Muster erforscht.

Diese Perspektive nimmt die Forschungsansätze und

-methoden der Nachbarwissenschaften auf und nutzt diese für

rechtswissenschaftliche Untersuchungen zum Strukturwandel des

Verwaltungsrechts und zu den Herausforderungen, die sich in unterschiedlichen

Referenzgebieten stellen, wie im Medien- und Telekommunikationsrecht,

Umwelt- und Technikrecht sowie Abgabenund

Steuerrecht. Bei der Umstellung von der imperativen Steuerung

auf alternative Ansätze kommt dem öffentlichen und privaten Wirtschaftsrecht

als Wettbewerbsrecht eine besondere Bedeutung zu.

In den vergangenen Jahren hat die Rechtswissenschaft in enger Zusammenarbeit

mit dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften eine

finanzorientierte Schwerpunktbildung durch Bündelung universitärer

Potentiale und die erfolgreiche Initiierung korrespondierender Aktivitäten

(z.B. Einwerbung einer Dresdner Bank Stiftungsprofessur für

Wirtschaftsrecht oder Gründung des Institute for Law and Finance)

eingeleitet, die konsequent in Richtung der Etablierung eines Kompetenzzentrums

auf höchstem internationalen Niveau fortgeführt wird.

142


Ein weiterer Ausbauschwerpunkt liegt im Bereich der europarechtlichen

Ausrichtung (Wilhelm-Merton-Zentrum).

Wirtschaftswissenschaften (FB 2)

Die Standortvorteile Frankfurts als internationaler Bank- und Finanzplatz

greift in den Wirtschaftswissenschaften der Bereich „Finanzen,

Geld und Währung“ auf, der ein volks- und ein betriebswirtschaftliches

Department umfasst und beide Ansätze intensiv verbindet. Seine

Bedeutung spiegelt sich in der Einrichtung eines Graduiertenkollegs,

der Teilnahme an zwei internationalen, EU-finanzierten TRN-

Forschungsnetzwerken, der engen Zusammenarbeit mit dem Center

for Financial Studies (ehemals Institut für Kapitalmarktforschung) sowie

der Zusammenarbeit mit Juristen im Institute for Law and Finance

und mit Mathematikern in dem Zentralinstitut „MathFinance“ wider.

Die assoziierten Institute sind in den Rechtsformen von Fördervereinen

und Stiftungen des bürgerlichen Rechts ausgestaltet und unterliegen

einem institutionell abgesicherten bestimmenden Einfluss der

Universität. Diese Aktivitäten werden konsequent mit dem Ziel

weiterbetrieben, einen herausragenden internationalen Schwerpunkt

zu etablieren.

Der Fachbereich hat sich neben der erwähnten Schwerpunktbildung

„Finance“ auf die Lehr- und Forschungsschwerpunkte Geld und Währung

(VWL), Öffentliche Wirtschaft und Soziale Sicherung (VWL), Internationale

Wirtschaftsbeziehungen (VWL), Marketing (BWL), Rechnungswesen

(BWL), Wirtschaftsinformatik (BWL), konzentriert. Disziplinübergreifend

wird eine auf quantitativen Methoden basierende

empirische Wirtschaftswissenschaft gemäß den Empfehlungen des

Wissenschaftsrats fortentwickelt.

Gesellschaftswissenschaften (FB 3)

Das zentrale Forschungsgebiet „Demokratischer Staat und Weltordnung“

umfasst vier politikwissenschaftliche Schwerpunkte des Fachbereichs

Gesellschaftswissenschaften, nämlich „Stadt/Staat/Region“,

„Demokratie, Demokratietheorie und Demokratisierung“, „Weltgesellschaft

und Weltordnung“ sowie „Friedens- und Konfliktforschung“.

Gemeinsame Fragestellungen sind hier die demokratische Organisation

und Legitimation politischer Entscheidung, Planung und Steuerung

unter veränderten internationalen ökonomischen und politischen

Rahmenbedingungen. Der Fachbereich kooperiert hierbei eng mit der

Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung.

Die Frankfurter Soziologie ist durch makrosoziologische Theoriebildung,

große industriesoziologische Projekte und Gender-Studies

(erste Professur für Frauenforschung in der Bundesrepublik) profiliert.

Derzeit werden besondere Anstrengungen in Kooperation mit ande-

143


en Fachbereichen zur Errichtung eines gesamtuniversitären Lehrund

Forschungsschwerpunkts „Europäische Stadt- und Regionalentwicklung“

unternommen; in diese Verbundforschung ist auch die am

Fachbereich angesiedelte Arbeitslehre einbezogen.

Der Fachbereich kooperiert mit dem Institut für Sozialforschung durch

eine Reihe gemeinsamer drittmittelgeförderter Projekte. Der Fachbereich

ist im Kollegium des Instituts für Sozialforschung vertreten.

Mit dem Sigmund-Freud-Institut (SFI) ist der Fachbereich durch eine

Kooperationsprofessur verbunden. Mitarbeiter des SFI lehren seit

Jahren als apl. Professoren am Fachbereich.

Ferner hat eine politikwissenschaftliche Professur zugleich die Leitung

der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung

(HSFK) inne. Gemeinsam ist die Einführung eines Magister-Studiengangs

Friedens- und Konfliktforschung geplant.

Eine Politikwissenschaftlerin leitet eine BMBF-geförderte Nachwuchsgruppe,

die von der Universität und dem Institut für Sozialökologische

Forschung (ISOE) gemeinsam aufgebaut wurde.

Erziehungswissenschaften (FB 4)

Trotz hoher Lehrbelastung unternimmt der Fachbereich erhebliche

Anstrengungen, durch Ressourcenbündelung und Incentives Forschungsschwerpunkte

zu bilden. Von gesamtuniversitärer Bedeutung

sind dabei die Bemühungen um die Stärkung empirisch orientierter

Forschung im Kontext eines aufzubauenden Schwerpunkts „Empirische

Bildungsforschung“, für die in der Kooperation von Universität

und Deutschem Institut für Internationale Pädagogische Forschung

(DIPF) in Frankfurt nach Aussage des Landes eine leistungsfähige

Infrastruktur besteht. Derzeit laufende Berufungsverhandlungen sind

der empirischen Forschung gewidmet.

Das Land kündigt an, dass die Universität Frankfurt auf der Grundlage

der 2003 durchgeführten „Frankfurt Internen Evaluation der Lehrerbildung“

die entsprechenden Studiengänge reorganisieren werde.

Der Fachbereich und das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische

Forschung besetzen zurzeit eine gemeinsame Juniorprofessur

im Bereich Empirische Bildungsforschung. Der Direktor des

Instituts ist zugleich Professor des Fachbereichs. Im Bereich Empirische

Bildungsforschung soll nach Auskunft des Landes die Zusammenarbeit

ausgebaut werden.

144


Psychologie (FB 5)

Das Institut für Psychologie beteiligt sich im Rahmen einer gemeinsamen,

fachbereichsübergreifenden Initiative an der Einrichtung eines

transdisziplinären Forschungsschwerpunkts Cognitive Neuroscience,

der etwa zehn Arbeitsbereiche des Fachbereichs Medizin,

zwei Abteilungen des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung, mehrere

Arbeitsbereiche des Instituts für Psychologie, einzelne Arbeitsbereiche

der Physik und der Biologie umfasst. Diese Initiative basiert

auf einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen dem Institut für

Psychologie und dem Max-Planck-Institut für Hirnforschung, die zu

einer Kooperationsprofessur zwischen beiden Einrichtungen geführt

hat (Professur für Physiologische Psychologie/Biopsychologie).

Der Schwerpunkt des Instituts für Pädagogische Psychologie liegt auf

der Lehr-Lern-Forschung aus kognitionspsychologischer Sicht. Dies

schließt neben der Erklärungsebene die Bereiche Diagnostik und Intervention

mit ein. Dabei findet eine anwendungsorientierte Grundlagenforschung

in natürlichen pädagogischen Situationen statt, die mit

den Initiativen der Universität zur empirischen Bildungsforschung und

zur wissenschaftlichen Lehrerbildung zusammenwirkt. Hier besteht

eine enge Kooperation mit dem DIPF.

Die Psychoanalyse prägt als ergänzendes Element zum Studium der

Psychologie den Standort Frankfurt. Bestehende Vakanzen eröffnen

die Möglichkeit, sämtliche psycho-analytischen Professuren der Universität,

die in verschiedenen Fachbereichen angesiedelt sind, neu

zu ordnen.

Sprach- und Kulturwissenschaften (FB 9)

Dem Fachbereich, der seitens der Universität als der heterogenste

betrachtet wird, ist es in den letzten Jahren gelungen, zu vier

Schwerpunkten die Kooperationspotentiale zwischen bislang losgelöst

voneinander existierenden Fächern nutzbar zu machen und an

spezifische Standortvorteile Frankfurts anzuschließen.

Aufbauend auf den Arbeiten des 2002 ausgelaufenen Sonderforschungsbereiches

„Kulturentwicklung und Sprachgeschichte Westafrikanische

Savanne“, der fünfzehn Jahre lang von der DFG gefördert

wurde, wird die Universität die vorhandenen Kapazitäten in der Afrikaforschung

durch gezielte afrikabezogene Neuberufungen verstärken

und so die Basis für eine gleichwertige drittmittelgeförderte Fortsetzung

der Forschungsaktivitäten schaffen.

Der Schwerpunkt „Kulturen des ostasiatischen Raumes“, den die U-

niversität durch die Schaffung eines Ostasienzentrums sowie durch

die flankierende Umwidmung von Professuren gestärkt hat, steht für

145


eine umfassende Neuorientierung der ehemals klassisch philologisch

ausgerichteten Professuren für Sinologie und Japanologie in Richtung

auf die gegenwärtige Sprache und Kultur Ostasiens. Forschungsinhalt

sind kulturelle und sprachliche Beziehungen in Ostasien;

übernationale Regionalisierungstendenzen in Ost- und Südostasien;

Beziehungen zwischen Ostasien und Europa/westlichen

Ländern (kulturell, aber - insbesondere im Hinblick auf assoziierbare

Fächer - auch politisch, wirtschaftlich, rechtlich).

Zum Thema „Kulturwissenschaft des Altertums“ kooperieren die Fächer

Griechische und Lateinische Philologie, Klassische Archäologie,

Archäologie und Kulturgeschichte des Vorderen Orients. Die Aktivitäten

werden durch die DFG-Projekte „Schenkungen hellenistischer

Könige“ und „Priene“ gefördert. Die archäologischen Teildisziplinen

der Fachbereiche 8 und 9 (Klassische Archäologie, Vorderasiatische

Archäologie, Vor- und Frühgeschichte, Provinzialrömische Archäologie)

haben kürzlich die Fusion zu einer Betriebseinheit beantragt, die

in Kooperation mit naturwissenschaftlichen Disziplinen – insbesondere

den Geowissenschaften – ein erweitertes gemeinsames Lehrangebot

entwickelt und den Universitätsschwerpunkt „Archäologie und

Naturwissenschaften“ stärkt.

Frankfurt als „kulturellen Standort“ greift der Schwerpunkt „Artes“ auf,

an dem sich die Fächer Kunstgeschichte, Kunstpädagogik, Musikwissenschaft

und Musikpädagogik beteiligen. Die Universitätsleitung hat

diesen Bereich durch eine personelle Verstärkung und die Einrichtung

einer Kunst- und Musikbibliothek, in der die einschlägigen Bestände

der Institute und der Stadt- und Universitätsbibliothek zusammengefasst

werden, unterstützt. Die im Graduiertenkolleg „Psychische

Energien bildender Kunst“ etablierte historische Emotionsforschung

wird derzeit in einer SFB-Initiative erweitert.

Ein Teil der Sprachwissenschaften der Universität Frankfurt kooperiert

im Schwerpunkt „Empirische Sprachwissenschaft“, der sich mit

sprachlichen Minoritäten, Minderheitensprachen, Sprachwechsel und

Sprachensterben befasst.

In einer mit dem Fachbereich vereinbarten Strukturprüfung werden in

2004 die kleinen Fächer auf ihre Entwicklungsperspektiven hin bewertet.

Damit wird unter Einbeziehung externer Expertise eine Planungsgrundlage

zur hessenweit abgestimmten Restrukturierung der

kleinen Fächer in Frankfurt gelegt, wie dies im Hochschulpakt vereinbart

wurde.

146


Geowissenschaften und Geographie (FB 11)

Das Fach Geographie bildet an der Universität Frankfurt einen gemeinsamen

Fachbereich mit den Geowissenschaften. Die Umzugsplanung

ist einerseits durch die thematische Nähe der Humangeographie

zu den Gesellschafts-, Kultur- und Geisteswissenschaften

und andererseits der Physischen Geographie zu den Natur- und insbesondere

den Geowissenschaften geprägt. Die Humangeographie

soll daher auf den Campus Westend, die Physische Geographie auf

den Campus Riedberg umziehen.

Die künftige Forschungsstruktur des Fachbereiches ist durch die Bildung

der Schwerpunkte „Dynamik und Struktur der festen Erde“ sowie

„Mensch und Umwelt“ geprägt. Zur institutionellen Verankerung

dieser Schwerpunkte sind umfangreiche strukturelle Änderungen geplant.

Die Bereiche Geologie/Paläontologie, Mineralogie und Geophysik,

die sich entsprechend neu organisieren, werden sich im Rahmen des

Schwerpunktes „Dynamik und Struktur der festen Erde“ den Gebieten

„Modularisierung von Prozessen und Kreisläufen im System der festen

Erde“ und „Struktur und Stoffbestand im System der festen Erde“

widmen. In diesem Rahmen ist insbesondere die Einrichtung eines

DFG-SPP „Schwerefeld und Massentransporte aus Satellitenbeobachtungen“

beabsichtigt.

Der Bereich „Mensch und Umwelt“ wird sich der Erforschung des

Globalen Wandels widmen. Dazu finden sich die Arbeitsgruppen Meteorologische

Umweltforschung, Physik der Atmosphäre, Theoretische

Meteorologie und Umweltanalytik zu einem „Institut für Atmosphärische

Wissenschaften“ und die Institute für Kulturgeographie,

Stadt- und Regionalforschung, für Wirtschafts- und Sozialgeographie

sowie für Didaktik der Geographie in einem „Institut für Humangeographie“

zusammen. Gemeinsam mit dem Institut für Physische

Geographie werden diese Bereiche die Rolle des Menschen in seiner

gesellschaftlich und natürlich bedingten Umwelt mit den Methoden

der natur- sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Analyse und Bewertung

erforschen. Eine besondere Ausprägung dieses gemeinsamen

Ansatzes sind die Fortführung der Afrikaforschung durch eine

transdisziplinäre Forschergruppe ebenso wie die Vorbereitung eines

Sonderforschungsbereiches „Die troposphärische Eisphase“ zusammen

mit der Universität Mainz und dem MPI für Chemie/Mainz.

Die Abstimmung zwischen Darmstadt und Frankfurt im Bereich der

Geowissenschaften steht im Kontext der Konzentration der Geowissenschaften

in Südhessen, welche die Einstellung von Geologie/Paläontologie

sowie Mineralogie in Gießen und Marburg ein-

147


schließt. Dabei liegt der Schwerpunkt an der TU Darmstadt im Bereich

der technisch-ingenieurwissenschaftlichen Geowissenschaften,

während an der Universität Frankfurt die allgemeinen Gebiete der

Geoforschung intensiv betrieben werden sollen. Die Angewandten

Geowissenschaften der TU Darmstadt zeichnen sich durch enge Kooperationen

mit den Ingenieurwissenschaften aus. Schwerpunkte

sind Ingenieurgeologie, Hydrogeologie, Umweltgeowissenschaften

und Geomaterialwissenschaft (Angewandte Mineralogie). Konzentration

und Ausbau erfolgen an der Universität Frankfurt, da hier das

hessenweit breiteste Spektrum geowissenschaftlicher Disziplinen bereits

vorhanden ist und mit der Planung des Geologicums eine Perspektive

für ein hessisches Geozentrum vorgezeichnet war.

Auch bei den beiden verbleibenden geowissenschaftlichen Standorten

Darmstadt und Frankfurt wurde nach Angaben des Landes geprüft,

welche Konsequenzen aus einer standortübergreifenden Planung

zu ziehen sind. Die Idee einer vollständigen Konzentration der

Geowissenschaften auf einen Standort wurde dabei verworfen. Dazu

hätte entweder Darmstadt statt der vollzogenen Konzentration auf die

für Ingenieur- und Materialwissenschaften unerlässliche Geologie

und Mineralogie das Spektrum seiner Disziplinen massiv ausweiten

müssen, oder in Frankfurt wären Teilfächer wie Ingenieurgeologie,

Hydrogeologie, Angewandte Mineralogie oder Technische Mineralogie

neu einzurichten gewesen. Da in Frankfurt das ingenieurwissenschaftliche

Umfeld für die Geowissenschaften fehlt, erschien die Fortführung

der ingenieur- und materialwissenschaftlich ausgerichteten

Geologie und Mineralogie in Darmstadt sinnvoll. Im Zuge dieser Entwicklung

wurden in Darmstadt geowissenschaftliche Professuren

aufgegeben bzw. umgewidmet und in den Fachbereich Materialwissenschaften

integriert. Hierdurch ergibt sich zugleich in Darmstadt eine

materialwissenschaftliche Forschungsprofilierung, die so in Frankfurt

nicht vorhanden ist und hier auch nicht angestrebt wird. Die beiden

Universitäten in Frankfurt und Darmstadt haben bereits 1997

„Leitlinien der Kooperation in den Geowissenschaften“ im Sinne von

arbeitsteiliger Zusammenarbeit und Ergänzung formuliert. Auf Basis

dieser Leitlinien werden derzeit Studienangebote gemäß Bologna-

Erklärung neu konzipiert.

Mathematik (FB 12)

Der Fachbereich 12 zeichnet sich durch eine praxisorientierte Kooperation

mit den Fachbereichen Wirtschaftswissenschaften (MathFinance)

und Informatik aus.

In einem interdisziplinären Forschungsinstitut, das von den Fachbereichen

Wirtschaftswissenschaften und Mathematik gegründet und im

wesentlichen aus Drittmitteln aus der Wirtschaft finanziert wird, wer-

148


den mathematische Aspekte von wirtschaftswissenschaftlicher Theoriebildung

erforscht. Nächstes Ziel der Kooperation ist die Entwicklung

einer Spezialisierung in „Computational Finance“ im Rahmen

des Diplomstudienganges Mathematik. Zusammen mit Arbeitsgruppen

der universitären Zoologie und der geowissenschaftlichen Umweltanalytik

sowie dem Institut für Sozialökologische Forschung (I-

SOE/Frankfurt) baut die Frankfurter Stochastik einen Forschungsverbund

„Modellierung von Mensch-Umwelt-Systemen“ aus, der durch

hessenzentrale Innovationsmittel finanziert wird.

Im Institut für Computerorientierte Mathematik werden Algorithmen

zur Mathematischen Informatik entwickelt und analysiert, mit dem Ziel

konkreter Anwendungen in der Kryptographie. Der Fachbereich plant

einen gemeinsamen Studiengang mit dem Fachbereich Informatik.

Eine Reihe freiwerdender Professuren erhält gemäß Strukturplan eine

informatikorientierte Widmung; Zweitmitgliedschaften im Fachbereich

Biologie und Informatik werden über Neubesetzungen angestrebt.

Chemische und Pharmazeutische Wissenschaften (FB 14)

Die Chemie an der Universität Frankfurt kann auf der Basis einer gelungenen

Fachbereichsfusion auf eine enge Verzahnung mit der Biochemie

und Pharmazie sowie eine entsprechende, starke Schwerpunktbildung

verweisen.

Die Magnetische Resonanz (MR-)Spektroskopie ist als exponierte

Methode der Strukturaufklärung mit internationaler Ausstrahlung am

Fachbereich etabliert. Das „Zentrum für biomolekulare magnetische

Resonanz“ verfügt neben der Festkörper-NMR über die weltweit leistungsstärksten

Großgeräte hochauflösender NMR. Die universitäre

NMR-Forschung wird in enger Zusammenarbeit mit der Röntgenstrukturanalyse

des MPI für Biophysik betrieben.

Die Anorganische Chemie hat sich in Kooperation mit dem Fachbereich

Physik in der Festkörperforschung neu ausgerichtet. Auf Basis

von drei zielgerichteten Neuberufungen konnte die DFG-Forschergruppe

„Spin- und Ladungskorrelationen in niedrigdimensionalen

metallorganischen Festkörpern“ etabliert werden.

Die Forschungsaktivitäten im Bereich der Wirkstoffforschung werden

im Zentrum für Arzneimittelforschung, -entwicklung und –sicherheit

(ZAFES) gemeinsam mit dem Fachbereich Medizin zusammengefasst.

Seit Mai 2001 verstärkt der Sonderforschungsbereich „RNA-

Liganden-Wechselwirkungen“ die Struktur. Ferner existiert das Graduiertenkolleg

„Arzneimittel: Entwicklung und Analytik“; ein europäisches

Graduiertenkolleg befindet sich derzeit in Vorbereitung. Am

Schwerpunkt sind 14 Hochschullehrer des Fachbereichs beteiligt.

149


Das Center for Membrane Proteomics baut auf der langjährigen Förderung

der Sonderforschungsbereiche „Struktur und Funktion membranständiger

Proteine“ und „Molekulare Bioenergetik“ und dem Graduiertenkolleg

„Proteinstrukturen, Dynamik und Funktion” auf. Die

bestehenden Aktivitäten aus den Fachbereichen Physik, Chemische

und Pharmazeutische Wissenschaften, Biologie und Informatik und

Medizin mit denen an den Max-Planck-Instituten für Biophysik und

Hirnforschung wurden zum neuen Sonderforschungsbereich „Structural

Membrane Proteomics“ zusammengefasst.

Informatik (FB 15)

Innerhalb der letzten zwei Dekaden ist es in Frankfurt gelungen, an

einer vor allem natur- und geisteswissenschaftlich ausgerichteten U-

niversität eine entsprechende Kerninformatik aufzubauen. Belege

dieser konsequent standortspezifischen Profilierung sind die gemeinsame

Besetzung einer Professur für Graphische Datenverarbeitung

mit dem Fraunhofer- Anwendungszentrum für Computergraphik in

Chemie und Pharmazie, die Kooperation mit der Wirtschaftsinformatik

sowie die Weiterentwicklung des neu eingerichteten Diplom-

Studienganges „Bioinformatik“, dessen Fächerspektrum – bundesweit

– einmalig in einem gemeinsamen Fachbereich Biologie-Informatik

vertreten ist.

II.4.b) Zukünftige Schwerpunktsetzungen

Auf Grundlage der hessenweiten Innovationsplanungen, wie sie insbesondere

in den Zielvereinbarungen des Jahres 2002 dargelegt

sind, plant die Universität Frankfurt kurz- und mittelfristig den Ausbau

der nachfolgend aufgelisteten Arbeitsbereiche zu international operierenden

Schwerpunkten:

- Finance

Im Verbund von VWL, BWL und Rechtswissenschaft ist in enger

Zusammenarbeit mit der Finanzwirtschaft ein Ausbildungs- und

Forschungsschwerpunkt entwickelt worden, der die vorhandenen

Kompetenzen bündelt und über ergänzende Berufungen gezielt

weiter ausgebaut und in einem „House of Finance“ organisatorisch

und räumlich zusammengeführt werden soll. Die universitäre

Forschung wird durch eine Reihe von Stiftungsprofessuren

sowie das Center for Financial Studies, das Institute for Law and

Finance sowie das Frankfurt MathFinance Institute unterstützt,

die ebenfalls in den Raumverbund integriert werden. Bei den assoziierten

Einrichtungen handelt es sich um An-Institute, die dem

bestimmenden Einfluss der Universität unterliegen und Hochschulzwecken

dienen. Land und Universität sind sich einig, den

150


Bereich Finance zu einem großen Schwerpunkt auf internationalem

Niveau zu entwickeln und auszubauen.

- Geozentrum

In Umsetzung des hessischen Geokonzepts übernimmt die Universität

Frankfurt die Funktion des hessischen Geozentrums, indem

dieses ein breites geowissenschaftliches Fächerspektrum

(Geologie/Paläontologie, Mineralogie, Geophysik, Meteorologie

und Physische Geographie incl. Hydrologie und Bodenkunde)

anbietet. Mit dem vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft

und Kunst (HMWK) geförderten Konzentrationsprozess ist die

Entwicklung neuer Professuren (Modellierung von Geoprozessen,

Isotopengeochemie/Geochronologie, Biomineralisation), die

Zusammenführung der Institute in neue, größere Betriebseinheiten,

die Integration des universitären Zentrums für Umweltforschung

(ZUF) in das Geozentrum und die Erweiterung und Modernisierung

des Studienangebots in den teilweise gering ausgelasteten

Disziplinen verbunden. Das Geozentrum wird aus Sicht

der Hochschule für die Fortentwicklung folgender Kernthemen eine

federführende Funktion übernehmen:

• Global Change, Ökosystemforschung mit dem Schwerpunkt

Umweltanalytik und Wasserhaushalt,

• Meteorologie mit dem Schwerpunkt „Eisbildung in der Atmosphäre”

(neue SFB-Initiative mit den Universitäten Mainz und

Darmstadt sowie dem MPI für Chemie/Mainz),

• Einrichtung eines Zentrums für Mikroanalytik in Kooperation

mit der physikalisch-chemischen Festkörperforschung (DFG-

Forschergruppe), der Archäologie (Graduiertenkolleg: Archäologische

Analytik) und der interdisziplinären Afrikaforschung

(Neuausrichtung der Afrikaforschung nach Auslaufen

des SFB 268: Westafrikanische Savanne Ende 2002).

- Membrane Proteomics

Der Campus Riedberg und der Campus Niederrad haben über

Neuberufungen und abgestimmte Großgerätebeschaffungen ein

breites Methodenspektrum zur Aufklärung der Struktur und Funktion

von Biomolekülen etabliert. Zusammen mit den Max-Planck-

Instituten für Biophysik und Hirnforschung besteht eine nach Einschätzung

der Hochschule einzigartige Expertise zur Erforschung

membranständiger Proteine, die im kürzlich gegründeten Center

for Membrane Proteomics gebündelt wird. Auszubauen ist die für

gemeinsame Vorhaben erforderliche Massenspektroskopie und

Elektronenmikroskopie. Für die höchstauflösende NMR-Spektroskopie,

Festkörper-NMR-Spektroskopie und EPR-Spektroskopie

151


soll durch ein eigenständiges Organisations- und Finanzstatut sichergestellt

werden, auch künftig über die weltweit leistungsfähigsten

Spektroskope verfügen zu können.

- Molekulare Wirkstoff-Forschung

In enger Verbindung mit der Grundlagenforschung auf dem Gebiet

des Membranproteoms steht das Kooperationsvorhaben von

Chemie, Pharmazie, Pharmakologie und Medizin zur anwendungsorientierten

Wirkstoff-Forschung, die durch das neugegründete

Zentrum für Arzneimittelforschung, -entwicklung und

sicherheit (ZAFES) intensiviert wird. ZAFES wird zusammen mit

dem Frankfurter Innovationszentrum für Biotechnologie (FIZ) und

dem Rhein-Main-Studienzentrum (regionaler Klinikverbund zur

Durchführung klinischer Studien) einen Verbund der Arzneimittelforschung

bilden, der die bundesdeutsche Konkurrenzfähigkeit

auf diesem Gebiet stärkt.

- Molekulare Biodiversitätsforschung

Mit der ökologisch ausgerichteten Biologie, den Geowissenschaften,

Teilen der Mathematik (Stochastik) bildet die Universität

Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Senckenbergischen Naturforschenden

Gesellschaft (SNG) eine Infrastruktur zur Biodiversitätsforschung,

deren Hauptpfeiler die taxonomische Expertise der

SNG und die molekularbiologische Ausrichtung der universitären

Biologie sind.

- Center for Scientific Computing (CSC)

Alle vorgenannten naturwissenschaftlichen Schwerpunkte führen

zur Entwicklung neuer, angewandter, DV-gestützter Teildisziplinen,

welche die Universität Frankfurt durch neue Studienangebote

(Bioinformatik, Chemieinformatik, Physik der Informationswissenschaften,

Geosimulation, Computational Physics, Computerorientierte

diskrete Mathematik) abdeckt. Eine Vielzahl unterschiedlicher

Fragestellungen kann dabei mit einer gemeinsamen

Rechnerarchitektur bearbeitet werden. Im Rahmen des hessischen

Hochleistungsrechner-Konzepts wird im Ende 2002 gegründeten

CSC bis 2005 ein Linux-Cluster mit 800-1000 Knoten

eingerichtet. Der entsprechende Großgeräteantrag im Rahmen

des HBFG wurde kürzlich genehmigt.

Drei weitere Schwerpunktinitiativen sind zu nennen, die im Falle ihrer

erfolgreichen Umsetzung nach Einschätzung der Hochschule die beteiligten

Disziplinen umfassend fördern und verändern werden:

- Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS)

Rechtlich selbständig, jedoch in direkter Kooperation mit der Universität

(gemeinsam getragene Graduate School) soll ein inter-

152


disziplinäres Institut für Advanced Studies entstehen, das eine

Verbindung theoretisch orientierter Grundlagenforschung in Physik,

Neurowissenschaften, Biologie und Informatik anstrebt. Bereits

bestehende Förderzusagen erlauben die Institutsgründung

im Laufe des Jahres 2003.

- Ostasienzentrum

Die Ostasien-Philologien werden durch erfolgte Neubesetzungen

in der Sinologie (C4-Professur und Juniorprofessur) sowie anstehende

Besetzungen umgewidmeter Professuren für die Kultur

Ostasiens (neue C4-Professur im Besetzungsverfahren) sowie

einer Ergänzungsprofessur (z. Z. C3-Professur für Südostasienwissenschaften,

frei ab 2007) modernisiert und interdisziplinär

ausgerichtet. Diese im FB 9 Sprach- und Kulturwissenschaften

etablierten Professuren sollen den Nukleus für ein Ostasienzentrum

bilden, an dem die Rechtswissenschaft, Wirtschaftwissenschaften,

Politikwissenschaft, Ethnologie und Geographie beteiligt

sein werden.

- Zentrum für Lehrerbildung und empirische Bildungsforschung

Der Hochschulentwicklungsplan 2001 weist die Reorganisation

der Lehrerbildung als universitäre Querschnittsaufgabe aus; diese

ist bislang noch nicht befriedigend umgesetzt. Leitlinien der

angestrebten Reform sind die Bemühungen um eine bessere

Strukturierung der Lehramtsstudiengänge (L1, L2, L3, L5) auf u-

niversitärem Niveau sowie die Anbindung der nationalen Lehrund

Lernforschung an internationale Standards empirischer Bildungsforschung.

Die Kooperation mit dem DIPF und die Einrichtung

eines Zentrums für Lehrerbildung gemäß §55 HHG – in

Franfurt verbunden mit einem klaren Forschungsauftrag für dieses

Zentrum – bieten die Chance zur Neustrukturierung eines

Bereichs, der zumindest von Seiten der Studierendennachfrage

(5.300 Lehramtsstudierende im WS 2002/03 bei 40.000 Studierenden

insgesamt) und dem Lehrerbedarf in Südhessen eine

wichtige Ausbildungskomponente der Universität Frankfurt darstellt.

II.4.c) Drittmittelforschung

Die Summe der jährlich eingeworbenen Drittmittel der Universität insgesamt

hat sich im Zeitraum von 1999 (44,6 Mio. Euro) bis 2002

(62,9 Mio. Euro) kontinuierlich erhöht. Die Einzelheiten hierzu sowie

die Entwicklung des Gesamtetats der Hochschule sind der folgenden

Übersicht 8 zu entnehmen.

153


Übersicht 8:

Bezugs-

jahr

Eingeworbene

Drittmittel [Mio €]

Gesamtetat Hochschule

[Mio €]

% vom Gesamthaushalt

1999 44.574.674 € 242.809.344 € 18,4 %

2000 1) 48.074.925 € 245.212.416 € 19,6 %

2001 2) 52.454.684 € 255.379.506 € 20,5 %

2002 3) 62.874.313 € 261.531.200 € 24,0 %

Die Universität Frankfurt weist sechs Sonderforschungsbereiche, drei

DFG-Schwerpunktprogramme, eine Forschergruppe und elf Graduiertenkollegs

auf, die im Folgenden aufgelistet werden:

Sonderforschungsbereiche

1) SFB 269: Molekulare und zelluläre Grundlagen neuronaler Organisation

(FB 15)

2) SFB 435: Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel

(FB 1, 2, 3)

3) SFB 472: Molekulare Bioenergetik (FB 14 und 15)

4) SFB 553: Stickstoffmonoxid (NO): Generator- und Effektorsysteme

(FB 14)

5) SFB 579: RNA-Liganden-Wechselwirkungen (FB 14)

6) SFB 628: Functional Membrane Proteomics (FB 14 und 15)

DFG-Schwerpunktprogramme

1) DFG-Schwerpunkt 195: Effiziente Gestaltung von Finanzmärkten

und Finanzinstitutionen (bis 2000)

(FB 02)

2) DFG-Schwerpunkt 545: Wandel der Geo-Biosphäre während

der letzten 15.000 Jahre (FB 11)

3) DFG-Schwerpunkt 1112: Genregulation und Genomorganisation

in Archaea (FB 15)

Forschergruppen

FG 412: Spin- und Ladungskorrelationen in niedrigdimensionalen

metallorganischen Festkörpern (FB 14)

154


Graduiertenkollegs

1) Europäische mittelalterliche Rechtsgeschichte, neuzeitliche

Rechtsgeschichte und juristische Zeitgeschichte (FB 01)

2) Finanzwirtschaft und Monetäre Ökonomie (FB 02)

3) Öffentlichkeiten und Geschlechterverhältnisse. Dimensionen von

Erfahrung (Cornelia Goethe Centrum, FB 01, 03, 04)

4) Archäologische Analytik (FB 08, 09, 11)

5) Psychische Energien bildender Kunst (FB 05, 09, 10)

6) Satzarten Variation und Interpretation (FB 09, 10)

7) Zeiterfahrung und ästhetische Wahrnehmung (FB 08, 09, 10)

8) Arzneimittelentwicklung am Beispiel neural angreifender Pharmaka

(FB 14)

9) Roles of eicosanoids in biology and medicine (FB 14, 15)

10) Proteinstruktur, Dynamik und Funktion (FB 14, 15)

11) Neuronale Plastizität: Moleküle, Strukturen, Funktionen

(FB 15,16)

Als weitere erfolgreiche Einwerbung von Drittmitteln sind auch insgesamt

zwanzig Stiftungsprofessuren, Stiftungsgastprofessuren, eine

Stiftungsdozentur und Stiftungsgastdozenturen zu betrachten.

II.4.d) Promotionen und Habilitationen

Im Zeitraum von 1997 bis 2002 schwankt die Gesamtzahl der Promotionen

an der Universität Frankfurt zwischen 510 (2002) und 745

(1998). Die meisten Promotionsverfahren wurden in diesem Zeitraum

erfolgreich abgeschlossen in der Medizin – in diesem Fachbereich

sinkt die Anzahl der Promotionen fast kontinuierlich von 336 in 1997

auf 193 in 2002 (Ausnahme 1998: 349) –, in den Chemischen und

Pharmazeutischen Wissenschaften – zwischen 73 (1997 und 2002)

und 107 (2001) – und in der Rechtswissenschaft – zwischen 48

(2000) und 55 (2001).

Die Gesamtzahl der Habilitationen ist in den ersten drei Jahren des

Berichtszeitraums in etwa konstant (1997 und 1999: 44; 1998: 45)

und steigt dann kontinuierlich an (2000: 57; 2001: 60; 2002: 66). Wie

bei den Promotionen wurden mit großem Abstand die meisten Habilitationen

in der Medizin ausgesprochen (insgesamt 118). Ansonsten

ergibt sich ein unterschiedliches Bild für die verschiedenen Kalenderjahre.

Betrachtet man die gesamte Zeitspanne, folgen die Physik an

155


zweiter (24), die Gesellschaftswissenschaften an dritter Stelle (22),

dicht gefolgt von den Sprach- und Kulturwissenschaften (21).

II.4.e) Hochschul- bzw. fachbereichsinterne Maßnahmen zur

Forschungsförderung

Nach Auskunft des Landes und der Hochschule geht die Standorterneuerung

der Universität Frankfurt einher mit einem umfassenden

Programm zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Hochschule.

Dieses Programm beruht im Wesentlichen auf einer in Zusammenarbeit

mit einer Unternehmensberatung durchgeführten Stärken- und

Schwächenanalyse vom November 2000, die insbesondere in den

Drittmitteleinwerbungen, der Internationalisierung und der öffentlichen

Reputation der Universität Frankfurt neue Initiativen forderte. Auf gesamtuniversitärer

Ebene wurden hierzu folgende Maßnahmen ergriffen:

- Identifikation etablierter und im Aufbau befindlicher gesamtuniversitärer

Forschungsschwerpunkte und deren Ausbau zu internationaler

Leistungsstärke;

- Ausarbeitung von Zielvereinbarungen zwischen Präsidium und

Fachbereichen, in denen im Anschluss an den Hochschulentwicklungsplan

2001 die Innovationsstrategien der Fachbereiche

dargestellt und hierauf bezogene Anfinanzierungsvereinbarungen

getroffen werden (Pilotabschluss Physik im Mai 2002; FB 6 – 10

im WS 2002/03; alle anderen ab Frühjahr 2003);

- Einstieg in eine erweiterte leistungsbezogene Fachbereichs-

Finanzierung ab dem Haushaltsjahr 2003 auf Basis der in 2003

vollständig parametergesteuerten Hochschulfinanzierung des

Landes Hessen. Inneruniversitär sollen zunächst 10% der Fachbereichszuweisungen

nach bereits definierten Leistungskriterien

erfolgen. Diese sind die Lehrbelastung (Vollstudentenäquivalente

in der Regelstudienzeit), Absolventenzahlen, Promotionen, Habilitationen,

Drittmitteleinwerbungen sowie Geschlechterförderung.

Der leistungsbezogene Finanzierungsanteil wird in den Jahren ab

2004 ausgeweitet;

- Einrichtung eines International Office zur Bündelung und Stärkung

der international ausgerichteten Hochschulaktivitäten;

- Ausbau der universitätszentralen Serviceleistungen in der Forschungsförderung

(verstärktes Forschungsreferat, neues Referat

für Nachwuchsförderung);

- Implementierung von Maßnahmen des Qualitätsmanagements

(neues Referat für Qualitätsmanagement) und Aufbau eines

Controlling-Systems auf Basis einer für die Fachbereiche 6 – 10

156


durchgeführten Studie eines Beratungsunternehmens („Neue

Strukturen schaffen und verankern“) innerhalb des Jahres 2003;

- Ausarbeitung und Beschluss eines umfassenden Konzepts der

Nachwuchsförderung durch den Senat, auf dessen Basis u. a.

Juniorprofessuren besetzt wurden bzw. werden;

- Flexibilisierung der Zuweisungen bzw. Abzüge von Verfügungsflächen

für Drittmittelprojekte. Das hierzu erforderliche DVgestützte

Raummanagement wird derzeit aufgebaut.

II.5. Kooperation zwischen Geistes- und Naturwissenschaften

an der Universität

Nach Einschätzung des Landes unterscheidet sich die Afrikaforschung

der Universität Frankfurt von vergleichbaren Schwerpunktbildungen

anderer deutscher Universitäten durch eine sehr ausgeprägte

Verbindung von Sozial-, Sprach- und Kultur- sowie Naturwissenschaften.

Diese enge Kooperation habe sowohl den ausgelaufenen

Sonderforschungsbereich 268: Westafrikanische Savanne als auch

die neu eingerichtete DFG-Forschergruppe 510/1: Ökologischer

Wandel und kulturelle Umbrüche in West- und Zentralafrika ausgezeichnet.

Solche transdisziplinären Aktivitäten werden im Zentrum für

Interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) institutionalisiert. Der Senat

der Universität hat die Einrichtung des ZIAF im November 2003 beschlossen;

das Präsidium finanziert den Aufbau des Zentrums.

Die Frankfurter Archäologie arbeitet bei der Oberflächen-Prospektion

und der Materialanalyse (u. a. Alters- und Herkunftsbestimmung) mit

den Geowissenschaften und der Physischen Geographie zusammen.

In der abgeschlossenen Zielvereinbarung mit den Archäologen, die

sich zu einem Institut zusammenschließen, ist die Einrichtung eines

universitären Zentrums Archäologie und Naturwissenschaften vereinbart.

Die interdisziplinäre Archäologie – ein im Hochschulentwicklungsplan

identifizierter Schwerpunkt – wird durch Mittel aus dem u-

niversitären Innovationsfond gefördert.

Im Rahmen des Forschungskollegs 435: Wissenskultur und gesellschaftlicher

Wandel ist die von der DFG geforderte Professur für

Wissenschaftsgeschichte besetzt worden. Damit kann aus Sicht des

Landes das Forschungskolleg zu einem Kristallisationskern einer

Verbindung von Geschichts- und Naturwissenschaften werden. Mittelfristig

soll das Institut für Geschichte der Naturwissenschaften (zurzeit

Fachbereich Physik) in diese neue Struktur überführt werden.

Dies ist in der Zielvereinbarung mit dem Fachbereich Physik festgeschrieben.

Die genannte Professur wurde aus Zentralmitteln der Universität

eingerichtet.

157


Die Verbindungen von Geistes- und Naturwissenschaften sind forschungsbasiert.

In der Archäologie ist mit dem Nebenfach Archäometrie

auch in der Lehre eine Verbindung institutionalisiert. Derzeit

bestehen nach Auskunft des Landes Planungen, wirtschaftswissenschaftliche

Module in die naturwissenschaftlichen Studiengänge

zu integrieren.

II.6. Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen

Die hessischen Universitäten haben sich durch den Hochschulpakt

zur Abstimmung ihrer Entwicklungsplanungen verpflichtet. Ausgehend

von den Ergebnissen einer hessenweiten Bestandserhebung

zum Angebot an Studiengängen und den Forschungsschwerpunkten

wurde eine hochschulübergreifende Arbeitsgruppe mit dem Ziel eingerichtet,

Mehrfachangebote, Überschneidungen und Lücken im

Leistungsspektrum qualitativ zu bewerten sowie Handlungsvorschläge

zu Arbeitsteilung, Abstimmung, Arrondierung und insbesondere

auch der profilbildenden Gestaltung der regionalen und lokalen Lehrund

Forschungsangebote zu unterbreiten. In diesem Zusammenhang

richtet sich die Aufmerksamkeit zunächst auf die kleinen Fächer, deren

Konsolidierung und Vernetzung nach Auskunft der Hochschule

mit höchster Priorität betrieben werden soll.

Die Universität Frankfurt unterhält vielfältige Kooperationsbeziehungen

zu anderen Hochschulen in Hessen sowohl auf den Gebieten

Forschung und Lehre als auch in den Bereichen Management und

Infrastruktur. Diese Kooperationsbeziehungen sind im Folgenden

aufgelistet:

Kooperationen in Forschung und Lehre

- Geozentrum Hessen: Konzentration der naturwissenschaftlich

ausgerichteten Geowissenschaften Hessens in Frankfurt und der

ingenieurwissenschaftlich ausgerichteten Geowissenschaften in

Darmstadt;

- Theaterakademie: wissenschaftlich fundierte und praxisnahe berufsqualifizierende

Ausbildung für Bühnenberufe gemeinsam mit

der Hochschule für Musik und darstellende Künste, Frankfurt, der

Universität Gießen und der Hochschule für Gestaltung, Offenbach;

- Evangelische Theologie: Erhalt des Vollstudienganges Evangelische

Theologie und eines differenzierten Angebots im Lehramtsstudium

durch Kooptierung von Gießener Professuren; Erbringung

von Lehrleistungen für die TU Darmstadt;

158


- Katholische Theologie: Erbringung von Lehrleistungen für die TU

Darmstadt; geplante Kooperation mit Gießen;

- Musikwissenschaftliche und Musikpraktische Ausbildung: seit

1994 Verlagerung der gesamten musikpraktischen Anteile der u-

niversitären musikpädagogischen Studiengänge an die Hochschule

für Musik und Bildenden Kunst gemäß Kooperationsvertrag;

- Altorientalistik: gemeinsames Lehrangebot mit der Universität

Marburg;

- Geschlechterforschung: gemeinsames Graduiertenkolleg mit der

Universität Kassel;

- Vor- und Frühgeschichte: Möglichkeit eines gleichzeitigen Studiums

an den Universitäten Frankfurt und Mainz; gegenseitige

Erbringung von Lehrleistungen; gemeinsame Berufungsverfahren;

- e-finance lab: gemeinsame Initiative und Zusammenarbeit mit der

TU Darmstadt sowie namhafter Unternehmen zur Industrialisierung

des Finanzdienstleistungswesens.

Kooperationen in Management und Infrastruktur

- HEBIS: Bibliotheksverbund der hessischen und Rheinhessischen

Universitäts-, Landes- und Spezialbibliotheken; integriertes Katalog-

und Ausleihsystem; Konsortialverträge zum Bezug elektronischer

Zeitschriften;

- Bereitstellung der lokalen HEBIS-Komponenten für die Fachhochschule

Frankfurt und die Theologisch-Philosophische Hochschule

St. Georgen durch die Universität Frankfurt;

- Übernahme von Beständen der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek

Darmstadt (Zentralbibliothek der TU Darmstadt)

als erstes Teilprojekt der Speicherbibliothek Hessen;

- Südhessen-Wissenschaftsnetz: gemeinsame Datenverbindungen

und zusammengefasste Übergangspunkte in das Internet; beteiligt:

TU Darmstadt, FH Darmstadt, FH Wiesbaden, FH Frankfurt;

- Datensicherung auf Gegenseitigkeit mit der TU Darmstadt;

- Hessischer Hochleistungsrechnerverbund: Internetbasierte Verbindung

der Hochleistungsrechner der hessischen Universitäten;

- Multimediakooperation der hessischen Hochschulen;

- Hochschulregion: Entwicklung eines integrierten und flexiblen Informationsangebots

zur Studienwahl für die Oberstufenschüler

159


der Rhein-Main-Region; beteiligt: FH Frankfurt, FH Wiesbaden,

HfG Offenbach;

- Weiterbildungsverbund der hessischen Hochschulen: Entwicklung

gemeinsamer Qualitätskriterien für Weiterbildung; gemeinsame

Präsentation in einer Datenbank;

- das TTN-Hessen (TechnologieTransferNetzwerk-Hessen) fördert

die Vermittlung von Wissen und technologischem Know-how zwischen

wissenschaftlichen Einrichtungen und insbesondere kleinen

und mittleren Unternehmen aus Industrie und Handwerk;

- Route A 66: koordinierte Existenzgründungsförderung mit den

Fachhochschulen Frankfurt und Wiesbaden sowie der Hochschule

für Gestaltung in Offenbach;

- ENWISS: Evaluationsverbund der Hochschulen Hessens, Thüringens

und des Saarlandes.

Die Universität hebt als wichtigen Partner für die Abstimmung der

Entwicklungsplanungen im Rhein-Main-Regionalraum die Universität

Mainz hervor. Die Kooperation mit der Universität Mainz umfasst Forschung,

Lehre und Weiterbildung. In einer Rahmenvereinbarung, die

zu Beginn des Jahres 2004 unterschrieben wurde, wird u. a. geregelt:

- die inhaltliche und zeitliche Abstimmung der Lehrangebote und

die wechselseitige Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen.

Dies gilt auch für weiterbildende Angebote.

- die Abstimmung mit und die Einbeziehung von Lehrenden der

jeweils anderen Hochschule bei der Konzeption von Forschungsschwerpunkten

sowie ggf. die gemeinsame Nutzung von Ressourcen

für Forschungszwecke.

- die wechselseitige Information und ggf. Abstimmung in der Strukturplanung

und der Schwerpunktbildung.

- die gegenseitige Information und den Erfahrungsaustausch der

zentralen Verwaltungen.

- die wechselseitige Nutzung von Ressourcen, z.B. Bibliotheken.

Auf der Basis der Rahmenvereinbarung können universitäre Einrichtungen

(Fachbereiche, Institute, Zentren) ergänzende Kooperationsvereinbarungen

abschließen. Erste Gespräche zwischen einzelnen

Bereichen werden derzeit geführt (Geowissenschaften und Geographie,

Ostasienwissenschaften, Sportwissenschaften). Zwischen den

Fächern Vor- und Frühgeschichte besteht bereits eine Kooperation.

Nach Auskunft der Universität ist der Ausbau von Kooperationen mit

außeruniversitären Forschungseinrichtungen der Region in den ver-

160


gangenen Jahren forciert worden und wird auf Grundlage des Hochschulentwicklungsplans

2001 fortgesetzt. Im Einzelnen handelt es

sich dabei um folgende Kooperationsbeziehungen:

Vorhaben „Weiterer Ausbau des Campus Riedberg, Niederursel“

- Geowissenschaften: MPI für Chemie/Mainz, Institut für Sozialökonomische

Forschung (ISOE)/ Frankfurt,

- Mathematik: Frankfurt MathFinance Institute in Kooperation

mit der Finanzwirtschaft,

- Chemie: Beilstein-Institut, Dechema, div. Industriekooperationen,

- Informatik: Fraunhofer Institut für Graph. DV/ Darmstadt.

Vorhaben „Weiterer Ausbau des Campus Westend“

- Rechtswissenschaft: MPI für Europäische Rechtsgeschichte/Frankfurt,

Center for Financial Studies,

HSFK,

- Wirtschaftswissenschaften:

- Gesellschaftswissenschaften:

- Erziehungswissenschaften:

Center for Financial Studies, E-Finance

Lab,

HSFK, Sigmund-Freud-Institut, Institut für

Sozialforschung,

DIPF,

- Psychologie: Sigmund-Freud-Institut (keine formelle Kooperation),

MPI für Hirnforschung, DIPF,

- Kunstgeschichte/

-pädagogik:

- Musikwissenschaft/

-pädagogik:

Städelsches Kunstinstitut, Schirn,

Hochschule für Musik und darstellende

Gestaltung, Frankfurt,

- Afrikanistik: Frobenius-Institut/Frankfurt.

161


II.7. Räumliche Situation der von den beiden Vorhaben betroffenen

Fachbereiche und geplanter Ausbau

II.7.a) Gegenwärtige Unterbringung

Der Fachbereich Rechtswissenschaft ist im Kerngebiet in Bockenheim

in einem Institutsgebäude mit dazugehörigem Bibliothekstrakt

auf knapp 8.000 m² HNF zusammengefasst untergebracht. Ausgelagert

sind lediglich Aktivitäten im Bereich der Graduiertenkollegs.

Sämtliche Optimierungspotentiale für eine bestmögliche Nutzung der

Bestandsflächen wurden nach Auskunft des Landes ausgeschöpft,

bauliche Erweiterungen ließen sich wirtschaftlich nicht vertreten. Die

begrenzten Bibliotheksflächen verhindern eine Aufstellung sämtlicher

bibliothekarischer Materialien in einer Raumeinheit bzw. einem Flächenkontinuum.

Der Bauzustand der Gesamtanlage wird vom Land

als befriedigend bezeichnet.

Der überwiegende Teil des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften,

mit etwa 85 % des zugeordneten Raumbestands von 11.500 m²

HNF, ist in einem Gründungsgebäude der Universität, nämlich dem

„Jügelhaus“, im Zentrum des Bockenheimer Campus angesiedelt. Die

restlichen Fachbereichsaktivitäten sind auf acht weitere Teilstandorte

im engeren Kerngebiet und in den benachbarten Stadtquartieren verteilt.

Bei drei dieser Liegenschaften handelt es sich um Mietobjekte.

Eine räumliche Zusammenführung sämtlicher wirtschaftswissenschaftlicher

Einrichtungen im „Jügelhaus“ scheitert an der mangelnden

Flächenverfügbarkeit. Der Bauzustand des Hauptsitzes wird vom

Land als befriedigend bis ausreichend eingeschätzt. Wesentliche

Verbesserungen durch Änderungen der Grundrissorganisation lässt

der Denkmalschutz nicht zu. Auch in diesem Gebäude verhindern die

eingeschränkten Erweiterungsmöglichkeiten die lokale Bündelung

sämtlicher bibliothekarischer Bestände.

Der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften ist mit seinen Einrichtungen

überwiegend im AfE-Hochhaus und mit einer kleineren

Dependance im direkt benachbarten Turmrandgebäude auf insgesamt

etwa 3.700 m² HNF untergebracht. Das Anfang der sechziger

Jahre in Betrieb genommene 38stöckige Hochhaus befindet sich in

einem schlechten baulichen und insbesondere sicherheitstechnischen

Zustand. Derzeit wird ein mit der Branddirektion abgestimmtes

notwendiges Maßnahmenbündel zur Verbesserung der Personensicherheit

und der Risikovorsorge verwirklicht. Die eingeleiteten Maßnahmen

gehen von einer verbleibenden Restnutzungsdauer des

Hochhauses von längstens noch vier Jahren aus. Für diese verbleibende

Laufzeit wird der Gebäudebetrieb auf die beim Erstbezug realisierte

Belegung und Nutzungsdichte zurückgeführt. Eine Weiternutzung

nach Fristablauf setzt eine umfassende Grundsanierung und Er-

162


tüchtigung des Hochhauses voraus. Die Höhe der vorliegenden

Schätzkosten lässt nach Auskunft des Landes keine Lösung erwarten,

die den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit genügt.

Aufgrund der beschriebenen Situation stellt das Gebäude keine

Perspektive für die langfristige Unterbringung von Hochschuleinrichtungen

dar.

Der Fachbereich Erziehungswissenschaften, mit einer gesamten

Bestandsfläche von knapp 3.500 m² HNF, ist ebenfalls im AfE-Turm

und dem Nachbargebäude angesiedelt. Daher gelten die Ausführungen

zum Fachbereich Gesellschaftswissenschaften gleichlautend.

Die Psychologie als Teil des Fachbereichs Psychologie und Sportwissenschaften

gliedert sich in drei Organisationseinheiten, nämlich

in die Institute für Psychologie, für Pädagogische Psychologie und für

Psychoanalyse. Die Verfügungsfläche beträgt insgesamt etwas mehr

als 3.100 m² HNF und verteilt sich auf insgesamt fünf Liegenschaften,

wovon zwei außerhalb des Kerngebiets im benachbarten Stadtteil

Westend liegen. Eine Dependance ist angemietet. Die zersplitterte

Unterbringung sowie die beengten Verhältnisse ohne Erweiterungsaussicht

führen zu deutlichen Einschränkungen im Betriebsablauf

und zu Erschwernissen bei der Erfüllung der Aufgaben in Forschung

und Lehre.

Die in der ersten Verlagerungstranche noch nicht auf den neuen

Campus Westend umgesiedelten Disziplinen und Einrichtungen des

Fachbereichs Sprach- und Kulturwissenschaften umfassen ein

breites Fächerspektrum, angefangen von den Kunsthistorikern und

Kunstpädagogen, den Musikwissenschaftlern und Musikpädagogen

über das Ostasienzentrum, die Vergleichende Sprachwissenschaft,

die Phonetik und Slavische Philologie bis hin zu den Afrikanischen

Sprachwissenschaften, der Orientalistik, der Turkologie und der Judaistik.

Für die Aktivitäten dieser Fächer stehen insgesamt knapp

8.000 m² HNF in zwölf z. T. weit auseinander liegenden und im Stadtgebiet

verteilten Liegenschaften zur Verfügung – darunter auch eine

Großanmietung mit über 1.200 m² Nutzfläche. Die Entwicklungsmöglichkeiten

der Fächer sowie insbesondere das interdisziplinäre Zusammenwirken

und die Öffnung zu den Nachbardisziplinen werden

durch die lokale Zersplitterung, den wenig befriedigenden baulichen

Zustand sowie die fehlenden Erweiterungs- und Arrondierungsperspektiven

an den derzeitigen Standorten deutlich beeinträchtigt.

Die ebenfalls für eine Umsiedlung auf den Campus Westend vorgesehenen

geographischen Einrichtungen, nämlich das Institut für

Kulturgeographie, Stadt- und Regionalforschung, das Institut für Wirtschafts-

und Sozialgeographie und das Institut für Didaktik der Geographie,

sind derzeit am westlichen Rand des universitären Kernge-

163


iets in drei landes- bzw. universitätseigenen Liegenschaften auf etwa

2.200 m² HNF untergebracht. Mit Ausnahme der räumlichen

Trennung wird die Situation als befriedigend angesehen.

Der Fachbereich Mathematik nutzt im Kerngebiet in Bockenheim

insgesamt vier im südlichen Teil des Campusgeländes gelegene landeseigene

Gebäudetrakte. Die Bestandsfläche umfasst etwa 3.350

m² HNF. Die geringen Entfernungen lassen aus Sicht des Landes eine

fußläufige Erschließung aller Fachbereichseinrichtungen in vertretbarem

Maße zu. Die genutzten Gebäude und Gebäudeteile befinden

sich in einem befriedigenden baulichen Zustand.

Die Chemie ist weitestgehend konzentriert und zusammenhängend

auf dem naturwissenschaftlichen Campus Riedberg untergebracht.

Darüber hinaus betreiben die Chemiker eine dienstleistende Dependance

im Bereich des Klinikums. Außerdem wird eine zusätzliche

Praktikumseinheit im Kerngebiet in Bockenheim unterhalten. Die gesamte

Verfügungsfläche beträgt ca. 14.450 m² HNF. Im Rahmen einer

gutachterlichen Stellungnahme zum Zustand der baulichen Gesamtanlage

hat die HIS GmbH nachdrücklich auf die bestehenden

qualitativen Defizite am Hauptstandort hingewiesen und eine Grundsanierung

als notwendige Voraussetzung für die mittelfristige Weiternutzung

angemahnt.

Der Fachbereich Informatik ist bis auf eine kleine Dependance zusammenhängend

und geschlossen in unmittelbarer Nachbarschaft

zur Mathematik und Physik im Bockenheimer Kerngebiet auf 2.200

m² angesiedelt. Die Gebäudeanlage bietet keine Erweiterungsmöglichkeiten.

Der bauliche Gesamtzustand kann als zufrieden stellend

bezeichnet werden.

II.7.b) Ausbauplanung

Nach Abschluss bereits begonnener Vorhaben (Stand: 32. Rahmenplan)

verfügt die Universität Frankfurt, differenziert nach Fächergruppen,

über folgenden Bestand an flächenbezogenen Studienplätzen.

Die Bestandsangaben werden durch die ausbau-bezogenen Zielzahlen,

ebenfalls nach Fächergruppen gegliedert, ergänzt.

164


Übersicht 9:

flächenbezogene Studienplätze

Fächergruppe Ist-Stand Ausbauziel

Sprach- und Kulturwissenschaften 7.882 7.800

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

4.372 4.500

Mathematik, Naturwissenschaften 4.460 4.299

Sport 481 500

17.195 17.000

Einen Überblick über den Anteil der Studierenden in der Regelstudienzeit

an allen Studierenden in den von den Vorhaben Nrn. 136

und 134 betroffenen Fachbereichen verschafft Übersicht 10:

Übersicht 10:

Fächer / Fachbereiche / Studiengänge

Anteil der Studierenden

in der

Regelstudienzeit

an allen Studierenden

im Dezember

2003

Anteil der Studierenden

in der

Regelstudienzeit

an allen Studierenden

im SS

2004

Rechtswissenschaft 63 % 74 %

Wirtschaftswissenschaften 70 % 85 %

Gesellschaftswissenschaften 71 % 75 %

Erziehungswissenschaften 75 % 81 %

Psychologie 67 % 70 %

Sprach- und Kulturwissenschaften 77 % 78 %

Geowissenschaften einschließlich

Physische Geographie

86 % 87 %

Mathematik 83 % 89 %

Chemie 80 % 81 %

Informatik 81 % 81 %

Zum Sommersemester 2004 greift erstmals das Gesetz zur Einführung

der Langzeitstudiengebühren, das auf ein zielführendes Studium

hinwirken und die Studierenden dazu anhalten will, verstärkte Anstrengungen

zu unternehmen, die akademische Ausbildung innerhalb

des gebührenfreien Zeitraums erfolgreich abzuschließen. Für Teil-

165


zeitstudierende gelten Sonderregelungen. Nach Auswertung der entsprechenden

Datensätze durch die Universität Frankfurt hat die Gebührenpflicht

bereits zu einem Rückgang der Immatrikuliertenzahlen

geführt und den Anteil der Studierenden in der Regelstudienzeit an

allen Studierenden durchweg verändert.

Einen Überblick über die Auslastung mit Blick auf diese Studierenden

vor dem Hintergrund der flächenbezogenen Studienplätze vermittelt

Übersicht 11.

Übersicht 11:

Fächergruppen

Regelzeitstudierende in %

der flächenbezogenen

Studienplätze

Sprach- und Kulturwissenschaften 240 %

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 115 %

Mathematik, Naturwissenschaften 114 %

Land und Universität haben im Rahmen einer Zielvereinbarung die

Grundlagen und Eckdaten zur Hochschulentwicklung festgelegt. Dabei

sind nach Fächerclustern differenzierte Zielzahlen für Studierende

in der Regelstudienzeit bestimmt worden. Diese Sollzahlen stellen im

Verbund mit entsprechenden Kostennormwerten die Bemessungsgrundlage

für die Ermittlung des Grundbudgets im Zusammenhang

der leistungsbezogenen Hochschulfinanzierung dar. Es wurden folgende

Zielzahlen (ohne Medizin) für Studierende in der Regelstudienzeit

vereinbart:

Informatik 950

Naturwissenschaften 3.900

Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaften 6.400

Sozialwissenschaften 2.800

Geisteswissenschaften 8.300

Sportwissenschaft 800

Angewandte Kunst 50

23.200

Im Folgenden werden im Rahmen der Standortneuordnung der Universität

Frankfurt für den Ausbau des Campus Westend und des

Campus Riedberg der anvisierte zeitliche Ablauf des Baugeschehens,

der Flächenbedarf und die Gesamtkosten dargestellt.

166


1. Ausbau Campus Westend

Erste Erweiterungsstufe 2004 – 2007

- Fachcluster: Rechtswissenschaft und

Wirtschaftswissenschaften einschl.

Bereichsbibliothek

20.000 m 2 HNF 67,8 Mio. €

- House of Finance 7.000 m 2 HNF 23,7 Mio. €

- Hörsaalzentrum 5.000 m 2 HNF 28,4 Mio. €

- 1. BA Verpflegung 2.000 m 2 HNF 9,3 Mio. €

34.000 m 2 HNF 129,2 Mio. €

Zweite Erweiterungsstufe 2008 – 2011

- Fachcluster: Gesellschaftswissenschaften,

Erziehungswissenschaften,

Psychologie, Geographie einschl. Bereichsbibliothek

21.000 m 2 HNF 71,2 Mio. €

- 2. BA Verpflegung 2.000 m 2 HNF 9,3 Mio. €

- Studierendenhaus 2.000 m 2 HNF 6,3 Mio. €

25.000 m 2 HNF 86,8 Mio. €

Dritte Erweiterungsstufe 2012 – 2015

- Fachcluster: Kunst, Musik, außereuropäische

Sprachen einschl. Bereichsbibliothek

14.000 m 2 HNF 47,4 Mio. €

- Zentralbibliothek 20.000 m 2 HNF 67,7 Mio. €

- Verwaltung 6.000 m 2 HNF 18,9 Mio. €

40.000 m 2 HNF 134,0 Mio. €

Flächenbedarf und Gesamtkosten 99.000 m 2 HNF 350,0 Mio. €

167


2. Ausbau Campus Riedberg

Erste Erweiterungsstufe 2004 – 2007

- Geowissenschaften 7.000 m 2 HNF 34,9 Mio. €

- Naturwissenschaftliche Bereichsbibliothek

3.000 m 2 HNF 10,1 Mio. €

- Hörsaalgebäude 2.000 m 2 HNF 11,4 Mio. €

- Zentrale Werkstätten 2.000 m 2 HNF 8,2 Mio €

14.000 m 2 HNF 64,6 Mio. €

Zweite Erweiterungsstufe 2008 – 2011

- Chemie

Neubau (Praktikum, Labor)

Sanierung (Bestandsgebäude)

6.000 m 2 HNF

4.000 m 2 HNF

49,2 Mio. €

11,0 Mio. €

- Biologie

Botanischer Garten

60,2 Mio. €

9.000 m 2 HNF 58,5 Mio. €

5,0 Mio. €

63,5 Mio. €

- Rechenzentrum 1.000 m 2 HNF 4,8 Mio. €

- Verpflegung 3.000 m 2 HNF 14,0 Mio. €

23.000 m 2 HNF 142,5 Mio. €

Dritte Erweiterungsstufe 2012 – 2015

- Informatik

Sanierung (Bestand ehem. Chemie) 6.000 m 2 HNF 19,5 Mio. €

- Mathematik 3.500 m 2 HNF 12,1 Mio. €

- Verwaltung 1.000 m 2 HNF 3,1 Mio. €

10.500 m 2 HNF 34,7 Mio. €

Flächenbedarf und Gesamtkosten 47.500 m 2 HNF 241,8 Mio. €

Ohne Biologie und Geowissenschaften 31.500 m 2 HNF 143,4 Mio. €

168


Die folgende Übersicht gibt die Programm- und Ausbauplanung des

Campus Riedberg und des Campus Westend wieder:

Programm- und Ausbauplanung Campus Riedberg

Vorhaben

Anmeldung 32. Rahmenplan

HNF Gesamtkosten

in m 2

in Mio. €

Aktueller Planungsstand

HNF Gesamtkosten

in m 2

in Mio. €

- Chemie 10.000 65,0 10.000 1 60,2

- Informatik 6.000 23,8 6.000 19,5

- Mathematik 3.500 12,1 3.500 12,1

- Verwaltung 1.000 3,1 1.000 3,1

- Bereichsbibliothek 3.000 10,1 3.000 10,1

- Verpflegung 3.000 14,0 3.000 14,0

- Hörsaalgebäude 2.000 11,4 2.000 11,4

- Rechenzentrum 1.000 4,8 1.000 4,8

- Zentrale Werkstätten

2.000 8,2 2.000 8,2

31.500 152,5 31.500 143,4

Bereits in der Vorhabensliste des Rahmenplans:

Vorhaben

- Biologie

Anmeldung 32. Rahmenplan

HNF Gesamtkosten

in m 2

in Mio. €

Aktueller Planungsstand

HNF Gesamtkosten

in m 2

in Mio. €

9.924 43,6 2 9.000 58,5

- (Botan. Garten) --- --- --- 5,0

- Geowissenschaften

7.000 34,9 7.000 34,9

Kosten für Außenanlagen sind noch nicht berücksichtigt.

1 Unterbringung auf Neubauflächen und im sanierten Bestand.

2

Unterbringung in sanierten Bestandsgebäuden (Chemie).

169


Programm- und Ausbauplanung Campus Westend

Vorhaben

Anmeldung 32. Rahmenplan

HNF Gesamtkosten

in m 2 in Mio. €

Aktueller Planungsstand

HNF Gesamtkosten

in m 2

in Mio. €

- Fachcluster:

Rechtswissenschaft

und Wirtschaftswissenschaften

20.000 67,8 22.000 74,5

einschl.

Bereichsbibliothek

- House of Finance --- --- 5.000 16,9

- Fachcluster: Gesellschafts-

und

Erziehungswissenschaften,

Psychologie,

Geographie

18.000 61,0 21.000 71,2

einschl. Be-

reichsbibliothek

- Fachcluster:

Kunst, Musik, außereuropäische

Sprachen einschl.

10.000 33,9 14.000 47,4

Bereichsbibliothek

- Hörsaalgebäude 7.000 39,7 5.000 28,4

- Verpflegung 7.000 32,6 4.000 18,6

- Zentralbibliothek 20.000 67,7 20.000 67,7

- Studierendenhaus 2.000 6,3 2.000 6,3

- Verwaltung 8.000 25,2 6.000 18,9

92.000 334,2 99.000 349,9

B. Stellungnahme

B.I. Zu den Verträgen des Landes Hessen mit den Hochschulen

Der Wissenschaftsrat begrüßt, dass durch den Hochschulpakt des

Landes Hessen mit den Hochschulen eine abgestimmte Entwicklungsplanung

und Profilbildung der Hochschulen gefördert werden

soll. Er bestärkt das Land nachdrücklich darin, diesen Abstimmungs-

170


prozess weiterzuverfolgen. Das Land Hessen hat zudem für die

Hochschulen in Frankfurt und Darmstadt eine die gesamten Einrichtungen

einschließende, abgestimmte Ausbauplanung vorgelegt. Auch

wenn sich die Realisierung der Neubau- und Sanierungsvorhaben

nicht in dem ursprünglich vorgesehenen Zeitrahmen vollziehen sollte,

so begrüßt der Wissenschaftsrat, dass hier eine Planung unternommen

wird, die über den jeweiligen Raumbedarf hinaus die Ausbauplanung

mit einer abgestimmten konzeptionellen Entwicklungsplanung

verbindet.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt dem Land, den Kappungsmechanismus

bei der leistungsbezogenen Mittelzuweisung des Landes

(LOMZ) zu überdenken, da er gerade die beabsichtigten Anreize minimiert.

Sinnvoll ist eine eindeutig leistungsbezogene Mittelzuweisung,

die nach einem klaren Zeitplan stufenweise durchgesetzt werden

sollte. Der Wissenschaftsrat unterstützt das Land Hessen daher

in der Absicht, sich zunehmend auf eine motivierende Steuerung

durch die leistungsbezogene Mittelzuweisung zu konzentrieren und

Kappungsmechanismen abzubauen.

Im Februar 2004 hat das Land ein „Drittes Gesetz zur Qualitätssicherung

in hessischen Schulen“ vorgestellt. Es sieht vor, dass das Lehramtsstudium

eine modulare Struktur erhalten soll, in der Elemente

der Fachwissenschaft mit Didaktik und Erziehungswissenschaft kombiniert

werden; diese Module werden auf das Staatsexamen angerechnet.

An den fünf hessischen Hochschulen sollen Zentren für Lehrerbildung

als eigene Studienbereiche eingerichtet werden (Artikel 3,

§ 55, Satz 1), welche die Position des Lehramtsstudiums an den Universitäten

dadurch stärken sollen, dass sie an der Berufung von Professoren

beteiligt werden und ein Mitspracherecht hinsichtlich der

Mittelverteilung sowie des Lehrangebots erhalten (Artikel 3, § 55,

Satz 2). Dies soll unter anderem den Praxisbezug von Studieninhalten

und Methoden gewährleisten. Zudem werden in den Zielvereinbarungen

zwischen dem Land und der Universität die Ausbildungsverpflichtungen

der Universität in der Lehrerbildung festgelegt (Artikel 3,

§ 55, Satz 4).

Der Wissenschaftsrat begrüßt, dass in Hessen eine Entscheidung

über die Zukunft der Lehrerbildung getroffen worden ist, da dies die

Voraussetzung für die Hochschulen in bestimmten Fachbereichen

darstellt, eine begründete Entwicklungsplanung vorzulegen. Mit den

Lehrerbildungszentren sind - den Empfehlungen des Wissenschaftsrates

zur künftigen Struktur der Lehrerbildung entsprechend - eigenständige

Institutionen geschaffen worden, welche die Verantwortung

für die Weiterentwicklung und Koordination der ausbildungsspezifischen

Belange im Rahmen eines Lehramtsstudiums

171


übernehmen. Der Wissenschaftsrat fordert das Land dazu auf, die

Umstellung der Lehramtsstudiengänge auf eine konsekutive Studiengangsstruktur

mit Bachelor- und Masterabschlüssen zu prüfen, wie

sie der Wissenschaftsrat empfohlen hat. Hier ist auf die Beispiele in

Niedersachsen und den Modellversuch des Landes Thüringen in Erfurt

zu verweisen, wo der Masterabschluss als Äquivalent des 1.

Staatsexamens anerkannt wird. Der Wissenschaftsrat empfiehlt den

hessischen Hochschulen, mit Blick auf die Umsetzung des vorgelegten

Gesetzentwurfs die Profilierung vor allem ihrer erziehungswissenschaftlichen

Institute voranzutreiben und dabei vor allem den

Ausbau einer international konkurrenzfähigen Bildungs- und Lehrerbildungsforschung

zu verfolgen. Der Wissenschaftsrat empfiehlt dem

Land außerdem, die neu eingerichteten Zentren für Lehrerbildung

mittelfristig einer verpflichtenden Evaluation zu unterziehen.

B.II. Zur Universität Frankfurt

II.1. Zum Grundkonzept für die weitere Entwicklung der Universität

Die Universität Frankfurt ist die größte Hochschule des Landes Hessen,

was sich in der Vielfalt der angebotenen Studienfächer widerspiegelt.

Die jeweiligen Anteile der Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften

und Medizin stehen in einem ausgewogenen Verhältnis

zueinander. Bei einer Universität dieser Größenordnung ist es einerseits

kaum möglich, alle Fachbereiche stadtnah auf einem Campus

unterzubringen. Andererseits hat die Zersplitterung einer Hochschule

auf zahlreiche kleine Standorte Nachteile für Forschung und Lehre.

So werden etwa (fachbereichsübergreifende) Kooperationen behindert

und die Teilnahme der Studierenden an Lehrveranstaltungen eines

Faches, die an auseinander liegenden Standorten stattfinden, erschwert.

Das Vorhaben der Universität Frankfurt, die Fachbereiche

der Hochschule auf drei Standorte zu konzentrieren, ist daher unter

den gegebenen Randbedingungen eine begrüßenswerte Alternative,

die sich zudem durch eine beeindruckende bauliche Vision auszeichnet.

Insbesondere der im Aufbau befindliche Campus Westend, der

stadtnah ein umfangreiches Areal zur Ansiedlung der im weitesten

Sinne Geistes- und Sozialwissenschaften sowie verwandter, nicht

experimenteller Disziplinen umfasst, ist als einmalige Chance zu betrachten.

Ein Teil der Studierenden wird zwischen zwei oder gar drei Standorten

hin und her wechseln müssen, um Lehrveranstaltungen zu besuchen.

Dies erfordert eine effiziente Anbindung der drei Campusareale

172


an den öffentlichen Nahverkehr und die Verbindung der drei Standorte

untereinander.

Dass in der ersten Erweiterungsstufe (2004-2007) auf dem Campus

Westend die Fachbereiche Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften

angesiedelt werden sollen, spiegelt die Priorität des

Landes und der Hochschulleitung wider, die angesichts des internationalen

Finanzstandorts Frankfurt prinzipiell sinnvoll erscheint. Problematisch

ist jedoch, dass diese Prioritätensetzung für die Fachbereiche

Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften, deren Auszug

aus dem AfE-Hochhaus keinen Aufschub duldet, einen zweimaligen

Umzug zur Folge hat – zunächst in die freigezogenen Räume der

Fachbereiche Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften,

später in einer zweiten Erweiterungsstufe (2008-2011) auf den Campus

Westend. Das Land wird dringend gebeten, für den Fall einer

starken zeitlichen Streckung des Baugeschehens aus finanzpolitischen

Gründen Alternativszenarien zu entwickeln, die Lösungen für

die im AfE-Hochhaus angesiedelten Institute anbieten, da das Hochhaus

nur noch eine beschränkte Nutzungsdauer hat.

II.2. Zu Lehre und Studium

Zu Studienanfänger-, Studierenden- und Absolventenzahlen

Der Anteil der Studierenden in der Regelstudienzeit in den von den

Vorhaben Nrn. 136 und 134 betroffenen Fachbereichen schwankte

im Jahr 2003 zwischen 63 % im Fachbereich Rechtswissenschaft

und 86 % in den Geowissenschaften einschließlich Physische Geographie.

Abgesehen von den Geowissenschaften ist auch der Anteil

der Studierenden in der Regelstudienzeit in der Mathematik (83 %),

der Informatik (81 %) und der Chemie (80 %) erfreulich hoch. Demgegenüber

ist der Anteil der Studierenden in der Regelstudienzeit

neben der Rechtswissenschaft auch in der Psychologie (67 %), in

den Wirtschaftswissenschaften (70 %) und in den Gesellschaftswissenschaften

(71 %) deutlich geringer. In den Erziehungswissenschaften

(75 %) und in den Sprach- und Kulturwissenschaften (77 %) liegt

der Anteil der Studierenden in der Regelstudienzeit an allen Studierenden

im mittleren Bereich. Das Gesetz zur Einführung der Langzeitstudiengebühren

hat im Jahr 2004 erwartungsgemäß den Anteil

der Studierenden in der Regelstudienzeit in den meisten Fächern erhöht.

Der Wissenschaftsrat hält es für unerlässlich, die für eine Überschreitung

der Regelstudienzeit verantwortlichen Studienbedingungen

nachhaltig zu verbessern. Die Anzahl der Studierenden in der

Regelstudienzeit sagt allerdings nichts darüber aus, ob diese Studierenden

auch ihren Abschluss in der Regelstudienzeit machen. Dieses

Ziel zu erreichen, sollte zukünftig Priorität haben.

173


Während die Zahl der Studienanfänger im Zeitraum von 1997 bis

2002 stark schwankt – zwischen 7.763 in 1998 und 10.027 in 2001 –,

steigt die Gesamtzahl der Studierenden im selben Zeitraum fast kontinuierlich

von 35.366 auf 39.891. Der Wissenschaftsrat erwartet von

der Universität Frankfurt, dafür Sorge zu tragen, dass die teilweise

hohe Zahl von Studienanfängern nicht zu einer Absenkung der Anforderungen

und damit zu einer verminderten Qualität der Absolventen

führt.

Bedenklich stimmt, dass die Gesamtzahl der Absolventen im Berichtszeitraum

fast kontinuierlich rückläufig ist, nämlich von 3.498 im

Jahr 1997 auf 2.740 in 2002 (in 2000: 2.688 und in 2001: 2.683). Der

Wissenschaftsrat geht davon aus, dass der Ausbau der Universität

Frankfurt, der eine Verbesserung der Studienbedingungen zur Folge

hat, maßgeblich dazu beiträgt, dass die Studierenden ihr Studium erfolgreich

abschließen.

Laut einer Auswertung der Universität Frankfurt, die sich auf alle 16

Fachbereiche bezieht, kamen in den Jahren 2001 und 2002 nur 40 %

der Studierenden zu einem Abschluss. In den Lehramtsstudiengängen

– wie in den Staatsexamensstudiengängen allgemein – ist die

Abbrecherquote hier wie bundesweit vergleichsweise gering. Die

Hochschule führt dies darauf zurück, dass die Studiengänge strukturiert

und an klaren Berufsfeldern orientiert seien. Dagegen weisen die

Magisterfächer eine hohe Abbrecherquote auf. Die Universität erklärt

dies mit einem relativ unstrukturierten Studium und schlechten Berufsaussichten.

Der bisherigen Unstrukturiertheit des Studiums versucht

die Hochschule durch die Einführung der Modularisierung und

Studienbegleitender Prüfungen Abhilfe zu schaffen. Auch die naturwissenschaftlichen

Studiengänge sind durch hohe Abbrecherquoten

gekennzeichnet. Anders als in den Magisterstudiengängen erfolgt der

Abbruch hier relativ früh, spätestens mit dem Vordiplom. Die Universität

sieht als Ursache für den häufigen Abbruch des Studiums in diesen

Fächern eine falsche Einschätzung des Studiums und seiner Anforderungen.

In der Schwundquote von 60 % ist nach Einschätzung

der Hochschule de facto eine Abbrecherquote von 30 bis 35 % enthalten.

Da an der Universität Frankfurt keine Studienverlaufsstatistik

existiert, können die exakten Studienabbrecherzahlen mit den vorhandenen

Daten nicht ermittelt werden.

Der Wissenschaftsrat erwartet von der Universität Frankfurt, dass sie

sich mit dem Problem der Schwundquote intensiv auseinandersetzt

und in allen Fachbereichen Maßnahmen ergreift, die dazu dienen, die

Studiengänge besser zu strukturieren. Dies ist zum einen erforderlich,

um in vielen Studiengängen zu einer deutlich höheren Erhaltquote

zu gelangen, zum anderen, um die in zahlreichen Fachbereichen

174


extrem langen Studienzeiten zu reduzieren. Damit beide Ziele erreicht

werden können, empfiehlt der Wissenschaftsrat auch eine bessere

Betreuung der Studierenden.

Zu den Studiengängen

Der Wissenschaftsrat anerkennt die im Hochschulentwicklungsplan

2001 der Universität Frankfurt abgegebene Selbstverpflichtung, entsprechend

den Leitlinien der Bologna-Erklärung die curricularen

Strukturen zu verändern. Er begrüßt die Absicht der Hochschule, den

Prozess der Modularisierung bis 2005 abzuschließen. Im Rahmen einer

Studienreform sollten Bachelor- und Masterstudiengänge in allen

Fachbereichen konsequent eingeführt werden. Das in einigen Fachbereichen

geplante parallele Angebot von Diplomstudiengang einerseits

sowie Bachelor- und Masterstudiengang andererseits wäre –

sofern überhaupt durchführbar – eine Verschwendung von Ressourcen.

Darüber hinaus widerspricht die Aufrechterhaltung des Diplomstudiengangs

den hochschulpolitischen Zielsetzungen des Bologna-

Prozesses.

Zu den Studiengängen im Einzelnen

Im Fachbereich 1 werden erste, begrüßenswerte Anläufe unternommen,

das Studienprogramm auf das Bachelor-/Mastersystem auszurichten.

Die beiden Aufbaustudiengänge – Europäisches und internationales

Wirtschaftsrecht mit dem Abschluss Magister für deutsche

Studierende mit Erster Staatsprüfung sowie der Magisterstudiengang

für im Ausland graduierte Juristen mit dem Abschluss Magister der

Rechte – sind gut durchdacht. Der gemeinsame Studiengang mit der

Universität von Lyon ist zukunftsweisend.

Im Fachbereich 2 Wirtschaftswissenschaften passen die Studiengänge

sehr gut in das Gesamtprofil der Hochschule. An die beiden Bachelorstudiengänge

in Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre,

die akkreditiert sind, werden von der Hochschule hohe Maßstäbe

angelegt. Die Auswahl der Studierenden in den Bachelorstudiengängen

entspricht dem Auswahlverfahren von Spitzenuniversitäten

und ist positiv zu beurteilen.

Im Fachbereich 3 Gesellschaftswissenschaften werden die gestuften

Bachelor-/Masterstudiengänge nur zögerlich eingeführt. Dies ist umso

schwerer verständlich, als bereits seit dem Wintersemester

2000/01 im Hauptstudium der Diplomstudiengänge des Fachbereichs

ein modularisiertes Studienprogramm existiert. Daher bedürfte es

nur noch eines kleinen Schrittes, um zu einem komplett modularisierten

Bachelor-/Masterstudium zu kommen. Der Fachbereich wird aufgefordert,

diesen Schritt zu tun.

175


Von dem im Hochschulentwicklungsplan 2001 der Universität avisierten

Masterstudiengang in Nordamerikastudien, der beim Zentrum für

Nordamerika-Forschung (ZE-NAF) angesiedelt werden sollte, ist in

den jüngeren Planungen der Universität nicht mehr die Rede. Gründe

dafür sind nicht erkennbar. Es gibt in Deutschland nur wenige Institutionen,

die Nordamerikastudien anbieten. Die Einführung eines Masterstudiengangs

in Nordamerikastudien am ZENAF wird als Bereicherung

des Hochschulangebots erachtet und vom Wissenschaftsrat befürwortet.

Mit der anstehenden Einführung gestufter Studiengänge sowie mit

der bereits begonnenen Errichtung eines Zentrums für Lehrerbildung

eröffnen sich für die Erziehungswissenschaften weit reichende Möglichkeiten

der Neustrukturierung von Forschung und Lehre, die der

Fachbereich bereits in ersten Ansätzen, etwa durch den vorgesehenen

Aufbau eines Schwerpunktes in der empirischen Bildungsforschung,

aufgegriffen hat.

Angesichts der im Land Hessen anstehenden politischen Entscheidungen

zur generellen Einführung gestufter Bachelor- und Masterstudiengänge

ist es nicht recht verständlich, wenn der Fachbereich 4

Erziehungswissenschaften die Absicht verfolgt, den Diplomstudiengang

fortzusetzen und zusätzlich an Fachhochschulabsolventen adressierte

Masterstudiengänge einzurichten. Abgesehen von der

grundsätzlichen Problematik eines solchen Mischsystems spricht die

hohe Schwundquote besonders im Grundstudium des erziehungswissenschaftlichen

Diplomstudiengangs gegen dessen Beibehaltung.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt dem Fachbereich, stattdessen gestufte

Studiengänge einzuführen und dabei Rückwirkungen auf den Aufbau

des Lehramtsstudiums durch die Konzipierung neuer Studienangebote

und die Neubestimmung seiner Rolle in der Frankfurter Lehrerausbildung

besonders zu beachten.

Der Bachelorstudiengang sollte im Rahmen eines kompetenzorientierten

Kerncurriculums breit angelegt sein, eine fundierte Methodenausbildung

vorsehen und Schwerpunktbildungen ermöglichen, die

sich auf präzise Handlungsfelder beziehen. Der Masterstudiengang

sollte sich vorwiegend an besonders qualifizierte Hochschulabsolventen

mit Berufspraxis richten und sein curriculares Profil in den Feldern

der Sozialpädagogik, der außerschulischen Jugendbildung und der

Erwachsenenbildung sowie des Bildungsmanagements gewinnen.

Die schulbezogene empirische Bildungsforschung ist außerdem in

die Lehrerausbildung einzubringen. Dies sollte in einen auf das künftige

Forschungsprofil sowie die Nachwuchsförderung umfassenden

Entwicklungsplan eingehen, der extern zu begutachten ist.

176


In der Psychologie, die zum Fachbereich 5 gehört, soll, in Übereinstimmung

mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für

Psychologie, der Diplomstudiengang Psychologie beibehalten werden.

Diese Absicht wird vom Wissenschaftsrat nicht unterstützt. Positiv

hervorzuheben ist die Einrichtung eines staatlich anerkannten

Weiterbildungsstudiengangs Psychotherapie.

Im Fachbereich 9 Sprach- und Kulturwissenschaften wird der Studienbetrieb

auf konsekutive Studiengänge umgestellt. Geplant sind

gemeinsame, fachübergreifende Bachelorstudiengänge und spezialisierte

Masterprogramme. Engere Kooperationsbeziehungen in Forschung

und Lehre bestehen vor allem zu den Fächern der Fachbereiche

8 und 10. Der Wissenschaftsrat spricht sich dafür aus, diese

Zusammenarbeit weiter zu intensivieren und auszubauen.

Im Fachbereich 11 Geowissenschaften/Geographie gibt es seit einigen

Jahren eine Schwerpunktbildung durch gemeinsame Anstrengungen

der Organischen Chemie, der pharmazeutischen Teildisziplinen

und der Medizin in Richtung Biowissenschaften/Medizinische

Chemie. Daraus ist eine für Deutschland einmalige enge Kooperation

zwischen den Teildisziplinen entstanden. Eine besondere Stärke hat

sich im Bereich der Strukturchemie, insbesondere der Kernresonanzspektroskopie

und Röntgenstrukturanalyse, entwickelt. Die starke

Fokussierung auf den Grenzbereich zwischen Chemie, Biologie und

Medizin birgt jedoch auch Gefahren. So ist darauf zu achten, dass eine

Kernkompetenz des Organischen Chemikers – die sehr gefragte

Fähigkeit zum Aufbau komplizierterer Verbindungen – in Ausbildung

und Forschung nicht Schaden nimmt. Der Wissenschaftsrat nimmt

zur Kenntnis, dass das Problem von der Universität selbst erkannt

und Abhilfe durch Einwerbung einer Stiftungsprofessur der Degussa

für Synthetische Chemie geschaffen wurde.

Die Studiengänge in den Fächern Chemie und Pharmazie sind generell

stark standardisiert und an den Anforderungen im Beruf ausgerichtet.

Dies wird auch nach Einführung der Bachelor-/Mastertudiengänge

in der Chemie und der Pharmazie der Fall sein. Das mögliche

Tätigkeitsfeld des Bachelorabsolventen ist in Deutschland durch den

Lehrberuf des Laboranten und die Fachschulausbildung zum Chemisch-Technischen

Assistenten sehr gut besetzt; beide Ausbildungsgänge

haben ihren Schwerpunkt in der praktischen Ausbildung. Der

Bachelorabschluss wird jedoch eine wichtige Voraussetzung für

chemiebezogene, fächerübergreifende Studienabschlüsse (z.B. als

Wirtschaftschemiker) sein.

177


II.3. Zur Personalausstattung

Die Personalausstattung an den von den Vorhaben Nrn. 136 und 134

betroffenen Fachbereichen vermittelt ein uneinheitliches Bild. Während

die Anzahl der Professuren als angemessen betrachtet werden

kann, ist in Relation dazu gesehen die Ausstattung mit Mitarbeiterstellen

eher dürftig. Ferner weisen die meisten der von den Vorhaben

Nrn. 136 und 134 betroffenen Fächer nur wenige Drittmittelstellen

auf. Der Wissenschaftsrat rät der Hochschule dringend, sich in diesem

Bereich um eine Verbesserung zu bemühen, damit die Forschung

an der Universität mittelfristig nicht an Qualität verliert.

II.4. Zur Forschung

In der Forschung weiß die Universität Frankfurt insgesamt zu überzeugen.

Dies findet seinen Niederschlag u. a. im Förder-Ranking

2003 der Deutschen Forschungsgemeinschaft, in dem sie bei den

Drittmitteleinnahmen 1999 und 2000 je Hochschule und DFG-

Wissenschaftsbereich mit einer Gesamtsumme von 99,7 Mio. Euro

den 19. Rang unter allen deutschen Hochschulen einnimmt. Davon

entfielen auf die Geistes- und Sozialwissenschaften 23,2 Mio. Euro,

auf die Biologie/Medizin 49,6 Mio. Euro und auf die Naturwissenschaften

19,6 Mio. Euro.

Der Wissenschaftsrat würdigt insbesondere das hervorragende Abschneiden

der Geistes- und Sozialwissenschaften im Förder-

Ranking, die gemessen an den DFG-Bewilligungen 1999 bis 2001 je

Hochschule und Fachgebiet mit insgesamt 24,3 Mio. Euro deutschlandweit

den zweiten Rang erreichen. Hierbei warben die Gesellschaftswissenschaften

7,6 Mio. Euro, die Geschichts- und Kunstwissenschaften

11,9 Mio. Euro, die Sprach- und Literaturwissenschaften

2,8 Mio. Euro sowie Psychologie, Pädagogik, Philosophie und Theologie

2,0 Mio. Euro ein.

Es besteht eine Diskrepanz zwischen der sehr guten Platzierung der

Geistes- und Sozialwissenschaften beim Förder-Ranking einerseits

und der Beteiligung dieser Disziplinen an den zukünftigen Schwerpunktsetzungen

der Universität Frankfurt (s. Kapitel A. II. 4.b)) andererseits.

Von den neun genannten Schwerpunktinitiativen gründen

sich nur zwei – Ostasienzentrum und Zentrum für Lehrerbildung und

empirische Bildungsforschung – auf die Geistes- und Sozialwissenschaften,

die laut Förder-Ranking 2003 der Deutschen Forschungsgemeinschaft

das Aushängeschild der Universität sind. Der Wissenschaftsrat

empfiehlt der Hochschule nachdrücklich, das Potential dieser

Fächer besser abzurufen und für zukünftige Schwerpunktsetzungen

zu nutzen.

178


Im Bereich Biologie/Medizin erreichte die Universität Frankfurt im genannten

Bewilligungszeitraum mit insgesamt 30,9 Mio. Euro den 16.

Rang. Davon warb die Medizin 13,7 Mio. Euro, die Biologie 17,1 Mio.

Euro ein. 0,1 Mio. Euro entfielen auf die Agrar- und Forstwissenschaften.

In den Naturwissenschaften nimmt die Universität Frankfurt in diesem

Berichtszeitraum mit insgesamt 12,8 Mio. Euro Rang 28 unter den

deutschen Hochschulen ein. Davon entfallen 3,7 Mio. Euro auf die

Geowissenschaften, 4,0 Mio. Euro auf die Chemie, 4,5 Mio. Euro auf

die Physik und 0,6 Mio. Euro auf die Mathematik.

Zu den von dem Baugeschehen auf dem Campus Westend und dem

Campus Riedberg betroffenen Fachbereichen im Einzelnen

Mit Blick auf den Fachbereich 1 Rechtswissenschaft überzeugt, dass

mit der neuen – auch räumlichen – Gesamtkonzeption die traditionell

enge Zusammenarbeit der Rechtswissenschaftler mit den Wirtschaftswissenschaftlern

eine Schwerpunktbildung in denjenigen Bereichen

ermöglicht, für die die Universität Frankfurt über besonders

gute Rahmenbedingungen verfügt. Insbesondere durch den Schwerpunkt

Finanzen könnte das geplante Institute for Law and Finance

deutlich verstärkt werden.

Auch der weitere geplante Schwerpunkt – Erforschung der rechtlichen

Grundlagen moderner Gesellschaften – fügt sich gut in das Gesamtprofil

des juristischen Fachbereichs ein. Auch hier knüpft die U-

niversität an ihre seit langem im Bereich Rechtsgeschichte und

Rechtssoziologie gepflegten Schwerpunkte an. Der Wissenschaftsrat

gibt zu bedenken, ob nicht eine noch stärkere Profilbildung innerhalb

dieses Schwerpunkts erfolgen sollte.

Der Fachbereich 2 Wirtschaftswissenschaften zählt zu den forschungsintensiven

Fachbereichen der Universität Frankfurt, was sich

u. a. in der Teilnahme an zwei inter-nationalen, EU-finanzierten TRN-

Forschungsnetzwerken zeigt. Die Profilbildung im Bereich Finance

überzeugt voll und ganz, da sie sich die Standortvorteile des Finanzplatzes

Frankfurt zu Eigen macht. Die fachliche Ausrichtung der am

Fachbereich tätigen Wissenschaftler entspricht der angestrebten Profilbildung.

Die bestehenden und geplanten Kooperationen mit Partnern

außerhalb der Hochschule sind als sehr gut zu bewerten. Universitätsintern

sollte die Zusammenarbeit mit Sozialwissenschaftlern

und Psychologen intensiviert werden. Bedauerlich ist, dass die renommierte

Sozialpolitik-Forschung im Fachbereich 2 verloren gehen

wird. Der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften sollte prüfen, ob

er diesen Schwerpunkt übernehmen kann.

179


Der Fachbereich 3 Gesellschaftswissenschaften zeichnet sich durch

ein beachtliches Drittmittelaufkommen aus. Demgegenüber lässt die

Vernetzung mit anderen Fächern und Fachbereichen zu wünschen

übrig. So ist etwa nicht erkennbar, dass Politikwissenschaft und Soziologie

maßgeblich am Forschungskolleg „Wissenskultur und gesellschaftlicher

Wandel“ beteiligt wären. Nur einer der 15 Forschungsschwerpunkte

der Universität, nämlich „Öffentlichkeit und Geschlechterverhältnis“,

wird von der Soziologie mitgetragen. Das ausgewiesene

zentrale Forschungsgebiet des Fachbereichs, „Demokratischer

Staat und Weltordnung“, erscheint, zumal in seiner vierfachen Aufgliederung,

diffus. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Kooperationen

mit dem Fachbereich Rechtswissenschaft nicht erwähnt werden,

obwohl dort die Steuerung von gesellschaftlichen Entwicklungen

im weitesten Sinne erforscht wird, und in den Gesellschaftswissenschaften

nach Planung und Steuerung unter veränderten internationalen

ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen gefragt

wird. Ausweislich der Angaben des Fachbereichs existiert lediglich

eine engere Zusammenarbeit mit der Hessischen Stiftung für Friedens-

und Konfliktforschung. Kooperationen in Forschung und Lehre

des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften mit anderen hessischen

Hochschulen bestehen nur auf dem Gebiet der Geschlechterforschung.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt dem Fachbereich Gesellschaftswissenschaften

dringend, die in der Universität und zwischen

den hessischen Hochschulen vorhandenen einschlägigen Forschungspotentiale

intensiver zu nutzen und sich mit ihnen zu vernetzen.

Der vom Fachbereich 4 Erziehungswissenschaften vorgesehene

Aufbau eines Schwerpunktes Empirische Bildungsforschung von gesamtuniversitärer

Bedeutung sowie die Einrichtung eines Zentrums

für Lehrerbildung und empirische Bildungsforschung als Querschnittsaufgabe

der Universität folgen standortübergreifend zu beobachtenden

Profilbildungen in der Erziehungswissenschaft im Sinne

einer auf empirische Forschung gestützten Ausbildung für pädagogische

Berufe, insbesondere einer stärkeren Professionalisierung im

Rahmen der Lehrerausbildung. Die in diesem Zusammenhang beabsichtigte

Kooperation des Fachbereichs mit dem ebenfalls in Frankfurt

ansässigen Deutschen Institut für Internationale Pädagogische

Forschung (DIPF) erfordert thematische Spezifizierungen, die den

vom Fachbereich geplanten Schwerpunkt gegenüber der am DIPF

verfolgten überregionalen Bildungsforschung inhaltlich genauer konkretisieren

und entsprechend abgrenzen. Dies gilt auch im Verhältnis

zu dem Institut für Pädagogische Psychologie des Fachbereichs Psychologie,

das seinen Schwerpunkt – ebenfalls in Kooperation mit dem

180


DIPF – auf die Lehr-/Lernforschung als Teilbereich der empirischen

Bildungsforschung legt.

Über die Positionierung des geplanten Schwerpunktes im lokalen

Forschungskontext hinaus sind im Rahmen des im Aufbau befindlichen

Zentrums für Lehrerbildung und empirische Bildungsforschung

der besondere Zuschnitt der vom Fachbereich zu erbringenden Forschungs-

und Lehrleistungen zu präzisieren sowie die dabei anzustrebenden

Kooperationsformen mit den anderen an der Lehrerbildung

beteiligten Fächern zu verdeutlichen. Der Wissenschaftsrat rät,

dabei die Empfehlungen der Evaluationskommission zur Lehrerbildung

zu berücksichtigen. Mit Blick auf den allgemeineren Schwerpunkt

Empirische Bildungsforschung ist zu klären, wie weit und ggf.

mit welchen anderen Gegenstandsbezügen die Arbeiten dieses

Schwerpunkts über die im Zentrum für Lehrerbildung ebenfalls geplante

Bildungsforschung hinausgehen.

Der Fachbereich unterscheidet laut Hochschulentwicklungsplan über

die in Anlehnung an seine Institutsgliederung gebildeten fünf Gegenstandsbereiche

(„Allgemeine Erziehungswissenschaft“, „Schulpädagogik“,

„Sozialpädagogik und Sozialarbeit“, „Sonder- und Heilpädagogik“

sowie „Erwachsenenbildung und außerschulische Jugendbildung“)

hinausgehend eine Vielzahl forschungsbezogener Akzentuierungen

dieser Gegenstandsbereiche. Hiervon ausgehend haben sich

drei übergreifende fachbereichsbezogene Schwerpunktthemen

(„Umgang mit Wissen in pädagogischen Feldern“, „Umgang mit Differenz

in pädagogischen Kontexten“, „Entwicklung von Professionen

und Institutionen in pädagogischen Handlungsfeldern“) herausgebildet.

Dieser begrüßenswerte Versuch einer die herkömmlichen Institutsgrenzen

überschreitenden thematischen Ordnung der Forschungen

bedarf jedoch eines stärker strategischen und forschungsorganisatorisch

weiter verdichteten Zuschnitts. Sofern die rein nominelle

Zuordnung der verschiedenen Akzentuierungen zu den drei

Schwerpunktthemen im Sinne einer nur additiven Reihung vermieden

werden soll, ist ein entsprechend integriertes Forschungskonzept erforderlich,

das den inneren Zusammenhang der einzelnen Akzentuierungen

und der mit ihnen angestrebten Erkenntnisziele mit den jeweiligen

Schwerpunktthemen verdeutlicht. Dabei sind der spezifische Ort

und die genauen Aufgaben des neu aufzubauenden Forschungsschwerpunktes

Empirische Bildungsforschung zu klären.

Mit Blick auf das bestehende Forschungsprofil verfügt der Fachbereich

gegenwärtig über eine ausreichende Zahl qualifizierter Wissenschaftler,

die auf nationaler Ebene in bestimmten Feldern durch Publikationen,

Gutachtertätigkeiten und wissenschaftliche Mitgliedschaften

gut sichtbar sind. Von den insgesamt 27 Stellen nach der Besol-

181


dungsgruppe C (davon zwei nach C2) sind zurzeit sieben Stellen vakant.

Bei der Besetzung dieser Stellen sollten mit Bezug auf die mit

der Empirischen Bildungsforschung bzw. dem Zentrum für Lehrerbildung

angestrebten Profilbildungen entsprechende Kompetenzen bevorzugt

berücksichtigt werden.

Gemessen an der Zahl der Professorinnen und Professoren des

Fachbereichs erscheinen die in den letzten Jahren eingeworbenen

Drittmittel, insbesondere die im Wettbewerb eingeworbenen Mittel, in

einer Gesamthöhe von weniger als 0,5 Mio. Euro (DFG-Mittel: unter

0,1 Mio. Euro/Jahr) gering.

Die in den vergangenen Jahren am Fachbereich erstellten umfangreichen

Lehr-, Forschungs- bzw. Tätigkeitsberichte liefern eine differenzierte,

teils statistisch fundierte Übersicht über die Stärken und

Schwächen in Lehre und Forschung. Besonders der Lehrbericht sollte

kontinuierlich als Instrument zur Evaluation der Lehrleistungen eingesetzt

werden. Das Desiderat eines zusammenhängenden Entwicklungsplans,

in dem besonders die Perspektiven der Studienreform

dargelegt und konkretisiert werden, sollte durch eine auswärtige

Kommission evaluiert werden.

Mit Blick auf die Zahl der verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen

bzw. der Professuren des Fachbereichs ist die Anzahl der

Promotionen, insbesondere aber der Habilitationen, seit den ausgehenden

90er Jahren unterdurchschnittlich. Die konzeptionellen Ausführungen

des Fachbereichs zu verschiedenen Optionen der postgradualen

Qualifizierung im Hochschulentwicklungsplan können konkrete

Nachwuchsförderungsprogramme, die z. B. drittmittelfinanzierte

Forschungsprojekte strategisch einbeziehen, nicht ersetzen.

Interdisziplinäre Kooperation mit anderen Fachbereichen der Universität

ist zurzeit auf die Beteiligung an dem übergreifenden Schwerpunkt

„gender studies“ beschränkt. Kooperationen mit anderen

Schwerpunkten, vor allem zu Themen der Wissenskultur, der Medienkultur

und der Migration werden geprüft bzw. vorbereitet. In der

Lehre wird innerhalb der Universität mit zwei anderen Fachbereichen

ein Weiterbildungsprogramm erprobt. Außerhalb der Hochschule bestehen

engere Beziehungen zum Deutschen Institut für Internationale

Pädagogische Forschung (DIPF) aufgrund der Leitungstätigkeit eines

neu berufenen Wissenschaftlers in dessen Direktorium sowie zum

Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE). Angesichts der

Größe des Fachbereichs und der Breite seiner Schwerpunktthemen

sind weitere institutionelle Kooperationen mit anderen Hochschulen

z.B. in Form von Forschergruppen anzustreben.

182


Die Psychologie als Teil des Fachbereichs 5 weist die Forschungsschwerpunkte

Cognitive Neuroscience (Institut für Psychologie) und

Lehr- und Lernforschung (Institut für Pädagogische Psychologie) auf.

Abgesehen von der Forschungskooperation (über eine gemeinsame

Professur) mit dem Max-Planck-Institut für Hirnforschung ist allerdings

nicht sehr viel erkennbar. Der Wissenschaftsrat empfiehlt, insgesamt

eine aktive Profilbildung, etwa bei der Auswahl und Besetzung

von Stellen, zu betreiben. as Drittmittelaufkommen ist gemessen

an der Ausstattung mit neun C4-Professuren und sechs C3-

Professuren eher gering.

Abgesehen von der erwähnten Kooperation mit dem Max-Planck-

Institut für Hirnforschung innerhalb der Neuroscience pflegt die Psychologie

eine Zusammenarbeit mit dem DIPF. Ansonsten ist das

Fach so gut wie nicht in Graduiertenkollegs, Sonderforschungsbereichen,

Schwerpunktprogrammen oder Forschergruppen vertreten. Eigene

größere Kooperationsprojekte fehlen vollständig.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt eine Aufhebung der sachlich wenig

überzeugenden Aufspaltung in die beiden Institute für Psychologie

und für Pädagogische Psychologie. Zumindest als Zielsetzung sollte

die Schaffung eines gemeinsamen Instituts für Psychologie avisiert

werden. Zu diesem sollte auch das Institut für Psychoanalyse gehören,

das eine Besonderheit im Fächerangebot an deutschen Hochschulen

darstellt. Die Zusammenführung der derzeit drei Institute

nach ihrem Umzug auf den Campus Westend sollte baldmöglichst

vorbereitet werden. Darüber hinaus wird eine nachhaltige Verbesserung

der Sichtbarkeit des Faches auf nationaler und internationaler

Ebene, in der Drittmitteleinwerbung und in internationalen Publikationen

sowohl hinsichtlich der Qualität als auch der Quantität angeraten.

Der Fachbereich 9 Sprach- und Kulturwissenschaften besteht aus einer

Reihe kleinerer kultur- und sprachwissenschaftlicher Fächer, die

ein hohes Vernetzungspotential aufweisen und bislang – zumindest

in Teilen – einen deutlich erkennbaren Beitrag zur Profilierung der

Geisteswissenschaften an der Universität Frankfurt geleistet haben.

Der am Fachbereich schon vor Jahren entwickelte Thesaurus indogermanischer

Sprachen (TITUS) z.B. ist bis heute national und international

das größte frei zugängliche Textkorpus älterer indogermanischer

Sprachen, das im Fach als vorbildhaft gilt und an das am Tag

mehr als tausend Rechercheanfragen gestellt werden. Die Drittmittelbilanz

des Fachbereichs ist insgesamt erfreulich.

Die Fächer des Fachbereichs 9 sind derzeit räumlich auf drei Standorte

verteilt: auf den Standort Bockenheim (hier wiederum verteilt auf

sechs Gebäude), den Standort Hausen und den Campus Westend.

Die Planungen des Landes sehen vor, auch diese Fächer auf dem

183


Campus Westend zusammenzuführen – allerdings erst in einem letzten

Bauabschnitt (2012-2015). Da gerade diese kleinen Fächer in besonderer

Weise auf die Vernetzung untereinander und mit anderen

Fachbereichen (vor allem den Fachbereichen 8 und 10) angewiesen

sind, bedeutet dies, dass sich die Arbeitsbedingungen in diesen Fächern

mittelfristig deutlich verschlechtern werden. Der Wissenschaftsrat

empfiehlt dem Land daher, seine Bauplanung an dieser Stelle

noch einmal zu überdenken und einen Nachzug der derzeit in Bockenheim

und Hausen untergebrachten Fächer des Fachbereichs 9

auf den Campus Westend zu einem deutlich früheren Zeitpunkt zu

realisieren.

Der Fachbereich 11 Geowissenschaften/Geographie umfasst die

geowissenschaftlichen Disziplinen Geologie/Paläontologie, Mineralogie,

Geophysik, Meteorologie und Physische Geographie sowie die

Humangeographie, die eher gesellschaftswissenschaftlich orientiert

ist. Das Land beabsichtigt, die Geowissenschaften in einem Geozentrum

zusammenzuführen, das gleichzeitig eine zentrale Funktion in

Hessen übernehmen soll, indem es die bisher auf vier Standorte verteilten

Geowissenschaften in Frankfurt konzentriert. Eine derartige

über den Fachbereich hinausgehende Schwerpunktbildung ist sinnvoll

angesichts der Tatsache, dass die Geowissenschaften im engeren

Sinne (Geologie, Paläontologie, Mineralogie, Geophysik) von den

Studierendenzahlen her kleine, aber sehr kostenintensive Fächer

darstellen.

Die Abstimmung und Zusammenarbeit der Universitäten Frankfurt

und Darmstadt im Bereich der Geowissenschaften in Verbindung mit

der Konzentration der Geowissenschaften im Bereich Südhessen auf

diese beiden Hochschulstandorte entspricht in gelungener Weise den

Forderungen des Wissenschaftsrates nach verstärkter Profilbildung

und Kooperation der Hochschulen. Der Wissenschaftsrat ist der Auffassung,

dass die gesamte Breite der Geowissenschaften durch

komplementäre Interaktion mit den Geowissenschaften an der Technischen

Universität Darmstadt realisiert werden kann. Eine Voraussetzung

hierfür stellt allerdings dar, dass die in den Leitlinien der

Hochschulen zur Kooperation von 1997 vereinbarten Punkte gewährleistet

sind. Diese beinhalten neben der Möglichkeit für die Studierenden,

in Frankfurt den Magister in den klassisch-geowissenschaftlichen

Gebieten zu erwerben, die Abstimmung der Hochschulen hinsichtlich

des Grundstudiums, wechselseitige Anerkennung der Leistungsnachweise

sowie freien Zugang der Studierenden zum Lehrangebot

beider Hochschulen. Diese Abstimmung im Bereich der Lehre

sollte bei der Umstellung des Lehrangebots auf gestufte Studiengänge

entsprechend berücksichtigt werden. Der Wissenschaftsrat erwar-

184


tet, dass neben dieser Lehrkooperation zukünftig auch verstärkt Kooperationen

im Bereich der Forschung sichtbar werden.

Gegenwärtig ist in Deutschland – wie auch in anderen Ländern – eine

verstärkte Kooperation zwischen den Geowissenschaften im engeren

Sinne und der Geographie festzustellen, wobei die Einbeziehung des

Faktors Mensch bei der Behandlung des „Systems Erde“ eine zunehmend

wichtige Rolle spielt. Es ist deshalb nicht zweckmäßig,

dass die Humangeographie künftig auf dem Campus Westend angesiedelt

werden soll, während die übrigen Geowissenschaften einschließlich

der Physischen Geographie im Geozentrum auf dem

Campus Riedberg vereinigt werden sollen.

Für das neue Geozentrum sind zwei thematische Schwerpunkte vorgesehen:

„Dynamik und Struktur der festen Erde“ sowie „Mensch und

Umwelt“. Das zweite Schwerpunktthema entspricht der aktuellen

Entwicklung in der Umweltforschung, ist jedoch sehr allgemein formuliert

und inhaltlich noch nicht detailliert unterlegt. Das erstgenannte

Thema ist eher konventionell und auch nicht konkreter dargelegt. Es

verwundert, dass das Forschungsinstitut Senckenberg, das zu den

führenden deutschen Einrichtungen in der Biodiversitätsforschung

gehört, nicht in das zukünftige Programm des Fachbereichs integriert

ist. Der Wissenschaftsrat empfiehlt, die in dieser WGL-Einrichtung

vorhandene Expertise in der Geobiologie in Verbindung mit den anderen

Geodisziplinen für ein attraktives FuE-Programm zu nutzen.

Wie das Förder-Ranking 2003 der DFG ausweist, betrug das Drittmittelaufkommen

in der Chemie aus DFG-Projekten im Zeitraum 1999

bis 2001 4,0 Mio. Euro und liegt damit gut im oberen Drittel der deutschen

Universitäten. Vermutlich ist es höher, da die Beteiligung von

einzelnen Chemikern und Pharmazeuten an Projekten der Medizin

nicht gesondert berücksichtigt wird. Es besteht ein direkter Zusammenhang

zwischen den eingeworbenen Drittmitteln und der Qualität

der Forschungsergebnisse – unabhängig von der Bewertungsweise.

Der Fachbereich 14 ist auch hinsichtlich der Beteiligung an Graduiertenkollegs

und Sonderforschungsbereichen sehr gut aufgestellt.

Das Ausmaß der Interdisziplinarität sowie Zahl und Art der bestehenden

Kooperationen sind im Bereich der Chemie/Pharmazie an der

Universität Frankfurt besonders vielfältig und teilweise richtungsweisend.

Dies schließt im besonderen Maße auch Partner von außerhalb

der Hochschule (diverse Institute und forschende Unternehmen) ein.

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Chemie

hat an der Universität Frankfurt – wie überall – einen hohen Stellenwert.

Dies liegt u. a. daran, dass über 90 % der Absolventen und Absolventinnen

mit einer Forschungsarbeit promovieren.

185


Der Campus Riedberg ist als Standort für die Institute des Fachbereichs

14 bestens geeignet. Es steht genügend Fläche für die notwendigen

Laboratorien zur Verfügung, und es befinden sich alle naturwissenschaftlichen

Institute (mit Ausnahme von einigen dienstleistenden

Institutionen im medizinischen Bereich) in unmittelbarer räumlicher

Nähe. Hinzu kommen das geplante Max-Planck-Institut für Biophysik,

das Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie (FIZ) und

das ebenfalls entstehende Biozentrum. Auch eine naturwissenschaftliche

Bereichsbibliothek und eine genügende Hörsaalkapazität sind in

absehbarer Zeit verfügbar.

Der bauliche Zustand und die Ausstattung der für chemische Forschungsarbeiten

und Praktika genutzten Laboratorien entsprechen

nicht mehr den heute als verbindlich geltenden Normen – einerseits

wegen der durch den intensiven Gebrauch hervorgerufenen „Abnutzung“,

andererseits wegen der sich stetig verschärfenden Vorschriften

zur Arbeitssicherheit. Der Wissenschaftsrat bittet daher das Land

Hessen, die für die zweite Erweiterungsstufe (2008-2011) vorgesehenen

Bau- und Sanierungsmaßnahmen zügig umzusetzen.

II.5. Zur Kooperation

Der Wissenschaftsrat anerkennt die zwischen einigen Fachbereichen

der Universität institutionalisierte Kooperation zwischen Geisteswissenschaften

einerseits und Naturwissenschaften andererseits wie etwa

in der Afrikaforschung und der Zusammenarbeit von Archäologen

und Naturwissenschaftlern. Er begrüßt ferner, dass im Rahmen des

Forschungskollegs Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel Kooperationsbeziehungen

zwischen Geschichts- und Naturwissenschaften

avisiert werden. Dennoch hält er den Dialog der Fachdisziplinen

für verbesserungsbedürftig und ermutigt die Hochschule, die vorhandenen

positiven Ansätze einer Verbindung von Geistes- und Naturwissenschaften

auch in der Lehre, wie z.B. im Fach Archäometrie,

auf andere Fächer zu übertragen.

Der Wissenschaftsrat würdigt die zahlreichen und vielfältigen Kooperationsbeziehungen

der Universität Frankfurt zu anderen Hochschulen

des Landes Hessen und bestärkt die Universität darin, diese Kontakte

beizubehalten und gegebenenfalls noch weitere aufzubauen.

Darüber hinaus begrüßt der Wissenschaftsrat die besondere Qualität

der Beziehungen zur Universität Mainz auf den Gebieten Studium

und Lehre, Weiterbildung, Forschung und Administration. Diese Kooperation

im Rhein-Main-Regionalraum über Landesgrenzen hinweg

kann als vorbildlich gelten.

186


C. Zusammenfassung

Das Land Hessen beabsichtigt, in drei Erweiterungsstufen von 2004

bis 2015 für die Universität Frankfurt Bauvorhaben im Umfang von

insgesamt ca. 592 Mio. Euro zu realisieren, davon in Höhe von 350

Mio. Euro für den Ausbau des Campus Westend und ca. 242 Mio.

Euro für die Erweiterung des Campus Riedberg.

Der Wissenschaftsrat begrüßt die dem Ausbaukonzept für die Universität

Frankfurt zugrunde liegende Konzentration auf insgesamt

drei Standorte und würdigt insbesondere die mit der fachlichen Hochschulentwicklungsplanung

einhergehende bauliche Vision. Der im

Aufbau befindliche Campus Westend, der stadtnah ein umfangreiches

Areal zur Ansiedlung der im weitesten Sinne Geistes- und Sozialwissenschaften

sowie verwandter, nicht experimenteller Disziplinen

umfasst, ist als einmalige Chance zu betrachten.

Die Prioritätensetzung des Landes, in der ersten Erweiterungsstufe

(2004-2007) auf dem Campus Westend die Fachbereiche Rechtswissenschaft

und Wirtschaftswissenschaften anzusiedeln, wird angesichts

der Bedeutung des internationalen Finanzstandorts Frankfurt

unterstützt. Ein Nachteil ist dagegen, dass diese Priorisierung für die

Fachbereiche Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften, deren

Auszug aus dem Hochhaus, in dem sie derzeit untergebracht sind,

keinen Aufschub duldet, einen zweimaligen Umzug zur Folge hat –

zunächst in die freigezogenen Räume der Fachbereiche Rechtswissenschaft

und Wirtschaftswissenschaften, später in einer zweiten Erweiterungsstufe

(2008-2011) auf den Campus Westend. Das Land

wird dringend gebeten, für den Fall einer starken zeitlichen Streckung

des Baugeschehens aus finanzpolitischen Gründen Alternativszenarien

für die im Hochhaus untergebrachten Institute zu entwickeln, da

dieses Gebäude nur noch eine beschränkte Nutzungsdauer hat.

Ferner befinden sich die Fächer des Fachbereichs 9, die räumlich auf

drei Standorte verteilt sind, in einer schwierigen Situation. Sie sollen

erst in der dritten Erweiterungsstufe (2012-2015) auf dem Campus

Westend zusammengeführt werden. Da gerade diese kleinen Fächer

in besonderer Weise auf die Vernetzung untereinander und mit anderen

Fachbereichen angewiesen sind, empfiehlt der Wissenschaftsrat

dem Land, den Nachzug der in Bockenheim und Hausen angesiedelten

Fächer des Fachbereichs 9 auf den Campus Westend zu einem

deutlich früheren Zeitpunkt zu realisieren.

Der Wissenschaftsrat hält es für unerlässlich, die Studienbedingungen

an der Universität Frankfurt nachhaltig zu verbessern, um sowohl

die extrem hohe Schwundquote als auch die in zahlreichen Fachbereichen

äußerst langen Studienzeiten zu reduzieren.

187


Im Rahmen einer Studienreform sollten Bachelor- und Masterstudiengänge

in allen Fachbereichen konsequent eingeführt werden. Auf

das in einigen Fachbereichen geplante parallele Angebot von Diplomstudiengang

einerseits und gestuften Studiengängen andererseits

sollte verzichtet werden.

Positiv hervorzuheben ist das im Förder-Ranking 2003 der Deutschen

Forschungsgemeinschaft hervorragende Abschneiden der

Geistes- und Sozialwissenschaften, die gemessen an den DFG-

Bewilligungen 1999 bis 2001 je Hochschule und Fachgebiet deutschlandweit

den zweiten Rang erreichen. Diese vorzügliche Platzierung

sollte ihren Niederschlag bei der Beteiligung dieser Disziplinen an

den zukünftigen Schwerpunktsetzungen der Hochschule finden.

Anhang

188


Anhang 1

Drittmittelausgaben 1999-2001 nach Fachbereichen

der Universität Frankfurt

Quelle: Haushaltsabteilung der Universität Frankfurt

2001 (Währung: DM)

FB DFG Bund Land EU

Wirtschaft

Sonstige

Summe

01 679.344 19.345 999 779.694 0 486.603 1.965.985

02 1.472.214 300.971 0 481.776 304.480 2.221.686 4.781.126

03 1.000.804 289.160 1.174.269 268.635 0 685.194 3.418.061

04 143.703 160.828 11.870 18.635 0 451.003 786.038

05 263.264 107.668 50.685 11.007 128.068 824.351 1.385.044

06 127.972 0 0 0 0 169.770 297.742

07 56.005 0 0 0 0 200.122 256.128

08 7.776.323 0 455.423 0 0 520.748 8.752.494

09 2.117.671 28.520 567 999 0 363.397 2.511.155

10 1.667.271 10.000 0 0 0 251.625 1.928.896

11 1.669.142 578.159 79.917 471.719 0 346.909 3.145.847

12 217.612 0 0 2.500 16.914 209.896 446.921

13 2.987.581 3.793.225 0 261.316 4.322 1.033.558 8.080.003

14 3.070.235 1.155.272 0 1.298.906 1.707.655 845.621 8.077.687

15 5.214.436 1.418.147 264.469 650.470 732.005 951.719 9.231.246

Medizin 8.324.007 3.352.130 66.254 49.651 31.800.47 6

947.895 44.540.412

DZ 0 0 0 0 0 80.823 80.823

Senckenberg 631.007 0 0 0 0 2.824 633.832

ZEfN 0 0 0 0 0 20.251 20.251

ZfH 0 0 0 0 0 0 0

ZENAF 956 0 0 0 0 13.266 14.223

ZUF 0 46.690 0 0 0 236.012 282.702

Insgesamt 37.419.548 11.260.114 2.104.454 4.295.308 34.693.919 10.863.272 100.636.615

189


Fortsetzung Anhang 1:

2000 (Währung: DM)

FB DFG Bund Land EU Wirtschaft Sonstige Summe

1 532.113 15.333 0 57.750 0 271.079 876.275

2 2.290.099 417.530 0 263.718 559.955 1.221.267 4.752.568

3 134.291 501.564 674.321 184.194 0 893.018 2.387.389

4 207.971 178.589 13.074 187.097 0 201.825 788.557

5 79.028 56.120 44.492 39.964 201.499 607.781 1.028.884

6 0 0 185.957 0 0 9.909 195.866

7 0 0 0 0 0 337.741 337.741

8 5.107.600 217.011 2.814.215 0 551 726.897 8.866.273

9 1.361.861 166.141 55.377 5.221 0 615.186 2.203.785

10 1.264.801 0 0 0 244 488.177 1.753.222

11 2.179.846 305.904 61.906 274.705 5.750 438.166 3.266.277

12 295.173 0 0 0 30.352 229.856 555.381

13 2.701.929 3.921.222 0 184.939 67.201 1.346.184 8.221.475

14 1.756.755 472.812 0 1.006.846 1.935.691 2.364.452 7.536.556

15 3.733.094 270.204 0 811.458 683.365 3.694.210 9.192.330

Medizin 3.507.287 816.496 13.094 53.490 15.937.065 131.139 40.013.487

DZ 5.275 0 0 0 0 78.663 83.938

Senckenberg 1.309.783 0 0 0 0 179.074 1.488.858

ZEfN 16.453 0 0 0 0 0 16.453

ZfH 6.000 0 0 0 0 0 6.000

ZENAF 58.171 0 0 0 0 24.791 82.962

ZUF 41.924 0 0 0 0 330.180 372.103

Insgesamt 29.941.826 8.119.356 3.874.951 3.120.510 34.654.798 14.314.940 94.026.381

190


Fortsetzung Anhang 1:

1999 (Währung: DM)

FB DFG B L EU W S Summe

01 490.783 56.787 3.209 3.047 0 353.733 907.558

02 2.508.037 390.073 0 24.986 361.855 1.823.061 5.108.011

03 294.143 137.251 421.600 995.337 0 345.343 2.193.674

04 72.894 68.035 1.245 159.284 0 174.848 476.306

05 256.872 39.178 64.508 0 36.138 998.427 1.395.124

06 0 0 0 0 0 78.441 78.441

07 35.708 0 0 0 0 86.986 122.694

08 7.465.913 70.910 78.731 0 0 703.272 8.318.827

09 1.127.787 5.450 12.866 6.948 1.788 496.084 1.650.922

10 1.742.928 45.721 0 0 31.335 234.265 2.054.248

11 1.896.785 505.535 99.688 595.369 4.110 210.682 3.312.169

12 221.184 9.965 210.472 5.604 5.717 210.472 663.413

13 3.053.353 3.919.204 0 178.253 340.623 988.937 8.480.370

14 2.448.152 1.486.418 0 983.239 856.561 1.400.438 7.174.808

15 6.578.958 898.461 11.192 1.670.686 387.479 160.896 9.707.672

Medizin 6.064.732 1.061.061 3.990 109.648 26.085.222 268.545 33.593.197

Senckenberg 1.290.847 0 0 0 0 29.933 1.320.780

ZEfN 0 0 0 0 0 3.285 3.285

ZfH 0 0 0 0 0 41.755 41.755

ZENAF 171.034 538 0 0 0 8.666 180.238

ZUF 0 44.983 0 0 0 352.009 396.991

Insgesamt 35.720.108 8.739.568 907.502 4.732.400 28.110.828 8.970.076 87.180.484

191


Anhang 2: Stiftungsprofessuren der Universität Frankfurt

• Stiftungsgastprofessur ‚Wissenschaft und Gesellschaft’ der Deutschen

Bank AG, Vortragsreihen: Von der Alexandrinischen Bibliothek

bis zum World Wide Web: Enzyklopädische Weltentwürfe

(Koordination: Prof. Dr. Waltraud Wiethölter, Prof. Dr. Eckhard

Lobsien); Jahrhundertenden, Jahrtausendenden, Enden der Welt

(Koordination: Prof. Klaus Reichert); Finanzkrisen (Koordination:

Prof. Gerhard Illing); Weltbilder im Lichte der Quantentheorie (Koordination:

Prof. Thomas Görnitz, Dr. Gesche Pospiech); Umwelt

im Wandel (Koordination: Prof. Christian D. Schönwiese, Prof.

Wolfgang Jaeschke)

• Dresdner Bank Stiftungsprofessur für Wirtschaftsrecht/Law & Finance

(Prof. Andreas Cahn)

• Stiftungsgastdozentur Internationales Bankrecht

(Symposien: iX und die Rechtsfolgen; NASDAQ – Auf dem Weg

zu einer internationalen Börse; Corporate Governance – Aktuelle

Entwicklungen; Rechtsfragen des grenzüberschreitenden Clearing

und Netting)

• Metzler Stiftungsgastprofessur für internationale Finanzwirtschaft

(Prof. J. David Cummins; Prof. H. Franklin Allen; Prof. Olivia S.

Mitchell: alle University of Pennsylvania, Philadelphia)

• Stiftungsprofessur des Bundesverbandes Deutscher Investmentund

Vermögensverwaltungsgesellschaften (BVI) für Betriebswirtschaftslehre

/ insbesondere Investment, Portofolio-Management

und Alterssicherung (Prof. Dr. Raimond Maurer)

• Stiftungsprofessur für M-Commerce von T-Mobile

(Prof. Dr. Kai Rannenberg)

• Martin-Buber-Stiftungsgastprofessur für jüdische Religionsphilosophie

(Prof. Michael Zank, Boston; Prof. Dr. Almut Sh.

Bruckstein, Jerusalem; Prof. Dr. Yossef Schwartz, Jerusalem)

• Stiftungsgastprofessur für islamische Religion

(Prof. Dr. Emin Köktas, SS 2003 – WS 2004/05)

• Gastprofessur Theologie Interkulturell (Prof. Seemampillai Joseph

Emmanuel, Jaffna; Prof. Luis Guteinz SJ, Taipei/Taiwan; Prof. Dr.

Nazaire Bitoto Abeng, Yaoundé)

• Richard Daub-Stiftung: Daub-Vorlesungen zur Medien- und Redefreiheit

(Prof. Dr. Robert C. Post, Berkeley; Prof. Dr. Dieter Grimm,

192


Karlsruhe; Dr. Thomas Darnstädt, Hamburg; Dr. Anthony Julius,

London; Prof. Dr. Chaim Gans, Tel Aviv)

• Stiftungsgastdozentur für Poetik (Elisabeth Borchers, Hans-Ulrich

Treichel, Robert Gernhardt, Patrick Roth)

• Beilstein-Stiftungsprofessur für Chemie-Informatik

(Prof. Dr. Gisbert Schneider)

• Rolf-Sammet-Stiftungsgastprofessur der Aventis-Foundation

(Prof. Dr. Arndt Simon, Stuttgart; Prof. Dr. Alexander Pines,

Berkeley; Prof. Dr. Günter Blobel, New York)

• Friedrich-Merz-Stiftungsgastprofessur für Pharmazie und Humanmedizin

(Prof. Dr. Edson X. Albuquerque, Baltimore; Prof. Dr.

Timo Erkinjuntti, Helsinki)

• Kröner-Fresenius-Stiftungsprofessur für Gastroenterologie u. klin.

Ernährung (Prof. Dr. Dr. Jürgen Stein)

• Schleussner-Stiftungsdozentur für Immunpharmakologie

(Prof. Dr. Heinfried Radeke)

• Degussa-Stiftungsprofessur für Organische Synthetik

(ausgeschrieben)

• VWL-Juniorprofessur: Merges Acquisition im Mittelstand der Klein

Coll. Unternehmensberatung (Dr. Grothe)

• Stiftungsprofessur Gerontopsychiatric der BHF-Bank

(Liste vom Fachbereich Medizin beschlossen)

• Stiftungsgastprofessur der Commerzbank-Stiftung im Stifterverband

für die deutsche Wissenschaft

193


Anhang 3: Zahl der Promotionen nach Fachbereichen der Universität

Frankfurt 1997-2002

FB 1997 1998 1999 2000 2001 2002

01 49 50 53 48 55 54

02 39 43 31 22 35 33

03 26 30 30 26 29 23

04 13 14 8 23 8 6

05 8 7 5 13 14 9

06 3 6 7 1 5 1

07 1 4 4 1 6 7

08 19 17 30 15 25 11

09 21 15 24 28 26 12

10 24 24 18 23 29 22

11 10 16 16 7 11 11

12 3 8 6 6 2 6

13 31 34 31 36 28 20

14 73 83 101 83 107 73

15 40 45 49 38 48 29

16 336 349 304 231 215 193

Summe 696 745 717 601 643 510

194


Anhang 4: Zahl der Habilitationen nach Fachbereichen der Universität

Frankfurt 1997-2002

FB 1997 1998 1999 2000 2001 2002

01 5 3 3 3 1 5

02 3 1 1 4 6 1

03 2 2 3 5 5 5

04 1 3 0 1 0 3

05 0 1 3 1 2 1

06 0 2 1 1 1 1

07 - - - - - -

08 3 1 5 5 4 1

09 4 3 0 5 5 4

10 3 4 3 1 3 1

11 1 0 3 2 2 1

12 0 0 0 0 1 1

13 4 5 6 3 1 5

14 3 3 3 3 5 3

15 1 0 0 2 2 3

16 14 17 13 21 22 31

Summe 44 45 44 57 60 66

195


196


Stellungnahme

zur Fachhochschule Merseburg

vom Mai 2004

Inhalt

Seite

Vorbemerkung 198

A. Darstellung der Fachhochschule 198

I. Zur Entwicklung der Fachhochschule

Merseburg 198

II. Lehre 199

III. Studienanfänger, Studierende und Absolventen 201

IV. Forschung 202

V. Kooperationsbeziehungen 204

VI. Weiterbildung, Wissens- und Technologietransfer,

An-Institute 206

VII. Haushalt und Ausstattung 207

VIII. Hochschulstruktur- und Hochschulbauplanung

des Landes 209

IX. Strukturentwicklungskonzept der Fachhochschule

Merseburg 212

X. Ausbauplanung der Fachhochschule Merseburg 214

B. Stellungnahme 216

I. Zum Profil und zur Entwicklungsplanung der

Fachhochschule Merseburg 216

II. Zu Studium und Lehre 218

III. Zu den Studienanfänger-, Studierenden- und

Absolventenzahlen sowie zum Lehrpersonal 226

IV. Zur Forschung 228

V. Zu den Kooperationen 230

VI. Zur Weiterbildung und zum Wissens- und

Technologietransfer 231

VII. Zur Ausbauplanung 231

C. Zusammenfassung 233

Anhang 235

197


Vorbemerkung

Das Land Sachsen-Anhalt hat das Vorhaben Nr. 018 „Herrichtung

des Campus FH Merseburg“ (Bauzeit: 2004 bis 2007, Fläche:

27.358 m², Baukosten: 60,0 Mio. Euro) im Jahr 2002 zur grundsätzlichen

Aufnahme in den 32. Rahmenplan angemeldet. Der Wissenschaftsrat

gab damals Planungskosten in Höhe von 4,0 Mio. Euro frei

und kündigte an, dass er zur Konzeption des Ausbaus der Fachhochschule

Merseburg Stellung nehmen werde. Zum 33. Rahmenplan

wurde das Vorhaben zur Höherstufung angemeldet, wobei das Volumen

um 11,1 auf 48,9 Mio. Euro gekürzt und die Fläche um 10.980

auf 16.378 m² reduziert wurde. Unter Hinweis auf die anstehende

Begutachtung hat der Wissenschaftsrat von einem Votum zur Aufnahme

in den Rahmenplan abgesehen und lediglich Planungskosten

freigegeben.

Der Ausbauausschuss des Wissenschaftsrates hat die Arbeitsgruppe

Fachhochschulen um Begutachtung der Ausbaukonzeption für die

Fachhochschule Merseburg gebeten. In dieser Arbeitsgruppe, die für

diesen Zweck um externe Sachverständige verstärkt wurde, haben

auch Sachverständige mitgewirkt, die nicht Mitglieder des Wissenschaftsrates

sind. Ihnen ist der Wissenschaftsrat zu besonderem

Dank verpflichtet.

Die Arbeitsgruppe hat die Fachhochschule Merseburg am 8./9. März

2004 besucht, aufgrund offener Fragen weitere Unterlagen erbeten

und eine zweite Sitzung am 8. April 2004 in Köln angesetzt. Auf der

Grundlage des Besuchs in Merseburg, der vom Land eingereichten

Informationen und des Votums der Arbeitsgruppe wurde die vorliegende

Stellungnahme vorbereitet. Der Ausbauausschuss hat die

Stellungnahme auf seiner Sitzung am 29./30. April 2004 gebilligt. Der

Wissenschaftsrat hat die Stellungnahme am 28. Mai 2004 verabschiedet.

A. Darstellung der Fachhochschule

A.I. Zur Entwicklung der Fachhochschule Merseburg

Die Fachhochschule Merseburg ist aus einer Technischen Hochschule

mit Promotionsrecht hervorgegangen, die in der ehemaligen DDR

eine wichtige Rolle in der Ausbildung für die Chemieregion spielte.

Die Einrichtung wurde am 1. April 1992 auf Empfehlung des Wissenschaftsrates

als Fachhochschule gegründet. Der Wissenschaftsrat

hatte sich dafür ausgesprochen, im Rahmen eines mittelfristigen

Ausbauziels von etwa 2.000 Studienplätzen ein breiteres Fächerprofil

198


mit den Bereichen Ingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften und

Sozialwesen vorzusehen. 1 Inzwischen werden diese drei Bereiche

durch interdisziplinär angelegte Studiengänge verbunden. Zudem

wurde ein Kultur- und Medienbereich aufgebaut, der gleichfalls als

verbindendes Element fungiert. Künftig soll der interdisziplinäre Charakter

in den drei Bereichen Natur- und Technikwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften

und Soziales/Medien/Kultur noch weiter verstärkt

werden.

A.II. Lehre

Die Fachhochschule Merseburg verfügt zurzeit über folgende Fachbereiche

(eine Aufstellung der Studiengänge des jeweiligen Fachbereichs

ist der Übersicht 1 im Anhang zu entnehmen):

- Fachbereich Informatik und Angewandte Naturwissenschaften

(FB 1)

- Fachbereich Chemie und Umweltingenieurwesen (FB 2)

- Fachbereich Maschinenbau (FB 3)

- Elektrotechnik, Informationstechnik und Medien (FB 4)

- Fachbereich Wirtschaftswissenschaften (FB 5)

- Fachbereich Soziale Arbeit. Medien. Kultur (FB 6)

Zum Studienangebot zählen 16 grundständige Diplom-Studiengänge

mit insgesamt 20 Studienrichtungen, fünf Diplom-Fern-/Weiterbildungsstudiengänge

(von denen einer demnächst ausläuft), ein dualer

Studiengang (Technische Betriebswirtschaft), 2 drei anwendungsbezogene

Bachelorstudiengänge (Chemieingenieurwesen, Versorgungs-

und Haustechnik/Entsorgungs- und Umwelttechnik, Betriebswirtschaft),

die parallel zu entsprechenden Diplomstudiengängen angeboten

werden, und vier Masterstudiengänge (die anwendungsbe-

1

Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur künftigen Struktur der Hochschullandschaft in

den neuen Ländern und im Ostteil von Berlin, Teil II, Köln 1992, S. 125f. Der Wissenschaftsrat

empfahl die Studienrichtungen Maschinenbau (Schwerpunkte Energie- und

Umwelttechnik), Verfahrenstechnik, Ver- und Entsorgungstechnik, Elektrotechnik,

Chemieingenieurwesen (Technische Chemie, Angewandte Chemie), Betriebswirtschaftslehre,

Sozialwesen.

2

Es handelt sich um einen alternativen Fachhochschulstudiengang, der mit dem

Diplom (BA [= Berufsakademie]) abschließt. Der Studiengang ist Teil eines vom Land

Sachsen-Anhalt geförderten Modellversuchs „Konzeption und Entwicklung dualer

Fachhochschul-Kompaktstudiengänge Betriebswirtschaft und Technische Betriebswirtschaft“,

den das Institut für Hochschulforschung Wittenberg e.V. an der Martin-Luther-

Universität Halle-Wittenberg von 1997 bis 2001 wissenschaftlich begleitet hat. Vgl.

Heidrun Jahn: Duale Studiengänge an Fachhochschulen. Abschlussbericht der wissenschaftlichen

Begleitung eines Modellversuchs an den Fachhochschulen Magdeburg

und Merseburg. Hrsg. vom Institut für Hochschulforschung Wittenberg e.V. an der Martin-Luther-Universität

Halle Wittenberg, Arbeitsbericht 01/03.

199


zogenen Studiengänge Projektmanagement, Sexualpädagogik und

Familienplanung, Kulturmarketing und der forschungsbezogene Studiengang

European Social Work). 1 Die Studiengänge Kultur- und

Medienpädagogik, Mechatronik, Wirtschaftsingenieurwesen sowie

Kommunikation und Technische Dokumentation sind in ihrer Struktur

interdisziplinär angelegt.

Zulassungsbeschränkt sind die Studiengänge Medien- und Kommunikationstechnologie,

Kommunikation und Technische Dokumentation,

Betriebswirtschaft (Diplom- und Fernstudiengang), Wirtschaftsingenieurwesen,

Sozialarbeit/Sozialpädagogik sowie Kultur- und Medienpädagogik.

Kriterium für die Zulassung von Bewerbern um einen

Studienplatz sind der Abiturnotendurchschnitt und die Wartezeit.

Zum grundständigen Studium an der Fachhochschule Merseburg gehört

generell eine obligatorische Fremdsprachenausbildung über

mindestens drei Semester in mindestens einer Sprache. Im Regelfall

sind derzeit im ersten bis dritten Semester in jedem grundständigen

Studiengang jeweils zwei Semesterwochenstunden verpflichtend

vorgesehen. Im Studiengang Kommunikation und Technische Dokumentation

sind vom ersten bis dritten Semester zwei Fremdsprachen

mit je sechs Semesterwochenstunden und vom vierten Semester an

weiterhin zwei Fremdsprachen mit zehn bzw. acht Semesterwochenstunden

verpflichtend.

Ein Masterstudiengang (European Social Work) wird in englischer

Sprache abgehalten, die Studierenden kommen aus verschiedenen

europäischen Ländern, vornehmlich aus Osteuropa. Im Jahr 2003

wurde in Kooperation mit der University of Portsmouth (Großbritannien)

erstmals ein Doppeldiplom (englisch und deutsch) an zwei Absolventen

der Studiengänge Maschinenbau und Elektrotechnik vergeben.

Lehrkörper und Studierende beteiligen sich nach Darstellung

der Fachhochschule rege an den EU-Mobilitätsprogrammen LEO-

NARDO und SOKRATES.

Über HWP-Projekte 2 erarbeitet die Fachhochschule Merseburg neue

e-learning-Konzepte, insbesondere im gemeinsamen Projekt mit den

Fachhochschulen Anhalt und Harz „Informatik im Netz“. Durch Inbetriebnahme

eines Multimedia-Netzes im November 2003 hat die

Fachhochschule ihre Voraussetzungen für e-learning verbessert. Eine

Reihe von Diplomarbeiten und Praktika in mehreren Fachberei-

1

Die bestehenden Bachelor- und Masterstudiengänge wurden auf der Grundlage

ministeriellen Rechts eingerichtet; in Sachsen-Anhalt ist bislang keine sofortige Akkreditierung

neuer Studiengänge erforderlich.

2

HWP = Bund-Länder-Vereinbarung zur Förderung der Weiterentwicklung von

Hochschule und Wissenschaft sowie zur Realisierung der Chancengleichheit für Frauen

in Forschung und Lehre.

200


chen dient der Fundierung des im Aufbau befindlichen e-learning-

Konzepts der Fachhochschule.

Die Studiengänge sollen bis spätestens Wintersemester 2005/06 alle

in Bachelor- und Masterstudiengänge umgewandelt werden; zum

Wintersemester 2003/04 wurde bereits für die Studiengänge das

Diploma Supplement eingeführt. Bis zum Wintersemester 2004/05

sollen sie alle modularisiert werden sowie ECTS-Credits erhalten. Mit

der Modularisierung wurde bereits begonnen.

Ein Weiterbildungs-Masterstudiengang („Sexualpädagogik und Familienplanung“)

ist zur Akkreditierung angemeldet, 1 der Masterstudiengang

„Kulturmarketing“ wird voraussichtlich im Jahr 2004 akkreditiert

werden. Aus Kostengründen wurden noch keine weiteren Studiengänge

zur Akkreditierung angemeldet. Grundständige Studiengänge

wurden noch nicht akkreditiert.

Die Fachhochschule Merseburg hat kürzlich ihr Studienangebot gestrafft;

so wurden ihre 56 Studienrichtungen auf 20 reduziert, und die

Studiengänge „Versorgungs- und Haustechnik“ sowie „Entsorgungsund

Umwelttechnik“ wurden zum neuen Studiengang „Versorgungs- ,

Entsorgungs- und Umwelttechnik“ zusammengelegt. Die Einführung

neuer Studiengänge ist nicht geplant, doch sollen neue Schwerpunkte

gesetzt werden, z. B. ein Schwerpunkt „Kunststoffe“ im Studiengang

Chemie- und Umweltingenieurwesen.

Eine regelmäßige Lehrevaluation wird bislang nicht durchgeführt.

Lehrende können sich aber seit 2002 auf freiwilliger Basis von den

Studierenden anhand von drei zur Auswahl stehenden Fragebögen

evaluieren lassen. Alle zwei Jahre werden zudem auf Vorschlag von

Studierenden zwei Preise für besondere Leistungen in der Lehre vergeben.

Jährlich wird eine mehrtägige Weiterbildung für die Lehrenden

angeboten.

A.III. Studienanfänger, Studierende und Absolventen

Die Fachhochschule Merseburg verfügt zurzeit über 2.321 flächenbezogene

Studienplätze. Im Wintersemester 2002/03 schrieben sich

772 Studienanfänger an der FH ein (Sommersemester 2002: 793,

davon 19 ausländische Studienanfänger). Insgesamt verzeichnete

die Fachhochschule Merseburg in diesem Semester 3.285 Studierende

(Sommersemester 2002: 3.158, davon 45 ausländische Studie-

1

Das Akkreditierungsverfahren bei der Zentralen Evaluations- und Akkreditierungsagentur

(ZEVA) in Hannover wird im Jahr 2004 abgeschlossen werden.

201


ende), von denen ein Großteil (1.131 Studierende) einen wirtschaftswissenschaftlichen

Studiengang belegt hat.

Auf jede besetzte Professorenstelle entfielen im Wintersemester

2002/03 insgesamt neun Studienanfänger und 38,4 Studierende. Die

Relation von Studienanfängern zu wissenschaftlichem Personal (Professoren

und Lehrkräfte für besondere Aufgaben) betrug 8,3, die Relation

von Studierenden zu wissenschaftlichem Personal 35 (vgl. Ü-

bersicht 2 im Anhang).

Die Studienabbrecher-Rate betrug im Jahr 2002 31 % (zum Vergleich:

2001: 25 %; 2000: 29 %). Im Durchschnitt der Jahre 2000 bis

2002 betrug die Studienabbrecher-Rate 28 % (vgl. Übersicht 4).

Im Jahr 2002 machten insgesamt 444 Studierende ihren Abschluss in

einem Studiengang der Fachhochschule, davon die meisten (147) im

Fachbereich Soziale Arbeit.Medien.Kultur, gefolgt vom Fachbereich

Wirtschaftswissenschaften (144). Im Jahr 2003 waren es am 31. Oktober

bereits 476 Absolventen, von denen ebenfalls die meisten (174)

ihr Studium in einem sozial-, medien- oder kulturwissenschaftlichen

Fach oder in den Wirtschaftswissenschaften (147) abschlossen.

Dies ist nicht das Ergebnis eines günstigeren Betreuungsverhältnisses

in diesen Fachbereichen. Auch auf die Zahl der Professoren bezogen

hatten die Fachbereiche Soziale Arbeit.Medien.Kultur, Wirtschaftswissenschaften

und Maschinenbau in den letzten drei Jahren

die meisten Absolventen (vgl. Übersicht 3 im Anhang). 1

A.IV.

Forschung

Die Fachhochschule Merseburg hat Forschungsschwerpunkte eingerichtet,

die als Zielrichtung für den Ausbau und die Profilierung der

Forschung dienen und die die Mittelverteilung beeinflussen. Themen

für neue Forschungsschwerpunkte werden von den Fachbereichen

oder fachbereichsübergreifend bei der Senatskommission für Forschung

zur Anerkennung eingereicht und auf Vorschlag dieser Kommission

durch den Senat für die Dauer von vier Jahren bestätigt.

Folgende Forschungsschwerpunkte wurden etabliert:

1

In den ersten Jahren des Aufbaus unterlag die Fachhochschule Merseburg dem

bundesweiten Trend einer zu geringen Nachfrage in den ingenieurwissenschaftlichen

Bereichen. Daher liegen die Absolventenzahlen, die sich aus den Studiengängen dieser

Jahrgänge rekrutieren, in den Ingenieurwissenschaften sehr niedrig. Mit dem Studienjahr

2003/04 sind die ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge jedoch ausgelastet;

einige mussten mit einem lokalen Numerus Clausus versehen werden.

202


- Automatisierung und Modellierung für technologische Prozesse,

Gebäude und Umwelt sowie Systemmodellierung (Fachbereich

1-4);

- Strömungsmaschinen (An-Institut Fluid und Pumpentechnik e.V.

sowie Fachbereich 3);

- Telekommunikation, Signalverarbeitung und Mikroelektronik

(Fachbereich 4 und An-Institut Verein für Telekommunikation und

Medien);

- Zukunftssichernde Prozesse und Technologien:

• Strahltechnologie für technische und medizinische Verfahren

(Fachbereich 1);

• Entwicklung und Optimierung von chemischen und umwelttechnischen

Verfahren (Fachbereich 2);

- Anlagentechnische und prozessorganisatorische Optimierung aus

fertigungstechnischer Sicht (Fachbereich 3).

Folgende Forschungsschwerpunkte befinden sich in Abstimmung:

- Mensch und Arbeit (Fachbereiche 5 und 6);

- Medien- und Kulturwissenschaften (Fachbereiche 1, 4 und 6).

Darüber hinaus gibt es noch einzelne Projekte der anwendungsorientierten

Forschung, insbesondere in den Ingenieurwissenschaften, die

in Kooperation mit der Universität Halle-Wittenberg auf umweltrelevantem

Gebiet (z. B. nachwachsende Rohstoffe, alternative Energien,

Reinhaltung von Luft, Wasser und Boden) durchgeführt werden.

Die Fachbereiche der Fachhochschule Merseburg haben im Jahr

2002 insgesamt rund 0,8 Mio. Euro an Drittmitteln für Forschungszwecke

ausgegeben (vgl. Übersicht 5 im Anhang). Hiervon stammten

106.900 Euro, die von den Fachbereichen Chemie- und Umweltingenieurwesen

sowie Maschinenbau eingeworben wurden, von der DFG.

Die meisten Drittmittelausgaben für Forschung konnte in diesem Jahr

der Fachbereich Chemie- und Umweltingenieurwesen vorweisen

(rund 337.700 Euro). In den drei Vorjahren wurden mehr Drittmittel

für Forschung ausgegeben (2001: 964.800 Euro, 2000: 920.300 Euro,

1999: 1.073.300 Euro).

Angehörige der Fachhochschule Merseburg haben in den letzten drei

Jahren (2000-2003) insgesamt 19 Patente erteilt bekommen. 1

Der Forschungs- und Innovationspreis der Fachhochschule Merseburg

wurde bisher dreimal ausgelobt und vergeben. Im Jahr 2003

1

Diese Zahl bezieht sich nur auf die der Fachhochschule gemeldeten Patente. Die

Hochschulangehörigen müssen allerdings ihre Patente der Hochschule nicht anzeigen.

203


wurde des Weiteren erstmals der Transferpreis des Kuratoriums der

Fachhochschule Merseburg verliehen, der von den führenden Großunternehmern

der Chemieregion gestiftet wurde.

A.V. Kooperationsbeziehungen

Auf dem Gebiet der Lehre kann die Fachhochschule Merseburg folgende

Kooperationen vorweisen:

- Der Studiengang „Informatik im Netz“ wird gemeinsam mit der

Hochschule Harz und der Hochschule Anhalt (FH) angeboten.

- Der Studiengang „Kulturmarketing“ wird gemeinsam mit der Hochschule

Harz angeboten.

- Im HWP-Projekt „Europäische Studienreform“ arbeitet die Fachhochschule

mit den drei anderen Fachhochschulen des Landes

zusammen.

- Der Fachbereich Maschinenbau der Fachhochschule Merseburg

hat mit der Landwirtschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-

Universität Halle einen gemeinsamen grundständigen Studiengang

Agricultural Engineering erarbeitet, der noch nicht institutionalisiert

werden konnte. 1 Ein gemeinsamer Studiengang Chemieund

Umweltingenieurwesen ist zurzeit in der Abstimmungsphase.

Die Fachhochschule Merseburg strebt eine Beteiligung an der Lehrerausbildung

an. Derzeit wird die Lehrerausbildung an den Hochschulen

des Landes Sachsen-Anhalt neu geordnet. Im Projekt „Chemie

zum Anfassen“ der Fachhochschule Merseburg wird ein Weiterbildungsangebot

für Lehrer gemacht, das kürzlich erweitert wurde.

Im Raum Merseburg entstehen zurzeit vom Regionenmarketing Mitteldeutschland

initiierte innovative Netzwerke (Cluster), an denen außer

der Fachhochschule Merseburg eine Vielzahl an Einrichtungen

beteiligt sind, darunter unter anderem

- alle Universitäten und Fachhochschulen Mitteldeutschlands,

- die Wirtschaftsministerien von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen,

- isw Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung Halle-

Leipzig e.V.,

- DOW Olefinverbund,

- InfraLeuna,

1

Die Landwirtschaftliche Fakultät der Universität Halle und die Fachhochschule

Merseburg haben sich auf die Einrichtung des Studiengangs geeinigt. Es gibt noch

keine beschlossene Studien- und Prüfungsordnung. Ein Beschluss des Senats der U-

niversität und die Genehmigung des Ministeriums stehen noch aus

204


- SKW Stickstoffwerke Piesteritz,

- POLYKUM e.V.,

- Regionenmarketing Mitteldeutschland.

Zur Bildung der Cluster sollen sich die wirtschaftspolitischen Aktivitäten

Mitteldeutschlands auf sieben Branchen konzentrieren, die auf

mitteldeutscher Ebene bereits eine „kritische Masse“ an Unternehmensbestand

bilden sowie über eigene Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen

verfügen:

- Automotive

- Biotechnologie – Life Sciences

- Chemie – Kunststoff

- Energie – Umwelt

- Ernährungswirtschaft

- Medien

- Informationstechnologie

Innerhalb des Clusters Chemie – Kunststoff hat die Fachhochschule

Merseburg die Federführung für die Koordination der Aktivitäten im

Bereich der Hochschulen.

Des Weiteren arbeitet die Fachhochschule Merseburg mit außeruniversitären

Forschungseinrichtungen der Region (z. B. dem Fraunhofer-Institut

für Werkstoffmechanik in Halle oder dem Umweltforschungszentrum

Leipzig-Halle) zusammen.

Die Fachhochschule Merseburg unterhält zu insgesamt 31 ausländischen

Partnerhochschulen im EU-Raum und außerhalb der EU Kooperationsbeziehungen.

1 Die Partnerhochschulen werden für Auslandssemester

und –praktika genutzt. Im Fachbereich Soziale Arbeit.Medien.Kultur

werden gemeinsame einwöchige bis zehntägige

Projekte durchgeführt.

Im Rahmen der Graduiertenförderung der Universität Halle-

Wittenberg hat der Fachbereich Elektrotechnik, Informationstechnik

und Medien der Fachhochschule Merseburg ein Promotionsstipendium

für ein kooperatives Promotionsverfahren erhalten. Bislang wurden

nach Auskunft der Fachhochschule sieben kooperative Promotionsverfahren

mit Universitäten durchgeführt.

Die Fachhochschule Merseburg hat – über ein HWP-Projekt – eine

Alumni-Datenbank aufgebaut, in der ca. 500 Absolventen erfasst

1

EU: Belgien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Niederlande,

Portugal; außerhalb der EU: China, Indien, Lettland, Litauen, Norwegen, Polen,

Rumänien, Russland, Ukraine, USA.

205


sind, und pflegt regelmäßig Kontakt zu diesen Absolventen. Im Fachbereich

Wirtschaftswissenschaften wurde ein Unterverein hierfür gegründet.

A.VI. Weiterbildung, Wissens- und Technologietransfer,

An-Institute

Um Weiterbildungsangebote machen zu können, nutzt die Fachhochschule

ihre Kooperation mit An-Instituten, die Entgelte erheben können.

17 derartige Angebote bestehen, vom web-basierten Aufbaustudium

über Lehrerfortbildungen, berufsbegleitende Masterstudiengänge

und Weiterbildungsangebote bis hin zum Seniorenkolleg. Nach

der geplanten Novellierung des Hochschulgesetzes wird die Fachhochschule

Merseburg Gebühren und Entgelte erheben können.

An der Fachhochschule Merseburg gibt es außer dem Prorektorat für

Forschung und Technologietransfer (Prorektor und Koordinatorin)

keine institutionalisierte Einrichtung für Wissens- und Technologietransfer.

Die Initiative geht vielmehr von den Mitarbeitern und Hochschullehrern

sowie dem Prorektor für Forschung und Technologietransfer

aus. Instrumente zur Stimulierung stellen der vom Kuratorium

ausgelobte Transferpreis der Hochschule und der alljährlich stattfindende

Tag der Forschung dar, an dem die Fachhochschule Merseburg

ihr Leistungsprofil und ihre Leistungskraft auf dem Gebiet der

angewandten Forschung vor Vertretern der Unternehmen und Einrichtungen

der Region präsentiert. Förderlich für den Technologietransfer

ist die Zusammenarbeit mit den Technologie- und Gründerzentren,

insbesondere mit dem Merseburger Innovations- und Technologiezentrum

mitz.

An der Fachhochschule Merseburg existieren zurzeit sieben An-

Institute, die überwiegend als eingetragene Vereine (in einem Fall als

Gesellschaft mit beschränkter Haftung) organisiert sind:

- Fluid- und Pumpentechnik e.V. Merseburg (FPT);

- Forschungs- und Beratungszentrum für Maschinen und Energiesysteme

e. V. (FBZ);

- Verein für Telekommunikation und Medien e.V. (v-tm);

- Sexualpädagogisches Zentrum Merseburg;

- Funktionelle Materialien und Hilfsstoffe (FMH);

- Mensch-Medium-Maschine-Management (M 4 Institut);

- Institut für Internationale Bildungskooperation e.V.

Die enge Zusammenarbeit der An-Institute mit der Fachhochschule

Merseburg ist über Kooperationsverträge institutionalisiert; die Institute,

die von Professoren der Fachhochschule geleitet werden, können

206


Forschungsflächen der Fachhochschule nutzen. Für die vier letztgenannten

Institute steht die formale Anerkennung durch das Kultusministerium

des Landes Sachsen-Anhalt noch aus.

A.VII. Haushalt und Ausstattung

Im Jahr 2003 verzeichnete die Fachhochschule Merseburg Gesamtausgaben

(ohne Drittmittel) in Höhe von 17,5 Mio. Euro, darunter

Personalausgaben in Höhe von 13,8 Mio. Euro, sächliche Verwaltungsausgaben

in Höhe von 2,7 Mio. Euro und Ausgaben für Investitionen

in Höhe von 1,0 Mio. Euro.

Die Fachhochschulen des Landes Sachsen-Anhalt sind seit langem

budgetiert. Folge dieser Budgetierung sind auch eine Mittelvergabe

anhand von struktur- und leistungsfördernden Indikatoren sowie eine

flächenbezogene Kostenrechnung.

Die Fachhochschule Merseburg verfügte im Oktober 2003 über

75 Planstellen für C3- und 50 für C2-Professoren sowie sieben für

Lehrkräfte für besondere Aufgaben, neun für wissenschaftliche Mitarbeiter

(alle befristet) und 73,75 Planstellen für sonstiges Personal in

den Fachbereichen. Von den insgesamt 125 C-Stellen waren nur

85,5 Stellen (~ 68 Prozent) besetzt. In Bezug auf die Frage, wie es

sich auf Lehre und Forschung auswirke, dass nur 68 Prozent der

Stellen für Hochschullehrer besetzt seien, führt das Land aus, dass

es derzeit seine Hochschulstrukturplanung fortschreibe; mit der Neufestlegung

der Ausbildungskapazitäten würden künftige Stellenpläne

in Übereinstimmung mit den finanziellen Mitteln des Landes gebracht.

In absehbarer Zeit werde deshalb das Berufungsgeschehen wieder

planmäßig verlaufen, und es werde zur Besetzung aller Professuren

kommen, die im Einklang mit der neuen Struktur stünden. Das künftige