Handwerk zieht positive Bilanz des Jahres 2012 Konjunktur auf ...

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Handwerk zieht positive Bilanz des Jahres 2012 Konjunktur auf ...

Handwerk zieht positive Bilanz des Jahres 2012

Konjunktur auf hohem Niveau / Umsatz legt um 2,1 Prozent zu

Bielefeld. Das ostwestfälisch-lippische Handwerk zieht eine positive Jahresbilanz: Der Umsatz der

rund 21.000 Betriebe mit ihren 148.000 Beschäftigten sei im Jahr 2012 um 2,1 Prozent auf 15

Milliarden Euro gestiegen, sagte Handwerkspräsidentin Lena Strothmann am Montag in Bielefeld.

Die Betriebsinhaber seien in guter Stimmung, die Auslastung der Unternehmen sei gestiegen.

Das vergangene Jahr habe im Zeichen einer „Konjunktur auf hohem Niveau“ gestanden, betonte

Strothmann. Vor allem die Bau- und Ausbauhandwerker hätten von einer starken

Investitionsnachfrage profitiert. Angesichts der Schuldenkrise steckten viele Bundesbürger ihr Geld

in bleibende Werte wie Immobilien. Als wichtiger Wachstumsmotor habe sich auch das

Metallgewerbe als Zulieferer für die Industrie erwiesen. Das Handwerk sei gut in das Jahr 2013

gestartet und lasse sich den Mut nicht nehmen, sagte die Kammerpräsidentin und sprach von einer

weiterhin positiven Konjunkturentwicklung. Für 2013 erwarte sie ein Umsatzwachstum „zwischen

einem halben und einem Prozent“.

Die Entwicklung auf dem handwerklichen Arbeitsmarkt sei im vergangenen Jahr sehr stabil

verlaufen, berichtete Strothmann und verwies auf einen leichten Anstieg der Beschäftigtenzahl von

zwei Prozent. Im Jahr 2013 könne es weitere Verbesserungen geben, sofern die notwendigen

Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt gefunden werden. Da die Zahl der Schulabgänger in den

kommenden Jahren zurückgehen werde, würden immer mehr Betriebe von Nachwuchssorgen

geplagt. Die Sicherung des Fachkräftenachwuchses sei deshalb längst eine Schwerpunktaufgabe

der Handwerkskammer. Für betriebliche Ausbildung werde auf allen Ebenen intensiv geworben.

Strothmann: „Wir wollen verstärkt Realschüler und Gymnasiasten, aber auch Frauen und

Jugendliche aus Zuwandererfamilien gewinnen.“

Das Thema „Nachwuchssicherung“ habe sie zur „Chefsache“ gemacht, sagte die

Kammerpräsidentin und verwies auf eine Gesprächsreihe mit den Leitern der Berufskollegs in der

Region. Jugendliche mit mangelnder Ausbildungsreife und der technologische Fortschritt

bedeuteten für die berufsschulische Bildung eine kontinuierlich hohe Beanspruchung.

Knapp 21.000 Handwerksbetriebe in der Region

Die meisten Neugründungen bei den Friseuren

Bielefeld. Die Gesamtzahl der Handwerksbetriebe in Ostwestfalen-Lippe ist 2012 weitgehend

konstant geblieben. Mit 20.891 Unternehmen (2011: 20.888) sei „die Gesamtzahl bei inneren

Umschichtungen fast unverändert“, sagte Michael Heesing, Hauptgeschäftsführer der Bielefelder

Handwerkskammer, bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Bielefeld.

Im Vollhandwerk hat die Anzahl der Betriebe im Jahr 2012 von 14.254 (31.12.2011) auf 14.131

Unternehmen (-0,86 Prozent) leicht abgenommen. Die meisten Neugründungen gab es bei den

Friseuren (+92), allerdings wurden auch 99 Friseurbetriebe gelöscht. Bei den zulassungsfreien


Handwerken gab es die meisten Zugänge bei den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern (+210). Die

zweitstärkste Gruppe waren 2012 die Fotografen mit Zugängen in Höhe von +83. Insgesamt ist bei

den zulassungsfreien Handwerken ein Plus von 152 Betrieben (4,58 Prozent) zu verzeichnen.

Im Jahr 2012 hat die Handwerkskammer 70 Ausnahmebewilligungen erteilt. Damit erhalten

Personen, die keine Meisterprüfung abgelegt haben, die Möglichkeit, sich im Vollhandwerk

selbstständig zu machen. 44 Antragsteller mussten eine Sachkundeprüfung zum Nachweis ihrer

Kenntnisse und Fertigkeiten ablegen. Für Angehörige der EU-Staaten und sonstige Ausländer

wurden zehn Ausnahmebewilligungen erteilt.

Im Vorjahr wurden 68 Insolvenzverfahren in der Handwerkskammer erfasst, neun weniger als im

Vorjahr. Die positive Entwicklung zeigt, dass 2012 für das Handwerk in der Region „ein gutes Jahr“

war, bilanzierte Heesing. Nach seiner Darstellung waren vor allem Betriebe des Bau- und

Ausbaugewerbes von Insolvenzen betroffen.

Handwerkskammer sucht Unternehmernachwuchs

Generationswechsel als anspruchsvolle Daueraufgabe

Bielefeld. Angesichts des demografischen Wandels sorgt sich die Handwerkskammer

Ostwestfalen-Lippe verstärkt um qualifizierten Unternehmernachwuchs. Jährlich wollen mehr als

600 Handwerksunternehmer ihren Betrieb aus Altersgründen an einen Nachfolger übergeben. Das

teilte Kammergeschäftsführer Wolfgang Borgert am Montag in Bielefeld mit. Es werde immer

schwieriger, den Generationswechsel im Handwerk erfolgreich zu meistern. Deshalb sei die

Beratung zur Existenzgründung und Betriebsübergabe eine anspruchsvolle Kernaufgabe der

Betriebsberatung.

Im Jahr 2012 wurden die Beraterinnen und Berater der Kammer „mehr als 1.000 Mal konsultiert“,

berichtete der Chefbetriebswirt der Handwerkskammer. Jedem Unternehmer sei dringend zu

empfehlen, sich frühzeitig mit der Nachfolge zu befassen und langfristig einen „Übergabe-

Fahrplan“ zu entwickeln. Laut Borgert wird es auch im Handwerk immer schwieriger, innerhalb der

eigenen Familie einen geeigneten Nachfolger zu finden. Die Übergabequote innerhalb der Familie

sei auf nur noch rund 40 Prozent gesunken. Hier helfe die Kammer mit ihrer „Betriebsbörse“, die

2012 rund 500 Kontakte zwischen Übergebern und interessierten Übernehmern vermitteln konnte.

Das im Jahr 2007 gegründete „STARTERCENTER NRW“ bezeichnete Borgert als Erfolgsgeschichte. Die

vielfältigen Dienstleistungen reichten von der Erstinformation über die Intensivberatung bis zur

Förderberatung und der Unterstützung bei der Abwicklung der Gründungsformalitäten.

50 Gründerinnen und Gründer haben 2012 die NRW- Meistergründungsprämie genutzt, die bei der

Handwerkskammer beantragt werden kann. Diese trage wesentlich zur hohen Erfolgsquote von

Gründungen im Handwerk bei, so Borgert.


Zahl der Lehrstellen leicht gesunken

Elmar M. Barella: „Anspruchsvolle Berufe auf dem Vormarsch“

Bielefeld. Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt hat sich im Jahr 2012 gegenüber den Vorjahren

weiter entspannt. Angesichts der guten Konjunkturlage sei der Bedarf an qualifizierten

Schulabgängern für eine Ausbildung im Handwerk deutlich gestiegen, sagte Geschäftsführer

Elmar M. Barella am Montag in Bielefeld. Dennoch konnten nicht alle angebotenen

Ausbildungsplätze besetzt werden. Zum 31. Dezember 2012 meldet die Handwerkskammer

Ostwestfalen-Lippe exakt 3.998 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Dies sei ein Minus

von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresergebnis.

Nach Darstellung des Bildungsexperten ist in einigen „eher traditionellen Berufen“ die Zahl der

Neuverträge rückläufig. „Jüngere Berufe“ aus dem Elektro- und Metallbereich seien dagegen bei

den Jugendlichen gut angekommen und meldeten deutliche Zuwachsraten, berichtete Barella

und verwies beispielhaft auf die Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik mit einem Plus

von 5,42 Prozent oder die Feinwerkmechaniker (plus 6,67 Prozent). Dass einige Lehrstellen im

Vorjahr unbesetzt blieben, liege nicht nur an der mangelnden Qualifikation mancher

Lehrstellenbewerber. Angesichts zurückgehender Schülerzahlen stehe das Handwerk auch bei

Hauptschulabgängern zunehmend im Wettbewerb mit anderen Wirtschaftsbereichen, die

„tendenziell ihre Anforderungen an das Leistungsniveau zurückgeschraubt haben“, erläuterte

Barella. Im Vorjahr seien die Aktivitäten der Lehrlingswerber zur Berufsorientierung in den

Schulen gesteigert worden. Außerdem habe die Handwerkskammer ein vom Bund gefördertes

Projekt zur Verbesserung der Qualität der Ausbildung in Handwerksbetrieben gestartet.

Insgesamt werden im ostwestfälisch-lippischen Handwerk derzeit 11.569 junge Menschen

ausgebildet, im Jahr zuvor waren es noch 11.890 Jugendliche.

Berufsorientierung für junge Talente

Bisher 1.500 Teilnehmer im HBZ Bielefeld

Bielefeld. Über 1.500 Achtklässler aus Bielefelder Haupt- und Realschulen haben seit 2008 an

der Talentwerkstatt OWL teilgenommen. Dabei handelt es sich um eine „nachhaltige und

praxisbezogene Berufsorientierung“ im Umfang von 70 Zeitstunden, erläuterte Detlef Helfer,

Geschäftsführer der Handwerkskammer und Leiter der Abteilung Berufsbildungsstätten.

Schülerinnen und Schüler erhielten im Handwerksbildungszentrum Bielefeld die

Möglichkeit, sich in verschiedenen Berufsfeldern zu erproben. Bisher sind

Berufsorientierungen in insgesamt zwölf verschiedenen Berufsfeldern im Angebot.

Der Kammer-Geschäftsführer wies darauf hin, dass die Schulen jeweils mit ihrem gesamten

achten Jahrgang teilnehmen. Neu sei seit Ende 2011 eine vorgeschaltete Potenzialanalyse im

zweiten Halbjahr der siebten Klasse, die von der Handwerkskammer umgesetzt werde. Laut

Helfer gibt die Potenzialanalyse wichtige Hinweise auf Unterstützungsbedarf im „Übergang

Schule-Beruf/Berufswahl“. Es würden Testverfahren zur Überprüfung und Förderung

handlungsorientierter Basiskompetenzen für Ausbildungsberufe eingesetzt, aber auch


Verfahren zur Erfassung berufsbezogener, sozialer Kompetenzen, sagte der Experte. Das

Projekt sei so erfolgreich, dass für das Jahr 2013 bereits über 900 Anmeldungen vorlägen. Das

Programm wird gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

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