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unabhängig, überparteilich, legal

hanfjournal.de / Sonderausgabe Hanftag #117 / 05.10

Die Prohibition treibt immer skurrilere Blüten, nicht nur in

Bayern werden die Rechte von Hanfpatienten und -liebhabern

mit Füßen getreten: Medizinisches Cannabis ist immer

noch keine zugelassene Arznei, obwohl es mittlerweile so viele

Patienten gibt, dass die Bundesopiumstelle mit der Bearbeitung

der Neuanträge gar nicht hinterherkommt und für die Patienten

lange Wartezeiten entstehen, die sie ohne Medikament

überstehen müssen. Bei einer Unverträglichkeit von Dronabinol

ist es immer noch nicht möglich, sich die Medizin selbst

zu züchten, so wie es in anderen Ländern mit einer Regelung

von Cannabis als Medizin üblich ist. Obwohl es für alle Seiten

die kostengünstigste Lösung wäre, müssen Patienten, die auf

natürliches Cannabiskraut angewiesen sind, die Hanfblüten

teuer aus den Niederlanden importieren, so dass die Apotheken

selbst an der in Deutschland nicht zugelassenen Medzin

noch verdienen.

Teile von Nordrhein-Westfalen haben die Geringe Menge de

facto abgeschafft, Führerscheine von Gelegenheitskonsumenten

werden bundesweit einkassiert, obwohl die Fahrer nie bekifft

gefahren sind und selbst Fußgänger oder Zugreisende werden

einfach mal durchsucht, weil sie äußerlich ins Beuteschema

„Drogenkonsument“ passen. Kleine Hanfbauern werden weiterhin

zu Bewährungs- oder Gefängnisstrafen verurteilt, weil

ein veraltetes Urteil seit nunmehr 24 Jahren dafür sorgt, dass

die Geringe Menge selbst beim Anbau einer Hanfpflanze überschritten

wird.

Das Schlimmste daran: Wir Deutschen lassen uns, im Gegensatz

zu unseren Nachbarn in Tschechien, Polen, Belgien, Österreich

oder der Schweiz, alles gefallen. In Deutschland lässt

man sich auf offener Strasse aufgrund der Frisur einfach ausziehen,

anstatt auf seine Bürgerrechte zu bestehen oder man

gibt die Urin-Probe wider besserem Wissen ab, anstatt die obligatorische

Blutprobe gleich einzufordern. Der Polizist könnte

ja denken ... tut er aber nicht, er handelt stur nach Vorschrift.

Selbst der mögliche Blick eines Beamten in den Rucksack oder

gar nur die Videokamera der Polizei hält so manchen vom Besuch

einer Hanfdemo ab.

Einmal auf der Hanfdemo angekommen, lassen sich die Teilnehmer

aufgrund des Drohszenarios einschüchtern, kiffen gar

nicht oder ängstlich und versteckt - undenkbar in Wien, Prag,

Zürich oder Brüssel. In diesen Ländern werden kleinere Verstöße

gegen das BtmG auch nicht härter bestraft als in Frankfurt

oder Berlin, in den USA sogar viel härter. Trotzdem sind die

Teilnehmerzahlen auf den Legalisierungsveranstaltungen in

diesen Ländern stabil oder gar im Steigen begriffen, während

die traditionelle Hanfparade, ehemals Europas größte Hanfdemo

mit fast 100.000 Menschen auf Achse, um 1000 Teilnehmer

kämpfen muss. Deutsche Tradition: Wenn‘ s wirklich um was

geht, sind wir in Europa wie immer bei den Letzten. Wenn wir

nicht wieder lernen, unsere Rechte als Hanfpatienten, -konsumenten,

-bauern oder -verkäufer selbstbewusst, offen und ohne

Angst vor möglicher Schikane einzufordern, wird die Stigmatisierung

von über vier Millionen Menschen Formen annehmen,

die eines Rechtsstaates nicht würdig sind. Bayern ist da schon

heute Trendsetter. In anderen Ländern riskiert man sein Leben,

wenn man gegen unbezahlbare Brotpreise demonstriert, während

bei uns eine schlappe Körperkontrolle als Abschreckung

zur freien Meinungsaüßerung dienen kann. Andere machen

sich einen Spaß daraus, unbeholfene Beamte beim Fingern zu

provozieren, der deutsche Kiffermichel macht sich ins Hemd.

Deutsche Tradition:

Wenn‘ s wirklich um

was geht, sind wir in

Europa wie immer

bei den Letzten.

Hanf wird weiterhin, jedoch anders als oft behauptet, mißbraucht,

indem die Prohibition als beste Geldwaschanlage und

Motor vieler verborgener Geschäfte dient. Denkt man als Politiker

laut über deren Abschaffung nach, hat man schnell mächtige

Feinde, die nicht aus dem drogen- oder gesundheitspolitischen

Lager kommen. Das sollte zu denken geben und muss

sich schnellstens ändern.

Deshalb:

Verstecken ist nicht mehr - auf zum Hanftag 2010.


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#117 / 05.10 3

hanftag

hanf nutzen

Wer auf eine Hanfdemo geht, der erlebt einen Tag im

Sonnenschein mitten in Berlin. Hoffentlich.

Da wir das Wetter nicht beeinflussen können, aber dennoch

etwas neben unseren Forderungen zur Schau stellen wollen,

freuen wir uns sehr über jeden bunten und spaßigen Auftritt,

der durch einen kleinen Schauer nicht gleich an Farbe verlieren

soll.

Was geht und was ihr lieber lassen solltet, verraten wir euch

auf dieser Seite.

Transparente und Schilder sind ein gutes Mittel, um seine

Meinung unaufdringlich in die Öffentlichkeit zu tragen. Ein

gutes Transparent ersetzt dazu ein Dutzend herkömmliche

Teilnehmer – mindestens! Produziert daher eure eigenen Werbetafeln

mit individuellen Slogans.

Was sollen Leute unbedingt einmal gelesen haben, wenn sie

euch auf einer Hanfdemo antreffen? Es muss ja nicht kompliziert

sein. Schon ein einfaches Hanf-Blatt ist ein Hingucker.

Oder schnappt euch einen alten Karton, einen Besenstiel dran

genagelt und nur noch eure Botschaft aufpinseln – fertig! Wer

es lieber etwas größer mag, muss auch nicht verzweifeln.

Schnapp dir ein Bettlaken und besticke es mit aufwenigen Mosaikmustern

oder 3D-Bildern. Denk bei großen Transparenten

daran, Luftlöcher reinzuschneiden, da du sonst vom Winde

verweht werden könntest. Falls du an Übergrößen denkst,

aber keine 4 Meter Spannweite zwischen den Armen aufweisen

kannst, wirst du sicherlich jemanden finden, der dich beim

Demonstrieren unterstützen wird.

Musik und Gesang sind eine Möglichkeit den Anwesenden

und beteiligten Passanten den friedlichen Auftrag der Demonstration

zu verdeutlichen.

Musik und laute Engelschöre sind dazu immer ein praktischer

Begleiter einer auffälligen Demonstration. Wer musikalisch ist

oder einfach auf Krach steht, sollte sich auch auf einer Hanfdemo

nicht unnötig bremsen. Wer Trillerpfeife, Maultrommel

oder die Triangel spielt, sollte sein Instrument mitbringen und

sein Können auf dieser Veranstaltung unter Beweis stellen.

Der Musikalienhandel auf Berlins Straßen ist aber leider untersagt.

Auch solltet ihr euch nicht in die unmittelbare Nachbarschaft

eines Paradewagens stellen, da diese einfach mehr Dezibel

raushauen als eure Triangel das vermag.

impressum

Herausgeber:

Agentur Sowjet GmbH

Dunckerstraße 70

10437 Berlin

Tel.: 030/44 79 32 84

Fax.: 030/44 79 32 86

Email: redaktion@hanfjournal.de

Geschäftsführer: Emanuel Kotzian (V.i.s.d.P.)

Sitz der Gesellschaft: Berlin AG Charlottenburg, HRB Nr. 89200

Steuer-Nr. 37 220 20818

Sprechchöre und Slogans verdeutlichen den Auftrag und

Grund der Demonstration und sorgen für ein feines Zusammengehörigkeitsgefühl

zwischen fremden Freunden.

“Steuergelder generieren - Hanf für Rausch legalisieren”

So oder ähnlich könnten die Sprechchöre klingen, die auf

einer Hanfdemo eine große Wirkung entfachen. Außerdem

muss man dafür nichts mitbringen. Einfach ein, zwei Sätze

ausgedacht und ausprobiert. Wenn nach dem dritten Versuch

noch keiner mitgrölt, war es wohl nix, hat dafür aber

auch nix gekostet.

Richtig gut sind Slogans, bei denen die Demo einem Anstifter

antworten kann. Also etwas in Richtung „Was wollen

wir? – Legalisierung! Wann wollen wir sie? – Jetzt!“

Bitte denkt bei der Wahl der Worte daran, dass euer Slogan

eventuell um die Welt geht. Mangelhafte Grammatik

und schlechte Reime à la „Kein Kampf ohne Hanf“ sind so

eine Sache.

Faschistische, schwulenfeindliche, sexistische oder beleidigende

Parolen haben auf der Hanfdemonstrationen definitiv

nix verloren!

Kostüme und Verkleidungen sorgen für ’ne Menge Spaß.

– Sich zu verkleiden macht aber nicht nur Laune, es zeigt

auch allen, dass ihr euch Gedanken gemacht habt. Dabei

muss es nicht immer gleich ein Ganzkörperkondom sein, auch

ein orangefarbener Hut sorgt für Aufregung und nette Bilder.

Bitte denkt beim Verkleiden daran, dass ihr etwas mehr Zeit

in der Öffentlichkeit verbringen werdet. Achtet also auf die Belüftung

und einen Notdurftschacht, sonst endet der Berlin-Besuch

noch mit einem Kreislaufkollaps im Krankenhaus oder in

den eigenen Exkrementen. Sucht euch einen Freund oder eine

Freundin, die euch behilflich sein kann.

Dann könnt ihr immer mal die Plätze tauschen und seht die

Demo dazu noch aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Bitte achtet darauf, dass man auch mit Kostüm euer Gesicht

erkennen kann bzw. verkleidet euch so, dass ihr wenn nötig

die Kopfbedeckung abnehmen könnt. In Deutschland gibt es

nämlich ein Vermummungsverbot! Dieses gilt auch für Batman

und andere anwesende Superhelden!

Kostüme sind nix für Medien- und Menschenscheue! Wer

also lieber kein Bild von sich in der Tageszeitung vom nächsten

Tag finden will, sollte sich das mit dem Verkleiden noch

mal überlegen.

Aktionen sind aufwendig, aufsehenerregend, müssen aber

nicht immer von vielen geplant werden. Auf die Hanfparade

2002 brachte z. B. einfach jemand eine Kiste voller Sträflingskleidung

mit. Freiwillige, die sich die Kostüme überzogen, waren

schnell gefunden. Kaum einer, der an der Sträflingsaktion

Beteiligten hatte damit gerechnet, dass sein Besuch der Demo

einen bleibenden Eindruck hinterlassen würde. Dennoch waren

die Zeitungen am nächsten Tag voller grinsender Sträflinge

und die Hanfparade um einen unvergessenen Moment

reicher.

Wirkung haben schon kleine Aktionen. Was bringen dann

erst die Großen?

Statt im Kostüm lieber gleich nackt auf die Demo? Oder einfach

mal den Rucksack voller Joints packen und sie „verteilen“?

Moment! Allen jenen, den gerade ähnliche Gedanken durch

den Kopf gehen, ein paar Hinweise:

Bei aller Freude am kreativen Demonstrieren solltet ihr nicht

vergessen, dass jede eurer Aktionen auch Auswirkungen auf

alle anderen hat. Wer die Todesstrafe für alle Drogenjäger

fordert, muss sich nicht wundern, wenn die damit Angesprochenen

bei ihm etwas weniger zimperlich sind. Denkt bitte

auch daran, dass wir euch nicht vor Strafverfolgung schützen

können.

Also friedlich und freundlich demonstrieren, sein Recht einfordern

ohne unverschämt zu werden und niemanden einen

Grund geben geltende Vorurteile bestätigt zu sehen. Dann

erleben wir gemeinsam einen schönen GMM in Berlin am

08.05.2010 auf dem Hanftag vor dem Brandenburger Tor, um

Hanf Dampf zu machen.

Das Verbot psychoaktiver Substanzen ist Scheinheiligkeit

in Reinkultur.

Während seit mehr als 40 Jahren der Krieg gegen die Drogen

verzweifelt geführt wird, gehören Drogen seit Gedenken zum

Leben der Menschen dazu. Die Kultur des Menschen hat ihren

Ursprung den Veränderungen im Bewusstsein zu verdanken,

die unsere Vorfahren dazu gebracht haben, Dinge anders zu

betrachten und sie nutzbar machen. Neugier gehörte zu den

Tugenden des Homo Sapiens Sapiens, die ihn durch vorsichtige

Herangehensweise zu neuen Erkenntnissen führte, anstatt

ihm zu schaden. Denn der Überlebenstrieb ist seit der Entstehung

des Lebens unverändert. Der Trieb nach Forschung und

Entwicklung ist dazu ein notwendiger Motor der menschlichen

Entstehungsgeschichte.

Die Beschäftigung mit der äußeren Welt führt zu der Beschäftigung

mit einer inneren Welt, die sich im Individuum findet.

Der Dialog beider führt zu Fortschritten, die wir in unserer

Kultur festigen und in denen wir Kunst erkennen können.

Doch warum schätzen wir diese Kulturen mit ihrer Kunst? Ist

es der einfache Genuss an Sinnesstimulanz, das Bewusstsein

eine universelle Sprache zu verstehen oder die Freiheit unsere

physikalischen und psychologischen Grenzen durchbrechen

zu können, sei es nur für einen Augenblick?

In Hochkulturen werden Künstler und kreative Köpfe geschätzt

wie keine anderen. Dies wird der Allgemeinheit regelmäßig

durch die verschieden Gehaltsklassen sowie pompös inszenierte

Preisverleihungen bestätigt. Die vergangenen Helden

und Weltbeweger unserer Erde sind in Bibliotheken und Galerien

beheimatet und werden noch Jahrhunderte nach ihrem Dasein

bewundert. Meist stehen die Werke, Aussagen, Stücke und

Handlungen dieser Persönlichkeiten im Vordergrund, jedoch

gestalten sich die Biografien dieser Menschen oft als erklärende

Wegweiser zu deren vollbrachten Taten. Wie viele dieser Menschen

das BtmG in ihrem Werdegang gebrochen hätten oder

sogar haben, stellt sich hier als kulturelles Erbe unserer Dichter,

Denker und Idole dar.

Von mze

Fast jede Berühmtheit hatte Kontakt mit Substanzen, die laut

Betäubungsmittelgesetz verboten sind, oder sie waren während

ihres Lebensweges regelmäßig betrunken.

Heiler und Medizinmänner der Vergangenheit konnten mit

gewissen Kräutern und Herstellungsverfahren teilweise ähnliche

Ergebnisse erzielen, wie sie die heutige Pharmaindustrie

durch chemisch aufwendige Verfahren erwirkt. Diesen derzeit

legalen Produkten sind heutige Prominente ebenso oft zu getan

wie ihre Kollegen, die zu allen Zeiten auf alternative Medizin

zurückgriffen.

Eindeutig bleibt nur, dass der Mensch zu gerne etwas mit

seinem Geist anstellt, wovon er ohne äußerlichen Einfluss nur

wage Vorstellungen besitzt.

Der Mensch und seine Kultur sind mit den Ausflügen in erweiterte

Sphären durch Substanzgebrauch seit Jahrtausenden

verbunden. Die Verbote der letzten 40 Jahre stehen in diesem

Kontext nur als alberne Straßenbegrenzungen auf unserem

Weg des Begreifens. Das Beibehalten und versteifte Anwenden

dieser „jungen“ Regeln zeigt nur die Machtlosigkeit unserer

kurzzeitig gewählten Vertreter des Volkes. Denn während auf

der einen Seite versucht wird Konsum zu unterbinden, sogar

einfache Pflanzen verboten werden und eine Diabolisierung

vorangetrieben wird, werden den Konsumenten, die sich

durch besondere Taten beweisen durften, die Gehälter erhöht,

ihr Wert auf dem Markt verbessert oder man ehrt sie mit einem

Preis und baut ihnen ein Denkmal.

Drogen gehören zum Leben.

Wenn man sich in den letzten einhundert Jahren die Gesichter

unserer Geschichte näher ansieht, muss man feststellen, dass

kaum einer ein abstinentes Leben führen konnte, wollte oder

führt.

Bevor die heutigen Gesetze in Kraft traten, waren Anwender

der alten Medizinschule wohl besuchte Heiler. Eine Hildegard

von Bingen als Dealerin zu beschreiben würde wohl keinem

noch so prohibitionistischem Vertreter unserer Gattung einfallen.

Stattdessen haben wir sie als fortschrittliche Medizinerin

mit besonderem Gespür für natürliche Wirkstoffe in Erinnerung

behalten. Einen Louis “Sachmo” Armstrong als kiffenden

Trompeten-Neger zu betiteln, dürfte auf dem Niveau eines unterbelichteten

Klu-Klux-Klan Mitglieds aus den 50er Jahren liegen.

Ihn als charmante Jazz-Legende in Gedenken zu halten ist

dagegen selbstverständlich. Den US-Präsidenten und Friedensnobelpreisträger

Barack Obama als verstörten Killerkrautkonsumenten

nur mit der Kneifzange zu behandeln, würde wohl

selbst dem konservativsten Politiker nicht im Traum einfallen.

Diese drei Beispiele sind bloß eine klitzekleine Spitze des Eisbergs

der oberen Zehntausend, die sich ebenso wie die restliche

Bevölkerung eher zwischen der bestehenden Gesetzeslage windet,

als sich von ihr verstanden fühlt. Dennoch gelingt es diesen

Personen tausende und abertausende Mitmenschen zu begeistern,

sie für sich schwärmen und ihnen nacheifern zu lassen.

Wir schätzen die ehrlichen Werke, Stücke und Aussagen eines

emotionell aufrichtigen Menschen um ein vielfaches mehr, als

die Versuche eines Mitläufers mit aufgestellten Regeln konform

Erstma‘ einen drehen - Illu: Archiv

zu werden, während er dabei seine Persönlichkeit entstellt.

Kunstwerke und große Taten werden nicht verstanden, da sie

sich an Regeln halten, sondern weil sie über ihnen stehen und

sie definieren. Eine Sprache, die durch all unsere Sinne verstanden

wird. So etwas kann nicht überwacht und durch den

Gesetzgeber beliebig angepasst werden. Was dem einen dabei

sein Feierabendbier, ist dem anderen nur ein unangenehmer

Geschmack im Mund. Variationen zu unterbinden war schon

immer nur ein trügerischer Versuch die Kontrolle zu wahren

und eigene Interessen zu priorisieren. Eine Methode, nach der

unsere Welt nicht funktioniert. Der Artenreichtum und die

Vielfalt auf unsere Erde spricht nicht die Sprache der Monotonie

und der Einhaltung von Grenzwerten.

Die Durchmischung ist die Grundlage für neue Substanz.

Dieses haben die meisten Persönlichkeiten, bekannt oder unbekannt,

verstanden.

Daher nutzen sie das Potential, das ihnen innerlich wie eben

auch äußerlich gegeben wird.

Weiter auf Seite 4 >>>

Redaktion:

Michael Knodt (CvD), Roland Grieshammer, Matthias Meyer, Mark Meritan.

Mitarbeiter dieser Ausgabe:

Werner Graf, Martin Schwarzbeck, mze, Johanna Marienwald, Ingrid

Wunn, Steffen Geyer, David Rosse.

Layout:

mark marker, (Lukas Tkotz).

Illustrationen:

mark marker, Lukas Tkotz.

Fotos:

mark marker, oder im Auftrag des Hanf Journals.

Anzeigen:

Emanuel Kotzian

030/44 67 59 02

vertrieb@hanfjournal.de

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Das Hanf Journal wird im gesamten deutschsprachigen Raum verteilt.

Gegen einen Betrag von 50 Euro (Inland) oder 100 Euro (Ausland) jährlich,

kann das Hanf Journal beim Herausgeber als Prämium-Abo bezogen

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Tel: 03381/55 2003

Fax: 01805/021 121 38 24

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Union Druckerei Weimar GmbH

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck nur mit Genehmigung des Herausgebers.

Manuskripte, Bilder und Beiträge sind willkommen, es wird aber

keine Haftung übernommen.

Im Sinne des Urteils des LG Hamburg vom 12. Mai 1998 - 312 0 85/98

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Jeder Missbrauch von Drogen ist gefährlich! Wir wollen niemanden

dazu auffordern oder animieren, Drogen zu konsumieren oder zu

verbreiten.

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hanf nutzen

hanf meinung

>>> Fortsetzung von Seite 3:

„Kannabis...“

Sich von starren Reglements die Freiheit der eigenen Wahl

nehmen zu lassen, ist für Freidenker, Steuermänner und schaffende

Kreative einfach keine Möglichkeit ihr Dasein zu fristen

und Unentdecktes unentdeckt zu lassen. Ein Pablo Picasso hat

seine eigenen Grenzen mit Haschisch auf einem schlechten

Rausch erkennen und wohl erst dadurch die Sprengung der

möglichen Wahrnehmung vorantreiben können. Der Kubismus

entstand.

Einem Bill Gates eine Verhaftung, wahrscheinlich wegen geringer

Mengen Cannabis, vorzuwerfen, würde keinem amerikanischen

Sheriff - und sei er noch so texanisch - in den Sinn

kommen. Der gestandene LSD Konsum des Microsoft Bosses

sollte der Karriere des vielleicht einflussreichsten Mannes unserer

Erde ebenso wenig geschadet haben. MS-DOS Anyone?

Menschen, die unsere Welt durch ihren Einfallsreichtum und

ihr Abstraktionsvermögen formen, sind den Gesetzen des Zeitgeists

eher verbunden als den Gesetzen der Politik.

Wir sollten uns fragen, wo unsere Welt stünde, wenn wir Regeln

nicht ändern würden und Menschen nur nach deren Konformität

mit dem Gesetz beurteilen würden? Was macht wohl

ein Paolo Pinkel am heutigen Tag? Darf jemand mit einem solchen

Hintergrund überhaupt erneut öffentlich die Moralkeule

schwingen? Er tut es jedenfalls und es schadet nicht. Hier sieht

man eindeutig die Scheinheiligkeit unserer Kultur und unseren

Kulturschaffenden. Es ist nicht von Bedeutung, ob der Mensch

seinen Geist mit Hilfsmitteln stimuliert, solange er dabei den

Kern und eigentlichen Grund nicht aus dem Auge verliert -

Entwicklung der Kultur und ihr Fortschritt. Oder Einsicht und

Reue wie im Falle von Herrn Pinkel, die dann aber letztendlich

zum erstgenannten Ergebnis führen sollte.

Wenn ein Jimi Hendrix “Purple Haze” spielt, die Beatles im

gelben Unterseeboot tauchen gehen, während Alice im Wunderland

einer rauchenden Raupe lauscht, Hanfsegel Amerika entdecken,

und ein Ötzi in Hanf gehüllt einen Gletscher erklimmt,

dann scheinen einem die Artikel des Betäubungsmittelgesetzes,

die den Anbau, Besitz und Handel von Hanf verbieten als eine

amüsante Idee eines Stoner Heads, der ausgerechnet seine Unsinnigste

in die Wirklichkeit umgesetzt hat.

Hier liegt der Handlungsbedarf der Regierenden. Realistische

Gesetze, die keinen Versuch darstellen, Menschen an

ihrer Entfaltung zu hindern und sie im friedlichen Verhalten

zu begrenzen, müssen entwickelt und umgesetzt werden. Das

Bekenntnis eines Menschen zu seinem Hanfkonsum ist einfach

kein Grund, ihn schlechter zu behandeln oder ihm weniger

zuzutrauen. Hanfkonsum gehört zur Kultur, Hanfkonsum

ist Kultur und Hanfkonsum besitzt Kultur. Nur der illegale

Schwarzmarkt stellt unsere Dichter, Denker und Idole sowie

uns selbst vor Schwierigkeiten und Gefahren, die uns mehr als

einmal stark an dem kulturellen Verständnis der staatseignen

Wagenlenker zweifeln lassen. Die Kulturpflanze Hanf ist mehr

als ein verbotenes Gewächs. Sie ist ein nicht zu verachtender

Bestandteil unseres Lebens und ein vielseitig einsetzbarer Rohstoff

dazu.

Diesen zu verdammen heisst unsere Kultur zu verdammen.

“Und wenn ihr denkt, Drogen hätten uns nichts Gutes gebracht,

dann nehmt all eure LP´s, Kassetten & CD´s und verbrennt

sie!” Bill Hicks (US-Komiker)

Weitere bekennende Hanfkonsumenten

unserer Geschichte:

Stephen King (erfolgreicher Autor): „Hanf sollte nicht nur legal

sein, er müsste die Baumwollindustrie ersetzen. Ausserdem

könnte man Gras unter legalen Anbaubedingungen sicherlich

noch verbessern.“

Arnold Schwarzenegger (Schauspieler / Gouverneur Kalifornien):

„Hanf ist keine Droge, es ist ein Blatt.“ / „Cheech Marin

und ich wussten, wie man es sich gut gehen lassen kann.“

Lecker - Foto: Archiv

Jack Nicholson (Schauspieler): „Meine unpopuläre Meinung:

Drogen zerstören das legale System und korrumpieren die Polizei.

Das liegt aber eindeutig an der repressiven Gesetzeslage.“

Robert Altman (Regisseur): „Ich war starker Alkoholiker, was

mein Herz wie mein Leber angriff. Nun rauche ich Marihuana

und sage das jedem. Es sollte legal sein und es ist lächerlich,

dass es das derzeit nicht ist.“

Norman Mailer (Schriftsteller / Pulitzer Preis): „Der Zustand

auf Marihuana ist immer existentiell. Man fühlt die Prägnanz

eines Momentes und wie er alles verändert. Du fühlst dein

Sein, den enormen Apparat der Nichthaftigkeit - das Summern

eines Hi-Fi Sets, die Leere einer unwichtigen Unterbrechung,

man wird sich bewusst über den Kampf zwischen allen, wie

das Nichtsagende in jedem von uns versucht das Sein im anderen

anzugreifen, wie unser Sein im Gegenzug von der Nichthaftigkeit

anderer angegriffen wird.“

Sir Paul Mccartney (Beatle): „Valium ist gut! Librium ist gut!

Cannabis ist schlecht!” Ohhh, ich hasse diese unbegründete

Aussage!“

William f. Buckley (Ex-CIA-Mitarbeiter/konservativer Autor):

„Die Anti-Marihuana-Kampagne ist ein geschwürartiges Gedeck

von Lügen, welche die Justiz untergräbt, die Drogenproblematik

verstärkt, Kranken Medizin verwehrt und nur die

Angst von konservativen Gutmenschen und zahllosen ängstlichen

Eltern schürt.

Bill Clinton (ehem.US-Präsident): „Unsere Eindämmungspolitik

ist kontraproduktiv.“

http://coedmagazine.com/2009/02/06/the-10-most-successfulpotheads-on-the-planet-cool-enough-to-admit-it/

http://www.veryimportantpotheads.com/

http://frankdiscussion.netfirms.com/who_celebtokers.html

Johannes Honecker

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht

Badensche Straße 33

D-10715 Berlin

TEL (030) - 86 20 17 87

FAX (030) - 86 20 17 86

e-mail: anwalt.honecker@t-online.de

In dem Park bei mir um die Ecke stehen überall Dealer herum.

Die Polizei, von der es nie genug geben wird, um alle

hochzunehmen, kommt immer mal vorbei und nimmt einen

oder zwei mit. Kommen die Grünen, kommen die Fernsehkameras,

sind alle schnell weg. Es reicht für das Gefühl, nie sicher

zu sein, doch die Geschäfte laufen. Das Gras ist teuer, für den

Bürger je nach Verhandlungsgeschick zwischen acht und zwölf

Euro pro Gramm. Industriegras mit großer Gewinnmarge. Gras

mit vielen Stengeln und Blättern. Ein Produkt, das durch viele

Hände geht, und das, irgendwo und irgendwie, nur zu einem

Bruchteil des Endpreises hergestellt wird. Drogenhandel in der

Öffentlichkeit? – Ein Zeichen des Wachstums in einem mehr

oder weniger kontrollierten Milieu, etwas umso Auffälligeres

in Zeiten der Krise.

Die Dealer geben Geld in den umliegenden Geschäften aus.

Für Trinken, Essen, Klamotten, Technik und auch Schmuck. Bei

nicht wenigen warten zu Hause Kinder und Frau. Ein jüngerer

Ticker kauft in einem kargen Kiosk für 4 Cent ein einzelnes

langes Blättchen. Ein älterer holt sich im nächsten Elektromammut

den Flatscreen für zweitausend Euro. Was beim Dealer

kriminelle Energie genannt wird, heißt beim legalen Händler

gesteigerter Umsatz, Erfolg, so soll es immer sein.

Wer sein Gras illegal kauft, macht sich nicht bloß strafbar,

sondern stiftet auch wirksame, integrationsfördernde Abgaben

zugunsten geschäftstüchtiger Segmente sozial ausgegrenzter

Schichten. Abgaben, die, ohne dass eine Legalisierung dazu

nötig wäre, den Konsum bereits antreiben! Denn wenn man bei

Menschen, die aus armen Verhältnissen stammen, die woanders

gar keine oder nur schlecht bezahlte Arbeit bekämen, zu

überteuerten Preisen billig produziertes Hoch-Thc-Standartgras

kauft, kommt das jetzt schon der Wirtschaft und dem Konsum,

dem Wohlstand und der schnelllebigen Freizeitindustrie

zu Gute. Wozu noch legalisieren, wo der Kern doch schon gesichert

ist?

Die ökonomischen, ökologischen und legalen Dimensionen

der „neuen Probleme“ haben ihren festen Platz im medialen

Bewusstsein, nicht aber der Boden der Auswüchse: die sozialen

Beziehungen, Strukturen, Identitäten, Bedürfnisse; die

Ordnungen und Ketten um die einzelnen Seelen. Die Bild-Zeitung

registriert fleißig die Blüten offener Schwarzmärkte in den

Parks, auf den Straßen und den Plätzen der deutschen Großstädte.

Sie nimmt diese Entäußerung eines Notstandes nicht

bloß in seiner reinen Tatsächlichkeit wahr. Sie nimmt sie, zuletzt

für das Beispiel Hamburg, zum Anlass, über die Wirklichkeit

hinauszugehen und märchenartige Gebilde zu verbreiten:

„Inzwischen ist der Wirkstoffgehalt des Krauts viel höher als

vor wenigen Jahren – Marihuana ist eine gefährliche Droge!“.

Tagsüber seien es „Südländer“, abends die „Schwarzafrikaner“.

Kein Wort steht da über die Kunden, nichts ist über die Gründe

zu erfahren. Das Gefährliche aber liegt weniger in der Substanz

und den Psychen der Händler, als vielmehr in der Mutlosigkeit

der Kiffenden und der gleichzeitig hohen Nachfrage nach Haschisch

und Gras. Das Gefährliche liegt im Schweigen und in

den Strukturen, die THC künstlich verteuern und auf allen Seiten

nur den gewinnorientierten Teil des Potenzials der Pflanzen

verwirklichen lassen: leidiger Schwarzmarkt, schnellblühende

Pflanzen, üble Schlagzeilen, epochale Rekorde. Das Gefährliche

liegt dabei darin, Zahlen und unbeweisbare Sicherheiten gegen

das tägliche Leben von Millionen auszuspielen.

Immer mehr Leute sind geneigt, in dem jetzigen, bereits traditionsreichen,

Zustand plötzlich ein verschärftes Problem zu

sehen: Anwohner, Polizisten, Politiker, Eltern. Aber es wächst

auch die Zahl jener, die sich nur teilweise und meist falsch informiert

finden. Zwischen den verschiedenen Parteien, die das

Thema betrifft, kann auf diese Weise keine angemessene Kommunikation,

keine gemeinsame Grundlage im Bewusstsein entstehen.

Die einzelnen Perspektiven ändern sich nicht und reden

weiterhin stoisch aneinander vorbei, wenn sie reden. Für sich

allein kann auch jeder leicht Recht behalten. Wer versteht nicht

die Ängste der Eltern Heranwachsender, in deren Wohngebiet

zu viele Dealer an Minderjährige verkaufen? Wer versteht nicht

aufstrebende Politiker und Verwaltungsbeamte, die sich in

klassischen Problemfeldern das Image eines Machers verleihen

wollen? Wer versteht nicht die Befremdung und die Teilnahmslosigkeit,

die selbstgerechten Vorbehalte der ausführenden Gewalt,

der Polizisten, die sich beruflich zur Durchsetzung der

Rechtslage gezwungen sehen? Wer versteht nicht Verkäufer,

die Umsatz machen wollen? Wer versteht nicht Menschen, die

zum Ausgleich der alltäglichen Entbehrungen und der Bemühungen

um Produktivität eine reiche Auswahl geprüfter Genussmittel

zu besseren Preisen verlangen? Wer versteht nicht,

dass mehr am Kiffen dran sein könnte, als man von außen sehen

kann? Macht unsere bestehende Kultur da nicht mehr kaputt,

als sie entstehen lässt, auf Kosten von Leuten und Interessen,

die man eigentlich kennt, denen man sich doch wenigstens öffnen

könnte? Im demokratischen Staat sind an der Auslegung

der freiheitlichen Grundrechte alle beteiligt. Die verantwortlichen

Bürger aber geben, was die Frage der Legalisierung betrifft,

gemeinsam ein Schauspiel passiver Aktivität zum Besten,

in dem sich scheinbar sehr Verschiedenes zu einem eigentlich

sehr festen Muster geringster Verantwortlichkeit verschränkt.

Einzeln erzeugen alle Beteiligten von sich her die herrschenden

Widersprüche, die Starrheit und Ohnmacht selbst. Die Mehrheit

zusammen erzeugt ein Wirklichkeitskonzept in Sprache

und Schweigen, in Lassen und Begehen, und jeder ist verantwortlich

für den Umstand, dass junge Männer für einen lächerlichen

Rausch vor Fremden auf den Boden schauen, bevor sie

für sich selbst stehen lernen; dass ein weiter Teil der Bevölkerung

unter hohem Aufwand Ungewisses raucht und finanziert;

und dass der Mensch von seinem Gegenüber abgeschnitten ist,

das vielleicht schwarz ist oder bunte Klamotten trägt und Gras

raucht, oder das nur wohnen will und Steuern zahlt.

Wie viele Menschen aber sind das, die

unter ständiger Bedrohung in einem

Rechtsstaat leben müssen, weil sie sich ihre Vorliebe zu leben

trauen.

In einem Staat, den sie ausmachen und der eigentlich ihrem

Schutz dienen sollte, der ein Mittel für gemeinsame Zwecke

und nicht ein von wenigen beherrschter Selbstzweck sein sollte?

Und wie viele haben sich insgeheim schon mal gewünscht,

vor dem Richter zu stehen und sich mal richtig über den hohen

Preis der Gewissens-, Seelen- und Sinnenmarter zu beschweren,

um freigesprochen zu werden? Die dann aber schweigen

und lieber genügsam das Indiskutable leben, bis vielleicht andere

etwas machen? Nur eines ist sicher: es läuft, wie es ist. Ungewiss

ist dagegen, was passiert, wenn man Cannabis wirklich

erlaubte, Produktion und Verkauf legislativ geregelt wären.

Nur Vorsicht: Eine Legalisierung ist nicht von sich selbst aus

gerecht, sie ist ein Projekt von vielen, die die ganze zunehmend

bewegte Welt betreffen.

Dass bei der aktuellen Faktenlage zugleich so viel unnötiger

Schrecken herrscht; dass die tatsächliche Einsicht in den

großen Nutzen und die reale Möglichkeit einer Legalisierung

so schwach bleibt; dass der Gebrauch von Rauschhanf privat

und öffentlich ein so langwieriges und dabei unverändertes

„Problem“ sein kann; dass das Potenzial eines der beliebtesten

Rausch- und Genussmittel auf dem Niveau von drittklassigem,

nicht selten kontaminiertem Gemüse verkommt - das muss

doch einen, der an die menschliche Kultur glaubt und hinschaut,

bis an die Grenze des Erträglichen bedrücken. Nicht,

weil nicht legal gekifft werden kann, sondern der vielen Ängstlichkeit

und Unüberlegtheit wegen, der freiwilligen Abhängigkeit

von egal was und bis zum Letzten, der Kleinlichkeit und

Selbstsucht, des vorwegeilenden Gehorsams und der Scham,

des Schweigens und Versagens vor sich und den andern.

Daher: Nieder mit dem Irrtum, man könne eine freie Meinung

sich nicht wandeln lassen und wäre mehr in seiner ganzen

Existenz von Wahr- oder Unwahrheiten der Welt abhängig, als

durch sie zum selbständigen Denken und Handeln verpflichtet.

Ein besseres Leben fängt bei dem Begehren nach und dem

Erringen von Selbstverantwortung gegenüber dem Rest der

Gesellschaft an, und zwar auch noch in dem Fall, in dem Cannabis

längst legal wäre.

Verstecken ist nicht mehr! Nimmermehr!


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#117 / 05.10

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prohibition

gss demotipps

Viele unserer Leser wissen, dass Hanf nicht aus gesundheitspolitischen

Gründen illegalisiert ist. Die vergangenen

30 Jahre Forschung haben eindeutig bewiesen, dass Hanf ein

geringeres Gefährdungspotential aufweist als legale Drogen

wie Appetitzügler, Schlafmittel, Alkohol oder Nikotin.

Der wahre Grund für die Hanfprohition sind wirtschaftliche

Interessen(gruppen), die bei einer Legalisierung von Hanf ökonomische

Nachteile in Kauf zu nehmen hätten. In Kalifornien

und Colorado wird das gerade besonders offensichtlich, mittlerweile

stellt sich dort die Frage, ob die Lobby der „Green“-

(Marihuana-Industrie) oder „Rep“-(Repressions-Industrie)

Jobs auf lange Sicht die Oberhand behalten. Es geht dort weder

um gesundheits- oder gesellschaftspolitische Aspekte, wer in

Kalifornien oder Colorado kiffen möchte, kann das problemlos

tun, ohne eine Strafe zu riskieren. Es geht einzig und allein

um eine Neuverteilung der vorhandenen Ressourcen und um

die Frage, ob so illustre Vereine wie die DEA, Mexikanische

Drogenkartelle, die FARQ, die CIA, die National Association

of Narcotics Officers (um nur einige zu nennen) weiterhin Geld

bekommen, um ihr tödliches, seit über 30 Jahren andauerndes

Kriegspiel fortzusetzen. Oder ob sie sich schlichtweg aufgrund

neuer Lösungswege neue Jobs suchen müssen. Seit man unter

Obama wieder frei und laut denken kann, werden die wahren

Hintergründe der Hanfprohibition Schritt für Schritt offenbar,

die Diskussion um eine Legaliserung ist entstigmatisiert und

wird selbst in den Massenmedien ansatzweise fair und unter

Einbeziehung wissenschaftlicher Erkenntnisse geführt. Viele

Amerikaner fragen sich, wie man seit den 1970er Jahren 70

Milliarden US Dollar für einen Krieg gegen Drogen ausgeben

konnte, ohne einen nennenswerten Effekt beim Angebot, bei

der Nachfrage oder der „Suchtbekämpfung“ zu erzielen.

In Deutschland hingegen muss man immer noch gegen Vorurteile

argumentieren, deren sich in den USA selbst Konservative

nicht mehr bedienen, weil sie eindeutig widerlegt sind.

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb fällt es vielen schwer,

im Job, in der Schule, bei Eltern Lehren oder gar beim Drogenberater

die richtigen Worte zu finden, wenn‘s darum geht,

Lügen über Hanf zu entlarven und richtigzustellen. Wir helfen

anlässlich des Hanftags 2010 gerne aus:

Cannabis ist keine Einstiegsdroge

Das älteste Argument der Prohibitionsten wird selbst von der

Deutschen Haupstelle für Suchtfragen widerlegt. Unter zwei

Prozent aller Konsumenten entwickeln ein problematisches

Konsummuster, werden also dem Volksmund nach „süchtig“.

Im Gegenteil: Die Prohibition ist die Einstiegsdroge, da beim

Kauf zwangsläufig Kontakt zu einem Klientel entsteht, in dem

andere Drogen angeboten werden. Ein Satz wie „Nee, Gras

hab‘ ich grad nicht da, aber willste nicht mal ... probieren“ wäre

in einem niederländischen Coffeeshop undenkbar, beim Straßendealer

hingegen nicht.

Cannabis macht per se nicht schizophren

Das zur Zeit beliebtese Argunment gegen eine Freigabe:

Auch hier zitieren die meisten Medien nur Passagen aus

Studien und geben so den aktuellen Stand der Forschung nur

unzureichend wider. Einerseits haben Studien in England und

Neuseeland darauf hingedeutet, dass regelmäßiger Cannabiskonsum

den Ausbruch einer Psychose bei Personen, die dazu

veranlagt sind, begünstigen kann. Andereseits gibt es Ärzte aus

den USA, die Cannabis kontrolliert zur erfolgreichen Behandlung

von Schizophrenie einsetzten. Auch beim Hanf macht die

Dosis das Gift.

Cannabis ist unschädlicher als Zigaretten

Der neueste Stand der Forschung sagt genau das Gegenteil.

THC und CBN sind Krebshemmer, es gibt keinen Hinweis auf

einen kausalen Zusammenhang zwischen Cannabisrauch und

Krebs. Zahlreiche Studien aus unterschiedlichen Ländern bestätigen

das mittlerweile. Selbst führende Lungenspezialisten,

die 30 Jahre lang anderer Meinung waren, teilen mittlerweile

Halt! Sofort mit dem Denken aufhören! - Foto: Archiv

diese Sichtweise. Michael Phelps wohl auch ;-). Anders sieht

das natürlich beim Mischkonsum mit Tabak aus. Besonders die

Studien aus den 1980er und 1990er Jahren, die einen kausalen

Zusammenhang zwischen Cannabis und Krebs festgestellt hatten,

haben Cannabis mit Tabak vermischt sowie oft Tabakraucher

als Probanden herangezogen, um zu ihren Ergebnissen zu

erlangen und sind deshalb wenig aussagekräftig.

Cannabisprodukte von heute sind nicht

stärker und somit gefährlicher als früher

„Früher“, also in den 1960er, 70er und 80er Jahren, wurde fast

ausschließlich Haschisch geraucht. Damals noch von viel besserer

Qualität als heute, war es stärker als ein durchschnittliches

Indoor Gras von heute. Das bestätigen auch die Statistiken der

Funde vom BKA seit 1970.

Außerdem hat der Wirkstoffgehalt an sich nichts mit einem

erhöhten Gefährdungspotential zu tun, er birgt nur dann Gefahr,

wenn der Konsument nicht weiß, wie stark das Hasch oder

das Gras ist. Dann besteht die Gefahr der Überdosierung und

somit ungewünschter und unangenehmer Nebenwirkungen.

Kennt ein Konsument den Wirkstoffgehalt, kann die Dosis genau

bestimmt und nicht überdosiert werden. Hochwirksames

Cannabis hat sogar den Vorteil, dass weniger Pflanzenanteile

mitkonsumiert werden müssen. Wein ist auch nicht gefährlicher

als Bier.

Von Michael Knodt

Cannabis ist nicht genmanipuliert

Es gibt kein genmanipuliertes Cannabis. Der höhere Wirkstoffgehalt

ist ausschließlich auf natürliche Selektion wie beim

Obst- oder Gemüseanbau zurückzuführen. Selbst wenn sie

wollten, hätten Hanfbauern unter den gegebenen Umständen

gar nicht die logistischen Möglichkeiten, Hanf genetisch zu

verändern. Italienische Forscher haben zudem 2002 versucht,

genmanipulierte Hanfpflanzen zu erzeugen und sind kläglich

gescheitert (siehe Hanf Journal 01/06: Gen-Gras. Ein modernes

Weihnachtsmärchen und sein Hintergrund).

Schützt das Verbot unsere Kinder?

Es ist ein berechtigtes Anliegen, die Jugend vor möglichen

negativen Auswirkungen des Cannabiskonsums zu schützen.

Das Verbot hat sein wichtigstes Ziel, Verringerung von Angebot

und Nachfrage, jedoch nicht erreicht. Drogen, insbesondere

Cannabis, sind in unserer Gesellschaft präsenter denn je und

problemlos zu beschaffen. Die mindestens vier Millionen deutschen

Cannabiskonsumenten belegen deutlich, dass sich die

Nachfrage vom Verbot unbeeindruckt zeigt.

Dafür leidet der Jugendschutz durch das Verbot erheblich.

Unter den Bedingungen des Schwarzmarkts scheren sich viele

Händler nicht um die Qualität des Cannabis, noch interessieren

sie sich für das Alter des Käufers oder dessen Konsumgewohnheiten.

Abstinenzorientiert gehen alle Präventionsbemühungen an

den Bedürfnissen und Lebensrealitäten von Jugendlichen und

jungen Erwachsenen vorbei. Konsum wird immer mit problematischem

Konsum (Missbrauch) gleichgesetzt. Das macht

diese Art der Prävention unglaubwürdig.

Ziel sollte vielmehr die Erziehung zur Drogenmündigkeit

sein, die den Menschen befähigt, bewusst und selbstbestimmt

mit Cannabis umzugehen.

Es gibt nicht viele lohnenswerte Gelegenheiten,

als Kiffer die heimische Couch zu

verlassen. Aber wenn es darum geht, in der

Zukunft noch komfortabler und entspannter

zu kiffen, kann die Playstation durchaus mal

einen Tag ausbleiben. Sie verkraftet das sicher!

Der 8.5. 2010 würde sich anbieten, um tatsächlich

mal das Haus zu verlassen, denn da heißt

es: Präsenz zeigen für die Legalisierung. Millionen

Kiffer weltweit bringen an diesem Tag ein

schweres Opfer, lassen ihre Bong ganz allein

zuhause stehen und machen sich auf den langen

und beschwerlichen Weg ans Tageslicht.

Draussen

ist schlimmer als gedacht

Doch Vorsicht! Nicht nur zu schnelles Aufstehen,

auch unbedachtes Hausverlassen kann

gefährliche Nebenwirkungen entfalten. Das

Tages- und Nachtlicht lässt sich nicht so einfach

ein- und ausschalten wie das Licht im

Kühlschrank. Und auch der Regen ist etwas

schwerer einzustellen als die Dusche. Darum

raten wir dir, immer einen Generator mitzuschleppen,

an dem du dein Kühlschranklicht

und eine portable Brause mit Warmwasser

anschliesst. Sollte es draußen mal zu regnen

beginnen, kannst du wenigstens noch die

Temperatur bestimmen. Doch nicht nur solch

unerwartete Ereignisse wie Regen und Sonne

können euch „draussen“ an den Rand des

Wahnsinns treiben! Was ist, wenn ihr nüchtern

werdet? Sichere Folge: Tod! (Der so genannte

Nicht-Drogen-Tod) Und damit das nicht passiert,

immer schön den Bonghelm und ein Stabfeuerzeug

mitführen. Nicht dass wir wieder

was vom Tod durch Nüchternheit lesen müssen!

Der Spiegel wartet ja nur auf seine nächste

reißerische Story!

Ach ja und es ist immer gut, in fremden Gefilden,

also „draussen“, seine Großmutter als

Anstandswauwau für die moralische Integrität

mitzunehmen. Besonders praktisch in der

Ausführung mit Augenklappe, für Momente

mangelnder Selbstbeherrschung.

Draussen sein ist wirklich nichts für regelmäßig!

Daher sollte es wohl dosiert genossen

werden. Anlässe wie der Hanftag, der MMM

(beide am 8.5.) oder die Hanfparade (7.8.) stellen

solche Ausnahmen dar. Das Problem des

kollektiven Stadtrundganges, auch Demo genannt,

ist die Tatsache, dass er meistens nicht

da entlanggeht, wo man eigentlich hinmüsste.

Man muss nicht sofort mit dem Leiter vom

Ordnungsamt ins Bett gehen, wenn die Demoroute

nicht passt, es geht auch einfacher.

In diesem Fall setzt man sich an die Spitze

des Zuges, stimmt Kriegsgeheul an, stürmt

auf die Polizeikette zu und hofft, dass jemand

ausweicht. Alternativ legt man sich auf einer

Kreuzung einfach vor den ersten Wagen. Ambitioniertere

versuchen es mit Sprengfallen

oder Stapeln aus brennenden Autos. Kommt

man der Staatsgewalt etwas entgegen, lässt

sich die Demo am leichtesten umleiten: Mit

einer Möhre an einer Angel, lässt sich der vorderste

Polizist prima dirigieren, mit ein wenig

Geschick lässt er sich sogar zureiten. Die Demoroute

zu ändern ist allerdings nur erlaubt,

mit einer der folgenden Ausreden:

„Ich muss mal aufs Klo“ / „Meine Mama

hat angerufen, ich soll nach Hause kommen“

/ „Da vorne wohnt die Erika“ / „Da drüben

gibts Süßigkeiten“ / „Mein Dealer wohnt aber

hier rechts“.

Und nach dem ausserplanmäßigen Halt geht

ihr rum und sammelt Geld für …

eure grossstadtsurvivor(.de)


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#117 / 05.10

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GMM österreich

hanf nutzen

Wenn diese genutzt werden, können

die meisten Probleme in der Energieversorgung,

in der Umwelt, in der Natur,

im Gesundheitswesen und in vielen

anderen Bereichen umweltfreundlich und

dauerhaft gelöst werden.

Die Desinformation der Vergangenheit ist

mindestens genauso so groß wie der unermessliche

Nutzen der Hanfpflanze! Daher

demonstriert eine weltweite Gemeinschaft

aus über 300 Städten für Aufklärung und

Bewegung in der Drogenpolitik.

Am Samstag, dem 8.Mai 2010, wird deshalb

in Wien der Hanf Wandertag unter

dem Motto: „Wir lassen uns nicht länger

pflanzen!“ stattfinden.

Als Teil der traditionsreichen internationalen

Großdemonstration (Global Marijuana

March) wollen wir auch in Österreich

das Wissen um die Kulturpflanze Hanf

und ihre Nutzung als Rohstoff, Genussmittel

und Medizin wieder in den Mittelpunkt

der politischen Diskussion stellen.

Noch vor 100 Jahren war Hanf ein unersetzlicher

Rohstoff für die kulturelle

Entwicklung der gesamten Menschheit.

Nachweisbar findet Hanf schon seit Jahrtausenden

in unzähligen Bereichen Anwendung.

Historische Funde aus der Frühphase

der Menschheit zeigen die wichtige

kulturelle Funktion dieser universellen

Nutzpflanze bei fast allen Völkern der

Erde.

Wichtige Errungenschaften der westlichen

Zivilisationen waren Jahrtausende

lang von der Nutzung der Hanfpflanze

abhängig. Hanf war bis in die Mitte des

20 Jh. weltweit der ultimative Rohstoff für

Textilien, Papier, Seile, Medizin und Öle.

Die damit verbundene Infrastruktur zum

Anbau und zur Verwertung des Hanfes

war für die kulturelle Entwicklung unserer

zivilisierten Welt verbindlich.

Erklärender Weise kann man heute Zusammenhänge

zwischen wirtschaftlichen

Interessen der Faser und Öl-Industrie

zur Mitte des letzten Jahrhunderts und

strategisch eingesetzter Anti-Hanf-Propaganda

durch die weltweite Drogenpolitik

erkennen.

Wir fordern, dass die gesamte Hanfkultur,

also sowohl die Kunst Hanf als

Rohstoff, als Lebensmittel, als Genussmittel

und als Medizin zu nutzen, dem

immateriellen Weltkulturerbe der UN-

ESCO zuzuordnen und den bisherigen,

ausschliesslich auf Strafverfolgung ausgerichteten,

Behörden zu entziehen ist.

Des weiteren sind die Samen der verschiedenen

Hanfsorten respektive Hanfzüchtungen

aus Gründen der Biodiversität

(biologische Vielfalt) zu schützen

und dem materiellen Weltkulturerbe der

UNESCO zu unterstellen.

Das Rahmenprogramm

Donnerstag 6.Mai - Podiums Diskussion

Cannabis im Aufbruch

19:00h Cafe Landtmann

Dr. Karl Lueger-Ring 4

A-1010 Wien

mit:

Dr. Kurt Blaas

www.blowdoc.at

Dr.Gebhard Heinzle

www.legalisieren.at

Mag. Peter Rausch

www.nektar.at

DI. Christian Frenkenberger

www.hanfmilch.at

Norbert Schmid

www.hempstone.at

Freitag 7.Mai - Pressekonferenz

10:00h Cafe Landtmann

Dr. Karl Lueger-Ring 4

A-1010 Wien

Peter Rausch

Cannabis im Vergleich

Die tatsächlichen Wirkungen und Auswirkungen

von legalen und illegalen Drogen

Bernhard Amann

Cannabis & Recht - www.legalisieren.at

Der Hanfwandertag:

Samstag 8. Mai

13:00 uhr

Auftakt Kundgebung vor der U.N.O City

U1 Kaisermühlen/Vienna International Center

14:00h

Abmarsch der Demonstration

15:30h Kundgebung vor dem Gesundheitsministerium

18:00h Abschluss Kundgebung mit Hanfbuffet

und Konzert vor dem Parlament!

Live on Stage:

Macka B. & The Royal Roots Band

Uwe Banton & Deliman backed by the House

of Riddim Band

Online live stream worldwide on

www.rastamusic.com

World Wide Live-Stream of the Full Concert:

visit www.rastamusic.com

www.hanfwandertag.at

Als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise der späten 20er

Jahre des letzten Jahrhunderts erfand der damalige US-

Präsident Franklin D. Roosevelt 1933 den „New Deal“. Mit

massiven staatlichen Investitionen kämpfte die Rooseveltregierung

in den folgenden zehn Jahren gegen Massenarbeitslosigkeit

und die Verarmung weiter Bevölkerungsschichten.

80 Jahre später

erinnerte sich

„eine genauere die Welt angesichts

einer neuen

tiefgreifen-

Betrachtung der

den Krise der

ökologischen

Finanz- und Arbeitsmärkte

an

Möglichkeiten der

das erfolgreiche

Pflanze lohnt sich Konzept.

Thomas L.

aber allemal“

Friedman, ein

angesehener USamerikanischer

Wirtschaftsjournalist erfand 2007 den „Green

New Deal“ und forderte in der Zeitung „New York Times“

dazu auf, steigenden Ölpreisen, wachsenden Umweltproblemen

und dem Kollaps des Kreditmarktes zu begegnen, indem

die Regierungen mittels staatlicher Investitionsprogramme die

Entwicklung nachwachsender Rohstoffe und erneuerbarer Energiequellen

forcieren.

Der dem zugrundeliegende Gedanke ist, dass die Regierungen

angesichts der aktuellen Finanzmarktprobleme ein Eingreifen

ohnehin nicht verhindern können und nur die Konzentration

staatlicher Mittel auf „grüne“ Industrien in der Lage ist, die

Wirtschaft anzukurbeln und gleichzeitig den Klimawandel zu

bremsen.

Besonders in den USA fiel die Idee auf fruchtbaren Boden.

Noch immer gelten die Jahre vor dem Eintritt der USA in den

zweiten Weltkrieg vielen Amerikanern als das „goldene Zeitalter“

ihrer Nation.

So verwundert es kaum, dass es nur wenige Monate dauerte,

bis die Idee „Green New Deal“ von der UNO aufgegriffen

wurde. Am 22. Oktober 2008 kündigte der Direktor des UNEP

(United Nations Environment Programme, UN-Umweltbehörde)

Achim Steiner die Initiative „Global Green New Deal“ an.

Hilary Benn, damals Staatssekretär im britischen Umweltministerium

sagte anlässlich der UNEP-Initiative: „Die Revolution

der Grünen Technologie muss an Fahrt gewinnen, da zukünftig

ein wachsender Teil der Jobs auf der Welt in der Umweltindustrie

entstehen wird. Großbritannien hat sich dem Aufbau einer

grünen Ökonomie verschrieben – Zuhause wie im Ausland: Sie

wird gut für die Geschäfte sein, gut für die Umwelt und gut für

das Wachstum. Die UNEP-Initiative wird helfen, den Wechsel

zu meistern, insbesondere weil sie zu verstehen hilft, wie sehr

unsere Existenz von der Umwelt abhängt – von Boden, Luft,

Wasser und Biodiversität.“

Diese „schönen Worte“, so der US-Hanfpionier Jack Herer,

hatten für ihn (und weite Teile der Ökobewegung) nur einen

Makel – Die für die Erneuerung des Planeten potentiell wichtigste

Pflanze kommt in den Plänen der UNEP gar nicht vor.

„Dabei hat nur die uralte Nutzpflanze Hanf, Cannabis sativa

L., das Potential zum Weltenretter. Nach ihrer Re-Legalisierung

könnte sie die stetig wachsende Weltbevölkerung kostengünstig

und CO2-neutral mit Kleidung, Nahrung und Treibstoff

versorgen.“ so Herer in der New York Times.

Herer mag es mit dem „Weltenretter Hanf“ klassisch amerikanisch

übertreiben, eine genauere Betrachtung der ökologischen

Möglichkeiten der Pflanze lohnt sich aber allemal. Immerhin

war Cannabis schon einmal Motor und Schmiermittel der Weltwirtschaft.

Bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhundert war Hanf

die weitverbreiteste und für die Menschheit wichtigste Nutzpflanze.

Das Öl seiner Samen erleuchtetet die Nächte, Kleidung

aus Cannabisfasern hielt die Menschen warm, Hanfsegel und

-seile machten den Transport über Kontinente hinweg überhaupt

erst möglich. Dem machte ein kleiner Kreis US-Großindustrieller

und ihre zum Drogenzar gehypte Marionette ein

radikales Ende.

Die erdölsüchtige Welt, in der wir aufwachsen, und die verheerenden

Auswirkungen des Welthungers nach fossilen

Brennstoffen hätten wir ohne das 1937 in den USA „erfundene“

und nach dem zweiten Weltkrieg weltweit exportierte Hanfverbot

nie erlebt. Ohne Mellon, Hearst, Dupont und ihren „Vollstrecker“

Harry J. Anslinger sähe unser Planet heute anders

aus!

Wenn wir wollen und unsere politischen „Führer“ an der

Wahlurne in Briefen und Emails dazu zwingen, kann Hanf DIE

Pflanze des 21. Jahrhunderts werden. Der explodierende Energiebedarf

der Menschheit könnte dabei ein wichtiger Verbündeter

sein.

Eine Hanfpflanze ist ja im Prinzip nichts anderes als gespeicherte

Sonnenenergie. Biomasse aus Licht zu erzeugen, dass

schaffen alle grünen Pflanzen, doch nur wenige tun dies so effektiv

wie Cannabis.

Wusstet ihr, dass Hanf auf der gleichen Fläche viermal so viel

Biomasse erzeugt wie die Fichte, die in unserem Land verbreitetste

Energiepflanze? Wusstet ihr, dass für seinen Anbau im

Gegensatz zum heute in Deutschland massenhaft als Ölsaat

kultivierten Raps kaum Düngemittel, Pestizide und Fungizide

benötigt werden? Wusstet ihr, dass die stinknormalen LKWs

auf unseren Straßen ohne Umbau ab morgen CO2-neutral mit

Hanf-Biodiesel fahren könnten?

Ich bin mir sicher, dass beinahe alle PolitikerInnen im Deutschen

Bundestag bei einer oder allen dieser Fragen „Nein“ antworten

würden. Es liegt an uns ihnen die Möglichkeiten der

Nutzpflanze Hanf als Energieträger, als Treibstoff der Zukunft,

als CO2-neutralen Jobmotor - kurz als wichtigsten Verbündeten

des „Green New Deals“ schmackhaft zu machen. Demonstrationen

wie der Hanftag sind dafür ein wichtiges Werkzeug.

“Der Klimawandel ist nicht nur ein Problem, er ist auch eine

Chance (um Hanf zu legalisieren a.d.A.). Er bietet uns die Gelegenheit,

überall im Land neue Arbeitsplätze zu schaffen, indem

wir unsere Energieversorgung umstellen. Das stärkt unsere

Wirtschaft, erhöht unsere Sicherheit, verringert unsere Abhängigkeit

von ausländischem Öl und stellt sicher, dass wir in den

kommenden Jahrzehnten wettbewerbsfähig sind. Und all das,

während wir den Planeten retten. Wir werden diese Gelegenheit

nicht verpassen.“ Barack Obama

Der ökologisch nachhaltige Umbau der Weltwirtschaft bleibt

ohne Cannabis Illusion! Kein Green New Deal ohne Hanf!

Mehr zum Thema:

unep.org/documents.multilingual/default.asp?documentid=548&

articleid=5957&l=en

unep.org/greeneconomy/

hanfplantage.de/kein-new-green-deal-ohne-hanf-05-06-2009

Jamaika - Foto: Kasha, siehe Hanf Journal #118, 05.10, parallel in diesem Monat erschienen


#117 / 05.10

hanf anderswo

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Zum 1. Januar 2010 hat sich die tschechische Republik ein

neues Drogengesetz gegönnt. Die Neuregelungen riefen

im Nachbarland Deutschland zum Teil heftige Medienreaktionen

hervor. Manch einer sah gar die „Erfolge deutscher Repressionsbemühungen

sabotiert“ und warnte vor einem „neuen

Drogenparadies“.

Dabei war Tschechien schon in der Zeit des kalten Krieges

eines der liberaleren Länder. Während Drogen und ihre Konsumenten

in der DDR, Polen oder den Sowjetstaaten weitgehend

ausgeblendet und allenfalls als Propagandawerkzeug missbraucht

wurden, gab es in Prag sogar unter der Herrschaft der

Kommunisten staatliche „Suchtkliniken“. Auch nach der Wende

im Jahr 1989 blieb das Land freizügiger als viele Nachbarn.

Jeder Prager wusste, dass man rund um den Wenzelsplatz problemlos

verschiedenste Rauschmittel kaufen konnte.

Die von einem Aufschrei deutscher Sittenwächter begleitete

Neuregelung setzte denn auch nur das in Gesetzesform um,

was an tschechischen Gerichten schon Jahre gängige Praxis

war. Wie der Ministerpräsident des Landes Jan Fischer der Zeitung

Welt im Januar erklärte, sollte das neue Drogenrecht nicht

mehr erreichen, als eine lange schwelende Debatte über die

Frage „Wie groß muss eine Menge sein, damit sie nicht mehr

klein ist?“ zu beenden. Drogenbesitz ist nach wie vor rechtswidrig,

wer aber Rauschmittel lediglich zum Eigenverbrauch

und in geringen Mengen besitzt, muss nur noch wegen einer

Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße von bis zu 600 Euro

rechnen.

„Geschäfte mit Drogen duldet das neue Gesetz nicht, völlig

unabhängig von der Menge“, erläutert Jakub Frydrych, der

Chef der tschechischen Anti-Drogen-Behörde bei der Vorstellung

der Gesetzesinitiative im vergangenen Herbst. „Das gesamte

Gesetz lehnt sich an die derzeitige Praxis bei Gericht

an“ fügte die tschechische Justizministerin Daniela Kovarova

hinzu.

Obschon sich die wichtigsten Repräsentanten des tschechischen

Repressionsaparates bemühten, den Journalisten zu

vermitteln, dass auch mit dem neuen Drogenrecht alles beim

alten bleiben würde, ließen wutschäumende Reaktionen über

die vermeintliche „Drogenlegalisierung“ nicht lange auf sich

warten.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann warnte im Januar

vor „negativen Auswirkungen und einem Überschwappen des

tschechischen Drogenproblems nach Deutschland“. Ohne sich

um lästige Zuständigkeitsfragen oder EU-Freizügigkeitsregeln

zu scheren kündigte er „massive Kontrollen durch Zoll und

Landespolizei“ an. „Die Grenze wird dichtgemacht!“ tönte er

in jedes der bereitwillig gereichten Mikrofone.

Die Realität sieht freilich anders aus, als die Herrmanschen

Alpträume. Der überwiegende Teil der Drogenfunde in Bayern

wird an der Grenze zu Österreich gemacht. Die sogenannte

Balkanroute ist der wichtigste Verkehrsweg für afghanisches

Heroin und südamerikanisches Kokain, dass seinen Weg über

Afrika und die Türkei nach Deutschland findet.

Dazu kommt: In den ersten Monaten des Jahres 2010 blieb die

Situation an der deutsch-tschechischen Grenze ruhig. „Bisher

hat die Polizei in Ostbayern noch keine Auffälligkeiten festgestellt“

so Michael Rebele der Pressesprecher des Regensburger

Polizeipräsidenten. Die Befürchtungen „in Massen strömender“

Drogentouristen bleiben aus.

Bleibt zu hoffen, dass sich die bayrischen Stammtischphilosophen

alsbald eine neue Sau suchen, die sie durchs Dorf treiben

können. Den zaghaften Reformen des tschechischen Drogenrechts

täten ein-zwei Jahre Ruhe gut.

An ihrem Durchhaltevermögen zweifelnden tschechischen

Politikern empfehle ich ein Gespräch mit ihren polnischen

Kollegen. Die können sich sicher noch gut daran erinnern, wie

bayrische Volksverdummer Volksvertreter gegen den EU-Beitritt

der Polen wetterten. Inzwischen machen auch jene fleißig

deutsch-polnische Geschäfte, die 2004 noch vor „dem Volk der

Diebe und Gewalttäter“ warnten.

Mehr zum Thema:

usualredant.de/tagesrausch/2009-04-03-konoptikum-cannabisin-tschechien.html

welt.de/politik/ausland/article5784717/Tschechien-wird-zu-Europas-Drogenparadies.html

hanfjournal.de/hajo-website/artikel/2010/04april/s01_0410_titel.php


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GMM deutschland

#117 / 05.10

Es gibt viele Arten zu töten.

Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen,

einem das Brot entziehen,

einen von einer Krankheit nicht heilen,

einen in eine schlechte Wohnung stecken,

einen zum Selbstmord treiben,

durch Arbeit zu Tode schinden,

einen in den Krieg führen usw.

Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.

Bertolt Brecht

Drogenprohibition tötet auch – Cannabisprohibition ist

zumindest gesundheitsschädlich! Das ist nicht nur die

Meinung der Mitglieder der Hanf-Initiative Frankfurt „HaI am

Main“. In den vergangenen Jahren mussten sich viele Kiffer in

ärztliche Behandlung begeben, denn ihr Lieblingskraut war

vergiftet. Skrupellose DealerInnen strecken zur Profitmaximierung

das Marihuana mit Quarzsand, Fischfutter, Haarspray,

Brix (Flüssigplastik), Zucker, … - und dann gibt es das berüchtigte

„Bleigras“, dessen Konsum schwerste Gesundheitsschäden

verursacht.

Um dies zu ändern, fordert die Hanf-Initiative die sofortige

Legalisierung des Anbaus von bis zu fünf weiblichen Hanfpflanzen

zur Deckung des Eigenbedarfs! Hobbygärtner leben

gesünder und sind unabhängig vom Schwarzmarkt.

Am 8. Mai 2010 werden wir ab 15 Uhr an der Hauptwache

- im „Platanenwäldchen“ eine bunte Kundgebung abhalten.

Redner von der Linken Hessen, der Grünen Jugend Hessen,

der Piraten, der Grünen Hilfe und J.E.S. Frankfurt werden von

ihren Erfahrungen mit der aktuellen Drogenpolitik berichten

und ihre Forderungen an eine zukünftige Drogenpolitik formulieren.

Musik wird es leider nur aus der Konserve geben - es sei denn,

eine Band kommt spontan vorbei und überrascht die Anwesenden

mit einem Spontanauftritt. Nach den Infos werden wir

gemeinsam zum Main spazieren und dort den Tag entspannt

ausklingen lassen. Vor dem Römer werden wir eine Zwischenkundgebung

(„Offenes Mikro“) einlegen. Da kann dann jedeR,

der will, seine Meinung laut sagen – außer RechtspopulistInnen.

Die wollen und brauchen wir nämlich nicht!

www.hanf-initiative.de - mail: info@hanf-initiative.de

Zwar nicht in Frankfurt, aber auch schön - Foto: Hanfparade 2009 - Archiv

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18

GMM Polen & Tschechische Republik

#117 / 05.10

#117 / 05.10

hanf rebellen

19

Von Steffen Geyer

In Tschechien gilt zwar seit dem 1.1.2010 ein relativ liberales

Drogengesetz, legal ist dort der Hanf aber noch lange nicht.

Deshalb wird am 9. Mai um 13.00 Uhr in Prag im Rahmen des

Global Marihuana Marchs für die Legaliserung von Hanf unter

strengen Jugenschutzauflagen demonstriert. Los geht es

am berühmten Karlsplatz, wo die Veranstalter, ähnlich wie im

vergangen Jahr, mit fast 10.000 Teilnehmern rechnen. Der Demonstrationszug

wird dann durch die historische Innenstadt

MMM Warschau





Samstag 29.5.2010

Start: 15.00 Uhr am PKIN (Palast der Kultur)

Abschlussveranstaltung: ....

Mehr unter:

www.spliff.pl

http://m25.waw.pl

http://www.wolnekonopie.pl/

hinein in den Parukarka-Park führen. Hier gibt es dann eine

hanfige Abschlussveranstaltung mit Live-Acts, Ständen und

jede Menge Hanfkultur.

Ein paar hundert Kilometer nördlich, genauer gesagt in Warschau,

findet am 29.Mai, ebenfalls im Rahmen des MMM, der

Marsz Wyzwolenia Konopi, seines Zeichens die größte Hanf-

Demo des Landes, statt. Auch in Polen waren die vergangenen

Auflagen seit 2005 ein voller Erfolg und mit jeweil knapp 10.000

Menschen stark frequentiert, vielleicht weil in Polen die Gesetze

gegen Hanfkonsumenten geradezu archaisch anmuten.

Um 15.00 Uhr geht es am Kultur-und Wissenschaftspalast

los, von dort aus wird sich der Demonstrationszug durch die

Warschauer Innenstadt bewegen. Abends gibt es dann noch

eine fette Afterparty im m25, einem Club direkt gegeüber des

Hauptquartiers der polnischen Drogenfahndung ;-), mit fetten

Bass-Beats und kulturellen Highlights für die Legalisierung.

MMM Prag




Samstag 8.5.2010

Start 13.00 Uhr Karlsplatz

Abschlussveranstaltung:

Ab ca. 16.00 im Parukarka-Park

mehr unter:

konoptikum.cz

www.legalizace.cz


Von Michael Knodt

Brothers and Sisters, the Time has come,

For each and everyone of you to decide,

Whether you are gonna be the problem

Or whether you are gonna be the solution!

(Motor City Five, 1964)

Die späten 60er Jahre waren eine wilde Zeit. Spätestens

nach dem Tod Benno Ohnesorgs 1967 und dem Attentat

auf Rudi Dutschke 1968 war eine ganze Generation zum Aufstand

bereit. Doch bevor die Frage, wie die Revolution zu führen

sei, entschieden war, zerfiel 1970 der Sozialistische Deutsche

Studentenbund (SDS), der die Studentenbewegung bis

dahin ideologisch und logistisch angeführt hatte.

Anders als die Mehrheit der bundesrepublikanischen APO-

Vertreter, die den Konsum von Drogen mit Lenin als „reaktionär

und volksschädlich“ ablehnten, gab es in Berlin rund um

die Kommune 1 einen „revolutionären Zirkel“, der ganz auf

„Befreiung durch Berauschung“ setzte. Irgendwann entstand

als Verballhornung der Sprache kommunistischer Gruppen

die Bezeichnung „Zentralrat der herumschweifenden Haschrebellen“

und die Bundesrepublik Deutschland hatte ihre erste

Legalisierungsorganisation.

Na gut... Eine echte „Organisation“ waren die Haschrebellen

nie. Der Zentralrat tagte, wo immer sich zwei, drei „Rebellen“

zum „Rauchen, Saufen und Trippen“ trafen und Entscheidungen

trafen die, „die gerade ansprechbar waren“.

In Flugblättern forderten die Haschrebellen, die sich selbst

als den „militanten Kern der Berliner Subkultur“ bezeichneten

unter anderem „Werdet wild und tut schöne Sachen“ und

argumentierten „Gegen das moderne Sklavenhaltertum des

Spätkapitalismus - Für eigene Entscheidung über Körper und

Lebensform“.

Ihre Aktionen und Gerichtsverfahren finanzierten die

Haschrebellen durch schwunghaften Handel mit marrokanischen

und libanesischen Spezialitäten :) Und Geld war bitter

nötig, seit sich die Bananenrepublik Deutschland 1970 ein Betäubungsmittelgesetz

amerikanischen Vorbilds gegeben hatte

und sich Berliner Behörden daran machten, den „kommunistischen

Drogensumpf in der Vier-Mächte-Stadt“ trocken zu

legen.

Die Haschrebellen hatten kein geschlossenes Weltbild und erst

recht keine geordnete Programatik. Sie äußerte sich spontan

und situationsbezogen - Meist in Flugblättern oder „ihrer“ Untergrundzeitung

889, gerne aber auch mit Smoke-Ins oder Farbund

Rauchbombenattacken auf die gehobene Gesellschaft.

„Die Möglichkeiten in unseren Köpfen sind >superSupergedanken< mitzuteilen, sind hingegen

noch äußerst begrenzt.“ gaben die Haschrebellen offen

zu. Daran sollte sich bis zur „Selbstauflösung“ des Zentralrats

in den Wochen nach dem gewaltsamen Tod Georg von Rauchs

am 4. Dezember 1971 durch eine Kugel aus der Pistole eines

Berliner Polizisten nichts ändern.

Die Haschrebellen waren Kinder ihrer Zeit. Keiner der Damals

Mitte-20-Jährigen wollte ernsthaft „die Welt retten“. Den

eigenen Rausch zu befreien, das Recht auf Substanz-Selbstbestimmung

und das Image Berlins als Drogenhauptstadt

Deutschlands verdanken wir ihnen dennoch!

Die erneute Radikalisierung der Studentenbewegung und

den „deutschen Herbst“ 1977 erlebten die ehemaligen Haschrebellen

sehr unterschiedlich. Viele saßen in Gefängnissen oder

waren nach Indien und Afghanistan geflüchtet. Mancher spielte

beim Amoklauf der RAF sogar mit.

In den 80er Jahren war Berlin „drogenpolitisch tot“, wie es der

Kabarettist Wolfgang Neuß resignierend formulierte. Allenfalls

die „Kinder vom Bahnhof Zoo“ machten noch Schlagzeilen.

Fast schien es, als würde Berlin auf ewig „im Würgegriff des

Heroin“ bleiben. Einziger Lichtblick war eine Talkshow am 5.

Dezember 1983. Dabei verlas Neuss ein angeblich vom damaligen

Regierenden Bürgermeister Richard von Weizsäcker an

ihn gerichtetes Glückwunschtelegramm mit dem Satz: „Auf

deutschem Boden darf nie mehr ein Joint ausgehen!“

Eine „Wiedergeburt“ erlebten die Ideale der Haschrebellen

erst in den Neunziger Jahren. Berlin machte sich daran erneut

zur Hanfhauptstadt zu werden...

Wegbereiter und Steigbügel der neuen Bewegung war der

H.A.N.F. e.V., der sich bei seiner Gründung im Jahr 1993 auf

die Fahnen schrieb, „der Nutzpflanze Hanf zum Sieg zu verhelfen“.

Um diesem mutigen Ziel näher zu kommen, eröffnete

der Verein am 6. Dezember 1994 das Hanf Museum Berlin, dass

er bis heute betreibt.

Das Museum informiert Berliner und Berlinbesucher seither

über nahezu alle Aspekte der Pflanze Cannabis und ist Heimat

zahlreicher Hanfinitiativen und -aktivisten. Die Grüne Hilfe

hat hier ihr Büro und auch die Hanfparade ist eine „Erfindung“

von Mitgliedern des dienstältesten deutschen Hanfvereins.

Seit 1997 findet die größte deutsche Demonstration für die Legalisierung

von Hanf als Rohstoff, Medizin und Genussmittel

in Berlin statt. Besonders in den Jahren bis 2003 gelang es den

Organisatoren regelmäßig zehntausende Legalisierungsbefürworter

zu vereinen.

Fortwährender Kampf mit Berliner Behörden, Gerichtsverfahren

und fehlendes wirtschaftliches Geschick führten 2006

zur Zahlungsunfähigkeit des Bündnis Hanfparade. Angesichts

dieses traurigen Höhepunkts einer tiefgreifenden Hanfkrise, in

den Jahren 2004-06 hatten mehrere Hanfdemos, -vereine und

-messen die Arbeit eingestellt, sah es so aus, als würde die „Legalisierungsszene“

erneut und schlimmstenfalls auf Jahre in

Dornröschenschlaf versinken.

Zum Glück irrten sich Schwarzmaler und die „Kiffer kriegen

halt nix gebacken“-Fraktion! Anders als in den 70er Jahren war

die „Bewegung“ diesmal auf Rückschläge vorbereitet und gab

nicht klein bei.

Inzwischen wachsen neue Organisationen und Veranstaltungen

heran, die ihre geistige Heimat oft in den Redaktionsräumen

des Hanf Journals haben. Der Deutsche Hanf Verband und

nicht zuletzt der Hanftag sind der sichtbare Beweis dafür, dass

Berlin mehr zu bieten hat als Legalisierungsstrohfeuer.

Der Kampf um Hanf mag schon ein Menschenleben dauern,

in Berlin wird er dennoch weiter geführt werden. Hier ist man

sicher ihn zu gewinnen!

Wie lange er noch dauert, hängt von den Kiffern ab. Mit deiner

Hilfe könnte es Übermorgen soweit sein... Oder hättest du

am Neujahrstag 1989 gewettet, dass der 40. Geburtstag der

DDR ihr letzter sein würde?

„High sein! Frei sein! Terror muss dabei sein!“


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#117 / 05.10

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