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2 #117 / 05.10

#117 / 05.10 3

hanftag

hanf nutzen

Wer auf eine Hanfdemo geht, der erlebt einen Tag im

Sonnenschein mitten in Berlin. Hoffentlich.

Da wir das Wetter nicht beeinflussen können, aber dennoch

etwas neben unseren Forderungen zur Schau stellen wollen,

freuen wir uns sehr über jeden bunten und spaßigen Auftritt,

der durch einen kleinen Schauer nicht gleich an Farbe verlieren

soll.

Was geht und was ihr lieber lassen solltet, verraten wir euch

auf dieser Seite.

Transparente und Schilder sind ein gutes Mittel, um seine

Meinung unaufdringlich in die Öffentlichkeit zu tragen. Ein

gutes Transparent ersetzt dazu ein Dutzend herkömmliche

Teilnehmer – mindestens! Produziert daher eure eigenen Werbetafeln

mit individuellen Slogans.

Was sollen Leute unbedingt einmal gelesen haben, wenn sie

euch auf einer Hanfdemo antreffen? Es muss ja nicht kompliziert

sein. Schon ein einfaches Hanf-Blatt ist ein Hingucker.

Oder schnappt euch einen alten Karton, einen Besenstiel dran

genagelt und nur noch eure Botschaft aufpinseln – fertig! Wer

es lieber etwas größer mag, muss auch nicht verzweifeln.

Schnapp dir ein Bettlaken und besticke es mit aufwenigen Mosaikmustern

oder 3D-Bildern. Denk bei großen Transparenten

daran, Luftlöcher reinzuschneiden, da du sonst vom Winde

verweht werden könntest. Falls du an Übergrößen denkst,

aber keine 4 Meter Spannweite zwischen den Armen aufweisen

kannst, wirst du sicherlich jemanden finden, der dich beim

Demonstrieren unterstützen wird.

Musik und Gesang sind eine Möglichkeit den Anwesenden

und beteiligten Passanten den friedlichen Auftrag der Demonstration

zu verdeutlichen.

Musik und laute Engelschöre sind dazu immer ein praktischer

Begleiter einer auffälligen Demonstration. Wer musikalisch ist

oder einfach auf Krach steht, sollte sich auch auf einer Hanfdemo

nicht unnötig bremsen. Wer Trillerpfeife, Maultrommel

oder die Triangel spielt, sollte sein Instrument mitbringen und

sein Können auf dieser Veranstaltung unter Beweis stellen.

Der Musikalienhandel auf Berlins Straßen ist aber leider untersagt.

Auch solltet ihr euch nicht in die unmittelbare Nachbarschaft

eines Paradewagens stellen, da diese einfach mehr Dezibel

raushauen als eure Triangel das vermag.

impressum

Herausgeber:

Agentur Sowjet GmbH

Dunckerstraße 70

10437 Berlin

Tel.: 030/44 79 32 84

Fax.: 030/44 79 32 86

Email: redaktion@hanfjournal.de

Geschäftsführer: Emanuel Kotzian (V.i.s.d.P.)

Sitz der Gesellschaft: Berlin AG Charlottenburg, HRB Nr. 89200

Steuer-Nr. 37 220 20818

Sprechchöre und Slogans verdeutlichen den Auftrag und

Grund der Demonstration und sorgen für ein feines Zusammengehörigkeitsgefühl

zwischen fremden Freunden.

“Steuergelder generieren - Hanf für Rausch legalisieren”

So oder ähnlich könnten die Sprechchöre klingen, die auf

einer Hanfdemo eine große Wirkung entfachen. Außerdem

muss man dafür nichts mitbringen. Einfach ein, zwei Sätze

ausgedacht und ausprobiert. Wenn nach dem dritten Versuch

noch keiner mitgrölt, war es wohl nix, hat dafür aber

auch nix gekostet.

Richtig gut sind Slogans, bei denen die Demo einem Anstifter

antworten kann. Also etwas in Richtung „Was wollen

wir? – Legalisierung! Wann wollen wir sie? – Jetzt!“

Bitte denkt bei der Wahl der Worte daran, dass euer Slogan

eventuell um die Welt geht. Mangelhafte Grammatik

und schlechte Reime à la „Kein Kampf ohne Hanf“ sind so

eine Sache.

Faschistische, schwulenfeindliche, sexistische oder beleidigende

Parolen haben auf der Hanfdemonstrationen definitiv

nix verloren!

Kostüme und Verkleidungen sorgen für ’ne Menge Spaß.

– Sich zu verkleiden macht aber nicht nur Laune, es zeigt

auch allen, dass ihr euch Gedanken gemacht habt. Dabei

muss es nicht immer gleich ein Ganzkörperkondom sein, auch

ein orangefarbener Hut sorgt für Aufregung und nette Bilder.

Bitte denkt beim Verkleiden daran, dass ihr etwas mehr Zeit

in der Öffentlichkeit verbringen werdet. Achtet also auf die Belüftung

und einen Notdurftschacht, sonst endet der Berlin-Besuch

noch mit einem Kreislaufkollaps im Krankenhaus oder in

den eigenen Exkrementen. Sucht euch einen Freund oder eine

Freundin, die euch behilflich sein kann.

Dann könnt ihr immer mal die Plätze tauschen und seht die

Demo dazu noch aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Bitte achtet darauf, dass man auch mit Kostüm euer Gesicht

erkennen kann bzw. verkleidet euch so, dass ihr wenn nötig

die Kopfbedeckung abnehmen könnt. In Deutschland gibt es

nämlich ein Vermummungsverbot! Dieses gilt auch für Batman

und andere anwesende Superhelden!

Kostüme sind nix für Medien- und Menschenscheue! Wer

also lieber kein Bild von sich in der Tageszeitung vom nächsten

Tag finden will, sollte sich das mit dem Verkleiden noch

mal überlegen.

Aktionen sind aufwendig, aufsehenerregend, müssen aber

nicht immer von vielen geplant werden. Auf die Hanfparade

2002 brachte z. B. einfach jemand eine Kiste voller Sträflingskleidung

mit. Freiwillige, die sich die Kostüme überzogen, waren

schnell gefunden. Kaum einer, der an der Sträflingsaktion

Beteiligten hatte damit gerechnet, dass sein Besuch der Demo

einen bleibenden Eindruck hinterlassen würde. Dennoch waren

die Zeitungen am nächsten Tag voller grinsender Sträflinge

und die Hanfparade um einen unvergessenen Moment

reicher.

Wirkung haben schon kleine Aktionen. Was bringen dann

erst die Großen?

Statt im Kostüm lieber gleich nackt auf die Demo? Oder einfach

mal den Rucksack voller Joints packen und sie „verteilen“?

Moment! Allen jenen, den gerade ähnliche Gedanken durch

den Kopf gehen, ein paar Hinweise:

Bei aller Freude am kreativen Demonstrieren solltet ihr nicht

vergessen, dass jede eurer Aktionen auch Auswirkungen auf

alle anderen hat. Wer die Todesstrafe für alle Drogenjäger

fordert, muss sich nicht wundern, wenn die damit Angesprochenen

bei ihm etwas weniger zimperlich sind. Denkt bitte

auch daran, dass wir euch nicht vor Strafverfolgung schützen

können.

Also friedlich und freundlich demonstrieren, sein Recht einfordern

ohne unverschämt zu werden und niemanden einen

Grund geben geltende Vorurteile bestätigt zu sehen. Dann

erleben wir gemeinsam einen schönen GMM in Berlin am

08.05.2010 auf dem Hanftag vor dem Brandenburger Tor, um

Hanf Dampf zu machen.

Das Verbot psychoaktiver Substanzen ist Scheinheiligkeit

in Reinkultur.

Während seit mehr als 40 Jahren der Krieg gegen die Drogen

verzweifelt geführt wird, gehören Drogen seit Gedenken zum

Leben der Menschen dazu. Die Kultur des Menschen hat ihren

Ursprung den Veränderungen im Bewusstsein zu verdanken,

die unsere Vorfahren dazu gebracht haben, Dinge anders zu

betrachten und sie nutzbar machen. Neugier gehörte zu den

Tugenden des Homo Sapiens Sapiens, die ihn durch vorsichtige

Herangehensweise zu neuen Erkenntnissen führte, anstatt

ihm zu schaden. Denn der Überlebenstrieb ist seit der Entstehung

des Lebens unverändert. Der Trieb nach Forschung und

Entwicklung ist dazu ein notwendiger Motor der menschlichen

Entstehungsgeschichte.

Die Beschäftigung mit der äußeren Welt führt zu der Beschäftigung

mit einer inneren Welt, die sich im Individuum findet.

Der Dialog beider führt zu Fortschritten, die wir in unserer

Kultur festigen und in denen wir Kunst erkennen können.

Doch warum schätzen wir diese Kulturen mit ihrer Kunst? Ist

es der einfache Genuss an Sinnesstimulanz, das Bewusstsein

eine universelle Sprache zu verstehen oder die Freiheit unsere

physikalischen und psychologischen Grenzen durchbrechen

zu können, sei es nur für einen Augenblick?

In Hochkulturen werden Künstler und kreative Köpfe geschätzt

wie keine anderen. Dies wird der Allgemeinheit regelmäßig

durch die verschieden Gehaltsklassen sowie pompös inszenierte

Preisverleihungen bestätigt. Die vergangenen Helden

und Weltbeweger unserer Erde sind in Bibliotheken und Galerien

beheimatet und werden noch Jahrhunderte nach ihrem Dasein

bewundert. Meist stehen die Werke, Aussagen, Stücke und

Handlungen dieser Persönlichkeiten im Vordergrund, jedoch

gestalten sich die Biografien dieser Menschen oft als erklärende

Wegweiser zu deren vollbrachten Taten. Wie viele dieser Menschen

das BtmG in ihrem Werdegang gebrochen hätten oder

sogar haben, stellt sich hier als kulturelles Erbe unserer Dichter,

Denker und Idole dar.

Von mze

Fast jede Berühmtheit hatte Kontakt mit Substanzen, die laut

Betäubungsmittelgesetz verboten sind, oder sie waren während

ihres Lebensweges regelmäßig betrunken.

Heiler und Medizinmänner der Vergangenheit konnten mit

gewissen Kräutern und Herstellungsverfahren teilweise ähnliche

Ergebnisse erzielen, wie sie die heutige Pharmaindustrie

durch chemisch aufwendige Verfahren erwirkt. Diesen derzeit

legalen Produkten sind heutige Prominente ebenso oft zu getan

wie ihre Kollegen, die zu allen Zeiten auf alternative Medizin

zurückgriffen.

Eindeutig bleibt nur, dass der Mensch zu gerne etwas mit

seinem Geist anstellt, wovon er ohne äußerlichen Einfluss nur

wage Vorstellungen besitzt.

Der Mensch und seine Kultur sind mit den Ausflügen in erweiterte

Sphären durch Substanzgebrauch seit Jahrtausenden

verbunden. Die Verbote der letzten 40 Jahre stehen in diesem

Kontext nur als alberne Straßenbegrenzungen auf unserem

Weg des Begreifens. Das Beibehalten und versteifte Anwenden

dieser „jungen“ Regeln zeigt nur die Machtlosigkeit unserer

kurzzeitig gewählten Vertreter des Volkes. Denn während auf

der einen Seite versucht wird Konsum zu unterbinden, sogar

einfache Pflanzen verboten werden und eine Diabolisierung

vorangetrieben wird, werden den Konsumenten, die sich

durch besondere Taten beweisen durften, die Gehälter erhöht,

ihr Wert auf dem Markt verbessert oder man ehrt sie mit einem

Preis und baut ihnen ein Denkmal.

Drogen gehören zum Leben.

Wenn man sich in den letzten einhundert Jahren die Gesichter

unserer Geschichte näher ansieht, muss man feststellen, dass

kaum einer ein abstinentes Leben führen konnte, wollte oder

führt.

Bevor die heutigen Gesetze in Kraft traten, waren Anwender

der alten Medizinschule wohl besuchte Heiler. Eine Hildegard

von Bingen als Dealerin zu beschreiben würde wohl keinem

noch so prohibitionistischem Vertreter unserer Gattung einfallen.

Stattdessen haben wir sie als fortschrittliche Medizinerin

mit besonderem Gespür für natürliche Wirkstoffe in Erinnerung

behalten. Einen Louis “Sachmo” Armstrong als kiffenden

Trompeten-Neger zu betiteln, dürfte auf dem Niveau eines unterbelichteten

Klu-Klux-Klan Mitglieds aus den 50er Jahren liegen.

Ihn als charmante Jazz-Legende in Gedenken zu halten ist

dagegen selbstverständlich. Den US-Präsidenten und Friedensnobelpreisträger

Barack Obama als verstörten Killerkrautkonsumenten

nur mit der Kneifzange zu behandeln, würde wohl

selbst dem konservativsten Politiker nicht im Traum einfallen.

Diese drei Beispiele sind bloß eine klitzekleine Spitze des Eisbergs

der oberen Zehntausend, die sich ebenso wie die restliche

Bevölkerung eher zwischen der bestehenden Gesetzeslage windet,

als sich von ihr verstanden fühlt. Dennoch gelingt es diesen

Personen tausende und abertausende Mitmenschen zu begeistern,

sie für sich schwärmen und ihnen nacheifern zu lassen.

Wir schätzen die ehrlichen Werke, Stücke und Aussagen eines

emotionell aufrichtigen Menschen um ein vielfaches mehr, als

die Versuche eines Mitläufers mit aufgestellten Regeln konform

Erstma‘ einen drehen - Illu: Archiv

zu werden, während er dabei seine Persönlichkeit entstellt.

Kunstwerke und große Taten werden nicht verstanden, da sie

sich an Regeln halten, sondern weil sie über ihnen stehen und

sie definieren. Eine Sprache, die durch all unsere Sinne verstanden

wird. So etwas kann nicht überwacht und durch den

Gesetzgeber beliebig angepasst werden. Was dem einen dabei

sein Feierabendbier, ist dem anderen nur ein unangenehmer

Geschmack im Mund. Variationen zu unterbinden war schon

immer nur ein trügerischer Versuch die Kontrolle zu wahren

und eigene Interessen zu priorisieren. Eine Methode, nach der

unsere Welt nicht funktioniert. Der Artenreichtum und die

Vielfalt auf unsere Erde spricht nicht die Sprache der Monotonie

und der Einhaltung von Grenzwerten.

Die Durchmischung ist die Grundlage für neue Substanz.

Dieses haben die meisten Persönlichkeiten, bekannt oder unbekannt,

verstanden.

Daher nutzen sie das Potential, das ihnen innerlich wie eben

auch äußerlich gegeben wird.

Weiter auf Seite 4 >>>

Redaktion:

Michael Knodt (CvD), Roland Grieshammer, Matthias Meyer, Mark Meritan.

Mitarbeiter dieser Ausgabe:

Werner Graf, Martin Schwarzbeck, mze, Johanna Marienwald, Ingrid

Wunn, Steffen Geyer, David Rosse.

Layout:

mark marker, (Lukas Tkotz).

Illustrationen:

mark marker, Lukas Tkotz.

Fotos:

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Gegen einen Betrag von 50 Euro (Inland) oder 100 Euro (Ausland) jährlich,

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Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck nur mit Genehmigung des Herausgebers.

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Im Sinne des Urteils des LG Hamburg vom 12. Mai 1998 - 312 0 85/98

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