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#111 3

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Im Schloss und hinterm Riegel

Jürgen Hahnel sitzt auch zu Weihnachten für 9,8 Gramm THC im Knast

Seinen Hungerstreik musste er aufgrund gesundheitlicher

Probleme abbrechen (Hanf Journal

10/09), nachdem er nach eigener Aussage nur noch 52

(vorher 57,7) Kilogramm, wog. Das Hanf Journal hat

Bundestagsabgeordneten aus Jürgens Wahlkreis Heike

Hänsel (Die Linke) sowie Winfried Hermann (Die Grünen)

angefragt, da die Parteien dieser beiden Volksvertreter/innen

von der Tatsache, einen Kiffer 15 Monate

lang einzusperren, eigentlich wenig halten sollten: Hier

Auszüge der Antworten von Frau Hänsel, Die Linke:

Ha Jo: Sind Sie mit dem „Fall Hahnel“ betraut?

H.Hänsel: Ja, ich werde von Jürgen Hahnel regelmäßig

informiert über seinen Mailverteiler.

Ha Jo: Wie beurteilen Sie die Verurteilung von

J.Hahnel?

H.Hänsel: Ich halte natürlich nichts von der Verurteilung,

da sie auf der willkürlichen Unterscheidung von

legalen und illegalen Drogen beruht. Der illegalisierte

Drogenkonsum und auch der Missbrauch können zu

schweren gesundheitlichen, sozialen und materiellen

Problemen führen. „Die Linke“ tritt für eine rationale

und humane Drogenpolitik ein sowie für eine Liberalisierung

des Betäubungsmittelrechts.

Ha Jo: Planen Sie, Jürgen Hahnel in der JVA Rottenburg

zu unterstützen?

H.Hänsel: [...] zudem hatte ich bereits sämtliche Materialien

zu seinem Fall an unseren rechtspolitischen

Sprecher Wolfgang Neskovic sowie an die drogenpolitische

Sprecherin Monika Knoche weitergegeben, da sie

sich thematisch besser auskennen. Auch die eingeleitete

Petition habe ich an die Ausschußvorsitzende des Petitionsausschuß,

Kersten Naumann, weitergeleitet. Etwas

mysteriös finde ich sein Vorgehen, mich über seine

Mailinglisten als „Rotweintrinkerin“ zu bezeichnen,

obwohl ich aufgrund meiner gesundheitlichen Situation

gar keinen Alkohol trinken darf. (Anmerkung der Redaktion:

das hat sich wohl mittlerweile rumgesprochen und

die entsprechenden Äußerungen wurden von Jürgens HP

entfernt)

Winnie Hermann hat nicht auf unsere Fragen geantwortet,

sondern uns eine kurze Stellungnahme zukommen

lassen:

„Wir sind gegen die Kriminalisierung von Hanf und Hanfnutzung,

zumal Hanf auch eine Heil- und Nutzpflanze ist.

Allerdings halte ich es für unangemessen und fatal deswegen

Worum es geht

Beim Strafurteil gegen Jürgen Hahnel errechneten sich

mehr als ein Drittel des THC-Gehalts, der für die Einstufung

des Vergehens/ Verbrechens (?) von vorrangiger

Bedeutung ist, aus Hanfabfällen (ohne Blüten)

mit dem sehr geringen THC-Gehalt von 0,318 %. Nach

dem im Prozess gehörten „Sachverständigen“ sei es

möglich, dieses Material zu konsumieren oder zu Öl

zu verarbeiten.

Der Grenzwert für Faserhanf ist mit 0,2% aber relativ

willkürlich gesetzt und orientiert sich nicht an der berauschenden

Wirkung. Bei einem Wirkstoffgehalt von

0,318% THC wären für einen Joint mit einer durchschnittlichen

Konsumeinheit von 15mg THC 5g Hanfblätter

einzuarbeiten. Es ergäbe sich hiermit ein Joint

von 1cm Durchmesser und 15cm Länge (ohne Mundstück/

Filter). Der Konsum einer solchen Menge Cannabis-Reste

würde aber Kopfschmerzen und Übelkeit

auslösen.

Tatsache ist, dass sich der berauschende Wirkstoff

THC in den Blüten der Hanfpflanze befindet und sich

im Restmaterial, wie bei Jürgen Hahnel, allenfalls noch

anhaftende THC-Reste an Blättern oder Stengeln finden

lassen. In der Praxis wird daher Cannabis mit deutlich

höherem THC-Gehalt konsumiert: Hanfabfälle, wie

im Fall von Jürgen Hahnel, sind weder als Pflanzenteile

noch in umgewandelter Öl-Form in Umlauf.

Im Urteil gegen Jürgen Hahnel wurde durch die Einbeziehung

dieses „nicht rauchbaren“ Hanfmaterials aber

die 7,5g THC-Grenze überschritten, die zur Einstufung

als Verbrechen und nicht als Vergehen führte. Solches

Material aber wird in der Praxis nicht konsumiert.

Daher ist die Einstufung des Vergehens von Jürgen

Hahnel als Verbrechen als praxisfern, lebensfremd

und unverhältnismäßig einzustufen.

Jo Biermanski, Grüne Hilfe

15 Monate

HAFT

Jürgen Hahnel - Foto: Grüne Hilfe

sein Leben durch Hungerstreik zu riskieren. Dafür

lohnt es wirklich nicht, sich zu opfern. Es muss politisch

etwas geändert werden.“ Winnie Hermann ist

drogenpolitisch kein unbeschriebenes Blatt und

so verwundert seine fast schon flapsige Antwort

nicht. Im Jahr 2005 sagte er in einem Interview

mit „Jungle World“:

„Ich persönlich bin aber schon lange nicht mehr

dieser Meinung. Ganz früher habe ich das auch mal

gedacht, aber ich bin sowohl im Drogenkampf für eine

harte Linie als auch beim Doping. Ich halte aber fest:

Doping und Drogen sind nicht das Gleiche. Drogen

machen die Menschen krank und abhängig, Drogenabhängige

sind eher Opfer.“ Zwar ist er nach

heftiger, parteiinterner Kritik später ein wenig

zurückgerudert, trotzdem wirft diese Äußerung

ein Licht auf Herr Hermanns nicht ganz unentspanntes

Verhältnis zu Hanfrauchern.

Auch hier muss man wieder feststellen, dass

„Die Linke“ in Sachen Drogenpolitik immer bessere

Arbeit vorlegt und sich des Themas nach anfänglichem

Zögern wirklich angenommen hat,

während das Thema bei den BündnisGrünen

immer stiefmütterlicher und oft inkompetent behandelt

wird, wie die falschen Äußerungen von

Herrn Trittin und Cem Özdemir zur im eigenen

Parteiprogramm verankerten Cannabislegalisierung

im Laufe dieses Jahres gezeigt haben.

Das Hanf Journal wünscht Jürgen ein frohes Fest,

einen guten Rutsch und viel Kraft, seine symbolträchtige

Haft bis zum bitteren Ende und ohne

Schäden zu überstehen.

Update: Kurz vor Redaktionsschluss teilte uns die

Anstaltsleitung auf Anfrage mit, dass die aktuelle

Ausgabe des Hanf Journals, anders als das Oktober-und

das Novemberheft, nicht ausgehändigt

würden, da sie ‚das Vollzugsziel gefährdeten.‘

Ungeachtet dessen werden wir auch wieder versuchen,

dass Jürgen dieses Heft in der Hand halten

kann, indem wir es nach Rottenburg schicken.

Auch über Weihnachtsgrüße der Hanf Journal Leserschaft

würde sich Jürgen sicher freuen.

Schreibt ein paar Zeilen an:

Jürgen Hahnel

z.ZT JVA Rottenburg

Schloß 1

72108 Baisingen

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