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clubmed

#111

Dr. med. Franjo Grotenhermen

Mitarbeiter des nova Institutes in Hürth bei Köln und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM).

Cannabinoide gegen Schmerzen:

Der aktuelle Stand der Forschung

Die Verwendung gegen chronische Schmerzen zählt zu den

wichtigsten Einsatzgebieten von Cannabis und einzelnen

Cannabinoiden. Dennoch ist die Wirksamkeit umstritten,

weil sie bei akuten Schmerzen offenbar anders wirken als bei

chronischen Schmerzen und sich die Ergebnisse von Tierexperimenten

nur sehr beschränkt auf die Situation beim Menschen

übertragen lassen.

Tierexperimente mit Ratten und Mäusen haben eindeutig ergeben,

dass THC und einige andere Cannabinoide bei unterschiedlichen

Schmerzformen die Symptome lindern. Klinische

Studien mit Menschen sind dagegen weniger eindeutig. Im

Allgemeinen haben Studien mit Patienten, die an so genannten

chronischen neuropathischen Schmerzen leiden, eine analgetische

Wirkung nachgewiesen, während Studien zur Wirksamkeit

von Cannabinoiden bei akuten Schmerzen (zum Beispiel

Schmerzen nach Operationen) meistens zu negativen Ergebnissen

führten. Als neuropathisch werden Schmerzen bezeichnet,

die auf einer chronischen Schädigung von Nerven basieren, beispielsweise

auf Grund entzündlicher Veränderungen bei multipler

Sklerose oder bei einer HIV-Infektion, bei chronischen

Schmerzen nach Unfällen oder bei Phantomschmerzen.

Die schmerzlindernden Eigenschaften von Substanzen werden

häufig in akuten Schmerzmodellen am Menschen untersucht.

Dabei wird die Beeinflussung der Schmerzschwelle von

gesunden Freiwilligen untersucht, die verschiedenen Schmerzformen,

wie beispielsweise Druck oder Wärme, ausgesetzt

werden. THC hatte dabei die Tendenz, entweder die Schmerzen

nicht zu beeinflussen oder sogar zu verstärken. Eine solche

paradoxe Schmerzzunahme ist bereits aus früheren Studien

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hanfverband.de/unterstuetzen/geld-spenden.html

bekannt. So nahmen in einer Studie, bei der die Wirkung von

THC bei einer Zahnextraktion untersucht wurde, die Schmerzen

zum Teil ab, zum Teil aber auch zu. Die jüngeren Studien

bestätigen die Auffassung, dass die Wirkung von THC und

Cannabis bei akuten Schmerzen keine Aussage zur Wirksamkeit

bei chronischen Schmerzen zulässt.

Die Ergebnisse von klinischen Studien zu chronischen und

neuropathischen Schmerzen sind eindeutig. Verschiedene

Medikamente auf Cannabis- bzw. Cannabinoidbasis haben in

den vergangenen Jahren schmerzlindernde Wirkungen bei verschiedenen

Schmerzformen ergeben. In diesen Studien wurden

Cannabisextrakte, Dronabinol (THC), Nabilon und gerauchter

Cannabis, entweder allein oder in Kombination mit anderen

Analgetika, getestet. Beispielsweise wurde im vergangenen

Jahr erstmals eine kontrollierte Studie zur Verwendung eines

Cannabinoids bei der Fibromyalgie („Weichteilrheumatismus“)

durchgeführt. Die Therapie erwies sich als wirksam und gut

verträglich. Die Fibromyalgie zählt zu einigen Erkrankungen,

von denen heute vermutet wird, dass sie zum Teil darauf beruhen,

dass das körpereigene Cannabinoidsystem, das Endocannabinoidsystem,

nicht ausreichend aktiv ist. Man kann sich daher

leicht vorstellen, dass von außen zugeführte Cannabinoide

dieses Defizit ausgleichen können. Andere Erkrankungen, bei

denen solche Vermutungen auf Grund einiger Untersuchungen

bestehen, sind beispielsweise Migräne und einige Formen von

Epilepsie.

Allerdings kann Cannabis offenbar bei einigen Patienten mit

chronischen Schmerzen auch ähnlich wie bei akuten Schmerzen

schmerzverstärkend wirken. Dies wurde beispielsweise bei

Doktor-Hanfs Patienten Ecke 6

Patientengeschichte Marcel (Tourette Syndrom)

Existenzängste

Immer wieder hören wir von der positiven Wirkung von

Cannabis zu den verschiedensten Krankheitsbildern. Dr.

Franjo Grothenhermen klärt uns über jene chemischen Zusammenhänge

auf, die erklären, warum Cannabis wirkt und was

in unserem Körper geschieht. Unzählige Studien zu diesem

Thema, die meisten aus dem Ausland, beweisen, dass Cannabinoide

in der Medizin unverzichtbar sind und durch die wesentlich

milderen Nebenwirkungen, wenn sie denn auftreten, eine

bessere Therapieform darstellen als die derzeit zur Verfügung

stehenden Substanzen der pharmazeutischen Industrie.

Fast täglich erreichen uns Anfragen und Mitteilungen, wie

diese gefühlte Wirkung aussieht. Patienten, die sich zum Teil

immer noch illegal mit Cannabis versorgen, bewegen sich auf

dünnem Eis und das oftmals nur aus einem Grund: Sie haben

keinen Arzt, der bereit ist, Dronabinol zu verordnen. Und

wenn sie dann doch einen gefunden haben, macht die Krankenkasse

ihnen einen Strich durch die Rechnung. Sie sprechen

von einer experimentellen Therapieform, bei diesem leider

immer noch nicht zugelassenen Medikament, welches rezeptpflichtig

ist und dessen Wirkung längst bewiesen ist. Dass mit

dieser Entscheidung ganze Existenzen zunichte gemacht werden,

weil einem Patienten ohne Aussicht auf Kostenübernahme

beispielsweise das Arbeiten nicht zuzumuten ist, zeigt uns

folgendes Beispiel.

Marcel, 25 Jahre alt, leidet seit seiner Kindheit unter einem

stark ausgeprägten Tourette Syndrom. Ohne die Zufuhr von

THC in jeglicher Form kann Marcel kein „normales“ Leben

führen. Er wandte sich vor zwei Jahren an uns, im Rahmen der

Tourette Selbsthilfegruppe NRW, die ich seit einigen Jahren leite.

Die damalige Problematik war, dass Marcel eine empfindliche

Haftstrafe zu erwarten hatte, da er sich illegal mit Cannabis

versorgte, um seine starken Symptome zu behandeln. In

letzter Instanz konnten wir als Selbsthilfegruppe die Interessen

von Marcel wahrnehmen und durch unsere Präsenz vor Gericht

überzeugen. Wir konnten die Justiz davon überzeugen, dass

der Konsum seinerseits nicht der „Erlangung eines Rauschzustandes“

diente, sondern eine Linderung seiner körperlichen

Leiden zum Ziel hatte. Die Konsequenz dieses Umstands ermöglichte

dann die Einleitung einer Dronabinol Therapie, auf

die er sehr gut reagierte. Auch bei ihm verschwanden die Tics

innerhalb einiger Stunden. Wenn ich von Tics rede, dann meine

ich:




plötzliches Hochspringen

Augenrollen, Grimassieren

starke Spastiken die ihm selbst das Trinken aus einem Glas

unmöglich machen

einigen Patienten, die an einer Querschnittslähmung litten, und

THC gegen ihre Spastik erhielten, beobachtet. Bei einigen Studienteilnehmern

nahmen zwar die spastischen Symptome ab,

die Schmerzen jedoch zu. Dies beruht offenbar auf folgender

Besonderheit: Das körpereigene Cannabinoidsystem hemmt

die Übertragung einer Vielzahl von Neurotransmittern (Nervenüberträgerstoffe)

im Nervensystem. Zu diesen Substanzen,

die vom Endocannabinoidsystem gehemmt werden, zählen

Glutamat, Serotonin, Noradrenalin, GABA, Glycin und andere.

Diese Nervenüberträgerstoffe sorgen im Allgemeinen dafür,

dass ein Signal von einem Nerven zum nächsten weitergeleitet

wird. Das Endocannabinoidsystem hemmt allerdings grundsätzlich

nicht nur erregende Nervenüberträgerstoffe sondern

auch hemmende Substanzen. Beim Vorliegen von chronischen

Schmerzen führt das dazu, dass Cannabinoide im Allgemeinen

die Weiterleitung der Schmerzsignale sowohl im Rückenmark

als auch in Gehirnzentren, die für die Schmerzverarbeitung

zuständig sind, abschwächen und damit die Schmerzwahrnehmung

reduzieren. In einigen Fällen hemmen Cannabinoide

allerdings offenbar Systeme, die im Rückenmark ebenfalls

die Schmerzweiterleitung hemmen. Diese Hemmung der

Hemmung durch THC führt daher in diesen Fällen zu einer

Schmerzverstärkung.

Dieser grundlegende Mechanismus erklärt, warum Cannabis

und THC auch bei anderen Symptomen paradoxe Wirkungen

verursachen können, beispielsweise bei einigen Personen regelmäßig

Übelkeit auslösen, obwohl THC meistens die Übelkeit

reduziert und bei dieser Indikation auch medizinisch verwendet

wird.

• ruckartig einsetzende Bewegungen, die unkontrollierbar

sind und ihm mittlerweile starke Schmerzen bereiten. Schulterhochziehen,

Kopfrucken usw.

• laute, verbale, unkontrollierbare Äußerungen, die alle Aufmerksamkeit

der Öffentlichkeit auf sich lenken

All das sind Dinge, die ein Leben in unserer Gesellschaft nicht

gerade vereinfachen, zur Ausgrenzung führen und Marcel

bereits in seiner Jugend zu schaffen machten. Man hat bereits

unzählige Medikamente an Ihm ausprobiert. Angefangen von

starken Neuroleptika bis hin zu schädlichen Psychopharmaka,

auch Ritalin, anderen auch unter dem Namen „Speed“ ein Begriff,

erbrachten keinen wünschenswerten Therapieerfolg. Diese

genannten Therapieformen werden jedoch von der Krankenkasse

bezahlt. Einen Nutzen daraus hatte er bisher nicht. Auch

eine Kostenbeihilfe im Rahmen einer Differenzzahlung lehnt

die Kasse ab. Nun haben wir für Marcel einen Ausbildungsplatz.

Durch einen Zufall ergab sich die Chance, dass Marcel

als körperlich Behinderter eine Ausbildung als Garten- und

Landschaftsbauer bei einer Fliedner Werkstatteinrichtung beginnen

könnte. Und nun kommt das große Problem:

Marcel darf diese Ausbildung beginnen, sofern die erfolgreiche

Therapie mit Dronabinol gesichert ist. Nur dann ist er

(ärztlich bestätigt, Studienergebnisse belegen dies zusätzlich)

dazu in der Lage, die Maschinen, die er im Rahmen seiner Ausbildung

bedienen müsste, zu benutzen. Nur dann ist er Tic-frei

und kann diese Werkzeuge somit gefahrenfrei handhaben. Nur

dann hat er eine Chance, eine Berufsausbildung zu beginnen

und eigenständig Geld zu verdienen. Das ist sein Wunsch, um

seine kleine Familie, die in 3 Monaten ein Baby erwartet, ernähren

zu können. Er hat schon vor einiger Zeit ein Praktikum

in dieser Firma absolviert, während dieser Zeit hat es ihm sehr

viel Freude beschert, Lob und Anerkennung für das zu bekommen,

was er geleistet hat.

Damit diese Freude anhält, werden wir versuchen diesen

Wunsch und seine Existenz zu retten. Wir warten derweil noch

auf die zweite Antwort der Krankenkasse, nachdem wir mit der

Begründung, die wir soeben schilderten, einen Widerspruch

eingelegt hatten. Sollte diese Antwort für ihn negativ ausfallen,

werden wir mit ihm zum Sozialgericht gehen, um eine positive

Entscheidung zu erreichen. Wenn wir mit dem Verfahren

durch sind, werden wir euch darüber informieren, wie es für

Marcel weitergeht.

Es gibt immer einen Weg und der entsteht erwiesenermaßen,

indem man ihn geht.

Euer Doktor Hanf, www.dr-hanf.de

LOMBRICO - Regenwurmdung

14776 Brandenburg an der Havel

Tel: 03381/55 2003

Fax: 01805/021 121 38 24

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