Ab Juli werden die bisherigen ... - Hansainvest

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Ab Juli werden die bisherigen ... - Hansainvest

RECHT & STEUERN I Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG)

Ab Juli werden die bisherigen

Kapitalanlagegesellschaften durch

Kapitalverwaltungsgesellschaften

ersetzt. Viele Emissionshäuser

sind noch unschlüssig, ob sie

eine eigene Zulassung

beantragen oder diese Funktion

auslagern sollen.

Make

or buy?

Der Stichtag rückt näher: Ab 22. Juli

benötigt jedes Emissionshaus eine

Kapitalverwaltungsgesellschaft

(KVG), wenn es geschlossene Fonds auflegen

will. Die KVG muss von der Bundesanstalt

für Finanzdienstleistungsaufsicht

(BaFin) lizensiert sein. Dies ergibt sich aus

§ 20 des neuen Kapitalanlagegesetzbuches

(KAGB): „Der Geschäftsbetrieb einer Kapitalverwaltungsgesellschaft

bedarf der schriftlichen

Erlaubnis der Bundesanstalt. Die Bundesanstalt

kann die Erlaubnis auf die Verwaltung bestimmter

Arten von inländischen Investmentvermögen

beschränken. Die Bundesanstalt kann die Erlaubnis

mit Nebenbestimmungen verbinden“.

Die Lizensierung setzt unter anderem die

Zuverlässigkeit und fachliche Eignung der

Geschäftsleiter, den Nachweis ausreichender

Mittel zum Geschäftsbetrieb und die Darlegung

eines Geschäftsplans nebst Organisationsstruktur

voraus und führt zu umfangreichen

Organisationspflichten wie Risikound

Liquiditätsmanagement, Compliance

und BaFin-Reporting. Allerdings müssen

Fondsinitiatoren nicht zwingend eine eigene

KVG gründen. Es besteht die Möglichkeit

einer externen Verwaltung über eine

Service-/Master-KVG. Diese übernimmt

alle regulatorischen und administrativen

Tätigkeiten, während der Initiator für Anlegerbetreuung,

Akquisition, Portfoliomanagement

und Vertrieb verantwortlich bleibt.

Viele Emissionshäuser sind noch

unentschlossen, ob sie eine eigene

Zulassung beantragen oder diese

Funktion an eine Master-/Service-KVG

auslagern sollen.

Johannes Nölke, Managing Partner bei

der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft

optegra:hhkl, hält eine

Service-KVG für eine sinnvolle Alternative

für Anbieter, die einen schnellen Markt-

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finanzwelt 03/2013


„Kein Beschäftigungsmangel“

Die Hansainvest GmbH, Hamburg, hat sich als eines

der ersten Unternehmen in Deutschland als Service-

KVG für geschlossene Fonds positioniert. finanzwelt

sprach mit Geschäftsführer Dr. Jörg W. Stotz.

finanzwelt: Welche Aufgaben übernehmen

Sie als Master-/Service-KVG für

Emissionshäuser?

Stotz❭Wir kümmern uns um die gesamte

Administration und das Risikomanagement,

insbesondere um die rechtliche Einbindungder

künftigvorgeschriebenen Verwahrstelle.

Der Initiator wiederum übernimmt

das Portfoliomanagement und den

Vertrieb.

finanzwelt:Welche Voraussetzungen muss

das Emissionshaus erfüllen, damit ein

Engagement für Sie in Frage kommt?

Stotz ❭ Die Anforderungen sind im

Wesentlichen eine gute Reputation und

unsere Überzeugung, dass Expertise und

eineimSinnevonComplianceundRisikomanagement

ausreichende Struktur vorhanden

ist. Dazu setzen wir im Vorfeld

unserer Kooperation einen „Due Diligence“-Fragebogen

ein und gleichen dessen

Ergebnis mit unseren Eindrücken vor

Ort und Marktrecherchen ab. Entscheidend

wird die Investmentkompetenz des

Partners sein, die sich zum Beispiel in der

Erfahrung am Markt, im Track Record

und im Umgang mit schwierigen Marktsituationen

zeigt.

einstieg suchen, ohne selbst alle Anforderungen

des KAGB erfüllen zu müssen.

„Hinzu kommen Kostenersparnisse, da die

Strukturen nicht aufgebaut werden müssen“,

so Nölke. Die Kosten einer eigenen

Zulassung bzw. die laufenden Kosten pro

Jahr hängen seiner Einschätzung nach von

Johannes Nölke

Managing Partner,Wirtschaftsprüfungs- und

Steuerberatungsgesellschaft optegra:hhkl

finanzwelt: Viele Initiatoren sind derzeit

noch unentschlossen, ob sie eine eigene

Zulassung beantragen oder diese Funktion

an eine Master-/Service-KVG auslagern

sollen. Wie bewerten Sie das?

Stotz ❭ Ich kann diese Unsicherheit verstehen.

Für die Anbieter geschlossener

Fonds ist dies eine bedeutsame Weichenstellung.

Doch meines Erachtens dürften

sich aufgrund der mit der Errichtung einer

KVG einhergehenden Investitionen und

laufenden Betriebskosten nur die großen

Emissionshäuser die Frage „make or buy“

stellen. Und selbst diese müssen kritisch

prüfen, ob sie die Administration zu ihrer

neuen Kernkompetenz erheben wollen,

oder ob sie nicht lieber weiterhin das in den

Fokus nehmen, was sie unzweifelhaft können:

Das Portfoliomanagement von

Immobilien, Infrastrukturobjekten und

anderen wirtschaftlichen Gütern.

finanzwelt:Für wie viele Emissionshäuser

werdenSieabJulialsMaster-/Service-KVG

tätig sein?

Stotz❭Die konkrete Zahl kenne ich noch

nicht. Aber eines ist sicher: Wir werden uns

nicht über Beschäftigungsmangel zu beklagen

haben.

der jeweiligen Ausgangssituation ab: „Fängt

man komplett bei null an, muss man für die

Gründung einer KVG mit Kosten bis zu

800.000 Euro rechnen. Aus dem laufenden

Geschäftsbetrieb kommen jährlich rund

600.000 Euro hinzu, vor allem Personalkosten.“

Für die Gründung einer eigenen

Eric Romba

Hauptgeschäftsführer VGF

Verband Geschlossene Fonds

KVG spricht laut Nölke der Marktauftritt

des Initiators als vollregulierter AIFM

(Alternative Investment Fund Manager).

Außerdem sei die Unabhängigkeit hinsichtlich

Produktpolitik und Fondsvolumina

hervorzuheben. „Die Service-KVG bietet

dagegen die Vorteile, dass die Fokussierung

auf Konzeption, Vertrieb, Treuhand

und Fondsgeschäftsführung bei kleinem

Fondsbestand profitabler sein wird“, so

Nölke. Zudem könne der Initiator vom

Image eines starken und vollregulierten Partners

profitieren.

Die Größe des Emissionshauses sollte

bei der Entscheidungsfindung keine

wesentliche Rolle spielen.

So sieht es zumindest Eric Romba, Hauptgeschäftsführer

VGF Verband Geschlossene

Fonds: „Entscheidend ist vielmehr die Frage,

ob man selbständig bleiben will oder sich

von Serviceunternehmen unterstützen lässt,

die am Ende auch eine Rolle bei der Entscheidung

über Produkte und Investitionen

spielen.“ Romba erwartet, dass der Großteil

der VGF-Mitglieder eine eigene Zulassung

beantragen wird. Wenn sich ein Emissionshaus

jedoch für eine Master-/Service-KVG-

Lösung entscheidet, sind spezielle Risiken

zu beachten. Das größte Risiko liegt laut

Nölke darin, dass sich der Initiator nicht

glaubwürdig als Investmentmanager positionieren

kann und die Öffentlichkeit ihn als

kleinen Anbieter wahrnimmt. Genauso wie

Romba sieht auch Nölke zudem das Risiko

einer hohen Abhängigkeit von Dritten.

„Hinzu kommt, dass die interne Struktur

von Organisation und Prozessen von externen

Vorgaben abhängig ist“, so Nölke.

Wie viele Initiatoren sich letztlich für eine

eigene KVG-Zulassung entscheiden werden,

bleibt abzuwarten. Ab Juli wird es sich

leicht überprüfen lassen: Gemäß § 22 Abs. 5

in Verbindung mit § 21 Abs. 4 KAGB hat

die BaFin die Erteilung der Erlaubnis im

Bundesanzeiger bekannt zu machen.

Kurz und bündig

Vermittler sollten sich informieren,ob ein Emissionshaus

über eine eigene KVG-Zulassung verfügt

oder die Dienste einer Master-/Service-

KVG in Anspruch nimmt. Entscheidet sich ein

Initiator für die externe Lösung, ist zu beachten,

dass dies seine Unabhängigkeit bei der

Entscheidung über Produkte und Investitionen

einschränken kann.

Kim Brodtmann

Foto: © kmiragaya - Fotolia.com

finanzwelt 03/2013 25

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