Pastoralkonzept - Katholischen Pfarrei Heilige Familie Bad Sassendorf

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Pastoralkonzept - Katholischen Pfarrei Heilige Familie Bad Sassendorf

Katholische Pfarrei Heilige

Familie

Bad Sassendorf

Pastoralkonzept

Unter Gottes Augen auch in Zukunft gemeinsam Kirche

sein

Vor allem: Lebt als Gemeinde so, wie es dem

Evangelium Christi entspricht…Wenn es also Ermahnung

in Christus gibt, Zuspruch aus Liebe, eine

Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und

vor allem Erbarmen, dann macht doch meine

Freude vollkommen, indem ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden,

einmütig und einträchtig, indem ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei

tut, sondern in Demut schätze einer den anderen höher ein, als sich selbst. Jeder

achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen. Seid

untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus entspricht.

(Philipper 1,27; 2,1ff)

0. Unsere Wurzeln

1. Vorwort des Pfarrers

2. Vorgaben des Erzbischofs – Die Perspektiven 2014

3. Unser Weg in Bad Sassendorf

4. Situationsanalysen

5. Biblische und theologische Vergewisserungen

6. Unsere Ziele und Aufgaben

7. Wir nehmen die Herausforderungen an

8. Der Anfang ist gemacht, der Weg geht weiter

9. gemeinsames Gebet

10. Anhang: statistisches Material

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Unsere Wurzeln

Als Christen in der Pfarrei Heilige Familie Bad Sassendorf sind wir uns der Geschichte

bewusst, die das katholische Leben in der Kommune Bad Sassendorf mit ihren Dör-­fern

geprägt hat.

St. Christophorus in Ostinghausen

Die Kirche wurde im Jahre 1280 in einer Urkunde vom Kölner Erzbischof Heinrich II erwähnt.

Am 9. Dezember 1862 erhielt die Ostinghauser Kirchengemeinde eine Ida-­‐Reliquie. Zur Eh-­ren

der Hl. Ida findet an ihrem Namensfeste eine Prozession nach Herzfeld statt.

Die alte Kirche wurde 1895 abgerissen. Bei den Abrissarbeiten fand man im alten Turm in

der Turmspitze die Jahreszahl 1369, die allerdings aus einem älteren Gebäude stammte. Der

Turm selbst könnte noch aus dem 12. Jahrhundert stammen.

Die neue Kirche wurde in den Jahren 1895 -­‐ 1896 gebaut und am 8. Juli 1896 vom Pader-­borner

Bischof Dr. Hubertus Simar geweiht. Die neue Kirche ist ein einschiffiger, neugoti-­scher

Bau. Aus der ursprünglichen Kirche wurde der romanische Taufstein aus dem 12. Jahr-­hundert

wiederaufgestellt. Die Kirche wurde 2006/2007 innen umfangreich renoviert. Durch

die Nähe zur Hl. Ida und der Ähnlichkeit in ihrer Architektur wird die Kirche oft als die kleine

Schwester der Herzfelder St. Ida Kirche bezeichnet.

Zur ehemaligen Pfarrei St. Christophorus gehört auch die Kapellengemeinde Bettinghausen.

Das Patrozinium der Kapelle St. Antonius, Bettinghausen, geht auf den 356 verstorbenen

Antonius den Einsiedler zurück

Die erste Kapelle in Bettinghausen wurde um 1300 von den Benediktinermönchen erbaut

und 1313 erstmals im Liber valoris des Erzbistums Köln als Antoniuskapelle erwähnt.

Sie wurde im Dreißigjährigen Krieg mehrfach zerstört. Die Reste der ersten Kapelle wurden

1677 abgebrochen. 1681 wurde sie wieder aufgebaut und 1709 mit Quadersteinen besetzt.

1881 wurde die Kapelle erneut abgerissen und 1882 wieder errichtet.

1954 wurde die Kapelle erweitert und das Querschiff angebaut. Die Kapelle befindet sich in

einem seitdem unveränderten Zustand. Bis zur Reformation war Bettinghausen geteilt und

gehörte zu zwei verschiedenen Pfarreien. Das Oberdorf zur Pfarrei Weslarn, das Unterdorf

zur Pfarrei Horn. Schließlich wurde der gesamte Ort nach Ostinghausen eingepfarrt, weil

Weslarn nach der Reformation evangelisch blieb.

St. Bonifatius, Bad Sassendorf

Die katholische Gemeinde in Bad Sassendorf wurde am 9. April 1862 von dem Generalvikari-­at

des Erzbistums Paderborn aufgrund der Bemühungen des damaligen Propstes Johann

Eberhard Nübel genehmigt.

Am 26. Mai 1862 fand die Grundsteinniederlegung für die Kirche, Schule und Wohnung statt.

Die Kapelle St. Bonifatius wurde am 13. August 1863 von Bischof Konrad Martin geweiht. Sie

hatte die Form eines einschiffigen, flachgedeckten Raumes mit dreiachtel Schluss aus heimi-­‐

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schen Grünsandstein und jederseits drei spitzbogige Fenster ohne Maßwerk. Ein spitzer,

achteckiger Dachreiter krönte das Ganze.

1919 wurde die Kapelle zur Vikarie erhoben, die als Filialkirchengemeinde neben den katho-­lischen

Einwohnern von Bad Sassendorf auch die von Lohne, Gabrechten, Heppen und En-­kesen

im Klei umfasste.

1938 wurde die Kirche weiter ausgebaut. Es wurde ein Chorraum für den Altar angefügt.

1939 wurde die so umgebaute Kirche erneut geweiht vom Paderborner Weihbischof Au-­gustinus

Baumann.

Zur Beginn der 1980er Jahre mussten umfangreiche Neubaumaßnahmen durchgeführt wer-­den.


Alle Bauten bis auf den Kirchturm wurden abgerissen um den neuen Gemeindezentrum Platz

zu schaffen. Die neue St. Bonifatius-­‐Kirche wurde im Juli 1981 durch den Paderborner Weih-­bischof

Dr. Paul Nordhues geweiht. 1997 wurde die Pfarrvikarie vom Paderborner Erzbischof

Degenhardt zur Pfarrei erhoben. Der erste Pfarrer war Stefan Heider, der vorher bereits hier

Pfarrvikar war.

2005 wurden urkundlich St. Christophorus Ostinghausen und St. Bonifatius Bad Sassendorf

zum Pastoralverbund Bad Sassendorf und Ostinghausen verbunden. Zum Tragen kam diese

Verbindung im März 2007, als Pfr. Hugo Hartmann in Ostinghausen in den Ruhestand ging.

Pfr. Stefan Heider aus Bad Sassendorf übernahm für sechs Monate die Gesamtleitung, bevor

auch er im September desselben Jahres in den Ruhestand eintrat. Seit Oktober 2007 wurde

der Pastoralverbund Bad Sassendorf und Ostinghausen von Pfarrer Uwe van Raay geführt.

Ab Januar 2010, nach den Neuwahlen der Gremien, wurde die Zusammenarbeit durch ge-­meinsame

Sitzungen der Gremien, Klausurtage u. Ä. weiter gestärkt. Dabei wurde im Som-­mer

2010 auch deutlich, dass alle sich gedanklich in Richtung einer Fusion bewegten, die

dann auch so schnell als möglich erfolgen sollte. So begann im Herbst 2010 der Vorberei-­tungsprozess

für den Zusammenschluss der Gemeinden.

Durch die Urkunde des Erzbischofs von Paderborn, Hans-­‐Josef Becker, wurde am 10. No-­vember

2011 beschrieben, dass die beiden ehemaligen Pfarreien St. Bonifatius und St. Chris-­tophorus

aufgehoben werden und mit dem 01.01.2012 die neue Pfarrei Heilige Familie Bad

Sassendorf errichtet ist. Gleichzeitig wurde auch der Pastoralverbund aufgehoben. Gemein-­dereferentin

Heike Frankenberg, die 2007 gemeinsam mit Pfr. van Raay ihren Dienst in den

Gemeinden in Sassendorf aufnahm, bildet mit dem Pfarrer das Leitungsteam.

1. Vorwort des Pfarrers

Bereits mit den „Ehrenamtsempfängen“ 2008 und 2009 haben Pastoralteam und Gremien

unseres damaligen Pastoralverbundes Bad Sassendorf und Ostinghausen versucht, die Ge-­meinden

-­‐ und im besonderen die an Schaltstellen engagierten Ehrenamtlichen -­‐ mit auf den

Weg der Veränderungen zu nehmen, die unser Erzbischof in seinen Perspektiven 2014 be-­schrieben

und in Gang gesetzt hat.

Nach der Neuwahl der Gremien im Winter 2009 haben sich Kirchenvorstände, Pfarrgemein-­deräte

und der neu gegründete Pastoralverbundsrat Anfang 2010 an die Arbeit gemacht, die

äußere Form des Pastoralverbundes sowie die inhaltliche Ausrichtung neu zu bestimmen.

Dabei wurde sehr schnell allen Beteiligten klar, dass wir die Zeichen der Zeit ehrlich und un-­‐

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geschminkt wahrnehmen, analysieren und deuten müssen, bevor wir Schlüsse ziehen und

neue Wege gehen können. Dazu haben wir die Vereine und Gruppierungen unserer Ge-­meinden

durch Kundschafterbesuche mit einem dafür ausgearbeiteten Fragebogen um eine

ehrliche Analyse ihrer eigenen Arbeit, ihres gemeindlichen Wirkens sowie ihrer eigenen Zu-­kunftsaussichten

gebeten. Damit sollte erreicht werden, dass die Veränderungen, die sich

eben auch in den Gruppierungen und Verbänden in den letzten Jahren aufgetan haben – die

aber nur selten von ihren Mitgliedern wirklich wahrgenommen worden sind -­‐ deutlich zu

machen und ein möglichst realistisches Bild der gegenwärtigen Gemeindewirklichkeit zu be-­kommen.


Natürlich waren unsere Gremien, gerade auch durch die Begleitung durch die Pastoralabtei-­lung

der Erzdiözese, durch die gemeinsamen Sitzungen von PGR und KV mit dem Dechanten

und der Arbeit im PV-­‐Rat, der sich auch die Konzeptentwicklung zur Aufgabe gemacht hatte,

stark in den Prozess der Orientierungssuche eingebunden. Auch die Gemeindemitglieder

hatten durch die Angebote von sechs Gemeindeversammlungen sowie der Beteiligung am

Namensfindungsprozess für die neue Pfarrei die Möglichkeit, sich persönlich in diesen Pro-­zess

einzubringen.

Zeitgleich haben wir eine Analyse des sozialen Umfeldes unseres Pastoralverbundes erarbei-­tet.

Dabei wurde uns klar, dass wir in Zukunft nicht mehr so weiter machen können wie bis-­her,

dass es nicht mehr darum gehen kann, überall alles anzubieten und noch weniger da-­rum,

alles in unseren Gemeinden einfach nur in irgendeiner Form „am Laufen“ zu halten. Wir

erkannten, dass wir vielmehr Orientierungspunkte brauchen, an denen wir bestimmen, was

wir künftig tun und was wir lassen – und nicht etwa eine adaptive Pastoral unser Handeln

bestimmen soll:

-­‐ damit auch in der nächsten Generation noch Christen in unserer Pfarrei eine lebendige Be-­ziehung

zu Gott halten, die sich in Gebet und der Feier der Eucharistie ausdrückt (Liturgia);

-­‐ damit auch in der nächsten Generation Christen in unserer Pfarrei Nächstenliebe

üben, den Schwachen beistehen und solidarische Hilfe leisten (Diakonia);

-­‐ damit auch in der nächsten Generation Christen in unserer Pfarrei andere an ihrer Glau-­bensfreude

teilhaben lassen und ihnen Wege zum Glauben zeigen. (Martyria)

Wir brauchen Orientierungspunkte, an denen wir gemeinsam mit unseren Gemeinden in

unserer neuen Pfarrei den Weg in die Zukunft gehen. Denn die Zukunft unserer Kirche vor

Ort in Bad Sassendorf wird sich nicht (nur) daran entscheiden, welche gute, schöne und be-­deutende

Vergangenheit wir haben, was wir schon alles geleistet haben oder was bei uns

gute Tradition hat, auch wenn wir dankbar darauf zurückblicken dürfen.

Die Zukunft unserer Gemeinden hier in unserer neuen Pfarrei Heilige Familie Bad Sas-­sendorf

wird sich vielmehr in der Hauptsache entscheiden: An unserer Bereitschaft auf-­zubrechen,

neue Wege zu Gott und den Menschen zu suchen und dies miteinander zu

tun.

Es freut mich als Pfarrer, dass nun am Ende des Prozesses unserer Orientierungssuche von

Haupt-­‐ und Ehrenamtlichen konkrete Schritte formuliert werden konnten, die solche neuen

Wege aufzeigen und in den nächsten Jahren die inhaltliche Ausrichtung unserer Arbeit im

Seelsorgeteam und in den Gremien und Gruppierungen unserer Pfarrei bestimmen werden.

Jetzt, im Herbst 2012, geht damit ein 2 ½-­‐jähriger Prozess zu Ende, der von allen Beteiligten

großen Einsatz und enorme Kraftanstrengungen eingefordert hat – und wir sind dabei auch

stolz auf das, was wir gemeinsam zu leisten im Stande waren.

Das Konzept wird nach Endfassung und Drucklegung dem Erzbistum zugeleitet und kann

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dann, wie wir es geplant hatten, als Gesprächsgrundlage für die Visitationsgespräche mit

dem Weih-­‐ Bischof im Herbst 2012 dienen.

Mein ausdrücklicher Dank gilt unserer Gemeindereferentin Heike Frankenberg, den Pfarr-­gemeinderäten,

dem PV-­‐Rat und den Kirchenvorständen, den Vertretern unserer kirchlichen

Gruppierungen und Vereinen und allen, die den Weg der Orientierung mitgegangen sind, die

Arbeit begleitet und mitgetragen haben und die so ihren ganz persönlichen Beitrag zur Ent-­wicklung

dieses Konzeptes geleistet haben.

Mein Dank gilt ebenso Dechant Dr. Gerhard Best, der sowohl in der Begleitung der Haupt-­amtlichen

im Dekanat und vor Ort – wie auch durch seinen Einsatz in den Gremien unserer

Pfarrei -­‐ immer wieder klare Visionen formulieren, die Menschen mitnehmen und auch her-­ausfordern

konnte.

Uwe van Raay, Pfarrer

2. Vorgaben des Erzbischofs – Die Perspektiven 2014

In seinen Perspektiven 2014 gibt unser Erzbischof vor, die pastorale Entwicklung in drei vor-­rangigen

Zielfeldern zu konzentrieren:

• Aus dem Glauben an den dreifaltigen Gott leben und diesen Glauben neu ins

Gespräch bringen

• Die Zuwendung des Mensch gewordenen Gottes durch alle Phasen des

menschlichen Lebens bezeugen

• Als missionarische Kirche mit Gottes Geist die Welt mitgestalten

• Die BERUFUNG als CHRISTEN in den Vordergrund stellen

3. Unser Weg in Bad Sassendorf

Um diese vom Erzbischof gestellten Aufgaben anzugehen, haben wir folgende Schritte un-­ternommen:


I. Gemeinsame Klausurtage und Sitzungen der Pfarrgemeinderäte mit den ent-­sandten

Vertretern der Kirchenvorstände – unter Begleitung von Pastor Elmar

Hake und Gemeindereferent Ralf Nolte

II. Gemeinsame Sitzungen der Kirchenvorstände mit dem Dechanten

III. Gründung des PV-­‐Rates aus Mitgliedern von PGR, KV, eines Vertreters von Caritas

und Jugend sowie den Hauptamtlichen

IV. Erhebung und Analyse statistischer Daten aus Kommune und Kirche

V. Aussendung der PGR-­‐Mitglieder als Kundschafter in unsere Gruppen und Verbän-­de

mit einem vom PV-­‐Rat erstellten Fragebogen und Informationen

VI. Auswertungen der Daten in PGR, KV und PV-­‐Rat

VII. Sechs Gemeindeversammlungen von Mitte 2010 bis Anfang 2012

VIII.

IX.

Beteiligung der Gemeinde am Namensfindungsprozess für die neue Pfarrei

Je ein Gottesdienst mit Abschied von der alten Pfarrei und dem Pastoralverbund

sowie „Begrüßung“ der neuen Pfarrei Heilige Familie Bad Sassendorf

X. Erstes gemeinsames Pfarrfest im Mai 2012

XI. Erstellung des pastoralen Konzeptes im Sommer/Herbst 2012

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4. Situationsanalysen

Im Folgenden werden die Erkenntnisse aus der Analyse der Daten des kirchlichen Meldewe-­sens,

der Kommune Bad Sassendorf und der auf unsere Kommunen bezogenen Prognosen

des „Wegweisers Kommune“ der Bertelsmann-­‐Stiftung zusammengefasst. Das zugrunde

liegende Datenmaterial wird als Anlage beigefügt.

Die Menschen in Bad Sassendorf

Wir wohnen in einer Kommune, deren demographische Entwicklung in besonderer Weise

von Alterung gekennzeichnet ist.

Wir wohnen in einer Kommune, die durch einen Rückgang von Familien mit Kindern

unter 18 Jahren gekennzeichnet ist. Dies betrifft in besonderer Weise die Ortsteile

Ostinghausen und Bettinghausen.

Wir wohnen in einer Kommune, in der es weniger von Armut bedrohte Menschen gibt als

in anderen Kommunen. Aber immerhin sind 12% der Kinder von Armut betroffen. Das be-­deutet,

dass Sie in SGB II-­‐Bedarfsgemeinschaften leben.

Wir wohnen in einer Kommune, die geprägt ist von sechs Rehabilitationseinrichtungen und

sechs Altenheimen – mit Menschen, die aufgrund ihrer körperlichen Beeinträchtigungen

nicht selten (auch) den Wunsch nach seelischer Unterstützung haben.

Wir Christen in den Gemeinden St. Bonifatius und St. Christophorus

-­‐

Die Altersverteilung der getauften Katholiken in den beiden Gemeinden entspricht

der Altersverteilung in der Kommune: Der Anteil der Älteren ist sehr hoch.

-­‐

-­‐

-­‐

Wir werden mehr und gleichzeitig werden wir weniger: Während die Zahl der Katho-­liken

seit 2003 geringfügig gestiegen ist, geht die Zahl der Gottesdienstteilnehmer zu-­rück:

Seit 1991 in St. Bonifatius von etwa 20% auf 13,4%, in St. Christophorus von et-­wa

30% auf 17,5%. Allerdings steigt die Zahl der Gottesdienstteilnehmer seit

2008 wieder leicht an.

Die Zahl der kirchlichen Eheschließungen ist in den vergangenen Jahren bereits deut-­lich

zurückgegangen. Dies wird – das zeigen die Zahlen der letzten zwei Jahre – zu-­künftig

auch für die Taufen und in der Folge für die Erstkommunionen und Firmungen

gelten.

Viele Männer und Frauen im Alter zwischen 30 und 50 haben den Kontakt zur Kirche

in den vergangenen Jahren fast ausschließlich über die Sakramentenvorbereitung ih-­rer

Kinder gesucht und gefunden. Dieser Zugang wird in den kommenden Jahren an

Bedeutung gewinnen.

Wir Christen in den Gruppen und Verbänden der beiden Pfarreien

Die Gespräche der „Kundschafter“ in den Gruppen und Verbänden in Bad Sassendorf, Bet-­tinghausen

und Ostinghausen lassen sich in folgenden Aussagen zusammenfassen:

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„Wir hoffen, dass es uns in 10 Jahren noch gibt.“

In vielen Gruppen ist das Alter der Mitglieder hoch oder sehr hoch und sie beklagen das Feh-­len

jüngerer Mitglieder. Vor allem die 30-­‐ bis 50-­‐Jährigen fehlen – Ausnahmen sind dabei

Cantamus, die kfd Ostinghausen und der Liturgiekreis.

Kinder und Jugendliche engagieren sich bei den Messdienern, im Jugendcafe und der DPSG.

Aber auch letztere befürchten, keine oder nur wenige neue Mitglieder gewinnen zu können.

(Schweren Herzens müssen wir im Sommer 2012 unseren Pfadfinderstamm wegen akutem Leiter-­mangel

aber auch wegen akutem

Kindermangel schließen)

„Wir möchten so lange wie möglich eigenständig bleiben – und gleichzeitig die begonnene

gute Zusammenarbeit fortsetzen.“

In allen Gruppen wird die Bedeutung der Eigenständigkeit (gegenüber den „Geschwistern“ in

den Nachbarpfarreien) betont. Gleichzeitig wird die Zusammenarbeit auf der Vorstandsebe-­ne

und bei gemeinsamen Veranstaltungen sehr positiv erlebt.

„Unseren Glauben leben wir in den Gottesdiensten und in der Gemeinschaft.“

In allen Kundschaftergesprächen wird deutlich, dass vor allem die Gemeinschaft Quelle des

Glaubens ist – mehr als die individuelle Zwiesprache mit Gott. In vielen Gesprächen wird

dabei die besonders notwendige Hilfe durch den Pfarrer, durch die Gemeindereferentin und

durch weitere Geistliche hervorgehoben. In mehreren Gesprächen wird deutlich, dass das

allgemeine Priestertum aller Getauften und Gefirmten intensiv gefördert werden muss.

„Wir sollen, aber wir wollen uns auch auf den Weg zur gemeinsamen Pfarrei machen.“

In allen Kundschaftergesprächen wird deutlich, dass die Christen in den Gruppen und Ver-­bänden

mit einer großen, wenn auch nicht unbedingt aktiven Bereitschaft den Prozess der

Pfarreineugründung mittragen.

5. Biblische und theologische Vergewisserungen

Bei der Arbeit in unseren beiden Gemeinden auf dem Weg zur Neugründung einer Pfarrei

boten uns Orientierung der Philipperbrief sowie die theologisch fundierten Glaubensverge-­wisserungen

unseres Pfarrers.

Vor allem: Lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht…Wenn es also

Ermahnung in Christus gibt, Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche

Zuneigung und vor allem Erbarmen, dann macht doch meine Freude vollkommen, indem ihr

in guter Gemeinschaft zusammenarbeitet – einander liebt – und von ganzem Herzen zusam-­menhaltet.

Seid nicht selbstsüchtig – strebt nicht danach, einen guten Eindruck auf andere zu

machen – sondern seid bescheiden und achtet den anderen höher als euch selbst! Denkt nicht

nur an die eigenen Angelegenheiten, sondern interessiert euch auch für die anderen – und für

das, was sie tun. Geht so miteinander um – wie Christus es euch vorgelebt hat. (Philipper 1,27 ff)

und :

Wie ihr aber an allem reich seid, an Glauben, Rede und Erkenntnis, an jedem Eifer und an der

Liebe, die wir in euch begründet haben, so sollt ihr euch auch an diesem Liebeswerk mit reich-­lichen

Spenden beteiligen. Ich meine das nicht als strenge Weisung, aber ich gebe euch

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Gelegenheit, angesichts des Eifers anderer auch eure Liebe als echt zu erweisen. Denn ihr

wisst, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe getan hat: Er, der reich war, wurde eu-­retwegen

arm, um euch durch seine Armut reich zu machen… Jetzt sollt ihr das Begonnene zu

Ende führen, damit das Ergebnis dem guten Willen entspricht -­‐ je nach eurem Besitz… Denn

es geht nicht darum, dass ihr in Not geratet, indem ihr anderen helft; es geht um einen Aus-­gleich.

Im Augenblick soll euer Überfluss ihrem Mangel abhelfen, damit auch ihr Überfluss

einmal eurem Mangel abhilft. So soll ein Ausgleich entstehen, wie es in der Schrift heißt: Wer

viel gesammelt hatte, hatte nicht zu viel, und wer wenig, hatte nicht zu wenig. (2Kor. 8,7ff)

Auszüge aus dem Brief unseres Pfarrers an die Gemeinden zum 1. Advent 2011

... „Die Sozialgestalt der Volkskirche geht nicht zu Ende, sie ist zu Ende! Dass der Bürger der

Kommune auch zeitgleich getaufter Christ ist (ob evangelisch oder katholisch) gilt nicht mehr

– es zeigt sich, dass diese Gestalt von Kirche aus vielen Gründen, auch angesichts der wach-­senden

Zahl nur noch punktuell mitwirkender Gemeindeglieder, flächendeckend nicht mehr

gilt.“ Das lange funktionierende katholische Milieu ist Geschichte. Wir werden in eine

Diasporasituation kommen und es wird anders, Christ zu sein, als noch vor Jahren.

Die Zukunft aber ist nicht schlechter – sie ist anders! Und Gott ist noch immer an unserer

Seite – er hat von seinen Verheißungen für die Kirche nichts zurückgenommen. Wir fangen

nicht am Nullpunkt an – sondern wir bauen auf dem auf, was unsere Vorfahren uns hinter-­lassen

haben – und das mit Respekt.

„Es ist die COMMUNIO, d.h. die Gemeinschaft Gottes mit uns Menschen und der Menschen

untereinander, der wir zu dienen haben“ – und gerade das macht die Kirche unverwechselbar

und unaustauschbar. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe als Getaufte der Kirche von Bad

Sassendorf, in ihren Herausforderungen der Zukunft ein Gesicht zu geben.

Eine neue Entschiedenheit wird notwendig – für jeden von uns… eine Entschiedenheit in de-­mütigem

Selbstbewusstsein. Es geht um weit mehr als um Fusion: Angesichts der gesell-­schaftlichen

und kirchlichen Gesamtlage „geht es wohl um nicht weniger als um eine tiefer

greifende, wirkliche Neuorientierung, wie Kirche in unserer heutigen Zeit dargestellt, gelebt

und vermittelt werden kann.“ Und dazu müssen wir alle gemeinsam und immer neu die Fra-­ge

stellen: „Wozu sind wir als Kirche da?“ – und dessen neu gewahr werden: „Was uns als

Christen geschenkt ist und wie wir als Christen Kirche heute gemeinsam vermitteln und re-­präsentieren.“

Wir alle, liebe Schwestern und Brüder, sind doch in der überwiegenden

Mehrheit als Kinder getauft und in Kirche aufgewachsen – und wurden somit ziemlich selbst-­verständlich

Christen – und wollen es hoffentlich auch bleiben!

Aber ich glaube, darin liegt auch die Gefahr, dass wir uns zu wenig Gedanken darüber ma-­chen,

dass der Glaube ein Geschenk Gottes an uns ist -­‐ ein ganz persönliches Geschenk von

IHM an uns: Geliebt zu sein von einem Gott, der dafür nicht nur Mensch geworden ist (wo-­rauf

wir uns jetzt im Advent wieder vorbereiten), sondern der sich für diese Liebe zu uns

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sogar hat kreuzigen lassen. Wie könnte dann unsere Antwort auf diese Liebe anders ausse-­hen,

als dass wir uns täglich darum bemühen, eine lebendige Beziehung mit diesem Gott zu

leben und IHM nachzufolgen, mit all unseren Fehlern und Schwächen, aber auch mit unseren

Stärken, mit unseren Ängsten aber auch Hoffnungen, mit unseren Talenten, Fähigkeiten und

Berufungen. Sicherlich bleibt es eine Herausforderung, an einen Gott zu glauben, der ge-­kreuzigt

wurde und auferstanden ist – und es bleibt auch eine Herausforderung sich einzu-­gestehen,

dass wir als Menschen SEINER Rettung aus Schuld, Tod und Unheil bedürfen. Das

würde uns aber gerade auch dabei helfen, nicht triumphalistisch zu werden, sondern eine

demütige, hinhörende und mitfühlende Kirche zu sein. „Es braucht eine neue Christwerdung

aller, die getauft und gefirmt sind!“

Dazu brauchen wir eine persönliche Identifikation mit IHM – brauchen ein tieferes Kennen-­lernen

unseres Glaubens, „auch um ihn im Strom der Jahrhunderte und im großen WIR der

Kirche zu leben, zu bekennen und zu feiern“; dann kann sich Kirche als das lebendige Sakra-­ment

des Heiles und der Erlösung der Menschen erweisen, wie es das II. Vatikanische Konzil

vorgegeben hat – denn es ist unsere Aufgabe als Christen und unsere Berufung, aber auch

unsere große geschenkte Gnade und der Grund für ein demütiges Selbstbewusstsein, unaus-­tauschbar

und unverzichtbar für diese, unsere Welt zu sein…der Christ von Morgen ist ein

spiritueller Mensch, ein Gottsucher, oder er ist keiner mehr – sagte einst Karl Rahner. Wir

würden und könnten heute ergänzen: ... ebenso „Apostel und Missionar, dem es ein Anliegen

ist, Menschen mit Gott in Berührung zu bringen, mit dem Evangelium Jesu Christi, mit dieser

österlichen Lebenssicht, aus der wir alle zu leben versuchen.“

Ja, es wird das große Abenteuer, sich neu in Christus zu verlieben und daraus die Kraft zu

schöpfen, im Herzen, Gott neu entstehen und wirken zu lassen –und andere dazu einzula-­den.

Es wird ganz wichtig sein und werden, uns gegenseitig zu ermutigen, häufiger und viel

selbstverständlicher miteinander von Gott zu sprechen (in unseren Bruderschaften, in unse-­ren

Vereinen und Gruppen, in unseren Gremien, aber auch privat). Wie gerade das gehen

kann, wird unsere gemeinsame Aufgabe in 2012 sein, wenn wir – hoffentlich mit ganz vielen

von Ihnen – das Pastoralkonzept für unsere neue Pfarrei entwerfen. …

(Kursivtexte aus Vortrag von Bischof F. Genn in einem Vortrag an die Hauptamtlichen 2011)

6. Unsere Ziele und Aufgaben

In den Gremien der beiden Pfarreien wurden vor dem Hintergrund dieser Vergewisserungen

und auf der Grundlage der Situationsanalysen sechs Ziel-­‐ und Aufgabenfelder herausgearbei-­tet.

Sie wurden den Christen der neuen Pfarrei in den beiden „Gründungsgottesdiensten“

vorgestellt, und alle wurden zur tatkräftigen Mitarbeit eingeladen.

Aus dem (auch mündlich vorgetragenen) Brief an die katholischen Christen in der Pfarrei

Heilige Familie Bad Sassendorf:

„In allen Feldern gibt es bereits gute Aktivitäten und ermutigende Erfahrungen. Aber wir wol-­len

die Arbeit an diesen Aufgaben intensivieren. Dazu brauchen wir engagierte Mitstreiterin-­nen

und Mitstreiter.“

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Dies sind die sechs Aufgabenfelder, die das Gesicht der Kirche von Bad Sassendorf in Zu-­kunft

noch stärker als bisher prägen sollen:

Ein neuer Anfang in der Begegnung mit Gott in unseren Gemeinden geschieht für viele

durch das Sakrament der Ehe und der Taufe (des Kindes). Wir wollen diesen Anfang in Ehe-­vorbereitungskursen

und Taufseminaren unterstützen.

Der Glaubensweg geht weiter in der Kinderkirche, dem Familienliturgiekreis, der Erstkom-­munion,

der Firmung, bei den Messdienern, in der und im Jugendcafe. Wir wol-­len

diese Wegstationen durch profilierte katechetische Begleitung gestalten. Auch unser

Kindergarten soll dabei eine wichtige Brückenfunktion einnehmen.

Der Glaubensweg von Erwachsenen verläuft selten geradlinig. Auch sie brauchen Stationen,

um ihre Verbindung mit Gott zu überprüfen, zu erneuern und zu vertiefen. Wir wollen Mög-­lichkeiten

zum „Verbindungscheck“ schaffen.

Wir feiern unseren Gott, und tun dies in vielen unterschiedlichen liturgischen Formen. Wir

wollen alte liturgische Formen lebendig erhalten und neue Formen entwickeln.

Wenn es schwer ist in unserem Leben – im Alter, bei Krankheit, in Armut, in Einsamkeit –

dann brauchen wir Menschen, die für uns da sind und uns unterstützen. Wir wollen den so-­zialen

Einsatz für Menschen in Bad Sassendorf verstärken.

Das Engagement unserer Gemeinden soll sichtbar werden – für Menschen, die neu zu uns

kommen und hier heimisch werden möchten. Und ebenso für alle, die Interesse haben am

Leben in unseren Gemeinden. Wir wollen unsere personale und mediale Kommunikation

(inkl. Webseite) weiterentwickeln.

Wir – Pfarrer und Gemeindereferentin ebenso wie die Ehrenamtlichen in den Gremien –

benötigen Ihr Mitdenken und Ihre Mitarbeit. Wenn Sie sich einbringen möchten, oder wenn

Sie zunächst einmal Ihr Interesse bekunden wollen, dann bitten wir Sie, dass Sie sich melden:

• mündlich bei einem oder einer „von uns“ (Ansprechpartner der Gremien finden Sie auf

der Rückseite)

• in den Pfarrbüros zu den Öffnungszeiten oder über die Telefonaufzeichnung

• per Mail unter: pfarrbuero@heilige-­‐familie-­‐badsassendorf.de

Oder Sie reichen uns einfach den Zettel, den Sie auf der Rückseite ausgefüllt haben, über die

Pfarrbüro-­‐Briefkästen zurück. Fühlen Sie sich herzlichst eingeladen, an diesen (zunächst)

sechs Themenfeldern mitzuwirken und das Gesicht unserer Gemeinde mitzuprägen. Wir zäh-­len

auf Sie!

Ihre Pfarrgemeinderäte, die Mitglieder des Pastoralrates und Ihr Leitungsteam

7. Wir nehmen die Herausforderungen an

Wir haben in den Gremien mit viel Freude und großem Engagement die Gründung unse-­rer

neuen Pfarrei vorbereitet – und dabei sowohl die strukturellen Voraussetzungen und

Notwendigkeiten als auch die Formulierung von Zielen und Aufgaben berücksichtigt. Die

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Beteiligung der Christen in den Gemeinden war in mehrerer Hinsicht erfreulich, sie war

aber auch enttäuschend:

• Die Teilnahme an den ersten beiden Gemeindeversammlungen im März 2011, die

mit den Gottesdiensten am Sonntag verbunden war, war durchaus lebhaft und

gut besucht – auch wenn nur ein sehr kleiner Teil der Teilnehmenden aus dem

Bereich junger Familien, Jugendliche etc. kam.

• Die Teilnahme am Auswahlverfahren für einen neuen Namen für die zu gründen-­de

Pfarrei war im ersten Durchgang sehr hoch. Als aber der an Platz 1 gewählte

Name „Emmaus-­‐Pfarrei“ von Paderborn abgelehnt wurde, beteiligte sich am II.

Durchgang nur noch ein wesentlich kleinerer Teil der Gemeinde. Bei vielen stieß

auf Unverständnis, warum „Paderborn“ einerseits Experimente und Ausprobieren

wünscht, andererseits, wenn dies dann geschieht, mit unverständlicher Ableh-­nung

reagiert.

• Die Teilnahme an der dritten Gemeindeversammlung im Juli 2011 in Ostinghausen

(mit den Schwerpunkten Information und Erwartungen/ Hoffnungen/ Befürchtun-­gen)

war groß – allerdings waren U-­‐50-­‐Christen fast nicht vertreten.

• Die Teilnahme an der vierten Gemeindeversammlung im Oktober 2011 in Bad

Sassendorf (mit dem Schwerpunkt Benennen von Zielen und Formulieren von Auf-­gaben)

war sehr gering – die Vorbereitenden blieben nahezu unter sich, und auch

hier fehlten die U-­‐50-­‐Christen fast vollständig. Dafür war die aktive Teilnahme der

Anwesenden, das sich Einbringen und auch das, was unter dem Strich heraus

kam, durchaus erfreulich. Da es sich hier um einen Samstag handelte, kann auch

die Tatsache einer anderen Lebensführung von Familien in heutiger Zeit dazu bei-­getragen

haben, dass die Beteiligung sehr gering war.

• Die beiden Festgottesdienste (mit den Gemeindeversammlungen 5+6) aus Anlass

der Gründung der neuen Pfarrei fanden zumindest im Zentralort fast unter Aus-­schluss

der U-­‐50-­‐Generation statt. Beide Gottesdienste waren sehr gut besucht,

das Schließen der alten Kirchenbücher und das Öffnen der neuen waren u.a. sehr

emotionale Momente für alle Gemeindemitglieder.

• Die Resonanz auf die Einladung zur Mitarbeit in den sechs Aufgabenfeldern war

mehr als enttäuschend – lediglich zwei Interessenbekundungen wurden abgege-­ben!


Wir können feststellen:

• Ehrenamtliches Engagement findet in den bestehenden Gruppen und Verbänden

statt – mit einer abnehmenden Tendenz, was die Bereitschaft zur Übernahme von

Verantwortung betrifft (was nicht nur der Altersstruktur geschuldet ist, sondern

mindestens auch, wenn nicht eher – einer zunehmenden Entfremdung von Kirche

sowie einem Ausdünnen des Glaubens bzw. Glaubenswissens.

• Nur wenige Ehrenamtliche wollen bislang ihre Berufung leben in den sechs defi-­nierten

Aufgabenfeldern der Pfarrei Hl. Familie, die sich an den kirchlichen Grund-­funktionen

diakonia, martyria und liturgia orientieren.

• Auch für Bad Sassendorf gilt die Analyse, dass der größte Teil der Katholiken den

Kasualien-­‐Frommen zuzurechnen ist: Sie bleiben in der Kirche, nehmen aber

kaum am kirchlichen und gemeindlichen Leben

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teil – mit Ausnahme der besonderen Feste im Kirchenjahr oder -­‐ -­‐

in ihrem eigenen Leben.

• Die Hauskirche der Familie funktioniert kaum oder nicht mehr – die Kinder kom-­men

in der überwiegenden Zahl (fast) ohne jedes Vorwissen zur Sakramentenvor-­bereitung;

ebenso sieht es bei den Firmbewerbern

aus – und nicht anders stellen wir dies auch bei den meisten Paaren fest,

die sich zur Trauung anmelden

• Eine Sakramentenvorbereitung, die immer noch von „falschen“ oder besser über-­lebten

Voraussetzungen ausgeht, wird in Zukunft nicht mehr in den alten Bahnen

möglich sein; die Zugänge müssen, auch von Bistumsseite, neu überdacht werden

Für unsere pastorale Arbeit bedeutet dies:

... dass wir versuchen, das, was wir haben auch zu pflegen und weiterzuführen,

weil wir es als erhaltenswert empfinden;

…dass wir wachsam bleiben wollen für Veränderungen in unserer Umwelt, um sie

auch als Chancen für uns nutzen zu können;

... dass wir trotz aller negativen und ernüchternden Erfahrungen, die wir auch ma-­chen

mussten, den Kopf oben behalten;

… dass wir auch nach neuen Wegen der Verkündigung gemeinsam

suchen müssen;

…dass wir gelassen auf die Situation der großen Anteile von Kasualien-­‐Christen

schauen, unsere Bemühungen auf sie hin verstärken und uns nicht unter den Druck

begeben, Kirchenbesucherzahlen der 50er Jahre wieder erreichen zu wollen und zu

können;

… dass wir uns unsere Freude am Glauben nicht nehmen lassen dürfen und wollen,

sondern mit dem, was wir haben und leisten können, auch ausstrahlen.

Dazu benötigen wir unter anderem: -­‐ Ein Weiterführen der Entbürokratisierung und die

Schaffung einer an die neuen Situationen der sich immer vergrößernden pastoralen

Räume angepassten Organisationsform, um den Hauptamtlichen die Chance zu geben,

Ihrer Berufung zu folgen, um BERUFUNGEN wieder neu zu wecken…

8. Der Anfang ist gemacht, der Weg geht weiter: In den zukünfti-­gen

Pastoralen Raum mit Möhnesee und Soest ab 2016/2019

-­‐

-­‐

Wir wissen, dass die Neugründung unserer Pfarrei nur ein erster struktureller

Schritt ist. Die Errichtung des Pastoralen Raums mit Soest und Möhnesee wird in

absehbarer Zeit erfolgen

Wir wissen, dass dieser pastorale Raum mit einem leitenden Pfarrer besetzt wird.

Für uns wird als leitender Pfarrer der Propst von Soest die Verantwortung tragen.

Mit wie viel weiterem Personal der leitende Pfarrer rechnen kann, ist zum heuti-­gen

Zeitpunkt noch nicht geklärt. Klar ist aber bereits heute, dass in Zukunft mit

weniger hauptamtlichem und hauptberuflichem Personal in den seelsorglichen

12


1. Wir Menschen in Bad Sassendorf

1.1 Wir wohnen in einer Kommune, deren demographische Entwicklung in besonderer Weise

von Alterung gekennzeichnet ist.

Quelle: Demographische Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung

6- bis 9-Jährige, Entwicklungen bis 2030

10- bis 15-Jährige, Entwicklungen bis 2030

16


25- bis 44-Jährige, Entwicklungen bis 2030

45- bis 64-Jährige, Entwicklungen bis 2030

45- bis 64-Jährige, Entwicklungen bis 2030

Über 80-Jährige, Entwicklungen bis 2030

17


1. Wir Menschen in Bad Sassendorf

1. 2 Wir wohnen in einer Kommune, die durch einen Rückgang von Familien mit Kindern

unter 18 Jahren gekennzeichnet ist. Dies betrifft in besonderer Weise die Ortsteile

Ostinghausen und Bettinghausen.

1. 3 Wir wohnen in einer Kommune, in der es weniger von Armut bedrohte Menschen gibt als

in anderen Kommunen. Aber immerhin sind 12% der Kinder von Armut betroffen.

1. 4 Wir wohnen in einer Kommune, die geprägt ist von 6 Rehabilitationseinrichtungen und

6 Altenheimen – mit Menschen, die aufgrund ihrer körperlichen Beeinträchtigungen

nicht selten (auch) den Wunsch nach seelischer und seelsorglicher Unterstützung haben.

Quellen: Statistische Daten der politischen Gemeinde Bad Sassendorf sowie demographische

Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung

Anzahl der Familien in den Ortsteilen Bad Sassendorfs – Stand April 2009

400

350

300

250

200

150

100

50

0

18


2. Wir Christen in den Pfarreien St. Bonifatius und St. Christophorus

2. 1 Die Altersverteilung der getauften Katholiken in den beiden Pfarreien entspricht der

Altersverteilung in der Kommune: Der Anteil der Älteren ist sehr hoch.

Quelle: Statistische Daten der politischen Gemeinde Bad Sassendorf

Altersverteilung der Katholiken in Bad Sassendorf – Stand April 2010

Verteilung der Katholiken in Bad Sassendorf in Alterskohorten (10-Jahresschritte)

800

700

600

500

400

300

200

100

0

0-­‐10 11-­‐20 21-­‐30 31-­‐40 41-­‐50 51-­‐60 71-­‐80 81-­‐90 91-­‐100

19


2. Wir Christen in der Pfarrei Heilige Familie Bad Sassendorf

2. 2 Die Zahl der Katholiken in unserer Pfarrei steigt seit 2003 leicht an. Auch bei

der Zahl der Gottesdienstteilnehmer verzeichnen wir einen leichten Anstieg:

Von 10,7% (2005) auf 14,7% – oder, in absoluten Zahlen, von 449 auf 608.

Allerdings wissen wir (noch) nicht, inwieweit diese steigenden Zahlen auch durch

eine verstärkte Gottesdienstteilnahme von Patienten in den fünf Reha-Einrich-

tungen unserer Kommune beeinflusst werden.

Informationen zur Visitation

Quelle: Kirchenamtliche Statistik Zahlen des Erzbistums der kirchl. Paderborn Statistik seit 20 Jahren (fusionsbereinigt)

Erzb. Generalvikariat Paderborn

HA 5 - Referat IT

Pfarrei Bad Sassendorf, Hl. Familie

Dekanat Hellweg, Bad Sassendorf und Ostinghausen

Zahlen der Pfarrei Heilige Familie im Zeitraum 1992 – 2011

Jahr Katholiken Gottesdienstteiln. Taufen

Erstkomm.

Firm.

--- Trauungen ---

gesamt kath.

Bestatt.

Sanat.

i. r.

Wie

aufn

1992

1993

1994

1995

1996

1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

3.843

3.860

3.869

3.872

3.940

3.957

3.984

4.018

4.029

4.042

4.033

3.948

4.174

4.196

4.179

4.178

4.184

4.148

4.133

4.143

933

815

795

797

833

684

600

654

646

557

543

527

473

449

467

526

583

603

600

608

24,3

21,1

20,5

20,6

21,1

17,3

15,1

16,3

16,0

13,8

13,5

13,3

11,3

10,7

11,2

12,6

13,9

14,5

14,5

14,7

46

47

41

27

36

34

45

30

28

21

23

22

29

19

22

18

24

15

14

20

46

32

40

38

46

40

44

36

46

41

41

36

43

39

22

32

39

28

32

31

77

0

76

0

66

0

69

0

59

0

76

0

70

0

64

0

54

0

43

3

6

11

5

6

8

9

6

8

4

8

5

6

8

1

1

5

7

4

5

4

4

5

4

5

4

4

3

5

2

5

4

4

1

0

1

3

1

0

5

1

42

47

49

40

47

51

53

50

38

43

50

49

43

57

42

68

48

48

53

57

0

0

0

0

0

0

1

0

0

1

0

0

0

0

0

1

0

0

0

0

0

2

0

1

0

0

0

0

0

0

0

1

0

1

1

1

0

1

2

0

20


2. Wir Christen in den Pfarreien St. Bonifatius und St. Christophorus

2. 3 Die Zahl der kirchlichen Eheschließungen ist in den vergangenen Jahren bereits

deutlich zurückgegangen. Dies wird – das zeigen die Zahlen der letzten zwei Jahre –

zukünftig auch für die Taufen und in der Folge für die Erstkommunion gelten.

Viele Männer und Frauen im Alter zwischen 30 und 50 haben den Kontakt zur Kirche

in den vergangenen Jahren fast ausschließlich über die Sakramentenspendung ihrer

Kinder gesucht und gefunden. Dieser Zugang wird in den kommenden Jahren an

Bedeutung gewinnen.

Für das Jahr 2012 können wir bisher sagen, dass wir 12 Eheschließungen hatten. Dabei

steigt der Anteil derer stetig, bei denen Dispensen eingeholt werden müssen – nur bei

zwei Paaren waren beide Partner katholisch.

Wir haben mehr als 20 Taufen zu verzeichnen; die zahl der Kommunionkinder bleibt

(noch) stabil; auch die Firmzahlen ähneln den Vorjahren.

Bei den Bestattungen werden wir wieder an 50 herankommen.

Quelle: Kirchenamtliche Statistik des Erzbistums Paderborn

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Zum Vergleich: Die Zahlen der beiden bisherigen Pfarreien St.Bonifatius;

Bad Sassendorf (oben) und St. Christophorus, Ostinghausen (unten)

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