Ausgabe 38 als PDF-Download - Herbstwind Online

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Ausgabe 38 als PDF-Download - Herbstwind Online

20. Jahrgang - Mai 2013 Nr. 38

Herbstwind

Kleine und große Missgeschicke

Seniorenzeitschrift des Landkreises Südwestpfalz


2 Herbstwind

Editorial

Inhalt

Seite

Editorial 2

Grußwort/Rätsel 3

Blick über die Grenze 4

Thema 4-13

Seniorenbeirat 14

Gesundheit 15

Impressum:

Herausgeber:

Landkreis Südwestpfalz

Redaktion:

Ernst Hügel (verantwortlich)

Willi Lehmann, Hans Heinen,

Karina Frisch, Heide Brödel,

Friedbert Keller, Henny Guterl,

Jörg Augustin, Dorothea

Rausch,Hans-Jürgen Kaiser,

Beate Seim, Renate Raidt,

Ilse Dörrsam, Ehrentraud

Netolitzky, Hermann Kuntz,

Werner Ladwig

Titelfoto: Rainer Schmidt

Nordic Walking-Gruppe aus

Spirkelbach: Wer bis ins hohe

Alter regelmäßig trainiert,

bleibt länger fit. Wer fit ist, lebt

gesünder und ist im Alter

weniger sturzgefährdet. Jetzt

im Frühjahr ist eine gute Gelegenheit,

damit anzufangen

Gesamtherstellung:

Uniprint PS GmbH

Rheinstraße 11

66955 Pirmasens

Auflage: 5000 Exemplare

Erscheinungsweise:

Halbjährlich Mai und November

Kosten:

Kostenlos zur Verteilung

Impressionen

von Hans Jürgen Kaiser

Nach diesem wirklich langen

Winter freuen wir uns alle auf

einen hoffentlich warmen, bunten

und sonnendurchfluteten

Frühling.

Auch bei unserem Seniorenmagazin

beginnt nach Drucklegung

der aktuellen Ausgabe der Beginn

für die Vorbereitung des folgenden

Magazins. So ist es

Brauch, bei der letzten Redaktionssitzung

vor Druck des aktuellen

Heftes, im Kollegenkreis das

Motto des neuen Heftes zu beratschlagen

und festzulegen. Bei so

viel Kreativität ist es manchmal

schwierig, sich auf ein Thema zu

beschränken.

Unser Heft wird von Senioren für

Senioren gemacht. Mit zunehmender

Lebenserfahrung haben

wir ja alle so unsere Kanten entwickelt,

an denen es sich gelegentlich

trefflich reiben lässt.

Meinen Redaktionskollegen vom

Herbstwind möchte ich an dieser

Stelle ein Lob aussprechen für

den Teamgeist, den ich nun schon

einige Jahre erfahren habe.

Haben wir unser Thema, gehen

alle frisch ans Werk. Ich habe da

schon andere Redaktionen erlebt,

da fing die Rangelei erst an.

Wie es der Zufall so wollte,

wurde mein Vorschlag: „Kleine

und grosse Missgeschicke“ ange-

nommen, ich damals nicht ahnend,

wie schnell ich das selbst

vorleben sollte.

Meistens denkt man ja in diesem

Zusammenhang eher weniger an

positive Dinge, wie einmal Lotto

gespielt und Volltreffer gelandet.

Sondern eher an Schneeball –

Lawine und nicht aufgepasst –

Unfall gehabt.

Um es kurz zu machen, mir ist

letzteres passiert. Sachen in den

Keller getragen, kein Licht angemacht

(kleine Ursache), die

Treppe runter gestürzt, Sachen

nicht losgelassen, Sprunggelenk

zertrümmert und im dritten Monat

mit massiv eingeschränktem

Bewegungsspielraum in Behandlung

(große Wirkung).

Bitte denken Sie jetzt nicht, die

Redakteure sind bei uns verpflichtet

ihre Vorschläge beispielhaft

in die Praxis umzusetzen.

Nur für den Fall, dass Sie

irgendwann einmal bei uns mitschreiben

möchten.

Bis dahin vielleicht, bleiben Sie

uns gewogen.

Redaktionsbüro, Anzeigen:

Kreisverwaltung Südwestpfalz

Leitstelle „Älter werden“

Unterer Sommerwaldweg 40-42

66953 Pirmasens

Telefon (06331) 809-333

info@herbstwind-online.de

www.herbstwind-online.de

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

besuchen Sie auch unsere Homepage www.herbstwind-online.de.

Über Ihre Mitarbeit als Senior-Online-Redakteur würden wir uns sehr

freuen, Sie können jederzeit beim Redaktionsteam einsteigen.

Weitere Informationen erhalten Sie auch bei der Kreisvolkshochschule,

Telefon: 06331/809-335, oder bei der Leitstelle „Älter werden“, Telefon

06331/809-333.


Grußwort

Herbstwind

3

Liebe Seniorinnen,

liebe Senioren,

wer von uns hat es noch nicht

erlebt? Das eine oder andere

Missgeschick, kleine Pech oder

auch mittlere Unglück, das einem

fast täglich passieren kann.

Von den großen Katastrophen

gar nicht zu reden.

Über die meisten hier beschriebenen

Vorfälle kann man im

Nachhinein sogar lachen und

man gibt sie dann auch bei passenden

Gelegenheiten zum Besten.

Sie machen, wenn sie nicht

allzu häufig auftreten, uns

selbst achtsamer, heben uns den

mahnenden Zeigefinger über

unsere eigene Unvorsichtigkeit

und Nachlässigkeit vor Augen.

Man kann sagen: „Glück gehabt

– hätte schlimmer kommen

können.“ Unter diesem Aspekt

wollen wir Sie, liebe Seniorinnen,

liebe Senioren, in dieser

Ausgabe des „Herbstwindes“

auch unterhalten.

Spaßige Missgeschicke, die keinen

nachhaltigen Schaden

angerichtet haben, sollen unter

die Leserschaft gebracht werden.

Ein Beispiel soll folgende Geschichte

sein, die ich vor vielen

Jahren mal gelesen habe: Beim

Einparken hat ein Autofahrer

durch Unaufmerksamkeit bzw.

Fehleinschätzung des Abstandes

die Stoßstange des vor ihm parkenden

Autos beschädigt. Keine

große Sache, nur eine kleine Beule

mit einigen Kratzern drum

herum. Ein Missgeschick eben.

Ärgerlich nur, der Umstand mit

der Versicherung und die Auseinandersetzung

mit dem gegnerischen

Fahrzeughalter. Ja, und

dieser Fahrzeughalter war auch

nicht aufzufinden. Selbst Nachfragen

in den umliegenden

Geschäften konnten den Autobesitzer

nicht ermitteln. So hat

unser Unfallverursacher nach

zumutbarer Wartezeit seine Visitenkarte

hinter den Scheibenwischer

des beschädigten Autos

gesteckt und darauf sein Missgeschick

mitgeteilt und seine

Schuld eingestanden.

Er wollte gerade wegfahren und

hat sich schon überlegt, wie er

die ganzen Umstände seiner

Familie, dem Versicherungsagent

und ansonsten allen Interessierten

erklären soll, da kam

mit hoher Geschwindigkeit ein

kleiner Lkw angerauscht. Dieser

Lkw kam ins Schliddern und

fuhr voll in den eben leicht

beschädigten Pkw hinein.

Man kann es erahnen: Die leicht

beschädigte Stoßstange war vollständig

zerstört, große Teile des

Restautos ebenso. Unser Einparksünder

ging dann unauffällig

zum zerstörten Fahrzeug,

nahm seine Visitenkarte von der

Windschutzscheibe und fuhr gut

gelaunt von dannen …

Nicht jedes Missgeschick löst

sich so in Wohlgefallen auf, wie

im vorgeschilderten Fall. Doch

geben sie unserem Leben die

Würze und sie gehören einfach

dazu. Wir würden sie am liebsten

vermeiden, doch wir müssen

sie nehmen, wie sie kommen.

Und – wenn‘s passiert, sind sie

doch nicht mehr zu ändern.

In diesem Sinne weiterhin viel

Glück bei allen zu erwartenden

Missgeschicken. Mögen sie kleine

Missgeschicke bleiben.

Ihr

Ernst Hügel

Erster Kreisbeigeordneter

Frühlingsrätsel 2013

Bringen Sie die Spalten in die

richtige Reihenfolge, dann ergibt

sich ein Spruch von Gustav

Knuth. Und nun viel Spaß beim

Raten. Schreiben Sie die Lösung

auf eine Postkarte und senden

Sie diese bis 31.08.2013 an die

Kreisverwaltung Südwestpfalz,

Leitstelle „Älter werden“,

Unterer Sommerwaldweg 40-42,

66953 Pirmasens.

Unter den richtigen Antworten werden

3 Weinpräsente ausgelost

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Herbstwind

4 Blick über die Grenze

Europäischer

Mühlenradweg

ASSOCIATION DU 3EME AGE

DU PAYS DE BITCHE

tur pur zum Genuss werden. Die

Tour führt von Zweibrücken über

den ehemaligen Bahndamm, der

Mit diesem Radweg wurde die

Attraktivität des Grenzlandes

deutlich gesteigert.

Der Europäische Mühlenradweg

ist ein ca. 45 km langer Rundkurs

durch die Grenzregion Saarpfalz

(Saarland), Westpfalz (Rheinland-Pfalz)

und Bitscherland

(Departement Moselle in Lothringen/Frankreich)

und daher

die ideale Ausflugsmöglichkeit

für Familien, die per Fahrrad die

wunderschöne Landschaft des

Grenzgebietes erkunden wollen.

Abwechslungsreiche Passagen

zwischen Wäldern und Flüssen,

Wiesen und Dörfern lassen Na-

als Radweg ausgebaut wurde, zur

Klosterstadt Hornbach mit der

Grabstätte des heiligen Pirminius.

Weiter geht es durch das reizvolle

Tal der Schwalb nach Frankreich

zur Eschviller Mühle mit

Mühlenmuseum, einem laufenden

Mühlrad und einer empfehlenswerten

französischen Küche.

Weiter führt die Strecke durch

das Tal der Bickenalb über Peppenkum

und Altheim zurück

nach Zweibrücken.

Der Weg streift insgesamt 14

meist sehr malerisch in grünen

Bachauen gelegene Mühlen und

eine ganze Menge europäischer

Geschichte(n) "en miniature":

Nähere Informationen:

Verbandsgemeinde

Zweibrücken-Land

Landauer Straße 18-20

D-66482 Zweibrücken

Telefon: 06332 - 8062 - 0

Telefax: 06332 - 8062 - 999

E-Mail: info@vgzwland.de

Kleine und große Missgeschicke

Von Willi Lehmann

Wie heißt es in Schillers Lied von

der Glocke: „Doch mit des Geschickes

Mächten ist kein ew‘ger

Bund zu flechten.“ Auch der

römische Dichter Vergil schreibt

in seiner Äneis: „Durch so verschiedene

Geschicke so viele

gefährliche Lagen.“ Das macht

deutlich, dass aus Geschick

durchaus auch Gefahren entstehen

können, dass etwas schiefgeht,

dass etwas misslingt, kurz,

dass uns ein mehr oder weniger

großes Missgeschick trifft. Ich

denke, derartige Erfahrungen hat

wohl jeder von uns schon gemacht

und dabei gedacht: „Pech

gehabt.“ Über manches Missgeschick

haben wir im Nachhinein

wohl selbst gelacht oder uns über

Dritte geärgert, die sich das

Lachen nicht verkneifen konn-


„Kleine und große Missgeschicke“

Herbstwind

5

ten. Lassen Sie mich aus eigener

Erfahrung zwei Beispiele

beschreiben.

Mitte der 50er Jahre, meine

Freunde Richard, Dieter, Gerold

und ich befanden uns gerade in

dem sogenannten Halbstarkenalter

und waren große Anhänger

der Westerngeschichten mit Billy

Jenkins und Tom Prox. Schwarze

enge Röhrenhosen und Binder

aus Schnüren, die mit einer

Art Brosche zusammengehalten

wurden, waren in. Ebenfalls zum

Ritual gehörten, in bestimmten

Abständen, die sich nach dem

Pegelstand unserer Sonntagsgeldkasse

richteten, Radtouren

nach Obersimten. Ziel dieser

Touren war regelmäßig die Gaststätte

„Moser“, wo das Bier eben

am besten schmeckte. So mancher

Liter wurde vernichtet, wobei

allerdings „Koma-Saufen“

mangels fehlender Penunzen

nicht in Frage kam.

An einem Sonntagabend waren

wir wieder einmal mit den Rädern

unterwegs zum „Moser“.

Im Vergleich zu heute – himmlische

Ruhe auf der Landstraße

von Vinningen nach Obersimten.

Freihändig fahren, den Blick

nach oben gerichtet, war angesagt.

Plötzlich ein Aufschrei,

gleich darauf ein Fluchen und

eine Zickzackfahrt von Gerold

auf der Straße. Sofort waren wir

bei ihm, um zu erfahren, was los

war. Gerold hielt sich zunächst

das Gesicht zu und begann dann,

mit dem Taschentuch sein Auge

zu reiben. Auf unsere Frage, was

geschehen ist, antwortete er in

seiner humorvollen Art: „Mir hat

eine Eule aufs Auge geschissen.“

Obwohl wir wussten, wie gefährlich

so etwas sein könnte, mussten

wir lauthals lachen. Nach

kurzer Zeit stimmte Gerold in

dieses Lachen ein. Trotz dieses

Missgeschicks wurde es, nachdem

das Auge beim „Moser“

ordentlich gesäubert war, noch

ein schöner Abend und der Vorfall

lange Jahre Anlass zum

„Frotzeln“, wenn wir uns trafen.

Und was lernen wir aus dieser

Geschichte? Nicht alles, was von

oben kommt, ist immer gut.

Bei dem zweiten Beispiel stand

ich selbst im Mittelpunkt des

Geschehens. Seit vielen Jahren

pflege und unterhalte ich einen

Fischweiher in der Hilstbach, der

in den 60er Jahren von einem

Onkel mit tatkräftiger Unterstützung

der Verwandtschaft angelegt

wurde. Diese Anlage ist ein

Ort der Ruhe, an dem man, wenn

nicht gerade Wandergruppen auf

dem Weg nach Roppeviller vorbeiziehen,

sich gut erholen kann.

Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere beinhaltet aber

auch sehr viel Arbeit zur Bewahrung

dieser Idylle. So steht während

der Sommermonate naturgemäß

das Rasenmähen an erster

Stelle. Dabei lästert meine Frau,

ich könne kein Gras sehen, das

höher als 5 Zentimeter ist.

An einem Samstag vor 3 Jahren

rückte ich ausnahmsweise mit

Unterstützung durch Sohn,

Schwiegersohn und Enkel zum

großen Rasenmähen am Weihergelände

aus. Wie üblich nahm

ich mich der größeren und zum

Teil ebenen Flächen mittels Rasentraktor

an. Dazu gehörte auch

das Ufer des großen Fischweihers.

Um meinen Helfern möglichst

viel Arbeit mit der Motorsense

bzw. dem Handrasenmäher

zu ersparen, fuhr ich routinemäßig

sehr nahe am Rand der

Böschung entlang. Bei dem Bemühen,

es möglichst gut zu machen,

kam ich beim Rückwärtsfahren

auf dem noch feuchten

Uferstreifen mit dem Rasentraktor

ins Rutschen. Alles Weitere

können Sie sich denken. Es gab

kein Halten mehr. Mitsamt Rasentraktor

fiel ich in den an dieser

Stelle 2,50 Meter tiefen Weiher.

Mein erster Gedanke als

notorischer Nichtschwimmer

war dabei: „Hättest du doch besser

Schwimmen gelernt.“ Zum

Glück konnte ich mich noch

während des Fallens von dem

Traktor befreien und unter Wasser

gegen die Böschung werfen,

an der ich dann wieder hochkletterte.

Meine Helfer wurden erst

durch das Verstummen der Motorengeräusche

aufmerksam, da

ich während des Falles nicht einmal

um Hilfe rufen konnte. Das

Erste was sie sahen war meine

Mütze, die auf dem Weiher

schwamm. Sinnvollerweise trug

diese „Hornbach-Mütze“ den

Aufdruck: „Legenden sterben

nicht im Bett.“ Wäre ich wie so

oft allein gewesen, hätte er

durchaus Berechtigung erhalten

können. Nass wie eine Katze halfen

sie mir aus dem Wasser und

fischten meine Mütze heraus.

Trotz der nicht ungefährlichen

Situation, die ich nass, aber ohne

sonstige Schäden überstanden

hatte, mussten wir alle herzlich

lachen über das Bild der einsam

schwimmenden Mütze. Den

Rasentraktor bekamen wir auch

glücklicherweise an den Haken

und zogen ihn mit dem Pkw,

dank dessen Allradantriebs, wieder

aufs Trockene. Leidtragender

war in erster Linie mein Schwiegersohn,

der in stundenlanger

Arbeit den abgesoffenen Traktor

wieder fahrbereit machen musste.

Noch heute rücken dieser

Rasentraktor und ich dem Gras

am Weiher zu Leibe. Allerdings

in einem respektvollen Abstand

zur Wasserfläche und oft unter

strenger Aufsicht meiner Frau.


6 Herbstwind

„Kleine und große Missgeschicke“

Lehrgeld

Von Heide Brödel

„Da hast du wieder mal gehörig

Lehrgeld bezahlt“, pflegte meine

Großmutter zu sagen, wenn ich

als Kind mit kaputtgestürzten

Knien nach Hause kam. „Das

wird dir in deinem Leben noch

öfter passieren“, warnte sie mich

damals.

Sie hatte Recht! Mittlerweile habe

ich mich mit etlichen Lektionen

einschließlich Praktika auseinander

gesetzt. Manche habe ich

wiederholt. Einige haben Wunden

hinterlassen. Die sind verheilt.

Ein paar Narben sind geblieben.

Aber alle haben sich

bezahlt gemacht. Auch wenn ich

das hin und wieder erst viel später

begriffen habe. Erfahrungsschatz

nennt man wohl, was dabei

heraus gekommen ist. Je größer

der wird, umso mehr erkenne

ich, wie wenig ich eigentlich

weiß. Deshalb hört die Geschichte

mit den Lektionen und dem

Lehrgeld wohl nicht auf.

Allerdings sieht es so aus, als

wenn ich nicht mehr so oft zur

Kasse gebeten werde wie früher.

Offensichtlich finde ich weniger

Gelegenheiten dazu. Das Lehrgeld

scheint sich auszuzahlen.

Wenn mir trotzdem wieder mal

ein Missgeschick passiert ist und

ich mich nach dem „Warum“ frage,

weiß ich heute schneller die

Antwort darauf. Etwa weil sich

mein Kopf und mein Körper

zunehmend uneinig sind, was

geht und was nicht und das möglichst

schnell. Und ich mich deshalb

hautnah mit den Folgen auseinander

setzen muss.

Vielleicht hört sich die Aussage

meiner Großmutter nach heutigen

Gesichtspunkten etwas lieblos

an. Aber sie hatte mitten in

So ging’s los: Die Beule, die ich mir im

Sommer 1943 geholt habe, hat lebenslänglich

sichtbare Spuren hinterlassen.

Berlin zwei Weltkriege erlitten

und überlebt. Sicher hatte sie

dabei viel Glück. Aber sie hatte

auch gelernt, dass man schwere

Zeiten eher übersteht, wenn man

stark genug dafür ist. Zumindest

mit besseren Chancen.

Abgesehen davon, dass

wir als Kinder in der

Kriegs- und Nachkriegszeit

ohnedies

nicht verwöhnt waren,

hat sie sich damals

dafür stark gemacht,

dass ich die Steine, die

mir im Weg lagen oder

die ich mir selbst dahin

gelegt hatte, weitgehend

selbst wegräumen

musste. Das war auch

im Sinne meines Vaters.

Dadurch sollte ich ihrer

Meinung nach lebenstüchtig

werden. Ich sollte

vorausschauend denken

lernen. Sollte lernen,

Gefahren zu erkennen

und sie richtig einzuschätzen.

Sollte lernen,

wie man sich ihnen

stellt und wie man

ihnen aus dem Weg

gehen kann, solange

man ihnen nicht ge-

wachsen ist. Ich sollte lernen,

meine Stärken und Schwächen

richtig einzuschätzen. Nie hat sie

zu mir gesagt: „Das kannst du

nicht!“ Im Gegenteil. „Versuche

es, dann weißt du es“, hat sie

mich immer ermutigt.

Die Zusammenhänge sind mir

natürlich als Kind noch nicht klar

gewesen. Wohl deshalb habe ich

mir damals manchmal gewünscht,

ganz woanders zu sein.

Gelegentlich wünsche ich mir das

heute noch.

Aus meinen Fehlern habe ich

letztendlich am nachhaltigsten

gelernt. Rückfälle eingeschlossen.

Diese zuzugeben, ist wohl

die schwierigste Übung. Vor sich

selbst. Erst recht aber vor anderen.

Dafür braucht es uneingeschränktes

Vertrauen. Ich habe

einiges Lehrgeld bezahlen und

viele Erfahrungen sammeln müssen,

bis ich dafür stark und reif

genug war. Bis heute.

Sege im Sterbeamt?

Im Sterbeamt fer unser Tote

do war kä Sege – s’war so Mode:

„Er ruh in Friede!“ war de Schluss. –

Du kummt, was halt so kumme muss:

Es ritscht mer mol e Sege raus. –

E Rätschweib steht nadierlich drauß

un grinst mich aa: „Gell, Herr Kaplan,

warum war heit de Sege dran –

den gäbt’s doch nit im Sterbeamt!?“,

sagt ausgerechnet die – verdammt! –

Ich mach mich stark un konter druff:

„Horch, Bawett, reg dich ner nit uff –

im Sterbeamt do gäbt’s den frisch –

de Sege – wann e Hex drin isch!“ –

Ja, do kannsch mache, was du witt:

S’gäbt Sache, - nä, die gäbt’s jo nit!

Von Hermann Kuntz,

Pfarrer i. R., Hauenstein,

selbst erlebt – wie beschrieben


„Kleine und große Missgeschicke“

Thuja oder Blumen

Herbstwind

7

Von Hans Heinen

Der Valentinstag hat mich auch

diesmal wieder an einen heiteren

Dialog erinnert, der sich vor

drei Jahren in meinem Büro

abgespielt hat. Seitdem denke

ich am Valentinstag immer an

Thujas.

Dabei hat sich dieser Tag zum

„Feiertag der Gärtnereien“ entwickelt,

denn am 14. Februar

pflegt der Mann seiner Lieben

Blumen zu schenken. Diese Gepflogenheit

hat ihre Tradition,

die ins Altertum zurück reicht.

Laut Überlieferung soll der Ursprung

auf den Bischof Valentin

von Terni zurückgehen. Im 3.

Jahrhundert ist Valentin Bischof

der Stadt Terni (damals Interamna,

Italien) gewesen. Er soll

Brautpaare getraut haben, unter

ihnen Soldaten, die nach kaiserlichem

Befehl nicht haben heiraten

dürfen.

Dennoch: Die so geschlossenen

Ehen haben Bestand gehabt, als

seien sie unter der Obhut des

Bischofs wohl behütet gewesen.

Ganz anders ist es Valentin von

Terni selbst ergangen. Er ist als

Märtyrer gestorben. Kaiser

Claudius II. hat ihn wegen seines

christlichen Glaubens enthaupten

lassen. Dies ist am 14.

Februar des Jahres 269 geschehen

und erklärt das Datum des

Valentinstags. Das Brauchtum

mit den Blumen lässt sich herleiten

von der Gewohnheit Valentins,

den von ihm Getrauten

Blumen aus seinem Garten zu

schenken.

Jetzt - nach diesen Abschweifungen

in die Geschichte- soll

aber endlich die Rede auf die

oben erwähnten Thujas kommen.

Der Valentinstag vor drei

Jahren hat schon fast vorfrühlingshaft

angemutet. Die ersten

Sonnenstrahlen haben ein

wenig mehr Licht und Wärme

gebracht und kurzzeitig die

Gedanken zum noch fernen

Sommer hingelenkt.

Ich muss noch einmal kurz ausholen.

An der Begrenzung unseres

Gartens steht eine kalt wirkende,

zwei Meter hohe Betonwand.

In der warmen Jahreszeit

ranken sich um die Wand bunte

Kletterpflanzen mit einem Blütenmeer.

Wenn die Blütezeit jedoch

zu Ende geht, kommt der

Beton wieder zum Vorschein in

seinem hässlichen Novemberund

Wintergrau. Deshalb habe

ich mich schon seit Längerem

die Absicht gehegt, zu Beginn

des neuen Pflanzjahres Thuja

zu setzen, um das triste Grau

hinter frischem Grün zu ver -

stecken.

Die Sonne an diesem 14. Februar

hat die Gedanken daran

beflügelt und mich unsere Verwaltungsangestellte,

als sie

gerade angeklopft hat und ins

Büro gekommen ist, fragen lassen:

„Wissen Sie zufällig, wo es

günstig Thuja-Pflanzen zu kaufen

gibt?“.

Sie hat mich ganz verdutzt

angesehen, obwohl ich doch

eine ganz einfache Frage gestellt

habe. Sie hat zuerst auch gar

nicht geantwortet, sondern nur

verblüfft gewirkt. Nach einiger

Zeit des Nachdenkens hat sie

dann doch ihre Antwort gegeben.

„An Ihrer Stelle“, hat sie in

der Rolle der Beraterin angemerkt,

„würde ich Ihrer Frau

heute lieber Blumen schenken“.

Peinlich

Von Jörg Augustin

Es war am 17. Juni 1966 oder 1967.

Als Studenten im Fach Politische

Bildung für das Lehramt waren

wir zur offiziellen Veranstaltung

zum Tag der Deutschen Einheit

im Plenarsaal des Deutschen Bundestages

in Bonn eingeladen.

Beeindruckt verfolgten wir die

Reden der Politiker, die der Einheit

des ganzen Deutschland

unverbrüchliche Treue gelobten.

Ein Streichquartett umrahmte

die Feier, an der selbstverständlich

auch Bundespräsident Heinrich

Lübke teilnahm. Er hatte seinen

Platz, für alle Anwesenden

gut sichtbar, in der ersten Reihe

des Saales.

Die Musiker begannen ihr letztes

Stück, das poco adagio aus dem

Streichquartett C-Dur von Joseph

Haydn, besser bekannt als das

„Kaiser–Quartett“. Jeder Anwesende

erkannte die Musik, jeder


8 Herbstwind

„Kleine und große Missgeschicke“

erinnerte sich an die Entstehungsgeschichte

der Hymne:

„Gott erhalte Franz, den Kaiser“,

die dann die musikalische Vorlage

für das „Lied der Deutschen“

von Hoffmann von Fallersleben

wurde, jeder gab sich dem Musikgenuss

hin – da: plötzliche

Unruhe in der ersten Reihe; der

Bundespräsident rutschte unruhig

auf seinem Platz hin und her,

er blickte sich um, ob denn niemand

... Uns erfasste lähmendes

Entsetzen: Konnte es sein, dass

der Bundespräsident die Nationalhymne

nicht von ihrer musikalischen

Vorlage unterschei ... da

geschah es: Heinrich Lübke erhob

sich von seinem Platz!

Es dauerte einen Augenblick, so

lange, wie man eben zum Überlegen

braucht, was man jetzt tun

soll, tun muss, bevor sich die

Nachbarn zur Rechten und Linken

ebenfalls von ihren Sitzen

lösten und wiederum eine Wellenbewegung

auslösten. Nach etwa 10

Takten der Musik stand der ganze

Plenarsaal und folgte der Musik

stehend und schweigend bis zum

Ende. An die Nationalhymne, die

meines Wissens anschließend

gesungen werden sollte, kann ich

mich nicht erinnern.

Ich habe in den nächsten Tagen

die Zeitungen verfolgt, nirgendwo

fand ich einen Kommentar zu

diesem Ereignis. Aber auf den

Zuschauertribünen hatte ja das

ganze diplomatische Korps Platz

genommen. Wir haben uns an

diesem Tag geschämt.

Mit Brille wäre das nicht passiert

Von Renate Raidt

Mit meiner Freundin Karin verbindet

mich seit vielen Jahren

eine wunderbare Freundschaft.

Bei unserem letzten Zusammentreffen

fragten wir uns, warum

uns unserer Freundschaft so

wertvoll und wichtig ist. "Es ist

das unbedingte Vertrauen, das

wir zueinander haben", meinte

Karin und ich konnte ihr nur

zustimmen.

Karin betreibt zusammen mit

ihrem Mann einen Frisörsalon.

Vor etwa 25 Jahren betrat ich, die

Dekorationen der großen Fenster

sprachen mich an, zum ersten

Mal den neu eröffneten Salon.

Die Atmosphäre im Salon empfing

mich wohltuend und die

Chefin begrüßte mich herzlich.

Ihr Hochdeutsch hatte eine mir

wohl bekannte Dialektfärbung.

"Sie sind aber keine gebürtige

Pirmasenserin" sagte ich. "Nein,

ich komme aus Unterfranken",

antwortete sie und ich erzählte

ihr von meinen unterfränkischen

Wurzeln. Doch das sollte nicht

unsere einzige Gemeinsamkeit

bleiben.

Vor etwa 15 Jahren brauchten

wir fast zu gleicher Zeit eine

Brille für die Nähe. Es wurde

damals langsam üblich, mit

Plastikgeld zu bezahlen und

mir war diese Neuerung sehr

angenehm.

Einmal wollte ich, nachdem

mich Karin verschönert hatte,

meine Rechnung bezahlen. Beide

hatten wir unsere neuen Brillen

auf der Nase. Ich überreichte

Karin meine Scheckkarte. Sie

tippte den Betrag ein, nannte

die Summe, gab mir die Karte

zurück und reichte mir den Kassenzettel,

den ich auf der Rückseite

unterschreiben sollte. Ich

prüfte die Richtigkeit des Betrages.

Dann begannen wir ein Gespräch.

Dabei nahmen wir beide

unsere Brillen ab. Da noch einige

Kundinnen warteten, brachen

wir unser Gespräch bald

ab und vereinbarten ein Treffen,

bei dem wir uns dann nach Herzenslust

unterhalten könnten.

Karin reichte mir einen Kugelschreiber

zur Unterschrift. Unsre

Brillen setzten wir nicht wieder

auf. Unterschreiben konnte

ich ja blind. Ich konnte erkennen,

dass Karins Kugelschreiber

von blauer Farbe war und ein

ungewöhnliches Design hatte.

Doch das war bei meiner Freundin

Karin nicht verwunderlich.

Hatte sie doch ein Faible für

ausgefallene Dinge.

Ich setzte zur Unterschrift an,

doch der Kugelschreiber funktionierte

nicht. Ich machte rasch

einige Striche hin und her. Ohne

Erfolg. Dann hauchte ich die

Spitze kurz an und versuchte

es noch einmal. Da er noch

immer nicht schrieb, rieb ich

ihn kurz zwischen den Händen.

Die durch die Reibung entstehende

Wärme würde es sicher

schaffen. Doch ich hatte kein

Glück. Ich bat Karin um einen

funktionierenden Kugelschreiber.

Karin schaute kurz auf den

Kugelschreiber in meiner Hand

und setzte ihre Brille auf. Auch

ich schwang meine Brille auf die

Nase. Schallendes Gelächter! In

meiner Hand lag eine Häkelnadel

mit blauem Holzgriff.


„Kleine und große Missgeschicke“

Kennen Sie den...?

Herbstwind

9

Von Dorothea Rausch

Zwei Bekannte am Tresen:

„Sag mal, kennst du den Unterschied

zwischen einem SAXophon

und einem SACK Zement?“

„Nein.“

„Da musst du mal hineinblasen.“

oder

„Herr Ober, spielt die Kapelle

auch auf Wunsch der Gäste?“

„Gewiss, mein Herr.“

„Gut, dann sollen sie Billiard spielen,

bis ich mit dem Essen fertig

bin.“

So oder ähnlich hört man es in

vergnügter Runde. Ein guter Witz

kann erheitern und entspannen.

Er kann auch einmal aus einer kritischen

Situation heraushelfen.

Worte sind es, mit denen wir uns

verständigen. Wir geben den Dingen

Namen, drücken Gefühle aus,

schildern Begebenheiten, sprechen

über Ärger und Ängste,

schimpfen auch mal über Menschen,

Umstände und Lebenssituationen.

Und das Gebet wäre

ohne Worte nicht denkbar.

Jede noch so gute Idee bekommt

erst Gestalt, wenn sie in Worte

gefasst wird. Die Sprache ist es,

mit der wir uns von den anderen

Lebewesen dieser Erde unterscheiden.

Die Wissenschaft bemüht sich

sehr herauszufinden, wie die

Sprache entstanden ist.

Soviel steht jedenfalls fest; aus

der Notwendigkeit, sich zu verständigen.

Signale und Gesten

mögen ein Anfang gewesen sein.

Das Jodeln war zum Beispiel ein

Signal, mit dem sich Hirten über

große Entfernungen miteinander

verständigen konnten. Uns ist das

Jodeln heute hauptsächlich nur

noch als musikalischer Ausdruck

bekannt.

„Im Anfang war das Wort“ heißt

es im ersten Kapitel des Johannesevangeliums.

Das richtige Wort im richtigen

Augenblick muss es sein. Denn

„Worte sind wie Pfeile, du kannst

sie nicht zurückholen„ hat ein

kluger Mensch gesagt. Und „Worte

zerstören, wo sie nicht hingehören“

hat Daliah Lawi vor Jahren in

einem Schlager gesungen.

Man kann Worte auch nur denken.

So bekam ich einmal eine gute

Empfehlung: „Wenn jemand verärgert

ist und will sich an dir

abreagieren, dann hilft es nichts,

wenn du darauf eingehst. Dann

hefte deinen Blick fest auf seine

Stirn und d e n k e FRIEDE SEI

MIT DIR.

Du wirst sehen, es hilft. Schon der

Gedanke allein entspannt. Es ist

jedenfalls einen Versuch wert.

Und noch etwas bewährt sich.

Worte vorher zu bedenken, die

gehörten und die gesprochenen

ehe man erwidert.

Kleine Kinder erlernen die Sprache

ihrer Umgebung und wenden

sie an, probieren sie aus und

haben zum Entsetzen ihrer Eltern

solche Worte schon oft im unpassenden

Moment wiedergegeben.

Mit besonders viel Bedacht setzen

die Dichter ihre Worte, wenn

sie Menschen erreichen wollen.

In manchen Texten von Volksliedern

sind mit einfachen Worten

große Gefühle wie Liebe, Sehnsucht

und Schmerz eingefangen.

Andere sind erheiternd oder drücken

frech aus, was man auszusprechen

sich nicht getraut hätte.

Man denke nur an „Die Frau

Wirtin an der Lahn“.

Nutzen wir diesen Schatz klar

und unmissverständlich, wie

Martin Luther die Pfarrer im

Hinblick auf ihre Predigt ermahnt

hat: „Tritt fest auf, mach`s

Maul auf, hör bald auf.“ oder wie

jener Mann, der einen Zettel an

seine Tür hängte „Kontrabass zu

verkaufen“, darunter am nächsten

Morgen ein Nachbar geschrieben

hatte „Gott sei Dank.“

Auflösung der Preisfrage aus Herbstwind Nr. 37

Zu erraten war:

Es regnet wenn es regnen will, es regnet seinen Lauf,

und wenns genug geregnet hat, dann hört es wieder auf.

Gewonnen haben:

Rosel Schneider, Flurstraße 21, 67716 Heltersberg

Annelise Weishaar, Zweibrücker Straße 34, 66987 Thaleischweiler-Fr.

Tina Kaiser, Landgrafenstraße 25, 66969 Lemberg


10 Herbstwind

„Kleine und große Missgeschicke“

Ein Missgeschick mit gutem Ende

Von Beate Seim

Ein laues Lüftchen wehte durch-

’s geöffnete Fenster und umschmeichelte

Margarete und

Edgar, die am Tisch beim Frühstück

saßen.

„Das wird ein wunderbarer Tag“,

sagte Margarete. Edgar schaute

mit gerunzelter Stirn über seine

Zeitung. Wenn seine Angetraute

sich so äußerte, dann wusste er

aufgrund jahrelanger Erfahrung

ganz genau, was jetzt kam.

„Da bekommt man ja noch richtig

Lust zum Frühjahrsputz“,

schwärmte Margarete.

Ja, da war es das Wort, das Edgar

so hasste: Frühjahrsputz. Wie

viele Male hatte er diese Tätigkeit

schon miterlebt. Doch in den

letzten Jahren drückte er sich

davor, indem er just immer dann

dringend etwas in der Stadt zu

erledigen hatte.

So auch heute wieder. Er erhob

sich vom Tisch, zog Schuhe und

Jacke an und verschwand mit der

Bemerkung: „Ich gehe eben mal.“

„Lass Dir ruhig Zeit“, rief ihm

Margarete noch nach, „Essen gibt

es sowieso später“.

Mit einem Schmunzeln begann

sie alles Notwendige für ihr Vorhaben

in die obere Etage zu tragen.

Sie kannte doch ihren Mann

zu gut, andererseits war sie froh,

wenn sie werkeln konnte ohne

gestört zu werden.

Heute wollte sie sich das Schlafzimmer

vornehmen. Bewaffnet

mit Staubsauger, Eimer, Lappen

und Staubwedel machte sie sich

an die Arbeit. Nachdem Fenster

und Schrankspiegel um die Wette

glänzten, war das Bett an der

Reihe. Schnell trug sie alles zum

Lüften auf den Balkon und

wuchtete auch noch mit letzter

Kraft die Matratze hinterher.

Puh, das war anstrengend,

zumal sie ja auch nicht mehr die

Jüngste war. Dazu könnte man

doch eine Manneskraft gebrauchen,

dachte Margarete.

Nun war der Matratzenrost dran.

Fürsorglich bearbeitete sie mit

dem Staubsauger jede Spirale, als

ihr plötzlich der Pinsel-Aufsatz

zu Boden fiel. Vergebens bemühte

sie sich, diesen zwischen den

Metallfedern wieder heraus zu

bekommen. Da half alles nichts,

sie musste unter das Bett kriechen.

Gesagt – getan!

Mühsam robbte sie auf dem Boden

unter das Bett, da geschah

es: ihre Hose verhakte sich an

einer Spirale. Vergeblich versuchte

sie sich zu befreien, doch

wie sie sich auch drehte und

bewegte, es gelang ihr nicht.

Was nun??? Ihr blieb nichts anderes

übrig, als zu warten, bis

Edgar wieder nach Hause kam –

und das konnte dauern -. Also

Wei?

ergab sie sich ihrem Schicksal

und blieb verzweifelt auf dem

Boden liegen. In Gedanken jedoch

haderte sie mit ihrem Ehegatten,

denn wenn dieser nicht

so engstirnig wäre, hätten sie

schon lange neue Latten-Roste

und ihr wäre das hier nicht passiert.

Er aber hatte für das „neumodige

Zeug“ ja nichts übrig.

Endlich wurde unten die Haustür

geöffnet. „Edgar“, rief Margarete

„komm schnell herauf!“

Als dieser ins Schlafzimmer trat,

bekam er einen Lachkrampf.

„Hilf mir lieber, mir tut schon

alles weh“, schimpfte Margarete

und war froh, als sie wieder auf

ihren Beinen stand.

„Warum musst Du auch immer

so gründlich sein“, bemerkte ihr

Mann.

„Wärst Du nicht so geizig, wäre

mir das nicht passiert – und zu

Essen gibt es heute nichts!“

fauchte seine Frau ihn an.

„Bitte beruhige Dich“, lenkte

Edgar ein, „ich lade Dich zum

Essen in ein Restaurant ein und

danach gehen wir ins Möbelhaus,

einverstanden?“

Als frisch-geweihter fang ich an

ins Ensheim/Saar als „Herr Kaplan“.

Do war noch jede Morge Mess –

heit fascht bloß owends – uhne Stress. –

E Wintermorge – ich war dra

un fang die Mess wie immer a.

S’isch Lesung – Evangelium;

de erste Dääl isch jetzt schun rum.

Jetzt Opferung mit Wei un Wasser:

De Ministrant langt mer mit blasser

un kalter Hand es Kännel her:

„Die Schwester meint, dass Schnaps es wär –

Sie soll’n probieren!“ – sagt’s und lacht!

Do häb ich glei die Prob gemacht:

Ich schnupper: s’stimmt: s’war Schnaps statt Wei!

Heit deet ich sage: „Schenk mer ei!“ –


„Kleine und große Missgeschicke“

Ein „zentnerschweres“ Missgeschick

Herbstwind

11

Von Ilse Dörrsam

Es war im Jahr 1945, wir hatten

den letzten schweren Luftangriff

auf unsere Heimatstadt überlebt.

Meine Mutter, mein Bruder und

ich verließen daraufhin Pirmasens

und suchten Unterschlupf

bei unseren Verwandten in Rodalben.

Zum Schutz vor Fliegerangriffen

wechselten wir nun

von Luftschutzkellern in Pirmasens

nach Rodalben in sogenannte

Luftschutzbunker. Da man oft

mehrere Stunden am Tag und in

der Nacht in diesen Felsenbunkern

verbringen musste, waren

die Räume mit Koch- und Schlafangelegenheiten

versehen und

teilweise mit Möbeln ausgestattet.

Ein Teil unserer Großfamilie

lebte in einer solchen Bunkeranlage

unter dem Saufelsen auf

dem Lohn und der andere Teil

im großen Felsenbierkeller in

der „Hohl“ Bergstraße. Was hätte

mein Urgroßvater, der Braumeister

Franz Titus Ehrenreich,

wohl dazu gesagt, dass seine

Nachkommen Zuflucht und

Schutz vor Fliegerangriffen in

seinem Bierkeller gesucht und

gefunden haben?

In dieser chaotischen und

turbulenten Zeit, die oft durch

Tieffliegerangriffe unterbrochen

wurde, ging plötzlich

eine freudige Nachricht von

Mund zu Mund. Wir erfuhren –

zuerst unfassbar für uns

alle – dass die Wehrmacht

einige Verpflegungsbunker

auf dem Grünbühl (außerhalb

von Rodalben) öffnet und die

darin lagernden Lebensmittel

an die Bevölkerung verteilt.

Großer Jubel überall! Mein Bruder

und ich machten uns zusammen

mit vielen anderen Kindern

und Müttern sofort auf den Weg

dorthin. Die am Ziel vorgefundenen

Holzkisten waren fest verschlossen

und ohne äußerliche

Inhaltsangabe. In der Annahme,

je schwerer, desto wertvoller, entschieden

wir uns für eine sehr

schwere Kiste. Wir träumten von

einem Inhalt aus Münzen, Gold

und Silber.

Auf dem Rückweg hörten wir

dann ab und zu Freudenschreie

von Kindern, die ihre Holzkisten

bereits unterwegs geöffnet hatten.

Zum Vorschein kamen Dosen

mit Fleisch, Mehl, Fett und -

für uns Kinder wundersame Dinge

wie Schokolade und Gutsel

(Bonbons). Nach mühevollem

langem Weg – wir mussten oft

Pausen einlegen – kamen wir

endlich mit unserer langsam zur

Last gewordenen Kiste zu Hause

an.

Jetzt schlug für uns die Stunde

der Enthüllung! Unsere Mutter,

die die Kiste mühevoll aufbrechen

musste, fing plötzlich an

laut zu lachen. Zum Vorschein

kamen: Dosenöffner!

Wir hatten 2000 Stück eiserne

Dosenöffner („Wehrmacht, deutsche

Wertarbeit“) geschleppt.

Mein Bruder und ich fingen an

zu heulen und schrien verzweifelt

über das schreckliche Missgeschick,

das uns getroffen hatte.

Anschließend versuchten wir

krampfhaft, mit den „Glückskindern

der Aktion“ unsere Dosenöffner

gegen Lebensmittel zu

tauschen. Der Erfolg war bescheiden;

er brachte uns lediglich

einige Stücke Schokolade. Heute

noch ist mir der wunderbar herrliche

Geschmack dieser (Flieger-)

Schokolade, die in flachen Blechdosen

war, in allerbester Erinnerung.

Erst in der Nachkriegszeit waren

unsere bisher verschmähten Dosenöffner

als Tauschobjekt gefragt.

Um den Nahrungsnotstand in

unserer Familie etwas zu lindern,

unternahm meine Mutter – wie

viele andere Frauen in dieser

Nachkriegszeit – sogenannte

„Hamsterfahrten“ an den Bodensee.

Da wir, obwohl in der Schuhstadt

lebend, keine Schuhe als

Tauschobjekt für Nahrungsmittel

hatten, nahm meine Mutter

bei jeder Fahrt u.a. einige 100

Stück Dosenöffner mit und bekam

dafür von den Bauern am

Bodensee Eier, Mehl und Butter.

Wenn meine Mutter mit diesen

Schätzen zurückkam – ob dies

am Tag oder in der Nacht war –

gab es bei uns zuerst ein wundervolles

Mittagessen wie

„Mehl-Pannekuche und Grumbeersupp“

(Mehlpfannkuchen

und Kartoffelsuppe).

So wurde diese für mich zuerst

bittere „Dosenöffner-Tragödie“

später zu einer freudigen „Pfannkuchen-Komödie“.

Den Bauern vom Bodensee, die

uns als wir in Not waren für unsere

Dosenöffner Eier, Mehl und

Butter gaben, ein tiefempfundenes

„Chapeau“.


12 Herbstwind

„Kleine und große Missgeschicke“

Zweifel sind erlaubt

Von Werner Ladwig

Es begann im Sommer 1997, wir

machten Urlaub in Bad Dürk -

heim, als meine Frau ein Haus

in Lug entdeckte: Hanglage,

rechts, links und hinter dem

Haus Pfälzer Wald, keine Nachbarn,

nach Süden ausgerichtet,

besser geht es nicht! Ich kann

ungestört Klavierspielen, ohne

anderen auf die Nerven zu

gehen. Da fackelt man nicht lange

und greift als Norddeutscher

zu!

Heute, es sind fünf Jahre ins

Land gegangen, habe ich den

Prospekt des Bundesministeriums

für Familie, Senioren, Frauen

und Jugend vor mir liegen

„Länger zu Hause leben“. Mein

Gott, was haben wir da alles

falsch gemacht: Das Haus ist

nicht – für den Fall aller Fälle –

rollstuhlgerecht, es hat drei

Wohnebenen und einen Garten,

der überwiegend aus Hang

besteht: Meine Frau hat sich bei

Gartenarbeiten den Fuß gebrochen,

ich habe mir beim Schleppen

von Dachziegeln einen Leistenbruch

zugezogen.

Zum Ausgleich dazu bin ich

erfolgreicher in der Begleitung

einer jungen „Freundin“, die ich

mit Erfolg bei ihrer Lehrerausbildung

begleite. Es geht hier

um die Kraft des Geistes, die ich

noch in schöner Regelmäßigkeit

einbringen kann.

Schließlich beruht jede neue

Erfahrung und Erkenntnis darauf,

dass wir selbst erst mal

zuhören können, mag Manches

für unsere Ohren zunächst

ungewohnt und oft scheinbar

abwegig klingen. Wir müssen

nicht immer sofort mit unserem

„enormen Wissen und unseren

Erfahrungswerten“ die jungen

Menschen „volldröhnen“...' Ach,

jetzt kommt die alte Platte wieder:

'Wir haben damals...'

Natürlich hatten wir einen Kaiser,

aber der hat 1918 abgedankt.

Und natürlich haben wir einen

eigenen Standpunkt, den will

ich auch gern vertreten. Nur

habe ich verdammt noch mal die

Pflicht, die jungen Menschen

mit ihren Sorgen, Nöten und

Ansichten anzuhören.

Erst dann kann eine ernsthafte

Auseinandersetzung stattfinden

und dann sind Fuß- und Leistenbruch

schnell vergessen,

wenn wir halbwegs sinnvoll

weiterleben wollen. Fehler

machen wir Alten immer noch

genug. Sie etwa nicht? Wir dürfen

nicht verzweifeln, aber

Zweifel dürfen wir uns erlauben.

Wenn die Dominosteine fallen oder der Schmetterlingseffekt

Von Hans Jürgen Kaiser

Kleine Ursachen können große

Auswirkungen haben. Wissenschaftler

und Denker haben sich

über eventuelle Gesetzmäßigkeiten

verstärkt in den letzten

Jahrzehnten Gedanken gemacht.

Unter dem Begriff Chaos-

Theorie gibt es dazu bereits viele

Veröffentlichungen. Beispielhaft

wäre der Schmetterlingseffekt

(butterfly effect, der besagt),

dass bestimmtes Tun und sei es

noch so gering, gigantische Ausmaße

annehmen kann. Als Bildnis

gilt der Flügelschlag des

Schmetterlings, der auf der

anderen Seiter der Erde einen

Sturm verursacht. Diese übertrieben

wirkende Darstellung

soll die Unvorhersehbarkeit von

Vorgängen innerhalb von Systemen

anschaulich machen.

Der Chaos-Begriff geht u.a. auf

Henri Poincaré und Edward N.

Lorenz zurück. Danach tritt chaotisches

Verhalten auf, „wenn in

dynamischen Systemen dramatische

Veränderungen eintreten,

die nicht vorhersehbar waren

und höchstwahrscheinlich

durch kleinere Abweichungen

am Anfang der Handlungs- und

Ereigniskette

wurden“.

hervorgerufen

Nach dieser Theorie ist eine Vorhersage

gewisser Ereignisse

nicht möglich, da die anfänglichen

Bedingungen, die die Entwicklung

hervorrufen, exakt

benannt werden müssten um

ihnen entgegenzuwirken. An

der Definition erkennt man

schon die Problematik. Um diesen

wissenschaftlichen Denkansatz

ist es in letzter Zeit etwas

still geworden und firmiert für

Interessierte jetzt eher unter

dem Stichwort: nicht-lineare

Dynamik.


„Kleine und große Missgeschicke“

Herbstwind

13

Die Chaos-Theorie versucht die

Unvorhersehbarkeit mancher

Vorgänge innerhalb eines Systems

zu veranschaulichen und

zu erklären. Schauen wir nur auf

Erklärungsversuche zu selbst

jüngsten historischen Entwicklungen.

Beispielsweise ökonomische

Einbrüche, soziale Verwerfungen,

oder klimatische

Veränderungen entstehen in der

Rückschau langfristig, an deren

Beginn eine Kette von Ereignissen

und Handlungen steht, die

Einfluss auf den weiteren Verlauf

nahmen.

Ein einziges Ereignis zu Beginn

der Handlungskette, als solches

nicht erkannt, berührt eine empfindliche

Stelle des Systems und

lässt die Dominosteine fallen,

einen nach dem anderen. So entstehen

im gesellschaftlichen Bereich

Revolutionen. Und wenn

historisch etwas schiefgeht die

Frage: Wie konnte das passieren

oder wer ist es gewesen?

Mein Fazit: Jeder hat es in der

Hand, umfallen oder nicht. Denken

wir mal darüber nach.

Die Geburtstagspanne

Von Ehrentraud Netolitzky

Der 75. Geburtstag eines Familienmitgliedes

sollte in den nächsten

Wochen gefeiert werden.

Wie es so üblich ist, wurden eine

Menge Gestaltungsmöglichkeiten

in Erwägung gezogen. Letztendlich

waren wir beschlussfähig

und entschieden uns zur

Feier im häuslichen Bereich. Da

ja Gäste erwartet wurden, musste

auch eine entsprechende

Menüfolge erarbeitet werden.

Nach einigem hin und her war

das Menü geplant und wir entschieden

uns für einen uns

bekannten und schon des Öfteren

beanspruchten Partyservice.

Die Bestellung gaben wir bei

einem Familienmitglied des Betriebes

zur Weiterleitung in Auftrag.

Da der Termin auf einen Sonntag

fiel, nahm die ganze Familie

am Gottesdienst teil. Nach dessen

Beendigung fanden sie die

Familie und die ersten Gratu -

lanten zum Sektempfang zu

Hause ein. Während dessen fuh-

ren zwei Leute aus der Familie

zum Partyservice, um das

Essen abzuholen. Die Abholung

des Essens wurde bei uns

immer so gehandhabt und ist

auch stets ohne Probleme verlaufen.

Nur leider nicht an diesem

Sonntag.

Als wir eigentlich schon fast die

Ankunft des Essens erwarteten,

kam nur der Anruf – es gibt kein

Essen – es liege kein Auftrag

vor.

Bei uns zuhause herrschte das

blanke Entsetzen.

So viele Kritiken, Ratschläge,

Meinungen und vor allem die

ersten Hungermeldungen

innerhalb von Minuten waren

schon enorm.

Wie sich herausstellte, hat der

Beauftragte vergessen, die

Bestellung weiterzuleiten. Der

Betreiber machte spontan den

Vorschlag, uns Geschnetzeltes

mit Knödeln zu richten, was am

schnellsten ginge.

Dankbar für seinen Rettungsplan

nahmen wir den Vorschlag

an, auch wenn wir uns alle auf

ein gutes Festmenü gefreut hatten.

Zum Glück befand sich in

dieser Zeit genug Salat im Garten,

der dann auch von ein paar

hilfreichen Frauen zubereitet

wurde.

Mit ca. anderthalb Stunden Verspätung

konnten wir dann

essen, vor allem mit wortreichen

Beilagen. Bis zum Kaffeetrinken

am Nachmittag hatten sich die

Gemüter mehr oder weniger

wieder beruhigt.

Es war ein sehr turbulenter Geburtstag,

der auch heute noch

bei allerlei Gelegenheiten zum

Gespräch kommt. Allerdings

müssen wir im Nachhinein

immer feststellen, dass das

scheinbar so große Missgeschick

gar nicht so groß war.

Schließlich bekamen ja alle

etwas zu essen und vor allem

reichlich Gesprächsstoff, der jegliche

Langeweile ausschloss.

Das Fazit jedoch, heute wird

jeder Auftrag nachgeprüft.


14 Herbstwind

Seniorenbeirat

Seniorenbeiräte, ein Gewinn für die Kommune und ihre Bürger

Von Heide Brödel

Ihre Ausführungen zum Thema:

„Seniorenbeiräte und ihre Aufgaben

in einer Gesellschaft des

längeren Lebens“ wusste die

Gerontologin Prof. Ursula Lehr

bei einer Arbeitstagung in Vallendar

im Februar 2013 so fundiert

und anschaulich vorzutragen,

dass ihre zahlreiche Zuhörerschaft

diesen anhaltend mit

höchster Aufmerksamkeit folgte.

Die ehemalige Bundesministerin

ist heute Vorsitzende der Bagso

(Bundesarbeitsgemeinschaft der

Senioren-Organisationen). Eingeladen

zu der Veranstaltung hatte

die Landesseniorenvertretung

interessierte Senioren/Seniorinnen

und Seniorenbeiräte sowie

Mitarbeiter ihrer Kommunal–

Verwaltungen.

Letztere waren allerdings, wie

sich bei der späteren Gesprächsrunde

herausstellte, nur aus wenigen

Ämtern vertreten. Auffallend

von dort, wo bereits Seniorenbeiräte

aktiv sind. Mit denen

sie gemeinsam ein gutes, seniorengerechtes

Umfeld in ihrer

Kommune entwickelt haben. Was

dort die Lebensqualität im Allgemeinen

verbessert habe und zum

andern erlaube, im Alter und bei

Behinderung dort so lange wie

möglich selbstständig leben zu

können. Denn viele dieser Angebote

nehmen auch junge Menschen

und junge Familien dankbar

an.

„Alle wollen alt werden, aber keiner

will alt sein“, ist heute geflügeltes

Wort. In einer Zeit des

demografischen Wandels mit

einer Gesellschaft des langen

Lebens ist es wichtiger denn je,

wie wir alt werden. „Nicht dem

Leben Jahre geben, sondern den

Jahren Leben geben“, mahnt

Lehr seit langem. Und deshalb

beim Älterwerden so lange wie

möglich sowohl körperlich wie

auch geistig aktiv zu bleiben.

Auf der Grundlage von umfangreichem

Zahlenmaterial aus verschiedenen

Quellen zeigte sie

deutlich die Zusammenhänge

und tiefgreifenden Folgen unserer

veränderten Gesellschaft auf.

Ganz ohne Zeigefinger, aber

durchaus nachdrücklich ruft

Lehr Senioren zu Aktivem Altern

auf, damit diese Herausforderungen

gemeistert werden können.

Aktives Altern heiße, die gewonnenen

Jahre zu erfüllten Jahren

zu machen, betonte Lehr.

Verantwortung zu übernehmen.

Eigenverantwortung, für sich

selbst etwas zu tun. Körperliche,

geistige und soziale Aktivität

und gesunde Ernährung seien

wesentliche Voraussetzungen für

ein gesundes und kompetentes

Älterwerden.

Aktives Altern heiße Mitverantwortung

übernehmen. Für andere

und für die Gesellschaft durch

bürgerschaftliches Engagement.

Ende der 50er Jahre habe die

Seniorenarbeit in Deutschland

mit der Frage begonnen: „Was

kann die Gesellschaft für die

Senioren tun?“ Die Senioren heute

seien gesünder und kompetenter.

Sie wollen und können mitgestalten

und mitwirken – wenn

man sie nur lasse, unterstrich

Lehr. Heute müssen wir fragen:

„Was können die Senioren für

die Gesellschaft tun?“ Möglichkeiten

gäbe es viele. Eine ganze

Reihe bewährter Projekte stellte

die Referentin vor.

„Hier sind die Seniorenbeiräte

gefragt“, rief sie zur Mitarbeit

auf.

Seniorenbeiräte sind Bindeglieder

zwischen Politik und Gesellschaft

und Sprachrohr von etwa

einem Drittel unserer Bevölkerung.

Seniorenbeiräte bieten älteren

Menschen die Möglichkeit politischer

Teilhabe. Sie bieten Kommunen

die Chance, die Potentiale

älterer Menschen zu erkennen

und zu nutzen.

Seniorenbeiräte sind bzw. sollten

unabhängige Mitgestalter kommunalpolitischer

Prozesse sein.

Seniorenbeiräte wirken im vorparlamentarischen

Raum nicht

nur für die Belange der Senioren,

sondern für die aller Generationen.

Seniorenbeiräte sind ein Gewinn

für die Kommunen und ihre Bürger.


Gesundheit

Herbstwind

15

Urlaubszeit ist Reisezeit –Ein Blick ins Impfbuch lohnt sich

Foto:Sanofi Pasteur MSD

Frühjahr, Sonne, Urlaubszeit –die

Vorbereitungen für den ersehnten

Urlaub sind in vollem Gange.

Schnell werden Bikini und Sonnenmilch

gekauft, Lieblingskleider

gebügelt, Koffer gepackt und

die Reiseapotheke mit Präparaten

gegen Durchfall, Übelkeit

und Kopfschmerzen aufgefüllt.

Aber wie sieht es mit dem Impfstatus

aus? Je nach Reiseziel und

Reisevorhaben werden zusätzliche

Impfungen zum Beispiel

gegen Hepatitis A und B, Typhus,

Gelbfieber oder Cholera benötigt.

Doch wie sieht es mit dem Impfschutz

gegen die ‚üblichen Verdächtigen’

aus? Ein Blick ins

Impfbuch lohnt sich, denn bei

Vielen ist der Impfschutz gegen

Polio (Kinderlähmung), Tetanus

(Wundstarrkrampf) und Co.

nicht ausreichend und es besteht

Gefahr für Ansteckung und

Erkrankung nicht nur in exotischen

Reiseländern.

Gesund im und nach dem Urlaub

Wer Kinderlähmung für ausgerottet

hält, der irrt: Zwar hat die

World-Health-Organisation

(WHO) aufgrund der Erfolge

durch die Impfung Europa 2002

für poliofrei erklärt. Dennoch gibt

es nach wie vor Länder, in denen

Polio weiterhin verbreitet ist

(Endemiegebiete), wie zum Beispiel

Pakistan, Nigeria und

Afghanistan. Vor diesem Hintergrund

kommt es immer wieder

zur Einschleppung von Polioviren

in auch schon als poliofrei

erklärten Ländern. 2010 kam es

im zur WHO-Region Europa

gehörenden, bis dahin poliofreien

Tadschikistan durch eingeschleppte

Viren aus Indien zu

einer Polioepidemie. Da Menschen

weltweit Grenzen passieren

– ob auf Reisen oder als Einund

Auswanderer – könnte die

Erkrankung sich auch wieder in

Europa verbreiten. Um dies zu

verhindern, sind hohe Impfraten

in der Bevölkerung wichtig. In

Deutschland haben viele Erwachsene

keinen ausreichenden

Impfschutz gegen Polio. Es

macht also Sinn, mit oder ohne

Reise, den Polio-Impfschutz

überprüfen zu lassen. Nur so

können Polio-Erkrankungen und

Ausbrüche dauerhaft verhindert

werden.

Kleine Schramme mit verheerender

Wirkung

Vor der Urlaubsreise sollte auch

geprüft werden, ob der Impfschutz

gegen Tetanus noch ausreichend

ist. Denn schon kleine

Bagatellverletzungen können

dazu führen, dass die Tetanus-

Erreger in den Körper gelangen.

Dort bilden sie einen gefährlichen

Giftstoff, der bei nicht geimpften

Betroffenen schwere,

sehr schmerzhafte und lebensbedrohliche

Muskelkrämpfe auslösen

kann. Zwar ist im akuten

Verletzungsfall eine sofortige

Impfung möglich, aber gerade

auf Reisen scheuen viele den

Weg zum Arzt.

Der Experten-Rat: Welche Impfungen

sollten im Erwachsenenalter

regelmäßig aufgefrischt

werden?

Dr. med. Alexander Lorscheidt:

Die Impfungen gegen Tetanus

und Diphtherie sollten alle zehn

Jahre aufgefrischt werden. Die

Ständige Impfkommission (STI-

KO) am Robert Koch-Institut

empfiehlt, bei der nächsten fälligen

Auffrischimpfung gegen

Tetanus und Diphtherie auch

einmalig gegen Keuchhusten zu

impfen und den Impfschutz gegen

Polio prüfen zu lassen. Eine

Polio-Impfung sollte erfolgen,

wenn der Impfschutz nicht vollständig

ist oder vor Reisen in

Gebiete mit Infektionsgefahr,

wenn die letzte Impfung länger

als zehn Jahre zurückliegt. Die

Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie,

Keuchhusten und Polio

können mit einem Kombinationsimpfstoff

mit nur einer

Spritze verabreicht werden.

Was tun, wenn der Impfpass

verloren und der Impfschutz

unbekannt ist?

Dr. med. Alexander Lorscheidt:

Ihr Hausarzt kann Ihnen einen

neuen Impfausweis ausstellen

und anhand der Patientenakte

erfolgte Impfungen nachvollziehen

und eintragen. Liegen diese

Informationen nur teilweise oder

nicht vor, können nicht dokumentierte

und fehlende Impfungen

nachgeholt oder ergänzt

werden.

Foto:Sanofi Pasteur MSD


Sparkassen-Finanzgruppe

Aktiv sein ist keine Frage des Alters,

sondern Ihres persönlichen Lebensgefühls.

Senioren von heute sind aktiver als je zuvor. Sie nutzen mehr denn je ihren individuellen Spielraum und gestalten ihr Leben so abwechslungsreich

und unterhaltsam, wie es ihnen in den Sinn kommt. Sie engagieren sich für die verschiedensten gesellschaftlichen Themen, sind

aufgeschlossen für Kultur und Kunst, aber auch offen für neue finanzielle Wege. Unsere maßgeschneiderten Angebote lassen sich auch Ihren

Ansprüchen optimal anpassen. Sprechen wir einfach mal darüber. www.spk-swp.de. Wenn’s um Geld geht – Sparkasse.

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