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Dokumentation Theatertreffen 2013 - Berliner Festspiele

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Dokumentation 2013


Theater

treffen

Fünfzig

Inhaltsverzeichnis

Theatertreffen 2013

Vorwort Yvonne Büdenhölzer

Zahlen und Fakten

Pressestimmen allgemein

Pressestimmen zu den 10 Inszenierungen

Stückemarkt 2013

Vorwort Christina Zintl

Programm Jubiläum

Pressestimmen

Entdeckungen und Erfolge

Internationales Forum 2013

Theater als Gegenöffentlichkeit von Uwe Gössel

„Öffentlichkeiten inszenieren“ von Esther Slevogt

Stipendiaten

TT-Blog 2013

Screenshot TT13-Blog

Pressezitate

Zeichnungen

2


Theater

treffen

Fünfzig

Die ersten 50 Jahre: Das Theatertreffen 2013

Jubiläen, starke Schauspielerinnen, Live-Music on stage,

Raumerfindungen, Blackfacing…

Das Theatertreffen 2013 stand im Zeichen der Jubiläen:

50 Jahre Theatertreffen,

50 Jahre Haus der Berliner Festspiele,

35 Jahre Stückemarkt,

5 Jahre Theatertreffen-Blog.

Ein Reigen an Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Gesprächen im

Jubiläumsjahrgang reflektierte die für die deutschsprachige The aterlandschaft

prägende Vergangenheit des Festivals und die vielfäl tigen

Erwartungen und Wünsche für seine zukünftige Entwicklung.

Im Zentrum des Theatertreffens 2013 stand die Schauspielkunst –

besonders die der Schauspielerinnen. Constanze Becker, Wiebke Puls,

Sandra Hüller (Gewinnerin 3sat-Preis), Julia Häusermann (Gewinne rin

Alfred-Kerr-Darstellerpreis), Sylvana Krappatsch, Julia Wieniger, Lina

Beckmann, Lena Schwarz und Yvon Jansen zeigten die Vielfalt der

schauspielerischen Spielweisen, schufen nachdrückliche Charakter bilder.

Formal außergewöhnlich war in diesem Jahrgang auch der häufige Ein -

satz von Live-Musik auf der Bühne. Sascha Ring schrieb mit seiner Band

Apparat einen Soundtrack für „Krieg und Frieden“, den er live spielte,

Ingo Günther performte mit seinem Marimbaphon und diri gierte den

elfköpfigen Murmler-Chor, der Schweizer Jazz Pianist Jean-Paul Brodbeck

wurde zum wichtigen Mitspieler in „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“,

indem er Brechts Klassiker mit jazzigen Rhythmen wie einen restaurierten

Stummfilm begleitete. Und in Karin Henkels „Ratten“ wurden die Schauspieler

selbst zu Musikern mit Klavier, Gitarre und Trompete. Kein Wunder,

dass zum Jubiläumsfest ein veritables Orchester (Theatre Composers

Orchestra) eigens zum Anlass formiert aus Theatermusikern, aufmarschierte.

Großformatige Raumerfindungen von Bühnenbildnern wie Olaf Altmann,

Herbert Fritsch, Alex Eales, Thilo Reuther, Tilo Baumgärtel, Annette Kurz,

Eva-Maria Bauer und Jens Kilian lenkten außerdem maßgeblich die

Wahrnehmung der Inszenierungen: Das Theatertreffen 2013 war in außergewöhnlich

starker Weise auch ein Fest der Bühnenbildner.

Zwei Inszenierungen sorgten für Zündstoff und regten Debatten an, die

in Diskussionsveranstaltungen und Publikumsgesprächen leidenschaftlich

geführt wurden. Anlässlich der Einladung von Jérôme Bels „Disabled

Theater“ debattierten bei einem Symposium im Haus der Berliner Festspiele

Künstler und Wissenschaftler die Frage „Behinderte auf der Bühne

– Künstler oder Exponate?“. Die Inszenierung „Die heilige Johanna der

Schlachthöfe“ in der Regie von Sebastian Baumgarten vom Schauspielhaus

Zürich bot erneut Anlass, über die Frage des Blackfacing zu diskutieren

– was denn auch bei einer Veranstaltung Anfang Juni im Haus der

Berliner Festspiele fortgesetzt wurde.

Mein großer Dank gilt der Kulturstiftung des Bundes, die die Förderung des

Theatertreffens bis 2017 zugesichert hat und ebenso allen Partnern und

Förderern, die uns immer wieder vertrauensvoll begleiten!

Schon jetzt blicken wir mit der reisenden und zum Teil neu zusammengesetzten

Jury auf das 51. Theatertreffen vom 2. bis 18. Mai 2014.

Bis zum nächsten Mai!

Yvonne Büdenhölzer

Leiterin des Theatertreffens

3


Theater

treffen

Fünfzig

Theatertreffen 2013: Zahlen und Fakten

Auswahl und Jurytätigkeit

7 Theaterkritikerinnen und -kritiker

in der Theatertreffen-Jury

69 von der Jury bereiste Städte:

Aalen, Altdorf, Augsburg, Baden-Baden,

Basel, Berlin, Bern, Biel, Bielefeld,

Bochum, Bonn, Braunschweig, Bremen,

Bremerhaven, Chemnitz, Chur, Cottbus, Dortmund,

Dresden, Düsseldorf,

Duisburg, Erlangen, Essen, Esslingen,

Frankfurt am Main, Freiburg, Göttingen,

Graz, Halle, Hamburg, Hannover,

Heidelberg, Ingolstadt, Karlsruhe, Kassel,

Kiel, Köln, Krefeld / Mönchengladbach,

Landshut, Leipzig, Linz, Lübeck, Luzern, Mainz,

Mannheim, Moers, Mülheim,

München, Neuss, Nürnberg, Oberammergau,

Oberhausen, Osnabrück, Potsdam,

Recklinghausen, Salzburg, Schwerin,

St. Gallen, Stuttgart, Tübingen, Ulm,

Weimar, Wien, Wiesbaden, Winterthur,

Würzburg, Wunsiedel, Wuppertal, Zürich

423 Inszenierungen von der Jury angeschaut

(Deutschland, Österreich und Schweiz)

29 Inszenierungen vorgeschlagen und

diskutiert, davon 10 ausgewählt

Theatertreffen 2013

18 Tage Festival

38 Vorstellungen:

Gastspiele, Stückemarkt-Lesungen,

Autorengespräche, Hörtheater

8 Spielorte

(inklusive Sonycenter, Ufer Studios und Pan Am Lounge)

18.661 verkaufte Tickets

98 Prozent Auslastung

Ca. 5000 Festival-Besucher bei eintrittsfreien Veranstaltungen

14 Gastspiele (10 TT-Inszenierungen und

4 Stückemarkt Gastspiele / Preisträgerstücke)

27 Wortveranstaltungen: Diskussionen, Publikumsgespräche,

Open Campus, Künstlergespräche, Symposium,

Buchpräsentation, Impulsvortrag (bei freiem Eintritt)

10 Publikumsgespräche, 5 Stückemarkt-Autorengespräche,

4 Open Campus, 2 Künstlergespräche, 1 Diskussion,

1 Jury-Schlussdiskussion,

1 Stückemarkt-Publikumsgespräch im Maxim Gorki Theater,

1 Symposium, 1 Buchpräsentation, 1 Impulsvortrag

3 Preisverleihungen (bei freiem Eintritt)

Theaterpreis Berlin, Alfred-Kerr-Darsteller-Preis, 3sat-Preis

4 Nachtmusik-Veranstaltungen

1 Konzert, 3 Partys

4

2 Public Viewings im Sony Center am Potsdamer Platz


Theater

treffen

Fünfzig

Theatertreffen 2013: Zahlen und Fakten

3 Aufzeichnungen von TT Inszenierungen

durch 3sat/zdf.kultur

4 der 10 ausgewählten Inszenierungen mit

englischer Übertitelung,

1 der ausgewählten Inszenierungen mit englischer Übersetzung,

1 der ausgewählten Inszenierungen language no problem

454 Künstler und Techniker der Gastspiel-Ensembles

56 geladene internationale Gäste aus 38 Ländern:

Argentinien, Belarus, Belgien, Bolivien, Bosnien-Herzegowina,

Brasilien, Chile, China, Griechenland, Indien, Indonesien,

Island, Israel, Irak, Japan, Kamerun, Kanada, Kolumbien,

Kroatien, Litauen, Mexico, Niederlande, Neuseeland,

Österreich, Paraguay, Rumänien, Russland, Schweiz,

Süd-Korea, Taiwan, Trinidad & Tobago, Tschechien,

Tunesien, Ukraine, Ungarn, USA, Venezuela, Vietnam

(32 auf Einladung des Auswärtigen Amts)

76 Veranstaltungen

13 Kulturpolitiker im Forum Kulturpolitik

102 akkreditierte nationale Journalisten

40 akkreditierte internationale Journalisten aus 24 Ländern

1293 Minuten 14 Sekunden Radioberichterstattung

2 Stunden 48 Minuten 42 Sekunden Fernsehberichterstattung

764 Berichte in nationalen Medien (Print- und Onlinemedien)

und 88 internationale Berichte

Akademie 2013:

Internationales Forum, Open Campus,

Theatertreffen-Blog

34 Stipendiaten aus 18 verschiedenen Ländern

beim Internationalen Forum:

Argentinien, Ukraine, Kamerun, Schweiz, Deutschland, USA, Tunesien,

Niederlande, Neuseeland, Israel, Indien, Österreich, Japan, Kroatien,

China, Russland, Belgien, Tschechische Republik

4 Open Campus-Tage

32.500 Besucher beim TT-Blog im Mai 2013

240.000 Seitenaufrufe beim TT-Blog im Mai 2013

1300 Einzelbesucher (durchschnittlich) pro Tag

auf dem Theatertreffen-Blog

50 Jahre Theatertreffen Jubiläum

10 Veranstaltungen zu 50 Jahre Theatertreffen

14 Stunden Fest mit 1000 Besuchern

5 Fahrten durch 50 Jahre Berliner Theatergeschichte

1 Buch mit 5 Dekadentexten,

5 Bildstrecken von Bühnenbildnern,

126 Zwischenrufen,

26 Solitärtexten und 50 Jahre Chronik

2 Jubiläumsdiskussionen

5

1 Filmpräsentation 50 Jahre Theatertreffen


Theater

treffen

Fünfzig

Theatertreffen 2013: Zahlen und Fakten

Stückemarkt 2013

35 Autorinnen und Autoren aus 35 Jahren Stückemarkt

wurden erstmals gemeinsam präsentiert

Aus 8 europäischen Ländern kamen die Autorinnen

und Autoren: Deutschland, Italien, Österreich, Polen,

Rumänien, Schweiz, Spanien und Weißrussland

30 Werkaufträge wurden anlässlich des Jubiläums

an die Autorinnen und Autoren vergeben

In 24 Szenischen Lesungen und 8 Hörspielen

(2 Texte doppelt: in Szenischen Lesungen und Hörspielen)

wurden die Werkaufträge präsentiert

5 Installationen zu verstorbenen Autoren wurden gezeigt

1 Hörtheater mit 3 Hörspielen wurde präsentiert

35 Schauspielerinnen und Schauspieler stellten im

Rahmen der Szenischen Lesungen die neuen Texte vor

Über 120 Künstlerinnen und Künstler waren an

dem gesamten Projekt in der Pan Am Lounge beteiligt:

von den Autoren über Regisseure, Schauspieler,

Dramaturgen, Bühnen- und Kostümbildner,

Videokünstler, Puppenspieler, Theatermusiker und

Maskenbildner

Knapp 1000 Zuschauer haben die Veranstaltungen

in der Pan Am Lounge besucht

6 Podiumsgespräche mit insgesamt 24 Autorinnen

und Autoren wurden geführt

36 Stunden wurde die Pan Am Lounge insgesamt

an 3 Tagen vom Stückemarkt bespielt

4 Gastspiele von Preisträgerstücken der letzten Jahre

wurden im Maxim Gorki Theater programmiert

6


Theater

treffen

Fünfzig

Über das Theatertreffen sagte die großartige Schauspielerin

Bibiana Beglau dieser Tage: „Theater haben wir doch schon immer

gemacht: im Haushalt mit Bratpfannenwerfen und Tellerknallen –

ohne Geld oder auf der Bühne gegen Geld, dann sind auch die

Bierkrüge aus Zuckerglas, und der Mond ist aus Papier. Im besten

Fall bleibt, wenn wir das Theater verlassen, ein starkes Gefühl,

eine warme oder kalte Hand, welche uns in die Wirbelsäule gefasst

hat und zudrückt. Theater als Abgleich zweier Welten in ewiger

Wiederholung – als müssten wir die gleichen Geschichten immer

wieder erzählen, weil nichts passiert im Leben oder zu viel passiert

zwischen dem Moment von Bewusstwerden und Demenz.“

Wunderbar gesagt. Der Atem dieser Sätze reicht bis zum 51.

Hans-Dieter Schütt, Neues Deutschland, 21. Mai 2013

Theatertreffen 2013 – Pressestimmen

Zum 50. Mal findet das Theatertreffen in Berlin statt.

Die Bestenschau des Betriebs war immer auch ein Spiegel sozialer

Veränderungen. Solche Szenen gibt es nur im Berliner Mai: Frisch

frisierte Menschen stehen vor Theaterhäusern und halten Pappschilder

mit der Aufschrift „Suche Karte“. Die Fotografen drücken ab,

das Motiv verkauft sich gut. Zu wenig Plätze für ein Schauspiel,

das gibt es nur noch beim Theatertreffen

Tobi Müller, NZZ am Sonntag, 29. April 2013

Es ist wieder Theatertreffen, das fünfzigste.

Seit einem halben Jahrhundert gibt es dieses herrlich verstiegene

Hyper-Festival rund um die angeblich zehn bemerkenswertesten

Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Schön.

Dirk Pilz, Frankfurter Rundschau, 4. Mai 2013

Es ist weltweit einzigartig: Das Berliner Theatertreffen besteht seit

50 Jahren. Viele Schlachten wurden dabei geschlagen, wie der Blick

zurück zeigt. […] ohne diese jährliche Leistungsschau der darstellenden

Künste in Berlin – die genau das nicht sein will, was zu ihren produktiven

Widersprüchen gehört – wäre die Nachkriegsgeschichte des deutschsprachigen

Theaters anders verlaufen: So viele Schlachten geschlagen

um Schönheit, Schrecken, Provokation und Ödnis auf Brettern,

die in Berlin einmal im Jahr noch immer die Welt bedeuten.

Bettina Schulte, badische nachrichten, 10. Mai 2013

7

Der Katalog, ein Fest am letzten Wochenende, ein Film

auf 3sat („50 Jahre Theatertreffen. Wir fahren nach Berlin“),

der kommenden Samstag ausgestrahlt wird, und eine Bustour:

Das sind Elemente, der Geschichte des Festivals in seinem

50. Jahr beizukommen. Interessant wird das immer dann,

wenn der Rückblick wie ein Vorgriff scheint. Und sich plötzlich

erleben lässt, wie Aufbruch und Neuorientierung sich in den

sechziger Jahren anfühlten.

Katrin Bettina Müller, taz, 15. Mai 2013


Theater

treffen

Fünfzig

Theatertreffen 2013 – Pressestimmen

Theaterpreis Berlin an Jürgen Holtz

Selten geschah es, dass die Feier eines Preisgekrönten so schwer war

vom Klagen und Fragen. Dennoch kam Freude auf: Als Corinna Harfouch

Holtz’ Lieblingsmärchen von des Kaisers neuen Kleidern vorlas und

Klaus Maria Brandauer eine trotzig zärtliche Liebeserklärung stammelte.

Und Hermann Beil mit Goethe gratulierte, der den rechten Spieler einen

„fantastischen Riesengott“ nannte. So sei Holtz, ob Hamlet, Motzki

oder Firs im „Kirschgarten“. Ein seliger Moment der Schönheit

schließlich Angela Winklers Lied „Im wunderschönen Monat Mai...“ –

Und auf die kecke Frage, wenn Holtz (81) noch eine freie Gruppe

gründete, wie er sie nennen würde, da rief er prompt „Holtztransport“.

Ach, zu schön, um wahr zu werden.

Reinhard Wengierek, Berliner Morgenpost, 6. Mai 2013

Alfred-Kerr-Darstellerpreis an Julia Häusermann

8

Seinen schönsten Moment verdankt das diesjährige Theatertreffen

zwei Schauspielkünstlern, die sich am letzten Tag des Festivals auf

offener Bühne ineinander verliebten. Der eine war Thomas Thieme.

[…] Thieme entdeckte „eine faszinierende junge Künstlerin“ in einer

Aufführung, bei der er, wie er in seiner Laudatio sagte, seine „Kriterien

den Bach runtergingen“. Und dann schwärmte er von der einundzwanzigjährigen

Julia Häusermann, die in Jérôme Bels Inszenierung

„Disabled Theater“ einen Auftritt hinlegt, der es in sich hat. […] Seine

Laudatio ist eine Liebeserklärung und vielleicht nicht nur eine Liebeserklärung

an eine außergewöhnliche Schauspielerin, sondern auch eine

an das Theater, in dem ab und zu die Möglichkeiten des Menschen,

seine Zerbrechlichkeit und die Fähigkeit zur kitschfreien Empathie

etwas deutlicher zu erkennen sind als an anderen Orten. […]

Spätestens mit dieser Preisverleihung fand die wichtigste Diskussion

des Theatertreffens eine so schöne wie überzeugende Antwort.

Peter Laudenbach, Süddeutsche Zeitung, 23. Mai 2013


Theater

treffen

Fünfzig

Theatertreffen 2013 – Pressestimmen

3sat-Preis an Sandra Hüller

Sie war das Gesicht des diesjährigen Theatertreffens.

Obwohl von ihr erst einmal nichts zu sehen war.

Versteckt in einer riesigen Boutiquentüte kroch Sandra Hüller

auf allen Vieren über die eisbedeckte Bühne, um sich dann

jammernd und ächzend zu befreien und darauf – nichts als

fleischfarbene Unterwäsche am Leib – auf phänomenale Weise

und in immer neuen Schleifen und Wiederholungen aus der

leerlaufenden Selbsthass-Textfläche von Elfriede Jelinek

komödiantische Funken zu schlagen. Für diese Rolle wurde

Sandra Hüller am Pfingstmontag mit dem mit 10 000 Euro

dotierten 3sat-Preis ausgezeichnet.

Andreas Schäfer, Der Tagesspiegel, 21. Mai 2013

Theatertreffen 2013 – Abschlusskommentar

Bei diesem Theatertreffen hatten herrliche Frauen das Sagen – die großartige Sandra Hüller,

die sich Jelineks Text lässig und doch perfekt sitzend überstreift wie ein Chanelkostüm oder

Lina Beckmann, die ihre Mutter John aus den Ratten beklemmend realistisch entwarf.

Auch Constanze Becker, die Medea Silbe für Silbe aus dem Text meißelte. Die Damen brillierten –

oft als Teil eines wunderbaren Ensembles.

Ina Beyer, SWR2, Journal am Morgen, 21. Mai 2013

9

Das Schöne am Berliner Theatertreffen ist, dass es jedes Jahr im Mai stattfindet, wenn die

Kastanien vor dem Haus der Berliner Festspiele prachtvoll in Blüte stehen und der dahinter

gelegene Garten dem emsigen Kulturbetrieb zeigt, was ein Naturbetrieb ist. Auch das ist ein

Schauspiel. […] Die Mauer fiel, das Theatertreffen blieb. Und sorgt jedes Jahr im Mai noch

immer für einen Bohei. Es ist das wichtigste Stelldichein der Branche, Familientreffen, Börse

und Leistungsschau in einem, zugleich auch Publikumsfestival und Diskussionsplattform.

Christine Dössel, Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2013


Theater

treffen

Fünfzig

Medea

Schauspiel Frankfurt

Wie diese Medea sich auf einem Podest gegen

die schwarze Wand stemmt, wie sie spricht, als

wären die Worte aus Pfeilen gemacht, wie sie

brüllt und ächzt, als gebäre sie – sofort weiß

man, dass sie das Inbild der Konsequenz ist.

[…] Diese Medea ist bei Constanze Becker die

scharfkantigste, die sich denken lässt.

Und die provokanteste: Sie tut, was sie tut,

im Namen der Freiheit. „Ich muss“ sagt sie.

Sie muss nicht, weil ein Gott oder das Schicksal,

sondern weil ihr freier Entschluss es so will.

Ein großer, verstörender Abend, inszeniert

von Michael Thalheimer.

Dirk Pilz, Berliner Zeitung, 3. Mai 2013

© Birgit Hupfeld

10

Zum Jubiläum ein Auftakt mit Bravour: Das 50. Berliner Theatertreffen

hat am Freitagabend mit einer umjubelten Aufführung des Schauspiels

Frankfurt am Main begonnen. Die Schauspielerin Constanze Becker

begeisterte das Publikum als mörderisch liebende „Medea“. Regisseur

Michael Thalheimer – Spezialist für Klassiker-Verdichtungen – zeigt das

antike Drama von Euripides ganz auf die von Leidenschaft, Hass und

Verzweiflung getriebenen Gefühle der Titelfigur konzentriert.

Elke Vogel, Mitteldeutsche Zeitung, 6. Mai 2013

Die großartige Constanze Becker spielt diese

Medea, und sie tut es mit der ganzen Wucht

einer antikischen Tragödin. Das zieht einem

den Boden unter den Füßen weg, da braucht

es keine Regie-Mätzchen, um zu provozieren.

Die Klassiker sind von sich aus schon

provokant genug.

Und dann plötzlich, wenn Medea und Jason

sich gegenseitig angiften, Vorwürfe machen

und das Verhalten des anderen infrage stellen,

denkt man: Die Dramaturgie eines echten

Beziehungszweikampfes ist ohnehin zeitlos.

Vielleicht mit einem Unterschied: Die alten

Griechen haben sich, zumindest auf dem

Theater, nie selbst belogen. Medea ist auch

deswegen so furchtbar, so ungeheuerlich, weil

ihre eigene Ungeheuerlichkeit ihr völlig klar

vor Augen steht und sie diese auch ausspricht

und nicht bemäntelt. Hier macht sich keiner

etwas vor über seine elementaren Affekte.

Ijoma Mangold, Zeit online, 16. Mai 2013


Theater

treffen

Fünfzig

Murmel Murmel

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Nun könnte man mit Recht argwöhnen,

ein Theaterstück, das penetrant dieselbe

Vokabel wiederholt, sei an Langeweile und

Bedeutungslosigkeit nicht zu überbieten.

Das Gegenteil trifft zu. „Murmel Murmel“

ist kein Geschwafel, sondern die pure

Parodie von Geschwafel. Nirgends hat sich

das Nichtssagende exzessiver zu seinem

Vorteil entwickelt als bei Herbert Fritsch

und seinem Gemischten Murmelchor.

[…] Ein Running Gag, der so exakt getimt

sein muss wie der gesamte Rhythmus

dieses 70-minütigen Überfalls auf alle

Zuschauersinne. Das ist kein Zirkus,

sondern höchst komische Bühnenartistik.

Vollendete Clownerie. Und selbstverständlich

ist das Ensemble gespickt mit

Körper- und Sprechvirtuosen.

Stephan Reuter, Basler Zeitung, 7. Mai 2013

© Thomas Aurin

11

Wir sehen, wenn die einfarbigen Begrenzungsblenden

zu Ingo Günthers Marimbaphon ins Laufen kommen,

sehen die Verwandlung der Leiber in Dinge, die eine

Komposition der Bewegung aufführen. Es führen die

anfangs noch vielen kleinen Geschichten, das Anknurren,

Auffahrende, das gesungene „Murmel Murmel“, das

Gequetsche, das Gekiekste in die pure vollendete Form.

Wir sehen und hören, was Theater ausmacht.

Nikolaus Merck, nachtkritik.de, 6. Mai 2013

Fritschs „Murmel Murmel“-Inszenierung, die völlig zu Recht zum Theatertreffen

eingeladen wurde, ist ein Feuerwerk der Sinnfreiheit. Man sieht elf expressionistisch

geschminkten Schauspielern zu, wie sie über 70 Minuten den staunenswerten Variantenreichtum

der Murmel-Intonation mit Inbrunst zelebrieren. In Chören, Balletten, Catwalks

und Slapsticks. Das Ganze wirkt leicht wahnwitzig. Dahinter aber stecken Präzision und

harte Arbeit. […] Wie die exaltierte Körperkunst der Performer in Fritschs psychedelisch

buntem Bühnenbild aus beweglichen Wänden mit den teils computergenerierten

Soundexperimenten Günthers zusammenwirkt, ist schlicht grandios.

Patrick Wildermann, tip Berlin, 25. April – 8. Mai 2013


Theater

treffen

Fünfzig

Jeder stirbt für sich allein

Thalia Theater Hamburg

Man weiß gar nicht, was das Beste daran ist, die Bühne von

Annette Kurz oder der ergreifende Slapstick der Schauspieler.

Hinten stapeln sich unzählige Haushaltsgeräte zu einem

gespenstischen Haufen und winden sich von dort eine himmelhohe

Wand empor, um sich zu einer Art Stadtplan von Berlin

zu fügen. […]

Viel bemerkenswerter ist sowieso, wie sich vor allem André

Szymanskis Kommissar Escherich und Gabriela Maria Schmeide

in allerlei Rollen, vor allem als speckrollenbebender Kommissar

Zott, eingeprägt haben. Sie können ruhigen Herzens in Gestapo-

Verliesen verschwinden oder sich, wenn der Selbstekel überhandnimmt,

die Kugel geben. Sie würden ja doch bleiben. Sind

längst umgezogen, aus der Abstraktion der leeren Bühne hinein

in die möblierten Zimmer der Erinnerung.

Jan Küveler, Welt am Sonntag, 12. Mai 2013

© Krafft Angerer

12

Bühnenbildnerin Anette Kurz hat für die Fallada-Dramatisierung eine Art

Architekturmodell des Berliner Nordostens (dort spielt der Roman) als

hintere Begrenzung des Raumes gestaltet, eine Assemblage aus Alltagsgegenständen

der 40er Jahre. Aus Handtaschen, Vertiko-Uhren und anderen

Dingen entstehen Plätze, Straße und Häuser. Ein Raum für typenpralles,

viereinhalb Stunden fesselndes, durchaus klassisches Erzähltheater – die

Inszenierung von Luk Perceval war ein Höhepunkt des Festivals.

Stefan Kirschner, Berliner Morgenpost, 11. Mai 2013


Theater

treffen

Fünfzig

Krieg und Frieden

Centraltheater Leipzig /

Ruhrfestspiele recklinghausen

Sebastian Hartmann hat eine Theaterversion von Tolstois

2000-Seiten-Roman „Krieg und Frieden“ aus Leipzig mitgebracht.

Fünf Stunden, vierzehn Schauspieler. Das Gute: Er zeigt, wie man

ein Stück Literatur auf die Bühne bringt, ohne einfältig die

Handlung nachzuleiern […] Stark sind die stillen Szenen, in

denen ganz ernsthaft über Gott, Reue, Verlust und die Fragen

des sinnhaften Lebens gesprochen wird.

Andreas Schäfer, Der Tagesspiegel, 10. Mai 2013

Riesen, so behaupten Märchen, können Wasser aus Steinen pressen.

In etwa so hat Sebastian Hartmann den Tolstoi Wälzer „Krieg und

Frieden“ in seine Pranke genommen, so dass eine Fontäne erfrischenden

Regietheaters sprudelt. Statt einer chronologischen Nacherzählung

bietet er eine albumgleiche Ausfaltung der Roman-Kernthemen,

verdichtet in subtilen und skurrilen kleinen Schauspielerszenen,

voll Kinderherz und Weisheit.

Christian Rakow, Berliner Zeitung, 4. Mai 2013

© R. Arnold, Centraltheater

13

Das 14köpfige Ensemble vom Centraltheater Leipzig meistert

den Parforceritt mit Bravour. Es zaubert tolle Theatermomente aus

der diskursiven wie effekthascherischen Anything Goes!-Show.

Ute Büsing, rbb Inforadio, Frühkritik, 10. Mai 2013


Theater

treffen

Fünfzig

Die StraSSe.

Die Stadt.

Der Überfall.

Münchner Kammerspiele

Seine [Benny Claessens] bloße Anwesenheit

im ersten Teil reicht völlig: Da nämlich sitzt

er nur neben dem freitönerisch dazwischenfunkenden

Musikerquintett in einer Glasvitrine

auf der Bühne und sieht seinen fabelhaften

Schauspielerkollegen beim Spielen zu.

Und was seine sechs Kollegen da auf der mit

Eisgranulat bedeckten Bühne aus Jelineks

spröden Satzkaskaden machen, wie sie sich die

Sätze überstreifen, als wären es mal sanft

leichte Sommerkleider, mal kratzender Winterstoff,

ist so variabel und zerbrechlich, so fies

und bös, so menschlich lebendig, dass das

Zuschauen und Zusehen blanke Freude ist.

Und wer von der milchzarten Schönheit und

bübischen Gewitztheit Sandra Hüllers im

melancholischen Duo mit dem traurigen

Hans Kremer nicht hingerissen ist, dem wird

im Theater nicht zu helfen sein.

Doris Meierhenrich, Berliner Zeitung, 11. Mai 2013

© Julian Röder

14

Wie anders auf der Bühne! Auch hier herrscht die Jelinek-Radikalität, auch hier läuft

es einem oft kalt den Rücken runter, aber gleichzeitig kommt die Wahrheit und die

Schönheit des Textes, von diesem exzellenten Ensemble gespielt, geradezu leichtfüßig

daher. […] selten war Konsumkritik so schwelgerisch, so genussvoll. In diesem paradox

liegt die ganze Lebendigkeit dieser großartigen Inszenierung: „In der Kleidung stecken

leider Menschen, das ist der Nachteil“, heißt es einmal. Aber das ist auch der Vorteil,

denn diese Menschen, die ihr schwaches Fleisch mit Textilien zur Schönheit aufrüsten,

sind von geradezu christlicher Erbarmungswürdigkeit. Der Star des Abends war auch

der Star des ganzen Theatertreffens: Die unvergleichliche Sandra Hüller, die als singende

Einkaufstüte die Jelinek-Bühne betrat, was zwar komisch, aber keineswegs klamaukig

– ein fashion victim von existenzieller Grandeur!

Ijoma Mangold, ZEIT online, 16. Mai 2013


Theater

treffen

Fünfzig

Disabled Theater

Theater Hora, R.B. Jérôme Bel, HAU u.a.

Es gehört zu den Stärken dieses Abends, dass das vielleicht Spannendste

an ihm ist, wie der Blick den wir auf die Bühne werfen, zurückgeschleudert

wird auf die, die da eigentlich Zuschauer sein sollten, uns das Publikum.

[…] So zwingt der Abend den Zuschauer immer wieder aufs Neue, seinen

eigenen Blick zu hinterfragen. Wir selbst sind mindestens so sehr Gegenstand

von „Disabled Theater” wie die elf Schauspieler. Dabei ist der erhobene

Zeigefinger dem Abend ebenso fremd wie jede Form herablassenden

Wohlwollens oder gar die Roman tisierung von Menschen mit Behinderung

als die ver meintlich besseren, weil ursprünglicheren Menschen. Sind sie

nicht und wollen sie nicht sein. Was sie wollen ist, dass wir sie wahrnehmen

und das erstrotzen sie sich, beharrlich und un erbittlich. Wer „Disabled

Theater” erlebt hat, weiß, wie sehr sich das lohnt. Und am Ende haben wir

vielleicht nicht nur ein paar äußerst interessante Menschen kennengelernt,

sondern womöglich auch ein ganz klein wenig mehr von uns selbst.

Sascha Krieger, www.stagescreen.wordpress.com, 13. Mai 2013

„Disabled Theater“ bietet überbordende Spielfreude, radikale Selbstdarstellung

und Momente tiefer Rührung. Keine lineare Handlung, dafür kleine

Erzählungen voller Leid und Tragik, Schönheit und Witz. Es ist ein Plädoyer

für eine Theaterform neben dem traditionellen Repräsentationstheater,

aber nicht gegen es. […] Als Zuschauer braucht man keine Extraschicht

„political correctness“: Um die Truppe des Zürcher Behinderten theaters

Hora bewundern zu können, bedarf es Einzig die Fähigkeit, sich ergreifen

zu lassen. Anfangs scheinen die elf den Blicken hilflos ausgesetzt.

Sie sind jedoch hervorragende Schauspieler, die ihre Lebensgeschichte so

anmutig-launig vorspielen, dass einem der Mund offen stehen bleibt.

Simon Strauss, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12. Mai 2013

© Ursula Kaufmann

15

Die in ihrer absoluten Ernsthaftigkeit und Konzentration beeindruckende

Miranda Hossle sagt es so: „Meistens wünsche ich mir, ich hätte das nicht.

Aber ich kann damit leben.“ Allein diese Selbstverständlichkeit verschiebt

ein paar Denkblockaden und definiert eine Normalität, der die Mehrheitsgesellschaft

und ihr Theater noch etwas hinterherhinken. Mit der Einladung

zum Theatertreffen, dem wichtigsten Theaterfestival des Landes, erreichen

das Theater Hora und alle anderen Ensembles, in denen Menschen mit und

ohne Behinderung miteinander spielen, eine längst überfällige Sichtbarkeit.

Peter Laudenbach, Süddeutsche Zeitung, 23. Mai 2013


Theater

treffen

Fünfzig

Reise durch die Nacht

Schauspiel Köln

Es ist ein einziger Anziehungs-Abstoßungs-

Prozess, dem wir hier beiwohnen und das

nicht nur kühl arrangiert als Gedankenexperiment

(das auch), sondern jederzeit

von unerhörter sinnlicher Präsenz.

Aber eigentlich ist dieses Theater der Katie

Mitchell ohne Vorbild: das Gegenteil von

epigonal. Wir schauen wie in die Werkstatt

eines Alchimisten – und sind von dem, was

hier und jetzt entsteht, immer wieder bis

zur Verblüffung überrascht. Dabei sind es

doch nur die immergleichen Dinge des

Lebens. So entsteht in gerade einmal fünfundsiebzig

Minuten eine bezwingende

Atmosphäre permanenter Übergänge, in

der das Paradox jederzeit glaubhaft vor

uns steht, dass uns hier nichts vorgemacht

wird, dass diese Zugfahrt durch die Erin -

nerung immer nur ein Ziel hat: die schwierige

Wahrheit über sich selbst zu erfahren.

Gunnar Decker, Neues Deutschland, 15. Mai 2013

© Stephen Cummiskey

16

Eine nächtliche Zugfahrt und der Gedankenstrom einer

Schlaflosen in einem der Abteile fließen zusammen in einer

großartigen visuellen Komposition. […] Wie Mitchell die Bewegung

des Zuges und den wiederkehrenden Absturz der Gedanken

ineinanderschneidet, ist von einer traurigen Schönheit.

Es ist Literatur, Hörstück, Theater, Film in einem und dabei anders,

als sich mit den Mitteln einer Kunstgattung allein erzählen ließe.

Katrin Bettina Müller, taz, 13. Mai 2013


Theater

treffen

Fünfzig

Die heilige Johanna der

Schlachthöfe

Schauspielhaus Zürich

© Tanja Dorendorf T+T Fotografie

17

Ein Höhepunkt des Theatertreffens: Sebastian Baumgartens

Inszenierung von Brechts Die heilige Johanna der Schlachthöfe aus

dem Schauspielhaus Zürich lässt sich Zeit. Und schlägt dann zu.

[…] Bei Baumgarten geht diese Fabel einer politischen Radikalisierung

als flotte Klamotte über die Bühne. […] Und der unterhaltende Furor

dieses Theaterabends macht auch vor Brecht selbst nicht halt,

zahlreiche Comedy-Verfremdungseffekte tragen nicht unerheblich

zum Amüsement bei. Das Publikum richtet sich in der Unterhaltung

gemütlich ein und dann verwandeln sich die Figuren gegen Ende in

spidermanartige Comicgestalten, tragen hautenge Trikots in Blau,

Weiß und Rot und feiern eine große Party.

Ellinor Landmann, tip Berlin, 9. Mai – 22. Mai 2013

Baumgartens brecht- und kapitalismuskritisch

gedachte Inszenierung bedient sich eines

schrillen Zeichenrepertoires, um ihre Intention zu

transportieren: Die alten Kapitalisten treten als

Cowboys auf und die depravierteste Figur des

Dramas, Frau Luckerniddle, schwarz angemalt

als „Afrikanerin“ mit Wollperücke und ausgestopftem

Hinterteil, soll darauf verweisen, dass

im globalisierten Kapitalismus inzwischen die

Afrikaner die Ausgebeutetsten der Ausgebeuteten

sind. Besonders an dieser Darstellung hatten

sich anlässlich des Gastspiels beim Berliner

Theatertreffen Rassismusvorwürfe entzündet, die

von der Organisation Bühnenwatch formuliert

worden waren, die immer wieder zur Reflexion

von rassistisch grundierten Darstellungspraktiken

wie des Blackfacings aufruft, auf deren rassistischen

Ursprung sie mit guten Argumenten

verweist. Und damit immer wieder reflexhafte

Abwehr der Angegriffenen hervorruft: Wir sind

doch keine Rassisten und die Kunst muss frei sein.

Auch von Moral. Sonst komme keine Kunst,

sondern Kunstgewerbe heraus.

ESTHER SLEVOGT, NACHTKRITIK.DE, 12. JUNI 2013


Theater

treffen

Fünfzig

Die Ratten

Schauspiel Köln

Karin Henkel treibt auf der Hinterbühne im

Haus der Berliner Festspiele ein raffiniertes,

riskantes, rhythmisch beeindruckend stimmiges

Spiel mit Sein und Schein. Der Ernst

der Kunst: nur fadenscheinig, eine Machtdemonstration,

die den tödlichen Zwängen

des Lebens, kindlich herumhampelnd, eins

auswischt. Der Ernst des Lebens aber, etwa

des Lebens der „Mutter“ John, ihre Fiktion

vom eigenen Kind, das ein gestohlenes ist:

ein zerstörerischer Extremismus. Der Mensch

muss einen Anschein erwecken, um ein

biss chen Glück zu versuchen; die Schein -

existenz als letzter Ausweg, um ganz bei

sich zu sein – genau da trifft Henkel einen

Bitterkern von Gegenwart. […] In dieser

Kölner Inszenierung leidet das Theater nicht,

im Spiel großartiger Darsteller – lebt es.

Du siehst, lachst und leidest.

Hans-Dieter Schütt,

Neues Deutschland, 18./19. Mai 2013

Es wird hier mit großem und großartigem

Einsatz gespielt. Manche Darsteller springen

gleich in mehrere Rollen. Eine Darstellerin

spielt nebenbei sogar einen Hund. Mit allerhöchster

expressiver Erregung spielt Lena

Schwarz das polnische Mädchen, seine Ängste,

seinen Wider stand, seine Verzweiflung. Lina

Beckmann ist eine herzundbeinerschütternde

Frau John, fürsorglich, furchtsam, aufbrausend,

zunehmend in Verwirrung verloren. Fast schon

zu perfekt geht die Rollenrechnung auf, wenn

der Darsteller des jungen Spitta, Jan-Peter

Kampwirth, der eben vor dem Theaterlöwen

spuckend eine bluttriefende Probe als Macbeth

abgelegt hat, anschließend den nicht minder

blutigen und traumatisch zerquälten Mörderbruder

der Frau John spielt […] schauspielerisch

ist dieser Abend aus Köln überragend.

Er hatte großen Beifall verdient.

Peter Hans Göpfert, rbb kulturradio, 17. Mai 2013

© Klaus Lefebvre

18


Theater

treffen

Fünfzig

Orpheus steigt herab

Münchner Kammerspiele

Am Ende gab es noch mal einen Paukenschlag.

Denn Sebastian Nüblings Umsetzung des selten

gespielten Südstaatendramas von Tennessee

Williams fährt einem eiskalt unter die Haut.

[…] Der lettische Schauspieler Risto Kübar gibt

diesen Val ganz als Schlangengeschöpf, von der

Jacke bis zur tänzelnden Sohle ist er ein androgynes

Mischwesen, nicht ganz von dieser Welt.

Und damit umso begehrenswerter für die Frustversehrten

Kleinstadtglucken – und, anders, auf

recht, auch für Lady Torrence, die ihn in ihrem

Gemischtwarenladen als Verkäufer ein stellt und

ihm unter den schützenden Karussellplanen

Schritt für Schrott näher kommt. Für die von

Wiebke Puls hinreißend spröde Verkörperte gibt

es mit ihm wieder einen Sehnsuchtsort fernab

von Übergriffen und Lynchjustiz. Er und Sie

zusammen sind Gegenwehr. Doch der Flug in

die Freiheit kann nur scheitern.

Ute Büsing, rbb Inforadio, 21. Mai 2013

© Julian Röder

19

„Orpheus steigt herab“ aus München von Sebastian Nübling

besticht – Bühne sei Lupe! – durch genaues Ausloten der

Figuren und Situationen und findet präzise Bilder für eine

ab geschottete kleinstädtische Gemeinschaft, die alles

Anders artige und Unge wöhnliche gnadenlos wegbeißt.

Im phantas tischen Bühnenbild eines verkehrt herum aufgehängten

Kettenkarussells ist jede Utopie schon gestorben,

bevor sie geboren wird. Der letzte Abend des 50. Berliner

Theatertreffens – ein verstörend schöner Spiegel.

Ina Beyer, SWR2, Journal am Morgen, 21. Mai 2013

Die Attraktion der Aufführung aber ist Risto Kübar. […] So exotisch wie erotisch

totentänzelt er hier eine schlangengleiche androgyne Kunstfigur hin, ein Faun,

dessen zischelnder Singsang zwischen Deutsch, Englisch und Estnisch wechselt

und dessen identität genauso schillernd bleibt wie sein Discojäckchen. Kübar

bedient keine Migranten-Folklore, sondern verkörpert Fremdheit schlecht hin. Er

überhöht seine Auftritte zu einem schauspielerischen Diskurs über Zu schreibungen

und lässt die ihm zugewiesene Opferrolle souverän ins Leere laufen. Orpheus

unchained. Der Vision eines europäischen Stadttheaters, wie es Kammerspiel-

Intendant Johan Simons vorschwebt, kommt er damit sehr nah.

Christopher Schmidt, tip Berlin, 9.Mai – 22. Mai 2013


Theater

treffen

Fünfzig

Theatertreffen 2013

20


Theater

treffen

Fünfzig

Theatertreffen 2013

21


Theater

treffen

Fünfzig

Stückemarkt 2013

Neue Theater-Sprachen

22

Der Stückemarkt hat 2013 zum 35. Jubiläum den Erfolg seiner Arbeit in

einem Site-Specific-Marathon präsentiert. Wir haben in der spektakulären

historischen Pan Am Lounge aus den Sechzigerjahren Rückschau über 35

Jahre Stückemarkt gehalten, Bilanz gezogen und in die Zukunft geblickt.

35 Autorinnen und Autoren, die seit 1978 zum Festival eingeladen waren

und markante Posi tionen in der Entwicklung des Szenischen Schreibens

vertreten, haben wir in einer Gesamtschau gezeigt: 30 Autoren mit für das

Jubiläum verfassten Kurzstücken zum Thema „Verfall und Untergang der

west lichen Zivilisation?“ (angelehnt an Edward Gibbon) sowie fünf bereits

verstor bene Autoren in einem Szenischen Archiv. In Szenischen Lesungen,

Hörspielen, Installa tionen, Autoren gesprächen und Diskussionen entstand

während drei dichter Tage ein Panorama der letzten Jahrzehnte Neuer

Dramatik – unter anderem mit Elfriede Jelinek, Herbert Achternbusch,

Roland Schimmel pfennig, Marius von Mayenburg, Moritz Rinke, Thea Dorn,

Oliver Kluck und Anne Lepper. Die Stückemarkt-Edition mit dem Abdruck

aller 30 Werkaufträge hält die Früchte dieses Projektes fest.

Die Jubiläumsausgabe des Stückemarkts wurde von den Autorinnen

und Autoren, dem Publikum und der Presse als wichtiger Beitrag zur

Entwicklung und Standortbestimmung zeitgenössischer Dramatik und

ihrer Förderung beschrieben. Ein solches Panorama der Neuen Dramatik,

das unterschiedlichste Generationen – von Volker Braun bis Wolfram

Lotz – zusammenbringt, hat es in dieser Form noch nicht gegeben.

Als wichtige Themen kristallisierten sich in den Diskussionen die Frage

nach einer kontinuierlichen Dramatikerför derung und nach einem

stärkeren Austausch zwischen den Generationen sowie der Wunsch

nach größerer Bereitschaft der Theater, experimentelle Formen auszuprobieren,

heraus.

Der Stückemarkt des Theatertreffens ist in den letzten zwei Jahren neue

Wege gegangen: 2012 mit der Erweiterung des Autorenbegriffes, indem

erstmalig Kollektive ihre Projektkonzepte beim Wettbewerb einreichen

konnten; 2013 mit dem Site-Specific-Projekt zum Jubiläum. Diese Wege

der Öffnung hin zur Suche nach neuen Formen der Autorenschaft und

neuen Formaten der Nachwuchsförderung wollen wir weiter verfolgen. Die

historische Mission des Stückemarkts als Förder initiative für Neue Dramatik

kann als erfüllt betrachtet werden. Junges, zeitgenössisches Schreiben ist

an den Theatern im deutschsprachigen Raum weitestgehend etabliert,

viele Häuser haben Förderinitiativen nach dem Vorbild des Stückemarkts

ins Leben geru fen. Der Staffelstab ist in Heidelberg, Wien, Essen und

anderswo aufgenommen worden.

Das Theatertreffen der Berliner Festspiele und sein Stückemarkt sehen

sich verpflichtet, Innovationen zu befördern und über den bestmög lichen

Nutzen der geleisteten Arbeit zu reflektieren und werden sich deshalb ab

2014 aus dem „Kerngeschäft“ der klassischen Autoren förderung zurückziehen

und Neuland erkunden. Der Stückemarkt ist weiterhin an vielfältigen

Formen zeitgenössischer Autorenschaft und künstlerischer

Produktionsprozesse im Theater sowie an einer nachhaltigen Förderung

interessiert und will diese unterstützend begleiten. Den Autorenbegriff und

die Internationalität des Formats werden wir zukünftig aber viel weiter

fassen als bisher. Wir werden uns auf die Suche nach neuen Sprachen im

Theater begeben, nach innovativen Ästhetiken und kollektiven Prozessen

der „Sprachentwicklung“ – in der Hoffnung, auf diesem Weg einen Beitrag

zur Förderung vielfältiger, neuer Autorenschaft zu leisten.

Danken möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich den Partnern und Förderern

des Stückemarkts: der Heinz und Heide Dürr Stiftung, der Karl

Schlecht Stiftung, der Bundeszentrale für politische Bildung und Deutschlandradio

Kultur sowie unseren beiden Partner-Theatern für 2013, dem

Maxim Gorki Theater Berlin und dem Staatsschauspiel Dresden.

Bleiben Sie neugierig!

Christina Zintl

Leiterin Stückemarkt


Theater

treffen

Fünfzig

Stückemarkt 2013: Programm jubiläum

Stückemarkt Teil I

23

Szenische Lesungen

Carles Batlle „Spanische Karten oder

Barcelona 2014, 300 Jahre danach“

Davide Carnevali „A Prelude to an End of a World“

Thea Dorn „Adlerfelsen // Schädelstätte“

John von Düffel „Ein Franzose, ein Russe und

ein Amerikaner oder Alliierten-Besuch“

Thomas Freyer „Busske“

Nikolai Khalezin „Return to Forever“

Roland Schimmelpfennig

„Wohin? Verfall und Untergang der

westlichen Zivilisation“

Mit: Paul Herwig, Daniel Hövels,

Laura Antonia Jastram, Sina Kießling,

Sebastian Kuschmann, Daniel Lommatzsch,

Hans Löw, Anne Müller, Judith Rosmair,

Katharina Schmalenberg, Moritz Vierboom

Regie: Anna Bergmann

Dramaturgie: Marion Hirte

Ausstattung: Anne Hölzinger

Musik: Heiko Schnurpel

Autorengespräch 1

Mit: Davide Carnevali, Thea Dorn,

Werner Fritsch und Moritz Rinke

Moderation: Yvonne Büdenhölzer

Autorengespräch 2

Mit: Carles Batlle, John von Düffel,

Anne Lepper, Nis-Momme Stockmann

Moderation Christine Wahl

Hörspiele

(produziert von Deutschlandradio Kultur)

Werner Buhss „Landschaftsbild Lichtenhagen“

David Gieselmann „Vulkan“

Julia Holewińska „12/70“

Elfriede Jelinek „Prolog?“

Nikolai Khalezin „Return to Forever“

Anne Lepper „oh ist das Morrissey“

Marius von Mayenburg „Mission zum Mars“

Moritz Rinke „Der Geist aus Hamiltons

Fach“

Mit (u.a.): Hermann Beyer, Heinz Dürr,

Judith Engel, Ute Hallant, Ingo Hülsmann,

Hedi Kriegeskotte, Horst Lebinsky, Eva

Meckbach, Ulrich Noethen, Bernardo Arias

Porras, Christian Redl, Lars Rudolph,

Catherine Stoya, Guntbert Warns

Regie: Ulrike Brinkmann, Andrea Getto,

Stefanie Hoster, Judith Lorentz, Marius von

Mayenburg, Wolfgang Rindfleisch, Alexander

Schuhmacher, zeitblom

Szenisches Archiv der

verstorbenen Autoren

Installationen zu Thomas Brasch, Ernst

Jandl, Gert Jonke, Einar Schleef und Werner

Schwab

Regie: Hans-Werner Kroesinger

Musik: Daniel Dorsch

Moderation: Christine Wahl


Theater

treffen

Fünfzig

Stückemarkt 2013: Programm jubiläum

Stückemarkt Teil II

Szenische Lesungen

Herbert Achternbusch „Da im Kafenion“

Volker Braun „Die Diener zweier Herren“

Werner Fritsch „Alles brennt“

Anja Hilling „Sardanapal“

Thomas Jonigk

„Wir werden uns nie wiedersehen“

Oliver Kluck „Arbeit Leben“

Rebekka Kricheldorf „Der Weg des Kriegers“

Peca Ştefan „Best New Europlay“

Mit: Jan Gerrit Brüggemann, Andreas Döhler,

Christoph Franken, Olivia Gräser,

Daniel Hoevels, Ole Lagerpusch, Peter Moltzen,

Katharina Marie Schubert, Sylvia Schwarz,

Natali Seelig, Anton Weil, Susanne Wolff

Regie: Stephan Kimmig

Dramaturgie: Sonja Anders

Ausstattung: Anne Hölzinger

Musik: Ingo Schröder

Autorengespräch 3

Mit: Thomas Freyer, Thomas Jonigk,

Rebekka Kricheldorf und Peca Ştefan

Moderation: Christina Zintl

Autorengespräch 4

Mit: Werner Buhss, David Gieselmann,

Julia Holewińska und Marius von Mayenburg,

Moderation: Christine Wahl

Hörspiele

(produziert von Deutschlandradio Kultur)

Werner Buhss „Landschaftsbild Lichtenhagen“

David Gieselmann „Vulkan“

Julia Holewińska „12/70“

Elfriede Jelinek „Prolog?“

Nikolai Khalezin „Return to Forever“

Anne Lepper „oh ist das Morrissey“

Marius von Mayenburg „Mission zum Mars“

Moritz Rinke „Der Geist aus Hamiltons Fach“

Mit (u.a.): Hermann Beyer, Heinz Dürr,

Judith Engel, Ute Hallant, Ingo Hülsmann,

Hedi Kriegeskotte, Horst Lebinsky,

Eva Meckbach, Ulrich Noethen,

Bernardo Arias Porras, Christian Redl,

Lars Rudolph, Catherine Stoya,

Guntbert Warns

Regie: Ulrike Brinkmann, Andrea Getto,

Stefanie Hoster, Judith Lorentz,

Marius von Mayenburg, Wolfgang Rindfleisch,

Alexander Schuhmacher, zeitblom

Szenisches Archiv der

verstorbenen Autoren

Installationen zu Thomas Brasch, Ernst Jandl,

Gert Jonke, Einar Schleef und Werner Schwab

Regie: Hans-Werner Kroesinger

Stückemarkt Teil III

Szenische Lesungen

Oliver Bukowski „Tuba“

Anne Habermehl „Mücken im Licht“

Elfriede Jelinek „Prolog?“

Dirk Laucke „Zwanzig Mohammed-Witze

in zwei Minuten“

Philipp Löhle „Afrokalypse“

Wolfram Lotz „Mama“

Albert Ostermaier „Anaesthesia“

Bernhard Studlar „Euphorie und Alltag oder

Störe meine Krise nicht“

Mit: Peter Jordan, Nils Kahnwald,

Wolfram Koch, Anne Ratte-Polle,

Felix Römer, Magda Lena Schlott,

Tobias Schülke, Jana Schulz,

Carolin Schupa, Marie-Lou Sellem, Bernd Stempel,

Almut Zilcher

Regie: Christoph Mehler, Philipp Preuss

Dramaturgie: Christina Zintl

Ausstattung: Ramallah Sara Aubrecht

Musik: Kornelius Heidebrecht

Video: Johannes Zerbst

Autorengespräch 5

Mit: Volker Braun, Anne Habermehl, Nikolai

Khalezin, Philipp Löhle und Thomas Krüger,

Moderation Christine Wahl

24


Theater

treffen

Fünfzig

Stückemarkt 2013: Programm jubiläum

Stückemarkt Teil III

Autorengespräch 6

Mit: Davide Carnevali, Dirk Laucke, Wolfram Lotz

und Bernhard Studlar, Moderation Christina Zintl

Hörspiele

(produziert von Deutschlandradio Kultur)

Werner Buhss „Landschaftsbild Lichtenhagen“

David Gieselmann „Vulkan“

Julia Holewińska „12/70“

Elfriede Jelinek „Prolog?“ Nikolai Khalezin

„Return to Forever“

Anne Lepper „oh ist das Morrissey“

Marius von Mayenburg „Mission zum Mars“

Moritz Rinke „Der Geist aus Hamiltons Fach“

Mit (u.a.): Hermann Beyer, Heinz Dürr, Judith

Engel, Ute Hallant, Ingo Hülsmann, Hedi Kriegeskotte,

Horst Lebinsky, Eva Meckbach, Ulrich

Noethen, Bernardo Arias Porras, Christian Redl,

Lars Rudolph, Catherine Stoya, Guntbert Warns

Regie: Ulrike Brinkmann, Andrea Getto, Stefanie

Hoster, Judith Lorentz, Marius von Mayenburg,

Wolfgang Rindfleisch, Alexander Schuhmacher,

zeitblom

Szenisches Archiv der verstorbenen Autoren

Installationen zu Thomas Brasch, Ernst Jandl,

Gert Jonke, Einar Schleef und Werner Schwab

Regie: Hans-Werner Kroesinger

25


Theater

treffen

Fünfzig

Stückemarkt 2013 – Pressestimmen

Wie schade, dass all die Politiker, die so leichtfertig über Kürzungen

entscheiden, in den vergangenen drei Tagen nicht Gast in der Berliner

Pan Am Lounge waren. Sie hätten dort mal erleben können, was

Förder institutionen wie der Stückemarkt des Theater treffens für

Früchte tragen. Wie vielfältig, relevant und klug Autoren das Jetzt in

Kunst gießen. Darauf kann und sollte eine Gesellschaft – wenn sie sich

selbst reflektieren will – schlicht nicht verzichten.

Anke Schäfer, Deutschlandradio Kultur / Fazit, 10.5.2013

26


Theater

treffen

Fünfzig

Stückemarkt 2013 – Pressestimmen

Der [Stückemarkt] feiert in diesem Jahr Geburtstag.

Was die Stücke marktleiterin und ihr Team gleich auf zwei gute Ideen

gebracht hat:

Zum einen: als Uraufführungsort für die szenischen Lesungen mal nicht

die Kassenhalle des Hauses der Berliner Festspiele zu wählen, sondern die

coole PanAm-Lounge. Zum Anderen: diesmal 35 kurze Stücke von namhaften

Autorinnen und Autoren verschiedener Generationen zu Gehör zu bringen,

deren Karriere mit dem Stückemarkt verbunden ist. Keine Frage: Als Forum

für junge Dramatik hat der Stückemarkt Pionierarbeit geleistet.

Sympathischerweise ist aber die Jubiläumsausgabe mit ihrer Spannweite von

Herbert Achternbusch über Elfriede Jelinek bis Nis-Momme Stockmann nicht

zur blinden Selbstfeier ausgeartet. Der Stückemarkt als Erfolgsbeschleuniger?

Oft ja. Besonders in jüngster Vergangenheit haben hier eine ganze Reihe

steiler Theaterkarieren ihren Anfang genommen.

Patrick Wildermann, der Tagesspiegel, 12.mai 2013

Zwei Stockwerke unter der Lounge hat Hans-Werner Kroesinger

in einem Sixties-Apartment ein tolles interaktives Archiv mit Texten

von Thomas Brasch, Ernst Jandl und anderen eingerichtet.

Hier kann man tief in die Stückemarkt-Historie eintauchen.

Patrick Wildermann, der Tagesspiegel, 12.mai 2013

27


Theater

treffen

Fünfzig

Stückemarkt 2013 – Pressestimmen

Der Stückemarkt zeigt, dass die Theaterszene,

oft schon tot gesagt, immer noch sehr lebendig ist.

Jetzt hat diese Institution der Nachwuchsförderung gezeigt,

wie sich die einzelnen Autoren entwickelt haben.

Stefan Braunshausen, 3sat Kulturzeit 20. mai 2013

Löhle, Laucke, Kricheldorf schreiben satirisch, ihre Texte sind Farcen,

steile Vorlagen für das komische Talent virtuoser Schauspieler – und doch

auch von einem unüberhörbaren Pessimismus geprägt. Es scheint, als ob

das Kurzformat noch einmal zu inhaltlichen Pointierung beigetragen habe,

zügig rollt die Kugel auf den Abgrund zu. Sie [die Schauspieler] performen

die Texte nicht nur, sondern geleiten die Besucher teils auch von Zimmer

zu Zimmer, von Stück zu Stück, eine selten intime Form der Begegnung

mit Texten, Autoren, Schauspielern. Szenische Lesungen haben oft etwas

Besonderes: Man sieht dem Theater quasi bei der Entstehung zu, die

Schauspieler setzen sich für die Texte ein, als wären die Autoren ihre Patenkinder.

Diese affektive Bindung der Darsteller an den Stoff färbt auf die Zuschauer ab:

Dies ist live und einmalig, nicht die Routine einer wiederholbaren Aufführung.

Das strahlt der Stückemarkt immer wieder aus und in diesem Jahr erst recht.

Katrin Bettina Müller, taz, 9. mai 2013

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Theater

treffen

Fünfzig

Stückemarkt 2013 – Pressestimmen

Wenn der Jubiläumsstückemarkt im zehnten Stock über Berlin also

eine Antwort auf die Fragen geben möchte, ob der Autor als solcher

noch gefragt ist, ob man nicht unbedingt einen Klassiker inszeniert

sehen muss, um einen guten Text zu hören und ob die Dramatiker

gekonnt künstlerisch gerade auch politische Stoffe auf die Bühne

bringen, dann muss jede dieser Fragen mit ja beantwortet werden.

Die hier entstanden Einakter stehen ja für das Potenzial.

Anke Schäfer, rbb inforadio 10.mai 2013

„Theater ist Arbeit an der Gesellschaft“,

begründet Heinz Dürr sein Engagement für

Zeitgenössisches. Theater hat den knapp

80-Jährigen immer schon interessiert.

„Weil der Theatergänger interaktiv dabei ist,

anders als der Homo zapiens beim Fernsehen.“

Heilbronner Stimme, 18. mai 2013, Claudia Ihlefeld

Dass es in Deutschland an frischer Dramatik

fehle, glaubt nach dem Besuch dieser szenischen

Lesungen keiner mehr.

Nina May, Märkische Allgemeine, 21. Mai 2013

29


Theater

treffen

Fünfzig

Nach drei Tagen Stückemarkt kann ich

mir für die Splitter junger Dramatik, die hier

zu sehen waren, keinen besseren Ort vorstellen

als dieses Haus mit dem seltsamen Namen „Eden“

(schon gar nicht die Kassenhalle des Haus der

Berliner Festspiele).

Auch wenn man nicht vergessen darf, dass hier

das Prinzip der szenischen Lesung greift, das

freilich keine Uraufführung ersetzt (die für die

jungen Dramatiker von größerer Bedeutung ist),

habe ich einige der größten Momente des bisherigen

Theatertreffens hier erlebt, im zehnten

Stock zwischen Zebrateppich und Flokati.

Eva Biringer, Berliner Zeitung online, 11. mai 2013

Stückemarkt 2013 – Pressestimmen

Ich wünsche mir, dass kleine wie große Theater ihre Scheu

vor zeitgenössischer Dramatik verlieren. Und, dass die Stücke

ab und an den Theaterraum verlassen, um den sperrigen Begriff

des „ortsspezifischen Theaters“ lebendig zu machen.

Regisseure, Schauspieler, Theatermacher, traut euch:

Raus aus den Theatern! Rein in die Aufzüge!

Der Himmel ist dann nicht mehr ganz so weit weg.

Eva Biringer, Berliner Zeitung online , 11. mai 2013

30


Theater

treffen

Fünfzig

Stückemarkt 2013 – entdeckungen und erfolge

Entdeckungen und Erfolge (Auswahl)

31

Der Stückemarkt hat sich als Entdeckerfestival,

das einen wichtigen Schritt in die Karriere für

Dramatiker leistet, bewährt. Die nachhaltigen

Erfolge eingeladener Autoren der vergangenen

Jahre zeigen, dass die Jury des Stückemarkts

einen guten Spürsinn bei ihren Dramatiker-

Entdeckungen hat:

„Demetrius / Hieron. Vollkommene Welt“ von

Friedrich Schiller / Mario Salazar wurde am

30. August 2013 in der Regie von Stephan

Kimmig am Deutschen Theater Berlin

uraufgeführt. Ein weiterer neuer Text von

Mario Salazar, „Die Welt mein Herz“, wird

am 31. Januar 2014 in der Regie von Rafael

Sanchez am Schauspiel Köln uraufgeführt.

Paul Brodowskys neues Stück „Wedekind“

wird im Dezember 2013 in der Regie von Luk

Perceval an den Münchner Kammerspielen

uraufgeführt.

Nach Oliver Kluck und Wolfram Lotz wurde

in diesem Jahr Anne Lepper mit dem

Dramatikerpreis des Kulturkreises der

deutschen Wirtschaft BDI e.V. ausgezeichnet.

Sie erhielt außerdem das Autorenstipendium

der CAA Berlin im Rahmen

des Stückemarktes 2013. Zuvor war die

Autorin für den Werkauftrag des Stückemarkts

2012 „Seymour“ bei der Kritikerumfrage

von Theater Heute zur Nachwuchsautorin

2012 gewählt worden.

Oliver Klucks neues Stück „Was zu sagen

wäre warum“ wurde im Mai 2013 in der

Regie von Alice Buddeberg am Schauspiel

Frankfurt uraufgeführt.

Im März 2013 hatte Michel Decars „Jonas

Jagow“ (Förderpreis für neue Dramatik 2012,

gestiftet von der Heinz und Heide Dürr

Stiftung) im Studio des Maxim Gorki

Theaters Premiere.

Dmitrij Gawrisch wurde beim 2. Autorenwettbewerb

der Theater Konstanz und St.

Gallen mit dem Preis der Jury ausgezeichnet.

Der Preis ist mit 10.000 CHF und einem

Aufenthaltsstipen dium am Theater St. Gallen

in Höhe von weiteren 10.000 CHF dotiert.

Rebecca C. Schnyder (Stückemarkt 2011)

erhielt den mit 2.000 CHF dotierten Publikumspreis.

Wolfram Höll, der 2012 für seinen Text „Und

dann“ beim Stückemarkt den Preis „Theatertext

als Hörspiel“ erhielt, wurde im Mai 2013

mit dem mit 10.000 Franken dotierten

Literaturpreis des Kantons Bern 2013

ausgezeichnet. Außerdem wurde „Und dann“,

ausgezeichnet mit dem Preis „Theatertext

als Hörspiel“ beim TT Stückemarkt 2012 und

produziert von Deutschlandradio Kultur,

von der Deutschen Akademie der Darstellenden

Künste zum Hörspiel des Monats

November 2012 gewählt.

Juri Sternburgs 2011 mit dem Förderpreis

für neue Dramatik ausgezeichnetes Stück

„Der Penner ist jetzt schon wieder woanders“

wurde im Frühjahr 2013 am Goethe-Institut

Boston gelesen und zusammen mit

„Wider die Natur“ zum FESTIVAL FOR NY

EUROPÆISK DRAMATIK des Husets Teater

in Kopenhagen eingeladen.

Davide Carnevalis „Variationen über das

Kraepelin-Modell“ (Theatertext als Hörspiel

2009) feierte am 20. April 2013 beim Eesti

Draamateater in Tallinn Premiere. Zuvor

war es bereits bei Sala Beckett (Barcelona)

und Théâtre de l’Elysée (Lyon) zu sehen.

Anne Habermehls „Daddy“ (Werkauftrag

Stückemarkt 2008), Philipp Löhles „Die

Kaperer“ (Werkauftrag Stückemarkt 2007)

und Nis-Momme Stockmanns „Der Mann

der die Welt aß“ (Stückemarkt 2009) waren

im Dezember2013 erstmals in Rumänien,

im Rahmen einer Lesung der Universität

Bukarest (UNATC) und des Goethe-Instituts,

zu hören:

Nis-Momme Stockmanns „Tod und Wiederauferstehung

der Welt meiner Eltern in mir“,

sein bislang umfangreichster Theatertext,

wurde zur Eröffnung der neuen Spielzeit des

Staatstheaters Hannover im September

2012 im Großen Haus uraufgeführt (Regie

Lars-Ole Walburg). Auch international stoßen


Theater

treffen

Fünfzig

Stückemarkt 2013 – entdeckungen und erfolge

32

seine Texte auf großes Interesse. „Das blaue

Meer“ wurde am 15.9.2012 am Kopenhagener

Husets Teater gezeigt und gastierte am

Teater Nordkraft in Aalborg.

Konradin Kunzes „foreign angst“ wurde am

1.12.2012 in der Regie von Tilmann Gersch am

Hessischen Staatstheater Wiesbaden

uraufgeführt.

„Alles Gold was glänzt“ von Mario Salazar

(Preisträger „Theatertext als Hörspiel“ 2011)

wurde am 22.11.2012 in der Regie des

Schauspielers Milan Peschel am Theater

Heidelberg uraufgeführt. Salazar war im

Juli/August 2012 zum Internationalen

Autorenfestival des Theaters Sala Beckett

in Barcelona eingeladen.

Zu den Autorentheatertagen 2013 des

Deutschen Theaters Berlin wurden Inszenierungen

der Texte von zahlreichen Stückemarkt-Autoren

eingeladen: Nina Büttners

„Schafinsel!“, das in der letzten Ausgabe

bereits in der Langen Nacht zu sehen war,

vom Pfalztheater Kaiserslautern, Anne

Habermehls „Luft aus Stein“ vom Schauspielhaus

Wien, Elfriede Jelineks „Schatten

(Eurydike sagt)“ und Laura Naumanns

„demut vor deinen taten baby“ vom Burgtheater

Wien, Rebekka Kricheldorfs

„Testosteron“ von Staatstheater Kassel, die

Produktion „Call Me God“ des Münchner

Residenztheaters, an der Marius von

Mayenburg und Albert Ostermaier beteiligt

waren und Moritz Rinkes „Wie lieben und

wissen nichts“ vom Konzert Theater Bern.

Die Gastspiele des Heidelberger Stückemarkts

stammten unter anderem von den

ehemaligen Stückemarkt-Autoren Thomas

Arzt, David Gieselmann, Juliane Kann,

Rebekka Kricheldorf, Philipp Löhle, Laura

Naumann, Marius von Mayenburg und

Albert Ostermaier. David Gieselmann

erhielt für sein Stück „Über Jungs“ den

JugendStückePreis des Heidelberger

Stückemarkts, Philipp Löhle für „Trilogie der

Träumer“ den NachSpielPreis des Heidelberger

Stückemarkts.

Bei Mülheimer „Stücke“-Festival 2013

waren drei der acht Einladungen von ehemaligen

Stückemarkt-Autoren: Elfriede

Jelineks „Faust in and out“ vom Schauspielhaus

Zürich, Moritz Rinkes „Wir lieben und

wissen nichts“ vom Konzert Theater Bern und

Nis-Momme Stockmanns „Tod und Wiederauferstehung

meiner Eltern in mir“ vom

Schauspiel Hannover. Im Rahmenprogramm

waren die ehemaligen Stückemarkt-Autoren

Rebekka Kricheldorf mit „Villa Dolorosa“

vom Saarländischen Staatstheater Saarbrücken,

Philipp Löhle mit „La Cosa (Das

Ding)“ von der Compañia de teatro La

Puerta aus Santiago de Chile und Albert

Ostermaier mit „Schwarze Sonne scheine“

vom Théâtres de la Ville de Luxembourg

vertreten.

Anne Leppers Stück „Seymour oder ich

bin nur aus Versehen hier“, das aus dem

Werkauftrag des Theatertreffen Stückemarktes

2012 entstanden ist und am

Schauspiel Hannover 2012 uraufgeführt

wurde, wurde am Nationaltheater Weimar,

dem Jungen Theater des Deutschen

Theaters Berlin und dem Kosmos Theater

Bregenz (Österreichische Erstaufführung)

nachgespielt.


Theater

treffen

Fünfzig

Internationales Forum 2013

Theater als Gegenöffentlichkeit

33

Die beim diesjährigen Theatertreffen gezeigte Produktion „Disabled

Theater“ fand nicht nur in der Presse ein starkes Echo, sie führte auch

unter den Stipendiaten des 49. Internationalen Forums zu einer großen

Kontroverse: Ist das eine bemerkenswerte Produktion oder lediglich

eine effektvolle Freakshow?

Die 35 Theatermacher und Theatermacherinnen kamen von fünf Kontinenten

aus insgesamt 19 verschiedenen Ländern. Sie erhielten ein

Stipendium zum Internationalen Forum des Theatertreffens der Berliner

Festspiele in Kooperation mit dem Goethe-Institut und der Schweizer

Kulturstiftung Pro Helvetia und sahen alle Theatertreffen-Gastspiele.

Schon die erste Szene der Inszenierung von Jérôme Bel spaltete diese

ausgesprochen heterogene Expertengruppe: Einzeln standen die Spieler

von Theater Hora nacheinander an der Rampe. Jeweils eine Minute

schauten die Darsteller mit einer geistigen Behinderung die Zuschauer

an. Wen betrachteten umgekehrt die Zuschauer? Darsteller, Figuren

oder Menschen mit Behinderung? So unauflöslich wie diese Fragen

waren die Debatten im Forum um Theater und Öffentlichkeit.

Was wurde hier gespielt, öffentlich gemacht und damit zur Debatte

gestellt? Viele der Stipendiaten waren von der Haltung Jérôme Bels

und der Darsteller beindruckt, wie sie mit dieser Inszenierung einen

Raum kritischer Öffentlichkeit herstellten.

Diesem Theaterverständnis folgte auch das Motto „Öffentlichkeiten

inszenieren“, unter dem das 49. Internationale Forum stand. Viele Teile

des Programms waren in diesem Jahr selbst öffentlich. Die Diskussionen

mit dem russischen Theatermacher Bolat Atabajev und dem isländischen

Regisseur Thorleifur Anarsson im Goethe-Institut oder mit Regisseur

Luk Perceval im Haus der Berliner Festspiele. Und auch der dreitägige

Lecture-Marathon in den Uferstudios im Berliner Wedding, in dem sich

alle 35 Stipendiaten mit ihre eigenen Arbeiten aus den verschiedenen

Ländern vorstellten, wurde viel besucht. Die Zuhörer waren (internatio -

nale) Theaterleute, zahlreiche Leiter von Berliner Produktionsstätten

von Sophiensäle bis Heimathafen Neukölln sowie Studierende mit ihren

Dozenten von der Hochschule in Zürich.

Die meisten Besucher hatte des Internationalen Forum allerdings im

Internet. Über zehntausend Klicks hatte dort das Minifernsehformat TTtv,

für das die beiden Videokünstlerinnen Rebecca Riedel und Mieke Ulfig

des Berliner Kollektivs Superschool verantwortlich waren. Sie begleiteten

die Stipendiaten mit der Videokamera durch das Theatertreffen. Eingebunden

in das Theatertreffen-Blog zeigen sie Einblicke aus den künstle rischen

Sektionen oder befragen Stipendiaten und Theaterbesucher zu den ein -

ge ladenen Inszenierungen des Theatertreffens. Von einem völlig anderem

Blick auf Theater berichtet der chinesische Regisseur Chong Wang in Folge

zehn: In Peking seien im letzten Herbst die Theater mit Videotechnik

ausgestattet worden. Nicht für die künstlerische Arbeit, sondern um das

Publikum zu filmen. An zentraler Stelle würden die Behörden die Bilder der

Aufführungen sammeln, um zu überprüfen, ob sich das Publikum kritisch

gegenüber der Regierung zeigt. Wie Wang sehen auch Theatermacher aus

der Ukraine, aus Tunis oder aus Russland ihre Arbeiten als eine Form der

Gegenöffentlichkeit.

Während der beiden Wochen des Forums des Theatertreffens wurden

Theaterabreiten wie „Disabled Theater“, die Arbeiten der Stipendiaten

und weitere Aufführungen deshalb so intensiv besprochen, weil sie mit

ihren ästhetischen Zugriffen eine genaue Beobachtung der öffentlichen

Räume versprechen. In den Workshops, die neben dem Besuch der Auf -

führungen einen Schwerpunkt des Internationalen Forums bildeten, ging

es darüber hinaus darum, spielerisch mit der Freiheit zu experimentieren,

die uns umgebenden Verhältnisse nicht nur zu reflektieren, sondern sie

in konkreten Handlungen für das Publikum erfahrbar zu machen.

Uwe Gössel

Leiter Internationales Forum


Theater

treffen

Fünfzig

Internationales Forum 2013

„Öffentlichkeiten inszenieren“

34

Ein Bericht von Esther Slevogt

Ein junger Theatermacher aus Peking erlebt eine

Demonstration, die nicht staatlich gelenkt ist.

Ein Regisseur aus einem halbtotalitären, postkommunistischen

Staat erfährt das Aufeinanderprallen

unterschiedlichster Positionen und stellt

fest: Das darf so sein, ist keine Bedrohung

sondern sogar eine wesentliche Bedingung des

Theaters. Junge Theatermacherinnen und

-macher aus Deutschland können sich im ei -

genen Land auf Weltreise begeben, können

Kollegen aus unterschiedlichsten Ländern und

Kulturen und daraus resultierenden Arbeitsweisen

kennenlernen. Möglichkeiten, die das

Internationale Forum des Theatertreffens als

eine Art temporäre Theaterakademie für zwei

Wochen schafft.

Bereits der erste Satz brachte das diesjährige

Motto ebenso beiläufig wie paradigmatisch auf

den Punkt: „Das ist keine Installation“, sagte

Forums-Leiter Uwe Gössel zu Beginn seiner

Begrüßung und wies auf eine Ansammlung leer

gebliebener Sitzsäcke in der Mitte der Kassenhalle

im Haus der Berliner Festspiele. Die Zuhörer

hatten auf Stühlen rundherum Platz genommen.

Manche waren lieber stehen geblieben als die

Sitzsacklandschaft in Besitz zu nehmen. Merkwürdig

monolithisch besetzte sie nun die Mitte

des Raums und war unfreiwillig zum Demonstrationsobjekt

geworden: wie schwierig heute

Inszenierungen überhaupt noch zu erkennen sind.

Deren Herstellung ist einmal eine Art Monopol

der Kunst und speziell des Theaters gewesen. Sie

ereigneten sich fast ausschließlich in sorgsam

abgezirkelten Spielräumen, wo alle Aktion per

Verabredung zwischen Künstler und Zuschauer

zum Als-ob erklärt war. Inzwischen hat sich dem

Theater ein neues Feld und mög licherweise auch

ein neuer Auftrag erschlossen: dem Einzelnen,

der dem Theaterkünstler als Zuschauer gegenübertritt,

ein Instrumentarium zu vermitteln, das

Konglomerat aus Inszenierungen, Bildern und

Entfremdungszusammenhängen, als das sich

alle (gesellschaftliche) Wirk lichkeit zunehmend

präsentiert, als solches erkennen und dekonstruieren

zu können.

„Öffentlichkeiten inszenieren“ war die diesjährige

Ausgabe des Internationalen Forums des Theatertreffens

überschrieben und 35 junge Theatermacherinnen

und –macher aus insgesamt 19

Ländern saßen während der Eröffnungsveranstaltung

erst einmal da und hörten den Einführungs-Lectures

zu, mit denen die Leiter der drei

künstlerischen Sektionen sich vorstellten: der

slowenische Autor, Regisseur und Performancekünstler

Janez Janša, Stefan Kaegi von Rimini

Protokoll und die Raumlabor-Macher Benjamin

Foerster-Baldenius sowie Markus Bader.

Sie alle sind erfahrene Interventions- und Überschreibungs-

und Unterwanderungsexperten

öffentlicher Räume, ihrer Inszenierungen und

Konstruktionen und würden in den kommenden

vierzehn Tagen das Thema aus der Perspektive

einer eigenen Fragestellung beleuchten.

„Theater und Selbstermächtigung“ war das

Thema von Sektion 1, in der Janez Janša unter der

Überschrift „How public ist the public?“ mit

seinen Stipendiaten der Frage nachgehen wollte,

inwieweit die Öffentlichkeit in Wahrheit von den

(Macht)interessen einzelner dominiert wird.

Es sollte auch um die Untersuchung der Frage

gehen, auf welchen Verabredungen Öffentlichkeit

überhaupt beruht.

Stefan Kaegi hatte seiner Sektion „Theater und

Realität“ den Titel „Truth Games. Partizipation,

Intervention und Zeugenschaft“ gegeben und als

Arbeitsziel seiner Spiele in und mit der Wirklichkeit

„To create a situation for fifty people“

formuliert. Der Begriff „Situation“ war dabei als

Stationendrama gedacht: Wie wird aus einem

Unbeteiligten ein Performer, aus einem Performer

ein Spieler im großen Spiel Wirklichkeit? Vor der

Praxis stand bei Kaegi zunächst einmal eine Art

Feldforschung: getreu der Rimini-Methode,

imaginäre Kreidekreise um Soziotope zu ziehen,

um sie zu theatralen Räumen und ihre Akteure

zu Darstellern zu erklären, wurden zunächst ein

Weddinger Schießclub, eine Demonstration, die

Deutsche Meisterschaft im lateinamerikanischen

Standardtanz für gleichgeschlechtliche Paare

und das imposante neugotische Weddinger


Theater

treffen

Fünfzig

Internationales Forum 2013

35

Amtsgericht besucht, unter dessen Dach im

fahlen Schein alter Neonleuchten und von apa -

thischen Richtern vor einer Meute von Glückrittern

und Pechvögeln im Dreißig minuten-Takt

Häuser und Wohnungen zwangsversteigert

wurden.

Untersuchungsgegenstand der Sektion „Theater

und Urbanität“ der beiden Architekten und

„Raumlabor“-Aktivisten Markus Bader und

Benjamin Foerster-Baldenius sollte das Feld

„Raum Stadt Theater“ sein. Auch hier stand

zunächst eine Forschungsreise auf dem Programm:

Auf Fahrrädern wurde die Naht zwischen

Ost- und Westberlin erkundet und auf letzte,

noch nicht von der Stadtplanung überschriebene

und damit vergesellschaftete Brachen untersucht.

Hinter dem Moritzplatz wurde man

fündig: eine riesige wilde Wiese mit Bäumen

bewachsen, die sich dort seit 1989 aus der Erde

des einst klinisch toten Mauerstreifens hervorgearbeitet

hatten; ein Stück Natur mitten in

der Stadt, das sich unter einer Art selbstverwalteter

Hoheit anwohnender Hundebesitzer

befand. An seinen Rändern erhoben sich jedoch

schon einzelne Neubauten.

Dass die internationalen Stipendiaten höchst

unterschiedliche Erfahrungen von Öffentlichkeit

und ihrer Strukturierung durch die Kultur, Politik

und Geschichte der Länder, aus denen sie kamen,

in die Arbeit mitbringen würden, wurde schon

in den ersten Tagen im Forums-Headquarter

deutlich. Wie schon in den Jahren zuvor war es

auch diesmal in den Weddinger Uferstudios

aufgeschlagen worden. In Kurzlectures stellten

die jungen Performer, Bühnenbildner, Schauspieler,

Regisseure und Dramaturgen aus allen fünf

Kontinenten sich und ihre Arbeit zu Hause vor:

der neuseeländische Dramatiker und Puppenspieler

William Benedict Connor, der chinesische

Regisseur Chong Wang, Amitesh Grover aus

Neu-Delhi oder Deborah Hazler, Performerin aus

Wien. Anne Breure aus Amsterdam zum Beispiel

brachte ihren Öffentlichkeitsbegriff mit der

Fotografie eines Platzes vor Bauten aus den

1970er Jahren auf den Punkt, auf dem mit Kreide

ein rechteckiges Feld markiert ist, in das der

übergroße Schatten eines Menschen fällt. Denn

es ist letztlich stets eine komplexe Dialektik

zwischen dem Einzelnen und seinem Umfeld, aus

gesellschaftlichen Ordnungen und Interessen,

die Öffentlichkeit definiert.

Theatrale Labor- und Forschungs arbeit

Zwei Wochen theatrale Labor- und Forschungsarbeit

im Hintergrund der 50. Ausgabe des

Theatertreffens also, dem das Internationale

Forum bei seiner Gründung vor fast fünf Jahrzehnten

ursprünglich als Schule des Sehens für

junge Bühnenangehörige aus der (damaligen)

Bundesrepublik zugeordnet worden war. Die

Internationalisierung ist seit 1980 Bestandteil des

Forums, ebenso die Organisation in Workshops.

Im Zentrum steht nach wie vor das Theatertreffen-Programm:

Gemeinsam werden die als

„bemerkenswert“ eingeladenen Inszenierungen

besucht und diskutiert, in Künstlergesprächen

können die jungen Theatermacher an Theatertreffen-Inszenierungen

beteiligte Künstler und

Dramaturgen erleben und befragen. Das Forum

zielt heute allerdings weit darüber hinaus und ist

zur kritischen Plattform geworden, wo man sich

auf dem Weg zum Theater von Morgen an den

Inszenierungen von heute abarbeiten darf. Der

internationale Charakter dieser Plattform hat

einen kaum hoch genug einzuschätzende

Funktion als Botschafter (und Exporthilfe) für

den Geist des freiheitlichen und (noch) nicht von

neoliberalem Zweckdenken gänzlich unterwanderten

deutschen Theater systems. Die Produktionsbedingungen

von Kunst erzählen stets viel

auch über die grundsätzlichen Bedingungen, die

eine Gesellschaft ihren Mitgliedern bereitet. Und

so stellt man als externer Chronist mit einiger

Erleichterung fest, es gibt sie noch, jene kostbaren

Räume, die noch nicht von den Gewinnmaximieren

und Kunstdurchökonomisierern verwaltet

werden: Das Internationale Forum ist so ein

Raum. Einer dazu, der in den letzten Jahren

immer mehr Schaufenster bekommen hat:

Gespräche, Lectures und in diesem Jahr ganz

neu: das TTtv der beiden Videokünstlerinnen und

Forums-Stipendiatinnen Rebecca Riedel und

Mieke Ulfig, die mit der Kamera nicht nur

verschiedenste Veranstaltungen des Theatertreffen

sondern auch die drei künstlerischen

Sektionen des Forums begleitet haben. Die etwa

zwanzig Videobeiträge gehörten zu den Highlights

des Theatertreffenblogs.

Seine vitale Funktion im Kontext des Theatertreffens

beweist das Forum besonders dann,

wenn alte und neue Theaterbegriffe hart aufeinanderprallen:

Während der Jury-Schlussdebatte


Theater

treffen

Fünfzig

Internationales Forum 2013

36

hatte die Forumsstipendiatin Katharina Rahn,

Dramaturgin am Theater Aachen, wo sie auch

die junge Spielstätte „Mörgens“ leitet, ihr Un -

be hagen angesichts von technisch und formal

hochgerüsteten TT-Inszenierungen wie Sebastian

Nüblings Münchner Williams-Abend „Orpheus

steigt herab“ zum Ausdruck gebracht, die ihr

jedoch über die Welt und das Leben darin nichts

Wesentliches mitzuteilen hätten. Die Kollision

der Theaterbegriffe wurde auch in der Auseinandersetzungen

um die Rassismusvorwürfe

gegen die Darstellung der Frau Luckerniddle in

Sebastian Baumgartens Zürcher Brecht-Inszenierung

„Die heilige Johanna der Schlachthöfe“

deutlich. Es herrschte bei den Stipendiaten weitgehend

Einigkeit darüber, dass Baumgartens

Unbekümmertheit bei der Zeichnung der Frau

Luckerniddle als Karikatur einer Afrikanerin sich

auch aus einem überholungsbedürftigen Begriff

von Hochkultur speiste, wo man den auktorialen

Umgang mit Zeichensystemen gewohnt ist und

Repräsentationstechniken und –formen nicht

ausreichend hinterfragt. Doch die Gesellschaft

hat sich diversifiziert, das Vertrauen (siehe

Janez Janša!) in die herkömmliche Wertigkeiten

von Zeichen und Begriffen schwindet. Es ist

Zeit, Werte und Codierung von Zeichen neu zu

verhandeln. Und wo wären Debatten wie diese

besser aufgehoben, als beim Gipfeltreffen des

deutschsprachigen Theaters:

Hier gehören sie hin!

Den closed space Theater, der sein Publikum

ignoriert und nur als Selbstzweck existiert,

thematisierte auf provozierende Weise das

norwegische Künstlerduo Vegard Vinge und

Ida Müller in seiner jüngsten Produktion, die

zeitgleich zum Theatertreffen an der Volksbühne

im Prater Premiere hatte. Ihre Arbeit „John

Gabriel Borkman“ war im Vorjahr ein Theatertreffen-Highlight.

So lag es auf der Hand, dass

das Internationale Forum der mit Spannung

erwarteten neuen Vinge-Müller-Produktion

einen Besuch abstattete. In Zeiten, wo überall

im Land der ökonomische Druck die klassischen

Drei-Sparten-Stadttheater zur Abwicklung oder

Reduzierung ihrer Sparten zwingt, hatten Vegard

Vinge und Ida Müller ihr neues Projekt „12-Spartenhaus“

genannt: Theater total also? Von

wegen. Das Publikum wurde gar nicht erst ins

Innere des Theaters gelassen und blieb im Foyer

auf unbequemen Holzbänken sitzen. Bildschirme

übertrugen live Handlungsfetzen aus dem

Innern, darunter Fragmente aus Henrik Ibsens

„Ein Volksfeind“, aber auch groteske Fetzen aus

dem Theateralltag. In späteren Vorstellungen

werden die wartenden Zuschauer mit Kot beworfen.

Nur in den Zuschauerraum dürfen sie

noch immer nicht.

Als Karaoke schriller Charaktere wird im

„12-Spartenhaus“ unter anderem ein berühmtes

Radiogespräch der Philosophen Theodor W.

Adorno und Max Horkheimer mit Eugen Kogon

aus den 1950er Jahren nachgespielt. Gegen -

stand der Debatte ist der moderne Mensch, der

auf der Suche nach Freiheit durch die Welt irrt,

die Freiheit in der verwalteten Welt jedoch nicht

mehr findet, und diesen Verlust mit Kunstgenuss

kompensiert: von der Hoffnung verblendet, aus

dem Als-ob doch noch eine neue Wirklichkeit

erschaffen zu können. „Das Individuum ist von

der gesellschaftlichen Maschinerie längst zu

bloßen Funktionen eines Verwaltungssystems

herabgesetzt worden“, schnarrt der 12-Sparten-Adorno

auf der Leinwand unter seiner

Wollperücke. „Die Menschen haben ihr eigenes

Leben verloren,“ pflichtet ihm der 12-Sparten-Horkheimer

bei. „Sie leben das Leben, das

durch die Gesellschaft vorgezeichnet ist.“

Kreditkartentausch und kollektive BH-Probe

Sich darüber klar zu werden, wie stark man als

Einzelner nur noch als Funktion verschiedener

Verwaltungsprozesse existiert, ist der Motor vieler

Aktionen des slowenischen Künstlers Janez Janša.

Janša, der 1964 als Emil Hrvatin geboren wurde,

nahm 2007 mit zwei anderen Künstlern aus

Protest offiziell den Namen eines rechtspopulistischen

Politikers an, der slowenischer

Ministerpräsident ist: eine subversive wie wirkungsmächtige

Aktion, mit der am Fall dieses Politikers

Konstruktionen politischer Macht unterwandert

werden. Damit konnte der Künstler Janez Janša

den Politiker, dessen Namen er auf legalem Wege

kaperte, immer wieder nachhaltig irritieren sowie

sein öffentliches Bild ankratzen. Gleichzeitig will

Janša mit dieser Aktion auf die Funktion eines

Namens als soziales Interface verweisen und

zeigen, dass der Name nichts als eine Maske ist,

mit der das Individuum den öffentlichen Raum

betritt und nach dessen Regeln und Verabredungen

darin funktioniert. Diese Verabredungen zu

dekonstruieren und ihre Fragwürdigkeit offenzulegen

ist das Ziel vieler Aktionen Janšas.


Theater

treffen

Fünfzig

Internationales Forum 2013

37

„Öffentlichkeit entsteht durch Vertrauen“ lautet

eine seiner Arbeitshypothesen. Es ist im Wesentlichen

Vertrauen, das Menschen dazu veranlasst,

ihr Geld zur Bank zu bringen, die auf diese Weise

(auch jenseits der Schalterhallen) zu einem

öffentlichen Ort wird: denn Vertrauen, so Janšas

Schlussfolgerung, kann auch virtuell öffentliche

Räume schaffen. Beruht letztlich nicht der ganze

Geldverkehr auf dem Vertrauen, der Gegenwert

der auf das Papier gedruckten oder auf Münzen

geprägten Zahlen wäre staatlich garantiert?

Was geschieht, wenn dieses Vertrauen plötzlich

abhanden kommt? Kann dann Gesellschaft,

Öffentlichkeit, Wirtschaft noch funktionieren?

Im Rahmen eines Ausflugs in die Staatliche

Münze konnten die Stipendiaten live den Moment

der Münzprägung erleben, jenen magischen

Augenblick also, wenn einem Stück wertlosen

Metalls ein Wert aufgeprägt wird. Ist das

Bedrucken eines Personalausweises mit dem

Namen eines Menschen letztlich nicht ein

vergleichbarer Vorgang?

Eine weitere Erkundungsübung des Vertrauensbegriffs,

der Öffentlichkeit konstituiert, bestand

darin, dass die Forumsstipendiaten in Janšas

Sektion Kreditkarten tauschen mussten - zunächst

innerhalb der Gruppe, dann galt es,

fremde Besucher des Theatertreffens zum Kreditkartentausch

zu bewegen, mit der Verabredung,

sie jeweils nicht zu benutzen, was in der Peercommunity

der TT-Besucher offenbar recht

mühelos gelang. Ein Workshopteilnehmer konnte

die Kreditkarte eines Mitglieds der Schaubühnenleitung,

ein anderer die eines prominenten

TT-Besuchers präsentieren. Im Rahmen der

Schlusspräsentation erhielt zehn Tage später

dann jeder die Aufgabe, den Namen des Menschen

mit Kreide auf das Pflaster vor dem

Theater schreiben, dem er am meisten vertraut:

Namen? Vertrauen? Die Begriffe schienen da

plötzlich so brüchig, dass es gut passte, dass

der Regen die eben hingeschrieben Namen

gleich wieder wegwusch.

In der zweiten Woche wurde aber auch deutlich,

dass der Bewusstmachungsprozess der Rolle

des Einzelnen im Janša-Diskurs zunächst stark

mit einer großen Disziplinierung und völliger

Unterordnung der Individualität (fast einer Art

Parteidisziplin) unter die künstlerische Absicht

verbunden ist. Diese geforderte Unterordnung

schien fast diametral dem Menschenbild entgegengesetzt

zu sein, das Luk Percevals Hamburger

Fallada-Inszenierung „Jeder stirbt für sich

allein“ emphatisch gefeiert hat: das Bild des

Einzelnen, der sich gegen ein System stellt und

mit seinem Leben Sand in dessen mörderisches

Getriebe streut.

Eine Übung der Janša-Gruppe bestand darin,

einander an den Händen fassend als Gruppenindividuum

vom Hotel in Wilmersdorf durch die

Einkaufsstraßen der City-West zu laufen und so

als inszenierte Öffentlichkeit Kollisionen mit

unterwegs passierten anderen Öffentlichkeiten

zu provozieren: Endstation Kaufhaus des Westens,

kurz KaDeWe. Auch das KaDeWe betrat man

als Menschenkette, und die Sektion Janša ließ

einander auch in der Unterwäscheabteilung

nicht los, als bereits die erste in der Reihe (in

Person der Münchner Schauspielerin Stefanie von

Poser) mit einigen BHs in einer Umkleidekabine

verschwunden war. Mit völlig ungerührter Mine

reichte eine Verkäuferin an der vierzehnköpfigen

Menschenkette vorbei weitere BH-Modelle nach,

als wäre es das Normalste auf der Welt, dass

Menschen als physisch verbundenes Kollektiv

einen BH-Kauf tätigen. War das stoische Ignorieren

der Seltsamkeit dieses Vorgangs am Ende

eine Demonstration des Credos aller Dienstleister

„Der Kunde ist König“? Wir fallen nicht aus

unserer Verkäuferrolle, bis es zum Geschäftsabschluss

kommt? Oder agierte hier schlicht ein

medienerfahrenes Individuum, das angesichts

von durch TV-Sendungen wie „Versteckte

Kamera“ längst auch als Fernsehformat geläufig

gewordenen Interventionen im öffentlichen

Raum (und Unterwanderungsversuchen seiner

Verabredungen) nicht mehr zu überraschen war?

Wer also performte hier eigentlich für wen?

Die Verkäuferin für ihre merkwürdige Kundschaft

oder die Theaterprofis für diese unerschütterliche

Kaufhausmitarbeiterin?

Shoppingmall als Weltentwurf

Stefan Kaegi hatte seine Workshop-Gruppe zur

Vorbereitung einer Interventionsübung in eine

Starbucks-Filiale am Kurfürstendamm gebeten,

wo nun zunächst eine komplizierte Logistik

entwickelt wurde, wie man die Passanten auf

dem Kurfürstendamm zu Akteuren zu machen,

ihnen Aufgaben geben, sie in vorher kalkulierte

Situationen verwickeln könnte: Öffentlichkeiten

inszenieren eben. Da mussten dann später von


Theater

treffen

Fünfzig

Internationales Forum 2013

38

Passant zu Passant Botschaften überbracht oder

Luftballons aufgeblasen werden, Menschen

sollten tanzen oder Fragen beantworten und

an andere weiterleiten. Mit diesen Mikrostudien

und Selbstversuchen im Alltäglichen bewegte

man sich trotz allem immer im Resonanzraum

der großen Fragen, die auch die eingeladenen

TT-Inszenierungen stellten: Wie entsteht aus

einem kleinen individuellen Leben Geschichte?

Was bleibt von einem einzelnen Menschen, wenn

er plötzlich zum historischen Giganten vom Maß

eines Napoleon wird – Fragen, wie sie Sebastian

Hartmann mit seiner Bearbeitung des Tolstoi-

Romans „Krieg und Frieden“ stellt, und eindringliche

Bilder und Atmosphären für die Kraftfelder

und Relationen fand, die hier wirksam sind.

Dass die (Theater)Kunst ein Diskurs der Freiheit

und nicht des doktrinären Kunstanspruchs ist,

wurde dann auch ganz praktisch von und in

den Sektionen vorgelebt. Bei aller Neugier und

Erfahrungslust setzte sich bei den gestandenen

Theatermacherinnen und -machern immer

wieder fröhliche Klassenausflugslust durch. Der

öffentliche Raum als Spielplatz, das ist schließlich

auch eine befreiende Perspektive. Kaegis

Gruppe bespielte die teilweise verlassene Einkaufspassage

des Kudamm-Karree, wo jeder bei

der Abschlusspräsentation ein Stück des Landes

inszenieren konnte, aus dem er gekommen war.

Elena Ivanova-Grimm fantasierte in schwindelnder

Höhe die sibirische Steppe auf dem mit

Gräsern bepflanzten Dach. Deutschland ließ sich

wunderbar im Shop des kommerziellen Museums

„Story of Berlin“ wiedererkennen, das die Geschichte

der Stadt als Geisterbahn präsentiert.

Die Schweizer Regisseurin Caroline Ringeisen

präsentierte die Zentrale des privaten Sicherheitsdiensts

im Kudamm-Karree als sicherheitsfixierte

Schweiz und Chong Wang scheuchte das

Zuschauervolk mit breitem Grinsen autoritär

durch die verödeten Flure der verlassenen

Shoppingmall, um schließlich vor dem heruntergekommenen

Schaufenster eines einstigen

Indoor-Golf-Centers Position zu beziehen.

„China?“ dachte man noch und wurde schon

darüber aufgeklärt, dass 40 Prozent des weltweit

verkauften Golfequipments in der chinesischen

Stadt Tanxia hergestellt wird. In einem dubiosen

sogenannten „Institute for Cultural Diplomacy“

in einer halbverlassenen Büroetage im siebten

Stock, wo der israelische Regisseur Yonatan

Esterkin schließlich das multinationale Einwanderungsland

Israel inszenierte, entdeckte Janez

Janša zu seiner Freude sogar ein Porträt des

slowenischen Potentaten, dessen Namen er

seit 2007 trägt.

Flamingo im Todesstreifen

Auf der Brache des einstigen Mauerstreifens war

unterdessen unter der Supervision der Raumlaboranten

Markus Bader und Benjamin Foerster-

Baldenius eine Art Landschaftspark mit Installationen

entstanden: Verena Lobert, sonst Mit -

glied der Perfomance-Gruppe „Turbo Pascal“,

hatte gemeinsam mit der Schauspielerin Agnes

Mann und der Schweizer Dramaturgin Fadrina

Arpagaus aus Sperrholz mehrere Aussichtstürme

gebaut und auf das Gelände verteilt, die an die

Wachtürme der einstigen DDR-Grenzer erinnerten.

Ihr Meisterstück war ein enormer Flamingo,

der sich majestätisch auf einem Bein über dem

wüsten Gelände erhob. Anne Breure hatte aus

den Sperrholzbrettern, die am Anfang der Aktion

für alle Sektionsteilnehmer das gleiche Startgeld

gewesen waren, ein kleines Häuschen gezimmert:

ein Theater, in dem ein einziger Zuschauer

Platz hatte und durch einen Schlitz ins Freie

schauen konnte. Eine kleine und feine Demonstration

der alten philosophischen Erkenntnis,

dass erst der Blick das Bild erschafft und inszeniert,

welches dem einzelnen als Wirklichkeit

erscheint. In einem kleinen Kastanienhain im

Innern des Geländes hatten Martin Ambara aus

Yaoundé, Kamerun und Magali Acha aus Buenos

Aires die Rekonstruktion eines Mauerstücks

gebaut, um ihrer Verwunderung darüber ein

Monument zu errichten, wie wenig sich die Be -

wohner der Stadt Berlin mit diesem Teil ihrer

allerjüngsten Vergangenheit noch auseinandersetzen.

Ganz am Anfang war ein enormes

Holztor aufgebaut, das für eine perspektivische

Ausrichtung der wilden Brache sorgte. Zum

Schluss wurde durch das Tor der Einzug aller

Stipendiaten samt Sektionsleiter und einiger

Gästen zum großen Abschiedsbarbecue als

Riesenspektakel inszeniert.

Der utopische Ort, den das Internationale Forum

als Diskursplattform und Schutzraum für Künstlerinnen

und Künstler zum Denken und Reflektieren

im Rahmen des Theatertreffens bildet:

Hier, auf diesem vom Kapitalismus vergessenen

Stück Land, hatte er sich am Ende auf das

Schönste noch einmal materialisiert.


Theater

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Internationales Forum 2013 – Stipendiaten

39

Stipendiaten des

Internationalen Forums

2013

* Videokünstlerin für das

Internationale Forum 2013 „TTtv“

Magali Acha Bühnenbildnerin Buenos Aires, argentinien

Martin Ambara Autor / Regisseur / Dramaturg Yaoundé, Kamerun

Pavlo Arie Dramatiker / Konzeptkünstler Lviv, Ukraine

Fadrina Arpagaus Dramaturgin Basel, schweiz

Christina Bellingen Dramaturgin Hamburg, deutschland

Guy Ben-Aharon Regisseur Boston, Usa

Meriam Bousselmi Autorin / Regisseurin Tunis, tunesien

Anne Breure Theatermacherin Giesbeek, Niederlande

William Benedict Connor Autor Wellington, Neuseeland

Kerstin Daiber Dramaturgin Kiel, deutschland

Jonathan Esterkin Regisseur / Autor Tel Aviv, israel

Amitesh Grover Regisseur / Performance- und Medienkünstler New Delhi, indien

Deborah Hazler Choreographin / Performerin Wien, österreich

Karoline Hoefer Schauspieldramaturgin Schwerin, deutschland

Jiří Honzírek Regisseur Brno, Tschechische Republik

Bernd Isele Dramaturg Stuttgart, deutschland

Elena Ivanova-Grimm Regisseurin Jakutsk, Russland

Sascha Kölzow Dramaturg Bochum, deutschland

Verena Lobert Theatermacherin / Performerin Hildesheim, deutschland

Agnes Mann Schauspielerin Kassel, deutschland

Wolfgang Menardi Schauspieler / Bühnenbildner Berlin, Deutschland

Christina Mrosek Bühnen- / Kostümbildnerin Berlin, deutschland

Frank Oberhäußer Regisseur / Performer Berlin, deutschland

Hiroko Oshima Bühnenbildnerin Tokio, japan

Anna Peschke Regisseurin / Bühnenbildnerin / Performerin Hassmersheim, deutschland

Katharina Rahn Dramaturgin Aachen, deutschland

Rebecca Riedel Videokünstlerin* / Theatermacherin Berlin, deutschland

Caroline Ringeisen Theaterpädagogin / Regisseurin Bern, schweiz

Christoph Rufer Bühnen- / Kostümbildner München, deutschland

Noemi Schlosser Schauspielerin Antwerpen, Belgien

Antje Schupp Regisseurin Basel, schweiz

Roland Siegwald Theatermacher GieSSen, deutschland

Tea Tupajic Regisseurin Zagreb, Kroatien

Mieke Ulfig Videokünstlerin* / Theatermacherin Berlin, deutschland

Stefanie von Poser Schauspielerin / Regisseurin München, deutschland

Chong Wang Regisseur Peking, volksrepublik china


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Internationales Forum 2013

© Piero Chiussi

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Internationales Forum 2013

© Piero Chiussi

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Internationales Forum 2013

© Piero Chiussi

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Internationales Forum 2013

© Piero Chiussi

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© Uwe Gössel


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TT-Blog 2013

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Oha! Soeben erhielt ich eine beleidigte SMS eines bekannten

Theatermenschen, in der ich gefragt wurde, weshalb ich – entgegen

meiner kürzlich getätigten Aussage ihm gegenüber – nun an diesem

heutigen Samstag doch schon in Berlin beim Theatertreffen sei.

Er habe in diesem Blogbeitrag ebendas gelesen.

Da erschrak ich kurz. War ich doch bisher davon ausgegangen,

dass ich gerade auf dem Sofa in meinem Wohnzimmer in Leipzig sitze.

Oder war mein Wohnzimmer – ohne, dass ich es mitbekommen hatte –

zum Theatertreffen eingeladen worden? Möglich wäre es, es geschehen

ja die seltsamsten Dinge im Theaterbereich.

Dann las ich hier (nachdem ich feststellen musste, dass man den Blog

im Internet immerhin gut versteckt hat), dass nicht nur ich auf dem

Theatertreffen herumspringe, sondern auch der dänische Physiker

Niels Bohr, den ich bereits für tot gehalten hatte. Dann habe ich aber

schnell bemerkt, dass ich mich verlesen hatte, es sich nicht um Niels

Bohr, sondern um einen Schauspieler namens Niels Borloch handelt.

Nun gut, mein Fehler.

Womöglich hat mich die Redakteurin aber einfach mit irgendjemandem

verwechselt, öfters werde ich zum Beispiel mit der Mutter von Moritz

Rinke verwechselt, ab und zu auch mit dem Onkel von John von Düffel,

Dagobert von Düffel.

Auch bin ich es ja als Jungautor gewöhnt, mit anderen, ebenfalls

nichts sagenden Jungautoren verwechselt zu werden, die ihr Handwerk

ebenfalls auf einer Schreibschule gelernt haben (zum Beispiel, wie man

einen Stift hält, oder dass man einen Satz mit einem Großbuchstaben

anfängt), allerdings dann eher textlich, nicht so sehr mein Äußeres

betreffend. Wahrscheinlich wurde ich aber einfach mit Nis-Momme

Stockmann verwechselt, schließlich habe ich ja auch einen leichten Hau

ins Friesische.

Ganz gleich, in jedem Fall freue ich mich auch in diesem Jahr über den

guten Journalismus! Denn je offener sich der Journalismus zur Fiktion

bekennt, desto ehrlicher wird er ja. Und dagegen ist nichts zu sagen!

Herzliche Grüße

Wolfram Lotz

Wolfram Lotz, TT-Blog13, 4. Mai 2013


Theater

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TT-Blog 2013 – reaktionen

„@TT_Blog-13: eure Blogger-Rundschau zum #TT50 gibt

einem besten Lesestoff für Tage – danke fürs Zusammentragen!!

Macht mich ganz nostalgisch.“

Bianca Praetorius, 24. Mai 2013 auf Twitter

„Technisch und kreativ auf dem neusten Stand.“

Georg Kasch, nachtkritik.de, 2. Mai 2013

„Theaterkritik im Netz hat natürlich auch Vorteile,

die Möglichkeit größerer Formatvielfalt zum Beispiel;

und es bedeutet, den Leser nicht als Endabnehmer eines Textes,

sondern als Gegen über zu begreifen, das in Foren und

Kommentaren mitsprechen darf. Nicht nur die Theaterformen,

auch die Weisen der kritischen Reflexion vermehren sich.

Nur zu empfehlen.“

Dirk Pilz, Berliner Zeitung, 4. Mai 2013

„So ist es! Via @nachtkritik: „@TT_Blog13,

ihr habt da in den letzten Wochen einen echt guten Job gemacht.

Chapeau!“

Christine Nitschke, 22. Mai 2013 auf Twitter

© Henrike Terheyden

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Impressum

Festival

Theatertreffen Dokumentation

Medienpartner

Leiterin Theatertreffen:

Yvonne Büdenhölzer

Theatertreffen-Jury 2013:

Vasco Boenisch, Anke Dürr,

Ulrike Kahle-Steinweh,

Christoph Leibold,

Daniele Muscionico,

Christine Wahl, Franz Wille

Organisation:

Barbara Seegert (Organisationsleiterin),

Susanne Albrecht, Katharina Fritzsche,

Lea Jürß (Assistentin TT-Leiterin),

Katharina Wendt, Anneke Wiesner,

Christina Zintl

Praktikantinnen:

Eva Döhne, Marlene Hänig,

Nora Rigamonti, Lisa Schöttler,

Julia Wötzinger, Eefke Kleimann,

Salomé Klein

Festivalbüro: +49 30 25489 233

theatertreffen@berlinerfestspiele.de

Stückemarkt:

Christina Zintl (Leiterin),

Katrin Schmitz (Assistentin)

stueckemarkt@berlinerfestspiele.de

Theatertreffen-Blog:

Nikola Richter (Leiterin)

Theatertreffen-blog@berlinerfestspiele.de

Fünfzig:

Jessica Steinke (Konzept und

Künstlerische Leitung Fahrt & Fest)

Stephan Wetzel

(Redaktion Jubiläumsbuch)

Gestaltung Festivalzentrum:

Heike Schuppelius

Mitarbeit: Agnes Fabich

Spielstättenleiter: Karsten Nessler

Künstlerbetreuung: Lea Gscheidel

Veranstalter

Berliner Festspiele

Ein Geschäftsbereich der

Kulturveranstaltungen des Bundes Berlin

GmbH

Gefördert durch den Beauftragten der

Bundesregierung für Kultur und Medien

Intendant: Dr. Thomas Oberender

Kaufmännische Geschäftsführerin:

Charlotte Sieben

Berliner Festspiele

Schaperstraße 24

10719 Berlin

T +49 30 254 89 0

berlinerfestspiele.de

info@berlinerfestspiele.de

Herausgeber:

Berliner Festspiele

Redaktion:

Yvonne Büdenhölzer, Uwe Gössel,

Lea Jürß, Anne Phillips-Krug, Christina

Tilmann, Christina Zintl

Gestaltung:

Christine Berkenhoff

Fotos:

Piero Chiussi, Birgit Hupfeld,

Thomas Aurin, Krafft Angerer,

R. Arnold, Centraltheater,

Julian Röder, Ursula Kaufmann,

Stephen Cummiskey,

Tanja Dorendorf T+T Fotografie,

Klaus Lefebvre, Uwe Gössel

Zeichnungen:

Henrike Terheyden,

www.theatertreffenblog.de

Stand: August 2013

Das Theatertreffen dankt

seinen Förderern, Partnern

und Unterstützern

Gefördert durch die KSB

3sat

Deutschlandradio Kultur

Förderer des Stückemarkts

Heinz und Heide Dürr Stiftung

bpb Bundeszentrale für politische Bildung

Karl Schlecht Stiftung

Deutschlandradio Kultur

CAA Berlin

Partner und Unterstützer

Auswärtiges Amt

Goethe-Institut

Schweizer Kulturstiftung prohelvetia

Deutscher Bühnenverein

EXBERLINER

Berliner Zeitung

Die deutsche Bühne

Rudolf Augstein Stiftung

Die Kultusministerien der

deutschen Bundesländer

Allianz Stiftung

MONOPOL

Spielbank Berlin

Visit Berlin

STRÖER Deutsche Städte Medien

Heinrich-Böll-Stiftung

Interweaving Cultures in performance

Axel Springer Stiftung

Stiftung Preußische Seehandlung

Zeitreisen Berlin

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Internationales Forum:

Uwe Gössel (Leiter),

Söke Tonat (Assistentin)

internationales-forum@

berlinerfestspiele.de

Kulturveranstaltungen des

Bundes in Berlin GmbH (KBB)

Schöneberger Straße 15

10963 Berlin

www.kbb.eu

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