Sommersemester 2011 - Hochschule für Musik Saar - Saarland

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Sommersemester 2011 - Hochschule für Musik Saar - Saarland

allaBREVE

Magazin der Hochschule für Musik Saar

16. Jahrgang Nr. 1 Sommersemester

2011


Sommersemester 2011

Editorial

Liebe Leserinnen

und Leser von alla breve,

die Musikfestspiele Saar 2011, unter dem Motto »Servus Austria«, bescheren dem

Saarland auch in diesem Sommer wieder viele fantastische Kulturveranstaltungen.

Die Hochschule für Musik Saar, seit Jahren Kooperationspartner, widmet sich

u. a. den Komponisten Franz Liszt (1811–1886) und Gustav Mahler (1860–1911).

Studierende der Musikhochschulen Budapest, Wien, Prag, München, Graz und

Saarbrücken werden im Mai interessante Einblicke in das Werk Franz Liszts

gewähren. Professor Dr. Klaus Velten analysiert in diesem Heft Mahlers Sinfonien

als philosophische »Weltbilder«, die vom Denken Arthur Schopenhauers inspiriert

sind; Prof. Dr. Rainer Kleinertz würdigt Franz Liszt anlässlich des 200. Geburtstages

des Komponisten. Ob Kammermusikwoche, Opernaufführung, Konzerte des

Hochschulorchesters, des Hochschulchors, Vorträge, Workshops und und …, die

aktuelle Ausgabe von alla breve informiert über die zahlreichen Ereignisse im und

um das Haus.

Die Freunde und Förderer unterstützen die Hochschule in vielfältiger und

segensreicher Form; an dieser Stelle möchte ich ein herzliches Dankeschön

an alle Mitglieder wie auch an den Vorstand der Vereinigung richten!

Was vor einigen Jahrzehnten begann, hat sich unter dem Vorsitz der Herren

Welsch, Dohmen, Lenz und Severin zu einer der mitgliederstärksten Förderorganisationen

im Saarland etabliert! Herr Severin hat anlässlich seines Ehrentages

um Spenden für die Vereinigung der Freunde und Förderer gebeten und einen

sehr schönen Betrag für die Zwecke der Hochschule eingeworben! Hierfür ein sehr

herzliches Dankeschön!

Hochschulalltag bedeutet nicht ausschließlich Freude; offensichtliche Veränderungen,

provoziert u. a. durch Sparzwang, Bildungspolitik, Demografie, Neue

Medien und »Kundenverhalten«, zwingen uns zur Reflexion. Nicht ohne Grund

haben die 24 bundesdeutschen Musikhochschulen ein gemeinsames Positionspapier

entworfen, welches sehr eindeutig Stellung bezieht, sowohl Verantwortung,

Herausforderung, Inhalte, Umdenken und Einflussnahme betreffend. Spätestens

seit Beginn der Umsetzung der Bologna-Vorgaben sehen sich die Hochschulen

einem Wandel unterzogen, der nicht ausschließlich auf Lehrinhalte und Prüfungsmodalitäten

abzielt.

Veränderungen im Kollegium und im modularisierten Studienangebot,

anstehende, bzw. laufende Baumaßnahmen (Erweiterungsbau, Alte Kirche) und

die im Sommersemester stattfindenden Gremienwahlen läuten einen Paradigmenwechsel

an der HFM Saar ein, der intensive Diskurse über Ausrichtung, Inhalte,

Standards und Veränderungen mit sich führen muss. Freiheit von Kunst und

Lehre, Exzellenz und Eliteförderung einerseits, Enkulturation, veränderte

gesellschaftliche Realitäten, Öffnung zu neuen Genres und Lehrinhalten sowie

bildungspolitische Verantwortung andererseits werden für reichlich Diskussionsstoff

sorgen!

Ich erhoffe die konstruktive Beteiligung vieler kreativer und engagierter Kräfte,

die aktiv an der Entwicklung und Gestaltung der Zukunft »unserer« Hochschule

mitwirken!

Viel Vergnügen bei der Lektüre!

Herzlich,

Ihr

Professor Thomas Duis

Rektor der Hochschule für Musik Saar

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Sommersemester 2011

Inhalt

Report

»Amour, que veux-tu de moi?« –

fiktive Tagebuchaufzeichnungen von Johann Christian Bach 6

Veranstaltungen

Hochschule für Musik Saar 10

Deutsche Radiophilharmonie 18

Saarländisches Staatstheater 20

Panorama

Wie Elefanten tanzen 22

Zeitreise ins Saarbrücker Rokoko 23

Erstflug von »Phönix« in der Congresshalle 23

Sommernachs traum reloaded 24

Publikationen 25

FuF

Grußwort des Vorsitzenden Werner Severin 26

Der FuF-Vorsitzende Werner Severin feiert 60. Geburtstag 27

FuF-Konzerte im Wintersemester 27

Studium

»Digital Music in Education« 30

Die Kunst der Vermittlung 32

»Buena Vista« im Senioren-Club 34

Campus

Aus den Klassen 38

Namen & Nachrichten 40

Essay

Franz Liszt – zum 200. Geburtstag des Komponisten 42

Sinfonien als Weltbilder – zum Werk Gustav Mahlers

anlässlich seines Todes vor 100 Jahren 48

IMPRESSUM

allaBREVE Magazin der Hochschule für Musik Saar Herausgeber/V.i.S.d.P.: Prof. Thomas Duis, Rektor der Hochschule

für Musik Saar, Bismarckstraße 1, 66111 Saarbrücken, T 0681/967310, F 0681/9673130, www.hfm.saarland.de

Redaktion: Thomas Wolter, t.wolter@hfm.saarland.de Gestaltung: Ludmilla Schmidt, info@ludmilla-schmidt.de

Auflage: 2.000

allaBREVE erscheint zweimal jährlich zu Semesterbeginn Druck: Fischer Druck Saarbrücken

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. © Texte und Fotos

falls nicht anders angegeben: Hochschule für Musik Saar

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Report allaBREVE Wintersemester 2010/11 Report

»Amour, que veux-tu de moi?«

Als Johann Christian Bach in Saarbrücken Station machte –

fiktive Tagebuchaufzeichnungen von Hans Bünte

In der guten alten Zeit brauchte die Postkutsche von Frankfurt/

Mainz nach Paris etwa eine Woche. Saarbrücken lag an der Strecke,

hier konnte man übernachten und am nächsten Morgen mit

frischen Pferden weiterfahren. Und manchmal las man dann im

Saarbrücker Anzeiger, wer da alles in Saarbrücken war: Karl Marx,

Wilhelm von Humboldt, Clara Schumann. Die meisten Gäste aber,

darunter mancher Prominente, blieben anonym. Dass auch der

jüngste Sohn von Johann Sebastian Bach, Johann Christian Bach,

von Paris nach Mannheim fuhr, ist sicher.

Hans Bünte – Musiker, Autor und exzellenter Kenner sowohl

der Musik- als auch der Saarbrücker Stadtgeschichte – hat

für alla breve in seiner Fantasie einmal durchgespielt, wie der

Zwischenaufenthalt des Barock-Musikers im Saarbrücken der

Fürstenzeit ausgesehen haben könnte. Heraus kam ein vergnügliches,

fiktives Tagebuch von Johann Christian Bach, gespickt mit

interessanten Fakten aus der damaligen Musikwelt und reichem

Hintergrundwissen zum kulturellen Leben am Saarbrücker

Fürstenhof des ausgehenden 18. Jahrhunderts.

»Amour, que veux-tu de moi?« Lully hatte recht – so fängt

man keine Oper an. Ich hätte es wissen müssen. Einen

Artillerieoffizier als Librettisten zu nehmen! Aber jetzt genug

gegrübelt, schon fast Mitternacht, ich brauche Schlaf.

sondern auch kühn eine Bitte zu unterbreiten: In Anbetracht,

daß das Logement in dieser Stadt ebenso uncomfortabel

sei wie die Speisung einer feinen Zunge unzuträglich, die

Weine aber vollends so, daß Gott erbarm, möge Derselbige

eine Invitation des Endesunterfertigten nicht abschlägig

bescheiden, eine frugale Collation nebst einem artigen

Schlücklein in seinem Hause einzunehmen, wohl wissend,

daß Hochwohlgeboren ordinairement in höheren Circulos zu

verkehren gewohnt, dennoch aber vielleicht geneigt, zumal

in Vakanz einer besseren conversatio, einem fleyßigen Jünger

artium musicae ein geneigtes Ohr zu leihen. In geziemender

Hochachtung und Dienstbeflissenheit mit allem ergebenen

Respekt zeitlebens verharrend allersubmissest Adolph

Friedrich Ritter, Organist und Kantor an der Ludwigskirche

allhier.«

»Gerötetes Antlitz und gewaltiger

embonpoint«: Fürst Ludwig von Nassau-

Saarbrücken. Gemälde von Johann Ludwig

Lucius um 1770/75. Stiftung Saarländischer

Kulturbesitz, Saarlandmuseum Saarbrücken.

Der Komponist Johann Christian Bach (1735–1782) war der

jüngste Sohn von Johann Sebastian Bach. Er hatte großen Einfluss

auf den Stil des jungen Mozarts.

1779 wurde Bach nach Paris eingeladen, um an der »Académie

Royale de Musique« eine neue Oper aufzuführen. Amadis des

Gaules, nach einem bereits von Jean-Baptiste Lully vertonten

Libretto von Philippe Quinault, fiel am 14. Dezember 1779

durch. Dafür verantwortlich gemacht wurde die dramaturgisch

ungeschickte Bearbeitung, die der Artillerieoffizier de Vismes

an Quinaults Text vorgenommen hatte. In Paris begegnete Bach

auch Wolfgang Amadeus Mozart wieder.

»In Paris ratterten die Kutschen die

ganze Nacht, und ich schlief wie ein

Stein. Dort bekam mir der Bordeaux,

hier hält er mich wach.«

Ein Uhr nachts. Eiskalte Füße, heißer Kopf, das Herz poltert.

Zwei von Dr. Murphys Pillen geschluckt, kann dennoch nicht

schlafen. Vertrage das Reisen nicht mehr. Fünf Schimmel

zogen die Postchaise von Metz, als wären es fünf Schnecken.

Und das Gerumpel und Geschaukel. Und das bergauf-bergab.

Früher konnte ich dabei komponieren – früher! Hotel zur

Post – kläglich.

Zwei Uhr. Draußen Totenstille. Nur eben schlurfte der

Nachtwächter vorbei. »Hört, ihr Leut’, und lasst euch sagen:

unsre Glock hat zwei geschlagen! Bewahrt das Feuer und

das Licht, Dass unsrer Stadt kein Leid geschicht!« Telemann

hat das komponiert – oder Biber? In Paris ratterten die

Kutschen die ganze Nacht, und ich schlief wie ein Stein. Dort

bekam mir der Bordeaux, hier hält er mich wach. Dabei hat es

der arme Ritter so gut gemeint.

»Zwei Töchter spielten artig

mein Rondo in F, dann sang die

Hausfrau nicht übel«

»Hochwohlgeborener Herr Johann Christian Bach, verehrter

Herr Director musicae des Doms zu Mailand, Magister

musicae Ihrer Majestäten des Königs und der Königin von

England, Herr Operndirektor zu London etcetera!« hatte er

geschrieben. »Wollen Euer Hochwohlgeboren einem treuen

Bewunderer bestens excüsieren, daß er sich die Freiheit

nimmt, nicht nur sein Glück expressis verbis zu äußern, Euer

Hochwohlgeboren in der Stadt Saarbrück begrüßen zu dürfen,

Dass einer noch formuliert wie einst die Leipziger Ratsschreiber,

rührte mich; ich sagte zu, und Ritter holte mich ab.

Zunächst, wie befürchtet, wurde musiziert. Doch der brave

Ritter hatte sich eifrig präparieret. Zwei Töchter spielten artig

mein Rondo in F, dann sang die Hausfrau nicht übel

die Cavatina Perché tarda aus meinem Artaserse.

Nun ging’s endlich zu Tisch, und wahrlich, die Collation

war weit besser als bescheiden – man speist gut und gern in

Saarbrück, erklärte der Hausherr – und das »Schlücklein«

war so vorzüglich, dass ich alle Verordnungen von Dr. Murphy

und meine eigenen guten Vorsätze hintansetzte.

Alle brannten darauf, Neues aus Paris zu hören. Berichtete

ich also vom Opern-Auftrag der Académie Royale de

Musique und schilderte den Inhalt von »Amadis«, verschwieg

aber – ich gesteh’s – dass die Oper vom Pariser Publico

nicht recht goutiert worden, auch nach nur sechs executiones

abgesetzet. Ritter selbst kam auf meinen »Temistocle«, so

in Mannheim – er sagte es selbst – bejubelt worden, so dass

ich gerne von weiteren Erfolgen berichtete.

»War Ihr Herr Vater

denn auch ein Musicus?«

Wobei mir, ich gesteh’s, immer wohler wurde, und die tiefe

depressio, in die mich der Pariser Misserfolg, die Londoner

Miseren und leider auch meine angegriffene Gesundheit

versetzt, für eine Zeitlang verflog. Landete dann, von seinem

allerdings vorzüglichen Weine beflügelt, bei allerlei Schnurren.

Erzählte ihnen, wie ich, noch als Knabe, zu Lebzeiten meines

seligen Vaters abends auf dem Klaviere phantasieret und

mit einem Quartsextakkord aufgehöret. Worauf mein Vater,

welcher bereits zu Bette, auffuhr, mir eine Ohrfeige gab und

den Quartsext resolvieret, will sagen: ordentlich aufgelöst habe.

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Report allaBREVE Sommersemester 2011 Report

»War Ihr Herr Vater denn auch ein Musicus?« fragte

Ritter, für den mein Bruder Carl Philipp Emanuel und ich

schon genug musikalische Zelebritäten namens Bach

darstellen. Berichtete ich also, dass unser Vater weiland Kantor

bei St. Thomas in Leipzig gewesen, ein Meister auf der Orgel

und auch komponiert habe. Daß seine, Ritters, Unkenntnis

aber ganz verständlich sei, da unser Vater – Johann Sebastian

habe er geheißen – allerdings ganz außer Mode gekommen,

weil er seinen Stücken durch ihr schwülstiges und verworrenes

Wesen das Natürliche entzogen und ihre unbestreitbare

Schönheit durch allzugroße Kunst verdunkelt habe.

»Statt der erwarteten Jagdgesellschaft

galoppierte eine quiekende

Schweineherde durch die Gasse«

Auch den kleinen Mozart, den ich in Paris wiedergetroffen,

kennt Ritter natürlich nicht. Gab ich ihm denn wieder, was

der arme Wolfgang Amadé mir geklagt: Nun habe er endlich

eine Stelle als Salzburger Hoforganist, kümmerlich genug

besoldet, schon werde allen Bediensteten das Salär gekürzt –

Colloredo will die Staatsfinanzen sanieren, da fängt man bei

der Kultur an – das kennt man.

10. Jänner. Aus unruhigem Schlaf weckt mich um 7 Uhr

der Wirt: Die Abreise müsse auf 10 Uhr verschoben werden,

um eine Achse zu wechseln. Ein Spaziergang wird mir gut tun.

Ein Viertel vor drei: Immer noch in Saarbrück. Ich ging

und schaute mir das Städtlein an. Hübsch die neue Kirche auf

dem Ludwigsplatz mit den netten Palais’ ringsum. Über die

Brücke gegangen ins Dorf St. Johann, wo mich ein Hornsignal

empfing. Doch statt der erwarteten Jagdgesellschaft galoppierte

eine quiekende Schweineherde durch die Gasse, so daß

mich nur ein Sprung in eine Toreinfahrt rettete.

Maledetto – es geht erst morgen weiter! Noch ein Abend

hier!! Ich habe mir frische Dinte bringen lassen und werde

das Adagio der neuen Sinfonie fertigschreiben.

»Das Schloss ist klein, aber prächtig

eingerichtet. Der Fürst empfing mich in

einem geräumigen Wintergarten«

11. Jänner. Mantelsack gepackt; warte auf die Abfahrt.

Schlechte Nacht aus mehreren Gründen. Schrieb gestern fast

drei Stunden am Adagio und zerriss dann die ganze Sinfonia.

Es gelingt mir nichts mehr. Ließ mir eine Flasche Burgunder

aufs Zimmer bringen, doch just, als man sie öffnete, kam

Ritter und und holte mich zum Souper beim hiesigen Fürsten.

Es hat sich wohl herumgesprochen, daß ich in der Stadt sei.

Musste in aller Eile die Perücke pudern lassen und für die

300 Schritt eine Kutsche mieten – wegen der Reputation.

Das Schloss ist klein, aber prächtig eingerichtet. Der Fürst

empfing mich in einem geräumigen Wintergarten, der durch

plätschernde Bächlein, Blumen und Früchte, ja, lebende Vögel

so maskiert ist, dass man an diesem Wintertage in einen

sommerlichen Garten zu weilen meinte. Im Salon ward ich

dann vom Fürsten empfangen und den Damen vorgestellt.

Ritter hatte mich instruieret, nicht nach der Fürstin zu fragen,

da sie von ihrem Gatten getrennt auf dem nahe gelegenen

Halberge lebe. Ich wurde zu einem in Saarbrück verfertigten

Hammerflügel der Wiener Art geführt, auf dem ich mich

produzieren sollte. Präludierte ein wenig und fand ihn in

schlechtem Zustand, zudem verstimmt, was auch mich so

verstimmte, dass ich mir eine Bemerkung über die vortrefflich

gepflegten Instrumente am englischen Hofe nicht verkneifen

konnte. Als ich aber sah, wie des Fürsten Miene sich verfinsterte,

setzte ich mich und spielte meine Sonate in C.

»Die Damen am Tisch verharrten

in eisiger Contenance, der Fürst

jedoch schlug sich auf die Schenkel

vor Vergnügen«

Dem Fürsten fielen dabei die Augen zu, doch erwachte er

immer wieder, da die Damen nach jedem Satze heftig applaudierten,

und tat desgleichen. Danach Konversation. Anfangs

mühsam, da Fürst Ludwig keine meiner opera kennt. Der

brave Kantor Ritter rettete die Stimmung, indem er erwähnte,

daß ich olim vor Seiner Majestät dem preußischen König,

vulgariter »der Alte Fritz« genennet, gespielt habe. »Sogar

mehrmals«, ergänzte ich und adjungierte, daß die englische

Königin mir die Ehre erwiese, bei mir lectiones zu nehmen.

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»Im Salon ward ich dann vom Fürsten empfangen und den Damen

vorgestellt.«: Ansicht des Saarbrücker Schlosses, nach 1760.

Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Saarlandmuseum Saarbrücken.

Dann ging’s zu Tisch. Das gerötete Antlitz und gewaltige

embonpoint des Fürsten verrieten, daß er die Freuden der

Tafel und des Kellers über die Maßen schätzt, und wiewohl

er schwer unter Gicht leidet, schlang er, horribile dictu, Berge

von Austern herunter und spülte mit schwerem Rheinwein

nach. Zwölf Musiker habe seine Kapelle, renommierte er, und

deren Türkenmusik suche weit und breit ihresgleichen! Ich

hatte dem Weine so zugesprochen, daß ich mühelos meine

Bewunderung äußern konnte, auch als er berichtete, vor

Jahren habe er 35 Mann in korsische Kostüme kleiden lassen

und eigens hierfür eine kleine Kapelle bestellt. Gab dann

die neuesten Anekdoten aus Versailles zum besten, wagte

sogar zu erzählen, dass der König nach der Hochzeitsnacht

im Tagebuch notiert habe: »Nichts.« Die Damen am Tisch

verharrten in eisiger Contenance, der Fürst jedoch schlug

sich auf die Schenkel vor Vergnügen: »Kein Wunder bei einer

Tochter von Maria Theresia!« »Oh nein, Durchlaucht«, wagte

ich zu bemerken, Marie Antoinette habe es faustdick hinter

den Ohren!

Hier führte man seinen 12jährigen Sohn hinaus, und ein Blick

in Ritters Gesicht veranlasste mich, das Thema fallen zu

lassen. Um die Damen wieder zu versöhnen, brachte ich das

Gespräch auf meinen »Amadis«, erzählte den Inhalt, ging zum

Flügel und sang die ersten Takte: »Amour, que veux-tu de

moi?« was große Wirkung tat und mir selbst gar nicht mehr

so unpassend vorkam wie noch heute nacht.

Auf dem Rückweg zu meinem Platze bemerkte ich ein

Portrait, das den Fürsten in schmeichelhafter Weise wiedergibt,

und fragte höflich danach. Ich behauptete kühn, in seiner

Qualität ähnele es den Werken von Gainsborough, der – so

setzte ich beiläufig hinzu – mich zweimal porträtiert habe.

Leider kannte der Fürst diesen Namen nicht. Pries ich also

seine Kunst und seine unerwiderte Liebe zur Musik. So hätte

ich ihn angetroffen, als er versuchte, einem Fagott Töne zu

entlocken. »Laß es sein, Mensch, laß es sein«, hatte ich damals

gerufen – »willst Du Dich selbst zum Platzen bringen, wie der

Frosch in der Fabel?« »Lafontaine!« rief da der Fürst und hob

den Finger, denn wer kennt den nicht ...?

Zum Glück

gibt‘s LOTTO

Zum Glück 210-142.indd 1

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Veranstaltungen allaBREVE Sommersemester 2011 Veranstaltungen

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Veranstaltungen allaBREVE Sommersemester 2011 Veranstaltungen

4. HFM-Woche der Kammermusik

8.–12. Juni 2011, Hochschule für Musik Saar

Antonín Dvořák und die böhmisch-mährische Kammermusik

Bereits zum vierten Mal veranstaltet

die Hochschule für Musik Saar die

HFM-Woche der Kammermusik, in der

sich die Professoren, aber auch herausragende

Studierende zu Ensembles

zusammenschließen.

Antonín Dvořák:

das Schaffen des

tschechischen

Komponisten

war vor allem von

Franz Liszt und

der Volksmusik

seiner Heimat

beeinflusst.

In diesem Jahr werden bekannte und

unbekannte Schätze der tschechischen

Kammermusik gehoben, deren Schöpfer

im 19. Jahrhundert ja entweder als

böhmische oder mährische Komponisten

bezeichnet werden müssen – und

die im 20. Jahrhundert die Grenzen ihrer

Heimat oft hinter sich ließen. Die in

ihrer Qualität überragende Kammermusik

von Antonín Dvořák (1841–1904)

bildet das Zentrum, um das herum sich

ältere und jüngere Werke locker gruppieren.

Sie umspannen etwa eineinhalb

Jahrhunderte in den unterschiedlichsten

Besetzungen und Dimensionen.

Meisterkurs mit Prof. Eduard Brunner

Während der Kammermusik-Woche

wird der Klarinettist Prof. Eduard

Brunner vom 6. bis 11. Juni in der

Hochschule einen Kammermusik-Meisterkurs

geben. Nähere Informationen zu

dem Kurs werden noch bekannt gegeben.

Programm (Änderungen vorbehalten)

Mi 8. Juni, 19 Uhr

(FuF-Konzert, nähere Infor ­

mationen siehe Rubrik FuF)

Werke von Antonín Dvořák,

Franz Krommer und Leoš Janáček

Do 9. Juni, 19 Uhr

Antonín Dvořák

Serenade für Bläser,

Cello und Kontrabass d-moll op. 44

(1878)

Antonín Dvořák

Klavier-Quartett op. 87

in Es-dur (1889)

Bohuslav Martinů:

»La Revue de Cuisine« – Jazz-Suite für

Klarinette, Fagott, Trompete, Violine,

Violoncello und Klavier

(1927)

Leoš Janáček:

Pohádka (Märchen) für Violoncello

und Klavier (1910/1923)

Fr 10. Juni, 19 Uhr

Antonín Dvořák

Klavier-Quintett A-dur op. 81 (1887)

Bedřich Smetana

Klavier-Trio g-moll op. 15 (1855)

Franz Krommer

13 Stücke für zwei Klarinetten

und Viola op. 47

Bohuslav Martinů

Serenade für Violine, Viola,

Violoncello und zwei Klarinetten

(1951)

Bohuslav Martinů

Sa 11. Juni, 19 Uhr

Antonín Dvořák

Rondo für Violoncello und Klavier g-moll

op. 94 (1891)

Zdeněk Fibich

Quintett für Violine, Klarinette, Horn,

Violoncello und Klavier D-dur op. 42

(1893)

Miroslav Příhoda

Suite für Violine und Klavier op. 8

Erwin Schulhoff

Streichsextett op. 45 (1924)

Leoš Janáček

»Mládí« ( Jugend) Suite für Bläsersextett

(1924)

Leoš Janáček

So 12. Juni, 11 Uhr

Antonín Dvořák

Klavier-Trio g-moll op. 26 (1876)

Antonín Dvořák

Sonatine für Violine und Klavier

G-dur op. 100 (1893)

František Škroup

Trio für Klarinette, Violoncello und

Klavier Es-dur op. 27

Bohuslav Martinů

Klavierquartett Nr. 1 (1942)

Zdeněk Fibich: Ausgewählte Lieder

für Stimme und Klavier

Pavel Haas: Bläserquintett op. 10 (1929)

Eintrittspreise 6 € / 3 € (ermäßigt)

Für HFM-Studierende ist der Eintritt

bei allen Konzerten frei. Das Konzert am

8. Juni 2001 ist für FuF-Mitglieder frei.

Musikfestspiele Saar

»Servus Austria« 2011

Franz Liszt-Festwochen

an der HFM Saar

Franz Liszt

Vom 30. April bis 13. Juli werden die Musikfestspiele Saar

die größte Darstellung österreichischer Kultur 2011 in Europa

präsentieren. Mit den Wiener Philharmonikern, der Vereinigung

Wiener Staatsopernballett, dem Wiener Burgtheater mit

der einzigen Komödie Schillers (»Der Parasit«), Otto Schenk,

Klaus Maria Brandauer mit einer deutschen Erstaufführung,

den Wiener Sängerknaben, dem Perkussionisten Martin

Grubinger und der Spanischen Hofreitschule Wien ist bei

diesem Festival die »Crème de la Crème« aus Österreich in

unserer Region zu Gast.

Höhepunkte des Festivals sind die beiden Konzerte der

Wiener Philharmoniker am 26. Mai mit Mahlers 9. Sinfonie

und am 27. Mai mit Beethovens »Eroica« in der Saarbrücker

Saarlandhalle.

Zu einem exklusiven Deutschland-Auftritt kommt die

Spanische Hofreitschule Wien im Rahmen des Festivals für

drei Tage nach St. Wendel. Vom 29. Juni bis zum 1. Juli werden

Reiter und Pferde die klassische Reitkunst der »Hohen

Schule« auf allerhöchstem Niveau präsentieren. Weiter spannt

sich der künstlerische Bogen bis zu Chansons mit Erika

Pluhar, Rock-Pop mit Christina Stürmer,

»Kultiges« mit Rainhard Fendrich und Hubert von Goisern.

Einen wichtigen Beitrag zum Festival leistet die Hochschule

für Musik Saar innerhalb der Franz Liszt-Festwochen

zum 200. Geburtstag des Komponisten – vom März bis

Juli 2011.

Franz Liszt war der erste wirklich kosmopolitisch denkende

Musiker und Komponist, der exemplarisch künstlerische

Einflüsse aus den damals führenden Musiknationen in seine

Schöpfungsprozesse integriert hat. Bekannt geworden ist

Liszt vor allem mit seinen sinfonischen Dichtungen und

Klavierwerken. In den Franz Liszt-Festwochen soll dagegen

der unbekannte Liszt dargestellt werden, insbesondere mit

seinen nur wenig bekannten Chor-, Orgel-, späten Klavierwerken

und Bearbeitungen für Klavier. Außerdem werden

Werke von Liszt mit Tanz und pantomimischer Darstellung

neu beleuchtet. Die Franz Liszt-Festwochen bieten die

einmalige Gelegenheit, das faszinierende Phänomen Franz

Liszt neu zu entdecken.

Dr. Theo Schmitt

Der Ausnahme-Perkussionist Martin Grubinger

Foto: Christian Schneider

Exklusiver Deutschland-Auftritt: die Spanische Hofreitschule

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Veranstaltungen allaBREVE Sommersemester 2011 Veranstaltungen

Liszt-Woche an der HFM

mit verschiedenen Musikhochschulen

Weitere Konzerte

mit Werken von Franz Liszt

Liszt Orgelgesamtwerk

Lokaltermin im Hafen

Szenische Revue der HFM-Opernklasse

Innerhalb der Festveranstaltungen zu Ehren von Franz Liszt

gibt es an der HFM eine einwöchige Konzertreihe, an der

mehrere mitteleuropäische Musikhochschulen beteiligt sind.

Mo 02. Mai

Hochschule für Musik Saar

Opernbearbeitungen für Klavier von Liszt

Di 03. Mai

Franz-Liszt-Musikakademie Budapest

Orgelbearbeitungen von Liszt

Do 05. Mai

Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

Klavier-Spätwerk mit religiöser Thematik von Franz Liszt

Fr 06. Mai

Universität für Musik und darstellende Kunst Graz

Orgelbearbeitungen von Liszt

Sa 07. Mai

Hochschule für Musik und Theater München

Klavier-Spätwerk von Franz Liszt

So 08. Mai

Academy of Performing Arts, Prag

Liszt als Liedkomponist

Sa 30. April

E-Werk Saarbrücken

Eröffnungskonzert mit Liszts Kantate »An die Künstler«

Bearbeitung von Robert Leonardy und Thomas Duis

für zwei Klaviere, Orchester und Männerchor

(Uraufführung)

Koreanischer Nationalchor

Ulsan Metropolitan Chorus, Korea

Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern

Leitung: Christoph Poppen

Die Bearbeitung der sehr selten aufgeführten Chorkantate

»An die Künstler« auf ein Gedicht von Friedrich Schiller

wird in einer neu geschaffenen Bearbeitung erklingen, die

zusätzlich zwei Soloklaviere in den Orchesterpart integriert.

Durch die Bearbeitung soll der Chorkantate eine stärkere

klangliche Brillanz verliehen werden, um ihr einen Platz im

Standardrepertoire zu sichern.

Mo 9. Mai

Hochschule für Musik Saar, Saarbrücken

Boris Berezovsky

Franz Liszt, »Etudes d'exécution transcendante«

So 27. März, 16 Uhr

Basilika St. Johann, Saarbrücken

So. 03. April, 11 Uhr

Kirche St. Hildegard, St. Ingbert

Bernhard Leonardy: »Evocation à la Chapelle Sixtine«,

»Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen«, »Prometheus«, u. a.

So 15. Mai, 16 Uhr

Basilika St. Johann, Saarbrücken

Christian von Blohn: »Ad nos ad salutarem undam«,

»Vogelpredigt des Hl. Franz von Assisi« u. a.

So 29. Mai, 16 Uhr

Eglise Notre Dame, Metz (F)

Philippe Delacour: »Orpheus«, »Ave Maria«, u. a.

Do 02. Juni, 16 Uhr

Benediktinerabtei zu Tholey

Olivier Latry (Organist von Notre Dame, Paris):

Phantasie und Fuge über Bach, u. a.

So 03. Juli, 18 Uhr

Stiftskirche St. Arnual, Saarbrücken

Andreas Rothkopf: Liszt h-moll-Sonate

in der Bearbeitung für Orgel, u. a.

Im abgelegenen Industriehafen kommen bei Kalle, dem

Kioskbesitzer die unterschiedlichsten Menschen zusammen:

zum Geschäfte machen, um sich zu verlieben und um einfach

nur zu sein. Eingebettet in diese naturalistische Rahmenhandlung,

die an die erfolgreiche TV-Sendung »Dittsche«

erinnert, bringt die HFM-Opernklasse unter dem Arbeitstitel

»Lokaltermin« im Sommersemester ihre neueste Produktion

auf die Bühne.

Die musikalische Revue mit Liedern, Duetten und Ensembles

von Franz Lehàr, Johann Strauss, Friedrich Holländer,

Fred Raymond, Frederick Loewe, Arthur Sullivan u. a. wird

von Thomas Max Meyer inszeniert. Für die Ausstattung

sorgt Renée Günther.

Die musikalische Leitung des 13-köpfigen studentischen

Ensembles und die Klavierbegleitung übernimmt Gerhard

Schneider, der sich mit dieser Produktion nach langjähriger

erfolgreicher Tätigkeit als HFM-Professor in den Ruhestand

verabschiedet.

Premiere Mi 15. Juni, 19 Uhr

Mauritius-Studio (Moltkestraße, Alt-Saarbrücken).

Weitere Aufführungen 19. und 21. Juni

zur gleichen Uhrzeit am gleichen Ort

Konzertbeginn: jeweils 19 Uhr

Eintritt: 15 € / Konzert

Hochkarätige Meisterkurse

Im Rahmen der Musikfestspiele werden an der HFM zwei

hochkarätig besetzte Meisterkurse veranstaltet. Am 5. und

6. Mai ist der ungarische Pianist Károly Mocsári zu Gast

an der Hochschule. Am 5. und 7. Juli unterrichtet der Cellist

Heinrich Schiff in der HFM.

Berezovsky ist der aktuelle Meister des virtuosen Klavierspiels

und mit Sicherheit ein wahrer Nachfolger der großen

russischen Pianistentradition von Rachmaninow, Rubinstein,

Richter und Gilels. Die Etüden von Liszt gehören neben

denen von Chopin zum Gipfel der Klavierkunst und haben

bis heute unerreichte Maßstäbe in der Klaviertechnik und

künstlerischer Ausdruckskraft gesetzt.

Mi 04. Mai 19 Uhr

Hochschule für Musik Saar

Károly Mocsári mit Zigeunerensemble

»Liszt und die Zigeuner«

Weitere Informationen

und Tickets unter:

www.musikfestspielesaar.de

musikfestspielesaar@googlemail.com

Tel.: 0681.976100

ProTicket-Hotline: 0231.9172290

Musikfestspiele Saar gGmbH

Rotenbühler Weg 28 a

66123 Saarbrücken

Der ungarische Pianist Károly Mocsáry wird zusammen mit

vier Roma-Musikern (Violine, Bratsche, Zymbal und Kontrabass)

auftreten, die zum Teil dem Budapest Festivalorchester,

dem renommiertesten ungarischen Klangkörper angehören.

Sie werden die Einflüsse der Zigeunermusik auf Werke von

Liszt überzeugend und authentisch darstellen. Ein Moderator

wird dieses Konzert kommentieren und die Einflüsse der

Zigeunermusik auf das Lisztsche Werk verdeutlichen.

Boris Berezovsky Foto: Warner Music

Bühnenbildentwurf für »Lokaltermin«

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Veranstaltungen allaBREVE Sommersemester 2011 Veranstaltungen

Orgel-Podien im Sommersemester

Das »1000-Taler«-Benefiz-Konzert

Kooperation für Musik

in der Grossregion (CMGR)

Im Sommersemester sind drei Konzertpodien der HFM-

Orgelklassen vorgesehen. Am Mittwoch, den 4. Mai, spielen

die jungen Organisten in der Saarbrücker Schlosskirche.

Am 1. Juni sind sie zu Gast in der Kirche St. Michael und

am 6. Juli in der Stiftskirche St. Arnual. Alle Konzerte beginnen

um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

»Musicalisches Allerley« mit

Kammermusik und »Dulongesux«

In der nächsten Ausgabe der Reihe »Musicalisches Allerley«

des HFM-Instituts für historische Aufführungspraxis finden

in diesem Semester zwei Konzerte statt. Am Do 30. Juni

präsentieren Studierende aus dem Bereich der Alten Musik

ein vielseitiges Kammermusik-Repertoire. Unter dem Titel

»Dulongesux« werden am Sa 16. Juli deutsche und burgundische

Lieder aus dem 15. Jahrhundert aufgeführt. Es spielt das

Ensemble »Fala Musica« unter der Leitung von Maurice van

Lieshout. Beide Konzerte finden um 19.30 Uhr in der Deutschherrenkapelle

in der Saarbrücker Moltkestrasse statt.

Fünf musikalische Beiträge sollen dazu beizutragen, dass ein

Student der HFM-Jazz-Klasse wieder mit seinem Kontrabass

spielen kann. Das Instrument wurde ohne sein Zutun von

Unbekannten zerstört, nachdem er es für ein Gemeinschaftskonzert

zur Verfügung gestellt hatte. Der Reparaturpreis von

ca. 1000 € ist für ihn nicht aufzubringen.

Die Jazz-Abteilung würde sich freuen, wenn viele Musikfreunde

am Do 28. April, 19 Uhr den Weg in den Konzertsaal

der HFM finden und damit mithelfen, dass der Student sein

Jazz-Studium fortsetzen kann. Es spielen die Formationen

»Caleido Club«, »Thomas Müller – Thomas Feid«, »Maria

Luisa Maechler & Band« – »Jonas Stuppin«, »Georg Ruby

Solo« und »Tinker Tribe«.

Karten gibt es an der Abendkasse zum Preis von 10 € / 5 €.

Do 2. Juni (Christi Himmelfahrt), 17 Uhr

Evangelische Stiftskirche St. Arnual

Johann Sebastian Bach

Ein Musicalisches Opfer BWV 1079 (1747) u. a.

Klassen Mechthild Blaumer, Lutz Gillmann,

Thomas Kügler u. a.

Benefizkonzert für Japan

So 17. April 2011, 19 Uhr Konzertsaal HFM

Es spielen Thomas Duis (Klavier), Fedele Antonicelli (Klavier)

sowie weitere Lehrende und Studierende der HFM.

»HOF.note« – neue Konzertreihe

auf dem Linslerhof

Die Hochschule startet im Juni in Kooperation mit dem

Romantik Hotel Linslerhof (Überherrn) die neue Konzertreihe

»HOF.note«. Ab 19. Juni 2011 gestalten an vier auf einander

folgenden Sonntagen, immer um 17 Uhr, je eine klassische

und eine Jazz-Formation der HFM das Konzertprogramm.

Am 10. Juli spielen zum diesjährigen Abschlusskonzert

der Reihe das Hochschulorchester unter der Leitung von

Toshiyuki Kamioka und das HFM Jazz Orchestra unter der

Leitung von Georg Ruby. Info: www.linslerhof.de

Cinéconcert

Fr 08. Juli und Sa 09. Juli 2011, 20 Uhr Kino achteinhalb

Saarbrücken »Die Augen der Mumie Mâ« – Stummfilm

von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1918 mit Live-Musik der

Improvisationsklasse Dr. Jörg Abbing

Änderungen vorbehalten!

Die vollständige Konzertübersicht der Hochschule finden

Sie im Veranstaltungs-Flyer und auf der Homepage der HFM.

Kostenpflichtige Konzerte der Hochschule können im Internet

unter: www.ticket-regional.de gebucht werden.

Das Junge Orchester der

Großregion 2010 in Lüttich

André Bellmont

Gershwin, Copland, Ibrahim und Bernstein:

Das Junge Orchester der Großregion präsentiert 2011

ein rein amerikanisches Programm

Großen amerikanischen Jazz- und Musical-Komponisten

ist die Saison 2011 des Jungen Orchesters der Großregion

gewidmet. Neben dem Jazz-Klassiker »Rhapsodie in Blue«

von George Gershwin spielt das multinationale Orchester

Werke von Leonard Bernstein und Aron Copland. In der

zweiten Konzerthälfte wird die »African Symphony« von

Abdullah Ibrahim für sinfonisches Orchester und Jazz-Trio

aufgeführt. Erstmalig in der 18-jährigen Geschichte steht

kein einziges »klassisches« Werk auf dem Repertoire der

jungen Musikerinnen und Musiker aus den Institutionen der

Kooperation für Musik in der Großregion (CMGR).

Mit dem schweizer Komponisten,

Arrangeur und Orchestrator

André Bellmont konnte die

CMGR einen Dirigenten gewinnen,

der sich als Grenzgänger

zwischen den musikalischen

Stilen einen Namen gemacht

hat. Nach dem Studium an der

Zürcher Hochschule der Künste

und der Groove School of

Music in Los Angeles arbeitete

Bellmont an verschiedenen

Film-, Theater- und Konzertproduktionen

mit – unter anderem

für Andreas Vollenweider, Dianne Reeves und die Paramount-

Filmstudios. Darüber hinaus ist er ein gern gesehener Gastdirigent

bei verschiedenen europäischen Orchestern. Zusätzlich

zu seinem vielseitigen musikalischem Profil prädestiniert ihn

seine erfolgreiche Lehrtätigkeit an

der Züricher Hochschule der Künste (Studiengang Komposition

für Film, Theater und Medien) für die Leitung des

Jungen Orchesters der Großregion.

Ausrichter der zweiwöchigen Arbeitsphase vom 28.10.

bis 8.11.2011 sind die Konservatorien von Luxemburg/Stadt

und Esch-sur-Alzette. Mit seiner exzellenten Akustik bietet

das Auditorium des modern ausgestatteten Conservatoire

de Musique de la ville de Luxembourg hervorragende Bedingungen

für eine erfolgreiche Probentätigkeit des Orchesters.

Das Auftaktkonzert der Konzerttournee 2011

03. November

Salle Poirel von Nancy

Weitere Stationen

04. November

das Conservatoire de Musique de la Ville de Luxembourg

06. November

Arsenal Metz

07. November

Salle Philharmonique von Liège

08. November

Gebläsehalle des Weltkulturerbes Völklinger Hütte

Abschlusskonzert in Brüssel

09. November

Die Kooperation für Musik in der Großregion (CMGR) ist

ein Zusammenschluss der Hochschule für Musik Saar mit

den Konservatorien Metz, Nancy, Luxemburg-Stadt, Eschsur-Alzette,

Diekirch-Ettelbruck und dem Conservatoire

Royal von Lüttich. Mit seinem Jungen Orchester ermöglicht

die CMGR den begabtesten Studierenden der beteiligten

Institutionen, in einem internationalen Ambiente professionelle

Orchester-Erfahrung zu gewinnen.

Nadine Brettar

Weitere Infos

www.cmgr.eu

n.brettar@hfm.saarland.de

Saarbrücker Kammerkonzerte

Fr 15. April, 19 Uhr

HFM-Konzertsaal

Werke von Johann Sebastian Bach,

Ludwig van Beethoven und Franz Schubert

Alexander Schimpf, Klavier

Fr 20. Mai, 19 Uhr

HFM-Konzertsaal

Linos Ensemble (Streichtrio und Flöte)

Werke von Friedrich Ernst Fresca, Ludwig van Beethoven

und Wolfgang Amadeus Mozart

Fr 24. Juni, 19 Uhr

HFM-Konzertsaal

Klenke-Quartett

Werke von Johann Sebastian Bach/Mozart,

Dmitri Schostakowitsch und Ludwig van Beethoven

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Deutsche Radiophilharmonie allaBREVE Sommersemester 2011 Deutsche Radiophilharmonie

Das weltbekannte Hilliard-Ensemble zählt zu den

Gästen des diesjährigen Festivals Foto: Friedrun Reinhold

Musik und Glaube

Ein Ausblick auf das diesjährige Neue Musik-Festival Mouvement

des Saarländischen Rundfunks

Die spirituelle Seite der Musik

Mouvement, das Festival für Neue Musik des Saarländischen

Rundfunks, spürt in diesem Jahr den Zusammenhängen von

Musik und Glaube nach – mit einigen der spannendsten

Werken und Interpreten, die die Neue Musik derzeit zu

bieten hat.

Unter anderem wird Wolfgang Rihms »Et Lux« in der

Saarbrücker Ludwigskirche von den beiden Jahrhundertensembles

Hilliard und Arditti String Quartett aufgeführt.

Diese Ensembles gestalten auch zusammen mit der Deutschen

Radio Philharmonie unter Chefdirigent Christoph Poppen

die Uraufführung des großen Oratoriums »Von den vier

Enden der Welten« von Daniel Glaus, einem Auftragswerk

der Deutschen Radio Philharmonie.

Festival-Prolog mit

zwei Konzerten der HFM

Traditionell eröffnet wird das Festival am Mi 11. Mai 2011

von zwei Prolog-Konzerten der Hochschule für Musik Saar.

In der Saarbrücker Schlosskirche werden Solisten der Hochschule

zusammen mit Prof. Theo Brandmüller Musik unter

anderem von Giacinto Scelsi, Klaus Huber, Theo Brandmüller,

Daniel Glaus interpretieren. Im Konzertsaal der Hochschule

werden darauf Solisten der Hochschule für Musik Saar, die

Klarinettenklasse von Prof. Johannes Gmeinder, das Ensemble

Grenzpunkt unter Leitung von Jonathan Kaell und das

Bläserensemble der Hochschule für Musik Saar unter Leitung

von Prof. Peter Leiner Kompositionen von Charles Ives, Karl

Amadeus Hartmann, Olivier Messiaen, Karlheinz Stockhausen,

George Crumb, Frederic Rzewski und Stefan Litwin

aufführen, der eigens für dieses Konzert eine Uraufführung

beisteuert.

Weiterhin vertreten ist die Hochschule für Musik Saar

dieses Jahr durch die Komposition »Phönix« des Kompositionsstudenten

Xiaoliang Zhou, dessen Werk für die

Saarbrücker Komponistenwerkstatt ausgewählt wurde. In der

Komponistenwerkstatt können junge Komponistinnen und

Komponisten an der Einstudierung ihrer Werke mit

der Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern

und dem Dirigenten Johannes Kalitzke aktiv mitarbeiten.

Weitere Uraufführungen des Festivals stammen von Ferran

Cruixent und Jan Müller-Wieland, der seine Lieder eigens für

die Sopranistin Claudia Barainsky geschrieben hat.

»Beim Hören eines Liedes pflegt der Mensch manchmal tief

zu atmen und zu seufzen. Das gemahnt daran, dass die Seele

der himmlischen Harmonie entstammt«, sagte im Mittelalter

die Nonne Hildegard von Bingen, eine der ersten Komponistinnen

der Musikgeschichte.

Musik war der Inbegriff von Religiosität und Spiritualität,

und das gilt teilweise noch für die Moderne. Wir haben

entdeckt, dass die Erde eine Kugel ist, haben das Weltall

erforscht und Gott für tot erklärt. Wir glauben an die

Wissenschaften und leben in einer durch und durch rationalen

Welt. Und weiter? Geblieben ist eine unstillbare Sehnsucht

nach Antworten auf die letzten Dinge. Für Martin Luther ist

Musik genau so wie das biblische Wort Verkündigung

des Evangeliums. Was sich nicht zuletzt in unserer reichhaltigen

Kirchenmusik widerspiegelt.

Daniel Glaus: Sein Oratorium »Von den vier Enden der Welten«

wird von der Deutschen Radio Philharmonie uraufgeführt

Daniel Glaus ist einer der interessantesten Komponisten für

zeitgenössische Kirchenmusik. Geprägt von Komponisten wie

Pierre Boulez, Brian Ferneyhough, György Ligeti, Luigi Nono

oder Iannis Xenakis verbindet er seine individuelle Musiksprache

mit der Gedankenwelt von Denkern und Theologen

wie Augustinus von Hippo, Heraklit, Meister Eckard, Platon

oder Rainer Maria Rilke. Auch Naturphänomene haben eine

große Bedeutung für seine Musik. Er arbeitet als Professor

an der Hochschule für Musik und Theater Zürich und an der

Hochschule der Künste Bern. Außerdem ist er Organist am

Berner Münster und hat international Auftritte als Organist

gegeben.

Daniel Glaus engagierte sich auch im Bereich des

Orgelbaus, so entwickelte er eine Orgel, bei der durch bloße

Tastensteuerung die Dynamik, Klangfarbe und Tonhöhe

beeinflusst werden kann. Die Christkatholische und Evangelische

Theologische Fakultät der Universität Bern verlieh ihm

die Ehrendoktorwürde. In der Hochschule für Musik Saar

wird Daniel Glaus im Rahmen eines Komponistenporträts

sein Orgelprojekt vorstellen.

Karsten Neuschwender (SR)

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Aktuell im Saarländischen Staatstheater allaBREVE Sommersemester 2011 Saarländisches Staatstheater

1.

HORACE Pierre Corneilles Tragödie

um den Konflikt zwischen individuellem

Glück, Heldentum und Staatsräson

steht in der beeindruckenden

Inszenierung von Daniela Kranz neu

auf dem Spielplan im SST! Nicht

verpassen! Foto (Christiane Motter):

stage picture.

Konzerte

des Saarländischen

Staatsorchesters

Oper

am Saarländischen

Staatstheater

1 2

2.

GEHEIMNIS DER UNSTERBLICHKEIT

Ein ausdrucksstarkes Gesamtkunstwerk

über Menschliches und

Transzendentes: Marguerite Donlons

Tanzabend mit dem Saarländischen

Staatsorchester als Potpourri mit

Strawinskys »Le sacre du printemps«,

Percussionstücken, und Glass´

Violinkonzert u. a. gespielt von Lena

Neudauer. Copyright: Bettina Stöß.

Von Sternenschiffen

und Weltraumkriegern

So 17. April 2011, 17 Uhr

Staatstheater

Die größten Science-Fiction-Filmmusik-Hits

Leitung: Andreas Wolf

Die 8 Jahreszeiten

Ein Konzert mit Live-Malerei

Do 21. April 2011, 19.30 Uhr

Staatstheater

Antonio Vivaldi: Le Quattro Stagioni

Astor Piazzola: Las Cuatro Estaciones Portenas

La Cenerentola (Aschenputtel)

Oper von Gioacchino Rossini

Premiere: Sa 16. April 2011 Staatstheater

Auf dem Spielplan bis zum 26. Juni

Musikalische Leitung: Thomas Peuschel

Inszenierung: Sebastian Welker

1817 vertonte Gioacchino Rossini das Aschenputtel-Märchen

als komische Oper für die italienischen Bühnen, voller

virtuoser, koloraturreicher Arien und Ensembles. Italienische

Oper für die ganze Familie.

Der Cid

Oper von Théodore Gouvy

Konzept, Musikalische Leitung und

Solovioline: Wolfgang Mertes

Malerei: Judith Schneider

7. Sinfoniekonzert

Werke von Rautavaara und Beethoven

So 8. Mai 2011, 11 Uhr Congresshalle

Mo 9. Mai 2011, 20 Uhr Congresshalle

Uraufführung: Fr 3. Juni 2011 Staatstheater

Termine: Fr 3., So 5., Mi 8., Sa 11., Do 16. und Sa 18. Juni

Musikalische Leitung: Toshiyuki Kamioka

Inszenierung: Jetske Mijnssen

Ein bisher unaufgeführtes Meisterwerk aus der Feder

des deutsch-französischen Komponisten Théodore Gouvy

(1819–1898) über den legendären spanischen Heerführer

»Cid« nach Pierre Corneilles Tragikomödie.

Solisten: Sofia Fomina, Sopran /

Hans-Georg Körbel, Rezitation

Leitung: Ari Rasilainen

8. Sinfoniekonzert

Werke von Respighi, Rota und Holst

Di 19. Juni 2011, 11 Uhr Congresshalle

Mi 20. Juni 2011, 20 Uhr Congresshalle

Solistin: Enrica Ciccarelli, Klavier /

Damenchor des Saarländischen Staatstheaters

Leitung: Toshiyuki Kamioka

Beethovens einzige Oper FIDELIO steht in der Inszenierung des New Yorker Regisseurs Jay Scheib noch bis zum 14. Juni auf dem

Spielplan im SST. In der Titelrolle singt Claudia Iten, als Florestan sind Robert Künzli (Foto), Algirdas Drevinskas und Hans-Georg Priese

in alternierender Besetzung zu erleben. Foto: stage picture.

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Panorama allaBREVE Sommersemester 2011 Panorama

Proppenvoller Saal beim Kinderkonzert

des Hochschulorchesters

Wie Elefanten tanzen

Erstes Kinderkonzert mit dem Hochschulorchester

Woher kommen all die Kinder in der HFM? Warum liegen im

Konzertsaal Viertel-Celli auf dem Boden und wieso in aller Welt

tragen die Mitglieder die Hochschulorchesters auf der Bühne Bunt

statt des obligatorischen Schwarz?

Dieses Konzert ist alles andere als gewöhnliche Klassik.

Denn »Barbar der kleine Elefant« ist ein so genanntes

Kinderkonzert, speziell konzipiert für Grundschüler. Der von

Francis Poulenc 1940 vertonte Text des Kinderbuchs von Jean

de Brunhoff erzählt die Geschichte von Barbar, einem kleinen

Elefanten, der in die große Welt hinauszieht.

Und genau das gleiche tut Prof. Dr. Michael Dartsch: er

hat rund 100 Kinder aus mehreren Saarbrücker Grundschulen

eingeladen, in die weite Welt der klassischen Musik zu reisen

und unbekannte Fernen zu entdecken. So werden die Kinder

nicht sofort in den Konzertsaal geführt. Zuerst begeben sie

sich in Gruppen auf Spurensuche durch die Hochschule

und treffen in den Überäumen unterschiedliche Musiker mit

ihren Instrumenten an, die fleißig arbeiten. Die Kinder dürfen

Fragen stellen, das Instrument begutachten und zuhören,

wie es klingt. Von diesen Kindern wird später keines mehr

fragen müssen »Was ist eigentlich ein Cello?«.

Dann dürfen die Kinder endlich in den Konzertsaal.

Doch nicht die übliche Stille herrscht, sondern es rauscht und

singt und unbekannte Klänge schweben durch den Raum –

wir sind im Dschungel gelandet!

Michael Dartsch, Moderator und gleichzeitig Erzähler,

betritt die Bühne und begrüßt die Kinder. Das Orchester ist

spielbereit, die Musiker aus den Überäumen finden sich ein,

und auch der Dirigent, Prof. Toshiyuki Kamioka, tritt auf. Für

ihn und das Orchester ist das Konzert in diesem ungewöhnlichen

Rahmen eine Premiere. Wie man den Dirigenten denn

begrüßen sollte, lautet die Frage an die Kinder. Die Antwort

»Hallo!« löst jede Menge freudiges Gelächter aus.

Und so beginnt das Orchester, die Geschichte Barbars

musikalisch zu erzählen – mit Unterbrechungen von Michael

Dartsch, der die Geschichte vorliest. Barbar verlässt den

Dschungel nach dem Tod seiner Mutter und gelangt in eine

große Stadt, wo ihn eine alte Dame adoptiert. Die Kinder

hören nicht untätig zu, sie werden aufgefordert, mitzuwirken.

Etwa als die Hupe von Barbars neuem Auto ertönt – hier darf

mitgehupt werden, was das Zeug hält und mit dem Orchester

gemeinsam musiziert werden. Dann wird die Geschichte

unterbrochen. Denn Kinder der »Kleinen Streicher«

(ein Streicherklassen-Projekt der Musikschule der Landeshauptstadt

Saarbrücken) von der Ordensgut-Grundschule

haben sich ebenfalls ausgedacht, wie ein Teil der Geschichte

musikalisch umgesetzt werden kann und spielen ihre Version

unter der Leitung von Julia Schüly und Susanne Richter dem

Publikum vor.

Barbar hat nämlich mittlerweile Besuch von seinen Cousins

Arthur und Celeste bekommen, die heimlich von zu Hause

weggelaufen sind. Als ihre Mamas sie abholen wollen, wird

mit erhobenem Zeigefinger geschimpft – eine Geste, die

dem Dirigieren stark ähnelt. Und so darf ein Kind aus dem

Publikum das Orchester an dieser Stelle mit erhobenem

Zeigefinger dirigieren – hier ist das Tempo sogar noch

schneller als das des Maestros selbst.

Barbar, Celeste und Arthur kehren nach Hause zurück.

Der alte Elefantenkönig ist gestorben und Barbar, der Celeste

geheiratet hat, wird zum neuen König gewählt. Die Jubelrufe

an das neue Königspaar werden nicht nur vom Orchester,

sondern auch von allen Kindern im Raum auf ein Zeichen des

Erzählers ausgeführt.

Nach der Hochzeit ist ein großes Fest – hier darf getanzt

werden. Studentinnen zeigen auf der Bühne, wie man bei

Elefanten tanzt und hier machen nicht nur die Schul- sondern

auch alle großen Kinder im Saal begeistert mit.

Dann ist das Fest aus, das Licht erloschen, die Bühne nur

noch durch Pultleuchten erhellt. Die Geschichte Barbars ist

vorbei, das Konzert auch. Der Applaus ist groß, die Zufriedenheit

unter Musikern, Erzähler und Zuschauern deutlich

spürbar.

Clara Werle

Zeitreise ins

Saarbrücker Rokoko

»Empfindsame Soirée«

in der Alten Sammlung

In die künstlerische Welt des 18. Jahrhunderts eintauchen

konnten Besucher einer »Empfindsamen Soirée« in der Alten

Sammlung des Saarlandmuseums – eine Gemeinschaftsveranstaltung

unserer Hochschule mit der Stiftung Saarländischer

Kulturbesitz.

Bildende Kunst, Musik und Literatur wurden in einer

ebenso amüsanten wie informativen Zeitreise miteinander

verbunden. Einblicke in die Epoche der Empfindsamkeit

anhand von Exponaten der Alten Sammlung (Vortrag von

Kurator Dr. Stefan Heinlein) wechselten sich ab mit rezitierten

Texten von Hans Bünte im Stil der Zeit (fiktive Briefe

des Schauspielers August Wilhelm Iffland und des Musikers

Johann Christian Bach).

Musiker der HFM garnierten die Soiree mit Werken von

Bach, Mozart, Haydn u.a. Eine Besonderheit des Programms

war der Vortrag der selten aufgeführten Gesänge aus dem

Liederbuch der Nassau-Saarbrücker Fürstin Sophie Christiane

Erdmuthe.

Erstflug von »Phönix«

in der Congresshalle

Ausgewählte Werke der

»Saarbrücker Komponistenwerkstatt«

werden uraufgeführt

Die Jury der »Saarbrücker Komponistenwerkstatt« 2011 hat

aus insgesamt 15 Partitur-Einsendungen junger Komponisten,

fünf Orchesterstücke ausgewählt, die am 12. Mai 2011 im

Rahmen des Abschlusskonzerts der »Saarbrücker Komponistenwerkstatt«

von der Deutschen Radio Philharmonie

uraufgeführt werden.

Die Preisträger Henrik Ajax (Hochschule für Musik und

Theater München) mit »De profundis«, Benedikt Hayoz

(Hochschule der Künste Zürich) mit »Gespräche«, Ole Hübner

(Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover)

mit »Choralvorspiel 3«, Benjamin Scheuer (Hochschule

für Musik Hamburg) mit »Montagen für Orchester« und

Xiaoliang Zhou (Hochschule für Musik Saar) mit seinem

Orchesterwerk »Phönix« erhalten damit erstmals die Chance,

ein eigenes großes Orchesterwerks zur Uraufführung zu

bringen.

Die jungen Komponisten kommen aus den Klassen von

Jan Müller-Wieland, Isabel Mundry, Benjamin Lang, Fredrik

Schwenk und dem Saarbrücker Komponisten Theo Brandmüller.

Die Stücke werden in einer mehrtägigen Arbeitsphase

mit der Deutschen Radio Philharmonie unter Leitung

von Johannes Kalitzke in Anwesenheit der Komponisten

einstudiert.

Unterhaltsame und lehrreiche Einblicke in die Epoche der Empfindsamkeit

Foto: Dirk Guldner

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Panorama allaBREVE Sommersemester 2011 Panorama

Die Jury der Komponistenwerkstatt: Adriana Hölszky, Theo

Brandmüller, Daniel Glaus, Claude Lefèbvre, Christoph Poppen und

Mario Blaumer (v.l.n.r.) Nicht auf dem Bild: Johannes Kalitzke.

Die hochrangige Jury bestand aus den Komponisten Adriana

Hölszky, Daniel Glaus, Claude Lefèbvre und Theo Brandmüller,

den Dirigenten Christoph Poppen und Johannes Kalitzke

sowie dem Musiker Mario Blaumer.

Nach den Uraufführungen im Mai 2011 vergeben Musiker

der Deutschen Radio Philharmonie einen Kompositionspreis

an einen der ausgewählten Komponisten. Dieser Preis besteht

aus einem Auftragswerk für großes Orchester, das im Rahmen

von »Mouvement. Festival für Neue Musik« 2012 uraufgeführt

wird.

Die Saarbrücker Komponistenwerkstatt 2011 und die

begleitenden Initiativen finden statt im Rahmen des Projekts

»strukturwandel – neues hören und sehen«, das von »Netzwerk

Neue Musik« gefördert wird, einem Förderprojekt der

Kulturstiftung des Bundes. Unterstützt wird die Saarbrücker

Komponistenwerkstatt außerdem von der Gema-Stiftung.

Proben zu »Sommernachtstraum reloaded«: Schüler der

Montessori-Schule Rußhütte, Schulmusik-Studierende und

Prof. Dr. Christian Rolle (hinten)

Sommernachs traum

reloaded

Gemeinschaftsprojekt der

HFM-Schulmusiker mit der

Saarbrücker Montessori-Schule

»Hey Zettel, spielt dich nicht auf, Dein Gehabe nehme ich

nicht in Kauf« singt Squenz und Zettel rappt als Antwort

»Was weiß die von Theater, und Schauspielerei, ich kenn'

Shakespeare persönlich, und war live mit dabei.«

Ende Februar wurde im Konzertsaal der Hochschule ein

Musiktheaterstück aufgeführt, das Studierende der Schulmusikabteilung

gemeinsam mit 7.-Klässlern der Saarbrücker

Montessori-Gesamtschule entwickelt und einstudiert hatten.

Im Rahmen eines Projektseminars wurde im Wintersemester

jeden Freitagvormittag an dem Werk, frei nach William

Shakespeare, gearbeitet.

Statt in ihrer Schule in Schafbrücke trafen sich die vierzehn

Schülerinnen und Schüler in der Bismarckstraße und lasen

das Original, schrieben die Vorlage um, aktualisierten

Passagen und dachten sich Liedtexte aus. Eine Projektgruppe

aus acht Studierenden half den Schülern beim Schreiben

und Komponieren, bereitete theaterpädagogische und

Stimmbildungsübungen vor, führte Regie und organisierte die

Aufführung. Alle Beteiligten lernten viel voneinander.

Den Montessori-Schülern ermöglichte das Musikprojekt

besondere Erfahrungen in der Beschäftigung mit einem

literarischen Klassiker, mit dem darstellenden Spiel auf einer

Bühne und in der kreativen Arbeit, die die Entwicklung

des Stückes bedeutete. Die Lehrerinnen, die an einigen

außerschulischen Freitagen mit in die HFM kamen, um das

Vorhaben neugierig zu beobachten und zu begleiten, zeigten

sich sehr angetan von der Zusammenarbeit der 12-Jährigen

mit den 22-Jährigen. Die lief nicht immer reibungslos.

Letztlich erwiesen sich die gelegentlichen Spannungen und

Frustrationen, die Ängste und Aufregungen jedoch

als produktiv.

Für die Studierenden war die Praxiserfahrung im Umgang

mit 7.-Klässlern nach eigenen Aussagen äußerst lehrreich

und sie waren dankbar für den Vorgeschmack auf ihre spätere

musikpädagogische Arbeit an der Schule. Der allerdings

war ermutigend. Hermias Lied, gerichtet an den geliebten

Lysander, der sich in den Verwirrungen der Sommernacht

unerwartet in ihre Freundin Helena verliebt hatte, wurde

von den Schülern zum Abschluss auf der Bühne umgedichtet.

Statt »Du warst« sangen sie als Zugabe, gerichtet an die

Studierenden, »Ihr ward so wundervoll«. Dieser Einschätzung

konnte sich der verantwortliche Dozent anschließen, war

es doch schön zu beobachten, wie eigenständig die Projektgruppe

agierte, so dass die Betreuung von Woche zu Woche

unwichtiger und aus Lehre Lernen wurde.

Prof. Dr. Christian Rolle

Publikationen

»Under-Stand-Art« von Krassport

»Under-Stand-Art« heißt

die neue CD des Jazz-Trios

»Krassport« rund um den

HFM-Jazzstudenten Manuel

Krass. Unter den unzähligen

Klaviertrios dieser Welt

gibt es wenige Formationen,

denen man ihren Spaß am

Experimentieren innerhalb

dieser scheinbar schon

überlebten Combokonstellation

wirklich anmerkt. Die »Krassport«-Musiker haben diesen

Spaß gleich in Potenz, und geschuldet ist das natürlich auch

ihrer musikalischen Vorgehensweise. Sie orientieren sich auf

»Under-Stand-Art« (neben einigen frei improvisierten Statements)

ausschließlich an Standard-Material des American

Songbook – dies aber auf radikal dekonstruierende Art und

Weise. Das Trio nimmt sich die rhythmischen, harmonischen

und melodischen Strukturen der Vorlage-Kompositionen zur

Brust und auf eine dermaßen respektlose, aber gleichzeitig

auch liebevolle Weise auseinander, dass man das jugendliche

Alter der Drei fast übersieht: Der älteste Musiker des Trios ist

gerade 23 Jahre alt, alle drei studieren noch (in Saarbrücken,

Köln und Bern).

Krassport wurde im April 2010 mit dem großen Festivalpreis

des Internationalen Jazz-Festivals St.Ingbert und im August

2010 beim Internationalen Jazz-Festival »Tremplin Jazz

d'Avignon« sowohl mit dem »Grand Prix« als auch dem

»Prix de Public« ausgezeichnet.

Manuel Krass – p

Johannes Schmitz – g

Daniel »D-Flat« Weber – dr

Die CD ist im Label JazzHausMusik erschienen (JHM 193 CD).

Ansgar Krause hat

Sylvius Leopold Weiss für die

Gitarre transkribiert

Nur eine kleine Anzahl von

Kompositionen aus dem

umfangreichen Fundus der

Musik von Sylvius Leopold

Weiss hat den Weg ins Repertoire

der Gitarre geschafft.

Die Ursache für dieses Missverhältnis

liegt vor allem in

der unterschiedlichen Stimmung

der Barocklaute und der

Gitarre. Doch wie kann die

Musik von Weiss auf der Gitarre realisiert werden?

Der Schlüssel hierzu ist die Erkenntnis, dass die Voraussetzung

für eine wirklich befriedigende Interpretation nicht

die Anpassung der Spieltechnik, sondern die Annäherung

an die Stimmung der Barocklaute ist. Deshalb kombiniert

Ansgar Krause bei den meisten Stücken dem Gitarristen

vertraute Skordaturen (Umstimmungen) mit der Verwendung

eines partiellen Kapodasters, wodurch auf den oberen vier

leeren Saiten der Gitarre die (transponierte) Stimmung der

Barocklaute erreicht wird.

Durch das damit erzielte veränderte Resonanzverhalten

des Instrumentes, geschmackvolles Vibrato und eine

ausgefeilte Fingersatz-, Verzierungs- und Arpeggiotechnik,

die eine größere Anzahl von Saiten suggeriert, gelingt eine

über zeugende Adaption der Musik von Silvius Leopold Weiss,

die so auch auf der Gitarre natürlich und authentisch wirkt.

Die CD kann zum Preis von 20 € (inkl. Versand) direkt über den

Interpreten bezogen werden: ansgarkrause@arcor.de

»Heut’ liegt was in der Luft« –

neue CD des bluemoonensembles

der HFM

Zur Freude seiner Fans

und Dank der Unterstützung

durch die HFM-Saar hat

das bluemoonensemble im

Januar 2011 seine Demo-CD

»Heut’ liegt was in der

Luft« vorgelegt, die den

unverwechselbaren Sound

des Vokal- und Instrumentalensembles

widerspiegelt.

HFM-Professor Wolfgang

Mayer hat für die CD vier populäre Songs von den 1920ern bis

1990er Jahren in zum Teil ungewöhnlichen Besetzungen neu

arrangiert; gemeinsam mit HFM-Studierenden hat er den

Tonträger in der Hochschule aufgezeichnet und produziert.

Bezug: tonstudio@hfm.saarland.de

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FuF allaBREVE Sommersemester 2011 FuF

Grußwort des Vorsitzenden der FuF

Der FuF-Vorsitzende

Werner Severin feiert

60. Geburtstag

FuF-Konzerte

Sommersemester 2011

Kulturell und sozial engagiert: Werner Severin

Liebe Freunde und Förderer der Hochschule für Musik Saar,

liebe Leser, liebe Leserinnen der alla breve,

mit einer 52jährigen Tradition zählt unsere Vereinigung

sicherlich zu den ältesten Fördervereinen in der gesamten

Region, mit ihren fast 1.000 Mitgliedern auch zu den größten.

Wir können sehr stolz darauf sein, dass wir mit dem

Engagement und den Beiträgen unserer vielen Mitglieder

die Entwicklung der Musikhochschule kontinuierlich

begleitet und vielfältig unterstützt haben. Auftrag, Qualität

und Ausstrahlung »unserer Hochschule« sind uns allen eine

Herzensangelegenheit.

Auch im Jahr 2010 haben wir eng und vertrauensvoll mit der

Leitung und dem Lehrkörper der Hochschule zusammen

gearbeitet.

Höhepunkt unserer Förderaktivitäten war mit 50.000 Euro

die Anschaffung eines mobilen digitalen Tonstudios, das vor

allem den Studenten hochmoderne professionelle Aufnahmemöglichkeiten

bietet und intensiv genutzt wird.

Daneben wurden weitere Fördermaßnahmen über 26.000

Euro bewilligt, unter anderem für die Anschaffung von

zwei Barock- und zwei Travers-Flöten, die Durchführung

von vier Meisterkursen für Klavier, Gesang, Cello und

Viola, die Opernproduktion »Cosi fan Tutte« sowie einen

Jazz-Workshop.

Für 2011 stehen neben unserem Beitragsaufkommen in

der Größenordnung von 25.000 Euro weitere Reserven für

besondere Aktivitäten zur Verfügung.

Unverändert großer Beliebtheit erfreuen sich unsere FuF-

Konzerte. Nach fünf Konzertabenden im Wintersemester

2010/2011 können wir uns auf die vier in dieser alla breve

besprochenen Konzerte des Sommersemesters 2011 freuen.

Im Vorstand beschäftigen wir uns damit, wie wir nach dem

großen Erfolg unseres Jubiläumskonzertes 2009 unsere

FuF-Konzerte noch attraktiver machen können und wie wir

der Konzertreihe insgesamt ein markanteres Profil in dem

erfreulich vielfältigen Angebot innerhalb und außerhalb der

Hochschule geben können.

Im Nachklang zu dem 200sten Geburtsjahres Chopins

haben wir unseren Mitgliedern für den 5. und 6. April ein

besonderes Konzerterlebnis angeboten: Zwei Chopin-

Klavierabende, u. a. mit Prof. Thomas Duis, an einem von

Chopin selbst bespielten Erard-Flügel im Chopin-Salon des

Palais Homburg in Homburg. Ich bedanke mich sehr herzlich

bei Familie Rischmann, die uns diese außergewöhnlichen

Konzertabende ermöglicht hat, aber auch bei den Mitgliedern

für ihr großes Interesse.

Den Studenten und Professoren unserer Musikhochschule

wünsche ich ein erfüllendes und erfolgreiches Sommersemester

2011, unseren Mitgliedern ein reges Interesse und Freude

an der Arbeit, der Entwicklung und den Konzerten der HFM.

Es grüßt Sie herzlich

Werner Severin

Vorsitzender des Vorstandes der

Vereinigung der Freunde und Förderer der

Hochschule für Musik e. V.

Werner Severin wurde am 22. Februar 1951 im westpfälzischen

Reuschbach geboren. Nach seiner Bankausbildung studierte

er in Mannheim Betriebswirtschaftslehre. Seit 35 Jahren

arbeitet er in der Sparkassenorganisation. Nach 16 Sparkassen-

Vorstandsjahren in Rheinland-Pfalz kam Werner Severin 2001

als stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der SaarLB

an die Saar.

Wie er selbst sagt, ist er »ein Kind der Region«. Ein Kind

der Region, da er sich immer innerhalb eines überschaubaren

Rahmens bewegt habe. Deshalb hat er auch ein ausgeprägtes

regionales Lebensgefühl, in dem sich die saarländischen, die

rheinland-pfälzischen und kurpfälzischen Elemente wunderbar

miteinander vertragen.

Und genau so feiert er auch seinen Geburtstag: zum

einen privat in Saarbrücken und auf Einladung der SaarLB

innerhalb seines beruflichen Umfelds, zum andern aber auch

in seiner pfälzischen Heimat.

In jungen Jahren war Werner Severin Gittarist in einer

Beat-Band. Die Liebe zur klassischen Musik ist in seiner

persönlichen und beruflichen Etablierungsphase entstanden

und gewachsen. Mit Begeisterung besucht er heute regelmäßig

große und kleine Konzerte innerhalb und außerhalb

der Region.

Da er ein sehr kunst- und musikinteressierter Mensch ist,

zählen hier in Saarbrücken zu »seinen Herzensangelegenheiten«

die Musikhochschule und das KuBa, das Kulturzentrum

am Eurobahnhof. Er engagiert sich überdies auch für soziale

Projekte wie etwa SOLWODI, die Organisation der Nonne

Dr. Lea Ackermann, die sich um Opfer von Frauenhandel und

Zwangsprostitution kümmert.

Anstelle persönlicher Geschenke zum Geburtstag

wünschte er sich Spenden für seine Herzensangelegenheiten.

Die Mitglieder der FuF wird es freuen, dass aus dem Geburtstagstopf

ein Projekt der Musikhochschule mit weit mehr als

2.000 Euro unterstützt werden kann.

Jeder, der Herrn Severin persönlich kennt, kennt auch

seine positive und von gesellschaftlichem Engagement

geprägte Lebenseinstellung. Diese Einstellung wird ihm auch

in Zukunft helfen, die notwendige Kraft und den erforderlichen

Elan zu haben – sowohl im Berufsleben wie auch bei

seinen persönlichen Engagements.

Marion Uhl

Der Komponist Franz Liszt in jungen Jahren

Orgelkonzert

Mi 20. April, 19 Uhr Konzertsaal

Zum 200. Geburtstag von Franz Liszt

Andreas Rothkopf

Franz Liszt schrieb sein erstes Orgelwerk 1850, sein letztes

wenige Monate vor seinem Tod 1886. Nicht hoch genug

eingeschätzt werden kann der direkte Einfluß Liszts auf

die Orgelsymphonik des späten 19. Jahrhunderts: war die

monothematische Großform der Prophetenphantasie direktes

Vorbild für ähnliche Werke Francks und Viernes, so konnte

Reger in Deutschland direkt auf dem von Liszt initiierten

Einsatz pianistischer Techniken und orchestraler Klanggestaltung

aufbauen.

Liszts Orgelschaffen entzieht sich der Analyse. Die

Camouflage eigener Techniken, die Reduktion des verwendeten

thematischen Materials auf ein Minimum, die scheinbar

mangelnde Eindeutigkeit in der Vielfalt musikalischer

Gestalten kennzeichnet nicht nur das verstummende, dennoch

zumeist faszinierende Spätwerk.

Nach erstem Klavierunterricht bei seinem Vater studierte

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FuF allaBREVE Sommersemester 2011 FuF

Der Organist und HFM-Professor

Andreas Rothkopf

David Grimal

Andreas Rothkopf von 1972 bis 1978

an der Hochschule für Musik Saar

katholische Kirchenmusik und Musikerziehung.

Als Stipendiat der Studienstiftung

des Deutschen Volkes studierte

er an der Hochschule für Musik Köln

(Orgel bei Michael Schneider, Klavier

bei Günter Ludwig und Dirigieren

bei Volker Wangenheim). Ergänzende

Orgelstudien schlossen sich bei Marie-

Claire Alain an. 1986 erhielt er eine Professur für Orgel an der

Hochschule für Musik Saar in Saarbrücken.

Seine Konzerttätigkeit als Organist und Pianist führte

ihn in zahlreiche Länder Europas und Asien. Darüber hinaus

spielte er Orgelwerke von Robert Schumann, Franz Liszt

und Max Reger auf CD ein.

Mi 25. Mai, 19 Uhr Konzertsaal

Konzertabend

Werke von Ravel, Bartók und Beethoven

Georges Pludermacher, Klavier

David Grimal, Violine

Georges Pludermacher wurde 1944 in Guéret (Frankreich)

geboren. Unter anderem interpretierte Georges Pludermacher

Werke von Ludwig van Beethoven, Alban Berg und Johannes

Brahms. Dabei hat Georges Pludermacher mit namhaften

Klassik-Künstlern, wie Nathan Milstein oder Gerard Jarry

zusammengearbeitet.

David Grimal, 1973 in Paris geboren, begann bereits im

Alter von fünf Jahren Violine zu spielen. Seine musikalische

Ausbildung konnte er bei renommierten Musikerpersönlichkeiten

wie Philipp Hirschhorn, Shlomo Mintz und Isaac

Stern vervollständigen. Als Solist spielt er mit weltbekannten

Ensembles wie beispielsweise mit dem English Chamber

Orchestra, den Moskauer Virtuosen, der Stochkholm

Chamber Orchestra, den Warschauer Symphonikern und

dem Bayrischen Kammerorchester. David Grimal, der die

berühmte »ex Roederer« Violine von Antonio Stradivari aus

dem Jahr 1710 spielt, wurde zum Wintersemester 2009-2010

als Professor für Violine an unsere Hochschule berufen.

Mi 08. Juni 2011, 19 Uhr Konzertsaal

4. HFM-Woche der Kammermusik

Antonín Dvořák

Aus den »Biblischen Liedern« für Stimme und Orgel op. 99 (1894)

Klaviertrio »Dumky« e-moll op. 90 (1891), Fassung für Klavier

zu 4 Händen Streichquintett G-dur op. 77 (1875)

Franz Krommer

Quartett für Klarinette, Violine, Viola

und Violoncello op. 82 D-dur

Leoš Janáček

Sonate für Violine und Klavier (1914/1921)

Die diesjährige HFM-Woche der Kammermusik vom

8. bis 12. Juni 2011 ist dem tschechischen Komponisten

Antonín Dvořák (1841–1904) und der böhmisch-mährischen

Kammermusik in seinem künstlerischen Umfeld gewidmet

(nähere Informationen siehe »Konzerte«).

Antonín Dvořák gilt mit Bedřich Smetana als der

Begründer der national-tschechischen Musik.

Seine erste Tätigkeit war die eines Bratschisten in verschiedenen

Orchestern (bis 1871). In der Folge war er einige Jahre

Organist und widmete sich dann dem Unterrichten. 1891

wurde er Ehrendoktor der Prager Universität und Professor

für Komposition am Konservatorium. Ab 1880 überschritt

Dvořáks Ruhm die Grenzen seines Landes und er unternahm

oft Tourneen durch Deutschland, Russland, Ungarn und

Großbritannien. Zwischen 1892 und 1895 übernahm er die

Aufgabe das New Yorker Konservatorium zu leiten und dort

schrieb er seine berühmteste Komposition die 9. Symphonie

»Aus der neuen Welt«.

Franz Krommer (1759–1831) hinterließ über dreihundert

Werke, darunter mehr als einhundert Streichquartette (die

meist für die nichtöffentliche Hausmusik bestimmt waren).

Stilistisch sah sich Krommer in der Tradition von Mozart und

Joseph Haydn, ließ aber auch ungarische Elemente in einige

Kompositionen einfließen.

Leoš Janáčeks (1854–1928) Musik zeichnet sich auf

grundsätzlich tonaler Grundlage durch starke Aphoristik

und sehr kleingliedrige Motivik neben großen Kantilenen

aus. Die Harmonik, die Instrumentation und der Tonsatz sind

sehr stark von folkloristischen Elementen geprägt, weisen

dabei aber deutlich in die Moderne. Auffallend sind die nie

abreißenden Emphasen seiner musikalischen Einfälle, die

unromantische Dramatik und die große lyrische Subtilität.

Seine starke Naturverbundenheit ist durch eine pantheistische

Philosophie getragen.

Es spielen:

Fedele Antonicelli (Klavier), Mario Blaumer (Cello),

Thomas Duis (Klavier), Johannes Gmeinder (Klarinette),

Wolfgang Harrer (Kontrabass),

Hans-Peter Hofmann (Violine),

Jone Kaliunaite (Viola), Tatevik Mokatsian (Klavier),

Lena Neudauer (Violine), Andreas Rothkopf (Orgel),

Yaron Windmüller (Gesang).

Lena Neudauer zählt zum hochkarätigen Ensemble des Kammermusikabends

Fr 08. Juli, 19 Uhr Konzertsaal

Promenadenkonzert

Chor- und Instrumentalwerke des 19. Jahrhunderts

Lieder, Balladen und Romanzen der Romantik

Von Mendelssohn, Schumann und Brahms und anderen

Hochschul- und Kammerchor der HFM

Leitung: Andreas Göpfert

Antonín Dvořák:

Serenade d-moll op. 44 für 2 Oboen, 2 Klarinetten,

2 Fagotte, Kontrafagott (ad lib.), 3 Hörner,

Violoncello und Kontrabass

Leitung: Jonathan Kaell

Felix Mendelssohn-Bartholdy

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Studium allaBREVE Sommersemester 2011 Studium

»Digital Music in Education«

Innovatives e-Learning-Programm an der HFM

Zertifizierung des Abkommens für »Digital Music in Education«:

Kultur-Koordinatorin Dr. Susanne Reichrath, HFM-Kanzler Wolfgang

Bogler, HFM-Rektor Prof. Thomas Duis, Uni-Präsident Prof. Dr. Volker

Linneweber, Prof. Dr. Wolfgang Wahlster (DFKI), Dr. Christoph Igel

mehrere Kontinente verstreuten Schülern am Disc-Flügel

Simultanunterricht erteilen.

Mit dem Centre for e-Learning Technology (CeLTech)

verfügen die Universität des Saarlandes und das Deutsche

Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz über ein in

Forschung und Entwicklung, Anwendung, Beratung und

Services ausgewiesenes Kompetenzzentrum für Bildungstechnologien,

Informations- und Wissensmanagement.

In 17 Laboratories an sieben Standorten in Deutschland,

USA und China werden von rund 100 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiterin in Vernetzung mit weiteren Hochschulen,

Forschungseinrichtungen und Unternehmen interdisziplinäre

Projekte mit internationaler, nationaler und regionaler

Bedeutung durchgeführt.

HFM-Rektor Prof. Thomas Duis, Prof. Dr. Wolfgang

Wahlster (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche

Intelligenz) und Prof. Dr. Volker Linneweber (Universität

des Saarlandes) haben Anfang dieses Jahres einen Kooperationsvertrag

zur Einrichtung des Lab »Digital Music in

Education« unterzeichnet. Nach den bereits bestehenden,

erfolgreichen Kooperationen der Hochschule für Musik Saar

mit dem Max-Planck-Institut für Informatik im Bereich

der Musikinformatik und der Universität des Saarlandes im

Bereich eCampus Saar, war eine entsprechende Erweiterung

der Zusammenarbeit mit dem Centre for e-Learning

Technology (CelTech) der Universität des Saarlandes nahe

liegend. Das Lab »Digital Music in Education« gemeinsam

mit und unter Federführung der Hochschule für Musik Saar

ist ein in Deutschland einzigartiges »Joint Lab« – Schwerpunkt:

Technologie in Bildung, Lernen, Lehren und Prüfen

der Musik und Musikwissenschaft.

Ein Klavierprofessor gibt ein paar Takte vor – seine Studenten

versuchen, die Passage möglichst getreu nachzuspielen.

Ganz normaler Hochschulalltag könnte man meinen: nicht

aber, wenn alle am Unterricht Beteiligten gleichzeitig über

die ganze Welt verstreut sind. Möglich macht der fast schon

gespenstisch anmutende globale Fernunterricht die sogenannte

Disc-Flügel-Technologie: mit modernster Elektronik

und Software ausgestattete Instrumente, miteinander vernetzt

und weltweit verbunden via Internet.

Der weltumspannende Meisterkurs für angehende

Pianisten ist aber nur ein Beispiel für die vielseitigen Möglichkeiten,

die in dem Programm »Digital Music in Education«

stecken. Die Hochschule für Musik Saar verfolgt mit der

Einrichtung des Labs gleich mehrere Ziele: den Studierenden

sollen im Rahmen des eCampus Saar die Ausbildungsinhalte

der einzelnen Module für das Musikstudium zur weiteren

Vertiefung und vor allem dauerhaft zur Verfügung stehen. Ein

zusätzlicher Schwerpunkt liegt in der Weiterentwicklung von

Software für die Musikerausbildung. Anwendungsgebiete gibt

es auch in den Bereichen Interpretationsvergleiche, Analyse,

Improvisation, Aufführungspraxis und Cross-over-Projekte

für Interpreten klassischer Musik. Ein wichtiges Element ist

darüber hinaus die Entwicklung von e-Learning-Programmen

für didaktische Konzepte innerhalb der Elementaren

Musikpädagogik (EMP) sowie von Lerninhalten im Feld

der Musiktheorie, etwa für Werkanalyse, Harmonielehre und

Gehörbildung.

Die Hightech-Kooperation beinhaltet im Einzelnen: die Entwicklung

und Implementierung von e-Learning-Angeboten in

Lehre und Studium für Angehörige, Studieninteressierte und

Kooperationspartner der HFM; der Aufbau einer dominanzspezifischen

Social Community für e-Learning-Angebote;

e-Learning-Angebote in der musikalischen Aus- und Weiterbildung;

Produktion und Vertrieb von e-Learning-Angeboten

zur Musik im privaten und schulischen Bereich für heterogene

Mobile Devices; Entwicklung und Produktion von Audiound

Videoangeboten im e-Learning sowie die wechselseitige

Nutzung der hierfür erforderlichen Hard- und Software.

Die HFM Saar stellt sich mit diesen neuen Ausbildungsangeboten

den sich stetig wandelnden Anforderungen im Bereich

der Musikausbildung und Kulturvermittlung.

Bereits im März ist eine erste eLecture mit dem

HFM-Projekt »Cinéconcert« der Improvisationsklasse von

Dr. Jörg Abbing realisiert worden: anhand der Vertonung

von Stummfilmen wurden hier Wege der Musikimprovisation

für die unterschiedlichen Instrumentengattungen aufgezeigt.

Die erste weltweite HFM-Masterclass für Klavierstudenten

soll übrigens im Herbst dieses Jahres durchgeführt

werden. Dann wird niemand Geringeres als HFM-Rektor

Prof. Thomas Duis in die Tasten greifen und seinen über

»Digital Music in Education« bringt

Innovationen für die Musikerausbildung

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Studium allaBREVE Sommersemester 2011 Studium

Mitunter müssen unkonventionelle Wege beschritten werden,

um jungen Menschen Neue Musik nahe zu bringen Foto: Astrid Karger

Die Kunst der Vermittlung

Bundesweite Tagung zur Qualität und Evaluation

von pädagogischen Initiativen in Neuer Musik

Hochschule für Musik Saar: 15.–17. September 2011

Seit Jahren gibt es im Saarland und über die Landesgrenzen

hinaus eine zunehmende Zahl an Projekten zur Musikvermittlung,

in denen die Beteiligten sich bemühen, Menschen

für zeitgenössische Musik zu gewinnen. Die Vermittlung

Neuer Musik ist eine Herausforderung gleichermaßen für

Lehrende an Schulen und Musikschulen, für Orchester und

Opernhäuser, für Pädagoginnen und Pädagogen an Konzerthäusern

und Theatern.

Große Aktualität des Themas

Musikpädagogische Initiativen verschiedenster kultureller

Institutionen belegen die Aktualität des Themas, die sich

auch im Lehrangebot deutscher Musikhochschulen niederschlägt.

Das gilt auch für die Hochschule für Musik Saar.

Wichtig sind außerdem der Austausch und das Nachdenken

über Fragen der Musikvermittlung zwischen den verschiedenen

Akteuren.

Mitte September wird in Saarbrücken eine Tagung unter

der Überschrift »Vermittlungskunst« stattfinden, die hierzu

einen Beitrag leisten soll. Die Veranstaltung richtet sich

an Musikpädagoginnen und Musikpädagogen an Schulen,

Konzert- und Opernhäusern, an Musikerinnen und Musiker,

an Verantwortliche in Kulturinstitutionen und im Bildungsbereich

sowie an ein wissenschaftliches Fachpublikum.

Profitieren sollen außerdem die Studierenden in musikpädagogischen

genauso wie in künstlerischen Studiengängen,

die sich für die Vermittlung Neuer Musik im Besonderen

und für Konzertpädagogik im Allgemeinen interessieren.

Kriterien für Qualität und Erfolg pädagogischer

Initiativen in Neuer Musik

Veranstalter der Tagung ist Netzwerk Musik Saar in

Zusammen arbeit mit der Hochschule für Musik Saar und

der Hochschule für Künste in Bremen. Die Leitung liegt

in den Händen der Autoren gemeinsam mit der Bremer

Kollegin Prof. Dr. Barbara Stiller. Beteiligt ist darüber hinaus

das Netzwerk Neue Musik der Bundeskulturstiftung, von

Die Vermittlung von Neuer Musik stellt die

Pädagogen vor große Herausforderungen

Foto: Astrid Karger

der die ursprüngliche Initiative ausgegangen war. Eine

Podiums diskussion soll Gelegenheit zum Rückblick auf vier

Jahre Netzwerk-Projekte zur Neuen Musik in ganz Deutschland

bieten.

Das zentrale Thema der Tagung ist die Frage nach Qualitätsund

Erfolgskriterien von pädagogischen Initiativen in Neuer

Musik. Eine Auseinandersetzung mit dieser Frage ist wichtig,

damit aus den Erfahrungen vorangegangener Projekte gelernt

werden und damit die viel beschworene Nachhaltigkeit von

Musikvermittlungsvorhaben gesichert werden kann. Das

ernsthafte Interesse an einer unvoreingenommenen Einschätzung,

an der Weiterentwicklung von Projektreihen und

an den dafür erforderlichen Evaluationen ist weit verbreitet.

Geeignete Konzepte gilt es zu entwerfen, zu kommunizieren

und zu diskutieren.

Drei zusammenhängende

thematische Schwerpunkte bilden

das Gerüst des Symposions

Insofern wird die Präsentation vorbildlicher best practice

auf der Tagung genauso ihren Platz haben wie auch die

Auseinandersetzung mit lehrreich »gescheiterten« Vorhaben

willkommen ist. Drei miteinander zusammenhängende

thematische Schwerpunkte sind geplant: Zum einen sollen

unterschiedliche Formate von Musikvermittlungsprojekten

mit ihren jeweils typischen Umgangsweisen mit Musik

vorgestellt und kritisch erörtert werden.

Weil solche Diskussionen fruchtbarer sind, wenn ihr

Gegenstand auf der Tagung präsent ist, werden vor Ort einige

Workshops bzw. andere Vermittlungsformen mit Kindern,

Jugendlichen und Erwachsenen stattfinden und von den

Teilnehmern beobachtet werden können. Darüber hinaus

wird es um Fragen der Dokumentation und Evaluation von

pädagogischen Initiativen in Neuer Musik ebenso gehen wie

um die Verständigung über Qualitäts- und Erfolgskriterien.

Neben Vorträgen und Workshops sind Poster-Präsentationen

und Konzerte geplant.

Namhafte Pädagogen aus

Deutschland und Österreich sind

zu Gast in Saarbrücken

Zahlreiche Musikvermittler aus ganz Deutschland und

Österreich konnten bereits zur Mitwirkung gewonnen werden.

Hendrikje Mautner, Professorin für Musikvermittlung an

der Stuttgarter Hochschule, stellt im Eröffnungsvortrag

die Geschichte pädagogischer Initiativen in Neuer Musik

in Deutschland seit den 1950er Jahren vor. Silke Egeler-

Wittmann wird mit Schülern ihrer AG für Neue Musik

aus Grünstadt und mit Schülern des Musikgymnasiums

Montabaur anreisen und in Zusammenarbeit mit Musikern

der Deutschen Radiophilharmonie einen Einblick in das

aktuelle Vorhaben face to face gewähren, dem Auftragskompositionen

von Moritz Eggert und Markus Hechtle zugrunde

liegen. Gemeinsam mit dem Experten für frühkindliche

Bildung Gerd Schäfer werden Barbara Stiller und Michael

Dartsch ihre Begleitforschung zu einem EMP-Projekt mit

Neuer Musik an der Bremer Hochschule vorstellen.

Die Redner, an der HFM bestens bekannt mit den

Professoren Claas Willeke und Oliver Strauch, veranstalten

in Kooperation mit dem Bildungsministerium einen Workshop

mit saarländischen Schülern, dessen Ergebnisse auf

der Tagung präsentiert und diskutiert werden. Kerstin Wiehe,

Mitarbeiterin im Berliner Büro für Konzertpädagogik, wird

die Projektreihe Querklang vorstellen, die in der Hauptstadt

seit langem erfolgreich stattfindet, wissenschaftlich begleitet

und ständig weiter entwickelt wird. Hans Schneider, Kollege

an der Freiburger Musikhochschule, und Martin Sigmund,

Konzertpädagoge aus Wien, werden das seit vielen Jahren

in der Konzertpädagogik und an Schulen erprobte Konzept

»Kunst der Stunde« präsentieren.

Vielfältige Beispiele aus der internationalen

musikpädagogischen Praxis

Aus Österreich wird außerdem Constanze Wimmer anreisen;

sie wird eine Evaluationsstudie zu Musikvermittlungsprojekten

vorstellen, die sie im Auftrag der Stiftung Mozarteum

und der Bosch-Stiftung angefertigt hat. Einen Einblick in

die education-Arbeit britischer Konzerthäuser wird Sarah

Hennessy verschaffen, die zahlreiche Projekte von Orchestern

in England begleitet und evaluiert hat. Max Fuchs, Leiter

der Akademie Remscheid und Präsident des Deutschen

Kulturrates, hat einen Beitrag zu kulturpolitischen und

bildungspolitischen Aspekten des Tagungsthemas angekündigt.

Zu den Podiumsgästen zählt auch Jürgen Vogt, Professor

für Musikpädagogik an der Universität Hamburg, der sich

mit grundsätzlichen Fragen musikalischer Bildung beschäftigt.

Die Tagung wurde im März offiziell angekündigt und ist auf

lebhaftes Interesse in der Fachwelt gestoßen.

Die Veranstaltung wird in den Räumen der HFM Saar

stattfinden und steht allen interessierten Lehrenden wie

Studierenden der Hochschule offen. Eine Bewerbung um

eigene Beiträge kann gerne noch an die Autoren gerichtet

werden (bitte ein Abstract mit kurzer Beschreibung einreichen

bis zum 1. Mai). Wir freuen uns auf ein reges Interesse.

Prof. Dr. Michael Dartsch, Prof. Dr. Christian Rolle

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Studium allaBREVE Sommersemester 2011 Studium

»Buena Vista« im Senioren-Club

Die ersten eigenen Unterrichtsangebote der HFM

für Senioren hatten einen überraschenden Erfolg

HFM-CD »Ich sing

mit meinem Kind«

fördert musikalische

Früherziehung

Rüstige Rentner reißen ein entfesseltes Publikum mit heißen

Rhythmen von ihren Sitzen: Seit Jahren fasziniert die agile

kubanische Senioren-Band »Buena Vista Social Club« Konzertbesucher

in aller Welt. Dass sich auch hierzulande ältere

Menschen mit großer Begeisterung der Musik annehmen,

konnte die HFM im letzten Semester eindrucksvoll erfahren.

Erstmals hatte die Klasse für Elementare Musikpädagogik

(EMP) unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Dartsch einen

speziellen musikpraktischen Kurs für Senioren aufgelegt. Der

Erfolg war überwältigend: im Nu waren die 15 Plätze für die

Gruppe vergeben. »Die Telefondrähte glühten regelrecht in

den ersten Tagen nach der Bekanntgabe unseres Seniorenangebotes«,

erinnert sich ein noch immer ungläubiger Michael

Dartsch. Insgesamt sind an der Hochschule in kürzester Zeit

fast 80 Bewerbungen eingegangen.

Um die vielen vom musikpraktischen Kurs Abgewiesenen

nicht enttäuschen zu müssen, entschloss sich die Hochschule

kurzerhand, eine zusätzliche »Ringvorlesung« für Senioren

auf die Beine zu stellen. Auch die fünf Extra-Veranstaltungen

zu praktischen und theoretischen Musikthemen fanden regen

Zuspruch.

Dass bei älteren Menschen, die derzeit am stärksten

wachsende Bevölkerungsgruppe, ein großer »Markt« für

praktisches Musizieren vorhanden ist, war Michael Dartsch

bereits aus früheren Erfahrungen bewusst. Heutige Senioren

sind in der Regel noch körperlich und geistig voll auf der

Höhe; sie sind besser gebildet als frühere Generationen und

wollen auch im Ruhestand noch einmal Neues ausprobieren

und sich beweisen. »Musik hält einfach fit«, sagt der

Pädagogik-Profi. Positive Auswirkungen auf die Gesundheit,

etwa in der Vorbeugung von Demenz-Erkrankungen, seien

mittlerweile schon vielfach nachgewiesen.

Obwohl sich sein Fach, die Elementare Musikpädagogik,

naturgemäß in erster Linie mit Kindern im Vorschulalter

und Schülern beschäftigt, ist es auch für die Arbeit mit

Senioren geradezu prädestiniert. »Unsere Angebote sind

altersübergreifend«, erläutert Dartsch. So folgte auch der

Kurs »Elementare Musikpädagogik für Senioren« einem ganz

klassischen methodischen Aufbau, mit den Modulen »Singen«,

»Bewegen zur Musik«, »Instrumentalspiel« (Trommeln) und

»Musikhören« – dazu kam noch ein bisschen theoretisches

Hintergrundwissen und Instrumentenkunde. Noten blieben

im Unterricht allerdings außen vor, denn als Voraussetzung

an die Kursteilnahme waren keinerlei musikalischen

Vorkenntnisse geknüpft. Die schönste Erfahrung, die der

HFM-Professor für sich aus dem Kurs mitnahm: »Es war toll

zu beobachten, wie die Senioren von Stunde zu Stunde immer

freier und lockerer wurden und am Ende sogar mit dem

Improvisieren anfingen.«

Doch nicht nur die Senioren konnten im Laufe des Semesters

Vieles lernen, auch die in den Kurs eingebundenen Studierenden

sammelten wichtige neue Erfahrungen. »Zunächst ging

es darum, Hemmschwellen abzubauen, die der große

Alterunterschied mit sich bringt«, erinnert sich Dartsch.

Schnell lernten Junge und Alte aufeinander einzugehen und

fanden fachlich wie menschlich zu einem für beide Seiten

angenehmen und produktiven Umgang.

Selbstredend, dass nach den überaus positiven Ergebnissen

aus der Pilot-Phase die Senioren-Angebote an der HFM

keine einmalige Sache bleiben können. Die Ring-Vorlesung

für ältere Menschen soll, so der Wunsch der EMPler,

als Dauer-Einrichtung fest im Unterrichts-Portfolio der

Hochschule verankert werden; die musikpraktischen Kurse

für Senioren werden in Zukunft alternierend mit bereits

bestehenden Sonderveranstaltungen für Kleinkinder

durchgeführt. Nicht auszuschließen, so Dartsch, dass eines

Tages einmal ein beschwingtes Senioren-Ensemble auf der

HFM-Konzertbühne tüchtig einheizt. Dann wird es wirklich

heißen: Willkommen zu »Buena Vista« in Saarbrücken!

Thomas Wolter

»Ich sing mit meinem Kind« –

praktische Anregungen für die

musikalische Früherziehung

(red). Viele Eltern trauen sich

nicht mehr zu, für ihr Kind

zu singen oder kennen keine

entsprechenden Lieder.

Erzieher/innen und Lehrer/

innen sind oft damit überfordert,

dieses musikalische

Defizit auszugleichen. Wird

dieser bedauerlichen Entwicklung

nicht entgegengewirkt,

droht die Musik immer mehr

vom selbstverständlichen

»Lebensmittel« zur Randerscheinung

in unserer Gesellschaft zu werden.

Die HFM bietet nun mit der neuen CD »Ich sing mit

meinem Kind. Vol. 1« Hilfestellung für die musikalische

Früherziehung im privaten Bereich und im Unterricht. Die

CD soll jungen Eltern und pädagogischen Einrichtungen

im Saarland zur Verfügung gestellt werden, um das Singen

mit Kindern von Geburt an zu fördern. Die Hochschule will

mit dieser Initiative dazu beizutragen, dass zahlreiche Menschen

Freude am Singen mit Kindern finden und nicht zuletzt

den Kindern selbst dabei viele musikalische Erlebnisse

zuteil werden.

Die Texte laden dazu ein, beim Singen auch in eine lebendige

Interaktion mit dem Kind einzutreten, etwa es zu wiegen,

mit ihm zu tanzen oder es zu kitzeln und vieles mehr. So

wird die Musik von ganzkörperlichen Erfahrungen begleitet.

Das Projekt »Kinderlied-CD« wurde von Dr. Michael

Dartsch – Professor für Musikpädagogik und Leiter des

Studienganges Elementare Musikpädagogik – und Wolfgang

Mayer – Professor für Schulpraktisches Klavierspiel sowie

für Ensemble leitung und Arrangement – entwickelt und

durchgeführt. Rektor Prof. Thomas Duis und Kanzler Wolfgang

Bogler haben die mediale Verwirklichung in die Hand

genommen.

Ausgehend von einer Tagung des Verbandes deutscher

Musikschulen (VdM) in Bonn wurden Fachleute für frühkindliche

Musikerziehung um die Überlassung eigener

Lieder für eine Kinderlied-CD gebeten. Gemeinsam hielten

Mayer und Dartsch ein Seminar mit Studierenden ab, in

dem die Lieder auf vielfältige Weise arrangiert wurden.

Auf der CD sind die Lieder in ansprechenden und abwechslungsreichen

Arrangements sowie in ganz unterschiedlichen

Besetzungen eingespielt.

Durch die stilistische Vielfalt, die vom a-Capella-Gesang

über kammermusikalische Besetzungen mit Streichern und

Bläsern bis hin zum Soloklavier und zur Folkband reicht

und die in dieser Breite für Kinderlied-Tonträger einzigartig

sein dürfte, regt die CD das kindliche Hören an und hilft

bereits in diesem Stadium, musikalische Kategorien zu

entwickeln. Vielfalt und Variantenreichtum der Musik im

engsten Umfeld stellen aus musikpädagogischer Sicht – so

zum Beispiel im Konzept des renommierten Musikpädagogen

Edwin Gordon – eine wichtige Basis für die musikalische

Entwicklung von Babys dar.

»Zukunft steuern«

Vorträge zum Steuerrecht

für Musiker von Dr. Iris Fohr

»Zukunft steuern – Chancen und Risiken im Steuerrecht

für Musiker« lautet der Titel einer Vortragsveranstaltung

von Dr. Iris Fohr am 17. und 18. Juni 2011 in der HFM.

Die Veranstaltung richtet sich an Studierende, Ausübende

und Lehrende; vorgestellt werden alle wichtigen Themenbereiche

im Rahmen der Besteuerung von Musikern sowie

Strategien zur Finanzplanung von freiberuflich tätigen

Künstlern.

Dr. Iris Fohr ist promovierte Diplom-Kauffrau und wurde

1994 zur Steuerberaterin bestellt. Vor Gründung der Steuerberatungskanzlei

arbeitete sie für renommierte internationale

Steuerberatungsgesellschaften in Deutschland, Österreich

und Luxemburg. Aus großer persönlicher Affinität hat sie

sich auf die steuerliche Beratung von Künstlern und Kulturschaffenden

spezialisiert. Info: www. fohr-steuer.de

Kurse in Sprecherziehung

für Gesangsstudierende

03. – 05. Juni 2011 Ekkehard Lampe-Steinhagen

17.– 19. Juni 2011 Anke Kramer

Info und Anmeldung: Prof. Yaron Windmüller

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Studium allaBREVE Sommersemester 2011 Studium

HFM-Kirchenmusik

Drei neue Orgeldozenten und zahlreiche Veranstaltungen

Walter Gieseking-

Wettbewerb 2011

AStA-Feten

im Sommersemester

Bernadetta Sunavska

Rainer Oster

Prof. Karl Ludwig Kreutz

Der von der SaarLB gestiftete Walter Gieseking-

Wettbewerb der HFM feiert 2011 sein 30-jähriges

Bestehen. Erstmalig wird in diesem Jahr das hausinterne

musikalische Kräftemessen in drei Etappen durchgeführt.

Die erste Phase des Wettbewerbs findet vom 27. bis

30. Juni statt. Die zweite und dritte Runde wird vom

19. bis 22. September durchgeführt. Bewerben können sich

HFM-Studierende aus den Fächergruppen »Holzbläser«,

»Blechbläser« und »Gesang«.

Detaillierte Informationen zum Walter Gieseking-

Wettbewerb 2011 gibt es auf der Homepage der HFM.

14. April und 27. Mai 2011

Der AStA veranstaltet in den Räumlichkeiten

der HFM seine traditionellen

Sommer-Partys für die Studierenden der

Hochschule.

Alla Breve_210x148_4c_Alla Breve_210x148_4c 28.02.11 15:00 Seite 1

Nach dem Abschied von Prof. Wolfgang Rübsam kam durch

drei neue Orgeldozenten frischer Wind in die Abteilung

Kirchenmusik: Bernadetta Sunavska und Rainer Oster für

das Fach Orgelliteraturspiel, sowie Prof. Karl Ludwig Kreutz

für Liturgische Orgelimprovisation. Die gebürtige Slowakin

Bernadetta Sunavska studierte Orgel in Kosice, Bratislava,

Freiburg und Stuttgart und gewann bereits zahlreiche Preise

bei Wettbewerben in ganz Europa. Seit dem vergangenen

Wintersemester ist sie als Lehrbeauftragte an unserer Hochschule

tätig. In der Arbeit mit den Studierenden legt

sie besonders viel Wert darauf, dass jeder beim Orgelspiel

eine persönliche Handschrift entwickelt.

Mit Rainer Oster gewinnt die Hochschule einen

facettenreichen Musiker, der sich als Organist, Cembalist,

Ensembleleiter und Musikjournalist einen Namen gemacht

hat. Oster studierte in Saarbrücken und Stuttgart und ist

seither in vielen musikalischen Bereichen aktiv.

Karl Ludwig Kreutz, Dekanatsmusiker und Kantor

im Raum Trier, ist außer in Saarbrücken auch an der

Musikhochschule Freiburg und der Kirchenmusikhochschule

Heidelberg tätig. Er ist ein gefragter Pädagoge im Bereich

der Orgelimprovisation und bereichert die Kirchenmusik an

unserer Hochschule durch seine fein abgestimmte Unterrichtsmethodik,

die vor allem auf die Weiterentwicklung der

Kreativität der Studierenden ausgerichtet ist.

Unterstützt von den drei neuen Lehrbeauftragten sind für

das kommende Semester in der Abteilung Kirchenmusik

zahlreiche Veranstaltungen geplant. So wird es neben

dem wöchentlichen Einzelunterricht an drei Samstagen im

Semester gemeinsame Unterrichtstage bei Prof. Andreas

Rothkopf, Bernadetta Sunavska und Rainer Oster geben.

Hier soll den Studierenden die Möglichkeit gegeben werden,

einen Einblick in den Unterricht der jeweils anderen

Do zenten zu bekommen.

Weiterhin bestehen bleiben die monatlichen Orgelpodien,

die dieses Semester in der Schlosskirche, der Kirche

St. Michael und der Stiftskirche St. Arnual stattfinden werden.

Zudem ist gegen Ende des Semesters ein Kurswochenende

mit dem Thema »Die Klassisch-Französische Orgel. Instrumente,

Werke, Interpretation« in der Abteikirche St. Nabor

im lothringischen St. Avold geplant. An der dortigen Orgel,

einer Kopie eines Instrumentes aus dem Frankreich des

17. und 18. Jahrhunderts, können Werke dieser Epoche nahezu

authentisch wiedergegeben werden.

Die Ergebnisse des Kurses werden in einem Abschlusskonzert

präsentiert. Anschließend können dort einige der

erarbeiteten Werke vom SR produziert werden.

Das Semester soll schließlich mit einem Hochschulgottesdienst

enden, der von der Kirchenmusikabteilung in Zusammenarbeit

mit dem Hochschulpfarrer Dr. Johannes J. Kreier

gestaltet wird. Zu diesem Gottesdienst laden wir schon jetzt

alle Studierenden und Lehrenden der HFM herzlich ein.

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Campus allaBREVE Sommersemester 2011 Campus

Aus den Klassen

Anfang dieses Jahres ist das HFM-Gitarrenensemble gegründet

worden. Es steht unter der Leitung des Lehrbeauftragten Stefan

Jenzer. Ziel des Projektes ist, die Gitarrenstudenten der Hochschule

in einem auf hohem Niveau musizierenden Klangkörper zu vereinen.

Die Zahl der Gitarrenorchester und Gitarrenensembles steigt

derzeit deutschlandweit stark an. Daher, glaubt Stefan Jenzer, ist

es für die Ausbildung der zukünftigen Gitarrenlehrer an der HFM

Saar wichtig, auch im Studium mit der Literatur, den Arbeitsweisen

und den zahlreichen Möglichkeiten eines Gitarrenorchesters in

Kontakt zu kommen.

Erfolgreich in München:

Das Blechbläser-Ensemble LJO-Brass

Eva Eiter Foto: Dirk Guldner

Klavierklasse

Prof. Thomas Duis/Fedele Antonicelli –

Kammermusik-Klasse Prof. Tatevik

Mokatsian

Das Klavier-Duo Sonja Vorwerk

und Daniel Winkler hat den 2. Preis

und den Mozart-Preis bei der internationalen

»North West Piano-Ensemble

Competition« in Vancouver/Kanada

errungen. Sonja Vorwerk hat beim

3. Internationalen Klavier-Wettbewerb

»Giovani Musicisti – Città di Treviso«

einen 2. Platz belegt.

Klarinettenklasse

Prof. Johannes M. Gmeinder

Song-Hee Yang erhält seit 2010 ein

Stipendium der Bruno und Elisabeth

Meindl-Stiftung der Hochschule für

Musik Saar.

Simone Weber hat das Probespiel

des EUYO (European Union Youth

Orchestra) gewonnen.

Antonia Uerschels hat eine halbe

Aushilfsstelle als Bass klarinettistin

mit Verpflichtung zur Klarinette und

zum Bassetthorn am Saarländischen

Staatstheater erhalten.

Carina Stamm ist mit Stipendien der

Richard Wagner-Stiftung und der

Studienstiftung Saar ausgezeichnet

worden.

Maxi Kaun hat ein Stipendium der

Richard Wagner-Stiftung erhalten.

Kontrabass-Klasse

Prof. Wolfgang Harrer

Lu-Xi Ju erhielt im Militärorchester

der Volksrepublik China eine Stelle

auf Lebenszeit.

Endika Rodriguez, der bereits eine

Praktikantenstelle an der Wiener

Staatsoper inne hatte, erhielt für

die laufende Saison einen vollen

Zeitvertrag im Orchester der Wiener

Staatsoper und bei den Wienern

Philharmonikern.

Jazz-Abteilung der HFM

Der Animationsfilm »Totris« von

Marvin Brendel ist von der Deutschen

Filmmusikförderung mit einem

stattlichen Preisgeld ausgezeichnet

worden. Verantwortlich für Musik und

Sounddesign von »Totris« ist Denise

Segschneider, die in der HFM-Klasse

für Jazz-Gesang studiert.

Gitarrenklasse

Stefan Jenzer

Die Studentin Svenja Beuren aus

der Gitarrenklasse Stefan Jenzer

unternahm im Herbst letzten Jahres

eine Konzerttournee nach Venezuela

und gab dort zahlreiche Konzerte.

Zudem erhielt sie ein Stipendium der

»Studienstiftung Saar«.

Perkussionsklasse

Prof. Thomas Keemss

Gilles Krein hat sich auf eine freie

Praktikantenstelle im Orchester

Philharmonique du Luxembourg

beworben und konnte sich im Probespiel

erfolgreich für die ausgeschriebene

Stelle qualifizieren.

Blechbläserkammermusikklasse

Prof. Peter Leiner

Das Blechbläser-Quintett LJO-Brass

hat beim Internationalen Münchener

»Jan-Koetsier-Wettbewerb für

Blechbläserkammermusik« den zweiten

Preis und den Sonderpreis für die beste

kammermusikalische Arbeit gewonnen.

Ein erster Preis wurde bei dem Wettbewerb

nicht vergeben.

Die Mitglieder von LJO-Brass werden

seit 2007 in der Kammermusikklasse

von Prof. Peter Leiner an der HFM

unterrichtet.

Flötenklasse

Prof. Gaby Pas-Van Riet

Anja Stukalenko hat beim SWR-

Rundfunksinfonieorchester Stuttgart

eine Praktikantenstelle für Flöte

erhalten.

Violoncelloklasse

Prof. Gustav Rivinius

Die Cellistin Minjung Suh ist nach

erfolgreichem Probespiel ab September

Mitglied der Badischen Staatskapelle

Karlsruhe.

Isabel Gehweiler hat den Kunstpreis

der Kunststiftung Baden-Württemberg

erhalten. Die Cellistin ist derzeit

Stipendiatin an der Juilliard-School

von New York.

HFM-Schulmusik

Leitung Prof. Dr. Christian Rolle

Mitte März nahmen mehrere Studierende

der HFM Saar an einem

hochschulübergreifenden Seminar teil,

das an der Hochschule für Musik und

Tanz Köln stattfand. Die interdisziplinären

hochschulübergreifenden

Lehrveranstaltungen werden jedes Jahr

im Wechsel an verschiedenen Musikhochschulen

ausgerichtet und wenden

sich an Schulmusiker aus ganz Deutschland.

Als einer von vier Dozenten war

in diesem Jahr (wie schon im Vorjahr)

Prof. Dr. Christian Rolle beteiligt.

»Kunst der Stunde« lautete das Thema.

Mit insgesamt 32 Teilnehmern wurden

am Rhein eine Woche lang Konzepte

der Musikvermittlung in der Schule und

im außerschulischen Bereich ausprobiert

und diskutiert.

Tuba-Klasse

Ralf Rudolph

Steffen Schmid, Tuba-Hauptfachstudent

von 2007 – 2009, hat nach

erfolgreich bestandenem Probespiel

an der Staatsoper Stuttgart einen

Praktikantenvertrag erhalten.

Jungstudent Constantin Hartwig

hat seine erste Arbeitsphase mit dem

Bundesjugendorchester absolviert.

Im Dezember 2010 trat er zusammen

mit seinen Kollegen von LJO-Brass

als Solist bei der Deutschen Staatsphilharmonie

Rheinland-Pfalz auf.

Gesangsklasse

Prof. Yaron Windmüller

Alexander Yagudin ist bei den diesjährigen

Schlossfestspielen Zwingenberg für

drei Rollen engagiert worden: er singt

den Fenton in »Die lustigen Weiber von

Windsor« (O. Nicolai), den Süffle in

»Der Vogelhändler« (Carl Zeller) und

den Banditen in der »Dreigroschenoper«

von Brecht/Weill.

Eva Eiter singt bei der Musikakademie

Rheinsberg in »Das Urteil des Midas«

von André-Ernest-Modeste Grétry die

Rolle der Mopsa.

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Campus allaBREVE Sommersemester 2011 Campus

Die Redner mit Claas Willeke (links)

und Oliver Strauch (rechts)

Namen & Nachrichten

Der frühere HFM-Professor und Leiter des Hochschulorchesters

Prof. Dr. Max Pommer ist mit der Senator-Biermann-Ratjen-Medaille

des Senats der Freien und Hansestadt

Hamburg ausgezeichnet worden. Es handelt sich bei dieser

Ehrung um die bedeutendste Auszeichnung der künstlerischen

und kulturellen Verdienste um Hamburg. Nach

zehn erfolgreichen Jahren als Chefdirigent der Hamburger

Camerata ist Max Pommer zu seinem 75. Geburtstag mit

einem Abschiedskonzert geehrt worden.

Ehrung im Hamburger Rathaus: Kultursenator Reinhard Stuth,

Prof. Dr. Max Pommer und Robert Hille, Manager der Camerata

und Absolvent der HFM (v.l.n.r.) Foto: Matthias Mranor

Das »New York Album« des HFM-Professors für Jazz-

Schlagzeug, Oliver Strauch, ist für den »Preis der deutschen

Schallplattenkritik« nominiert worden. Oliver Strauch hat

seine ganz persönliche Hommage an die amerikanische Jazz-

Metropole im vergangenen Jahr mit dem Pianisten Kenny

Werner eingespielt.

Prof. Dr. Michael Dartsch wurde zum Expertenworkshop

zur Erstellung des Deutschen Bildungsplans 2012

nach Berlin eingeladen und referierte dort über musikalische

Bildung im Vorschulalter. Außerdem wurde er für ein

Impulsreferat zu einem Workshop an die Trossinger Musikhochschule

eingeladen.

Anfang März waren Prof. Dr. Christian Rolle und

Prof. Dr. Alexandra Kertz-Welzel als Referenten zu

einem interdisziplinären Forschungskolloquium »Musik

und Gefühle« eingeladen, das vom ZIF, dem Zentrum für

interdisziplinäre Forschung in Bielefeld ausgerichtet wurde.

Der kleine Kreis der Teilnehmer kam aus den Bereichen

Musikwissenschaft, Musiktherapie, Musikpädagogik, Filmwissenschaft,

Philosophie und aus der künstlerischen Praxis.

Die Performance-Gruppe »Die Redner«, mit den

HFM-Jazz-Professoren Claas Willeke und Oliver Strauch

sowie Florian Penner (HBKsaar), ist Anfang April vom

Goethe-Institut nach Dakar/Senegal eingeladen worden.

In der senegalesischen Hauptstadt gestalteten sie eine Live-

Performance zu Reden und Texten des früheren Staatspräsidenten

Leopold Senghor (1906–2001). Bereits im März

befand sich das Trio auf Einladung des Goethe-Instituts in

Minsk, wo sie mit weißrussischen Künstlern diskutierten

und zusammenarbeiteten. Und noch eine Auszeichnung gab

es für die Performer: »Deutschland – Land der Ideen«, eine

Initiative der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft,

hat »Die Redner« als einen der »Ausgewählten Orte 2011«

im Bereich der Kunstperformance ausgewählt.

Zwei neue CDs des Saarlouiser Organisten und

HFM-Lehrbeauftragten Joachim Fontaine sind von der

regionalen und internationalen Fachkritik mit großem Lob

bedacht worden. Zur Einspielung »Ludwig Boslet: Sechs

Orgelsonaten, freie und liturgische Werke« (querstand)

schreibt die »Badische Zeitung«: »Joachim Fontaine interpretiert

die Werke frisch, sehr expressiv und musikantisch.

Er hat die Ästhetik dieser Musik begriffen.« François Sabatier

beurteilt die CD in »L’orgue«: »On ne peut qu’admirer leur

équilibre, la palette de leur fonds et la splendeur de leurs

effets de masse.« Zur CD-Aufnahme »Théodore Gouvy:

Iphigéne en Tauride« (cpo) der Kantorei Saarlouis unter der

Leitung von Joachim Fontaine meint etwa die Zeitschrift

»Das Opernglas«: »Bereits die Ouvertüre strukturiert er sehr

vielschichtig und legt den Grundstein für ein durchgängig

mitreißendes Orchesterspiel.«

Die HFM-Lehrbeauftragte für Jazz-Gesang,

Anne Czichowsky, ist mit dem Landesjazzpreis des Landes

Baden-Württemberg ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung

zählt zu den bundesweit höchstdotierten Jazz-Preisen.

In der Begründung der Jury heißt es: »Anne Czichowsky

ist eine stimmgewaltige Botschafterin für die lebendige

Jazz-Szene unseres Landes und erst die zweite Preisträgerin

in der mittlerweile 26-jährigen Geschichte des Jazzpreises

Baden-Württemberg. Die 30-jährige Sängerin hat sich in den

letzten Jahren zu einer der ausdrucksstärksten Sängerinnen

der baden-württembergischen Jazz-szene entwickelt. Ihre

stilistische Vielfalt beeindruckt ebenso wie ihre auf höchstem

Niveau angesiedelte Improvisationsfähigkeit.«

Anlässlich der Jahrestagung des »Composer Club«

wird Theo Brandmüllers Werk für drei Kammerensembles

»Nachtflug DIEs 499« Ende April in Weimar uraufgeführt.

Die Komposition entstand im Auftrag der Landesmusikräte

Rheinland-Pfalz, Thüringen und Niedersachsen. Eine Folgeaufführung

ist im Mai auf Schloss Rheinsberg vorgesehen.

Die CD-Einspielung von Andreas Rothkopf

mit sämtlichen Werken für Pedalflügel (Orgel) von

Anne Czichowsky

Robert Schumann ist vom Fachmagazin »organ« mit der

Höchstwertung ausgezeichnet worden. Der Rezensent

schreibt: »Rothkopf beweist nahezu mit jedem einzelnen

Takt mentale Beweglichkeit und Mut zu klanglichem

Eigensinn. Dazu kommt seine superbe Registrierkunst. Eine

vornehm dosierte Agogik bei stets geschmeidig-pianistischer

Artikulationsfähigkeit paart sich in dieser Veröffentlichung

mit hundertprozentiger werkadäquater Partiturtreue«.

(Audite, CD 97.411)

HFM-Professor und Soloposaunist der Deutschen

Radio Philharmonie (DRP) Fabrice Millischer ist in Nantes

mit dem »Victoire de la Musique Classique 2011« in der

Kategorie »instrumental-solistische Entdeckung des Jahres«

ausgezeichnet worden. Der Preis, er entspricht in etwa der

deutschen »Echo«-Auszeichnung, wird vergeben von den

1228 Mitgliedern der Vereinigung »Victoires de la Musique«,

die sich aus Textern, Komponisten, Produzenten und Veranstaltern

zusammensetzt.

HFM-Absolvent und Organist Christian Schmitt

sieht auch 2011 wieder einer erfolgreichen Saison entgegen.

Nach einem Auftritt mit der Sopranistin Juliane Banse im

Wiener Konzerthaus gibt es zwei Konzerte mit der Sängerin

und dem weltberühmten Percussionisten Martin Grubinger

im Mozarteum Salzburg. Konzertreisen führen ihn unter

anderem nach Südafrika, Neuseeland, Australien und Japan.

Gemeinsam mit der Deutschen Radiophilharmonie (DRP)

wird er in der Dresdener Frauenkirche ein Werk von Daniel

Glaus uraufführen. Anlässlich des Liszt-Jahres produziert

»arte« eine Konzertaufzeichnung mit Juliane Banse und

Wenn-Sinn Yang in der Saarbrücker Ludwigskirche. Beim

Label CPO erscheinen neue CDs von Christian Schmitt mit

Gesamteinspielungen der Orgelwerke von Charles Koechlin

und Johann Pachelbel.

Die Berliner Akademie der Künste hat in diesem Jahr

ein Stefan-Litwin-Archiv gegründet. Stefan Litwins bisherige

Kompositionen, Aufnahmen, Schriften und Korrespondenz

sowie all seine zukünftigen Arbeiten sollen so der Öffentlichkeit

zugänglich gemacht und dauerhaft archiviert werden.

Der HFM-Lehrbeauftragte Stefan Jenzer wurde als

Jurymitglied zum »Wettbewerb der Auswahlorchester« nach

Bamberg eingeladen.

Fabrice Millischer

Dr. Alexandra Kertz-Welzel, HFM-Absolventin und

HFM-Lehrbeauftragte für Musikpädagogik und Musikdidaktik,

hat zum Sommersemester 2011 eine Professur für Musikpädagogik

und die Leitung des Institutes für Musikpädagogik an

der Ludwig-Maximilians-Universität in München übernommen.

Von 2002–2005 arbeitete sie als Gastwissen schaftlerin

und Gastdozentin für Musikpädagogik an der University of

Washington in Seattle (USA). Als Autorin und Herausgeberin

zahlreicher deutsch- und englischsprachiger Publikationen

und mit einer umfangreichen Vortragstätigkeit auf Konferenzen

in Europa, Kanada und den USA ist sie international in

Erscheinung getreten www.alexandrakertzwelzel.com.

Der HFM-Absolvent und Organist Dr. Martin Welzel

hat zum Sommersemester 2011 einen Lehrauftrag für

Orgel an der Ludwig-Maximilians-Universität in München

angenommen. Seinen Studien an der HFM (Kirchenmusik,

Musikerziehung, Orgel und Cembalo) schloss sich ein

vierjähriges Auslandsstudium an der University of Washington

in Seattle (USA) an, wo er 2005 zum Doctor of Musical Arts

promovierte. Darüber hinaus war er Stipendiat der Rotary

Foundation. Als Organist geht er einer umfangreichen

internationalen Konzerttätigkeit in Europa und den USA

nach. Neben weiteren Konzerten in Deutschland werden ihn

Konzerteinladungen unter anderem nach Finnland, Frankreich

und die USA (Cathedral of St. John the Divine in New York)

führen. Für Naxos hat er mehrere CDs mit Orgelwerken von

Max Reger im Trierer Dom eingespielt www.martinwelzel.com.

Der Tenor Akeo Hasegawa (ehemaliger Studierender

der Klasse Prof. Windmüller) und der Pianist Martin Tchiba

(ehemaliger Studierender der Klasse Prof. Duis) gaben am

15. Februar als Lied-Duo einen Liederabend in der renommierten

Tokyo Opera City Recital Hall. Das ausverkaufte Konzert

war Teil der Reihe »B to C: From Bach to Contemporary

Music«. Auf dem Programm standen Werke von Bach, Rihm,

Henze, Debussy, Poulenc und Fauré. Der Sänger und der

Pianist lernten sich während ihrer gemeinsamen Studienzeit

an der HFM kennen; ihr erstes gemeinsames Projekt war 2002

die Rundfunkproduktion von Wolfgang Rihms Liedzyklus

»Das Rot« beim SR.

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Essay allaBREVE Sommersemester 2011 Essay

Rainer Kleinertz

Franz Liszt

Zum 200. Geburtstag des Komponisten

Vor 200 Jahren, am 20. Oktober 1811, wurde Franz Liszt geboren.

Sein Geburtsort Raiding gehörte zum ungarischen Komitat

Ödenburg, dem heutigen Sopron, so dass Liszt, obwohl seine

Familie deutschsprachig war, einen ungarischen Pass besaß und

sich auch zeitlebens als Ungar fühlte.

Nach ersten Konzerten im Alter von neun Jahren erhielt das

Wunderkind in Wien Unterricht bei dem Beethoven-Schüler

Carl Czerny. Auf Vermittlung Czernys kam es 1823 zu einer

persönlichen Begegnung mit Beethoven, die Liszt sein Leben

lang als schicksalhaft empfand. Der ›Weihekuss‹, den Beethoven

dem kleinen Franz nach einem Konzert gegeben haben

soll, ist allem Anschein nach zwar eine Legende, die jedoch

viel über Liszts Selbstverständnis als Künstler aussagt.

Paris 1823– 1835 Im selben Jahr siedelte die Familie – Franz

war das einzige Kind – nach Paris über, wo die Ausbildung

fortgesetzt werden sollte. Die Aufnahme ins berühmte Pariser

Konservatorium scheiterte jedoch an der Überbelegung der

Klavierklassen, die zur Konsequenz hatte, dass Ausländer

nicht aufgenommen werden durften. Franz Liszt setzte sein

Klavierstudium daraufhin autodidaktisch auf der Grundlage

der Klavierschule von Friedrich Kalkbrenner fort und

erhielt privaten Unterricht in Theorie und Komposition von

Ferdinando Paër und Anton Reicha. Mit Konzertreisen nach

England, durch Frankreich und in die Schweiz wurden die

Ausbildung und das Auskommen der Familie finanziert. In

diesen Jahren zeigten sich bereits starke religiöse Neigungen.

So notiert der Fünfzehnjährige in einem Tagebuch des Jahres

1827 aus einer französischen Ausgabe der Nachfolge Christi:

»Um den wahren Seelenfrieden zu haben, muss man erstens

dem Nächsten gegenüber jede Neugier vermeiden, zweitens

mit Geduld die Schmerzen ertragen, die uns entweder von

der Gerechtigkeit Gottes oder von der Ungerechtigkeit der

Menschen widerfahren; drittens sich selber Leiden zufügen

und sich an den Entzug von Gefallen und Tröstung gewöhnen,

kurz alle Freuden unseres Geistes, unseres Herzens und

unserer Sinne opfern und ihm danken, der für uns außer

ihm nichts finden lässt, das uns genügt.«

Liszts Komponiertisch – eine exklusive Anfertigung des Klavierbauers Ludwig Bösendorfer

für den Komponisten. Liszt Ferenc Gedenkmuseum und Forschungszentrum, Budapest

»Entsagung von allem Irdischen

war der einzige Trieb, das einzige

Wort meines Lebens«

Während eines Erholungsaufenthalts in Boulogne-sur-Mer

im Anschluss an eine Englandreise verstirbt am 28. August

1827 sein Vater. Franz wohnt fortan allein mit seiner Mutter

in Paris und sorgt für ihren Lebensunterhalt. »Um diese

Zeit machte ich eine zweijährige Krankheit durch, während

welcher mein ungestümes Bedürfnis nach Glauben und

Hingabe, da es keinen anderen Ausweg fand, sich in den

strengen Übungen des Katholizismus verlor. Meine brennende

Stirn senkte sich auf die feuchten Stufen von Saint-Vincentde-Paule

[...]. Entsagung von allem Irdischen war der einzige

Trieb, das einzige Wort meines Lebens« (Lettre d’un bachelier

ès-musique I an George Sand, Januar 1837).

Am Vorabend der Uraufführung der Symphonie fantastique

lernt er 1830 Hector Berlioz kennen; 1831, kurz nach

dessen Übersiedlung nach Paris, Heinrich Heine. Zum

Schlüssel erlebnis wird schließlich ein Konzert Paganinis am

20. April 1832, das seinen künstlerischen Ehrgeiz wiedererweckt.

Zwei Wochen später schreibt er an einen Freund: »Es

sind jetzt 15 Tage, dass mein Verstand und meine Finger wie

zwei Verdammte arbeiten, – Homer, die Bibel, Plato, Locke,

Byron, Hugo, Lamartine, Chateaubriand, Beethoven, Bach,

Hummel, Mozart, Weber, sie alle sind um mich herum. Ich

studiere sie, ich denke über sie nach, ich verschlinge sie mit

Heißhunger; daneben übe ich vier bis fünf Stunden (Terzen,

Sexten, Oktaven, Tremolo, Notenrepetitionen, Kadenzen etc.

etc.). Wenn ich nicht verrückt werde – wirst Du einen Künstler

in mir finden. Jawohl, einen Künstler wie du ihn verlangst,

wie er heute von Nöten ist! ›Auch ich bin ein Künstler‹, rief

Michelangelo aus, als er zum ersten Mal ein Meisterwerk sah,

… so klein und arm er ist, so wiederholt dein Freund doch

ununterbrochen diese Worte des großen Mannes seit dem

letzten Auftritt Paganinis. Was für ein Mann, was für eine

Geige, was für ein Künstler!« (an Pierre Wolff, 2. Mai 1832).

Im folgenden Jahr erarbeitet er eine »Klavierpartitur«

von Berlioz’ Symphonie fantastique, die 1834 erscheint und

auf deren Grundlage Robert Schumann wenig später seine

berühmte Besprechung dieses Werks in der Neuen Zeitschrift

für Musik verfassen wird. Das Neuartige seines Verfahrens

erläutert Liszt in einer seiner Lettres d’un bachelier ès-musique:

»Ich habe mich gewissenhaft bemüht, als ob es sich um

die Übersetzung eines heiligen Textes handelte, auf das

Klavier nicht nur das musikalische Gerüst der Symphonie zu

übertragen, sondern auch alle Einzeleffekte und die Vielfalt

harmonischer und rhythmischer Kombinationen. [...] Ich

habe meiner Arbeit den Titel Klavierpartitur gegeben, um

meine Absicht deutlicher werden zu lassen, dem Orchester

Schritt für Schritt zu folgen und ihm nur den Vorzug der

Masse und der Vielfalt der Töne zu lassen. Was ich für die

Symphonie von Berlioz unternommen habe, setze ich jetzt

mit denen Beethovens fort. Das ernste Studium seiner Werke,

das tief empfundene Bewusstsein ihrer beinahe unendlichen

Schönheiten sowie die mir durch beständige Übung vertraut

gewordenen Möglichkeiten des Klaviers machen mich

vielleicht weniger ungeeignet als manchen anderen für diese

schwierige Aufgabe« (III an Adolphe Pictet, September 1837).

In flammenden Worten geißelt

Liszt die soziale Stellung der Musiker

und den Zustand des Musiklebens

Sein Glauben an die Bedeutung der Musik sowie die

Beobachtung, dass der Musiker in der Gesellschaft nur eine

untergeordnete Rolle spielt, veranlassen ihn, in der Revue et

Gazette musicale de Paris 1835 eine Artikelserie zum Zustand

der Musik, namentlich in Frankreich, mit dem programmatischen

Titel: De la situation des artistes, et de leur condition dans

la société (Zur Situation der Künstler und zu ihrer Stellung

in der Gesellschaft) zu schreiben. In flammenden Worten

geißelt Liszt die subalterne soziale Stellung der Musiker und

den alltäglichen Zustand des Musiklebens: »Gegenwärtig

ist also nichts gebräuchlicher, trivialer, als mit hohlen und

wohl klingenden Phrasen die angebliche Macht der Kunst

zu preisen, die ebenso wahr und ebenso erlogen ist wie die

angebliche Macht des Volkes. […] Wenn man sich jedoch die

Mühe machte, die Tatsachen so zu betrachten, wie sie sich täglich

ereignen, wie sie notwendigerweise aus der Stellung der

Künstler und der gegenwärtigen Struktur des Départements

der schönen Künste hervorgehen, dann wäre man ein wenig

überrascht angesichts des schreienden Missverhältnisses, in

dem sie zu den prunkvollen Phrasen und naiven Illusionen

stehen, die sich eines fast allgemeinen Ansehens erfreuen.«

Im Anschluss an seine schonungslose Analyse, mit der er sich

nicht nur Freunde machte, entwickelt Liszt in den folgenden

Artikeln ein Reformprogramm für das Konservatorium,

die Opernhäuser, die philharmonischen Gesellschaften, die

Konzerte, Unterricht und Kritik und schließlich die Kirchenmusik.

Wohl als erster fordert er eine Gleichberechtigung im

Wilhelm von Kaulbach: Franz Liszt (1856).

Liszt Ferenc Gedenkmuseum und Forschungszentrum, Budapest

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Essay allaBREVE Sommersemester 2011 Essay

Repertoire von Meisterwerken der Vergangenheit, Werken der

Gegenwart und Förderung junger Künstler. Seine Artikelserie

schließt mit acht Forderungen »im Namen der Kunst und des

sozialen Fortschritts«:

»Erstens die Stiftung eines Wettbewerbs für religiöse,

dramatische und symphonische Musik, der alle fünf Jahre

stattfinden soll. [...]

Zweitens die Einführung des Musikunterrichts an den

Volksschulen; seine Ausbreitung auch auf andere Schulen, –

und bei dieser Gelegenheit die Begründung einer neuen

Kirchenmusik.

Drittens die Wiedereinrichtung der Kapelle und die Reform

des Kirchengesanges an all unseren Kirchen in Paris und den

Départements.

Viertens Generalversammlungen der philharmonischen

Gesellschaften, nach Art der großen Musikfeste Englands

und Deutschlands.

Fünftens ein Musiktheater; Konzerte; Aufführungen von

Kammermusik, veranstaltet nach dem Plan, den wir im

vorhergehenden Artikel anlässlich des Konservatoriums

entworfen haben.

Sechstens eine WEITERBILDENDE SCHULE für Musik, die

von herausragenden Künstlern außerhalb des Konservatoriums

zu gründen wäre und deren Zweige in alle Provinzhauptstädte

reichen müssten.

Siebtens einen Lehrstuhl für Geschichte und Philosophie

der Musik.

Achtens eine wohlfeile Ausgabe einer Sammlung der

bedeutendsten Werke aller alten und modernen Komponisten

von der Renaissance der Musik bis in unsere Tage.«

Damit hatte der 24jährige Franz Liszt bereits die wesentlichen

kulturpolitischen Ziele umrissen, die er später in Weimar

nicht zuletzt durch sein Projekt einer nationalen Goethe-

Stiftung und die Gründung des Allgemeinen Deutschen

Musikvereins 1861 zu verwirklichen suchte.

Schweiz, Paris, Italien 1835–1839 Bereits 1832 hatte Liszt die

verheiratete Gräfin Marie d’Agoult kennen gelernt. Als diese

1835 von ihm ein Kind erwartet, reisen beide in die Schweiz,

um dem Skandal in der Pariser Gesellschaft zu entgehen.

Im Dezember kommt in Genf die älteste Tochter des Paares,

Blandine, zur Welt. Namen und Alter der Eltern werden in

der Geburtsurkunde falsch angegeben.

Liszt war der »Pianist der Zukunft«,

vielleicht überhaupt der erste im engeren

Sinne »moderne« Künstler

Eine Reise durch die Schweiz vermittelt Eindrücke, die

Liszt später im ersten Jahrgang (Suisse) seines Klavierzyklus’

Années de Pèlerinage verarbeitet.

1836 erreicht ihn in Genf die Nachricht von triumphalen

Konzerten des österreichischen Pianisten Sigismund Thalberg

in Paris, das erste und einzige Mal in seinem Leben, das ihm

ein ernstzunehmender Rivale erwächst. Liszt reist zurück

nach Paris, um sich dem Vergleich zu stellen. Publizistisch

unterstützt von Berlioz und Heine präsentiert sich Liszt von

vornherein nicht als bloßer Virtuose – diese Rolle weist er

Thalberg zu – sondern auch als Interpret. Er spielt öffentlich

Chickering-Flügel: Geschenk der amerikanischen Klavier-Manufaktur

an Franz Liszt aus dem Jahr 1880. Liszt Ferenc Gedenkmuseum und

Forschungszentrum, Budapest

Beethovens Hammerklavier-Sonate op. 106, und Berlioz

kommentiert: Die Hammerklavier-Sonate op. 106 sei bisher

für fast alle Pianisten wie das Rätsel der Sphinx gewesen.

Liszt habe dieses Rätsel in einer Weise gelöst, die Beethoven

mit Stolz und Freude erfüllt hätte. Nicht eine Note habe er

ausgelassen, nicht eine habe er hinzugefügt, noch habe er

irgendeinen Tempowechsel vorgenommen, der nicht in den

Noten angegeben sei. Dies sei das Ideal einer Aufführung

eines Werkes, das als unaufführbar gegolten habe. Berlioz

schließt mit den Worten: »Liszt, en reproduisant ainsi une

œuvre encore incomprise a prouvé qu'il était le pianiste de

l'avenir. Honneur à lui!« (Revue et Gazette musicale de Paris

12.6.1836)

Liszt war in der Tat der »Pianist der Zukunft«, vielleicht

überhaupt der erste im engeren Sinne »moderne« Künstler,

einer der sich mit mehr als nur musikalischen Fragen

befasste: »Dass ein so unruhiger Kopf, der von allen Nöten

und Doktrinen der Zeit in die Wirre getrieben wird, der das

Bedürfnis fühlt, sich um alle Bedürfnisse der Menschheit zu

bekümmern, und gern die Nase in alle Töpfe steckt, worin

der liebe Gott die Zukunft kocht: dass Franz Liszt kein

stiller Klavierspieler für ruhige Staatsbürger und gemütliche

Schlafmützen sein kann, das versteht sich von selbst«

(Heinrich Heine, Über die französische Bühne, 10. Brief, 1837).

Eine zweite Schwangerschaft der Gräfin ist der Anlass

für die Fortsetzung der unterbrochenen Reise, die die beiden

Liebenden zunächst auf George Sands Landsitz in Nohant

führt und dann weiter über Lyon und den Lago Maggiore

nach Bellagio am Comer See, wo Liszt Zeit zur Komposition

und schriftstellerischen Tätigkeit findet. Noch unter dem Eindruck

des Elends der Seidenweber in Lyon komponiert er sein

Klavierstück Lyon, das die 1841 erschienene erste Fassung der

1re Année de Pèlerinage – Suisse eröffnen soll und im folgenden

Jahr auch in sein Album d’un voyageur aufgenommen wird.

Dort in Bellagio verfasst er für die Revue et Gazette musicale

de Paris auch eine Rezension von Klavierwerken Robert

Schumanns, darunter die Klaviersonate op. 11 und das Concert

sans orchestre op. 14, mit der er Schumann international

bekannt macht und für die sich dieser mit der Widmung seines

wohl kühnsten Klavierwerks, der Fantasie in C-dur op. 17,

an Liszt bedankt.

Als Klaviervirtuose löst der Komponist

in Berlin eine »Lisztomanie« aus

Am 24. Dezember 1837 kommt schließlich in Como die zweite

Tochter, Cosima, die spätere Gemahlin Hans von Bülows und

in zweiter Ehe Richard Wagners, zur Welt. Die ›italienische

Reise‹ führt das Paar weiter nach Venedig, Genua, Bologna,

Florenz, Pisa, Siena und Rom. In einer Reihe von Reisebriefen,

wie sämtliche Schriften von Liszt in französischer

Sprache verfasst, berichtet er von italienischer Landschaft,

Musik und Kunst. 1839 kehrt schließlich Marie d’Agoult nach

Paris zurück, während Liszt nach Wien reist, von wo aus er

seine beispiellosen Konzertreisen durch ganz Europa beginnt.

Die Virtuosenjahre 1839–1847 Die Konzertreisen

seiner sogenannten »Glanzperiode« führen Liszt von Wien

nach England, Irland, Schottland, durch Deutschland und

Polen bis Moskau und Sankt Petersburg, dann wieder durch

Deutschland und Frankreich nach Madrid, Sevilla, Lissabon

und zurück durch Frankreich, die Schweiz, Deutschland bis

Budapest und schließlich über Bukarest und Kiew bis nach

Odessa. Im beschaulichen Berlin löst Liszt 1842 eine solche

Euphorie aus, dass der Begriff der »Lisztomanie« geprägt wird.

Im selben Jahr wird er neben zahlreichen weiteren Ehrungen

zum Weimarischen Hofkapellmeister »im außerordentlichen

Dienst« ernannt. 1844 kommt es nach zahlreichen Affären zur

endgültigen Trennung von Marie d’Agoult. In Kiew lernt er

1847 die Fürstin Carolyne Sayn-Wittgenstein kennen. Im selben

Jahr beendet er seine Virtuosenlaufbahn und beschließt,

sich gemeinsam mit der bereits seit langem von ihrem Mann

getrennt lebenden Fürstin in Weimar niederzulassen.

Weimar 1848–1861 In Weimar konzentriert sich Liszt

auf seine Tätigkeit als Dirigent und Komponist. Ganz im

Sinne seiner Reformvorschläge von 1835 gestaltet er hier ein

Repertoire, in dem Werke der Vergangenheit, der Gegenwart

und der Zukunft gleichberechtigt nebeneinander stehen.

So führt er neben Glucks Orpheus, Beethovens Fidelio und

Webers Euryanthe im Weimarer Hoftheater erstmals außerhalb

Dresdens Wagners Tannhäuser auf, wirkungsvoll inszeniert

zum Geburtstag der Großherzogin Maria Pawlowna,

einer Schwester des russischen Zaren. Sein Engagement

für Wagner, der neben ihm zum Garanten der zentralen Rolle

Weimars für die deutsche Musik werden sollte, wird konterkariert

durch Wagners Beteiligung am Mai-Aufstand 1849

in Dresden. Wagner flieht nach Weimar, wird steckbrieflich

gesucht und kann nur dank gezielter Verschleierung durch

den Weimarer Hof in die Schweiz entkommen. Bereits im

folgenden Jahr 1850 wird sein Lohengrin in Weimar unter

Liszts Leitung uraufgeführt, ein künstlerisch wie politisch

außerordentlich kühnes Unterfangen, mit dem Liszt vor

einem internationalen Publikum an die große Tradition

Weimars anknüpft. Mit seinem in französischer Sprache

geschriebenen Buch über Lohengrin und Tannhäuser (Leipzig

1851) macht Liszt Wagner – der bald darauf vom Weimarer

Hof einen Kompositionsauftrag für Siegfrieds Tod (die spätere

Götterdämmerung) erhält – international bekannt.

Liszt illustriert keine Dichtung, sondern

teilt unserem Gefühl in Tönen mit,

was die Dichtung in Worten ausspricht

In Weimar entstehen auch die meisten Instrumentalwerke

Liszts. Er überarbeitet seine früheren Klaviermusikzyklen

wie beispielsweise die Années de Pèlerinage, komponiert seine

Sonate in H-moll, die er Schumann widmet, kreiert die neue

Gattung Symphonische Dichtung und komponiert zwei

monumentale Symphonien: Eine Faust-Symphonie in drei

Charakterbildern und Eine Symphonie zu Dantes Divina Commedia.

Trotz der auf Werke der Weltliteratur verweisenden

Titel sind Liszts Kompositionen dabei nie in einem vordergründigen

Sinne programmatisch. Sein Ziel ist es stets – wie

er im Vorwort zu Les Préludes (nach Lamartine) ausführt –,

jene Gefühle unmittelbar auszusprechen, deren Wirkungen

der Dichter mit den Mitteln der Sprache beschreibt. Liszt

illustriert also keine Dichtung, sondern teilt unserem Gefühl

das in Tönen mit, was die Dichtung in Worten ausspricht.

Richard Wagner ist fasziniert von

Liszts symphonischem Schaffen

1856 besucht Liszt Wagner in seinem Zürcher Exil und macht

ihn mit seinen neuesten symphonischen Kompositionen

bekannt. Eine Schlüsselrolle kommt dabei einem Konzert in

St. Gallen zu, in dem Wagner Beethovens Eroica dirigiert und

Liszt zwei seiner Symphonischen Dichtungen zur Aufführung

bringt. In Briefen gesteht Wagner seine Begeisterung: »Liszt’s

neue Kompositionen haben mich ganz gewonnen [...].

In St. Gallen – wo man eine Art Musikfest für uns bereitete –

führte er mir seinen Orpheus und die Préludes auf, von denen

ich den ersteren für ein ganz einziges Meisterwerk von

der höchsten Vollkommenheit halte« (an Hans von Bülow,

29.11.1856).

Was ihn an Orpheus fasziniert, ist nicht zuletzt ein neues, auch

als ›Entfaltungsform‹ bezeichnetes Formprinzip, das Liszt hier

gewissermaßen in nuce vorstellt: Kleine melodische Gedanken

von wenigen Takten werden zunächst weitgehend identisch

wiederholt, dann in einem dritten Ansatz stärker variiert und

abgeschlossen (a1-a2-a3/b). Diese Einheiten von etwa 10–20

Takten werden dann als Ganze wiederum variierend wiederholt,

so dass sich dieselbe Formidee auf einer höheren Ebene

fortsetzt (A1-A2-B) und so fort, ein Gestaltungsprinzip,

das auch als ›potenzierte Form‹ bezeichnet wird.

Wagner ist von Liszts symphonischen Werken so begeistert,

dass er seine bisherige – in Oper und Drama kodifizierte –

Ablehnung reiner Instrumentalmusik revidiert, die Arbeit an

seinem Ring des Nibelungen unterbricht und sich seinem wohl

symphonischsten Werk, Tristan und Isolde, zuwendet. Dass

dies konkret wohl auch von Liszts neuer Formidee veranlasst

war, zeigt sich am deutlichsten im Vorspiel zum dritten Akt.

Andere Verfahren, mit denen Liszt die Geschichte der Sonate

und Symphonie revolutioniert, sind die Mehrsätzigkeit in

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Essay allaBREVE Sommersemester 2011 Essay

der Einsätzigkeit – also die Integration von Satzcharakteren

wie Langsamer Satz und Scherzo in die Sonatenhauptsatzform

– und die Thementransformation, bei der identische

motivische und rhythmische Muster zu jeweils ganz unterschiedlichen

Charakteren umgestaltet werden.

Auch die heute mitunter belächelten 15 Ungarischen Rhapsodien

bilden einen wichtigen Teil seines Weimarer Schaffens.

Nachdem er bereits seit 1839 Ungarische Nationalmelodien

gesammelt und bearbeitet hatte, komponiert er nun einen

auf diesen beruhenden Zyklus, der programmatisch mit dem

Rákóczi-Marsch schloss. Aus dem geplanten Vorwort zu

diesem Zyklus wurde schließlich sein Buch über Die Zigeuner

und ihre Musik in Ungarn (1861 in deutscher Übersetzung

von Peter Cornelius; französisch 1859 als Des bohémiens et de

leur musique en Hongrie), in dem er von der (heute widerlegten)

These ausgehend, die Zigeuner seien gewissermaßen die

Barden der Magyaren gewesen, diese ›Nationalmelodien‹ als

Fragmente eines ungarischen Nationalepos’ – und damit eines

Teils der ›Weltliteratur‹ im Sinne Goethes – darstellt.

Die gegen ihn gerichtete lautstarke Ablehnung der

Oper Der Barbier von Bagdad von Peter Cornelius veranlasst

Liszt im Dezember 1858 schließlich, sein Kapellmeisteramt

niederzulegen. Während Franz Brendel auf der »Tonkünstler-

Versammlung« 1859 in Leipzig den Begriff »Neudeutsche

Schule« mit Wagner, Berlioz und Liszt als führenden Vertretern

prägt, bemüht sich Johannes Brahms erfolglos darum,

das »innerste Wesen der Musik« mit einer »Erklärung« vor

Liszt zu schützen: »Wie wir schreiben und abfertigen, kann

man nur Lisztsche Sudeleien abfertigen. [...] Eben wir können

und brauchen uns durchaus solchem Scheißzeug gegenüber

auf keine wissenschaftlichen Erörterungen einzulassen. [...]

Aber das Wort ›Produkte‹ wollte ich nicht entbehren: ›dass

sie, die Produkte des Dr. Fr. L. und der übrigen Führer und Schüler

der sog. Neudeutschen Schule‹ usw. [dem innersten Wesen der

Musik zuwider sind.]« (Brahms an Joseph Joachim, 9.5.1860).

Die Erklärung erscheint schließlich verfrüht und außer von

Brahms nur von wenigen Musikern unterzeichnet in der

Berliner Musikzeitschrift Echo, ein Fiasko, nach dem sich

Brahms nie wieder publizistisch betätigen wird.

Rom – Weimar – Budapest – Bayreuth 1861–1886

Das Scheitern seiner Weimarer Pläne und der Tod seines

Sohnes Daniel stürzen Liszt in eine tiefe Krise. Er verlässt

Weimar und reist nach Rom. Die dort geplante Eheschließung

mit Carolyne von Sayn-Wittgenstein wird trotz

ihrer eigentlich bereits annullierten ersten Ehe am Vorabend

vom Papst untersagt. 1865 empfängt Liszt schließlich die

Niederen Weihen. An Kompositionen entstehen in diesen

Jahren mit den Oratorien Die Legende von der heiligen

Elisabeth und Christus seine beiden umfangreichsten Werke,

daneben die Missa solemnis zur Einweihung der Basilika in

Gran (Esztergom), die Ungarische Krönungsmesse sowie

zahlreiche Klavierwerke, darunter der dritte Jahrgang der

Années de Pèlerinage mit den geradezu impressionistischen

Jeux d’eau à la Villa d’Este. Von 1869 an führt Liszt eine – wie

er selbst es nannte – »vie trifurquée« mit jährlichen längeren

Aufenthalten in Rom, Budapest und Weimar, wo er eine

zunehmende Zahl von Schülern unterrichtet. Hinzu

kommen Besuche bei seiner Tochter Cosima in Bayreuth, wo

Wagner stets eifersüchtig reagiert, wenn Vater und Tochter

wie gewohnt miteinander französisch sprechen. Seine

sperrigen späten Klavierkompositionen wie beispielsweise

Unstern, der Csárdás obstiné oder die Bagatelle ohne Tonart

gelten dort nur noch als Ausdruck von Geisteskrankheit.

»Mich hat stets eine große Idee –

die der Erneuerung der Musik aus

ihrer engeren Verbindung

mit der Dichtung, eine freiere

und sozusagen dem Geist unserer

Zeit adäquatere Entwicklung –

in Atem gehalten.«

Im Juli 1886 ist Liszt zu Gast auf Schloss Colpach in Luxemburg

und spielt im Casino von Luxemburg zum letzten Mal

in einem öffentlichen Konzert. Wenige Tage nach dem Besuch

der Aufführungen von Parsifal und Tristan und Isolde stirbt

Liszt am 31. Juli in Bayreuth.

Unabhängig davon, ob einem Liszts Musik ›gefällt‹

oder nicht: Liszt war und ist eine der zentralen Gestalten der

Musik des 19. Jahrhunderts. Mit der von ihm geschaffenen

Gattung der Symphonischen Dichtung und seinen Symphonien

hat er die Musikgeschichte bis weit ins 20. Jahrhundert

hinein beeinflusst: »Mich hat [während der vergangenen

zwölf Jahre in Weimar] stets eine große Idee – die der

Erneuerung der Musik aus ihrer engeren Verbindung mit

der Dichtung, eine freiere und sozusagen dem Geist unserer

Zeit adäquatere Entwicklung – in Atem gehalten. [...] ›Der

Geist weht, wo er will‹, und die Kunst dieses Jahrhunderts

hat dabei ihr Wort zu sagen, mit gleichem Recht wie die der

vorhergehenden Jahrhunderte – und zweifellos wird sie es

sagen« (Liszt an Agnes Street, 16.11.1860).

Mit seinem Streben nach engerer Verbindung von Musik

und Dichtung schritt Liszt in einer Richtung weiter, die

schon Beethoven eingeschlagen hatte. Auch Beethoven wollte

mit seiner Musik nicht »gefallen«, seine Werke – allen voran

die Neunte Symphonie – machen mit extremen Mitteln das

Unaussprechliche erfahrbar. Liszt hat dies in seinem Schaffen

im Kontext eines sich im 19. Jahrhundert neu ausbildenden

Nationalbewusstseins radikalisiert. In diesem Sinne war er der

erste im heutigen Sinne ›moderne‹ Komponist des 19. Jahrhunderts,

der erste Komponist von Rang, der nationale

Identität und eine an Beethoven ausgerichtete internationale

Tonsprache miteinander verband.

Literaturhinweise:

Altenburg, Detlef (Hrsg.): Liszt und die Weimarer Klassik,

Laaber, Laaber-Verlag, 1997 (Weimarer Liszt-Studien 1)

Eckhardt, Mária, und Evelyn Liepsch: Franz Liszts

Weimarer Bibliothek, Laaber, Laaber-Verlag, 1999 (Weimarer

Liszt-Studien 2)

Gut, Serge: Franz Liszt, Sinzig, Studio • Verlag, 2009

Kleinertz, Rainer: Subjektivität und Öffentlichkeit. Liszts

Rivalität mit Thalberg und ihre Folgen, in: Der junge Liszt,

Referate des 4. Europäischen Liszt-Symposions Wien 1991, hrsg.

von Gottfried Scholz, München und Salzburg 1993 (Liszt-

Studien 4), S. 58–67

Ders.: Liszts Ouvertüre und Chöre zu Herders »Der entfesselte

Prometheus«, in: Liszt und die Weimarer Klassik, hrsg. von

Detlef Altenburg, Laaber 1997 (Weimarer Liszt-Studien 1),

S. 155– 178

Ders.: »Wie sehr ich auch Liszt liebe, so wirkt doch seine Musik

nicht angenehm auf mein Gemüt« – Freundschaft und Entfremdung

zwischen Heine und Liszt, in: Heine-Jahrbuch 37 (1998),

S. 107 – 139

Ders.: La Relation entre forme et programme dans l’œuvre

symphonique de Liszt, in: Ostinato rigore 18 (2002), S. 85–98

Ders.: Liszt, Wagner, and Unfolding Form: Orpheus and the

Genesis of Tristan und Isolde, in: Franz Liszt and His World,

hrsg. von Christopher Gibbs und Dana Gooley, Princeton,

Princeton University Press, 2006, S. 231–254

Liszt, Franz: Tagebuch 1827, Faksimile und Textedition hrsg.

von Detlef Altenburg und Rainer Kleinertz, Wien, Neff, 1986

Ders.: Sämtliche Schriften, hrsg. von Detlef Altenburg,

Wiesbaden, Breitkopf & Härtel, 1989ff.

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Essay allaBREVE Sommersemester 2011 Essay

Die Musik überhaupt ist die Melodie, zu der

die Welt der Text ist. Arthur Schopenhauer

Klaus Velten

Sinfonien als Weltbilder

Zum Werk Gustav Mahlers anlässlich seines Todes vor 100 Jahren

Gustav Mahler (1860 –1911):

Die Sinfonie als »Lebensspiegel« eines Menschen

Von Beginn an stand Gustav Mahlers Sinfonik im Brennpunkt

der ästhetischen Diskussion über programmatische und

absolute Musik. Dazu hat der Komponist selbst beigetragen,

indem er anfänglich den Sinfonien 1 bis 4 programmatische

Hinweise als Verstehenshilfen beifügte. Von dieser Praxis

sah er etwa seit der Jahrhundertwende ab. Im November 1901

äußerte er mit Blick auf das Publikum: »So korrumpiert sind

sie schon durch die Programm-Musik, dass sie kein Werk

mehr einfach und rein musikalisch aufnehmen können!«

(Natalie Bauer-Lechner, Erinnerungen an G. Mahler, hrsg. von

J. Killian, Lpz-Wien 1923, 178)

Äußerungen dieser Art wurden als Abkehr Mahlers von der

Programm-Musik und als Hinwendung zur absoluten Musik

interpretiert. So wird die zwischen 1901/02 entstandene

5. Sinfonie von manchen Interpreten als erstes Zeugnis einer

absolut-musikalischen Konzeption verstanden, während sich

die der »Wunderhorn-Welt« verbundenen Sinfonien 1 bis 4

einem programmatischen Verständnis verdanken.

Weltanschauung

in Tönen wiedergeben

Diese Sichtweise erscheint recht vordergründig, wenn man

berücksichtigt, welchen Anspruch Mahler grundsätzlich

mit seiner Sinfonik verbindet. In der ersten großen

Mahler-Biographie von Richard Specht aus dem Jahre 1913

wird über eine Äußerung des Komponisten berichtet, die

wegweisend für das Verständnis seines Werkes sein kann. Der

Autor schreibt: »Ich entsinne mich, dass er mir auf einem

Spaziergang sagte, er wüßte, dass er imstande sei, seine ganze

Weltanschauung, seine philosophische Lebensauffassung

ebenso in Tönen wiederzugeben, wie irgendeine Empfindung,

einen Naturvorgang, eine Landschaft.« (R. Specht, Gustav

Mahler, 13. Auflage, 1922, 172)

»Man ist selbst nur ein Instrument,

auf dem das Universum spielt«

Mahlers Bekenntnis ist nicht dahingehend mißzuverstehen,

dass er eine »tönende Philosophie« präsentieren möchte; wohl

aber gibt er zu erkennen, dass sein Schaffen ausgelöst wird

von Erlebnissen und Gedanken, die danach streben, in Klang

umgesetzt zu werden. Mahler spricht von Spiegelungen. So

äußert er sich über seine 3. Sinfonie: »Nun aber denke Dir ein

so großes Werk, in welchem sich in der Tat die ganze Welt

spiegelt – man ist sozusagen selbst nur ein Instrument, auf

dem das Universum spielt.« (An Anna Mildenburg am 18.7.1896.

In: Briefe, hrsg. von Alma Mahler. Berlin-Wien-Lpzg 1924, 163)

Im gleichen Sinn schreibt er seiner Vertrauten Bauer-Lechner

im Sommer 1895: »... Symphonie heißt mir eben: mit allen

Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen. Der

immer neue und wechselnde Inhalt bestimmt sich seine Form

von selbst.« (Erinnerungen, a.a.0.) Indem der Komponist

die Form der Sinfonie als Ergebnis ihres jeweiligen Inhalts

erklärt, gibt er zu verstehen, dass für ihn die Musik mehr ist

als »tönend bewegte Form«, wie es die autonome Ästhetik im

Sinne Eduard Hanslicks (Vom Musikalisch-Schönen, Lpzg. 1854)

meint.

Musik als Ausdruck einer

»anderen Welt«

Mahlers Werk ist heteronomieästhetisch ausgerichtet. Das

bedeutet nicht, dass die kompositorische Strukturierung

durch außermusikalische Vorstellungen gesteuert wird im

Sinne eines illustrierenden Verfahrens; die Musik ist dem

Komponisten nicht Spiegelung der Außenwelt, wohl aber

Ausdruck der Erfahrung einer »anderen Welt«. Wie das zu

verstehen ist, geht aus einem Brief Mahlers an den Musikkritiker

Max Harschalk vom 26. März 1896 hervor: »Mein

Bedürfnis, mich musikalisch-symphonisch auszusprechen,

beginnt erst da, wo die dunklen Empfindungen walten, an der

Pforte, die in die ›andere Welt‹ hineinführt; die Welt, in der

die Dinge nicht mehr durch Zeit und Ort auseinanderfallen.«

(Briefe, a. a.O. 187)

Die hier artikulierte Motivation des Künstlers verweist

in die philosophische Gedankenwelt Arthur Schopenhauers,

dessen Werk der Komponist in seinen Hamburger Jahren

zwischen 1891 und 1896 kennenlernte. (Vgl. dazu den Brief

Mahlers an Dr. Seidl vom 17.2.1897, in: Briefe, a.a.O. 230)

Innerhalb seines Hauptwerkes »Die Welt als Wille und

Vorstellung« (zwischen 1814 und 1844) entwickelt Schopenhauer

eine Ästhetik, in der der Musik ein besonderer Rang

zugemessen wird.

Metaphysische Dimension

der Musik im Sinne Schopenhauers

Während die anderen Künste in unterschiedlichen Graden

der durch die Kategorien Raum, Zeit und Kausalität bestimmten

Welt der Erscheinungen verhaftet bleiben, stellt die Musik

»zu allem Physischen der Welt das Metaphysische, zu aller

Erscheinung das Ding an sich dar«. (Schopenhauer, Die Welt als

Wille und Vorstellung, hrsg. von E. Grischach, Lpzg. o. J. Bd. I § 52)

Sie redet in Tönen vom Innersten der Welt. Dadurch wird

sie unmittelbares »Abbild des Willens selbst ...«, der der

durch Verstandesbegriffe gesteuerten Welt der Vorstellung

entgegensteht.

Dies meint Mahler in seinem Bekenntnisbrief an Max

Marschalk, wenn er sein musikalisches Ausdrucksbedürfnis

auf eine Welt richtet, »in der die Dinge nicht mehr durch

Zeit und Ort auseinanderfallen«. Mahler verbindet mit seiner

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Essay

allaBREVE

Arthur Schopenhauer (1788 – 1860):

Musik als unmittelbares »Abbild des Willens selbst«

Kunst eine metaphysische Dimension. Das im Umgang mit

Musik sich vollziehende Transzendieren der äußeren Erscheinungswelt

bewirkt eine Veränderung des Bewusstseins. Der

– wiederum im Sinne Schopenhauers – »blinde« Lebensdrang

weicht der Haltung ästhetischer Kontemplation, in der dem

Menschen »jene reine, wahre und tiefe Erkenntnis des Wesens

der Welt« vermittelt wird, die ihn »nur auf Augenblicke«

vom Lebenskampf entbindet. Die Kunst »ist ihm so nicht

der Weg aus demselben, sondern nur einstweilen ein Trost in

demselben«. (Schopenhauer, Die Welt …, a. a. O., Bd. I 340 ff.)

Indem Mahler sich der kunstphilosophischen Position

Schopenhauers annähert, gelangt er zu einer Ästhetik, die

der Musik die Aufgabe zuweist, auf wesentliche Fragen der

menschlichen Existenz aufmerksam zu machen. In dem

schon zitierten Brief an Max Marschalk spricht er, bezogen

auf die 2. Sinfonie in c-Moll (die sog. »Auferstehungssinfonie«)

von einem Helden, »dessen Leben ich, von einer

höheren Warte aus, in einem reinen Spiegel auffange«. Mit

diesem »Lebensspiegel« verbinden sich »große« Fragen:

»Warum hast du gelebt? Warum hast du gelitten? Ist das

alles nur ein großer, furchtbarer Spaß? – Wir müssen diese

Fragen auf irgendeine Weise lösen, wenn wir weiter leben

sollen – ja sogar, wenn wir nur weiter sterben sollen! In

wessen Leben dieser Ruf einmal ertönt ist – der muß eine

Antwort geben; und diese Antwort gebe ich im letzten Satz.«

(Briefe, a. a. O. 187)

»Der Komponist will Musik machen,

wie sonst einer erzählt«

Die Sinfonie als »Lebensspiegel« eines Menschen aufgefasst,

erhält eine epische Intention. In seiner »musikalischen

Physiognomik« Mahlers (1960) assoziiert Th. W. Adorno

mit der Sinfonie Mahlers den Roman (S. 85 ff.) »... der

Komponist will Musik machen, wie sonst einer erzählt«.

(S. 86) »Die Bewegung des musikalischen Begriffs fängt unten,

gewissermaßen mit den Tatsachen von Erfahrung an, um sie

in der Einheit ihrer Sukzession zu vermitteln und schließlich

aus dem Ganzen den Funken zu schlagen, der über jene

Tatsachen hinaus zündet, anstatt dass von oben, von einer

Ontologie der Formen her komponiert würde.« Adorno misst

dem Komponisten eine »episch-musikalische Gesinnung« zu.

»Er fesselt zuerst dadurch, daß es immer anders weitergeht, als

man denkt, spannend im prägnanten Sinn.« (S. 96)

»Immer ist in Mahlers Musik

Sukzession von Bild und Gegenbild.«

Adorno erläutert den epischen Sinfonietyp Mahlers, indem

er ihn mit dem dramatischen Typ Beethovens vergleicht. »Wo

die dramatische Symphonie ihre Idee zu ergreifen glaubt in

der dem Modell der diskursiven Logik nachgeahmten Unerbittlichkeit

ihrer Verklammerung, sucht die Romansymphonie

aus jener den Ausweg: möchte ins Freie.« (S. 100) Mahler tut

den letzten Schritt in einer Entwicklung, die sich – beginnend

mit Schubert und Berlioz – aus der Beethoventradition zu

lösen sucht. Im Unterschied zu Johannes Brahms, der sich

bewusst auf die geschlossene Form Beethovens zurückbezieht,

tendiert Mahler in seiner Sinfonik zu einer Form, in der

sich nicht mehr konsequent Späteres aus Vorangegangenem

herleitet, sondern krass Kontrastierendes in episodischem

Wechsel aufeinander folgt. »Immer ist in Mahlers Musik

Sukzession von Bild und Gegenbild.« (H. H. Eggebrecht, Die

Musik Gustav Mahlers, München 1982, 63)

Mahlers Formidee wird getragen von einem weltanschaulich

geprägten Vorstellungsgehalt, der begründet ist

im individuellen Erlebnis- und Erfahrungshorizont

des Künstlers. Sinfonien dieser Art fordern zu besonderen

Wegen der Inter pretation heraus. Allein auf die Form

gerichtete Analysen reichen nicht aus, um ein angemessenes

Verständnis herbeizuführen. Die kompositorische Verfahrensweise

muss in struktureller und semantischer Hinsicht

zugleich erläutert werden.

»Ist das alles nur ein großer, furchtbarer Spaß?«:

Totenbüste von Mahler

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