Flyer zum 100jährigen Jubiläum der Urologie

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Flyer zum 100jährigen Jubiläum der Urologie

100 Jahre Urologie KRH Klinikum Siloah

gestern heute morgen

Unserer Chefärzte . . .

Dr. med. Georg Praetorius (geb. 1878, gest. 1944)

Chefarzt von 1913 - 1943

Georg Praetorius studiert ab 1899 Humanmedizin in Halle und Rostock.

Seine Promotion schreibt er 1905 „Über Muskelgummen im

Stadium der Syphilis“; seine Facharztprüfung absolviert er in Dermatologie.

Die anschließende Entwicklung zum Urologen vollzieht

er im Wesentlichen aus eigener Kraft. 1910 nimmt er seine Tätigkeit

am Krankenhaus Siloah auf und gründet hier 1913 die erste rein urologische

Abteilung in einem städtischen Krankenhaus. Zahlreiche wissenschaftliche

Arbeiten mit Veröffentlichungen sowie sein Auftreten auf Kongressen machen seinen

Namen über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die Patienten kommen von weit

her, um sich seiner ärztlichen Kunst anzuvertrauen. Nach 33 Dienstjahren scheidet

er am Krankenhaus Siloah aus und baut sich 1943 im Harz (Herzberg/Osterode) eine

Privatpraxis mit Belegbetten auf. Diese wird jedoch 1944 bei einem Bombenangriff

zerstört. Er verstirbt am 7. November 1944 in Bad Harzburg. Dr. Praetorius gilt als Nestor

der hannoverschen und norddeutschen Urologie. Durch seine richtungsweisende

fachliche Tätigkeit begründet er den weitreichenden Ruf der urologischen Abteilung.

Prof. Dr. med. Dietrich Zorn (geb. 1907, gest. 1989)

Chefarzt von 1946-1972

Dietrich Zorn studiert Humanmedizin (in München, Rostock, Königsberg,

Freiburg) und besteht bereits mit 22 Jahren das medizinische

Staatsexamen. Mit 23 Jahren erhält er nebst seiner Approbation auch

die Doktorwürde (1931). Zunächst erfolgt in Königsberg eine chirurgische

Facharztausbildung. 1936 kommt er als Assistenzarzt zum

renommierten Dr. Praetorius nach Hannover, wo ihm 1939 die Facharztanerkennung

als Urologe zugesprochen wird. Im 2. Weltkrieg ist

er Chefchirurg im Kriegslazarett . . . Nach diversen Kriegsschäden und

der Hochwasserkatastrophe von 1946 beginnt er im selben Jahr noch

- gemeinsam mit dem ärztlichen Direktor Dr. Heinrich Rinne - die Urologische Abteilung

unter einfachsten Bedingungen neu aufzubauen. Innerhalb weniger Jahre gehört

sie wieder zu den angesehenen Urologien von weitreichend gutem Ruf. Zu seinen

Schülern zählen zahlreiche bekannte Urologen. 1962 ist er Mitbegründer der ´Vereinigung

Nordwestdeutscher Urologen e. V.` (VNU), 1968 erhält er einen Lehrauftrag

an der Medizinischen Hochschule Hannover, im Sommersemster 1970 beginnt der

Studentenunterricht in der Urologischen Klinik und 1971 wird er zum Honorarprofessor

der MHH ernannt. 1972 geht Prof. Zorn in den wohlverdienten Ruhestand.

Prof. Dr. med. Hermann Baumgärtel (geb. 1932)

Chefarzt von 1972-1994

Hermann Baumgärtel promoviert 1958 in Kiel. Nach seiner Facharztausbildung

an der chirurgischen Klinik des Auguste-Viktoria-

Krankenhauses Berlin nimmt er eine urologische Facharztausbildung

an der Univ.-Klinik Westend (Berlin) bei Prof. W. Brosig auf.

Es folgen: Facharztanerkennung für Urologie 1970; Habilitation

sowie Ernennung zum APL Professor der freien Universität Berlin

1971. An der Urologischen Klinik im Krankenhaus Siloah ist

Prof. Baumgärtel ab März 1972 als Oberarzt, ab November als

Chefarzt tätig. Sein besonderes Augenmerk erhält die große Tumorchirurgie (alle

Organe des Urogenitalen-Systems). Ab Mitte der 70er ist es die Einführung der

Sonographie, die ihm und seinem Team ganz neue Möglichkeiten in der Diagnostik

eröffnet . . . Zu den bahnbrechenden Neuerungen seiner Chefarztzeit zählt sicherlich

auch die Einführung der perkutanen Nephrolitholapaxie (1984). Damit waren die

„Siloah-Urologen“ die Ersten in Hannover, die Nierensteine minimal-invasiv mittels

Ultraschallsonde entfernen können. Als Präsident der ´Vereinigung Norddeutscher

Urologen e. V.` holt er 1991 die 33. VNU-Tagung (unter intensiver Zusammenarbeit

mit den ehemaligen “DDR-Urologen”) nach Hannover.

Prof. Dr. med. Walter Ferdinand Thon (geb. 1953)

Chefarzt von 1995-2011

Walter Thon promoviert 1979 an der Urologischen Univ.-Klinik Freiburg

zum Thema Prostatakarzinom. Seine Facharztweiterbildung

erfolgt an der Urologischen Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses

Ulm unter der Leitung von Prof. Dr. J. E. Altwein. Außerdem:

Facharztanerkennung 1984, Habilitation an der MHH 1992,

Europäisches Urologenexamen (F.E.B.U.) 1993, Ernennung zum APL

Professor der MHH 1999. Ab 1995 ist er Chefarzt der Urologischen

Klinik am Krankenhaus Siloah. Unter ihm werden diverse minimalinvasive

laparoskopische Operationsverfahren unter besonderem

Augenmerk der organerhaltenden Nierentumortherapie eingeführt. Auch werden

von ihm früh ein umfassendes Qualitätsmanagement und eine enge Verzahnung von

stationärer und ambulanter Versorgung erfolgreich aufgebaut. Unter seiner Leitung

findet 2007 führungsweisend der 1. Nordkongress Urologie mit Beteiligung dreier

Regionalgesellschaften statt. Prof. Thon ist DEGUM Ausbilder für urologische Sonographie

und EFQM Assessor der European Foundation for Quality Management. Er

besitzt diverse führungsberechtigte Zusatzbezeichnungen der ÄKN und ist Mitglied

zahlreicher nationaler und internationaler urologischer Vereinigungen.

PD Dr. med. Christoph Wiesner (geb. 1971)

Chefarzt seit 2012

Privatdozent Dr. Wiesner studiert in Aachen Medizin, seine urologische

Facharztausbildung erfolgt an den Univ.-Kliniken in Aachen

(Prof. G. Jakse) und Mainz (Prof. J.W. Thüroff). Seine Facharztprüfung

legt er 2004 in Mainz ab. Als ergänzende Qualifikation besitzt

er die Zusatzbezeichnung ´Medikamentöse Tumortherapie`. Nach

einem Forschungsstipendium an der Wayne State University in

Detroit/ USA (2005-2006) kehrt er an die Urologische Univ.-Klinik

nach Mainz zurück und ist dort bis 2010 als Oberarzt klinisch tätig.

Im Jahre 2008 erlangt er die ´Venia legendi` für das Fach Urologie an der Universität

Mainz. Von Mai 2010 bis Februar 2012 ist er stellvertretender Klinikdirektor und leitender

Oberarzt an der Goethe-Universität Frankfurt (Prof. A. Haferkamp). Seit 2012

leitet er die Urologische Klinik am KRH Klinikum Siloah. Sein operativer Schwerpunkt

liegt in den minimal-invasiven Behandlungsverfahren, die wann immer möglich

bevorzugt eingesetzt werden. Unter ihm erfolgt die Erweiterung der Steintherapie

auf Verfahren mit modernsten flexiblen Endoskopiegeräten und Chip on the Tip HD

Kameratechnologie und die Einführung der Prostataresektion mittels Greenlight

Lasertechnologie als Ergänzung der Schlingenresektionsverfahren. Ziel ist auch der

innovative Ausbau der urologischen Krankenversorgung mit Maximalversorgungscharakter.

Die 100-Jahrfeier der Urologie am KRH Klinikum Siloah findet zu einem

Zeitpunkt statt, wo mit der nahenden Eröffnung des Neubaus ein weiteres Kapitel

der Klinikgeschichte aufgeschlagen wird . . .

Fotoquellen

© Landeshauptstadt Hannover, HMH: Krankenhaus Siloah 1919 (o.N,

039677), von 1966 (Joachim Giesel; 039684) von 1984 (Karl Heinz

Jung, 056962), Abb. 4: (o.J., o.N. 056960), Abb 5: Rückseite Klassengebäude

1919 (o.N., 055305) // © sander.hofer architekten: Entwurf

Klinikneubau 2014 // © Archiv Geschichtswerkstatt Linden: Abb. 1:

Postkarte von 1917 (o.N.) // © KRH-Archiv: Portrait 4: 2010 (S. Przybyla),

Portrait 5: 2012 (Stefan Gallwitz) // © Archiv Klinikum Siloah: Abb.

3: Postkarte von 1913 (o.N.), Abb. 2: Dr. Roesebeck (o.J., o.N.) //

© Privatsammlung Gieselmann Portraits 1 und 2: Praetorius und Zorn

(je o.J., o.N.) © Privat Baumgärtel Portrait 3: 1987, Bernhard Lippert

Literatur

Entwicklung der Urologie in Hannover (Dissertation von W. Haase,

1980/81) // Hannover und seine Krankenhäuser 1734-1945 (von Herbert

Mundhenke, S. 20-24 in Hannoversche Geschichtsblätter Band 13,

Heft 1/2, 1959) // 75 Jahre Städtisches Krankenhaus Siloah (Broschüre

von Prof. Dr. Horst Klingemann, 1984) // Streiter 1924 (in Hilde Steppe,

DKZ 5/1985) // Professor Zorn wird 65 Jahre (in HAZ 04.10.1972) //

Kapazität und guter Arzt (in HAZ 26.10.1972) // Jetzt zertrümmert

Ultraschall die Nierensteine (in HAZ 19.01.84 ) // Dr. Georg Praetorius

(Stadtarchiv Hannover, Personalakte Akz 65/1998 [Karton 254]) //

Dr. Curt Roesebeck (Stadtarchiv Hannover, Personalakte Nr. 7733 )

Impressum

Herausgeber

KRH Klinikum Siloah

Urologische Klinik

Roesebeckstraße 15

30449 Hannover

Fon: 0511 927-2000

urologie.siloah@krh.eu

www.krh.eu/siloah

Text & Recherche

Claudia Krüger

Gestaltung

gaenshirt grafic design

Stand

10/2013

1913

2013

Dr. Georg Praetorius

Chefarzt (1913 - 1943)

Krankenhaus Siloah 1966

Prof. Walter F. Thon

Chefarzt (1995 - 2011)

KRH Klinikum Siloah

ab 2014

Krankenhaus Siloah 1919

Prof. Dietrich Zorn

Chefarzt (1946 - 1972)

Prof. Hermann Baumgärtel

Chefarzt (1972 - 1994)

Krankenhaus Siloah 1984

PD Dr. Christoph Wiesner

Chefarzt (ab 2012)


Herzlich laden wir mit dieser Festschrift ein, sich auf einen

Streifzug durch die Geschichte der Urologischen Klinik am

KRH Siloah zu begeben.

Die Vorgeschichte

Als das „Siloah“ am 01. April 1913 zum städtischen Krankenhaus der wachsenden

Industriestadt Linden wird, blickt man bereits auf eine 17-jährige Vorgeschichte zurück:

Auf Betreiben von Pastor Crusius in Linden war 1896 eine Poliklinik mit sieben

Fachärzten gegründet worden. Eine Diakonisse des Henriettenstifts kümmerte sich

um die Pflege der Kranken und Operierten in ihren Wohnungen. Im Juni 1899 eröffnete

man dann in der Jacobsstr. 4 (am Schwarzen Bären) eine erste Krankenstation

mit 10 Betten. Sie erhielt den Namen: „Diakonissenstation Siloah in Linden e. V.“.

Aufgrund der stetig wachsenden Nachfrage und nach zwei Umzügen innerhalb von

15 Monaten kamen Neubau-Gedanken auf. Am 23. Mai 1909 wurde feierlich das

„Krankenhaus Siloah in Linden e. V.“ eröffnet und schnell entstanden Pläne für zwei

Erweiterungsbauten, die am 05. Juni 1913 feierlich eingeweiht wurden.

Dem vorraus ging ein ganz besonderes Ereignis. Denn nicht nur, dass am 1. April 1913

das Krankenhaus Siloah in städtische Regie überging, auch wurde am selben Tag

unter Leitung von Dr. Georg Praetorius die erste urologische Abteilung in einem

deutschen städtischen Krankenhaus eröffnet. Man bedenke, dass erst 1906 - also

sieben Jahre zuvor - die ´Deutsche Urologische Gesellschaft` (DGU) gegründet worden

war. Für die Urologie als ein Teilgebiet der Chirurgie war dies ein bedeutender Meilenstein

auf dem Weg zur Anerkennung eines eigenständigen fachärztlichen Gebiets.

Abb. 1: Krankenhaus Siloah (1917) an der Ritter-Brüning-Straße

links Hauptgebäude, rechts Erweiterungsbau

Abb. 2

Krankenhaus Siloah – einst Arbeitsplatz und Wohnstätte

1913 wird Dr. Curt Roesebeck (* 1871 † 1946) zum ärztlichen Direktor

ernannt. Er ist Facharzt für Chirurgie und seit 1900 „in Siloah“ tätig

- wie man seinerzeit zu sagen pflegt. In den übrigen Fachbereichen

arbeiten dieselben Ärzte wie bisher als Mitglieder des Vereins. Auch

Dr. Praetorius zählt zu ihnen und wohnt als sog. „Vertragsarzt“

außerhalb. Einstellungen neuer Ärzte werden durch die Stadt vorgenommen.

Sicherlich interessant zu erfahren ist, dass nach einer

Grundsatzentscheidung des Lindener Magistrats vom 1. April 1913

ein Assistenzarzt neben Naturalbezügen wie freie Unterhaltung,

Wohnen, Heizung und Licht als Vergütung für seine Tätigkeit im

1. Dienstjahr 1800 M, im 4. Dienstjahr 2400 M erhielt. Er ist verpflichtet,

im Krankenhaus zu wohnen und darf es nur nach vorheriger

Erlaubnis des Leitenden Arztes verlassen. Selbst Sanitätsrat

Dr. Roesebeck wohnt hier während seiner gesamten Arbeitsjahre mit Frau und Kindern

in einer Dienstwohnung (bis 1936). Er verstirbt 1946 als Patient in „seinem“

Krankenhaus.

Was den Pflegeberuf betrifft, so

entwickelt sich dieser aus christlichen

Ordensgemeinschaften heraus.

Hierzu zählt auch das Henriettenstift

Hannover (gegründet 1859). Laut

Vertrag vom Januar 1913 stellt das

Stift dem Krankenhaus Siloah die

nötige Zahl von „Schwestern“. Auf

Kosten der Stadt erhalten diese freie

Unterkunft, Licht, Feuerung, Wäsche,

das erforderliche Mobiliar sowie im

Erkrankungsfalle freie ärztliche Behandlung,

Arznei und Verpflegung wie für Kranke der damaligen 3. Klasse. Der Magistrat

zahlt 1913 für jede dem Siloah zugewiesene Schwester 75 M monatlich. Die

Leitung der Krankenpflege ist wie schon in der „Diakonissenstation Siloah“ in den

Händen der Henriettenschwester Wilma von Hinüber (* 1862 † 1930). Bis April 1946

leiten die Diakonissen unsere Pflege. Abgelöst werden sie durch „Freie Schwestern“

aus weltlichen Verbänden. Ihre Zahl war bereits um die Jahrhundertwende stark gestiegen

und ihnen ist es zu verdanken, dass 1907 eine Ausbildungs- und Prüfungsordnung

in Kraft gesetzt wurde. Die Ausbildung blieb jedoch auf ein Jahr begrenzt.

Vorrangig wurden Kenntnisse zur Krankenbeobachtung vermittelt; das Erlernen ärztlicher

Hilfstätigkeiten war zweitrangig (Unterricht am Siloah ab 1920).

Abb. 3

Zur Krankenpflege

Als Folge der Medizinentwicklungen in Mikrobiologie, Hygiene, Pharmakologie und

Narkosetechniken steigen die Pflegeanforderungen enorm an. Üblich ist im Durchschnitt

eine tägliche Arbeitszeit von 14 Stunden an sieben Tagen der Woche. Urlaubsanspruch

gibt es nicht; selten werden zwei Wochen im Jahr gewährt. Die

Bezahlung entspricht etwa dem eines Dienstbotengehalts, doch durch fehlende Tarifverträge

gibt es große Unterschiede. Lange Zeit besteht in vielen deutschen Kliniken

Kost- und Logiszwang. Am 13. Februar 1924 wird mit der ersten „Verordnung über

die Arbeitszeit in Krankenpflegeanstalten“ eine maximale Arbeitszeit von bis zu 60

Stunden in der Woche festgesetzt. // Diakonisse zu sein war und ist kein Beruf, sondern

ein Lebensweg, der u. a. mit Ehelosigkeit verbunden

ist. So kommt es auch, dass zur Tracht einer Diakonisse

i.d.R. eine weiße Haube gehört. Immerhin bot sich seinerzeit

durch „Schwesternschaften“ die Möglichkeit, so

auch als ehelose Frau gesellschaftlich anerkannt „unter

die Haube“ zu kommen. Das Heiratsverbot für freie Krankenschwestern

wird 1929 endlich aufgehoben; das Tragen

einer Schwesternhaube gehört bis in die 90er-Jahre

hinein zur Dienstkleidung weiblicher Pflegekräfte. In den

60er-Jahren werden die ersten Pfleger ausgebildet.

Bauentwicklungen

Bevor wir uns den Chefärzte zuwenden und den medizinischen Errungenschaften,

die unter ihnen eingeführt werden, sei hier ein besonderer Rückblick unternommen.

Denn mit Umbauten und Neubauten gibt es auch ein nicht-medizinisches

Thema, das sich durch die Dienstzeiten all unserer Chefärzte und ihrer Mitarbeiter

zieht:

In den Jahren nach dem ersten Weltkrieg - also in der Zeit von Herrn Dr. Praetorius

- werden immer wieder kleine Veränderungen durchgeführt, um Personal-,

Tagesräume und Patientenzimmer zu schaffen. Dann beginnen 1934/35 in der Urologischen

Abteilung Erweiterungsarbeiten. Durch einen Anbau an der Ostseite im

Keller und Erdgeschoss entstehen unter starker Beeinträchtigung des Arbeitsalltags

Operationsräume; auch eine neue Röntgenanlage wird eingebaut. // Herr Prof.

Zorn muss nach dem Krieg und der Ihme-Hochwasserkatastrophe von 1946 beim

Wiederaufbau der Abteilung zunächst die Teeküche einer alten Station als urologisches

Untersuchungs- und Diagnostikzimmer mit Röntgenmöglichkeit heranziehen.

Von 1955 bis 1957 entsteht neben der Urologischen Abteilung das T-förmige

Gebäude, das bis 2010 zum Siloah gehört. 1958 folgt eine einjährige Herrichtung

Abb.4

und Renovierung des Urologischen Gebäudes. 1969/70 wird der neue chirurgische

Gebäudetrakt hochgezogen, der bis 2014 den Eingangsbereich des Krankenhauses

Siloah mitbildet. // Als Herr Prof. Baumgärtel 1972 seinen Dienst in der Urologischen

Klinik antritt, trifft er insbesondere in der OP-Einheit sehr überholungsbedürftige

Bedingungen an . . . 1990 wird nach 18-monatiger Bauzeit der neue OP-

Trakt eingeweiht. // Rund 20 Jahre später - zur Zeit von Herr Prof. Thon - beginnen

neben der Urologischen Klinik die ersten Arbeiten für den Klinikneubau. Die Bäume

im Klinikpark sind abzuholzen, das Wurzelwerk der zwei alten Kastanien (die den

Neubaueingang zieren) aufwändig zu verlegen und auch die Aushebungsarbeiten

beginnen. // Herr Dr. Wiesner ist derjenige in unserer Chefarztreihe, für den im Mai

2013 der endgültige Auszug der Urologischen Klinik aus dem historischen Altbau

Wirklichkeit wird. Zum Zeitpunkt unserer Jubiläumsfeier befindet sich die Klinik nun

übergangsweise im Interimskrankenhaus . . . Ein jeder unserer Chefärzte und seiner

Mitarbeiter kann ein eigenes Lied singen, das von Neubau, Umbau und Provisorien

handelt. Wir sagen an dieser Stelle Dank für alles Engagement. Mit wertschätzendem

Augenzwinkern sei abschließend noch ein Briefauszug von Dr. Praetorius zitiert.

Er schreibt am 03.10.1934 an den ärztlichen Direktor Dr. Roesebeck:

„Der entsetzliche Lärm und

Schmutz, den wir während des

grössten Teiles dieser Zeit über uns

ergehen lassen müssen, ist schon

schwer genug zu ertragen; vollends

aber unerträglich sind auf die

Dauer die Zustände in dem kleinen

provisorisch eingerichteten Untersuchungs-

und Behandlungszimmer.

Wir mussten dazu das kleinste

Abb. 5 Rückansicht vor dem Umbau

Krankenzimmer der Station wählen,

weil dies das einzige mit fließendem Wasser ausgestattet war. Es enthält zwar keine

eigentliche Wascheinrichtung, sondern nur eine ganz kleine Wasserleitung wie sie

sich gelegentlich noch in alten Küchen vorfindet. An dieser Wasserleitung müssen

sich 2 Ärzte, 1 Schwester und 1 Wärter die Hände „desinfizieren“; ferner müssen

unter der gleichen Wasserleitung die Instrumente gereinigt und die Spüllösungen

usw. zubereitet werden. Wenn dazu noch ein Patient auf dem Untersuchungstisch

liegt, ist es so eng, dass alle anderen von uns erst besonders beiseite treten müssen,

wenn einer die Wasserleitung benutzen will. Eine brauchbare Gelegenheit zum

Schreiben haben wir überhaupt nicht. Der Schreibtisch steht z. Zt. auf einem dunklen

Korridor, der keine Beleuchtungsmöglichkeit bietet.“ (. . .)

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