Magazin 196409

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Magazin 196409

H. W. Dähn, Bad Godesberg

Vom »Werkluftschutz«

zum »Betriebsselbstschutz«

Um Jederzeit ein Höchstma ß an Brandschulz %u haben und

notfalls In der Feuerbekämplung gulausgeblldele Männer ein·

setzen zu können, verfügen viele Großbetrlebo Ober eigene

Werkfeuerwehren, die mit modernen Geräten ausgerOstet sind

und auch durch ständige Obungen Ihre Bereitschalt kon trollieren.

Zahl und unterschiedliche Zweckbestimmung der noch in

Vorbereitung befindlichen Gesetze im Bereich der Zivilschutz­

Gesetzgebung bedingen nuch eine ständige terminologische

Fortentwicklung der einsd11ägigen Begriffe. Daß diese dabei

auch ort unzutreffend gebraucht oder sonstwie durcheinandergeworfen

werden, ist in dieser Zeitschrift erst kürzlich

(Heft 2/64, S. 16) zutreffend näher erörtert worden, so daß

im einzelnen hierauf verwiesen werden darf. Leider hat e3

nicht den Anschein, daß das Idealziel erreicht werden könnte,

mit der parlamentarischen Verabschiedung jener Gesetze

auch eine einheitliche, in sich logische und zugleich auch bei

der Bevölkerung "ankommende" Sprachregelung der Begriffsbezeichnungen

einzuführen. Dies ist um so bedauerlicher,

als nicht erhofft werden kann, daß sich etwa in der

Praxis ohne Rückhalt an folgerichtige gesetzliche BegrifTsdefinitionen

eine befriedigende terminologische Vereinheitlichung

erreichen ließe.

Eine erfreuliche Ausnahme von dieser befürchteten Entwicklung

sdleint sich jedoch hinsichtlich der für den Schutz der

gewerblidlen Wirtschaft (im weiteren Sinne) vorgesehenen

gesetzlichen Vorschriften abzuzeichnen. Dank einer klaren

Konzeption in diesem Teilbereich der Zivilschutz-Gesetzgebung,

wonach alle wirtschaftlichen Schutzmaßnahmen begrifflich

dem Selbstsch4tz zugeordnet werden, wird - anstelle

überholter Bezeidmungen - in den einschlägigen

Gesetzentwürfen eine Terminologie sichtbar, die ebenso

logisch wie einfach ist und schon darum Aussicht hat, sich

auch durdtzusetzen. Der Weg bis hierher führte über folgende

"Stationen",

"Werkluftschutz"

Rechtsgrundlage und Legaldefinition für den "Werkluftschutz"

der dreißiger Jahre finden sich in § 1 der auf Grund

des § 12 des Luftschutzgesetzes vom 26. 6. 1935 (RGBl. I

S. 827) ergangenen 1. Durchführungsverordnung vom 4.5. 1937

(RGBI. I S. 559) in der Fassung der Bekanntmachung vom

l. 9. 1939 (RGBI. I S. 1630). Ziffer c) dieses § 1 definiert

Werkluftschutz als .,Aufgabe, Maßnahmen zu treITen, um

industrielle und gewerbliche Betriebe und die in diesen

tätigen Personen zur Aufrechterhaltung eines ungestörten

Ganges des Betriebes zu schützen lf • Die Praxis der Folgejahre,

die Anforderungen eines fünf jährigen unerbittlichen Bombenkrieges

an die Werkluftschutzkräftc haben diese Institution

und damit ihren Namen - so sehr sie sich auch als

notwendig erwies und bewährte, um Schlimmeres zu verhüten

- schneller bekanntgemacht, als dies allen Beteiligten

lieb sein konnte. Ranken sich doch um diesen Begriff

"Werkluftschutz" gleichermaßen stilles Heldentum und Verzagtheit,

Tod und Rettung, Opferbereitschaft und Fluch. So

war in späteren Jahren das Bemühen nur natürlich, durch

Vermeiden früherer Begriffsbezeichnungen politisch·psychologische

Vorbehalte allmählich abzubauen.

" Industrie luftschutz"

Die für den Schutz von Industrie und gewerblicher Wirtschaft

etwa anfangs der fünfziger Jilhre sich einführende

Allgemeinbezeichnung "Industrieluftsdlutz" vermochte jene

Abbaubestrebungen zwar nicht zu beschleunigen, erwies sich

aber damals Jedenfalls als prägnante Bezeichnung für Schutzmaßnahmen

der Industrie vor Luftangriffen. Ohne auf eine

echte gesetzliche Definition verweisen Z'I können, bedeutete

"Industrielu[tschutz" schon Jahre vor Erlaß des Ersten Ge-

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