Monatsheft März / April 2013 herunterladen - Hiltruper Missionare

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Hiltruper Monatshefte

Heft 2 · März/April 2013 · 20212 F


Hiltruper Monatshefte

Inhalt

Uwe Gräbe

Nur eine Geste auf dem Weg 35

Sr. Anna Damas

Erfahrungen mit Bibliodrama 38

Interview mit

Pater Norbert Becker 41

Dieter Afhüppe

Ein Kinderschicksal in Peru 45

Workfloss

"Arbeiten statt Ferien" 46

Dieter Afhüppe

Die Olivenpflanzung 48

Felix Wortmann

Mit Bischof Juan Carlos

unterwegs in den Anden 50

Klaus Gräve

Reise durch das Alte Testament 54

Burkhard Hoeltzenbein

Die Jungfrau Maria

als Pop-Ikone 56

Helmut P. Etzkorn

70 Jahre Freundschaft 60

Liebe Leserin, lieber Leser!

In diesem Jahr häufen sich Gedenktage

und Jubiläen:

Das Jugendheim Johannesburg im

Emsland begeht das 100 jährige Bestehen.

Am 1. März wurde der Presse die

Festschrift vorgestellt. Am 20.Juni feiert

der Bischof von Osnabrück, Franz-

Josef Bode, mit der Festgemeinde den

Gottesdienst.

Vor 125 Jahren wurde der Kaufvertrag

unterzeichnet für das Grundstück, auf

dem heute das Missionshaus in Salzburg-Liefering

steht, das erste Haus

auf deutschsprachigem Boden.

Vor 50 Jahren kamen die ersten Schüler

ins Internat des Johanneums in

Homburg/Saar.

In der Rubrik “Wir gratulieren” finden

Sie die Namen der Mitbrüder, die ein

Jubiläum begehen.

Freuen wir uns mit ihnen und danken

Gott für ihr reiches Leben und segensreiches

Wirken.

34


Uwe Gräbe

Nur eine Geste auf dem Weg

Der Autor mit seiner Familie

Dr. Uwe Gräbe, Oldenburg, war Propst

der evangelischen Erlöserkirche in Jerusalem

Nur eine Geste auf dem Weg... Es

ist die ganz einfache, ebenso anrührende

wie schlichte Geste, an der die

Emmaus-Jünger ihren auferstandenen

Herrn erkennen: „Da nahm er das

Brot, dankte, brach`s und gab`s ihnen.

Da wurden ihre Augen geöffnet, und

sie erkannten ihn.“ (Lk 24,30-31).

Zwei Stunden der Bibelauslegung und

des theologischen Gespräches haben

das nicht vermocht, was die simple

Geste des Dankens und Brotbrechens

erreicht: Dass die Verzagten getröstet

werden und tatsächlich sehen, dass der

auferstandene Jesus Christus an ihrer

Seite ist.

Als Theologe wäre ich so gerne dabei

gewesen, auf dem Weg nach Emmaus,

um mir auch vom lebendigen Christus

persönlich die Schrift auslegen

und mich belehren zu lassen. Welch

eine Sternstunde! Aber ich sehe auch,

wie sehr ein solcher Theologenwunsch

durch die Erzählung relativiert wird:

Kluge Worte sind eben nicht alles. Auf

die rechte Geste kommt es an.

Doch was ist an dieser Geste schon

Besonderes? Haben es die Jünger als

Juden denn nicht dutzendfach erlebt,

dass da in den Häusern das Brot gebrochen

und die Bracha, der Segen

und Dank, darüber gesprochen wird?

Kann es sein, dass Jesus daran erkennbar

war, dass er den Dank nicht nur

gesprochen, sondern gelebt hat – mit

jeder Faser seines Daseins? Und dass

dies so authentisch war, dass es praktisch

zu seinem „Markenzeichen“ wurde?

Da ist einer, der weiß, dass er ganz

und gar von Gott ist und sich daher

selbst seinem Vater verdankt. Und daher

teilt er seinen Dank mit anderen

auf dem Emmaus-Weg.

35


Hiltruper Monatshefte

Orte, die für sich in Anspruch nehmen,

das historische Emmaus zu sein,

gibt es ja reichlich in Israel und Palästina.

Ich habe hier gelernt, dass es gar

nicht so sehr darauf ankommt, welcher

dieser Orte nun der „richtige“ ist.

Viel wichtiger ist es, mit IHM den jeweils

eigenen Emmaus-Weg zu gehen

und in den Dank des auferstandenen

Christus einzustimmen.

Ich habe das erlebt, ganz konkret

manches Mal am Ostermontag, wenn

wir nach Emmaus gewandert sind.

Da sehe ich beispielsweise die jungen

Soldaten am Checkpoint von Ras

Biddu vor mir, die auf uns Emmaus-

Wanderer gar nicht eingestellt waren.

Lachend, fröhlich fielen wir sozusagen

in den Checkpoint ein. Etliche Frauen

okkupierten gleich die Toiletten

der Soldaten, andere boten ihnen von

ihrer Wegzehrung an, während ein

junger Unteroffizier fast verzweifelt

auf Hebräisch in sein Funkgerät rief:

„Hier kommen immer mehr... Christen

sind das, die sagen, sie wollen irgendwo

beten... Nein, die sind nur

nett zu uns... Es müssen Hunderte

sein... Tut mir leid, wir haben keine

Chance, die können wir nicht aufhalten;

wir können nicht mal ihre Papiere

kontrollieren!“ In dem Moment hätte

ich aus Dankbarkeit einen großen Osterjubel

anstimmen können.

Die einfache Geste des Dankens und

Teilens.... Manches Mal saßen wir in

Jerusalem zusammen, um Besuchergruppen

einen Eindruck von der Si-

Janet Brooks-Gerloff, Emmaus 1992, Foto: Gerhard Bülles

36


tuation der Menschen – gerade auch

hinter der Sperranlage – zu geben.

Sr. Hildegard macht dabei keine großen

Worte. Aber gerade durch ihre

ganz schlichten Gesten und Beispiele

aus dem Leben macht sie immer wieder

deutlich, worum es eigentlich geht.

Der Dienst in Beit Emmaus/Qubeibe

ist ein Dienst, der Grenzen überwindet.

Die katholische Kirche unterhält

dort ein Haus für behinderte Palästinenserinnen

(Red.). Nicht nur die

Grenzen aus Beton und Draht, sondern

vor allem auch die Grenzen zwischen

Menschen, für die große Worte

eben gar nichts mehr bedeuten: Die

schlichte Umarmung der Frau, die

wegen ihrer Behinderung jahrelang

von ihrer Familie weggesperrt wurde

und die jetzt in Emmaus auflebt. Das

gemeinsame Lachen mit einem Menschen,

der das Lachen überhaupt erst

hier lernen durfte... Danke Euch allen,

die Ihr in Beit Emmaus Dienst tut!

„Da nahm er das Brot, dankte, brach

es und gab es ihnen. Da wurden ihre

Augen geöffnet, und sie erkannten

ihn.“ – Das braucht keine Worte und

das geschieht immer wieder. Ganz

konkret am Ostermontag, wenn nach

der langen Wanderung in Emmaus

die Eucharistie gefeiert wird. Da ist

ER dann gegenwärtig: durch seinen

Leib und sein Blut in der Mitte all der

müden Wanderer.. Wer weiß, wo uns

unsere Wege eines Tages wieder zusammenführen.

Möge unser auferstandener

Herr uns dann die ganz einfache

Geste schenken, durch die uns die Augen

aufgehen, so dass wir uns gegenseitig

und IHN selbst wiedererkennen.

Nachrichten

Papua Neuguinea

Vunapope

Am 20. Oktober 2012 empfing der

Herz Jesu Missionar Pius To Urai in

der Kathedrale von Vunapope die

Priesterweihe. In seiner Heimatgemeinde

Vunadidir feierte er die Primiz.

Die Weihe spendete der Erzbischof

von Rabaul, Francesco Panfilo. An der

Weihehandlung nahmen u.a. teil Pater

General Mark McDonald und P. Generalassistent

P. Chris McPhee.

Bereina

Am 9. November 2012 weihte der Bischof

von Bereina, Rochus Tatamai, P.

Bernard Penianimo msc in Akufa zum

Priester.

Port Moresby

Erzbischof John Ribat msc aus Port

Moresby weihte am 24. November

2012 fünf Mitbrüder zu Diakonen.

Senegal

Kaolack

Am 25. Januar 2013 empfing Fr. Césaire

Souissa Mounda MSC die Diakonatsweihe

in der neuen Herz Jesu

Kapelle. Sie wurde 2012 am Ende des

Marianischen Kongresses eingeweiht.

An der Zeremonie nahmen neben

dem Generalassistenten P. Carl Tranter

viele Welt- und Ordenspriester teil

sowie Gläubige aus der Gemeinde, wo

der Diakon das Pastoralpraktikum gemacht

hat.

37


Hiltruper Monatshefte

Sr. Anna Damas SSpS

Erfahrungen mit Bibliodrama

in Papua-Neuguinea

Bibliodrama meint - anders als der

Name vermuten lässt - nicht das Nachspielen

einer biblischen Geschichte als

Theaterstück oder szenisches Spiel für

ein Publikum. Vielmehr geht es im

Bibliodrama darum, in die Rolle einer

der biblischen Personen zu schlüpfen

und die biblische Geschichte aus

deren Perspektive zu er-leben. Dabei

kommen unweigerlich eigene Gefühle,

Glaubens-und Lebenserfahrungen

der Bibliodrama- Teilnehmer mit ins

Spiel. Dadurch wird die biblische Geschichte

zu einem persönlichen Ereignis

im Jetzt und Hier der Teilnehmer.

Seit ich in Papua-Neuguinea lebe und

arbeite, weiß ich, dass ich deutsch bin.

Die Begegnung mit der so anderen

Kultur hat mir meine eigene kulturelle

Herkunft bewusst gemacht: die "aufgeklärte",

westliche, individualisierte

Gesellschaft. Meine pastorale Tätigkeit

mit den Menschen in PapuaNeuguinea

konfrontierte mich mit einer anderen

Welt - einer Welt voller Geister,

Mythen und Magie. Das Weltbild der

Menschen ist vergleichbar mit dem

vor-modernen Weltbild im Europa

des Mittelalters. Leider wird das Mittelalter

oft verkannt als Zeit dunklen

Aberglaubens. In Wirklichkeit war es

kulturell und spirituell äußerst schöpferisch.

Wie im mittelalterlichen Europa,

so ist auch in PapuaNeuguinea die

Welt nicht zerlegt, entmystifiziert und

"entspiritualisiert". Alles ist belebt, alles

ist mythisch durchformt und transparent

auf eine spirituelle Welt hin.

Geschichte wird nicht zeitlich-linear

gedacht (als Abfolge von Geschehnissen),

sondern als Geschichten. Was

einmal war, ist das mythische Urbild

für das, was jetzt ist und immer neu

werden will. So sehen Christen in Papua-Neuguinea

beispielsweise in den

12 Stämmen Israels die mythische Urform

ihrer eigenen Stämme. Durch die

Annahme des christlichen Glaubens

sind auch sie ein Volksstamm des Gottesvolkes

Israel geworden.

Die Kultur Papua-Neugineas ist wie

geschaffen für Bibliodrama. Sie ist

stark oral und bildhaft geprägt. Man

erzählt sich Geschichten. Man tanzt

Geschichten. Man liebt kleine szenische

Darstellungen, "Drama" genannt,

die spontan entworfen und aufgeführt

werden. Redner und Straßenprediger

ziehen ihre Zuhörer nicht nur mit

Worten in ihren Bann, sondern auch

mit ihrer ausgeprägten Körpersprache.

Während Menschen in westlichen,

technisierten Gesellschaften Inhalte

oft in abstrakten Begriffen und Konzepten

darstellen, drückt man sich in

Papua-Neuguinea gerne in Sprichwörtern

und schillernden Sprachbildern

aus.

Umso mehr überraschte es mich, dass

meine ersten Bibliodrama-Versuche in

Papua-Neuguinea fehlschlugen. Bibliodrama,

so wie ich es kannte, kam

bei den Menschen nicht an. Die von

mir erlernte Bibliodrama-Form ist an

das Psychodrama angelehnt. Die Teilnehmer

reflektieren und konzentrieren

sich stark auf ihre eigene Person mit

38


Tanzfest in Rakunai-New Britain

39


Hiltruper Monatshefte

ihren Gefühlen, Stimmungen, Erfahrungen

und Problemen. Menschen in

Papua-Neuguinea hingegen sind weniger

Ich-, sondern primär Gemeinschafts-bezogen.Westliche

Bibliodrama-

Teilnehmer haben meistens kein

Problem, sich von der Vorlage der biblischen

Geschichte zu lösen ("Petrus

in der Bibel handelt so; ich dagegen

denke und fühle so..."). Menschen in

Papua-Neuguinea aber bleiben dem

Urbild der biblischen Geschichte lieber

treu und spielen sie mit ihrem

Leben nach. So kam es, dass ich,als

Bibliodrama - Leiterin die Teilnehmer

oft verwirrte und überforderte, indem

ich versuchte, sie zur Ich-reflektierten

Auseinandersetzung mit der biblischen

Geschichte anzuleiten.

Nach und nach entwickelte ich Bibliodrama-Formen,

die besser in die

Kultur Papua-Neuguineas passen. Die

Körpersprache wird betont. Reflexion

erfolgt mehr über das Handeln als über

Wahrnehmung persönlicher Gefühle.

Auch sind die Formen stärker gemeinschafts-orientiert.

Zum Beispiel

werden die Rollen biblischer Personen

nicht mit Einzelpersonen besetzt,

sondern von einer Gruppe dargestellt.

Das alles bedeutet nicht, dass die Teilnehmer

nicht ihre eigene Person und

Glaubenserfahrung reflektieren; nur

der Zugang ist ein anderer, nämlich

über die Gruppe und die Handlung.

Die Christen in Papua-Neuguinea lesen

und verstehen die Bibel gern allegorisch

- ähnlich wie man es von den

Kirchenvätern kennt. Während das

bei manchen Teilen der Bibel durchaus

hilfreich und angebracht ist (etwa

dem Buch der Offenbarung), verdeckt

es bei anderen die Dynamik der Geschichten;

sie werden zu einer statischen

Allegorie außerhalb von Zeit

und Ort. In diesem Fall hilft Bibliodrama

sehr, die Geschichte wieder als

Geschichte lebendig werden zu lassen.

Die Teilnehmer erleben die Geschichte

als wirkliches Geschehen mit wirklichen

Personen. Und sie erfahren die

innere Dynamik dieser Personen, die

eine Verwandlung durchmachen. So

wie die Personen in der Geschichte stehen

auch die Bibliodrama-Teilnehmer

am Ende der Geschichte anders da als

am Anfang.

Nicht zuletzt ist Bibliodrama auch ein

ausgezeichnetes Lehrmittel. Ich gab

mir im Unterricht für Katechisten

viel Mühe zu erklären, wer denn die

Pharisäer waren und warum sie so oft

mit Jesus im Streit lagen; aber es blieb

schwierig. Das änderte sich schlagartig,

als wir eine "Pharisäergeschichte"

spielten (Mk 3, 1-6). Die Gruppe,

die die Rolle der Pharisäer übernahm,

machte sich so sehr deren Denken zu

eigen, dass sie genau verstanden, warum

Jesus für sie ein Gesetzesbrecher

und Gotteslästerer war. Und sie erkannten

sogar diesen Konflikt in ihrem

eigenen Glaubensleben wieder. Es

ist eine frohmachende Glaubenserfahrung.

Im Bibliodrama wird das Wort

Gottes ein lebendiges Wort im Hier

und Heute. Nicht nur ein Buch der

weißen Missionare, sondern Gottes

Wort für einfache Leute, das über alle

Kulturen und Zeiten hinweg spricht

und bewegt.

40


Interview mit

Pater Norbert Becker

Worte, die es lohnt, neu zum

Klingen gebracht zu werden

Pater Norbert M. Becker aus der Gemeinschaft

der Herz-Jesu-Missionare

zählt in Deutschland derzeit zu den

bekanntesten Autoren Neuer Geistlicher

Lieder (NGL). Viele Stücke aus

seiner Werkstatt erfreuen sich überregionaler

Bekanntheit. Dabei stammt

unter anderem das Eröffnungslied

zum XX. Weltjugendtag in Köln 2005

„Wir sind gekommen, um ihn anzubeten“

aus seiner Feder. Seine zweite

NGL-Messe weil Er uns ruft wird erstmals

am 20. Januar 2013 (50. Jahrestag

der Heiligsprechung Vinzenz Pallottis)

zur Konsekration der neugestalteten

Vinzenz-Pallotti-Kirche im Provinzialat

der Pallottiner in Friedberg zu hören

sein. Nicolas Schnall befragte den

Komponisten und Liedermacher über

die Entstehungsgeschichte, Herausforderungen

und Klippen dieses Projekts

und den besonderen Reiz, neue Töne

mit 200 Jahre alten Worten zu kombinieren.

Wann und wie kam es zum Erstkontakt

mit den Pallottinern in Bezug auf die

Komposition einer neuen Messe?

Am Anfang stand die NGL-Messe Ins

Neuland, die ich im Auftrag des bischöflichen

Jugendamtes des Bistums

Augsburg zu dessen 75-jährigen Jubiläum

vor zwei Jahren geschrieben hatte.

Für den Jubiläumsgottesdienst damals

konnte ich Musiker, Sängerinnen und

Sänger gewinnen, die in die Jugendarbeit

des Bistums eingebunden waren,

unter anderem P. Christoph Lentz,

Pallottiner und aktuell BDKJ-Diözesanpräses

sowie Regionaljugendseelsorger.

Damit kannte also schon mal

ein Pallottiner die Hintergründe dieser

NGL-Komposition und meine Art,

Erzbischof Robert Zollitsch feiert die Eucharistie mit den Pallotinern

41


Hiltruper Monatshefte

Lieder zu gestalten. Im vergangenen

Jahr kam dann die Anfrage von Seiten

der Provinzleitung, ob ich eine Messe

schreiben könnte, die Grundgedanken

und Schlüsselworten Vinzenz Pallottis

nachspürt. Ich fand diese Aufgabe

interessant und bat um Material. Anfang

April gab es dann ein intensives

Vorgespräch. Ich bekam Texte, Zitate,

Predigten und viele andere bereits existierende

Lieder und machte mich

an die Arbeit.

Sie haben sich also rein durch Worte und

Sätze der Person und Spiritualität Pallottis

genähert?

Der erste Zugang waren für mich gar

nicht die Texte. Es waren Menschen.

Seit vielen Jahren kenne ich Pallottiner

und Pallottinerinnen und weiß, wie sie

leben und arbeiten, wie sie ihren Glauben

leben und diesen in die Praxis umsetzen.

Ich schätze das sehr und fühle

mich vielen dieser Männer und Frauen

sehr verbunden. Wenn ich also nun die

Nachfahren Pallottis betrachte, dann

bekomme ich schon ein bisschen von

dem mit, was ihn und sein Werk ausmacht.

Die Texte und Lieder, die ich

dann an die Hand bekam, waren darüber

hinaus ein wichtiger Zugang zu

pallottinischer Spiritualität. Ein weiterer

war das Stöbern im Internet und

das Lesen in theologischer Literatur.

Wo lagen für Sie dabei die Schwierigkeiten,

wenn es überhaupt welche gab?

Schwierigkeiten lagen für die Text-

Arbeit in der Transformierung oder

Einbettung von Worten, deren Inhalte

P. Norbert Becker begleitet am Keyboard die Messgesänge

42


nach wie vor Sinn machen und tief gehen,

die aber kaum jemand versteht,

die man heute unbedingt in ein anderes

Gewand stecken muss, damit sie

nicht altbacken oder irgendwie gewollt

daherkommen. Ich kenne das aus meiner

eigenen Gemeinschaft, wenn es

darum geht, die Spiritualität des Herzens

Jesu begreiflich zu machen. Für

Insider sind bestimmte Formulierungen

kein Problem; für jemanden Außenstehenden

umso mehr. Das ist übrigens

ein Grundproblem von Kirche:

Festhalten an Dingen, die im Kern

äußerst sinnvoll sind, die aber in der

Umsetzung und im Gebrauch keinen

mehr vom Hocker reißen oder irgendwie

ansprechen. Ein Beispiel: es war es

den Pallottinern ein großes Anliegen,

Maria als „Königin der Apostel“ zu

würdigen. Ich hatte mich erst darum

herumgedrückt und in dem Marienlied

der Messe diese Formulierung

vermieden. Aber so wie die Wendung

jetzt verpackt ist und wie sie im Lied

zugänglich gemacht wird, finde ich

sie verständlich, gelungen und angemessen.

Für die musikalische Umsetzung

vertraue ich mittlerweile meinem

Händchen für eingängige Melodien,

nicht zu schwere harmonische Wendungen

und Ohrwürmer.

Was hat Sie am meisten an diesem Heiligen

fasziniert?

Es sind seine Gedanken über die Liebe,

über die Unendlichkeit, die Fülle, die

von Gott her verheißen und geschenkt

ist. Für seine Zeit hat Pallotti grandiose

Formulierungen gefunden, wenn es

darum geht, die Zusammenarbeit von

Klerus und Laien zu bekräftigen. Ich

erinnere mich da an ein Zitat Pallottis

aus einem Brief an einen Kardinal. Es

ging um das Gebot der Nächstenliebe

und wie das nun für die von ihm

zu gründende Gemeinschaft in die

Praxis umzusetzen sei. Es hat mich

tief berührt und deswegen hab ich es

mir raus geschrieben: „So können sie

sich nicht der Einsicht verschließen,

dass sie das genannte göttliche Gebot

nicht zu erfüllen vermögen, wenn sie

nicht nach Kräften für das ewige Heil

des Nächsten sorgen.“ Ich musste sofort

daran denken, wie sich heutzutage

viele engagierte Leute manchen Einsichten

nicht mehr verschließen können

und wie Pallotti einigen Bischöfen

erklären würde, dass es einfach ein

Ding der Unmöglichkeit ist, den von

Gott geschenkten Geist und gesunden

Menschverstand auszublenden.

Und wie kommt Pallotti und dessen

Geist in Text und Musik von „weil Er

uns ruft“ zum Ausdruck?

Die Messe „weil ER uns ruft“ sind Lieder

für die Gemeinde, es ist kein Chor-

Werk. Es geht um alle. Es ist der Gedanke

der Einheit, der sich durchzieht.

Lieder, die Liturgie besingen und auch

erklären. Sie deuten und bereichern

das Geheimnis unseres Glaubens. Pallotti

kommt direkt vor in konkreten

Wendungen und Worten: unendliche

Liebe, der Gedanke des Apostolates,

Kreuz als Zeichen des Heils, Maria als

Königin der Apostel..., Kirche als ein

Leib, eine Gemeinschaft von Glaubenden

jenseits von kirchlicher Hierarchie.

43


Hiltruper Monatshefte

Als Vertreter des Neuen Geistlichen

Lieds möchten Sie die Botschaft des

Evangeliums zeitgemäß transportieren.

Was macht für Sie dabei den Reiz aus,

moderne Klänge mit rund 200 Jahre

alten Worten in Einklang zu bringen?

Der Reiz ist, etwas heute zu sagen, was

unsere Mütter und Väter im Glauben

auch schon wussten, was sie aber in

ihrer Lebenswelt und -wirklichkeit so

noch nicht konnten und brauchten.

Es ist also eine Art Dolmetscherarbeit.

Es war für mich wie eine Entdeckungsreise,

ein Hantieren mit alten

Worten und Wendungen, die es lohnt,

neu zum Klingen gebracht zu werden.

Dazu kommt, dass eine solche Messe

hilft, die Liturgie zu verlebendigen;

ich möchte damit also auch etwas

bewegen, geht es doch auch um die

Segnung einer vollkommen neugestalteten

Kirche. Mein Anliegen ist, dass

wir Liturgie so feiern, dass sich unser

Leben darin finden und spiegeln kann.

Wir feiern in - hoffentlich lebendigen

- Gemeinden als Menschen mit Leben

und Geschichte. Wir feiern nicht in

Museen und tun es nicht als „Abziehbilder“

einer verordneten Frömmigkeit:

eben als Apostel unsrer Zeit.

Nähere Informationen zu P. Norbert

M. Becker MSC und seiner Arbeit

finden Sie unter

www.oase-steinerskirchen.de

Erich Fried

Du liebe Zeit

Da habe ich einen gehört

wie er seufzte: „Du liebe Zeit!“

Was heißt da „Du liebe Zeit“?

„Du unliebe Zeit“ muss es heißen

„Du ungeliebte Zeit!“

von dieser Unzeit, in der wir

leben müssen. Und doch

Sie ist unsere einzige Zeit

Unsere Lebenszeit

Und wenn wir das Leben lieben

können wir nicht ganz lieblos

gegen diese unsere Zeit sein

Wir müssen sie ja nicht genau so

lassen, wie sie uns traf

Aus: Gesammelte Werke,

Gedichte 3,

Wagenbach - Verlag, Berlin 1998,

S. 348

44


Dieter Afhüppe

Ein Kinderschicksal in Peru

Blanca Esther Aquino Chota

Blanca wurde am 26 Oktober 2010

geboren im Distrikt Balsapuerto.

Ihr Vater Marcos Aquino Chavez starb

2010.Ihre Mutter Janet Edith Chota

Lachuma starb am 20. Mai 2011. Frau

Janet verliess ihren Eingeborenenstamm

in San Gabriel de Varadero im

Distrikt Balsapuerto, um ein gemeinsames

Leben mit einem jungen Mann

aus dem Departamento San Martin zu

beginnen. Nachdem Marcos Aquino

im Jahre 2010 verstarb, kehrt Janet

mit der kleinen Blanca in ihre Heimat

zurück. Wenige Monate nach ihrer

Rückkehr stellt sich heraus, dass Janet

an einer schweren Aidserkrankung leidet

(HIV), die schon weit fortgeschritten

ist. Vor ihrem Tod bittet sie ihre

Schwester Marcela, sich um ihre kleine

Tochter Blanca zu kümmern.

Blanca geht es gesundheitlich sehr

schlecht, sie ist unterernährt und bereitet

ihrer Tante große Sorgen. Marcelas

Mann ist nicht damit einverstanden,

dass Marcela ihre Nichte mit ins

Haus genommen hat. Seiner Meinung

nach verdiene er einfach nicht genug,

um auch noch Blanca mit zu ernähren.

In dieser schwierigen Situation

geht Marcela mit Blanca zum Gesundheitszentrum

„Maria von Nazareth“,

das vom Apostolischen Vikariat

Yurimaguas geführt wird. Dort wird

Blanca zunächst wegen ihrer Unterernährung

behandelt. Da die Eltern

Blancas an Aids gestorben sind, unternimmt

man dann auch eine entsprechende

Untersuchung bei Blanca, die

positiv ausfällt. Die Verantwortlichen

des Gesundheitszentrum machen sich

auf die Suche nach einem Kinderheim,

wo die kleine Patientin besser behandelt

werden kann. So kommt Blanca

Esther schließlich nach Lima und wird

im Kinderheim der Schwestern vom

Guten Hirten, der „Posadita del Buen

Pastor“ ,aufgenommen.

Bei ihrer Ankunft war sie in einem

sehr schlechten gesundheitlichen Zustand,

aber durch die gute Betreuung

hat sie sich inzwischen erholt. Sie hat

sogar einige Pfunde zugenommen

und vor allem jetzt auch eine größere

Lebenserwartung, da der Entwicklungsprozess

ihrer Krankheit gebremst

werden konnte. Blanca ist heute ein

liebes Kind von zwei Jahren und drei

Monaten.

45


Hiltruper Monatshefte

Unter dem Motto „Arbeiten statt Ferien“

erstellten 45 Schüler gemeinsam das „WORKFLOSS“

Workfloss

SURWOLD Die Schülerakademie ist

eine Maßnahme, die die Wachstumsregion

Ems-Achse im Rahmen der

Fachkräfteinitiative „Ems-Achse, beste

Köpfe – beste Chancen“ umsetzt, um

dem Fachkräftemangel in der Region

entgegen zu wirken.

Insgesamt führt die Ems-Achse über

30 Einzelmaßnahmen durch, die wie

Zahnräder ineinander greifen, um die

positive Entwicklung der Region zu

unterstützen und weiter voranzutreiben.

Eines dieser Zahnräder ist die „Junge

Ems-Achse mit Zukunftsideen“. Sie

spricht unseren wichtigsten und wertvollsten

Schatz an, unsere Kinder und

Jugendlichen. Durch Kooperationen

zwischen Unternehmen und Schulen

sollen sie frühzeitig Einblicke in die

verschiedensten Berufsfelder

erhalten.

Insgesamt 21 Kooperationen

nehmen

mittlerweile

an der Jungen

Ems-Achse teil

und ermöglichen

den Schülern Einblicke

in die unterschiedlichsten

Bereiche. In

Kooperation mit der Wirtschaftsvereinigung

der Grafschaft Bentheim e.V

begann Pia Marie Holle, die Leiterin

des Projektes „Junge Ems-Achse mit

Zukunftsideen“ und Mitarbeiterin der

Wirtschaftsvereinigung Grafschaft Bentheim

im Februar 2012 damit, erste Gespräche

mit der Johannesburg GmbH

über die Akademie zu führen.

Zu dem Zeitpunkt war noch alles offen

– das Konzept für die Woche stand noch

nicht. Fest stand nur, dass im Rahmen

der Akademie die sechs Cluster-Themen

der Wachstumsregion Ems-Achse

Metall, Kunststoff, Logistik, Energie,

maritime Verbundwirtschaft und Tourismus

behandelt werden sollten.

Beim ersten gemeinsamen Gang durch

die Werkstätten auf dem Gelände der

Johannesburg wurde relativ schnell klar:

Die Schülerinnen und Schüler sollen

an einem Projekt sprich Gegenstand

arbeiten. Dies möglichst praktisch. Im

Gespräch mit den Lehrkräften der Johannesburg

GmbH wurde die Idee

des „Autarken Flosses“ geboren. Dabei

sind schließlich alle Cluster-Themen

der Ems-Achse vereint. Sandra Tuitje ,

die Koordinatorin der Akademie seitens

der Johannesburg GmbH kam gemeinsam

mit Frau Holle auf die Idee, Dirks

Kreutzmann, Ausbildungsleiter der Akademie

MEYER WERFT GmbH auf das

Bootsprojekt anzusprechen. Dieser war

sogleich begeistert und erklärte sich bereit,

das Projekt zu unterstützen. Er hat

die Planung des Bootes übernommen

46


Bereit zur „Jungfernfahrt“ – noch ohne die Aufbauten

und den fachlichen Prozess – auch vor

Ort – koordiniert. Aus dem Boot wurde

ein Floß, da sich dieses in nur einer Woche

besser realisieren lässt.

Die Schülerinnen und Schüler sollten

sich auch theoretisch mit dem Thema

„Schiffbau“ beschäftigen. Hierfür hat

nate hinweg engagiert haben. Die Begeisterung

ist auf jeden übergesprungen.

Vor allem auf die Lehrkräfte der

Johannesburg GmbH – diese haben

nämlich bereits vor Beginn der Akademie

sehr viel Vorarbeit an dem Floß

geleistet.

die Wirtschaftsvereinigung Kontakt Auch für ein pädagogisches Rahmenprogramm

mit Professor Meyer vom Fachbereich

Seefahrt der Fachhochschule Emden/

Leer aufgenommen. Auch dieser erklärte

sich sofort bereit, seine Studierenden

in das Projekt einzubinden. So wurden

die Schülerinnen und Schüler im Verlauf

der Woche in die Geheimnisse des

archimedischen Prinzips und des Schiffantriebs

eingeführt.Wir haben es hier

mit einem echten

Gemeinschaftsprojekt zu tun, an dem

sich alle Beteiligten über mehrere Mo-

hat die Projektleitung gesorgt:

Die Jugendlichen haben ein Teamtraining

durchlaufen. Durchgeführt wurde

dieses von Abenteuerzeit. Bis Montagmorgen

kannten sich die Jugendlichen

noch nicht – auch die Betreuer waren

untereinander nicht bekannt. Die Herausforderung

bestand darin, innerhalb

von kürzester Zeit Teams zu bilden, die

in der Woche gut zusammenarbeiten

sollten. Dies ist gelungen – das Floß ist

fertig und es schwimmt !

Das komplette Team mit Schülern, Ausbildern und Betreuern

47


Hiltruper Monatshefte

Dieter Afhüppe

Die Olivenpflanzung

„Fundo Chevalier”

in Bella Unión bei Acarí

Nach seiner Rückkehr nach Perú wurde

Pater Georg Meier zum Pfarrer von

Acarí ernannt. Bei seiner Suche nach

einem geeigneten Projekt zur Unterstützung

des Seminars kam ihm dann

bald der Gedanke vom Kauf eines Olivenhaines

im benachbarten Dorf Bella

Union.

Anfang 1994 konnte er das richtige

Grundstück ausfindig machen. Die Besitzer

waren alt geworden und hatten

nicht mehr die Kraft, das Grundstück

zu bearbeiten. Ihre Kinder wohnten

in Lima und hatten kein Interesse für

den Olivenanbau gezeigt. In den letzten

Jahren waren die Bäume wenig gepflegt

worden, aber sie standen schon etliche

Jahre auf dem Feld und würden gute

Früchte bringen, wenn man sie nur

richtig beschneiden und düngen würde.

Der Verkaufspreis von 43 000 Dollar

für zehn Hektar Land mit 500 Olivenbäumen

war nach Meinung der Fachleute

ein günstiges Angebot, das man

nützen sollte. Er betrug aber trotzdem

die doppelte Summe von dem für das

Projekt vorgesehenen Geld. Pater Meier

wollte das günstige Angebot nicht

verlieren und schrieb Freunde und Verwandten

an und bat um eine besondere

Hilfe, um das günstige Angebot nützen

Bruder Raúl Merino bei der Arbeit im Olivenhain

48


zu können. Im Monat Juli 1994 konnte

er dann schließlich in der Sitzung des

Regionalrates mitteilen, dass der Kauf

des Grundstückes getätigt worden war...

Seit 2000 hat Bruder Raúl Merino MSC

die Verantwortung für den Olivenhain

im Fundo Chevalier. Zuerst musste

er bei den Arbeitern in Schule gehen,

doch schon bald hatte er sich die wichtigsten

Kenntnisse angeeignet, um auch

mit anderen Olivenhainbesitzern über

die entsprechenden Themen sprechen

zu können. Außerdem standen ihm die

Ingenieure der spanischen ONG mit

ihrem Rat zur Seite. Tag für Tag macht

sich Bruder Raúl auf den Weg zum Olivenhain,

um dort die Arbeit zu verteilen

und nach dem Rechten zu schauen.

Das geschieht normalerweise morgens

nach dem Frühstück. Doch wenn bei

der Wasserverteilung die Stunde für

unser Land in der Frühe um drei Uhr

morgens festgelegt wurde, dann macht

sich Bruder Raúl auch zu dieser Zeit auf

den Weg, um das kostbare Nass in die

Bewässerungsgräben und auf die Felder

mit den Olivenbäumen zu führen.

Ernte wesentlich bescheidener ausfallen,

aber die Bäume müssen auch jetzt

gepflegt werden und nur durch die tägliche

Arbeit im Olivenhain bekommen

die Bäume die notwendige Pflege, die

eine gute Ernte ermöglicht.

Auf den circa zehn Hektar des Fundo

Chevalier stehen inzwischen 600 ausgewachsene

Olivenbäume in voller

Produktion. Dazu kommen 420 junge

Bäume, die noch keine fünf Jahre

alt sind. Vor einigen Wochen wurden

schließlich noch 54 Wallnussbäume angepflanzt.

Nach Angaben der Freunde

in Acarí sollen sie in diesem Gebiet gute

Früchte bringen. Ob das wirklich der

Fall sein wird, muss sich noch herausstellen.

Durch diese intensive Betreuung der

Olivenbäume konnte das Erntevolumen

wesentlich verbessert werden.

Im vorigen Jahr gab es eine Superernte

mit einem Erntevolumen von über

150.000 Kilo Oliven. Doch bei dieser

tollen Ernte fielen dann leider die Preise

in den Keller. Aber auf alle Fälle konnte

der Bruder so durch seine Arbeit im

Fundo Chevalier einen sehr wichtigen

Beitrag für den Unterhalt unseres Seminars

leisten. In diesem Jahr wird die

49


Hiltruper Monatshefte

Felix Wortmann

Mit Bischof Juan Carlos

unterwegs in den Anden

Vom 01.11.2012 bis zum 23.11.2012

war ich mit meinem Bruder Till auf Urlaubsreise

in Peru.

Wir sind auf eigene Faust mit entsprechenden

Reiseführern (Lonely Planet

etc.) und Rucksack durch Peru gereist

und haben neben dem eher üblichen

Touristenprogramm (Lima, Arequipa)

auch Chachapoyas im Norden Perus

besucht und uns auch mit Bischof Juan

Carlos treffen können. Ihn habe ich

während meines Freiwilligen Sozialen

Jahres 2002/2003 in Peru kennengelernt,

das FSJ habe ich damals in Puquio

bei Pater Dieter Wacker absolviert und

dadurch einige MSC in Peru getroffen.

Es hat mich besonders gefreut, Juan

Carlos nach so langer Zeit wiederzusehen

und mit ihm und meinem Bruder,

wenn auch nur für zwei Tage, das Peru

abseits der Touristenpfade zu besuchen.

Da Juan Carlos um den 20. November

an der Küste in der Region um Palpa die

Dörfer Ocaña und San José de Tomate

besuchte, bot sich ein Treffen geradezu

an, da wir entsprechend unserer Reiseplanung

aus dem Süden kommend die

Region sowieso durchfahren hätten.

Telefonisch haben wir uns kurz abgestimmt

und ein Treffen in der Pfarrei

von Nazca vereinbart. Unser Bus aus

Arequipa kam gegen 06:30 Uhr in

Nazca an und nach kurzer Taxifahrt erreichten

wir die Pfarrei. Noch vor dem

Frühstück gab es viele Neuigkeiten zu

besprechen, nach dem Frühstück sind

wir nach Ocaña aufgebrochen, die ersten

Kilometer ging es noch über die

Panamericana Sur, danach bogen wir

von der asphaltierten Straße auf die

Schotterpiste in Richtung Ocaña ein.

Nach einer dreistündigen Fahrt erreichten

wir gegen Mittag Ocaña (2.660 m

Höhe), am Ortseingang wartete schon

das Empfangskomitee auf uns und nach

einer freundlichen Begrüßung durch

die lokalen Autoritäten (Bürgermeister,

Polizeichef, Vorsitzende diverser Vereine)

gingen wir die letzten Meter bis zur

Plaza de Armas zu Fuß.

Dort erfolgte die offizielle Begrüßung

mit kurzen Grußworten/Reden, Hissen

der peruanischen Nationalfahne

sowie dem Singen der Nationalhymne

(Foto oben). Im Anschluss gab es im

Haus der beiden Schwestern (eine Mexikanerin,

eine Peruanerin), die Ocaña

betreuen, für uns ein leckeres Mittag-

50


essen. Nachmittags haben mein Bruder

und ich uns in Ocaña umgesehen, die

Betriebsamkeit vom Mittag während

der Begrüßung des Bischofs hatte sich

gelegt und das Dorf war wieder in seinen

Schlaf gesunken. Während des

Rundgangs haben wir nur wenige Einwohner

gesehen, selbst einige Hunde

schliefen auf dem Bürgersteig und nahmen

keine Notiz von uns.

Am nächsten Tag sind wir nach kurzem

Frühstück nach San Jose´ de Tomate

aufgebrochen. Der Ortsname stammt

von einer Wasserquelle, von der früher

Wasser geholt worden ist, abgeleitet

(Tomar agua - Wasser holen, trinken,

„toma-te" = hol dir Wasser bzw. „trink

Wasser"). Am Ortseingang wurde Juan

Carlos begrüßt, und mit der Katechistin

sowie den lokalen Autoritäten zogen

wir durch das Dorf zur Kirche. Vor der

Messe wurde mit dem Bürgermeister

und anderen Amtspersonen über den

Neubau der Kirche diskutiert. Die Bevölkerung

im Dorf ist in den vergangenen

Jahren gewachsen und die Kirche

ist in den letzten Jahren zu klein geworden,

sodass die Dorfgemeinschaft einen

Neubau ins Auge gefasst hat. Sie will

und wird dies in Eigenarbeit umsetzen

müssen, mit Juan Carlos wurde über die

Umsetzung gesprochen.

Auf Grund seiner Erfahrung und der

Tatsache, dass er in der Vergangenheit

in ähnliche Umbau-/Modernisierungsprojekte

in anderen Dörfern involviert

Gemeinsamer Imbiss mit dem Bischof, rechts die Brüder Wortmann

51


Hiltruper Monatshefte

war, hat er vorgeschlagen, ehemalige

Dorfbewohner, die in Lima leben, um

Unterstützung zu bitten. Benötigt wird

neben finanzieller Hilfe ein Architekt

zur Planung sowie ein erfahrener Meister,

der den Bau beaufsichtigen/leiten

kann. Juan CarIos zeichnete auch sofort

auf einem Blatt Papier einen Vorschlag

für einen Grundriss und besprach diesen

mit dem Bürgermeister und den anwesenden

Repräsentanten des Dorfes.

Im Anschluss gab es im Haus des Bürgermeisters

ein Frühstück bestehend

aus Reis, Kartoffeln und Fleisch. Nach

dieser Stärkung begann der Gottesdienst,

in dem ein Mädchen getauft

sowie mehrere Jugendliche gefirmt

worden sind. Nach einem im Freien

zubereiteten Mittagessen am frühen

Nachmittag (es gab wieder Reis, Kartoffeln

und Fleisch) verließen wir Tomate

und fuhren über Sand-/Schotterstraße,

durch kleine Bäche und Flüsse und das

ein oder andere Schlagloch zurück nach

Ocaña. Bei unserer Ankunft waren einige

Gemeindemitglieder bereits dabei,

die Kirche für die Firmung am folgenden

Tag zu schmücken. Leider konnten

mein Bruder und ich die Firmung in

Ocaña nicht mehr miterleben, da wir

für den Rückflug nach Deutschland

rechtzeitig wieder in Lima sein wollten.

Der Sekretär und Fahrer von Juan CarIos

hat uns daher am folgenden Tag nach

Palpa zurück an die Küste gebracht und

wir sind mit einem der zahlreichen Busse

über die Panamericana nach Lima

zurückgefahren.

Dieser wenn auch mit zwei Tagen nur

sehr kurze Ausflug hat mich an meine

Zeit in Puquio und die Besuch der umliegenden

Dörfer erinnert.

Zur Erinnerung an die kirchliche Feier:

Der Täufling und die Firmlinge mit Bischof Juan Carlos

52


Albert Schweitzer

Wahres Alter

Niemand wird alt, weil er eine Anzahl

Jahre hinter sich gebracht hat.

Man wird nur alt, wenn man seinen

Idealen Lebewohl sagt.

Mit den Jahren runzelt die Haut,

mit dem Verzicht auf Begeisterung

runzelt die Seele.

Sorgen, Zweifel, Mangel an Selbstvertrauen,

Angst und Hoffnungslosigkeit,

das sind die langen, langen Jahre, die

das Haupt zur Erde ziehen, und den

aufrechten Geist in den Staub beugen.

Du bist so jung wie deine Zuversicht, so

alt wie deine Zweifel, so jung wie deine

Hoffnung, so alt wie deine Verzagtheit.

Solange die Botschaft der Schönheit,

Freude, Kühnheit, Macht und Größe

von der Erde, den Menschen und dem

Unendlichen dein Herz erreichen, solange

bist du jung.

Erst wenn deine Flügel nach unten

hängen und das Innere deines Herzens

vom Schnee des Pessimismus und vom

Eis des Zynismus bedeckt sind, dann

erst bist du wahrhaftig alt geworden.

Eucharistiefeier in der Kapelle des Missionshauses Hiltrup

53


Hiltruper Monatshefte

Klaus Gräve

Ein Buch, das Freude macht

Ich bin gebeten worden, das Buch „Reise

durch das Alte Testament“ von Suzanne

Lier vorzustellen. Ich tue es sehr

gerne.

Was will dieses Buch? Es will Freude

machen an der Heiligen Schrift - genauer

an den ersten fünf Büchern der Bibel,

die von Gott sprechen - von Gott,

wie der Glaube Israels ihn sieht und in

die Welt getragen hat: als Schöpfer aller

Welt und Menschen und als Gott, der

das Leid von Menschen sieht, die von

Menschen unterdrückt werden, und

den Auftrag gibt, sie in die Freiheit zu

führen und in einen neuen Lebensraum

ohne Unterdrückung und Verachtung.

So ist ein großformatiges Buch entstanden,

wunderschön anzusehen und

in die Hand zu nehmen, ein Buch - so

heißt es im Vorwort, „das Ihnen und

Ihrer Familie den kostbaren Reichtum

der Texte des Alten Testamentes aufschließt,

Sie innerlich berührt und vielleicht

ein Stück Glauben und Hoffnung

wachsen lässt".

Ein Buch also zum Vorlesen für Kinder

etwa ab 5 Jahren und zum Selbstlesen

für Jung und Alt.

Dazu bietet das Buch vielfache Hilfe.

Die Autorin wählt wichtige Abschnitte

aus, die vom Weg Gottes mit den

Menschen und mit Israel sprechen, und

erzählt sie nach - durchwegs eng angelehnt

an die „Einheitsübersetzung“. Der

erste „Kommentar“ zu jedem Abschnitt

ist ein meist ganzseitiges Bild aus jüdischer

oder christlicher Tradition alter

oder neuer Zeit. Diese Bilder dienen

nicht gefälliger „Bebilderung“, sie sind

selbst „Suchbilder“ - dazu angetan, an

die Hand zu nehmen und Fragen zu

lernen. Meist sind kurze Hinweise beigefügt,

die Kindern - auch ohne weitere

Anleitung - helfen, das Bild zu erschließen.

Für Erwachsene gibt es - zu jedem

der fünf Bücher - gut orientierende

Einführungen, und darüberhinaus

hilfreiche Anmerkungen zu besonders

anspruchsvollen Abschnitten - z.B. zur

„Erprobung Abrahams“ (Genesis 22)

oder zum „Gottesnamen“ (Ex 3).

Die exegetischen Bemerkungen bieten

in knapper, einfacher Sprache nüchterne

Information über Herkunft und

Überlieferung der Erzählungen und die

gläubige Wegweisung, die sie enthalten.

Besondere Freude macht, wie sehr die

Autorin die grundlegende Bedeutung

des sog. Alten Testamentes betont und

belegt. „Wer das Alte Testament ausblendet",

schreibt sie, „dünnt die christliche

Botschaft aus, nimmt ihr die Fülle

und Komplexität, die sie durch das Nebeneinander

der vielen verschiedenen

Stimmen und Gotteserfahrungen hat...

Wenn uns Christen das Alte Testament

unbekannt ist, muss uns auch Christus

fremd bleiben.“

Kurz: Dieses Buch eignet sich vorzüglich,

Liebe zu wecken zur Heiligen

Schrift, Neugier, sie besser zu verstehen

und sich auf den Weg zu machen,

von dem sie spricht. Dazu kommt die

Freude an den so gezielt ausgewählten

Bildern, die Zeugnis geben von dem

fortdauernden schöpferischen Wirken

der Worte der Schrift.

54


Suzanne Lier, Reise durch das AT, Die

fünf Bücher des Mose, Ein Lesebuch

für die Familie mit Bildern der Kunst,

Verlag Bibel und Kunst,

ISBN 978 - 3 - 9815308 - 0 - 3.

Preis 29.90 Euro.

Rembrandt van Rijn (1660), Jakob ringt mit dem Engel

55


Hiltruper Monatshefte

Burkhard Hoeltzenbein

Die Jungfrau Maria

als Pop-Ikone

Die Jungfrau Maria kommt in poppigen

Farben daher. Das zerfurchte Gesicht

des leidenden Jesus frisst sich in

immer wieder neuen Schattierungen in

das Hirn des Betrachters. Die Versmolder

Künstlerin Christiane Gundlach

verleiht der klassischen Ikonenmalerei

einen postmodernen, lebendigen Anstrich.

Was auf den ersten Blick nach gedruckten,

durch die verschiedenen Farben

veränderten Repliken aussieht, entpuppt

sich beim näheren Hinsehen als

eine Aneinanderreihung von Unikaten.

„Jedes Bild male ich individuell«, sagt

Christiane Gundlach, die ihr gesamtes

Haus als Atelier nutzt.

Der in seinem Schmerz beeindruckend

mit Acryl- oder Ölfarben auf Holz gemalte

Jesus ist eine Figur, die sie in dieser

Darstellungsform selbst erdacht hat.

Doch bei ihren Heiligenbildern greift

die Malerin, die in ihrem bewegten

Leben nie eine Kunstakademie besuchte,

gerne auf berühmte Vorlagen der

Kunstgeschichte zurück.

Abbildungen des Erzengels Michael hat

sie aus dem Internet gezogen. Das Bildnis

der heiligen Hildegard von Bingen

fiel ihr bei einem Gottesdienstbesuch in

die Hände. Und die Ikonen-Klassiker

der russisch-orthodoxen Kirche in ihrer

strikten Zweidimensionalität sucht sich

Gundlach aus unzähligen Bildbänden

zusammen, die ihre heimische Bibliothek

bereichern. Da finden sich Jesusdarstellungen

aus der berühmten Moskauer

Tretjakow-Galerie wieder.

„Die Russen können keine Gesichter

und Hände malen«, sagt Gundlach und

meint diese Feststellung nicht abwertend.

Tatsächlich wirken die Originale

oft flach und in ihrem Ausdruck stilisiert.

Gundlach setzt dagegen auf Profilschärfe.

Und das ist durchaus wörtlich

gemeint: Mit feinen Werkzeugen bearbeitet

sie das Holz, verleiht den Gesichtern

Leben, indem sie ihnen feine Falten

und Züge einritzt. Auch die typischen

wallenden Gewänder der Personen betont

sie durch die feinen Schnitte, die

dem Werk ein Relief und damit eine

dritte Dimension verleihen.

Der Effekt ist erlebbar, wenn sie das

Bild im Schein einer Lampe dreht: Gesichter,

Hände und Kleidung wirken

aus jeder Perspektive, als würden sie

sich bewegen.

Selbst Werke, die in der Kunstwelt nur

als Kupferstiche oder Kohlezeichnungen

bekannt sind, etwa Dürers Bildnis

seiner alternden Mutter, hat Gundlach

in Öl auf Holz verewigt. Die oft düsteren

Originale erhalten durch ihre Farbgebung

ein frisches, helles Aussehen,

das durchaus kinderkompatibel ist. „Ich

erstelle auch Bilder, die auf biblischen

Motiven beruhen«, erklärt Gundlach.

Diese stellt sie schon mal Kommunionkindern

und Konfirmanden vor, die auf

die Bildnisse sehr positiv ansprechen

und dadurch eine Diskussionsgrundlage

erhalten. Selbst das Bild des enthaupteten

Johannes des Täfers verliert so seinen

Schrecken. Ihre Bilder sind beliebte

56


Geschenke zu Kommunion. Konfirmation,

Weihnachten und Ostern.

Auf Techniken wie das Pausen verzichtet

Gundlach bei ihrer das Original

immer wieder aufs Neue verfremdenden

Kunst. Dank ihres ausgeprägten

Talents, freihändig und exakt malen zu

können, entstehen die trotz der konkreten

Motive seltsam abstrakt wirkenden

Werke fast am Fließband. „Oft brauche

ich nur einen einzigen Tag, um ein Bild

zu erstellen«, sagt die 50-Jährige. Wobei

die schon in früher Kindheit als Pflegekind

in die Obhut eines Schwesternheims

gegebene Malerin für ihre religiösen

Motive auch gerne die Nacht dazu

nimmt. „Ich stehe schon mal um drei

Uhr auf und male«, erklärt Christiane

Gundlach ihre besondere Art, sich im

Alltag mit dem Thema Glauben künstlerisch

auseinander zu setzen.

Ausgerechnet ihr mit Farben, Pinseln,

Schabern und Wassernäpfen ausstaffiertes

Atelier ist der mit Abstand kleinste

Raum des Hauses.Hier entstehen auf

gerade Mal drei Quadratmetern Platz

jene Miniaturikonen, von denen sie

nach Fertigstellung und Trocknen ganze

Stapel in Kassettenetuis unterbringt.

Größere Werke entwirft sie an größeren

Tischen etwa im Büro, im Wohnzimmer

oder auch schon mal auf dem

Küchentisch. Es gibt keinen Raum, der

nicht in irgendeiner Form von der Ikonographie

berührt ist.

Dabei ist die Malerei für die esoterisch

angehauchte Versmolderin vor allem

Mittel zur Selbstverwirklichung und

Meditation.

Foto: Burkhard

Hoeltzenbein

Ausstellung

Beelen bei Warendorf

März/April

57


Hiltruper Monatshefte

Anne Rutte

Wilma Mais (1916-2013)

Am 11. Januar 2013 ist Frau Wilma

Mais in Sassenberg gestorben. Sie hat

über 40 Jahre für die Mission gearbeitet.

Sie war unermüdlich und ideenreich,

um die Hiltruper Missionare

zu unterstützen. Sie hat einen Lepra-,

Handarbeits- und Missionskreis gegründet

und so viele Frauen begeistert

mitzumachen. 30 Jahre habe ich mit

ihr zusammengearbeitet. So konnte

viel geholfen werden.

2003 bekam Wilma Mais für ihren

Einsatz die Bundesverdienstmedaille

und das Bistum Münster verlieh ihr

und dem Arbeitskreis „Mission, Entwicklung,

Frieden“ in Sassenberg den

2. Preis für Umwelt und Frieden.

Ihr Herz war jung geblieben, ihr Glaube

war stark und die Liebe zur Mission

war groß. So konnte sie auch über

den Tod hinaus noch helfen, indem sie

schon vor Jahren verfügte, statt Blumen

für die Hiltruper Schwestern in

Papua Neuguinea zu spenden.

Pater Wilhelm Wöstheinrich aus Sassenberg

hat mit der Verstorbenen

viele Jahre zusammengearbeitet. Sie

hat ihn in der Mission mit Frau Rutte

besucht.

Mit der Gemeinde und den Förderern

hat er die Auferstehungsmesse gefeiert

und Frau Mais beerdigt.

Die Gruppe der Förderinnen: rechts neben Schwester Friderika Frau Mais

58


Wir gratulieren

24.März

P. Werner Mühl, 70 Jahre

6. April

P. Edmund Strauch, 75 Jahre

27. April

Altbischof Bernardo Kühnel

30 Jahre Bischof

10.Mai

P. Manfred Simmich, 80 Jahre

12. Mai

Goldenes Ordensjubiläum:

PP. Klaus Eppmann, Werner Gahlen,

Joachim Jenkner, Ludger Holtmann,

Werner Mühl, Johannes Risse, Dieter

Wacker,

14. Mai

Diamantenes Ordensjubiläum:

PP: Norbert Birkmann, Horst Kubina,

Gerhard Müller, Hans Ollertz.

Verstorbene

Schwestern

Schwester M. Elisabeth Lamers MSC,

geb. 09.02.1925 in Wesel

erste Profess 03.02.1956

Stationen ihres Lebens:

Haus Widey, MS-Gievenbeck,

Homburg,

Oeventrop.

gest. 24.01.2013 in Oevenrop.

Schwester M.Fridolina MSC

Gertrud Jansen

geb. 26.04. 1928 in Esserden-

Erste Profess 03.02.1954

Stationen ihres Lebens:

Walvisbay, Otjiwarongo, Swakopmund,

Dobra, Mariental (Namibia)

gest. 29.01.2013 in Mariental.

Förderer

Herr Ebbert, Meschede

Dr. Wilhelm Jäger, Hiltrup.

Erwin Wommelsdorf, Niedereimer

Paul Ostdieck, Delbrück-Ostenland

Elisabeth Binniossek, Delbrück.

Norbert Jung, Münster Hiltrup

59


Hiltruper Monatshefte

Helmut P. Etzkorn

70 Jahre Freundschaft

Landwirt Hubert Hesker-Lengermann

feiert seltenes deutsch-französisches Jubiläum

Wenn der 87-jährige Hiltruper Landwirt

Hubert Hesker-Lengermann sich

trotz des hohen Alters im Frühjahr

auf den Weg ins französische Chalais

macht, hat das einen besonderen

Grund: Er feiert seine ganz persönliche

und nun sieben Jahrzehnte andauernde

Freundschaft mit dem ehemaligen

Kriegsgegner. Als 17-Jähriger wurde

Hesker- Lengermann 1943 zwangsrekrutiert

und mit anderen Soldaten in

den Südwesten Frankreichs verlegt.

Weil er der einzige Mann in der Truppe

mit Französisch- Kenntnissen war,

bekam er den Auftrag, Kontakt mit

der Bevölkerung aufzunehmen. „Die

Unterkunft musste gereinigt werden

und dafür brauchten wir Harke und

Schaufel. Die musste ich für einen

Offizier besorgen“, sagt der Hiltruper.

Nicht weit weg von dem Lager der

Soldaten hatte Monsieur Albert Mercier

eine Stellmacherei und Hesker-

Lengerrnann kann sich genau an das

erste Zusammentreffen erinnern: „Da

war sofort eine gewisse Sympathie auf

beiden Seiten vorhanden. Wir sahen

uns in die Augen und irgendwie war

da etwas, was gar nicht zu Menschen

passte, die sich eigentlich im Krieg

feindlich gegenüberstehen müssten.“

Als die Einheit in die Pyrenäen verlegt

wurde, schickte Hesker-Lengermann

gleich nach der Ankunft über einen

Freund einen Brief an das Ehepaar

Mercier. ,,Antworten konnten sie

mir ja damals gar nicht, weil das in

der Feldpost aufgefallen wäre„, sagt

der ehemalige Soldat. 1947 zurück in

Hiltrup baute er den kriegszerstörten

Hof der Eltern an der Westfalenstraße

wieder auf und gründete die Gaststätte

„Pferdetränke“. An einem Wochenende

im Jahr 1950 setzte er sich mit

einem Freund ins Auto und fuhr nach

Chalais. „Wir kamen in der Abenddämmerung

an und ich sah Monsieur

Mercier in seiner Werkstatt arbeiten.“

Mit dem Satz „Kennen Sie mich

noch?“ ging er auf den Franzosen zu

und was folgte war eine lange Umarmung.

„Wir waren alle froh, dass wir

noch lebten. Und so eine Herzlichkeit

war zu dieser Zeit schon sehr außergewöhnlich

für einen Deutschen und

einen Franzosen“, meint Hesker-Lengermann.

Über Jahrzehnte besuchten

sich die Familien gegenseitig, bis zum

Tod der Merciers wurde fast wöchentlich

telefoniert und heute gibt es noch

immer regelmäßige Begegnungen mit

der Verwandtschaft Valladon - Mercier.

„Was uns verbunden hat, ist wohl

auch, dass wir beide den Krieg gehasst

haben. Umso schöner ist es, dass wir

jetzt schon so viele Jahrzehnte Frieden

in Europa haben. Das können viele

jüngere Menschen, die nie das Kriegsleid

am eigenen Leib erfahren mussten,

gar nicht so nachvollziehen“, ist

sich der Landwirt sicher.

60


Büchlein verfasst

Seine Erinnerung an die schwere Zeit

und eine wunderbare Freundschaft hat

Hesker-Lengermann in einem Büchlein

zusammengefasst.

„Frieden ist wohl das höchste Gut, was

es zu erhalten gilt“, meint der Landwirt.

Zum 70-jährigen Jubiläum seiner

persönlichen deutsch-französischen

Freundschaft hat er eine Urkunde gebastelt.

Die wird er im Gepäck haben,

wenn er im Frühjahr zu Paule und

Christian Valladon fährt. Im Herbst

erst waren die Franzosen auf dem Pferdehof

in Hiltrup zu Gast und noch

immer ist die Verbindung so herzlich,

dass man sich nicht lange aus den Augen

verlieren will.

Diese Freundschaftsurkunde steht für die 70-jährige Verbundenheit zwischen Hubert

Hesker-Lengermann und dem französischen Ehepaar Irene und Albert Mercier.

61


Hiltruper Monatshefte

Nachrichten

Australien, Canberra

Das Daramalan – College ist eine

katholische Privatschule der australischen

Provinz. Es trägt den Namen des

Gründers der Herz Jesu Missionare Jules

Chevalier. Die Priester und Lehrer

bemühen sich, die Schüler im Geiste

der Spiritualität Chevaliers und der

MSC zu erziehen und ihnen Haltungen

zu vermitteln wie Freundlichkeit,

Verständnis, Versöhnungsbereitschaft,

Einfachheit, Gastfreundschaft, Gerechtigkeit,

Friedensliebe und Verantwortungsbewusstsein

für alle.

Deutschland

Oberhausen

Pater Klaus Roos ist zum neuen

Missionsprokurator unserer Provinz

ernannt worden.

Rom – Generalat

Nach langer Pause ist die Website der

MSC wiederhergestellt und zugänglich

unter der alten Adresse: www. misacor.org

Jedes Jahr begeht die Schulgemeinschaft einen Chevalier-Tag.

Aus diesem Anlass sind alle Schüler versammelt.

62


IMPRESSUM 123. Jahrgang

Hiltruper Missionare GmbH

Johanniterstraße 6, 48145 Münster

Telefon 0 25 1/93 30 1-29

Telefax 0 25 1/93 30 1-50

Postbank Dortmund

BLZ 44010046, Kto.-Nr. 41608-468

Commerzbank Münster

BLZ 40040028, Kto.-Nr. 396016800

Unsere Zeitschrift „Hiltruper Monatshefte“

ist eine Gabe an die Freunde und Förderer

der Herz-Jesu-Missionare. Es wird

kein Bezugspreis erhoben. Freiwillige

Spenden können auf obige Konten überwiesen

werden mit der Anschrift:

Missionsbüro der Hiltruper Missionare

Johanniterstraße 6, 48145 Münster

Aphrodite-Felsen vor der Südküste Zyperns

Titelbild:

Bruder Raul in der Olivenpflanzung

(MSC-Archiv)

Rückseite:

Grasender Damhirsch

(Eppmann)

Fotonachweis:

S. 35 Uwe Gräbe

S. 38 MSC-Archiv

S. 41f. Pallotiner

S. 45 MSC-Archiv

S. 46 Johannesburg

S. 50 Wortmann

S. 56 Höltzenbein

S. 60 Etzkorn

S. 63 Pittruff

Jedem Heft liegt als Zahlungserleichterung

ein Zahlschein (Überweisungsauftrag)

bei. Dies ist keinesfalls als Mahnung

anzusehen!

Pater Hans Pittruff MSC

Am Klosterwald 40

48165 Münster

Telefon 0 25 01/44 94 50

e-mail: msc-pitt@muenster.de

www.hiltruper-missionare.de

(jedes Heft als PDF Datei vorhanden)

Graphische Ausbildungswerkstätten

Auflage: 3100 Exemplare

63

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