Standortbestimmung und Weiterentwicklung - Fachstelle ...

elternmitwirkung.ch

Standortbestimmung und Weiterentwicklung - Fachstelle ...

Schwerpunktthema ilz.ch 7

Berufseinstieg hinaus zieht. Schliesslich wird

die Frage nach der Art und Weise der Zusammenarbeit

erst dann drängend, wenn die Verantwortung

dazu übernommen werden muss.

Unterstützung erhalten die Junglehrpersonen

hierbei in erster Linie von den Schulleitungen

und ihren Kolleginnen und Kollegen. Die Bedingungen,

unter denen die Lehrpersonen

in den einzelnen Schulen die Elternarbeit auf

Klassenebene gestalten, zeigen sich dabei

sehr uneinheitlich. Zwar können regelmässige

Elterngespräche und Elternabende inzwischen

zu den Kernaufgaben einer Lehrperson gezählt

werden; alles, was darüber hinausgeht,

wird aber unterschiedlich gehandhabt, so zum

Beispiel die Institutionalisierung der Elternmitwirkung

auf Schulebene oder der Einbezug

der Eltern bei der Schulevaluation durch die

Behörden. Dies mag einerseits an den unterschiedlichen

rechtlichen Grundlagen der kantonalen

Schulgesetze liegen, 4 andererseits

aber auch an den heterogenen Verhältnissen

auf Gemeinde- und Schulebene.

Liest man die aktuellen deutschsprachigen

Publikationen zum Thema Elternarbeit, so fällt

auf, dass sich eine Erkenntnis zunehmend

durchsetzt: Im Hinblick auf die Bildungsqualität

insgesamt hat die Elternarbeit ein grosses

Potenzial. 5 Elternarbeit beschränkt sich dabei

nicht lediglich auf die Kontaktpflege und die

Informationsvermittlung; die Rede ist von

einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft

zwischen Schule und Eltern, welche die Erziehungsberechtigten

als eigenständige, gleichwertige

Akteure mit einbezieht. 6 Gerne wird

dabei Bezug genommen auf die von der

National Parent-Teacher Association (PTA)

aus den USA formulierten Standards für die

«Family-School Partnership», welche international

etabliert sind 7 und folgende Punkte

beinhalten 8 :

Eltern nehmen am Schulleben aktiv teil

und fühlen sich willkommen und wertgeschätzt;

Schule und Eltern tauschen regelmässig

und gegenseitig wichtige Informationen

aus;

Schule und Eltern kooperieren bei der

Unterstützung des Lernens in der Schule

und zu Hause;

Eltern werden darin befähigt und bestärkt,

als Fürsprecher für eine gerechte Behandlung

der Kinder und ein optimales Lernumfeld

einzutreten;

Eltern und Schule sind bei Entscheidungen,

welche die Kinder und Familien betreffen,

gleichberechtigte Partner;

Eltern und Schule arbeiten mit lokalen und

regionalen Einrichtungen und Organisationen

zusammen und nutzen deren Ressourcen.

Ausgehend von diesen Standards hat ein

durch die Vodafone-Stiftung einberufenes Expertengremium

Gütekriterien der Elternarbeit

für Deutschland ausgearbeitet, breit diskutiert

und im Frühjahr 2013 unter dem Titel «Qualitätsmerkmale

schulischer Elternarbeit» publiziert.

9

Der einen oder anderen Lehrperson dürfte

eine solch weitgehende Auffassung von Elternarbeit

unter den gegebenen Rahmenbedingungen

als unrealistisch oder auch unerwünscht

erscheinen – an erster Stelle steht

schliesslich das Unterrichten. Zudem sind mit

der Elternarbeit auch schwierige Situationen

und Zumutungen verbunden, von denen man

sich abgrenzen muss. Und je nach Typus

(siehe eingangs aufgeführte Typologie) hat

man lieber ein distanziertes Verhältnis zu den

Eltern und geht Konflikten aus dem Weg.

Diesen Argumenten kann entgegengehalten

werden, dass sich eine engagierte, aktiv

geplante und gestaltete Elternarbeit für die

Lehrperson aus verschiedenen Gründen lohnt:

Eltern beeinflussen die Lern- und Arbeitshaltung

ihrer Kinder, ihre grundsätzliche

Einstellung zur Schule und ihre Motivation,

was sich wiederum auf das Verhalten der

Schülerinnen und Schüler und damit auf

die Lernatmosphäre in der Klasse auswirkt.

10

Eine erfolgreiche Elternarbeit führt zu besseren

Beziehungen zwischen Schülerinnen

und Schülern und deren Lehrpersonen. 11

Kommt es zu sozialen Problemen in der

Klasse, können Eltern einen wichtigen Beitrag

zur Veränderung der Situation leisten.

Für eine optimale Förderung der Schülerinnen

und Schüler ist es von Vorteil, auch

über deren ausserschulischen Verhältnisse

Bescheid zu wissen.

Eltern können durch ihren Beruf oder ihr

Hobby wichtige Ressourcen für Unterrichtsthemen

sein.

Nicht zuletzt können Eltern wertvolle Mithilfe

bei schulischen Anlässen leisten.

2

vgl. Zingg & Grob (2002)

3

vgl. Schweizer (2013)

4

Die gesetzlichen Vorgaben der Kantone

sind auf der Webseite der Fachstelle

Elternmitwirkung übersichtlich

zusammengestellt

5

vgl. Sacher (2013a)

6

vgl. Bartscher & Stange (2013)

7

vgl. Sacher (2013b)

8

vgl. PTA/Parent-Teacher

Association (2009), Übersetzung MG

9

vgl. Vodafone-Stiftung Deutschland

(2013)

10

vgl. Eichhorn (2011) S. 4

sowie Sacher (2013a) S. 6

11

vgl. ebd.

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