B LICK E I N - Stiftung Tosam

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B LICK E I N - Stiftung Tosam

Heute müssten wir eigentlich weniger Probleme haben

So wie wir früher gelebt haben, ist es

eigentlich erstaunlich, dass wir solange überlebt

haben.

Als Jugendliche haben wir einmal eine Lambretta

(Roller) aus Nachbars Keller geholt und

sind damit auf der Wiese herumgefahren. Die

Wiese ist heute längst überbaut.

Oft waren wir den ganzen Tag oder auch die

ganze Nacht weg und hatten nicht einmal ein

Handy dabei. Niemand wusste, wo wir waren.

Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und

Brunnen, nicht aus Flaschen. Und wir tranken mit

unseren Freunden aus einer Flasche und niemand

starb an den Folgen.

Wenn wir in einem Verein waren, hat uns niemand

gebracht und geholt.

Wir durften problemlos in den Wohnungen

unserer Gspänli ein- und ausgehen, oft ohne zu

klingeln. Wir hielten uns viel im Freien auf, bei

jedem Wetter (im Sommer ohne UV-Schutz).

Auch die älteren Kinder des Quartiers haben

mit uns Versteckis gespielt (18-Jährige mit 12-Jährigen!).

Und wenn wir mit der Polizei in Konflikt

kamen, haben uns die Eltern nicht geholfen. Entweder

musste man alleine damit fertig werden

oder im schlimmeren Fall wurde die Strafe durch

die Eltern noch verdoppelt.

Unsere Töffs, auch die Schweren, fuhren wir

in der Regel ohne Helm, manchmal mit nacktem

Oberkörper, kurzen Hosen, Sandalen. Lediglich

ein Appenzeller Schnopftuech als Halstuch war

wichtig.

Als wir das Jugendhaus in Herisau gegründet

haben, konnten wir den einzigen Hausschlüssel

einfach beim Polizeiposten deponieren, damit ihn

jeder vom Leitungsteam dort holen konnte. Gab

es eine Polizeistunde (Sperrstunde)? Wie haben

wir doch nächtelang diskutiert.

Und die Gurtentragpflicht: Unsere ersten

Autos hatten nicht einmal Dreipunktgurten und

getragen haben wir sie nur, wenn wir weite Strecken

fuhren. Und die Kindersitze: Unsere Kinder

haben vor der Fahrt in die Ferien jeweils gestritten,

wer zuhinterst auf das Gepäck liegen durfte. Der

Toyota-Bus hatte sowieso bei den hinteren Sitzen

keine Gurten. Aus den Sitzbänken wurden Bettli,

da wir manchmal in der Nacht fuhren. Heute

unvorstellbar, wie die Kleinen während der Fahrt

manchmal nach vorne geklettert sind und auf dem

Beifahrersitz oder auf Mutters Schoss Platz genommen

haben.

Auf dem Bauernhof sind unsere Kinder mit

allerlei Mist und Dreck in Berührung gekommen

und haben später in den bunten Kinderbetten

(Cadmium und Blei in den Farben) geschlafen.

Ich möchte nicht diese Zeit verherrlichen.

Vielleicht haben wir ja jetzt Spätfolgen dieser

Unbesonnenheiten. Dank den Vorschriften und

Kontrollen ist unsere Welt doch viel sicherer

geworden(?).

Aber meine ich es nur? Haben wir heute nicht

weniger, sondern mehr Probleme als früher? Ja

sicher, wir haben andere Probleme. Und sind die

heutigen Probleme nicht gravierender?

Haben wir vielleicht mit den Vorschriften und

Kontrollen und mit unseren Ängsten den Jugendlichen

Entwicklungsmöglichkeiten und Experimentierfelder

genommen?

Ist der tolerierte Freiraum enger geworden

und darum die Ausbrüche aus diesem Feld zahlreicher?

Ich kann keine Antworten auf diese Fragen

geben, habe aber das subjektive Gefühl, dass es

die Kinder und Jugendlichen heute nicht so schön

haben, wie wir es hatten.

y

MARTIN GROB

GESCHÄFTSLEITER STIFTUNG TOSAM

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Gültig bis 14. Dezember 2013

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