Das war Gießen 2013 - Gießener Allgemeine

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Das war Gießen 2013 - Gießener Allgemeine

BLICKPUNKT

Der Name ist Programm. Auf dem Seltersweg

ist vom »Hinterhaus« kaum etwas zu erkennen,

auch wenn die Adresse besagt, dass es

hier sein muss. Versteckt liegt der Durchgang

zu dem Laden von Vanessa und Daniela Neumann

auf Höhe der Plockstraße. Man muss

fast schon reingehen in den Juwelier, der in

erster Reihe steht, um den Weg zu finden.

Und dann: Eine ganz andere Atmosphäre. Ruhig.

Warm. Ein riesiges Regal, das einst in einer

Scheune stand, haben die Gießenerinnen

aufgemöbelt. Nun stellt es selbst gemachte

Schlüsselbretter, Buttons, Ohrringe aus. »Das

Regal bekommen wir nie wieder raus, weil

der Durchgang zum Seltersweg umgebaut

wurde«, verrät Vanessa Neumann. Den Tresen

haben sie selbst gezimmert. Auch wer das

»Hinterhaus« noch nicht gefunden hat, dem

kommen die Betreiberinnen vielleicht bekannt

vor. »Wir sind eine große Familie. Jeder

Gießener kennt irgendeinen von uns«, sagt

Daniela Neumann, die Jüngere der beiden.

Aber auch wenn nicht: Auf dem Flohmarkt in

den Hessenhallen waren sie lange Stammaussteller.

Oder man kennt sie vom WG-Flohmarkt

im Sommer, als sie erstmals ihren Laden

einer breiteren Öffentlichkeit präsentierten.

»Damals hatten wir die Räume erst neu angemietet.

Es war noch einiges zu tun«, erinnert

sich Daniela Neumann. Zwischen März und

Oktober haben die beiden – eine ist Innenarchitektin,

die andere Architektin – ihren Laden

vom Kopf auf die Füße gestellt. Bis auf das Verlegen

von Leitungen alles in Eigenleistung.

Vielleicht hätte man das auch in ein paar Wochen

durchziehen können. Doch Daniela

Neumann, die während des Studiums angefangen

hatte, Buttons über das Internet zu vertreiben,

und damit den Grundstein gelegt hatte,

blieb nur Zeit nach der Arbeit. Vanessa

Neumann konnte nur renovieren, wenn die

kleine Tochter schlief.

In der einstigen Galerie Remmele hat sich das »Hinterhaus« eingenistet.

Im Hintergrund

Foto: Schepp

Nun sind sie fertig, der Laden läuft langsam

an. »In Berlin hätten wir uns das nicht getraut.

Aber in Gießen gab es nichts Vergleichbares«,

meint Vanessa Neumann. Auch im Internet

über www.bunterun.de verkaufen die Schwestern

ihre selbst gemachten Kissen, Memoboards,

Haarreifen. Um das »Hinterhaus«

trotzdem noch bekannter zu machen, planen

die beiden Gießerinnen für 2014, auch Kurse

anzubieten, Anleitungen zum Selbermachen.

»Beschreiben können wir, wie wir vorgehen.

Auch wenn wir oft erklären müssen, was man

mit den Sachen denn soll. So ist das mit Dingen,

die vor allem schön sind«, sagt Daniela

Neumann. Denkbar sind auch Kooperationen,

etwa mit der Free School Gießen.

Ebenfalls in diese Richtung geht, was die Architektin

und die Innenarchitektin im ersten

Stockwerk des »Hinterhauses« veranstalten.

Hier kümmern sie sich um Planung von Umbauten

und Möbeln, geben Farb- und Materialberatung,

aber helfen auch bei Layouts, etwa

von Einladungen. »Wahrscheinlich werden

wir in Gießen keine Möbel für viel Geld verkaufen.

Aber der Preis ist sowieso keine Garantie

dafür, dass es am Ende gut aussieht«,

erklärt Vanessa Neumann. Stattdessen wollen

sie, den Kunden beraten, wie er seine Wohnräume

selbst gestalten kann, Denkanstöße geben.

»Wir sind die Helfer im Hintergrund.«

Passt ja auch irgendwie zur Lage. Die Alternative

für einen vergleichbaren Preis wäre ein

Laden irgendwo abseits gewesen. »So müssen

wir nur gefunden werden.« Einfach ist das

nicht, doch wer den Durchgang zum »Hinterhaus«

gefunden hat, wird nicht enttäuscht. fd

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Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch von

9.30 bis 15.00 Uhr. Donnerstag und Freitag

von 9.30 bis 18.30 Uhr. Beratungen auch nach

Absprache. Auf www.bunterun.de findet sich

der Onlineshop.

– Zweitwohnsitzsteuer

Ab 1. Januar kommt die Zweitwohnsitzsteuer, das heißt

vor allen Dingen Studenten, die in ihrer Heimatstadt

angemeldet bleiben, müssen künftig 10 Prozent der

Kaltmiete an die Stadt abdrücken. Gießen zieht mit

dieser Maßnahme mit anderen Uni-Städten gleich.

Gleich zeitig soll das Angebot für Erstwohnsitznehmer

weiterentwickelt werden. Die 100-Euro-Prämie für

das Ja! zu Gießen gibt es schon seit Januar 2013 nicht

mehr, dafür hat die Stadt im vergangenen Jahr Kino- und

Theaterkarten vergeben – solche Aktionen sollen auch

2014 kommen.

+ Fußball-WM im Kino

Endlich ist es da das neue Großkino. Und es wird im

Sommer 2014 für ein Novum sorgen. Erstmals wird man in

Gießen wohl Spiele einer Fußball-Weltmeisterschaft im

Kinosessel verfolgen können. Public Viewing de Luxe. Wenn

alles läuft, wie gewünscht, wird bei der WM 2014 auch zum

ersten Mal ein Kicker aus Gießen mitwirken. Der gebürtige

Pohlheimer Keeper Daniel Davari steht im Aufgebot der

iranischen Nationalmannschaft. Wer nicht auf Fußball steht,

kann vielleicht bald schon im Kino auch andere Sportarten

verfolgen. Handball mit der HSG Wetzlar soll es bald geben,

und vielleicht auch Basketball mit den 46ers?

1/2014 streifzug 5

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