Ermittlern auf der Spur - Drehscheibe

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Ermittlern auf der Spur - Drehscheibe

Dossier Datensicherheit

Drehbuch

Zeitung Mitteldeutsche Zeitung

Auflage 225.400*

Kontakt Katrin Löwe

Telefon 0345 – 565 42 74

E-Mail redaktion.polizeireporter@mz-web.de

Aus der Mitteldeutschen zeitung (Halle) vom 27. Februar 2012

Ermittlern auf der Spur

Vor Ort Ein Besuch bei den Internetermittlern des LKA zeigt, wie

die Behörde die Kriminalität im Netz bekämpft.

Die Meldung, dass das Innenministerium von Sachsen-Anhalt

die Internetkriminalität unter anderem

durch sieben zusätzliche Stellen im Landeskriminalamt

bekämpfen will, weckte die Aufmerksamkeit

von Katrin Löwe, freie Mitarbeiterin bei der

Mitteldeutschen Zeitung.

„Für uns klang das aus

zwei Gründen spannend:

Zum einen, weil sonst bei

der Polizei eher von Personalabbau

die Rede ist,

und zum anderen wegen

des spezifischen Themas

Internetkriminalität“, sagt

sie. Löwe interessierten

Katrin Löwe ist freie Aspekte wie die Entwicklung

in diesem Bereich

Mitarbeiterin der

Mitteldeutschen und die Arbeitsweise des

Zeitung.

LKA-Teams. Um einen

Einblick zu bekommen,

bat sie beim LKA um ein Gespräch. Dieser Bitte

wurde nach einer internen Absprache zwischen der

Behörde und dem Innenministerium entsprochen.

„Offenbar hatte zunächst der Anlass, der zu meiner

Anfrage geführt hatte, also die Pläne des Ministeriums,

beim LKA zu Irritationen über den Inhalt des

geplanten Beitrags geführt“, beschrieb Löwe den

Grund, warum es ein paar Tage dauerte bis der

Termin stand. Zur Vorbereitung auf das Treffen bekam

die Journalistin vom LKA noch weitere Zahlen

und technische Details zum Thema ausgehändigt.

Während des zweieinhalb Stunden dauernden Besuchs

vor Ort sprach Löwe mit dem zuständigen

Abteilungsleiter und besichtigte das EDV-Beweissicherungslabor.

Verknüpft mit weiteren Fakten und

Erklärungen aus dem Innenministerium ergab sich

so ein umfassendes Bild der Polizeiarbeit im Bereich

Internetkriminalität. Veröffentlicht wurde der

Beitrag als Schwerpunktthema im Zusammenhang

mit der Vorstellung der Kriminalstatistik 2011, bei

der die Zunahme der Internetkriminalität ebenfalls

ein Thema war.

drehscheibetipp

Datenschutz bei der Polizei: Welche Daten können

von allen Beamten eingesehen werden, bei welchen

ist der Zugang beschränkt und warum?

12 drehscheibe


MITTELDEUTSCHE ZEITUNG

MITTELDEUTSCHLAND DIENSTAG, 28. FEBRUAR 2012 3

SPEZIAL

KRIMINALITÄT

Im Daten-Dschungel

INTERNET Das illegale Geschäft im Netz wird immer lukrativer. Jetzt reagieren die Ermittler.

VON KATRIN LÖWE

MAGDEBURG/MZ - Das Fenster wurde

längst entfernt, damit kein Sonnenlicht

den Raum aufheizen kann.

Hier, im EDV-Labor des Landeskriminalamtes

(LKA) herrschen nicht

mehr als 18 Grad - eine Temperatur,

bei der die Festplatten in den

zwei großen Schränken nicht überhitzen.

Sie sind das Zentrum der

EDV-Auswertung, 105 Terabyte Daten

können gespeichert werden -

Kopien von Festplatten, die Beweismittel

in Ermittlungsverfahren

sind, welche sich auch mit Internetkriminalität

befassen. Zum Vergleich:

Würde man 40 Terabyte in

Bildern vom Format 9x13 drucken,

würden die aneinandergereiht eineinviertel

Mal um die Erde reichen.

Mit sieben zusätzlichen Stellen

im LKA will sich das Land nun auf

die Herausforderungen der Internetkriminalität

einstellen: Exper-

„Die technische

Entwicklung ist

rasant.“

Stefan Damke

Landeskriminalamt

ten, die Rechner und Datennetze

analysieren, komplizierte Verschlüsselungen

knacken. „Das

kann nur ein Anfang sein, die Internetkriminalität

wird zunehmen“,

prognostiziert Innenminister

Holger Stahlknecht (CDU).

Allein gegenüber 2010 ist die

Menge ausgewerteter Daten im

LKA 2011 um 30 Prozent angestiegen.

Es ist eines der Phänomene,

das die Polizei beschäftigt: „Die

technische Entwicklung ist rasant“,

sagt Stefan Damke, Abteilungsleiter

im LKA und Chef der

Internetermittler. Statt mit

schrankgroßen Festplatten haben

die Ermittler es heute mit Datenspeichern

zu tun, die selbst in herkömmlich

scheinenden Visitenkarten

Platz haben. Immer mehr Speicherplatz

ist für immer weniger

Geld zu haben. In einem Ermittlungsverfahren

wegen Kinderpornografie,

erzählt Damke, seien zuletzt

in der Wohnung eines Verdächtigen

sage und schreibe 150

Festplatten konfisziert worden.

Je selbstverständlicher das Internet

zum Alltag der Menschen gehört

– 73 Prozent der Deutschen

sind heute online – umso lukrativer

wird es auch für Kriminelle. Im

Landeskriminalamt nennt sich das

spröde IuK-Kriminalität (IuK für

Informations- und Kommunikationstechnik).

Dazu zählen Straftaten,

die es früher schon gab, die

heute aber über das Internet laufen:

„Statt per Katalog wird jetzt in

Die Polizei verzeichnete im Jahr 2011 in Sachsen-Anhalt zwar weniger Straftaten,

doch Grund zur Entwarnung gibt es bei weitem noch nicht.

Onlineshops bestellt und nicht bezahlt

- der Klassiker“, wie Damke

sagt. Bei 6 200 Taten spielte das Internet

als Tatmittel vergangenes

Jahr eine Rolle. Dann gibt es aber

auch die neueren Formen der Kriminalität,

die nur aufgrund der

Technik möglich sind: Computersabotage,

das Ausspähen von Daten.

Immer mehr dominiert dabei der

„digitale Identitätsdiebstahl“. Betrüger

verschaffen sich mit Tricks

Zugangsdaten zum Onlinebanking,

Kreditkartendaten oder die Daten

von Accounts bei Internethandels-

Plattformen wie Ebay, um dann

Konten zu plündern oder unter

fremdem Namen zu handeln. Beim

Alte Morde neu aufgerollt

STRAFTATEN In Statistik gehen auch acht Fälle von 1946 ein.

MAGDEBURG/MZ/LO - Mit Statistik ist

das so eine Sache. Auf den ersten

Blick hat sich die Zahl der Mord-

Delikte 2011 im Vergleich zum Vorjahr

in Sachsen-Anhalt mehr als

verdoppelt. Tatsächlich aber sind

in der Statistik für 2011 acht Fälle

erfasst, die schon 1945/46 datieren,

in denen jetzt aber aufgrund

einer Veröffentlichung eines Ortschronisten

aus dem Harz noch einmal

offiziell ermittelt wurde.

Dokumente belegen, dass damals

zwar in den Sterbebüchern

der Standesämter Worte wie

„Mord“ und „erschossen“ auftauchten,

deutschen Polizeibehörden

Ermittlungen gegen alliierte

Streitkräfte aber untersagt waren.

Förmliche Verfahren hat es deshalb

wohl nie gegeben. Im Harz

geht es sowohl um Ermittlungen

Kriminalität im Internet: Die mit Hilfe des Netzes verübten Straftaten nehmen zu.

gegen Alliierte - ein Opfer soll von

einer US-Streife erschossen worden

sein - als auch gegen Fremdarbeiter

aus Polen.

Lässt man die historischen Fälle

außer acht, hat es 2011 mit vier Fällen

sogar einen Mord weniger gegeben

als 2010, allerdings drei

Mordversuche mehr.

Ein weiterer Fallstrick der Kriminalstatistik:

Innenminister Holger

Stahlknecht (CDU) verkündete gestern

„die geringsten Fallzahlen seit

deren Einführung“. 187281 Delikte

wurden registriert - 1883 weniger

als im Jahr zuvor. Allerdings stieg

die Zahl der Opfer um 474 auf

28 794. Die Begründung dafür:

Erstmals werden Polizisten beim

Delikt „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“

offiziell in der Statistik

auch als Opfer geführt - 934

KINDERPORNOGRAFIE

Ermittlungsstau aufgelöst

Sachsen-Anhalt hat seinen

Rückstand bei der Auswertung

von Daten aus dem Bereich der

Kinderpornografie aufgeholt. Ende

2009 hatten Staatsanwaltschaften

beklagt, dass etliche Verfahren zu

platzen drohten, weil die Polizei mit

der Datenauswertung hinterherhinke.

Damals waren 348 Verfahren

älter als die von den Gerichten als

angemessen akzeptierte Grenze

von neun Monaten. Dann war das

Team der Ermittler verstärkt und

neue Technik angeschafft worden.

So erlaubt die Software nun einen

bis zu zehnmal so schnellen Überblick

über den Inhalt von Videodateien,

in denen Kinderpornografie

versteckt sein könnte. Ende 2011

gab es laut Innenministerium noch

fünf Fälle, die wegen aufwändig zu

knackender Verschlüsselungen älter

waren als neun Monate.

Im vergangenen Jahr hat es in

Sachsen-Anhalt 202 neue Fälle von

Kinderpornografie gegeben - 33

mehr als im Jahr zuvor.

KLÖ

Opfer, die sonst nie im Zahlenwerk

aufgetaucht wären.

Was dem Minister wichtig war:

mit einem Vorurteil aufzuräumen.

Die Zahl der Straftaten sei in zehn

Jahren um knapp 21 Prozent gesunken,

die Zahl der Einwohner

nur um zehn Prozent. „Widerlegt

ist damit auch die boshafte Behauptung,

es würden nur die hier

bleiben, die auch Straftaten begehen“,

sagte er. Gesunken sind unter

anderen die Zahl der Gewaltdelikte

(von 5937 auf 5765) und der

Anteil junger Täter. Steigerungen

gab es bei Drogendelikten, Raubüberfällen

auf Geschäfte und Tankstellen,

Handtaschenraub. Und

trotz insgesamt positiver Bilanz:

Noch liege das Land im Bundesvergleich

in vielen Bereichen auf zu

hohem Niveau, so Stahlknecht.

Datenauswertung in einem Büro im

LKA in Magdeburg FOTO: ULI LÜCKE

Phishing - das bedeutet so viel wie

Daten „abfischen“ - verschicken Täter

immer professioneller gestaltete

E-Mails, die Nutzer dazu verleiten,

auf manipulierten Webseiten

ihre Kontodaten preiszugeben. In

198 Fällen haben sie im vergangenen

Jahr mit abgefischten Daten

rund 530000 Euro erbeutet.

Ein neuer Trend: Kriminelle verteilen

Schadsoftware wie Trojaner,

die ebenfalls Kontodaten ausspähen,

nicht mehr an möglichst viele

Opfer. Damke: „Sie setzen sie gezielter

ein, damit sie bei Herstellern

von Virenschutzprogrammen

nicht so rasch bekannt werden“ -

und so von der Software länger unentdeckt

bleiben. Und sie verschicken

Schadprogramme nicht mehr

vor allem per Mail, sondern verteilen

sie über präparierte Webseiten.

2010 etwa wurde die Webseite des

Umweltbundesamtes so manipuliert,

dass sie Nutzer auf eine Seite

umleitete, auf der sie sich durch

das Surfen einen Banking-Trojaner

einfingen. Geklärt werden konnte

der Fall nicht. „Die Ermittlungen

endeten bei einem Server in der

Ukraine“, so Damke.

„Im Internet ist Vorsicht die Mutter

der Porzellankiste“, sagt der

Kriminaldirektor. Viele Nutzer

aber würden ihre Rechner nur unzureichend

schützen oder seien im















Netz leichtgläubiger, wo ihre innere

Antenne im realen Leben längst

Gefahr signalisieren würde.

So mancher lässt sich selbst auf

digitale Erpressungen ein: Der so

genannte BKA-Trojaner hat 2011

auch in Sachsen-Anhalt 831 Rechner

infiziert. Der von einem Ukrainer

verbreitete Trojaner verhinderte

den Zugriff auf den eigenen

Rechner und blendete eine angeblich

vom Bundeskriminalamt stammende

Nachricht ein, dass dieser

wegen strafbarer Delikte gesperrt

wurde. Aus Unkenntnis, vielleicht

auch aus Schuldgefühl heraus, bezahlten

manche Nutzer die angeblich

zur Entsperrung des PCs nötige

Strafe per Ukash - einer anonymen

elektronischen Zahlungsart.

Wie viele Opfer die Kriminellen

im Netz tatsächlich finden: Niemand

weiß es. Weil etliche Taten

entweder gar nicht bemerkt oder

aus unterschiedlichen Gründen

nicht angezeigt werden. Selbst die

1658 Fälle von Computerkriminalität,

die 2011 in Sachsen-Anhalt registriert

wurden, lassen schon aus

statistischen Gründen ein enormes

Dunkelfeld offen: Erfasst werden

bislang nur Fälle, wo die Manipulation

von Sachsen-Anhalt ausging.

Laut Innenministerium gibt es

jetzt bundesweit Überlegungen,

das zu ändern. Denn längst ist bekannt:

Internetkriminelle operieren

zunehmend aus dem Ausland.




















FOTO: ARCHIV












GROSSPROJEKT

Burgist

Favoritfür

Gartenschau

Kabinett vertagt aber

den Beschluss.

VON KAI GAUSELMANN

MAGDEBURG/MZ - Für die nächste

Landesgartenschau 2018 gibt es

nach MZ-Informationen einen Favoriten:

Umweltminister Hermann

Onko Aeikens (CDU) will dem Landeskabinett

Burg (Jerichower

Land) empfehlen. Einen entsprechenden

Vorschlag verabschiedete

die Ministerrunde vergangene Woche

aber nicht. Die Entscheidung

soll nun erst in zwei Wochen fallen.

Der Grund: Aeikens muss nacharbeiten

- auf Druck von Finanzminister

Jens Bullerjahn (SPD).

Neben Burg haben sich unter anderem

Sangerhausen (Mansfeld-

Südharz), Bad Kösen (Burgenlandkreis)

und die Landeshauptstadt

Magdeburg beworben. Aus den Bewerberkonzepten

hat eine Vergabekommission

- in der neben Ministeriumsvertretern

auch Gartenbauer,

Landschaftsarchitekten und ein

Vertreter des Städte- und Gemeindebundes

sitzen - nun Burg ausgesucht.

Nach MZ-Informationen mit

sieben von neun Stimmen. Detlef

Thiel, Sprecher des Umweltministeriums,

wollte das weder bestätigen

noch dementieren. „Das kommentiere

ich nicht.“ Er bestätigte

aber, dass die Entscheidung im Kabinett

vertagt wurde. „Das Finanzministerium

hat um Aufschub gebeten“,

sagte

Thiel. Der Finanzminister

wolle die entsprechende

Kabinettsvorlage

„mitzeichnen“.

Dabei muss Aeikens

vor dem

Beschluss in einer

Vorlage sei-

Aeikens

ne Empfehlung

genauer begründen

- dazu

kann Bullerjahn

dann eine

Stellungnahme

abgeben oder

Nachbesserungen

fordern. Bullerjahn

Der Finanzminister

soll in der letzten Kabinettssitzung

unter anderem bemängelt

haben, dass Aeikens den

Effekt, den die Schau für strukturschwache

Regionen haben kann,

nicht genügend berücksichtigt habe.

„Es geht dem Minister um eine

Reihe von Punkten“, sagte Finanzministeriums-Sprecher

Wolfgang

Borchert. Unter anderem, „welche

strukturpolitischen Entscheidungen

zu treffen sind und was man

für strukturschwache Regionen

tun kann“.

FOTOS: ARCHIV

TIERE

Neues

Wolfsrudel

inderLausitz

RIETSCHEN/DPA - In der Lausitz ist

ein weiteres Wolfsrudel bei Niesky

(Sachsen) entdeckt worden. Wiederholt

frischer Kot und regelmäßige

Aufnahmen der Tiere aus einer

Fotofalle im Winter 2011 ließen

den Schluss zu, „dass es sich hierbei

um ein neues Rudel handelt“,

teilte das Wolfsbüro in Rietschen

gestern mit. Dieses „Nieskyer Rudel“

bestehe aus mindestens vier

Tieren, auch Welpen. Damit leben

laut Wolfsbüro in der Lausitz aktuell

elf Rudel und ein Wolfspaar. Sieben

Rudel leben in Sachsen, drei

Rudel und das Paar in Südbrandenburg

sowie ein Rudel in beiden

Bundesländern.

Wolfsrudel sind Kleinfamilien;

meist ein Elternpaar mit den Nachkommen

der vergangenen zwei

Jahre - Welpen und Jährlinge. Die

meisten Jungwölfe verlassen nach

ein bis zwei Jahren das elterliche

Rudel und suchen sich ein eigenes

Revier.

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