Bewerbung der Stadt Essen um den Titel “Grüne Hauptstadt ... - prr.de

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Bewerbung der Stadt Essen um den Titel “Grüne Hauptstadt ... - prr.de

Bewerbung der Stadt Essen

um den Titel

“Grüne Hauptstadt Europas 2016”

Oktober 2013


Stadt: Einführung und Kontext

Essen / Deutschland

Abb. 0.1: Skyline der Stadt Essen (Quelle: Peter Wieler / Essen Marketing GmbH)

Die Stadt Essen ist mit ca. 571.000 Einwohnern die neuntgrößte Stadt Deutschlands. Sie liegt

im Bundesland Nordrhein-Westfalen in der Mitte der Metropole Ruhr (auch: Ruhrgebiet), in der

etwa 5,2 Millionen Menschen leben. Die Metropole Ruhr ist nach London und Paris drittgrößter

Ballungsraum Europas.

Essen ist innerhalb des Ballungsraums verkehrlich sehr gut über Straßen-, Schienen- und Wasserwege

erschlossen. Gleichwohl ist sie grünste Stadt in Nordrhein-Westfalen; in Deutschland

liegt sie mit ihrem Grünflächenanteil auf Platz 3. Dazu tragen neben Parkanlagen wie dem

Grugapark und traditionellen Erholungsgebieten im Essener Süden neue Wohn- und Freiflächenqualitäten

in der Stadtmitte und im Norden der Stadt bei.

Abb. 0.2: Wohnungsbauten an neuen Wasser-/Grünlagen im Universitätsviertel und Niederfeld

(Quelle: Stadtbildstelle, Allbau)

Das Stadtgebiet von 210 km² ist unterteilt in 9 Bezirke mit insgesamt 50 Stadtteilen. Der Rat ist

das wichtigste Entscheidungsgremium der Stadt. Er wird für jeweils fünf Jahre von den Essener

Bürgerinnen und Bürgern gewählt. Vorsitzender und zugleich Chef der Verwaltung ist Oberbürgermeister

Reinhard Paß.

1


Abb. 0.3: Lage in Europa / in der Metropole Ruhr (Quelle: EWG-Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft)

Abb. 0.4 – 0.5: Stadtgebiet; Historisches Stadtwappen / Aktuelles Logo (Quelle: Stadt Essen)

Essen kann auf eine 1160 Jahre alte Geschichte zurückblicken. Bekanntestes Exponat aus der

frühen Zeit ist die Goldene Madonna als älteste Marienfigur des Abendlandes, zu besichtigen in

2


der Schatzkammer des Essener Doms. Von dieser Kathedrale aus leitet Bischof Franz-Josef

Overbeck das Bistum Essen, in dessen Einzugsbereich etwa 2,5 Mio. Menschen leben.

Die jüngere Geschichte war bestimmt von Kohle und Stahl. Der zunächst oberirdische Kohleabbau

im Süden der Stadt beeinträchtigte Natur und Landschaft kaum. Die massive Kohleförderung

im Bergbau ab dem frühen 19. Jahrhundert und folgende Schwerindustrien verdrängten

jedoch in der nördlichen Stadthälfte Natur und Landschaft bis zur Schließung der letzten Zeche

im Jahr 1986. Ebenfalls zu Beginn des 19. Jahrhunderts gründete Friedrich Krupp eine Gussstahlfabrik;

der Name Krupp ist bis heute untrennbar mit der Stadt verbunden. Seit 2010 hat der

mit der Firma Thyssen fusionierte Gesamtkonzern seinen Firmensitz wieder im Krupp-Gürtel

nahe der Essener Innenstadt. Zur Revitalisierung des ehemaligen Industrieareals wurde eine

Hauptverkehrsstraße gebaut und eine zusätzliche Straßenbahnlinie geplant. Die Villa Hügel

oberhalb des Baldeneysees im Besitz der Krupp-Stiftung 1 wird auch für Besichtigungen und

Ausstellungen genutzt.

Abb. 0.6: Krupp-Gürtel mit Hauptverwaltung ThyssenKrupp AG, öffentlichem Park und Berthold-Beitz-Boulevard als

neuer Erschließungsstraße (Quelle: ThyssenKrupp Real Estate)

Die Zeche Zollverein war von 1847 bis 1986 aktives Steinkohlebergwerk und dient heute als

Industriedenkmal kulturellen Nutzungen. Gemeinsam mit der Kokerei Zollverein zählt sie seit

2001 zum Welterbe der UNESCO und ist heute ein Wahrzeichen der Stadt. Auf dem Gelände

befindet sich auch das Ruhr Museum, welches Besuchern in seiner Dauerausstellung die Natur-

und Kulturgeschichte des Ruhrgebiets zeigt.

1 Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

3


Abb. 0.7: Zollverein Schacht XII (Quelle: Stadtbildstelle Essen)

Nach dem Rückgang der Industrie entwickelte sich Essen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

zu einer Dienstleistungs- und Wirtschaftsmetropole. Neben der ThyssenKrupp AG

haben weitere Großkonzerne wie die RWE AG oder E.ON Deutschland hier ihren Hauptsitz.

Der Mix mit Mittelstand und Handwerk bestimmt das gute Wirtschaftsklima. Etwa 81% aller Erwerbstätigen

arbeiten im Dienstleistungssektor. Die hohe Anzahl an Arbeitsplätzen bringt zusätzlich

täglich rd. 140.000 Berufspendler in die Stadt.

Essen ist auch Messe- und Kongressstandort, Universitätsstadt, Einkaufsstadt und kulturelle

Hochburg in der Metropole Ruhr. Sowohl das Museum Folkwang als auch das Red Dot Design

Museum bieten international beachtete Einblicke in die Welt von Kunst und Design. Das Aalto

Theater und die Philharmonie im Saalbau sind repräsentative Spielstätten für Oper, Ballett und

Konzerte. Viele weitere Bühnen für Theater, Varieté und Kino tragen zur kulturellen Vielfalt bei.

Vor diesem Hintergrund ist Essen 2010 zur Kulturhauptstadt Europas ernannt worden und repräsentierte

dabei die gesamte Metropole Ruhr.

Abb. 0.8: Aalto Theater, Philharmonie / Baldeneysee mit Villa Hügel (Quelle: Stadtbildstelle Essen)

4


Diese Auszeichnung für Essen und die Region hat in Europa für Aufsehen gesorgt. Sie ist Ausdruck

eines Strukturwandels in Fortsetzung der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher

Park. Diese wurde in der Metropole Ruhr von 1989 bis 1999 durchgeführt und veränderte das

Gesicht der Region.

Immer mehr hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die 53 Städte der Metropole Ruhr viele

Herausforderungen nur gemeinsam meistern können. Traditionell werden diese interkommunalen

und regionalen Kooperationen seit mehr als 100 Jahren bei der Abwasserentsorgung

und der Wasserversorgung betrieben. So wurde die Emschergenossenschaft (Sitz:

Essen) bereits 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet. Ihre Hauptaufgabe

ist die Abwasserreinigung in einem Einzugsbereich von mehr als 2 Mio. Menschen.

Noch bis 2020 dauert der Umbau des Emschersystems mit einem neuen Abwasserkanal und

der Herstellung neuer Gewässer (Investitionsvolumen 4,5 Milliarden EUR) an. Auf eine 100-

jährige Geschichte blickt auch der Ruhrverband (Sitz: Essen) zurück. Durch ihn wurde der Bau

großer Stauseen und Talsperren sowie moderner Kläranlagen ermöglicht. Er sichert die Wasserversorgung

für ein Gebiet mit 4,6 Mio. Einwohnern. Alle technischen Ver- und Entsorgungsinfrastrukturen

werden laufend an den Stand der Technik angepasst.

In den vergangenen Jahren wurden auch andere Umweltthemen über regionale Konzepte aufgegriffen.

So trat im Juli 2008 der erste dreiteilige Luftreinhalteplan für die Metropole Ruhr in

Kraft und wurde im Oktober 2011 fortgeschrieben. Weitere regionale Ansätze zum Klimaschutz

in der Metropole Ruhr sollen bis zur „Klimaschutz-Expo NRW » RUHR“ der Landesregierung

entwickelt und in einem „Schaufenster“ präsentiert werden. Einen Beitrag dazu soll auch die

Bewerbung der Stadt Essen als „Grüne Hauptstadt Europas“ leisten.

Essen beteiligt sich seit vielen Jahren an diversen Netzwerken und Initiativen, um das Klima

regional und kommunal zu verbessern und nachhaltig zu schützen. Seit 1993 ist die Stadt Essen

Partnerin im "Städtenetzwerk Klima-Bündnis / Alianza del Clima e.V.“ 2009 hat der Rat der

Stadt ein „Integriertes Energie- und Klimakonzept“ beschlossen. Die derzeit darin enthaltenen

133 Maßnahmen werden in einem Gesamtprozess unter der Dachmarke klima|werk|stadt|essen

für eine nachhaltige und klimagerechte Stadtentwicklung verfolgt. 2010 ist die Stadt Essen dem

„Covenant of Mayors“ beigetreten. Im gleichen Jahr wurde Essen erstmalig mit dem „European

Energy Award“ ausgezeichnet.

Abb. 0.9: Auszeichnung „european energy award 2010“

Weitere Aktivitäten auf europäischer Ebene erfolgen beispielsweise im Rahmen der Mitgliedschaft

bei EUROCITIES oder durch Einrichtung eines Europe Direct Information Center. Essen

ist 2013 durch das Land Nordrhein-Westfalen als „Europaaktive Kommune“ ausgezeichnet worden.

Es wurde bis heute kein Umweltverfahren gegen die Stadt Essen vor dem Europäischen Gerichtshof

eingeleitet.

5


Neben der Beteiligung an regionalen Prozessen plant Essen auch die Zukunft der Stadt. Mit der

Strategie ESSEN.2030 hat der Rat der Stadt einen integrativen Stadtentwicklungsprozess zur

Stärkung der Attraktivität und der Wettbewerbsfähigkeit der Stadt beschlossen. Unter Beteiligung

der Bevölkerung, der Wirtschaft und weiterer Akteure der Stadtgesellschaft werden Projekte

und Maßnahmen in fünf Handlungsfeldern verfolgt. Darunter befinden sich für die erste

Umsetzungsphase bis 2018 Handlungsziele wie „Integrierte Mobilität etablieren“ oder „Klimaverantwortung

übernehmen und intelligenten Umgang mit Ressourcen sichern“, ein Leitprojekt

ist darunter die Bewerbung als „Grüne Hauptstadt Europas“.

Abb. 0.10: Parkleuchten im Grugapark / Feuerwerk „75 Jahre Baldeneysee“ (Quelle: Stadtbildstelle Essen)

6


Themenfeld 01: Klimawandel: Schadensminderung und Anpassung

1 A. Gegenwärtige Situation

Laut CO 2 -Bilanz der Stadt Essen [1] ging die CO 2 -Emission im Stadtgebiet von 6,22 Mio. t im

Jahr 1990 auf 4,77 Mio. t bis 2009 um mehr als 23 Prozent zurück 1 (Abb. 1.1).













































Abb. 1.1: CO 2-Gesamtemissionen mit Vorketten (LCA) / (Quelle: Stadt Essen)

Durch den im Einführungskapitel beschriebenen Strukturwandel bietet sich die Chance, den

wirtschaftlichen Kern der Metropole Ruhr vorbildlich und nachhaltig zu prägen. Um den CO 2 -

Minderungstrend fortzusetzen und zu beschleunigen, ist insbesondere die weitgehende

Dekarbonisierung des Energiesystems durch Steigerung der Energieeffizienz, Energieeinsparungen

bei Strom und Wärme und den Einsatz von Erneuerbaren Energien bei der

Energiewandlung notwendig. Dieser Trend wurde in Essen erfolgreich eingeleitet. Einerseits

ist der Verbrauch von Energieträgern mit ungünstigem Primärenergiefaktor (insb. Heizöl,

Braun- und Steinkohle) deutlich zurückgegangen, andererseits hat sich der

Primärenergiefaktor der dafür mit höheren Anteilen eingesetzten Energieträger verbessert

(Strom, Fernwärme). Dies liegt in erster Linie an der Zunahme der Energiewandlung durch

1

Die Stadt Essen berechnet die CO 2-Emissionen mit dem Tool ECORegion grundsätzlich nach dem

Verursacherprinzip. Es wird daher die Abgabe energiebezogener CO 2-Emissionen von im Stadtgebiet

angesiedelten Haushalten, Wirtschaftsbetrieben und Fahrzeugen dargestellt, die von diesen global, d.h. auch

außerhalb ihres Territoriums verursacht werden. Es erfolgt eine Gesamtbetrachtung, die ebenfalls den

energetischen Bereitstellungsaufwand der Vorketten berücksichtigt ( „Life Cycle Assessment (LCA)“) Durch die

Wahl der vorgenannten Methode erfüllt die Stadt Essen die Forderung des Klimabündnis e.V. und des European

Energy Awards (eea®).

1


erneuerbare Energien, Umweltwärme und Abfall, deren Ausbau seit dem Jahr 2000 deutlich

an Dynamik gewonnen hat.

Positiv wirkt sich das leistungsfähige Fernwärmenetz aus, das überwiegend aus der

Fernwärme-Auskopplung aus dem Müllheizkraftwerk Essen-Karnap gespeist wird und knapp

20% des Raumwärmebedarfs mit einem Primärenergiefaktor von 0,12 deckt. Negativ schlägt

der überdurchschnittliche Anteil von Stromheizungen (Nachtspeicherheizungen NSP) zu

Buche.

Die vorliegende Berechnung von CO 2 –Emissionen bezieht sich auf das Stadtgebiet von

Essen und basiert auf der Erhebung von Struktur- und Verbrauchsdaten der Wirtschaft, der

Verwaltung, der privaten Haushalte und dem Sektor Verkehr. Der der Bilanz

zugrundeliegende Energieverbrauch setzt sich etwa hälftig aus lokalen Daten und aus

Bundeskenngrößen zusammen 2 . Wir beziehen alle Emissionsminderungen auf die

Emissionen im Jahr 1990 im Sinne eines Referenz-Emissionsinventares. Anlagen die im EU-

Emissionshandel erfasst sind, sind nicht in der CO 2 -Bilanz enthalten und emittierten

zusätzlich ca. 240.000 t CO 2 im Jahr 2009 [2]. Ebenfalls unberücksichtigt bleibt der

Stromverbrauch der Aluminiumhütte der TRIMET AG, der einen Anteil von bis zu 45 % pro

Jahr am Gesamtstrombedarf bei gleichzeitig sehr hohen konjunkturellen Schwankungen hat.

Durch Einrechnung des TRIMET-Stromverbrauchs würde die Bilanz in Bezug auf alle

übrigen Sektoren deutlich an Aussagekraft verlieren. So würden Änderungen in den durch

städtische Immobilien verursachten CO 2 -Emissionen überdeckt, denn diese entsprechen mit

59 kt CO 2 nur einem Anteil von 1,2% an den Gesamtemissionen.

Im Jahr 1990 wurden in Essen 9,92 t CO 2 pro Einwohner erzeugt. Bis zum Jahr 2009 gelang

bereits eine Reduzierung auf 8,28 t CO 2 pro Kopf (-16,5%). Damit liegt die Stadt Essen

insbesondere aufgrund des Strukturwandels weit unter dem Landes- und Bundesschnitt. Die

Vergleichswerte lagen 2010 deutschlandweit bei 10 und in Nordrhein-Westfalen bei etwa

17,6 Tonnen pro Kopf [3,4]. Bezieht man die Emissionen der Aluminiumhütte in die

Betrachtung des Jahres 2009 mit ein, so lag die Essener CO 2 -Emission pro-Kopf mit 9,45 t

ebenfalls noch unter dem Bundes- und Landesdurchschnitt.

Mit 2.06 t CO 2 pro Einwohner im Jahr 2009 verursacht der Kraftstoffverbrauch im Verkehr

(ohne Schifffahrts- und Flugverkehr) ziemlich genau ein Viertel der Gesamtemissionen. Den

größten Verursacheranteil an der ausgestoßenen CO 2 -Menge machte 2009 mit 36,7 % bzw.

3,04 t CO 2 pro Einwohner jedoch der Stromverbrauch aus. Trotz einer leichten Steigerung

des Verbrauchs um 59 GWh zwischen 1990 und 2009 sanken die hierdurch verursachten

CO 2 -Emissionen um 16,4%, weil die CO 2 -Intensität des Strommixes rückläufig ist (Abb. 1.2) 3 .

2 Lokale Quellen: Einwohner, Beschäftigte nach Wirtschaftsbranchen, Energielieferungen von Energieversorgungsunternehmen:

Gas-, Strom- und Fernwärmeverbrauch, Primärenergiefaktoren für Fernwärme, Kfz-Zulassungszahlen,

Energieverbrauch der Stadtverwaltung nach Energieträgern nationale Quellen: Strommix,

Energieverbrauch nicht leitungsgebundener Energieträger (Öl, Kohle, Flüssiggas, Holz, Umweltwärme, Biogas,

Sonnenkollektoren), Mittlere Fahrleistung von Kfz

3

Durch die Liberalisierung des Strommarktes ist es nicht möglich, den Energieträger-Mix aller am Essener Strommarkt

vertretenen EVUs anteilig zu bestimmen. Der CO 2-Emissionsfaktor des Strommixes wird daher aus dem

Bundesmix abgeleitet.

2


Die Stadtverwaltung bezieht seit 2010 zertifizierten Ökostrom mit einer deutlich reduzierten

CO 2 -Intensität. (nach 25 % im Jahr 2010 und 29 % im Jahr 2012 seit dem 01.01.2013 100 %

zertifizierten Ökostrom [5].

















Abb.1.2: Entwicklung der Stromlieferungen und der CO 2-Emissionen im Strommix / (Quelle; Stadt Essen)

Ziele des Klima-Bündnis

Reduzierung des CO 2 -Ausstoßes um 10% alle 5 Jahre,

Halbierung der pro-Kopf Emissionen bis spätestens 2030 (Basisjahr 1990),

Schutz der tropischen Regenwälder durch Verzicht auf Tropenholznutzung

Ziel des Konvents der Bürgermeister/innen

Die Unterzeichnerstädte des „Konvents der Bürgermeister“ verpflichten sich, die 20/20/20-

Ziele bis 2020 der Europäischen Union zu übertreffen.

Ziele der Bundesregierung

Reduzierung der CO 2 -Emissionen um 40 % bis 2020 (Basisjahr 1990)

Verminderung der CO 2 -Emissionen um 80 % – 95 % bis zum Jahr 2050

(entsprechend etwa 2,5 Tonnen CO 2 -Äquivalent/Einwohner/in).

Ziele der Landesregierung (Klimaschutzgesetz NRW vom 23.01.2013 / Erstes in

Deutschland)

Klimaschutz wird zur Pflichtaufgabe

Ziel: CO 2 -Einsparung um 25 % bis 2020 / Erstellung eines Klimaschutzplanes für NRW

Abb. 1.3: Die Klimaschutzziele der Stadt Essen [6] / (Quelle: Stadt Essen)

3


1 B. In der Vergangenheit erzielte Ergebnisse

Wir verstehen die Energiewende in Essen als Teil einer nachhaltigen Stadtentwicklung unter

dem Leitbild einer kompakten, ressourcenschonenden Stadt.

Um die Energiewende auf kommunaler Ebene zu managen, setzen wir uns Ziele, gehen

Selbstverpflichtungen ein und bedienen uns kommunaler Klimaschutzmanagement-systeme

wie beispielsweise dem European Energy Award®, die helfen, Fortschritte zu dokumentieren

und zu kontrollieren. Ein Controlling erfolgt durch jährliche Bilanzberichte und CO 2 -

Bilanzierung.

Gegründet auf den Bausteinen des Integrierten Energie- und Klimakonzeptes (IEKK) von

2009 [7] und dem erfolgreichen Beitrag im Wettbewerb „Energieeffiziente Stadt“ 4 verfolgt die

Stadt unter der Dachmarke klima|werk|stadt|essen [8] eine integrierte, nachhaltige und

klimagerechte Stadtentwicklung. Diese Strategie wurde 2012, zwei Jahre nach Beitritt zum

Konvent der Bürgermeister, im Sustainable Energy Action Plan (SEAP) der Stadt dargelegt

Wesentliche Voraussetzung für das Erreichen der Klimaschutzziele ist die umfassende

Beteiligung der Stadtgesellschaften. Essen setzt im Konzept für die Stadt der Zukunft vor

allem auf wachsendes Klimabewusstsein und nachhaltiges Handeln seiner Bevölkerung,

gepaart mit kreativer unternehmerischer Kompetenz bei Energienutzung, Ressourcenschutz

und urbanen Lösungen. Um die Akteure der klima|werk|stadt|essen im Sinne einer neuen

Klimakultur zu vernetzen, wurde 2012 die Klimaagentur Essen gegründet.

Abb.1.4: Zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um den Klimaschutz, die Geschäftsstelle der Klimaagentur

Essen (Quelle: Stadt Essen)

Sie berät, fördert Projekte, organisiert Informationskampagnen, Veranstaltungen und knüpft

Netzwerke.

4 „Klimainitiative Essen – Handeln in einer neuen Klimakultur“ gefördert mit insgesamt 5 Mio. € im Wettbewerb

„Energieeffiziente Stadtdes Bundesforschungsministeriums 2011-2016

4


Zentrale Dienstleistung ist das Sanierungsdienstleistungspaket [9]. Es reduziert die

Komplexität von energetischen Sanierungsmaßnahmen in Kooperation mit der

Kreishandwerkerschaft Essen in einem Energieeffizienz-Partner-System. Für

unterschiedliche Bedürfnisse können nach einer kostenfreien Erstberatung

zielgruppengerechte Dienstleistungspakete angeboten werden, die auf die konkrete

Immobilie, aber auch auf die finanziellen Möglichkeiten zugeschnitten sind.

Daher engagiert sich Essen hier auf vielfältige Weise:

• Mit einem Dienstleistungsangebot der Klimaagentur Essen, welches Hausbesitzer-

/innen in allen Phasen des Sanierungsprozesses von Erstanalyse über Planung,

Finanzierung, Einbeziehung der Mieterschaft und Durchführung der Sanierung

unterstützt.

• Mit Aufnahme energetischer Aspekte in kommunale Förder- und Modernisierungsprogramme

(Hof- und Fassadenprogramm) [10],

• durch Zusammenarbeit mit unserer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Allbau

AG, die jährlich 3% der Fläche energetisch sanieren,

• durch Festsetzung energetischer Standards (Leitfaden für energetisch optimierte

Stadtplanung [11]) bei Bebauungsplänen, bei Verkauf oder Verpachtung

kommunaler Grundstücke,

• durch Bau ganzer Siedlungen im Passivhausstandard (Abbildung 1.5 oben) oder

• durch komplettes Erschließen neuer Baugebiete durch Nahwärmenetze (Abbildung

1.5 unten).

5


Abb.1.5: Energetisch optimierter Wohnungsbau mit innovativen Nahwärmenetzen in Essen:

Klimaschutzsiedlung Dilldorfer Höhe und Seebogen - Kupferdreh (unten rechts)

(Quelle: Stadt Essen)

Die stadteigene Gebäudesubstanz und -technik wird kontinuierlich verbessert. Im Neubau

muss Passivhausstandard erreicht werden (Kindergarten- und Schulbauten realisiert) 5 . Mit

Unterstützung nationaler und regionaler Förderprogramme wurden in den letzten fünf Jahren

[12] über 70 Mio. € in die Gebäudesanierung investiert. Weitere Maßnahmen umfassen

eine verbesserte Verbrauchsüberwachung, die Umsetzung innovativer Finanzierungsmodelle

im Contracting [13], Hausmeister- und Nutzerschulungen (E-Fit [14]). So hat Essen den

Energieverbrauch städtischer Gebäude in den letzten 10 Jahren um 16% von 228 GWh in

2002 auf 192 GWh im Jahr 2012 gesenkt [15].

5

Haus des Lernens – in Essen Haarzopf ,Gymnasium Essen Überruhr vgl. Themenfeld 11

6


Durch ein Sanierungsprogramm der Straßenbeleuchtung mit Komplettersatz der Gasleuchten

und Ersatz von 18.000 L 12-Pilzleuchten durch Natriumdampf-Hochdruckleuchtmittel

wurde der Energieverbrauch in den letzten fünf Jahren um 15 Mio. kWh und die

CO 2 -Emissionen um 3.000 t jährlich gesenkt [16]. Daneben setzt Essen auf LED-

Beleuchtung wie bei der Umstellung von 280 Leuchten im Gruga-Park.

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Allbau AG hat zwischen 2010 und 2013 1.368

Wohneinheiten energetisch modernisiert (ca. 46,1 Mio. € Gesamtinvestitionskosten). Die

Sanierungsquote liegt bei 3% der Fläche/p.a.

In der Sanierung und im Neubau werden die gesetzlichen Anforderungen zur

Energieeffizienz im Mittel um ca. 30% übertroffen. Die Heizverbräuche im Wohnungsbestand

konnten so im Mittel von ca. 145 kWh/m²*a (2003) auf ca. 120 kWh/m²*a (2013) gesenkt

werden. Der Bestand der Nachtspeicherheizungen der Allbau wurde seit 2003 durch

Umstellung auf Zentralheizungen fast halbiert; bis 2020 ist eine weitere Halbierung geplant

(Abb. 1.6).













Abb. 1.6: Bestand an Nachtspeicherheizungen der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft Allbau AG

(Quelle: Allbau AG)

Im März 2013 startete die Stadt Essen mit der RWE Deutschland AG das Projekt „RWE

Flug-Thermografie Essen“ [17]. Mit der flächendeckenden Aufnahme von Wärmeverlusten

der Dächer wurde erstmalig ein „energetischer Fußabdruck“ für eine Großstadt geschaffen.

Mit detaillierten Informationen zur Wärmeabstrahlung von Dachflächen gibt Essen allen

Immobilienbesitzern Anregungen zur energetischen Gebäudesanierung. Ziel des Projektes

ist auch ein Energie-GIS aufzubauen und hiermit einen Energienutzungsplan (zur Planung

der Wärmeversorgung) zu erstellen.

7


Abb. 1.7 Vergleich des Luftbildes und des Thermalbildes der Philharmonie Essen / (Quelle: Stadt Essen)

Neben der Steigerung der Energieeffizienz ist der Ausbau der erneuerbaren Energien

zentraler Baustein der Klimaschutzstrategie der klima|werk|stadt|essen (Abb. 1.8).


Abb.1.8: Entwicklung der Anlagen zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien in Essen nach EEG,

a) Installierte Leistung, b) Stromerzeugung in 2011 [18] / (Quelle: Stadt Essen)

In Essen tragen über 1.200 Photovoltaikanlagen (PV) mit einer Leistung von 15 MWp zur

dezentralen Stromerzeugung bei. Auf städtischen Dächern sind 19 Bürgersolarstromanlagen

mit einer Leistung von 678 kWp bereits realisiert. Weitere Dächer stehen zur Verfügung, um

auch Menschen ohne Immobilienbesitz die Möglichkeit zu geben, in Klimaschutz vor Ort zu

investieren.

Ende 2010 wurde das Essener Solardachkataster veröffentlicht, sodass Hausbesitzer und

Gewerbetreibende feststellen können, ob ihr Dach für PV oder Solarthermie geeignet ist

[19].

Die Stadtwerke Essen AG haben 2012 im Stadtpark Gruga ein Biomasseheizwerk mit einer

Leistung von 1.650 kW Biomasse und 4000 kW Gas angeschlossen (Investitionssumme

8


etwa 4,4 Mio €). Die STEAG Fernwärme AG rüstet 2013 einen der vier Kohlekessel des

Heizwerkes Rüttenscheid in ein Biomethan-Blockheizkraftwerk um (5 MW el ).

Das Müllheizkraftwerk Essen-Karnap liefert Fernwärme für 20% des Essener

Wärmebedarfs 6 . Neben der Fernwärme ist der Ausbau hocheffizienter dezentraler Kraft-

Wärme-Kopplung (KWK) wichtiger Baustein bei der Transformation des Energiesystems in

Essen, mit einer Vielzahl erfolgreicher Umsetzungsbeispiele innovativer Nahwärmenetze in

den letzten Jahren 7 (Abbildung 1.5).

Richtungsweisend ist die Klimaschutzsiedlung [20] Dilldorfer Höhe [21] (68 Wohneinheiten,

davon 17 Einfamilienhäuser, Passivhausstandard und KfW-Effizienzhaus 55, Erdwärmepumpe

plus Solar und PV, Smart Metering).

Der zunehmenden Bedeutung alternativer Mobilitätskonzepte wird Rechnung getragen. In

baulicher und technischer Hinsicht wurden Verbesserungen der Verkehrsinfrastruktur für

Radfahrer, Fußgänger und ÖPNV-Nutzer umgesetzt. Der Radweg Rheinische Bahn wurde

2010 als erster Bauabschnitt eines geplanten Radschnellweges von Duisburg bis Hamm

eröffnet. Über 250 Einbahnstraßen wurden für Radfahrer geöffnet. Über das Leihradsystem

„metroradruhr“ stehen ab 2010/11 in Essen an 50 Stationen über 400 Fahrräder zur

Verfügung. Technische Verbesserungen betreffen im ÖPNV z. B. die Erfüllung der Euro-

Normen 5 und 6 durch die Busflotte, die Anschaffung von 27 neuen Straßenbahnen und

eines Hybridbusses, die Beschleunigung von Straßenbahn- und Buslinien. Fünf

Erdgastankstellen und 80 öffentliche Elektro-Ladesäulen stehen zur Verfügung. Diese

werden unter anderem durch das Elektroauto-Carsharing Projekt Ruhrauto-E [22] mit derzeit

40 Elektro-Autos von über 500 Personen genutzt.

Die Klimaagentur organisiert Kampagnen für den Umweltverbund, wie die Radfahrkampagne

Stadtradeln“. Die Bike- und Carsharingangebote sind im Ticketsystem der

Verkehrsgesellschaft integriert. Auf diese Weise wird die flexible intermodale Mobilität in

Essen Realität.

Um Unternehmen bei der Reduzierung ihres Energie- und Ressourcenverbrauchs zu helfen,

hat Essen vor 10 Jahren ÖKOPROFIT ®8 [23] eingeführt. Über 81 Unternehmen konnten

bisher 39.000 t CO 2 und 94 GWh Energie pro Jahr einsparen.

Mit dem EnergieSparService Essen [24] ist es der Stadt Essen zusammen mit der Neuen

Arbeit der Diakonie gelungen, lokale Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik mit den

Klimaschutzzielen vor Ort zu verbinden. Die Essener Bedarfsgemeinschaften im

Transferleistungsbezug werden in ihren eigenen vier Wänden kostenlos durch 30

Energiesparhelfer beraten. Bei über 2.500 Haushalten wurde dadurch eine

Energieeinsparung von über 1,3 Mio. kWh pro Jahr erzielt.

6 Die Auskopplung von Wärme bei der thermischen Verwertung von Müll ist eine Erzeugung aus Erneuerbaren

Energien im Sinne des EE-Wärme Gesetzes

7 Bspw. Nöggerath Siedlung (26 EFH), Seebogen Kupferdreh (46 EFH, 5 MFH), Borbecker Börde (86 EFH),

Gewobau (Bioerdgas BHKW (549 KW) zur Versorgung von 800 WE, Ärztehaus, Ladenzentrum und Altenheim)

8 Vgl. Themenfeld 10

9


Essen bezieht die Anpassungserfordernisse an den Klimawandel mittels planerischer

Vorsorge in die integrierte Stadtentwicklung ein, beispielsweise im Projekt Stadtklima

ExWoSt [25] in enger Kooperation mit dem Regionalprojekt dynaklim [26]. Hier wurden die

Folgen des Klimawandels für die Gesamtstadt identifiziert und Anpassungserfordernisse auf

Stadtebene und für ausgewählte Quartiere definiert.

Es wurde ein integriertes Maßnahmenkonzept zur klimagerechten Stadtentwicklung aufgestellt;

der Handlungsschwerpunkt liegt im Bereich Hitze. Es bestehen insbesondere in den

hochverdichteten Quartieren Bereiche, die sich als Hitzeinseln ausprägen. Stadtumbau,

energieeffizientes Bauen und die Anlage eines klimatisch wirksamen Sees wurden

beispielhaft im Stadtumbaugebiet Niederfeld in Altendorf verbunden. Über die Initiative

„Einzeleigentümer (IdEE)“ 9 , die Beraterpools und Akteursnetzwerke entwickelt, werden

Hauseigentümer zur Sanierung ihrer Wohnungsbestände angeregt (siehe auch Themenfeld

12C) [27]

Abb. 1.9: Städtebaulicher Entwurf der ALLBAU Siedlung am Niederfeldsee mit Brücke des Radschnellwegs

(Quelle: Stadt Essen)

9 Das Projekt wird von der Landesregierung gefördert und erfolgt in Kooperation mit dem Hauseigentümerverband

Haus und Grund, der Kreishandwerkerschaft, städtischen Dienststellen, Energieberatern und weiteren

Institutionen. (http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_68/idee_altendorf.html)

10


1 C. Zukunftspläne

Essen möchte mit der Umsetzung seiner Klimaschutzstrategie Verantwortung übernehmen,

die Chancen zur nachhaltigen Stadtentwicklung ergreifen und Vorbild sein. Die Stadt Essen

übernimmt das nationale Zielsystem [28] als Beitrag für die Erreichung der europäischen

Klimaschutzziele. Neben dem zentralen Meilenstein einer Reduzierung der CO 2 -Emissionen

um 40% bis 2020 gegenüber 1990 bedeutet dies auch die mittel- bis langfristige

weitgehende Dekarbonisierung mit Emissionsminderungen von 80-95% bis 2050.

Aufgrund der unterschiedlichen Standortbedingungen für die Nutzung erneuerbarer Energien

lassen sich die Ziele nur über regionale Konzepte und mithilfe von interkommunalen

Kooperationen realisieren. Auch die Lösungen vieler Mobilitätsprobleme haben Stadt-

Umland-Bezug. In der Wärmeversorgung kommt der Verbindung der Fernwärmeschienen

Rhein-Ruhr und der damit verbundenen Verbesserung der Möglichkeiten zur Integration von

Wärme aus erneuerbaren Energien eine Schlüsselrolle zu.

Die Aufstellung eines Energienutzungsplans (ENP) soll helfen die Potenziale der KWK, von

Fern- und Nahwärmenetzen und insbesondere der Abwärmenutzung auch über die

Stadtgrenzen hinaus konsequent auszuschöpfen. Grundlage ist neben Auswertung der

„RWE Thermalbefliegung“ eine Datenerhebung über einen Crowd-Sourcing Ansatz 10 und

eine Auswertung zu Strom- und Wärmelieferungen der Energieversorgungsunternehmen.

Der ENP berücksichtigt zusätzlich soziale, ökonomische, stadtstrukturelle und ökologische

Fragestellungen. Die Komplexität der Akteurskonstellationen stellt ein zentrales Hemmnis –

insbesondere für den Ausbau von Quartiersansätzen wie Wärmenetzen – da. Zentrale

Strategie ist daher die konsequente Erweiterung des Informations- und Beratungsangebots

der Klimaagentur. Eine Beratung soll dabei nicht isoliert und nur für Einzelobjekte erfolgen,

sondern die energetische Modernisierung der Quartiere, die Potenziale für erneuerbare

Energien und die vorhandenen Akteurskonstellationen sollen gemeinsam betrachtet werden,

um daraus ganzheitliche Sanierungsstrategien abzuleiten. Anschließend soll die

Klimaagentur Akteure vor Ort - sowohl auf der Investoren- als auch auf der Kundenseite -

aktivieren und koordinieren.

Einen großen Schritt auf dem Weg zur Minderung des Gesamtenergieverbrauches möchte

Essen durch den vollständigen Ersatz der klassischen elektrischen Nachtspeicherheizungen

erreichen. Für die eigenen Gebäude besteht die Planung, alle Nachtspeicherheizungen bis

2025 zu ersetzen. Für Gebäude im Privatbesitz entwickelt die Stadt derzeit

Anreizprogramme.

Eine intelligente flexible Nutzung der Mobilitätsangebote des Umweltverbundes, vom

ertüchtigten ÖPNV über Carsharing, Bikesharing auch für Elektroautos und -fahrräder sollen

Ausdruck einer von der Bevölkerung und Wirtschaft verinnerlichten und gelebten Klimakultur

werden. Über den Trend zur Elektromobilität können Synergien auch für die Luftreinhaltung

10 Die Bürgerinnen und Bürger werden gebeten freiwillig in der Klimaagentur und übers Internet Kennzahlen zu

ihren Gebäuden zu nennen, die unmittelbar in das Geoinformationssystem des Energienutzungsplans

einfließen

11


und Lärmminderung erzielt werden. Zur Förderung des Radverkehrs bauen Stadt und RVR

das Radwegenetz forciert aus. Die „Fahrradautobahn“ Radschnellweg Ruhr als zentrale

West-Ost-Pendlerverbindung 85 km durch das Ruhrgebiet von Duisburg bis Dortmund soll

Realität werden [29]. Die auch klimatisch wichtige Vernetzung der Grün- und Freiräume wird

durch Neue.Wege.zum.Wasser [27] und andere Projekte des Emscher-Umbaus [30]

realisiert. Zur Begrenzung der Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels sollen

weiterhin dauerhaft mehr als die Hälfte der Stadtfläche für Grün-, Frei- und Wasserflächen

zur Verfügung stehen [31].

Dafür steht das Konzept der klima|werk|stadt|essen. Unter dieser Dachmarke ist die

Weiterentwicklung und Umsetzung der Klimaschutzstrategie organisiert. Dabei werden

kontinuierlich Projekte abgeschlossen und neue Projekte aufgenommen. Derzeitig sind 129

konkrete Projekte im Aktionsplan bis 2020 vorgesehen [32] mit im Regelfall gesicherten

Ressourcen.

Um das Ziel der 40%igen Emissionsminderung bis 2020 gegenüber 1990 zu erreichen,

müssen noch gut 1 Mio. t CO 2 pro Jahr weniger verursacht werden. Beispielhaft sollen durch

• die Sanierung von 20% der Wohnfläche auf Passivhausstandard (-198.000 t CO 2 )

den Komplettaustausch der Nachtspeicheröfen (-34.000 t CO 2 ),

den Ausbau der KWK bis 25% des Stromanteils 11 (-9.000 t CO 2 )

den Ausbau der Solarthermie (0,33 qm /EW ) und Windkraft (3 Windenergieanlagen à

2,5 MW) (-24.000 t CO 2 ) und

• die Verlagerung im Modal Split mit jeweils 3% mehr zu ÖPNV und Radverkehr

(- 64.000 t CO 2 )

insgesamt ca. ein Drittel dieser 1 Mio. t eingespart werden. Eine Steigerung der

Sanierungsquote im privaten Wohnungsbestand von derzeit ca. 1% auf 3% im Jahr kann die

übrigen zwei Drittel beitragen. Mit dem Arbeitsprogramm der klima|werk|stadt|essen versucht

Essen diese Meilensteine durch konkrete Maßnahmen zu erreichen. Die anvisierten Erfolge

im Klimaschutz sind wesentlich davon abhängig, inwieweit Aktivitäten von Unternehmen,

Hausbesitzern und der Bevölkerung entwickelt und umgesetzt werden. Daher setzt die

klima|werk|stadt|essen auf die Integration der Stadtgesellschaft. Auch die Essener Schulen,

Unternehmen, Vereine, Verbände und Initiativen sowie die Bevölkerung setzen Projekte um,

können diese unter dem Dach der klima|werk|stadt|essen vorstellen und voneinander

lernen. 12

Die Strategie basiert auf der Grundannahme, dass strukturelle und technologische

Klimaschutzmaßnahmen sich nicht allein auf dem Weg politischer Steuerung verordnen

lassen, sondern ein Engagement lokaler Akteure und deren Kooperation unabdingbare

Voraussetzung sind. Daher soll eine für die Metropole Ruhr charakteristische regionale

Klimakultur in der Stadt Essen entwickelt werden. Diese neue Klimakultur wird Rahmen und

Grundlage für ein klimabewussteres Leben und Handeln werden und in Maßnahmen zur

11 gemäß KWK-Deckungsziel im Bund

12 Im Kapitel Integriertes Umweltmanagement wird die Vielfalt näher dargestellt

12


Energieeinsparung, zur Nutzung regenerativer Energieträger und in klimaeffizientes Handeln

münden.

Zur Finanzierung von Klimaschutzprojekten ist die Einrichtung eines revolvierenden

Bürgerfonds geplant. Ziel ist es, Kapital für Projekte zur Energieerzeugung auf Basis

Erneuerbarer Energien sowie weiterer Klimaschutzmaßnahmen in Essen zu erschließen.

Somit wird eine sinnvolle Ergänzung zur Bereitstellung freier kommunaler Dachflächen für

private Photovoltaik-Anlagen als Bürgersolaranlagen für Menschen ohne

Immobilieneigentum geschaffen.

Die Steuerung ist organisatorisch gesichert (Abb. 1.10) und in Themenfeld 12 beschrieben.

Abb. .1.10: Organisationsstruktur der klima|werk|stadt|essen (Quelle: Stadt Essen)

D. Hinweise

[1] CO 2 -Bilanz 1990-2009, http://www.klimawerkstadtessen.de/klimawandelpolitik/klimabilanz-essen.html

[2] Deutsche Emissionshandelsstelle DEHSt (2013): „Emissionshandelspflichtige

Anlagen in Deutschland 2008-2012 (28.02.2013)“, insgesamt 7 Anlagen in Essen

[3] Umweltbundesamt (2012): CO 2 -Emissionen nach Quellkategorien

[4] Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) 2012:

Treibhausgas-Emissionsinventar Nordrhein-Westfalen 2010

[5] Rat der Stadt Essen: Entscheidung 0374/2012/6A

[6] http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+IM-

PRESS+20081208BKG44004+0+DOC+XML+V0//DE

[7] Stadt Essen (2009-2012) „Integriertes Energie- und Klimakonzept der Stadt Essen

und Bilanzberichte 2011 und 2012 unter

13


http://www.klimawerkstadtessen.de/klimawandel-politik/

[8] http://www.klimawerkstadtessen.de/service/ueber-die-klimawerkstadtessen.html

[9] http://www.klimawerkstadtessen.de/stadtentwicklung-bauen/bauen-sanieren.html

[10] http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_0116/Soziale_Stadt/Soziale_

Stadt_Altendorf/Fassaden_Altendorf/Foerderprogramm_Fassadenbegruenung.html

[11] Stadt Essen (2009): „Leitfaden für eine energetisch optimierte Stadtplanung“,

http://www.essen.de/de/Leben/planen__bauen_und_wohnen/planen/Aktuelle_Stadtpl

anungen/Klimaschutz.html

[12] Rat der Stadt Essen: 1. Konjunkturpaket II = Gesetz zur Umsetzung von

Zukunftsinvestitionen der Kommunen und Länder (Zukunftsinvestitionsgesetz -

ZuInvG) hier: Maßnahmen in Essen – Abschlussbericht,, Ratsvorlage Nr.

0706/2012/6A und 2. Investitionspakt (Bund/Länder/Kommunen) zur energetischen

Erneuerung sozialer Infrastruktur zuerst beschrieben in Ratsvorlage Nr.

0199N/2009/6A

[13] Rat der Stadt Essen: Entscheidung 1074/2013/6A „Vergabe der Lieferung von

Kälteenergie für das Rathaus Essen, Porscheplatz 1, 45127 Essen, nach

europaweiter Ausschreibung“ (nicht öffentlich)

[14] Energiesparwoche E-Fit im Essener Rathaus,

http://www.energieagentur.nrw.de/news/energiesparwoche-e-fit-im-essener-rathaus-

5044.asp, "E-Fit"-Tag im Gildehof-Center,

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_193700.html, Energiespartag Efit

in der Volkshochschule,

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_545610.html

[15] Stadt Essen (2013): Energiebericht (der Immobilienwirtschaft) 2013,

vergleiche auch Handlungsfeld 11 „Energieeffizienz“

[16] Rat der Stadt Essen: Entscheidung Vorlage 1537/2010/6A,

[17] Homepage des Projektes RWE Thermalbefliegung Essen:

http://www.essen.de/thermografie

[18] Daten zu Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien nach § 52

Abs. 1 Nr. 1 Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)

[19] Homepage der Solarenergieanalyse Essen: http://www.stadtwerkeessen.de/produkte/service-1-1/solarenergieanalyse.html

[20] Landesprogramm 100 Klimaschutzsiedlungen in Nordrhein-Westfalen:

http://www.100-klimaschutzsiedlungen.de/

[21] Klimaschutzsiedlungen in Essen:

http://www.klimawerkstadtessen.de/service/klimaprojekte-inessen/klimaschutzsiedlungen.html,

Klimaschutzsiedlung Dilldorfer Höhe,

http://www.allbau.de/wir-ueber-uns/unternehmen/dilldorfer-hoeheklimaschutzsiedlung.html

14


[22] http://www.ruhrauto-e.de

[23] http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Oekoprofit.html

[24] Homepage des EnergieSparService Essen: http://www.neue-arbeitessen.de/index.php?id=215

[25] StadtKlima ExWoSt im Bundesmodellvorhaben des Experimentellen

Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt)

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Klima/bundesmodellvorhaben_des_experimen

tellen_wohnungs__und_staedtebaus__exwost_.html

[26] Dynaklim = Dynamische Anpassung regionaler Planungs- und

Entwicklungsprozesse an die Auswirkungen des Klimawandels am Beispiel der

Emscher-Lippe-Region finanziert im BMBF Projekt Klimzug, http://www.dynaklim.de/

[27] ESSEN.Neue Wege zum Wasser: http://www.neuewegezumwasser.de

[28] Bundesregierung (2010): „Energiekonzept für eine umweltschonende,

zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung“,

http://www.bundesregierung.de/Energiekonzept

[29] Auf einer 85 Kilometer langen Strecke sollen 8 Zentren der Metropole Ruhr,

davon 4 Oberzentren, 4 Universitäten und mehr als 1.000.000 Einwohner durch den

Radschnellweg Ruhr verbunden werden. Vgl. u.a.

http://www.metropoleruhr.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungendetail/archive/2013/july/article/radschnellweg-ruhr-plaene-sorgen-bundesweit-fuerinteresse-rvr-organisiert-laenderuebergreifend-a.html

[30] Masterplan emscher:zukunft:

http://www.neuewegezumwasser.de/index.php?center=progra/emscherumbau.php&n

avi=navigation/programm.php&re=progra/navi_emscherumbau.php

[31] Ausführlich erläutert im Themenfeld 4 „Natur und Biodiversität“

[32] Rat der Stadt Essen. Entscheidung 1238/2013/1A „klima|werk|stadt|essen:

Fortschreibung des Integrierten Energie- und Klimakonzeptes der Stadt Essen

15


Themenfeld 02: Nahverkehr

2 A. Gegenwärtige Situation

In der Stadt Essen leben ca. 571.000 Einwohner auf einer Fläche von 210 km². Mit einer

Bevölkerungsdichte von ca. 2.700 EW/km² ist die Stadt Essen Teil des hochverdichteten

Ballungsraums Metropole Ruhr mit ihren vielfältigen verkehrlichen Verflechtungen.

Die Siedlungsstruktur der Region wurde vor allem durch die Industrialisierung und die Nordwanderung

des Steinkohlenbergbaus geprägt. Mit dem Beginn im 19. Jahrhundert wurde aus

einer eher ländlich geprägten Siedlungsstruktur in kurzer Zeit eine durch aufstrebende Industrieunternehmen

geprägte Stadtentwicklung mit einer sprunghaften Einwohnerentwicklung.

Weite Flächen wurden für Industrie- und Verkehrsanlagen erschlossen, Zechen- und

Arbeitersiedlungen entstanden. Sie beeinflussen bis heute die Siedlungsstruktur der Stadt.

Nach dem II. Weltkrieg wurde die Gelegenheit genutzt, die Stadt mit starker Funktionstrennung

und autogerecht wieder aufzubauen, oftmals ohne Flächen für den Radverkehr oder

den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auszuweisen.

Dies zeigt sich auch in den Angaben zur Mobilität der Essener Bevölkerung, in der Wahl der

Verkehrsmittel entscheiden sich ca. 54 % (Fahrer und Mitfahrer) für den Pkw als Transportmittel.

Erste Anzeichen einer Trendumkehr sind erkennbar. Noch 2001 lag der Radverkehrsanteil

bei 3 %, heute nutzen 5 % das Rad als Verkehrsmittel. Der ÖPNV hat seinen Anteil in

den letzten 10 Jahren um etwa 3 % auf 19 % steigern können, 22 % aller Wege werden zu

Fuß erledigt (1).

Die Verkehrssituation der Stadt wird auch wesentlich durch das Pendleraufkommen bestimmt,

ca. 140.000 Einpendler und ca. 88.000 Auspendler charakterisieren das werktägliche

Verkehrsaufkommen in Essen und führen zu einem Pendlersaldo von 52.000 Personen (2).

Es gibt in Essen 16 km Fahrradstraßen und 68 km Radwege (Radfahrstreifen und Bordsteinradwege).

Von diesen 68 km Radwegen sind 59 km beidseitig, 9 km nur in einer Fahrtrichtung

nutzbar. Zudem sind an 7 km beidseitig Schutzstreifen markiert, sowie 21 km freigegebene

Geh- und Radwege vorhanden. Inklusive der Fahrradstraßen in Nebenstraßen verfügt

das Essener Straßennetz über insgesamt rund 109 km Radwege. Dies ergibt eine Länge von

0,19 Metern Radweg pro Einwohner der Stadt.

Darüber hinaus sind weitere 262 km Radwege in den Grünbereichen der Stadt, abseits von

Straßen, als gemeinsame Geh- und Radwege vorhanden. Mit Überschneidungen existieren

ausgewiesene Radrouten für den Freizeitradverkehr in einer Länge von ca. 150 km.

Öffentlicher Personennahverkehr

Das Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs im Stadtgebiet Essen differenziert sich in:

den Schienenpersonennahverkehr [Aufgabenträger: Zweckverband Verkehrsverbund

Rhein-Ruhr (VRR)],

• und den Straßengebundenen Öffentlichen Personennahverkehr (Aufgabenträger: Stadt

Essen)

Schienenpersonennahverkehr (SPNV)

Der SPNV umfasst die Produkte RegionalExpress, RegionalBahn und S-Bahn.

Sie dienen der Verknüpfung der Stadt Essen mit den Nachbarstädten; die S-Bahn übernimmt

mit der Direktanbindung einzelner Stadtteile an die Innenstadt auch wichtige innerstädtische

Erschließungsaufgaben.

1


Straßengebundener Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)

Das ÖPNV-Netz in Essen differenziert sich in ein TagNetz und in ein NachtNetz. Im TagNetz

übernehmen drei Stadtbahn-, sieben Straßenbahn- sowie 45 Buslinien die ÖPNV-

Bedienung. Täglich ab 23.30 Uhr erfolgt die Umstellung auf das NachtNetz mit 18 Linien im

Busverkehrssystem und 20 TaxiBus-Linien.

Insgesamt sind 44 % der Essener Bevölkerung an den kommunalen Schienenverkehr direkt

angebunden. Etwa ein Drittel aller Einwohner wird ausschließlich durch das Busnetz erschlossen.

77,3 % der Einwohner Essens haben ihren Wohnstandort innerhalb eines 300-Meter-Radius

einer ÖPNV-Haltestelle, die in einem Takt zwischen 5 und 60 Minuten bedient wird.

54 % aller Wege die die Essener Bevölkerung zurücklegt sind kürzer als 5 km, berücksichtigt

wurden hierbei alle Verkehrsträger. Der Anteil der privaten Autofahrten unter 5 km liegt bei

ca. 39 % und teilt sich in 29 % Pkw-Fahrer und ca. 10% Mitfahrer auf.

58 % der Busflotte der EVAG und 36 % der privaten Busflotten entsprechen der Abgasnorm

EEV (Enhanced Environmentally Friendly Vehicle) / EURO V, das sind über alle Busse insgesamt

54 % (233 Busse). Seit 2010 ist zusätzlich ein Hybridbus im Einsatz.

Ca. 50 % der Nahverkehrsleistung wird in Essen durch Straßenbahnen im Elektrobetrieb

erbracht.

2 B. In der Vergangenheit erzielte Ergebnisse

Die Essener Untersuchungen zur Mobilität aus den letzten 20 Jahren zeigen, dass im Umweltverbund

Verschiebungen zu Gunsten des ÖPNV und Zuwächse beim Radverkehr zu

verzeichnen sind. Der Fußgängeranteil ist rückläufig. Es gibt keine wesentlichen Veränderungen

der Pkw-Nutzung in der Stadt (siehe Abb. 2.1). Mit aktuell 54 % liegt der Nutzungsanteil

des Pkws auf einem gleichbleibend hohen Niveau. (1)

Abb. 2.1: Entwicklung der Verkehrsmittelwahl (alle Wege) in Essen nach den Befragungen 1989, 2001 und 2011

in % (Quelle: Haushaltsbefragung zur Mobilität Essen 2011, Stadt Essen 2012)

Um die positiven Trends der Verkehrsmittelwahl zu unterstützen und den festen Block der

Pkw-Nutzung aufzuspalten, sind in den letzten Jahren umfangreiche Maßnahmen angegangen

worden.

2


Im Bereich des ÖPNV konnten viele Einzelprojekte zur Unterstützung der im Nahverkehrsplan

aufgeführten ÖPNV-Ziele umgesetzt werden. Eine Auswahl kann der folgenden Auflistung

entnommen werden:

• Einführung eines Bus-Nachtnetzes

• Busflotte 100 % Niederflur; sukzessive Umstellung auf EEV-Standard

Seit 2007 sind 107 neue Busse mit dem EEV-Standard mit einem Investitionsvolumen

von ca. 32,4 Mio. € beschafft worden.

• Teilw. Beschleunigung von Straßenbahnstrecken über Lichtsignalanlagen

• Barrierefreier Umbau von ca. 64 Bushaltestellen und ca. 12 Straßenbahnhaltestellen

sowie größerer Verknüpfungspunkte z.B. Verkehrsplatz Steele

(s. u.).

Abb. 2.2: Verkehrsplatz Steele nach Inbetriebnahme (Quelle: Stadtbildstelle Essen)

Umbau des Hauptbahnhofes und Umfeldes sowie Bau des Zentralen Omnibusbahnhofs

(ZOB) und des Fernbusbahnhofs.

Die Umbaukosten des Hauptbahnhofes betrugen ca. 65 Mio. €, die Baukosten für das

Bahnhofsumfeld lagen bei ca. 7,4 Mio. €, für den Fernbusbahnhof bei 400.000 € und für

den ZOB (s.u.) bei ca. 2,6 Mio. €

Abb. 2.3: Zentraler Omnibusbahnhof am Hauptbahnhof (Quelle: Stadtbildstelle Essen)

3


• Einrichtung der Straßenbahnlinie 107 als sogenannte Kulturlinie zur Kulturhauptstadt

Europas 2010

• Einrichtung Seelinie und eines kostenfreien Museumsbusses bei größeren Ausstellungen

im Folkwang-Museum

• Kostenloser Begleitservice im ÖPNV für mobilitätseingeschränkte Personen seit

2005 (von 07.30 Uhr - 19.00 Uhr)

• Einführung von rabattierten Firmentickets.

Heute beziehen in 134 Firmen rund 18.000 MitarbeiterInnen ein Firmenticket.

• Bustrainings für Senioren 50+; Kinder; Hunde und Halter

• Seit 2007 „EVAG macht Schule“: Verkehrserziehung durch Theater "Straßenbahnmusical

"

• Mobilitätsgarantie bei Verspätung von > 20 Min. kostenlose Taxibenutzung möglich

oder Fernverkehrszug DB

• Kooperation ÖPNV/Radverleih: Vergünstigung für EVAG Abo-Kunden 30 Min. kostenfrei

• Kooperation ÖPNV/Carsharing: Vergünstigung für EVAG Abo-Kunden bei Stadt

mobil, Ruhrauto-e

Insgesamt sind an ca. 33 Stationen 91 Carsharing-Fahrzeuge verfügbar.

• Ausbau der Dynamischen Fahrgastinformation an ÖPNV-Haltestellen

• Aufbau eines ÖPNV-Wegweisungssystems in der Essener Innenstadt

• Einführung eines Neueinsteiger-Pakets der EVAG für Neubürger der Stadt

(1. Auflage 10.000 Exemplare, Ausgabe ab 12/2012)

Der Pkw-Verkehr besitzt im Ruhrgebiet traditionell eine hohe Wertigkeit, die über gezielte

Maßnahmen verändert werden soll. Sie umfassten in den letzten Jahren insbesondere

folgende Ansätze:

• Teilnahme am dena-Projekt „effizient mobil“

Mit den Mitteln des Mobilitätsmanagements sollen vor allem Betriebe und Kommunen ihre

Mitarbeiter und Bürger gezielt zum Umstieg vom Pkw auf energieeffizientere Verkehrsmittel

motivieren.

• Neue Mobilitätskonzepte für die Stadt der Zukunft (siehe unter 2.c)

• 2007, 2009 Eco-Fahrtraining mit Mitarbeitern des Umweltamtes der Stadt Essen:

ökonomische Bedienung und Verwendung von Fahrzeugen

• Ausbau des Radwegenetzes (s.u.)

• Einrichtung von Bewohnerparkzonen (Innenstadt, Ostviertel, Museum und Sternviertel)

• Einrichtung eines Digitalen Parkleitsystems in der Innenstadt

4


Das Parkleitsystem steuert über 120 dynamische Hinweistafeln den Zufluss auf 12.000

Parkplätze.

• Mitpendler.de zur Bildung von Fahrgemeinschaften über ein gemeinsames Internetportal

mit NRW-weit 34 Städten und Kreisen als Partner.

• Einrichtung einer Umweltzone Ruhrgebiet

Zur Einhaltung der im Luftreinhalteplan beschriebenen Ziele wurde mit Wirkung ab dem

01.01.2012 eine zusammenhängende, großräumige Umweltzone Ruhrgebiet eingerichtet.

Ab dem 01.07.2014 dürfen in die Umweltzone Ruhrgebiet nur Fahrzeuge mit grüner

Plakette einfahren.

Das Maßnahmenpaket zur Förderung des Radverkehrs setzte sich in den vergangenen Jahren

aus mehreren Bausteinen zusammen.

Die Stadt Essen ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Städte, Gemeinden

und Kreise e.V. Im März 1995 ist das Radverkehrs-Hauptroutennetz in seiner bisher

gültigen Form beschlossen worden. Es beinhaltet die Hauptachsen für den Radverkehr, die

die Stadtbezirke mit der Innenstadt und miteinander verbinden, integriert sind die regionalen

Routen des Radverkehrsnetzes NRW. Ein Ergänzungsnetz verdichtet das Hauptroutennetz

auf Stadtbezirksebene und stellt die Verbindung der Stadtteile untereinander sicher. In den

letzten Jahren haben sich in Essen wesentliche städtebauliche und verkehrliche Veränderungen

ergeben, die auch einen nachhaltigen Einfluss auf das Radverkehrs-Hauptroutennetz

genommen haben.

Hier sind insbesondere zu nennen:

- Projektentwicklung „ESSEN.Neue Wege zum Wasser“

(siehe auch Kapitel „Städtische Grünflächen“)

- Umbau ehemaliger Bahntrassen zu Fuß- und Radwegen

- Fortentwicklung städtebaulicher Projekte (z.B. Universitätsviertel, Kupferdreh, Kruppgürtel,

Niederfeldsee) mit durchbindenden Radverkehrsanlagen und Anschluss an das

Radverkehrsnetz

Zur Weiterentwicklung des Radnetzes existieren 47 kleinere Maßnahmen und folgende

Großprojekte:

Projekt / Radroute

• Zollverein

• Nordsternweg

• Berneroute

• Wasserroute

Stadtroute

• Naturroute

• Rheinische Bahn

• Grugatrasse

Strecke (km)

6,9

5,0

8,7

18,0

18,0

16,0

4,6

11,4

Unter den Web-Adressen: www.neuewegezumwasser.de/essenerfahren/index.html und

www.essenerfahren.de/raderlebnis.html sowie www.perpedal.essen.de können Details zu

den einzelnen Projekten sowie Radverkehrsangeboten aufgerufen werden.

So wurden z.B. in den Jahren 2006 bis 2012 ca. 630.000 € in Radverkehrsanlagen mit einer

Gesamtlänge von ca. 14.000 m investiert.

5


Im Rahmen der Projekte „ESSEN.Neue Wege zum Wasser“ wurden ca. 9,6 Mio. € eingesetzt.

Abb. 2.4: Radtrasse Rheinische Bahn (Grün und Gruga Essen) / Metropolrad Ruhr

(Quelle: Essener Verkehrs AG)

Ein weiteres Projekt ist die Freigabe von 252 Einbahnstraßen mit Längen zwischen 50 und

500 Metern für den Radverkehr (3)

Die positiven Entwicklungen im Radverkehr sollen auch durch die erfolgte Installation und

den Ausbau des Metropolrad-Fahrradverleihsystems unterstützt werden.

Das öffentliche Mietradsystem „metropolradruhr“ ist ein durch das Bundesministerium für

Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) gefördertes Modellvorhaben. Der Aufbau des

stationsorientierten Systems wurde in Essen im September 2012 abgeschlossen.

In Essen sind 51 automatisierte Ausleihstandorte mit über 400 Fahrrädern in Betrieb.

Das Leihradsystem wurde gezielt auch an stark frequentierten Haltestellen des Nahverkehrs

errichtet, um den Umstieg zwischen Bus / Bahn auf das Leihrad zu erleichtern. Die angestrebte

intermodale Nutzung soll in dieser Kombination sowohl Rad- wie Nahverkehr stärken

und Mobilitätsalternativen offerieren. Durch den stetigen Ausbau des Stationssystems und

zahlreichen Marketingmaßnahmen im letzten Jahr sind die Nutzungszahlen von 5.600 (2011)

auf 13.872 (2012) gestiegen:

Wirkungsvollste Maßnahmen

Zu den wirkungsvollsten Maßnahmen im lokalen Verkehr zählen die oben genannten Schritte

zur Stärkung und Sicherung des ÖPNV-Angebotes und der Infrastruktur. Trotz Einwohnerrückgang

in Essen konnten die Fahrgastzahlen des ÖPNV gesteigert werden, fuhren im Jahr

2011 noch 122,8 Mio. Fahrgäste mit dem Nahverkehr, waren es 2012 schon 125,3 Mio. Personen.

Täglich werden ca. 340.000 Fahrten unternommen.

Neben der Weiterentwicklung der Radinfrastruktur haben drei neue Nord-Süd Routen für den

Radverkehr und gemeinsam mit dem Regionalverband Ruhr (RVR) ausgebaute Ost-West-

Verbindungen im Ruhrtal sowie z.B. die ehemalige Bahnstrecke zwischen Mülheim und dem

Ruhrtal oder die Rheinische Bahn erfolgreich zum Anstieg des Radverkehrs beigetragen.

Sehr wirkungsvoll war auch die Öffnung von 252 Einbahnstraßen für den Radverkehr. Sie

führt zu einer höheren Durchlässigkeit im Radnetz und verbessert die Erschließung der

Stadtteile und Wohnquartiere.

6


Einbeziehung von Interessengruppen

Die Einbeziehung von Interessengruppen erfolgt in der Regel projektbezogen. Größere Planungsprojekte,

wie z.B. das Verkehrskonzept Essen-Werden, beinhalten als festen Bestandteil

eine Bürgerinformation. Eine ausführliche Bürgerbeteiligung erfolgte ebenfalls im Strategieprozess

Essen.2030 (siehe Kap. 12c), online, in Vor-Ort-Veranstaltungen in den Bezirken

und in Extraterminen haben Interessierte ihre Belange, z.B. zu Verkehrsthemen, eingebracht.

Regelmäßig kommen im Arbeitskreis Radverkehr die Interessenvertreter des Radverkehrs

und Mitarbeiter der Verwaltung zu Abstimmungsterminen zusammen. Im Arbeitskreis „Barrierefreier

ÖPNV“ tauschen sich die Behindertenverbände, die zuständigen Mitarbeiter der

Stadtverwaltung unter Vorsitz der EVAG über aktuelle Entwicklungen und Anforderungen an

den ÖPNV aus. Weiterhin gibt es Gespräche mit dem Fahrgastverband Pro Bahn zu ÖPNV-

Themen der Stadt und werden Verkehrsthemen auch mit dem Runden Umwelttisch, in einer

festen Sitzungsfolge, besprochen.

Die EVAG lädt seit 2012 zwei Mal pro Jahr zu einem Kundenforum ein, bei dem rund 60

Fahrgäste die Gelegenheit haben, mit Verantwortlichen des Unternehmens über den Nahverkehr

in Essen zu sprechen.

2 C. Zukunftspläne

Mit der Neuaufstellung des Regionalen Flächennutzungsplanes 2009 (RFNP) wurden auch

Grundsätze zur Mobilität formuliert, die den Umweltverbund und die Verkehrsvermeidung

herausstellen (4).

• Grundsatz 43: Mobilität sichern und Anteile des Umweltverbundes erhöhen

Die Mobilität und die Erreichbarkeit von Menschen und Gütern soll raum- und umweltverträglich

erhalten, verbessert oder geschaffen werden. Dabei sollen die Anteile der

umweltverträglichen Verkehrsmittel am Verkehrsaufkommen erhöht werden.

• Grundsatz 44: Verkehrsvermeidung / -verlagerung / -optimierung

Verkehrskonzepte sollen sich an den Zielen der Verkehrsvermeidung / -verlagerung / -

optimierung orientieren.

Zur weiteren Konkretisierung werden für die einzelnen Verkehrsträger Zielgrößen aufgezeigt.

Ausgehend von den Haushaltsbefragungen der vergangenen Jahre sollen in Stufen zukünftig

folgende Modal Split Zielwerte erreicht werden:

1989 2001 2011 2020 2035

ÖPNV 12 % 16 % 19 % 21 % 25 %

MIV 55 % 54 % 54 % 44 % 25 %

Fahrrad 4 % 3 % 5 % 11 % 25 %

Zu Fuß 29 % 27 % 22 % 23 % 25 %

Abb. 2.5: Modal Split Entwicklung und Zielwerte für Wegeanteile in der Stadt Essen

* MIV = motorisierter Individualverkehr

7


Zur Unterstützung der Zielbeschreibung Verkehr werden folgende Schwerpunktzielsetzungen

verfolgt:

1. Verringerung der Gesamttransportnachfrage;

Masterplan Einzelhandel 2011

Ziel ist es, gewachsene Einzelhandels-Strukturen der Innenstadt und der Ortszentren zu erhalten,

um negativen Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen entgegenzusteuern (5).

Lkw-Routenplanung im Rahmen des Luftreinhalteplans Ruhrgebiet (LRP)

Es wird das Ziel verfolgt, eine stadtverträgliche LKW-Navigation in der Metropole Ruhr aufzubauen

(6).

2. Verringerung des motorisierten Individualverkehrs (Passagiere und Fracht)

Machbarkeitsstudie Essener Norden

Die Machbarkeitsstudie soll grundsätzliche Möglichkeiten der Emissionsminderung durch

verkehrliche Maßnahmen darstellen (7).

Projekt Mercator-Stiftung / Uni DUE: "Neue Verkehrskonzepte für die Stadt der Zukunft"

Das Projekt leistet einen Beitrag zur Erforschung neuer Mobilitätskonzepte und soll maßnahmenbezogene

Szenarien, ausgerichtet auf gesellschaftliche Milieus, entwickeln und bewerten

(8).

3. Förderung aktiver Beförderungsarten (Zu-Fuß-Gehen, Radfahren), effizienter öffentlicher

Transport, und CO 2 -freie Stadt-Logistik;

Radverkehrsprojekte

• Weiterentwicklung des Alltagroutennetzes

• Weiterbau von Radtrassen

• Verbesserung der Radinfrastruktur

• Öffentlichkeitsarbeit über Veranstaltungen

(Aktion „Stadtradeln der Klimainitiative Essen“, Fahrradkalender Stadt Essen)

• Herausgabe von Printprodukten

• Errichtung der Radstation Kupferdreh und des Radweg-Tunnels am Bahnhof Kettwig

Insgesamt sind für die nächsten Jahre für die obigen Projekte städtische Investitionen von

1,52 Mio. € vorgesehen.

• Machbarkeitsstudie für den 85 Kilometer langen Radschnellweg Ruhr (Trassenplanung

zur Verbindung von acht Ruhrgebietsstädten, Kosten-Nutzen-Analyse, Kommunikationskonzept,

Finanzierung durch RVR ).

8


Abb. 2.6: Radschnellweg Ruhr (Quelle: Regionalverband Ruhr)

Fußgänger

• Weiterentwicklung „Stadt der kurzen Wege“

• Quartiersplanung

• Ausbau der Barrierefreiheit

• Steigerung der Aufenthaltsqualität im Straßenraum

Beitrag des ÖPNV

• Neubau eines Linienabschnittes der L 109 (siehe Abb. 2.7), Trassenlänge ca. 1,4 km,

Baubeginn 2014, Investitionsvolumen ca. 12 Mio. €

• Beschaffung von 27 neuen Niederflurstraßenbahnen (Auslieferung ab 2014, Investitionsvolumen

von ca. 67 Mio. €)

• Verlängerung der Straßenbahnlinie 105 in Richtung Oberhausen „Neue Mitte“.

(Länge 3,7 km, davon 300 m in Essen) (vgl. Abb. 2.7), Investitionsvolumen ca. 77 Mio. €)

• Barrierefreier Ausbau von 6 Straßenbahnhaltestellen bis 2016, Investitionsvolumen ca.

22 Mio. €

• Konzeption eines Ortsbussystems

• Aufbau eine Qualitätsmanagementsystems ÖPNV

• Kooperation der Nahverkehrsgesellschaften Essener Verkehrs-AG, Duisburger Verkehrs

Gesellschaft AG und Mülheimer Verkehrs Gesellschaft über ein gemeinsames Unternehmen,

die Via Verkehrsgesellschaft. Die Via hat das operative Nahverkehrsgeschäft

übernommen und will mit maximaler Wirtschaftlichkeit den Nahverkehr in der Region

ausbauen sowie die Angebotsqualität verbessern.

Der Investitionsbedarf in Anlagen, Gebäude, Fahrzeuge und Betriebsmittel des Essener

ÖPNV liegt in den Jahren 2013 – 2017 bei ca. 234 Mio. € und ist in der Wirtschaftsplanung

des Unternehmens verankert.

9


Abb. 2.7: EVAG Schienennetz 2015 (Quelle: EVAG 2012, verändert durch Stadt Essen)

Zur Finanzierung des lokalen ÖPNV trägt die Stadt Essen jährlich in einer Größenordnung

von ca. 75 Mio. € über den Verlustausgleich bei.

Das heutige SPNV-Angebot unterstützt die Stadt Essen jährlich mit einer SPNV-Umlage in

Höhe von ca. 1,6 Mio. €. Zusätzlich werden für Leistungen des Verkehrsverbundes und anderer

Betreiber noch Zahlungen von ca. 1,4 Mio. € an den VRR getätigt.

Intermodale Mobilität

Ist als Leitprojekt des Strategieprozesses Essen.2030 aufgelegt worden und umfasst die

Vernetzung und Weiterentwicklung urbaner Mobilitätsangebote von Tür zu Tür. Der ÖPNV

dient als Basismobilität und soll erweitert werden durch die Bausteine Carsharing (stationsgebundene

und Freeflow-Modelle), Bikesharing und ergänzende Angebote für den Fuß- und

Radverkehr. Zielvorstellung der Stadt Essen ist es Carsharing zu privilegieren und entsprechende

Stellplatz- und Parkmöglichkeiten auszuweisen.

10


4. Förderung umweltfreundlicherer Technologien, Kraftstoffe (einschließlich erneuerbarer

Energien), Verhaltensweisen und Praktiken für den Personen- und Güterverkehr;

Elektromobilität

• Ladeinfrastruktur Elektrofahrzeuge

Im Stadtgebiet existieren derzeit ca. 40 Ladestationen mit etwa 80 versorgten Pkw-

Stellplätzen. Die Anzahl wird kontinuierlich erhöht.

• Projekt RUHRAUTOe

Mobilitätskonzept mit 20 Elektrofahrzeugen, sie bilden in Wohngebieten und im City-

Bereich Essen ein Carsharing-Netz mit 11 Standorten / Ladesäulen, die erweitert werden

sollen (9).

Abb. 2.8: Standort Carsharing für E-Fahrzeuge (Quelle: Georg Grindau, Stadt Essen)

• E-Bike

Radstationen am Hauptbahnhof und in Kupferdreh stellen 15 E-Bikes zur Ausleihe bereit.

Im Stadtgebiet existieren zurzeit 12 zugängige Ladestationen. Die Angebote sollen

ausgebaut werden.

Erneuerung der Fahrzeugflotte des lokalen ÖPNV

Bei der EVAG sind in 2015 und 2016 Busbeschaffungen geplant, insgesamt sollen 49 Fahrzeuge

mit Euro VI-Norm angeschafft werden.

5. Annahme und Umsetzung der Pläne für nachhaltige städtische Mobilitätspläne und andere

integrativen Ansätze.

Der Rat der Stadt Essen hat Ende 2011 die Verwaltung beauftragt eine Integrierte Verkehrsplanung

(IGVP) zu erstellen. Die einzelnen Verkehrsträger sind konzeptionell bislang sektoral

betrachtet worden, z.B. der ÖPNV im Nahverkehrsplan (NVP). Ziel ist es den NVP ab

Ende 2013 fortzuschreiben. Der Regionalverband Ruhr (RVR) erarbeitet zurzeit den neuen

Regionalplan Ruhr. In ihm werden Ziele und Grundsätze zur regionalen Verkehrsentwicklung

aufgezeigt werden.

11


Verweise:

(1) Haushaltsbefragung zur Mobilität Essen 2011, Stadt Essen, 2012

http://www.essen.de/de/Leben/Verkehr/haushaltsbefragung_zur_mobilitaet.html

(2) Regionalverband Ruhr, Referat 3, Stand: Juli 2013, basierend auf der neuen Pendlerrechnung

2011 des Landesbetriebes Information und Technik Nordrhein-Westfalen

http://www.metropoleruhr.de/regionalverband-ruhr/statistik-analysen/statistiktrends/erwerbstaetigkeit/pendlerrechnung-2011.html

(3) Stadtplan Essen (KV-Verlag) und Amtliche Fahrradkarte 2013: http://www.adfcnrw.de/kreisverbaende/kv-essen/service/radkarten/fahrradstadtplaene.html

(4) Regionaler Flächennutzungsplan, Planungsgemeinschaft Städteregion Ruhr, 2009

http://www.staedteregion-ruhr-2030.de/cms/allgemein_2.html

(5) Stadt Essen, Masterplan Einzelhandel 2011

http://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/61/dokumente_7/aktionen/masterplan

einzelhandel/Masterplan_Text.pdf

(6) Luftreinhalteplan Ruhrgebiet 2011 – Teilplan West, Bezirksregierung Düsseldorf

http://www.brd.nrw.de/umweltschutz/umweltzone_luftreinhaltung/pdf/Internetfassung_LR

P_Teilplan_West_korr_1.pdf

(7) Machbarkeitsstudie „Essener Norden“- LANUV-Fachbericht 41- Landesamt für Natur,

Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen-Recklinghausen 2012

http://www.lanuv.nrw.de/veroeffentlichungen/fachberichte/fabe41/fabe41.pdf

(8) Antrag an die Stiftung Mercator, Essen 2011

http://www.stiftung-mercator.de/themencluster/klimawandel/neue-verkehrskonzepte-fuerdie-stadt-der-zukunft.html

(9) Projekt zur Elektromobilität in der Metropole Ruhr: http://www.ruhrauto-e.de/

13


Themenfeld 03: Städtische Grünflächen, die nachhaltige Landnutzung umfassen

3 A. Gegenwärtige Situation

Frühzeitige Grünkonzepte zur Sicherung des Freiraums

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Essen noch ein kleines Landstädtchen mit rund 10.000

Einwohnern und vereinzelten Zechenanlagen. Einhergehend mit dem technischen Fortschritt

in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der Schachtanlagen explosionsartig an.

Damit einher ging ein weitgehend ungeplantes Wachstum der Stadt, die 1896 bereits

100.000 Einwohner zählte, ohne dass die Infrastruktur und damit auch das Grün Schritt gehalten

hätten.

In dieser Zeit entstanden durch bürgerschaftliches Engagement die ersten öffentlichen

Stadtparks (u.a. Stadtgarten 1864, Kaiser-Wilhelm-Park 1897).

Aufgrund der offenkundigen Umweltprobleme begann der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk

etwa 1923 regionale Grünzüge zur Freiraumsicherung und Gliederung des Ballungsraums

Ruhrgebiet festzulegen. Gleichzeitig entstanden die ersten Planungen zu einem

kommunalen Grünflächensystem der Stadt Essen (s. Karte 1: Grünflächensystem Essen,

1927).

Zunächst bestand dieses Grünflächensystem noch aus einzelnen, nicht zusammenhängenden

Grün- und Waldflächen, Stadt- und Volksparks, die in den jeweiligen Stadtteilen von hoher

Bedeutung für die Erholung waren; besonders in der nördlichen Stadthälfte, die durch

Gewerbe und Industrie und die unmittelbar angrenzenden Siedlungen der Arbeiterschaft bestimmt

wurde.

Dagegen waren im Süden der Stadt nur wenige Zechen- und Industrieanlagen entstanden,

sodass dort die besonderen Landschaftsstrukturen des Ruhrtales als traditioneller Erholungsraum

bewahrt und entwickelt werden konnten, u. a. im Rahmen von Beschäftigungsprogrammen

in der Zeit der Weltwirtschaftskrise (z.B. Anlage Baldeneysee 1932, Eröffnung

GRUGA i 1929).

Auch in der wirtschaftlichen Wachstumsphase nach dem 2. Weltkrieg setzte sich diese ungleiche

Verteilung von Grün- und Erholungsflächen im Stadtgebiet fort und gerade im Essener

Norden wurden trotz ungünstiger lufthygienischer Bedingungen und Bergsenkungen weiter

Wohnbauflächen, meist mit kleineren zugeordneten Parks geschaffen.

Ganzheitliche Ausrichtung der Grünpolitik auf nachhaltige Stadtentwicklung, Wachstum und

Beschäftigung ab Anfang der 1970er Jahre

Bis etwa Mitte der 1960er Jahre wuchs die Einwohnerzahl der Stadt auf 750.000 an. Gleichzeitig

setzte mit der Kohlekrise ein massives Zechenstreben ein, das ab 1970 begleitet war

von massiver Schließung von Stahlstandorten und Nachfolgeindustrien. Dem folgte ein bis

heute anhaltender Umstrukturierungsprozess, verbunden mit einem starken Verlust an Bevölkerung

und Wirtschaftskraft ii .

Stadt- und freiraumplanerisches Ziel war nun durch eine vorausschauende Grünflächenentwicklung

und den Ausbau eines funktionsfähigen Grünflächensystems, die nachhaltige

Neubesiedlung der freigewordenen Zechen- und Industrieareale zu forcieren. 1

So erfolgte ab 1975 die umfassende Begrünung der nördlichen Stadthälfte. Zunächst unter

dem Namen „Grüne 14“ 2 , später „Begrünung Essener Norden“ (BEN) 3 wurde ein mehr als

100 Grünflächen umfassendes Grünflächensystem von rund 400 ha, v.a. auf alten Industriearealen

und Haldenflächen geschaffen (s. Karte 2: Begrünungsprogramme) – zugleich Initialzündung

und Rahmen attraktiver Wohn- und Gewerbegebiete.

i Die Abkürzung GRUGA steht für Große Ruhrländische Gartenbauausstellung, die 1929 in Essen stattfand

ii Aktuell hat Essen 571.000 Einwohner (Stadt Essen; Stand 31.12.2012).

1


Gesamtstädtische Vernetzung und nachhaltige Umweltverbesserung

Das Jahrhundertprojekt „Umbau des Emschersystems“

(s. Karte 3: Umbau Emschersystem) eröffnet

neue stadt- und freiraumplanerische Entwicklungschancen

entlang der Gewässerläufe. 4 Dieser Impuls

wurde von der Stadt Essen mit dem Masterplan

„Freiraum schafft Stadtraum“ (2007) aufgegriffen (s.

Karte 4: Masterplan „Freiraum schafft Stadtraum“) 5 .

Hauptziel des Masterplans ist die Vernetzung der

Grün- und Freiflächenstrukturen entlang von drei

durchgängigen Nord-Süd-Achsen - vom landschaftlich

geprägten Erholungsraum Ruhrtal bis zum

Neuen Emschertal und Rhein-Herne Kanal im Essener

Norden (s. Abb. 3.1: Strahlenmodell) und damit

auch die Verbindung mit dem regionalen Freiraumsystem

des Emscher Landschaftsparks (s.

Karte 5: Emscher Landschaftspark) 6 .

Als Fortsetzung der o.g. Grünentwicklung setzt hier

das Handlungsprogramm „ESSEN.Neue Wege zum

Wasser“ 7 an, durch das seit 2007 mehr als 500

Abb. 3.2: Grüne Hauptrouten (Quelle: Grün und Gruga

Essen)

2

Abb. 3.1: Strahlenmodell "Freiraum schafft

Stadtraum" (Quelle: Grün und Gruga Essen)

Einzelmaßnahmen realisiert wurden, u.a.

Gewässerentwicklung, Regenwasserabkopplung,

Neu- und Umbau von Grünflächen

oder Ausbau und Erneuerung von

Geh- und Radwegen (s. Karte 6: Maßnahmen

„ESSEN.Neue Wege zum Wasser“).

Die gesamten Projektbeteiligten schufen

dabei bis heute Investitionen in die Grüne

Infrastruktur in einem Umfang von rund 48

Mio. €.

Das Netz an Grünverbindungen, das im

Rahmen des Handlungsprogramms weiter

verdichtet werden konnte, hat wesentlich

dazu beigetragen, dass die Siedlungsräume

sehr gut an die städtischen Grünflächen

angeschlossen sind. Fast alle Einwohner

der Stadt Essen (99,74 %) erreichen innerhalb

von 300 m Entfernung von ihrer Wohnung

eine öffentliche Grünfläche. 94,33 %

der Bürger leben nicht weiter als 300 m entfernt

von öffentlichen städtischen Grünflächen

über 5.000m² (s. Karte 7: Einzugsbereiche

öffentlicher Grünflächen).

Das etwa 148 km lange „Grüne Hauptroutennetz“

verbindet die Siedlungsräume aber

nicht nur mit dem gesamtstädtischen Freiraumsystem

sondern bindet darüber hinaus

auch die Nachbarstädte an (s. Abb.3. 2: Grüne Hauptrouten). Innerhalb einer Entfernung von

500 m können rd. 250.000 Einwohner die grünen Hauptrouten erreichen (s. Karte 8: Grünes

Hauptroutennetz).


Mit einem Grün- und Freiflächenanteil von 53 % iii und mehr als 60.000 Straßenbäumen ist

Essen die drittgrünste Großstadt in Deutschland 8 . Die eigenbetriebsähnliche Einrichtung der

Stadt Essen „Grün und Gruga Essen“ unterhält unter anderem718 Grünanlagen, einschließlich

Grugapark, 436 Spielplätze und rd. 1750 ha Wald. 9 Zu den öffentlichen städtischen

Grünflächen zählen auch die kommunalen Friedhöfe, die vielfältige soziale und ökologische

Aufgaben erfüllen. Dementsprechend ist im Konzernziel „Umweltschutz“ der Stadt Essen

beschrieben, dass „kommunale Friedhöfe zu Stätten wohnungsnaher Erholung mit Rückzugsrefugien

für Pflanzen und Tierwelt zu entwickeln sind.“ 10

Die Anteile der unterschiedlichen Nutzungsarten am Stadtgebiet Essen sind in untenstehender

Abbildung 3.3: „Nutzungsarten Stadt Essen“ sowie der beigefügten Karte 9 „Landnutzungskarte

Stadt Essen“ dargestellt.

Nutzungsart Anteil in % Fläche in ha

Grünflächen 48,1 % 10.178

Wasserflächen 2,6 % 543

Wohngebiete 18,6 % 3.930

Industrie- und Wirtschaftsgebiete 7,8 % 1.660

Mischgebiete 3,0 % 639

weitere bebaute Flächen (Gemeinbedarfsflächen)

4,1 % 869

Verkehrsfläche 9,9 % 2.096

Brachflächen 4,0 % 839

Sonstiges 1,9 % 417

Gesamt 100 % 21.171

Abb. 3.3: Nutzungsarten Stadt Essen (Quelle: Grün und Gruga Essen)

Die Grün- und Freiflächen der Stadt Essen unterteilen sich entsprechend der untenstehenden

Abbildung 3.4 „Grün- und Freiflächenanteil“.

Grün- und Wasserflächen 53,1 %

Grünflächen (Parkanlagen, 14,2 %

Friedhöfe, Kleingärten)

Spiel- und Sportanlagen 2,2 %

Begleitgrün 2,4 %

Wasserflächen 2,6 %

Landwirtschaftsflächen 15,7 %

Waldflächen 13,2 %

sonstige Grünflächen (z.B. 2,8 %

rekultivierte Bergehalden,

landwirtschaftliche Brachen)

Siedlungsfläche 33,5 %

Verkehrsfläche 9,9 %

Sonstiges 3,5 %

Abb. 3.4: Grün- und Freiflächenanteil Stadt Essen (Quelle: Grün und Gruga Essen)

iii

Zu den Grün- und Freiflächen zählen Grün- und Erholungsflächen, Wald, Wasser- und Landwirtschaftsflächen,

rekultivierte Bergehalden und Teile von Brachflächen, s. auch Abbildung 3.4: Grün- und Freiflächenanteil Stadt

Essen

3


Im verdichteten Innenstadtbereich iv liegt zwar der Anteil der Grünflächen nur bei 10,2 %; jedoch

sorgen private Gärten wie Abstands- und Siedlungsgrün für einen insgesamt deutlich

höheren Grünanteil.

Aktuell liegt die Siedlungs- und Verkehrsfläche einschließlich sonstiger Flächen bei rd. 47 %

(9.958 ha). Der Versiegelungsgrad für die Stadt Essen liegt im Bereich Gebäude- mit Freiflächen

bei 50 % und in Verkehrsflächen bei etwa 90% liegt; das Straßenbegleitgrün ist dem

Begleitgrün zugeordnet.

Daraus ergibt sich ein Versiegelungsgrad von ca. 27% für das gesamte Stadtgebiet. Für die

baulich hoch verdichtete Innenstadt ergibt sich ein Versiegelungsgrad von 73%.

Der Anteil der Brachflächen am Stadtgebiet Essens liegt aktuell bei rund 4 % (839 ha). Im

Rahmen des anhaltenden Strukturwandels war und ist die Wiedernutzung von ehemaligen

Industriestandorten ein Schwerpunkt der Stadtentwicklung. Bei der Betrachtung der Entwicklung

der letzten 10-15 Jahre ist im gesamten Ballungsraum der Metropole Ruhr eine Zunahme

von Grün- und Siedlungsflächen bei gleichzeitiger Abnahme von Brachflächen erkennbar

11 .

Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte in bebauten Gebieten (Stadtgebiet minus Grünund

Wasserflächen) liegt bei 54,7 EW./ha. Bei aktuellen Vorhaben im Innenstadtbereich, z.

B. in der Grünen Mitte Essen/ Universitätsviertel erreicht die Bevölkerungsdichte bis zu 248

EW./ha.

Grünflächen erfüllen im Stadtraum unterschiedliche Funktionen, z.B. als Bewegungs-, Erholungs-

und Kommunikationsräume, als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, zudem sind sie

ein wichtiger Beitrag bei der Klimaanpassung. Die Ausstattung der städtischen Grün- und

Wasserflächen orientiert sich an der Bedeutung und Funktion der jeweiligen Grünfläche in

ihrem städtischen Umfeld unter Beachtung der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Auf

der Grundlage der Einstufung in repräsentative, allgemeine und naturnahe Grünanlagen

ergibt sich die Intensität und Häufigkeit der Unterhaltungsmaßnahmen.

3 B. In der Vergangenheit erzielte Ergebnisse

Durch eine vorausschauende und integrierte Grünflächenentwicklung hat Essen sich zu einer

grünen Großstadt entwickelt. Diese fußt auf dem Ankauf erster Parkflächen, der frühen

Freiraumsicherung sowie dem frühzeitigen Konzept zu einem kommunalen Grünflächensystem.

Diese bilden bis heute die Grundlage für alle nachfolgenden regionalen und kommunalen

Freiraumplanungen, wie Emscher Landschaftspark 2010, Masterplan Emscher-

Zukunft oder den städtischen Masterplan „Freiraum schafft Stadtraum“ (2007), der Planungsgrundlage

für das Handlungsprogramm „ESSEN. Neue Wege zum Wasser“ (2007) ist

und heute das maßgebliche Instrument zur Weiterentwicklung des Freiraums.

Auf Grund der Vergangenheit als bedeutender Standort der Montanindustrie und dem Strukturwandel

ergab sich eine hohe Zahl von nicht mehr genutzten und belasteten Flächen im

Stadtgebiet. Aktuell sind rund 1.200 Flächen (etwa 3.200 ha) erfasst, die als altlastenverdächtig

gelten, d.h. auf denen früher eventuell mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen

oder diese abgelagert worden sind. Davon sind inzwischen etwa 90 Flächen (= 345 ha) umfassend

saniert und neuen Nutzungen zugeführt worden.

Auf mehr als 80 % der verbleibenden Flächen finden Folgenutzungen statt, da aus den festgestellten

Belastungen bzw. Sanierungen keine Gefährdungen mehr abzuleiten sind.

iv

Die Definition des Innenstadtbereichs folgt der Abgrenzung in Stadt Essen: Stadtentwicklungsprozess

Essen2015+ Perspektive Innenstadt (2007)

4


Um die Bevölkerungsdichte in der Stadt Essen zu erhalten und in Teilräumen auch zu erhöhen,

werden brachliegende Flächen weiterhin umgestaltet und einer Neubebauung zugeführt.

Die städtebauliche Entwicklung erfolgt vorrangig durch die Reaktivierung von Brachflächen

und durch Innenentwicklung.

Die Grünentwicklung ist dabei der Motor der Stadtentwicklung, denn wesentliche Voraussetzung,

um Wohnbebauung und Gewerbeansiedlungen auf zuvor unattraktiven Standorten zu

entwickeln, ist die Verbesserung der Freiflächenversorgung und die Schaffung attraktiver

Lagen durch hochwertige Grün- und Wasserflächen. Gleichzeitig finden in den neuen Quartieren

ökologische Gestaltungsprinzipien Anwendung, wie eine dem Klimawandel angepass

te Gestaltung und Baumartenwahl, Regenwasserabkopplung, Bodenschutz und –verwertung

oder auch die Förderung des nichtmotorisierten Verkehrs, z. B. durch den Anschluss an das

Grüne Rad-Wegenetz.

Abb. 3.5: Universitätsviertel, Brachfläche 2009 und Bauphase 2012 mit fertiggestelltem zentralem Platz

(Quelle: Stadt Essen)

Das Universitätsviertel steht beispielhaft für die hochwertige Entwicklung einer innerstädtischen

Brachfläche (s. Abb. 3.5: Universitätsviertel). Das rund 13 ha große neue Innenstadtquartier

entsteht auf einer ehemaligen Bahnbrache. Ausgehend von einer 4 ha großen repräsentativen

Grünfläche, die in 2010 fertiggestellt werden konnte, entwickelt sich zurzeit ein

neues und hochwertiges Quartier aus Wohnen mit 470 Wohneinheiten und gewerblicher

Nutzung mit 1.800 neuen Arbeitsplätzen, das die bauliche Lücke von der Innenstadt zum

Essener Campus der Universität Duisburg-Essen schließt. Die Wasserfläche im Park wird

von den Dachflächen des neuen Quartiers gespeist und soll mittelfristig auch mit dem Emschersystem

verknüpft werden.

5


Zwischen Altendorf und dem Stadtkern erstreckt sich auf dem ehemaligen Gelände der

Kruppschen Gussstahlfabrik der rund 230 ha große Krupp-Gürtel, durch den die Essener

Innenstadt umfassend nach Westen erweitert wird (s. Abb. 6: Krupp-Gürtel). Mit dem Ausbau

des 12 ha großen Krupp-Park-Nord wurde ein attraktiver Park für die Menschen im bisher mit

Freiraum unterversorgten Stadtteil Altendorf sowie für das angrenzende ThyssenKrupp-

Quartier geschaffen. Im Endausbau beträgt die Gesamtgröße des Krupp-Parks rund 20 ha,

bei Baukosten von insgesamt rund 12,0 Mio.

Abb. 3.6: Übersicht Krupp-Gürtel und Entwicklungsband Rheinische Bahn (Quelle: Stadt Essen)

Um einen attraktiven Park gestalten zu können, wurde Boden aufgeschüttet, der beim Bau

der neuen Hauptverkehrsstraße im Krupp-Gürtel (Berthold-Beitz-Boulevard) und beim Bau

der neuen ThyssenKrupp Hauptverwaltung angefallen ist. Er wurde zu 5 Hügeln modelliert,

die entlang eines Hochtals aufgereiht sind.

Auch der See im Krupp-Park wird mit Regenwasser von den Dachflächen der ThyssenKrupp

Hauptverwaltung gespeist. Der Überlauf des Sees führt zu einem Nebenlauf des Emschersystems.

Auf diese Weise wird der ökologische Umbau der Emscher und ihrer Nebenläufe

von Abwassergräben zu Reinwasser führenden Bächen unterstützt.

Der Krupp-Park wirkt auch auf die benachbarten, hoch verdichteten Gebiete, die Essener

Innenstadt sowie das angrenzende ThyssenKrupp-Quartier klimaausgleichend. Über den

Wiesen entsteht kühle Luft, welche für Luftaustausch in der angrenzenden Bebauung sorgt.

Vor Ort sorgen die teils bewaldeten Flächen an heißen Tagen für ein angenehmes Klima. Ein

gestufter Aufbau von Wald im Wechsel mit Wiesen und Sträuchern sorgt dafür, dass Luftschadstoffe

ausgekämmt werden. Der Krupp-Park ist damit Teil einer urbanen Klimaanpassungsstrategie.

6


Der ca. 2,2 ha große Niederfeldsee ist der zentrale Teil des Stadtumbaugebiets Bochold-

Altendorf und Beispiel für die Aufwertung und Entwicklung einer älteren, nicht mehr zeitgemäßen

Wohnlage mit erheblichen Leerständen. Die urbane Wasserfläche entsteht in einer

3,4 ha großen Grünanlage. Parallel zum Bau der Grün- und Wasserfläche erfolgt eine Sanierung

und Neustrukturierung mit

teilweisem Abriss der angrenzenden

Wohnbebauung – aus ehemals

160 Wohneinheiten entstehen

zurzeit 82 attraktive Wohnungen

(s. Abb. 3.7: Niederfeldsee).

Abb. 3.7: Niederfeldsee und neues Wohnquartier im Bau

(Quelle: Grün und Gruga Essen)

Bei den genannten Entwicklungsprojekten

findet eine intensive

Beteiligung der Bürger statt,

u.a. im Rahmen von Perspektivenwerkstätten,

Planungsworkshops,

Pflanzaktionen, bis

hin zur anhaltenden Pflege der

Parkanlagen durch Bürger aus

den Stadtteilen.

Weitere Beispiele für ehemalige

Brachflächen, die einer neuen

Nutzung zugeführt wurden, sind u.a. der Bürostandort Weststadt (10 ha), der Entwicklungsbereich

Thurmfeld (5,5 ha) am Rande der Innenstadt, der Gewerbepark M1 (13,4 ha), die

Gewerbe- und Industriefläche Econova (152 ha) oder auch die Wohnbauflächenentwicklung

auf Phoenixhütte im Ruhrtal (5,9 ha). Von herausragender Bedeutung ist die Folgenutzung,

einschl. Freiraumgestaltung im Bereich des rund 100 ha großen Weltkulturerbes, der ehemaligen

Zeche und Kokerei Zollverein (s. Abb. 3.8: Weltkulturerbe Zollverein).

Abb. 3.8: Weltkulturerbe Zollverein, Ruhrmuseum und Wegenetz im Zollvereinpark

(Quelle: Grün und Gruga Essen)

7


Die Entwicklung von Geh- und Radwegen auf ehemaligen Bahntrassen ist aufgrund ihrer

Durchgängigkeit und weitgehenden Steigungsfreiheit als innerstädtische wie regionale Freiraumverbindung

von hoher Bedeutung; sie rücken Stadtteile nahe an die Innenstadt heran

und stärken den Anteil des innerstädtischen Fahrradverkehrs.

Der geplante „Radschnellweg Ruhr“ ist ein regionales Projekt durch das gesamte Ruhrgebiet,

der vom Rhein in Duisburg über 85 km bis nach Hamm führen soll. Der Geh- und Radweg

Rheinische Bahn von Essen über Mülheim nach Duisburg bildet das westliche Teilstück

dieses geplanten Radschnellwegs (s. Abb. 3.9: Radschnellweg Ruhr). 12

Abb. 3.9: Radschnellweg Ruhr und Blick zum ThyssenKrupp-Quartier

(Quellen: Regionalverband Ruhr; Grün und Gruga Essen)

In Essen sind die ersten 5 km der Rheinischen Bahn bereits ausgebaut. Die Trasse markiert

gleichzeitig das bedeutsame innerstädtische Entwicklungsband vom Universitätsviertel über

den Krupp-Gürtel und den Niederfeldsee bis in den Regionalen Grünzug B des Emscher

Landschaftsparks.

Die Freiräume der Regionalen Grünzüge B und C des Emscher Landschaftsparks bilden

auch die Stadtgrenze und den landschaftlichen Übergang zu den Nachbarstädten.

Im Regionalen Flächennutzungsplan (RFNP) der kreisfreien Städte Bochum, Essen, Gelsenkirchen,

Herne, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen werden diese Freiflächen geschützt

und nach den lokalen Erfordernissen weiterentwickelt. 13

Zentrale Aufgabe des RFNP ist neben der Steuerung der Wohnbau- und Wirtschaftsflächenentwicklung

der Erhalt und die Entwicklung eines zusammenhängenden Freiraumsystems.

Die Stadtplanung reagiert auf gegenwärtige und zukünftige Veränderungen, wie z.B. Wirtschaftswachstum,

demografische oder klimatische Veränderungen, Begrenzung der Umweltfolgen

durch Versiegelung durch einen nachhaltigen Bebauungsplan mit der Konzentration

auf die Innenentwicklung, Brachflächenrecycling, Neunutzung aufgegebener (öffentlicher)

Infrastrukturen sowie Nachverdichtung. Klimaschutz und -anpassung sind wichtige Belange

in der Planung. 14 Bereits seit 1984 verfolgt die Stadt Essen eine nachhaltige Energie- und

Klimaschutzstrategie. Im März 2009 wurde das Integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept

der Stadt Essen (IEKK) 15 verabschiedet aus dem der „Leitfaden für eine energetisch optimierte

Stadtplanung“ entstand und auf dessen Grundlage die ersten Klimaschutzsiedlungen

entstanden.

8


Das Zusammenwirken von „ESSEN.Neue Wege zum Wasser“ mit dem Emscherumbau der

Emschergenossenschaft hat bereits jetzt zu einer erkennbaren Verbesserung der Qualität

und der Durchgängigkeit der Grün- und Wasserflächen im gesamten Stadtgebiet beigetragen.

Im Rahmen des Programms wurden Bachläufe naturnah umgestaltet, Teiche und Seen

neuangelegt, vorhandene Wasserflächen saniert und umgestaltet, Geh- und Radwege im

grünem Wegenetz überarbeitet und neugebaut sowie zahlreiche Grünanlagen nachhaltig

weiterentwickelt.

Urbane Lebensstile und eine älter werdende Bevölkerung werden mit hochwertigen und

zentralen Wohnstandorten unterstützt. Städtische Grundstücke werden für Generationenwohnprojekte

angeboten. Grün- und Wasserflächen sind standortprägende Qualitätsmerkmale

für Adressenbildungen (z.B. Niederfeldsee, Stauseebogen) und das grüne Wegenetz

stärkt die Lagequalität und Erreichbarkeit der Quartiere. Wie wirkungsvoll bereits die bisher

realisierten Maßnahmen sind, wird u. a aus dem Zuspruch der Bürger, der starken Nutzung

und Frequentierung der grünen Infrastruktur deutlich. 16

9


3 C. Zukunftspläne

Zukünftig wird die Entwicklung der Stadt Essen zu einer grünen Stadt mit hoher Lebens- und

Freizeitqualität durch die Einbeziehung der Freiraum- und Landschaftsplanung in die Stadtentwicklung

sowie die Umsetzung grüner Infrastrukturmaßnahmen als Motor der Stadtentwicklung

fortgesetzt.

Verdichtung des Freiraum-Netzes

In der Metropole Ruhr ist die Durchgängigkeit und Erreichbarkeit von Freiräumen ein zentrales

Thema. Die langfristigen Konzepte zur Freiraumsicherung und –entwicklung „Emscher

Landschaftspark 2010“ und „Masterplan Emscher-Zukunft“ verfolgen das Ziel der attraktiven

Gestaltung des Strukturwandels und der Erhöhung der Lebensqualität in den Städten, u.a.

durch die Entwicklung durchgängiger Grünverbindungen. Der Umbau des gesamten Emschersystems

bietet die einmalige Chance der Vernetzung von Freiflächen entlang der Emscher

sowie der neu entstehenden Nebenläufe bis in ehemals unzugängliche Stadtume.

Das Großprojekt „Emscherumbau“ wird bis 2020 abgeschlossen sein. Aus den oberirdischen

Abwasserkanälen werden ökologisch wertvolle Wasserläufe und attraktive Erholungsräume,

die zur Steigerung der Lebensqualität in der Stadt Essen maßgeblich beitragen werden.

Nach der Umsetzung der abwassertechnischen Baumaßnahmen erfolgt abschnittweise

die naturnahe Umgestaltung der Gewässer. Vom gesamten Bauprojekt mit einem Umfang

von rd. 4,5 Mrd. € entfallen rd. 500 Mio. € auf Maßnahmen im Essener Stadtgebiet, die bis

2017 umgesetzt werden.

Essen unterstützt den ökologischen Umbau des Emschersystems u.a. mit Maßnahmen zur

Regenwasserabkopplung, der gemeinsamen Entwicklung von Flächen sowie durch zahlreiche

Einzelmaßnahmen zur naturnahen Umgestaltung der Gewässer und gewässerbegleitenden

Grünflächen.

Die Fortsetzung des Handlungsprogramms „ESSEN.Neue Wege zum Wasser“ ist der zentrale

Baustein, um das innerstädtische Freiraumnetz weiter zu entwickeln. Entlang der umgebauten

Gewässer entstehen beispielsweise neue, naturnahe Erholungs- und Spielräume.

Ziel ist, dass möglichst alle Einwohner der Stadt künftig das Grüne Wegenetz in einer Entfernung

von 500 m erreichen und sicher in die zentralen Erholungsräume, die regionalen

Grünzüge, das Ruhrtal und neue Emschertal, nach Zollverein oder in die Gruga gelangen.

Die Geh- und Radwegeverbindungen in die Nachbarstädte werden mit Fördermitteln weiter

entwickelt, insbesondere durch den Radschnellweg zwischen Duisburg und Hamm oder die

Magistrale Essen-Bottrop (Krupp‘sche Ringbahn) 17 .

Stärkung von Privatem Engagement

Eine wesentliche Zukunftsaufgabe ist die Förderung von privatem Engagement wie die Beteiligung

Dritter im Rahmen der Bauleitplanung bei der Herstellung und Unterhaltung von

Grün- und Freiflächen, denn dauerhaft attraktive Grünflächen sind Voraussetzung für private

Investitionen.

Bei der Unterhaltung von Grünflächen sollen Kooperationsmodelle und private Initiativen wie

Bürger- oder Naturschutzgruppen, die bereits heute Parkanlagen oder Spielplätze pflegen

oder Schutzgebiete betreuen, weiter gestärkt werden. Hier setzen erfolgreiche Projekte der

Umweltbildung und -erziehung an, wie die „Schule Natur“ 18 im Grugapark, deren Programm

jährlich von mehr als 45.000 Besuchern wahrgenommen wird.

10


Auch die partnerschaftliche Kooperation mit dem Essener Kleingartenwesen, die 250 Kleingartenanlagen

im gesamten

Stadtgebiet betreuen 19 sowie

die Zusammenarbeit mit der

privaten Land- und Forstwirtschaft

sind fortzusetzen und

weiterzuentwickeln. Daneben

engagieren sich auch eine

Vielzahl von Stiftungen im

Bereich Umwelt, Naturschutz

und Verbesserung des Wohnumfelds.

20

Auch im Baldeneykonzept zur

zeitgemäßen und nachhaltigen

Aufwertung des bedeutsamsten

Erholungsraumes im

Ruhrtal werden private und

öffentliche Maßnahmen in

Abb. 3.10: Baldeneysee (Quelle: Grün und Gruga Essen)

einem gemeinsamen Gestaltungsrahmen

gebündelt 21 (s.

Abb. 3.10: Baldeneysee). Der

Ruhrverband hat in einem noch laufenden Forschungsprojekt mit zahlreichen Beteiligten

intensive Überlegungen zum Baden in der Ruhr angestoßen. 22

Anpassung an den Klimawandel

Urbane Grünflächen, einschließlich Wald- und Wasserflächen haben eine hohe Bedeutung

für das Stadtklima. Das ausgedehnte Grünflächensystem und mehr als 60.000 Straßenbäume

tragen zur innerstädtischen Temperaturreduzierung und damit zu einem günstigen Bioklima

im verdichteten Stadtraum bei. 23 Der Baum- und Grünflächenbestand ist an die erwartete,

künftige Klimaentwicklung anzupassen, z.B. durch:

• Alleenkonzepte zur örtlichen Entwicklung des Baumbestands,

• Baumartenwahl und Baumpflege nach dem Stand von Forschung und Wissenschaft

24 ,

• die Entwicklung langfristig stabiler Mischbestände im Erholungsdauerwald, der gemäß

FSC-Kriterien zertifiziert ist und entsprechend bewirtschaftet wird 25 .

Sanierung und Entwicklung von Brachflächen

Die städtebauliche Entwicklung in Essen findet überwiegend auf Brachflächen statt, daher

konnten Eingriffe in natürliche und naturnahe Lebensräume minimiert und natürliche,

schutzwürdige Böden erhalten werden.

Die Sicherung und Sanierung von Altlastenverdachtsflächen und Brachen sowie das bisher

erfolgreich betriebene Flächenrecycling werden fortgesetzt 26 .

Exemplarisch für die zahlreichen Sanierungen ehemaliger Industrieareale und deren Finanzierung

sind die Vorhaben „Thurmfeld“ und „Ruhrterrassen“:

Beim innerstädtischen „Thurmfeld“, dem Standort eines ehemaligen städtischen Gaswerkes

beginnt die Sanierung der großflächigen Bodenverunreinigungen, um nachfolgend einen

Nutzungsmix als Schwimmbad-, Wohn- und Gewerbestandort zu realisieren.

11


Die geschätzten Sanierungskosten von rd. 10 Mio. € werden voraussichtlich durch den „Verband

für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV)“ mit 80 % gefördert und der verbleibende

Teil von der Stadt Essen finanziert.

Bei den „Ruhrterrassen“ soll der ehemalige Standort eines metallverarbeitenden Betriebes in

ein Wohngebiet mit 150 Wohneinheiten umgewandelt werden. Die Kosten für die notwendigen

Sanierungsmaßnahmen wurden zwischen dem ehemaligen Betreiber und dem neuen

Bauträger verhandelt, sodass die Sanierung direkt im Zuge der vorbereitenden Arbeiten für

die Wohnbebauung erfolgt. Bei der Erstellung des Bebauungsplanes wurde ein städtebaulicher

Vertrag zwischen der Stadt Essen und dem Bauträger geschlossen, wonach der Bauträger

anhand eines verbindlichen Sanierungsplanes zur Durchführung der Sanierungsmaßnahmen

verpflichtet wird.

Über den Stand und die Fortschritte bei der Umsetzung der o.g. Planungen und Maßnahmen

wird im Rat und Umweltausschuss der Stadt regelmäßig berichtet, zudem erfolgt eine jährliche

Betriebsprüfung durch Wirtschaftsprüfer, die auch die Wirtschaftlichkeit der Grünflächenund

Waldpflege und sonstiger Maßnahmen überprüfen. 27

3 D. Hinweise

1

2

3

4

5

6

7

8

9

Vgl. Verwaltungsbericht 1960-1962, „jede Möglichkeit sollte genutzt werden, das Stadtgebiet

mit Grün zu durchziehen“

Stadt Essen – Dezernat für Gesundheit , Sport und Grünflächen (Hg): Dokumentation Begrünung

des Essener Nordens „die grüne 14“ (1984)

Grünflächenamt der Stadt Essen: Begrünung Essener Norden. Eine Bilanz 1974-1998

(1998)

Siehe Emschergenossenschaft: Masterplan Emscher-Zukunft. Das Neue Emschertal (o.J.)

http://www.eglv.de/wasserportal/emscher-umbau/das-neue-emschertal/masterplanemscher-zukunft.html

Werkstatt Neues Emschertal: Weiterentwicklung des Masterplans Emscher-Zukunft (2010)

Stadt Essen: Stadtentwicklungsprozess 2015+. Perspektive Freiraum schafft Stadtraum.

Bericht der Projektgruppe (2007)

Informationen zum Emscher Landschaftspark unter

http://www.metropoleruhr.de/freizeitsport/emscher-landschaftspark.html

Projekt Ruhr GmbH (Hg): Masterplan Emscher Landschaftspark (2005)

Informationen zum Handlungsprogramm „Essen.Neue Wege zum Wasser“ unter

http://www.neuewegezumwasser.de

Siehe

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1942220/#/beitrag/video/1942220/Deutschl

andreise-Essen

Vgl. http://www.gruen-und-gruga.de/

10 Vgl. http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_67/Krematorium/friedhoefe.html

Stadt Essen: Ratsbeschluss zum Konzernziel Umweltschutz (2007)

11 Vgl. Wuppertal Institut: Metropole Ruhr – Grüne Hauptstadt Europas. (2012): S. 78

12


12 Siehe

http://www.metropoleruhr.de/fileadmin/user_upload/metropoleruhr.de/Bilder/Metanavigatio

n_unten/Presse/1_Dateien_2012/Konzeptstudie_Radschnellweg_Endstand.pdf

13 Siehe regionaler Flächennutzungsplan der Städte Bochum, Essen, Gelsenkirchen, Herne,

Mülheim an der Ruhr, Oberhausen (2010) http://www.staedteregion-ruhr-

2030.de/cms/regionaler_flaechennutzungsplan.html

14 Vgl. Stadt Essen: Leitfaden für energetisch optimierte Stadtplanung (2009)

15 Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept der Stadt Essen. Unsere Stadt. Unser Klima

(2009)

http://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/59/klima/IEKK_2009_02_03_Master.pdf

16 Informationen unter: http://www.derwesten.de/staedte/essen/so-gruen-ist-essen-die-parksund-gaerten-der-stadt-id8036021.html

17 Siehe Essen.Neue Wege zum Wasser. Ein Projekt des Essener Konsens: Von der Vision

zur Wirklichkeit. Die wichtigsten Projekte zur Freiflächenentwicklung bis 2015 (o.J.): S. 20f;

Essener Radtouren. Zwölf Touren auf einen Blick (2013) und http://www.essenerfahren.de

18 Siehe http://www.grugapark.de/schule-natur.html

19 Vgl. http://www.kleingaertner-essen.de/

20 Siehe http://www.essen.de/de/Leben/leben_im_gruenen/buergerengagement.html

21 Siehe

http://www.essen.de/de/Leben/planen__bauen_und_wohnen/planen/Aktuelle_Stadtplanun

gen/entwicklungskonzept_baldeneysee.html

22 Siehe http://www.sichere-ruhr.de/

23 Zum ExWoSt-Vorhaben siehe

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Klima/Themenseite_Klima.html

24 FLL: Baumkontrollrichtlinien – Richtlinien für Regelkontrollen zur Überprüfung der Verkehrssicherheit

von Bäumen(2004); GALK-Straßenbaumliste (2012)

http://www.galk.de/arbeitskreise/ak_stadtbaeume/akstb_strbaumliste12.htm;

Roloff; Grundmann: Klimaartenmatrix (2008)

25 Dubbel: Erholungswald (2009); FSC-Zertifizierung, Städtischer Wald (2003)

26 Vgl. Wuppertal Institut: Metropole Ruhr – Grüne Hauptstadt Europas (2012): S. 83

27 FSC, Forest Stewardship Council, Audits seit 2003, GPA-Bericht, überörtliche Prüfung der

Stadt Essen (2008); Deutscher Städtetag: KGST-Umfrage (2010)

Stadt Essen: Bericht Grün und Gruga Essen I. Quartal (2013)

Stadt Essen: Feststellung des Jahresabschlusses 2011 von Grün und Gruga Essen (2012)

Weitere Hinweise:

Grün-, Freiraum- und Stadtentwicklung in Essen

o Stadt + Grün. Das Gartenamt, 59. Jahrgang 2010, Heft 5

o

o

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_67/GrueninEssen.html

Stadt Essen: Stadtentwicklungsprozess Essen 2015+ Perspektive Innenstadt. Bericht der

Projektgruppe Innenstadt (2007)

13


Einzelprojekte:

o Dilldorfer Höhe: http://www.allbau.de/wir-ueber-uns/unternehmen/dilldorfer-hoeheklimaschutzsiedlung.html

o

econova: http://www.ewg.de/de/immobilien/gewerbestandorte/econova/econova.html

o Gewerbepark M1:

http://www.ewg.de/de/immobilien/gewerbestandorte/m1_gewerbepark_1/M1_Gewerbepark

.html

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

o

Herthastraße : http://www.sop-architekten.de/#/de/projekte/wohnen/essen/wohnbebauungherthastrasse

Kettwiger Ruhrbogen : http://www.kettwiger-ruhrbogen.de/Home

Klimaschutzsiedlung Neustraße : http://www.klimawerkstadtessen.de/startseite/detailseitenachricht/browse/9/article/investor-fuer-innovative-klimaschutzmustersiedlung-neustrassegesucht.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=19&cHash=11bec4ce31383c2fab39e56b07e9e8a6

Krupp-Gürtel: http://www.thyssenkrupp.com/quartier/

http://www.krupp-guertel.de

Niederfeldsee: http://www.allbau.de/wir-ueber-uns/unternehmen/altendorf-neubau.html

http://www.essen.de/de/Leben/leben_im_gruenen/niederfeldsee.html

Phoenixhütte:

https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/61/dokumente_7/aktionen/Prinz-

Friedrich_Begruendungsenwurf.pdf

Stauseebogen : http://www.nesseler-projektidee.de/angebote/SeeBogen_Essen.html

Universitätsviertel: http://www.gruene-mitte-essen.de/

Veronikastraße : http://www.quartier-4.de/

Weltkulturerbe Zollverein: http://zollverein.de

Regionalverband Ruhr (RVR): Emscher Landschaftspark. Kulturlandschaft der Metropole

Ruhr – ein Modell für Europa 2009

Weststadt:

http://www.essen.de/de/wirtschaft/standortinformationen/standortentwicklung/weststadt_1/

weststadt_1.html

14


Stadt Essen


Themenfeld 04: Natur und Biodiversität

4 A. Gegenwärtige Situation

Historische, geografische und sozio-ökonomische Entwicklungsfaktoren

Die Landschaft in Essen wurde wegen der fruchtbaren Lössböden bis ins 19. Jahrhundert

überwiegend landwirtschaftlich genutzt, teilweise war sie bewaldet. Über sie verteilten sich

Bauernhöfe und Kleinstädte. Diese Kulturlandschaft ist noch heute vor allem im Essener

den erlebbar; sie gehört zum Mittelgebirge (kontinentale Region). Hier liegt das für den

landesweiten Biotopverbund bedeutsame Ruhrtal und eine Auenlandschaft, die als Natura-

2000-Gebiet gemeldet wurde, die Heisinger Ruhraue. (6)

Abb.: 4.1: Essener Süden mit Stausee der Ruhr, landwirtschaftlichen Flächen und Wald

(Quelle: Peter Wieler – Essen Marketing)

Als nach 1800 Kohle maschinell gefördert wurde, wandelte sich vor allem der nördliche

Bereich zu einem urban-industriellen Raum mit vereinzelten Grün- und Waldflächen. Bäche

wurden zu Abwassergräben umfunktioniert. Im Norden blieben nur Teile der früheren

Kulturlandschaft an der westlichen und östlichen Stadtgrenze als regionale Grünzüge

erhalten; sie liegen bereits im Norddeutschen Tiefland (atlantische Region).

Erdgeschichtliche Zeugenberge, Sonderhabitate wie beispielsweise freigelegte pleistozäne

Flussschotter beleuchten diesen besonderen Landschaftswert an der Stadtperipherie.

Die großflächige Stilllegung von Zechen, Fabriken und Eisenbahnstrecken ab den 1960er

Jahren ließ Industriebrachen entstehen. Trotz Folgenutzung blieben einige erhalten und

tragen mit Industriebrachen der Nachbarstädte dazu bei, dass die Metropole Ruhr die

größte Artenvielfalt aller Regionen Nordrhein-Westfalens aufweist. 1500 Pflanzenarten,

davon 50 Rote Liste Arten kommen in dieser als Emscher-Landschaftspark bezeichneten

Region vor.


Wanderfalke, Kreuzkröte und Blauflügelige Ödlandschrecke sind als teils hoch gefährdete

Charakterarten auf industriell geprägten Lebensräumen in Essen präsent, beispielweise auf

dem Weltkulturerbe Zeche Zollverein. Der nach Nordrhein-Westfalen zurückgekehrte,

vorübergehend ausgestorbene Wanderfalke ist geradezu ein Symbol für die Umkehrbarkeit

von Artenschwund geworden und mit vier Brutpaaren in Essen vertreten.

Brutvögel Amphibien Fledermäuse

Libellen

Stadtgebiet 105 13 7 32 >500

FFH-Gebiet Heisinger Ruhraue 65 6 5 29 229

Weltkulturerbe Zeche Zollverein 42 *1 6 1 17 450

*1 einschließlich Gäste *2 einschließlich Neophyten

Tabelle 4.1: Artenzahlen zu Flora und charakteristischen Tiergruppen des Stadtgebietes Essen und

beispielhaften naturnahen und industriellen Gebieten

Farn- und

Blütenpflanzen

*2

Die derzeitige Wirtschaftsentwicklung ist auf Qualität ausgerichtet. Sie macht sich in einer

baulichen Entwicklung im Siedlungsbereich (Innenentwicklung) bemerkbar. (7) Als

drittgrünste Stadt Deutschlands ist Essen ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort. Die

Natur unterliegt einem verstärkten Erholungsdruck.

Trends, Daten und Management

Der Grün- und Freiflächenanteil beträgt 53 %, davon haben landwirtschaftliche Flächen

einen Anteil von 15,7 %, Wald von 13,2 %, Wasserflächen von 2,6 % und Grün- sowie

Brachflächen von 21,5 % am Stadtgebiet.

Im Freiraum sind seit 1938 große Bereiche als Landschaftsschutzgebiete geschützt. 1939

wurde das erste Naturschutzgebiet ausgewiesen. Seit 1982 schützt die Baumschutzsatzung

ume im Siedlungsbereich mit einem Stammdurchmesser von 80 cm.

Die Naturdenkmalverordnung von 2000 sichert 47 Objekte (Bäume und Findlinge) als

Naturdenkmäler. Der Landschaftsplan Essen von 1992 (2) 1 und der stadtökologische Beitrag

für den Essener Norden von 2000 (3) haben ermittelt, wo Ökosystemdienstleistungen gestört

sind. 34,4 % des Stadtgebietes stehen unter Landschaftsschutz.

Die 12 Naturschutzgebiete und 49 geschützten Landschaftsbestandteile 2 haben einen Anteil

von 2,3 % am Stadtgebiet und eine Größe von 0,2 bis 150 Hektar.

Das größte Naturschutzgebiet mit 150 Hektar ist das gemeldete Natura-2000-Gebiet

„Heisinger Ruhraue“. Sein Bewirtschaftungsplan (Pflege- und Entwicklungsplan) von 1992,

dessen Maßnahmen 2005 fortgeschrieben wurden, wird aktuell neu erarbeitet.

Die Weichholzauenwälder, die Altarme und Stillgewässer sowie die Glatthaferwiesen, die zur

Meldung als Natura-2000-Gebiet geführt haben, befanden sich 2002 noch in einem mittleren

bis schlechten Erhaltungszustand.


1 Definition: Ein Landschaftsplan weist Natur- und Landschaftsschutzgebiete aus und beschreibt außerdem, wie

Grünflächen außerhalb von Schutzgebieten naturschutzfachlich entwickelt werden sollten.

2 Definition: Geschützte Landschaftsbestandteile sind kleine Naturschutzgebiete.


Erste Ergebnisse der Neuerarbeitung des Pflege- und Entwicklungsplanes weisen darauf

hin, dass sich z.B. der Erhaltungszustand der Stillgewässer durch Verringerung der

stofflichen Belastung oder Renaturierung auf 5 Hektar verbessert hat, so dass 60 % dieser

Lebensräume einen verbesserten Zustand zeigen.

Lebensraumtyp 91E0

Weichholzauenwälder

Lebensraumtyp 3150

Altarme / Stillgewässer

Lebensraumtyp 6510

Glatthaferwiesen

Erhaltungszustand A B C A B C A B C

Meldung 2002

3,22 1,97

5,158 3,425

13,179

ha ha

ha ha

ha

Kartierung 2012

3,44 3,57 0,83 9,6 1,482

3,329 13,07

ha ha ha ha ha

ha ha

Kartierung 2012

als 91F0

Hartholzauenwälder

5,14

ha

A = hervorragender Erhaltungszustand, B = guter Erhaltungszustand, C = mittlerer bis schlechter

Erhaltungszustand

Tabelle: 4.2: Erste Ergebnisse zur Entwicklung der Lebensräume im Naturschutzgebiet „Heisinger Ruhraue“, die

für die Meldung als Natura-2000-Gebiet DE-4508-301 relevant waren

Gezielte Naturschutzmaßnahmen haben nach einer aktuellen Einschätzung des

Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen in der

atlantischen Region von Nordrhein-Westfalen dazu geführt, dass sich die

Erhaltungszustände der Arten in der atlantischen Region von Nordrhein-Westfalen nicht

wesentlich verändert haben.

In Essen haben sich trotz der verstärkten Nutzung der Natur zur Erholung z.B. die Individuenzahlen

der Zugvögel, die im Natura-2000-Gebiet überwintern, wie Krickente, Tafelente

oder Zwergtaucher, stabilisiert.

4 B. In der Vergangenheit erzielte Ergebnisse

Zielsetzung, Konzepte und Strategien des Naturschutzes

Mit dem Ziel, verstärkt im gesamten Stadtgebiet Beiträge zur Sicherung der biologischen

Vielfalt und zur Förderung der Ökosystemdienstleistungen zu erbringen, ist die Stadt Essen

2010 der Deklaration „Biologische Vielfalt in den Kommunen“ beigetreten. (8)

Die Stadt Essen verfolgt mit dem segregativen und integrativen Naturschutzkonzept

eine Doppelstrategie: einerseits Erhaltung und Weiterentwicklung der schutzwürdigen

Naturlandschaften und der Schutzgebiete und andererseits Maßnahmen zum Schutz von

Arten und Lebensräumen in landwirtschaftlichen Produktionsflächen, bei Waldbewirtschaftung,

Siedlungsentwicklung und anderen Landnutzungen.


Natura-2000-Gebiet „Heisinger Ruhraue

Abb. 4.2: Altarm im Natura-2000-Gebiet Heisinger Ruhraue (Quelle: Schmitting – Untere Landschaftsbehörde)

In der Heisinger Ruhraue (36) wurden ein Altarm renaturiert und Aufschüttungen beseitigt;

Europäische Union und Land förderten die 580.000 € teure Maßnahme mit 95.000 €. Die

unter Anwendung wissenschaftlich-technischer Erkenntnisse erarbeiteten Naturschutzmaßnahmen

haben zu einem stärkeren Wasseraustausch bei Hochwasser geführt, wodurch sich

die Wasserqualität in den Stillgewässern verbessern konnte. Als Ausgleich für den Bau einer

Kläranlage auf einer Aufschüttung in der Heisinger Ruhraue wurden zwei Campingplätze, die

mitten in der Aue lagen, renaturiert, die sich nun zu FFH-Wald-Lebensräumen entwickeln

können. Das Naturschutzgebiet erhielt dadurch höherwertige Standorte und behielt seine

Flächengröße von 150 Hektar. Bestehende Waldbestände wurden der natürlichen

Sukzession überlassen. Durch den Schattendruck sich entwickelnder Wälder verliert die

invasive gebietsfremde Art Herkulesstaude Lebensraum. Durch Entwicklungsmaßnahmen

des Landes entstanden naturnahe Flussuferlebensräume.

Weitere Naturschutzmaßnahmen in der Landschaft

Zur Stärkung des landesweit bedeutsamen Biotopverbundes entlang der Ruhr hat das Land

bereits an zwei von vier Wehren Fischpässe angelegt. (22). Es plant den Abbau weiterer

Wanderbarrieren für migrierende Fischarten, so dass die biozönotische Fragmentierung des

Ruhrlaufes inklusive des Natura-2000-Gebietes verringert wird.

Durch Maßnahmen hat Essen viele Bachabschnitte wie bei Ruhmbach, Deilbach oder

Langemarckbach naturnah entwickelt.

Am Oefter Bach wurde auf der Grundlage der Naturschutzgebietsplanung ein ganzes

Bachsystem entwickelt.

Die Naturschutzvereine haben eine besondere Bedeutung für den Naturschutz in Essen. Seit

1982 pflegen sie z.B. für die Stadt Essen Streuobstwiesen und betreuen Stollen, die

Fledermausquartiere sind. Sie kartieren Arten und betreiben Naturschutzbildung.


Seit 1985 nutzt z.B. die Naturschutzjugend für diese Aufgaben das Naturschutzzentrum

„Voßgätters Mühle“.

Die Stadt Essen gewährt ihnen finanzielle und logistische Unterstützung, leitet die Geschäftsführung

für die Mitweltstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Landschaftspflege Essen.

Integration des Naturschutzes in die Forstwirtschaft

Abb. 4.3:Schule Natur im FSC-zertifizierten Stadtwald (Quelle: Grün und Gruga Essen)

Der städtische Wald, der 8 % des Stadtgebietes einnimmt, ist gemäß der Nationalen Strategie

zur Biologischen Vielfalt seit 2003 vollständig FSC-zertifiziert. Ziel der Forstbetriebsplanung

ist ein mehrschichtiger, ungleichalter, durchlichteter Bestand.

Es verbleiben auch Habitatbäume; sie stehen vor allem in Altholzbeständen und Buchenhallenwäldern,

die sich selbst überlassen bleiben. Diese Referenzflächen nehmen 0,6 % des

Stadtgebietes ein; zwei Drittel davon befinden sich außerhalb von Naturschutzgebieten.

Angesichts des Klimawandels sollen mit dieser Waldpflegeform Baumarten mit einer hohen

klimatischen Toleranz gefördert werden. (9)

Der Wald wird außerdem durch die Anlage von Waldrändern geschützt. (37) Weitere große

Waldflächen in Essen werden vom Regionalverband Ruhr PEFC-zertifziert gepflegt. (28)


Integration des Naturschutzes in die Landwirtschaft

Abb. 4.4:: Produktionsintegrierte Ausgleichsmaßnahme (Ackerbrache) im Essener Süden

(Quelle : Grün und Gruga Essen)

Für die landwirtschaftlichen Flächen wurden zusammen mit der Landwirtschaft ab 2001

produktionsintegrierte Ausgleichsmaßnahmen, wie Ackerbrachen oder extensives Grünland,

für Offenlandarten, wie Feldhasen oder Wildbienen, entwickelt. Sie werden als Ersatz für

Naturbeanspruchung an anderer Stelle durchgeführt. Die Landwirte konnten dafür gewonnen

werden, weil sie dadurch keine Produktionsflächen verlieren. (4) (5) (6) (37) Diese guten

Erfahrungen sind in das deutsche Naturschutzrecht eingeflossen.

Integration des Naturschutzes in die Siedlungsentwicklung

Im Siedlungsbereich wurden neue Grünflächen angelegt. 3 Der neue 13 Hektar große Krupp-

Park (7) (12) wurde z.B. zum Lebensraum des Mauerseglers, einer charakteristischen Art

der Innenstädte. Der Krupp-Park schafft Qualitäten für die angrenzenden hochwertigen

Wohn- und Wirtschaftsstandorte und verhindert zugleich das Entstehen großer Wärmeinseln.

Aufgaben im Klimaschutz übernehmen auch die über 60.000 Straßenbäume, die nach einer

Baumliste gepflanzt werden, die den Klimawandel berücksichtigt. (16)

Erste Private konnten dafür gewonnen werden, selbst öffentlich zugängliche (34)

Grünanlagen anzulegen und zu unterhalten. Die Begrünung von Stellplatzanlagen,

Garagendächern, von Flachdächern von Gebäuden, gehört mittlerweile zum Standard beim

Neubau(4).

Auf den Dächern des Sheraton-Hotels (32) und der RAG-MI-Unternehmenszentrale (27)

haben Imker Bienenkörbe aufgestellt und vermarkten den Honig als naturbelassenes

Produkt aus dem Stadtpark.


3 siehe Themenfeld „Städtische Grünflächen“


Integration bedeutender Industriebrachen in die Siedlungsentwicklung

Abb:4.5: Weltkulturerbe Zeche und Kokerei Zollverein (Quelle: Peter Wieler – Essen Marketing)

und dort vorkommendes, seltenes Zierliches Tausendgüldenkraut (Detail)

Bedeutende Industriebrachen, die Ersatzlebensraum für Arten bieten, die natürlicherweise

Pionierlebensräume besiedeln, werden z.B. auf dem Areal des Weltkulturerbes Zeche und

Kokerei Zollverein durch Integration in das denkmalschützende Konzept erhalten.

Biotopverbund im Siedlungsbereich entlang ehemaliger Eisenbahnstrecken und des

ökologisch umgebauten Emschergewässersystems

Abb. 4.6.: Ökologischer Umbau Emscher und Nebenbäche: Einmündung Kesselbach in Borbecker Mühlenbach,

vor ökologischem Umbau – nach ökologischem Umbau wird hier die Emschergroppe wieder angesiedelt

(Quelle: Grün und Gruga Essen)

Für den Biotopverbund zwischen Landschaft und Siedlungsbereich werden ehemalige

Eisenbahnstrecken als innerstädtische Grünzüge mit begleitenden Rad- und Wanderwegen

erhalten.


Außerdem dient das größte Renaturierungsprojekt in einem Flussgebiet Europas, der

Umbau der Emscher und ihrer Nebenbäche von Abwassergräben zu Bächen durch die

Emschergenossenschaft, der Stärkung des Biotopverbundes (17) (18). In Essen wurden

bereits die ersten 4 von 39 km ökologisch umgebaut.

Die Stadt Essen ergänzt diesen Umbau durch die naturnahe Entwicklung von Oberläufen

(35), so dass von dort aus eine Wiederbesiedlung der umgebauten Bäche möglich ist.

In naturnahen Nebengewässern kommen noch 109 Tierarten vor, darunter fünf

Köcherfliegenarten, die in Nordrhein-Westfalen gefährdet sind. (19) Außerdem wird die

Emschergroppe wieder angesiedelt. Die begleitenden Gehölze haben dazu beigetragen,

dass der Grünspecht zuerst im Ballungsraum Rhein-Ruhr nicht mehr auf der Roten Liste

stand, sondern auch die Gärten in der Stadt belebt. (25)

Abb. 4.7: Emschergroppe (Cottus cf. rhenanus)( / (Quelle: Emschergenossenschaft)

Förderung Naturverständnis

Zum besseren Verständnis ökologischer Zusammenhänge wurden aus den

wissenschaftlichen Erkenntnissen allgemein verständliche Leitbilder abgeleitet. Sie

beschreiben bildhaft, in welchem Zusammenhang prägende Geländeformen, Leitarten,

Lebensräume, ein schönes Landschaftsbild und andere Ökosystemdienstleistungen stehen.

(3) (4) (5)

In Veranstaltungen und Gesprächen wurde den Bürger(inne)n mit Hilfe der Leitbilder die

Natur im Natura-2000-Gebiet nahegebracht und mit fachkundigen Führungen durch

Naturschutzvereinen lebendig veranschaulicht (6). Aufgrund dieser guten Erfahrungen sind

Leitbilder ins nordrhein-westfälische Naturschutzrecht aufgenommen worden.

Die Angelfischerei konnte für den Naturschutz in der Heisinger Ruhraue gewonnen werden,

weil mit dem renaturierten Altarm ein verbessertes Laichgewässer zur Verfügung steht. (6)


Da die Bereitschaft, die Natur zu schützen, außerdem mit dem Erlebnis ihrer Schönheit

zunimmt, bietet die im Rahmen der Renaturierung des Altarms wiederhergestellte Bogenbrücke

den Erholungssuchenden Beobachtungsmöglichkeiten seltener Tierarten, z.B. des

Eisvogels. (6)

Der 1993 gegründete Runde Umwelttisch Essen aus verschiedenen Bürgerinitiativen sowie

Umwelt- und Naturschutzvereinen bringt neben dem offiziellen Landschaftsbeirat seine

Erfahrungen in die Landschafts- und Stadtentwicklung ein.

Auch Bürger(innen), die nicht in Naturschutzvereinen organisiert sind, übernehmen

Patenschaften für öffentliches Grün, wie im Volksgarten Kray, und helfen, die Natur zu schützen.

Durch die 1995 eingerichtete „Schule Natur“ fördert die Stadt Essen auch selbst

systematisch das Naturverständnis insbesondere bei Schüler(inne)n; 2012 hatte sie 45.000

Besucher(innen). (10) Behinderte können z.B. auf einem barrierefreien Rundweg im

Grugapark an der Natur teilhaben. (11)

Außerdem hat in den letzten 10 Jahren die verstärkte Integration des Naturschutzes in die

Landnutzung und Siedlungsentwicklung das Naturverständnis gefördert.

Biotop- und Artenkartierung

Im Natura-2000-Gebiet wird regelmäßig ein Monitoring durchgeführt. Das letzte Monitoring

deutet an, dass sich die Erhaltungszustände der FFH-Lebensräume aufgrund der

durchgeführten Naturschutzmaßnahmen verbessern. (36)

Um die Erhaltungszustände von Arten zu ermitteln und die erforderlichen

Naturschutzmaßnahmen ableiten zu können, werden an unterschiedlichen Stellen im

Stadtgebiet Arten kartiert (siehe (14), (18), (19), (20), (26), (29), (30),(31), (36)). Seit 2011

baut die Stadt Essen ein Fundort-Kataster auf, um die besonderen Schutzbedürfnisse

planungsrelevanter Arten zu berücksichtigen.

Wie oben ausgeführt, haben sich die Erhaltungszustände der Arten in der atlantischen

Region von Nordrhein-Westfalen aufgrund von Naturschutzmaßnahmen weitgehend

stabilisiert.

Mit den beschriebenen Maßnahmen wurden auch viele der gestörten

Ökosystemdienstleistungen im Bereich Boden-, Klima-, Luft- und Gewässerschutz sowie

Erholung, die durch den Landschaftsplan und den stadtökologischen Beitrag ermittelt

wurden, verbessert.

4 C. Zukunftspläne

Handlungsschwerpunkte

Die Ziele des Naturschutzes werden im Rahmen des Strategieprozesses Essen.2030

weiterverfolgt: (13)

1. Eine hohe Lebensqualität wird auf der Balance zwischen urbanen und naturnahen

umen beruhen.

Diese Balance soll in Anlehnung an die EU-Biodiversitätsstrategie zum einen dadurch

gewährleistet werden, dass im Natura-2000-Gebiet „Heisinger Ruhraue“ im Vergleich zur

Meldung 2002 100 % der FFH-Lebensräume zukünftig einen verbesserten Zustand zeigen.


• Entwicklung Natura-Gebiet „Heisinger Ruhraue“: Es werden weitere Aufschüttungen

beseitigt und damit zusätzliche Auenflächen für Auenwälder und für den

Hochwasserschutz geschaffen. Durch Entschlammung und Verbesserung der Hochwasserdynamik

soll sich gleichzeitig die Wasserqualität in den Stillgewässern

verbessern.

• Bei den Glatthaferwiesen soll die Artenvielfalt durch die Aussaat von Saatgut, das von

Glatthaferwiesen aus der Region mit höherer Artenvielfalt stammt, gefördert werden. Die

Erholungssuchenden sollen so durch die Heisinger Ruhraue gelenkt werden, dass

Naturbeobachtung ohne Störung der Lebensräume möglich ist. (36)

Hierfür sollen ab 2015 1,2 Millionen € schrittweise aus Naturschutz-, Haushalts- und Fördermitteln

eingesetzt werden.

Zum anderen sollen in Anlehnung an die FFH- und Vogelschutzrichtlinie die

Erhaltungszustände der Arten auch außerhalb des Natura-2000-Gebietes stabilisiert

werden.

• Fortschreibung Landschaftsplan: In den nächsten 5 Jahren werden dafür der

Landschaftsplan Essen fortgeschrieben, die vorhandenen Überwachungssysteme für die

Öffentlichkeit aufbereitet und weitere Naturschutzmaßnahmen erarbeitet. Außerdem wird

die Stadt Essen dauerhaft Mitglied in der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet,

die ergänzend Artenkartierungen vornimmt, weitere Naturschutzmaßnahmen erarbeitet

und das Naturverständnis fördert. (14) (15)

• Für die Arbeiten der Biologischen Station stehen 14.500 € pro Jahr bei der Stadt Essen

und 58.000 € beim Land zur Verfügung. Für die Fortschreibung des Landschaftsplans

wurden für die nächsten 5 Jahre je 27.000 € in den Haushalt eingestellt, die durch eine

80 %-ige Förderung aufgestockt werden sollen.

Daneben werden insbesondere folgende Naturschutzmaßnahmen fortgeführt.

• Stärkung Biotopverbund entlang der Ruhr:

Das Land wird ab 2014 gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie die Ruhr flussabwärts der

Heisinger Ruhraue für 1,2 Millionen € entwickeln und ab 2018 im Bereich der Heisinger

Ruhraue. Land und Ruhrverband testen zudem die Machbarkeit von Fischpässen an

den beiden noch vorhandenen Wanderbarrieren, so dass gemäß EU-Verordnung der

besonders zu schützende Aal (21) und die FFH-Art Lachs (31) durch die Ruhr wandern

können.

• Integration von Natur in Landnutzung und Siedlungsentwicklung:

Naturnahe Waldpflege (einschließlich Anlage von Waldrändern), naturnahe

Gewässerunterhaltung sowie produktionsintegrierte Ausgleichsmaßnahmen werden

fortgesetzt. Weitere derartige Maßnahmen werden insbesondere bei neuen Eingriffen,

finanziert durch Investoren, durchgeführt. Auch bei der Stadt Essen stehen für

Ausgleichsmaßnahmen derzeit 500.000 € bereit. Außerdem werden Grünanlagen, wie

der Krupp-Park Süd, weitergebaut. 4

• Integration bedeutender Industriebrachen in die Siedlungsentwicklung:

Besondere Verantwortung für die FFH- und Leitart Kreuzkröte, die in Essen 5 % des

landesweiten Bestandes aufweist, wird weiter insbesondere auf Zollverein übernommen.

Auf der Grundlage eines Forschungs- und Entwicklungsvorhabens des Regionalverband

Ruhrgebiet wird in den nächsten Jahren die Biodiversität im Emscher-Landschaftspark


4 siehe Themenfeld „Städtische Grünflächen“


durch gezielte Maßnahmen gesichert.(30) Daran werden auch Flächen in Essen

partizipieren.

• Stärkung Biotopverbund im Siedlungsbereich:

Die Emschergenossenschaft wird die restlichen 31 km Abwassergräben für 316 Mio. €

ökologisch umbauen. Zudem werden weitere ehemalige Eisenbahnstrecken als Grünzug

erhalten.

2. Impulse für Klimaschutz und –anpassung geben

In den nächsten Jahren sollen in Anlehnung an die EU-Biodiversitätsstrategie insbesondere

Ökosystemdienstleistungen verbessert werden, die die Folgen des Klimawandels abmildern.

Auch dafür werden der Landschaftsplan fortgeschrieben, das Leistungsbewertungssystem

für die Öffentlichkeit weiter aufbereitet und die genannten Naturschutzmaßnahmen

durchgeführt.

Für dieses Leistungsbewertungssystems wird ein Berechnungsmodell entwickelt, mit dem

abgeschätzt werden kann, um welchen Betrag eine bestimmte Vegetation die Temperatur in

der Stadt senkt; hierzu wird ein Erfahrungsaustausch mit der Wissenschaft stattfinden.

3. Bürgerschaftliches Engagement aktivieren und unterstützen

In Anlehnung an die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie und das Bundesnaturschutzgesetz

soll der Naturschutz weiter in die Landnutzung bzw. die Siedlungsentwicklung integriert

werden.

Dafür wird auf weitere Akteure, wie Imker, um das Bienensterben aufzuhalten, oder

Kleingärtner, die für die biologische Vielfalt in der Stadt von Bedeutung sind, zugegangen.

4. Lebendige Quartiere und Stadtteile entwickeln und vernetzten Innovationsstandort

schaffen

Die Stärken des Stadtzentrums, der Stadtteile und der Quartiere sollen in Anlehnung an die

1992 in Rio de Janeiro vereinbarte Agenda 21 wirtschaftlich, sozial und ökologisch gestärkt

werden.


5 Darin sind auch die Kosten für das neue Abwassersystem enthalten.


Abb. 4.8: Krupp-Gürtel mit neuem Krupp-Park und neuer ThyssenKrupp Hauptverwaltung 2013

(Quelle:: ThyssenKrupp Real Estate GmbH)

Naturschutzmaßnahmen sollen dabei mithelfen, den Wohn- und Wirtschaftsstandort Essen

weiter zu stärken, und die Bereitschaft von Unternehmen fördern, die kostenintensive Wiedernutzbarmachung

von Brachflächen zu finanzieren.

Ökosystemdienstleistungen, wie die kühlende Wirkung der Vegetation, sollen als kostenwirksame

Alternative zu technologischen Lösungen einen Beitrag zur wirtschafts- und sozialverträglichen

Klimaanpassung leisten.

Zusammenfassung

Die letzten 10 Jahre haben gezeigt, dass es möglich ist, durch Entwicklung von Qualitäten in

der Natur den Zustand von Lebensräumen, Arten und Ökosystemdienstleistungen zu verbessern

bzw. zu stabilisieren und dabei mitzuhelfen, dass die Menschen gerne in Essen

leben und Unternehmen sich hier ansiedeln. Dafür waren erforderlich

• Rechtsgrundlagen,

• wissenschaftlich-technische Erkenntnisse über die Natur, die durch Leitbilder

veranschaulicht werden,

• die Durchführung von Naturschutzmaßnahmen,

• die Erlebbarkeit der Schönheit der Natur und

• Beteiligungsprozesse, in denen Bürger(innen) unterschiedlicher sozialer Milieus und

Unternehmen aktiviert und unterstützt werden, selbst Naturschutzmaßnahmen

durchzuführen.

Wie die nachfolgende Abbildung (4.9) zeigt, werden mit der Fortschreibung des

Landschaftsplans dieser Weg fortgesetzt und ergänzend die Überwachungs- und

Leistungsbewertungssysteme für die Öffentlichkeit aufbereitet.


Tabelle: Grundsätze

Rechtsgrundlagen:

EU-Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Richtlinie, EU-Vogelschutzrichtlinie, Bundesnaturschutzgesetz,

Landschaftsgesetz Nordrhein-Westfalen, Regionaler Flächennutzungsplan als Landschaftsrahmenplan

Schutz der Natur wegen ihres eigenen Wertes

und für die Menschen

in der Landschaft und im Siedlungsbereich

Sicherung der

biologischen Vielfalt:

Verantwortung für die in

der Landschaft und im

Siedlungsbereich von

Essen typischen

• Wald bewohnenden

Arten

• Gewässer

bewohnenden Arten

• Offenland

bewohnenden Arten

• Industriebrachen

ersatzweise

bewohnenden Arten

• Gebäude, Gehölze,

Wiesen

bewohnenden,

angepassten Arten

der Stadt

-

davon besondere

Verantwortung für

• landesweit gefährdete

Arten und

Lebensräume

• FFH-Lebensräume im

Natura-2000-Gebiet

„Heisinger Ruhraue“

• FFH-Arten und

europäische

Vogelarten im

gesamten Stadtgebiet

Entwicklung der Qualität

der segregativen

Schutzgebiete (d)

Bereitstellung von

Ökosystemdienstleistungen

für die Menschen:

Verantwortung für

• schöne

Landschaft bzw.

Gartenarchitektur

- schönes Wohnund

Gewerbeumfeld

/ Erholung

• Boden

• Wasser

• Klima / Luft

Grundsätze:

Einbeziehung der Bürger(innen) und Unternehmen,

unter Berücksichtigung unterschiedlicher sozialer Milieus und

künftiger Generationen

Ordnung:

Darstellung von

behördenverbindlichen

Entwicklungszielen

für die Landschaft

und die

Grünflächen im

Siedlungsbereich

-

Ausweisung von

Natur- und

Landschaftsschutzgebieten,

geschützten

Landschaftsbestandteilen

sowie

Naturdenkmälern

-

Anwendung des

Verursacherprinzips

(Eingriffe in die

Natur z.B. durch

Gebäude und

Straßen sind durch

Naturschutzmaßnahmen

auszugleichen.)

-

Festsetzung von

Naturschutzmaßnahmen

Emanzipatorisches

Konzept: (a) (b)

Wissenschaftliche

Erkenntnisse über

Natur, Wirtschaft

und Gesellschaft

Erklärung durch

Leitbilder

und

Naturführungen

Festlegung von

Naturschutzmaßnahmen

durch

Verwaltung / Politik

/ Öffentlichkeit

Umweltüberwachung

/

Leistungsbewertungssystem

/

neue Belange

Fortschreibung /

Standardisierung

Ziele: Anknüpfen an die bisherige Grün- und Landschaftsplanung

Vervollständigung

des landes- und europaweiten

Biotopverbundes entlang der Ruhr und

des Biotopverbundes in den Siedlungsbereich

hinein entlang von ehemaligen Eisenbahnstrecken

und ökologisch umgebauten Bächen (d)

Bürgerschaftliches

Engagement

aktivieren und

unterstützen: (c)

wechselseitige

Aufklärung über die

staatlichen und

privaten Interessen

Aushandlung von

Naturschutzmaßnahmen,

so

dass die Akteure

erfahren, dass auch

ihre besonderen

Interessen

berücksichtigt

werden und

zwischen den

sozialen Milieus

vermittelnde

Interessen

entstehen

Durchführung der

Naturschutzmaßnahmen

vorrangig durch die

Bürger(innen) und

Unternehmen

Integration von Natur und

biologischer Vielfalt

in die Landnutzung bzw.

die Siedlungsentwicklung (d)

Literatur:

(a) Jürgen Habermas, Verwissenschaftlichte Politik in demokratischer Gesellschaft, 1963, in: Helmut Krauch /

Werner Kunz / Horst Rittel (Herausgeber), Forschungsplanung, 1966

(b) Walt W. Rostow, The Stages of Economic Growth, 1960, und Produktzyklus-Hypothese nach: Ludwig Schätzl,

Wirtschaftsgeographie 1 – Theorie, 1992

(c) Klaus M. Schmals, Zivile Urbanität, in: Klaus M. Schmals / Hubert Heinelt (Herausgeber), Zivile Gesellschaft,

1997

(d) Beate Jessel, Naturschutz zwischen Integration und Segregation – Vortrag auf dem 31. Deutschen

Naturschutztag in Erfurt, 2012

Abb. 4.9: Landschaftsplan Essen als gutachterliche und rechtliche Grundlage für die Sicherung und Entwicklung

von Natur und biologische Vielfalt (3) (4) (5) (6) (7)


4 D. Hinweise

(1) Stadt Essen mit Angaben zur Natur und biologischen Vielfalt in Essen:

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_67/Landschaftsplanung.html

(2) Landschaftsplan Essen mit Karten:

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_67/Landschaftsplan.html

Übersichtskarte Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, geschützte

Landschaftsbestandteile, Naturdenkmäler in Essen:

Flächengröße bzw. Anzahl der Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete,

geschützten Landschaftsbestandteile, Naturdenkmäler:

https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/67/LPEssen040105kap1.pdf

(3) Stadt Essen, Stadtökologischer Beitrag für den Essener Norden, 2000

(4) Stadt Essen, Landschaftsrechtliche Eingriffs- und Ausgleichsberechnung, 2003:

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_67/Eingriffs_und_Ausgleichsberechnu

ng.html

(5) Wolfgang Golles / Margret Schröder, Stadt Essen, in: Land Nordrhein-Westfalen,

Ausgleich von Eingriffen in Natur und Landschaft, 2001

(6) Wolfgang Golles / Bernd Schröder, Die Kulturlandschaft in Essen – Heimat und

Standortfaktor, in: Stadt + Grün, Heft 5, 2010

(7) Wolfgang Golles, Essen. Krupp-Park, in: Dittmar Machule / Jens Usadel (Herausgeber),

Grün-Natur und Stadt-Struktur, 2011: http://www.lebendige-stadt.de/pdf/%20Grün-

Natur.pdf

(8) Stadt Essen zur Deklaration „Biologische Vielfalt in den Kommunen“:

http://ris.essen.de/vorgang.do?id=MjyGc0Cft9Vs6Ti0MjyGGJ

(9) Stadt Essen zum Forstbetriebsplan:

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_67/Waldpflege.html

(10) Stadt Essen zur Schule Natur: http://www.grugapark.de/schule-natur.html

(11) Stadt Essen zum barrierefreien Rundweg Grugapark:

http://www.grugapark.de/bfrundweg.html

(12) Stadt Essen zum Krupp-Park:

http://www.essen.de/de/Leben/leben_im_gruenen/krupp_park_1.html

(13) Stadt Essen zum Strategieprozess Essen.2030:

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_0116/essen2030/essen2030_start.jsp

(14) Stadt Essen zum Ratsbeschluss zur Mitgliedschaft in der Biologischen Station

Westliches Ruhrgebiet:

http://ris.essen.de/vorgang.do?id=MkyHczCWt8Ur7Qm9Ng0PGJ

(15) Biologische Station Westliches Ruhrgebiet: http://www.bswr.de/

(16) Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz mit Straßenbaumliste:

http://www.galk.de/arbeitskreise/ak_stadtbaeume/webprojekte/sbliste/

(17) Emschergenossenschaft zum ökologischen Umbau der Emscher und ihrer Nebenläufe:

http://www.eglv.de/wasserportal/flussgebietsmanagement/oekologischegewaesserentwicklung.html


(18) Mechthild Semrau / Sylvia Junghardt / Mario Sommerhäuser: Die Erfolgskontrolle

renaturierter Schmutzwasserläufe, in: Limnologie aktuell, Band 13 – Fließgewässer-

Renaturierung, 2011

(19) Emschergenossenschaft (Herausgeber), Fließgewässer im Emscherraum, 2013

(20) Land Nordrhein-Westfalen zur Ruhr Umsetzungsfahrplan:

http://www.ruhr.nrw.de/Umsetzungsfahrplaene/Kooperation_Untere_Ruhr_AR_DUE_13

/index.jsp

(21) Land Nordrhein-Westfalen, Wanderfischprogramm Nordrhein-Westfalen, 2011:

http://www.umwelt.nrw.de/naturschutz/pdf/broschuere_wanderfisch.pdf

(22) Land Nordrhein-Westfalen, Fischpässe Ruhr:

http://www.brd.nrw.de/umweltschutz/landschafts_naturschutz_fischerei/pdf/fischpaesse.

pdf

(23) Land Nordrhein-Westfalen, Mensch, Natur, Heimat, 2008:

http://www.umwelt.nrw.de/naturschutz/pdf/artenvielfalt.pdf

(24) Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV)

zum Artenbestand in Nordrhein-Westfalen: http://www.naturschutzinformationennrw.de/artenschutz/de/einleitung

(25) Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) zur

Roten Liste: http://www.lanuv.nrw.de/natur/arten/roteliste.htm

(26) Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) zur

Ökologischen Flächenstichprobe (in Essen wird sie in Bergeborbeck durchgeführt):

http://www.lanuv.nrw.de/natur/monitor/OEFS_NRW.htm

(27) RAG MI, Bienen: http://www.rag-montan-immobilien.de/unternehmen/partner/nabunrw/honig-vom-welterbe-zollverein/

(28) Regionalverband Ruhr zur PEFC-Zertifizierung:

http://www.metropoleruhr.de/regionalverband-ruhr/forstwirtschaft.html

(29) Regionalverband Ruhr zur Route der Industrienatur:

http://www.metropoleruhr.de/freizeit-sport/natur-erleben/route-industrienatur.html

(30) Regionalverband Ruhr: Sicherung der Biodiversität im Ballungsraum, Idee.Natur, 2008

(31) Ruhrfischereigenossenschaft zum Fischbestand in der Ruhr:

http://www.ruhrfischereigenossenschaft.de/aktuelles/aktuelles_fischbestand.html

(32) Sheraton-Hotel, Bienen: http://www.sheratonessen.com/de/naturschutz

(33) Stiftung Zollverein zum Zollverein Park: http://www.zollverein.de/#/angebote/zollvereinpark-gezaehmte-wildnis-zum-entspannen

(34) Öffentlich zugängliche, private Grünanlagen: Neubaugebiete John-Lennon-Straße,

Peter-Reise-Weg, Güterbahnhof Essen-West, Dickmannstraße

(35) Naturnahe Entwicklung Bachoberläufe: Bachlauf Siepen Mesenhohl, Kesselbach,

Bachlauf Langemarckstraße

(36) Stadt Essen, Pflege- und Entwicklungsplan FFH-Gebiet NSG Heisinger Ruhraue,

Vorentwurf 2013

(37) Stadt Essen, Eingriffs-/Ausgleichskataster

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_67/Eingriffs_Ausgleichskataster.html


Themenfeld 05: Luftqualität

5 A. Gegenwärtige Situation

Die Stadt Essen liegt im Zentrum der Metropole Ruhr, die durch ihren Aufstieg und

Niedergang als Montanregion von einem hohen Industrialisierungsgrad, hoher

Bevölkerungsdichte und einem erheblichen Verkehrsaufkommen geprägt ist.

Die aus der hohen Infrastrukturdichte resultierenden Vorteile mussten jedoch mit erhöhten

Umweltbelastungen erkauft werden. Dies gilt insbesondere für die nördlichen Stadtteile, die

zur dicht besiedelten und topographisch benachteiligten Emscherniederung mit häufigen

austauscharmen Wetterlagen gehören.

Die Schwerindustrie hat sich seit den 1960er Jahren schrittweise aus dem Stadtgebiet

zurückgezogen. Die letzte Kokerei, das heutige Weltkulturerbe „Zollverein“, wurde 1993

stillgelegt. Der seit mehr als fünf Jahrzehnten währende Strukturwandel vom Industrie- zum

Dienstleistungsstandort hat das Gesicht der Stadt nachhaltig verändert.

Während in den 1950er Jahren zwei Drittel aller Essener Beschäftigten im produzierenden

Gewerbe tätig waren, sind heute mehr als 80 % aller Arbeitsplätze im tertiären Sektor

angesiedelt. Damit gehört Essen zur Spitzengruppe der deutschen Dienstleistungsstädte.

Die während der Industrialisierung gewachsenen Strukturen der Stadt sind heute noch

deutlich sichtbar. Die Entwicklung der Stadt Essen hat sich sehr stark an den Bedürfnissen

der Industrie orientiert. Eine integrierte oder strategische Siedlungsplanung wurde erst nach

1945 entwickelt.

Bergwerke und Stahlhütten entstanden vor den Toren der „Altstadt“ und entwickelten einen

zunehmenden Flächenbedarf. Massive Zuwanderungen von Arbeitskräften führten zur

urbanen Verdichtung im nahen Umfeld der Arbeitsstätten.

Die in Ost-West-Richtung verlaufenden Wasserwege, wie Ruhr, Emscher und Lippe sind

neben dem Hellweg die historischen Hauptachsen in der Region.

Der Rhein-Herne-Kanal, drei magistrale Eisenbahnstrecken (Duisburg-Essen-Dortmund,

Essen-Rheinschiene, Köln-Mindener Bahnlinie) sowie die Autobahnen A 40, A 42 und A 52

haben diese Orientierung bis heute verstärkt.

Die Nord-Süd gerichteten Verkehrsbedarfe werden von den begrenzt leistungsfähigen

Bundesstraßen B 224 und B 227 (A 44) und von drei Regionalbahnlinien (Münster-Essen,

Haltern-Essen-Wuppertal, Oberhausen-Essen-Hattingen) bedient.

1


Abb. 5.1: Strukturwandel im Bild (Quellen: Stadtbildstelle Essen (Abb. oben),

www.kiparlandschaftsarchitekten.de / Copyright: Marcel Weste (Abb. unten)

Überregionale Verkehrswege prägen heute das Gefüge der Stadt und bilden wesentliche

städtebauliche Barrieren. Die Metropole Ruhr ist Drehkreuz für den Güter- und Reiseverkehr

und hat beträchtliche Anteile des europäischen Transitaufkommens zu bewältigen Den

positiven Effekten des Strukturwandels auf die Immissionssituation steht eine zunehmende

Belastung durch den Sektor Verkehr gegenüber.

Mit der Festsetzung von strengeren Emissionsbegrenzungen, der Umstellung des

Kohlehausbrandes auf Öl, dann auf Gas und Fernwärme, der Rauchgasentschwefelung und

-entstickung sowie mehrerer Generationen von Luftreinhalteplänen konnte die regionale

Belastung durch Schwefeldioxid seit Anfang der 1960er Jahre um 95 % (Abb. 5.2) und die

Gesamtstaubbelastung (Abb. 5.3) um 80 % reduziert werden (1).

Weitere in der Ver-gangenheit aufgetretene hohe Belastungen der Luft mit Kohlenmonoxid,

Blei, Benzol, Cadmium, Arsen und Benz[a]pyren sind bis heute auf ein Niveau deutlich

unterhalb der gesetzlichen Grenz- bzw. Zielwerte abgesunken.

2


Die EU-Grenzwerte für Feinstaub (PM10), der Zielwert für lungengängigen Feinstaub

(PM2,5), der 8-h-Zielwert für Ozon (O 3 ) 1 sowie die Zielwerte für Cadmium-, Arsen-, Nickelverbindungen

und Benz[a]pyren sind in den letzten Jahren im Stadtgebiet eingehalten

worden. Die Stickstoffdioxidkonzentration ist ebenfalls zurückgegangen, die Einhaltung des

EU-Grenzwertes für NO 2 stellt für die Stadt jedoch noch eine Herausforderung dar.

Jahresmittelwerte SO 2 1964 – 2012 (μg/m³)

Abb. 5.2: Trend der SO 2-Jahresmittelwerte im Rhein-Ruhr-Gebiet1964-2012 (μg/m³) (2) / (Quelle: LANUV NRW)

1 Der Zielwert für Ozon von 120 μg/m³ (gemittelt über 3 Jahre) darf an maximal 25 Tagen im Jahr

überschritten werden.

3


Abb. 5.3: Jahresmittelwerte Schwebstaub und PM10 im Rhein-Ruhr-Gebiet 1968 – 2012 (μg/m³) (2)

(Quelle: LANUV NRW)

Ozon

Der EU-Zielwert von 120 μg/m³ (Mittel über drei Jahre) wurde in den Jahren 2010 bis 2012

eingehalten (Abb. 5.4). 2010 kam es zu sechs Überschreitungen der Informationsschwelle

von 180 μg/m³ (Einstundenmittelwert), in den Folgejahren zu keinen weiteren Überschreitungen.

Einstundenwert

8-h-Wert > 120 μg/m³ (Tage)

> 180 μg/m³ > 240 μg/m³ Jahreswert Mittel über 3 Jahre

2012 0 0 12 15

2011 0 0 14 16

2010 6 0 18 14

Abb. 5.4: Ozon-Werte für Essen (3) / (Quelle: LANUV NRW)

Die langfristig anzustrebenden EU-Luftqualitätsziele liegen unterhalb von 120 μg/m³ pro Tag

und bewegen sich damit im Bereich der weiträumigen Hintergrundkonzentration in Europa.

Sie sind mit Maßnahmen zur Luftreinhaltung durch die Kommunen allein nicht erreichbar und

müssen durch weitere Aktivitäten zur Stickoxidminderung auf europäischer Ebene in den

Sektoren Verkehr, Raumheizung und Industrie flankiert werden(4).

4


PM10

Der EU-Grenzwert für PM10 (Tagesmittelwert 50 μg/m³) wurde 2012 wie auch im Jahr 2010

an den Essener Stationen eingehalten (Abb. 5.5). Im Jahr 2011 bestand eine Fristverlängerung

zur Einhaltung der Feinstaubgrenzwerte bis zum 11.6.2011.

PM10-Werte für Essen(3)

Gladbecker Straße Vogelheim Frillendorf

Steeler Str.

Verkehr Hintergrund Verkehr Verkehr

PM10

Jahresmittelwert

(μg/m³)

Anzahl

Tage > 50

μg/m³

Jahresmittelwert

(μg/m³)

Anzahl

Tage > 50

μg/m³

Jahresmittelwert

(μg/m³)

Anzahl

Tage > 50

μg/m³

Jahresmittelwert

(μg/m³)

Anzahl Tage

> 50 μg/m³

2012 28 34 24 20 - 25 12

2011 31 28* 30 20* - 28 32

2010 31 30 27 15 29 19 25 6

2009 34 47 26 18 - 25 14

2008 - 28 14 - 27 14

2007 36 62 28 28 - 28 31

2006 36 59 30 30 35 44 29 30

2005 36 60 28 21 34 40 29 21

2004 37 77 29 25 35 47 29 34

* Überschreitungstage, ermittelt auf der Basis der Grenzwerte gem. Notifizierung (Tagesgrenzwert: 75 μg/m³ bis

10.6.2011, 50 μg/m³ ab 11.6.2011).

Jährl.

Konzentrationen

von

NO 2

und

PM2,5

(3)

Vogelheim

Steeler

Straße

Gladbecker

Straße

Frillendorf

Alfredstraße

Brückstraße

Frillendorf

Vogelheim

Steeler

Straße

Verkehr Hintergrund Verkehr Verkehr Verkehr Verkehr Verkehr Hintergrund Verkehr

NO 2

PM2,5

Jahresmittelwert (μg/m³)

2012 47 30 - 41 55 45 55 17 17

2011 50 31 - 42 56 45 60 21 19

2010 54 33 55 43 58 48 60 20 19

2009 56 34 - 46 56 50 58 19 19

2008 50 35 - 46 51 44 55 20 20

2007 51 32 - 43 51 45 58 - -

2006 51 31 61 43 55 49 63 - -

2005 51 33 56 44 - - - - -

2004 50 31 59 46 - - - - -

Abb. 5.5: Immissionskonzentrationen an Essener Stationen (Quelle: LANUV NRW)

5


Durchschnittliche jährliche Konzentrationen von NO 2 , PM10 und PM2,5

Obwohl die NO 2 -Belastung in Essen um bis zu 8 μg/m³ reduziert werden konnte (Abb. 5.6),

wird der Jahresgrenzwert der EU von zurzeit 40μg/m³ an den Essener Verkehrsschwerpunkten

noch überschritten. Die weitere Verringerung der NO x -Emissionen bleibt daher eine

Herausforderung für die Stadt.

Seit 2004 konnten die PM10-Konzentrationen in Essen im Jahresmittel um bis zu 9 μg/m³

(-24 %) verringert werden (Abb. 5.5). Die Anzahl der Überschreitungen des Tagesgrenzwertes

ging von 2004 bis 2012 an den vier Messstationen (Abb. 5.6) um bis zu 43 Tage (-55,8

%) zurück. Während der Jahresgrenzwert für PM10 eingehalten wird, kann die Anzahl der

Überschreitungstage in Jahren mit häufig ungünstigen Witterungsbedingungen die EU-

Vorgaben noch überschreiten. In den Jahren 2010 bis 2012 konnte dies verhindert werden.

Die Feinstaubminderungsmaßnahmen werden daher konsequent fortgesetzt, um zukünftig

den Kurzzeit-Grenzwert auch während meteorologisch ungünstigen Ausbreitungsbedingungen

einzuhalten.

Der ab 2015 gültige EU-Zielwert für PM 2,5 von 25 μg/m³ wird bereits jetzt eingehalten (Abb.

5.6). Auch der ab 2020 angestrebte Grenzwert von 20 μg/m³ wird in Essen eingehalten

(Ausnahme Stationswert Essen-Vogelheim für das Jahr 2011).

Der Beitrag lokaler Quellen und des Ferntransportes an der jährlichen Durchschnittskonzentration

von NO 2 , PM10 und PM2,5

Der Straßenverkehr leistet bezogen auf die Gesamtstadt mit bis zu 74 % den höchsten

Beitrag an den NO x -Emissionen, die für die NO 2 -Immissionskonzentration relevant sind (5).

Am verkehrlichen Belastungsschwerpunkt Gladbecker Straße erreicht die Summe aus lokalem

und urbanem Verkehr einen Verursacheranteil von rund 67 % (Abb. 5.6).

An Standorten im Essener Norden, an denen der Verkehrsanteil geringer ausfällt

(Vogelheimer Straße), leistet der regionale Hintergrund einen Beitrag von 38 %. An dritter

Stelle der Verursacherfolge rangiert die Industrie, die im Süden der Stadt (Station

Brückstraße) einen Anteil von 18 % erreicht.

Hohe PM10-Belastungen treten nicht mehr an industriellen Hot Spots, sondern

ausschließlich an den Essener Verkehrsschwerpunkten auf. Der regionale Hintergrund trägt

mit über 60 % als größter Verursacher zur Gesamtbelastung an den kritischen Straßenabschnitten

bei. Der lokale Verkehr erreicht einen Anteil von bis zu 28 %, der Beitrag der

Industrie liegt bei bis zu 9 %. Die übrigen Quellen sind zu vernachlässigen (5).

Über den Anteil des Ferntransportes an der Belastung der Luft mit lungengängigem

Feinstaub (PM2,5) liegt in NRW noch keine detaillierte Quellenzuordnung vor. Es ist jedoch

festzustellen, dass das Niveau der ländlichen Stationen, z.B. Simmerath(Eifel), 40 % - 48 %

unter den Jahresmittelwerten der Essener Messstellen liegt(3). Das deutet darauf hin, dass

in Essen eine zusätzliche PM2,5-Belastung in Höhe von 7 – 10 μg/m³ ansteht, die sich aus

der urbanen und der regionalen Zusatzbelastung zusammensetzt. Im Umkehrschluss bedeutet

das aber auch, dass knapp 50 % des Essener PM2,5-Wertes der großräumigen

Hintergrundbelastung und dem Ferntransport zuzuordnen sind.

6


Beiträge der verschiedenen Verursachergruppen und des regionalen Hintergrundniveaus an der

NO 2N- Belastung (Angaben in %).

Beiträge der verschiedenen Verursachergruppen und des regionalen Hintergrundniveaus an der

PM10-Belastungen (Angaben in %)

Abb. 5.6: Beiträge der verschiedenen Verursachergruppen und des regionalen Hintergrundniveaus an der

NO 2-und PM10-Belastung. (Quelle: LANUV NRW)

7


5 B. In der Vergangenheit erzielte Ergebnisse

Das Essener Stadtgebiet war durch Luftschadstoffe erheblich belastet. Trotz der Erfolge bei

der Feinstaubminderung ist die Stickoxidproblematik noch nicht ausreichend gelöst. Mit

Festschreibung des EU-Grenzwertes für PM10 im Jahr 2005 wurden in Essen zwei

Aktionspläne mit verkehrlichen Sofortmaßnahmen aufgestellt, die auch langfristige Projekte

umfassten. Im Jahr 2007 war absehbar, dass die lokalen Einzelmaßnahmen nicht

ausreichten, um die Grenzwerte einzuhalten. Land, Bezirksregierungen und Städte haben

daraufhin einen gemeinsamen Luftqualitäts-Managementplan für die Region mit aufeinander

abgestimmten Maßnahmen entwickelt. Für 23 km des untersuchten Essener Straßennetzes

wurden PM10-Konzentrationen 30 μg/m³ mit 33.089 betroffenen Einwohnern ermittelt. Es

war an diesen Streckenabschnitten mit mehr als 35 Überschreitungen des

Tagesgrenzwertes (50 μg/m³) zu rechnen. Die NO 2 -Belastung wurde auf 17 km des

Straßennetzes mit über 40 μg/m³ eingestuft. Hiervon waren 23.779 Einwohner betroffen (6).

Luftqualitäts-Managementplan

Die Bezirksregierungen Münster, Düsseldorf und Arnsberg haben in Zusammenarbeit mit

den 13 von hoher Luftbelastung betroffenen Städten der Metropole Ruhr einen regionalen

Ansatz erarbeitet. Zur Steigerung der Akzeptanz wurden die Einbindung der Wirtschafts- und

Umweltverbände sowie eine umfassende Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt. Die mehr

als 80 Einzelmaßnahmen des Luftreinhalteplans Ruhrgebiet hatten die Emittentengruppen

Gewerbe/Industrie, private Haushalte und Verkehr im Fokus. Die Teilpläne Nord, West und

Ost sind am 1. August 2008 in Kraft getreten. Alle Projekte befinden sich in der Umsetzung.

Der 2011 aktualisierte Luftreinhalteplan umfasst 115 Maßnahmen.

Lokale Maßnahmen

Eine nachhaltige Wirkung hat man von den am 1. Oktober 2008 geschaffenen neun

Umweltzonen zwischen Duisburg und Dortmund erwartet. In Essen wurde auf einer Fläche

von 84 km² (40 % des Stadtgebietes) ein Fahrverbot für alle Fahrzeuge der

Schadstoffgruppe 1 (ohne Plakette) ausgesprochen.

Die Regelung der Fahrverbote sowie alle formalen Aspekte, wie z.B. die gegenseitige

Anerkennung von Ausnahmegenehmigungen bis zur Gestaltung von Dokumenten wurde

regional einheitlich geregelt und gemeinsam in Zusammenarbeit mit dem Regionalverband

Ruhr kommuniziert.

Eine vergleichende Untersuchung des Landesamtes für Natur, Umwelt und

Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) zur Luftbelastung mit Feinstaub (PM10)

und Stickstoffdioxid in den Umweltzonen des Ruhrgebiets kam zu positiven Ergebnissen.

Bei Betrachtung der Jahre 2007 und 2009 (vor und nach Einführung der Umweltzonen)

konnten Belastungsabnahmen überwiegend der Maßnahme Umweltzone zugeschrieben

werden(7). Je nach Ansatz bewegte sich die Minderung innerhalb der Umweltzonen

gegenüber der Situation außerhalb zwischen 2,1 und 2,4 g/m³ für PM10 und zwischen 1,2

und 3,7 g/m³ für NO 2 im Jahresmittel.

Auf der Grundlage der vorliegenden Erfahrungen wurde der Luftreinhalteplan

fortgeschrieben und ist mit einem aktualisierten Maßnahmenprogramm am 15. Oktober 2011

in Kraft getreten (5).

8


Neben einer Vielzahl langfristiger Maßnahmen, die auf die Verringerung von

Verbrennungsprozessen ausgerichtet sind, stellen die Schaffung einer zusammenhängenden

ruhrgebietsweiten Umweltzone, die Einrichtung eines Fahrverbots für Lkw auf

der Gladbecker Straße und die zeitlich begrenzte Sperrung der A40-Anschlussstelle Essen-

Frillendorf die effektivsten Maßnahmen dar.

Mit Wirkung vom 1.Januar 2012 wurde im Ruhrgebiet die mit einer Fläche von 870 km²

größte Umweltzone Deutschlands und die nach London zweitgrößte Low-Emission-Zone

(LEZ) Europas eingerichtet (Abb. 5.7). Allein der Teil der Essener Umweltzone umfasst 163

km³ und überdeckt 78 % des Stadtgebietes. Die Fahrverbote werden schrittweise verschärft.

Sie orientieren sich an der sogenannten „Plakettenverordnung“ (35.BImSchV), die eine

abgasbezogene Klassifizierung von Kraftfahrzeugen regelt (8).

Abb. 5.7: Umweltzone Ruhrgebiet (Quelle: Bezirksregierung Düsseldorf)

Mit Wirkung vom 1. Januar 2013 ist die Einfahrt auf die Fahrzeuge mit gelber und grüner

Plakette beschränkt. Hiermit werden nur noch Dieselfahrzeuge ab Euro 3 und Benzinfahrzeuge

ab Euro 2-Standard zugelassen. Von dem Fahrverbot sind seit 2007 insgesamt

ca. 23.000 Kfz ohne und mit roter Plakette (8,3 % des Gesamtbestandes) betroffen. Obwohl

diese Zahl geringer war als erwartet, hat die Einführung von Umweltzonen die

Flottenerneuerung in Essen deutlich beschleunigt. Anfang 2013 waren nur noch 5.337 Kfz.

ohne und mit roter Plakette in Essen zugelassen. Dies entspricht 1,87 % des

Gesamtbestandes.

Die Umweltzone wird ihre volle Wirkung ab dem 1. Juli 2014 entfalten, wenn die Einfahrt auf

alle Fahrzeuge mit grüner Plakette beschränkt wird.

Neben der Umweltzone wurde an der B224 in Essen ein Lkw-Verbot an Werktagen zwischen

6:00 und 13:00 Uhr mit einer Umleitungsempfehlung eingerichtet. Der in den Vormittagsstunden

grenzwertüberschreitenden PM10-Belastung konnte auch auf diesem Wege wirksam

begegnet werden (Abb. 5.5: Gladbecker Straße).

Nach Einrichtung einer Vollsperrung der A40-Anschlussstelle Essen-Frillendorf an Werktagen

zwischen 7:30 und 9:30 Uhr ist es gelungen, den Stop-and-Go-Verkehr auf der A40 in

diesem Zeitraum aufzulösen.

9


In diesem Zeitabschnitt geht die Immissionsbelastung deutlich zurück (Abb. 5.5: Frillendorf).

Die Verkehrssituation wird durch den Neubau eines Anschlusses zukünftig entzerrt.

Unterrichtung der Öffentlichkeit

Die Aufstellung und Umsetzung der Aktions- und Luftreinhaltepläne ist mit Beteiligung der

Wirtschafts-, Umwelt-, Verkehrsverbände und der Öffentlichkeit erfolgt. Es wurde ein

reichhaltiges Informationsangebot für die Bevölkerung erarbeitet (12):

Abb. 5.8: Information der Bevölkerung über die Einführung der ersten Umweltzone 2008 (Quelle: Stadt Essen)

• Informationsveranstaltungen in Bürgerzentren / Vereinen (Abb. 5.8).

• Formale Öffentlichkeitsbeteiligung (Offenlage der Planentwürfe), fachliche Abwägung der

Einwände und Vorschläge.

• Flyer, Informationsblätter und Broschüren in den Bürgerämtern:

„Wer hat der hat – Information zur Plakettenpflicht von Kfz“

„Fragen und Antworten zur Essener Umweltzone„

„10 Aussagen zur Essener Umweltzone“

„Förderung umweltfreundlicher Fahrzeugtechnik für Unternehmen“

„Abgasminderung bei Diesel-Fahrzeugen“

10


5 C. Zukunftspläne

Die Strategie der Stadt Essen zur Verbesserung der Luftqualität orientiert sich an den

Perspektiven 2020 und 2035 und ist auf ein zweistufiges Ziel ausgerichtet. In erster Linie soll

die dauerhafte Stabilisierung der Konzentration von Schadstoffen in der Luft (PM10, NO 2 ) auf

einem Niveau unterhalb der EU-Grenzwerte auch an Belastungsschwerpunkten erreicht

werden. Im zweiten Schritt wird angestrebt, die WHO-Richtwerte einzuhalten.

Ziel 2020:

Verringerung des PM10-Jahresmittelwertes auf


• Die ab 2013 geltende EURO VI-Norm für Lkw sowie die ab September 2014 verbindliche

Euro 6-Norm für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge können bis 2020 eine Flottendurchdringung

von mehr als 50 % erreichen. Mit diesen Vorgaben sind eine Senkung des

Treibstoffverbrauchs und eine Minderung der PM10- und NO 2 -Emissionen um bis zu 80 %

verbunden. Diese Entwicklung wird der Stadt Essen die Aufgabe zur Einhaltung von

Immissionsgrenzwerten deutlich erleichtern.

Abb. 5.9: Metropolrad Ruhr am Essener Hauptbahnhof (Quelle: Regionalverband Ruhr)

• Eine Schlüsselfunktion übernimmt das Leitbild der Stadt Essen zum Modal-Split bis 2035

(25 % MIV, 25 % ÖV, 25 % Radverkehr, 25 % Fußverkehr). Im Vergleich zur heutigen

Situation wird eine Verringerung des Individualverkehrs um 29 % angestrebt (Abb. 5.9).

Der zunehmende Einsatz von Elektromobilität, Flüssiggas- und Erdgasantrieben wird die

Verringerung von Verkehrsemissionen unterstützen. Die hiermit verbundene Minderung

des Berufsverkehrs, vor allem des Pendlerverkehrs mit dem Pkw wird eine nachhaltige

Wirkung auf der Immissionsseite erzeugen. Darüber hinaus sind weitere abgestimmte und

schärfere Maßnahmen in der ganzen Region, insbesondere mit dem Fokus auf

Straßenverkehr und Industrie umzusetzen. Die tatsächlichen Wirkungen der Maßnahmen

werden mittels Monitoring und Szenarioanalysen im Vorfeld abgeschätzt.

• Die Verringerung des Kfz-Verkehrs erfolgt in erster Linie durch die Erweiterung der

Radinfrastruktur und den Ausbau des ÖPNV. Im Jahr 2011 wurden 122,8 Mio. Fahrgäste

im Essener Nahverkehr transportiert. Diese Zahl konnte 2012 auf 125,3 Mio. gesteigert

werden. Der gesamte Investitionsbedarf in Anlagen, Gebäude, Fahrzeuge und Betriebsmittel

des Essener ÖPNV liegt in den Jahren 2013 – 2017 bei ca. 234 Mio. €.

12


• Fahrgastinformationssystem im ÖPNV.

• Beteiligung am koordinierten „Lkw-Routenkonzept“ der Metropole Ruhr, um eine umweltfreundliche

Führung des Lkw-Verkehrs zu entwickeln, dessen Routenempfehlungen an

die Anbieter von Navigationssystemen weitergegeben werden.

Abb. 5.10: Der öffentliche Nahverkehr in Essen (Quelle: Stadt Essen)

• Ausweisung dieser Lkw-Routen in Kombination mit sogenannten „Millieuzonen“ nach dem

Muster der Niederlande in belasteten Bereichen.

• Betrieb des Verkehrsinformationssystems „Ruhrpilot“.

• Digitales Parkleitsystem in der Essener Innenstadt mit dem auch Informationen zur Umwelt

dargestellt werden.

• Einführung einer „Versuchszone E-Mobilität im Alltag“ in der Viehofer Straße (Essen

Innenstadt).

• Im Westen der Stadt wird der vierspurige „Berthold-Beitz-Boulevard“ zur verkehrlichen

Umgehung der Innenstadt errichtet, der auch mit einer neuen Straßenbahntrasse der

Linie 109 ausgestattet ist. Ziel ist die Entlastung der Hot Spots Hindenburgstraße und

Hans-Böckler-Straße. Von den drei Bauabschnitten konnten zwei Streckenabschnitte im

Jahr 2009 in Betrieb genommen werden. Der 3. Bauabschnitt wird zurzeit realisiert

(Gesamtkosten: 80 Mio. €).

13


• Verlegung der A40-Anschlussstelle Essen-Frillendorf zur Entlastung des Hot-Spot

Hombrucher Straße. Neubau der Anschlussstellen „Nord“ und „Süd“ (Gesamtkosten: 30

Mio. €).

• Umbau der Verkehrsführung von Essen-Werden zur Beseitigung des verkehrlichen Hot

Spots in der Brückstraße (Gesamtkosten: Grobschätzung: ca. 3,5 – 4 Mio. € ohne Lärmschutzmaßnahmen).

• Verringerung der Emissionen von Einzelfeuerstätten. Mit dem Instrument einer

„Brennstoffverordnung“ soll die gesetzliche Stufenregelung (11) zur Verschärfung der

Zulassungsbedingungen von Kleinfeuerungsanlagen mit festen Brennstoffen vorgezogen

werden.

• Weitere Absenkung der Emissionen aus Industrieanlagen durch Novellierung der TA-Luft

(2014-2015).

Zwischen den Themen Luftqualität, Lärmminderung, Klimaschutz und lokalem Verkehr

besteht eine gegenseitige Wirkungsbeziehung. Für die einzelnen Sektoren entwickelte

Maßnahmen werden durch synergetische Effekte eine zusätzliche positive Wirkung in jedem

der vorgenannten Themen entfalten.

5 D. Hinweise

(1) Prof. Dr. Bruckmann, Peter: Vom Smog zum blauen Himmel über der Ruhr – eine

Erfolgsgeschichte mit Lücken, in: Das Europäische Jahr der Luft 2013 – eine

Standortbestimmung in NRW. Fachkolloquium aus Anlass der Verabschiedung von

Prof. Dr. Peter Bruckmann. Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz

Nordrhein-Westfalen. Recklinghausen. 2013.

http://www2.lanuv.nrw.de/veroeffentlichungen/sonderreihen/bruckmann/Fachkolloquium

.pdf

(2) Dr. Wurzler, Sabine; Dr. Verbücheln, Georg: Wie bekommen wir Natur- und

Immissionsschutz unter einen Hut? in: Das Europäische Jahr der Luft 2013 – eine

Standortbestimmung in NRW. Fachkolloquium aus Anlass der Verabschiedung von

Prof. Dr. Peter Bruckmann. Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz

Nordrhein-Westfalen. Recklinghausen. 2013.

http://www2.lanuv.nrw.de/veroeffentlichungen/sonderreihen/bruckmann/Fachkolloquium

.pdf

(3) Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. Trends.

Langjährige Entwicklungen ausgewählter Schadstoffkomponenten. Recklinghausen.

2013. http://www.lanuv.nrw.de/luft/immissionen/ber_trend/trends.htm

(4) Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. Bericht über

die Luftqualität im Jahre 2011. LANUV-Fachbericht 42. Recklinghausen. 2012.

http://www2.lanuv.nrw.de/veroeffentlichungen/fachberichte/fabe42/Fabe42.pdf

(5) Bezirksregierung Düsseldorf: Luftreinhalteplan Ruhrgebiet, Teilplan West. Düsseldorf.

15.10.2011. http://www.umweltzonennrw.de/02_luftreinhalteplaene/Luftreinhalteplan_Ruhrgebiet

(6) Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des

Landes Nordrhein-Westfalen, MKULNV (Hrsg.). Action Program Environment and

14


Health North Rhine-Westphalia. Evaluation of the Clean Air Plans Ruhr District and

Düsseldorf. Exposure and Health Effects. Düsseldorf. 2009. Short version.

http://www.apug.nrw.de/pdf/APUG_Evaluation_LRP_Broschuere.pdf

(6a) Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit Nordrhein-Westfalen. Evaluation der

Luftreinhaltepläne Ruhrgebiet und Düsseldorf. Exposition und gesundheitliche

Wirkungen. Düsseldorf. 2009. Langversion.

http://www.apug.nrw.de/pdf/Endbericht_APUG_Evaluation_LRP.pdf

(7) Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen,

Recklinghausen. Bruckmann, Peter; Brandt, Andreas; Wurzler, Sabine; Vogt, Klaus;

Do Low Emission Zones Improve Air Quality? VDI-Fachtagung. Neue Entwicklungen bei

der Messung und Beurteilung der Luftqualität. Baden-Baden. 11.–12. Mai 2011.

http://trid.trb.org/view.aspx?id=1212280

(8) Verordnung zum Erlass und zur Änderung von Vorschriften über die Kennzeichnung

emissionsarmer Kraftfahrzeuge. 35. Verordnung zur Durchführung des Bundes-

Immissionsschutzgesetztes in der Fassung vom 5.12.2007 (35. BImSchV).

Bundesgesetzblatt Jahrgang 2007, Teil I, Nr. 67. Blatt 2793.

http://www.gesetze-im-internet.de/bimschv_35/index.html

(9) Stadt Essen. Der Oberbürgermeister: CO 2 -Bilanz 1990 – 2009. Essen. 2012.

http://ris.essen.de/document/MgyPhzIfuFYn8Rn6Me.LfxEfw8aq8Xi0MgyPe.EawAWn8S

q9Qm4PcwCfuAUrBOn6Re1MewEbuCav9Pq4Pn.Pe-

IXw8aqBOn6Qm4PcwCfwCSm8Uk4OnyGcwCfsDSm6Ti0MgyPhuHcsDSm6Ti0Ne.Ldw

GfsCSn6Pj6QiyGe.EauHSmGJ/CO2-Bilanz_1990_-_2009.pdf

(10) Klimabündnis Europäischer Städte: Konkrete Ziele. 2013.

http://www.klimabuendnis.org/home.html?&L=1

(11) Erste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetztes

(Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen – 1. BImSchV) in der Fassung

vom 26.10.2010. Bundesgesetzblatt Jahrgang 2010, Teil I Nr. 4.

http://www.bmu.de/service/publikationen/downloads/details/artikel/verordnung-ueberkleine-und-mittlere-feuerungsanlagen-1-bimschv/

(12) Weitere Beispiele für Öffentlichkeitsbeteiligung:

Information über Inhalte und Hintergründe auf den Internetseiten der Stadt Essen:

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Luft/ThemenseiteLuft.html

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Luft/Umweltzonen/Startseite.html

Medien des Landes NRW:

„Saubere Luft in unseren Städten“

„Gesundheitsschutz im Mittelpunkt“

„Luftqualitätsüberwachung in Nordrhein-Westfalen“

„Diesel nur mit Partikelfilter“

Aktuelle Luftqualitätsdaten des LANUV:

http://www.lanuv.nrw.de/luft/immissionen/aktluftqual/pm10ueberschreitungen.htm

Immissionskenngrößen: http://www.lanuv.nrw.de/luft/immissionen/ber_trend/kenn.htm

Informationen des Landes NRW:

http://www.umwelt.nrw.de/umwelt/umweltzonen/index.php

15


Themenfeld 06: Qualität der akustischen Umgebung

6 A. Gegenwärtige Situation

Die Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert wurde durch die Montanindustrie dominiert.

Hierdurch entstanden komplexe Geflechte von DB 1 -Trassen, Werkbahnen und -straßen, eine

starke Innenverdichtung und eine Agglomeration von Wohnen und Arbeiten. Das dichte Netz

der Verkehrswege ist die Ursache für eine hohe Grundlärmbelastung.

Die Länge des Straßennetzes beträgt 1.630 km, davon sind 40,5 km als Autobahnen

ausgebaut und 39,2 km als Bundessstraßen gewidmet. Die Straßen-, Schienen- und

Wasserwege sind als leistungsfähige Ost-West-Verbindungen ausgeprägt, bilden jedoch

zum Teil massive städtebauliche Barrieren. Die Autobahnen A 2 (Höhe Oberhausen-

Sterkrade, Lkw-Anteil 18,5 %), A 42 (Höhe Oberhausen-West, Lkw-Anteil 14 %) und A 52

(Höhe Essen-Haarzopf, Lkw-Anteil 10,1%) nehmen im Wesentlichen den Transitverkehr

durch die Region auf. Die A 40 (Höhe Essen-Kray, Lkw-Anteil 8,7%) verbindet die Zentren

der Ruhrgebietsstädte auf direktem Wege und übernimmt mit ihrem geringen Transitanteil

eine überwiegend regionale Funktion (1).

Essen verfügt über einen Hauptbahnhof mit ICE-Anschlüssen, fünf Regionalbahnhöfe und

22 S-Bahn-Stationen. Der Hauptbahnhof hat sich mit täglich rund 150.000 Fahrgästen zu

einem der wichtigsten Verkehrsstandorte in Deutschland entwickelt (2). Den öffentlichen

Personennahverkehr (ÖPNV) bedient die Essener Verkehrs-AG (EVAG) mit 57

Omnibuslinien (Linienlänge 459 km), sieben Straßenbahnlinien (Linienlänge 83 km) sowie

drei U-Bahn- bzw. Stadtbahnlinien (Linienlänge 29 km) und ca. 125 Millionen Fahrgästen

jährlich (3).

Der Rhein-Herne-Kanal verbindet den Rhein bei Duisburg mit dem Dortmund-Ems-Kanal; er

ist einer der meistbefahrenen Binnenschifffahrtskanäle Europas. Zirka 19.400 (2012) Schiffe

aus aller Welt passieren jährlich das nördliche Stadtgebiet von Essen und transportieren

Kohle, Mineralöle, Erze, Schrott, Baustoffe, chemische Güter sowie Nahrungsmittel, die

teilweise im Essener Stadthafen umgeschlagen werden (4).

Waren in der Stadt Essen in den 1960er und 1970er Jahren Industriebetriebe die

Hauptlärmverursacher (Zechen und Stahlwerke), so ist es heute fast ausschließlich der

Straßenverkehr sowie die Eisenbahn entlang der Hauptstrecken und im Bereich der (Güter-)

Bahnhöfe. Insofern hat der sozioökonomische Strukturwandel auch zur Minderung der

Lärmbelastung der Menschen beigetragen.

Bei der dennoch weiterhin hohen Belastung durch Straßen- und Schienenlärm ist zu

beachten, dass die Stadt Essen mit ca. 571.000 Einwohnern (5) und als bedeutender

Wirtschaftsstandort erhebliche Ziel-, Quell- und Binnenverkehre erzeugt. Hinzu kommen

Durchgangsverkehre sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße. Zu nennen sind hier

vor allem die Bundesautobahnen und die Bahnstrecken im Personen- und Güterverkehr. Die

Entwicklung beim Verkehrslärm ist deshalb im Gegensatz zu vielen anderen

Umweltbelastungen insgesamt durch wachsende Emissionen geprägt. Der wachsende LKW-

Verkehr kompensiert oft die Erfolge der Lärmminderungsmaßnahmen.

Mit ambitionierten und wirksamen Lärmaktionsplänen und unter Mitwirkung der Öffentlichkeit

wird Lärmminderung in dieser Stadt aktiv betrieben. Belastungen oberhalb der besonders

gesundheitsgefährdenden Schwellen von 65/55 dB(A) ganztags / nachts sollen kurzfristig

möglichst umfassend vermieden und langfristig unterschritten werden.

1 Deutsche Bahn (Personen- und Güterbahntrassen)

1


Betroffenenzahlen

Straßenverkehr

[2011]

Schiene

EVAG

[2011]

Schiene

Deutsche

Bahn

[2008]

Flughafen

Düsseldorf

[2011]

Flughafen

Essen /

Mülheim

[2011]

IVU-Anlagen

2

und

Häfen

[2011]

L DEN

[dB(A)]

Einwohner

24 h

55 - 60 57.113 6.674 19.860 5.131 9.915 390

60 - 65 36.695 6.660 8.760 0 134 63

65 - 70 33.376 6.587 3.620 0 0 20

70 - 75 25.905 2.206 1.490 0 0 0

> 75 11.174 213 470 0 0 0

Summe 164.263 22.340 34.200 5.131 10.049 473

L night

[dB(A)]

Einwohner

Nacht

45 - 50 64.986 7.087

nicht

ermittelt

0 0 520

50 - 55 41.107 6.830 15.670 0 0 94

55 - 60 35.416 6.864 7.010 0 0 38

60 - 65 25.274 2.872 2.900 0 0 0

65 - 70 8.144 282 1.090 0 0 0

> 70 531 3 330 0 0 0

Summe 175.458 23.938 27.000 0 0 652

Abb: 6.1: (Quelle: Kuhlmann, Umweltamt Essen)

Gesamtbetroffene in %

L DEN

Betroffene > 55 dB(A)

L night

Betroffene > 45 dB(A)

Straßenverkehr 28,75 % 30,71 %

Schiene EVAG 0,04 % 0,04 %

Schiene Deutsche Bahn 0,06 % > 50 dB(A) 0,05 %

Flughafen Düsseldorf 0,01 % 0,00 %

Flughafen Essen/Mülheim 0,02 % 0,00 %

IVU-Anlagen und Häfen 0,00 % 0,00 %

Abb.6.2: (Quelle: Kuhlmann, Umweltamt Essen)

Die Firma LK Argus GmbH (6) hat Potenzialflächen für „Ruhige Gebiete“ ermittelt. Für deren

Festsetzung wurde eine Gesamtlärmkarte erstellt, die als akustische Grundlage für die

überlagernde Darstellung der einzelnen Emittenten dient. Als „Ruhige Gebiete“ im

Landschaftsraum sollen land- oder forstwirtschaftliche Naturräume, Park- oder Grünflächen

2 IVU-Anlagen: Anlagen, die nach der „EU-Richtlinie über die Integrierte Vermeidung und Verminderung

der Umweltverschmutzung(IVU-Richtlinie)“ einer Genehmigung bedürfen, abgelöst durch die Richtlinie

2010/75/EU ("Industrieemissionsrichtlinie")

2


sowie Freizeit- und Erholungsgebiete, die möglichst eine Größe von > 4 km² und einen L DEN

< 50 dB(A) auf der Kernfläche haben, vorgeschlagen werden. Im innerstädtischen Bereich

sind als „Ruhige Gebiete“ Grün- und Erholungsflächen mit hoher Aufenthaltsfunktion (z.B.

Grünanlagen, Kleingartenanlagen) vorgesehen, die eine Größe von > 0,03 km² und einen

L DEN < 55 dB(A) aufweisen. Diese vorgeschlagenen Flächen werden mit den

Potenzialanalysen für zukünftige Wohn- und Gewerbestandorte abgeglichen. Die so

ermittelten „Ruhigen Gebiete“ sollen als Vorschlag in den Mitwirkungsprozess eingeführt

werden. Die Bevölkerung kann eigene Vorschläge einbringen und die Vorschläge der

Verwaltung bewerten.

Abb .6.3: Karte der geplanten „Ruhigen Gebiete“, (Quelle: LK Argus)

In den von der Verwaltung geplanten „Ruhigen Gebiete“ leben ca. 12.000 Menschen, im

Umkreis von 300 m der „Ruhigen Gebiete“ wohnen ca. 278.000 Bürger, das sind zusammen

ca. 51 % der Bevölkerung der Stadt Essen. Die Einzugsfläche 3 der „Ruhigen Gebiete“

beträgt ca. 85 km².

Anvisierter Zeitplan der Lärmaktionsplanung

04 - 07/2013 Analysen durch den externen Berater

07 - 10/2013

Vorstellung der Lärmkarten und Betroffenenzahlen in den politischen

Gremien

07 - 10/2013 Beratungen mit den Fachbereichen

09/2013 1. Phase der Online-Beteiligung

3 Einzugsgebiet = 300 m im Umkreis um die „ruhigen Gebiete“

3


10/2013 - 01/2014 Analyse der Beteiligung mit den Fachbereichen

02 - 03/2014 Gesamtkonzept und Wirkungsanalysen, Maßnahmenkatalog

04/2014 2. Phase der Online-Beteiligung

05/2014 Kosten-Nutzen-Analyse durch den externen Berater

06 - 07/2014 Lärmaktionsplanentwurf

Beschluss des Verwaltungsvorstandes und Beteiligung der politischen

08 - 09/2014

Gremien

10/2014 Beteiligung der Öffentlichkeit (Offenlage)

12/2014 Beschluss des Verwaltungsvorstandes und Rat der Stadt Essen

12/2014 Übermittlung des Lärmaktionsplans an das Land NRW

Abb. 6.4: (Quelle: Kuhlmann, Umweltamt Essen)

6 B. In der Vergangenheit erzielte Ergebnisse

Schützenswerte Gebäude

Eine Einstufung des Stadtgebietes in Lärmklassen mit Lärmgrenzwerten ist in Bearbeitung.

Die Stadt Essen plant, kurzfristig die Lärmbelastung an Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten

auf Werte unter 65 dB(A) am Gesamttag abzusenken; langfristig soll erreicht werden,

dass die Werte unter 60 dB(A) sinken. An Krankenhäusern soll die Belastung nachts

um 10 dB(A) niedriger liegen als am Gesamttag.

Mitwirkung der Öffentlichkeit

Als begleitendes Beratungsgremium wurde zur Vorbereitung des Lärmaktionsplanes 2010

ein Lärmbeirat mit Vertreter/innen aus Politik, Wirtschafts-, Umwelt- und Verkehrsverbänden,

der Wohnungswirtschaft und Forschungseinrichtungen sowie Bürgerinitiativen

eingerichtet. Wesentliche Themen und Anregungen aus den Beratungen sind in die konzeptionelle

Arbeit des Lärmaktionsplanes eingegangen.

Die Stadt Essen hat während der Lärmaktionsplanung eine „frühzeitige und wirksame“ Bürgerbeteiligung

durch ein vom Umweltministerium NRW gefördertes Pilotprojekt als Online-

Verfahren in zwei Phasen durchgeführt. Ziel war es, möglichst vielen Bürger/innen auf unterschiedlichen

Wegen eine Beteiligung zu ermöglichen.

In der ersten Online-Phase konnten auf der Plattform www.essen-soll-leiser-werden.de Orte

auf den Lärmkarten gekennzeichnet werden, zu denen Anregungen gegeben werden sollten.

Die Auswertung der Beteiligungen ergab, dass die Beteiligten aus allen Stadtteilen und

Altersgruppen stammten. Die Anregungen wurden von den zuständigen Stellen geprüft und

gingen – soweit möglich - in den Entwurf des Lärmaktionsplanes ein. Auf der Online-

Plattform wurden regelmäßig Rückmeldungen zu Vorschlägen und zum Stand des Verfahrens

gegeben.

4


Abb. 6.5: Internetplattform www.essen-soll-leiser-werden.de (Quelle: Stadt Essen)

In der zweiten Onlinephase konnten die vorgeschlagenen Lärmminderungsmaßnahmen

bewertet und kommentiert werden. Diese Meinungsäußerungen wurden bei der weiteren

Priorisierung berücksichtigt. Die Plattform wurde bis zum Ende der zweiten Onlinephase ca.

133.000mal aufgerufen, die Nutzerzahl lag bei ca. 65.000.

Parallel zum Onlineverfahren fand je eine Bürgerversammlung statt. Schriftliche, telefonische

sowie persönliche Stellungnahmen wurden in das Onlineverfahren integriert.

Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Bezirksvertretungen

Den Trägern öffentlicher Belange wurde in beiden Online-Phasen die Möglichkeit der Beteiligung

und Mitwirkung gegeben. Sie konnten sich über die Lärmkartierung und den Rahmenplan

informieren sowie Stellungnahmen zum Lärmaktionsplan abgeben.

Die Beteiligung der Bezirksvertretungen fand in öffentlichen Sitzungen statt. Die Mitglieder

der Bezirksvertretungen hatten den Entwurf des Lärmaktionsplans vorab zur Durchsicht erhalten.

Ruhige Gebiete

Essen hat einen Anteil an Grün- und Wasserflächen von 53% und ist damit drittgrünste

Großstadt Deutschlands (7). Ein Verwaltungsvorschlag für „Ruhige Gebiete“ wird der Öffentlichkeit

im anstehenden Mitwirkungsprozess vorgestellt (siehe 6A). Zur Sicherung und Schaffung

von „Ruhigen Gebieten“ soll Lärmoptimierter Asphalt (LOA) zur Straßensanierung eingesetzt

werden.

5


Lärmminderungsmaßnahmen

Die ersten Lärmminderungsmaßnahmen des Essener Lärmaktionsplans 2010 (8) wurden in

den Jahren 2009 bis 2011 umgesetzt. Acht Straßenabschnitte wurden mit LOA saniert.

Der in Essen eingesetzte LOA mindert das direkte Reifengeräusch um bis zu acht dB(A);

kumuliert 4 wird eine Minderung des Lärms von vier dB(A) in die Lärmberechnung eingeführt.

Bis 2013 wurden fünf weitere Straßenabschnitte mit LOA erneuert. Die Gesamtfläche dieser

Maßnahmen beträgt ca. 104.000 m² und hatte ein Baukostenvolumen von ca. 12 Millionen €.

Grundsätzlich soll LOA bei allen Sanierungsmaßnahmen an stark lärmbelasteten Straßen

eingebaut werden.

Abb. 6.6. Aufbringung von lärmoptimiertem Asphalt (LOA) / (Quelle: Stadt Essen)

An drei sensiblen Hauptverkehrsstraßen (ca. 2,2 km) wurde aus Gründen

des Lärmschutzes eine nächtliche Geschwindigkeitsreduzierung

auf 30 km/h vorgenommen.

An diesen Streckenabschnitten informieren Geschwindigkeitsanzeiger

die Fahrzeugführer/innen über ihre aktuell gefahrene Geschwindigkeit

und speichern die Daten. Solche Anlagen machen Fahrzeugführer/innen

auf ihr zu hohes Tempo im Sinne einer aktiven Verkehrserziehung

aufmerksam.

Abb. 6.7: Hinweis Lärmschutz (Quelle: Stadt Essen)

Im Jahre 2010 wurden in Essen Lärmschutzfenster mit insgesamt 350.000 € bezuschusst

(200 € pro m² Fensterfläche). Damit wurden in 313 Wohnungen 718 Schallschutzfenster mit

2.526 m² Fensterfläche eingebaut und erhebliche Lärmminderungen in den Wohn- und

Schlafräumen erreicht.

4 Motorgeräusch, Luftwiderstand, usw.

6


In Essen werden ständig neue Radwege in Grünanlagen - vielfach durch den Umbau ehemaliger

Bahntrassen – und durch das Ausweisen von Radfahrstreifen an Straßen gebaut,

um den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. Dadurch ist in Essen inzwischen das

"Grüne Hauptroutennetz" entstanden, dessen Radwege überwiegend abseits viel befahrener

Straßen durch Grünanlagen, Parks und Wälder führen.

Das Netz umfasst insgesamt ca. 148 km, 24 km sind in Planung. Damit ist es dann möglich,

die Stadt Essen von fast jedem Ortsteil sowohl in Nord-Süd, als auch in Ost-West-Richtung

zu durchqueren, ohne eine Straße benutzen zu müssen. Im Hauptroutennetz sind ca. 120

km und im Ergänzungsnetz ca. 110 km Radverkehrsanlagen realisiert. Der Ausbau von Radverkehrsanlagen

wird schrittweise ergänzt.

Durch ein neues Parkleitsystem mit über 120 Schilderstandorten und rd. 340 Einzelanzeigen

wurde der Parksuchverkehr reduziert. Allein 6.300 Kfz-Kilometer können täglich durch das

neue System vermieden werden, mit positiven Effekten beim Lärm, der Luftbelastung und

der Unfallhäufigkeit. Die Kosten betrugen rund 2.200.000 €. An wichtigen Kreuzungen können

über LCD-Anzeigen noch Zusatzinformationen zu Umweltbelangen (Ozonwerte) und

Veranstaltungshinweise gegeben werden. Durch das Parkleitsystem werden rund 12.000

Parkplätze dynamisch verwaltet.

Abb. 6.8: Parkleitsystem mit Ozonwertangabe (Quelle: Stadt Essen)

2009 wurden an der A40 zwischen Essen-Frohnhausen und Essen-Huttrop 19.100 m² marode

Verkleidungen an den Lärmschutzwänden durch hoch absorbierende Wandelemente ersetzt.

Der offene westliche Abschnitt der A40 (3 km) wurde ab 2002 mit OPA 5 saniert, bis Ende

2015 soll auch der offene östliche Abschnitt (7,6 km) mit OPA erneuert werden

Um die Lärmemissionen der Straßen- und U-Bahnen in den Kurven und Gleisschleifen zu

verringern, wurden Straßenbahnen mit Schienenkopfbehandlungsanlagen ausgerüstet.

5 OPA: Offenporiger Asphalt (- 5 dB(A))

7


An ausgewählten Punkten wird GPS-gesteuert ein Gleitmittel auf die Schienenoberfläche

gesprüht. Dadurch wird der relativ hohe Reibungswert bei trockenen Schienen soweit reduziert,

dass die Quietschgeräusche in den Kurven erheblich vermindert werden. Langzeitmessungen

ergaben, dass die Pegelspitzen um bis zu 15 dB(A) reduziert werden können.

Im öffentlichen Personennahverkehr wurden Taktzeiten optimiert, das Netz wurde ausgedehnt

bzw. modernisiert und Haltestellen wurden barrierefrei ausgebaut. Im Rahmen der

Umsetzung des Nahverkehrsplans wird der Weiterausbau der Bevorrechtigung des ÖPNV

durch Vorrangschaltung der Lichtzeichenanlagen vorangetrieben.

Die Stadt Essen hat in Kooperation mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr für Empfänger von

Transferleistungen die Einführung des „mein Ticket“ beschlossen, zurzeit haben rd. 100.000

Personen in Essen darauf Anspruch. Zusätzlich bietet die EVAG für Großkunden Firmen-

Tickets an, die privat genutzt werden können.

Die Sanierung an Schienenwegen des Bundes ist mit Einleitung des Plananordnungsverfahrens

im Mai 2012 gestartet worden. In den Jahren 2014 – 2017 sollen im Stadtgebiet ca. 12

km Schienenwege lärmsaniert werden.

Rund 41,8 Millionen € sind für die energetische Sanierung und den Umbau von Schulen und

Kindertagesstätten in den Jahren 2009 und 2011 geflossen. Beim Einbau von Fenstern wurde

besonders Wert auf die Senkung des Energieverbrauches gelegt; die eingebauten Fenster

weisen durch einen verbesserten Standard jedoch auch eine Optimierung beim Lärmschutz

aus. Seit 2009 sind in 21 Schulen und sechs Kindertagesstätten im städtischen Eigentum

Fenster zum o. g. Zweck erneuert worden. (9)

Als sehr effektive Lärmminderungsmaßnahme hat sich der Einbau von LOA erwiesen, vor

allem vor dem Hintergrund, dass nicht nur der Lärm merklich gemindert wird, sondern auch

die Sanierung schadhafter Fahrbahndecken mit annährend gleichen Kosten zur herkömmlichen

Fahrbahnsanierung erfolgte. Als schnelle und mit geringen Kosten verbundene Lärmminderungsmaßnahme

ist die Einführung von Tempo 30-Strecken anzusehen.

Umsetzungsstand

Die Stadt Essen kümmert sich mit ihrem Lärmaktionsplan unter Einbeziehung der Öffentlichkeit

intensiv um die Lärmminderung. Die Maßnahmen aus dem Lärmaktionsplan 2010

sind weitgehend umgesetzt.

Die bis dato festgeschriebenen Lärmminderungsmaßnahmen sind in harte und weiche Maßnahmen

einzustufen. Zu den „harten“ Maßnahmen zählen die Fahrbahnsanierung mit LOA,

Geschwindigkeitsbegrenzungen, Geschwindigkeitsanzeiger, passiver Schallschutz und

Schienenkopfbehandlung. Die vorgenannten Maßnahmen wurden zu 100 % umgesetzt.

Die „weichen“ Maßnahmen wie Förderung des ÖPNV, der Elektromobilität, des Rad- und

Fußverkehrs und Erstellung von Lenkungs- und Mobilitätskonzepten sind Maßnahmen die

auf längere Zeiträume ausgelegt sind und einer dauernden Fortschreibung bedürfen.

Die noch nicht umgesetzten Maßnahmen werden sukzessive angegangen. Soweit nötig

werden noch nicht ausgeführte Maßnahmen bei der derzeit laufenden Fortschreibung des

Lärmaktionsplanes in den neuen Maßnahmenkatalog aufgenommen.

8


Nr.

M1

M2

Kurzbeschreibung der Maßnahme

Lärmoptimierter Asphalt LOA 5 D an 7 Straßenabschnitten

Maßnahme ist umgesetzt

Geschwindigkeitsbegrenzung (nachts) als Pilotprojekt

auf 3 Straßenabschnitten

Die Maßnahme wurde wie geplant im Juli 2011 angeordnet.

Zuständigkeit

6 Umsetzung

FB 66 2009 - 2011

FB 66 2011

M3 Lärmmonitoring / Lärmüberwachungssystem FB 59 2014 ff

Umsetzung soll noch erfolgen

M4 Geschwindigkeitsanzeige FB 66 2010

M5

M6

M7

Die 3 Geschwindigkeitsanzeiger wurden in den Bereichen der

Maßnahme M2 installiert.

Passiver Schallschutz, Lärmschutzfenster- und Lärmdämmlüfterprogramm

FB 59/68 2009

Für die Umsetzung standen 350.000 € aus dem Konjunkturpaket II zur Verfügung.

Insgesamt wurden 128 Anträge mit einem Mittelbedarf für rd. 470.000 €

gestellt; hiervon konnten 97 Anträge mit einem Fördervolumen von rd. 323.000

€ berücksichtigt werden. Das damit ausgelöste Investitionsvolumen beläuft sich

auf rd. 650.000 €. Es wurden inzwischen in allen betroffenen 313 Wohnungen

718 Fenster mit 2.526 m² Fensterfläche eingebaut.

Lärmoptimierter Asphalt im Rahmen der Straßeninstandsetzung

/-erneuerung

FB 66

Von den vorgesehenen 22 Straßenabschnitten wurden 5 Sanierungsabschnitte

umgesetzt.

Geschwindigkeitsbegrenzung (nachts) auf weiteren

Straßenabschnitten

Planungen zur Umsetzung für den Lärmaktionsplan (LAP) 2014 wurden

eingeleitet.

FB 66

2010 ff

2012 ff

M8 Fortführung des Lärmschutzfensterprogramms FB 59/68 2012 ff

Da keine Förderprogramme durch die EU, den Bund oder das Land NRW aufgelegt

wurden, ist eine Umsetzung nicht erfolgt.

M9 Förderung des ÖPNV

06-01,

EVAG

2010 ff

6 FB 59, 61, 66, 68, 06-01, : Organisationseinheiten der Stadtverwaltung Essen

EVAG: Essener Verkehrs-AG (Konzern Stadt Essen)

EVB: EVV Verwertungs- und BetriebsGmbH (Konzern Stadt Essen)

Straßen.NRW: Betrieb des Landes Nordrhein-Westfalen

9


Nr.

Folgende Maßnahmen des Nahverkehrsplans wurden umgesetzt:

• Optimierung der Taktzeiten

• Ausbau/Modernisierung des Netzes

• Verbesserung der Fahrgastinformationen

• Umbau zu barrierefreien Haltestellen (z.B. Zollverein, Essen Steele,

Hauptbahnhof, Katzenbruchstr. etc.)

• weiterer Ausbau der Vorrangschaltung der Lichtzeichenanlagen

• Ausbau des rechnergestütztes Betriebsleitsystem in den Fahrzeugen

der EVAG

Maßnahmen zur Verbesserung und Attraktivitätssteigerung des ÖPNV

• Firmen-Ticket für Großkunden

• Einführung eines „Sozialtickets“, ca. 100.000 Berechtige

• Neufahrzeuge der EVAG haben Euro 5 Abgasstandard

umfangreicher Gleisbaumaßnahmen + Sanierungen der Fahrbahnoberflächen

Kurzbeschreibung der Maßnahme

M12 Sonstige Lenkungskonzepte

Zuständigkeit

Umsetzung

FB 61,

66

2009 Parkleitsystem

2009 ff Bewohnerparken: 4 Stadtteile

Verflüssigung des Verkehrs durch Steuerung der Lichtzeichenanlagen soll im

anstehenden Lärmaktionsplan umgesetzt werden.

2009 ff

M13 Mobilitätsmanagement FB 59 2009 ff

Neufahrzeuge bei der EVAG nur nach EEV-Standard (besser als EURO 5)

Partikelfilternachrüstung bei 200 Linienbussen

EVAG unterstützt Carsharing (EVAG-Abo-Kunden) Sonderkonditionen

Verkehrsverbund Rhein ist Kooperationspartner des Internetportals

„mitpendler.de

M14 Aktivitäten zur Förderung der Elektromobilität

FB 59,

EVB

RWE-Sponsoríngprojektes „EBIKES ON TOUR“ 15 Elektrofahrräder

(E- Bikes / Pedelecs), 12 Ladestationen

Konzeptwettbewerb um innovative Lösungen im Mobilitätsmanagement

„effizient mobil“ gemeinsam mit a. Kommunen gewonnen, vom Preisgeld

wurden für jede Stadt 2 E-Bikes für Dienstfahrten angeschafft 40 Ladestationen

für Elektrofahrzeuge

2010 ff

M15 Arbeitshilfe zur Lärm- und Fassadensanierung FB 59 2010

Wird nicht umgesetzt, da Arbeitshilfen jetzt zugängig sind

M16 Schienenkopfbehandlung EVAG 2009 ff

Umrüstung der Bahnen ist erfolgt, Spitzenpegelminderung bis zu 15 dB(A),

Lärmminderung bei Vorbeifahrt in Kurven 7 dB(A)

M17 Maßnahmen von Straßen NRW

Straßen

NRW

30.000 m² Lärmschutzwand mit hochabsorbierenden Elementen saniert

Ausbau der A 40 von Frillendorf Richtung Bochum hat begonnen

Lärmbetrachtung der Autobahnen wird zurzeit durchgeführt, Lärmsanierung

M18 Maßnahmen der DB Netz AG

Plananordnungsverfahren im Mai 2012 gestartet

Lärmsanierung wird in den Jahren 2014 und 2017 durchgeführt

Abbildung 6.9 (Quelle: Kuhlmann, Umweltamt Essen)

Straßen

NRW

2010 ff

2010 ff

10


6 C. Zukunftspläne

Bis 2018 ist anvisiert, Belastungen oberhalb der Zielwerte von L DEN 65 dB(A) und L night 55

dB(A) möglichst umfassend zu vermeiden. Die Auslösewerte, bei deren Überschreitung ein

Lärmaktionsplan aufzustellen ist, sollen bei 55 dB(A) L DEN und 45 dB(A) L night liegen.

Langfristiges Ziel der Stadt Essen ist es, im Jahre 2035 keine Lärmbetroffenen oberhalb der

Pegelwerte von 55/45 dB(A) ganztags/nachts zu haben.

Diese Ziele sollen insbesondere mit folgender Maßnahmenstrategie erreicht werden:

• Stärker regional, strategisch und flächendeckend ausgerichtete Lärmminderungsaktivitäten,

• fachübergreifende Maßnahmenkombinationen (Verkehr, Lärmschutz, Luftqualität),

• Änderung des Modal Split,

• Umsetzung der Maßnahmen aus den Lärmaktionsplänen,

• Umsetzung von Straßensanierungsprogrammen,

• Lkw-Lenkungskonzepte,

• Geschwindigkeitskonzepte,

• kontinuierliches Monitoring der Lärmsituation.

Modal Split 2011 2020 2035

PKW (incl. Mitfahrer) 54 % 44 % 25 %

zu Fuß 22 % 23 % 25 %

Bus & Bahn 19 % 21 % 25 %

Rad 5 % 11 % 25 %

Abb. 6.10 Modal Spilt (Quelle: Stadt Essen)

Um die o. a. Ziele zu erreichen, müssen externe Akteure die ambitionierten Bemühungen der

Kommunen unterstützen:

• Der Bund und die DB AG müssen ihre Anstrengungen zur Lärmsanierung deutlich

erhöhen mit dem Ziel, 2018 die Lärmsanierungswerte bundesweit zu unterschreiten.

• Um eine deutliche Lärmreduzierung auf der Emissionsseite (Fahrzeuge, Straßen-beläge,

Reifen, usw.) zu erreichen, sind entsprechende Entwicklungen zu aktivieren und fördern.

• Eine kontinuierliche Information und Mitwirkung der Öffentlichkeit ist fachlich und zeitlich

über die Aufstellung des Lärmaktionsplans hinaus notwendig.

Geplante Lärmminderungsmaßnahmen

Für die Jahre 2013 – 2018 ist ein Arbeitsprogramm zur Sanierung von 27 Hauptverkehrsstraßenabschnitten

aufgestellt worden. Im Jahr 2014 werden noch 2 Straßenabschnitte aus

einem älteren Arbeitsprogramm saniert. Alle Straßensanierungsabschnitte haben zusammen

eine Fläche von ca. 450.000 m². Die Kosten belaufen sich auf ca. 38 Millionen

Die Reduzierung der Geschwindigkeit auf 30 km/h nachts soll auf Bereiche ausgeweitet werden,

die von Lärm- und Luftproblemen betroffen sind. Sollte es sich auch um einen Unfallschwerpunkt

handeln, kann evtl. Tempo 30 am Gesamttag eingeführt werden.

11


Im Zuge ihres Straßenbahnerneuerungsprogramms kauft die EVAG 27 neue laufruhigere

Straßenbahnen (70 Millionen €).

Zur Lärmsanierung an den bestehenden Schienenwegen des Bundes stellt das

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung jährlich 100 Milionen Euro zur

Verfügung. In Essen ist im Mai 2012 das Plananordnungsverfahren eingeleitet worden. Die

geplanten Lärmsanierungsmaßnahmen der DB ProjektBau (10) werden in den Jahren 2014

und 2017 an den Streckenabschnitten (ca. 12 km, Kosten ca. 16 Mio. €) umgesetzt, wo eine

Überschreitung der Sanierungsgrenzwerte von 70 dB(A) am Tag und 60 dB(A) in der Nacht

an den zu schützenden Gebäuden in reinen und allgemeinen Wohngebieten vorliegt.

Ca. 90 % der Autobahnen im Stadtgebiet von Essen werden nach Angabe des Landesbetriebes

Straßenbau Nordrhein-Westfalen schalltechnisch untersucht. Nach Auswertung

der Lärmuntersuchungen kann dann mit der Maßnahmenplanung begonnen werden.

Folgende Streckenabschnitte werden schalltechnisch untersucht:

• A40 AS Essen-Frohnhausen – AS Gelsenkirchen-Süd (4 km)

• A42 westlich AK Essen-Nord – AS Gelsenkirchen-Süd (4,35 km)

• A44 AS Langenberg – AS Essen-Heisingen (3 km)

• A52 nördlich AS Essen-Kettwig – AD Essen-Ost (7,3 km)

Beteiligung der Träger öffentlicher Belange, Bezirksvertretungen und Interessensgruppen

Die Träger öffentlicher Belange erhalten eine Mitteilung, wo sie sich über die Lärmkartierung

informieren können. Vor Aufstellung des Lärmaktionsplanentwurfs werden die Träger, deren

Interessen durch den Lärmaktionsplan berührt werden könnten, um Stellungnahme gebeten.

Die 9 Bezirksvertretungen als „bürgernahste Volksvertretung“ werden wie die Fachausschüsse

in öffentlichen Sitzungen über die Lärmkartierung informiert und an der Aufstellung

des Lärmaktionsplans beteiligt.

Interessensgruppen, z. B. Vertreter/innen aus der Politik sowie von Wirtschafts-, Verkehrsund

Umweltverbänden (z. B. Runder Umwelttisch Essen), der Wohnungswirtschaft, Bürgerinitiativen

und Forschungseinrichtungen werden – wie auch in der Vergangenheit – in angemessener

Form beteiligt.

Beteiligung der Öffentlichkeit

Wesentliches Element der geforderten Beteiligung und Mitwirkung bei der Lärmaktionsplanung

der Stadt Essen soll – wie auch schon im Jahre 2009 - ein Online-Tool darstellen,

das mit weiteren Formen der Information und Beteiligung besonders geeignet ist, die Mitwirkung

aller Interessenten sicherzustellen.

Als Vorteile des Online-Tools werden z. B. die längere Beteiligungsdauer, die Möglichkeiten

der zeit- und ortsungebundenen Beteiligung, die konstruktive Beteiligung auch bei Interessenskonflikten,

vor allem aber die strukturierte und transparente Abarbeitung, Filterung und

Zusammenführung vielfältiger Anregungen gesehen. Das Online-Tool ist das Beteiligungsinstrument

mit der größten Reichweite: bei gleichem Ressourceneinsatz können mehr Bürger/innen

(Prognose 85.000 Nutzer) einbezogen werden als z. B. bei Bürgerversammlungen.

12


In Essen verfügt das Online-Tool sowohl über eine Kommentar- als auch über eine Bewertungsfunktion.

Weiterhin wird die Plattform in Bezug auf Missbrauch überwacht, Fragen zum

Verfahren (Meta-Forum „Lob & Kritik“) werden beantwortet und die Teilnehmenden werden

bei Fragen oder Problemen mit dem System unterstützt. Schriftliche und telefonische Stellungnahmen

werden in das Onlineverfahren integriert. Nach Abschluss der Beteiligungsphase

werden die Ergebnisse statistisch und inhaltsanalytisch ausgewertet und in einer Zusammenstellung

dokumentiert; im Anschluss daran fließen die so erhaltenen Ergebnisse in

die Maßnahmenplanung zum neuen Lärmaktionsplan ein.

Ruhige Gebiete

Nachdem Vorschläge für lärmunbelastete Gebiete vorliegen, die als „Ruhige Gebiete“ (65,23

km²) festgesetzt werden könnten, werden in ämterübergreifenden Workshops die weiteren

Vorgehensweisen festgelegt. Geplant ist, alle geeigneten Parkanlagen als „Ruhige Gebiete“

festzulegen. Darüber hinaus soll dies auch bei Essens Waldgebieten und Grünflächen sowie

bei weiteren naturnahen Landschaften und Biotopen erfolgen.

An der Erhaltung und Vernetzung von Essens Grünzonen wird seit Jahren erfolgreich gearbeitet.

So wurden durch kombinierte Geh- und Radwege Verbindungen zwischen vorher getrennt

bestehenden Grünbereichen geschaffen. Dieser Prozess wird auch in der Zukunft

fortgeführt.

6 D. Hinweise

(1) Stadt Bochum (stellvertretend für die beteiligten Kommunen):

Logistische Bedeutung der A40 von Wolfgang Neuhoff. Stadt Duisburg. http://www.planunga40-b1.de/Logistische-Bedeutung-der-A40.139.0.html

(2) Stadt Essen: Essener Hauptbahnhof: Geschichte und Bedeutung. http://www.essenhbf.de/historie.html

(3) Essener Verkehrs-AG: Geschäftsbericht 2012.

https://www.evag.de/fileadmin/downloads/Geschaeftsberichte_Statistik_Organigramm/Gesch

aeftsbericht_EVAG_2012.pdf . Seite 25

(4) Stadt Essen: Der Rhein-Herne-Kanal.

http://www.essen.de/de/Leben/aktuelles_temp/der_rhein_herne_kanal.html

(5) Stadt Essen: Fachbereich für Statistik, Stadtforschung und Wahlen. Profilbericht

Bevölkerung. http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_12/bevoelkerungsatlas.html

(6) LK Argus Kassel GmbH, Ludwig-Erhard-Straße 8, 34131 Kassel

(7) Handelsblatt: Das sind Deutschlands grünste Städte.

http://www.handelsblatt.com/panorama/lifestyle/top-ten-das-sind-deutschlands-gruenstestaedte/4369498.html?slp=false&p=8&a=false#image

(8) Lärmaktionsplan 2010

https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/59/lrm/Laermaktionsplan_kleiner.pdf

(9) Klima Werkstadt Essen, Bilanzbericht 2012, Seite 19

http://ris.essen.de/document/MgyPhzIfuFYn8Rn6Me.LfxEfw8aq8Xi0MgyPe.EawAWn8Sq9Q

13


m4PcwCfuAUrBOn6Re1MewEbuCav9Pq4Pn.Pe-

IXw8aqBOn6Qm4PcwCfwCSm8Uk4OnyGcwCfsDSm6Ui1MgyPhuHcsDSm6Ui1MiyHc0CfsB

Sq6Pj6QiyGe.EauHSmGJ/Bilanzbericht_2012.pdf#search=eckpunkte%20kp%20netzwerkpa

rtnerschaft%20netzwerkpartner%20kpii%20ii%20variieren%20urbactii%20initiieren%20initiiert%2

0vii%20abschlussbericht

(10) DB ProjektBau GmbH, Herrrrann-Pünder-Straße 3, 50679 Köln

Ergänzende Links zur akustischen Umgebung:

Ratsbeschluss zum Lärmaktionsplan 2010:

http://ris.essen.de/document/MgyPhzIfuFYn8Rn6Me.LfxEfw8aq8Xi0MgyPe.EawAWn8Sq9Q

m4PcwCfuEUqAQm1Oi4Pg0KfsASvASi0Ok.Ke1CWsASv6Si1MkyHcxCasASvBOn6MiyHc.C

XsBSq6Si1Ne.LdwGfs9TsASi0Ok.Ke1CWGJ/Vorlage_1810-2010-

6A.pdf#search=lärmaktionsplanung%20lärmaktionsplanes%20lärmaktionsplan%20lärmaktio

nsplans%20lärmaktionsplanentwurfs%20lärmaktionsplanentwurf

http://ris.essen.de/vorgang.do?id=MjyGc1DcsFSq7Qm9MnzMGJ

Grundlagen zum Thema Lärm:

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Laerm/Themenseite_Laerm.html

Lärmkarten der Stadt Essen (Bezugsjahr 2011)

https://gdit.essen.de/atlasfx/index.jsp?mapId=91#layers=262144&alpha=235,0.85,234,0.85,2

37,0.85,233,0.85,232,0.85,231,0.85,230,0.85,229,0.85,228,0.85&basemap=0¢erX=2570

974.390¢erY=5701011.748&scale=125000

Dokumentation der Online-Beteiligung 2009 in Essen:

http://www.umgebungslaerm.nrw.de/materialien/_hilfen/_laermaktionsplanung_durchfuehrun

g/E_Partizipation_in_der_LAP_Dokumentation_Empfehlungen_Essen.pdf

Umgebungslärmseite des Umweltministeriums:

http://www.umgebungslaerm.nrw.de/

Seite des Dienstleisters der die Online-Konsultation in Essen begleitet hat:

http://www.zebralog.de/laermaktionsplanung_essen

Artikel in Kommune 21:

http://www.kommune21.de/meldung_9069

Beschreibung des Essener Projektes im Beteiligungskompass:

http://www.beteiligungskompass.org/article/show/257

Gute Beispiele der städtebaulichen Lärmminderung:

http://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/BMVBS/Online/2011/DL_ON122011.pdf?__bl

ob=publicationFile&v=2

Das Radportal in Essen

http://www.essenerfahren.de/

Flyer zur 1. Phase der Online-Beteiligung: Essen soll leiser werden

http://home.arcor.de/bluzngruz/rute/pdf/essen-soll-leiser-werden-Flyer.pdf

14


Presse:

http://www.derwesten.de/nrz/staedte/essen/dem-laerm-auf-der-spur-id1782687.html

http://www.openpr.de/news/320547/Essen-soll-leiser-werden-de-Online-Beteiligung-zur-

Laermaktionsplanung-in-der-Stadt-Essen.html

http://www.derwesten.de/staedte/essen/strassenlaerm-bewegt-die-buerger-stark-id104390.html

http://www.derwesten.de/staedte/essen/kein-leises-pflaster-id8142343.html

http://www.derwesten.de/staedte/essen/die-hitparade-des-laerms-id3306112.html

http://www.derwesten.de/staedte/essen/wo-lautstaerke-die-buerger-leiden-laesst-id1455500.html

15


Themenfeld 07: Abfallproduktion- und Management

7 A. Gegenwärtige Situation

Die Stadt Essen hat 1998 als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger die Entsorgungsbetriebe

Essen GmbH (EBE) mit der Entsorgung der Haushalte und des kommunalen Bereiches

auf Basis des früheren Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrW-/AbfG) beauftragt.

Darüber hinaus sind der EBE durch Bescheid der Bezirksregierung die Pflichten der Stadt

Essen als Entsorgungsträger für den Bereich der gewerblichen Abfälle übertragen worden

16 Abs. 2 KrW-/AbfG).

Die Gesellschafter der Entsorgungsbetriebe Essen GmbH sind die Stadt Essen (51 %) und

die Firma Remondis (49 %).

Zu 1.

Die kommunale Abfallstrategie ist im Abfallwirtschaftskonzept, das bereits seit 2001 gilt,

festgelegt. Gegenwärtig befindet sich das Abfallwirtschaftskonzept der Stadt Essen in Überarbeitung,

um eine Anpassung an die Vorgaben des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes

(2012) und der EU-Abfallrahmenrichtlinie vorzunehmen.

Die in der Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) festgeschriebene fünfstufige

Abfallhierarchie deckt sich mit den bereits in § 2 der Abfallwirtschaftssatzung der Stadt

Essen von 2001 genannten Zielen:

1. Vermeidung und Verringerung von Abfällen und Schadstoffen in Abfällen

2. Weiterverwendung von Gegenständen, soweit dies möglich erscheint

3. Gewinnung von Stoffen oder Energie aus Abfällen

4. Verbrennung der brennbaren Abfälle zur Beseitigung

5. Ablagerung der unbrennbaren Abfälle zur Beseitigung

Dies unterstreicht die frühzeitigen Bestrebungen der Stadt Essen, die Bürger aktiv in den

Prozess der Erreichung der Kreislaufwirtschaftsziele einzubeziehen.

Zu 2.

Die Stadt Essenumt der Abfallvermeidung in Übereinstimmung mit der Gesetzgebung

oberste Priorität ein und hat dies in ihrer Abfallwirtschaftssatzung (1) und auch in ihrem

Abfallwirtschaftskonzept manifestiert. Eine qualifizierte und bürgernahe Abfallberatung

fördert abfallärmeres Konsumverhalten.

Zu 3.

Das einwohnerbezogene Haus- und Sperrmüllaufkommen ist seit 2007 leicht rückläufig,

während die Menge der erfassten Bio- und Grünabfälle und der sonstigen getrennt erfassten

Wertstoffe Schwankungen unterworfen ist:

1


Erzeugte Haushalts- und Siedlungsabfälle je Einwohner

Mengen in kg/Einwohner

Abfallarten/Abfallgruppen 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Haushaltsabfälle * 462 470 449 452 382 399

Siedlungsabfälle ** 602 613 599 617 584 599

Einwohner (31.12.) 583.198 582.140 579.759 576.259 574.635 573.468

Tabelle 7.1: (Quelle: MKULNV NRW 2010; IT.NRW)

* Haushaltsabfälle = Hausmüll (ohne hausmüllähnliche Gewerbeabfälle) + Sperrmüll + getrennt erfasste

Wertstoffe inkl. Bioabfälle + schadstoffhaltige Abfälle

** Siedlungsabfälle = Haushaltsabfälle + hausmüllähnliche Gewerbeabfälle + Infrastrukturabfälle + Gewerbeabfälle

Zu 4.

Seit den sechziger Jahren wird kein Haushaltsabfall mehr auf Deponien abgelagert.

Zu 5.

Biologisch abbaubare Abfälle werden grundsätzlich nicht deponiert

Zu 6.

Der aus Haushalten gesammelte Restmüll wird im Essener Norden im modernen Müllheizkraftwerk

Essen-Karnap (MHKW) thermisch verwertet (Fernwärme und Strom), bei der

die Stadt vertraglich festgelegte Rechte hat (siehe Frage 7B Pkt. 4: Tabelle 6).

Zu 7.

In Tabelle 7.2 werden die Recyclingquoten der Stadt Essen dargestellt:

2


Recyclingquoten der Jahre 2004 bis 2011

in t 2004 2005

2006 2007 2008 2009 2010 2011

Haus- und

Sperrmüll

1

Sonstige

getrennt

erfasste

Wertstoffe

2

173.713 171.758 178.445 180.335 173.485 170.413 161.500 169.326 *

62.885 60.126 59.377 59.355 54.401 58.582 57.529 59.013

Bio- und

Grünabfälle 41.684 31.132 31.140 33.102 31.203 30.799 29.632 30.067

Haus- u.

Sperrmüll,

Wertstoffe,

org. Abfall,

=Gesamtmüll

278.282 263.016 268.962 272.792 259.089 259.794 248.661 258.406

Recyclingquote

%

3

37,6 34,6 33,65 33,89 33,04 34,4 35,0 34,5

(Quelle: Tabelle 7.2: Abfallbilanz Nordrhein-Westfalen für Siedlungsabfälle (MKULNV 2010)

Recyclingquote = Quotient aus Gesamtmüllaufkommen und separierten Wertstoffen inkl. Bioabfälle

1 ohne hausmüllähnliche Gewerbeabfälle, ohne schadstoffhaltige Abfälle

2 Papier/Pappe/Kartonagen, Glas, Leichtverpackungen, Holz, Metalle, Alttextilien

3 das aus dem Sperrmüll getrennt erfasste u. zu 100 % verwertete Altholz ist nicht berücksichtigt (2011=13.789 t, d.h. es ergäbe sich eine Recyclingquote von 39,8 %)

* im Jahr 2011 erhöhte sich die gesammelte Sperrmüllmenge um rd. 5.787 t, infolge verstärkten Konsums (konjunkturelle Schwankung) (9)

3


Zu 8.

Tabelle 7.3 zeigt die in den Jahren von 2006 – 2011 erfassten Verpackungsabfallmengen je

Einwohner. Die Verwertung von Verpackungsabfällen erfolgt in Deutschland durch 10 duale

Systeme, insofern liegen nur bundesweite Verwertungsraten vor, die aber auf Essen übertragen

werden können (2).

Gesammelte Abfallmenge an Glas, Papier/Pappe/Kartonagen (PPK) und

Leichtstoffverpackungen (LVP) je Einwohner

Abfallart 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Glas (kg/EW) * 16 16 16 16 15 15

PPK (kg/EW) * 60 61 60 59 58 60

LVP (kg/EW) * 19 19 13 20 21 22

Einwohner 583.198 582.140 579.759 576.259 574.635 573.468

Tabelle 7.3: (Quelle: MKULNV 2010)

* Von der Duales System Deutschland GmbH im Jahr 2012 bundesweit erreichte Verwertungsquote:

Glas = 88%, PPK = 94%, LVP = 123% (bezogen auf lizensierte Verpackungen)

Zu 9.

In Essen werden folgende Abfallfraktionen im Holsystem und in gesonderten Tonnen gesammelt:

Hausmüll und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle (graue Tonne), Bio- und Grünabfälle (braune

Tonne), Papier/Pappe/Kartonagen (blaue Tonne) und Leichtverpackungen (gelbe Tonne).

Hierbei wird jeweils ein Deckungsgrad von 100 % erreicht.

Der Sperrmüll wird als Straßensammlung nach individueller Bestellung abgefahren, dabei

werden Elektrogroßgeräte separat miterfasst.

Für Papier/Pappe/Kartonagen, Glas, Schuhe und Textilien gibt es stadtweit zusätzlich ca.

610 Depotcontainerstandorte, die fußläufig erreicht werden können (3).

Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, an 2 Recyclinghöfen und 5 Recyclingstationen Sperrmüll,

Metalle, Holz, sonstige Wertstoffe, schadstoffhaltige Stoffe, Elektroaltgeräte und Grünabfälle

abzugeben.

Darüber hinaus existieren saisonale Sondersammelaktionen für Grünschnitt, Laub und

Tannenbäume.

Das Schadstoffmobil der EBE macht regelmäßig Station in den Stadtteilzentren im Essener

Stadtgebiet. Dort können kostenlos Spraydosen, Lackreste, Lösungsmittel, Elektrokleingeräte,

Energiesparlampen u. a. abgeben werden.

4


Abb. 7.1: Schadstoffmobil (Quelle: Entsorgungsbetriebe Essen GmbH / EBE)

Zu 10.

Tabelle 7.4 zeigt die starke Bedeutung der thermischen Behandlung für Hausmüll und

hausmüllähnliche Gewerbeabfälle. Wertstoffe, Sperrmüll und Infrastrukturabfälle werden vor

der stofflichen Verwertung überwiegend mechanisch behandelt. Bio- und Grünabfälle werden

kompostiert.

5


Behandlungsart der verschiedenen Abfälle der Stadt Essen 2009 (t)

Abfallart Menge Thermische

Behandlung

Mechanische

Behandlung

Mech./biolog.

Behandlung

Kompostierung

und Vergärung

Lagerung und

Umschichtung

Deponierung Sonstige

Entsorgung

Hausmüll 135.252 135.252 0 0 0 0 0 0

Hausmüllähnlicher

Gewerbeabfall

54.296 54.296 0 0 0 0 0 0

Sperrmüll 35.161 26.637 2.898 0 0 5.625 0 0

Bio- und Grünabfälle

30.799 0 1.600 3.781 25.418 0 0 0

PPK 34.072 0 34.072 0 0 0 0 0

Glas 9.083 0 9.083 0 0 0 0 0

LVP 11.781 0 11.781 0 0 0 0 0

Sonstige Wertstoffe 3.646 0 3.646 0 0 0 0 0

Schadstoffhaltige

Abfälle

539 33 0 0 0 506 0 0

Infrastrukturabfälle 18.347 13.719 0 4628 0 0 0 0

Tabelle 7.4: (Quelle: Abfallbilanz Nordrhein-Westfalen für Siedlungsabfälle (MKULNV 2010)

6


Zu 11.

Aufgrund einer umfangreichen Behälterpalette und einer Gebührengestaltung, die vorbildliches

Abfallverhalten nachhaltig fördert, haben die Bürger die Möglichkeit, durch Abfallvermeidung

und Getrennthaltung von Abfällen ihre Gebühren zu senken. Seit 2002 kann bei

Nutzung aller Getrenntsammlungsmöglichkeiten (gelbe Tonne, Glas- und Papiercontainer

bzw. blaue Tonne, Biotonne oder Eigenkompostierung) das zu bezahlende Mindestrestmüllvolumen

von 35 l auf 10 l/Person/Woche reduziert werden (1).

7 B. In der Vergangenheit erzielte Ergebnisse

Zu 1.

Die Stadt Essen und die EBE informieren vielfältig über Abfallvermeidung und Abfalltrennung,

z.B. durch Aktionstage, telefonische und schriftliche Beratung, Informationen an

Schadstoffmobilen und auf den Recyclinghöfen, Online-Informationen, Verteilung von Faltblättern,

konstante Medienarbeit etc.

Ein Schwerpunkt der Aufklärungsarbeit liegt in den Kindergärten und Schulen, wo mit

speziellen Unterrichtseinheiten und Aktionen das Umweltbewusstsein gestärkt wird,

beispielsweise durch ein Mitmach-Theaterstück, Führungen über den Recyclinghof oder im

Müllheizkraftwerk, Material- und Literatur-Verleihkisten (4).

Die flächendeckende Bioabfallsammlung (seit 2002) schließt umfangreiche Maßnahmen zur

Förderung der Eigenkompostierung mit ein. So wurden bestimmten Schulen und Kindergärten

Leihkomposter zur Verfügung gestellt und den Bürgern im Rahmen regelmäßiger

Aktionen preisgünstige Schnellkomposter angeboten, verbunden mit ausführlichen Informationen

über die Kompostierung.

Mit einer aufkommensabhängigen Gestaltung der Gebührenstruktur wurden Anreize zur

Abfallvermeidung geschaffen. Außerdem wird die Nutzung der Getrenntsammelsysteme für

Papier und Bioabfälle (bzw. die Eigenkompostierung) belohnt, indem das vorzuhaltende Behältervolumen

pro Person von 35l/Woche auf 10l/Woche, mit den entsprechenden Gebühreneinsparungen,

reduziert werden kann (2).

Die Stadt Essen ist sich ihrer Vorbildfunktion bewusst und wirkt besonders auf die Vermeidung

und Verwertung von Abfällen hin (§ 3 Abs. 2 Abfallwirtschaftssatzung).

Innerhalb der kommunalen Verwaltung werden Sitzungsunterlagen in geringerer Auflage

erstellt; Papierdrucke erfolgen beidseitig.

Im Rahmen des von der Stadt Essen eingeführten umweltfreundlichen kommunalen Beschaffungsprogramms

werden gezielt umweltfreundliche und abfallarme Produkte und

Dienstleistungen nachgefragt.

Bei dem unter der Schirmherrschaft des Bundesumweltministeriums stehenden Wettbewerb

„Papieratlas“, bei dem die recyclingpapierfreundlichste Stadt Deutschlands gesucht wird,

hat die Stadt Essen in den Jahren 2009 bis 2013 den ersten Platz belegt, u.a. da die Stadtverwaltung

zu 100% Recyclingpapier verwendet (5 + 6).

7


Abb. 7.2: Preisverleihung „Papieratlas“ 2012 (Quelle: Nissen Consulting GmbH & Co. KG)

Der Leitfaden für die umweltgerechte Organisation von Veranstaltungen wurde fester

Bestandteil bei Erlaubnissen, die für Veranstaltungen im öffentlichen Verkehrsraum benötigt

werden. Hierin wird ausdrücklich auf die Verpflichtung zur Abfallvermeidung, das Mehrweggebot

und eine entsprechende Abfalltrennung bei Veranstaltungen hingewiesen.

Seit 2002 bietet Essen den örtlichen Wirtschaftsbetrieben und Institutionen das Projekt

„ÖKOPROFIT“ an. In den letzten 10 Jahren haben die mittlerweile 81 ÖKOPROFIT-Betriebe

Maßnahmen entwickelt und umgesetzt, mit denen sie gleichzeitig Ressourcen sparen, nachhaltig

wirtschaften und das Klima schützen. So konnte z.B. die jährliche Abfallmenge dieser

Betriebe um insgesamt 2.208 t pro Jahr reduziert werden (7).

Die Stadt Essen hat 2011 eine Kooperation zwischen ThyssenKrupp und dem gemeinnützigen

Integrationsunternehmen „Arbeit für Menschen mit Behinderung GmbH (AfB)“ vermittelt.

Diese besteht darin, dass ThyssenKrupp ausgediente IT-Hardware kostenlos der AfB

überlässt. Die Geräte werden getestet, gegebenenfalls repariert und verkauft. So wird die

ressourcenverzehrende Neuproduktion von Hardware substituiert und Elektroschrott und

CO 2 - Emissionen werden in erheblichem Maße vermieden (8).

Zu 2.

Die Abfallmenge ist in den Jahren von 2004 bis 2010 entsprechend der Einwohnerzahl zurückgegangen,

im Jahr 2011 jedoch konjunkturbedingt wieder leicht gestiegen:

8


Abfallmengen 2006 bis 2011 in t

Abfallarten/Abfallgruppen 2006 2007 2008 2009 2010 2011*

Hausmüll 141.002 142.289 137.687 135.252 130.181 132.225

Sperrmüll 37.443 38.046 35.798 35.161 31.314 37.101

Hausmüllähnliche Gewerbeabfälle

59.021 55.225 54.003 54.296 55.873 53.703

Summe Haus- und Sperrmüll 178.445 180.335 173.485 170.413 161.495 169.326

Summe Haus-, Sperrmüll u.

hausmüllähnl. Gewerbeabfälle 274.909 273.606 263.286 259.870 248.682 260.131

Bioabfälle (Biotonne) 10.771 10.776 10.712 10.802 10.048 10.446

Grünabfälle 20.369 22.326 20.491 19.996 19.584 19.621

Summe Bio- und Grünabfälle 31.140 33.102 31.203 30.798 29.632 30.067

Papier, Pappe, Kartonagen

(PPK) 35.034 35.665 34.550 34.072 33.318 34.488

Glas 9.291 9.195 9.453 9.083 8.733 8.644

Leichtverpackungen (LVP)

(Duale Systeme) 11.100 10.988 7.252 11.781 11.898 12.553

Metalle 1.943 1.450 1.050 1.586 1.570 1.275

Bekleidung, Textilien 2.008 2.057 2.095 2.061 2.029 2.054

Summe sonstiger getrennt

erfasster Wertstoffe 59.376 59.355 54.400 58.583 57.547 59.013

Schadstoffhaltige Abfälle 546 567 1.180 539 446 496

Summe Haushaltsabfälle (inkl.

hausmüllähnl. Gewerbeabfälle) 328.528 328.584 314.271 314.629 304.993 312.605

Einwohner (31.12.) 583.198 582.140 579.759 576.259 574.635 573.468

Tabelle 7.5: (Quelle: Abfallbilanz Nordrhein-Westfalen für Siedlungsabfälle (MKULNV 2010),

Siedlungsabfallbilanz der Stadt Essen 2010 und 2011)

* 2011 war lt. einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) das beste Konsumjahr

seit mehr als 10 Jahren (9)

Unter den bevölkerungsreichsten Städten Nordrhein-Westfalens nimmt Essen den 4. Platz

beim Abfallaufkommen ein. Die hohe Bevölkerungsdichte von über 2690 Einwohnern/km²

(2011), die verdichtete Siedlungsstruktur und der mitberechnete haushaltsnahe Gewerbemüll

führen in Essen, wie in ganz NRW, zu etwas höheren Abfallmengen als im Bundesdurchschnitt.

Auch der von 2003 bis 2009 erfolgte Anstieg des Anteils an Einpersonenhaushalten von

44,7% auf 46,5% wirkt sich hier aus.

Zu 3.

Seit Mitte 1993 hat die Stadt Essen zunächst in drei Stadtteilen und seit 1994 in 23 Stadtteilen

versuchsweise die getrennte Erfassung von Bioabfällen eingeführt; seit 2002 gibt es

die Biotonne flächendeckend.

9


2001 wurde in drei Stadtteilen die haushaltsnahe Erfassung von Papier, Pappe und Kartonagen

mittels Abfallbehältern erprobt. Zum 1. Januar 2004 ist diese blaue Tonne stadtweit

eingeführt worden. Aufgrund des komfortableren Holsystems konnte die Zahl der Depotcontainer

reduziert werden.

2002 wurde die Abfallbehälterpalette um 40l-, 60l- und 660l-Gefäße erweitert. Mit den

kleinsten Behältern soll vor allem dem Bedarf der Ein- und Zweipersonenhaushalte besser

entsprochen werden, so dass generell passgenauere Behälterkombinationen ermöglicht

werden.

2006 wurde der picobello-SauberZauber, bei dem die unterschiedlichsten Flächen im

Essener Stadtgebiet von Müll befreit werden, ins Leben gerufen und seitdem jährlich im

Frühjahr durchgeführt (10). Am SauberZauber 2013 haben ca. 13 200 Menschen (davon fast

11 000 Kinder und Jugendliche) teilgenommen. Im Durchschnitt werden jährlich 7500 volle

Müllsäcke und 7 Tonnen Sperrmüll gesammelt.

Abb. 7.3: picobello-SauberZauber (Quelle: Stadtbildstelle Essen)

2007 wurde ein neuer Recyclinghof im Essener Süden gebaut, so dass für die getrennte

Entsorgung der verschiedenen Abfälle insgesamt 2 Recyclinghöfe und 5 Recyclingstationen

zur Verfügung stehen.

2010 wurde ein „Standortservice Plus“ für Wohnungsbaugesellschaften eingeführt. Ziel ist

die Optimierung der Mülltrennung in bestimmten Wohnanlagen. Durch gezielte Aufklärung

über Wertstoff-Trennung wird ein besseres Ausnutzen der vorhandenen Müll- und Wertstofftonnen

erreicht und langfristig das Volumen der Restmülltonne reduziert (11).

10


2012 hat Essens erstes Biomasseheizwerk den Betrieb aufgenommen. Gut 2.600 Tonnen

Restholz aus Parks und Wäldern der Region werden jährlich klimaneutral und rein regenerativ

in Wärme umgewandelt (12).

Abb. 7.4: Biomasseheizwerk (Quelle: Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH / EVV)

In den letzten Jahren wurde außerdem eine eigene Sortieranlage für Baustellenabfälle in

Betrieb genommen, die getrennte Erfassung von Elektroaltgeräten im Rahmen der

Sperrmüllabfuhr (Holsystem) eingeführt und der Einsatz von erdgasbetriebenen Kehrmaschinen

vorangetrieben.

Zu 4.

Im Hinblick auf die Abgasreinigung im Müllheizkraftwerk und die Qualität der anfallenden

Rostasche kommt der Schadstoffentfrachtung des Restmülls eine besondere Bedeutung zu.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wurde deshalb verstärkt die ordnungsgemäße Entsorgung

von Batterien (Blei) und Energiesparlampen (Quecksilber) thematisiert.

Der Restmüll in Essen besteht aus Hausmüll, hausmüllähnlichen Gewerbeabfällen und

Sperrmüll. Seit 2005 erfolgt eine getrennte Sammlung von Altholz aus der Sperrmüllfraktion

und zwar sowohl auf den Recyclinghöfen, als auch bei der Sperrmüllsammlung, wobei

zuerst das Altholz und dann die restlichen brennbaren Abfälle erfasst werden. Die Altholzmengen

werden einer stofflichen Verwertung in der Spanplattenindustrie zugeführt bzw.

in verschieden Biomassekraftwerken verwertet.

Der nichtverwertbare Abfall wird bereits seit 1963 als Brennstoffsubstitut einem Kraftwerk

zugeführt. Durch den Neubau des Müllheizkraftwerkes Essen–Karnap 1987 konnte die energetische

Ausbeute deutlich erhöht werden. Eine weitere Effizienzsteigerung erfuhr das Müllheizkraftwerk

durch ein Turbinenretrofit in 2007. Aufgrund stetiger Modernisierungen ist so-

11


wohl die Umwandlung der im Abfall gebundenen Energie in elektrischen Strom, als auch

die Auskopplung der Wärmeenergie als Fernwärme optimiert und kaum steigerungsfähig.

Die Städte Essen, Gelsenkirchen, Mülheim a. d. Ruhr, Bottrop und Gladbeck besitzen z.Zt.

das alleinige Recht, Abfälle im Müllheizkraftwerk (MHKW) Karnap zu verbrennen:

Abfalldurchsatz und Energieauskopplung der Hausmüllverbrennungsanlage MHKW

Essen-Karnap 2011

Anlage

Gesamtdurchsatz

2011 (Mg/a) aller 5

„Karnap-Städte“

Stromerzeugung

2011 (kWh/a)

Fernwärmeerzeugung

2011

(kWh/a)

MHKW

Essen-Karnap

*

688.746 264.901.000 660.764.000

Tabelle 7.6: (Quelle: AIDA-Abfalldatenbank und ITAD (13)

* Der Wirkungsgrad, bezogen auf die Energieauskopplung, beträgt bis zu 60 %

Das MHKW erreicht einen Energieeffizienzkoeffizienten (vgl. Anh. II d. RL 2008/98/EG), der

deutlich über dem Wert 0,6 liegt und erlangt somit den Verwertungsstatus nach Kreislaufwirtschaftsgesetz.

Die beim Verbrennungsprozess entstandene Rostasche (etwa 27 % des ursprünglichen

Müllgewichts) wird als Recycling-Material beim Straßen- und Tiefbau eingesetzt. Eisenabfälle

werden aufbereitet und der Stahlindustrie zugeführt.

Mit der Flugasche aus den Rauchgasen werden Hohlräume im Bergbau verfüllt. Der bei der

Rauchgaswäsche anfallende Gips (weniger als 0,5 % des gesamten Müllgewichtes) wird

derzeit auf Deponien abgelegt, da die Industrie wegen billigen Naturgipses diesen Wertstoff

nicht abnimmt. Der Filterkuchen aus der Abwasserbehandlung der Rauchgaswäsche, der die

mit dem Restmüll eingebrachten Schwermetalle enthält, wird auf einer Sonderabfalldeponie

entsorgt.

Bezogen auf den Input an Hausmüll werden nach der thermischen Verwertung nur rund 3

Gewichtsprozente auf Deponien beseitigt. Die Gesamtquote aus stofflicher und thermischer

Verwertung des Restmülls beträgt somit rd. 97 Prozent.

Fazit:

Das umfangreiche Angebot zur getrennten Erfassung der verschiedenen Wertstoffströme

aus dem Abfall, die Schadstoffentfrachtung sowie die Effektivitätssteigerung bei der thermischen

Verwertung der Restabfälle sind die wirkungsvollsten Maßnahmen zur Vermeidung

abfallbedingter schädlicher Auswirkungen auf die Ökobilanz.

7 C. Zukunftspläne

Zu 1.

Die städtischen abfallwirtschaftlichen Ziele werden im neuen Abfallwirtschaftskonzept fortgeschrieben.

Das Abfallwirtschaftskonzept hat Angaben über die Verwertung, insbesondere

die Vorbereitung zur Wiederverwendung und des Recyclings und die Beseitigung der anfallenden

und zu überlassenden Abfälle zu enthalten.

12


Aktuelle gesetzliche Anforderungen seitens der Europäischen Union, des Bundes und des

Landes Nordrhein-Westfalen sind zu berücksichtigen.

Der Rat der Stadt Essen hat am 17.07.2013 die Fortschreibung des Abfallwirtschaftskonzeptes

beschlossen (14). Zurzeit wird vom Land Nordrhein-Westfalen der Abfallwirtschaftsplan

- Teilplan Siedlungsabfälle - erarbeitet. Nach derzeitigem Stand sollen Entsorgungsregionen

(3-5) gebildet werden.

Die Stadt Essen ist zurzeit bestrebt, vorrangig eine ortsnahe, gesamtökologisch hochwertige

Verwertung der Restabfälle aus Haushalten für die Zukunft langfristig zu sichern.

Bei der Abschätzung der zukünftigen Mengenentwicklung im kommunalen Abfallwirtschaftskonzept

werden die Auswirkungen des Bevölkerungsrückgangs berücksichtigt. Dabei sollen,

trotz geplanten Ausbaus der Wertstofferfassung und zusätzlicher Anstrengungen im Umweltund

Klimaschutz, die Gebühren stabil gehalten werden.

Zu 2.

Auf der Basis des Umweltstatistikgesetzes (UStatG) werden seit 2006 bundesweit

„Erhebungen über Haushaltsabfälle“ durchgeführt. Die Ergebnisse werden jährlich

bundesweit veröffentlicht. Diese Form der Datenerfassung ist zukunftssicher und ausreichend.

Darüber hinaus hat Essen wegen der hohen Zahl von 50 Entsorgungsbetrieben im

Stadtgebiet damit begonnen, deren Abfallbilanzdaten zu erfassen.

Zu 3.

Zentrale Herausforderung ist es, die bestehenden Ansätze und Instrumente der Abfallvermeidung

in Essen fortzuentwickeln. Nach der EU-Abfallrahmenrichtlinie haben alle Mitgliedstaaten

bis 2013 Abfallvermeidungsprogramme zu erstellen, in denen Abfallvermeidungsziele

formuliert, bestehende Abfallvermeidungsmaßnahmen zusammengestellt

und evaluiert sowie darauf aufbauend neue Maßnahmen konzipiert werden. Die Abfallvermeidungsprogramme

haben ihre Grundlage in den Planungen der Länder und

Kommunen. Die konkreten Maßnahmen zur Abfallvermeidung fließen in das Abfallwirtschaftskonzept

ein. Die bestehenden Initiativen zur Abfallvermeidung sollen fortgeführt und

ergänzt werden.

In den nächsten Jahren wird durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit vor allem auf das

Konsumverhalten der Bürger eingewirkt werden, um den Trend zu Wegwerfartikeln zu

stoppen.

Zu 4.

Die Ressourceneffizienz nach dem KrWG plant die Stadt Essen auch durch die Optimierung

ihrer bereits jetzt bestehenden Abfallverwertungssysteme zu verbessern.

Die im Kreislaufwirtschaftsgesetz ab 2015 geforderte flächendeckende Getrenntsammlung

von Bioabfällen wurde seitens der Stadt Essen bereits vor 2000 angegangen. Zur weiteren

Erhöhung der Sammelmengen ist geplant, die Eigenkompostierung und die kostenfreie Verbringung

von Grünabfall an den Recyclingstationen voranzutreiben.

Mit der blauen Tonne und den stadtweit verteilten Depotcontainern für Papier und Pappe

steht den Bürgern ein flächendeckendes, kostenloses doppelgleisiges Sammelsystem zur

Verfügung. Ziel ist es, durch verstärkte Abfallberatung weitere Haushalte zu erfassen, die

dieses Angebot bisher noch nicht für sich entdeckt haben.

13


Im Sinne des Urban Mining sollen die im Elektroschrott enthaltenen seltenen Erden und

dringend benötigten Metalle verstärkt dem Recycling zugeführt werden. Bei Elektro- und

Elektronikaltgeräten wird deshalb eine deutliche Erhöhung der Erfassungsrate angestrebt.

Aus Gründen höherer Effizienz bietet die Stadt Essen ihren Bürgern, neben der Abgabemöglichkeit

von Elektrokleingeräten auf den Recyclinghöfen, mit dem Einsatz des Schadstoffmobils

eine adäquate Entsorgungsalternative. Vor allem vor dem Hintergrund der demographischen

Entwicklung (ältere Menschen mit zunehmender Mobilitätseinschränkung), wird

die Entsorgung im eigenen Stadtteil in Zukunft immer wichtiger. Da hier noch großes

Potenzial zur Entfrachtung des Hausmülls von Wert- und Schadstoffen gesehen wird, ist hier

ein umfassenderes Sammelsystem geplant.

Es wird eine deutliche Überschreitung der in der WEEE-Richtlinie vorgegebenen Sammelquoten

angestrebt. Die dafür erforderlichen Maßnahmen werden im neuen Abfallwirtschaftskonzept

festgeschrieben.

Hinsichtlich der Einführung einer Wertstofftonne und der damit einhergehenden Sammlung

von Metall- und Kunststoffprodukten (sog. stoffgleiche Nichtverpackungen), die bisher noch

über den Restmüll entsorgt werden, muss Essen auf die vom Gesetzgeber zu erwartenden

Regularien warten. Thematische Strategien werden aber bereits entwickelt.

Zu 5.

Die kommunale Siedlungsabfallwirtschaft wird durch Gebühren finanziert. Trotz weiterer Anforderungen

und zusätzlicher Maßnahmen besteht das Ziel, die Essener Gebühren weiter

stabil zu halten. Im Rahmen zukünftiger Optimierungen der Abfallwirtschaft zur Kreislaufwirtschaft

bleibt es das Ziel, die Müllabfuhrgebühren, die seit langem unter dem Durchschnitt

vergleichbarer Großstädte liegen, weiter unter dem Durchschnitt zu halten.

Zu 6.

Alle Maßnahmen zur Erweiterung und Umgestaltung der bestehenden Systeme werden in

den politischen Gremien der Stadt Essen beraten und verabschiedet.

Der Rat der Stadt Essen hat beschlossen, dass die Erstellung des neuen Abfallwirtschaftskonzeptes

unter öffentlicher Beteiligung erfolgen soll.

Zu 7.

Das Deponierungsverbot für organische Abfälle wurde bereits 2005 umgesetzt. Den Vorgaben

der EU-Abfallrahmenrichtlinie und der Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes wird

durch die Übernahme der fünfstufigen Abfallhierarchie ins aktuell fortzuschreibende Abfallwirtschaftskonzept

Rechnung getragen. Dies ist nur eine formale Korrektur, da die Ziele der

Abfallhierarchie hier bereits umgesetzt sind.

Zur Optimierung der getrennten Erfassung von Abfällen im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgesetzes,

insbesondere von Kunststoffen und Metallen, wird die Stadt Essen die bestehenden

Sammelsysteme ergänzen. Darüber wird im Rahmen der Fortschreibung des Abfallwirtschaftskonzeptes

beraten.

7 D. Hinweise

Die statistischen Angaben zur Abfallmengenentwicklung (7A) beruhen auf den Daten der

Landesstatistik (IT.NRW). Die kommunalen Abfallbilanzen werden von den Kommunen jährlich

an IT.NRW übermittelt. Die Daten aus den Jahren 2010 und 2011 wurden den

Siedlungsabfallbilanzen des öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgers der Stadt Essen entnommen.

14


Quellenangaben aus dem Text:

(1) Ziele der Abfallwirtschaft, Abfallvermeidung, Abfallverwertung und Bemessungsrichtlinien für

Abfallbehältergrößen werden in der Abfallwirtschaftssatzung erläutert:

http://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/15/SR714aneu.pdf

(2) Recyclingquoten der Verpackungen

http://www.dergruenepunkt.de/category/nachhaltigkeit/umweltbilanz/

(3) Liste der Depotcontainerstandorte(im Downloadbereich innerhalb der Rubrik Container &

Behälter):

http://www.ebe-essen.de/ueber-uns/download/

(4) Pädagogische Abfallberatung der EBE: http://www.ebe-essen.de/ueber-uns/padagogischeabfallberatung/

(5) Papieratlas (Bestenliste der Mehrfachsieger)

http://www.papieratlas.de/index.php?article_id=67

(6) Papieratlas 2012: http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_733119.html

(7) Ökoprofit: http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Oekoprofit.html

(8) Kooperation zwischen ThyssenKrupp und AfB

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_608450.html

(9) Konjunktur des Jahres 2011: http://www.focus.de/finanzen/news/konjunktur-2011-warbestes-konsumjahr-seit-mehr-als-zehn-jahren_aid_698692.html

(10) picobello SauberZauber:

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Aktionen/PicoBello/Sauberzauber/pico_bello_saube

rzauber.html

(11) Standortservice Plus (Geschäftsbericht der EBE 2010, Seite 21) http://www.ebeessen.de/ueber-uns/download/geschaftsbericht/

(12) Biomasseheizwerk (unter der Rubrik Klimaprojekte in Essen):

http://www.klimawerkstadtessen.de/service/klimaprojekte-in-essen.html

(13) ITAD: https://www.itad.de/ITAD/mitglieder/muellheizkraftwerk-essen-karnap

(14) Fortschreibung des Abfallwirtschaftskonzeptes:

http://ris.essen.de/document/MgyPhzIfuFYn8Rn6Me.LfxEfw8aq8Xi0MgyPe.EawAWn8Sq9Q

m4PcwCfuEUqAQm1Oi4Pg0KfsASvASi0Ok.Ke1CWsASv6Si1Ng0PdwGfsASvBOn6MiyHdw

GftAWv6Vi4MmyPczCWs9TsASi0Ok.Ke1CWGJ/Antrag_GRUeNE_1020-2013-GRUeNE.pdf

Weitere Quellen:

Abfallbilanz Nordrhein-Westfalen für Siedlungsabfälle (MKULNV 2010):

http://www.umwelt.nrw.de/umwelt/pdf/abfallbilanz_2008_09.pdf,

http://www.umwelt.nrw.de/umwelt/abfall/siedlungsabfaelle/abfallbilanzen/index.php

Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW): http://www.it.nrw.de/

15


Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG): http://www.gesetze-iminternet.de/bundesrecht/krwg/gesamt.pdf

Früheres Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG):

http://www.buzer.de/gesetz/1044/

Landesabfallgesetz: http://www.umwelt.nrw.de/umwelt/pdf/labfg2008.pdf

16


Themenfeld 08: Wasserwirtschaft

8 A. Gegenwärtige Situation

Die öffentliche Wasserversorgung der Stadt Essen ist seit 145 Jahren Aufgabe der

Stadtwerke Essen. Versorgungssicherheit und Qualität des Trinkwassers haben oberste

Priorität für diese Stadt.

Das Grundwasserdargebot ist aufgrund des zu Beginn des 19. Jahrhunderts begonnenen

industriellen Kohleabbaus für die Wasserversorgung nicht ausreichend. Als Wasserquelle

dient das Oberflächenwasser der Ruhr. Die Trinkwasseraufbereitung erfolgt durch Ozonung

des entnommenen Ruhrwassers, Flockung, Schnellfiltration, Langsamsandfiltration,

Neutralisation und Desinfektion. Die Trinkwasserqualität ist sehr gut. 1

Zu 1.

2012 betrug der Gesamtwasserabsatz 33,8 Mio. m³, der sich auf die Sektoren Industrie,

öffentlicher Sektor sowie Haushalte, kleinere / mittlere Unternehmen (KMU) und Landwirtschaft

aufteilt (s. Abbildung 8.1). A Pro-Kopf-Verbrauch 2012: 147,6 Liter/Tag.













Abb. 8.1: Gesamtwasserabsatz 2012 (Quelle: Stadtwerke Essen AG)

A Im Stadtgebiet existieren nur 101 Tourismusbetriebe mit 9003 Betten und einer Auslastung von 40 % (Stand:

Mai 2013). Auf die separate Ausweisung eines Sektors Tourismus wurde daher verzichtet.

1


Abb. 8.2: Gesamtwasserabsatz 1991 (Quelle: Stadtwerke Essen AG)

Die Abbildung 8.2 zeigt den deutlich größeren Gesamtwasserabsatz aus 1991 mit 49,2 Mio.

m³ bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von 163,3 Liter/Tag.

Aufgrund der demographischen Entwicklung und des Strukturwandels ist weiterhin mit einer

sinkenden Nachfrage zu rechnen.

Zu 2.

Der Trinkwasseranschlussgrad in Essen beträgt 99,9%. Wasser wird ausschließlich mit

Mengenmessung über das Leitungsnetz an Kunden geliefert.

Zu 3.

Als Wasserquelle dient das Oberflächenwasser der Ruhr.

Zu 4.

Die Trinkwasserversorgung war und ist quantitativ und qualitativ jederzeit sichergestellt. Die

strengen Vorgaben der deutschen Trinkwasserverordnung, die teilweise über die

Anforderungen der EU-Trinkwasserrichtlinie hinausgehen, wurden an allen Tagen

eingehalten. Bei den wenigen gemeldeten Grenzwertverletzungen handelt es sich um

kurzzeitige Überschreitungen einzelner Parameter aufgrund von technischen Störungen oder

um vereinzelt auftretende mikrobiologische Befunde, die sich bei Nachkontrollen nicht mehr

bestätigten.

Zu 5.

Die gesamten Wasserverluste für das Jahr 2011 betrugen 4.133.250 m³. Dies entspricht

einer Verlustrate von 10,38% der Rohrnetzeinspeisung. Darin sind Löschwassermengen der

Feuerwehr sowie Spülmengen für das Rohrnetz, die z.B. bei Neuverlegungen benötigt

2


werden, sowie der Verlust durch Undichtigkeiten enthalten. Für die Netzsanierung im

Trinkwasserbereich wurden im Jahr 2011 7.719.225 € investiert. Damit konnten 21,7 km

Trinkwasserleitungsnetz erneuert werden. Die Erneuerungsquote beträgt damit 1,18%. Im

laufenden Jahr 2013 werden gemäß Investitionsplan 6.640.000 € zur Erneuerung des

Trinkwassernetzes investiert.

Bezüglich des Leckage-Managements ist noch im laufenden Jahr 2013 eine Überprüfung

aller Messzonen im Stadtgebiet vorgesehen. Eine entsprechende Wartung und Überprüfung

auf Dichtheit des Rohrnetzes wird gemäß DVGW Regelwerk (W 392) jährlich durchgeführt.

Darüber hinaus wird aktuell ein Asset-tool für Erneuerungs- und Instandhaltungsstrategien

eingeführt.

Abb. 8.3: Trinkwassernetz-Erneuerung 2003 - 2012 (Quelle: Stadtwerke Essen AG)

Zu 6.

Der naturnahe Umgang mit Regenwasser wird schon seit den 1980er Jahren forciert.

Primäres Ziel ist, das Niederschlagswasser aus der Mischwasserkanalisation fernzuhalten,

da es sonst bei starken Regenereignissen und zunehmendem Versiegelungsgrad zu

Überlastungen von Kanalnetz und Kläranlagenzulauf kommen kann.

Bereits seit 1983 gibt es als Anreiz für Versickerungsmaßnahmen oder Direkteinleitung in

ein oberirdisches Gewässer eine Gebührenbefreiung hinsichtlich des Niederschlagswassers.

Spezielles Ziel im Einzugsgebiet der Emscher ist es, innerhalb des Zeitraums zwischen 2005

und 2020 15 % der an die Mischwasserkanalisation angeschlossenen Flächen (d.h. für

Essen jährlich 32 ha) abzukoppeln. Diese Entflechtung ist bedeutend für den Erfolg des

wasserwirtschaftlichen Generationenprojektes „Emscher-Umbau“. 2

3


Zu 7.

Bei der Ausschreibung neuer Maschinen für den Betrieb des Wasserwerks ist der

energetische Wirkungsgrad maßgebliches Kriterium. Zur Energieoptimierung des Betriebs

besteht ein jährlich fortzuschreibendes Programm zur Energieeinsparung. 3

Der jährliche Energiebedarf für die Förderleistung in das Trinkwassernetz der Stadt Essen

beträgt ca. 14,5 Mio. kWh. Im Zeitraum 1999/2000 wurde eine hydrodynamische Optimierung

der Pumpen vorgenommen, durch die 1,4 Mio. kWh jährlich eingespart werden.

Zu 8.

Beispielhaft für ambitionierte Wasser-Recycling-Initiativen werden die Entwicklungsprojekte 4

der Mr. Wash Autoservice AG (deutschlandweiter Betreiber von Autowaschstraßen mit

Firmensitz und Autowaschstraßen in Essen) benannt. Bereits jetzt beträgt der

Wasserverbrauch pro PKW statt 180 Liter nur ca. 100 Liter. Ziel ist die Reduzierung auf 60

Liter pro PKW.

Zu 9.

Trinkwasserrichtlinie (98/83/EG): s. 8A, Punkt 4

Mineralwasserrichtlinie (2009/54/EG): s. 8B

Oberflächengewässerverordnung 5 : s. 8B

EU-Wasserrahmenrichtlinie: Derzeit läuft in Nordrhein-Westfalen unter Beteiligung der Stadt

Essen die 2. Bestandsaufnahme. Die Ergebnisse der 1. Bestandsaufnahme sind unter

www.umwelt.nrw.de und www.flussgebiete.nrw.de einsehbar.

Spezielle Ausführungen für das Stadtgebiet Essen werden unter 8A, Punkt 3, 8B und 8C

gegeben.

8 B. In der Vergangenheit erzielte Ergebnisse

Vor dem Hintergrund des humiden Klimas liegen die Ziele der Stadt / Stadtwerke Essen nicht

in der weiteren Reduzierung des Wasserverbrauches, sondern insbesondere in folgenden

Bereichen:

• Sicherung und Verbesserung der Trinkwasserqualität,

• Minimierung von Wasserverlusten,

• Einsparung elektrischer Energie und

• Auslastung der vorhandenen Versorgungssysteme.

Qualitative Maßnahmen der letzten 5 - 10 Jahre waren beispielsweise der Einbau der UV-

Desinfektionsanlage am Wasserwerksstandort Essen-Horst, die im Hochwasserfall zum

Einsatz kommt.

Zu 1.

Aus oben genannten Gründen ist eine Verringerung des Gesamtwasserverbrauchs nicht das

oberste Ziel für die Stadt Essen. Die generelle Reduzierung des Wasserverbrauchs wird

durch die technischen Entwicklungen in den Bereichen Industrie, Gewerbe und Haushalt

gefördert. Behördliche Maßnahmen sind in der Regel nicht erforderlich.

4


Zu 2.

Das gesamte Versorgungsgebiet der Stadtwerke Essen ist mit zuverlässigen Messsystemen

ausgestattet, die ihrerseits die Kunden wegen der verbrauchsorientierten Kostenstellung zu

geringen Verbräuchen anregen.

Zu 3.

Einmal jährlich werden in der Tagespresse die sog. „Wasserseiten“ geschaltet, mit denen auf

den besonders sorgsamen Umgang mit dem wertvollen Gut Trinkwasser hingewiesen wird.

Dazu gehören u.a. auch Informationen zur richtigen Dosierung von Waschmitteln in

Abhängigkeit von der Härte des Trinkwassers im Sinne eines vorsorgenden

Gewässerschutzes.

Die städtische Umweltberatung bietet regelmäßig Sprechstunden in der Verbraucherzentrale

des Landes NRW, Beratungsstelle Essen, zum nachhaltigen Umgang mit Wasser, zur

Verwendung wassersparender Geräte, zu Maßnahmen zur Reinhaltung der Gewässer und

des Trinkwassers sowie zur Verwendung von Regenwasser zur Gartenbewässerung an. 6

Zu den Sensibilisierungsmaßnahmen zählen auch Empfehlungen zum Sparen von

Warmwasser, um den damit verbundenen Energieverbrauch zu reduzieren. 7

Besondere wasserwirtschaftliche Maßnahmen und Ergebnisse:

Highlightprojekt: Programm „Reine Ruhr“ des Landes Nordrhein-Westfalen

Bezüglich trinkwasserrelevanter Spurenstoffe in der Ruhr sind bereits deutliche

Verbesserungen erzielt worden; dies betrifft PFT, TOSU und einige Flammschutzmittel. 8 In

den Gewässerabschnitten der Ruhr, aus denen Trinkwasser gewonnen wird, werden die

Umweltqualitätsnormen der Oberflächengewässerverordnung eingehalten. 9

Diese günstige Situation ist maßgeblich auf das im Juni 2008 gestartete Programm „Reine

Ruhr“ 10 bzw. den Aufbau des Multi-Barrieren-Systems zurückzuführen.

Auch weiterhin erfolgen die Umsetzung des Programms „Reine Ruhr“ bzw. des

Multibarrieren-Konzeptes sowie die gezielte Beobachtung von Mikroschadstoffen mit

steigendem Trend 11 .

Highlightprojekt: Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr (AWWR)

Seit 1973 dokumentieren AWWR 12 und Ruhrverband ihre Tätigkeiten und Erfolge im jährlich

erscheinenden Ruhrgütebericht. 13

Der Ruhrgütebericht 2009 wurde im Jahr 2010 auf dem Weltwasserkongress mit dem Label

„Best promoted water protection activity“ der International Water Association (IWA)

ausgezeichnet.

Highlightprojekt: ESSEN.Neue Wege zum Wasser

Dieses Handlungsprogramm 14 orientiert sich stark an den Bedürfnissen der Bürger. So

wurde im Zeitraum von 2005 bis 2013 zur Vernetzung von Grün- und Wasserachsen ein

grünes Hauptroutennetz 15 (Rad- und Wanderwege) von 148 km Länge geschaffen. Die

zahlreichen wasserwirtschaftlich bedeutenden Einzelmaßnahmen – insbesondere bei den

Zuläufen zur Emscher - haben bereits zu wahrnehmbaren wasserwirtschaftlichen

Verbesserungen und damit verbunden auch zu Verbesserungen des Wohnumfeldes bzw.

der Lebensqualität geführt.

5


Unter dem Aspekt „Verringerung des Gesamtwasserverbrauchs“ werden beispielhaft die

nachfolgenden beiden Einzelmaßnahmen angeführt:

1. Wasserflächen im Park „Grüne Mitte Essen“ (Universitätsviertel) – Wasserflächen

gegen große Hitze und als Blickfang 16

Das auf den Plätzen und Wegen

des Parks sowie auf den

Dachflächen angrenzender

Gebäude anfallende Niederschlagswasser

wird einer Folge

von langgestreckten Becken, die

miteinander verbunden sind,

zugeleitet. In jedem Becken

befindet sich zur biologischen/

mechanischen Wasserklärung ein

Klärkörper, der etwa 40 cm aus

dem Wasser ragt und mit Schilf

und Schwertlilien bewachsen ist.

Über eine zentrale Pumpenanlage

gelangt das Wasser in einen

Kreislauf aus den Becken in die

Klärkörper und zurück.

2. Anlage des Niederfeldsees

Abb. 8.4: Wasserklärung im Park des Universitätsviertels

„Grüne Mitte Essen“ (Quelle: Stadtbildstelle Essen)

Der Niederfeldsee (künstlich angelegter See ohne Grundwasseranschluss) in Essen-

Altendorf wurde/wird mit abgeleitetem Niederschlagswasser von nahe gelegenen

Dachflächen und Grundwasser aus einem extra zu diesem Zweck gebohrten Tiefbrunnen

erstbefüllt/gespeist. Dieser Tiefbrunnen erschließt ursprünglich reines Wasser bester

Qualität. 17

Abb. 8.5: Bauschild / Fotos zum Wohnungs- und Landschaftsprojekt am Niederfeldsee

(Quellen: Grafik: Allbau / Stadt Essen, Fotos: Allbau)

6


Maßnahmen zur Bewahrung oder frühzeitigen Zielerreichung eines guten chemischen

Zustands der Grundwasserkörper gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie

Hervorzuheben sind die Anstrengungen der Stadt Essen bzw. der zuständigen

Maßnahmenträger zur Reduzierung punktueller Stoffeinträge durch Altlasten/Altstandorte.

So konnten im Stadtgebiet Essen drei der fünf Maßnahmen zur Grundwassersanierung/-

sicherung bereits vor der vorgesehenen Umsetzungsfrist des Bewirtschaftungsplans

Nordrhein-Westfalen 2010 - 2015 abgeschlossen werden. 18

Grundwasserkörper Maßnahme

Umsetzungsfrist gem.

Bewirtschaftungsplan

Nordrhein-Westfalen

DE_GB_277_05 Grundwassersanierung/

-sicherung auf dem ehem.

Tankstellengelände

Altenessener Str. 288

DE_GB_277_05 Grundwassersanierung

auf dem Betriebsgelände an

der

II. Schnieringstr. 44

DE_GB_277_05 Grundwassersanierung/

-sicherung auf dem

Betriebsgelände

Ripshorster Str. 368

DE_GB_277_05 Sanierung eines kokereispezifischen

Grundwasserschadens

im Einzugsgebiet

der Alten Mühlenemscher

DE_GB_277_06 Grundwassersanierung

auf dem ehem. Tankstellengelände

Bocholder Str. 158

Ist-Zustand

Grundwassersanierung/

-sicherung

2021/2027 abgeschlossen

2021/2027 abgeschlossen

2021/2027 in Umsetzung

2021/2027 in Umsetzung

2021/2027 abgeschlossen

Abb. 8.6: Maßnahmen des Bewirtschaftungsplans 2010 – 2015 19 zur Reduzierung punktueller Stoffeinträge

durch Altlasten/Altstandorte bezogen auf Stadtgebiet Essen, ergänzt um den Ist-Zustand

Die beiden städtischen Grundwasser-Untersuchungsprogramme „Überprüfung der

qualitativen Grundwassersituation im Rahmen der Durchführung und Nachsorge von

Gefährdungsabschätzungen, Sanierungsuntersuchungen und Sanierungsmaßnahmen“

sowie „Essener Ruhrtal“ werden seit vielen Jahren zum Monitoring bzw. zur Reduzierung

punktueller Stoffeinträge durch Altlasten/Altstandorte und damit auch zur Umsetzung der EU-

Wasserrahmenrichtlinie durchgeführt. Für die Fortführung des Grundwasser-

Untersuchungsprogrammes „Essener Ruhrtal“ stehen 34.570 € für das Jahr 2013 zur

Verfügung. Für die Fortführung des anderen Grundwasser-Untersuchungsprogrammes sind

21.265 € für das Jahr 2013 und 37.540 € für das Jahr 2014 eingeplant.

Ausgleich konkurrierender Nutzungsansprüche an das Grundwasser bzw. den Untergrund

Im Stadtgebiet Essen wird eine Vielzahl an Grundwasser-Förderbrunnen betrieben (36

betriebliche Brauchwasserbrunnen, 148 bei der Stadt registrierte Privatbrunnen - davon 18

zur Eigenwasserversorgung, sonst zur Gartenbewässerung - und 6 Mineralwasserbrunnen).

7


Diese sechs Mineralwasserbrunnen der Firma Schloss Quelle Mellis GmbH erschließen

Tiefenwasser aus verschiedenen kreidezeitlichen Grundwasserleitern (insbesondere

Emscher-Mergel und Labiatus-Mergel). Die Wässer werden unter den Eigenmarken „Schloss

Quelle“ und „Kastell“ vertrieben (www.schloss-quelle.de) und erfüllen sicher die Vorgaben

der Richtlinie 2009/54/EG über die Gewinnung von und den Handel mit natürlichen

Mineralwässern.

Abb. 8.7: Produkte und Abfüllanlage der Schloss Quelle Mellis GmbH (Quelle: Schloss Quelle Mellis GmbH)

Ein besonderes Merkmal für Essen sind 81 über das Stadtgebiet verteilte Trinkwasser-

Notbrunnen.

Gleichwohl ist weiterhin der Ausbau der geothermischen Nutzung des Untergrundes

ausdrückliches Ziel. Bereits jetzt existieren über 500 Erdwärmesondenanlagen mit

wasserrechtlicher Erlaubnis im Stadtgebiet.

Bislang konnten konkurrierende Nutzungsansprüche erfolgreich ausgeglichen werden.

Die Zielvorgabe der EU-Wasserrahmenrichtlinie hinsichtlich des mengenmäßigen Zustandes

des Grundwassers ist bereits zum jetzigen Zeitpunkt erfüllt. Alle das Stadtgebiet Essen

erfassenden Grundwasserkörper sind mengenmäßig nicht belastet und in einem guten

quantitativen Zustand. 20

Dränagesystem zur Regulierung des Grundwasserstandes in Essen-Karnap (Pilotprojekt)

Die Emschergenossenschaft hat für den Essener Norden anhand eines numerischen

Grundwassermodells Flächen mit dem Risiko der Kellervernässung nach vollständiger

Abdichtung der öffentlichen und privaten Kanalisation ermittelt. 21

8


Die prognostizierten Risikogebiete sind der Karte „Wassersensible Bereiche“, die im Rahmen

des Modellprojektes „Stadt begegnet Klimawandel – Integrierte Strategien für Essen“ 22

erstellt wurde, zu entnehmen (Abbildung 8.8).

Das von der Emschergenossenschaft mit Unterstützung der Stadt Essen konzipierte System

für das Pilotprojekt Essen-Karnap beinhaltet u.a. Dränagen mit einer Gesamtlänge von 3.050

m.

Die Finanzierung des Pilotprojektes (Investitionskosten: 6,7 Mio. €) wurde im Juli 2013

vertraglich abgesichert, so dass der Bau im Frühjahr 2014 beginnen wird. Der Bergbau als

wesentlicher Mitverursacher der Probleme und die Stadt werden jeweils die Hälfte der

Kosten übernehmen.

9


Abb. 8.8: ExWoSt-Modellvorhaben zur Klimaanpassung Stadt Essen - Wassersensible Bereiche (Quelle: Stadt

Essen)

Überschwemmungsgebiet Ruhr (HQ100)

Überschwemmungsbereich Ruhr (HQ200)

Überschwemmungsgebiet Hesperbach (HQ100)

Wasserscheide Ruhr/Emscher

Ruhrzuläufe mit potenziellem

signifikanten Hochwasserrisiko

Potenzielle Überflutungsbereiche Emscher (HW200)

Emscherzuläufe mit Hochwasserrisiko

Grundwasserflurabstände [m]

nach Kanalsanierung,

Prognose der Emschergenossenschaft

< 1,5 m

1,5 m bis 2,5 m

Poldergebiete

Stadtgrenze

10


Essen als überregional bedeutender Standort und als wissenschaftliche Drehscheibe für die

Wasserwirtschaft

Wie die nachfolgende Auflistung zeigt, hat sich Essen als überregional bedeutender Standort

und als wissenschaftliche Drehscheibe für die Wasserwirtschaft etabliert:

- Die beiden Wasserwirtschaftsverbände Emschergenossenschaft und Ruhrverband haben

ihre jeweiligen Hauptsitze in Essen.

- Die Universität Duisburg-Essen führt ein Institut für Wasserbau und

Wasserwirtschaft 23 , ein Biofilm Centre 24 sowie ein Zentrum für Wasser- und

Umweltforschung 25 .

- Es findet ein Wissenstransfer und -austausch über Tagungen und Seminare statt:

- Fachtagungen, wie z.B. die jährlich stattfindende ESSENER TAGUNG für Wasserund

Abfallwirtschaft. Die 47. ESSENER TAGUNG wird vom 19. bis 21. März 2014

in der Messe Essen stattfinden.

- Fachseminare, z.B. im Essener BEW Bildungszentrum für die Entsorgungs- und

Wasserwirtschaft GmbH 26

8 C. Zukunftspläne

Neben der Anknüpfung an die bereits erzielten Ergebnisse und die Fortsetzung der im

Kapitel 8B beschriebenen Maßnahmen sind folgende Zukunftspläne besonders

hervorzuheben:

1.) Öffentliche Trinkwasserversorgung: Sicherung und Steigerung der Wasserqualität

Highlight-Projekt: Verbundsystem Essen-Horst/-Überruhr

Zur langfristigen Absicherung einer qualitativ hochwertigen und kostengünstigen

Wasserproduktion werden die Wasserwerke Essen-Überruhr und Essen-Horst im Verbund

betrieben, d.h. hydraulisch hintereinander geschaltet.

Die Investition von 55 Mio. € in diese weitergehende Trinkwasseraufbereitung ist vor dem

Hintergrund zukünftig steigender Anforderungen sowie dem in Deutschland geltenden

Minimierungsgebot von schädlichen Stoffen zu verstehen. Mit der ab 2014 zum Einsatz

kommenden UV-Desinfektion wird dieses Prinzip konsequent umgesetzt.

Derzeit befindet sich eine umfangreiche Erweiterung der Aufbereitungsverfahren im Bau. Die

Wasseraufbereitungsanlage wird um ein neues Betriebsgebäude mit drei zusätzlichen

Aufbereitungsstufen erweitert: Aktivkohlefestbettfilter, UV-Desinfektion und zentrale

physikalische Entsäuerung. Darüber hinaus wird ein Dreikammer-Reinwasserbehälter mit

einem Fassungsvermögen von 15.000 m³ errichtet.

Das 2014 in Betrieb gehende Verbundsystem erfüllt langfristig die Anforderungen,

hochwertiges, gesundes Trinkwasser bereitzustellen. Der Schutz des Trinkwassers wird

durch ein erweitertes Multibarrieren-System gewährleistet. Das neue Verfahren findet als

Essener Verfahren“ in der Branche der Wasserversorger schon jetzt reges Interesse und ist

der folgenden Abbildung zu entnehmen.

11


Abb. 8.9: „Essener Verfahren“ zur Wasseraufbereitung (Quelle: Stadtwerke Essen AG)

12


2.) Naturnahes Baden in der Ruhr / im Baldeneysee 27

Ein besonderes Ziel der Stadt Essen ist es, den Freizeitwert der Ruhr zu erhöhen, indem

naturnahes Baden im Fluss / Baldeneysee zumindest zeit- und streckenweise möglich wird.

Schlüsselmaßnahme dazu ist die Umsetzung der Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt

„Sichere Ruhr“.

Highlightprojekt: „Sichere Ruhr“

Das Projekt „Sichere Ruhr“ 28 möchte herausfinden, ob – und wenn ja, wie – die Ruhr zeitund

streckenweise als offizielles Badegewässer dienen kann. Begleitend werden Optimierungsmöglichkeiten

zur Sicherung der Trinkwassergewinnung und –aufbereitung

ermittelt.

Die Bevölkerung wird laufend über den Fortschritt und die Ergebnisse des Projekts informiert

und kann gleichzeitig einen aktiven Beitrag in der Diskussion leisten, wo z.B. Baden in der

Ruhr erlaubt werden könnte oder wo Naturschutzgebiete Vorrang haben sollten. Ein

Sprachrohr für die Bevölkerung ist der Wasserwandel-Blog 29 .

Untersucht wird ein Ruhrabschnitt mit einer Länge von 52 km im Kerngebiet der Metropole

Ruhr, u.a. im Bereich der Stadt Essen. Die Qualität des Wassers im Baldeneysee ist dabei

von öffentlichem Interesse. Auch aus diesem Grund wird der Baldeneysee als möglicher

Standort für den Badebetrieb untersucht. 30

Schlussendlich sollen auf Basis der Forschungsergebnisse ein Risikokommunikationskonzept

und ein Handlungsleitfaden für das Flussbaden erarbeitet werden, die auch auf

andere Fließgewässer in Europa übertragen werden können.

Abb. 8.10: Licht- und Luftbad „Seaside Beach“ am Ufer des Baldeneysees

(Quelle: Seaside Beach Baldeney GmbH)

13


3.) Anpassung der Wasserwirtschaft an die Folgen des Klimawandels

Als Hauptaufgabe steht die weiterhin konsequente Umsetzung bestehender

Bewirtschaftungsziele und Vorgaben gemäß europäischer Wasserrahmenrichtlinie /

Hochwasserrisikomanagementrichtlinie an.

Im Zuge der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wurden sechs kommunale Essener

Fließgewässer betrachtet, davon fünf Nebengewässer der Ruhr und ein Nebengewässer der

Emscher.

Diese Gewässer sind in der städtischen Prioritätenliste berücksichtigt, insbesondere wegen

anstehender Wasserbaumaßnahmen im Bereich des Hochwasserschutzes und städtebaulicher

Belange.

Die Maßnahmen am Nebengewässer der Emscher sind bereits fertiggestellt; sämtliche

anderen Projekte befinden sich in Bearbeitung.

Die Planung und Umsetzung der weiteren Maßnahmen ist für 2013ff. mit finanziellen und

personellen Ressourcen etatisiert. Das Land Nordrhein-Westfalen stellt bis zum Jahr 2027

jährlich 70 Mio. € Fördermittel zur Verfügung. Der Fördersatz beträgt bis zu 90%.

Ergänzend dazu sind die Erkenntnisse aus den bereits angelaufenen regionalen

Untersuchungen/Forschungsprojekten umzusetzen:

Optimierungsstrategien des Ruhrverbandes für die Talsperrenbewirtschaftung

Der Ruhrverband hat in einer Klimafolgenanalyse die Versorgungssicherheit durch seine

Talsperren klären lassen. Das Ergebnis auf der Grundlage derzeitig zur Verfügung stehender

Klimamodelle: „Statt bisher 99,8 Prozent wird die rechnerische Versorgungssicherheit im

ungünstigsten Fall künftig 99,5 Prozent betragen. Das bedeutet, dass statistisch in 199 von

200 Jahren genügend Wasser aus Talsperren für die regionale Wasserversorgung

bereitgestellt werden kann.“ 31

Da in Zukunft weitere Verbesserungen bei der Erstellung regionaler Klimamodelle zu

erwarten sind, wird der Ruhrverband diese neuen Erkenntnisse in die Berechnungen für sein

Talsperrensystem einfließen lassen. Bereits heute sucht der Ruhrverband nach

Optimierungsstrategien für die Talsperrenbewirtschaftung, um möglichen Auswirkungen des

Klimawandels rechtzeitig zu begegnen. In diesem Zusammenhang hat der Ruhrverband

bereits die Hochwasserschutzwirkung der Talsperren unter sich ändernden

Klimabedingungen ermitteln lassen.

Highlightprojekt: Netzwerk- und Forschungsprojekt dynaklim 32

Die dynaklim-Roadmap, die in kontinuierlicher Zusammenarbeit von derzeit schon über 40

Netzwerkpartnern - zu denen auch die Stadt Essen zählt - entwickelt und umgesetzt wird,

ermöglicht die Gestaltung einer regionsumfassenden Klimaanpassungsstrategie sowie eines

breiten Dialogprozesses zwischen den Netzwerkpartnern und weiteren Akteuren aus der

Region. Insbesondere im Bereich der Stadtentwässerung sind umfangreiche Anpassungen

erforderlich.

Am 17.07.2013 wurde in Essen das Roadmap-Modul „Wassersensible Stadtentwicklung

2020“ verabschiedet. Als eine der zahlreichen innovativen Maßnahmen wurde benannt:

„Cool City: Kühlfunktion derden nutzen und optimieren“ (Erhöhung der

Verdunstungsleistung von geeigneten Standorten durch Bodenverbesserungen, geeignete

Bepflanzung und zusätzliche Bewässerung während lang anhaltender Hitzeperioden, z. B.

mit Grundwasser aus Siedlungsbereichen mit unerwünscht hoch anstehendem

Grundwasser).


14


Im Rahmen von dynaklim wird im „Biofilm Centre“ 33 der Universität Duisburg-Essen speziell

zum Einfluss der Temperatur auf hygienisch bedeutsame Mikroorganismen im Trinkwasser-

Verteilungsnetz geforscht.


8 D. Hinweise

1 Stadtwerke Essen AG, Trinkwasseranalyse 2012:

http://www.stadtwerke-essen.de/produkte/wasser-in-essen/wasserqualitaet-in-essen.html

2 siehe auch Einleitung und Themenfeld 9; Emscherumbau mit Investitionen von 500 Mio.

EUR auf Essener Stadtgebiet: http://www.eglv.de/wasserportal/emscher-umbau.html

3 http://www.stadtwerke-essen.de/stadtwerke-essen-ag/klimabericht/

4 dargelegt im Schreiben an das Umweltamt der Stadt Essen vom 04.07.2013

5 Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer (OGewV). Diese Verordnung dient der

Umsetzung der Richtlinien 2000/60/EG, 2008/105/EG, 2009/90/EG und 2008/915/EG.

6 http://www.essen.de/de/location/locationdetailseite_155857.jsp

7 http://www.heizsparer.de/spartipps/wasser-sparen

(Artikelserie „Wasser sparen“ anlässlich des Weltwassertages am 22.03.2013, u.a. mit ein

Beitrag des „Biofilm Centre“ der Universität Duisburg-Essen)

8 Aktueller Bericht des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-

Westfalen (LANUV): „Belastung der Ruhr mit Mikroschadstoffen bleibt ein ernstes Thema –

Nachgelegt: Umfangreiche Datenauswertung der Oberflächenwasser- und

Trinkwasserdaten zu Mikroschadstoffen im Ruhreinzugsgebiet. Weiterhin

Handlungsbedarf.“ (Stand der Datenbankauswertungen: März 2013)

9 Datenbankauswertungen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz

Nordrhein-Westfalen von März 2013

10 https://www.umwelt.nrw.de/umwelt/pdf/programm_reine_ruhr_2012.pdf

11 Signifikant steigende Trends in der Ruhr liegen für den Stoff Nitrilotriessigsäure NTA

(Ersatzstoff für EDTA) sowie für die Humanarzneimittelwirkstoffe Metoprolol (Betablocker)

und Sulfamethoxazol (Antibiotikum) vor (Datenbankauswertungen des Landesamtes für

Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen von März 2013).

12 Die Stadtwerke Essen AG zählt auch zu den Mitgliedern der AWWR: http://www.awwr.de

13 www.awwr.de/kooperationen.html und

http://www.ruhrverband.de/wissen/wasserqualitaet/ruhrguetebericht/

14 www.neuewegezumwasser.de

15 www.neuewegezumwasser.de/essenerfahren/uebersichtskarte.html; s. auch Themenfeld 3

16 s. Garten + Landschaft 9/2011, S. 34 bis 36

17 Aus dem Grundwasserkörper DE_GB_277_06. Hydrochemische Untersuchungsergebnisse zur

Brunnenbohrung liegen beim Umweltamt der Stadt Essen vor.

15


18 Schriftverkehr zwischen dem städtischen Umweltamt (59-4) und der Bezirksregierung

Düsseldorf

19 Bewirtschaftungsplan Nordrhein-Westfalen 2010 – 2015 – Planungseinheitensteckbriefe:

www.umwelt.nrw.de und www.flussgebiete.nrw.de

20 Bewirtschaftungsplan Nordrhein-Westfalen 2010 – 2015 – Planungseinheitensteckbriefe:

www.umwelt.nrw.de und www.flussgebiete.nrw.de

21 http://www.eglv.de/wasserportal/flussgebietsmanagement/grundwasserbewirtschaftung; s.

auch Themenfeld 9

22 Projekt des „Bundesmodellvorhaben des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus

(ExWoSt)“, siehe www.klimawerkstadtessen.de

23 www.uni-due.de/wasserbau/ ; Beispiel zur Begleitung der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie

in Nordrhein-Westfalen (Text kann bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden)

24 http://www.uni-due.de/biofilm-centre/index_en.shtml

http://www.uni-due.de/zwu/projekte.shtml

26 www.bew.de

27 größter Ruhrstausee mit einer Oberfläche von 2,64 km 2

http://www.ruhrverband.de/fluesse-seen/stauseen/

28 Das Projekt (Laufzeit: 01.01.2012 – 31.12.2014) wird gefördert vom Bundesministerium für

Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Projektverbundes „Risikomanagement von

neuen Schadstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf (RiSKWa)“:

www.sichere-ruhr.de

29 www.sichere-ruhr.de./index.php/category/wasser-wandel/

30 Arbeitsschwerpunkte: s. www.bmbf.riskwa.de

31 www.ruhrverband.de/wissen/forschung-entwicklung/klimawandel

32 Dynamische Anpassung an den Klimawandel in der Emscher-Lippe-Region / Ruhrgebiet:

www.dynaklim.de

33 http://www.uni-due.de/biofilm-centre/mikro_projekte_dynaklim1_en.shtml

16


Themenfeld 09: Abwasserwirtschaft

9 A. Gegenwärtige Situation

Im Ruhrgebiet gibt es sondergesetzliche Wasserwirtschaftsverbände, Emschergenossenschaft

und Ruhrverband, die schwerpunktmäßig für die Abwasser-behandlung zuständig

sind. Kommunen und die Industrie sind per Gesetz Mitglieder.

Die Emschergenossenschaft ist im Essener Norden und der Ruhrverband im Essener Süden

zuständig (Abbildung 9-1). Nach den wasserrechtlichen Regelungen ist die Stadt Essen

abwasserbeseitigungspflichtig für das Sammeln und Transportieren des Abwassers.

Abwasserbeseitigungspflicht

auf dem Gebiet der Stadt Essen

§ 53 und § 54 LWG NW

Stadt Essen

(sammeln u.

transportieren)

Ruhrverband (RV)

(reinigen u. einleiten)

Emschergenossenschaft (EG)

(reinigen u. einleiten)

Entsorgungsvertrag

Stadt Essen

Wasserwirtschaft

Koordinierung

Entwässerung

(hoheitlicher Teil)

Stadtwerke Essen AG

(SWE )

(operativer Teil)

planen,bauen,betreiben


Pachtvertrag


Entwässerung Essen

GmbH (EEG)

Eigentümer öffentliches

Kanalnetz

Abb: 9.1: Abwasserbeseitigungspflicht auf dem Gebiet der Stadt Essen (Quelle: Rademacher / Stadt Essen) (1)

Für das Jahr 2012 betrug der Wasserverbrauch in der Stadt Essen rd. 33.8 Mio. m³, der als

Abwasser von 571.407 Personen, der Industrie und des Gewerbes anfällt Rund 4% des

Wasserverbrauchs fiel auf die Industrie, 5% auf den öffentlichen Sektor und 91% auf

Einwohner und Kleingewerbe. 1

1 Daten Stadtwerke Essen AG

1


a) Zum 31.12.2012 betrug die Essener Einwohnerzahl 571.407 Personen, davon waren 99,5

% an die Kanalisation angeschlossen, die das Abwasser zu Abwasserbehandlungsanlagen

transportiert. 2

b) Der Ruhrverband betreibt auf dem Stadtgebiet Essen vier Kläranlagen, in denen das

Abwasser aus diesem Einzugsbereich neben Abwasserteilströmen anliegender Gemeinden

behandelt wird. Das im Emschergebiet anfallende Essener Abwasser wird auf den

Verbandskläranlagen in Bottrop und Dinslaken (Emschermündung) behandelt. Die zentralen

Abwasserbehandlungsanlagen sind durchweg Kläranlagen mit biologischer Behandlung. Die

Abwässer der angeschlossenen Einwohner werden darüber hinaus zu 100 % in Kläranlagen

mit einer weitergehenden Behandlung (Stickstoff- und Phosphoreliminiation) behandelt. 3

Die Richtlinie 91/271/EWG ist erfüllt.

Lediglich in den ländlichen Außenbereichen gibt es vereinzelte Häuser, bei denen ein

Anschluss an das öffentliche Kanalisationsnetz mit einem unverhältnismäßig hohen

Kostenaufwand verbunden wäre. In diesen Bereichen kommen private Kleinkläranlagen und

abflusslose Gruben zum Einsatz. Im Jahr 2012 waren lediglich 0,5% der Einwohner nicht an

die öffentliche Kanalisation angeschlossen und entsorgten ihr Abwasser über 871

Kleinkläranlagen und 95 abflusslose Gruben. 4

Die Ablaufqualität der Kläranlagen in Deutschland unterliegt den strengsten Anforderungen

der Abwasserverordnung. Ferner verlangt die EU-Kommunalabwasserrichtlinie 91/271/EWG,

dass in Siedlungsgebieten mit mehr als 2.000 Einwohnerwerten (EW) das Abwasser in

Kanalisationen gesammelt und biologisch behandelt werden muss. Zusätzlich ist in

Siedlungsgebieten mit mehr als 10.000 EW, die sich im Einzugsbereich empfindlicher

Gebiete befinden, eine dritte Reinigungsstufe zur Stickstoff- und Phosphorelimination

erforderlich. Die Stadt Essen liegt im Wassereinzugsgebiet der Nordsee, das in Deutschland

gemäß der EU-Kommunalabwasserrichtlinie 91/271/EWG als empfindliches Gebiet ausgewiesen

ist. Demgemäß sind alle Kläranlagen, die Essener Abwässer behandeln, mit drei

Reinigungsstufen ausgestattet.

Kanalnetz

Öffentliches Kanalnetz (Stadtwerke Essen AG/Entwässerung Essen GmbH)

Gesamtlänge

davon

Mischwasserkanalisation

Schmutzwasserkanalisation

Regenwasserkanalisation

1604 km

1396 km

104 km

104 km

Straßenbaulastträger Stadt Essen

Regenwasserkanalisation

26 km

2 Daten Stadtwerke Essen AG

3 Angaben Ruhrverband und Emschergenossenschaft2010

4 Daten Stadtwerke Essen AG

2


Sonstige Anlagen

Öffentliches Netz (Stadtwerke Essen AG/ Entwässerung Essen GmbH)

Regenrückhaltebecken 62

Regenüberlaufbecken 3

Regenklärbecken 1

Regenüberläufe 41

Einleitungsbauwerke 329

Hoch- und Abwasserpumpwerke 23

Düker 12

Straßenbaulastträger (Stadt Essen)

Pumpwerke 6

Abscheider 3

Regenrückhaltebecken 5

Sinkkästen ca. 51.000

Abb. 9.2: Daten zu Abwasseranlagen/ohne Abwasserbehandlungsanlagen

(Quellen: Stadtwerke Essen AG, Stadt Essen/ FB 69)

Aus Planungs- und Nachweisrechnungen kann eine CSB-Gesamtfracht von rund 1500 t/Jahr

abgeschätzt werden, die über die Niederschlagswasserbehandlungsanlagen im

Kanalisationsnetz von Essen bei Regenwetter in die Gewässer abgeschlagen werden (672

t/Jahr aus den Essener Einzugsgebieten der Ruhrverband-Kläranlagen und 829 t/Jahr aus

den Essener Einzugsgebieten der Kläranlagen der Emschergenossenschaft) 5

In 6 Kläranlagen mit einer gesamten Klärkapazität von 4,1 Mio Einwohnerwerten (EW) mit

Stickstoff- und Phosphorelimination wurden 2009 bis 2011 im Mittel 614 Mio. m³ Abwasser

aus der Stadt Essen (rd. 33,8 Mio. m³) und den angrenzenden Kommunen gemeinsam

behandelt und gereinigt in die Ruhr bzw. in die Emscher eingeleitet. Die

Gesamtabwasserbelastung dieser Kläranlagen betrug im Mittel 3,2 Mio. Einwohnerwerte

(Abbildung 9-3).

Die Zu- und Ablauffrachten bezügl. CSB, Nges und Pges sind der Abbildung 9-4 zu

entnehmen. Damit werden die Anforderungen der EU-Richtlinie 91/271/EWG erfüllt. 6



















Abb. 9.3: Kapazität der Kläranlagen zur Entwässerung der Stadt Essen und Gesamtbelastung der Stadt

(Mittelwerte 2009 bis 2011),Abwassermenge der Stadt Essen rd. 33,8 Mio m³ (gem. Wasserverbrauch nach

Angaben der Stadtwerke Essen, 2013)

(Quelle: zusammengestellt basierend auf Stammdaten Kläranlagen von Ruhrverband und Emschergenossenschaft,

2012; Einwohnerzahl und Abwassermenge von Essen (gem. Wasserverbrauch) nach Angaben der

Stadtwerke Essen, 2013; EW = Einwohnerwert, E = Einwohner)

5 Angaben Ruhrverband und Emschergenossenschaft

6 Daten Stadtwerke Essen AG, Ruhrverband und Emschergenossenschaft

3


Abb. 9.4: Zu- und Ablauffrachten der Kläranlagen, in denen Essener Abwasser behandelt wird

(Mittelwerte 2009 bis 2011)

(Quelle: zusammengestellt basierend auf Daten von Ruhrverband und Emschergenossenschaft, 2012;

der Parameter BSB5 wird in der Regel nicht mehr beprobt)

Der auf den sechs Kläranlagen, in denen Essener Abwasser behandelt wird, anfallende

Klärschlamm von insgesamt 71.781 t TS/a (Anteil von Essen von ca. 18.846 t TS/a) wird

durch Faulung stabilisiert. Das dabei entstehende Faulgas wird in großen Teilen für

Betriebszwecke eingesetzt. Damit wird der unter den jeweiligen anlagenspezifischen

Randbedingungen wirtschaftlich nutzbare Energiegehalt der Klärschlämme verwertet. (2)

Die Emschergenossenschaft 7 und der Ruhrverband (3) verbrennen ihren anfallenden

Klärschlamm zu 100%.

Bei den Verbrennungsanlagen gewährleistet moderne Filtertechnik, dass die immissionsschutzrechtlichen

Anforderungen sicher eingehalten werden. Ergänzende Informationen zur

Umweltperformance der Abwasserwirtschaft (Energieeffizienz etc.) folgen in Kapitel 9B.

9 B. In der Vergangenheit erzielte Ergebnisse

In den letzten Jahren wurden vielfältige Maßnahmen sowohl zur Optimierung der

Abwasserbehandlung, wie auch der Abwasserableitung umgesetzt.

Gerade im Bereich der Abwasserbehandlung und anschließender Einleitung in die Gewässer

waren auch die zunehmend verschärften Anforderungen aus der wasserrechtlichen

Normenpyramide Auslöser der Maßnahmen.

EU (Wasserrahmenrichtlinie)

BRD (Wasserhaushaltsgesetz, Abwasserabgabengesetz)

Länder (Landeswassergesetze)

Stadt Essen (Entwässerungs- und Entwässerungsabgabensatzung)

7 Daten Emschergenossenschaft

Abb. 9.5: Wasserrechtliche Normenpyramide (Quelle: Rademacher/Stadt Essen)

4


Im Jahre 2012 wurde bei der Stadtverwaltung Essen ein neuer Fachbereich

„Wasserwirtschaft“ eingerichtet. Dadurch sollen Optimierungseffekte u.a. durch die

Bündelung von Zuständigkeiten und Fachkompetenz, Reduzierung von Schnittstellen und

die Vernetzung von gemeindlichen und hoheitlichen Aufgaben erreicht werden.

Wasserwirtschaft

Gemeindliche

Wasserwirtschaft

Untere

Wasserbehörde,

Hausentwässerung

Gewässerausbau

und

-unterhaltung

Koordinierung

Entwässerung

Grundwassermanagement

Regenwasser

management

Wasserrechte

und

Gewässeraufsicht

Industrielles

Abwasser /

wassergefährdende

Stoffe

Hausentwässerung

Abb. 9.6: Organisation Wasserwirtschaft (Quelle: Stadt Essen)

In die öffentliche Abwasserinfrastruktur der Stadtwerke Essen AG wurden in den letzten 10

Jahren ca. 274 Mio. € investiert. Die Investitionen entfielen im Wesentlichen auf

Kanalsanierungsmaßnahmen, Gewässerschutzmaßnahmen, Neubau- und

Erschließungsmaßnahmen und den städtischen Anteil an Abwasserbehandlungsanlagen. (4)

Umbau des Emschersystems als regionales Leitprojekt – die Rückkehr der Blauen Emscher

Mit Abklingen der Bergsenkungen konnte in den 1990er Jahren mit der Verlegung

unterirdischer Abwasserkanäle entlang der offenen Schmutzwasserkanäle im

Emschersystem begonnen werden. Der Umbau eines oberirdischen Abwasserkanals mit

insgesamt ca. 400 Kilometern Lauflänge zu einem sauberen und lebendigen Fluss, der sich

mit seinen Nebenläufen eigendynamisch entwickeln kann, schafft neue Lebensqualität an

den Ufern der Emscher und ihren Bächen. Mit einem Investitionsvolumen von 4,5 Milliarden

€ (davon entfallen 490 Mio. € auf das Stadtgebiet Essens) und einer Projektlaufzeit von

mehreren Jahrzehnten ist der Emscher-Umbau eines der größten Infrastrukturprojekte

Europas und eine besondere planerische und technische Herausforderung. (5)

5


Abb. 9.7: Gegenwärtiges Entwässerungssystem eines Teilgebiets der Stadt Essen über (links) das Emscher-

System und (rechts) zukünftiges Entwässerungssystem nach Emscherumbau

(Quelle: Emschergenossenschaft)

Der Emscherumbau betrifft auch das Stadtgebiet von Essen, denn rund zwei Drittel des

Essener Abwassers fließen in die Emscher. Zum Emscher-System zählt auf dem Essener

Stadtgebiet der Läppkes Mühlenbach, das Schwarzbach-System und das Berne-System,

bestehend neben der Berne selbst u.a. aus dem Borbecker Mühlenbach, dem

Stoppenberger Bach und dem Pausmühlenbach.

Der Läppkes Mühlenbach ist ein kleiner Nebenlauf der Emscher im Schnittbereich der Städte

Essen, Mülheim und Oberhausen. Von 1988 bis Ende 1991 wurde der Läppkes Mühlenbach

im Rahmen der Umgestaltung des Emscher-Systems als eines der ersten Gewässer auf

einer Länge von rund 2 Kilometer naturnah umgestaltet.

Für den noch nicht berührten Abschnitt von Kilometer 0 bis Kilometer 1,1 läuft gerade die

Planung. Der Umbau soll bis zum Jahr 2015 abgeschlossen werden. (6)

Abb. 9.8: Läppkes Mühlenbach (links) ausgebaut zur Abwasserableitung und (rechts) nach Umgestaltung

(Quelle: Emschergenossenschaft)

6


Am Borbecker Mühlenbach sind die ersten Früchte der Renaturierung bereits sichtbar (siehe

Abb. 9-9). Der Oberlauf des Borbecker Mühlenbachs wurde ab 2002 von der

Emschergenossenschaft für ein Investitionsvolumen von rd. 60 Mio. € umgebaut. Ab dem

kommenden Jahr soll auch die Berne umgebaut werden (siehe 9C).

Abb. 9.9: Borbecker Mühlenbach Oberlauf (links) ausgebaut zur Abwasserableitung und (rechts) nach

Umgestaltung (Quelle: Emschergenossenschaft)

Beim Emscher-Umbau wird in vielen Bereichen technisches Neuland betreten. So wurde

beispielsweise ein automatisiertes Inspektions- und Reinigungssystem entwickelt, um damit

die herkömmlich bemannte Inspektion zu ersetzen – eine Innovation, die 2008 mit dem

„Goldenen Kanaldeckel“ vom Institut für Unterirdische Infrastruktur GmbH ausgezeichnet

wurde.(7)Im Jahr 2011 wurden Emschergenossenschaft und Lippeverband für ihr

Steuerungstool für die Instandhaltung der Infrastruktur mit dem „Instandhaltungs-Oscar“ der

Abwasserwirtschaft, dem „Maintainer Award 2011“, ausgezeichnet. (8)

Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) hat den

Umbau der Emscher mit dem Gewässerentwicklungspreis 2013 ausgezeichnet.

Die Jury bezeichnete die ökologische Verbesserung der Emscher als „Meilenstein der

Gewässerrenaturierung im dicht besiedelten Raum“. (9)

Aufbau von Kapazitäten der Abwasserbehandlung

Ausgehend von der Verschärfung der Anforderungen an die Abwasserreinigung wurden seit

Anfang der 1990er umfassende Investitionen in die Abwasserbehandlung getätigt – u.a. im

Rahmen des Emscher-Umbaus in die vier Großkläranlagen der Emschergenossenschaft.

(10)

Der Ruhrverband investierte zwischen 1990 und 2005 1,6 Mrd. Euro in die Abwasserreinigung

und Niederschlagswasserbehandlung. Alle Abwasserbehandlungsanlagen wurden um

eine weitergehende Reinigungsstufe (Stickstoff- und Phosphor-Elimination) erweitert .

Dadurch konnte eine deutliche Verbesserung der Gewässerqualität der Ruhr festgestellt

werden. (11)

7


Reduzierung des Eintrags von Mikroverunreinigungen

Ein Schwerpunkt zur Weiterentwicklung der qualitativ hochwertigen Abwasserwirtschaft bei

den Wasserverbänden liegt in der Verringerung der Gewässerbelastung mit

Mikroverunreinigungen und Keimen. Bei der Reduzierung dieser Stoffe setzt das Land

Nordrhein-Westfalen auf ein Multi-Barrieren-Konzept, bestehend aus Vermeidung,

Rückhaltung an der Quelle und Elimination in kommunalen Kläranlagen. (12)

Beispielhaft sind dafür das Forschungsvorhaben zur Elimination von Arzneimittelrückständen

in der kommunalen Kläranlage in Schwerte des Ruhrverbands (13) sowie das INTERREG

IV-Projekt „PILLS“ der Emschergenossenschaft. (14) Mit den so entwickelten und erprobten

Verfahren können auch Stoffe wirksam aus dem Abwasser entfernt werden, die auf

Europäischer Ebene als Kandidaten für die Liste der prioritären Stoffe zur Umsetzung der

EU-Wasserrahmenrichtlinie diskutiert wurden (15) und in den nächsten Jahren stärker unter

Beobachtung stehen werden. (16)

Niederschlagswasserbehandlung

2002 entwickelte die Emschergenossenschaft ein Konzept der gebietsübergreifenden

Regenwasserbehandlung unter Einbezug der Kläranlagen Bottrop und Emschermündung.

Dieses Konzept beinhaltet eine Optimierung der Mischwasserbehandlung im Bezug auf den

Gesamtzufluss zu den beiden Kläranlagen bei Regenwetter (eingebettet in den Umbau des

Emschersystems).

Ergänzend dazu wurde die „Zukunftsvereinbarung Regenwasser“ abgeschlossen. Mit der

Zukunftsvereinbarung Regenwasser haben sich alle Städte des Emschergebiets, das

Umweltministerium und die Emschergenossenschaft das Ziel gesetzt, in 15 Jahren – von

2005 bis 2020 – die Einleitung von Regen- und Reinwasser in die Kanalisation um 15% zu

verringern. Vielfältige Maßnahmen öffentlicher und privater Grundstücksbesitzer tragen dazu

bei, unterstützt durch Förderprogramme der Emschergenossenschaft und des Landes

Nordrhein-Westfalen. (17)

Die Zukunftsvereinbarung Regenwasser erhielt in Lyon in 2013 den erstmals ausgelobten

„Novatech Award for outstanding sustainable urban drainage planning“. (18)

Der Ruhrverband hat in den vergangenen Jahren einen völlig neuen ganzheitlichen

Planungsansatz entwickelt und wird diesen in seinem Verbandsgebiet bis einschließlich

2017 sukzessive einsetzen. Mit der so genannten Integralen Entwässerungsplanung (IEP)

werden auf Basis umfangreicher Messungen im gesamten Entwässerungssystem und in den

aufnehmenden Gewässern die Wechselwirkungen zwischen den Teilsystemen der

Siedlungsentwässerung, namentlich der Kanalisation, der Regenwasserbehandlung, der

Abwasserreinigung und den aufnehmenden Gewässern umfassend untersucht und optimiert.

Im Stadtgebiet Essen hat der Ruhrverband hierzu bereits umfassende Messungen

durchgeführt.

Beide Konzepte der wasserwirtschaftlichen Verbände werden intensiv mit der Stadt Essen

und den Stadtwerken Essen AG abgestimmt.

Verbesserung der Energieeffizienz

Die Abwässerverbände haben in den letzten Jahren eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt,

um die Energieeffizienz ihrer Anlagen zu verbessern und die

Eigenenergieerzeugung zu erhöhen. (19) Dadurch konnte der Strombezug der Kläranlagen

des Ruhrverbands in den letzten Jahren um rund 30% reduziert werden. (19) Durch die

Mitbehandlung von Co-Substraten in den Faulbehältern ausgewählter Anlagen des

8


Ruhrverbands stieg über die Jahre 2006 bis 2011 der Gasertrag um 13% auf rd. 27,6 Mio.

Nm3/a. (20)

Weiterhin untersucht der Ruhrverband intensiv, inwieweit er einen Teil seines Strombedarfs

auf den Kläranlagen durch die Erzeugung regenerativen Stroms decken kann. Hierzu

werden in Kürze fünf Kläranlagen mit Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtgröße von 7.200

m² ausgerüstet, wobei eine große Solaranlage auf der Kläranlage Essen-Kettwig errichtet

wird.

Im Verbandsgebiet der Emschergenossenschaft konnte der Gesamtenergieverbrauch der

Kläranlagen von 2002 auf 2011 um 12,5% gesenkt werden, während die

Eigenenergieerzeugung im gleichen Zeitraum um 37% erhöht werden konnte. Aktuell wird

der Stromverbrauch der Kläranlagen damit zu rund 44 % über Eigenenergieerzeugung

(Abwasser und Klärschlamm) gedeckt.

Darüber hinaus werden erneuerbare Energien, zum Beispiel aus Klärschlamm und aus

Abwasserwärme, gewonnen und auf diesem Gebiet geforscht. Im Projekt EuWaK (Erdgas

und Wasserstoff aus Kläranlagen) z.B. wird in der Kläranlage in Bottrop der gesamte

Prozess einer dezentralen Wasserstoffgewinnung vom Klärschlamm bis zum Endprodukt

realisiert. Das Projekt lief so erfolgreich, dass es mit dem Innovation Award 2008 der

International Water Association (IWA) ausgezeichnet wurde. (21)

9 C. Zukunftspläne

1.)

Gemäß Entwurf des Abwasserbeseitigungskonzeptes 2014 werden in das Abwassersystem

Investitionen für Kanalsanierungsmaßnahmen und Gewässerschutzmaßnahmen in den

nächsten 6 Jahren in Höhe von ca.179 Mio. € eingestellt. Das vom Rat der Stadt Essen

beschlossene Abwasserbeseitigungskonzept ist eine Selbstbindung der Stadt Essen. (22)

Verbesserung der Abwassersammlungssysteme: Abschluss Umbau des Emscher-Systems

Nach derzeitigen Planungen werden alle Abwasserkanäle bis Ende 2017 fertiggestellt und

alle Gewässer bis Ende 2020 naturgerecht umgestaltet. Mit der notwendigen Reaktionszeit

der Gewässerökologie auf die verbesserten Umweltbedingungen von bis 10 Jahren ist davon

auszugehen, dass die Gewässer im Emschersystem bis 2027 den guten ökologischen

Zustand bzw. das gute ökologische Potenzial gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie erreichen.

Ergänzt und unterstützt werden die Maßnahmen der Emschergenossenschaft durch

zahlreiche Maßnahmen der Stadt Essen. (23)

Teil des Emscher-Systems auf dem Stadtgebiet von Essen ist das Berne-System mit einem

Gesamteinzugsgebiet von 60 Quadratkilometern und einer Gesamtgewässerlänge von 40

Kilometer, zu dem neben der Berne selbst und dem Borbecker Mühlenbach noch die

Nebenläufe Sälzerbach, Pausmühlenbach und Stoppenberger Bach gehören. 2014 beginnt

der Bau des unterirdischen Abwasserkanals entlang der Berne. Im Anschluss an den

Kanalbau startet die Emschergenossenschaft schließlich die ökologische Verbesserung

(„Renaturierung“) der Gewässer.

Die Kosten für den Umbau des Berne-Systems belaufen sich auf insgesamt 296 Millionen

Euro, davon wurden bislang bereits 60 Millionen Euro investiert. (24)

9


Abb. 9.10: Berne an der Hafenstraße – (links) Ist-Zustand und (rechts) nach Umgestaltung

(Quelle: Emschergenossenschaft)

Neben dem Berne-System werden in den Umbau des Schwarzbachsystems mit den Nebenläufen

Leither Bach, Schurenbach und Katernberger Bach auf Essener Stadtgebiet ca. 80

Mio € investiert. 8

Der Emscher-Umbau ist weit mehr als ein nachhaltiges rein wasserwirtschaftliches Projekt.

Vielmehr werden mit der Rückgewinnung einer ökologisch voll funktionsfähigen

Flusslandschaft Entwicklungschancen für die gesamte Region eröffnet. Der Masterplan

Emscher-Zukunft (23) als gesamträumlicher strategischer Planungsansatz ist das Drehbuch

für den Emscherumbau und wurde 2012 mit dem Deutschen Städtebaupreis in der Kategorie

‚Technische Infrastruktur‘ ausgezeichnet, weil er als langfristiger Plan der Komplexität und

den Rahmenbedingungen der Aufgabe gerecht wird.

Wegen dieser Querschnittsfunktionen werden neue Formen der Zusammenarbeit praktiziert

– beispielsweise in dem Projekt „ESSEN.Neue Wege zum Wasser“ (25) in Essen, in dem

entlang der Oberflächengewässer eine Vernetzung und Entwicklung der Grün- und

Freiflächen in der Stadt Essen weit über das Jahr 2015 erzielt wird.

2.)

Trotz der geringen Anzahl nicht an das Kanalnetz angeschlossener Einwohner werden

weiterhin Maßnahmen zur Reduzierung der Kleinkläranlagen und wasserdichten Gruben

durchgeführt. So werden beispielsweise mit der Kanalbaumaßnahme Westfalenstraße

(Baubeginn 2014) mit einem Kostenvolumen von ca. 4,2 Mio. € u.a. weitere 7 Grundstücke

an das Kanalnetz angeschlossen.

3.)

In abwasserwirtschaftlicher Hinsicht stehen nach dem weitgehend abgeschlossenen Ausbau

der Abwasserbehandlungsanlagen die Optimierung der Anlagen im Vordergrund. Hierbei

müssen die neuen Anforderungen an den Umwelt- und Gewässerschutz, insbesondere aus

der EU-Wasserrahmenrichtlinie, sowie die demografische Entwicklung beachtet werden.

Für die beiden Teileinzugsgebiete der Stadt Essen – Ruhr und Emscher – liefern die

jeweiligen Wasserverbände detaillierte Programme und Bewirtschaftungspläne, welche

zusammengefasst werden im Bewirtschaftungsplan für die Flussgebietseinheit des

Rheins.(26) Ab 2013 werden die Erfolge von Maßnahmen, auch des laufenden Umbaus des

Emschersystems, umfassend bewertet und die Bewirtschaftungspläne bis Ende 2015

aktualisiert.

8 Angaben Emschergenossenschaft

10


4.)

Die Anbindung der 6 Kläranlagen, in denen das Essener Abwasser behandelt wird, ist

optimal entwickelt.

5.)

Verbesserung der Niederschlagswasserbeseitigung – naturnahes Regenwassermanagement

Zum Erreichen der Zielsetzungen der europäischen Wasserrahmenlinie müssen

insbesondere die Belastungen aus Misch- und Niederschlagswassereinleitungen in die

Gewässer verringert werden. Ein Schwerpunkt des Maßnahmenprogramms Nordrhein-

Westfalen sind deshalb Maßnahmen der Niederschlagswasserbeseitigung. (27) Seit 2007

sind im Abwasserbeseitigungskonzept (ABK) grundsätzlich Aussagen darüber aufzuführen,

wie zukünftig das Niederschlagswasser beseitigt werden kann. Dieses sogenannte

„Niederschlagswasserbeseitigungskonzept“ (NBK) ist damit integraler Bestandteil des

kommunalen Abwasserbeseitigungskonzepts.

Umgang mit den Herausforderungen des Grundwasser-Anstiegs, der auch das

Fremdwasserproblem für die öffentliche Kanalisation deutlich verschärft.

Durch Bergsenkungen haben die Städte, insbesondere entlang des Emscherbruchs, mit

steigendem Grundwasseranstieg zu kämpfen. Kellervernässungen sind ein wiederkehrendes

und flächendeckendes Problem. (28) Daneben ergeben sich Fremdwassermengen im

öffentlichen Kanalnetz, die deutlich zu reduzieren sind.

Darum sind Maßnahmen zur Regulierung des Grundwasserstandes erforderlich. In Essen-

Karnap, einem von vier Pilotprojekten wurden Planungen und technische Lösungen erprobt.

Die konkrete Umsetzung der Maßnahmenplanungen erfolgt durch die Stadtwerke Essen AG

in enger Abstimmung mit der Emschergenossenschaft. Für Essen-Karnap belaufen sich die

Kosten für eine zentrale Drainage zur Fremdwasserreduzierung auf 6,7 Mio €.

Forschungsprojekt „Sichere Ruhr“: Verbesserung der hygienischen Situation der Ruhr durch

weitergehende Abwasserbehandlung

Die Ruhr wird im Stadtgebiet Essen intensiv und umfassend für die Freizeitnutzung,

beispielsweise in Form von Wassersport (Segeln, Kanu, Surfen), aber auch zur allgemeinen

Erholung genutzt. Obwohl die Ruhr in früheren Jahrzehnten auch intensiv zum Baden

genutzt wurde, ist dieses aufgrund der hygienischen Belastung der Ruhr durch die

zahlreichen Einträge aus der Siedlungsentwässerung und anderer diffusen Quellen

inzwischen an vielen Stellen verboten. Seit einigen Jahren untersucht der Ruhrverband

zusammen mit neun weiteren wissenschaftlich-technischen Partnern unter enger Einbindung

der Stadt Essen, ob und wenn ja, unter welchen Umständen zukünftig die Ruhr temporär

wieder als Badegewässer nutzbar sein könnte. Dieses Projekt „Sichere Ruhr“ (www.sichereruhr.de)

ist Bestandteil einer bundesweiten Forschungsinitiative zum Risikomanagement von

neuen Schadstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf.

11


9 D. Hinweise

(1) Rademacher, Klaus-Dieter, Vortrag im Bau- und Verkehrsausschuss der Stadt Essen am

23.08.2012

(2) Emschergenossenschaft / Lippeverband (EGLV): Kläranlagen. Wie wir klarkommen mit unseren

Abwässern, Essen.

Ruhrverband (o.J.): Abfallbilanz 2010.

http://www.ruhrverband.de/abwasser/abfallentsorgung/abfallbilanz-2010/

(3) Ruhrverband (2008): Abfallwirtschaftskonzept 2010. Abfälle aus der Abwasserreinigung, Essen

(4) Abwasserbeseitigungskonzept 2003 der Stadt Essen

Abwasserbeseitigungskonzept 2008 der Stadt Essen

Wirtschaftspläne der Stadtwerke Essen AG (2003 – 2012)

(5) http://www.eglv.de/wasserportal/emscher-umbau.html

(6) http://www.eglv.de/wasserportal/flussgebietsmanagement/oekologischegewaesserentwicklung/beispiel-laeppkes-muehlenbach.html

(7) http://www.ikt.de/iktnewsneu.php?doc=924

(8) http://www.eglv.de/index.php?id=473&no_cache=1&categories=133,1,6

(9) http://www.eglv.de/wasserportal/meta/presse/presseinformationen/presseinformationendetail/article/weltwassertag-emscher-umbau-mit-gewaesserentwicklungspreis-ausgezeichnetworden.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=287&cHash=798554b5cfdf6d1ed702a2d791f0f329

(10) Emschergenossenschaft (2009): Flussgebietsplan Emscher 2009, Essen

(11) AWWR (Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr) und Ruhrverband (2011):

Ruhrgütebericht 2010, Essen

(12) http://www.umwelt.nrw.de/umwelt/wasser/abwasser/mikroschadstoffe/index.php

(13) Ruhrverband (2012), www.micropollutants.net, www.ruhrverband.de

(14) http://www.pills-project.eu/

(15) Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der

Richtlinien 2000/60EG und 2008/105/EG in Bezug auf prioritäre Stoffe im Bereich der Wasserpolitik

vom 31.1.2012.COM (2011) 876 final

(16) Directive of the european parliament and of the council of amending directives 2000/60/EC

and 2008/105/EC as regards priority substances in the field of water policy. PE-CONS No/YY-

2011/0429 (COD)

(17) www.emscher-regen.de

(18) http://www.eglv.de/wasserportal/meta/presse/presseinformationen/presseinformationendetail/article/regenwasser-projekt-der-emschergenossenschaft-wurde-in-lyonausgezeichnet.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=287&cHash=dbd70cbf7e5d13e5a966fb61e769e

03e

(19) Ruhrverband 2012: Geschäftsbericht 2011, Essen

(20) AWWR (Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr) und Ruhrverband (2012):

Ruhrgütebericht 2011, Essen

12


(21) Emschergenossenschaft (o.J.): Demonstrationsprojekt auf der Kläranlage Bottrop

http://www.h2-netzwerk-ruhr.de/uploads/media/EuWaK_01.pdf

(22) Entwurf Abwasserbeseitigungskonzept 2014 der Stadt Essen

(23) Emschergenossenschaft (2006): Masterplan Emscher-Zukunft. Das neue Emschertal,

Essen

(24) Emschergenossenschaft: Maßnahmen im Bernesystem, Vortrag im Bau- und Verkehrsausschuss

der Stadt Essen am 23.05.2013

(25) www.neuewegezumwasser.de

(26) Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des

Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV) (2009): Bewirtschaftungplan für die nordrheinwestfälischen

Anteile von Rhein, Weser, Ems und Maas, 2010 – 2015

www.flussgebiete-nrw.de

Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz

des Landes Nordrhein-Westfalen (MKULNV) (2011): Entwicklung und Stand der

Abwasserbeseitigung in Nordrhein-Westfalen. Langfassung. 15. Auflage 2010

(27 http://www.flussgebiete.nrw.de/Bewirtschaftungsplanung/index.jsp#Alle%20verbindlichen%20Dok

umente%20NRW

(28) Emschergenossenschaft (2012): Sachstandsbericht „Grundwasserbewirtschaftung im

Emschergebiet“ vom 28.09.2012, Essen

13


Themenfeld 10: Öko-Innovation und nachhaltige Beschäftigung

10 A. Gegenwärtige Situation

Essen hat sich von einer Montanindustriestadt zu einem Umweltwirtschaftsstandort (1) gewandelt.

Mit privaten Partnern schafft Essen Voraussetzungen für die Entwicklung von Öko-Innovationen

und zur Umsetzung von Umweltprojekten.

Haushaltssituation und demographische Entwicklung begrenzen den städtischen Handlungsspielraum

bei überproportionaler Wirtschaftskraft der Unternehmen (1)

Zu 1:

Essen ist Mehrfachsieger recyclingpapierfreundlichste Stadt Deutschlands (2) .

Mit ÖKOPROFIT ®(3) ist Essen führender Ressourcenschutz-Standort; 81 Unternehmen und

Institutionen erzielen jährliche Einsparungen von 93,8 Mio. kWh Strom sowie 131.652 m³

Wasser.

Innovationen bei Stromerzeugung, -transport und –speicherung unterstützen die ressourceneffiziente

Energieversorgung.

• Zukunftsvereinbarung Regenwasser (4)

Ziel: Regenwasserbewirtschaftungskonzepte zur Abkopplung von 15% versiegelter

öffentlicher und privater Flächen von der Kanalisation.

• Das SANAA-Gebäude mit aktiver Wärmedämmung

(5) aus Wandelementen, die

Wärme des Grubenwassers aus einem

Bergwerk nutzen.

.

Abb.10.1: SANAA-Gebäude (Quelle: Stadt Essen)

1


• Eine Windkraft-Pilotanlage(6) mit

2 Vertikalrotoren erforscht die Einsatzmöglichkeiten

von Kleinwindenergieanlagen

im Stadtraum

Abb. 10.2: Windkraftanlage / ETEC (Quelle: Stadt Essen)

Zu 2:

Im meotec-Netzwerk für den technologieorientierten Mittelstand (9) bilden über 400 Unternehmen

einen Verbund für Innovationstätigkeit zur Entwicklung umweltfreundlicher

Produkte und Dienstleistungen, der mit ca. 600.000€ EFRE-Mitteln gefördert wird.

Zu 3:

Förderung grüner Qualifikationen (10) findet in zahlreichen Einrichtungen wie Bildungszentrum

für die Entsorgungs- und Wasserwirtschaft, Gas- und Wärmeinstitut Essen, Gartenbauzentrum

Essen der Landwirtschaftskammer NRW, Haus der Technik, „Schule Natur“ oder

Zentrum für Wasser- und Umweltforschung der Universität Duisburg-Essen statt.

Die Stadt bietet für einige Fachrichtungen in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum

ein praxisintegriertes duales Studium an.

Besonderen Stellenwert haben Messe- und Kongressveranstaltungen (11) wie die internationale

Leitmesse „E-world energy & water“, „Essener EnergieForum“ oderEssener Tagung

für Wasser- und Abfallwirtschaft“ (s. Abb. 10.3).

2


Zu 4:

Umweltfreundliche öffentliche Beschaffung (12) mit den Kriterien Energieeffizienz und Umweltauswirkungen

ist mit dem Katalog „buy smart“ (13) Bestandteil des Integrierten Energieund

Klimakonzepts (IEKK) (40).

Essen beteiligt sich seit 2012 an der „Fairtrade-Towns“ (14) -Kampagne.

Zu 5:

Im Netzwerk „Essener Konsens“ (15) offerieren Stadt und Partner Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen

für Langzeitarbeitslose und arbeitslose Jugendliche (z.B. bei Umweltschutzprojekten)

- ohne Jobs zu gefährden.















Abb. 10.4: Zahlen aus Jahresbericht der Essener Arbeit- und Beschäftigungsgesellschaft (Quelle: EABG)

„ESSEN.Neue Wege zum Wasser“ (16) ist ein Handlungsprogramm des Essener Konsens

zur Wohnumfeldverbesserung, zur Entwicklung und Vernetzung der Grünflächen,

Wasserläufe und Parks, das seit 2005 ein grünes Hauptroutennetz von 148 km Länge realisiert

hat.

Als Solargenossenschaft Essen (17) unterstützen Bürger die Nutzung Erneuerbarer Energien.

Für Solarnutzung stellt die Stadt Dachflächen zur Verfügung und unterstützt die Bestrebungen

z.B. durch ein Solarkataster (18) oder Thermografiebefliegungen. (19)

3


Zu 6:

Die städtische Finanzsituation erlaubt keine direkte Förderung ökologischer Forschung &

Entwicklung.

Essen beteiligt sich mit kommunalen Objekten und Potenzialen an innovativen Projekten,

vermittelt Fördermittel aus Stiftungen (20) , hilft bei der Suche nach Partnern aus der Wirtschaft

und unterstützt ökologische F&E durch Netzwerkverbindungen.

Zu 7:

Zum 30.09.2012 waren in Essen 5,6% der 226.668 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

(SvB) im Leitmarkt Ressourceneffizienz registriert (21 ),(22) .

Mit 12.755 SvB in diesen ‚Grünen Sektoren‘ ist der Wirtschaftsstandort Essen führend

in der Metropole Ruhr (23) .

Eine weitere starke Branche ist der Garten- und Landschaftsbau (24) mit 939 SvB.

Die Mehrzahl der seit 2011 geschaffenen Arbeitsplätze der „Grünen Sektoren“ liegt in den

Bereichen Umwelt/Recycling (+ 74) sowie Labor-, Ingenieur- und Messdienstleistungen (+

48).

Beschäftigte im Leitmarkt Ressourceneffizienz in der Metropole Ruhr

8.144

5.671

6.413

5.291

11.487

5.163

6.063 1.754

7.795

8.191

5.188

6.744

12.755

2.867

2.447

kreisfreie Städte

Kreise

Abb. 10.5: Karte Regionalverband Ruhr (RVR), Zahlen und Design in Anlehnung an Wirtschaftsbericht

der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr (Quelle: wmr) 21

4


Zu 8:

Öffentliche Elektromobilität blickt über die Essener Verkehrs AG auf eine lange Erfolgsgeschichte

zurück.

• In 2011 wurden 50 Elekto-PKW zugelassen (25) .

• 40 Ladesäulen für Elektrofahrzeuge mit 80 Ladepunkten stehen zur Verfügung (26) .

• Das Car-Sharing-Projekt Ruhrauto-e (27) verfügt über 11 Verleihstandorte.

• Die Viehofer Straße in der Innenstadt wurde zur „Versuchszone Elektromobilität im

Alltag“ (28) erklärt.

Für städtische Dienstfahrten werden Elektrofahrräder genutzt.

Bürger können Leih-E-Bikes über zwei Radstationen (29) nutzen, welche von Langzeitarbeitslosen

im Auftrag der Neuen Arbeit der Diakonie Essen betrieben wird. Es gibt sieben öffentliche

E-Bike-Ladestationen.

Essen unterstützt den Einsatz von Erdgasfahrzeugen auf dem Weg zur Elektromobilität.

Mit 143 neu zugelassenen Gas-PKW in 2011 ist Essen in NRW führend.

In sechs Jahren haben die Umwelt-Taxen Essen gestützt auf ein Netz von Autohändlern

und fünf Erdgas-Tankstellen über 20 Mio. km mit Erdgas zurückgelegt (30) .

Abb. 10.6: Elektromobilität in Essen (Quelle :Stadt Essen)

5


10 B. In der Vergangenheit erzielte Ergebnisse

Zu 1:

Durch das Klimaschutzgesetz NRW 1 ist Umwelt- und Klimaschutz seit 2013 eine Pflichtaufgabe

der Stadt Essen. Bereits vorher war Essen Vorreiter in diesem Aufgabenbereich

Schon 2004 wurden im „Aktionsplan für Umwelttechnologien in der Europäischen Union“

wichtige Rahmenbedingungen für die weitere Entwicklung und Verbreitung „grüner“

Technologien, Produkte und Dienstleistungen geschaffen. In 2007 wurde dieses Thema

beim informellen Umweltministerrat in Essen aufgegriffen und unter dem Motto „Umwelt,

Innovation, Beschäftigung“ als ökologische Industriepolitik in den Mittelpunkt der Diskussion

gerückt.

Die Klima-Bündnis-Kommune (31) Essen setzt sich intensiv für Energieeffizienz und Klimaschutz

ein.

Essen ist aktives Mitglied von ALTBAUNEU ®(32) , einem kommunalen Netzwerk zur energetischen

Gebäudesanierung, koordiniert von der EnergieAgentur.NRW. Die 15 Mitgliedsstädte

bieten bei der energetischen Sanierung von Gebäuden umfassende Hilfestellung.

Seit dem 13. Januar 2011 ist Essen europäische Energie- und Klimaschutzkommune (33) .

Die Stadt wurde für Ihre vorbildliche Energie- und Klimaschutzpolitik mit dem eea ® ausgezeichnet.

Zu 2:

Die Klimaschutzziele der Stadt Essen sind in nachfolgender Abbildung zusammengestellt:

Ziele des Klima-Bündnis

Reduzierung des CO 2 -Ausstoßes um 10% alle 5 Jahre,

Halbierung der pro-Kopf Emissionen bis spätestens 2030 (Basisjahr 1990),

Schutz der tropischen Regenwälder durch Verzicht auf Tropenholznutzung

Ziel des Konvents der Bürgermeister/innen

Die Unterzeichnerstädte des „Konvents der Bürgermeister“ verpflichten sich, die 20/20/20-

Ziele bis 2020 der Europäischen Union zu übertreffen.

Ziele der Bundesregierung

Reduzierung der CO 2 -Emissionen um 40 % bis 2020 (Basisjahr 1990)

Verminderung der CO 2 -Emissionen um 80 % – 95 % bis zum Jahr 2050

(entsprechend etwa 2,5 Tonnen CO 2 -Äquivalent/Einwohner/in).

Ziele der Landesregierung (Klimaschutzgesetz NRW vom 23.01.2013 / Erstes in Deutschland)

Klimaschutz wird zur Pflichtaufgabe

Ziel: CO 2 -Einsparung um 25 % bis 2020 / Erstellung eines Klimaschutzplanes für NRW

Abb. 10.7: Die Klimaschutzziele zu den sich die Stadt Essen bekannt hat (Quelle: Stadt Essen)

1 Der Landtag des Bundeslandes NRW hat in seiner Sitzung am 23. Januar 2013 mit dem „Gesetz zur Förderung

des Klimaschutzes in Nordrhein-Westfalen“ das erste deutsche Klimaschutzgesetz mit gesetzlichen Klimaschutzzielen

verabschiedet: http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMG16-

29.pdf?von=1&bis=0

6


Das Bundesministerium für Bildung und Forschung zeichnete 2010 die Stadt Essen für die

Klimainitiative Essen (35) als Gewinnerin des Wettbewerbs Energieeffiziente Stadt (36) aus.

Die Etablierung einer gemeinsamen Klimakultur und die intensive Zusammenarbeit von Bürgern,

Stadt und Wirtschaft tragen dazu bei, das Reduktionsziel zu erreichen.

Der Essener Beitrag im Wettbewerb InnovationCity Ruhr (37) zielte auf die Halbierung der

CO 2 -Emissionen eines ruhrgebietstypischen Pilotgebietes mit über 60.000 Einwohnern. Essen

wurde durch den Initiativkreis Ruhr als ‚Finalist‘ gewürdigt.

Am 10. Juni 2009 gaben die Stadt, ihre Tochtergesellschaften und Partner den Startschuss

für die Klimakampagne "Unsere Stadt. Unser Klima." (39) als Element des IEKK". (40)

In Folge wurde das Essener Konzept als ‚klima|werk|stadt|essen‘ (38) zur Dachmarke aller

Aktivitäten in Essen erklärt und durch Stadt und Partner mit eigenen Mitteln bearbeitet.

Die Stadt Essen nimmt an dem Modellvorhaben des Experimentellen Wohnungs- und

Städtebaus (ExWoSt) "Urbane Strategien zum Klimawandel – Kommunale Strategien und

Potenziale" teil (41) . Das Modellvorhaben zielt darauf ab, Anpassungserfordernisse an den

Klimawandel mittels planerischer Vorsorge in die Stadtentwicklung einzubeziehen.

Bei EUROCITIES wird sich Essen in den Working Groups aktiv beteiligen.

Zu 3:

Am 27.02.2008 hat der Rat der Stadt Essen die Verwaltung mit der Erarbeitung eines „Integrierten

Energie- und Klimakonzeptes“ (IEKK) beauftragt und dieses am 04.03.2009 beschlossen.

Die Verwaltung berichtet jährlich im Rat mit dem IEKK-Bilanzbericht (42) über den

Stand der Umsetzung.

Alle 2 Jahre erfolgt eine Fortschreibung der CO 2 -Bilanz (42-a) . Die Ergebnisse werden im Rat

öffentlich präsentiert.

Mit dem Energiebericht (42-b) der Immobilienwirtschaft werden Entwicklungen und Ergebnisse

rund um Energieversorgung und Energieeffizienz städtischer Gebäude veröffentlicht.

Zu 4:

Das Handlungsfeld Stadtentwicklung umfasst eine Vielzahl umwelt- und klimarelevanter

Themenfelder und bezieht relevante öffentliche und private Bereiche ein. Dieser Querschnittsaufgabe

kommt im Prozess eine besondere Schlüsselrolle zu.

Schon Anfang 2005 startete der verwaltungsinterne „Stadtentwicklungsprozess Essen

Perspektive 2015+“ (STEP) (43) mit dem Ziel, mittelfristige Perspektiven für die Stadtentwicklung

sowie „Impulsprojekte“ für einen nachhaltigen Stadtumbau zu erarbeiten.

Essen konnte in den letzten Jahren dank des von Bund und Land aufgelegten Konjunkturpaketes

II (44) in Projekte und Maßnahmen investieren, die einen Innovations- und Modernisierungsschub

auslösen. Energetische Sanierungs- und Baumaßnahmen steigern den Immobilienwert

und sparen jährlich bis zu 390.000 € Energiekosten ein. Durch CO 2 -

Einsparungen wirkt sich das Maßnahmenprogramm positiv auf Klima und Umwelt aus.

Städtebauliche Planung kann den Energiebedarf der Gebäude bis zu 40% reduzieren und

den CO 2 -Ausstoß mindern. Das Amt für Stadtplanung und Bauordnung hat hierzu 2009 einen

"Leitfaden für eine energetisch optimierte Stadtplanung" (45) als Arbeitshilfe und Informationsgrundlage

für Planer und Investoren erarbeitet.

7


Auch die Aufgabenbereiche Gebäudesanierung, Erneuerbare Energien und Mobilität haben

eine besondere Bedeutung für die nachhaltige Entwicklung des städtischen Gefüges

und seiner Infrastrukturen. Dabei ist auch „Marketing/Öffentlichkeitsarbeit“ von großer Bedeutung.

Exemplarische Einzelmaßnahmen und Projekte aus der Breite des Maßnahmenspektrums

sind z.B.:

Essens größter Wohnungsanbieter Allbau errichtet die erste Klimaschutzsiedlung(46) in

Essen. Ziel des Projektes ist es, die heizungsbedingten CO 2 -Emissionen von Wohngebäuden

als Beitrag zum Klimaschutz zu minimieren.

• Das Biomasse-Heizwerk(47) im Grugapark versorgt 17 Gebäude mit „grüner Wärme“

aus Restholz aus Parks und Wäldern. Hochleistungsfilter sorgen dafür, dass die

Feinstaubemissionen die gesetzlichen Grenzwerte um mehr 50% unterschreiten. Mit

über 1,9 MW Feuerungsleistung ist es die größte Nahwärmeheizung ihrer Art.

Abb.10.8: Biomasse-Heizwerk (Quelle: Stadt Essen)

• "metropolradruhr" (48) ist ein großflächiges Mietfahrrad-Netz, um das Radfahren zu fördern,

den innerstädtischen Verkehr zu entlasten und Schadstoffemissionen und Lärm zu

mindern. Das dezentrale Fahrradverleihsystem mit 2.700 Rädern in 10 Städten bietet in

Essen über 50 Verleihstationen. Es bewirkt eine enge Vernetzung von Fahrrad und

Nahverkehr, kann den Nah- und Autoverkehr in den Hauptverkehrszeiten entlasten,,preiswert

ergänzen und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

• Waldflächen sind aufgrund der Filterwirkung für Luftverunreinigungen als Frischluftproduzent

von Bedeutung. Die nachhaltige Waldbewirtschaftung (49) entlastet den CO 2 -

Haushalt der Atmosphäre durch Speicherung und Substitution von Material und Energie.

Bei der Waldbewirtschaftung des Kommunalwaldes hält GGE bereits seit 2003 bestimmte

ökologische, soziale und wirtschaftliche Standards ein und ist gemäß Forest Stewardship

Council (FSC) zertifiziert.

• Thermografie-Befliegung: Auf Basis von Wärmebildern aus der Luft werden die energetischen

Zustände aller 213.359 Gebäudedächer in Essen geprüft. Mit den Informationen

lassen sich Wärmeverluste von Gebäuden bewerten. Ziel des Gemeinschaftsprojektes

der Stadt mit RWE ist es, Bürgerinnen und Bürger für das Thema Energieeffizienz zu

sensibilisieren und Gebäudeeigentümer auf mögliche energetische Sanierungsoptionen

aufmerksam zu machen

8


• Das Projekt "Klimabotschafter" (50) leistet einen Beitrag zur frühkindlichen Klimaschutzbildung

und –erziehung, damit Kinder lernen, Gegenwart und Zukunft lebenswert

und klimagerecht zu gestalten. Zu diesem Zweck werden Ehrenamtliche zu Klimabotschaftern

in Kindergärten ausgebildet.

• Die Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft unterstützt den Wissenstransfer zwischen

Unternehmen, um Produktionsprozesse auch für neue Produkte durch ressourceneffiziente

Verfahren zu optimieren.

Mit Veranstaltungen, "best-practice-Beispielen“, Netzwerkbildung etc. fördert die EWG

den Austausch über ressourceneffizientere Prozessansätze, Technologien und Produkte

(51) .

• In 2010 war die Stadt Essen Gastgeberin der 18. Weltwasserstoffkonferenz (52) mit

über 1.500 Teilnehmern aus dem In- und Ausland. Die Konferenz zielte auf die zukünftige

Markteinführung des Energieträgers Wasserstoff.

• Im Verbund mit den Nachbarstädten arbeitet Essen daran, die Planung und Umsetzung

des Luftreinhalteplans (53) für das Ruhrgebiet weiter zu verfolgen, um die Feinstaubund

Stickstoffbelastung dauerhaft zu mindern.

• Der Essener Umweltpreis (54) zeichnet beispielhafte Aktivitäten aus, die einen Beitrag

zur Anpassung an den Klimawandel leisten und Umwelt und Lebensqualität in Essen

nachhaltig verbessern.

Zum jährlichen Wettbewerb zählen zum Beispiel vielfältige Begrünungsmaßnahmen im

Garten und am Haus, energetische Sanierungen bestehender Gebäude, Neubauten sowie

der Einsatz erneuerbarer Energien oder Maßnahmen zum umweltfreundlichen Umgang

mit Regenwasser.

• Um den Folgen des Klimawandels aktiv zu begegnen hat die Bundesregierung einen

Aktionsplan verabschiedet. Essen hat als Gastgeberstadt für den urbanen und industrialisierten

Raum die Ideen- und Kooperationsbörse Ruhr (55) veranstaltet, um freiwilliges

Handeln zur Anpassung an den Klimawandel anzustoßen.

Die Börse schaffte Raum für Unternehmen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, um sich

zum Thema auszutauschen, Kooperationen zu entwickeln und zu vereinbaren. Konkrete

Kooperationsvorschläge reichten von einem Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes

für ältere Menschen, Krankenhäuser und Pflegeinrichtungen bis zur Klimaradtour

im Stadtgebiet.

• Die Essener Klimaagentur (56) unterstützt innovative Ideen, initiiert Klimaschutzprojekte

und fördert lokale Initiativen. Sie sensibilisiert, informiert und berät zielgruppenspezifisch

mit dem Ziel, klimabewusstes Planen und Handeln in lokalen Entscheidungsprozessen

zu verankern und im täglichen Leben umsetzbar zu machen.


In 2012 wurde mit dem Aufbau der Strategie „Essen.2030“

begonnen. Auf der Basis von SWOT-Analysen, Experten-

Workshops und zweimaliger Bürgerbeteiligung wurden die

fünf HandlungsfelderEssen.urban, Essen.erfolgreich, Essen.talentiert, Essen.vielfältig und

Essen.engagiert“ entwickelt, durch die mit Hilfe von Handlungszielen und Leitprojekten die

Stadt zukunftsfähig werden soll (57) :

9


10 C. Zukunftspläne

Zu 1:

Das Netzwerk meotec für den technologieorientierten Mittelstand dient als Basis eines Öko-

Innovationsclusters. Entlang der Wertschöpfungsketten werden gezielt Marktteams gebildet,

Kooperationen zwischen lokalen Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen angebahnt

oder Öko-Innovationen wie Erneuerbare Energien mit Schwerpunkt Biogas weiterentwickelt.

Wichtiger Ansatz ist die Intensivierung von F&E zur Entwicklung innovativer Unterflur-

Pumpspeicher-Kraftwerke. Das Kooperationsprojekt von Universität Duisburg-Essen und

Wirtschaftspartnern greift die räumlichen Gegebenheiten des Ruhrgebietes auf und will die

Kosten verursachenden Schächte und Wasserhaltungen durch den Einbau geeigneter Turbinen

für eine flexible Energieerzeugung und -speicherung nutzbar machen.

Die Stiftung Mercator fördert das Projekt, das eine übertragbare „Blaupause“ für viele EU-

Montanregionen bilden könnte

Im Rahmen der Vorbereitung „Klimaschutz-Expo NRW » RUHR“ ist eine intensive Zusammenarbeit

der Stadt Essen mit der Stiftung Mercator, dem Wuppertal Institut, dem Regionalverband

Ruhr und dem Land NRW geplant.

Zu 2:

Mit der geplanten Errichtung von 3-MW-Windrädern im beplanten Innenbereich einer

Großstadt wird Essen zu einem Pionier der Energiewende.

In unmittelbarer Nähe dazu startet das F&E-Projekt „Virtuelle Batterie“ (58) , das auf die Flexibilisierung

der Aluminiumproduktion in Korrelation zur Verfügbarkeit Erneuerbarer Energien

als Beitrag der energieintensiven Industrien zur Netzstabilität zielt.

Das AmpaCity-Projekt erprobt den nahezu verlustfreien Stromtransport über ein weltweit

einzigartiges ca. 1 km langes Supraleitersystem (7)

10


Abb. 10.10: AMPACITY – Pilotstrecke Innenstadt Essen (Quelle: RWE AG)

Zur weiteren Förderung der Elektromobilität wird die Anzahl der Ladestationen im öffentlichen

und halböffentlichen Raum kontinuierlich erhöht.

Die Anzahl im öffentlichen Personennahverkehr eingesetzter Hybridbusse soll erhöht werden.

Gemeinsam mit Partnern prüft die Stadt die Rahmenbedingungen für den Einsatz von Elektrofahrzeugen

bei lokalen Flotten- bzw. Fuhrparkbetreibern im City- & Regionalverkehr.

Zu 3:

Die Stadt und ihre Beteiligungsgesellschaften sind gut vernetzt und nehmen aktiv an zahlreichen

„Grünen Netzwerken“ teil.

Dazu zählt das Engagement in kommunalen Netzwerken wie z.B. Konvent der Bürgermeister

oder Deutschen Städtetag; die Beteiligung am Forschungsprogramm Experimenteller

Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt), aber auch die Zusammenarbeit mit den Facharbeitsgruppen

der EnergieAgentur.NRW, der Effizienz-Agentur NRW oder dem Cluster Umwelttechnologien.NRW.

(59)

Intensiv ist die Kooperation mit den am Standort verwurzelten Wissenseinrichtungen wie

Stiftung Mercator oder Universität Duisburg-Essen etwa in der Klima-Initiative Essen oder die

Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst bei Klima(schutz)projekten, die Mitarbeit

im regionalen Netzwerk dynaklim oder die gemeinsamen Aktivitäten mit der Emschergenossenschaft

im Rahmen des Emscher-Umbaus (60) .

11


Die Stadt bearbeitet innovative Spezialthemen z.B. zur Kraft-Wärme-Kopplung in Zusammenarbeit

mit F&E-Einrichtungen wie dem Gas- und Wärme-Institut Essen, der STEAG

oder den Stadtwerken Essen; oder zu geothermischen Fragestellungen in Kooperation mit

dem GeothermieZentrumBochum, der FH Bochum und der Wirtschaftsvereinigung Geothermie.

Für den Wettbewerb InnovationCity Ruhr wurde ein Unterstützernetzwerk aktiviert, in das

über 90 Unternehmen und Institutionen aus Stadt und Region z.T. sehr konkrete Kooperationsvereinbarungen

eingebracht haben.

Zu 4:

Zentrales Element der „klima|werk|stadt|essen“ (38) ist die Klimainitiative (35) , an der die Stadt,

diverse kommunale Beteiligungsgesellschaften sowie Einrichtungen der Universität Duisburg-Essen

beteiligt sind.

Die Klimainitiative zielt auf eine „neue Klimakultur“ in Kommune, Betrieb und Zuhause. Sie

will innovative grüne Technologien und eigeninitiatives Handeln der Marktteilnehmer so verbinden,

dass eine grüne Denkweise für möglichst viele Beteiligte „selbstverständlich“ wird.

Den inhaltlichen Kern bilden die Handlungsfelder Stadtentwicklung, Erneuerbare Energien,

Gebäudesanierung und Mobilität, in denen vielfältige Aktivitäten über die KIE gebündelt werden.

Zentrale Umsetzungseinheit ist die Klimaagentur Essen (55) . Sie macht Umsetzungsaktivitäten

sichtbar und bietet eigene und externe Dienstleistungen ebenso wie innovative grüne

Technologien umfassend, verständlich und neutral an.

Die Klimaagentur stützt sich auf eine Reihe von konkreten Projekten, mit denen Stadt und

Partner zielgruppenspezifische Angebote für Bevölkerung und Industrie fördern, z.B.:

• Das NRW-Programm „Idee – Innovation durch EinzelEigentümer“ ist die Basis des

Essener Projektes „Idee Altendorf“ (61) . Ein Beratungsnetzwerk aktiviert die Innovationskraft

von Immobilieneigentümern und versucht, gerade auch „grüne“ Investitionen

in private Immobilien und ein Engagement der Eigentümer für ihr Quartier zu mobilisieren.

Die Stadt fördert den Ansatz u.a. mit einem Fassadenprogramm, das auch

die energetische Sanierung von Gebäuden unterstützt.

• Das Förderprojekt ÖKOPROFIT ®(3) wird seit über 10 Jahren angeboten. Es zielt auf

aktiven Ressourcenschutz in Betrieben, durch den in der Regel ökologische wie

auch erhebliche ökonomische Effekte ausgelöst werden.

• Der Essener Umweltpreis (53) würdigt besonderes Umwelt-Engagement in Bevölkerung

und Wirtschaft. In der Regel werden die Wettbewerbe so formuliert, dass gerade

auch Beiträge von Kindern und Jugendlichen möglich sind. Ziel ist es, schon in

Kindergärten und Schulen die „grüne Denkweise“ nachhaltig zu etablieren. Die so

geprägten Kinder und Jugendlichen wirken auf den Alltag „zu Hause“ ein und übernehmen

wichtige Multiplikatorfunktionen.

• Im „grünen Klassenzimmer“ des Umweltbildungszentrums „Schule Natur“ steht

Spaß am Entdecken und Mitmachen ebenso im Mittelpunkt wie Lernen. Sie bietet

sowohl im Grugapark als auch in den Essener Wäldern nach dem Motto “Natur erleben

und verstehen“ erlebnisorientierte Kurse für Schulklassen in Biologie, Ökologie

und Umwelt an. Unterschiedliche Themen- und Fachgebiete werden sinnvoll vernetzt.

Jährlich nutzen mehr als 45.000 Schüler das Angebot – Tendenz steigend! (62)

12


• Der EnergieSparService Essen (63) in eine kostenlose Servicedienstleistung für Bürgerinnen

und Bürger, die Energie sparen wollen. Er richtet sich speziell an Haushalte

mit niedrigem Einkommen. Das Arbeitsmarktprojekt qualifiziert gleichzeitig Arbeitslose

zu Energieberatern und bietet diesen so eine neue berufliche Perspektive.

10 D. Hinweise

(0) Umweltwirtschaft:

In „Grünen Sektoren“ tätige Unternehmen gemäß Definition „Leitmarkt Ressourceneffizienz“

des IAT - Institut für Arbeit und Technik Gelsenkirchen im Auftrag der Wirtschaftsförderung

metropoleruhr GmbH 12/2012; vgl.

http://business.metropoleruhr.de/fileadmin/user_upload/wmr.de/tmp/Downloadsneu/Methodenteil_Wirtschaftsbericht_2012.pdf

(1) Wirtschaftsstandort:

http://ewg.de/de/wirtschaftsstandort/wirtschaftsdaten/index.html

(2) Recyclingpapierfreundlichste Stadt Deutschlands:

http://papieratlas.de/index.php?article_id=66

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_733119.html

(3) ÖKOPROFIT ® :

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Oekoprofit.html

(4) Zukunftsvereinbarung Regenwasser:

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Wasser/Regenwasser_Kommunale_Projekte.html

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Wasser/Regenwasser_Zukunftsvereinbarung.html

(5) Aktive Wärmedämmung:

http://www.zollverein.de/#/welterbe/architektur/sanaa-gebaeude

(6) Windkraft-Pilotanlage:

http://www.rwe.com/web/cms/de/477012/rwe-innogy/technologien/neuetechnologien/mikrowind/daten-fakten/

(7) Ampacity-Projekt:

http://www.rwe.com/web/cms/mediablob/de/1892506/data/1891838/1/rwe-deutschlandag/energiewende/intelligente-netze/ampacity/publikationen/Vortrag.pdf

http://www.rwe.com/web/cms/de/1891838/rwe-deutschland-ag/energiewende/intelligentenetze/ampacity/publikationen/

(8) Windheizung:

http://www.energiewelt.de/web/cms/de/1127878/1777520/energieberatung/heizung/heizenmit-oekostrom-rwe-forschungsprojekt-windheizung-zeigt-neue-wege-auf/

(9) meotec:

http://www.meo-tec.de/

(10) Förderung grüner Qualifikationen:

http://www.bew.de/ueber-uns/bildungsstaette-essen.html

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_67/Schule_Natur_im_Grugapark.html

http://www.hdt-essen.de/#{2}

http://www.grugapark.de/schule-natur.html

13


http://www.gwi-essen.de/

http://www.landwirtschaftskammer.de/gartenbau/fachschule/index.htm

http://www.landwirtschaftskammer.de/gartenbau/standorte/essen/index.htm

http://www.schule-der-zukunft.nrw.de/fileadmin/bin/Steckbriefe/Schuldatenbank_ab-

2009/kampagne/stb/stb_pa.php?art=pa&part=3&id=85

http://www.uni-due.de/zwu/

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_10/ausbildung_1/praxisintegriertes_studium

_bauingenieurwesen.html

https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/10/ausbildung/Flyer_Bauingenieurwesen

.pdf

(11) Messe- und Kongressveranstaltungen:

http://www.messe-essen.de

http://www.e-world-essen.com/aktuelles/

http://essenerenergieforum.de/

http://www.essenertagung.de/

http://www.e-mobil-kongress.de/home.html

http://www.geotexpo.com/de/geo_t_expo/index.html

http://www.hdt-essen.de/#{2}

(12) Umweltfreundliche öffentliche Beschaffung:

http://www.vergabe.nrw.de/wirtschaft/Nachhaltigkeit/Umweltschutz/index.html

(13) buy smart:

http://www.buy-smart.info/gruene-beschaffung/gruene-beschaffung-uebersicht

(14) Fairtrade-Towns:

http://www.fairtrade-towns.de/

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_741511.html

http://ris.essen.de/index.do (Ratsvorlage 0462/2012 „Fairtrade-Stadt Essen/Millenniums-Erklärung“)

http://ris.essen.de/document/MgyPhzIfuFYn8Rn6Me.LfxEfw8aq8Xi0MgyPe.EawAWn8Sq9Q

m4PcwCfuEUqAQm1Oi4Pg0KfsASvASi0Ok.Ke1CWsASv6Si1MnzMc1DcsASvBOn6MiyHc1

DcsHTs6Ri4MiyHczCWs9TsASi0Ok.Ke1CWGJ/Vorlage_0462-2012-1A.pdf

(15) Essener Konsens:

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_0116/Essener_Konsens/EssenerKonsens.h

tml

(16) Essen: Neue Wege zum Wasser

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_67/Neue_Wege_zum_Wasser.html

http://www.neuewegezumwasser.de/

(17) Solargenossenschaft Essen:

http://www.solargenossenschaft-essen.de/

(18) Solarkataster:

http://esri.de/about/usergroups/ArcNRW/aknrw33_v5.pdf

(19) Thermografie-Befliegung:

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_62/gebaeude_1.html

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_781563.html

(20) Fördermittel aus Stiftungen:

http://www.stiftung-mercator.de/energiewende-ruhrgebiet

http://www.uni-due.de/wasserbau/upw.php

14


(21) Leitmarkt Ressourceneffizienz (Grüne Sektoren):

http://business.metropoleruhr.de/fileadmin/user_upload/wmr.de/tmp/Downloadsneu/Methodenteil_Wirtschaftsbericht_2012.pdf

S. 6-7

(22) SvB:

Internes Begleitdokument: GHE 2016 - SVB-Daten -

343_163470_SvB_AO_WZ08_Grüne_Sektoren.xls

(23) Grafik:

Begleitdokument: GHE 2016 – Grafik Ressourceneffizienz Ruhr (in Text eingefügt)

(24) Kfz-Zulassungen 2011:

Internes Begleitdokument: GHE 2016

(25) Ladesäulen für Elektrofahrzeuge:

https://www.rwe-mobility.com/web/cms/de/1195202/emobility/rwe-ladesaeulenfinder/

http://e-tankstellen-finder.com/at/de/elektrotankstellen

(26) Ruhrauto-e:

http://www.ruhrautoe.de/

(27) Versuchszone Elektromobilität im Alltag::

http://www.unperfekthaus.de/city-nord/

http://www.trailer-ruhr.de/city-nord-elektrisiert

http://www.umwelttisch.de/?p=824

(28) E-Bike:

http://www.neue-arbeit-essen.de/index.php?id=107

(29) Erdgasfahrzeuge:

http://www.derwesten.de/staedte/essen/1000-erdgasautos-fahren-durch-essenid7118483.html

(30) Umwelt-Taxen-Essen:

http://www.gastip.de/News/22804/Essen-Erdgas-Taxis-haben-20-Millionen-Kilometerzurueckgelegt.html

(31) Klima-Bündnis:

http://www.klimabuendnis.org/

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Klima/Integriertes_Energie_und_Klimakonzept.html

(32) ALTBAUNEU ® :

http://www.alt-bau-neu.de/

http://www.alt-bau-neu.de/essen/

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Energie/AltBauNeu.html

(33) Europäische Energie- und Klimaschutzkommune:

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_542032.html

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Energie/European_Energy_Award_Startseite.html

(34) Konvent der Bürgermeister:

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_611009.html

http://www.konventderbuergermeister.eu/index_de.html

15


http://ris.essen.de/document/MgyPhzIfuFYn8Rn6Me.LfxEfw8aq8Xi0MgyPe.EawAWn8Sq9Q

m4PcwCfuEUqAQm1Oi4Pg0KfsASvASi0Ok.Ke1CWsASv6Si1MjyGc-

CasASvBOn6MiyHczCWsFSq7Pl6MnzMc0Cfs9TsASi0Ok.Ke1CWGJ/Vorlage_1419-2010-

6A.pdf

(35) Klimainitiative Essen:

http://klimainitiative-essen.blogspot.de/

(36) Wettbewerb Energieeffiziente Stadt:

https://www.wettbewerb-energieeffiziente-stadt.de/

(37) InnovationCity Ruhr:

http://www.icruhr.de/index.php?id=132

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_196289.html

(38) klima|werk|stadt|essen:

http://www.klimawerkstadtessen.de/startseite.html

(39) Klimakampagne:

http://www.essen.de/de/Leben/unsere_stadt_unser_klima/Aktuell_2/Kampagnen_Start/DIR_

KampagnenStart.html

(40) IEKK:

http://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/59/klima/IEKK_2009_02_03_Master.pdf

(41) ExWoSt:

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Klima/bundesmodellvorhaben_des_experimentellen_

wohnungs__und_staedtebaus__exwost_.html

(41-a) Eurocities:

http://www.eurocities.eu/

http://ris.essen.de/document/MgyPhzIfuFYn8Rn6Me.LfxEfw8aq8Xi0MgyPe.EawAWn8Sq9Q

m4PcwCfuEUqAQm1Oi4Pg0KfsASvASi0Ok.Ke1CWsASv6Si1Ng0Pc1DcsASvBOn6MiyHdw

GfsHTs6Vi4Ng0PcxCas9TsASi0Ok.Ke1CWGJ/Vorlage_0906-2013-1A.pdf

(42) IEKK-Bilanzbericht:

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Klima/Integriertes_Energie_und_Klimakonzept.html

http://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/59/klima/IEKK_Bilanzbericht_2012_intern

et.pdf

http://ris.essen.de/document/MgyPhzIfuFYn8Rn6Me.LfxEfw8aq8Xi0MgyPe.EawAWn8Sq9Q

m4PcwCfuEUqAQm1Oi4Pg0KfsASvASi0Ok.Ke1CWsASv6Si1Nf-

MczCWsASvBOn6MiyHdvFcsDSm6Vi4MnzMc1Dcs9TsASi0Ok.Ke1CWGJ/Vorlage_1911-

2012-1A.pdf

(42-a) CO 2 -Bilanz:

http://ris.essen.de/document/MgyPhzIfuFYn8Rn6Me.LfxEfw8aq8Xi0MgyPe.EawAWn8Sq9Q

m4PcwCfuEUqAQm1Oi4Pg0KfsASvASi0Ok.Ke1CWsASv6Si1Nf-

McxCasASvBOn6MiyHdvFcsBSq6Si1MjyGduEbs9TsASi0Ok.Ke1CWGJ/Vorlage_1653-

2012-6A.pdf

16


(42-b) Energiebericht:

http://ris.essen.de/document/MgyPhzIfuFYn8Rn6Me.LfxEfw8aq8Xi0MgyPe.EawAWn8Sq9Q

m4PcwCfuEUqAQm1Oi4Pg0KfsASvASi0Ok.Ke1CWsASv6Si1MmyPcxCasASvBOn6MiyHc0

CfsBSq6Vi4MiyHdwGfs9TsASi0Ok.Ke1CWGJ/Vorlage_1269-2011-6A.pdf

http://ris.essen.de/document/MgyPhzIfuFYn8Rn6Me.LfxEfw8aq8Xi0MgyPe.EawAWn8Sq9Q

m4PcwCfuAUrBOn6Re1MewEbuCav9Pq4Pn.Pe-

IXw8aqBOn6Qm4PcwCfwCSm8Uk4OnyGcwCfsCSn7Qm9MgyPhuHcsCSn7Qm9Nf-

MdvFcsHTs6Pj6QiyGe.EauHSmGJ/Energiebericht_2010.pdf

(43) STEP 2015+:

http://www.essen.de/de/Leben/planen__bauen_und_wohnen/planen/STEP2015_Phase_I/ST

EP2015_Oeffentlich.html

(44) Konjunkturpaket II:

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_692921.html

(45) Leitfaden für eine energetisch optimierte Stadtplanung:

http://www.essen.de/de/Leben/planen__bauen_und_wohnen/planen/Aktuelle_Stadtplanunge

n/Klimaschutz.html

(46) Klimaschutzsiedlung:

http://www.allbau.de/wir-ueber-uns/unternehmen/dilldorfer-hoehe-klimaschutzsiedlung.html

http://www.100-klimaschutzsiedlungen.de/

(47) Biomasse-Heizwerk:

http://www.evv-online.de/geschaeftsfelder/waermeverkauf/biomasse-als-energiequelle.html

(48) metropolradruhr:

http://nextbike.net/mr/index.php?id=standorte-ruhr&L=

(49) Nachhaltige Waldbewirtschaftung:

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_67/Waldpflege.html

(50) Klimabotschafter:

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Klima/Klimabotschafter_in_Essen.html

http://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/59/klima/Flyer_Klimabotschafter2011_ohn

e.pdf

(51) EWG:

www.ewg.de

(52) 18. Weltwasserstoffkonferenz WHEC Essen 2010:

http://www.whec2010.com/

(53) Luftreinhalteplan:

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Luft/Umweltzonen/LKW.html

https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/59/luft/Umweltzone_Essen_2008_2012.p

df

(54) Essener Umweltpreis:

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Umweltpreis.html

(55) Ideen- und Kooperationsbörse Ruhr:

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_793433.html

http://www.kooperation-anpassung.de/pilotregionen/region-ruhr-essen.html

17


http://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/59/klima/Steckbrief_Kooperationsboerse_

Region_Ruhr.pdf

(56) Klimaagentur:

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_800701.html

http://www.klimawerkstadtessen.de/sonstige-seiten/kontakt.html

(57) Essen.2030:

http://www.essen.de/de/Leben/essen_2030/essen2030_start.jsp

https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/0116/essen_1/Ausarbeitung_zum_Proje

ktstatus_vorlage_zum_20130717.pdf

(58) Virtuelle Batterie:

http://www.aluinfo.de/index.php/gda-news-de/items/trimet-entwickelt-virtuellenstromspeicher.5010.html

http://www.trimet.de/14.html?&tx_ttnews[tt_news]=204&tx_ttnews[backPid]=13&cHash=7218

b6ffc14ea389226dc2824da7f9b2

http://www.metalleproklima.de/presse/tagesmeldung/bundesumweltminister-altmaier-zugast-beim-werkstoffspezialisten-trimet

(59) Kommunale Netzwerke (Auswahl):

http://www.staedtetag.de/

http://www.konventderbuergermeister.eu/index_de.html

http://www.energieagentur.nrw.de/

http://www.efanrw.de/

http://www.umweltcluster-nrw.de/

(60) Emscher-Umbau:

http://www.eglv.de/wasserportal/emscher-umbau.html

http://www.neuewegezumwasser.de/index.php?center=progra/emscherumbau.php&navi=na

vigation/programm.php&re=progra/navi_emscherumbau.php

(61) Idee Altendorf:

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_787077.html

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_68/idee_altendorf.html

https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/68/Flyer_IdEE_Altendorf.pdf

(62) Umweltzentrum „Schule Natur“:

http://www.grugapark.de/schule-natur.html

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_67/Schule_Natur_im_Grugapark.html

(63) EnergieSparService Essen:

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_773393.html

http://www.energiesparservice-essen.de

https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/0107_1/EnergieSparService_2010.pdf

https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/0107_1/flyerenergiesparserviceessentue

rkisch.pdf

https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/0107_1/flyerenergiesparserviceessenrus

sisch.pdf

18


Themenfeld 11: Energieeffizienz

11 A. Gegenwärtige Situation

Der Endenergieverbrauch hat sich in Essen von 16,9 TWh 1990 um 2,1 auf 14,8 TWh 2009

verringert. Das entspricht einer Reduzierung um 12,2% (Abb. 11.1). Bezieht man die

Vorketten der Energiebereitstellung in die Betrachtung mit ein (Life-Cycle-Assessment /LCA-

Ansatz), so sank der Primärenergieverbrauch der Stadt Essen von 25,0 TWh in 1990 auf

21,3 TWh im Jahr 2009 (-14,5%) [1].

















































Abb.11.1: Entwicklung des Endenergieeinsatzes in Essen 1990 – 2009 (GWh), Gesamtenergie ohne Vorketten

(Quelle: Stadt Essen)

Insgesamt beträgt der Endenergieverbrauch für Raumwärme in Essen knapp 7,0 Mrd. kWh

pro Jahr und somit ca. 45 % des Endenergieverbrauchs.

In Essen gibt es 87.500 Gebäude mit 320.300 Wohnungen. Die Eigentümerquote von

19,3%, ist ein typischer Wert für verdichtete Städte mit hohem Anteil an

Wohnungsunternehmen. Die relativ geringe Neubaurate (in den letzten 20 Jahren zwischen

200 und 500 Häusern pro Jahr) verdeutlicht die Bedeutung der Bestandsanierung zur

Verringerung des Raumwärmebedarfs. Das Mieter-Investoren-Dilemma ist insbesondere im

Norden von Essen ein ausgeprägtes Hemmnis für die Gebäudesanierung, da Eigentümer

kaum Grundmietenerhöhungen durchsetzen können.

1


Abb.11. 2: a) Aufteilung der Raumwärmenachfrage in Essen 2009 nach Energieträgern (Endenergie),

b) Entwicklung der Zählpunkte für Nachtspeicherheizungen und Wärmepumpen

(unterschiedliche Skalierung der Ordinate beachten) / (Quelle: Stadt Essen)

Über die Hälfte des Raumwärmebedarfs wird durch Gas gedeckt. Es folgen Fernwärme mit

steigender und Nachtspeicherheizungen mit abnehmender Tendenz (Abb. 11.2). Ende 2012

waren noch über 25.000 Zählpunkte für Nachspeicherheizungen vorhanden, welche in 2012

338 GWh Strom verbraucht haben [2].

Die etwa 1.200 stadteigenen Immobilien verbrauchten in 2012 witterungsbereinigt 156 GWh

zur Wärmeversorgung, etwa 3% der in Essen verbrauchten Raumwärme [3].

In stadteigenen Gebäuden konnte durch die Kombination bautechnischer und

verhaltenssteuernder Maßnahmen der Energieverbrauch in den letzten 10 Jahren um 16%

von 228 GWh in 2002 auf 192 GWh im Jahr 2012 gesenkt werden (Abb. 11.3).

Abb.11.3 a) Energiekosten und Gesamtenergieverbrauch

b) Kosten und Heizenergieverbrauch der Städtischen Immobilien der Stadt Essen

(Quelle: Stadt Essen)

Der Heizenergieverbrauch sank dabei überproportional um 30% (Abb. 3) und betrug 2012

116 [kWh/m 2 ] 1 .

1 Die Entwicklung des Verbrauches kann nicht in [kWh/m 2 ] angegeben werden, da die Aufmaße nicht einheitlich

vorhanden sind

2


Der Ausbau der erneuerbaren Energien für Strom und Wärme ist neben der Energieeffizienz

Kernbestandteil der Klimaschutzstrategie der Stadt Essen unter der Dachmarke

klima|werk|stadt|essen [4]. Die Anzahl und Leistung der Photovoltaikanlagen stieg in den

letzten Jahren dynamisch auf über 1.200 Anlagen im Stadtgebiet; auch die

Stromerzeugung aus Biomasse hat erheblich zugenommen. Bei der Stromerzeugung aus

erneuerbaren Energien 2 dominiert die Wasserkraft mit über 50% Anteil (Abb.11.4) im Jahr

2011 [5]. Zusätzlich speist das größte Laufwasserkraftwerk an der Ruhr in Baldeney

(2 Kaplanturbinen mit 9,2 MW installierter Leistung) durchschnittlich jährlich 30 GWh ins Netz

[6].


Abb.11.4: Entwicklung der Anlagen zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien in Essen nach EEG,

a) Installierte Leistung, b) Stromerzeugung in 2011 [5] / (Quelle: Stadt Essen)

Im Wärmebereich sind bei den Erneuerbaren Energien vor allem die Nutzung von Abfällen 3

und Biomasse relevant.

Auch der Ausbau der geothermischen Nutzung des Untergrundes ist ausdrückliches Ziel.

Bereits jetzt existieren über 500 Erdwärmesondenanlagen im Stadtgebiet. Insgesamt waren

Ende 2012 über 700 Zählpunkte für Wärmepumpenstrom vorhanden und damit fünfmal so

viele wie 2006 (Abb. 11.2b) [2].

Die durch Solarkollektoren erzeugte Leistung hat sich innerhalb von fünf Jahren fast

verdoppelt (2005: 22.411 MWh, 2010: 37.673 MWh) [7].

Essen verfügt über ein leistungsfähiges Fernwärmenetz. Fernwärme wird zu über 90% im

KWK-Prozess erzeugt (Müllheizkraftwerk Essen-Karnap wichtigster Wärmelieferant mit 76%

Anteil an Fernwärmelieferung in 2011, Fernwärmeanteil fast 20% des Wärmebedarfs) (Abb.

11.2a). Vor allem in verdichteten Stadtgebieten ist sie von Bedeutung. Dezentrale Anlagen

(Blockheizkraftwerke, z.T. Bio-Erdgas-befeuert / (BHKW), werden für Quartiere, einzelne

Wohngebäude und Krankenhäuser vermehrt eingesetzt.

2 Nach Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz – EEG)

3 Thermische Müllverwertung im MHKW Karnap gilt als Wärmeversorgung aus Erneuerbaren Energien im Sinne

des Erneuerbare Energien Wärme Gesetzes (EEWärmeG)

3


2011 wurden in Essen vom Gesamtstromverbrauch von 3.167 GWh Strom 13,1% durch

erneuerbare Energien (68,9 GWh) und Kraft-Wärme-Kopplung (346,2 GWh) lokal produziert.

Dächer städtischer Liegenschaften werden für Bürgersolaranlagen zur Verfügung gestellt.

Bis 2013 sind 19 Bürgersolarstromanlagen mit einer Leistung von 678 kWp bereits realisiert;

weitere Dächer stehen zur Verfügung. Zur Deckung des Wärmeverbrauchs stadteigener

Liegenschaften werden auch Holzpellets, Solarthermie, Abwärme und Kraft-Wärme-

Kopplung genutzt.

Durch den kompletten Ersatz der Gasleuchten und von 18.000 L12-Leuchten durch

Natriumdampf-Hochdruckleuchtmittel konnte der Energieverbrauch in den letzten fünf Jahren

um 15 Mio. kWh und die CO 2 -Emissionen um 3.000 t jährlich gesenkt werden [8]. Die

großformatigen Leuchtmotive der Essener Lichtwochen werden seit 2008 mit 650.000 LED-

Lampen generiert. Im Grugapark werden 280 Leuchten auf LED-Technik umgebaut.

11 B. In der Vergangenheit erzielte Ergebnisse

Effizienzsteigerung ist zentraler Baustein der Klimaschutzstrategie der Stadt Essen [9]. Ein

großes Potenzial besteht im Gebäudebereich – sowohl beim Neubau als auch der

energetischen Bestandssanierung. Daher engagiert sich Essen hier auf vielfältige Weise:

• Mit einem Beratungs- und Dienstleistungsangebot der Klimaagentur Essen 4 , das die

Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer in allen Phasen des Sanierungsprozesses von

der Erstanalyse über die Planung, die Finanzierung, die Einbeziehung der

Mieterschaft und die Durchführung der Sanierung unterstützt.

• Mit der Aufnahme energetischer Aspekte in kommunale Förder- und

Modernisierungsprogramme (Hof- und Fassadenprogramm) [10],

• durch enge Zusammenarbeit mit unserer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft

Allbau AG, die jährlich 3% der Fläche energetisch sanieren,

• durch Festsetzung energetischer Standards (Leitfaden für energetisch optimierte

Stadtplanung [11]) bei Bebauungsplänen, beim Verkauf oder bei der Verpachtung

kommunaler Grundstücke,

• durch den Bau ganzer Siedlungen im Passivhausstandard (Abbildung 11.5 oben)

oder

• durch das komplette Erschließen neuer Baugebiete durch Nahwärmenetze

(Abbildung 11.5 unten).

4 Ausführlich erläutert im Themenfeld 1

4


Abb.11.5: Energetisch optimierter Wohnungsbau mit innovativen Nahwärmenetzen in Essen:

Klimaschutzsiedlung Dilldorfer Höhe und Seebogen - Kupferdreh (unten rechts)

(Quelle: Stadt Essen)

Für die städtischen Immobilien ist die Aufgabe im Rahmen der Wirtschaftlichkeit und der zur

Verfügung stehenden Mittel maximale Einspareffekte zu realisieren. Ziel ist es, für den

städtischen Gebäudebestand eine Sanierungsquote von 2,5%-3% zu erreichen. Der jährliche

notwendige Kostenansatz für eine energetische Sanierung von 2,5% der Gebäudeflächen

beträgt rund 17,5 Mio. € 5 . Die Berücksichtigung paralleler Grundsanierungen ergibt einen

finanziellen Bedarf von über 50 Mio. € pro Jahr über 40 Jahre, gegenüber einem Ist-Budget

von jährlich ca. 13,4 Mio. € [12]. Zur Effizienzstrategie „maximale Senkung der

Energieverbräuche“ gehört daher auch die Reduzierung der Gebäudeflächen der

stadteigenen Immobilien und damit des beheizten Raumvolumens. Ziel sind u.a. größere,

effizientere Schulkomplexe 6 .

5 Bei angenommenen mittleren Kosten von 466€/m 2 und 37.500 m 2 zu sanierender Fläche

6 Heinz Nixdorf Berufskolleg, Gustav Heinemann Gesamtschule, Gymnasium Nordost, Gesamtschule Bockmühle

5


Fördermittel („Konjunkturpaket II“) ermöglichten koordinierte Maßnahmen [13]: Insgesamt

wurden innerhalb von 2 Jahren 63 Schulen, Kindertagesstätten und Feuerwachen und

weitere 37 stadteigene Gebäude mit 51,8 Mio. € energetisch saniert. Bei den Sport- und

derbetrieben Essen sind Maßnahmen mit einem Investitionsvolumen von 12,4 Mio. €

umgesetzt worden.

Im Rahmen des Investitionspakts (Bund/Länder/Kommunen) zur energetischen Erneuerung

sozialer Infrastruktur wurden in drei Schulen insgesamt 4,98 Mio. €, davon 3,3 Mio. €

Fördermittel, für energetische Sanierungen eingesetzt 7 [14] (erwartete theoretische

Heizenergieeinsparungen rund 65 %).

Wo immer möglich setzt die Stadt Essen dabei erneuerbare Energien und Kraft-Wärme-

Kopplung ein, was sich insbesondere im Fernwärmeanteil von über 30% am

Heizenergiebedarf ausdrückt. Auf kommunalen Dachflächen stehen derzeit

Bürgersolaranlagen mit 678 kWp. Die städtischen Immobilien werden mit zertifiziertem

Ökostrom versorgt [15].

Die Stadt Essen setzt auch Contracting als innovative Finanzierungsmodelle ein. Die

Kälteanlage des Rathauses (größtes Verwaltungsgebäude der Stadt, 80.000 m 2 BGF,

Baujahr 1979) wird über Kälteliefercontracting betrieben. Der Energieverbrauch wird um über

63 % reduziert werden [16].

Im Neubau hat Essen das Ziel, Schulen und Kindertagesstätten im Passivhausstandard zu

errichten, bereits im Gymnasium Überruhr und im Neubau "Haus des Lernens" in Essen-

Haarzopf umgesetzt, wo die Funktionalität der unterschiedlichen Nutzungen "Grundschule-

Offener Ganztag-Kindertagesstätte" berücksichtigt wurde (Abb. 11.6).

Abb. 11.6: Passivhausanbau Gymnasium Essen Überruhr und Haus des Lernens in Essen- Haarzopf

(Quelle: Stadt Essen)

7 Laurentiusschule, Traugott-Weise-Schule, Schule im Bergmannsfeld

6


Auch die ortsansässige Wirtschaft setzt im Neubaubereich neue Maßstäbe. ThyssenKrupp

hat das Gold-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen für den Bau des

Headquarters erhalten [17].

Abb. 11.7: ThyssenKrupp Headquarter (Quelle: ThyssenKrupp AG)

Auf dem Weltkulturerbe Zeche Zollverein wurde im Jahr 2006 mit dem SANAA-Gebäude

(Designschule) ein Symbol für den Strukturwandel im Ruhrgebiet errichtet. Es verfügt über

ein außergewöhnliches Energiekonzept zur Bauteilaktivierung der Betonschale durch

Grubenwasser, das bisher ungenutzt abgeleitet wurde [18].

Das Biomasseheizwerk im Grugapark ist Beispiel für gelungene Nahwärmekonzepte. Im

Mittelpunkt des Projektes mit einer Investitionssumme von 4.4 Mio. € steht die energetische

Nutzung der eigenen Grünabfälle zur Wärmeversorgung aller 17 Gebäude in der Gruga über

ein 3.300 Meter langes Nahwärmenetz. Jährlich werden durch diese Maßnahme etwa 1.450

Tonnen CO 2 eingespart.

Abb. 11. 8: Biomasseheizwerk im Grugapark (Quelle: Grün und Gruga Essen)

7


Mit Fernwärme wird energieeffiziente Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung betrieben: Aktuell wird

durch die Steag AG eine Kompaktanlage mit 50 kW Absorptionskälteleistung installiert. 8

Für die über 30.000 Bedarfsgemeinschaften mit Transfergeldbezug in Essen bietet das

Projekt EnergieSparService Essen kostenlose Energieberatungen vor Ort an. Menschen aus

dem zweiten Arbeitsmarkt werden zu Energieberatern ausgebildet. Derzeit 30

Energieberater besuchen einkommensschwache Haushalte und zeigen den Bewohnern

Energiesparmöglichkeiten auf und können den Haushalten neben der Energieberatung

kostenlos Energiesparartikel wie z.B. Energiesparlampen direkt installieren [19].

Für die Unternehmen in der Stadt bietet das Projekt ÖKOPROFIT® seit über 10 Jahren ein

bewährtes Beratungstool. Über 81 Unternehmen konnten bisher ca. 39.000 t CO 2 und fast

94 GWh Energie pro Jahr einsparen [20].

Bei der Beschaffung von Waren und Dienstleistungen berücksichtigt die Stadt Essen deren

gesamte Lebensdauer – von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung – und

trägt so zu einer Senkung des Energie- und Ressourcenbedarfs bei.

Eine stadtweite Kontrolle erfolgt über die CO 2 -Bilanzen des Umweltamtes. Sie soll durch die

Entwicklung eines gebäudescharfen GIS-gestützten Energienutzungsplans (ENP) noch

verbessert werden. Der ENP umfasst die Ermittlung der Ist-Situation, die Prognose des

weiteren Verlaufs der Ist-Werte, den Vergleich der Prognose mit den Zielwerten und das

Reporting aller Ergebnisse. Der ENP ermöglicht die Entwicklung von angepassten

Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz insbesondere auch auf

Quartiersebenene, z.B. durch Wärmenetze (vgl. 11 C).

8 bei der WSG Wärmezähler-Service GmbH einem Gemeinschaftsunternehmen STEAG FW u. SW Dinslaken

8


11 C. Zukunftspläne

Essen hat klare Ziele, Energie- und Klimakonzepte und Klimaschutzmanagementsysteme

(z.B. European Energy Award, Konvent der Bürgermeister).

Ziele des Klima-Bündnis

Reduzierung des CO 2 -Ausstoßes um 10% alle 5 Jahre,

Halbierung der pro-Kopf Emissionen bis spätestens 2030 (Basisjahr 1990),

Schutz der tropischen Regenwälder durch Verzicht auf Tropenholznutzung

Ziel des Konvents der Bürgermeister/innen

Die Unterzeichnerstädte des „Konvents der Bürgermeister“ verpflichten sich, die 20/20/20-

Ziele bis 2020 der Europäischen Union zu übertreffen.

Ziele der Bundesregierung

Reduzierung der CO 2 -Emissionen um 40 % bis 2020 (Basisjahr 1990)

Verminderung der CO 2 -Emissionen um 80 % – 95 % bis zum Jahr 2050

(entsprechend etwa 2,5 Tonnen CO 2 -Äquivalent/Einwohner/in).

Ziele der Landesregierung (Klimaschutzgesetz NRW vom 23.01.2013 / Erstes in

Deutschland)

Klimaschutz wird zur Pflichtaufgabe

Ziel: CO 2 -Einsparung um 25 % bis 2020 / Erstellung eines Klimaschutzplanes für NRW

Abb. 11.9: Die Klimaschutzziele, zu denen sich die Stadt Essen bekannt hat [5]

Mit dem Integrierten Energie- und Klimakonzept (IEKK) hat die Stadt Essen unter der

Dachmarke klima|werk|stadt|essen eine Gesamtstrategie zum Klimaschutz und zur

Klimaanpassung als Beitrag zur integrierten nachhaltigen Stadtentwicklung unter dem

Leitbild der kompakten, ressourcenschonenden Stadt aufgelegt [9].

Die Potenziale zur Erzeugung von Windenergie (


Abb.11.10: Entwicklung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien auf dem Stadtgebiet in Essen

(Quelle: Stadt Essen)

Eine besondere Bedeutung messen wir der wachsenden Zusammenarbeit in der Metropole

Ruhr bei. Aufgrund der unterschiedlichen Standortbedingungen für die Nutzung erneuerbarer

Energien lassen sich die Gesamtziele nur über regionale Konzepte und interkommunale

Kooperationen realisieren. Die Wärmeversorgung wird über die Verknüpfung der

Fernwärmeschienen Rhein-Ruhr regional entwickelt. Die Stadt Essen wird nur durch den

Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien aus der Region eine vollständig regenerative

Versorgung erreichen können.

Neben der Steigerung der Produktion aus erneuerbaren Energien ist daher der Strombezug

ein entscheidender Faktor. Hier ist die Stadtverwaltung mit einem Bezug von 100% Strom

aus zertifiziert erneuerbaren Energien Vorbild [15]. Eine Umstellung von 100% der

Haushalts- und 20% der Wirtschaftsverbräuche auf Ökostrom würde allein 23% der CO 2 -

Emissionen des Stromverbrauchs 1990 bzw. jährlich 424.600 t CO 2 vermeiden.

Das wirtschaftliche Potenzial für Fernwärme- und Einzelobjekt-KWK in Essen (bei

Anschlussgrad 90%) entspricht mit 4.375 GWh einem Anteil von bis zu 70% am derzeitigen

Nutzwärmebedarf der Stadt [23]. Ein Ausbau der KWK-ist daher zentrales Strategieelement

für die zukünftige energieoptimierte Wärmeversorgung (auch über regenerativ erzeugtes

Methan).

Die Stadt stellt derzeit einen Energienutzungsplans (ENP) auf. Dieser soll helfen die

Potenziale der KWK, von Fern- und Nahwärmenetzen, der Abwärmenutzung und der

erneuerbaren Energien konsequent auszuschöpfen. Grundlage ist eine Datenerhebung der

Wärmeverbräuche über die Energielieferungen und die Thermalbefliegung des gesamten

Stadtgebietes [24]. Kernpunkte von Maßnahmenplänen des ENP sollen sein:

10


• Sanierungsfahrpläne für Einzelgebäude und Stadtquartiere

• Ausbau der KWK (Fernwärme, Nahwärmenetze, Mini- und Mikro-BHKWs, Virtuelle

Kraftwerke)

• Substitution fossiler Anteile der Fernwärmeversorgung durch regenerative

Energiequellen

• Ersatz der Nachtspeicherheizungen in Mehrfamilienhäusern bis 2025

• Punktuelle Nutzung von Wärme aus Grubenwasser

• Konsequente Abwärmenutzung

• Einsatz solarer Prozesswärme

• Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung.

Das Informations- und Beratungsangebot der Klimaagentur für die Bürgerschaft und

Unternehmen wird in diesem Sinne konsequent erweitert. Eine Beratung soll dabei die

energetische Modernisierung der Gebäude und Quartiere, die Potenziale für erneuerbare

Energien und die vorhandenen Akteurskonstellationen gemeinsam betrachten, um daraus

ganzheitliche Sanierungsstrategien abzuleiten. Das Problem der vielen Akteure ist ein

zentrales Hemmnis für die häufig aus planerischer Sicht zu favorisierenden

Quartierslösungen. Hier soll die Klimaagentur Akteure vor Ort - sowohl auf der Investorenals

auch auf der Kundenseite - koordinieren und aktivieren.

Insbesondere öffentliche Gebäude sollen ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und im

Mittelwert soll die gesamte Energieeinsparung auch über Bestandsreduktionen bis 3% pro

Jahr erreichen. Mindeststandard im Neubau ist „Passivhaus-Standard“. Der verbleibende

Wärmebedarf soll, soweit Fernwärme nicht möglich, über erneuerbare Energieträger gedeckt

werden.

Die energetische Stadtsanierung, die Stärkung des Umweltverbundes (inklusive Carsharing),

die niederschwelligen Angebote zur Energieberatung, eine klimafreundliche Beschaffung,

Energieeffizienz in der Industrie und im Gewerbe – all dies werden wir weiter mit den

Stadtwerken Essen und weiteren Partnern wie der Verkehrsgesellschaft via, der städtischen

Wohnungsbaugesellschaft Allbau AG, der Bürgerschaft, Unternehmen und Organisationen

vorantreiben.

Letztlich entscheiden wird sich die Energiewende in Essen jedoch mit dem Selbstverständnis

und der Kultur, mit der wir Energie nutzen, teilen und sparen. Die Stadt Essen unterstützt die

innovativen und lebensnahen sowie regionalen und dezentralen Lösungen zum Klimaschutz

auf dem Weg in eine neue Klimakultur. Der Handlungsansatz einer Kulturveränderung gilt im

Sinne der integrierten Stadtentwicklung auch für den umfassenderen Bezugsrahmen

nachhaltiger Entwicklung.

Essen setzt hier auf Stadtteilebene an, stellt die lokale Lebensqualität in den Mittelpunkt der

Betrachtungen und fördert das Engagement für den Nahraum [25]. Die Berücksichtigung der

Nachhaltigkeitsaspekte Umwelt, Klima, Soziales, Zusammenleben wird in den

Stadterneuerungsprojekten wie Altendorf/Niederfeldsee gelebt [26].

11


Die Entwicklung nachhaltiger Lebensstile findet beispielhaft in der Transition-Town-

Bewegung Ausdruck. Zentrales Thema der Essener Aktivitäten in diesem Zusammenhang

sind Lebensmittel. Der Trend zu regionalen, saisonalen Lebensmitteln wird durch urbanes

Gärtnern in den Gemeinschaftsgärten erfahrbar [27].

Das System Stadt in Richtung Minderung des Gesamtenergieverbrauchs durch Optimierung

der Transport- und Kommunikationswege, der industriellen Verfahrensweisen sowie der

Import- und Exportketten betrachtet die Universität Duisburg-Essen im Profilschwerpunkt

„Urbane Systeme“ [28]. Ziel ist es, ganzheitliche Lösungen zu entwickeln. Innerhalb ihrer

Kompetenzfelder kooperieren 70 Wissenschaftler aus 11 Fakultäten unter dem Dach

„Urbane Systeme“ in wechselnden interdisziplinären Kombinationen.

11 D. Hinweise

[1] Stadt Essen (2012): CO2-Bilanz für Essen 1990-2009,

http://www.klimawerkstadtessen.de/klimawandel-politik/klimabilanz-essen.html

[2] Daten von der RWE Deutschland AG aus dem internen Bereich der Seite für

Kommunen mit RWE-Konzessionsverträgen: https://www.e-kommune.de

[3] Stadt Essen (2013): Energiebericht (der Immobilienwirtschaft) 2013

[4] Zentrale Informationsplattform: http://www.klimawerkstadtessen.de

[5] Daten zu Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien nach § 52 Abs. 1

Nr. 1 Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)

[6] RWE Innogy GmbH: „Wasserkraftwerke an der Ruhr und im Siegerland“,

http://www.rwe.com/web/cms/mediablob/de/1241808/data/1241776/2/rwe-

innogy/presse-news/mediencenter/informationsmaterial/Deutsch-Download-Flyer-

Wasserkraft-an-der-Ruhr-Sieg.pdf

[7] In der Software ECOregion sind die lokal Daten zur Förderung von Wärme aus

Erneuerbaren Energien durch das Marktanreizprogramm (Bund) und progress.nrw

(Land) lokal ausgewertet. Diese gehen in die CO2-Bilanz [1] ein

[8] Rat der Stadt Essen: Entscheidung Vorlage 1537/2010/6A, „Auf dem Weg zu einer

modernen und energieeffizienten Straßenbeleuchtung“

[9] Stadt Essen (2009-2012) „Integriertes Energie- und Klimakonzept der Stadt Essen

und Bilanzberichte 2011 und 2012 unter

http://www.klimawerkstadtessen.de/klimawandelpolitik/klimakonzept.htmlhttp://www.klimawerkstadtessen.de/klimawandel-politik/

[10] Förderprogramm zur Fassadengestaltung und Innenhofbegrünung:

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_0116/Soziale_Stadt/Soziale_Stadt_

Altendorf/Fassaden_Altendorf/Foerderprogramm_Fassadenbegruenung.html

[11] Stadt Essen (2009): „Leitfaden für eine energetisch optimierte Stadtplanung“,

http://www.essen.de/de/Leben/planen__bauen_und_wohnen/planen/Aktuelle_Stadtpl

anungen/Klimaschutz.html

[12] Rat der Stadt Essen (2012): „Zukünftige Entwicklung des

Immobilienbestandes der Stadt Essen“, Ratsvorlage Nr. 0989/2013/6A

[13] Rat der Stadt Essen (2012): Konjunkturpaket II = Gesetz zur Umsetzung von

Zukunftsinvestitionen der Kommunen und Länder (Zukunftsinvestitionsgesetz -

ZuInvG) hier: Maßnahmen in Essen – Abschlussbericht,, Ratsvorlage Nr.

0706/2012/6A

[14] Rat der Stadt Essen (2009ff): Investitionspakt (Bund/Länder/Kommunen) zur

energetischen Erneuerung sozialer Infrastruktur zuerst beschrieben in Ratsvorlage

Nr. 0199N/2009/6A

[15] Rat der Stadt Essen: Entscheidung 0374/2012/6A des Rates vom 28.03.2012,

„Stromliefervertrag für den städtischen Stromeigenbedarf der Immobilienwirtschaft

12


durch die Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft EVV - Atomfreier Strom“

(nicht öffentlich)

[16] Rat der Stadt Essen: Entscheidung 1074/2013/6A „Vergabe der Lieferung von

Kälteenergie für das Rathaus Essen, Porscheplatz 1, 45127 Essen, nach

europaweiter Ausschreibung“ (nicht öffentlich)

[17] Stadt Essen (2010): „Krupp Gürtel – Essens neue Seite“

http://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/61/dokumente_7/aktionen/kruppgu

ertel_1/Broschuere_KruppGuertel_2010.pdf

[18] SANAA Gebäude auf Zollverein: http://www.folkwanguni.de/home/hochschule/ueber-folkwang/standorte/standort-zollverein-fachbereichgestaltung/sanaa-gebaeude-zollverein/

[19] Homepage des EnergieSparService Essen: http://www.neue-arbeitessen.de/index.php?id=215

[20] Homepage des Projektes ÖKOPROFIT® Esssen:

http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Oekoprofit.html

[21] Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbrauchrschutz Nordrhein Westfalen

(2012): LANUV-Fachbericht 40: Potenzialstudie Erneuerbare Energien NRW, Teil 1 –

Windenergie, 128 Seiten

[22] Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbrauchrschutz Nordrhein Westfalen

(2013): LANUV-Fachbericht 40: Potenzialstudie Erneuerbare Energien NRW, Teil 2 –

Solarenergie, 168 Seiten

[23] Bernd Eikmeier, Marian Klobasa, Felipe Toro, Gerald Menzler et al. (2011)

„Potenzialerhebung von Kraft-Wärme-Kopplung in Nordrhein-Westfalen“,

Auftraggeber: Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur-und

Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

[24] Homepage des Projektes RWE Thermalbefliegung Essen:

http://www.essen.de/thermografie

[25] Strategieprozess Essen 2030 – Leitprojekt Innovative Urbane Räume Ruhr.

http://www.essen2030.de

[26] Integrierte Stadtteilentwicklung, Programm "Soziale Stadt" in Essen

http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_0116/Soziale_Stadt/Soziale_Stadt_i

n_Essen.html

[27] Transition Town Bewegung Essen mit dem Projekt Gemeinschaftsgärten

Essen, http://gemeinschaftsgartenessen.wordpress.com/

[28] Profilschwerpunkt Urbane Systeme der Universität Duisburg-Essen,

http://www.uni-due.de/urbane-systeme/

13


Themenfeld 12: Integriertes Umweltmanagementsystem

12 A. Gegenwärtige Situation

1. Vision, Strategie

Der nebenstehende Zeitstrahl veranschaulicht die Entwicklung von Organisationen

und Strategien, Leitlinien und Visionen seit 1975 auf dem Weg zu einer

nachhaltigen Stadt.

In den vergangenen 10 Jahren wurden diese Strategien insbesondere durch das

Konzernziel Umweltschutz mit 10 strategischen Teilzielen 1 , den Stadtentwicklungsprozess

Stadtentwicklung Essen Perspektive 2015+“ (STEP 2015+) 2 und

das Integrierte Energie- und Klimakonzept (IEKK) 3 (133 Maßnahmen)

konkretisiert.

Das in der Kulturhauptstadt 2010 4 gelebte Zusammendenken von Kultur und

Umwelt wird im Bundesforschungsprojekt „Klimainitiative Essen – Handeln in

einer neuen Klimakultur“ 5 weitergeführt.

Beispielhaft für die Integration dieser Initiativen und Leuchtturmprojekt für

vernetztes, nachhaltiges Handeln ist das Programm „Freiraum schafft Stadtraum

Essen.Neue Wege zum Wasser“ 6 .Es dient der Entwicklung der Freiflächenstrukturen

und ist zugleich ein Förderprogramm für Langzeitarbeitslose.

Die Internationale Bauausstellung (IBA) Emscher Park (1989 – 1999) und der

Umbau der Emscher von einem offenen Abwassersystem zu einem zu einem

renaturierten Gewässer (bis 2020) sind Beispiele für regionale Zusammenarbeit.

Der Essener Beitrag im Wettbewerb „InnovationCity Ruhr“ 7 zielte auf die Halbierung

der CO 2 -Emissionen eines ruhrgebietstypischen Pilotgebietes mit über

60.000 Einwohnern. Essen wurde durch den Ausrichter des Wettbewerbes, den

Initiativkreis Ruhr 8 , als ‚Finalist‘ gewürdigt.

Visionen, Leitlinien und Leitprojekte werden aktuell in der „Strategie Essen.2030“

gebündelt (siehe Kapitel 12 C).

Sämtliche Visionen, Strategien und Umsetzungsprogramme sind durch

Beschlüsse des Rates der Stadt gestützt und werden von der Stadtverwaltung

umgesetzt. Jedes Umsetzungsprogramm wird durch städtische Eigenmittel und

Förderprogramme (EU, Land, Bund) finanziert 9 .

2. Verwaltung, Überwachung und Bewertung:

Beispielhaft für die Beteiligung der Zivilgesellschaft ist der „Runde Tisch Essener

Umweltverbände und Umweltinitiativen“ (RUTE), 10 der Initiativen gegen

Umweltverschmutzung und Umweltverbände wie NABU, BUND, Greenpeace

oder ADFC vereinigt. Dessen Vorschläge werden von Politik und Verwaltung

regelmäßig aufgegriffen.

Essen nimmt auch aktiv am regionalen Bündnis „Mobilität~Werk~Stadt“ 11 teil, das

als Initiative aus interessierten Bürgern, Politikern Verbänden und Verwaltungen

Strategievorschläge zu umweltfreundlicherer Mobilität im Ruhrgebiet entwickelt.

1


Bei der Erstellung des ersten Lärmaktionsplans 2010 wurde die Bevölkerung über

ein hierfür entwickeltes Online-Tool beteiligt.

Die Anregungen der 65.000 Nutzer wurden aufgegriffen und beantwortet; es

ergaben sich 18 große Maßnahmen, die umgesetzt wurden.

Das Tool wird bis heute nachgefragt. Bei der Aktualisierung der

Lärmaktionsplanung wird diese erfolgreiche Bürgerbeteiligung wiederholt. 12

Auch der aktuelle Strategieprozess „Essen.2030“ findet unter Nutzung

unterschiedlicher Beteiligungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger statt. 13

Essen hat Umweltschutzfragen seit 1997 in einem Dezernat gebündelt, das

effizient vorsorgende und vollziehende Behörden zusammenfasst.

Neben der hierarchischen Struktur 14 werden aufgabenorientierte Projektstrukturen

(siehe unten: klima|werk|stadt|essen 15 16 ) gelebt.

Die Universität Duisburg-Essen, das Haus der Technik 17 und das

Bildungszentrum für die Entsorgungs- und Wasserwirtschaft (BEW) 18 sind

hochkarätige Kompetenzvermittler in Umweltschutzfragen.

Diese werden ergänzt durch das durch die EU ausgezeichnete Studieninstitut

Essen, 19 das umwelt-, verwaltungs- und europarechtliche Kompetenzen

20 21

vermittelt.

Die Volkshochschule Essen hat mit dem Umweltforum 22 eine eigene

Seminarreihe, die auf Kompetenzförderung der Bevölkerung ausgerichtet ist.

Alle Energie-, Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen von Verwaltung,

Konzerntöchtern und der Stadtgesellschaft werden unter der Dachmarke

klima|werk|stadt|essen gesteuert (Abbildung 12.1).

Der Oberbürgermeister leitet das Gesamtprojekt.

Als Controllinginstrumente für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess

werden CO 2 -Monitoring 23 , European-Energy-Award-(eea)-Audits, der

Sustainable–Energy-Action-Plan (SEAP) des Konvents der Bürgermeister und der

jährliche Bilanzbericht IEKK 24 genutzt.

Überwachungsmaßnahmen der Umweltbehörden werden dokumentiert und

über landesweiten elektronischen Datenaustausch den europäischen Behörden

und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Die medienübergreifende Umweltinspektion gemäß „Industrial Emissions

Directive“ wird durchgeführt.

2


Abb.12.1: Organisationsstruktur der klima|werk|stadt|essen (Quelle. Stadt Essen)

3. Führung

Essen ist seit 1982 Vorreiterin in der Beschaffung umweltfreundlicher Güter; zuletzt fand

im März 2011 ein In-House-Seminar „Buy Smart - Grüne Beschaffung“ statt:

Essen beschafft Fahrzeuge mit Erdgasantrieb.

• Waren aus ausbeuterischer Kinderarbeit sind geächtet.

Die Rathausgastronomie kauft Fair-Trade-Produkte 25 .

Leuchtturmprojekt: Fair-Trade-Schule Regenbogenschule 26

Essen erhielt die Sonderauszeichnung als Mehrfachsieger im Wettbewerb

„Recyclingpapierfreundlichste Stadt Deutschlands“. 27

KAKTUS (Kommunales Aktionsprogramm Umwelt und Sport) ist ein Leitprojekt für die

Zusammenarbeit von Umwelt- und Sportbehörde mit dem Essener Sportbund und Grün und

Gruga (ehemals „Grünflächenamt“) 28 29 . Umweltschonende Sportaktivitäten werden

gefördert; Konflikte zwischen Umweltschutz, Naturschutz, Gartenbau und Forstbetrieb und

Sporttreibenden gelöst.

Um Unternehmen bei der Reduzierung ihres Energie- und Ressourcenverbrauchs zu helfen,

hat Essen vor 10 Jahren ÖKOPROFIT ®30 eingeführt. 81 Unternehmen konnten bisher

39.000 t CO 2 und 94 GWh Energie pro Jahr einsparen. Stadteigene Organisationen und

Unternehmen sparten dabei über 1 Mio. €/a.

Essen geht mit der Einführung von EMAS den Weg konsequent weiter. Nach und nach

werden alle städtischen Einrichtungen in das europäische Managementsystem integriert.

Angesichts der polyzentrischen Struktur der Metropole Ruhr wurde 1920 der Siedlungsverband

Ruhrgebiet gegründet, der seit 2004 als Regionalverband Ruhr 31 Marketing- und

Regionalplanungsaufgaben erfüllt. Auch sind Fragen des Wassermanagements nur in

regionaler Zusammenarbeit zu bearbeiten.

3


Mit der Emschergenossenschaft 32 (seit 1899) und dem Ruhrverband 33 (seit 1913)

existieren seit langem Organisationen, mit denen die Stadt Essen eng kooperiert. Im Bündnis

als „Städteregion Ruhr 2030“ hat Essen federführend den Regionalen

Flächennutzungsplan 34 mitentwickelt, der heute das zentrale Steuerungsinstrument in

Raumordnungsfragen darstellt. Mit dem Deutschen Wetterdienst kooperiert Essen in

Klimawandelfragen.

Das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) und die Universität Duisburg-Essen (mit dem

Schwerpunkt „Urbane Systeme“, einem innovativen Querschnittsbereich aus 11 Fakultäten)

sind Partner der Stadt bei der Diskussion neuer räumlicher Strategien und der Klimaagentur

bei der Etablierung einer neuen Klimakultur.

Als Mitglied des Klima-Bündnis nutzt Essen das mit europäischer Unterstützung entwickelte

CO 2 -Monitoring-Tool ECO-Region (Bilanzen seit 2009 mit Basisjahr 1990).

Im Konvent der Bürgermeister wird Essen aktiv durch den Oberbürgermeister vertreten.

Bei EUROCITIES wird sich Essen in den Working Groups aktiv beteiligen.

Anfang 2013 wurde in Essen das Europe Direct Büro eröffnet und Essen die

Landesauszeichnung als europaaktive Kommune 35 verliehen. Ein gelungenes

Kommunikationsbeispiel war die Eröffnungsveranstaltung, bei der internationale

Schülerinnen und Schüler, Stadtverwaltung und lokale, Landes- und Europapolitikerinnen

und –politiker in intensiven Dialog traten.

Die Stadt Essen, Essener Initiativen und Betriebe beteiligten sich bisher an 172 EU-

36 37

Projekten.

Essen liegt in einem der größten Verdichtungsräume Europas; dies bedeutet ein extrem

hohes Verkehrsaufkommen mit den damit einhergehenden Belastungen.

Kohle und Stahl prägten lange Zeit das Gesicht von Stadt und Region. Nachdem diese

Industrien an Bedeutung verloren, führte der Prozess des Strukturwandels hin zum

Dienstleistungs- und Energiewirtschaftsstandort. Obwohl dieser Prozess erfolgreich ist, hat

die Vergangenheit Spuren hinterlassen (Industriebrachen und Altlastenproblematik, sehr

heterogene und sozio-ökonomisch unterschiedliche Stadtteile)

Aufgrund der angespannten Haushaltslage hat Essen nur begrenzte Möglichkeiten, neben

den Pflichtaufgaben das Finanzvolumen für eine wirkungsvollere und schnellere Umsetzung

der existierenden Strategien zu beeinflussen, was ein gewisses Maß an Kreativität

notwendig macht.

4


12.B Umsetzung

Die Stadtverwaltung Essen ist als Konzern organisiert.

Die oberste Führungsebene (Verwaltungsvorstand), wird durch den Oberbürgermeister und

durch den Rat gewählte Geschäftsbereichsvorstände gebildet; ihnen unterstehen die

Fachbereichs- und Werksleitungen.

Abb.12.2: Geschäftsverteilungsplan des Verwaltungsvorstandes der Stadt Essen (Quelle. Stadt Essen)

Städtische Beteiligungsgesellschaften betreuen auch im Umweltbereich ein großes

Aufgabenspektrum. 38 Sie sind über die klima|werk|stadt|essen in die Umsetzung der

Umweltstrategien eingebunden.

Der Rat der Stadt Essen 39 hat für Fragen des Umwelt- und Verbraucherschutzes einen

eigenen Ausschuss eingerichtet.

Die Steuerung der Entscheidungsprozesse zum Erreichen der Umweltvisionen liegt beim

Oberbürgermeister. Gemeinsam mit den Geschäftsbereichen ”Umwelt und Bauen” und

”Planen” und den Beteiligungsgesellschaften werden die ökologischen Visionen

vorangetrieben.

Das Haushaltsvolumen der Stadt Essen beträgt 2013 / 2014 pro Jahr rd. 2,6 Mrd. €.

Die Stadtverwaltung sowie die Eigenbetriebe und Beteiligungsgesellschaften investieren

große Summen für Umweltschutzmaßnahmen.

5


Die folgenden Abbildungen 12.3 a-c bieten eine Übersicht über wichtige Projekte.

Abb.12.3 a: Übersicht über wesentliche Ausgaben für Umwelt- und Klimaschutz (Quelle. Stadt Essen)

6


Abb.12.3 b: Übersicht über wesentliche Ausgaben für Umwelt- und Klimaschutz (Quelle. Stadt Essen)

7


Abb.12.3 c: Übersicht über wesentliche Ausgaben für Umwelt- und Klimaschutz (Quelle. Stadt Essen)

Für laufende Projekte sind ausreichend Finanzmittel vorhanden, mit tendenzieller Steigerung

in den letzten Jahren.

Essen ist Innovationsführerin bei der Beteiligung von Menschen in Online-Beteiligungsverfahren:

Bei der Lärmaktionsplanung (siehe Kapitel 12 A) und der Suche nach

Einsparmöglichkeiten im städtischen Haushalt 40 hat Essen die Potenziale der Bürgerpartizipation

mittels Online-Beteiligung genutzt.

Die Funktion des „Einheitlichen Ansprechpartners“ 41 gemäß Europäischer Dienstleistungsrichtlinie

zeigt Bürgernähe wegen der innovativen, regionalen Kooperation zwischen

den Städten Oberhausen, Duisburg, Mülheim an der Ruhr und Essen.

8


Umweltdaten stehen transparent im Internet. Neben dem klima|werk|stadt|essen-Portal

bietet die Ideen- und Kooperationsbörse 42 , ein BMU-gefördertes Beteiligungsprojekt,

zugleich Sensibilisierung und Lösungsmöglichkeiten.

Der Einsatz von ehrenamtlichen „Klimabotschaftern“, die Kindern die Auswirkungen

menschlichen Handelns auf die Natur erklären 43 , und die, von Kindern gestaltete, Kinderund

Umweltzeitung 44 sind erfogreiche Modelle der Umwelterziehung.

Besondere Sensibilisierungskampagnen : „Deine Stadt. Dein Klima“ 45 , die preisgekrönte

Kampagne „Klimaheldender Essener Verkehrs AG (EVAG) 46 , „Stadtradeln“ 47 ,

Innovative Finanzierungsmodelle sind das Rückgrat vieler Essener Umweltprojekte:

Bürgersolargenossenschaften, über die Klimaagentur eingerichtete Bürgerfondsmodelle,

Contracting, um Energieeinsparungen realisieren zu können, Projektfinanzierung durch die

Essener Stiftung Mercator 48 .

Das „Konjunkturpaket II“ der Bundesregierung ermöglichte es, die Finanzkrise von 2009 zu

überstehen und sonst nicht finanzierbare Energieeinsparmaßnahmen in großem Stil zu

erreichen.

Europäische und nationale Förderprogramme (EFRE, AltBauNeu-, eea- und ÖKOPROFIT-

Landesförderung, Klimainitiative und andere) werden erfolgreich genutzt. (Abbildungen 3a-c,

Rathaus Kältecontracting, Konjunkturpaket II etc).

So wie die Kulturhauptstadt 2010 49 Kultur und Mobilität („Still-Leben A 40“) verband, gilt es

die Vielfältigkeit interdisziplinär zu nutzen und dabei ehrenamtliches Engagement ebenso

wie professionelle Aufgabenerledigung als gleichberechtigt anzuerkennen.

Die Klimaagentur dient hierbei als Bindeglied zwischen den verschiedenen Akteuren der

Stadtgesellschaft.

Die Strategie „Essen.2030“ (siehe Kapitel 12 C) wird die Vielfalt an

Managementinstrumenten (Konzernziel Umweltschutz, IEKK, eea, SEAP, Essen.Neue Wege

zum Wasser) zum integrierten Management zusammenführen.

9


12 C. Zukunftspläne

Ziele der Stadt Essen:

Essen hat kurz- und langfristige Ziele, die die Anforderungen des Grundgesetzes sowie des

Klimaschutzgesetzes NRW konkretisieren:

1.1 Klimaschutzziele

Ziele des Klima-Bündnis

Reduzierung des CO 2 -Ausstoßes um 10% alle 5 Jahre,

Halbierung der pro-Kopf Emissionen bis spätestens 2030 (Basisjahr 1990),

Schutz der tropischen Regenwälder durch Verzicht auf Tropenholznutzung

Ziel des Konvents der Bürgermeister/innen

Die Unterzeichnerstädte des „Konvents der Bürgermeister“ verpflichten sich, die 20/20/20-

Ziele bis 2020 der Europäischen Union zu übertreffen.

Ziele der Bundesregierung

Reduzierung der CO 2 -Emissionen um 40 % bis 2020 (Basisjahr 1990)

Verminderung der CO 2 -Emissionen um 80 % – 95 % bis zum Jahr 2050

(entsprechend etwa 2,5 Tonnen CO 2 -Äquivalent/Einwohner/in).

Ziele der Landesregierung (Klimaschutzgesetz NRW vom 23.01.2013 / Erstes in

Deutschland)

Klimaschutz wird zur Pflichtaufgabe

Ziel: CO 2 -Einsparung um 25 % bis 2020 / Erstellung eines Klimaschutzplanes für NRW

Abb.12.4: Die Klimaschutzziele, zu denen sich die Stadt Essen bekannt hat (Quelle. Stadt Essen)

Die Essener Ziele werden durch die zuvor beschriebene Projektstruktur für die

klima|werk|stadt|essen verfolgt. Die Controllinginstrumente „eea, SEAP und CO 2 -Monitoring“

sind vorhanden und sichern den Erfolg.

1.2 Strategie Essen.2030

In 2012 wurde mit dem Aufbau der Strategie „Essen.2030“ begonnen. Auf der Basis von

SWOT-Analysen, Experten-Workshops und 2-maliger Bürgerbeteiligung wurden die fünf

HandlungsfelderEssen.urban, Essen.erfolgreich, Essen.talentiert, Essen.vielfältig und

Essen.engagiert“ entwickelt, durch die mit Hilfe von Handlungszielen und Leitprojekten die

Stadt zukunftsfähig werden soll:

10


Abb.12.5: Handlungsfelder und Handlungsziele der Strategie Essen.2030 (Quelle. Stadt Essen)

Klimaagentur Essen

Mit der Einrichtung der Klimaagentur konnte die wesentliche operative Einheit der

klima|werk|stadt|essen etabliert werden; mit der vielfältige Aktivitäten zu Energie und Klima

zusammengeführt wurden. Ergebnisse werden dokumentiert und in einem Netzwerk zur

Verfügung gestellt mit dem Ziel, eine neue Klimakultur in der Stadtgesellschaft zu verankern.

Die Klimaagentur schafft, fördert und vermittelt verständlich und neutral Dienstleistungen und

innovative Technologien. Ziel ist es, das Marktgeschehen durch die Stärkung von Angebot

und Nachfrage nach Energiedienstleistungen zu stimulieren.

Intermodale Mobilität

Das Projekt „Intermodale Mobilität“ dient der Vernetzung und Weiterentwicklung urbaner

Mobilitätsangebote. Der ÖPNV ermöglicht Basismobilität und wird erweitert durch die Bausteine

Carsharing (stationsgebundene und Freeflow-Modelle), Bikesharing und Angebote für

Fuß- und Radverkehr. Bestehende Systeme sollen weiterentwickelt, neue Modellansätze

einbezogen und eine Akteursvernetzung angestrebt werden.

Städtische Gebäude

Städtische Immobilien sollen in Zukunft ganzheitlich bewertet und optimiert werden. Hier

spielen die Schulgebäude eine herausragende Rolle. Nach dem „Haus des Lernens“ in

Haarzopf (Passivhaus) und dem „Gymnasium Überruhr“ (Plusenergiehaus) 50 ist Passivhausbauweise

Mindestgebäudeenergiestandard. Unter Berücksichtigung der Inklusion werden

bauliche, energetische und pädagogische Belange aufgegriffen. Die Schule wird zu einem

innovativen und modernen städtischen Bildungscampus von der frühkindlichen Bildung bis

zur Allgemeinen Hochschulreife.

ESSEN.Neue Wege zum Wasser

Das Programm treibt eine Stadtentwicklung voran, mit der neue Lebensqualitäten – auch mit

Arbeitsmarktinstrumenten – geschaffen werden. Mit der Fortführung des Leitprojektes

„ESSEN.Neue Wege zum Wasser“ und in Verbindung mit dem Wohnbauprojekt der Allbau

AG wird am Niederfeldsee gezeigt, wie ein Quartier umgestaltet und aufgewertet werden

kann.

11


Hier entsteht ein See mit Parkanlagen und einem hohen Wohnwert, angebunden an ein

durchgängiges grünes Wegesystem entlang der überregionalen Radwegtrasse „Rheinische

Bahn“.

Abb.12.6: Niederfeldsee (Quelle. Stadt Essen)

Stadtteilerneuerung Altendorf

Ein besonderes Highlight ist der bis heute andauernde Stadterneuerungsprozess in

Altendorf 51 , bei dem mehrere Förderinstrumente (beispielsweise EFRE – Soziale Stadt und

Bundesforschungsmittel zum experimentellen Wohnungsbau /ExWoST) zu einem

ganzheitlichen Ansatz der Stadterneuerung verknüpft wurden.

Das Ziel war die „Neuerfindung“ eines ganzen Stadtteils unter Erhaltung der bestehenden

Einwohnerstruktur. Gleichzeitig wird dieser Stadtteil beispielgebend für an den Klimawandel

angepasste Siedlungsstrukturen sein.

Entscheidend für den Erfolg in der Metropole Ruhr ist die regionale Zusammenarbeit. Unter

dem Slogan „Kooperation und Eigensinn“ initiieren 11 Städte als „Städteregion Ruhr 2030“ 52

gemeinsam räumliche Planungskonzepte wie den Regionalen Flächennutzungsplan (RFNP).

Die Kooperation „Konzept Ruhr“ 53 aus 11 Städten und 3 Kreisen sieht den „Wandel als

Chance“ um in 442 Vorhaben (mobilisiertes Investitionsvolumen 2 Mrd. €, erwartete

Folgeinvestitionen über 6 Mrd. €) die Neuorientierung der Metropole Ruhr zur

prosperierenden, umweltfreundlichen Dienstleistungsregion zu beschleunigen.

Eine wichtige Rolle wird Essen auch bei der für 2022 geplanten und im RVR koordinierten

„Klimaschutz-Expo NRW » RUHR“ des Landes Nordrhein-Westfalen spielen.

Bewerbung um den Titel Grüne Hauptstadt Europas

Die genannten Aktivitäten münden in die vorliegende Bewerbung um den Titel „Grüne

Hauptstadt Europas“. Im Zuge der Bewerbung werden Optimierungspotenziale identifiziert

und der kontinuierliche Verbesserungsprozess unterstützt. Der Rat der Stadt hat dieses

übergreifende Leitprojekt am 20.03.2013 (Ratsvorlage 0617/2013/1A) beschlossen

12


Essen führt weiterhin Informationstage (z.B. „Essen KlimaMobil“ im Juli 2013) und

Fachkonferenzen (Klimainitiative Essen) durch. Die Fachexperten der Stadtverwaltung sind

zukünftig neben Klima-Bündnis e.V. auch bei EUROCITIES als europäischem Städtebündnis

tätig.

Die frühzeitige Heranführung an Umweltfragen ist Zukunftsaufgabe der Bildungskultur:

Klimabotschafter, Kinder- und Umweltzeitung, Agendaschulen, Fair-Trade-Schulen werden

ausgebaut.

Grundsätzlich werden Entscheidungen in einem breiten Konsultationsprozess gestaltet.

Beispiele sind Online-Beteiligungen zu Finanzfragen und zum Lärmaktionsplan. Zur

Sicherung von Naturschutzgebieten werden in Workshops vor Ort Lösungen erarbeitet.

(Kamptal 54 ), ebenso zu Verkehrsfragen (Verkehrskonzept Essen-Werden)

Mit der Kulturhauptstadt RUHR.2010 haben wir gezeigt, dass wir an die verändernde Kraft

von Kultur glauben.

Kultur ist wesentlicher Faktor der Nachhaltigkeit und in der „Klimainitiative Essen – Handeln

in einer neuen Klimakultur“ 5 wie auch in vielen Nachhaltigkeitsprojekten (Agendaschulen)

Teil der Schaffung von Bewusstsein durch Kultur.

Somit ist die kulturelle Weiterentwicklung nachhaltig in die Zukunftsstrategien der Stadt

Essen eingewoben.

12 D. Hinweise

Dokumente, auf die über Internet-Links hingewiesen wird, sind auch in gedruckter Version

oder als pdf abrufbar.

B1 Der Abschlussbericht "KP II - Investition Zukunft" kann als Druckversion zur Verfügung gestellt

werden

B2 Die Vorlage BVA Nr. 1074/2013/6A vom 18.07.2013 kann als Druckversion zur Verfügung gestellt

werden

Z1 Sonderausgabe „10 Jahre Umweltamt“, Mai 2004, kann als Druckversion zur Verfügung gestellt

werden

Z2 Pressemitteilung vom 13.04.1978 (Westdeutsche Allgemeine Zeitung), kann als pdf zur Verfügung

gestellt werden

Z3 Ratsbeschluss zum Beitritt zu Klima-Bündnis, kann als pdf zur Verfügung gestellt werden

Z4 Ratsbeschluss zur Einrichtung des Ausschusses für Gesundheit und Umwelt, kann als pdf zur

Verfügung gestellt werden

Z5 Beschluss zur Einrichtung des Dezernates für Gesundheit, Umwelt und Grünflächen, kann als pdf

zur Verfügung gestellt werden

Z6 http://www.agenda-forum-essen.de/99.html

1 Die Vorlage „Konzernziel Umweltschutz“ kann über http://ris.essen.de/recherche-input.do Eingabe der

Vorlagen-Nr.: 0794/2006/6A im Ratsinformationssystem der Stadt Essen abgerufen werden

13


2 Stadtentwicklung Essen Perspektive 2015+: Darstellung des umfassenden Stadtentwicklungsprozesses

STEP 2015+:

http://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/61/dokumente_7/aktionen/step2015/Broschuere_St

adtentwicklung_Essen.pdf

3 Die folgenden Vorlagen können über http://ris.essen.de/vorlagen-input.do abgerufen werden:

Beschluss des IEKK: http://ris.essen.de/vorlagen-input.do Eingabe Vorlagen-Nr.: 0226/2009/1A

Bilanzbericht IEKK 2012: http://ris.essen.de/vorlagen-input.do Eingabe Vorlagen-Nr.: 1911/2012/1A

Aktueller Beschluss des Rates der Stadt zum Maßnahmenprogramm 2013-2020 Link zum RIS:

http://ris.essen.de/vorlagen-input.do Eingabe Vorlagen-Nr.: 1238/2013/1A

4 Kulturhauptstadt: http://www.essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/programm-2010.html

https://portal.stadt.essen.de:50000/irj/portal

5 http://klimainitiative-essen.blogspot.de/ oder http://www.klimawerkstadtessen.de

6 [Zitat aus Endnote 2:STEP 2015+ Seite 33]

7 InnovationCity Ruhr: http://www.icruhr.de/index.php?id=132 oder

http://www.essen.de/de/meldungen/pressemeldung_196289.html

8 Initiativkreis Ruhr: http://www.i-r.de/

9 Siehe auch: Kapitel 12B, Tabellen 3a-c

10 Runder Umwelttisch Essen, Homepage der Initiative: http://www.umwelttisch.de/

11 Insbesondere: AG 12 und AG 13 der Veranstaltung 2013:

http://mobilitaetwerkstadt.de/5-mws-in-gladbeck-gemeinsam-neue-wege-der-mobilitatentwickeln/dokumentation/

12 Seite des Dienstleisters der die Online-Konsultation in Essen begleitet hat:

http://www.zebralog.de/laermaktionsplanung_essen

Präsentation zum Vorgehen:

http://www.dhv-speyer.de/HILL/Tagungen/Tagungen-

2010/B%C3%BCrgerInnen_Stadt/Folien/Lindloff%20Onlinebeteiligung%20LAP%20Tagung%20Rolle

%20B%C3%BCrger%2016.04.2010_3.pdf

13 http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Ordner_0116/essen2030/modul_3a.html

14 Siehe Kapitel 12B Abbildung 2

15 siehe Endnote 3

16 siehe Endnote 3

17 http://www.hdt-essen.de/#{2}

18 http://www.bew.de/ueber-uns/bildungsstaette-essen.html

19 http://www.essen.de/de/Rathaus/Aemter/Studieninstitut/Studieninstitut_Startseite.html

20 http://www.essen.de/de/Rathaus/europa/bildungsstandort/eu_seminare.html

21 http://www.essen.de/de/Rathaus/europa/auszeichnungen/preise___auszeichnungen.html;

http://www.essen.de/de/Rathaus/europa/bildungsstandort/bildungsstandort_1.html

22 http://vhs-programm.essen.de/webbasys/index.php?kathaupt=11&knr=132.3E007L

14


23 CO 2 -Monitoring 2012: http://ris.essen.de/vorlagen-input.do Eingabe Vorlagen-Nr.: 1653/2012/6A

24 Siehe Endnote 3

25 http://ris.essen.de/recherche.do Eingabe Vorlagen-Nr.: 0462/2012/1A

26 http://www.regenbogenschule.essen.de/

27 http://www.dgap.de/dgap/News/dgap_media/goettingen-ist-recyclingpapierfreundlichste-stadtdeutschlands/?companyID=370956&newsID=733104

28 http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Kaktus.html

29 http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Kaktus_Charta.html

30 www.essen.de/de/Leben/umwelt/Oekoprofit.html

Ökoprofit in Essen: Broschüre zu 10 Jahre Ökoprofit in Essen

http://www.essen.ihk24.de/linkableblob/1020052/.5./data/oekoprofit_bilanz_04_essendata.pdf;jsessionid=C965766DB5E2B07D693D3BC2B7E7D64E.repl

31 www.rvr-online.de/ http://de.wikipedia.org/wiki/Regionalverband_Ruhr

32 http://de.wikipedia.org/wiki/Emschergenossenschaft

www.eglv.de/emschergenossenschaft.html

33 http://de.wikipedia.org/wiki/Ruhrverband

http://www.ruhrverband.de/home/

34 http://www.staedteregion-ruhr-2030.de/cms/regionaler_flaechennutzungsplan.html

35 http://www.essen.de/de/Rathaus/europa/auszeichnungen/preise___auszeichnungen.html

36 http://www.essen.de/de/Rathaus/europa/eu_projekte/eu_projekte_1.html

37 http://www.essen.de/de/Rathaus/europa/eu_projekte/eu_projekte_1.html Link: Liste Essener EU-

Projekte anklicken

38 Eine Liste der Beteiligungsgesellschaften kann auf Wunsch zusammengestellt werden

39 http://www.essen.de/de/Rathaus/Rat/RatderStadt.html

40 „Essen kriegt die Kurve“ http://www.essen-kriegt-die-kurve.de/

41 http://www.unternehmensservice-ruhr-west.de/de/startseite/index.html

42 http://www.klimawerkstadtessen.de/startseite/detailseite-nachricht/browse/1/article/ideen-undkooperationsboerse-stoesst-auf-grossesinteresse.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=19&cHash=179cd3394204808102178ba3a310e95e&no_c

ache=1&sword_list%5B0%5D=kooperationsb%C3%B6rse

43 http://www.essen.de/de/Leben/umwelt/Klima/Klimabotschafter_in_Essen.html

44 Die Zeitung kann zur Verfügung gestellt werden.

45 Siehe Endnote 3

46 http://www.klimahelden.de/

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47 www.stadtradeln.de und http://www.klimawerkstadtessen.de/startseite/detailseitenachricht/article/essener-stadtradeln-endet-

auch-in-diesem-jahrerfolgreich.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=133&cHash=b57532df85980fa111850d4a96e550c2&no_

cache=1&sword_list%5B0%5D=stadtradeln

48 Stiftung Mercator: http://www.stiftung-mercator.de/startseite.html

49 Siehe Endnote 4

50 Der Abschlussbericht Gymnasium Überruhr kann als Druckversion zur Verfügung gestellt werden

51 Stadtumbau Altendorf: Präsentation zum Projekt:

http://wohnungsmarktbeobachtung.de/kommunen/erfahrungsaustausch/arbeitsgruppen/agkonzepte/protokolle/quartiersbezogene-handlungskonzepte-ag-konzepte-14.11.2012/pdf-datei-beitragessen

Weitere Broschüren zu Teilthemen stehen zur Verfügung.

52 http://www.staedteregion-ruhr-2030.de/cms/index.php

http://www.staedteregion-ruhr-2030.de/cms/regionaler_flaechennutzungsplan.html

http://www.staedteregion-ruhr-2030.de/cms/masterplan_ruhr.html

53 http://www.konzept-ruhr.de/konzept-ruhr.html

http://www.konzept-ruhr.de/konzept-ruhr/wandel-als-chance.html

http://www.konzeptruhr.de/fileadmin/user_upload/metropoleruhr.de/Konzept_Ruhr/Veroeffentlichungen/Konzept_Ruhr_un

d_Wandel_als_Chance_-_Statusbericht_2011-2012.pdf

54 Die Dokumentation zur Konsensfindung zum Schutz eines Buchenwäldchens kann bereitgestellt

werden.

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